Eine Erklärung zum bapt. Glaubensbekenntnis(1689) für heute.

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Jörg
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Über den Zustand des Menschen nach dem Tod

Beitragvon Jörg » 21.11.2014 05:01

E. Der Gegensatz bei der endgültigen Verwandlung

In den drei vorangehenden Punkten lag die Betonung auf den Ähnlichkeiten, die zwischen der Auferstehung der Gerechten und der der Ungerechten vorhanden sind. In diesem abschließenden Punkt kommen wir nun zu dem Gegensatz, der zwischen der Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten besteht.
1. Die Auferstehung der Ungerechten
Die Auferstehung ist eine geheimnisvolle Sache, und dies gilt in besonderer Weise für die Auferstehung der Ungerechten, der in der Bibel weitaus weniger Aufmerksamkeit zukommt als der Auferstehung der Gerechten. Wir wissen kaum mehr als das, was uns im Bekenntnis gesagt wird. Daniel 12,2 spricht von einer Auferstehung zur Ungnade (oder Schande) und ewiger Abscheu. Johannes 5,28-29 nennt es eine Auferstehung zum Gericht statt zum Leben. Diese Auferstehung konfrontiert einen Menschen mit seiner Verurteilung, der Verdammung im Gegensatz zum Leben, das Urteil des göttlichen Zorns und des zweiten Todes. Der Gegensatz, der in Johannes 5,28-29 zum Ausdruck kommt, wo die Auferstehung der Ungerechten der „Auferstehung des Lebens“ gegenübergestellt wird, erklärt, weshalb die Bibel so häufig nur von der Auferstehung der Gerechten zum Leben spricht, wenn sie die Frage der Auferstehung aufgreift. Denn auch wenn die Ungerechten auferweckt werden, so ist ihre Auferstehung doch äußerst seltsam und paradox. Denn auch wenn sie körperlich auferweckt werden, werden sie doch nicht zum „Leben“, sondern zum „Tod“ auferweckt. Im eigentlichen Sinne handelt es sich also keineswegs um eine Auferstehung, eine Auferstehung zum Leben. Ungläubige Freunde sollten niemals meinen, dass der Tod eine Möglichkeit wäre, um dem Zorn Gottes zu entrinnen. Selbst der Tod schützt nicht vor Gott. Sogar von dort kann sie der mächtige Arm des Zornes Gottes herausholen und sie am letzten Tag vor seinen furchterregenden Thron stellen. Selbst wenn sie sich in die Luft sprengen, wird Gott sie wieder zusammenbauen, so dass sie seinen großen weißen Thron erblicken! Eine weitere Bemerkung muss noch gemacht werden. Es handelt sich hierbei nicht nur um eine Auferstehung zum Gericht, sondern um eine Auferstehung zur Schande und ewigen Abscheu. Zeigt dies nicht auch, dass selbst in der äußerlichen Erscheinung der Verdammten etwas vorhanden sein wird, was sie zum Gegenstand der Abscheu und Ungnade werden lässt? Während man niemandem einen solchen Ausgang wünscht, legt die Bibel nahe, dass Gott das hässliche und abstoßende Wesen der Sünde an eben den Körpern der bis zum Ende Unbußfertigen sichtbar sein lässt. Lässt Gott die Vorzüglichkeit der Gerechten nicht an der Herrlichkeit ihres Auferstehungsleibes sichtbar werden? Besteht nicht gerade die Absicht der letzten Auferstehung und des Gerichts darin, die Wahrheit, das göttliche Urteil über die Sünde, offen an den Tag zu legen? Wäre es nicht eine Lüge, ein Betrug, nicht ein „goldener Ring im Rüssel einer Sau“ (Spr 11,22), wenn jetzt das schändlichste Herz mit dem gutaussehendsten oder schönsten äußerlichen Erscheinungsbild zusammenträfe? Wird Gott am großen Tag nicht all solchen Lügen ein Ende setzen? Dann müssen wir aus all diesen Gründen annehmen, dass die Körper der Verdammten das hässliche und abscheuliche Wesen der Sünde darstellen.
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Beitragvon Jörg » 23.11.2014 06:23

2. Die Auferstehung der Gerechten
Das Bekenntnis stellt die Auferstehung der Gerechten der Auferstehung der Ungerechten in drei Punkten gegenüber. Es gibt einen Gegensatz in ihrem Muster, bei ihrem Urheber und in ihrem Wesen. Ihr Vorbild: Die Gerechten werden „seinem eigenen verherrlichten Leib gleichgestaltet werden“ (31,3). Während das Bekenntnis über das Muster bei der Auferstehung der Ungerechten schweigt, bekräftigt es ausdrücklich, dass Christi Auferstehungsleib das Muster für unseren eigenen darstellt. Die Herrlichkeit des Auferstehungsleibes besteht in erster Linie darin, dass er Christi herrlichem Leib gleichgestaltet sein wird (Röm 8,17.29-30; 1Kor 15,20-23.48-49; Phil 3,21; Kol 1,18; 3,4; 1Joh 3,2; Offb 1,5). Wie bereits angedeutet wurde, lehrt die Heilige Schrift durchweg, dass das, was wir über Christi Auferstehungsleib wissen, auch für den unseren gilt. Deren Urheber: „durch seinen Geist“. Während das Bekenntnis in allgemeiner Weise darauf hinweist, dass die Ungerechten durch die Kraft Christi auferweckt werden, bekräftigt es im klaren Gegensatz dazu, dass die Gerechten durch seinen Heiligen Geist auferweckt werden. Wir haben bereits gesehen, dass, wenn Paulus den neuen Körper als einen geistlichen Leib bezeichnet (1Kor 15,44-46), sich der Begriff „geistlich“ auf den Geist Gottes bezieht. Somit hat der Auferstehungsleib eine innige Beziehung zum Geist Gottes. Es handelt sich um einen Körper, der durch den Geist Gottes auf übernatürliche Weise belebt, bewohnt und gestärkt ist. All dies lässt bereits klar auf die Urheberschaft des Geistes Christi bei der Auferstehung der Gerechten schließen. Viele andere Schriftstellen beinhalten genau denselben Gedanken (Röm 8,1-2.23; 1Kor 15,45; 2Kor 1,22; 3,18; 5,5; Gal 6,8).
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Beitragvon Jörg » 25.11.2014 04:53

Die klassische Aussage über die Aufgabe des Heiligen Geistes bei der Auferstehung findet sich auf alle Fälle in Römer 8,11. Jeder dieser Abschnitte spricht von der Wirksamkeit des Heiligen Geistes in der Auferstehung der Gerechten als wesentlichem Bestandteil seines Erlösungswerkes. Aus diesem Grund bekräftigt das Bekenntnis, dass die Gerechten durch den Heiligen Geist auferweckt werden, während es in allgemeinerer Weise davon spricht, dass die Ungerechten durch die Kraft Christi auferweckt werden. Die Auferweckung der Gerechten ist Teil der Erlösung der Gerechten, während die Auferstehung der Ungerechten nichts mit ihrem Heil zu tun hat. Ihr Wesen: „Ehre“. An dieser Stelle wird der deutlichste Gegensatz zum Ausdruck gebracht: Die Ungerechten werden zur Unehre auferweckt, die Gerechten zur Ehre. Paulus entwickelt in 1. Korinther 15 anhand mehrerer Gegensätze den Gedanken, den das Bekenntnis die „Ehre“ des Auferstehungsleibes nennt:


Die Gegensätze in 1. Korinther 15
zwischen dem jetzigen Körper und dem Auferstehungsleib


Adam (lebendige Seele).............. Letzter Adam (belebender Geist)
1. irdisch................................... himmlisch
2. seelisch................................... geistlich
3. vergänglich (sterblich)............ unvergänglich (unsterblich)
4. Unehre.................................... Herrlichkeit
5. Schwachheit.............................. Kraft

Der Unterschied zwischen den zwei Zuständen ist der Unterschied dazwischen, dass man in seinem Leib sowohl das Ebenbild des ersten Adams als auch des letzten Adams verkörpert. Da die beiden ersten in der Übersicht erwähnten Gegensätze eng miteinander zusammenhängen, werden sie auch gemeinsam behandelt werden.
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Beitragvon Jörg » 27.11.2014 04:49

Irdisch oder himmlisch; seelisch oder geistlich
Die Bedeutung dieser beiden Gegensätze, sowohl zwischen seelisch und geistlich als auch zwischen irdisch und himmlisch, wurden bereits angesprochen. Sowohl hinsichtlich des Begriffes „geistlich“ als auch hinsichtlich des Ausdrucks „himmlisch“ wurde bereits betont, dass diese Ausdrücke keinen ätherischen, stofflosen „Geistleib“ bezeichnen, wenn sie für den Auferstehungsleib gebraucht werden. Der Begriff „geistlich“ bezeichnet den neuen Körper, der durch den Heiligen Geist beherrscht und gestärkt wird. Ganz ähnlich charakterisiert der Ausdruck „himmlisch“, wenn er im Gegensatz zu „irdisch“ gebraucht wird, den neuen Körper, wie er mit Gott in Verbindung steht und Gottes Eigenschaften und Kraft in einer Weise widerspiegelt, die den irdischen Leib weit übertrifft. Der Gegensatz zwischen seelisch und geistlich und ebenso der zwischen irdisch und himmlisch beschreibt nicht lediglich einen Gegensatz zwischen dem gefallenen Körper Adams und dem verherrlichten Körper Christi, sondern beschreibt in Wirklichkeit einen Gegensatz zwischen Adam in seinem noch sündlosen Zustand und Christi Zustand nach der Auferstehung. Man beachte, dass in 1. Korinther 15,45 ein Text zitiert wird, der sich auf Adam in seinem noch sündlosen Zustand bezieht. Man beachte ebenfalls, dass es für Adam keine Schande oder Verdorbenheit war, dass er „aus Staub vom Erdboden“ gemacht war (1Mose 2,7). Dies beschreibt schlicht und einfach, wie Gott ihn erschaffen hat. Dies ist der Schlüssel zum Verständnis des Sinns und der Bedeutung dieser beiden Gegensätze. Beide spiegeln die Tatsache wider, dass der Mensch so, wie er ursprünglich erschaffen worden war, noch keinen Zustand der reifen moralischen Reinheit erreicht hatte, obschon er schuldlos und gerecht war. Adam war in der Lage, zu sündigen und die göttliche Gunst zu verlieren. Es galt, eine Prüfung zu bestehen, eine Probezeit zu erfüllen, eine Gottesurteil zu empfangen, bevor ein reife und vollkommene ethische Reinheit hätte erreicht werden können. Bis dahin konnte die Menschheit die Fülle der göttlichen Herrlichkeit, Kraft und Gemeinschaft nicht erfahren. Die körperliche Manifestation dieses vollkommenen Zustandes musste auch noch warten.
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Beitragvon Jörg » 29.11.2014 05:39

Dieser Zustand, in dem die volle äußerliche und körperliche Manifestation der Herrlichkeit erlangt werden sollte, wäre dann erreicht worden, wenn sich die Treue der Menschheit gegenüber Gott als erprobt, als vervollkommnet und als sündlos erwiesen hätte. Über diesen Zustand wird im Bericht von 1. Mose 2-3 etwas gesagt. 1. Mose 2,16-17 hält fest, dass dieser Zustand anhaltendes Leben mit Gott bedeutet. 1. Mose 3,22 lässt erkennen, dass die Menschheit ein ewiges Leben erlangen sollte, sei es zum Guten oder zum Bösen. Im Zustand der vollkommenen Gerechtigkeit sollte dies ein großer Segen sein, doch im Zustand einer ausgereiften Verdorbenheit wäre dies ein schrecklicher Fluch. 1. Mose 3,22 zeigt bereits, dass alle Menschen zu einem ewigen leiblichen Leben auferweckt werden und dass dieses Leben für die Ungerechten einen schrecklichen Fluch darstellt. Da natürlich die Kraft des Himmels und die Macht des Geistes Gottes für die ursprüngliche Schöpfung des Adam verantwortlich waren, erwarteten die Kraft des Himmels und die Stärke des Geistes Gottes die ethische Vervollkommnung und Reife des Menschen. Diese Vervollkommnung war notwendig, bevor die Menschheit mit dem vollen Maß an Kraft und Tugend, die Gott für die menschliche Rasse bereithielt, betraut werden konnte. Als Adam fiel, führte sein Verlust ethischer Unschuld und Gerechtigkeit zu einem zunächst radikalen und anschließend fortschreitenden Verlust selbst des Ausmaßes an Kraft und Fähigkeit, das er ursprünglich besessen hatte. Als der letzte Adam den Willen Gottes erfolgreich ausgeführt hatte, hatte er nicht einfach das wiedergewonnen, was Adam verloren hatte, sondern er hatte jenen höheren Zustand erlangt, den Adam nicht erreicht hatte. Die Begriffe „geistlicher Leib“ und „himmlischer Leib“ beschreiben folglich den leiblichen Zustand von jemandem, der in die volle Einheit und Gemeinschaft mit Gott eingetreten ist, der die reife ethische Vollkommenheit erlangt hat und so das volle Maß des weisen, mächtigen und heiligen Wirkens des Geistes Gottes empfängt, wie es ein Geschöpf überhaupt erfahren kann.
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Beitragvon Jörg » 01.12.2014 04:55

Vergänglich oder unvergänglich (sterblich oder unsterblich)

Vergänglich und unvergänglich (1Kor 15,42.50.52-54) stellen das, was dem Verfall, dem Verdorren, der Auflösung, der Verschlechterung, der Zerstörung und dem Untergang unterworfen ist, dem gegenüber, was keinem derartigen Verfall unterliegt. Das Fleisch kann und wird vergehen (Gal 6,8). Samen mögen sich auflösen, und das daraus hervorkommende Gras mag verdorren (1Petr 1,23). Schönheit mag vergehen (1Petr 3,4). Nahrung kann verderben und wird sicher zerstört und aufgelöst werden, wenn sie verzehrt wird (Kol 2,22). Auf dieselbe Weise kann und wird sich der Zustand des gegenwärtigen Körpers verschlechtern, er wird sterben, zerfallen und verschwinden. Der Auferstehungsleib ist keinem derartigen Verfall unterworfen. Dieser Leib und das gesamte künftige Erbe, zu dem er gehört, ist unvergänglich und unverwelklich (Röm 2,7; 1Petr 1,4). Sterblich und unsterblich (wird parallel zu dem vorangehenden Wortpaar in 1Kor 15,53-54 benutzt und) stellt das, was dem Tod unterworfen ist, dem gegenüber, was nicht sterben wird und nicht sterben kann. Was unsterblich ist, ist nicht nur lebendig, sondern kann auch nicht sterben.

Unehre oder Herrlichkeit

Unehre und Herrlichkeit (1Kor 15,40-41.43) stellen einen Körper, der von Unehre und Schande gekennzeichnet ist, einem Körper gegenüber, der durch seinen Glanz, seine Pracht und seine Ausstrahlung den Ruhm, den Ruf, die Ehre und die Vortrefflichkeit dessen bezeugen, dem er gehört. Unehre wird zur Beschreibung von perversen sexuellen Begierden (Röm 1,26), von Männern mit langen Haaren (1Kor 11,14), von übler Nachrede und Schande (2Kor 6,8; 11,21) und von Haushaltsgeräten, die für unliebsame Aufgaben gebraucht werden, verwendet (2Tim 2,20). Alle diese Unehren, die unsere gegenwärtigen Leiber kennzeichnen, welche dem Verfall und dem Fluch, der durch die Sünde herbeigeführt wurde, unterworfen sind, und die so der Schande und Unehre, welche die Sünde zurecht verdient, unterworfen sind, werden für immer durch die Herrlichkeit des neuen Körpers ersetzt werden. Der Ausdruck „Herrlichkeit“ bezieht sich auf die erkennbare Vortrefflichkeit. Der physische Glanz des neuen Körpers wird von der Vortrefflichkeit und den Eigenschaften des Sohnes Gottes zeugen und den Zuspruch einfordern und den Ruhm seines Eigentümers sichern (1Kor 15,40-41). Der helle Glanz der Sonne lässt ihr Wesen erkennen; ebenso lässt sich auch am Auferstehungsleib die Vortrefflichkeit des Kindes Gottes erkennen.
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Über den Zustand des Menschen nach dem Tod

Beitragvon Jörg » 03.12.2014 05:01

Schwachheit oder Kraft

Schwachheit und Kraft (1Kor 15,43) stellen einen Körper, der Schwachheit, Funktionsstörungen, Krankheit, Siechtum und schlussendlich der sichtlichen körperlichen Unfähigkeit bis hin zum Tod unterworfen ist, einem Körper gegenüber, der keinen derartigen Dingen unterliegt, sondern ohne Schwierigkeiten, Widerstände oder Zusammenbrüche das Streben seines Besitzers ausführt. In der Bibel wird in 2. Korinther 11,23-30; 12,7-10 Schwachheit beschrieben. Dieser neue Leib wird niemals Schwachheit, Müdigkeit und Gebrechlichkeit erfahren, die für uns so oft eine Versuchung und einen Anlass zur Sünde darstellen. Paulus sagt uns, dass er sich auf Grund der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes rühmte (Röm 5,2). Dies sollte unsere Reaktion auf solche Wahrheiten sein. Denken Sie über die Ehre und Herrlichkeit des Auferstehungslebens nach! Der neue Körper besitzt große Kraft. Er widersetzt sich nicht den anhaltenden Widerwärtigkeiten auf Grund von Schwachheit, Müdigkeit und anderen gravierenden Einschränkungen, wie unser gegenwärtiger Leib es tut. Er dient Gott unermüdlich und voller Kraft in der erlösten Schöpfung. Der neue Körper ist ein verherrlichter Leib. Gerade die körperliche Erscheinung des auferstandenen Sohnes Gottes ist ein anhaltender Beweis für Gottes Freude an ihm. Für ihn selbst und die erschaffene Welt bezeugt eben dieser Leib die Herrlichkeit seines Wesens und stopft jedem nur denkbaren Vorwurf oder Spott den Mund. Der neue Körper ist unvergänglich. Er ist der Körper von jemandem, dessen Wesen durch die Gnade Gottes zu vollkommener, unveränderlicher, moralischer Heiligkeit und Gerechtigkeit gebracht wurde. Es ist folglich ein Körper, der niemals schwach und niemals befleckt sein wird, sondern physisch immer so kräftig und hübsch bleibt, wie er es immer schon war. Die größte Seligkeit von alldem besteht möglicherweise darin, dass der neue Körper das Zeichen und Siegel des Zustandes ist, in dem die Gemeinschaft mit Gott vollkommen gemacht ist. Der Geist Gottes wohnt in ihm, beherrscht und stärkt ihn in dem höchsten nur denkbaren Maße. Seine Einheit mit Gott in Christus, sein Besitz der höchsten göttlichen Gunst ist unveränderlich, unwandelbar, unvergänglich. Es handelt sich um einen geistlichen und himmlischen Körper.
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Über das Jüngste Gericht

Beitragvon Jörg » 05.12.2014 04:52

32.Über das Jüngste Gericht

1. Gott hat einen Tag bestimmt, an dem er die Welt durch Jesus Christus, dem alle Vollmacht und das gesamte Gericht vom Vater übergeben worden ist, in Gerechtigkeit richten wird.1 An diesem Tag werden nicht nur die gefallenen Engel gerichtet werden,2 sondern es werden gleichfalls alle Menschen, die auf der Erde gelebt haben, vor dem Richterstuhl Christi erscheinen,3 um über ihre Gedanken, Worte und Taten Rechenschaft abzulegen und um entweder Gutes oder Böses zu empfangen, entsprechend dem, was sie während ihres Erdenlebens getan haben.4
1. Joh 5,22.27; Apg 17,31.
2. 1Kor 6,3; Jud 6.
3. Mt 16,27; 25,31-46; Apg 17,30-31; Röm 2,6-16; 2Thess 1,5-10; 2Petr 3,1-13;Offb 20,11-15.
4. 2Kor 5,10; 1Kor 4,5; Mt 12,36.

2. Gott hat diesen Tag dazu bestimmt, seine Herrlichkeit durch seine Barmherzigkeit in der ewigen Erlösung der Erwählten und durch seine Gerechtigkeit in der ewigen Verdammnis der Verworfenen, die gottlos und ungehorsam sind, zu offenbaren.1Denn dann werden die Gerechten in das ewige Leben eingehen und in der Gegenwart des Herrn die Fülle der Freude und Herrlichkeit mit ewigem Lohn empfangen. Doch die Gottlosen, die Gott nicht kennen und dem Evangelium Jesu Christi nicht gehorsam sind, werden in ewige Qualen geworfen, und sie werden mit ewigem Verderben bestraft vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke.2
1. Röm 9,22-23.
2. Mt 18,8; 25,41.46; 2Thess 1,9; Hebr 6,2; Jud 6; Offb 14,10-11; Lk 3,17; Mk 9,43.48; Mt 3,12; 5,26; 13,41-42; 24,51; 25,30.

3. So wie Christus möchte, dass wir fest davon überzeugt sind, dass ein Tag des Gerichts kommen wird, damit dadurch einerseits alle Menschen von der Sünde abgeschreckt werden1und andererseits die Gottesfürchtigen in ihrer Anfechtung größeren Trost erfahren,2 so wird er auch diesen Tag den Menschen unbekannt sein lassen, damit sie alle fleischliche Sicherheit abschütteln und stets wachsam sind, da sie nicht wissen, zu welcher Stunde der Herr kommen wird,3 und damit sie immer bereit sind, zu sprechen: Komm, Herr Jesus, komme bald!4 Amen.
1. 2Kor 5,10-11.
2. 2Thess 1,5-7.
3. Mk 13,35-37; Lk 12,35-40.
4. Offb 22,20.
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Über das Jüngste Gericht

Beitragvon Jörg » 08.12.2014 06:00

Gliederung des Kapitels

Abschnitt1-3

I. Der Begriff des Jüngsten Gerichts

A. Seine biblische Zusammenfassung (abgeleitet aus Apg 17,31)
-1. Sein Urheber: „Gott“ (der Vater)
-2. Sein Eintreten: „einen Tag bestimmt“
-3. Sein Gegenstand: „die Welt“
-4. Sein Mittler: „durch Jesus Christus“
-5. Seine Art und Weise: „in Gerechtigkeit“
B. Seine messianische Einrichtung (Joh 5,21-23)
C. Sein uneingeschränkter Umfang
D. Seine zweifache Handlung: „abzulegen und ... zu empfangen“

2 II. Der Zweck des Jüngsten Gerichts

A. Das Kennzeichen des Zwecks
-1. Die Offenbarung von Gottes Barmherzigkeit in der Erlösung der Erwählten
-2. Die Offenbarung von Gottes Gerechtigkeit in der Verdammnis der Verworfenen
B. Die Verwirklichung des Zwecks
-1. Für die Gerechten
-2. Für die Gottlosen

3 III. Die Auswirkung des Jüngsten Gerichts (praktisch und für die Gegenwart)

A. Was bezüglich des Gerichts bekannt und gewiss ist
-1. Es schreckt jeden von der Sünde ab.
-2. Es ist für die Heiligen ein Trost in der Not.
B. Was bezüglich des Gerichts unbekannt und ungewiss ist
-1. Wachsamkeit gegenüber der Sünde (Lk 12,35-40)
2. Ungeduldige Erwartung der Wiederkunft Christi (Offb 22,20)

I. Die praktischen Implikationen eines allgemeinen Gerichts


Dieses Kapitel des Bekenntnisses bekräftigt die Lehre der Bibel, dass bei Christi Wiederkunft ein Endgericht stattfinden wird, in dem alle Menschen, die jemals gelebt haben, gerichtet und anschließend ins ewige Leben oder in die ewige Verdammnis eingehen werden. Die drei entscheidenden Kriterien bei dieser Lehre über das allgemeine Gericht sind: der Zeitpunkt — Christi zweites Kommen; das Ausmaß — weltweit, ohne Ausnahme; der Ausgang — ewiges Leben oder ewige Verdammnis. Der Beweis für die Lehre des allgemeinen Gerichts findet sich in den in überzeugendem Ausmaß vorhandenen biblischen Aussagen darüber, dass diese drei Kriterien in einem Gericht zusammentreffen. Die Belege dafür, wie sie sich in sieben zentralen Bibelstellen wiederfinden, verteilen sich folgendermaßen:

Text................... Zeitpunkt.......... Ausmaß......... Ausgang

Matthäus 16,27........... A.........................A................... I
Matthäus 25,31-46...... A........................ A................... A
Apostelge.17,30-31..... I......................... A ...................I
Römer 2,6-16..............I......................... A..................... A
2.Thessalonich.1,5-10. A...................... I....................... A
2. Petrus 3,1-13...........A...................... A..................... A
Offenbarung 20,11-15..I....................... A..................... A
A = Ausdrückliche Aussage, welche die genannte Lehre unterstützt
I = Indirekte Aussage, welche die genannte Lehre unterstützt
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Beitragvon Jörg » 10.12.2014 07:04

Wie das Diagramm deutlich erkennen lässt, enthalten die sieben angeführten Schriftstellen keine Aussage, die der genannten Lehre über ein allgemeines Gericht widersprechen würden. Zwei von ihnen beinhalten ausdrückliche Hinweise auf alle drei entscheidenden Aussagen. Vier weitere enthalten in jeder nur denkbaren Kombination ausdrückliche Hinweise auf zwei der drei entscheidenden Kriterien. Jeder Versuch, sich der genannten Lehre entziehen zu wollen, muss ganz klar zu einer gewaltigen Umdeutung der diesem Thema zu Grunde liegenden Bibelstellen führen. Das Jüngste Gericht wird bei Christi zweitem Kommen stattfinden, es wird sich auf alle Menschen erstrecken, die jemals gelebt haben, und wird für die Gerechten im Stand der ewigen Seligkeit und für die Ungerechten in der Verdammnis enden. Wenn dem so ist, dann hat dies weitreichende Folgen. Die biblische Lehre, die hier vorgestellt wird, unterscheidet sich radikal von der weit verbreiteten Ansicht, die heute in vielen konservativen Gemeinden vertreten wird. Die biblische Lehre stellt eine grundlegende Kritik derselben dar. Folgende drei praktische Schlussfolgerungen ergeben sich aus der biblischen Lehre und dieser grundlegenden Kritik.

1. Diese Lehre stellt ein unüberwindliches Problem für den populären Prämillennialismus dar. Es wurde oft darauf hingewiesen, dass das Bekenntnis nichts Konkretes über den Prämillennialismus sagt. Dies wurde verschiedentlich erklärt. Es mag stimmen, dass die Verfasser des Bekenntnisses keine Lehre ausdrücklich anprangern wollten, die von manchen vertreten wurde, die sie als Brüder anerkannt hätten. Wie dem auch sein mag — es ist nichtsdestotrotz richtig, dass sich die Lehre von einer allgemeinen Auferstehung und die Lehre von einem allgemeinen Gericht unmöglich mit irgendeiner Form des Prämillennialismus in Einklang bringen lässt. Die lieben prämillennialistischen Brüder haben an dieser Stelle ein Problem. Wenn sowohl die Gerechten als auch die Gottlosen auferweckt werden und bei Christi zweitem Kommen gerichtet werden und zu diesem Zeitpunkt — mit den Worten aus Matthäus 25,46 gesprochen — „hingehen zur ewigen Strafe“ oder „in das ewige Leben“, wer wird dann noch übrigbleiben, um das Tausendjährige Reich zu bevölkern, von dem man annimmt, dass es in den tausend Jahren nach Christi Wiederkunft stattfinden soll? Jeder Prämillennialist lehrt, dass während des Tausendjährigen Reiches nach der Auferstehung der Gerechten bei Christi Wiederkunft gottlose Leute zurückbleiben, die nicht auferstanden sind. Doch wie kann das sein, wenn die Auferstehung und das Gericht, das bei Christi Wiederkunft stattfindet, weltweit und allumfassend sind?
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Über das Jüngste Gericht

Beitragvon Jörg » 12.12.2014 07:01

2. Diese Lehre stellt ein unschlagbares Argument gegen das populäre, moderne oberflächliche Christentum dar. In unserer Zeit wird üblicherweise gelehrt, dass es wenigstens zwei unterschiedliche Gerichte geben wird: eines für die Christen und eines für die Unerlösten. Diejenigen, die sich für Christus entschieden haben, würden in das Gericht für Christen kommen. Bei diesem Gericht seien es nicht ihre Taten, die bestimmen würden, ob sie auf ewig errettet sind oder nicht, denn, so sagt man, die Errettung geschieht aus Gnade und nicht aus Werken. Ihre Taten geben nur dafür den Ausschlag, wie viele Belohnungen und Kronen sie in der Herrlichkeit empfangen sollten. Auf diese Weise wird behauptet, dass unsere Taten absolut nichts mit unserem letztendlichen Schicksal zu tun hätten. Dwight Pentecost sagt beispielsweise: „Es ist sorgsam darauf zu achten, dass es hier nicht darum geht, festzustellen, ob derjenige, der vor Gericht steht, ein Gläubiger ist oder nicht. Die Frage nach der Errettung steht gar nicht zur Debatte.“ Was ist an dieser Lehre falsch? Erstens macht die Bibel überall in reichem Maße deutlich, dass es beim Gericht über unsere Werke genau um die Frage geht, ob wir Gläubige sind oder nicht. Zweitens macht die Bibel überall eindeutig klar, dass sowohl Gläubige als auch Ungläubige im selben Gericht erscheinen werden (Mt 25,31-46; Röm 2,6-16). Wenn viele behaupten, dass eine derartige Lehre Gesetzlichkeit oder Rettung aus Werken bedeute, enthüllt dies lediglich eine Unkenntnis wesentlicher Zusammenhänge des Evangeliums selbst. Die Rettung geschieht nicht aus Werken, aber ihr ganzer Zweck besteht darin, gute Werke hervorzubringen. Dort, wo sich der Lebensstil eines Menschen nicht grundlegend verändert, hat keine gnädige Errettung stattgefunden. Das Urteil ergeht auf der Grundlage unserer Werke, denn unsere Werke — als Ganzes betrachtet — lassen unser Wesen erkennen, und an unserem Wesen zeigt sich unser Verhältnis zu Christus und das Vorhandensein des Glaubens oder der fehlende Glaube an ihn.
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Beitragvon Jörg » 14.12.2014 07:44

3. Diese Lehre stellt eine unaussprechliche Befreiung von der Angst vor dem Tag des Gerichts dar. Nun bietet sie natürlich keine solche Erleichterung für diejenigen, die keine wahren Christen sind. Doch es ist eine Tatsache, dass viele wahre Christen auf Grund der weit verbreiteten Ansicht, die man sie gelehrt hat, mit einer großen Furcht vor dem Tag des Gerichts leben. Diese weit verbreitete Ansicht besagt, dass sich 2. Korinther 5,10 ausschließlich auf ein Gericht für Gläubige bezieht. Logischerweise schließen so belehrte Gläubige daraus, dass all ihre bösen oder nutzlosen Werke am Tag des Gerichts enthüllt werden und sie eine Art angemessene Entlohnung für ihren wertlosen Dienst empfangen. Traurigerweise sind es oft die sensibelsten Gläubigen, die dies am stärksten empfinden, während sich die fleischlichen Christen, die bei dieser Lehre erschrecken sollten, über das Wissen freuen, dass ihr Heil von ihrem Entschluss, Christus nicht zu dienen, unberührt bleibt. Diese Lehre hat den einzigen Effekt, dass sie zu einer völlig anderen Haltung ermutigt, als diejenige, zu der die wahren Gläubigen im Blick auf den Tag des Gerichts in der Bibel ermutigt werden sollen (vgl. Mt 25,21.34; Joh 5,24.29; Röm 2,6.10; 1Kor 4,5; 2Thess 1,7-10; 2Tim 4,8-10; 2Petr 3,13-14). Es gibt keinen Bibeltext, der besagt, dass der Christ am Tag des Gerichts irgendetwas zu befürchten habe. Im Gegenteil, es gibt viele Texte, die lehren, dass der wahre Christ jeden Grund hat, den Tag des Gerichts sehnsüchtig zu erwarten. Statt dessen hat der gottlose, betrügerische und verschlagene Mensch jeden Grund, sich zu fürchten, wobei der Christ sich vor nichts zu fürchten braucht. Nun mag jemand im Blick auf 2. Korinther 5,10 fragen: „Bezieht sich dieser Vers nur auf Gläubige?“ Nein, man beachte die nachfolgenden Verse. Die bösen Taten, die nach diesem Text durch Böses vergolten werden sollen, sind die bösen Taten eines Unbekehrten. Die guten Taten sind die Taten eines Christen.
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Über das Jüngste Gericht

Beitragvon Jörg » 16.12.2014 04:51

R. C. H. Lenski fasst die Lehre dieses Textes geschickt zusammen: „Wir werden alle jetzt und im Augenblick des Todes beurteilt. Dieses Urteil ist geheim. Es sterben viele Leute, bei denen wir keineswegs sicher sind, wie Christus sie beurteilen wird. Selbst wenn wir uns sicher fühlen, wissen wir, dass wir uns irren können. Das Jüngste Gericht ist öffentlich. Alle Urteilssprüche sind genau dieselben, doch werden sie dann nicht nur veröffentlicht, sondern auch öffentlich vor der ganzen Welt als gerecht begründet und festgesetzt (vgl. Römer 2,5). Aus diesem Grund sagt die Heilige Schrift wiederholt, dass das Gericht am letzten Tag auf unseren Werken basieren wird: ‚damit jeder empfange (Aorist), was er durch den Leib‘ in seiner gegenwärtigen Existenz ‚vollbracht (getan)‘ hat. Das ist keine Werkgerechtigkeit. Ebenso wenig bezieht sich der Plural auf einzelne Werke, eines hier und ein anderes dort. Diese Dinge, die mittels des Leibes getan werden (ta macht aus dia tou somatos ein Substantiv), sind eine Zusammenfassung des Lebens eines Menschen, dessen, was sein Leben in Gottes Sicht wirklich wert ist: pros a epraxen, ‚(im Blick darauf,) was er (wirklich) getan hat‘. Und dies wird eines von beiden sein: Entweder ist es agathon, die Summe oder Einheit dessen, was in Gottes Sicht ‚gut‘ ist, oder eines, das phaulon, ‚schlecht‘ ist, zu nichts tauglich.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Über das Jüngste Gericht

Beitragvon Jörg » 18.12.2014 04:51

Das eine ist eine Frucht des Lebens im Glauben, das durch das Vertrauen auf Christus gekennzeichnet und geschmückt war und so vor aller Augen offenbarte, wer dieses ‚Gute‘ hervorbrachte. Das andere ist das Ergebnis eines Zustandes, in dem dieser Glaube nicht vorhanden war, und es offenbart den Ungläubigen als den, der er wirklich war. In keinem Fall wird es auch nur den geringsten Zweifel geben. Somit wird es der Glaube oder der fehlende Glaube sein, auf dem der Richterspruch beruhen wird, doch beide Male wird dies auf der Grundlage der unzweifelhaft öffentlich sichtbaren Werke entschieden werden. All die rettende Macht des Glaubens wird hervortreten, ebenso all die verdammende Macht, die mit der Weigerung, Christus zu vertrauen, verbunden ist. Für den Gläubigen werden die Sünden, die er begangen hat, nicht gegen die guten Werke aufgerechnet werden, die er getan hatte, so dass die letzteren die ersten aufheben würden. All seine Sünden werden endgültig durch das Blut Christi getilgt werden und so weit entfernt, so fern der Osten vom Westen ist (Ps 103,12), in die Tiefen des Meeres geworfen (Mi 7,19), ausgewischt, ja, ausgewischt wie eine dicke Wolke (Jes 43,25; 44,22), auf dass sie nie wieder gefunden werden. Ebenso werden alle Unvollkommenheiten seiner guten Werke für immer beseitigt werden. Es wird und kann keine Untersuchung hinsichtlich irgendeiner Sünde eines Gläubigen geben. An ihrer Stelle wird sich nur Christi Blut und seine Gerechtigkeit wiederfinden.“ Der Gläubige muss sich nicht davor fürchten, dass irgendwelche wertlosen Taten von ihm bloßgestellt werden. Nur der Lebensstil des Gerechten, der seinen Glauben erkennen lässt, wird ins Blickfeld rücken. Möge Gott den Tag des Gerichts zu der Hoffnung machen, die dieser für sein Volk sein soll.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Über das Jüngste Gericht

Beitragvon Jörg » 20.12.2014 07:46

II. Die biblische Grundlage für die nicht endende Höllenqual

Nicht weniger als dreimal wiederholt Abschnitt 2 die im Bekenntnis vertretene Lehre über die nicht endende Höllenqual für die Gottlosen. Es ist dort von „der ewigen Verdammnis“, von „ewige[n] Qualen“ und von „ewigem Verderben“ die Rede (32,2). Meines Wissens hat niemals jemand ernsthaft in Frage gestellt, dass eine derartige Ausdrucksweise des Bekenntnisses die Lehre von der nicht endenden Höllenqual für die Gottlosen verteidigen soll. Jedoch haben viele die Auffassung in Frage gestellt, dass die biblische Ausdrucksweise, die in diesen Ausdrücken so deutlich wiederklingt, ebenfalls die Absicht hatte, die Lehre von der nicht endenden Höllenqual zu vermitteln. Die beste und deutlichste Zurückweisung derartiger Kritik an der Lehre der nicht endenden Höllenqual liegt in der natürlichen Aussagekraft der Heiligen Schrift selbst. Die biblische Grundlage, die für eine nicht endende Höllenqual spricht, lässt sich in drei Klassen einteilen: Ihre positiven Aussagen, ihre betonten Verneinungen und ihre unterschiedlichen Ausdrucksweisen.
A. Ihre positiven Aussagen
Die Heilige Schrift sagt deutlich aus, dass die Leiden der Verdammten ewig andauern werden (vgl. Mt 18,8; 25,41.46; 2Thess 1,9; Hebr 6,2; Jud 6; Offb 14,10-11). Diejenigen, welche die Lehre von der nicht endenden Höllenqual ablehnen, haben ihr häufig mit folgendem Argument widersprochen: „Die Ausdrücke, die in diesen Abschnitten mit ‚ewig‘ oder ‚unaufhörlich‘ übersetzt werden, können in manchen Fällen eine begrenzte oder endende Zeitdauer bezeichnen.“
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