Eine Erklärung zum bapt. Glaubensbekenntnis(1689) für heute.

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Jörg
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Über den Zustand des Menschen nach dem Tod

Beitragvon Jörg » 22.10.2014 04:06

Die Analogie mit dem biblischen Gebrauch des Wortes „Tod“, einem eng verwandten Begriff, der in der Bibel mehrere unterschiedliche Bedeutungen hat (nämlich leiblicher Tod, geistlicher Tod und ewiger Tod), zeigt, dass es keine Grundlage für die Annahme gibt, dass sich Scheol immer auf dieselbe Sache bezieht. Louis Berkhof bekräftigt, dass ein Wortstudium über die Verwendung des Wortes Scheol im Alten Testament rasch beweisen würde, dass dieses Wort nicht immer dieselbe Bedeutung hat. Er weist auch darauf hin, dass viele rechtgläubige Ausleger mit ihm übereinstimmen. Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Herkunft des Wortes „Scheol“ unklar ist. Dies heißt jedoch nicht, dass seine allgemeine Bedeutung in der Heiligen Schrift unklar ist. In der Tat genügen die ersten fünf Vorkommen in der Heiligen Schrift, um diese allgemeine Bedeutung vollkommen klar zu machen (1Mose 37,35; 42,38; 44,29-31; 4Mose 16,30.33; 5Mose 32,22; 1Sam 2,6). Welche Spezialbedeutung Scheol auch immer annehmen mag — Scheol bezeichnet das, was unten ist. Es ist der Ort, der unten ist. Diese allgemeine Bedeutung legt eine hilfreiche Analogie nahe, um die Bedeutung und den Gebrauch des Wortes Scheol in der Bibel zu klären. Wenn Scheol das ist, was unten ist, welches biblische Wort beschreibt dann das genaue Gegenteil? Es ist das hebräische Wort šamajim, das mit „der Himmel“ oder „die Himmel“ übersetzt wird. Ebenso wie das Wort „Scheol“ das beschreibt, was unten ist, bezeichnet das Wort šamajim das, was oben ist. Dieser Gegensatz zeigt sich deutlich in Hiob 11,8; Psalm 139,8 und Amos 9,2.
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Beitragvon Jörg » 24.10.2014 03:52

Für uns ist von besonderem Interesse, dass šamajim auch in Bezug auf unterschiedliche Realitäten verwendet wird. In der Bibel werden drei Himmel voneinander unterschieden: die Luft, die Sterne und der Himmel Gottes (2Kor 12,1-4). Wenn man davon ausgeht, dass das Wort šamajim ein vergleichbares Konzept beschreibt wie das Wort Scheol, dann legt dies nahe, dass sich auch Scheol auf verschiedene Realitäten bezieht. Die sichtbaren Himmel sind diejenigen, die oben sind. Daher werden sie mit Gott in Verbindung gebracht und stehen symbolisch für seinen Wohnort und den Ort der Seligkeit. Scheol, das, was wörtlich verstanden unten ist, wird so mit dem in Verbindung gebracht, was Gott und der Seligkeit entgegensteht. Es steht daher symbolisch für den Ort der Not und Qual, an dem weder Gott noch sein Segen gegenwärtig sind. Daher wird dieser Begriff manchmal für das Grab gebraucht, aber in anderen Fällen auch für die Hölle, denn das Grab ist ein Sinnbild für Gottes Gericht und damit für die Hölle.
Das folgende Schaubild veranschaulicht diese Analogie zwischen den šamajim und dem Scheol.

.................„Himmel Gottes“...........................

.....................Himmel....................................

==============================

......................Erde.......................................

==============================


.......................Scheol...................................


.................„Scheol des Feuers (Feuersee)“......
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Beitragvon Jörg » 26.10.2014 06:15

Die Hauptgrundlage für dieses Verständnis von Scheol findet sich darin, dass dieses Wort in der Tat für die Hölle verwendet wird, den Ort der Strafe für die Gottlosen nach dem Tod. Es gibt eine Reihe von Texten im Alten Testament, an denen sich diese Bedeutung von Scheol natürlicherweise von selbst ergibt (5Mose 32,22; Hiob 21,13; 24,19; 26,6; Ps 9,18; Spr 5,5; 9,18; 15,24; 23,14). Folgende Überlegungen machen es erforderlich, dass diese Auslegung als die naheliegendste Auslegung dieser Texte angenommen wird. Erstens erfordert die Aussage von Sprüche 14,32, dass hier an mehr als lediglich an das Grab gedacht ist. Zweitens scheint die Tatsache, dass selbst die Gerechten in das physisch vorhandene Grab gelegt werden, in der Vorstellung der jüdischen Verfasser dieser Texte viel mehr zu erfordern, als dass bereits der leibliche Tod und das Grab als gerechte Bestrafung für die Gottlosen betrachtet werden könnte. Drittens bestätigt die Literatur des zwischentestamentlichen Judaismus, dass die Juden in diesen Texten mehr als den leiblichen Tod und das Grab sahen. Viertens zeigt der Gebrauch von Hades, der griechischen Entsprechung für das hebräische Wort Scheol, im Neuen Testament, dass Scheol für die inspirierten Schreiber des Neuen Testaments so viel wie Hölle bedeutet. Dies ergibt sich daraus, dass die Verwendung von Hades im Sinne von Hölle im Neuen Testament zweifels frei gesichert ist (Mt 11,23; 16,18; Lk 10,15; 16,23).
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Beitragvon Jörg » 28.10.2014 05:05

Fünftens lehrt das Alte Testament, dass die Gerechten aus dem Scheol errettet sind, auch wenn sie sterben und in gewisser Weise in den Scheol, ins Grab, kommen (Ps 49,15-16; Ps 15,24). Dies erfordert eine Unterscheidung zwischen einem Ort der Strafe im Leben nach dem Tod, aus dem die Gerechten erlöst sind, und dem Grab, das diesen Ort symbolisiert, von dem die Gerechten im Allgemeinen aber bis zum letzten Tag nicht erlöst sind. Anders ergäbe die Lehre, dass die Gerechten aus dem Scheol errettet sind, keinen Sinn. Die Belege für das Vorhandensein der Hölle sind keine Angelegenheit von zwei oder drei oder gar zehn biblischen Belegstellen. Die Tatsache, dass die Hölle ein Ort der Qual für die körperlosen Seelen der Gottlosen ist, ist in das Gesamtgefüge der Bibel eingewoben, doch nicht nur in das biblische Gesamtgefüge — es ist auch fester Bestandteil der Zusammenhänge irdischer Existenz. Gerade die Worte, die in der Bibel gebraucht werden, um den Zustand zu beschreiben, in den wir im Tod eintreten, erinnern uns daran, dass der Tod ein göttliches Gericht ist. Scheol kann soviel bedeuten wie Grab, aber es hat diese Bedeutung, da es auf das genaue Gegenteil all dessen verweist, was göttlich und selig ist, und bedeutet somit auch Hölle. Das Leben in dieser Welt mit seinen Todesanzeigen, Leichenhallen und Friedhöfen stellt eine ständige Erinnerung daran dar, dass die gesamte Menschheit unter der ständigen Bedrohung des göttlichen Zorns lebt. Wir werden immer derartige Erinnerungen brauchen. Vielmehr werden wir sie
verstärkt brauchen, wenn wir älter werden und der Tod zu etwas Alltäglichem geworden ist.
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Beitragvon Jörg » 30.10.2014 05:06

b. Die grundlegenden biblischen Texte, in denen der Zustand der
Gottlosen behandelt wird


1. Lukas 16,19-31. Die Lehre Christi in diesen Versen wurde auf zweierlei Weise missbraucht. Ihr wurde durch eine übertrieben wortwörtliche Auslegung mehr in den Mund gelegt, als sie tatsächlich beinhaltet. Solche Ausleger haben jede Einzelheit der Lehre Jesu ausgereizt, ohne dass sie gemerkt haben, dass Christus eine bildliche Sprache verwendet hat, als er über das sprach, was für uns unbegreiflich ist. Andererseits ließ man diesen Text seitens übervorsichtiger konservativer Ausleger auch weniger aussagen, als er tatsächlich beinhaltet. Einige konservative Lehrer, die sich vor der ersten Gefahr hüten wollten, haben sogar geleugnet, dass Jesus hier überhaupt etwas über den Zwischenzustand sagen wollte. George E. Ladd bemerkt: „Dieses Gleichnis ist weder ein Kommentar zum gegenwärtigen gesellschaftlichen Leben, noch will es etwas über das Leben nach dem Tod aussagen. In Wirklichkeit ist es kein Gleichnis über den reichen Mann und Lazarus, sondern über die fünf Brüder. Jesus gebrauchte zeitgenössische Volksmeinungen, um nur die eine Wahrheit zu vermitteln: Wenn Menschen nicht bereit sind, das Wort Gottes zu hören, dann kann sie selbst ein Wunder wie eine Auferstehung von den Toten nicht überzeugen.“ Wie sollen wir auf eine derartige Aussage reagieren? Darauf ist Folgendes zu erwidern:
1. Wenn Jesus diese „Volksmeinungen“ übernimmt, scheint er sicherlich andeuten zu wollen, dass er ihnen zustimmt.
2. George Ladds Auslegung würde bedeuten, dass die ersten acht Verse lediglich Lokalkolorit wären. Dies würde bedeuten, dass nahezu zwei Drittel des Gleichnisses lehrmäßig unbrauchbar seien. Dies lässt keine Hochachtung vor der Bibel erkennen.
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Beitragvon Jörg » 01.11.2014 08:11

3. Wie wir gleich sehen werden, erfordert der Zusammenhang die Notwendigkeit einiger Lehraussagen im Zusammenhang mit der Strafe, die gewisse Sünden nach sich ziehen, oder er legt dies wenigstens nahe. Durch diese Unterweisung sollen die Pharisäer angesprochen werden (Vers 14-15). Drei sündhafte Haltungen, die in den unmittelbar vorangehenden Versen genannt werden, kennzeichneten sie: Habsucht (Vers 1-14), Spott über die Worte Jesu (Vers 14-15) sowie Selbstgerechtigkeit und die Rechtfertigung der eigenen Begierden (Vers 14-15). Da die Sünden der Pharisäer sehr vielfältig waren, beinhaltet das Gleichnis zwei Spitzen, um insbesondere die Torheit der Begierde als auch des Spottes über Jesu Worte bloßzustellen. Die Verse 19-26 warnen vor der sicheren Qual, die solch selbstgefällige und begehrliche reiche Männer wie die Pharisäer erwarten würde. Vers 27-31 warnen davor, dass selbst zeichenhafte Wunder nicht in der Lage wären, die Selbstgefälligkeit und die Verachtung der Pharisäer zu überwinden. Somit spielen, im Gegensatz zu Ladds Auslegung, beide Teile dieser Beschreibung eine entscheidende Rolle in Jesu Erwiderung gegenüber den Pharisäern. Außerdem müssen wir uns sorgsam auf Auslegungen und Anwendungen dieser Verse beschränken, die diese beiden grundlegenden Absichten Jesu berücksichtigen. Die Lehre Jesu muss hier eindeutig auf den Zwischenzustand angewendet werden, da die fünf Brüder des reichen Mannes alle als solche dargestellt werden, die noch ganz gewöhnlich in dieser Welt leben. Die Worte Jesu enthalten im Blick auf den Zwischenzustand der Gottlosen zwei Wahrheiten. Erstens ist dieser Zustand ein Zustand bewusster Qual im Hades (Vers 23-25). Zweitens handelt es sich um eine Qual, der man nicht entkommen kann (Vers 26). Diese Wahrheiten decken somit die Gefahr auf, in der sich die Pharisäer mit ihrer selbstgefälligen Ablehnung der Zurechtweisung Jesu befanden.
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Beitragvon Jörg » 03.11.2014 04:47

2. Apostelgeschichte 1,25. Man vergleiche Apostelgeschichte 1,25 mit Matthäus 27,3-10 und Apostelgeschichte 1,16-19. Dieser Text bekräftigt, dass Judas an seinen eigenen Ort gegangen ist, den Ort, der auf Grund seiner Sünde und Gottes Gerechtigkeit in besonderer Weise für ihn vorgesehen war (Joh 17,12). Da er der Sohn des Verderbens war, wissen wir, dass der Ort, an den er ging, das Verderben war, ein Wort, das soviel bedeutet wie Verlust, Untergang und Zerstörung. In diesem Vers wird eindeutig folgende Lehre vorgetragen: Jeder verlorene Mensch hat einen Platz, der für ihn in besonderer Weise in der Hölle bereitet ist, an den er gehen wird, wenn er stirbt. Dies impliziert eine Reihe weiterer Dinge: Gottes Strafe ist genau bemessen. Jeder hat seinen eigenen besonderen Ort. Dies setzt voraus, dass Gott in seinem Gericht Unterschiede macht. Eine derartige Unterscheidung mag zwei unterschiedliche Vorstellungen beinhalten: die Vorstellung, dass es in der Hölle unterschiedliche Grade oder Stufen von Qualen gibt, und die Vorstellung, dass diese genau angepasst sind. Mit anderen Worten: Gottes Strafe wird präzise und, so ironisch es klingen mag, auf die besondere Gottlosigkeit jedes einzelnen Menschen zugeschnitten sein. Ferner legt all dies nahe, dass dieses Leben für das kommende Leben ausschlaggebend ist. Die Sünde der Gottlosen in diesem Leben führt der Rache Gottes entsprechend zu ihrer Stellung im kommenden Leben.
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Beitragvon Jörg » 05.11.2014 05:05

3. 1. Petrus 3,19. Viele verstehen die Bedeutung dieses Verses so, dass Christus nach seinem Tod persönlich in die Hölle hinabgefahren sei und den dortigen Geistern das Heil verkündigt habe. Oft wird dieser Vers auch als Belegstelle für die Vorstellung angeführt, dass die alttestamentlichen Heiligen durch Christi Tod aus dem Hades erlöst worden seien und zu diesem Zeitpunkt aus dem Hades in den Himmel gebracht worden wären. Wir haben bereits gesehen, dass diese Vorstellung der klaren Lehre der Heiligen Schrift widerspricht. Zudem wird sie nicht durch die Lehre dieser Schriftstelle unterstützt, da die Geister, denen hier gepredigt wurde, keine Heiligen waren, sondern die aufrührerischen und verdammten Zeitgenossen Noahs. Bestimmte Sekten setzten dem noch eins drauf, indem sie lehren, dass dies ein Beleg für eine zweite Bewährungsmöglichkeit nach dem Tod sei. Diese Ansicht steht jedoch dem gesamten Tenor biblischer Lehre vollkommen entgegen. Uns bleibt folglich nur noch die übliche protestantische Auslegungsweise dieses Verses übrig. Sie empfiehlt sich bestens auf Grund ihrer klaren Auslegung. Diese Auslegung besagt, dass Christus hinging und durch seinen Geist in den Tagen Noahs durch Noah zu Menschen predigte, die in den Tagen des Petrus „Geister im Gefängnis“ waren, denn sie waren zu ihren Lebzeiten der durch den Heiligen Geist bevollmächtigten Predigt Noahs nicht gehorsam. Eine sorgfältige Betrachtung von Vers 18 wird zeigen, dass nicht behauptet wird, Christus hätte persönlich den Geistern im Gefängnis gepredigt, sondern dass er dies in oder durch seinen Heiligen Geist getan hat. Die Mithilfe Noahs bei der Verkündigung von Gottes Wort wird in Vers 20 angedeutet (man beachte das Wort „ungehorsam“ im Zusammenhang mit den Tagen Noahs) und andernorts ausdrücklich erwähnt (2Petr 2,5; 1Mose 6,3). Auch an anderen Stellen der Heiligen Schrift ist vom Predigen durch Christus die Rede, wobei er dies nicht persönlich oder leiblich tat, sondern durch seinem Heiligen Geist (Eph 2,17; 1Petr 1,12). Die Worte „im Gefängnis“ müssen daher so verstanden werden, dass sie sich auf die Gegenwart beziehen und dass die Geister jetzt im Gefängnis sind. Sie sind Petrus’ Kommentar über die Folgen des Ungehorsams der Geister in den Tagen Noahs. Das Ergebnis davon ist, dass sie jetzt im Gefängnis sind. Der Text bestätigt daher die anderen Aussagen des Neuen Testaments, dass der Zwischenzustand der Gottlosen einen Zustand der Inhaftierung darstellt — einen Ort, an dem man der Strafe nicht entrinnt.
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Beitragvon Jörg » 07.11.2014 04:58

4. 2. Petrus 2,9. Petrus zieht diese Schlussfolgerung als Ergebnis aus den drei von ihm zitierten vorangehenden Beispielen über das göttliche Gericht (Vers 4-6). In besonderer Weise spielt er auf Vers 4 an, in dem er das dort verwendete Verb „aufbewahren“ nochmals aufgreift. Somit vergleicht Petrus den Zustand aller Ungerechten mit dem der gefallenen Engel. Diese Engel werden zum jetzigen Zeitpunkt an einem Ort für das Gericht aufbewahrt. Ebenso verhält es sich mit den ungerechten Toten, so sagt Petrus. Die in dieser Stelle verwendete Grammatik lässt auch darauf schließen, dass es hier um den Zwischenzustand der Gottlosen geht. Die meisten Übersetzungen machen dies nicht besonders deutlich. Das Verb, das hier mit „bestrafen“ übersetzt wird, ist ein Partizip Präsens Passiv, das mit den Worten „unter Verbüßung von Strafen“ (MENGE) übersetzt werden sollte. Wörtlich könnte man die zweite Vershälfte also wiedergeben mit den Worten: „… die Ungerechten aber auf den Tag des Gerichts aufzubewahren, während sie unterdessen bestraft werden“. Die Lehre dieser Stelle besagt, dass die Gottlosen nach dem Tod und während sie den Tag des Gerichts erwarten, aufbewahrt und bestraft werden. Sie werden tatsächlich vom Herrn bewacht. Es gibt also kein Entrinnen, weder aus ihrem Zustand noch vor ihrem Gericht. Während sie so bewacht werden, werden sie gleichzeitig bestraft. Diese Stelle lässt erkennen, dass sie auf eine Weise und an einem Ort bestraft werden, der dem ganz ähnlich ist, an dem die gefallenen Engel bestraft werden — ein Ort, der als die „finsteren Höhlen des Abgrundes“ (2Petr 2,4) und als die „ewigen Fesseln in der Finsternis“ (Jud 6 EIN) beschrieben wird.
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Beitragvon Jörg » 09.11.2014 06:32

Aus dieser Untersuchung der biblischen Lehre über den Zwischenzustand der Gottlosen ergeben sich verschiedene praktische Schlussfolgerungen:

1.Der Zwischenzustand der Gottlosen ist ein Ort bewusster Qual und Strafe. Diese Qual wird beschrieben als ein Zustand in Finsternis, in Fesseln, in dem sie brennen.

2. Dieser Zwischenzustand der Gottlosen ist ein Ort, an den Menschen gelangen und der für Menschen auf Grund ihrer Sünde bereitet ist, die in unterschiedlicher Weise als Begierde beschrieben wird, als Spott über die Worte Jesu, als Ungehorsam gegenüber der Verkündigung von Gottes Wort, als Ungerechtigkeit wie in Noahs Generation und in Sodom und Gomorra sowie als der Verkauf Jesu für Silber. Dieser Platz ist so innig mit der Gottlosigkeit der Menschen verbunden, dass scheinbar jeder eine einzigartige Bestrafung erfährt, die seinen Sünden entspricht.

3. Der Zwischenzustand der Gottlosen ist ein Ort, von dem es kein Entrinnen gibt. Dies zeigt sich an einer Reihe von unterschiedlichen Überlegungen in diesen Texten. Es gibt eine starre Kluft, so dass keiner aus dem Hades enfliehen kann. Dieser wird als Gefängnis beschrieben, das vom Herr bewacht wird. Folglich gibt es kein Entrinnen von diesem Ort. Es ist der Ort eines Menschen im Leben nach dem Tod. Als ein einzigartiger Aufenthaltsort, der eigens für ihn bereitet wurde, kann er nicht daraus entkommen. Dies beantwortet auch die Frage, ob es für den Menschen nach dem Tod eine zweite Möglichkeit zur Rettung gibt. Die Gottlosen werden in diesem Gefängnis zu dem besonderen Zweck aufbewahrt, am Tag des Gerichts angeklagt zu werden (2Petr 2,9). Welche weiteren biblischen Überlegungen neben denen, die sich aus den bereits erwähnten Texten ergeben, erfordern ebenfalls diese Schlussfolgerung? 1. Petrus 3,20 legt nahe, dass Gottes Geduld mit dem Tod dieser Menschen am Ende ist. Ebenso ist in den Worten Jesu in Johannes 8,21.24 ein Hinweis auf die Endgültigkeit enthalten. In Sünden zu sterben, ist mit Sicherheit eine schreckliche Sache, aber warum sollte dies so schrecklich sein, wenn es noch eine zweite Chance gäbe? Man beachte auch, dass das Endgericht auf Grund des Erdenlebens der Menschen vorgehen wird. Es wird ständig auf das irdische Leben von Menschen als einzige Grundlage für das Gericht Bezug genommen (Mt 10,32-33; 2Kor 5,10; 1Tim 5,24-25; Hebr 9,27; Offb 14,13). Es gibt nirgends einen Hinweis auf eine mögliche Veränderung auf Grund des Verhaltens im Leben nach dem Tod.
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Beitragvon Jörg » 11.11.2014 04:44

II. Die endgültige Verwandlung (Abschnitt 2-3)

A. Die Tatsache dieser endgültigen Verwandlung (Abschnitt 2)

1. Für diejenigen, die am letzten Tag leben
1. Thessalonicher 4,13-17 (insb. Vers 17); 1. Korinther 15,50-53 und 2. Korinther 5,1-4 lehren, dass nur Heilige das zweite Kommen Christi leiblich überstehen werden. Ohne sterben zu müssen, empfangen sie den verherrlichten Leib und das verherrlichte Dasein.
2. Für diejenigen, die vor dem letzten Tag bereits gestorben sind
An dieser Stelle lehrt das Bekenntnis die allgemeine Auferstehung aller Menschen. Dies ergibt sich eindeutig aus der Aussage in Abschnitt 2, dass „alle Toten … auferweckt werden“ werden (31,2). Diese allgemeine Feststellung wird jedoch in Abschnitt 3 noch klarer zum Ausdruck gebracht, wenn zudem erklärt wird, dass „alle Toten“ (31,2) sowohl die „Körper der Ungerechten“ als auch die „Körper der Gerechten“ umschließt (31,3).
Folgende Schriftstellen bekräftigen diese Lehre der allgemeinen Auferstehung aller Toten am letzten Tag: Daniel 12,2; Johannes 5,28-29 und Apostelgeschichte 24,15. Eine solche allgemeine Auferstehung wird in einer Reihe von Schriftstellen sehr stark nahegelegt, die das allgemeine Gericht und die ewigen Folgen beschreiben (Mt 25,31-46; Röm 2,5-16; Offb 20,11-15). Die Auferstehung sowohl der Ungerechten als auch der Gerechten wird in der Bibel eindeutig bezeugt, auch wenn die Auferstehung der Ungerechten nicht so zahlreich wie die Auferstehung der Gerechten bezeugt wird.
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Beitragvon Jörg » 13.11.2014 05:03

B. Das Wesen der endgültigen Verwandlung

Mit der Aussage „nicht mit einem anderen, sondern mit ihren eigenen Körpern …, auch wenn diese veränderte Eigenschaften besitzen“ (31,2) greift das Bekenntnis eine wichtige Frage in der Lehre von der Auferstehung auf. Diese Frage lautet: „Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Auferstehung und unseren jetzigen Körpern?“ Auch wenn dies eine einfache Frage ist, so beinhaltet ihre Antwort eine wichtige biblische Spannung und Ausgewogenheit. Denn das Bekenntnis bekräftigt paradoxerweise zwei Dinge. Erstens bekräftigt es, dass der Auferstehungsleib identisch ist mit dem Körper, den wir jetzt besitzen. Es handelt sich um diesen Körper. Zweitens bekräftigt es, dass es dieser identische Körper ist, doch mit einem Unterschied. Es ist dieser Körper, doch besitzt er andere Eigenschaften, als er sie im Augenblick hat. Wie Alexander Hodge sagt: „Es handelt sich um keinen neuen Körper, der den alten ersetzt, sondern um den alten, der in den neuen verwandelt wurde.“ Die Veränderungen, die Diskontinuität und die Unterschiede zwischen diesem Körper und dem neuen Auferstehungsleib werden weiter unten in diesem Kapitel in der Behandlung von Abschnitt 3 erörtert werden. An dieser Stelle wollen wir uns einfach auf die Bereiche der Kontinuität beschränken, die es dem Bekenntnis gestatten, zurecht von dem Auferstehungsleib als demselben Körper zu sprechen. Was bedeutet dies ganz praktisch? Es bedeutet, dass eben dieser Leib, der stirbt und begraben wird, von den Toten auferstehen muss und auferstehen wird. Es wäre keine Auferstehung, wenn der Körper, der dem Boden übergeben wurde, nicht wieder daraus hervorkommen würde. Die endgültige Verwandlung ist nicht lediglich eine geistliche Auferstehung. Als Jesus von den Toten auferstand, bedeutete dies, dass das Grab und das Leichengewand von eben dem Körper entleert war, den diese enthalten hatten (Joh 20,1-8). Ebenso wird diese Handlung Jesu, wenn er am Tag der Auferstehung die Toten zusammenruft, beinhalten, dass diejenigen, „die in den Gräbern sind, … hervorkommen werden“ (Joh 5,28-29).
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Beitragvon Jörg » 15.11.2014 06:53

Diese grundlegende Tatsache ist auch in dem Vergleich mit dem Samen enthalten, der vom Apostel Paulus gebraucht wird und der wunderschön sowohl die Kontinuität als auch die Diskontinuität zwischen dem Auferstehungsleib und diesem Leib auf den Punkt bringt (1Kor 15,35-38). Es ist das physische Leben, das dem Erdboden in dem Samen übergeben wird, das zu einer Pflanze aufsprießt, die aus ihm hervorwächst. Die Existenz der Pflanze bedeutet, dass es nicht länger einen toten, in der Erde vergrabenen Samen gibt. Dies setzt voraus, dass es sich beim Auferstehungsleib um einen physischen Leib handelt. Das Auferstehungsleben ist körperlich und stofflich. Dies muss so sein, wenn es in irgendeiner Hinsicht das Weiterleben des alten Körpers sein soll. Der neue Leib ist weder so als himmlisch noch geistlich zu verstehen, dass er unstofflich wäre. Manche haben die Sprache des Paulus in diesem Zusammenhang falsch gedeutet oder falsch verstanden. Der Ausdruck „himmlischer Leib“ (vgl. 1Kor 15,48 HA) schien für manche einen ätherischen, unstofflichen Leib zu beschreiben. Damit liest man jedoch griechische oder platonische Vorstellungen in die biblische Sprache hinein. Paulus hatte in dem unmittelbar vorangehenden Zusammenhang einige sehr stoffliche, himmlische Körper beschrieben (1Kor 15,40-42). Auch den Ausdruck „geistlicher Leib“ (1Kor 15,44 MENGE) hat man teilweise als eine Bezeichnung für einen Körper betrachtet, der aus Geist besteht. Dies ist erneut ein völliges Missverständnis von dem, was Paulus sagen wollte.
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Beitragvon Jörg » 17.11.2014 04:50

Anthony Hoekemas hilfreiche Anmerkungen dürften jegliches derartige Missverständnis beseitigen: „Eine der Schwierigkeiten besteht hier darin, dass der Ausdruck ‚ein geistlicher Leib‘ viele zu der Annahme verleitet hat, dass der Auferstehungsleib kein physischer Leib sein würde — geistlich versteht man dann als Gegensatz zu physisch. Dass dem nicht so ist, lässt sich leicht zeigen. Wie wir gesehen haben, wird der Auferstehungsleib der Gläubigen dem Auferstehungsleib Christi entsprechen (vgl. 1Kor 15,48-49). Aber der Auferstehungsleib Christi war gewiss ein physischer Leib: Er konnte berührt werden (Joh 20,17.27), und er konnte etwas essen (Lk 24,38-43). Außerdem beschreibt das Geistliche … nicht etwas, was stofflos oder physisch nicht fassbar ist. Man beachte, wie Paulus genau denselben Gegensatz in eben demselben Brief in Kapitel 2,14-15 gebraucht: ‚Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird. Der geistliche dagegen beurteilt zwar alles, er selbst jedoch wird von niemand beurteilt.‘ Hier werden dieselben griechischen Worte … gebraucht wie in 15,44. Aber geistlich … bedeutet hier nicht stofflos. Vielmehr bezieht es sich auf jemanden, der durch den Heiligen Geist geleitet wird, zumindest grundsätzlich, im Unterschied zu jemandem, der sich nur von seinen natürlichen Neigungen her leiten lässt. In gleicher Weise ist der in 15,44 beschriebene natürliche Leib Teil dieser gegenwärtigen Existenz unter dem Fluch der Sünde. Doch der geistliche Auferstehungsleib ist ein Leib, der vollkommen und nicht nur teilweise vom Heiligen Geist beherrscht und geleitet werden wird. … Bei unserer zukünftigen Existenz … wird es sich um eine Seinsweise handeln, die vollkommen und ausnahmslos vom Heiligen Geist beherrscht sein wird, so dass wir für immer mit der Sünde abgeschlossen haben werden. Daher wird der Auferstehungsleib als geistlicher Leib bezeichnet. Geerhardus Vos hat recht, wenn er darauf besteht, dass in diesem Vers [1Kor 15,44] mit dem Geist der Heiligen Geist gemeint ist, so dass dieser Vers den Zustand beschreibt, in dem der Heilige Geist den Leib beherrscht.“ Manche missverstehen die Sprache in 1. Korinther 15,50 in derselben Weise. Paulus geht es hier nicht darum, dass der Auferstehungsleib stofflos wäre, sondern dass er unvergänglich ist. Der Ausdruck „Fleisch und Blut“ dient als Beschreibung für das schwache und sterbliche Wesen unseres gegenwärtigen Körpers, die als solche für das kommende Reich Gottes untauglich sind. Die Beschreibung von Vers 51-54 bestätigt, dass es hier nicht um stofflose, sondern um unvergängliche Körper geht. Der Leib wird nicht einfach aufgelöst. Er wird „verwandelt“ (Vers 51-52). Er wird „unvergänglich“ auferweckt werden (Vers 52). Er empfängt „Unsterblichkeit“ (Vers 53-54). In Lukas 24,39 sagt Jesus, dass sein Auferstehungsleib „Fleisch und Bein“ hat.
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Beitragvon Jörg » 19.11.2014 05:00

C. Die Beständigkeit der endgültigen Verwandlung

Das Bekenntnis hält klar fest, dass die Veränderung, die durch die Auferstehung herbeigeführt wird (oder im Falle der noch lebenden Gläubigen durch die Verwandlung), endgültig und bleibend ist. Diese Körper werden „für immer mit ihren Seelen wiedervereinigt werden“ (31,2). Bei der Lehre über die ewige Verdammnis in Kapitel 32 werden mehr Details über den endlosen Charakter dieses Zustandes angeführt werden. An dieser Stelle soll der Verweis auf Daniel 12,2 und Matthäus 25,46 genügen. Nach der endgültigen Verwandlung, die durch die Auferstehung der Toten und das Gericht bewirkt wurde, ist keine weitere Veränderung im physischen oder geistlichen Zustand irgendeines menschlichen Wesens mehr vorstellbar.

D. Der Zeitpunkt der endgültigen Verwandlung

Abschnitt 2 beginnt mit den Worten „[a]m letzten Tag“ (31,2). Dieser Ausdruck weist selbstverständlich darauf hin, dass es eine allgemeine Auferstehung gibt. Das heißt, die Ereignisse, um die es geht, finden für alle Menschen im selben Augenblick statt, sowohl für die Lebenden als auch für die Toten, sowohl für die Gerechten als auch für die Ungerechten. Die Verwandlung der lebendigen Heiligen, die Auferstehung der Gerechten und die Auferstehung der Ungerechten — all diese Ereignisse finden zeitgleich am letzten Tag statt. Mit dieser Formulierung spiegelt das Bekenntnis einfach das natürliche Selbstverständnis verschiedener Bibelstellen wider, die wir bereits behandelt haben. Wie wir bereits früher bemerkt haben, gibt es drei — und ausschließlich drei — Schriftstellen, die ausdrücklich die Auferstehung der Gerechten zusammen mit den Ungerechten erwähnen (Dan 12,2; Joh 5,8-29; Apg 24,15). Es ist von höchstem Interesse, dass jede dieser Stellen als selbstverständlichen Bestandteil ihrer Aussage die Vorstellung enthält, dass die Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten im selben Augenblick stattfindet. Alexander Hodge bemerkt dazu: „Am letzten Tag wird zeitgleich die Auferstehung aller Toten stattfinden, sowohl der Gerechten als auch der Ungerechten.“ Nun ist mir klar, dass es Möglichkeiten gibt, die natürlichen Aussagen dieser Schriftstellen wegzuerklären oder beiseite zu schieben. Über eine Sache sollte es jedoch keine Diskussion geben. Es handelt sich dabei um etwas, was für jeden von großer Bedeutung sein sollte, der geneigt ist, die Dinge beiseite zu schieben, um die natürliche Aussagekraft dieser Texte zu umgehen. Es handelt sich um die einzigen drei Texte in der Bibel, die im gleichen Atemzug ausdrücklich von der Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten sprechen. Jeder von ihnen vermittelt den natürlichen Eindruck, dass die Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten im selben Augenblick geschieht. Bevor nun jemand anfängt, sein System biblischer Prophetie in solche Texte hineinzulesen, sollte er innehalten und sich fragen, wie es kommt, dass dies sich in keinem einzigen dieser Texte wiederfindet. Das Problem besteht darin, dass sich die Lehre von einer allgemeinen Auferstehung unmöglich mit jeglicher Form des Prämillennialismus verbinden lässt. Wenn sowohl die Gerechten als auch die Gottlosen auferweckt werden und bei Christi zweitem Kommen gerichtet werden und zu diesem Zeitpunkt — mit den Worten aus Matthäus 25,46 gesprochen — „hingehen zur ewigen Strafe“ oder „in das ewige Leben“, wer wird dann noch übrigbleiben, um das Tausendjährige Reich zu bevölkern, von dem man annimmt, dass es in den tausend Jahren nach Christi Wiederkunft stattfinden soll?
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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