Andachten zum 1. Buch Mose

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Jörg
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Andachten zum 1. Buch Mose

Beitragvon Jörg » 21.05.2011 08:03

D.M.Luther Vorrede auf das Alte Testament

DAS ALTE TESTAMENT HALTEN ETLICHE GERING / Als eines, das dem Jüdischen Volk allein gegeben / und nun ganz vorbei sei / und nur von vergangenen Geschichten schreibe / Meinen / sie haben genug am Neuen Testament / und geben vor, nichts als geistlichen Sinn im Alten Testament zu suchen / Wie es auch Origenes / Hieronymus und viele hohe Leute mehr gehalten haben. Aber Christus spricht Joh. V. Forschet in der Schrift / denn dieselbige gibt Zeugnis von mir. Und S.Paulus gebietet Timotheo / Er solle anhalten mit Lesen der Schrift. Und weist Röm. I. darauf hin, wie das Evangelium von Gott in der Schrift verheißen sei. Und I. Kor. XV. sagt er / Christus sei entsprechend der Schrift von Davids Geblüte gekommen / gestorben und vom Tod auferstanden. So weist uns auch S. Petrus mehr als einmal zurück in die Schrift.

WOmit sie uns also lehren / die Schrift des Alten Testaments nicht zu verachten, sondern mit allem Fleiß zu lesen / weil sie selbst das Neue Testament so mächtiglich gründen und belegen / durchs Alte Testament / und sich drauf berufen. Wie auch S. Lucas Act. XVII. schreibt / Daß die zu Thessalonich täglich die Schrift erforschten / Ob sich's so verhielte / wie Paulus lehrte. So wenig nun des Neuen Testaments Grund und Lehre zu verachten ist / So teuer ist auch das Alte Testament zu achten. Und was ist das Neue Testament anderes / ale eine öffentliche Predigt und Verkündigung von Christo / durch die Sprüche im Alten Testament gesetzt / und durch Christum erfüllet.

DAß aber diejenigen / die es nicht besser wissen / eine Anleitung und Unterricht haben / nützlich darin zu lesen / Habe ich diese Vorrede nach meinem Vermögen / so viel mir Gott gegeben, gestellt. Bitte und warne aufrichtig einen jeglichen frommen Christen / Daß er sich nicht stoße an der einfältigen Rede und Geschicht / so ihm oft begegnen wird / Sondern zweifle nicht dran / wie schlecht es immer sich ansehen läßt / es seien nur Worte / Werke / Gericht und Geschichte der hohen göttlichen Majestät / Macht und Weisheit. Denn dies ist die Schrift / die alle Weisen und Klugen zu Narren macht / Und allein den Kleinen und Geringen offen steht / wie Christus sagt Matth. XI. Darum laß dein Dünkel und Gefühl fahren / und halte von dieser Schrift / als von dem allerhöchsten / edelsten Heiligtum / als von der allerreichsten Fundgrube / die nie mehr genug ergründet werden mag. Auf daß du die Göttliche Weisheit finden mögest / welche Gott hier so schlicht und einfach vorlegt / daß er allen Hochmut dämpfe. Hier wirst du die Windeln und die Krippe finden / darin Christus liegt / Dahin auch der Engel die Hirten weist. Schlechte und geringe Windeln sind es / Aber teuer ist der Schatz Christus / der drinnen liegt.

SO WISSE NUN / DAß DIES BUCH EIN GESETZBUCH IST / das da lehrt / was man tun und lassen soll. Und daneben anzeigt Exempel und Geschichte / wie solche Gesetze gehalten oder übertreten sind. Gleich wie das Neue Testament / ein Evangelium oder Gnadenbuch ist / und lehrt / wo man's nehmen soll / daß das Gesetz erfüllt werde. Aber gleich wie im Neuen Testament / neben der Gnadenlehre / auch viele andere Lehren gegeben werden / die da Gesetz und Gebot sind / das Fleisch zu regieren / sintemal in diesem Leben der Geist nicht vollkommen wird / noch allein Gnade regieren kann. Also sind auch im Alten Testament / neben den Gesetzen / etliche Verheißung und Gnadensprüche, womit die heiligen Väter und Propheten unter dem Gesetz im Glauben Christi / wie wir / erhalten sind. Doch wie des Neuen Testaments eigentliche Hauptlehre ist / Gnade und Friede durch Vergebung der Sünden in Christo verkündigen / Also ist des Alten Testaments eigentliche Hauptlehre / Gesetze lehren und Sünde anzeigen / und Gutes fordern. Solches wisse im Alten Testament zu erwarten.

UND DAß WIR ZUERST AUF MOSES' BÜCHER kommen / Der lehrt in seinem ersten Buch / wie alle Kreaturen geschaffen sind / Und (was seines Schreibens Hauptpunkt ist) Wo die Sünde und der Tod hergekommen sei / nämlich / durch Adams Fall / aus des Teufels Bosheit. Aber bald darauf / ehe denn Moses' Gesetz kommt / lehrt er / Woher die Hilfe wieder kommen sollte / die Sünde und Tod zu vertreiben. Nämlich / nicht durch Gesetz noch eigene Werke / weil noch kein Gesetz war / Sondern durch des Weibes Samen / Christum / Adam und Abraham verheißen. Auf daß also der Glaube von Anfang der Schrift durch und durch gepriesen werde / über alle Werke / Gesetz und Verdienst. Also hat das erste Buch Mose fast nur Exempel des Glaubens und Unglaubens / und was Glaube und Unglaube für Früchte tragen / und ist fast ein Evangeliums-Buch.

DANACH IM ZWEITEN BUCH / DA DIE WELT NUN voll und in der Blindheit versunken war / daß man schier nicht mehr wußte / was Sünde war / oder wo Tod hergekommen sei / bringt Gott Moses hervor mit dem Gesetz / Und nimmt ein besonderes Volk an / die Welt an ihnen wieder zu erleuchten / und durchs Gesetz die Sünde wieder zu eröffenen. Und verfaßt also das Volk mit allerlei Gesetzen / und sondert sie von allen andern Völkern ab. Läßt sie eine Hütte bauen / und richtet einen Gottesdienst an / Bestellt Fürsten und Amtleute / und versorgt also sein Volk sowohl mit Gesetzen wie mit Leuten auf's allerfeinste / wie sie / beiderlei leiblich vor der Welt / und geistlich vor Gott / regiert werden sollen.

IM DRITTEN BUCH / WIRD IN SONDERHEIT DAS Priestertum verordnet mit seinen Gesetzen und Rechten / danach die Priester tun / und das Volk lehren sollen. Da sieht man / wie ein Priesterliches Amt nur um der Sünde willen eingesetzt wird / daß es dieselbige dem Volk kundt machen und vor Gott versöhnen soll. Also / daß sein ganzes Werk ist / mit Sünden und Sündern umgehen. Derhalben auch den Priestern kein zeitlich Gut gegeben / noch leiblich zu regieren befohlen oder zugelassen wird / Sondern ihnen zugeeignet wird, sich allein des Volks anzunehmen in den Sünden.

IM VIERTEN / DA NUN DIE GESETZE GEGEBEN / PRIEster und Fürsten eingesetzt sind / die Hütten und Gottesdienst angerichtet sind / und alles bereit ist / was zum Volk Gottes gehört / Hebt sich das Werk und Übung an / und wird versucht / wie solche Ordnung gehen und sich schicken will. Darum schreibt das selbe Buch von so viel Ungehorsam und Plagen des Volks. Und es werden etliche Gesetze erklärt und gemehrt. Denn also findet sich's allezeit / daß Gesetze schnell zu geben sind / Aber wenn sie angehen und in Schwung kommen sollen / da begegnet nichts mehr als nur Hindernis / und will nirgends fort / wie das Gesetz fordert. Daß dieses Buch ein merkliches Exempel ist / wie es garnichts ist / mit Gesetzen die Leute fromm zu machen / Sondern wie S. Paulus sagt / Daß Gesetze nur Sünde und Zorn anrichten.

IM FÜNFTEN / DA NUN DAS VOLK UM SEINEN Ungehorsam gestraft ist / und Gott sie mit Gnaden ein wenig gelockt hatte / das sie aus Wohltat / da er ihnen die zwei Königreiche gab / bewegt wurden, sein Gesetz mit Lust und Liebe zu halten / widerholt Mose das ganze Gesetz mit allen Geschichten / so ihnen begegnet war (außer was das Priestertum betrifft) und erklärt also von neuem alles / was beiderlei zum leiblichen und geistlichen Regiment eines Volkes gehört. Daß also Mose / wie ein volkommener Gesetzeslehrer allenthalben seinem Amt genüge täte / und das Gesetz nicht alleine gebe / sondern auch dabei wäre / wo man es tun sollte / und dort, wo es mangelt / erklärt und wieder aufrichtet. Aber diese Erklärung im fünften Buch / enthält eigentlich nichts anders / als den Glauben zu Gott / und die Liebe zum Nächsten / Denn dahin zielen alle Gesetze Gottes. Darum wehrt Mose mit seinem Erklären / allem / das den Glauben an Gott verderben mag / bis hinan in das XX. Cap. Und allem / das die Liebe hindert / bis an des Buches Ende.

HIERBEI IST NUN ZU MERKEN AUFS ERSTE / DAß Mose das Volk so genau mit Gesetzen verfasset / das er keinen Raum läßt der Vernunft, irgend ein Werk zu erwählen oder eigenen Gottesdienst erfinden. Denn er lehrt nicht allein Gott fürchten / trauen und lieben / Sondern gibt auch so mancherlei Weise äußerlichen Gottesdienstes / mit opfern / geloben / fasten / kasteien etc. / Daß niemand not sei / etwas anders zu erwählen. Item er lehret auch pflanzen / bauen / freien / streiten / Kinder / Gesinde und Haus regieren / kaufen und verkaufen / borgen und lösen / und alles was äußerlich und innerlich zu tun sei / Sogar / daß etliche Satzungen gleich närrisch und vergeblich anzusehen sind.

LIeber / warum tut Gott das? Endlich darum / Er hat sich des Volks unterwunden / daß es sein eigen sein sollte / und er wollte ihr Gott sein / darum wollte er sie also regieren / daß all ihr Tun gewiß wäre / daß es vor ihm recht wäre. Denn wo jemand etwas tut / da Gottes Wort nicht zuvor aufgegeben ist / das gilt vor Gott nicht und ist verloren. Denn er verbietet auch am IIII. und XIII. Kap. im V. Buch / daß sie nichts sollen hinzutun zu seinen Gesetzen. Und im XII. spricht er / Sie sollen nicht tun was ihnen recht dünkt. Auch der Psalter und alle Propheten drob schreien / Daß das Volk gute Werke täte / die sie selbst erwählten / und von Gott nicht geboten waren. Denn er will und kann's nicht leiden / daß die seinen etwas vornehmen zu tun / das er nicht befohlen hat / es sei wie gut es immer sein kann / Denn Gehorsam ist aller Werke Adel und Vorzug / der an Gottes Worten hängt.

WEil denn nun dieses Leben nicht kann ohne äußerlichen Gottesdienst und Weise sein / hat er ihnen vorgelegt solch mancherlei Weise / und mit seinem Gebot verfaßt. Auf daß / ob sie ja müßten oder auch wollten Gott irgend einen äußerlichen Dienst tun / das sie dieser einen angriffen / und nicht ein eigen erdächten / Damit sie gewiß und sicher wären daß solches ihr Werk in Gottes Wort und Gehorsam ginge. Also ist ihnen allenthalben gewehrt / eigener Vernunft und freiem Willen zu folgen / Gutes zu tun und wohl zu leben / Und doch übrig genug / Raum / Stelle / Zeit / Person / Werk und Weise bestimmt und vorgelegt / daß sie nicht klagen dürfen / noch fremder Gottesdienste Beispiel nachfolgen müssen.

AUFS ANDERE IST ZU MERKEN / DAß DIE GESETZE dreierlei Art sind. Etliche die nur von zeitlichen Gütern sagen / Wie es bei uns die Kaiserlichen Gesetze tun. Diese sind von Gott allermeist um der Bösen willen gesetzt / daß sie nichts ärgeres täten. Darum sind solche Gesetze nur Wehrgesetz / mehr denn Lehrgesetz. Als da Mose gebietet ein Weib mit einem Scheidebrief von sich zu lassen. Item / daß ein Mann sein Weib mit einem Eiferopfer treiben / und andere Weiber mehr nehmen mag / Solches sind alles weltliche Gesetze.

ETliche aber sind / die von äußerlichem Gottesdienst lehren / wie droben gesagt ist.

ÜBer diese beide gehen nun die Gesetze vom Glauben und von der Liebe / also / daß alle anderen Gesetz müssen und sollen ihr Maß haben vom Glauben und von der Liebe / daß sie gehen sollen / wo ihre Werke ebenso geraten / daß sie nicht gegen den Glauben und die Liebe gehen / Wo sie aber gegen den Glauben und Liebe geraten / sollen sie schlecht ab sein.

DAher lesen wir / daß David den Mörder Joab nicht tötete / so er doch zweimal den Tod verdient hatte. Und II. Reg. XIIII. gelobt er dem Weibe von Thekoa / ihr Sohn solle nicht sterben / obwohl er seinen Bruder erwürgt hatte. Item / Absalom tötete er auch nicht. Item / er selbst David aß von dem heiligen Brot der Priester I. Reg. XXI. Item Thamar meinte / der König möchte sie geben Amnon ihrem Stiefbruder zur Ehe. Aus dieser und der gleichen Geschichten / sieht man wohl / daß die Könige / Priester und Obersten haben oft frisch ins Gesetz gegriffen / wo es der Glaube und die Liebe haben gefordert. Daß also der Glaube und die Liebe soll aller Gesetze Meisterin sein / und sie alle in ihrer Macht haben. Denn sintemal alle Gesetze auf den Glauben und Liebe ausgerichtet sind / soll keines mehr gelten noch ein Gesetz sein / wo es dem Glauben oder der Liebe zuwider geraten will.

DErhalben irren die Juden noch heutigen Tages sehr / daß sie so streng und hart an etlichen Gesetzen Mose halten / und viel ehr Liebe und Friede ließen untergehen / ehe sie mit uns essen oder trinken / oder dergleichen täten / Und sehen des Gesetzes Meinung nicht recht an / Denn dieser Verstand ist von Nöten allen, die unter Gesetzen leben / nicht allein den Juden. Denn also sagt auch Christus Matth. XII. Daß man den Sabbath brechen möchte / wo ein Ochs in eine Grube gefallen war / und ihm heraushelfen / Welches doch nur eine zeitliche Not und Schaden war. Wieviel mehr soll man frisch allerlei Gesetze brechen / wo es Leibes Not fordert / so dabei dem Glauben und der Liebe nichts zuwider geschieht. Wie Christus sagt / Daß David getan hat / da er die heiligen Brote aß / Mar. III.

WAS IST ABER / DAß MOSE DIE GESETZE SO ungeordnet untereinander wirft? Warum setzt er nicht die Weltlichen zusammen / die Geistlichen auch / und den Glauben und Liebe ebenfalls? Dazu widerholt er zuweilen ein Gesetz so oft / und treibt einerlei Wort so vielmal / daß gleich verdrossen ist zu lesen und zu hören? Antwort: Mose schreibt / wie sichs treibt / Daß sein Buch ein Bild und Exempel ist des Regiments und Lebens. Denn also geht es zu / wenn es im schwang geht / daß jetzt dieses Werk / jetzt jenes getan sein muß. Und kein Mensch sein Leben also fassen mag (so es anders Göttlich sein soll) daß er diesen Tag nichts als geistliche / den andern nichts als weltliche Gesetze übe / Sondern Gott regiert also alle Gesetze untereinander / wie die Sterne am Himmel / und die Blumen auf dem Felde stehen / Daß der Mensch muß alle Stunde zu jeglichem bereit sein / und tun, welches ihm am ersten vor die Hand kommt / Also ist Mose Buch auch untereinander gemengt.

DAß er aber so sehr treibt und oft einerlei widerholt / Damit ist auch seines Amtes Art angezeigt. Denn wer ein Gesetzvolk regieren soll / der muß immer anhalten / immer treiben / und sich mit dem Volk / wie mit Eseln / herumplagen / Denn kein Gesetzeswerk geht mit Lust und Liebe ab / es ist alles erzwungen und abgenötigt. Weil nun Mose ein Gesetzeslehrer ist / muß er mit seinem Treiben anzeigen / wie Gesetzeswerke gezwungene Werke sind / und das Volk müde machen / Bis es durch solch Treiben erkenne seine Krankheit und Unlust zu Gottes Gesetz / und nach der Gnade trachte / wie folgt.

AUFS DRITTE / IST DAS DIE RECHTE MEINUNG Mose / Daß er durchs Gesetz die Sünde offenbare und alle Vermessenheit menschlichen Vermögens zuschanden mache. Denn daher nennt ihn S. Paulus Gal. II. einen Amtmann der Sünde und sein Amt ein Amt des Todes II. Kor. III. Und Röm. III. und VII. spricht er / Durchs Gesetze komme nicht mehr denn Erkenntnis der Sünde. Und Röm. III. Durchs Gesetzes Werke wird niemand fromm vor Gott. Denn Mose kann durchs Gesetz nicht mehr tun / weder anzeigen was man tun und lassen soll. Aber Kraft und Vermögen solches zu tun und zu lassen / gibt er nicht / und läßt uns also in der Sünde stecken.

WEnn wir denn in der Sünde stecken / so dringt der Tod also bald auf uns / als eine Rache und Strafe über die Sünde. Daher nennt S. Paulus die Sünde / des Todes Stachel / Daß der Tod durch die Sünde alle seine Rechte und Macht an uns hat. Aber wo das Gesetz nicht wäre / so wäre auch keine Sünde. Darum ist's alles Mose Amts Schuld / der regt und rügt die Sünde durchs Gesetz / so folgt der Tod auf die Sünde mit Gewalt. Daß Moses' Amt billig und recht ein Amt der Sünde und des Todes von S. Paulo genannt wird / Denn er bringt nichts auf uns durch seine Gesetzgebung / denn Sünde und Tod.

ABer doch ist solches Sündeamt und Todamt gut / und fast von nöten / Denn wo Gottes Gesetz nicht ist / da ist alle menschliche Vernunft so blind / daß sie die Sünde nicht erkennen mag. Denn keine menschliche Vernunft weiß / daß Unglaube und an Gott verzweifeln Sünde sei / Ja sie weiß nichts davon / daß man Gott glauben und trauen soll / Geht also dahin verstockt in ihrer Blindheit / und fühlt solche Sünde nimmermehr. Tut dieweil sonst etwa gute Werke / und führt ein äußerlich ehrbares Leben. Da meint sie denn / sie stehe wohl / und sei der Sachen genug geschehen. Wie wir sehen in den Heiden und Heuchlern / wenn sie auf ihr bestes leben. Item / so weiß sie auch nicht / daß böse Neigung des Fleischs / und Haß wider die Feinde / Sünde sei / sondern weil sie sieht und fühlt / daß alle Menschen so geschickt sind / achtet sie solches für natürlich und recht gutes Ding / Und meint / es sei genug / wenn man nur äußerlich den Werken wehrt. Also geht sie dahin / und achtet ihre Krankheit für Stärke / ihre Sünde für Recht / ihr böses für gut / und kann nicht weiter.

SIehe / diese Blindheit und verstockte Vermessenheit zu vertreiben / ist die Not Moses' Amtes. Nun kann er sie nicht vertreiben / er muß sie offenbaren und zu erkennen geben. Das tut er durchs Gesetz / da er lehrt / Man solle Gott fürchten / trauen / glauben und lieben. Dazu keine böse Lust noch Haß zu einigem Menschen tragen oder haben. Wenn nun die Natur solches recht hört / so muß sie erschrecken / Denn sie befindet gewiß / weder trauen noch glauben / weder Furcht noch Liebe zu Gott. Item weder Liebe noch Reinigkeit gegen dem Nächsten / Sondern nichts als Unglauben / Zweifel / Verachtung und Haß zu Gott / und nur bösen Willen und Lust zum nächsten. Wenn sie aber solches findet / so ist der Tod also bald vor Augen / der solchen Sünder fressen / und in die Hölle verschlingen will. SIehe / Das heißt den Tod durch die Sünde auf uns dringen / und durch die Sünde uns töten. Das heißt durch das Gesetz die Sünde regen / und vor die Augen setzen / und alle unser Vermessenheit in ein Verzagen / und Zittern und Verzweifeln treiben. Daß der Mensch nicht mehr kann tun / denn mit den Propheten schreien / Ich bin von Gott verworfen / Oder / wie man auf Deutsch sagt / Ich bin des Teufels / Ich kann nimmermehr selig werden. Das heißt recht in die Hölle gefahren. Das meint S. Paulus mit kurzen Worten. I. Korin. XV. Der Stachel des Todes ist die Sünde / Aber das Gesetz ist der Sünde Kraft. Als sollte er sagen / Daß der Tod sticht und uns erwürgt / macht die Sünde / die an uns gefunden wird / des Todes schuldig. Daß aber die Sünde an uns gefunden wird / und so mächtig uns dem Tod gibt / macht das Gesetz / welches uns die Sünde offenbart und erkennen lehrt / die wir zuvor nicht kannten / und sicher waren.

NUN SIEHE / MIT WELCHER GEWALT MOSE SOLCHES sein Amt treibt und ausrichtet / Denn daß er ja die Natur aufs allerhöchste schände / gibt er nicht allein solche Gesetze / die von natürlichen und warhaftigen Sünden sagen / als da sind die zehn Gebote / Sondern macht auch Sünde / da von Natur sonst keine Sünde ist / und dringt und drückt auf sie mit Haufen Sünden. Denn Unglaube und böse Lust ist von Art der Sünde und des Todes wert. Aber daß man nicht soll gesäuertes Brot essen zu Ostern / Und kein unreines Tier essen / kein Zeichen an dem Leib machen / und alles was das Levitische Priestertum mit Sünden schafft / das ist nicht von Art der Sünde und böse / sondern wird allein darum Sünde / das durchs Gesetz verboten ist / welchs Gesetz wohl abgetan sein kann. Aber die zehn Gebote mögen nicht also abgetan sein / Denn da ist Sünde / obschon die Gebote nicht wären / oder nicht erkannt wären. Gleich wie der Heiden Unglaube Sünde ist / ob sie es wohl nicht wissen noch achten / das Sünde sei.

ALso sehen Wir / daß solche und so mancherlei Gesetze Mose / nicht allein darum gegeben sind / das niemand etwas eigenes erwählen dürfte Gutes zu tun / und wohl zu leben / wie droben gesagt ist. Sondern vielmehr darum / daß der Sünden nur viel würden / und sich über die Maßen häuften / das Gewissen zu beschweren. Auf daß die verstockte Blindheit sich erkennen müßte / und ihr eigen Unvermögen und Nichtigkeit zum Guten müßte fühlen / Und also durchs Gesetz genötigt und gedrungen würde etwas weiteres zu suchen / als das Gesetz und eigenes Vermögen / nämlich / Gottes Gnade im künftigen Christum verheißen. Denn es ist je alles Gesetz Gottes gut und recht / wenn er auch gleich aufgäbe nur Mist zu tragen / oder Strohhalme aufzuheben. So muß aber der ja nicht fromm noch guten Herzens sein / der solch gutes Gesetz nicht hält / oder ungerne hält. So vermag alle Natur nicht anders / denn ungerne halten / Darum muß sie hier am guten Gesetz Gottes / ihre Bosheit erkennen und fühlen / und nach der Hilfe göttlicher Gnade seufzen und trachten in Christo.

DARUM / WO NUN CHRISTUS KOMMT / DA HÖRT DAS Gesetz auf / sonderlich das Levitische / welches Sünde macht / da sonst ihrer Art keine Sünde ist / wie gesagt ist. So hören auch die zehn Gebote auf / Nicht also / daß man sie nicht halten noch erfüllen sollte / sondern Moses' Amt hört darin auf / daß es nicht mehr durch die zehn Gebote die Sünde stark macht / und die Sünde nicht mehr des Todes Stachel ist. Denn durch Christum ist die Sünde vergeben / Gott versöhnt / und das Herz hat angefangen dem Gesetz hold zu sein / daß es Moses' Amt nicht mehr kann strafen und zu Sünden machen / als hätte es die Gebote nicht gehalten / und wäre des Todes schuldig / Wie es täte vor der Gnade / und ehe denn Christus da war.

DAs lehrt S. Paulus II. Korin. III. da er spricht / Daß die Klarheit im Angesicht Mose aufhört / um der Klarheit willen im Angesichte Jesu Christi. Das ist / das Amt Mose / das uns zu Sünde und Schande macht / mit dem Glanz der Erkenntnis unserer Bosheit und Nichtigkeit / Tut uns nicht mehr weh / schreckt uns auch nicht mehr mit dem Tod. Denn wir haben nun die Klarheit im Angesicht Christi. Das ist / das Amt der Gnade / dadurch wir Christum erkennen / mit welches Gerechtigkeit / Leben und Stärke / wir das Gesetz erfüllen / Tod und Hölle überwinden. Wie auch die drei Apostel auf dem Berg Tabor / Moses und Elias sahen / und doch nicht vor ihnen erschraken / um der lieblichen Klarheit willen im Angesichte Christi. Aber Exod. XXXIIII. da Christus nicht gegenwärtig war / konnten die Kinder Israel die Klarheit und den Glanz in Mose Angesicht nicht erleiden / darum mußte er eine Decke davor tun.

DEnn es sind dreierlei Schüler des Gesetzes / Die ersten / die das Gesetz hören und verachten / führen ein ruchloses Leben ohne Furcht / Zu diesen kommt das Gesetz nicht. Und sind bezeichnet / durch die Kalbdiener in der Wüste / um welcher willen Mose die Tafeln entzwei warf / und das Gesetz nicht zu ihnen brachte.

DIe anderen / die es angreifen mit eigener Kraft zu erfüllen ohne Gnade. Die sind bezeichnet durch die / welche Mose Antlitz nicht sehen konnten / da er zum zweiten mal die Tafeln brachte. Zu diesen kommt das Gesetz / aber sie leiden es nicht. Darum machen sie eine Decke drüber / und führen ein heuchlerisches Leben mit äußerlichen Werken des Gesetzes / welchs doch das Gesetz alles zu Sünden macht / wo die Decke abgetan wird / Denn das Gesetz erweist / daß unser Vermögen nichts sei / ohne Christi Gnade.

DIe dritten sind / die Mosen klar ohne Decke sehen. Das sind sie / die des Gesetzes Meinung verstehen / wie es ummöglich Ding fordert. Da geht die Sünde in der Kraft / da ist der Tod mächtig / da ist des Goliaths Spies wie ein Weberbaum / und sein Stachel hat sechshundert Sekel Erz / daß alle Kinder Israel vor ihm fliehen / Außer, der einzige David Christus unser HErr erlöste uns von dem allen. Denn wo nicht Christi Klarheit neben solcher Klarheit Mose käme / könnte niemand solchen Glanz des Gesetzes der Sünde und des Todes Schrecken ertragen. Diese fallen ab von allen Werken und Vermessenheit / und lernen am Gesetz nicht mehr / denn allein Sünde erkennen / und nach Christo zu seufzen / Welches auch das eigentlich Amt Mose und des Gesetzes Art ist.

ALso hat Mose auch selbst angezeigt / daß sein Amt und Lehre sollte währen bis auf Christum / und alsdann aufhören / da er spricht / Deut. XVIII. Einen Propheten wird dir der HERR dein Gott erwecken / aus deinen Brüdern / wie mich / Den sollst du hören etc. Dies ist der edelste Spruch und freilich der Kern im ganzen Mose / welchen auch die Apostel hoch geführt und stark gebraucht haben / das Evangelium zu bekräftigen / und das Gesetz abzutun / und alle Propheten / gar viel draus gezogen haben. Denn weil Gott hier einen anderen Mose verheißt / den sie hören sollen / zwingt sichs / daß er etwas anderes lehren würde / als Mose / und Mose ihm seine Macht übergibt und weicht / daß man jenen hören solle. So kann je der selbe Prophet nicht Gesetz lehren / denn das hat Mose aufs allerhöchste ausgerichtet / und wäre keine Not um Gesetzes willen einen anderen Propheten zu erwecken / Darum ist's gewiß von der Gnadenlehre und Christo gesagt.

DArum nennt auch S. Paulus Mose Gesetz / das Alte Testament / Christus auch / da er das Neue Testament einsetzt. Und ist darum ein Testament / daß Gott darinnen verhieß und beschied dem Volk Israel das Land Kanaan / wo sie es halten würden. Und gabs auch ihnen / und ward bestätigt durch Hammel und Bocks Tod und Blut. Aber weil solches Testament nicht auf Gottes Gnaden / sondern auf Menschen Werken stand / mußte es alt werden und aufhören / und das verheißene Land wider verloren werden / darum / daß durch Werke das Gesetze nicht erfüllt werden kann. Und mußte ein anderes Testament kommen / das nicht alt würde / auch nicht auf unserem Tun / sondern auf Gottes Wort und Werke stünde / auf daß es ewiglich währte. Darum ist's auch durch einer ewigen Person Tod und Blut bestätigt / und ein ewiges Land verheißen und gegeben. Das sei nun von Mose Bücher und Amt geredet.

WAS SIND ABER NUN DIE ANDEREN BÜCHER DER Propheten und der Geschichten? Antwort: nichts anderes / denn was Mose ist / Denn sie treiben allesamt Moses' Amt / und wehren den falschen Propheten / daß sie das Volk nicht auf die Werke führen / sondern in dem rechten Amt Mose und Erkenntnis des Gesetzes bleiben lassen. Und halten fest daran, daß sie durch des Gesetzes rechten Verstand / die Leute in ihrer eigen Untüchtigkeit behalten und auf Christum treiben / wie Mose tut. Darum streichen sie auch weiter aus / was Mose von Christo gesagt hat / Und zeigen an beiderlei Exempel / diejenigen / die Mose recht haben / und diejenigen / die ihn nicht recht haben / und aller beider Strafe und Lohn. Also / daß die Propheten nichts anderes sind / denn Handhaber und Zeugen Mose und seines Amtes / daß sie durchs Gesetze jedermann zu Christo bringen.

AUFS LETZTE / SOLLTE ICH AUCH WOHL DIE geistliche Deutung anzeigen / die durch das Levitische Gesetz und Priestertum Mose vorgelegt ist. Aber es ist dessen zu viel zu schreiben / es will Raum und Zeit haben / und mit lebendiger Stimme ausgelegt sein. Denn freilich Mose ein Brunn aller Weisheit und Verstandes ist / daraus gequollen ist alles / was alle Propheten gewußt und gesagt haben. Dazu auch das Neue Testament heraus fließt und darin gegründet ist / wie wir gehört haben. Aber doch einen kleinen kurzen Griff zu geben / denjenigen / die Gnade und Verstand haben / weiter danach zu trachten / sei das mein Dienst.

WEnn du willst wohl und sicher deuten / So nimm Christum für dich / Denn das ist der Mann / dem es alles und ganz und gar gilt. So mache nun aus dem Hohenpriester Aaron niemand denn Christum allein / wie die Epistel an die Hebräer tut / welche fast alleine ausreichend ist / alle Figuren Mose zu deuten. Also ist's auch gewiß / daß Christus selbst das Opfer ist / ja auch der Altar / der sich selbst mit seinem eigenen Blut geopfert hat / Wie auch die selbe Epistel meldet. Wie nun der Levitische Hohepriester / durch solches Opfer nur die gemachten Sünde wegnam / die von Natur nicht Sünde waren / Also hat unser Hohepriester Christus / durch sein eigenes Opfer und Blut / die rechte Sünde / die von Natur Sünde ist / weggenomen. Und ist einmal durch den Vorhang gegangen zu Gott / daß er uns versöhne. Also / daß du alles / was vom Hohenpriester geschrieben ist / auf Christum persönlich / und sonst auf niemand deutest.

ABer des Hohenpriesters Söhne / die mit dem täglichen Opfer umgehen / sollst du auf uns Christen deuten / die wir vor unserem Vater Christo im Himmel sitzend hier auf Erden mit dem Leibe wohnen / und nicht hindurch sind bei ihm / außer geistlich mit dem Glauben. Derselben Amt / wie sie schlachten und opfern / bedeutet nichts anderes / denn das Evangelium predigen / Durch welches der alte Mensch getötet und Gott geopfert / durchs Feuer der Liebe / im heiligen Geist verbrannt und verzehrt wird / Welches gar wohlriecht vor Gott / das ist / es macht ein gutes / reines / sicheres Gewissen vor Gott. Diese Deutung trifft S.Paulus Röm. XII. da er lehrt / wie wir unseren Leib sollen opfern Gott zum lebendigen / heiligen / angenehmen Opfer. Welches wir tun (wie gesagt) durch stetige Übung des Evangeliums beiderlei mit predigen und glauben. Das sei diesmal genug zur kurzen Anleitung / Christum und das Evangelium zu suchen im Alten Testament.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 22.05.2011 06:20

A.Christlieb Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 1. Mose 1, 1

Mit diesen Worten beginnt die Heilige Schrift, die Bibel, das Wort Gottes. G o t t e s Wort heißt sie nicht, weil die Vokabel Gott oft in ihr vorkommt, auch nicht, weil Worte darin stehen, die durch den Mund Gottes gegangen sind. G o t t e s Wort heißt sie, weil man durch das Wort hindurch G o t t schauen kann, wie er mit der Welt und mit der Menschheit umgeht. Bis in sein Herz hinein kann man ihn schauen, wie es für uns schlägt. Und bei seinem Wort können wir ihn fassen und so Gemeinschaft mit ihm finden. - Wir armen Erdenmenschen bleiben so gern hängen mit unserem Blick bei dem, was hier auf der Erde zu sehen ist. Gottes Wort hebt unsere Blicke empor zu Gottes Tun und Gottes Werk. Die Schöpfungsgeschichte offenbart die Allgewalt seines Wortes. Gott sprach - und - es geschah also. Psalm 33, 9: ,,So er spricht, so geschieht es, und so er gebietet, so steht es da." Von allen Werken Gottes heißt es zuletzt: ,,Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe da, es war sehr gut" (1. Mose 1, 31). Von dem ,,Sehr guten" aber war der Mensch das allerbeste, war Gottes Ebenbild und Gottes Stellvertreter hier auf Erden. Ach, wäre es so geblieben! Der Mensch aber ist - durch die Sünde - von seiner Höhe gestürzt. In seinem Herzen sieht es so aus, wie es Vers 3 von der Erde heißt: ,,Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe." Ja: wüst, leer und finster! So hat die Sünde das Ebenbild Gottes verderbt, verunstaltet, ins Gegenteil verkehrt. Die Heilige Schrift zeigt uns aber, daß Gott alles, was er begonnen hat, auch zum guten Ende führt. Er läßt sein Volk nicht liegen. Was er angefangen, das führt er herrlich hinaus.
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Jörg
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Beitragvon Jörg » 23.05.2011 04:38

W.MacDonald »Im Anfang schuf Gott...« 1. Mose 1,1

Wenn wir die ersten vier Worte von 1. Mose 1,1 vom Rest des Verses trennen, dann bilden sie eine Art Wahlspruch für das ganze Leben. Sie sagen: »Gott zuerst.«

Wir finden dieses Motto schon im ersten Gebot angedeutet: »Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.« Niemand und nichts darf den Platz des wahren und lebendigen Gottes einnehmen.

Wir finden den Grundsatz in der Geschichte Elias und der Witwe, die nur noch soviel Mehl und Öl übrighatte, um einen letzten Laib für ihren Sohn und sich selbst zu machen (1. Könige 17,12). Überraschenderweise sagte Elia zu ihr: »Bereite mir zuerst einen kleinen Kuchen davon.« Obwohl das vielleicht wie ungeheuerlicher Egoismus klingt, lag die Sache doch anders. Elia war ein Stellvertreter Gottes. Er meinte damit: »Setze einfach Gott an die erste Stelle, und du wirst nie Mangel an lebensnotwendigen Dingen haben.«

Jahrhunderte später lehrte der Herr Jesus das Gleiche in der Bergpredigt, als Er sagte: »Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden« (Matthäus 6,33). Der erste Platz im Leben gebührt dem Reich Gottes und Seiner Gerechtigkeit.

Diese Aussage unseres Herrn wird in Lukas 14,26 bestätigt: »Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.« Christus muß den ersten Platz einnehmen.

Aber wie setzen wir Gott an die erste Stelle? Wir müssen doch unsere Familie versorgen. Wir müssen an unsere weltliche Arbeit denken. Wir haben zahllose Pflichten, die unsere Zeit und Kraft in Anspruch nehmen. Nun, wir setzen Gott an die erste Stelle, indem wir Ihn mit einer solchen Liebe lieben, daß jede andere Liebe im Vergleich dazu wie Haß wirkt. Wir tun es, indem wir alle materiellen Dinge als von Ihm anvertrautes Gut betrachten und nur diese Dinge festhalten, die in Verbindung mit Seinem Reich gebraucht werden können. Wir tun es, indem wir Dingen mit Ewigkeitsbezug den ersten Platz einräumen und daran denken, daß selbst gute Dinge manchmal Feinde der besten sein können.

Eine richtige Beziehung zu Gott liegt im höchsten Interesse des Menschen. Und die richtige Beziehung zu Gott besteht darin, daß Ihm der erste Platz gegeben wird. Wenn wir Gott an die erste Stelle setzen, werden wir zwar nicht ohne Probleme existieren, aber wir finden Erfüllung in unserem Leben. Doch wenn wir Gott eine zweitrangige Position zuweisen, haben wir nichts als Probleme - und eine elende Existenz obendrein.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 24.05.2011 04:22

J.Kroeker Von seinem wunderbaren Schöpfungswerk.
Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde." 1.Mose 1,1.


Es ist für die Gottestätigkeit überaus bezeichnend, dass sämtliche dem Begriff "schaffen" verwandten Wortwurzeln im Hebräischen "ein Hinausstreben und Heraustreten aus der Innerlichkeit und Gebundenheit" ausdrücken. Durch den Begriff "schuf" wird daher auch hier bestimmt, dass es im Uranfang Gottes Schöpfergedanken waren, die zu einem Schöpfungsakt wurden. Denn vor der Schöpfung des Weltganzen war alles zu Schaffende zunächst nur innerlich, nur in den Gedanken des Schöpfers vorhanden. Erst Gottes Schaffen setzte in die Äußerlichkeit und stoffliche Wirklichkeit, was zuvor allein in Gottes Gedanken ruhte.

Dieses sein Schaffen war jedoch stets getragen von einem freien göttlichen Wollen. Nicht weil Gott Himmel und Erde, Licht und Leben dachte, sondern als Er sprach: "Es werde!" wurden die Himmel und die Erde: das gesamte Universum mit seinem unzähligen Heer von Leben. Alles Bestehende und Webende ist daher das Ergebnis seines freiwilligen Handelns und die lebendige Bildersprache seiner ewigen Weisheit und Majestät. Im Schöpfungshandeln wurde mithin sichtbar die Schöpferseele und zwar in ihrer schaffenden Kraft und unendlichen Lebensfülle. So verschieden an sich das Reich der Natur und das des Geistes begrifflich auch immer sein mögen, sie entspringen beide der gleichen Wurzel. Sie haben in Gott ihre Entstehungs- und Daseinsquelle. Auch die Naturgebilde in ihrer unendlichen Fülle und in ihren mannigfaltigsten Formen zeugen daher von den ewigen Gesetzen jenes Reiches, in dem der Schöpfer einheitlich waltet und regiert. Ihr Dasein und ihre Kundgebungen sind die verstofflichten Gedanken und Worte seines Geistes.

So zwingt uns die Schöpfungsgeschichte bereits mit ihrem ersten Satz "Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde" in erster Linie, Gott nicht aus der Schöpfung, sondern die Schöpfung aus Gott zu verstehen. Ihrem Dasein und Fortbestand sind durch das "sprach" für immer die rein freiwillige Gedankenverwirklichung ihres Schöpfers aufgeprägt. "Nicht Gott als Schöpfer Himmels und der Erde, sondern Himmel und Erde als Schöpfung Gottes mit allen Konsequenzen dieses Verhältnisses zu erkennen und zu beherzigen", das ist die große Offenbarung, mit der uns die Urgeschichte dienen will. "Einfach und machtvoll", sagt tief und treffend H. Gunkel, stellt der Schöpfungsbericht zunächst das Dogma fest, dass Gott die Welt geschaffen hat; kein Wort gibt es in den Kosmogonien anderer Völker, das diesem ersten Wort der Bibel gleichkäme."
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 25.05.2011 04:19

J.Kroeker Von seinem wunderbaren Schöpfungswerk.

"Und die Erde ward wüst und leer und es lag Finsternis auf der Tiefe und der Geist Gottes schwebte über den Wassern." 1.Mose 1,2.


Gott lebt ewig der ersten Liebe. In ihr umgibt Er mit seinem Lebensodem auch den chaotischen Todeszustand einer gefallenen Erde. So wird Er ihr zu einer völlig neuen Offenbarung. Denn Gott ist unendlich mehr als Schöpfung mit der Sprache ihrer ewigen Gesetze. Er ist Offenbarung mit der Sprache seiner ewig gegenwärtigen und schöpferischen Liebe. Denn Schöpfung ist Geschehenes, Offenbarung jedoch Geschehendes. Sie ist nicht historische Vergangenheit, sie bleibt schöpferische Gegenwart.

Diese Offenbarung der Liebe ist stark wie der Tod, und daher verneint sie den Tod. Die Gottesoffenbarung der sieben Schöpfungstage steht im Zeichen des göttlichen Nein! Sie spricht nein zur Finsternis und es muss Licht werden. Sie spricht nein zum Chaos und es müssen Scheidungen eintreten, die hinfort in sich geschlossene Bildungen und Lebensformen zulassen. Sie spricht nein zur Unfruchtbarkeit und alles Geschaffene und Geschiedene erfüllt sich mit einer unendlichen Fülle von Leben, das fähig ist, Frucht zu tragen, ein jegliches nach seiner Art. Sie spricht nein zum herrschenden Durcheinander und vollendet ihr neues Werk mit jenem Sabbat der vollendeten Ordnung und des Friedens, der keinen Abend kennt.

Denn diese neue Gottesoffenbarung wurde zur Erlösung für das Geschöpf. In der ersten Offenbarung nach Vers 1 "schuf" Gott, und es entstanden "die Himmel und die Erde". In der neuen nach Vers zwei "sprach" Gott und die chaotische Erde wurde ein Gottestempel, in dem Gott und Mensch sich einander in einem ununterbrochenen Sabbat begegneten. Das war Erlösung der Erde durch Offenbarung der Liebe. Hätte diese Liebe sich in sich selbst zurückgezogen und sich in ihrer Offenbarung auf die anderen Licht-Körper beschränkt, die Erde wäre in ihrem Tohu-wa-bohu-Zustand geblieben. Was sie offenbaren konnte, das war die Finsternis, die Unordnung, die Zerstörung, der Tod. Sollte sie ein Neues werden, so musste ein Neues in sie hineingetragen werden. Dies tat die ewige Liebe, die die Erde zum Gegenstand ihrer neuen Offenbarung machte und sie mit ihrem Geiste als dem Prinzip des ewigen Lebens umgab. So entstand ein Neues aus dem Chaotischen. Wahrlich, das Geheimnis bis heute auch in der Neuschöpfung durch Christus. Seine Liebe spricht, und der Mensch erwacht aus Sünde und Tod zu neuem Leben.
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Beitragvon Jörg » 26.05.2011 04:14

J.Kroeker Von seinem wunderbaren Schöpfungswerk.

"Da sprach Gott: Es werde Licht! Und es ward Licht." 1.Mose 1,3.


Der erste Schöpfungstag wird beherrscht von dem Prinzip der Erleuchtung. Es ist die erste Kampfansage Gottes an den Tod und an dessen Herrschaftsgebiet: die Finsternis. Tritt Gott erst aus sich heraus, dann müssen auch Tod und Finsternis kapitulieren. Denn Gott ist Licht, daher führte jede seiner Offenbarungen zum Licht. Im Licht seiner Wahrheit wird die Lüge zur Lüge. In seinem Leben wird der Tod zum Tode. Sein erstes Evangelium an eine durch den Tod und die Finsternis gefangen gehaltene Schöpfung ist daher: "Es werde Licht!"

Denn Erleuchtung ist der erste Schritt zur Erlösung. Auf dieser Grundlage baut sich ein Wirken Gottes auf, das am Ende mit seinem göttlichen Ebenbild, dem Menschen, schließen kann. Sein Licht ist jenes weckende und erlösende Element, das alle Kräfte zur Entfaltung wachruft und für jene Daseinsform erlöst, in der alles Leben der Finsternis zu entrinnen sucht und dem Licht entgegenjubelt.

Solange auch der gegenwärtig wiederum von der Finsternis und der Königsherrschaft des Todes beherrschte Mensch nur äußert, was seine eigenen Naturanlagen und Energien sind, bleibt er eine Welt für sich - ein gefallenes, unerlöstes Geschöpf. Gott und seinem Heil gegenüber ist er das stumme Selbst. Und wo er aus sich selbst heraustritt, offenbart er nur die eigene Welt, das Chaos. Daher kann der gefallene Mensch nicht zu Gott kommen, bevor nicht Gott zu ihm gekommen ist. Er kann nicht Gott lieben, wenn Gott nicht zuvor durch die Aktivität seiner Liebe eine Antwort der Liebe in der Seele des Menschen geweckt hat. Denn nicht in sich selbst, sondern allein in dem Liebenden kommt die Geliebte völlig zur Ruhe. Erst in dem, was Er ihr gibt und Er ihr ist, findet sie die Erlösung, die sie sich selbst nie zu geben vermochte. Daher ist die Erlösung nicht nur eine Sittlichkeits- oder Heiligkeitsfrage, sie ist in erster Linie eine Gemeinschaftsfrage. Nur insoweit Gott durch sein göttliches: Es werde!den Menschen hineinziehen kann in sein Licht und in die Gemeinschaft mit sich selbst, erlebt er Gottes Erlösung. Zwar ist Erleuchtung noch nicht Erlösung, sie ist aber der erste Schritt zur Erlösung. Daher begann das Reich Gottes auch in jedem Zeitalter immer wieder mit der Botschaft: "Tut Buße, denn das Königreich der Himmel ist nahe herbeigekommen." Und so viele sich je und je sehnten, aus der Machtsphäre der Finsternis herauszukommen und das erschienene Licht aufnahmen, denen gab Er die Vollmacht, "Gottes Kinder zu werden".
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Beitragvon Jörg » 27.05.2011 04:25

C.H.Spurgeon ,,Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis." 1 Mose 1, 4.

Licht ist eine herrliche Gottesgabe und muß es auch sein; denn es entsprang jenem gütigen ,,Werde" der Liebe. Wir, die wir's genießen dürfen, sollten nur dankbarer dafür sein und in demselben und durch dasselbe Gott mehr erkennen. Das leibliche Licht, spricht Salomo, ist lieblich; aber das Licht des Evangeliums ist unendlich köstlicher, denn es offenbart göttliche und ewige Dinge und dient unsrer unsterblichen Natur. Wenn der Heilige Geist uns geistliches Licht schenkt und die Augen öffnet, daß wir die Herrlichkeit Gottes im Angesicht des Herrn Jesu schauen, dann, erkennen wir die Sünde in ihren wahren Farben, und wir erfahren, wie's in Wahrheit mit uns steht; wir sehen den allerheiligsten Gott, so wie Er sich offenbart, den Heilsplan, den Er verkündigen läßt und die zukünftige Welt, wie die Heilige Schrift sie schildert. Das geistliche Licht hat mancherlei Strahlen und Regenbogenfarben, aber sie sind alle gut, sei's nun Erkenntnis, Freude, Heiligung oder Leben. Wenn nun schon das Licht, das wir empfangen, gut ist, wie muß erst das wesentliche Licht sein, und wie herrlich muß der Ort seiner Offenbarung sein! O Herr, da Dein Licht so gut ist, o, so schenke uns noch mehr Licht, o, so schenke uns vor allem Dich selber, das wahre Licht! Sobald etwas Gutes in der Welt zum Vorschein kommt, wird eine Scheidung nötig; denn was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Gott hat sie geschieden, wir wollen sie nicht vermengen. Die Kinder des Lichts dürfen keine Gemeinschaft haben mit den Werken, Lehren und Lügen der Finsternis. Die Kinder des Tages sollen nüchtern, ehrbar und wacker sein im Werke ihres Herrn, und denen die Werke der Finsternis überlassen, die darin bleiben müssen ewiglich. Die Gemeinde der Gläubigen soll durch Zucht das Licht scheiden von der Finsternis, und ebenso müssen wir uns heilig halten von der Befleckung mit der Welt. Im Urteil, im Wandel, im Hören, im Lehren, im Umgang müssen wir einen Unterschied machen zwischen den Guten und Bösen, und die große Scheidung festhalten, die der Herr bei seinem ersten Tagewerke aufgerichtet. O Herr Jesu, sei Du unser Licht den ganzen heutigen Tag, denn Dein Licht ist das wahre Licht für uns Menschen.
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Beitragvon Jörg » 28.05.2011 05:36

C.H.Spurgeon ,,Und Gott sah das Licht." 1 Mose 1, 4.

Heute morgen betrachteten wir, wie das Licht gut war, und wie Gott das Licht von der Finsternis schied, und nun richten wir unsre Aufmerksamkeit auf den besonderen Blick, welchen Gott für das Licht hat. ,,Gott sah das Licht." - Er sah es mit Wohlgefallen, Er ruhete darauf mit Blicken der Wonne, Er sah, ,,daß es gut war." Wenn dir der Herr Licht geschenkt hat, liebe Seele, dann schaut Er mit ganz besonderer Teilnahme auf dies Licht; denn es ist Ihm nicht allein wert darum, daß es sein Werk ist, sondern weil dies Licht Ihm ähnlich ist, denn ,,Er ist das Licht." Es ist köstlich für den Gläubigen, daß er weiß, Gottes Auge wacht mit zarter Sorgfalt über dem Werk der Gnade, das Er begonnen hat. Nie verliert Er den Schatz aus den Augen, den Er in unsern irdischen Gefäßen niedergelegt hat. Manchmal können wir das Licht nicht sehen, aber Gott siehet das Licht allezeit, und das ist viel besser, als wenn wir es sehen. Es ist gar tröstlich für mich, wenn ich weiß, ich gehöre mit zum Volke Gottes - ob ich es weiß oder nicht, wenn es nur der Herr weiß, so ist's gut für mich, und ich bin wohl geborgen. Das ist die Hauptsache: ,,Der Herr kennet die Seinen." Du kannst vielleicht seufzen und stöhnen über die angeborene Erbsünde und trauern über deine Verfinsterung; dennoch sieht der Herr ,,Licht" in deinem Herzen, denn Er hat es darein gepflanzt, und allen Dunst und alle Dämmerung deiner Seele kann dein Licht nicht vor seinem Gnadenblick verhüllen. Und wenn du tief ins Zagen und Verzweifeln geraten wärest, sobald nur deine Seele irgend ein schwaches Verlangen nach Christo hegt, und wenn du trachtest, in dem zu bleiben, was Er für dich vollbracht hat, dann sieht Gott ,,das Licht." Und Er sieht es nicht nur, sondern Er behütet es auch in dir. ,,Ich, der Herr, behüte ihn; ich will ihn Tag und Nacht behüten." Das ist ein köstlicher Gedanke für alle die, welche trotz aller Wachsamkeit und Aufmerksamkeit auf sich selbst erfahren müssen, wie sie so ganz und gar nicht imstande sind, sich zu bewahren. Das Licht, das durch seine Gnade bewahrt wird, strahlt eines Tages auf im vollem Glanze der Mittagssonne, in ganzer Himmels-Herrlichkeit. Das innere Licht ist der Anbruch des ewigen Tages.
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Beitragvon Jörg » 29.05.2011 06:24

C.H.Spurgeon ,,Da schied Gott das Licht von der Finsternis." 1 Mose 1, 4.

In einem Gläubigen sind zweierlei Kräfte in Tätigkeit. In seinem natürlichen Zustande war er nur der einen dieser Kräfte untertan, welches war die Finsternis; nun hat das Licht bei Ihm Eingang gefunden, und die beiden Mächte kämpfen nun um die Oberherrschaft. Beachtet die Worte des Apostels Paulus im siebenten Kapitel des Römerbriefs: ,,So finde ich in mir nun ein Gesetz, der ich will das Gute tun, daß mir das Böse anhanget. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern." Wie wird dieser Zustand der Dinge hervorgerufen? ,,Gott schied das Licht von der Finsternis." Die Finsternis ist an und für sich ruhig und bleibt ungestört; sobald aber der Herr Licht hineinsendet, so gibt es einen Kampf, denn eines stehet dem andern entgegen. Und dieser Kampf höret nimmer auf, bis der Gläubige völlig verklärt ist im Herrn. Findet nun eine Scheidung innerhalb des einzelnen Christen statt, so erfolgt auch äußerlich eine Scheidung. Sobald der Herr einem Menschen Licht schenkt, so strebt er, sich von der umgebenden Finsternis los zu machen; er will nichts mehr zu schaffen haben mit einer bloß weltlichen Frömmigkeit äußerlicher Formeln, denn ihm genügt von nun an nichts mehr, außer dem Evangelio von Christo, und er entzieht sich aller weltlichen Gesellschaft und allen leichtsinnigen Vergnügungen und sucht die Gemeinschaft der Heiligen, denn ,,wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind; denn wir lieben die Brüder." Das Licht sammelt sich, und so auch die Finsternis. Was Gott geschieden hat, wollen wir nicht zu vereinigen suchen, sondern gleichwie Christus hinausging außer dem Lager und seine Schmach trug, so wollen auch wir ausgehen von den Gottlosen und ein heiliges Volk sein. Er war heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern ausgesondert; und gleich wie Er, sollen auch wir uns nicht dieser Welt gleichstellen, sondern alle Sünde verabscheuen und uns von den übrigen Menschen dadurch auszeichnen, daß wir unserm Meister ähnlich werden; denn wir sind geheiliget durch den Namen unsers Herrn Jesu Christi.
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Beitragvon Jörg » 30.05.2011 04:37

J.Kroeker Von seinem wunderbaren Schöpfungswerk.

"Und Gott sah, dass das Licht gut war." 1.Mose 1,4.


Alle Erscheinungen, die aus einer Offenbarung Gottes hervorgehen, sind gut. Noch fehlten zwar die Lichtkörper des vierten Tages, die die ganze Schöpfung beherrschen sollten. Der Eintritt des Lichts in die ungebundene Finsternis war aber gut selbst in seinen ersten Anfängen. Und Gott ruhte bereits am ersten Tage in dem, was von Ihm in die Schöpfung ausgegangen war. Sein Kampf in den kommenden Tagen galt nicht dem Licht, das seine Offenbarung hervorgerufen hatte. Er galt allein der noch zurückgebliebenen Finsternis, dem noch herrschenden Chaos, der noch bestehenden Unfruchtbarkeit und dem noch allgewaltigen Tod. Daher rief das Fehlende jene neuen Offenbarungen hervor, die in den kommenden Schöpfungstagen sichtbar werden und neue Herrlichkeiten der Erlösung enthüllen sollten.

Dasselbe Gesetz gilt auch im Blick auf die Neuschöpfung. Gott freut sich über die allerersten Anfänge, die seine schöpferische Kraft in unserem Innenleben wecken konnte. Wie eine Mutter in dem gesunden Wachstum ihres Kindes ruht, so ruht auch Gott in dem inneren Wachstum seiner Erlösten. Mag zunächst auch unendlich viel zu einem vollen Mannesalter in Christo bei uns fehlen, aber was seine Gnade immer an Licht und Erkenntnis, an Scheidung und Auferstehung hat wirken können, das ist gut. Mag auch immer wieder ein Abend eintreten und eine neue Nacht einleiten, der erste Schöpfungstag mit seinem Licht bereitet doch den zweiten mit einer neuen Offenbarung vor.

Und je mehr wir als Jünger das Bild unseres Meisters tragen, desto mehr offenbaren auch wir in dieser Hinsicht die Züge unseres Gottes. Unsere Augen lernen auch die geringsten Anfänge des Reiches Gottes sehen und diese sind uns ein Gegenstand der Freude und Wonne. Denn wir wissen, sie sind "gut" in Gottes Augen. Mag auch immer noch unendlich viel bis zur Vollendung bei uns und bei unserem Bruder fehlen, wir lernen zu warten auf den zweiten Schöpfungstag der göttlichen Offenbarung in unserer Seele und in der des Nächsten. Kein Anfang brachte bereits das Vollendete. Auch im Reich Gottes ist alles zunächst Werdendes, Stückwerk. Gottes Anfänge weisen aber prophetisch über sich hinaus auf die Vollendung. Alles Stückwerk ist Ihm eine Vorbereitung der ersehnten Vollendung. Daher ist Ihm, dem Schöpfer, auch der erste Anfang und alles Stückwerk dennoch so wertvoll, "gut" in seinen Augen.
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Beitragvon Jörg » 31.05.2011 04:37

J.Kroeker Von seinem wunderbaren Schöpfungswerk.

"Da schied Gott das Licht von der Finsternis." 1.Mose 1,4.


Mit dem Eintritt des Lichts erfolgte auch die erste Scheidung und zwar zwischen dem, was von Gott, und dem, was nicht von Gott war. Die hebräische Wortwurzel für "schied" bezeichnet mit dem Ausdruck zwar weniger eine negative, sondern weit mehr eine positive Tätigkeit. Sie besagt, dass der Schöpfer durch die Scheidung sowohl dem Licht als auch der Finsternis zunächst eine "besondere Existenz", ein "besonderes Gebiet" und eine "besondere Bestimmung" gab. Beide sollen hinfort der werdenden Schöpfung dienen: das Licht, indem es neue Lebenserscheinungen ins Dasein ruft, und die Nacht, indem sie dem erwachten Leben und seinem Wachstum Zeit zur inneren Erstarkung und zur Sammlung neuer Kräfte gibt.

Solch ein Ineinanderwirken der größten Gegensätze zum Segen alles Werdenden kann nur von dem bestimmt werden, der in seiner Souveränität weit größer ist als seine Schöpfung. Gott war es, der diese Scheidung traf. Gehörte die Finsternis auch nach der Erscheinung des Lichts noch immer der Erde an, so wurde sie dennoch seit dem ersten Schöpfungstag so unter eine höhere Bestimmung gestellt, dass auch sie an einer werdenden Schöpfung mitwirken musste. Ihre absolute Herrschaft über die Erde war durch das eingetretene Licht für immer gebrochen. Aber sie kann sich vorübergehend geltend machen. Denn sie ist durch den Eintritt des Lichts noch nicht aufgehoben. Sie erhält jedoch hinfort ihre bestimmte Grenze. Hinfort muss sie in der Verbindung mit dem Licht eine positive Mission zum Segen alles werdenden Lebens erfüllen. Denn "wie die Wurzel der Pflanze ein Kind der Dunkelheit ist, Stamm mit Blatt und Blütenkrone jedoch ein Sohn des Lichts, so ist Finsternis und Licht, Nacht und Tag, Mutter und Vater eines jeden organischen Wesens."

Für alle, die dieses wunderbare Gesetz auch in der Geschichte und im Innenleben des einzelnen zu sehen vermögen, bedeutet es eine überaus kostbare Gottesoffenbarung. Sie wissen, dass auch den dunkelsten Zeiten der Geschichte von höherer Hand eine bestimmte Grenze gezogen worden sind, und dass wir niemals mehr einer absoluten Herrschaft der Finsternismächte preisgegeben sind. Gott vermag als der souveräne Herr aller Dinge auch die Finsternis so in seinen Dienst zu ziehen, dass Er im Leben derer, die Ihn lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken lässt. Es sind nicht die Leiden als Leiden, durch die manche Geprüften und Heimgesuchten unendlichen Gewinn haben können. Es ist vielmehr der Herr über Tag und Nacht, über Leben und Tod, der auch unsere Leiden und Trübsale in unberechenbaren Segen verwandeln kann.
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Beitragvon Jörg » 01.06.2011 04:42

C.H.Spurgeon ,,Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag." 1 Mose 1, 5.

War's schon im Anfang so? Teilten sich Licht und Finsternis in das Reich der Zeit schon am ersten Tag? So herrscht auch in meinen inneren Erfahrungen nicht immer des Mittags blendender Glanz, sondern ich muß mich gefaßt machen auf solche Zeiten, wo ich trauern muß über den Verlust meiner früheren Freuden, wo ich meinen Freund muß aufsuchen mitten in der Nacht. Und hierin stehe ich nicht allein, denn alle, die der Herr lieb hat, haben von je her singen müssen den zwiefachen Psalm des Gerichts und der Gnade, der Trübsal und der Erlösung, der Traurigkeit und der Wonne. Es gehört mit zu den Führungen der göttlichen Vorsehung, daß nicht aufhören soll Tag und Nacht, wie in der natürlichen, so auch in der geistigen Schöpfung, bis wir einkommen zum Land der Verheißung, von welchem geschrieben steht: ,,Und wird keine Nacht da sein." Was unser himmlischer Vater ordnet, ist gut und weise. Nun, liebe Seele, was ist demnach für dich das beste? Vor allem lerne, dich zufrieden zu geben mit dieser göttlichen Anordnung, und laß dich mit Hiob willig finden, der du das Gute empfangen hast von der Hand des Herrn, auch das Böse anzunehmen. Danach siehe zu, wie du Anfang und Schluß des Tages, den Morgen und den Abend, dir zur Freude heiligest. Preise den Herrn dafür, wenn dir seine Freudensonne aufgeht, preise Ihn, wenn das abendliche Dunkel anbricht. Es ist eine erhabene Schönheit im Sonnenaufgang wie im Sonnenuntergang; singe davon und verherrliche den Herrn. Laß, der Nachtigall gleich, deinen Gesang zu jeder Stunde ertönen. Glaube, daß die Nacht nicht minder zum Segen ist, als der Tag. Der Gnadentau fällt reichlich während der Nacht des Leidens. Die Sterne der Verheißung strahlen herrlich inmitten der dunklen Stunden herben Schmerzes. Laß nicht von deinem Gottvertrauen unter dem Wechsel der Schickungen. Ist am Tage dein Losungswort: Arbeit, dann sei es in der Nacht: Wachsamkeit. Jede Stunde hat ihre Pflicht, fahre du in deinem Beruf fort als des Herrn Knecht, bis daß Er plötzlich erscheint in seiner Herrlichkeit. Meine Seele, es naht dein Abend: das Alter und der Tod; fürchte ihn nicht, denn er gehört mit zum Tag; und der Herr hat gesprochen: ,,Allezeit will ich über ihm halten."
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Beitragvon Jörg » 02.06.2011 06:26

C.H.Spurgeon ,,Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag." 1 Mose 1, 5.

Der Abend war ,,Finsternis", und der Morgen war ,,Licht", und doch werden die beiden mit dem Namen zusammengefaßt, welcher dem Licht allein gegeben wurde. Das ist etwas auffallend, und dennoch findet in der geistlichen Erfahrung etwas ganz Ähnliches statt. In einem jeden Gläubigen ist Finsternis und Licht, und doch wird er nicht mehr ein Sünder genannt, obgleich Sünde in ihm ist; sondern er wird ein Heiliger genannt, weil er ein gewisses Maß von Heiligungskräften besitzt. Das ist ein sehr tröstlicher Gedanke für diejenigen, welche über die Schwachheiten betrübt sind und fragen: ,,Kann ich ein Kind Gottes sein, solange noch soviel Finsternis in mir ist?" Ja; denn du hast deinen Namen, gerade wie der Tag, nicht vom Abend, sondern vom Morgen; und im Werke Gottes ist von dir gerade so die Rede, als ob du schon jetzt ebenso vollkommen heilig wärest, wie du es in einer Kürze wirklich sollst werden. Du wirst ein Kind des Lichts genannt, obgleich noch Finsternis in dir ist; du wirst nach dem benannt, was in Gottes Augen deine vorherrschende Eigenschaft bildet, weil es einmal die einzige herrschende Macht in dir sein wird. Erinnere dich, daß der Abend vorausgehen muß. Von Natur sind wir der Ordnung der Zeit nach zuerst Finsternis, und die Niedergeschlagenheit und Traurigkeit ist oft das erste in unsrer schmerzlichen Sündenerkenntnis und preßt uns in tiefer Demütigung den Schrei aus: ,,Gott, sei mir Sünder gnädig." Der Morgen kommt erst hintendrein, es dämmert, sobald die Gnade über die Natur mächtig wird. Es ist ein köstlicher Ausspruch, den John Bunyan tut: ,,Was zuletzt kommt, bleibet in Ewigkeit." Das, was das erste ist, muß zur rechten Zeit dem letzten Raum machen; aber nach dem letzten kommt nichts mehr. So also bist du wohl von Natur Finsternis, wenn du aber einmal im Herrn Licht wirst, so folgt kein Abend mehr; ,,deine Sonne wird nicht mehr untergehen." Der erste Tag in diesem Leben ist ein Abend und ein Morgen; aber der zweite Tag, da wir ewiglich bei Gott sein werden, wird ein Tag sein ohne Abend, ein einziger, heiliger, herrlicher, ewiger Sonnentag. Die Stadt Gottes ,,bedarf keiner Sonne, noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm."
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Beitragvon Jörg » 03.06.2011 05:14

S.Keller 1. Mose 1, 5: «... Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.»

zum 1. Januar Vor uns liegt ein neues Jahr. Wir wissen von ihm nur so viel, daß wir darin ein Stück Schöpfung vorzunehmen haben: aus unserm Leben ein Kunstwerk zu schaffen, das unsere Farben trägt und doch den Stempel des Geistes Gottes aufweist. Dazu gehört in stetem Kreislauf immer wieder Abend und Morgen. Den Abend lang währet das Weinen - ohne Tränentau wächst nichts Gescheites, ohne Müdewerden war die Arbeit wenig wert; ohne die Ruhe nach der Arbeit gibt's keinen neuen Anfang des Morgens. Wollen wir aber nicht mehr, als immer nur einen Tag. Wer abends mehr will, borgt sich außer der Plage des eben glücklich überstandenen Tages durch falsches Sorgen noch ein Päckchen unnützer Belastung. Er trägt ganz vergeblich ein Stück der Last von morgen schon heute. Dadurch wird's morgen nicht leichter: er muß doch an derselben Stelle anfangen, auch wenn er sich jenes Sorgen erspart hätte. Und am Morgen wäre es falsch, sich den neuen Anlauf durch falsche Bereuung der Schulden von gestern zu erschweren. Geschehene Dinge übergebe ich im Gebet dem Herrn, damit ich sie los werde und sie mich in der Erfüllung meiner Tagespflichten nicht hindern. So wird aus Abend und Morgen ein Tag!
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Beitragvon Jörg » 04.06.2011 04:23

J.Kroeker Von seinem wunderbaren Schöpfungswerk.

"Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag." 1.Mose 1,5.


Gott ist Erlösung auch in dem, dass er nicht in einem Tag sich vollenden lässt, was sich erst im Verlauf von sechs Tage vollenden kann. Er zieht in seiner Gnade auch die Nacht in sein Wirken, solange Er ihrer zur sittlichen Vollendung seiner Schöpfung bedarf. Es ist jedoch überaus fein und bezeichnend, dass Gott nur von dem Licht sagt, dass es gut sei. Das göttliche "gut" wohnt nur dem Licht inne, nicht aber auch der von Ihm zunächst noch geduldeten Nacht. Einst wird sie auch ihre letzte Kraft und ihr letztes Gebiet an das Licht abtreten, wenn sich erfüllen wird, was der Prophet zu schauen wagte: "Und das Licht des Mondes wird so hell sein wie das Sonnenlicht, und das Licht der Sonne siebenmal so hell scheinen wie das Licht von sieben Tagen zu der Zeit, da der Herr den Schaden seines Volkes verbindet und die ihm geschlagenen Wunden heilt" 1).

Jeder Tag mit seinem Licht ist uns daher ein ewiges Gottesevangelium, das uns das Ende der jetzt noch je und je erscheinenden Nacht verkündet. Alsdann wird der Herr "den Tod auf ewig vernichten und die Tränen wird Gott, der Herr, von jedem Antlitz abwischen und die Schmach seines Volkes überall auf Erden tilgen" 2). Kann die Schöpfung erst einen ewigen Tag ertragen, ohne dass sie dadurch zur Wüste wird, dann schaut sie die Erfüllung jener Botschaft der Johannesoffenbarung: "Die Stadt braucht nicht Sonnenlicht, nicht Mondlicht; denn die Herrlichkeit Gottes strahlt in ihr, und ihre Leuchte ist das Lamm. In ihrem Licht werden die Völker wandeln, und die Könige der Erde werden ihr die herrlichsten Geschenke bringen. Tagsüber - denn Nacht wird es dort nicht geben - sollen ihre Tore nie geschlossen werden, sodass man fort und fort die kostbarsten Schätze der Völker in ihre Mauern bringen kann" 3).

"So ward Abend, so ward Morgen - ein erster Tag" und zeugte mit seinem Evangelium des Lichts von der Erlösung, die er durch seine erste Gabe, durch Erleuchtung der Schöpfung zu bringen hat. Denn erst im Licht Gottes erkennt der Mensch die eigene Welt der Finsternis. Hinfort erwacht in seiner Seele jener Schrei nach Gott, den der Psalmist für alle Zeiten den einzig schönen Ausdruck mit den Worten gegeben hat: "Wie der Hirsch, der lechzt nach Wasserbächen, so lechzt die Seele mein nach dir, o Gott!" Denn durch Erleuchtung wird der unüberbrückbare Abstand offenbar zwischen dem, was der Mensch an sich ist und was Gott ist. Denn so viele je und je sich sehnten, aus der Machtsphäre der Finsternis herauszukommen und das erschienene Licht aufnahmen, denen gab Er die Vollmacht, Gottes Kinder zu werden.

1) Jes. 30,26. 2) Jes. 25,8. 3) Apok. 21,23-26.
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