G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

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Joschie
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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 15.11.2017 08:48

Ich hatte viel Bekümmernis in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergötzten meine Seele.
Psalm 94,19


Gewiss ist's, dass der Herr die Seinigen, wenn sie eine Zeit lang in tiefen Anfechtungen und innern Leiden zugebracht, oft auf eine ganz vorzügliche Weise zu erquicken pflegt. Je dunkler und angstvoller die vorhergehende Nacht war, desto erquickender, desto entzückender ist das daraus folgende Licht; je tiefer die Klagen, desto höher das Lob; und nie wird der Herr inniger gepriesen, als von tief gedemütigten Seelen. Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht. Ps. 102. – Sei nur zufrieden, meine Seele, denn der Herr tut dir Gutes. – Du hast meine Bande zerrissen. Ps. 106. Sie erblickt in den Demütigungswegen die besondere Treue und Güte des Herrn. Sie findet, dass sie zu lauter Segen führen, da sie lauter Unheil darin zu sehen glaube; dass sie lauter Liebe sind, während sie wohl dachte: wenn der Herr sie einigermaßen lieb hätte, so würde er es ganz anders machen. Jetzt wird ihr es aber klar, und so denkt sie wohl, sie werde fortan nicht mehr zagen, und wenn's noch so wunderbar mit ihr ginge. Ob sie aber wird Wort halten können, ist eine andere Frage; gewiss ist es aber: Wenn Gott entzieht das Seine, bleibt Sünd' und Schwachheit meine! und das lernen zustimmen, ist auch Weisheit und Gnade.

Seele, wie so sehr betrübet?
Wie ist dir in mir so bang?
Harr' auf Gott, der jetzt dich übet,
Harr' auf ihn, es währt nicht lang;
Dann entspringt aus Druck und Leid
Freud' und große Herrlichkeit.
Ich will meinen Heiland loben,
Ewig werd' mein Gott erhoben!
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 17.11.2017 08:11

Setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch dargeboten wird durch dir Offenbarung Jesu Christi.
1. Petrus 1,13


Was wollen wir denn davon sagen, wie begehrenswert die Gnade des Herrn sei? Jesus selbst nennt sie ein Gold, das mit Feuer durchläutert ist, wodurch man reich wird, und Petrus bemerkt, sie würde viel köstlicher befunden, als das vergängliche Gold. Ist's Niemanden zu verdenken, wenn er sich etwas damit weiß, in einer besondern Gnade beim Könige zu stehen: was will das denn doch zu bedeuten haben, bei dem Könige aller Könige in besonderehn Gnade zu stehen! Müsste man sich das – ich weiß nicht durch was für Opfer und was für Mühseligkeiten erkaufen, wer wollte sich bedenken? Und nun wird sie umsonst und unentgeltlich ausgeteilt. Es ist nicht zu verwundern, wenn sich manche Seelen ordentlich schüchtern und blöde machen lassen, ja sich entsetzen über den großen Gedanken: Gott ist mir um Christi willen gnädig, – so lange sie das: „um Christi willen“ nicht recht fassen, dass sie sich bemühen, sich doch irgend eine Art von Würdigkeit zu verschaffen, bis ihnen endlich alles aus der Hand fällt, und sie ausrufen können: Wohlan! Willst du denn umsonst Gnade erweisen, so sei es, Herr Jesu; ja, hier bin ich! Habe mich lieb nach aller deiner Herzenslust und nach meinem Bedürfnis!

So ruh' ich nun, mein Heil, in deinen Armen,
Du selbst sollst mir mein ew'ger Friede sein;
Ich hülle mich in deine Gnade ein,
Mein Element ist einzig dein Erbarmen;
Und weil du mir mein Ein und Alles bist,
So ist's genug, wenn dich mein Geist genießt.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 19.11.2017 18:57

Es wird ein Durchbrecher vor ihnen herauffahren.
Micha 2,13


Ist ein solcher Durchbrecher da, so wagt es, und erklärt im Aufsehen auf ihn dem ganzen Sünden- und Satans – Reiche den Krieg. Ist es töricht, mit zehn demjenigen entgegen zu ziehen, der mit zwanzig zu uns kommt, – hier ist der umgekehrte Fall; er kann euch zu mehr als Überwindern machen, so, dass ihr durch ihn alles vermöget. Sage Niemand, ich bin schwach; werdet vielmehr recht schwach, lernt es recht einsehen, wie hoch eure Feinde euch über das Haupt gewachsen sind, wie fest sie euch gebunden haben. Verzagt nur gründlich an euch selbst und allem Eurigen; seid ihr erst so glücklich, ganz schwach zu sein, so werdet ihr dann auch inne werden, wie seine Kraft in dem Schwachen mächtig ist, und werdet Wunder seiner Gnade in eurem Innern erfahren, die ihr bis dahin nicht kennt. Geht's euch seltsam und wunderlich, so viel herrlicher wird der Ausgang sein. Unser König hilft uns überschwänglich. Wenn ihr könnt, so trauet ihm mit ganzer Macht, und ohne Ende, und allein und ganz; könnt ihr's nicht und geht ihr in euch selbst zu Grunde: Er wird seine Hand zu den Kleinen wenden. Geht die Sonne an einem Ende unter, so geht sie an der entgegengesetzten Seite wieder auf. Selig und heilig ist, der Teil hat an diesem König; selig – selig ist, der mit diesem König wahrhaftig vereinigt ist, von dem es heißt: Ich in ihnen – und sie in mir; ich will dich nicht verlassen noch versäumen, – denn es wird ein Durchbrecher vor ihnen herauffahren, und sie werden durchbrechen, und zum Tore aus- und einziehen, und ihr König wird vor ihnen hergehen und Jahwe vorne an. Ihm sei die Ehre, und
Herrlichkeit und Dank!

Herrscher, herrsche! Sieger, siege!
König, brauch' dein Regiment,
Führe deines Reiches Kriege,
Mach' der Sklaverei ein End'.
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Beitragvon Joschie » 21.11.2017 21:10

Die Wege des Herrn sind eitel Güte und Wahrheit denen, die seinen Bund und Zeugnis halten.
Psalm 25,10


O, welche schmerzliche und doch so nützliche Erfahrung von der Verderbnis und Ohnmacht ihres Herzens müssen die Kinder Gottes oft machen, wenn der Herr sie in seine Schule nimmt. Ihr Zustand gleicht der Witterung im März; jetzt scheint die Sonne so lieblich, dass die Frühlingsblumen ihre Kelche öffnen, als wollten sie den Triumph des Frühlings über den Winter feiern; aber plötzlich hüllt sich der Winter wieder in dunkles Gewölk; Schnee und Hagel stürzen herab, und der Winter scheint das Feld zu behalten; wenigstens bietet er sein Äußerstes auf, um sich und seine strenge Herrschaft zu behaupten; doch er verliert dieselbe, und die stille Macht des Frühlings gewinnt es seinem Toben doch ab. O heilsame Wege, wodurch der Herr die Seele von dem falschen Grunde ab auf den rechten wahren Grund leitet! Der heilige Geist führt aber seine Seelen nach und nach aus der Mannigfaltigkeit in die Einheit, dass sie aufhören können, sich mit der Martha viel Sorge und Mühe zu machen, und das beste Teil der Maria zu erwählen, welches nicht von ihnen genommen wird, indem sie sich zu Jesu Füßen setzen und ihm zuhören; er gibt ihnen seinen Frieden erst in einzelnen Augenblicken zu genießen, und dann als einen Stand des Friedens, weil sie nun den ganz gefunden, den ihre Seele liebt, und weil sie nun sitzt unter dem Schatten, des sie begehrt und dessen Frucht ihrer Kehle süß ist, wo sie dem Herrn anhängt und ein Geist mit ihm ist. O, was berechtigt uns doch zu glauben, als ob es nur Kinder und Jünglinge, nicht aber auch Väter in Christus geben könnte! Ist die Güte Gottes nicht alle Morgen neu? Und ist seine erwärmende Gnade nicht jetzt noch eben so mächtig, als da das sie erwerbende Blut noch warm aus den Wunden des
Lammes quoll?

So selig führt der Herr die lieben Seinen,
Dass Jedermann darob erstaunen muss;
Bald lässt er sie in Not und Trübsal weinen,
Bald labt er sie mit seinem Überfluss.
Sein Vaterherz ist immer gut für sie;
Und wenn ihr Fuß nur seine Wege geht,
Wenn schon der Sinn nicht viel davon versteht,
Merkt man doch bald, das; uns die Liebe zieh'
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Beitragvon Joschie » 23.11.2017 08:21

Lass deinen Knecht dein Gebot aufrecht für dein Wort halten, dass ich dich fürchte.
Psalm 119,38


So mögen wir wohl mit David beten, wir würden dann die Herrlichkeit Gottes sehen, und finden, dass wir an derselben einen Trost haben, der nicht umkommen lässt im Elend. Hat Er uns nicht alles versprochen, was zu unsrer Seligkeit, Freude und Wohlfahrt erforderlich ist, und es gleichsam noch zum Überfluss mit Brief und Siegel, mit Taufe und Abendmahl befestigt? Was können wir mehr verlangen? Will er nicht Missetat und Übertretung vergeben? Was ängstigen wir uns denn, der Teufel und unser eigen lügenhaftes Herz mag dagegen murren, was es will. Will er uns nicht ein neu Herz geben, und selbst Leute aus uns machen, die in seinen Geboten wandeln, seine Rechte halten und darnach tun? und wir sollen töricht genug sein, zu besorgen, wir müssten unser unartiges Herz deswegen behalten, weil wir es selbst nicht ändern können? Christus selbst sollte uns zur Weisheit gemacht sein, und wir doch immer töricht bleiben? Er unsre Heiligung übernommen haben, und wir doch unrein bleiben? Die Hauptursache, dass wir noch nicht vollkommene Heilige sind, liegt darin, dass wir zu hochmütig und zu werkheilig sind, um alles aus lauter Gnade und um seines Wortes willen zu erwarten.

Dein Wort ist unsers Herzens Trutz
Und deiner Kirchen wahrer Schutz;
Dabei erhalt' uns, lieber Herr,
Dass wir nichts anders suchen mehr.
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Beitragvon Joschie » 24.11.2017 09:15

Herr, ich warte auf dein Heil.
1. Mose 49,18


Ein jeder Christ muss warten, nicht bloß auf seine vollkommene Seligkeit und Herrlichkeit, nicht bloß auf seine vollkommene Seligkeit und Herrlichkeit , sondern auch darauf , zur derselben tüchtig gemacht zu werden. Das ist oft sehr beschwerlich, wenn man zwar das Wollen des Guten hat, aber das Vollbringen fehlt; Wenn man wohl erkennt, wie man es bei seinem Christentum weit seliger, lebendiger haben könnte, als man hat, aber nicht dahin zu gelangen weiß, – wohl einsieht, wie diejenigen es doch so vergnügt haben, die so vertraulich mit dem Herrn umgehen können, die so kindlich glauben, ohne Unterlass beten, alle ihre Sorgen auf den Herrn werfen, sich allerwege in ihm freuen, und sich so unbekümmert seiner Leitung und Pflege anvertrauen können, – wohl einsieht, dass dies nicht nur etwas sehr seliges und sehr heiliges, sondern auch möglich, und durch Gottes Gnade erreichbar sei, – aber dabei sagen muss: Ach, Wer gibt mir Adlersflügel! – bekennen muss: dass dies durch eigene Bemühung nicht zu erreichen sei, und der Mensch nichts nehmen könne, es werde ihm denn gegeben vom Himmel. Nun getreu ist ja, der euch ruft, der wird's auch tun. Wird's euch einmal gegeben, das „Er wird's tun“ recht aufzufassen, zu glauben und zu verstehn, so wird euer Friede werden wie ein Wasserstrom, und eure Gerechtigkeit Wie des Meeres Wellen. Ja, er wird’s tun! O, lobet den Herrn!

Um mich hat' ich mich ausbekümmert,
Und alle Sorg' auf Gott gelegt;
Würd' Erd' und Himmel auch zertrümmert,
So weiß ich doch, dass Er mich trägt;
Und hab' ich meinen treuen Gott,
So frag' ich nichts nach Not und Tod.
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Beitragvon Joschie » 03.12.2017 08:47

Durch die herzliche Barmherzigkeit Gottes hat uns besucht der Aufgang aus der Höhe, auf dass er erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsre Füße auf den Weg des Friedens.
Lukas 1,78.79


Seine Erscheinung ist die Offenbarung der höchsten Liebe Gottes, Wie sich an ihm auch seine Gerechtigkeit in ihrem vollen Umfange erwiesen und verherrlicht hat, und Paulus leitet den Schluss daraus hervor: Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Dem sich Nahenden tönt nun keine Stimme entgegen, ihn zurückzuscheuchen, wie dem Moses, sondern an alle Mühseligen und Beladenen ergeht der Ruf: Her zu mir! Nicht heißt es mehr: Lass sie von ferne anbeten, sondern vielmehr: Lasst uns mit Freimütigkeit hinzutreten. Knechtische Furcht, die vor einer beleidigten und noch nicht ganz versöhnten Majestät zittert, ist der neutestamentlichen Verfassung nicht angemessen, wo vielmehr ein Geist der Kindschaft waltet, welcher Abba! lieber Vater! schreit, und wo eine Liebe das Regiment führt, die alle Furcht austreibt, und allen Zwang aufhebt. Durch Mosen wurde das Gesetz, welches fordert: Tue das! – ohne weder Kraft noch Lust mitzuteilen – was den Fluch ausspricht, und die Erlösung nur im fernen Schimmer zeigt, aber durch Christus ist die Gnade und Wahrheit geworden. Seine Erscheinung deutet auf lauter Erlösung hin, und von ihm mag es im höchsten Nachdruck heißen: Ich bin hernieder gefahren, mein Volk zu erlösen. Wo sind die Mittel, die uns erlösen mögen? Statt aller ist Ein Mittel da, und das ist kein anderes, als Jesus Christus selber. Ist er nicht dazu erschienen, die Werke des Teufels zu zerstören? Ist er nicht gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist? Ist er uns nicht gemacht zur Erlösung? Und ist wohl in einem andren Heil? Es ist uns ja kein Name gegeben, darinnen wir sollen selig werden, als der Name Jesus. Mut deswegen, ihr, die ihr nach Erlösung schmachtet, – Mut, denn dieser wird sein gefangen Volk erlösen, und wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstossen.

Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ,
Sei dir von mir gesungen,
Dass du auf Erden kommen bist;
Hast Tod und Höll' bezwungen.
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Beitragvon Joschie » 04.12.2017 08:12

Das Gesetz ist unser Zuchtmeister gewesen auf Christus, dass wir durch den Glauben gerecht würden.
Galater 3,24


Das Gesetz kommt zu jedem Erweckten als ein Frohnvogt und Zuchtmeister. Die Frage: Was muss ich tun, dass ich selig werde? ist ihm wichtig und Hauptsache geworden. Er schickt sich auch wirklich zum Tun an, und nimmt sich vor, sich zu bekehren und sein Leben zu bessern, sucht dies auch in eine tätige Ausübung zu bringen. Er fängt seine Besserung an mit ernstlichem Vorsatz nicht nur, sondern auch mit Gebet um den göttlichen Beistand und in der zutrauenden Erwartung, der Herr werde ihm auf diesem guten Wege gewiss Gedeihen geben. Aber es geht ihm wie Leuten, die ein altes Hans reparieren; sie meinten, mit einer kleinen Hilfe auszureichen, aber je mehr sie reparieren, desto mehr Baufälliges werden sie gewahr, und sehen ein, es sei am besten, von Grund auf neu zu bauen. Sie sehen mit Paulus ein, dass selbst die Lust Sünde sei, und machen die betrübende Entdeckung, welche ein Lied in den Worten ausdrückt: Die Sünd' hat mich besessen. Ihr Gewissen ängstet sie, die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes schreckt sie, die Drohungen beklemmen sie, so dass sie oft nicht wissen, wo aus noch ein, zumal da ihren besten Vorsätzen die Kraft mangelt, ihrem Herzen die standhafte Richtung zum Guten zu geben. So wird man für's Evangelium vorbereitet.

Schau auf meinen großen Jammer,
Stille des Gesetzes Dräu'n,
Denn dies Wort ist als ein Hammer,
Und zermalmt mir mein Gebein.
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Beitragvon Joschie » 05.12.2017 08:31

Wahrlich, es hat Israel keine Hilfe, denn am Herrn, unserm Gott.
Jeremia 3,23


So lange ein Mensch meint, er bedürfe der Hilfe Christi so sonderlich nicht, so lange er meint, er wolle sich ohnehin schon Gott gefällig beweisen, und sein Heil auswirken können; er sei so elend nicht, sei ein so großer Sünder nicht; ja, so lange er zu einigem Guten geschickt zu sein meint, so lange kann er auch nicht recht an Christus glauben. Aber ein Herz, das sich im tiefsten Elende und der kläglichsten Ohnmacht versunken sieht, ein Herz, dass seinerseits keine Würdigkeit; nicht das geringste Gute vor Gott bringen kann, das Heil gar nicht mehr zu Stande zu bringen weiß, und sich von eignen Weisheit, Kraft und Würdigkeit ganz entblößt findet, – das ist erst recht geschickt zum Glauben. Das ist aber in der Tat nichts Geringes, sondern es muss mancher Tritt bergab getan werden, ehe man so tief in des Geistes Armut gegründet ist. Dann lehrt die Not glauben. Nicht, als ob man dann dasselbe aus sich selbst zu üben vermöchte; ach! man findet sich dann wohl ganz ungeschickt dazu. Aber nun kann sich Christus eben recht verherrlichen. Nun bückt man sich auch tief zu seinen Füßen; nun bittet man demütigst um Kraft, und Erlaubnis, nur seines Kleides Saum anrühren zu dürfen, nur um ein wenig Gnade; nun sieht man auf ihn allein, fest überzeugt, dass unser Heil nur von ihm abhänge und herrühre, wovon man ihm denn auch alle Ehre allein zu Füßen legen will.

Helfer in der rechten Zeit,
Der mit ew'gem Trost erfreut,
Hilf, o Jesu, meinem Herzen
Von den Wunden, die mich schmerzen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 06.12.2017 08:43

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn: Hosianna in der Höhe!
Matthäus 21,9


Wir feiern jetzt, nach einem uralten Gebrauch der christlichen Kirche, die sogenannte Adventszeit. Advent ist ein lateinisches Wort, und heißt: Ankunft, Zukunft; und mit diesem Namen werden die vier Wochen vor dem Christfeste benannt, weil die Kirche es für billig geachtet hat, dass jährlich während einer festgesetzten Zeit Absicht, Zweck und Ursache der Zukunft Jesu Christi in diese Welt, seine Geburt und Menschwerdung besonders und hauptsächlich erwogen werde; wie sie auch eine Zeit von sieben Wochen der ausschließlichen Betrachtung der hochwürdigsten Leiden unsers Heilands gewidmet hat. – Wie konnte auch wohl ein erhabenerer Gegenstand der Feier ersonnen werden, als die Feier der Menschwerdung des Sohnes Gottes! Er selbst, Jesus, ruft ja, gleichsam bestürzt, aus: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebornen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Und wie wird im Himmel, nicht nur von den vollendeten Gerechten, sondern auch von allen heiligen Engeln, dies majestätische Geheimnis angebetet und besungen werden bis in alle Ewigkeit! – Gott wird ein Mensch – welch eine Begebenheit! Waren wir nicht so blind, nicht so träg und ungläubig, nicht so irdisch und eitel, nicht so zerstreut und gottlos – o! wie würden wir anbeten, staunen und niederfallen; ja, wer würde es tragen können, am Leben bleiben können, wenn die majestätische Wahrheit einen ihr angemessenen vollkommenen Eindruck auf uns machte, die Wahrheit, wovon Paulus uns ruft: Anerkannt groß ist das gottselige Geheimnis, Gott ist geoffenbart in Fleisch (1. Timotheus 3,16)! Denn nicht um der Engel, sondern um der bußfertigen Sünder willen wird Gott ein Mensch; bei und in ihm finden wir Leben, Gerechtigkeit, Seligkeit; von ihm, dem Mensch geworbenen Christus, ist besonders wahr: Er ist die Liebe! Zu ihm darf man sich getrost nahen, wenn man sich nur von Herren für einen Übeltäter hält, und gern gerecht und heilig wäre; dann macht Christus uns auch gerecht und selig, denn er ist gekommen, selig zu machen, was verloren ist.

Die Zeit ist nun ganz freudenreich,
Zu loben Gottes Namen,
Da Christus von dem Himmelreich
Auf Erden zu uns kommen.
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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 07.12.2017 08:42

Du bist der Schönste unter den Menschenkindern, holdselig sind deine Lippen.
Psalm 45,3


Und was ist es, den Schönsten unter den Menschenkindern zu sehen! Die Braut im Hohenlied ruft über ihn aus: Alles, was an ihm ist, ist höchst begehrungswert. Was lässt sich Schöneres sehen, als die schlechte Krippe, und in derselben das höchste Gut, den uns gegebenen Sohn, das uns geborne Kindlein, dessen Herrschaft ist auf seiner Schulter, der da heißt: Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig – Vater, Friedefürst. Wo ist etwas so Schönes zu sehen, als der Mann der Schmerzen am Kreuz, wo er für uns zum Fluch wird, um uns den Segen zuzuwenden, wo er uns mit Gott versöhnt, wo die Handschrift unserer Sünden aus dem Mittel getan, wo unser alter Mensch gekreuzigt und getötet, wo die ewige Gerechtigkeit angebracht wird? Reiht sich denn daran die Schönheit seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt, die uns ihn als denjenigen offenbaren, der wirklich Alles, und uns in sich selbst vollendet hat, – was kann Schöneres erdacht werden, als dass dieser Eine unsere Gerechtigkeit, unsere Kraft, unser Alles ist! Wollt ihr was Schöneres sehen, so geht hinaus und schaut an, ihr Töchter Zions, den König Salomo in seiner Krone. Hohel. 3. – Und wie herrlich ist der wichtige Umstand, dass seine Gemeine, in sich selbst so ungestaltet, in ihm so vollkommen, so ohne Flecken, Runzel und Tadel, so heilig und unsträflich, so schön ist, dass er in dem genannten heiligen Buche zu ihr sagt: Du bist allerdings schön und kein Flecken an dir, ja, sie auch selber Mut genug gewinnt, in einem gläubigen Echo zu erwidern: Ich bin lieblich!

Nichts ist schöner anzusehn,
Als der Mann der Liebe,
O, dass man zu ihm zu gehen
Seinen Geist erhübe!
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Beitragvon Joschie » 07.12.2017 19:33

Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe.
2. Korinther 9,15


Die Gabe ist so groß, dass Niemand der Geber sein kann, als Gott. Denn Gott hat einen Gott gegeben, der lebendig macht, welche er will; der das Leben in ihm selbst hat, der immerdar selig machen kann. Der Beweggrund zu der Gabe lag nicht in denen, welchen sie zu Teil wurde. Niemand war und ist ihrer wert, noch kann sich Jemand ihrer wert machen. Es war und ist keine Vergeltung für Gott geleistete Dienste und für ein ihm angenehmes Wohl- verhalten. Da ist nicht, der Gutes tue, auch nicht Einer. Du hast nicht um mich gearbeitet, o Jakob! Es war Niemand, der diese Gabe auch nur begehrte; also auch Niemand, der Gott darum gebeten, der ihn gerufen hätte; weil Niemand verständig ist, und nach Gott fragt, auch nachdem er seine große Gabe geschenkt hat. Eben so wenig hat Gott Jemand etwas zuvor gegeben, das ihm wieder zu vergelten wäre; ja, Niemand dankt ihm aus eigenem Antriebe dafür. Will er daher gütig sein, so muss er sich gegen Undankbarkeit und Bosheit also erweisen; weil er Niemand anders findet. Da Gott also außer sich auch den Beweggrund zu seiner Gnade nicht suchte, und nicht antraf, suchte und fand er ihn in sich selbst. Es war seine Freundlichkeit und Leutseligkeit. Er tat's, weil er den Reichtum seiner Herrlichkeit kund tun wollte an den Gefäßen seiner Barmherzigkeit, die er bereitet hat zur Heiligkeit. Nicht um der Werke willen, die u. s. w. Er wollte seinen Zorn aber durch Gnade beweisen zur Ehre seines heiligen Namens, und seine Verherrlichung in der Seligmachung in sich selbst ewig verlorener Sünder. Fragst du, Sünder, nach der Grundursache des Heils? Suche sie hier. Hier findest du sie lauter und ganz.

Nichts, nichts hat dich getrieben
In mir vom Himmelszelt,
Als das geliebte Lieben,
Womit du alle Welt
In ihren tausend Plagen
Und großen Jammerlast,
Die kein Mund kann aussagen,
So fest umfangen hast.
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Beitragvon Joschie » 08.12.2017 11:34

Wer aber sein Zeugnis annimmt, der versiegelt es, dass Gott wahrhaftig sei.
Johannes 3,3


Kommt zur Erleuchtung vollends die Versiegelung hinzu, so wird die Seele gewissermaßen vollendet, dass sie mit Jakob und Paulus sagt: Ich habe Alles. Dies ist die Ermächtigung, wodurch die Seele tüchtig gemacht wird, sich das ganze Heil mit Zuversicht zuzueignen, dass es auch ihr ganz und ewig angehöre und zu Teil werden solle. Jedoch bekommt sie diese Güter glücklicherweise nicht selbst in Besitz und Verwahr, wo es aufs Neue gehen würde, wie im Paradiese. Wir liegen mitten im Tode, mitten im Elende, suchen und haben deshalb unser Heil außer uns in Christus, der da sagt: Im Glauben will ich mich mit dir vertrauen. Wir sind und bleiben arm und elend, hoffen aber auf ihn. Täglich bedürfen wir Manna. Täglich regnet es. Täglich sammeln wir's. Wer viel sammelt, hat nicht mehr, wer wenig, nicht weniger. – Die ganze Vollendung ist der Zukunft im Himmel vorbehalten, und hienieden nicht zu erwarten. Der Gott aller Gnade aber wird euch, die ihr – wenn es sein soll – eine kleine Weile leidet, eben sowohl vollbereiten, als stärken, kräftigen und gründen. Hier ist und bleibt alles Stückwerk, ja wir fehlen alle mannigfaltig; wenn aber die Vollkommenheit kommen wird, so wird das Stückwerk aufhören. Eines tue ich. Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziele, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christus Jesu, ob ich's begreifen möchte, nachdem ich von Christus Jesu ergriffen bin.

Die festen Gnaden Davids stehn,
Der Salzbund nimmer wird vergehn,
Durch Jesu Blut ist er versiegelt.
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Beitragvon Joschie » 08.12.2017 19:00

Ihr seid gekommen zu dem himmlischen Jerusalem und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind.
Hebräer 12,22.23


Obschon noch hier auf Erden streitend und leiden, stehen die Gerechten doch in der genauesten Verbindung mit der obersten Gemeine. Denn sie sind gekommen zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben ist, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten. Sie sind mit denselben die Auserwählten, deren Namen geschrieben sind in dem lebendigen Buche des Lammes, und in Christo Gottes Eingeborne, seiner Natur teilhaftig, und deshalb Erstlinge seiner Kreatur, so sie anders fliehen die vergängliche Lust der Welt. Jak. 1. Sie sind erkauft aus den Menschen zu Erstlingen Gott und dem Lamme. Offenb. 14,4. Sie sind Könige und Priester, Erben Gottes und Miterben Christi. Sie sind gerecht, doch noch nicht in der Wirklichkeit, dem Besitz und Genuss nach, vollendet. Ein Teil ist auch dies, aber er ist im Himmel. Mit diesem sind sie genau verbrüdert, und was jene vollendet und erreicht haben, sollen sie auch so gewiss erreichen, als ob sie schon wirklich dort angelangt wären, wie sie's auch in Christo Jesu sind; das Vollbereiten ist eben so gewiss, als das Stärken, Kräftigen, Gründen; mögen sie hienieden auch, wo es sein soll, eine kleine Zeit leiden, und traurig sein in mancherlei Anfechtungen.

Wie freut sich doch mein ganzer Sinn,
Dass ich schon eingeschrieben bin
In der verlobten Glieder Zahl.
Durch meines holden Königs Wahl!
Wie gerne mach' ich mich mit nichts gemein,
Weil ich ein reines GIied der Braut will sein.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 09.12.2017 10:12

Und auf dass ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf dass ich mich nicht überhebe.
2. Korinther 12,7


In dieser Schule wird man klein, wie Petrus davon einen Beweis liefert; da vergeht aller Ruhm. Man darf sich keiner natürlichen noch geistlichen Gaben rühmen, sondern gleicht einem leeren Gefäß, das sich selbst nicht aneinander halten kann. Da vergeht alles Selbstvertrauen, und alle Hilfe steht da und ist zusammengefasst in dem Namen des Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat. Man sieht sich genötigt, lediglich auf Gott, und zwar auf einen Gott zu hoffen, welcher die Toten lebendig, welcher die Gottlosen gerecht macht, und der dem ruft, das nicht ist, dass es sei. Man verliert sein eignes Leben, damit Christus unser Leben und Alles sei. Ja, in dieser teuern Schule, wo man sein Alles zum Schulgeld darlegen muss. Wird man für Alles verdorben, was nicht die lautere Milch des Evangelium ist. Gott wird allein weise, allein groß, allein heilig, er wird es gar und allein. Und ist das nicht ein wichtiger, ist das nicht der höchste und letzte Zweck Gottes?

Gott will dadurch, zu deinem Heil,
Nur deine Treu', Geduld und Demut üben;
Drum ehre ihn in solchem deinem Teil,
Sei still, und lass dich nichts zu sehr betrüben.
Schau auf die Treu' und süße Vaterhand
In solchem Stand.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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