Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps15

von Jörg » 08.12.2018 13:04

Erläuterungen und Kernworte

Wie der Holzwurm sich sehr weich anfühlt, aber ein so scharfes Gebiss hat, dass er sich an das harte Holz wagt und es zermalmt und verzehrt, so lässt sich auch der Wucherer , dieses Untier in Menschengestalt, zuerst gar sanft an; aber nach und nach wird er dich mit seinen scharfen Zähnen verschlingen, Fleisch und Knochen und alles, wenn du nicht auf deiner Hut bist. Er schützt vor, dass er dir helfen wolle; aber er will dir nur von dem helfen, was du noch hast. Denn wie der Efeu die Eiche gleich eitlem zärtlichen Liebhaber umarmt, dabei aber emporwächst, bis er die Eiche überholt hat, und ihr Saft und Kraft aussaugt, dass sie nicht mehr wachsen noch gedeihen kann, so umschlingt auch der Wucherer den Schuldner, um sich an ihm zu bereichern und ihn völlig auszusaugen, dass er später nie wieder aufkommen und gedeihen kann. Der Wucherer spielt mit dem Schuldner, wie die Katze mit der Maus. Der Wucherer ist dem Entlehner zu Gefallen; aber seine Gefälligkeit bringt diesen um, und daran hat er seine Herzensfreude. Der listige Fuchs schleicht sachte, er kriecht auf dem Boden und macht viele Umwege, bis er die Beute hat; dann verzehrt er sie. Der Wucherer macht viele artige Redensarten, gibt schöne Besprechungen und heuchelt große Freundlichkeit, bis du in seinen Händen bist; dann drückt und foltert und verschlingt er dich. Der Wucherer lauert auf die Armen, er bereichert sich an der Not seiner Mitmenschen, er kleidet sich mit dem Kleid der Nackten, mästet sich an dem Brot der Hungrigen und verschlingt seinen dürftigen Bruder, wie die großen Tiere die kleinen. Darum gibt es, wie der Kirchenvater Ambrosius († 397) sagt, keine größere Unmenschlichkeit und Grausamkeit, keine größere Niederträchtigkeit und Ungerechtigkeit als den Wucher, wie auch Chrysostomus († 407) und Basilius der Große († 379) in den schärfsten Ausdrücken wider diese Sünde zeugen. Richard Turnbull 1606.

Er, der gesagt hat: Es soll kein Bettler (d. h. kein Bettelarmer) unter dir sein (5. Mose 15,4), hat auch gesagt: Es soll kein Wucherer unter dir sein. Gibt es Wucherer in Israel, so gibt es auch Bettler; denn Wucherer machen Bettler, gerade wie die Advokaten Prozessierer. -- Wohl dem, der auf dem Sterbebett zu seinen Kindern redlich sagen kann: Ich hinterlasse euch mein Eigentum. Der Wucherer müsste sagen: Ich hinterlasse euch fremdes Gut. Darum kann der Wucherer nicht im Frieden sterben; denn wenn er stirbt, ohne sein Unrecht eingesehen und nach Kräften wieder gutgemacht zu haben, stirbt er in seinen Sünden. Henry Smith † 1591.

Solch "beißende" Wucherer waren in der Kirche der ersten Zeiten so verabscheut, dass man nicht nur jeden, der Wucher trieb, in den Bann tat, sondern auch die Schreiber, welche die Schuldscheine aussetzten, und solche, die als Zeugen in derartigen Rechtshändeln auftraten, aller Wohltaten der Kirche verlustig erklärte. Alle von solchen Leuten geschriebenen Vermächtnisurkunden sollten ungültig sein. Das Haus des Wucherers nannte matt domus Satanae, ein Teufelshaus. Man verordnete, dass niemand mit einem Wucherer essen und trinken, noch Feuer bei ihm holen dürfe. Starben sie, so war ihnen ein christliches Begräbnis versagt. John Weemse 1636.

Und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen. Fürwahr, dies ist scala inferni , der gerade Weg zur Hölle: habsüchtig sein, Geschenke nehmen und das Recht verkehren. Wenn ein Richter mich um den Weg zur Hölle fragte, so würde ich ihm diesen wiesen: Er möge erstens ein habsüchtiger Mensch sein, er lasse sein Herz durch die Geldgier vergiften. Dann gehe er einen Schritt weiter und nehme Bestechung an. Endlich fälle er ungerechte Urteile. Seht, da habt ihr Mutter und Tochter und Tochterstochter. Habsucht ist die Mutter; sie erzeugt die Bestechlichkeit, und diese die Rechtsverdrehung. Es bleibt noch eins übrig, das vierblättrige Kleeblatt voll zu machen. Das sollte, so wahr mir Gott helfe, wenn ich Richter wäre, ein hangum tuum 2, eine Tyburne - Halskrause (d. h. ein Henkerstrick) sein. Hugh Latimer, Bischof und Märtyrer, † 1555.

Ich komme nun zu den schlechten Juristen und Rechtsanwälten, die so oft Geschenke nehmen wider den Unschuldigen , indem sie die Verteidigung solcher Rechtsfälle übernehmen, von deren Schlechtigkeit und Ungerechtigkeit sie in ihrem eigenen Gewissen überzeugt sind. Diese Sünde ist unter den Verteidigern so weit verbreitet, dass nur wenige sich ein Gewissen daraus zu machen scheinen. Es ist ihnen alles Fisch, was in ihr Netz kommt. Darum tut es Not, dass man die Advokaten mahne, solche Worte der Schrift zu beherzigen. D. George Downame 1604.

Wer das tut. Es steht nicht da: wer dies und das bekennt oder für wahr hält; oder wer diese und jene religiöse Meinung oder Art des Gottesdienstes hat; oder wer viele Predigten hört oder viel von frommen Dingen redet; nicht einmal, wer viel predigt und betet, oder wer viel an die vorher genannten Dinge denkt und es wohl meint; sondern: wer das tut, wer tatsächlich im Leben diese Tugenden (V. 2) ausübt und diese Laster (V. 3-5) meidet, -- der ist ein wirklich frommer Mann und wird wohl bleiben. Es ist, sage ich, nicht der äußerliche Bekenner, oder der Eiferer für das sola fide (allein durch den Glauben), oder der begeisterte Anhänger von dieser oder jener Meinung, oder der in den Lüften schwebende Vollkommenheits - Schwärmer, nicht der regelmäßige Hörer oder mächtige Redner oder eifrige Lehrer oder "begabte Bruder" oder einer, der "das Beste will", der hier durchkommt; sondern einzig der redliche und aufrichtige Täter des Willens Gottes wird die Feuerprobe bestehen, wenn alle die andern schimmernden Vorwände von den alles durchdringenden Flammen gleich Heu und Stoppeln werden verbrannt und verzehrt werden. Christi Uniform zu tragen und ihm nicht zu dienen, ist nichts anderes, als ihn gleich Judas mit einem Kuss zu verraten, gleich den rohen Kriegsknechten die Knie vor ihm zu beugen und unterdessen sein heiliges Haupt mit dem Zepter von Rohr zu schlagen, oder gleich Pilatus ihn mit Dornen zu krönen, ihn zu kreuzigen und über das Kreuz zu schreiben: Der König der Juden, -- kurz gesagt, ihn mit unsern Ehrenbezeugungen zu kränken und mit unsern Huldigungen zu verwunden. Ein christliches Bekenntnis ohne einen entsprechenden Wandel ist so weit davon entfernt, jemand selig zu machen, dass es vielmehr seine Verdammnis steigern wird an jenem Tage der Enthüllung alles Verborgenen, wo verstellte Freundschaft als die allerschlimmste Feindschaft wird angesehen werden. Eine bloß äußerliche Frömmigkeit ist im besten Falle ein Prometheus-Opfer von Knochen, ein frommer Betrug. Ein harmloses Gemüt, das "niemand was zuleide tut", ein bloßes Wohlmeinen genügt nicht, eines Menschen geistlichen Zustand zu bewähren, seine Verpflichtungen als erfüllt und seine Erwartungen als berechtigt darzutun. Denn er, der uns mahnt, das Arge zu hassen (Röm. 12,9), fügt alsbald hinzu, dass es gelte, dem Guten anzuhangen. Die Unterlassung großer Sünden wird die Unterlassung großer Pflichten nicht entschuldigen. In dem geschäftigen Reich der Bienen wird die stachellose Drohne, wiewohl sie keine Waffe hat, mit der sie Unheil stiften könnte, doch mit Fug und Recht aus dem Stock entfernt, weil sie nebst dem Stachel auch des Werkzeugs zum Schaffen und Wirken entbehrt. D. Adam Littleton † 1694.

In unsern Tagen vermögen viele herrlich zu reden von Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit, bei denen trotzdem weder aufrichtiges Handeln, noch rechtschaffene Gerechtigkeit, noch unbestechliche Wahrhaftigkeit zu finden ist. Viele können sagen, dass Verleumdung eine Sünde, seinem Nächsten Arges zu tun ein Unrecht, Afterreden anzunehmen eine Lieblosigkeit sei, dass es dem Christen nicht zieme, den Gottlosen zu schmeicheln, dass Versprechungen zu brechen oder einen Eidschwur zu verletzen unverantwortlich sei, dass Geld aus Wucher zu leihen seinen Mitmenschen berauben heiße und Bestechung wider den Unschuldigen anzunehmen unmenschliche Grausamkeit sei; -- aber sie selber verleumden und schädigen ihre Nachbarn, sie glauben jedes Gerücht, das ihnen hinterbracht wird, sie schmeicheln und schwänzeln den Gottlosen, wo es ihnen Vorteil bringt, sie schwören leichtfertige und falsche Eide um Gewinnes willen, sie bedrücken durch Wucher und lassen sich bestechen wider den Unschuldigen; mit einem Wort gesagt, sie reden vom Guten, aber sie tun es nicht. Ja, wenn es sich ums Reden oder Predigen handelte, dann würde, nebst vielen andern gottlosen Leuten, die von der Tugend predigen können, auch Bileam einen sichern Platz in Gottes Hütte haben; denn er konnte sagen: Wenn mir Balak sein Hans voll Silbers und Goldes gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des Herrn, meines Gottes, Kleines oder Großes zu tun (4. Mose 22,18). Dennoch nahm er Geschenk an, dennoch ließ er sich von der Habsucht verführen, mit wahrhaft satanischer List den Versuch zu machen, Israel, das Volk des Herrn, ins Verderben zu stürzen (Vergl. 4. Mose 25 mit 31,16.) Richard Turnbull 1606

Homiletische Winke

V. 1.
Die Eigenschaften, welche für solche erforderlich sind, die Glieder der Gemeinde Gottes auf Erden und im Himmel sein wollen. Eine Frage zur Selbstprüfung.
Das heilige Zelt ein Bild der Gemeinde Gottes 1) Hier wie dort Gottes Gegenwart, Opfer, Heils- und Gnaden- Mittel (Äußerlich unscheinbar, drinnen Herrlichkeit.) 2) Hier wie dort ein Fortschreiten von dem Wandelbaren zum Beständigen: Wandern - Wohnen. 3) Hier wie dort die gleichen Bedingungen des Zutritts: V. 1-5. Man kann dazu auch die Gesetzesbestimmungen über die Priester heranziehen.
Die große Frage -- aufgestellt von müßiger Neugierde, von der Verzweiflung, von heiliger Furcht, von ernstlich suchenden Seelen, von solchen, die durch den Fall anderer beunruhigt sind, und von heiliger Glaubenszuversicht Man gebe jedem die ihm gebührende Antwort.
Schilderung des wahren Zionsbürgers.
Inwieweit ist das Begehren, zu wissen, wer die wahren Heiligen seien, erlaubt und nützlich?
Gott der einzige unfehlbare Beurteiler darüber, wer zu den Seinen gehöre.
V. 2.
Wer ist ein ganzer Christ? 1) Wem es ganzer Ernst ist, auf dem schmalen Weg nach Gottes Wort zu wandeln, nicht der Welt zu folgen 2) Wer nach dem Ziele von ganzer Seele trachtet: Ihr sollt vollkommen sein (Mt. 5,48) Ein ganzes Leben, nicht zwischen Gott und Welt geteilt, Gegenstand des täglichen Ringens und Flehens 3) Ganz aus Gottes, nicht aus eigner Kraft rechtschaffen = geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken (Eph. 2,8-10). Eine neue Kreatur (2.Kor. 5,17); sonst bleibt es Stückwerk und Flickwerk.
Redet die Wahrheit in seinem Herzen (Grundt.) Thema: Herzensfalschheit und Herzenswahrheit.
Des Zionsbürgers Wandel, Werk und Wort.
V. 1-2.
Der Gast- und Hausgenosse Gottes 1) Sein makelloser Wandel; 2) sein nach Gottes Willen gerichtetes Handeln; 3) seine wahrheitsliebende Denkungsart. Nach Prof. Franz Delitzsch † 1890.
V. 3.
Das Übel der Verleumdung. Es schadet allen dreien, dem Verleumder, dem unter der Schmach seufzenden Nächsten und dem, der die Schmähung aufgreift und weiterträgt.
Die Unnatürlichkeit der Sünde, dem durch die Bande des Blutes oder der Freundschaft und Gemeinschaft Verbundenen Böses zu tun.
V. 4.
Die Pflicht, solche, die den Herrn fürchten, durch die Tat -- durch Ehrerbietung, herzliche Empfehlung an Mitchristen, Hilfeleistung, Nacheiferung usw. -- zu ehren.
Es ist eine Sünde, die Menschen nach andern Dingen als den in ihrem Leben hervortretenden Merkmalen ihres Charakters zu schätzen.
V. 4c.
Die Heiligkeit der Versprechungen.
V. 5.
Die Kennzeichen und die Vorrechte gottseliger Menschen.
V. 5c.
Die Gottesfürchtigen die einzigen, die ewiglich nicht wanken (Grundt.). Vergl. Joh. 2,17.


Fußnoten
1. Diese Bilder, die sich an die engl. Übersetzung aufrichtig (aufrecht) anschließen, würden passen, wenn nicht , sondern stünde. Vergl. z. B. Pred. 7,29 (30). Das hier gebrauchte schließt zwar Aufrichtigkeit, Redlichkeit ein, geht aber nicht von dem Begriff des Geraden, sondern des Ganzen, Völligen aus. Es wird dann auch von den Opfertieren gesagt, die ohne Fehl sein mussten, daher Luthers Übers. ohne Wandel (d. h. ohne Fehler und Gebrechen, revid. Übers. ohne Tadel) richtig ist. Immerhin mag beachtet werden, dass das hier nachdrucksvoll an die Spitze gestellte nicht etwas Negatives, sondern Positives aussagt. Wer sich ganz und völlig Gott hingibt (vergl. z. B. 1. Mose 17,1) und daher auch gegenüber den Menschen mit ganzer Entschlossenheit und Treue das Gute tut, der wandelt .

2. Scherzhafte Latinisierung von hängen. -- Tyburne ein alter Richtplatz in London.

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps15

von Jörg » 04.12.2018 18:28

Erläuterungen und Kernworte

V. 4. Wer die (von Gott) Verworfenen verachtet, ehret aber die Gottesfürchtigen. Als der gottlose König Joram von Israel in Begleitung des rechtschaffenen Königs Josaphat von Juda zu dem Propheten Elisa kam, um den Herrn durch ihn zu fragen und Wasser zu erbitten, zeigte der Prophet seine Verachtung gegen den einen und seine Ehrerbietung gegen den andern, indem er sagte: So wahr der Herr Zebaoth lebt, vor dem ich stehe, wenn ich nicht Josaphat, den König Judas, ansähe, ich wollte dich nicht ansehen noch achten (2.Kön. 3,14). Auch das ist ein Ehren der Gottlosen, wenn man gegen ihre bösen Taten ein Auge zudrückt und sie so in ihrem Unrecht bestärkt, oder wenn man vor ihnen kriecht, ihnen schmeichelt und sie rühmt, wo sie Tadel verdienen. Dies alles ist eine schwere Sünde, wider die der Prophet Jesaja (5,20) den Fluch verkündet: Weh denen, die Böses gut und Gutes böse heißen, die ans Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen! Richard Turnbull 1606.

Bei Albrecht Bengel († 1752) war einst ein eben nicht gar frommer Dekan auf Besuch, als ein christlicher Bruder von geringem Stande ins Zimmer trat. Bengel ging dem Manne freundlich entgegen, grüßte und küsste ihn und wandte sich hierauf an den Dekan mit den Worten: ".....sondern ehret die Gottesfürchtigen" die Ergänzung des Vordersatzes (Wer die Gottlosen nichts achtet) ihm überlassend. J. Chr. F. Burk † 1880.

Wer mit kränkendem Wort hinterrücks den Nächsten verlästert,
Weile, wo ihm es beliebt; doch diesem Tisch bleibe er fern.
Über Augustins Tisch geschrieben, nach Posidonius.

Als John Foxe († 1587) gefragt wurde, ob er sich eines gewissen armen Dieners am Wort erinnere, dem er in einer Notlage geholfen habe, antwortete er: Ja, ich erinnere mich sein gar wohl. Ich will’s euch sagen: Ich vergesse Grafen und Gräfinnen über solchen. John Trapp † 1669.

Auch wenn gottesfürchtige Leute uns in der einen oder andern Weise kränken oder uns unrecht tun, sollen wir sie dennoch ehren und nicht geringschätzig behandeln. Ein leuchtendes Vorbild gab darin Calvin. Luther und die Reformierten waren sehr verschiedener Ansicht über die Art und Weise, wie Christus im heiligen Abendmahl gegenwärtig sei, und Luther, der leicht aufbrauste, schrieb in heftiger Weise gegen die, welche es in diesem Stück anders hielten als er. Dies veranlasse einige, die enger in die Sache verwickelt waren, eine Antwort an Luther vorzubereiten. Als Calvin es vernahm, fürchtete er, sie würden, durch Luthers Schärfe gereizt, diesem Gleiches mit Gleichem vergelten, und schrieb darum an Bullinger, den Nachfolger Zwinglis: "O Bullinger, ich beschwöre Euch, daran zu denken, was für ein großer Mann Luther ist und welche außerordentlichen Gaben ihn auszeichnen. Bedenket, mit welcher Seelenstärke, mit welch unerschütterlicher Beharrlichkeit, mit welcher Kraft er bis auf diesen Tag durch seine Lehre so glücklich gekämpft hat, um das Reich des Antichrists zu stürzen, und zugleich bemüht gewesen ist, die Lehre des Heils zu verbreiten. Ich habe es schon oft gesagt, und wiederhole es wieder, dass, wenn er mich auch einen Teufel schelten sollte, ich ihn doch immer ehrfurchtsvoll als einen großen Diener Gottes anerkennen würde." Christopher Cartwright † 1658.

Wer ihm selbst zum Schaden schwöret und hält’s:

Sein Wort ist Brief und Siegel, ein Götterspruch sein Eid,
Aufrichtig seine Treu, sein Sinnen unbefleckt.
Aus lautern Herzens Quell entströmen seine Tränen.
Dem Trug ist fern sein Sinn, wie von der Erd’ der Himmel.

Nach William Shakespeare † 1616.



V. 5. Die puritanischen Gottesgelehrten eifern fast ohne Ausnahme dagegen, dass man irgendwie auf verliehenes Geld Zinsen nehme, und ergehen sich lang und breit darüber, dass eins vom Hundert im Jahr zu nehmen schon genüge, den, der darin beharre, vom Himmel auszuschließen. Es scheint mir keinen Nutzen zu haben, diese Ansichten weiter anzuführen, die ich nicht teilen kann, umso mehr, als es den Raum für Besseres wegnehmen würde. Übermäßige, die Armen auf reisende Zinsen zu fordern, ist verabscheuungswürdiges Unrecht: dagegen verstößt es nicht gegen das Gebot der Liebe, in einem vom Handel lebenden Volke, wie dem unsern, die gewöhnlichen, allgemein üblichen Zinsen zu nehmen. Die Juden trieben (wenigstens bis auf Salomos Zeit) keinen Handel, sondern lebten vom Ackerbau auf dem väterlichen Erbe. Es konnte also nur durch besondere Not jemand dazu geführt werden, ein Darlehen aufzunehmen. In solchen Fällen würde auch der geringste Zinsfuß schon wucherisch gewesen sein. Darum verbietet das Gesetz es dem Israeliten aufs strengste, von seinen Volksgenossen Zinsen zu nehmen. (2. Mose 22,24; 3. Mose 25,35-38; 5. Mose 23,20; vergl. Spr. 28,8; Hes. 18,8.) Diese Gesetzesvorschriften setzen alle den Fall des Geldleihens aus Verarmung voraus. Dagegen den Fremden, die sich meist nur als Handelsleute im Lande aufhielten, durften die Israeliten Geld um Zinsen leihen (5. Mose 23,21), weil in der Handelswelt das Geld ein Mittel des Gewinnes ist und so der Darleiher ein Recht hat an einen Teil dessen, was damit gewonnen wird. Ein Darlehen an jemand, der nicht Handelsmann ist, zu dem Zweck, ihm das Überstehen einer Zeit des Mangels zu ermöglichen, ist eine ganz andere Sache. C. H. Spurgeon 1869.

Bezeichnend ist, dass das hebräische Wort für Wucher oder Zins von einem Wurzelwort beißen kommt: Es sind solche Zinsen, durch die der Arme gequält und ausgesogen wird. Ähnlich ist es im Aramäischen und Arabischen. Auch der römische Dichter Lukanus († 65) nennt den Wucher gefräßig. In Neh. 5 finden wir ein bemerkenswertes Beispiel, was für traurige Wirkungen die hartherzige Ausbeutung der Rechte des Gläubigers gegenüber dem Schuldner hat. Die Juden hatten zum großen Teil nicht nur ihre Äcker, Weinberge und Häuser verpfändet, sondern sogar ihre Söhne und Töchter in Knechtschaft verkaufen müssen, um die Forderungen ihrer unbarmherzigen Gläubiger zu befriedigen. Und diese waren ihre Volksgenossen, ihre Brüder! In dieser Notlage nahm sich Nehemia aufs kräftigste der Sache der Armen an und drang in die Reichen, wider die er eine große Gemeine zusammenbrachte, die ganzen durch die Not der Zeit entstandenen Schulden zu erlassen. Ja er forderte ihnen einen feierlichen Eid ab, dass sie auch in späterer Zeit ihre armen Brüder nie wegen jener Schulden bedrücken würden. George Bush 1856.

Diese Sünde ist so niederträchtig, dass schon das Wort Wucher überall verabscheut wird. Aber schlaue Menschen haben für dieselbe Sache andere Namen erfunden, die nicht einen so schlechten Klang haben und unter denen sie das Laster verbergen können. Auf diese listige Weise plündern viele ihre Mitmenschen noch grausamer aus, als wenn sie offen und ohne Rückhalt ihr Geld auf Wucher leihen würden. Gott aber kann man mit Sophistereien (Worttäuschereien) und falschen Vorwänden nicht hinters Licht führen. Er sieht die Dinge, wie sie sind. Lasst uns denn eingedenk sein, dass jeder Handel, möge er einen Namen haben wie immer, bei dem der eine Teil darauf ausgeht, zum Schaden des andern Teiles Gewinn zu machen, durch dieses und andere Worte Gottes verurteilt wird. Niemand bilde sich ein, dass irgendetwas erlaubt sein könne, was einen andern schädigt. Wäre die Regel der Gerechtigkeit, welche Christus Mt. 7,12 vorschreibt: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch" uns ins Herz gegraben, so brauchte es nicht langer Erörterungen über das, was Wucher und dergleichen, oder überhaupt, was recht und unrecht sei. Johann Calvin † 1564.

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps15

von Jörg » 29.11.2018 15:53

Erläuterungen und Kernworte

Merke aber hier, dass der Prophet sagt: Wer Gerechtigkeit schaffet oder wirket; er saget nicht, wer Gerechtigkeit redet, denket und höret, darum, weil nicht die Hörer, sondern die Täter des Gesetzes sollen gerechtfertiget werden. Was sind wir aber andern Leuten zu tun schuldig? Das, was Christus saget in dem 7. Kap. Mt. V. 12. Was ihr wollet, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen, nämlich auch euren Feinden. Nach diesen Worten sollen wir niemand Schaden, keinem Böses mit Bösem vergelten, denen, die Unrecht leiden, helfen, jedermann Gutes tun. Jedoch, wie ich gesagt habe, hat der Prophet damit seine Absicht mehr darauf gerichtet, dass man dabei nicht auf die Person und auf das äußerliche Werk bloß sehen solle. Als wollte er sagen: Nicht deswegen, weil du ein Priester oder ein heiliger Mönch bist, nicht deswegen, weil du viel betest, weil du Wunder tust, weil du vortrefflich lehrest, weil du mit dem Titel eines Vaters prangest; und endlich um keines einigen Werkes willen, außer der Gerechtigkeit , wirst du wohnen auf dem heiligen Berge Gottes. Wo dir diese fehlet, werden dir alle andere Werke nichts nütze sein, weder der Ablass, noch Heiligsprechung, noch die Fürbitten der Heiligen. Es bleibt dabei: Wer ohne Wandel einhergehet und die Gerechtigkeit tut, der wird wohnen in der Hütte des Herrn. Denn wie viel sind derer, die da Kirchen, Klöster, Altäre, heilige Gefäße und Kleider bauen, vermehren, bereichern und zieren, die doch unterdessen nicht einmal an die Gerechtigkeit gedenken; ja damit sie jenes verrichten können, treten sie die Gerechtigkeit mit Füßen und hoffen durch jene Werke, ihrer Ungerechtigkeit halben, Vergebung zu erlangen. O zu wie vielen, die durch dergleichen Werke betrogen worden, wird der Herr an jenem Tage sagen: Ich bin durstig, hungrig, nackt, gefangen, schwach, krank gewesen (Mt. 25,42 f.); nichts aber wird er sagen von denen Werken, davon man heutiges Tages so viel Rühmens und Aussehens machet. Hingegen liegt daran nichts, ob du ein Laie, arm, krank, veracht und sehr geringe seist, wenn du nur die Gerechtigkeit wirkest, so wirst du selig werden. Einzig und allein auf dieses Schauspiel müssen wir schauen, nämlich auf die Wirkung oder Erweisung der Gerechtigkeit; das übrige alles mag uns unter dem eiteln Schein der Frömmigkeit reizen und locken, wie es wolle, es ist vergeblich. Martin Luther 1519.

Wollen wir die Wahrheit reden, so ist es erstens nötig, dass unsere Worte mit unserem Herzen , unserer Gesinnung übereinstimmen. Wir müssen reden, wie wir denken. Unsere Zunge muss der getreue Dolmetscher unserer Gesinnung sein, sonst lügen wir. So mag es sein, dass jemand etwas sagt, was an und für sich wahr ist, und er dennoch ein Lügner ist; nämlich, wenn er anders denkt, als er spricht. Zweitens aber müssen unsere Worte mit der Wirklichkeit der Dinge im Einklang stehen. Wenn wir auch meinen, etwas verhalte sich so, wie wir sagen, während es tatsächlich anders ist, so reden wir nicht die Wahrheit, wenn wir versichern, dass es so sei. Denn unsere irrtümliche Meinung über den Sachverhalt kann nie eine Unwahrheit zur Wahrheit stempeln. (2.Thess. 2,11.) Thomas Boston † 1732.

Heute habe ich eine Predigt gehört über Psalm 15,2: Und redet die Wahrheit in seinem Herzen . O meine Seele, beherzige die Ermahnungen, die dir zuteil geworden sind! Befleißige dich lauterer Wahrheit in deinem Innern, lass Redlichkeit und Wahrhaftigkeit dich allezeit geleiten und behüten. Ich bin dankbar für jede sich in mir bahnbrechende Überzeugung und Empfindung von der Schlechtigkeit der Lüge. Herr, vertiefe du meinen Abscheu vor ihr! Und zur weiteren Hilfe wider dies gemeine und verderbliche Laster will ich mit unwandelbarer Entschlossenheit alles in den Tod geben, was eine Quelle oder Veranlassung dieser Sünde sein könnte. So den Stolz, der so oft uns die Sprache vorschreibt und Lügen schmiedet; den Neid, die Habsucht, die Bosheit usw. Denn wie kann ich meine Zunge bändigen mit einem ungebändigten Herzen? Wenn ich das Irdische in ungebührlicher Weise liebe, so gilt es tausend gegen eins, dass ich oft etwas übertreiben werde, um dadurch irdischen Vorteil zu gewinnen; und wenn ich meinen Nächsten hasse, ist es eben so wahrscheinlich, dass ich ihn schmähen werde. Herr, hilf mir, dass die Quelle rein werde, dann wird der Strom klar sein. Ich bin entschlossen, nichts zu tun, was eine Lüge nötig machen könnte. Hätte Gehasi nicht wegen seiner Habsucht erröten müssen, wäre er auch nicht dazu gekommen, sich durch eine Lüge helfen zu wollen (2.Kön. 5,25). Herr, wirke du in mir eine lebhafte Empfindung davon, dass dein Auge allezeit auf mich gerichtet ist und also all mein Tun und Wedelt in deiner Gegenwart geschieht. Ja, du verstehst meine Gedanken so völlig, wie andere meine Worte. Ich will mich sammeln und bedenken, ehe ich den Mund öffne, und will nicht viel noch übereilt reden. (Spr. 29,20 .) Ich will mich oft an die Strenge des zukünftigen Gerichts erinnern, da alles Heimliche wird offenbar werden und die Heuchler und Lügner vor Engeln und Menschen in ihrer Schande dastehen werden. Und ich will mir oft den göttlichen Beistand erflehen: Den Weg der Lüge halte fern von mir (Ps. 119,29 Grundt.; Spr. 30,8). Ich beklage meine Vergehungen in diesem Stück und nehme meine Zuflucht zu deiner Gnade auf Grund des Opfers Christi. Lass kein Unrecht über mich herrschen; bewahre mich vor Vermessenheiten und verzeihe mir auch meine verborgenen Fehler. (Ps. 19,13 f.) Ich übergebe meine Gedanken, meine Triebe und meine Zunge deiner Leitung und Herrschaft; möge ich in deiner Furcht denken und handeln und allezeit die Wahrheit in meinem Herzen reden. Benjamin Bennet 1728.

V. 3. Wo sind Tränen genug, diese so schrecklich im Schwange gehende Sünde des Afterredens und Verleumdens zu beweinen! Wie regnet es doch allerwärts harte Urteile, Schmähreden und Verleumdungen, an jedem Tische, in jeder Gesellschaft, überall, wo nur Menschen zusammenkommen. Es wäre noch erträglich, wenn dieser Fehler nur bei gottlosen Leuten, die dem Christentum gleichgültig oder feindlich gegenüberstehen, zu finden wäre; denn so sagt das alte Sprichwort: Vom Gottlosen kommt Untugend (1. Samuel 24,14). Wenn in eines Menschen Herzen die Hölle ist, so kann man vernünftigerweise nichts anderes erwarten, als dass auch seine Zunge vom Feuer der Hölle entzündet ist (Jak. 3,6), und es ist demnach gar nicht zu verwundern, wenn solche Menschen die Guten schmähen, ja sie eben, weil sie gut sind, schmähen. Aber ach, das Übel ist nicht auf solche beschränkt; diese Plage herrscht nicht nur unter den Ägyptern, sondern ist auch unter Israel zu finden. Es ist äußerst betrübend, wahrzunehmen, wie solche, die sich zum Herrn bekennen, ihre Zungen gleich Schwertern wetzen gegen andere Bekenner Christi, wie ein braver Mann den andern richtet und tadelt und ein Prediger den andern durchhechelt und schlecht macht. Und wer kann sagen: Ich bin rein von dieser Sünde? Ich bitte euch um Gottes willen, erbarmt euch eurer armen Seele und befleckt und verwundet euer Gewissen nicht mit diesem Laster! Habt Mitleid mit euern Brüdern; lasst es doch daran genug sein, dass die gottseligen Christen und die Diener am Wort von den Gottlosen mit Schmähungen überhäuft werden, - es ist wahrlich nicht Not, dass ihr euch mit diesen in solchem Teufelswerk (denn Teufel heißt Verleumder) verbindet. Ihr solltet vielmehr, gleich Jonathan (1. Samuel 23,16), eurer Brüder Hand stärken gegen die Verlästerungen der ungläubigen Welt und nicht den ohnehin Betrübten noch mehr Trübsal bereiten. Bedenkt, was Christus spricht: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan (Mt. 25,40). Habt Mitleid mit der unglücklichen, betörten Welt und helft ihr wider diese Sünde; stillt die blutende Wunde; wehret dieser gottlosen Gewohnheit unter den Menschen, soviel ihr vermögt; beklagt sie vor Gott und lasst nicht ab, ihn anzuflehen, dass er dem Übel Einhalt tue, da eure Kräfte nicht zureichen. Matthew Pool † 1679.

Wir dürfen über die Sünde des Afterredens und Verleumdens nicht deshalb oberflächlich hinweggehen, weil wir in diesem Stück so leicht fehlen. Denn der gute Ruf eines Mannes, sagt Salomo (Spr. 22,1), ist köstlicher denn großer Reichtum. Es ist nicht weniger schlimm, jemand mit der Zunge zu verwunden, als mit dem Schwert; ja oft sind die Stiche, die einem die böse Zunge beibringt, schwerer heilbar als die Wunden des Schwertes, wie das französische Sprichwort sagt. D. Peter Baro 1560.

Das hier für Verleumden gebrauchte Wort lgr von lgere, Fuß) und das verwandte lkr bedeuten: umhergehen, hin und her gehen, und werden vom Umherstreichen als Kaufmann, Hausierer (lkOr) oder als Kundschafter gebraucht -- beides treffliche Bilder für die übertragene Bedeutung verleumden . Wie der Hausierer seine Ware von Haus zu Haus trägt, um sie zu verkaufen, so sammelt der Verleumder Geschichten und Gerüchte, die er entweder selbst erfunden oder sich bei andern geholt hat, und geht damit, als wären es Waren, von einem zum andern. Und gleich dem Spion schleicht er, ohne seine Absichten merken zu lassen, hin und her, um die Fehler und Gebrechen anderer zu erkunden und auszuspähen und sie dann in boshafter Weise solchen zu hinterbringen, die seinen Schmähungen Gehör schenken. Das Gesetz verbietet das streng. 3. Mose 19,16 (wörtlich): Du sollst nicht als Verleumder unter deinen Volksgenossen umgehen. Ps. 50,19 ff. wird das boshafte und verleumderische Reden als ein Verbrechen hervorgehoben, das Gott, ob er auch eine Weile dazu schweige, endlich schwer heimsuchen werde. Hes. 22,9 wird es unter den Gräueln Jerusalems aufgezählt, um derentwillen Zerstreuung, Verstoßung und Fluch über das Volk kommen werde, und Röm. 1,29 f. wird bei der Aufzählung der Laster der Heiden, die Gott dahingegeben habe in verkehrten Sinn, zu tun, das nicht taugt, auch dies erwähnt, dass sie Ohrenbläser und Verleumder seien. D. George Downame 1604.

Ist das Böse, das du von deinem Nächsten hinter seinem Rücken aussagst, falsch , so bist du des Lügens schuldig, und die Lügner gehen nicht in Gottes Reich ein. Ist es aber wahr, so fehlt dir die Liebe; sonst würdest du nicht deine Lust daran finden, ihn zu schmähen. Denn die Liebe deckt die Sünden zu; sie tut ihr Möglichstes darin. Wo aber die Liebe fehlt, da wäre es eitel, die Seligkeit zu erwarten (1.Kor. 13; 1.Joh. 3,14 f.). Christopher Cartwright † 1658.

Dies Laster ist eine ganze Verkettung von Übeln und richtet unsagbar viel Unheil an. Es zerstört den Frieden und untergrabt die Grundlagen der Freundschaft; es zerreißt die zartesten Bande, verwüstet ganze Familien und zehrt am Lebensmark der Liebe und Achtung; es macht eitlen bösen Menschen zum Ankläger und zugleich zum Zeugen, Richter und Henker des Unschuldigen. Bischof Jeremy Taylor † 1667.

Der Skorpion schadet niemand, als wen er mit seinem Stachel berührt; Krokodil und Basilisk verschlingen niemand, außer wen ihr scharfer Blick oder der Hauch ihres Atems erreicht; die Otter verwundet niemand, außer wen sie beißt; die giftigen Kräuter und Wurzeln töten niemand, außer wer sie anfasst oder daran riecht oder sie isst und so mit ihnen in Berührung kommt; -- aber das Gift verleumderischer Zungen ist weit stärker, weit tödlicher. Denn dieses beschädigt und verschlingt und verwundet und tötet nicht nur in der Nähe, sondern in der Ferne; nicht nur daheim, sondern draußen; nicht nur im eigenen Volk und Land, sondern auch in fremden Gegenden, und schont weder Tote noch Lebendige. Richard Turnbull 1606.

Die Heiligen Gottes dürfen nicht leichthin allen Erzählungen und Gerüchten über ihre Brüder ihr Ohr leihen, geschweige denn ihnen Glauben schenken . Die Liebe fordert es, dass wir bösen Gerüchten entgegentreten und sie untersuchen, ehe wir sie glauben. Beispiele von solchen, die üble Nachreden ohne Prüfung geglaubt haben, sind Saul (gegenüber David, vergl. 1. Samuel 24,10), aber auch David selbst (gegenüber Mephiboseth, 2. Samuel 16,3, vergl. 19,27 f.). Richard Turnbull 1606.

Was gebe ich darum, dass jemand in eine Predigt nach der andern läuft, wenn er klatscht und betrügt, sobald er heimkommt? John Seldon † 1654.

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps15

von Jörg » 26.11.2018 16:04

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Dieser Psalm folgt auf den vorhergehenden in der schönsten Ordnung. Denn gleichwie in jenem die Gestalt und das Muster derer Gottlosen ist beschrieben worden, also wird in diesem Psalm das Muster derer Frommen beschrieben. Martin Luther 1519.

V. 1. Da das Bleiben und Wohnen im Hause Gottes nicht im eigentlichen Sinne von einem fortwährenden Aufenthalt daselbst verstanden werden kann, so ist anzunehmen, dass die Gemeinschaft mit dem Hause Gottes, wo der Fromme die Weihestunden des Lebens feierte und Gottes Nähe am innigsten empfand, für den Sänger zum Bilde der Gemeinschaft Gottes überhaupt und ihrer Segnungen wurde, so dass von der Hütte oder dem Hause getrennt werden nichts anderes für ihn sagen wollte als: ausgeschlossen werden aus der wahren Gemeinde Israels, aus der Gemeinschaft mit dem Herrn, aus allen Gnadenvorrechten, die damit verbunden sind. Dafür spricht unverkennbar sowohl der Schluss unseres Psalms ("der wird ewiglich nicht wanken"), als namentlich die Vergleichung von Ps. 23,6; 27,5; 31,21; 36,9; 61,5; 65,5. Prof. D. A. F. Tholuck 1843.

Wie das heilige Zelt in der Wüste und später im Lande hin und her wanderte und keine bleibende Stätte fand, bis es (in neuer Gestalt) auf Zion errichtet wurde, so wandert auch die Kirche Gottes als Pilgrim in der Wüste dieser Welt, bis sie auf Gottes heiligen Berg verpflanzt wird. -- Die Gemeinde der Heiligen ist ein Zelt, keine mit starken Wällen ausgerüstete, durch menschliche Kunst bewaffnete Festung; und doch finden alle, die sich in ihr bergen, eine sichere Zufluchtsstätte. Ihre Stärke ist nicht irdischer Art. Sie ist ein Zelthaus, aber Gottes Zelt: Er wohnt darinnen. D. John Boys † 1625.

Die Verstellungskunst und Frömmelei der Heuchler hat David wohl zu dieser Frage veranlasst. Denn es sind, wie Paulus sagt, nicht alle Israeliten, die von Israel sind (Röm. 9,6), oder, wie unsere Theologen es ausgedrückt haben: multi sunt corpore qui non sunt fide, multi nomine qui non sunt omine. Das hat Davids Geistesblick auch erkannt, wie allerlei Leute sich zu Gottes Heiligtum drängten, die zwar auswendig, aber nicht inwendig Juden waren (Röm. 2,28 f.) und andere, manchmal auch sich selber, mit bloß äußerlichem gottesdienstlichem Eifer und falschen Meinungen über das Wesen der Frömmigkeit betrogen. Da kommt er denn zu Gott, dem Herzenskündiger, und bittet ihn um Erleuchtung, um Anzeige solcher Erkennungszeichen, daran man die echten Hausgenossen Gottes von den Kindern dieser Welt unterscheiden mag. Wie Not tut die Beachtung dieses Psalms auch in unserer Zeit, wo so manche gleich den Juden vor alters schreien: Hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel (Jer. 7,4). Viele, die eine Weile in Gottes Haus zu wohnen scheinen, werden niemals auf seinem heiligen Berge eine Wohnstätte finden, wie der Inhalt dieses Psalms auch durch das Wort des Herrn Jesus bestätigt wird, dass nicht die Herr- Herr- Sager, mögen sie auch weissagen und Wunder tun, sondern die den Willen tun seines Vaters im Himmel, in das Himmelreich kommen werden (Mt. 7,21). D. John Boys † 1625

V. 2. Wen weder die Herrlichkeit und Erhabenheit, noch die Glückseligkeit der Reinheit in Herz und Leben zu locken vermag, den sollte wenigstens die Furcht, die Notwendigkeit derselben für den Eingang ins himmlische Reich, treiben, nach ihr zu trachten. - Simulata aequitas, sagt der Kirchenvater Augustin († 430), est duplex iniquitas, quia et iniquitas est st simulatio. Erheuchelte Gerechtigkeit ist zwiefache Ungerechtigkeit, erstens weil sie sich an und für sich als Ungerechtigkeit erweist, zweitens wegen der Heuchelei. D. George Downame 1604.

Wiewohl David in diesem Psalm den Zionsbürger nicht sowohl nach dem Glauben, als vielmehr nach den Werken beschreibt, so ist doch der Glaube, die rechte Herzensstellung zu Gott, hier wie überall in der Schrift, wo gute Werke empfohlen oder besohlen werden, vorausgesetzt; denn, wie Paulinus (von Mailand, Anhänger Augustins) sinnig sagt: Fides est operum fomes, der Glaube ist der Zunder der guten Werke; oder wir können auch sagen: Der Glaube ist das Nest, aus dem die guten Werke ausschlüpfen. Aber der Glaube ist etwas innerlich Verborgenes, und viele täuschen sich und andere mit einem äußerlichen Bekenntnis des Glaubens. Darum will der heilige Geist, dass eines jeden Glaube all seinen Früchten geprüft und erkannt werde, und wiewohl das ewige Leben dem Glauben verheißen und die ewige Verdammnis dem Unglauben angedroht ist, wird dennoch der Urteilsspruch zur Seligkeit oder Verdammnis nach den Werken, als den klarsten Erweisen von beidem, Glauben und Unglauben, gefällt werden. Man hat nach Bernhard von Clairvaux († 1153) richtig bemerkt, dass unsere guten Werke, wiewohl nicht causa regnandi doch via regni seien, der Weg, auf welchem, wenn auch nicht der Grund, weshalb wir auf Gottes heiligen Berg gehen. - Warum aber werden hier nicht sowohl unsere Pflichten gegen Gott, als die gegen unsere Mitmenschen erwähnt? Weil der Prüfstein unserer Frömmigkeit gegen Gott die Redlichkeit und Liebe gegen den Nächsten ist. Daran wird offenbar, welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind. Wer nicht Recht tut, der ist nicht von Gott, und wer nicht seinen Bruder lieb hat (1.Joh. 3,10). D. John Boys † 1625.

Wenn die Räder einer Uhr drinnen in Tätigkeit sind, werden sich auch die Zeiger draußen auf dem Zifferblatt bewegen. Hat jemand eine wirkliche Herzenserneuerung erfahren, so wird auch sein Wandel das Evangelium zieren. Wie sollen wir die Güte einer eingemauerten Quelle prüfen, wenn nicht nach dem Wasser, das ans der Röhre fließt? William Secker 1660.

Erst muss der Mensch selber gerecht sein, ehe er Gerechtigkeit wirken kann. Der Baum bringt die Frucht hervor, darum muss der Baum gut sein, ehe die Frucht gut sein kann. (Mt. 7,18 .) Der Gerechte erzeugt gerechte Werke; aber keine Tat eines ungerechten Menschen kann ihn gerecht machen. Es mag einer ebenso wohl aus einem von seinem Stamm gerissenen und verdorrten Zweige Frucht hervortreiben, als Gerechtigkeit wirken ohne Glauben an Christus und ohne Lebensgemeinschaft mit ihm. Thomas Boston † 1732.

Nachdem David gesagt hat: Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte, fügt er hinzu, nicht: der ehedem Gerechtigkeit geübt hat, sondern: der Gerechtigkeit übet (jetzt und immerdar), wie Christus spricht: Mein Vater wirkt bis auf diesen Augenblick, und ich wirke auch (Joh. 5,17). Basilius der Große † 379.

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps15

von Jörg » 23.11.2018 16:47

3. Nach den drei bejahenden Aussagen über das Wesen der Zionsbürger kommen nun verneinende. Wer mit seiner Zunge nicht verleumdet. Es gibt auch Gedankensünden der Verleumdung, wenn man nämlich seinen Nächsten im Herzen zu hart beurteilt; aber es ist vor allem die verleumderische Zunge, die so viel Unheil anrichtet. Manche Leute haben eine so scharfe, schneidige Zunge, dass sie damit besser beißen können als mit ihren Zähnen. Die Zunge ist nicht von Stahl, dennoch schneidet sie, und die Wunden, die sie verursacht, sind schwer zu heilen; am schwersten aber solche, die sie uns hinterrücks beibringt. Alle Verleumder sind des Teufels Blasebälge, mit denen er den Hader anfacht; aber das sind die schlimmsten, die das Feuer im Verborgenen anblasen. -- Sehr markig ist der Grundtext, den wir etwa umschreiben können: Wer nicht umherschleicht mit Verleumdung auf seiner Zunge. Aus der Werkstatt und Vorratskammer arger Gedanken, dem Herzen, nimmt der Verleumder die bösen Worte auf seine Zunge und trägt sie dort bei sich, umherschleichend, wo er sie jemand ins Ohr blasen könne.
Und seinem Nächsten kein Arges tut. Wer seine Zunge im Zaum hält, wird auch seiner Hand nicht die Zügel schießen lassen. Lieben wir unsern Nächsten wie uns selbst, so werden wir auch auf seinen guten Namen halten, aber ebenso auch besorgt sein, ihm nicht an Hab und Gut zu schaden oder gar durch böses Beispiel seine Sitten zu verderben. Und seinen Nächsten nicht schmähet, oder: und nicht Schmähung gegen seinen Nächsten aufnimmt. Verleumdungen soll man liegen lassen. Der ist ein Narr, wenn nicht ein Schurke, der gestohlenes Gut an sich nimmt. Aufs Verleumden so gut wie aufs Rauben passt das Sprichwort: Der Hehler ist wie der Stehler. Gäbe es keine begierigen Abnehmer für üble Nachreden, so würde der Handel mit solcher Ware bald ein Ende haben. John Trapp (†1669) sagt: "Der Zuträger hat den Teufel auf seiner Zunge, und der den Klatschereien lauscht, hat ihn im Ohr." "Zeig ihm die Tür!", würden wir von einem Betrunkenen sagen, der in unser Haus eindränge; und doch ist es sehr fraglich, ob sein ungeziemendes Benehmen uns soviel Unheil anrieten würde, als die sich ins Herz einreichenden Geschichten und versteckten Andeutungen des Ohrenbläsers. "Schnell die Polizei herbei!", rufen wir, wenn wir einen Dieb an seiner Arbeit sehen; sollten wir keine Entrüstung fühlen, wenn wir ein Klatschweib an ihrer saubern Arbeit treffen? "Ein toller Hund!". Alles stiebt auseinander, wenn der Ruf durch die Gasse schallt; aber es gibt wenige Köter, die so gefährlich beißen wie die Zunge des Müßiggängers, der sich in alle fremden Angelegenheiten mischt. "Feuer, Feuer!", ist ein beängstigender Alarmruf; aber des Verleumders Zunge ist von der Hölle entzündet (Jak. 3,6), und die dem Verlästern frönen, haben alle Ursache, sich ernstlich zu bekehren, sonst könnten sie zu spät entdecken, dass es in der Hölle ein unauslöschliches Feuer gibt für ungezähmte Zungen. Unser Herr und Heiland sprach von niemand hinterrücks Übles, sondern seufzte sterbend noch für seine Feinde zu Gott. Wir müssen ihm ähnlich werden, oder wir werden nie in seiner Nähe weilen. -- Auch hier ist der Grundtext von großer Schönheit. Man beachte die Assonanz und die Bedeutung von Genosse. Durch beides tritt die Unnatürlichkeit der Sünde, dem Genossen, dem durch die Bande des Bluts oder der Lebensgemeinschaft Verbundenen, Böses zu tun, ins Licht. Man vergleiche das e(taire des Herrn an den Verräter, Mt. 26,50.

4. Wer die Gottlosen nichts achtet, wörtl.: den (von Gott) Verworfenen verachtet, sondern ehret die Gottesfürchtigen (die Jahwe Fürchtenden). Wir müssen im Entrichten dessen, was andern an Ehre zukommt, so pünktlich sein, als wenn es sich um Geld handelt. Ehre, dem Ehre gebührt. Allen Guten gegenüber haben wir eine Ehrenschuld und wir haben kein Recht, die Ehrerbietung, die den Würdigen gebührt, an verworfene Menschen zu verschleudern, die zufällig in hoher Stellung sind. Wenn ein schlechter Mensch, ein Amt bekleidet, ist es unsere Pflicht, das Amt zu ehren; aber wir können unser Gewissen nicht soweit vergewaltigen, anders zu handeln, als dass wir den Mann persönlich verachten. Und anderseits ist es ebenso unsere Pflicht, au der Trübsal ehrenhafter, gottesfürchtiger Leute, die in Armut und Unglück sind, herzlich Anteil zu nehmen und die Personen um nichts weniger zu ehren, trotz ihrer geringen Stellung. Wir mögen das unscheinbarste Kästchen wert halten wegen der Juwelen, die es birgt; aber wir dürfen nicht falsche Steine rühmen wie echte, weil sie in Gold gefasst sind. Ein Sünder mit einer schweren goldenen Kette und prunkenden Gewändern ist mit einem Heiligen in schlechtem Kleide so wenig zu vergleichen, wie ein Kienspanlicht auf silbernem Leuchter mit der Sonne hinter Wolken. Ein Sprichwort sagt, ein hässliches Weib in geputztem Gewand sei nur desto hässlicher; so ist ein verächtlicher Mensch in einer hohen Stellung auch nur umso verächtlicher. Wer ihm selbst zum Schaden schwöret und hält’s, wörtl.: und ändert’s nicht. Bibelchristen, die nach der Regel des neuen Bundes wandeln, meiden das Schwören (Mt. 5,34 ff.; Jak. 5,12), aber ihr Wort ist so gut wie ein Eid. Und die Gottesmänner, welche einen Eid in gewissen Fällen für richtig halten, sind äußerst behutsam und machen es zu einem ernsten Gebetsanliegen, dass sie ja auch nicht den Schein erwecken, als schössen sie übers Ziel. Wenn wahrhaft fromme Leute Verpflichtungen eingegangen sind, die sich als unvorteilhaft erweisen, so bleiben sie dennoch Ehrenmänner. Unser hochgelobter Bürge hatte einen Eid geschworen, der ihm das tiefste Leibes- und Seelenweh bereitete; aber wie ruhmwürdig stand er zu seiner Bürgschaft! Welch ein Trost ist das für uns, dass er sein Wort nicht abändert; aber auch welch ein Vorbild ist es für uns, eben so pünktlich und peinlich genau zu sein in Erfüllung unserer Bündnisse mit andern. Der beste Kaufmann kann Verpflichtungen eingehen, die sich später als schwere Schädigungen herausstellen. Doch was immer er sonst verlieren mag: behält er seine Ehre, so werden seine Verluste erträglich sein; aber Ehre verloren, alles verloren.

5. Wer sein Geld nicht aus Wucher gibt. Wucher ist Gott und Menschen verhasst und ist es je und je gewesen. Dass jemand, der einem andern Geld leiht, an dem Gewinn Anteil habe, der durch sein Geld erworben worden, ist recht und billig; aber dass ein Reicher den Armen verschlingt, der unglücklicherweise ein Darlehen von ihm bekommen hat, ist ein Gräuel. Solche, die kleine Handelsleute oder Handwerker, dürftige Witwen und andere derartige Leute aussaugen, indem sie ihnen unerträgliche Zinsen aufladen, werden entdecken, dass ihr Gold und Silber verrostet (Jak. 5,3). Wer auf den Berg des Herrn gehen will, muss diese Sünde von sich abschüttelt, wie Paulus die Otter ins Feuer schlenkerte (Apg. 28,5). Und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen , um ihn zu verurteilen. Es ist ebenso wohl Sünde, jemand zu bestechen, als sich bestechen zu lassen. Die Bestechung war an den morgenländischen Gerichtshöfen sehr üblich. In dieser Form ist die genannte Sünde bei unseren trefflichen Richtern jetzt fast etwas Unerhörtes. Dennoch lebt sie fort in den verschiedensten Gestalten, die dem Leser vorzuführen unnötig sein wird, und in jeder Form ist sie einem Gottesmenschen verhasst und ekelhaft. Der Christ ist dessen eingedenk, dass der Herr Jesus, statt den Unschuldigen um schnöden Gewinnes willen zu verurteilen, vielmehr für die Schuldigen sein Leben hingegeben hat.
Wer das tut, der wird wohl bleiben, wörtlich: nimmermehr wanken. Kein Sturm wird ihn von seinem Felsen wehen, von seinem Ankergrund losreißen oder aus seiner Stätte auswurzeln. Gleich dem Herrn Jesus, dessen Herrschaft ewig währt, verliert der wahre Christ nie seine Krone. Er wird nicht nur auf Zion weilen, sondern dem Berge Zion gleich fest und unbeweglich sein. (Vergl. Ps. 125,1.) Er wird im heiligen Zelt des Höchsten wohnen, und weder Tod noch Gericht werden ihn von diesem hohen, alle Fülle der Seligkeit verbürgenden Platze vertreiben.
Lasst uns zu Gebet und ernster Selbstprüfung in die Stille gehen; denn wie das Feuer Silber und der Ofen Gold, so prüft dieser Psalm unser Leben. Können wir die Feuerglut der Wahrheit ertragen?

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps15

von Jörg » 17.11.2018 14:12

Kommentar & Auslegung zu PSALM 15


Überschrift

Die Überschrift dieses Liedes: Ein Psalm Davids, enthält keinen Hinweis auf die Veranlassung, aus der es gedichtet worden ist. Manche vermuten aber, dass seine Abfassung, gleich der des inhaltlich verwandten 24. Psalms, mit dem Hinaufbringen der Bundeslade nach dem heiligen Berg Zion in irgendeinem Zusammenhang stehe. Es mag sein, dass das Ergrimmen des Zornes Jahwes über Usa, der weggerissen wurde, weil er die Lade Gottes angerührt hatte, so dass der erste Versuch, sie nach dem auf Zion erbauten heiligen Zelt zu bringen, nicht hatte ausgeführt werden können, in David so lebhaft die Frage erweckt hatte, wer würdig sei, dem Herrn zu nahen. Bemerkenswert ist, dass der König bei dem abermaligen Versuch, die Bundeslade nach dem Zion zu führen, nicht nur sorgte, dass alles genau nach den Vorschriften des Gesetzes vor sich ging und den Häuptern der Leviten die ihnen gebührende Stellung gab, sondern auch die heilige Lade in der Obhut des Mannes ließ, dessen Haus der Herr, als sie unter seinem Dache weilte, sichtbar gesegnet hatte, und der nun mit seinen vielen Söhnen am Hause Gottes diente. (1. Chr. 15,24; 26,4-8 .) Bei neutestamentlicher Auslegung haben wir hier eine Beschreibung des Mannes, der als Kind in dem Hause der Gottesgemeinde auf Erden daheim ist und ewiglich in dem Hause des Herrn droben wohnen wird. Das ist in erster Linie Jesus; in ihm aber gewinnen alle, die durch die Gnade seinem Bilde gleich gestaltet werden, dasselbe selige Vorrecht.

Einteilung

Der 1. Vers wirft die Frage auf; die übrigen Verse beantworten sie. Wir überschreiben daher den Psalm: Die Frage und die Antwort.


Auslegung

1.Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte?
Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge?


Die Frage. - 1. Jahwe , du Heiliger und Erhabener, wer wird mit dir traute Gemeinschaft haben dürfen? Die Himmel sind nicht rein in deinen Augen, und deine Engel bezichtigst du der Torheit (Hiob 15,15; 4,18): Welcher Staubgeborene vermag denn bei dir, dem verzehrenden Feuer und der ewigen Glut, zu wohnen? (Jes. 33,14.) Es ist die lebhafte Empfindung der Herrlichkeit des Herrn und der Heiligkeit, die seinem Hause, seinem Dienste und seinen Dienern geziemt, die diese feierlich ernste Frage in der demütigen Seele Davids erweckt. Wenn selbst die Engel sich mit verhülltem Antlitz vor ihm neigen, wie soll da der Mensch würdig sein, irgendwie anbetend vor ihn zu treten? Die gedankenlose Menge hält es freilich für etwas Leichtes, dem Allerhöchsten zu nahen, und manchen, die öffentlich des Gottesdienstes pflegen, ist die Gewissensfrage, ob sie dazu tüchtig seien, fremd. Aber wahrhaft gedemütigte Seelen brechen oft fast zusammen unter dem Gefühl ihrer gänzlichen Unwürdigkeit, und sie würden es nimmer wagen, dem Thron des Heiligen zu nahen, könnten sie es nicht tun im Blick auf den Mittler und Fürsprecher, der im himmlischen Tempel bleiben darf, weil seine Gerechtigkeit ewiglich währt. Herr, wer darf als Gastfreund in deinem Zelte weilen? Wem wird das hohe Vorrecht zuteil werden, als Freund Gottes unter seinem Dache herbergen zu dürfen, dort trauter Gemeinschaft mit dem Höchsten zu pflegen und unter dessen mächtigem Schutz zu weilen? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berge? Wer wird in der Gemeinde des Herrn, die sich um Gottes Thron schart, Hausgenossenrecht haben? Wer wird ein Bürger Zions sein und in dem neuen Jerusalem eine bleibende Stätte haben? Die Frage wird aufgeworfen, weil es in der Tat eine Frage ist. Nicht alle Menschen besitzen dieses Vorrecht. Sind doch sogar unter denen, die sich als rechte Christen ausgeben, solche, die außer der Bürgerschaft Israels stehen und keinen verborgenen Umgang mit Gott haben. Auf Grund des Gesetzes kann kein Mensch bei Gott wohnen; denn es ist nicht einer auf Erden, der die billigen Anforderungen erfüllen könnte, welche die folgenden Verse stellen. Die Fragen unseres Textes werden dem Herrn vorgelegt: Nur Er, der Unendliche, vermag sie dem beunruhigten Gewissen befriedigend zu beantworten. Der Herr der Stiftshütte muss selber uns belehren, was für Eigenschaften zu seinem Dienst befähigen. Im Lichte seiner Unterweisung aber werden wir klar erkennen, dass nur der eine Makellose, unser Heiland Jesus Christus, und außer ihm nur solche, die ihm gleich gestaltet werden, in wohlgefälliger Weise vor der Majestät des Höchsten Dienstes pflegen können.
Ungezügelte Neugierde wünscht oft zu wissen, wer und wie viele zur ewigen Seligkeit gelangen werden. Leute, welche die Frage: Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge? in solcher Gesinnung stellen, würden viel weiser handeln, wenn sie diese Frage sich zur ernsten Selbstprüfung dienen lassen würden. Die Glieder der sichtbaren Kirche, des irdischen Hauses Gottes, sollten mit allem Fleiß danach trachten, dass sie würdig erfunden werden mögen, Gottes Hausgenossen zu sein. Ohne das hochzeitliche Kleid der Gerechtigkeit Christi haben wir schon hienieden kein Recht, bei dem heiligen Mahle zu Tische zu sitzen.

2.Wer ohne Tadel einhergehet, und recht tut,
und redet die Wahrheit von Herzen;
3.wer mit seiner Zunge nicht verleumdet,
und seinem Nächsten kein Arges tut,
und seinen Nächsten nicht schmähet;
4.wer die Gottlosen für nichts achtet,
sondern ehret die Gottesfürchtigen;
wer ihm selbst zum Schaden schwöret, und hält’s;
5.wer sein Geld nicht auf Wucher gibt,
und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen.
Wer das tut, der wird wohl bleiben.

Die Antwort. - 2. Der Herr beantwortet die Frage, indem er uns durch seinen heiligen Geist den Charakter des Mannes schildert, der auf Gottes heiligem Berge wohnen darf. Die hier geforderte Heiligkeit finden wir in vollkommenem Maße einzig bei dem Mann der Schmerzen; aber in gewissem Grade wird sie durch den heiligen Geist in allen gewirkt, die wahrhaft zu den Seinen gehören. Der Glaube und die innerlichen Gnadenwirkungen des Geistes werden nicht erwähnt; es handelt sich hier darum, wie sich die Frömmigkeit nach außen kundgibt. Wo man aber Frucht findet, ist sicher eine Wurzel da, auch wenn man sie nicht sieht. Man beachte Wandel, Wort und Werk des Mannes, der bei Gott Annahme findet.
Wer ohne Tadel einhergeht. (Engl. Übersetzung: Wer aufrichtig wandelt.) Er hält sich schnurgerade aufrecht, gleich den Leuten, welche in der Luft gespannte Seile überschreiten, denn sobald die sich auf eine Seite neigen, stürzen sie hinab; oder gleich solchen, die kostbare, zerbrechliche Waren in einem Korb auf dem Haupte tragen und alles verlieren, wenn sie das Gleichgewicht verlieren. Wahre Gläubige bücken sich nicht wie Schmeichler, sie winden sich nicht wie Schlangen, sie biegen sich nicht ineinander wie Leute, die in der Erde graben, noch krümmen sie sich nach einer Seite wie solche, die krumme Pläne haben. Sie haben ein starkes Rückgrat, dessen Lebensmark die Gnade ist, und da sie selber geraden Wesens sind, können sie auch gerade wandeln. 1 Wie der Mensch auf Erden einhergeht, d. h. wie sein Wandel beschaffen ist, das ist von weit größerer Bedeutung, als was sein Mund redet. Mit dem nur steht es richtig, der aufrichtig wandelt, und dessen Ehrenhaftigkeit durch nichts gekrümmt werden kann. Und Recht tut, oder: Gerechtigkeit übt. Sein Glaube erweist sich in guten Werken, ist also kein toter Glaube (Jak. 2,26). Gottes Haus ist ein Bienenstock für emsige Arbeiter, kein Nest für Drohnen. Gerade diejenigen, welche sich freuen, dass ein anderer, nämlich der Herr Jesus, alles für sie vollbracht hat, und die deshalb alles Bauen aus eigene Werke hassen, führen die Grundsätze des Evangeliums am tatkräftigsten in guten Werken aus. Wenn unser Gottesdienst nicht in Taten, nur in süßen Gefühlen oder leeren Worten besteht und wir Gottes heiligen Willen nicht nach besten Kräften tun, so sollten wir ernstlich darüber in Zweifel geraten, ob wir überhaupt an Gottes Reich teilhaben; denn unfruchtbare Bäume haben keine andere Aussicht, als dass sie abgehauen und ins Feuer geworfen werden. Und redet die Wahrheit von Herzen, wörtlich: in seinem Herzen. Der im vorigen Psalm geschilderte Tor redete trügerisch in seinem Herzen. Man beachte in diesem Zuge, wie auch sonst, den auffallenden Gegensatz beider Psalmen. Die Frommen wünschen nicht nur mit ihrem Munde lautere Wahrheit zu reden, sondern sie reden die Wahrheit in ihrem Herzen, sie suchen in ihrem Innersten wahr zu sein. Sie wollen auch in der verborgenen Herzenskammer nicht lügen; denn Gott ist dort und lauscht. Sie halten alle doppelsinnigen Reden, alle Ausflüchte, alle Not- Geschäfts- oder Scherzlügen, alle Schmeicheleien und Trügereien unter ihrer Würde. Obgleich die Wahrheit, gleich der Rose, Dornen hat, tragen gute Menschen sie dennoch im Busen. Wäre die Wahrheit auch von der ganzen Welt um uns her verbannt und verjagt, soll sie doch in unserem Herzen ein Heiligtum, eine Zufluchtsstätte haben. Mag daraus kommen, was will, wir müssen dem Engel der Wahrheit bei uns Herberge geben; denn die Wahrheit ist des Himmels Tochter. Es gilt allen Ernst, dass unser Herz unerschütterliche Grundsätze gewinne und festhalte. Die Zartheit des Gewissens in Bezug auf Wahrhaftigkeit will, gleich dem Duft auf den Früchten, behutsam behandelt sein. Ist sie einmal geschwunden, so wird es schwer, sie wieder zu gewinnen. Jesus war der klare Spiegel der Aufrichtigkeit und Heiligkeit. Ach, dass wir ihm immer mehr ähnlich würden!

Fußnote
1. Diese Bilder, die sich an die engl. Übersetzung aufrichtig (aufrecht) anschließen, würden passen, wenn nicht , sondern stünde. Vergl. z. B. Pred. 7,29 (30). Das hier gebrauchte schließt zwar Aufrichtigkeit, Redlichkeit ein, geht aber nicht von dem Begriff des Geraden, sondern des Ganzen, Völligen aus. Es wird dann auch von den Opfertieren gesagt, die ohne Fehl sein mussten, daher Luthers Übers. ohne Wandel (d. h. ohne Fehler und Gebrechen, revid. Übers. ohne Tadel) richtig ist. Immerhin mag beachtet werden, dass das hier nachdrucksvoll an die Spitze gestellte nicht etwas Negatives, sondern Positives aussagt. Wer sich ganz und völlig Gott hingibt (vergl. z. B. 1. Mose 17,1) und daher auch gegenüber den Menschen mit ganzer Entschlossenheit und Treue das Gute tut, der wandelt .

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps14

von Jörg » 14.11.2018 16:36

Erläuterungen und Kernworte

V. 5. Da überfällt sie schrecklicher Schrecken. Nicht immer sehen wir beim Herannahen von Gefahren solche Feigheit und Verzagtheit über vermessene Sünder kommen; denn wenn auch keiner von ihnen wahren Mut besitzt, so haben doch viele von ihnen eine Art verzweifelten Starrsinns und eine frevelhafte Frechheit, sogar angesichts des Todes, wie Agag (1. Samuel 15,32). Es ist das gleichsam die Leichenstarre des geistlichen Todes. Ihr Gewissen ist ganz unempfindlich geworden, zu ihrer eigenen Verdammnis. Aber wenn der Herr sie aus dieser Todesstarre wiedererweckt und der Wurm des Gewissens zu nagen beginnt, dann hat es sich noch immer als wahr erwiesen, dass die frechsten Sünder die erbärmlichsten Feiglinge werden. John Dod † 1645.

Denn Gott ist bei dem Geschlecht der Gerechten. Wo der König der Ehren ist, da wird auch etwas von seiner Herrlichkeit sichtbar; und wie Gott sein Wort mit Hoheit umgibt, weil es sein Wort ist, so fällt auch der Schein seiner Herrlichkeit auf seine Kinder, selbst wenn sie in der tiefsten Erniedrigung sind. Als Stephanus als Gefangener vor den hohen Rat geschleppt wurde, offenbarte Gott seine Gegenwart, denn es heißt: Sein Angesicht leuchtete wie eines Engels Angesicht (Apg. 6,15); und in einem gewissen Maße findet sich etwas Ähnliches auch sonst in der Regel bei den Gerechten, wie Salomo sagt: Die Weisheit des Menschen erleuchtet sein Angesicht (Pred. 8, 1) So sagt auch Petrus (1. Petr. 4, 14): Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet über dem Namen Christi. Denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch. So war es auch bei den Märtyrern. Welche Majestät prägte sich in ihrer Unschuld und in ihrer ganzen Haltung aus! Welche Anmut spiegelte sich auf ihrem Antlitz! Gerade dadurch wurden oft die gefühllosen Schergen erschreckt und verwirrt, so dass es auch da sich erwies, dass diese Menschen, die Gottes Volk wie Brot aßen (V. 4), von geheimnisvollem Grausen erfasst wurden, und zwar eben darum, weil es offenbar wurde, dass Gott bei dem Geschlecht der Gerechten ist. Gott gibt den Gottlosen oft einen Wink, wie dem Pilatus (Mt. 27, 19), dass sein Volk gerecht sei. Obgleich Saul den David hasste und zu töten suchte, fürchtete er sich doch vor David, denn der Herr war mit diesem und war von Saul gewichen (1. Samuel 18,9-12) Gott offenbarte seine Gegenwart in David und schlug Sauls Gewissen durch dessen gottseliges und weises Verhalten, und das machte ihn furchtsam. Die Charakterstärke der Gläubigen unter den Verfolgungen ist den Widersachern eine Anzeige ihrer eigenen Verdammnis, jenen aber eine Anzeige ihres Heils, und zwar ist es Gott, der diese so verschiedenen Ahnungen erweckt. (Vergleiche Phil. 1, 28.) Thomas Goodwin † 1679

V. 6. Ihr schändet des Armen Rat; aber Gott ist seine Zuversicht. Diese Worte zeigen in lieblicher Weise Gottes Fürsorge für die Armen, Gedrückten und Verfolgten. Gerade diese Eigenschaft Gottes wird in der Schrift so klar hervorgehoben Wir mögen die Schaftras und Vedas der Hindus, den Koran der Mohammedaner, die Gesetze der Griechen und der Römer, ja selbst den Talmud der Juden (der vielleicht von allen die unbarmherzigsten Vorschriften enthält) durchforschen und werden in ihnen allen nicht das Zartgefühl und Mitleid für die Nöte, Trübsale, Bedrückungen und Kümmernisse der Armen finden, das uns in der Bibel fast auf jeder Seite entgegentritt. Barton Bouchier 1855

Jeder Tor, der in seinem Herzen spricht, es gebe keinen Gott, holt aus demselben Köcher einen Pfeil, um ihn auf die Unschuld und Tugend zu schießen. Die unfruchtbare Michal hat nur zu viele Söhne, welche gleich ihrer Mutter den heiligen David verhöhnen John Trapp † 1669

Es gibt nichts, das die Gottlosen so verachten, als wenn jemand seine Zuversicht auf Gott setzt . Das Vertrauen auf Gott erscheint ihnen als das törichtste Ding von der Welt. Die Gründe dafür sind folgende: l) Sie kennen Gott nicht, und es wäre töricht, jemand zu trauen, den man nicht kennt 2) Sie sind Feinde Gottes, und Gott ist ihr Feind, und sie halten es für Torheit, einem Feinde zu trauen. 3) Sie kennen die Art und Weise nicht, in der Gott denen, die auf ihn trauen, beisteht und hilft und 4): Sie suchen solche Hilfe, die bei Gott nicht zu finden ist. Sie wollen Befreiung vom Übel, um ihren Lüsten zu dienen. Sie wünschen Bewahrung, um ihre Torheiten und ihre schmutzigen Pläne auszuführen. Das und nichts anderes sind ihre Wünsche, und die kann und wird Gott ihnen nicht gewähren. Es ist eine Torheit, wenn irgendjemand denkt, Gott werde ihn in der Sünde bewahren. So urteilen sie denn auch ganz richtig von ihrem Standpunkt aus, wenn sie es für Torheit halten, aus Gott zu trauen. Darum rufen sie ihn auch nicht an (V. 4). John Owen † 1683

V. 7. Ach, dass die Hilfe usw. Trübsal und Widerstand entflammen den Geist des Gebets Davon finden wir überall in den Psalmen Beispiele. Die Leiden sind die Würze des Gebets, wie der Hunger für die Speise. Die Gebete von Leuten, die ohne Anfechtung sind, sind oft recht fade, und viele Beter solcher Art beten nicht wirklich, sondern ahmen das Beten nur andern nach oder tun es aus Gewohnheit. Wolfgang Musculus † 1563.

Aus Zion. Zion, die Gemeinde, ist kein Heiland, auch dürfen wir unser Vertrauen nicht auf ihre Prediger und Einrichtungen setzen und doch kommt durch sie das Heil über die Menschen. Die hungrigen Scharen werden gespeist durch die Jünger, die sich freuen, beim Festmahl des Evangeliums zu Tische dienen zu dürfen (Joh. 6, 11). Zion ist der Ort, von wo die Wasser des Heils nach Ost und West fließen, bis alle Nationen davon trinken (Hes. 47 ; Sach. 14, 8). Wahrlich Grund genug, ängstlich darauf bedacht zu sein, dass allem Wirken, das von der Gemeinde des lebendigen Gottes ausgeht, die höchste Reinheit und die Kraft des Geistes bewahrt werde. C. H. Spurgeon 1869.

Wenn der Herr sein gefangen Volk erlösen wird, so werden wir, wie es Ps. 126, 1 heißt, sein wie die Träumenden. Ein herrlicher Traum fürwahr, in dem wir uns aber dennoch mit aller Einbildungskraft nicht annähernd zu der Herrlichkeit, der Schönheit und Pracht der Wirklichkeit werden emporschwingen können. John Mason Neale 1860.

Kein Siechtum bleicht der Jugend frische Farben,
Nicht Sorge mehr noch Kummer trübt den Blick.
Kein Alter beugt das Haupt. Nicht länger darben,
Die Armut plagte hier und widriges Geschick.
Nicht schreckt mehr Todesfurcht; nicht fliehn die Freuden
Vor bittrer Reu’, vor Angst und Gram und Leiden.

Nach einem Zitat von J. M. Neale 1860.

Homiletische Winke

V. 1a.
Die Torheit der Gottesleugner. Der Atheismus des Herzens.
V. 1.
Man beschreibe 1) das Glaubensbekenntnis des Toren; 2) die Torheit dessen, der sich an dieses Glaubensbekenntnis hält. - Oder: Der Atheismus. 1) Seine Quelle; das Herz. 2) Sein Glaubensbekenntnis: Es ist kein Gott. 3) Seine Früchte: Sie taugen nichts usw.
1) Die eine große Quelle der Sünde: die Gottentfremdung. 2) Ihr Herrschaftssitz: das Herz. 3) Ihre Wirkung auf den Verstand: Sie macht den Menschen zum Toren. 4) Ihre Offenbarung im Leben: Begehungs- und Unterlassungssünden.
V. 1b.
Die Laterne des Diogenes. Richte sie auf alle Menschenklassen und beleuchte deren Sünden.
V. 2.
1) Wie der Herr mit forschendem Blicke auf das Menschengeschlecht niederschaut. 2) Was für Leute er finden möchte. 3) Welche wohlwollenden Absichten er dabei hegt.
Wonach Gott ausschaut, und wonach wir ausschauen sollten. Die Menschen haben in der Regel einen schnellen Blick für solches, was mit ihrer Art übereinstimmt.
V. 2-3.
Gottes Umschau nach einem von Natur guten Menschen; das Ergebnis; Lehren, die daraus zu ziehen sind.
V. 3.
Die gänzliche Verderbtheit unseres Geschlechts.
V. 4.
Haben denn keine Einsicht alle die Übeltäter? (Grundt.) Wenn die Menschen Gott und sein Gesetz, die Schlechtigkeit und die schlimmen Folgen der Sünde bis zu den Qualen der Hölle und andere große Wahrheiten richtig erkennen würden, würden sie dann so leichtfertig sündigen, wie sie es tun? Nein - und ja! Erkennen sie aber dies alles, und beharren sie dennoch in ihrer Missetat, wie schuldig und töricht sind sie! Stoff zu einer eindringenden, die Herzen durchforschenden Predigt.
V. 4a.
Das himmelschreiende Verbrechen, wider Licht und Erkenntnis zu sündigen.
V. 4b.
Gebetslosigkeit - ein sicheres Zeichen innerer Gottlosigkeit.
V.5.
Die törichten Befürchtungen derer, die ohne Gottesfurcht sind.
Wie nahe der Herr den Gerechten ist; was diese Nähe Gottes für seine und seines Volkes Feinde bedeutet, und welche Ermutigung darin für die Gerechten liegt.
V. 6.
Wie weise es ist, seine Zuversicht auf den Herrn zu setzen. Beschreibe 1) den Armen, der hier gemeint ist; 2) seinen Rat; 3) seine Schmach; 4) seine Zuflucht.
Gottvertrauen; der Spott der Toren, die Hoffnung der Weisen.
V. 7.
Sehnsüchtige Adventshoffnungen. Oder: Die Sehnsucht des Gottesvolkes nach der Offenbarung des vollen Heils.
Hilfe aus Zion. Gott die Quelle, seine Gemeinde der Kanal der Segnungen für die Menschheit.
Thema für eine Erweckungspredigt. 1) Ein häufiger Zustand der Gemeinde: Gefangenschaft. 2) Das Mittel der Lösung aus den Banden: Das Kommen des Herrn in seiner Gnade. 3) Die Folge: Große Freude.
Die Gefangenschaft der Seele. Was ist darunter zu verstehen? Wie wird die Seele darin am Leben erhalten? Wie herausgeführt? Was für Folgen hat das?

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps14

von Jörg » 10.11.2018 09:33

Erläuterungen und Kernworte

Es gibt kein verächtlicheres Wesen auf Erden als solch einen Gottesleugner . Sein Gemüt ist jeder wahren Erhebung und Begeisterung unfähig. Er kann sich nur als eine ganz bedeutungslose Null ansehen. Sein Leben ist nichts als ein Vegetieren, gleich dem der Tiere um ihn her, und wie das Vieh stirbt, so stirbt auch er. Sein Los ist nur dadurch umso trauriger, als er von seinem jämmerlichen Dasein und Verenden ein Bewusstsein hat. In der Not muss er von allen Geschöpfen das elendste sein; er fühlt den ganzen Druck des gegenwärtigen Unglücks, ohne dass ihm die Erinnerung an Vergangenes oder die Aussicht in die Zukunft Erleichterung geben könnte. Vernichtung ist das größte Glück, das er sich denken kann, und ein Strick oder eine Pistole seine einzige Zuflucht. Wenn nur nicht zuzeiten das Gewissen seine Stimme mit unbezwingbarer Macht erheben würde! Das ist das Schrecklichste. Wollt ihr darum einen dieser finstern, glaubenslosen Menschen in der jämmerlichsten Rolle sehen, so müsst ihr ihn unter den Schrecken des herannahenden Todes beobachten. Vor etwa dreißig Jahren fuhr ich mit einem solchen Elenden auf einem Schiffe zusammen, als sich ein frischer Wind erhob, der niemand als jenen in Schrecken setzen konnte. Das Schwanken des Schiffes brachte ihn außer Fassung. Er fiel auf seine Knie und bekannte dem Schiffsprediger, er sei bis dahin ein schnöder Gottesleugner gewesen. Wie ein Lauffeuer ging das Gerücht durch die Mannschaft, auf dem Verdeck sei ein Atheist. Manche der Matrosen, welche dies Wort noch nicht gehört hatten, meinten, es sei vielleicht ein seltener Fisch. Wie erstaunten sie, als sie sahen, dass es ein Mensch sei, und aus seinem eigenen Munde vernahmen, dass er bis zu dem Tage nicht an einen Gott geglaubt habe. Als er sich so in der Angst am Boden wand, flüsterte eine der ehrlichen Teerjacken dem Hochbootsmann zu, es würde ein gutes Werk sein, ihn über Bord zu werfen. Aber der Hafen war nun in Sicht, der Wind legte sich plötzlich, - da legte sich auch auf einmal die Bußangst jenes Mannes. Er bat alle Anwesenden, als Ehrenmänner nichts von der ganzen Sache verlauten zu lassen. Er war noch nicht mehr als zwei Tage an Land, als einer aus der Gesellschaft über ihn spöttelte, dass er an Bord so fromm gewesen sei. Davon wollte er aber nichts wissen und schwur es in so heftiger Weise ab, dass es zu einem ernsten Streite kam, der mit einem Zweikampf endete. Der Gottesleugner erhielt einen Stich in den Leib, und als er sein Blut fließen sah, wurde er ein eben so guter Christ, wie er an Bord gewesen, bis er gewahr wurde, dass seine Wunde nicht tödlich sei. Jetzt ist er einer der frechsten Freidenker und ist eben daran, eine Flugschrift gegen den althergebrachten Aberglauben an Gespenster und Kobolde in die Welt zu senden. Joseph Addison † 1719.

Der berühmte Naturforscher Athanasius Kircher († 1680), Erfinder der Laterna magica, hatte an der Wand seiner Studierstube eine schöne Karte des Sternenhimmels hängen. Eines Morgens trat ein Gottesleugner zum Besuch ein. Kircher arbeitete noch eine Zeitlang an seinem Schreibtische fort. Jener betrachtete inzwischen die Bilder an der Wand und auch die Himmelskarte und als Kircher aufstand, fragte der Gast: "Woher hast du die schöne Karte? Wer hat sie gemacht?" Dieser antwortete: "Es hat sie niemand gemacht, es hat sie auch niemand hingehängt, sie ist von selbst an die Wand gekommen." "Du scherzest," antwortete der Freund, "das ist ja unmöglich." Nun aber antwortete Kircher: "Ja, wie sollte das nicht möglich sein? Hältst du es doch für möglich, dass Sonne, Mond und Sterne selbst, die hier nur abgebildet sind, von niemand gemacht seien." D. Karl Gerok, Die Psalmen, † 1890.

"Es ist kein Gott; ich kann ihn nirgend finden",
So spricht der Tor, "er ist nicht dort noch hier."
O reiß doch ab von deinem Haupt die Binden,
Und Gottes Licht strahlt in dein Auge dir!
Gibt’s keinen Gott? Blick’ auf, es straft dich Lügen
Der ungezählten Sterne funkelnd Licht;
Ja, deines Gottes Bild, mit untilgbaren Zügen
Ist dir’s geprägt ins eigne Angesicht.
Gibt’s keinen Gott? Des Stromes Silberwelle,
Die Luft, die dich umweht, der Erde grüne Flur,
Die Bäume, Blumen, Felsen, Wasserfälle:
Sie preisen all’ mit einer Stimme nur
Des Ew’gen Ehre, der sie alle schuf.
Find’st du in dir ihn nicht: hör’ ihren mächt’gen Ruf!

Nach Giovanni Cotta.

Der Atheismus ist ein Kauz; am Mittag,
Wo hell die Sonne glänzt am Firmament,
Schleicht flatternd er daher und schließt die Augen, Blinzt dann nach ihrem Licht und ruft: Wo ist sie?

Nach Sam. Taylor Coleridge † 1834.

Die Toren sprechen in ihrem Herzen. Intus est os cordis, sagt Augustin († 430), auch das Herz hat einen Mund. Gott, sagt Cyprian († 258), ist cordis auditor, er hört das Herz; - demnach hat es eine Sprache. Silens auditur, sagt Gregor von Nazianz († 390) von Mose (2. Mose 14,15), er wird erhört, ohne dass er ein Wort spricht. Ein Philosoph hat gesagt: Mens vider, mens audit, mens loquitur. Der Geist des Menschen ist es, der durch die Organe sieht, hört und redet, - nicht diese an und für sich. D. Richard Clerke † 1634.

Verderbt, abscheulich handeln sie; da ist keiner, der Gutes tue. Weil die Menschen in ihrem Innern verderbt sind, werden sie auch in ihrem Tun abscheulich. Verderbt sind sie vor Gott, abscheulich vor den Menschen. Es gibt drei Arten von Leuten, von denen keiner Gutes tut . Da sind die, welche Gott weder verstehen noch suchen; die sind tot. Dann kommen die, welche Gott verstehen, aber nicht suchen; die sind gottlos. Und endlich gibt es Leute, welche Gott suchen, aber nicht verstehen; die sind Toren. Bernhard von Clairvaux † 1153.

Origenes († 254) stellt die Frage, wie man das sagen könne, dass unter den Juden und Griechen keiner sei, der Gutes tue , da man doch viele sehe, die die Nackten kleiden, die Hungrigen speisen und andere gute Taten tun. Darauf gibt er selber folgende Antwort: "Wie man von jemand, der einen Grund legt und darauf eine oder zwei Mauern errichtet, noch nicht sagen kann, er habe ein Haus gebaut, bis er es vollendet hat, so erreichen auch jene, obgleich sie manches Gute tun, doch das vollkommene Gute nicht, welches allein durch Christus zu finden ist." Aber es ist nicht die Absicht des Apostels (Röm. 3 , wo er unseren Psalm anführt), den Menschen nur die Vollkommenheit ihrer Gerechtigkeit abzusprechen (denn selbst die Gläubigen des neuen Bundes erreichen durch ihr Tun die erforderliche Gerechtigkeit nicht von ferne), sondern er zeigt, was die Menschen von Natur sind, dass sie nämlich ohne die Gnade und den Glauben an Christus alle unter der Sünde und darum dem gleichen Urteil versagen sind. Tut jemand ein gutes Werk, so geschieht es entweder durch die Gnade, und dann kommt es also nicht von ihm selbst her; oder, wenn er es durch das Licht der Vernunft tut, so ist es nicht wirklich rein und gut, entweder das Werk selbst oder die Beweggründe und Absichten desselben halten die Prüfung nicht aus. Andrew Willett † 1621.

V. 2. Keiner fragt nach Gott in der rechten Weise. Sie suchen Gott nicht um sein selbst willen, oder nicht ihn allein, sondern andere Dinge neben ihm und vor ihm; oder sie fragen nach ihm in kalter, gleichgültiger Weise, oder nicht andauernd, oder sie suchen ihn nicht da, wo er zu finden ist, in seinem Worte, oder nicht zur Zeit, da er zu finden ist. Thomas Wilson 1653.

V. 3. Allesamt verdorben. So beschreibt der römische Satiriker sein Zeitalter:

Längst erfüllt ist das Maß; kaum mögen kommende Zeiten
Ärgeres zeugen als das, was jetzt die Erde befleckt.
Ließen von schlimmen Begierden im Wahne die Väter sich treiben:
Gleichen Wahnes Verderben reißt auch die Söhne dahin;
Schamlos spreizt sich das Laster.

Nach D. J. Juvenal † um 120.

V. 4. Die Unvernünftigkeit der Menschen ist die Ursache, weshalb sie nicht scheuen, was sie scheuen sollten. Warum fürchten sich die Gottlosen nicht zu sündigen? Weil sie die Entsetzlichkeit der Sünde nicht kennen. Es ist offenbar, dass sie keine Einsicht haben, denn sie fressen Gottes Volk, wie sie Brot essen . Solche Bissen würden ihnen den Mund verbrennen, wenn sie noch irgendwelche Empfindung hätten. Sie würden es nimmer wagen, den Augapfel Gottes anzutasten, wenn sie wüssten, was sie tun. Richard Alleine † .68t.

Wie wenige nehmen die Zeugnisse der Schrift über die Feindschaft der ungöttlichen Welt gegen Gottes Volk ernst. Das Wort der Wahrheit sagt uns, dass die Gottlosen voller Gier sind, die Heiligen zu verzehren, und dass es ihnen eben solches Vergnügen bereitet, wie dem Hungrigen ein Mahl . Die Schrift vergleicht sie mit reißenden Löwen und Bären, listigen Füchsen, wilden Stieren, gefräßigen Schweinen, giftigen Skorpionen, stechenden Dornen usw. In den stärksten Ausdrücken wird uns ihre Emsigkeit und Unverdrossenheit in der Ausführung ihrer blutdürstigen Anschläge vorgeführt. Sie finden keinen Schlaf, wenn sie nicht ein Unheil angerichtet haben. Herodias will samt ihrer Tochter lieber das Blut eines Heiligen als ein halbes Königreich. Haman wägt gerne dem König zehntausend Zentner Silbers dar, wenn nur die Juden umgebracht werden. Sein Hass geht gegen das ganze Volk, das anders ist denn alle Völker. (Esther 3,6-9.) "Dieweil ihr nicht von der Welt seid, darum hasset euch die Welt." (Joh. 15,19 .) Könnt ihr eine Natter ohne Gift oder einen Leoparden ohne Flecken finden, dann mögt ihr auch erwarten, eine gottlose Welt ohne Hass gegen Gottes Auserwählte zu finden. Ihr mögt ebenso wohl Himmel und Hölle miteinander aussöhnen, als den Samen der Schlange und den des Weibes. Echte Frömmigkeit ist die Zielscheibe ihrer Pfeile. "Sie setzen sich wider mich, darum dass ich ob dem Guten halte." (Ps. 38, 21.) Die Welt gibt zwar vor, die Frommen aus andern Gründen zu hassen, weil sie stolz seien, sich besser dünken als andere, und was dergleichen Vorwände mehr sind, - allein der wahre Grund des nie und nimmer zu schlichtenden Zwistes ist die Heiligkeit der Knechte Gottes. Gottlose Menschen stürzen lieber ihre eigene Seele in die Verdammnis, als dass sie es lassen könnten, den Dolch gegen Gottes Augapfel zu zücken. Wiewohl sie wissen, was ein Wort sie kosten kann, ist ihnen doch nichts zu niedrig, wenn sie nur damit Gottes Volk umbringen können. Würden wir die Zeugnisse der Schrift über den Hass der Ungläubigen gegen die Gottseligen gebührend werten, wir würden uns nimmer auf unsere Klugheit und Vorsicht verlassen, als könnten wir uns selber vor den überall drohenden Gefahren schützen, sondern würden uns in die Arche retten, um uns vor der Flut ihres Zornes zu bergen. Wir würden, wenn wir je unter sie geworfen und doch mit heiler Haut davongekommen sind, Gott preisen für die Errettung, wie die drei Männer im Feuerofen. Wir würden uns nicht so sehr wundern, wenn wir von neuen Gräueltaten und Bedrückungen hören, als vielmehr darüber, dass Gott sie noch immer so zurückhält. Wir würden die Gesellschaft der Gottlosen scheuen wie die Nähe von Löwen und Skorpionen und ihnen nie etwas anvertrauen. Wir würden uns nicht mit ihnen verbinden, noch unsere Jünglinge und Jungfrauen mit solchen Söhnen und Töchtern Belials paaren oder unsere Kinder gottlosem Gesinde überlassen. Nach Lewis Stuckley † 1687.

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps14

von Jörg » 06.11.2018 16:34

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Meist fasst man den Psalm als lehrhafte Spruchdichtung auf. Die hebräischen Perfektformen V. 1-5 drücken dann allgemeine, von vielen einzelnen Fällen abgezogene Erfahrungstatsachen aus und sind mit Luther im Präsens zu übersetzen. Ganz abweichend ist die von nicht wenigen neueren Auslegern vertretene historische Auffassung, bei der man die Anfangsverse des Psalms imperfektisch übersetzt. Ihre Hauptstütze sucht diese Auffassung in V. 5: "Da erbebten sie, erbebten." Darnach wäre der Psalm als ein Rückblick auf eine entsetzliche Katastrophe zu verstehen, durch die in einer Zeit allgemeinen Abfalls über die Frevler das göttliche Strafgericht gekommen war, während die Gerechten dabei unversehrt geblieben waren. Der Schlussvers fügt sich aber bei dieser Auffassung schlecht dem Gedankengang ein, wenn man nicht den ganzen Psalm einer späten Zeit zuweisen will, wogegen sehr triftige Gründe sprechen. Man ist dann genötigt, V. 7 als späteren Zusatz anzusehen, während der Vers sich bei der gewöhnlichen Auffassung des Psalms ohne große Schwierigkeit dem bisherigen Gedankengang anfügt. -J. M.

Das Herz ist nach der Schrift nicht nur Werkstatt des Wollens, sondern auch des Denkens. Der nabal (der Tor) bleibt nicht dabei stehen, dass er so handelt, als ob kein Gott sei, sondern er leugnet auch geradezu, dass ein Gott sei, ein persönlicher nämlich.
Dass es solche Gottesleugner unter den Menschen geben kann, stellt der Psalmist als das Äußerste und Tiefste menschlicher Selbstverderbnis obenan. Subjekt des Folgenden: "Sie machen verderbt, machen abscheulich (ihr) Handeln", sind dann nicht diese Gottesleugner, sondern die Menschen insgemein, unter denen es solche gibt. Die Verneinung "Es ist kein Gutestuer" lautet so unbeschränkt wie 12,2. Aber weiterhin unterscheidet der Psalmist von der verderbten Gesamtheit ein gerechtes Geschlecht, welches dieses Verderben als Verfolgungsleiden zu erfahren bekommt. Er meint, was er sagt, von der Menschheit als ko/smoj (Welt), in welchem ihm zunächst, wie in der göttlichen Rede 1. Mose 6,5.12 , das Gemeinlein der durch Gnade der Verderbensmasse Entnommenen verschwindet. Da es nur die Gnade ist, welche dem allgemeinen Verderben entnimmt, so lässt sich auch sagen, dass die Menschen beschrieben werden, wie sie von Natur sind, obgleich freilich nicht von dem Erbsündenzustand an sich, sondern von dem Tatsündenzustand, der, wenn die Gnade nicht eingreift, daraus emporwuchert, die Rede ist. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Was sollen wir dazu sagen, dass derselbe Psalm mit geringen Abweichungen noch einmal in die heilige Sammlung aufgenommen ist? Kümmert sich der Geist Gottes so sehr um die Worte und Taten der Toren, dass es ihm nicht genügt, sie einmal zu beleuchten? Oder geht uns das Geschwätz und der Wahnwitz dieser Toren so nahe an, dass es nötig ist, uns einmal und abermals und Römer 3 zum dritten Mal darauf hinzuweisen? Sicherlich ist doch keiner von uns solch ein Tor! Nein, wenn uns nur jemand einen solchen zeigen wollte, der sich untersteht, wenn auch nur in Gedanken zu sagen: Es ist kein Gott, er würde sicherlich nicht unbehelligt bleiben, er sollte es bald erfahren, dass wir nicht zu seiner Partei gehören - wir, die wir sogar imstande sind, David selbst über diese und jene Glaubenssätze zu belehren, die er gar nicht gekannt hat. Ja noch mehr, wir, die wir David eine Vorlesung über seine eigenen Psalmen halten könnten, wir, die wir die Bedeutung seiner Weissagungen weit klarer erkennen als er, der dem heiligen Geiste die Feder hielt, wir sollten mit irgendeinem stichhaltigen Grunde des Atheismus bezichtigt werden können? Wir wollen ja zugeben, dass in andern Dingen ein kleiner Beigeschmack von Torheit und diese und jene Unvollkommenheit an uns gefunden werden mag; aber es ist undenkbar, dass wir, die wir mit dem himmlischen Manna des Wortes Gottes fast übersättigt sind, die wir unsere Lehrer unterweisen könnten, die wir fähig sind, Ansichten und Lehrsätze aufzustehen, deren Schwierigkeiten selbst Gelehrte vom Fach nicht zu lösen vermögen, jemals zu dem Gipfel der Torheit und des Wahnwitzes gelangen sollten, den Gedanken zu hegen, es gebe keinen Gott! Nein, wir sind nicht so unliebenswürdig, einen Türken oder offenbaren Ungläubigen solch schrecklichen Dinges zu bezichtigen. - Meine Lieben, haltet euch nicht selbst für klug! Bei ernstlicher Betrachtung des Kapitels 3 im Römerbrief werdet ihr finden, dass Paulus aus diesen und ähnlichen Worten der Schrift den Schluss zieht, dass die ganze Nachkommenschaft Adams unter der Sünde und dem Fluche Gottes liege. Diese seine Folgerung wäre ohne Beweiskraft, wenn nicht jeder Mensch von Natur eben von der Art wäre, die der Prophet hier beschreibt. Derselbe Apostel bezeichnet den natürlichen Zustand der Menschen Eph. 2,12 so: ohne Gott (a}qeoi) in der Welt. Wir lesen selbst unter den Heiden nicht von mehr als drei oder vier Leuten irgendwelchen Ansehens, die so weit gegangen wären, es als einen Lehrsatz aufzustellen, dass es keinen Gott gebe. Aber wiewohl die meisten Leute das Dasein der Gottheit theoretisch nicht in Frage stellen, vielmehr jeden offenbaren Atheisten verabscheuen, so leugnen sie Gott doch in ihrem Herzen und ihren Neigungen. Sie leben , als ob es keinen Gott gäbe. In all ihrem Vornehmen tut sich keinerlei Ehrfurcht vor Gott kund. Darum werden sie in Wirklichkeit nach Gottes Urteil im buchstäblichen Wortverstande Atheisten. William Chillingworth † 1643.

V. 1. Die Welt, in der wir leben, ist eine Welt der Toren . Der weitaus größere Teil der Menschen handelt wider alle Vernunft. So groß ist ihre Verblendung, dass sie das Zeitliche dem Ewigen, die Genüsse des Augenblicks solchen, die nimmer enden werden, vorziehen und lieber den Einflüsterungen Satans als Gottes Zeugnis Gehör geben. Von allen Torheiten ist die größte die, welche sich auf die ewigen Dinge bezieht; denn sie ist die verhängnisvollste, zumal es für den, der darin beharrt, keine Heilung mehr gibt. Ein Missgriff in zeitlichen Dingen lässt sich manchmal später wieder gut machen und ist jedenfalls von verhältnismäßig geringer Tragweite; aber ein Irrtum in geistlichen und ewigen Dingen ist nicht nur hienieden schon von der größten Bedeutung, sondern kann auch, wenn während des ganzen Lebens festgehalten, nie wieder berichtigt werden. Denn nach dem Tode gibt es keine Erlösung mehr. John Jamieson 1789.

Warum widersetzen sich die Menschen der göttlichen Autorität, gegen die sie doch nichts auszurichten vermögen? Was anders als der Geist der Feindschaft kann sie veranlassen, sich wider ein so sanftes Joch zu sträuben, eine so leichte Last abzuwerfen, so friedliche und liebliche Pfade zu scheuen und statt dieser solche einzuschlagen, die so offenbar Wege zur Hölle sind, da man hinunterfährt zu des Todes Kammern? (Spr. 7,27.) Lieber umkommen wollen als gehorchen: Ist das nicht der Höhepunkt der Feindschaft? Ja, wenn sie in ihrem Herzen sprechen: Kein Gott , heißt das so viel als: Ach, dass es keinen gäbe! Ihre Feindschaft erreicht nicht nur den Gipfel der Bosheit, sondern auch des Wahnsinns, indem sie den Schöpfer aller Dinge, den Urheber ihres eigenen Daseins vernichtet zu sehen wünschen. Ihre Wut beraubt sie aller Einsicht. Sie merken nicht, dass, was sie wünschen, die höchste Unmöglichkeit ist, und dass, wenn jenes Unmögliche möglich wäre, mit der Vernichtung Gottes zugleich auch ihre eigene und aller gelassenen Wesen Vernichtung gegeben wäre, und dass ihrer Herzen Gedanken, in Worte gefasst, auf nichts Geringeres als eine schreckliche und grässliche Verwünschung und Verfluchung Gottes und der ganzen Schöpfung zugleich hinauslaufen würden. Es ist, als wollten sie durch die Lästerungen ihres giftigen Atems die ganze Natur zerstören, das Weltall in ein Nichts auflösen. Sie reden wider Himmel und Erde, sich selber und alle Dinge zugleich, als ob sie dächten, ihr ohnmächtiger Hauch könnte die Allmacht überwältigen, die unerschütterlichen Grundpfeiler von Himmel und Erde ins Wanken bringen und das göttliche Schöpferwort "Es werde" durch ihr armseliges Nein zunichte machen. John Howe † 1705.

Wer leugnet, dass es einen Gott gibt, sündigt freventlich gegen das Licht der Natur; denn jedes Geschöpf, selbst die kleinste Mücke oder Fliege und der verächtlichste Wurm im Staube ist geeignet, den, der das Dasein Gottes in Frage stellt, zu widerlegen und zu beschämen. Der Name Gottes ist der ganzen Schöpfung in so deutlichen und leuchtenden Schriftzügen aufgedrückt, dass ihn alle Menschen dort mit Leichtigkeit lesen können. Der Gottesbegriff ist so fest und tief in die Tafeln des Menschenherzens geprägt, dass Gottes Dasein leugnen so viel ist als die Grundprinzipien der Natur verneinen. In der Hölle gibt es solche Atheisten nicht; denn die Teufel glauben und zittern (Jak. 2,19). Wer nicht an einen Gott glaubt, ist demnach schlechter als die Teufel. Der Kirchenvater Augustin († 430) sagt: Obgleich es manche gibt, welche denken oder doch sich einzureden suchen, dass es keinen Gott gebe, würde dennoch selbst der schlechteste und elendeste Schuft, der jemals gelebt hat, nicht den Mut haben, offen zu sagen: Es ist kein Gott. Der römische Philosoph Seneca († 65) sagt: Mentiuntur qui dicunt se non sentire Deum esse: nam etsi tibi affirmant interdiu nocte tamen dubitant , d. h.; Lügner sind alle, die sagen, sie könnten es nicht wahrnehmen, dass es einen Gott gibt; denn obgleich sie es bei Tage behaupten mögen, bezweifeln sie es selber bei Nacht. Ich habe von einigen gehört, die zweifeln, ob es einen Gott gebe; aber nie habe ich jemand kennen gelernt, der nicht, wenn er krank wurde, Gott um Hilfe angefleht hätte. Darum lügen alle, die solches sagen. Sie sündigen gegen das Licht ihres eigenen Gewissens. Die den größten Eifer entwickeln, das Dasein Gottes zu leugnen, können es nicht tun, ohne dass ihr Gewissen dagegen zeugt und ihnen die Schamröte ins Angesicht treibt. Thomas Brooks † 1680.

Wer in der Welt ist ein vollkommenerer Tor, wer ist unwissender und elender als ein Gottesleugner ? Eher kann doch jemand glauben, dass er selber gar nicht wirklich existiere, als dass er an dem Dasein Gottes zweifelt. Denn er selbst kann aufhören zu sein; einst war er nicht, sein Wesen verändert sich, und zu vielen Zeiten seines Lebens weiß er nicht, dass er ist, wie z. B. jede Nacht, wenn er schläft; aber nichts von alledem ist bei Gott möglich. Kann irgendetwas in der Welt törichter sein, als zu denken, dass dieses wunderbare Himmelszelt und diese Erde durch Zufall entstanden sein sollten, während doch der größte Künstler nicht eine Muschel machen kann? Wunderbare Wirkungen sehen und keine Ursache anerkennen, eine vortreffliche Weltregierung und keinen Regenten, eine Bewegung ohne ein Unbewegliches, einen Kreis ohne einen Mittelpunkt, eine Zeit ohne eine Ewigkeit, ein Zweites ohne ein Erstes, - ein Etwas, das nicht aus sich selber den Anfang genommen hat, erkennen, und doch nicht erkennen, dass ein anderes Etwas sein muss, woraus es seinen Ursprung hat und das selber ohne Anfang sein muss, - das alles sind Dinge, die so gegen die gemeine Lebensweisheit und den gesunden Menschenverstand streiten, dass der wirklich in seinem Verstand tierisch geworden sein muss, der es nicht anerkennen will. Das aber ist eben das Wesen des Toren, der in seinem Herzen spricht: Es ist kein Gott . Das Gebilde spricht: Niemand war mein Bildner. Die Zunge hat gewiss nicht sich selber sprechen gemacht und redet dennoch wider den, der sie geschaffen, und spricht: Was gemacht ist, das ist; der es gemacht hat, ist nicht. Bischof Jeremy Taylor † 1667.

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps14

von Jörg » 04.11.2018 11:28

5.Da fürchten sie sich;
denn Gott ist bei dem Geschlecht der Gerechten.

Es geht den Bedrückern nicht immer nach Wunsch. Plötzlich kommen dann und wann Anfälle von Zittern und Beben über sie, und es gibt Zeiten, wo sie vor dem Schall der göttlichen Stimme (V. 4) zu Boden fallen. (Vergl. Joh. 18,6.) Der Grundtext malt ihr Erschrecken in lebhaften Farben: da erschaudern sie schaudernd, oder, da das Zeitwort dxp den Nebenbegriff des Plötzlichen hat: da überfällt sie schrecklicher Schrecken. Da, wo sie Gott leugneten und sein Volk quälten und vergewaltigten; da, wo sie von Ruhe und Sicherheit träumten, da übernahm sie der Schrecken, diese halsstarrigen, hochmütigen Sünder, diese Nimrode und Herodesse mit dem großen Maul und der eisernen Faust. Ein unbeschreibliches, entsetzliches, geheimnisvolles Grausen lässt ihre Haut erschaudern. Die verhärtetsten Menschen haben Zeiten, wo das Gewissen ihnen kalten Angstschweiß auf die freche Stirn treibt. Wie Feiglinge oft grausam sind, so haben alle grausamen Menschen ein feiges Herz. Es kann einem aber auch das Haar zu Berge stehen machen, wenn Sünden längst vergangener Zeiten einen wie Schreckgespenster verfolgen. Ob auch die Ungläubigen noch so laut mit ihrem Unglauben prahlen, so klingt ihnen doch ein Ton in den Ohren, der ihnen alle Ruhe nimmt.
Denn Gott ist bei dem Geschlecht der Gerechten. Das ist es gerade, was den Ruchlosen die Gesellschaft der Gottesfürchtigen so widerwärtig macht: sie merken, dass Gott bei diesen ist. Sie mögen ihre Augen schließen, so fest sie wollen, sie können doch nicht umhin, das Bild Gottes in dem Charakter wahrhaft begnadigter Gotteskinder wahrzunehmen, noch können sie sich der Erkenntnis verschließen, dass der Herr daran ist, sein Volk aus ihrer Hand zu erretten. Gleich Haman erfasst sie unwillkürlich ein Grauen, wenn sie einen Schützling Gottes wie den Mardochai sehen. Selbst wenn der Fromme in niedriger Stellung vor dem Tore des Palastes trauert, wo sein Feind in Pracht schwelgt, so fühlt der Sünder doch den Einfluss des wahren Adels des Gläubigen und zittert davor; denn er merkt, dass sich da etwas Göttliches offenbart. Mögen die Spötter sich in Acht nehmen, denn sie verfolgen den Herrn Jesus, wenn sie sein Volk bedrücken. Die Verbindung zwischen Gott und seinem Volke ist überaus innig. Im alten Bunde wohnte Gott schon bei dem Geschlecht der Gerechten; jetzt wohnt er in geheimnisvoller Weise durch den Geist in ihnen.


6.Ihr schändet des Armen Rat;
aber Gott ist seine Zuversicht.
5

Ungeachtet ihrer Feigheit hüllen sich die Gottlosen doch in das Fell des Löwen und spielen die Herren über Gottes leidendes Volk. Obgleich sie selber Toren sind, spotten sie doch über die wahren Weisen, als ob die Torheit auf deren Seite wäre. Aber was kann man auch anderes von ihnen erwarten? Wie sollten viehisch rohe Gemüter Verständnis für Vortrefflichkeit haben? Wie können Eulenaugen die Sonne bewundern? Die besondere Zielscheibe ihres Witzes scheint das Vertrauen der Frommen auf den Herrn zu sein. "Was kann euer Gott nun für euch tun? Wer ist der Gott, der euch aus unserer Hand erretten könnte? Wo ist der Lohn für all euer Bitten und Flehen? Höhnische Fragen solcher Art schleudern sie den schwachen Gotteskindern ins Angesicht. Wir wollen uns aber durch ihr Lachen und Höhnen nicht aus unserer Festung locken lassen, sondern wollen ihren Spott verspotten und ihrem Hohn mit Hohn antworten. Wir brauchen nur ein wenig zu warten, dann wird der Herr, der unsere Zuflucht ist, seine Auserwählten rächen und seinen Widersachern, die sich einst über ihn und sein Volk lustig gemacht haben, den Garaus bereiten.

7.Ach, dass die Hilfe aus Zion über Israel käme,
und der Herr sein gefangen Volk erlöste!
So würde Jakob fröhlich sein, und Israel sich freuen.

Dieses Schlussgebet ist natürlich genug; denn was könnte so wirksam die Gottesleugner überführen, die Verfolger niederwerfen, der Sünde wehren und die Frommen in Sicherheit bringen, als die offenbare Erscheinung des großen Heiles Israels? Das Kommen des Messias war das Sehnen der Gottesfürchtigen aller Zeiten, und obgleich er bereits einmal gekommen ist, um mit einem Sühnopfer die Missetat hinwegzunehmen, so warten wir doch darauf, dass er zum zweiten Mal erscheine ohne Sühnopfer zur Vollendung unserer Seligkeit. (Vergl. Hebr. 9,28 .) Ach, dass die Jahre des Harrens schon zu Ende wären! Warum verzieht er so lange? Er weiß, dass die Sünde überhand nimmt und sein Volk untertreten wird; warum kommt er nicht, die Seinen zu befreien? Seine glorreiche Wiederkunft wird sein altes Bundesvolk von der buchstäblichen und das geistliche Israel von der geistlichen Gefangenschaft befreien. Der kämpfende Jakob und der sieghafte Israel werden sich gleichermaßen vor ihm freuen, wenn er als ihr Heil offenbar wird. O dass er jetzt käme! Welch glückliche, heilige, entzückende, himmlische Tage würden wir dann erleben! Aber lasst uns ihn nicht für säumig halten; denn siehe er kommt, er kommt bald, er kommt in Eile tacu/ Off. 22,20). Wohl allen, die auf ihn harren!

Fußnote
5. Es ist wohl zu übersetzen: Des Gedrückten Rat -- macht ihn nur zuschanden! (umsonst ist es doch,) denn der Herr ist seine Zuflucht. Das Fut. ist, wie auch z. B. 3. Mose 18, 17 imperativisch zu fassen. Der Begriff des Vergeblichen ist in dem ykIi = denn verborgen. Spurgeon dagegen fasst es nach der engl. Übersetzung, als ob das Perf. stände: Ihr habt des Armen Rat geschändet, weil der Herr seine Zuflucht ist.

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps14

von Jörg » 30.10.2018 16:00

2. Der Herr schauet vom Himmel auf der Menschen Kinder,
dass er sehe, ob jemand klug sei
und nach Gott frage.
3. Aber sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig;
da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer.


Der Herr schaut vom Himmel auf der Menschen Kinder. Wie von einem hohen Wachtturm aus beobachtet er mit scharfem, durchdringendem Blicke die Menschen. Er straft nicht blindlings wie ein Tyrann, der in plötzlicher Zornesaufwallung den Befehl gibt, alles ohne Unterschied niederzumetzeln, weil das Gerücht eines Aufruhrs zu seinen Ohren gedrungen ist. Welch herablassende Teilnahme Gottes für das Menschengeschlecht und welch unparteiische Gerechtigkeit wird uns hier vor Augen gestellt! An Sodom, das der Herr erst verderbte, nachdem er hinabgefahren war und die Stadt besucht hatte (1. Mose 18,21.33; 19), haben wir ein deutliches Beispiel davon, wie sorgfältig die göttliche Gerechtigkeit die Sünde besieht, ehe sie die Strafe hereinbrechen lässt, und wie sie die Gerechten ausfindig macht, damit sie nicht mit den Schuldigen umkommen. Sieh, wie die Augen des Allwissenden den ganzen Erdkreis durchforschen und unter allen Völkern und Nationen danach spähen, ob jemand klug sei und nach Gott frage . Er, der vom Himmel herniederschaut, kennt das Gute und erkennt es alsbald, und er würde sich hoch freuen, irgendwo etwas Gutes zu finden. Aber unter all den unwiedergeborenen Menschenkindern ist sein Suchen und Forschen fruchtlos; denn unter dem ganzen adamitischen Geschlecht gibt es nicht eine Seele, die nicht von Natur ein Feind Gottes und des Guten wäre. Wonach der Herr sucht, sind nicht reiche, berühmte oder gelehrte Leute. Diese können mit allem, was sie darzubieten vermögen, doch den Ansprüchen des großen Weltenlenkers nicht gerecht werden. Auch sucht er nicht nach solchen, die den höchsten Grad der Tugend erreicht haben. Nein, er sucht nur nach Leuten, die klug waren, die so viel Einsicht hätten, ihren Zustand und hinwiederum ihre Pflicht, ihre Bestimmung und ihr Glück zu erkennen; er forscht nach solchen, die nach Gott fragen , die, gesetzt, dass es einen Gott gibt, willig und begierig wären, ihn zu finden. Das ist doch gewiss keine zu hoch gespannte Erwartung; denn wenn die Menschen Gott noch nicht erkannt haben, werden sie ihn doch suchen, wenn sie überhaupt gesunden Verstand besitzen. Aber wehe, nicht einmal diesen geringen Grad des Guten kann das Auge des Allsehenden entdecken, sondern die Menschen haben ihre Freude an der grauenhaften Verneinung: Es ist kein Gott. Sie kehren ihrem Schöpfer, der Sonne ihres Lebens, den Rücken und wandern in das Schreckensland des Unglaubens und der Gottentfremdung, in das Land der Finsternis und des Todesschattens, da keine Ordnung ist und, wenn’s hell wird, es ist wie Finsternis (Hiob 10,21 f.).
Aber sie sind alle abgewichen. Alle Menschen ohne Ausnahme sind ihrem Schöpfer abtrünnig geworden und haben seine Gesetze und die ewigen Grundordnungen des Rechts verlassen. Gleich störrigen Rindern haben sie sich geweigert, ihren Nacken unter das Joch zu beugen; wie irrende Schafe haben sie ein Loch in der Hecke gefunden und die gute Weide verlassen. Der Urtext spricht von dem Geschlecht als einem Ganzen, einer Gesamtheit (lkIoha). Die Menschheit als Ganzes ist dem Verderben verfallen, so dass ihre Gesinnung nichtswürdig, ihr Wandel befleckt geworden ist. Sie sind allesamt untüchtig. Alle einzelnen miteinander sind verdorben und versauert, wie schlecht gewordene Milch oder verdorbener Sauerteig, oder, wie manche es wiedergeben; sie sind faul, ja stinkend geworden. Der einzige Grund, warum wir diese Fäulnis nicht deutlicher wahrnehmen, ist, dass wir uns daran gewöhnt haben, gerade wie Leute, die Tag für Tag in einer Luft arbeiten, die von ekelhaften Dünsten erfüllt ist, schließlich nichts mehr davon merken. Der Müller beachtet den Lärm seiner Mühle nicht, und wir bemerken nur schwer unsere Verderbtheit und unsern sittlichen Verfall. Aber gibt es keine Ausnahmen von der Regel? Sind alle Menschen sündig? Ja, sagt der Psalmist in nicht misszuverstehender Weise: sie alle. Erst hat er es positiv ausgesprochen, jetzt wiederholt er es in der Form der Verneinung: Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer . In bestimmtester Weise wird es hier verneint, dass irgendein Adamssohn aus sich selbst etwas Gutes tue. Dies ist der Urteilsspruch des allsehenden Gottes, der nicht übertreiben, noch sich irren kann. Der heilige Geist, der durch den prophetischen Sänger redet, begnügt sich nicht damit, zu sagen: ihre Gesamtheit, alle miteinander, sondern er fügt die erdrückenden Verneinungen hinzu: keiner, auch nicht einer. Was sagen die Gegner der Lehre von der natürlichen Verderbtheit hierzu? Und welche Empfindungen weckt dieses Zeugnis des heiligen Geistes in unsern Herzen? Drängt es uns nicht, es zu unserm persönlichen Bekenntnis zu machen, dass auch wir von Natur verderbt sind, und die freie Gnade zu preisen, die uns erneuert hat im Geiste unseres Gemüts, auf dass nun nicht mehr die Sünde uns tyrannisch beherrsche, sondern die Gnade uns freundlich leite und regiere?

4. Will denn der Übeltäter keiner das merken,
die mein Volk fressen, dass sie sich nähren;
aber den Herrn rufen sie nicht an?


Der Hass gegen Gott und die Verderbtheit des Lebens sind die treibenden Kräfte, welche die Verfolgungen der Frommen erzeugen. Menschen, die keine selig machende Erkenntnis von göttlichen Dingen haben und sich selbst zum Dienst der Bosheit verkaufen, so dass sie Übeltäter werden, haben keine Neigung, den Herrn um Errettung aus ihrer Sklaverei anzurufen, sondern sie machen sich eine Lust daraus, das arme, verachtete Volk Gottes zu verschlingen. Das ist schwere Knechtschaft, ein Übeltäter zu sein! Ein Galeerensklave oder einer, der zur Arbeit in den Minen Sibiriens verbannt ist, hat kein erniedrigenderes und erbärmlicheres Los. Die Arbeit ist hart, der Lohn schrecklich. Diese Sklaverei erwählen solche, die aller Erkenntnis bar und unvernünftig 3 wie die Tiere sind. Wer aber von Gott gelehrt ist, schreit nach Befreiung aus solchen Ketten. Dieselbe Unwissenheit, welche die Menschen in der Knechtschaft der Sünde festhält, gebiert in ihnen den Hass gegen die frei geborenen Kinder Gottes; deshalb suchen sie diese zu verzehren, wie man Brot isst! 4 -- täglich, gierig, als wäre es eine ganz gewöhnliche Alltagssache, die Heiligen Gottes zu unterdrücken. Wie die Hechte im Teich die kleinen Fische fressen, wie die Adler den kleineren Vögeln nachstellen, wie die Wölfe die Schafe auf der Weide zerreißen, so verfolgen, verlästern und verschlingen die Gottlosen die Nachfolger Jesu, als wäre das etwas ganz Natürliches. Während sie so die Frommen sich zur Beute zu machen suchen, schwören sie allem Beten ab, und hierin stimmen sie alle überein; denn wie könnten sie hoffen, erhört zu werden, da ihre Hände voll Blut sind?

Fußnoten
3. Delitzsch übersetzt: Sind so gar unvernünftig alle Übeltäter? W(d:yf)Æl, ohne Objekt, sei von absolutem Nichtwissen zu verstehen, wie, 82,5 und öfters. Andere übersetzen: Haben es denn nicht erfahren alle Übeltäter.

4. Wörtlich: Die mein Volk verzehren- was wohl heißen soll: Die mein Volk fressen, wie sie Brot essen, als wäre es etwas ganz Natürliches, Wohlberechtigtes. Vergl. die Ausmalung dieses Gedankens Micha 3,2 f. Andere geben dem Ausdruck mit Luther den Sinn, dass sie von gottloser Ausbeutung des Volkes leben.

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps14

von Jörg » 26.10.2018 14:48

Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott. Ist es möglich, dass ein Mensch mit dem Munde an Gott zu glauben bekennt und dennoch in seinem Herzen das Gegenteil sagt? Ist er vielleicht in der Frechheit noch nicht so weit vorgeschritten, seine Torheit in Worten auszuposaunen? Oder will der Dichter sagen, dass des Herzens Gedanken vor Gott wie Worte sind, auch wenn sie vor Menschen noch nicht laut geworden? Ist das Herz die Stätte, wo der Mensch zuerst ein Ungläubiger wird, - das Herz und nicht der Kopf? Oder soll es als ein törichtes Reden im Herzen, als ein Mühen, die Stimme des Gewissens niederzuschreien, bezeichnet werden, wenn jemand gottesleugnerische Reden führt? Das ist jedenfalls nicht unrichtig. Hätte das Herz Lust zur Wahrheit und Gerechtigkeit, so würde der Verstand keine Schwierigkeit haben, über die Frage, ob es einen allgegenwärtigen, persönlichen Gott gibt, zur Klarheit zu kommen; aber da das Herz Recht und Gerechtigkeit hasst, ist es kein Wunder, dass es den Gott los sein möchte, der in all seinem Walten heilig ist und sich als den Beschützer des Rechts und den Rächer des Unrechts offenbart. Solange das Menschenherz bleibt, wie es ist, darf uns die weite Verbreitung der Zweifelsucht nicht befremden. Ein fauler Baum bringt arge Früchte (Mt. 7, 17). David Dickson († 1662) sagt: "Solange der Mensch nicht wiedergeboren und nicht mit Gott versöhnt ist, ist er in Wirklichkeit nichts anderes als ein Wahnsinniger." (Vergl. 5. Mose 32,28; Jer. 4,22; 5,21; Ps. 49,21; Eph. 4,18 u. a. St.) Was Wunder denn, wenn er tolles Zeug redet! Solche Toren wie die, mit denen wir es in unserem Text zu tun haben, sind allen Zeiten und allen Ländern gemein. Dem Unkraut gleich gedeihen sie ohne Pflege und sind sie in aller Welt zu finden. Ausbreitung bloßer Verstandes - Aufklärung vermindert ihre Zahl nicht. Da es sich hier nicht um einen Fehler im Gehirn, sondern im Herzen handelt, findet sich diese Torheit vielmehr oft mit großer Gelehrsamkeit vereinigt. Die Spitzfindigkeiten der Zweifelsucht zu widerlegen wird so lange vergebliche Mühe sein, bis die Gnade in das Herz einzieht und es zum Glauben willig macht. Narren mögen in einer Stunde mehr Einwürfe aufbringen, als weise Leute in sieben Jahren beantworten können. Ja es ist ihre Freude, den Weisen Steine in den Weg zu legen, über die sie straucheln sollen. Der Prediger ziele auf das Herz und predige die allüberwindende Liebe Jesu; auf diese Weise wird er durch Gottes Gnade mehr Zweifler für den Glauben des Evangeliums gewinnen, als hundert der besten Denker, die mit ihren apologetischen oder polemischen Beweisführungen nur den Kopf treffen.

Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott. Diese Behauptung ist so ungeheuerlich, dass der Mensch es kaum wagt, sie bestimmt auszusprechen. Calvin scheint der Meinung, die Worte: "Kein Gott" (buchstäbl.) seien schwerlich als ein förmlicher Vernunftschluss, als ein positiver dogmatischer Satz zu werten. Andere Ausleger führen den Gegenbeweis. Es ist nicht nur der Wunsch der verderbten Natur des Sünders und die Hoffnung seines aufrührerischen Herzens, dass es keinen Gott gebe, sondern er müht sich auch ab, sich auf irgendeine Weise dazu zu bringen, es als Tatsache zu behaupten, und zuweilen meint er wirklich, er glaube es. Es ist ein überaus ernster Gedanke, dass es Menschen gibt, die mit ihren Lippen Gott anbeten und dennoch in ihrem Herzen sprechen: Es ist kein Gott. (Man vergl. z. B. Jer. 5,2.12;) Und zwar handelt es sich hier um die Leugnung des persönlichen Gottes. Es ist beachtenswert, dass es nicht so sehr der abstrakte Begriff der Gottheit ist, gegen den sich die Angriffe richten (Elohim wird nach Delitzsch nie im abstrakten Sinn gebraucht), als vielmehr der Begriff des sich persönlich in der Welt offenbarenden, allgegenwärtigen und allwaltenden Gottes. Eben als der Wirkende, als der Herrscher und Gesetzgeber und Retter ist Gott die Zielscheibe, auf die sich die Pfeile des menschlichen Grimmes richten. Welch ohnmächtige Bosheit und wahnsinnige Wut, die gegen den tobt und schäumt, in dem wir leben, weben und sind! Welch schreckliche Geisteskrankheit, die den Menschen, der sein Alles dem Herrn verdankt, dahin führt, auszurufen: Es ist kein Gott.

Sie taugen nichts. Dieses Urteil bezieht sich auf alle Menschen, und zwar gibt uns der heilige Geist die Vollmacht zu dieser Behauptung. Man lese das 3. Kapitel im Römerbrief (Röm 3). Feindschaft wider Gott bekundet tiefe Verderbnis des innersten Wesens. Die wörtliche Übersetzung: Sie machen ihr Tun 2 verderbt, d. h. verderblich handeln sie , erinnert uns daran, dass die Sunde nicht nur passiv in unserer Natur liegt als Quelle des Bösen, sondern dass wir selber mit unserm Tun die Flamme schüren und uns immer mehr sittlich verderben. So machen wir das noch schwärzer, was von Anfang schon schwarz wie die Nacht war. Wir schmieden unsere eigenen Ketten durch gewohnheitsmäßiges und beharrliches Ausüben des Bösen.
Sie sind ein Gräuel mit ihrem Wesen, wörtlicher: Abscheulich handeln sie . Wenn Menschen damit anfangen, dass sie das Dasein des Allerhöchsten leugnen, wer mag sagen, wo sie enden werden? Wenn erst dem Meister die Augen ausgestochen sind, was werden dann die Gesellen nicht alles anfangen? Man betrachte den Zustand der Welt zur Zeit der Sintflut, wie er 1. Mose 6,12 dargestellt wird (woran uns besonders das dort zuerst gebrauchte Wort tyxi$:hi erinnert), und man bedenke, dass die menschliche Natur dieselbe geblieben ist. Wer ein schreckliches Gemälde von der ohne Gott dahinlebenden Welt sehen will, muss die peinlichste Stelle der ganzen von Gott eingegebenen Schrift, das erste Kapitel im Römerbrief, lesen. Gelehrte Hindus haben bekannt, dass diese Beschreibung buchstäblich genau auf die heutigen Zustände in Indien passe; und es stände in unsern Landen gerade so, wenn bei uns nicht die Macht der Gnade durch das Evangelium die Sünde eindämmte und zurückhielte. Ach, jene Beschreibung ist ohnehin ein nur zu genaues Bild dessen, was auch in unsern Landen im Geheimen getrieben wird. Dinge, die Gott und Menschen im höchsten Grade ekelhaft sind, schmecken manchem Gaumen lieblich.

Da ist keiner, der Gutes tue. Unterlassungssünden müssen da überhand nehmen, wo Begehungssünden epidemisch sind. Wer tut, was er nicht tun sollte, lässt sicher ungetan, was er tun sollte. Welch ein Bild unseres Geschlechts wird uns hier gezeigt! Die gefallene, entartete Menschheit ist eine Wüste ohne Oase, eine Nacht, in der kein Sternlein blinkt, ein Müllhaufen, in dem kein Edelstein zu finden ist, ein Höllenabgrund, dessen Tiefe niemand ergründen kann.

Fußnote
2. hlfyli(A gehört als Objekt zu den beiden aktiven Verben: Verderbt, ja abscheulich machen sie ihr Tun.

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps14

von Jörg » 23.10.2018 15:06

Kommentar & Auslegung zu PSALM 14



Überschrift

Diese inhaltreiche Dichtung ist einfach überschrieben: Ein Psalm Davids, vorzusingen, oder: dem Sangmeister . Diese Widmung an den Vorsteher des Musikchors im Tempel, die sich an der Spitze von 55 Psalmen findet, will offenbar sagen, dass die so bezeichneten Psalmen nicht allein zum Privatgebrauch der Gläubigen bestimmt waren, sondern auch bei den Tempelgottesdiensten von dem dazu bestellten Chor unter Musikbegleitung gesungen werden sollten. Es waren der levitischen Sänger im Ganzen viertausend in vierundzwanzig Klassen. Mehrere der zur öffentlichen Aufführung bestimmten Psalmen enthalten wenig oder gar keine Lobpreisung und sind nicht unmittelbar an Gott gerichtet. Das beweist, dass die Theorie des Kirchenvaters Augustin († 430), die von manchen Gesangbuch - Herausgebern wieder aufgefrischt worden ist, dass man nämlich nur Loblieder singen solle, trotz ihrer scheinbaren Berechtigung keinen Schriftgrund hat. Die alttestamentliche Gemeinde besang in ihren geistlichen Liedern nicht nur die heiligen Lehren der göttlichen Offenbarung, auch brachte sie in ihnen nicht nur Bitte, Dank und Anbetung vor den Allerhöchsten, sondern der gottbegnadete Sänger Israels legte der Gemeinde in seinen Psalmen unter der Leitung des göttlichen Geistes sogar die Klagetöne heiliger Entrüstung in den Mund. Manche Leute haschen nach jeder "Feinheit", welche einen Schein von Richtigkeit hat, und gefallen sich darin, in grillenhaft übertriebener Genauigkeit noch mehr zu leisten als andere. Das wird aber schlichte Leute nicht hindern, an der alten, erprobten Weise festzuhalten und in ihren heiligen Gesängen nicht allein den Herrn zu erheben, sondern auch nach des Paulus Vorschrift einander zu lehren und zu vermahnen in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern, dabei dem Herrn in ihrem Herzen singend und spielend (Kol. 3,16).
Wir wollen den Psalm zur Unterstützung unseres Gedächtnisses überschreiben: Das Lied von der praktischen Gottesleugnung. Die vielen Vermutungen über die Veranlassung zur Dichtung dieses Psalms sind so völlig aus der Luft gegriffen, dass es Zeitverschwendung wäre, sie des langen und breiten aufzuzählen. Der Apostel Paulus hat uns im Kapitel 3 des Römerbriefs es gezeigt, dass es die Absicht des vom Geiste Gottes erleuchteten Dichters war, zu beweisen, dass alle Menschen unter der Sünde sind. Es liegt demnach kein Grund vor, eine besondere geschichtliche Veranlassung zu suchen, wenn doch die ganze Geschichte des Menschengeschlechts von schrecklichen Beweisen unserer gänzlichen Verderbtheit starrt. Mit lehrreichen Abänderungen ist uns im 53 . Psalm eine zweite Auflage dieses für unser Geschlecht so demütigenden prophetischen Bußrufes gegeben. Es war offenbar der Trieb des heiligen Geistes, der den Psalmisten bestimmte, eine Wahrheit, die dem fleischlichen Sinne stets so zuwider ist, zwiefach zu bezeugen.

Einteilung

Das törichte Glaubensbekenntnis der Welt V. 1a; dessen Sitten verderbender Einfluss V. 1b, 2.3; die Verfolgungssucht der Gottlosen V. 4; deren Spott über die Gottesfürchtigen V. 6; und endlich V. 7 die Bitte, der Herr möge sich zur Freude der Seinen als Retter offenbaren.

Auslegung

1. Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott.
Sie taugen nichts und sind ein Gräuel mit ihrem Wesen;
da ist keiner, der Gutes tue.


Der Tor 1. Der Gottesleugner ist der Tor im besondern und ein Tor im allgemeinen Sinne. Er würde Gott nicht leugnen, wenn er nicht seinem innersten Wesen nach ein Tor wäre, und nachdem er Gott geleugnet hat, darf es uns nicht wundernehmen, dass er auch in seiner Handlungsweise ein Tor wird. Sünde ist immer Torheit; und wie es der Gipfelpunkt der Sünde ist, sogar das Dasein des Allerhöchsten zu leugnen, so ist es auch die denkbar größte Torheit. Wer da sagt, es gebe keinen Gott, widerstreitet den unwiderleglichsten Beweisen, und das ist Halsstarrigkeit; er widersetzt sich der übereinstimmenden Erkenntnis der ganzen Menschheit, und das ist Dummheit; er unterdrückt das eigene Bewusstsein, und das ist Wahnsinn. Wenn der Sünder den Gott, welchen er hasst, durch die Leugnung seines Daseins vernichten könnte, dann wäre in seinem Unglauben wenigstens noch etwas Sinn, wenn auch viel Bosheit; aber gleichwie es einen Menschen, der in den Flammen ist, nicht vor dem Verbrennen schützt, wenn er das Dasein des Feuers leugnet, so wird auch die Bezweiflung des Daseins Gottes den Richter der ganzen Welt nicht davon abhalten, alle, die sich wider ihn empören, auszurotten. Im Gegenteil, die Gottesleugnung ist ein Verbrechen, das den Himmel herausfordert, und schreckliche Rache wird daher über alle die Toren kommen, welche sich dieses Verbrechens schuldig machen. Ein Sprichwort sagt: Des Narren Zunge schneidet ihm den Hals ab, -- und in diesem Falle bringt sie Leib und Seele ins ewige Verderben. Ach, und wenn das noch alles Unheil wäre! Aber das Traurigste ist, dass ein Tor hundert andere erzeugt und dass solch ein lästernder Schreihals seine schreckliche Lehre ausbreitet, wie ein Aussätziger die Pest. Das hier für Tor gebrauchte Wort (nabal) führt nach der wahrscheinlichsten Ableitung auf den Begriff des Welken und Saftlosen, wie man es von Laub und Blumen sagt (z. B. Jes. 40,7 f.), bezeichnet also hier, im sittlichen und religiösen Sinn angewendet, die Torheit als geistliche Fadheit, Dürre und Nichtsnutzigkeit. Der Tor hat Saft und Kraft der Weisheit, Verständigkeit, Ehrbarkeit und Gottesfurcht verloren. John Trapp († 1669) trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er ihn einen ausgemergelten Menschen, eine lebendige Leiche, ein wandelndes Grab nennt, einen Menschen, in dem alle Religion und aller gesunde Menschenverstand verwelkt und verdorrt, zerstört und verwüstet sind. Mit welchem Ernst sollten wir selbst den Schein eines Zweifels an der Gegenwart, der Wirksamkeit, der Macht und der Liebe Gottes meiden; denn all solches Misstrauen ist seinem Wesen nach Torheit, und wer von uns möchte wohl mit den Toren in unserem Text zusammengestellt werden? Doch wollen wir nicht vergessen, dass allen unwiedergeborenen Menschen mehr oder weniger von solcher Torheit im Herzen steckt.

Fußnote
1. Im Grundt. steht die Einzahl, die aber natürlich nicht einen einzelnen, sondern eine Klasse von Menschen bezeichnen soll. Beim Fehlen des Artikels übersetzt man sinngemäß wohl am besten: Toren sind es, die sprechen u.

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps13

von Jörg » 20.10.2018 13:32

Erläuterungen und Kernworte

Darum sage ich nochmals: Lebe deines Glaubens; ich sage es wieder und wieder: Lebe deines Glaubens; frohlocke gläubig in dem Herrn . Ich darf es kühn behaupten: Es liegt an dir und an der mangelnden Übung im Glauben, wenn du dir zuzeiten durch eigne trübe Stimmungen oder durch den Satan deine Freudigkeit und geistige Regsamkeit verkümmern und dich im Banne schwermütiger Gedanken festhalten lässt. Vielleicht hast du ein melancholisches Temperament, eine natürliche Anlage zum Trübsinn. Hat aber der Glaube nicht Macht, über die Natur den Sieg davonzutragen? Ist er nicht stärker als irgendein Belebungsmittel? Wird nicht ein erfahrener Geistlicher oder Arzt einem Quäntchen Glauben mit Recht den Vorzug geben vor allem, was die Apotheke für diesen Zweck enthält? Trägt er nicht eine unumschränkte Gewalt in sich, den Kopf von allen Sorgen, die Brust von allen Ängsten und Beschwerden, das Gemüt voll all den trüben Gedanken und den Leidenschaften zu befreien, kurz, den ganzen Menschen aufzuheitern? Was aber kann es einem helfen, eine Herzstärkung bei sich zu haben, wenn man sie nicht braucht, ein Schwert an der Seite zu tragen, wenn man es bei einem Überfall nicht aus der Scheide zieht? Wenn dich Schwermut überfällt und du zu deiner Seele sprichst: "Was betrübst du dich? Wisse und bedenke, an wen du glaubst!"- würde sie nicht sogleich ihre Ruhe wieder gewinnen? Würde nicht der Meister Sturm und Wogen bedrohen und alsbald in deinem Gemüt eine große Stille werden? Ein jeder hat das eine oder andere Mittel, schwere Gedanken zu verscheuchen, den bösen Geist zu bannen, wie es David tat mit seiner Harfe. Der eine bedarf dazu froher Gesellschaft, der andere eines kräftigen Trunkes, der dritte seiner Tabakspfeife. Ohne die geht’s nicht. Wie arm, wie jämmerlich und töricht sind alle solche Hilfsmittel, verglichen mit einem einzigen frischen Trunk aus dem Lebensborn des Glaubens! Samuel Ward † 1653.

Ich will dem Herrn singen, dass er an mir so wohl getan hat. Der Glaube hält die Seele aufrecht, dass sie auch unter schweren Anfechtungen nicht zusammenbricht, indem er dem bekümmerten Herzen die früheren Erfahrungen von Gottes Macht, Gnade und Treue in Erinnerung bringt. Das war es, was den Psalmisten in Trübsal tröstete. Gedenke, mahnt der Glaube, was Gott für; beides, dein inneres und dein äußeres Leben, getan hat. Er hat nicht nur deinen Leib aus der Not befreit, sondern an deiner Seele Großes getan. Er hat dich aus einem Zustande der Verfinsterung an das Licht gebracht, mit dir einen Bund geschlossen, hat seine Güte lassen vor dir hergehen. Er hat dir Freudigkeit zum Gebet gegeben und deine Gebete und Tränen oft erhört. Hat er dich nicht einst aus der schrecklichen Grube hervorgezogen und aus dem grausigen Schlamm und dir ein neues Lied in den Mund gelegt und den Vorsatz in dir erweckt, nie wieder so kleingläubigen Gedanken und Sorgen Raum zu geben? Wie wenig geziemt es dir nun, in Trostlosigkeit zu versinken! John Willison † 1750.

Ich will dem Herrn singen. John Philpot († 1555) hatte schon eine Zeitlang im Kohlenkeller des Bischofs von London gefangen gelegen, als der Bischof ihn zu sich beschied und ihn unter anderem fragte, wie sie im Gefängnis so fröhlich sein könnten. Philpot antwortete: "Gnädiger Herr, unsere Fröhlichkeit besteht nur darin, dass wir Psalmen singen, wie uns St. Paulus tun heißt. Denn wir sind hier an einem finstern und trostlosen Ort, und da erheitern wir uns auf diese Weise. Darüber werden, hoffe ich, Euer Gnaden nicht zürnen, da doch Jakobus sagt: Ist jemand gutes Muts, der singe Psalmen (Jak. 5, 13), - und um zu beweisen, dass wir uns bei allem Elend in Gott freuen, darum erquicken wir uns all solchem Gesang." "Nach einigen andern Gesprächen wurde ich", sagt er, "in den Kohlenkeller zurückgeführt, wo ich mich mit meinen sechs Mitgefangenen des Morgens gottlob! so fröhlich aus dem Stroh erhebe, wie andere aus ihren Daunenbetten." Und an einen Freund schreibt er: "Grüße Herrn Elsing und seine Gattin und danke ihnen, dass sie mir in meinem Gefängnis einige Erleichterung verschafft haben. Sage ihnen, dass meines gnädigen Herrn Kohlenkeller, wiewohl er sehr schwarz ist, dennoch für den Gläubigen begehrenswerter ist als der Palast der Königin. Die Welt wundert sich, wie wir in so tiefem Elend noch fröhlich sein können. Aber unser Gott ist allmächtig und wandelt Elend in Glückseligkeit. Glaube mir, die Welt kennt solche Freude nicht, wie Gottes Volk sie unter Christi Kreuz hat. Ich rede aus Erfahrung; darum glaube mir und fürchte nichts, was die Welt dir tun kann. Denn wenn sie unsern Leib gefangen setzen, so geben sie unserer Seele Freiheit, mit Gott zu verkehren. Wenn sie uns niederwerfen, so richten sie uns auf. Wenn sie uns töten, so verhelfen sie uns in Wirklichkeit zum ewigen Leben. Was für größere Herrlichkeit kann es geben, als Christo, unserem Haupte, gleichförmig zu werden? Und dies geschieht durch die Trübsal. O du gnadenreicher Gott, wer bin ich, dass du mir solche Huld erweisest? Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; lasst uns freuen und fröhlich darinnen sein (Ps. 118, 24). Dies ist der Weg, ob er wohl schmal sein mag, der des Friedens Gottes voll ist und zur ewigen Seligkeit führt. O wie mein Herz vor Freude hüpft, dass ich so nahe daran bin, sie zu schauen! Gott vergebe mir, dass ich so undankbar und dieser großen Herrlichkeit so unwürdig bin. Ich habe so viel Freude, dass ich, ob ich wohl all einem Ort der Finsternis und Trauer bin, doch nicht jammern kann. Vielmehr bin ich bei Tag und bei Nacht so voller Freude wie nie zuvor; des Herrn Name sei ewig dafür gepriesen! Unsere Feinde sind darüber ärgerlich und aufgebracht, dass sie mit den Zähnen knirschen. O betet inbrünstig, dass diese Freude nie von uns genommen werde; denn sie übertrifft alles, was die Welt an Glückseligkeit zu bieten hat. Dies ist der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft (Phil. 4, 7). Je mehr Gottes Auserwählte angefochten sind, desto mehr schmecken sie diesen Frieden, und darum kann weder Wasser noch Feuer sie schrecken." Samuel Clarke 1671.

Nie habe ich so begriffen, was es sei, dass Gott allezeit und gegen alle Anfechtungen Satans mir beistehe, wie ich Ihn erfunden habe, seit ich hierher gekommen bin. Denn siehe, so oft die Furcht sich zeigte, erschien auch Hilfe und Ermutigung. Ja, wenn ich voll Schrecken auch nur auf den eignen Schatten hinstarrte, so hat Gott in seiner zarten Fürsorge es nicht gelitten, dass ich beschwert wurde, sondern hat mich immer wieder mit diesem oder jenem Schriftwort gestärkt; so sehr, dass ich oft gesagt habe: Wäre es erlaubt, so könnte ich um größere Trübsal beten, um des reicheren Trostes willen. (2.Kor. 1, 5.) John Bunyan † 1688.

Ich will dem Herrn singen. Wie anders endet doch dieser Psalm, als er begonnen hat! John Trapp † 1669.


Homiletische Winke
V. 2.
Die Langwierigkeit der Trübsal ist doch nur scheinbar . Ihr Gegensatz zu den Tagen der Freude, - zum ewigen Verderben und zur ewigen Freude. Das Leid erscheint langwieriger infolge unserer Ungeduld und anderer leidenschaftlicher Erregungen. Man verkürzt sich die Leidenszeit, wenn man sich nicht daraus einlässt, im Voraus zu sorgen oder sich nachher noch über das Leiden zu grämen.
V. 2b.
Warum verbirgt Gott sein Angesicht? l) Warum überhaupt? 2) Warum vor mir? 3) Warum so lange?
V. 3.
Der tägliche Kummer. 1) Seine Ursachen: Der böse Feind , Unglaube, Sünde, Versuchung, Entbehrung der Gegenwart des Herrn, Mitleid mit andern, Schmerz über das menschliche Verderben. 2) Seine Notwendigkeit: Er soll bessern, was nicht taugt, uns zu neuem Suchen der Gnade treiben und das Sehnen himmelwärts richten. 3) Das Heilmittel dagegen: Gute Speise von Gottes Tisch; der alte Wein der Verheißungen ; Umgang mit Jesus; Übung in guten Werken; Vermeidung alles dessen, was ungesund ist. Benjamin Davies 1866.
V. 3a.
Selbstpeinigung: 1) ihre Ursache, 2) ihre Unglückseligkeit, 3) ihre Schuld, 4) ihre Heilung.
V. 3b.
Anwendung des Textes auf den Feind des Gläubigen: 1) Satans wahrer Charakter: er ist der Feind. 2) Der Ernst der Lage, wenn dieser Feind über uns triumphiert. 3) Die bange Frage; Wie lange? Benjamin Davies l866.
Der Ausblick auf die Zeit, da die Niederlage sich in Sieg verwandeln wird.
V. 4b.
Erleuchte meine Augen ! Das ist das rechte Gebet 1) für jeden Sünder, der in Finsternis wandelt; 2) für jeden, der das Heil sucht; 3) für jeden, der in Jesu Schule lernen will; 4) für jeden angefochtenen Gläubigen; 5) für jeden sterbenden Heiligen. B. Davies 1866.
V. 5.
Dieser Vers zeigt das Wesen der Gottlosen nach zwei Richtungen: Je mehr sie die Oberhand haben, desto übermütiger sind sie; sie frohlocken gewaltig über die, so in Trübsal sind. Thomas Wilcocks 1586.
V. 6.
Der gütige Geber und der frohe Sänger.
Der ganze Psalm eignet sich dazu, das stufenmäßige Aufsteigen von der Trauer zu jauchzender Freude zu schildern, wobei auf den Wendepunkt, das Gebet, der Nachdruck zu legen ist also: Trauern, Beten, Frohlocken. Archibald G. Brown 1869.


Fußnoten
1. Wörtl. heißt die 2. Vershälfte wahrscheinlich: infolgedessen Kummer ist in meinem Herzen bei Tage. Dem nächtlichen Grübeln und Plänemachen folgt bei Tage der Kummer der Enttäuschung, dass die Pläne sich als unausführbar erweisen.

2. Anspielung auf die fünf Klagelieder Jeremias.

3. Tophet ist die "Greuelstätte" im Hinnomtale bei Jerusalem, wo in götzendienerischen Zeiten dem Moloch die Kinder verbrannt wurden. Dieser Brandort wurde das Bild des höllischen Feuers, daher Geenna, d.h. Hinnomtal bei den späteren Juden der Name des Ortes der ewigen Pein (Mt. 5,22) wurde.

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps13

von Jörg » 16.10.2018 15:41

Erläuterungen und Kernworte

V. 3. Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele? Gar manche haben die Art, unverwandt auf die eigene Schuld und den eigenen Jammer zu blicken und dabei die höchsten Gnadenerweisungen zu übersehen. Wiewohl es um der Erkenntnis der Sünde willen gut ist, das eigene Herz zu erforschen, so werden wir uns doch, wenn wir von dieser Seite her Trost erwarten, kläglich enttäuscht finden. Dies scheint eine Zeitlang bei David der Fall gewesen zu sein. Er war offenbar in großer Betrübnis, und wie in solchen Fällen gewöhnlich, richtete sich sein Blick nach innen, bei sich erwägend, was er tun solle und was das Ende von dem allem sein werde. Da er so mit sich selbst beschäftigt war, ängstigte er sich in seinem Herzen täglich. Als er aber zu Gott seine Zuflucht nahm, da fand er Erleichterung, ja da konnte sein Herz frohlocken über Gottes Heil, V. 6 . Viele Menschen ahmen, wenn sie in Trübsal sind, David in dem ersteren Teil seiner Erfahrung nach. Ich wollte, wir ahmten ihm auch in dem letzteren nach. Andrew Fuller † 1815.

Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben? Es ist für den Elenden und Betrübten eine große Erleichterung, bei anderen Mitleid zu finden. Es ist schon eine Wohltat, wenn andere, ob sie wohl uns nicht helfen können, doch aufrichtig das Traurige unsrer Lage mit uns empfinden und durch freundliche Worte und Taten die Wunden ein wenig lindern, die sie nicht heilen können. Aber es ist nicht zu sagen, wie das Leid verbittert wird, wenn ein Mensch unter der Empfindung des göttlichen Missfallens gebeugt einhergeht und dann solchen begegnet, die seines Unglücks spotten, ihn schmähen oder rau anfahren. Dadurch wird die Wunde entzündet und verschlimmert, die zuvor schon schlimm genug war. Timothy Rogers † 1729.

V. 4. Dass ich nicht im Tode entschlafe. Alles ist seltsam verändert, alle Lieblichkeit, Schönheit und Herrlichkeit schwindet, wenn das Leben dahin ist. Leben ist es, was der Mensch begehrt. Das Leben ist süß und tröstlich. Aber der Tod mit seinem bleichen Gefolge erregt Schrecken und Schauder allerwege. Die Heiligen fürchten nichts mehr als die Entziehung der Huld Gottes und das Verbergen seines Angesichts ; und wenn es sich verborgen hat, so kommt Ohnmacht, Erstarrung und Furcht über jedes Glied, und sie empfinden ein seltsames, tiefes Weh im Herzen, Angst und Schrecken, die alle Gelenke zum Erzittern bringen und für sie so bitter sind, wie der Todeskampf selbst. Timothy Rogers † 1729.

V. 5. Meine Widersacher freuen sich, dass ich niederliege: sie machen ein Lustspiel aus meinem Trauerspiel. John Trapp † 1669.

Ach, kannst du Schmach ertragen, gift’ge Zunge,
Der Schadenfreude höhnisches Gelächter,
Gottloser Rotte zuchtlos Spottgedicht,
Die für das gleiche Tun dir spenden würde
Verschwenderisches Lob, wär’s mit Erfolg gekrönt?
Dass kurz ich’s fasse; Kannst du dulden
Hohnvolle Blicke, die boshafte Freude,
Wohl gar das stolze Mitleid deines Feindes,
Des Feinds, der triumphiert?

Nach James Thomson † 1748.

V. 2-6. Das Gebet hilft zur Mehrung und zum Wachstum des Gnadenstandes, indem es die Kräfte übt. Wie kräftige Bewegung dem Körper wohltätig ist, so das Gebet der Seele. Die Gebetsübung hilft jene trüben Stimmungen vertreiben, die das Geistesleben hemmen. Das Gebet ist der Heiligen Tummelplatz, da sie die Gnade in vollen Zügen einatmen. Wie der Wind die Luft reinigt und klärt, so das Gebet die Seele. Es ist für das Herz, was der Blasebalg für das Feuer, der die Kohlen von der Asche reinigt, die sie dämpft. Solange der Christ in dieser Welt ist, lebt er in einem ungesunden Klima. Einmal hemmen und lähmen die Freuden der Welt seine Liebe zu Christus; dann wieder dämpft die Sorge seinen Glauben all die Verheißung. Wie nun sollte der Christ aus dieser schlechten Luft herauskommen, könnte er nicht zu dem Gnadenthron seine Zuflucht nehmen, wo sich bald das Fieber der Unruhe bricht und er sanfter zu atmen beginnt? Wie oft finden wir den heiligen Sänger, wenn er zuerst zum Gebete niederkniet, voller Furcht und Zweifel, ehe er aber mit seinem Flehen zu Ende ist, in traulichem Verkehr mit seinem Gott und ruhig im Gemüt! Hier beginnt er (V. 2.3) sein Gebet, als ob der Herr ihm nie wieder einen freundlichen Blick schenken würde. Doch während er fleht, legt sich seine Erregung, die Nebel zerstreuen sich, und sein Glaube bricht hervor wie die Sonne in ihrer Kraft (V. 6). William Gurnall † 1679.

Mit welch zäher Ausdauer warten oft die Kinder dieser Welt jahrzehntelang auf vergängliche Dinge, die doch nimmer das Herz befriedigen können. Und du solltest nicht eine Weile an Gottes Tür klopfen und pochen können, bis er dir auftut und dir himmlische Segnungen zuteil werden lässt? O denke daran und nimm dir vor, nie stumm zu sein, wenn Gott taub ist, - nie vom Gebet zu lassen, bis Gott eine gnädige Antwort gibt. Und zu deinem Troste beherzige recht den köstlichen Schluss unseres Psalms. Nach George Swinnock † 1673.

V. 6. Doch ich, auf deine Gnade traue ich, frohlocken soll mein Herz ob deinem Heil. (Wörtl.) Der Glaube jubelt mitten in den Trübsalen und triumphiert noch vor dem Siege. Der Kranke ist froh, wenn er fühlt, dass die Arznei zu wirken beginnt, auch wenn sie ihn für den Augenblick noch kränker macht; denn er hofft, sie werde ihm Heilung bringen. Wir freuen uns in den Leiden; nicht als ob sie für die Gegenwart erfreulich wären, aber weil sie zu unserem Heile dienen werden. Der Glaube triumphiert in der Zuversicht eines guten Ausgangs; denn er sieht nicht auf den äußeren Schein. Ob es auch scheinbar keine Hilfe mehr gibt, hält er doch den Blick auf Gott gerichtet und sieht ihn gegenwärtig zu unserm Beistand. John Ball † 1640.

Keiner lebt so sorgenfrei, so angenehm, als der seines Glaubens lebt. Matthew Henry † 1714.

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