Andachten zum Buch der Richter

Basiert auf "Biblische Lehre" - aber damit die Praxis nicht zu kurz kommt, ein Extra-Forum

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 04.12.2012 06:38

A.Christlieb

Sie gefällt meinen Augen. Richter 14, 3


Tausende von jungen Männern und Mädchen lassen sich durch blinde Leidenschaft verführen, eine Ehe einzugehen, die ein Stück Hölle hier auf Erden wird. Die Zahl der unglücklichen Ehen wächst im gleichen Maße wie die Zuchtlosigkeit. An Simson können wir sehen, was er bei seiner Eheschließung zu seinem Schaden nicht beachtet hat. Er hat mißachtet den Rat erfahrener, älterer Leute. In seinem Falle waren es die eigenen Eltern. Sie waren gottesfürchtige, treue Leute. Dringend rieten sie ihm ab von dieser Verbindung: ,,Ist denn keine Frau unter den Töchtern deiner Brüder, daß du nimmst eine Frau bei den Philistern, den Heiden?"! Aber allen Mahnungen setzt Simson entgegen: ,,Sie gefällt meinen Augen!" - Diese Augen aber, die sich vergaffen in eine fleischliche Schönheit, wurden ihm später ausgestochen! Ach, hätte Simson gehört! Nun aber mißachtet er nicht nur den Rat seiner treuen Eltern, er verachtet auch Gottes Gebot. Nachdrücklich war im Gesetz des Mose die Ehe mit heidnischen Menschen verboten (2. Mose 34, 16). Im Neuen Testament gibt es eine gleichbedeutende Anweisung für die Gattenwahl, 1. Korinther 7, 39: ,,Allein, daß es in dem Herrn geschehe!" d. h. daß die Wahl auf einen gläubigen Menschen falle. - Einen letzten, verhängnisvollen Fehler beging Simson damit, daß er nicht auf den Charakter der von ihm Erkorenen achtete. Sie erwies sich später als völlig unzuverlässig, als unaufrichtig und schwatzhaft. Ach, hätte Simson Herz und Charakter der Tochter so genau besehen, wie ihre schönen Gesichtszüge! Nie hätte er um ihre Hand angehalten! - Für jede Gattenwahl gilt das Wort, das Gott zu Samuel sprach bei der Königswahl 1. Sam. 16, 7: ,,Siehe nicht an seine Gestalt, noch seine große Person, denn ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an!" Wie gern erspart uns Gott Jammer und Herzeleid!

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 05.12.2012 06:37

Ch.Spurgeon

"Also ging Simson mit seinem Vater und mit seiner Mutter gen Timnat hinab. Und als sie an die Weinberge bei Timnat kamen, siehe, da begegnete ihm ein junger brüllender Löwe!" Richter 14,5


Das Leben des Gläubigen hat seine Kämpfe. Christ werden heißt, in die Reihen der Krieger einzutreten. Kein Kreuz - keine Krone, kein Krieg - kein Sieg, kein Ringen - kein Singen. Diese Kämpfe beginnen früh im Leben des Gläubigen. Als Simson noch ein Kind war, trieb ihn der Geist im Lager Dans, und sobald er an der Schwelle des Mannesalters stand, mußte er sich mit einem Löwen messen. Gott, der beabsichtigte, daß sein Knecht die Philister schlagen sollte, begann früh, den Helden für den Kampf seines Lebens zu erziehen. Soldaten werden durch Krieg gemacht. Man kann nicht Veteranen heranbilden oder Sieger erschaffen, ausgenommen durch Schlachten. So ist es auch in den geistlichen Kämpfen. Wenn der Mann "das Joch seiner Jugend" trägt, wird es seine Schulter in späteren Jahren nicht aufreiben.

Es ist eine gefährliche Sache, frei von Kampf und Leiden zu sein. In der seidenen Ruhe verliert der Soldat seine Tapferkeit. Seht auf Salomo, einen der größten und weisesten und doch, möchte ich sagen, einen der kleinsten und törichtsten Menschen. Es war sein zweifelhaftes Vorrecht, auf einem goldenen Thron zu sitzen und sich im Glanz des wolkenlosen Glücks zu sonnen. Daher ging sein Herz bald irre, und er fiel von seiner hohen Stellung ab. Salomo hatte in seinen jungen Jahren kein Leid, denn kein Krieg wütete, und kein Feind lebte, der des Nennens wert gewesen wäre. Sein Leben floß ruhig dahin, und er wurde in einen träumerischen Schlaf gelullt.

Lerne also, daß du früh an Leiden in der einen oder anderen Form gewöhnt werden mußt, wenn du wie Simson ein Held für Israel sein sollst. Wenn du beiseite gehst und dich in der Stille eines Weinbergs Betrachtungen hingeben willst, so mag dir ein junger Löwe brüllend entgegenkommen. Es wird dir wie unserem Herrn und Meister ergehen, der vor seinem öffentlichen Dienst auch in die Wüste geführt wurde, um vom Teufel versucht zu werden.

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 06.12.2012 06:41

A.Christlieb

Der Geist des Herrn kam über Simson. Richter 15, 14


Die Bewohner der Stadt Lehi sind einmal in peinliche Verlegenheit geraten. Simson hatte vorübergehend Wohnung bei ihnen gemacht. Die Philister hörten davon, gingen nach Lehi und drohten dort: Wenn ihr uns den Simson nicht ausliefert, gefesselt mit zwei neuen Stricken, werden wir eure Stadt an allen vier Ecken anzünden. Die Leute aus Lehi gingen zu Simson und fragten, was sie tun sollten. Simson sprach: ,,Schwört mir, daß i h r mir kein Böses tun wollt, dann bindet mich und liefert mich den Philistern aus." Es geschah also. Als die Philister den riesenstarken Mann erblickten, in Fesseln geschlagen, jauchzten sie laut auf. Da aber kam der Geist des Herrn über Simson. Er zerriß die Stricke wie Fäden, vom Feuer versengt. Simson ergriff einen am Boden liegenden Eselskinnbacken und schlug 1000 Philister nieder. - Diese Geschichte zeigt eine zweifache Wirkung des Geistes Gottes. Derselbe löst Gebundenheit. Bei Simson waren es Hanfseile, zu deren Zerreißung menschliche Kraft allein nicht ausgereicht hätte. Die Kraft des Geistes ließ sie abfallen wie versengte Fäden. - Es gibt für uns schlimmere Gebundenheiten, als die durch Hanfseile: Mammonsgier, Fleischeslust, Trunksucht. Menschenkraft reicht da nicht aus zur Befreiung. Die Fesseln löste einzig die Kraft des Geistes Gottes. - Ein zweites: Dieser Geist schenkt Simson einen herrlichen Sieg. Simson hatte keine Waffe zur Hand, raffte einen Eselskinnbacken vom Boden auf und schlug damit 1000 Philister. Die herrlichste Rüstung hätte ihm ohne des Geistes Kraft nichts genützt! Gottes Geist aber gab ihm übermenschliche Kräfte. - Solche Kräfte kann Gott auch heute noch verleihen. Von Stephanus lesen wir Apg. 6, 8: ,,Stephanus, voll Glaubens und Kräften, tat Wunder und große Zeichen, und niemand vermochte zu widerstehen der Weisheit und dem Geiste, aus welchem er redete." - Gott schenke uns wieder geisterfüllte Kämpfer!

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 07.12.2012 06:38

C.H.Spurgeon

,,Da ihn aber sehr dürstete, rief er den Herrn an und sprach: Du hast solches große Heil gegeben durch die Hand Deines Knechtes; nun aber muß ich Durstes sterben." Richt. 15, 18.


Simson dürstete und verschmachtete fast. Diese Trübsal war so ganz anders als irgend eine andre, welche früher den Helden betroffen hatte. Das Löschen des bloßen Durstes ist gar nicht zu vergleichen mit etwas so Großem, wie die Befreiung aus den Händen von tausend Philistern! Aber als der Durst über ihn kam, empfand Simson dieses kleine Leiden weit schwerer, als die große überstandene Prüfung, aus welcher er so gnädig und wunderbar war erlöst worden. Es kommt bei Kindern Gottes gar oft vor, daß, wenn sie eine große Errettung erfahren haben, sie eine kleine Heimsuchung so unerträglich finden. Simson erschlägt tausend Philister und legt sie auf Haufen, und dann wird er um eines Trunkes Wassers willen ganz kleinmütig! Jakob ringt zu Pniel mit Gott und überwältigt die Allmacht selber und geht dann hin und ,,hinkt an seiner Hüfte!" Sonderbar, daß immer ein Verrenken des Gelenkes kommen muß, wenn wir den Kampf siegreich bestanden haben. Gleich als ob der Herr uns unsre Kleinheit, unsre Nichtigkeit zeigen müßte, damit wir in den Schranken bleiben. Simson rühmte sich wohl laut, als er sprach: ,,Durch einen Esels-Kinnbacken habe ich tausend Mann erschlagen." Da wurde seine ruhmredige Zunge bald schwer vor Durst, und er schickte sich an zum Gebet. Liebes Kind Gottes, wenn du nach großen Gnadenerfahrungen recht tief gebeugt wirst, so geschieht dir nicht etwas Besonderes. Als David den Thron Israels bestieg, sprach er: ,,Ich aber bin noch zart und ein gesalbter König." Du mußt dich darauf gefaßt machen, daß du dich dann am schwächsten fühlst, wenn du deine größten Triumphe feierst. Wenn Gott dich früher aus großen Nöten erlöst hat, so ist dein gegenwärtiges Leiden dagegen nur mit Simsons Durst zu vergleichen, und der Herr läßt dich nicht verschmachten, noch gibt Er zu, daß die Tochter des Philisters über dich frohlocke. Der Leidensweg ist der Weg zum Himmel, aber es gibt auf dem ganzen Weg überall erfrischende Quellen. So muntere denn dein Herz auf, lieber heimgesuchter Bruder, an den Worten Simsons, und zähle zuversichtlich darauf, daß Gott dich über ein kurzes erlösen wird.

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 13.12.2012 15:03

A.Christlieb Der Brunnen des Anrufers »Da ihn aber sehr dürstete, rief Simson den Herrn an und sprach: Du hast solch großes Heil gegeben durch die Hand deines Knechtes; nun aber muß ich Durstes sterben und in der Unbeschnittenen Hände fallen. Da spaltete Gott die Höhlung in Lehi, daß Wasser herausging; und als er trank, kam sein Geist wieder, und er ward erquickt. Darum heißt er noch heutigentags des "Anrufers Brunnen", der in Lehi ist. Und er richtete Israel zu der Philister Zeit 20 Jahre« (Richt. 15, 18-20).

Simson hat tausend Philister erschlagen. Nun hat er die Waffe weggeworfen. Da überfällt ihn der Durst. Er liegt am Boden und betet: »Du hast durch die Hand deines Knechtes Heil gegeben; nun muß ich vor Durst sterben.« Da spaltet Gott eine Höhlung. Wasser fließt heraus, und Simson lebt wieder auf. »Brunnen des Anrufers« heißt der Ort bis zu dem heutigen Tag. Es gibt gottlob manche Plätze, die den Namen verdienen: »des Anrufers Brunnen«.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Shalom
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Beitragvon Shalom » 15.12.2012 05:43

1. Ein Mann, der verschmachtet, schreit

Da liegt Simson verschmachtend am Wege. Er hat scheinbar nicht mehr die Kraft, sich bis zur nächsten Wasserstelle zu schleppen. Er fürchtet, sterben zu müssen und in der Philister Hände zu fallen. Da bleibt nur ein Ausweg: er schreit nach oben, er ruft den Herrn an und sagt ihm seine Not und sagt ihm auch, wieviel der Herr doch früher an ihm und durch ihn getan hat. Man denkt oft, Knechte Gottes, die »tausend erschlagen haben«, seien vor persönlichen Durstzeiten völlig sicher. Nein, dem ist nicht so! Der Herr hat Großes durch Simson getan; aber nun ist seine eigene Seele jämmerlich daran. Von oben betrachtet, ist es aber doch eine köstliche Lage, denn es bleibt ihm gar kein Ausweg übrig als Schreien zum Herrn. Er ruft den Herrn an. Er ruft aus der Not des brennenden Durstes heraus. Solches Anrufen ist köstlich. Solche Zeiten erfahren Christen vor Pfingstsegnungen. Da gilt es, den Namen Gottes aus brennendheißem Verlangen anzurufen: »Du hast Heil gegeben, nun muß ich vor Durst sterben.« Solch heißes Flehen geht auch heute noch voraus, wo ein »Brunnen des Anrufers« von Gott geschenkt wird. Wir wissen nicht, wie lange Simson rief, nur der Inhalt seines Gebetes ist kurz zusammengefaßt. Welch heiße Inbrunst klingt aus dem Flehen! Genauso kann es uns zumute werden in geistlichen Nöten: Wenn Gott nicht eingreift, komme ich einfach um.

Shalom
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Beitragvon Shalom » 16.12.2012 04:18

2. Ein »Anrufer« erfährt eine wunderbare Erquickung

Nach diesem heißen Gebet folgt ein einfaches, aber herrliches Wunder Gottes: »Da spaltete Gott die Höhlung in Lehi, daß Wasser herausging.« Gott spaltete. Niemand sonst konnte es. Wer hätte die rechte Stelle in jener Höhlung treffen können? Gott allein kannte sie. Er spaltete die Höhlung bei Lehi. Wenn er doch auch all die Felsen an den vielen toten, dürren Orten spalten wollte! Wäre bei Lehi kein Anrufer gewesen, die Gegend dort wäre vielleicht dürre und trocken geblieben bis heute. Wie wertvoll ist ein einziger Anrufer in einer öden, dürren Gegend, wo noch kein Leben ist! An manchen Orten sitzen Missionare in dürrer, trockener Gegend, wie bei Lehi. Aber wenn Missionare Anrufer sind, dann kommt oft gar bald ein lieblicher Gnadenstrom in die Gegend! Jener »Brunnen des Anrufers« ist ein irdisches Vorbild von Pfingstsegnungen. Gott will ganz gewiß an vielen Orten noch solche Brunnen schenken, wenn nur die Anrufer da sind. Melde dich nicht schleunigst vom dürren Tal weg in eine bessere Gegend, die mehr einbringt, sondern bleibe im Steintal, bis ein Brunnen des Anrufers dort entstanden ist! Als Gott die Höhlung gespalten hatte, da trank Simson und lebte wieder auf. Wenn schmachtende Christen nach neuen Erquickungen rufen, so kann Gott herrlich erhören. Simson war in Not. Er bat nicht um einen »Genuß«! Nein, ihm war so jämmerlich zumute in jener Stunde wie vielleicht noch nie in seinem ganzen Leben. Zu der Stunde gab Gott jene wunderbare Segnung und Erquickung, wie ihm vielleicht auch noch nie in seinem Leben eine solche geschenkt worden war. Sein Geist, der schon fast einschlafen wollte, kam wieder. Der Platz blieb bedeutsam für sein ganzes Leben. Er bekam den Namen »Brunnen des Anrufers«. Sein heißes, inbrünstiges Flehen erhielt ein Denkmal in dem Namen. Nie vergaß er, wie er damals aus wirklicher Not heraus gebetet hatte. Auch Gottes Freundlichkeit bekam ein Denkmal in dem Namen. Solche Plätze vergißt man nie in seinem Leben, wo es einem zumute war, als müsse man sterben und wo dann eine wunderbare Erquickung und Segnung von oben folgte. Der Brunnen scheint geblieben zu sein, so daß noch viele da tranken, und darum »heißt er Brunnen des Anrufers bis auf den heutigen Tag«.

Shalom
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Beitragvon Shalom » 17.12.2012 05:33

3. Viele haben am Segen teil

Wer kann die Segnungen ermessen, die von solchen Orten jahrzehntelang ausgehen, wo solch ein Anrufer gelebt hat und ein »Brunnen des Anrufers« entstanden ist? Diese Gegend bei Lehi, die man früher mied, weil sie so trocken, so dürr, so langweilig war, die wurde jetzt von manchen aufgesucht. Warum? Es war ein Brunnen dort entstanden, ein Brunnen des Anrufers. Viele tranken jetzt dort, ohne die Not und das Anrufen des Simson durchgemacht und ausgekostet zu haben. Wir dürfen das Wort hinzunehmen aus Psalm 84, 6 u. 7: »Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln, die durch das Jammertal gehen und machen daselbst Brunnen!« Möchten viele »Brunnen des Anrufers« entstehen, wo es noch dürr ist! Wie köstlich muß es für Simson gewesen sein, wenn er wieder auf diesen Platz blickte, wo sich nach seinem heißen Gebet die Höhlung gespalten hatte und nun ein lieblicher, kühler Quell hervorsprudelte, der den müden Pilger erquickte. Der Weg, wie auch bei uns solch ein Brunnen des Anrufers entstehen kann, ist in Johannes 4, 14 angegeben. Jesus sagt dort: »Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.« Viel Wasser trinken, das Jesus gibt! Der schönste »Brunnen des Anrufers« ist der, den Jesus geöffnet hat in Gethsemane und auf Golgatha. Da war seine Seele betrübt bis in den Tod. Da hat er Gebet und Tränen mit Geschrei geopfert. Da ist ein Brunnen des Anrufers entstanden, der die Not vieler Tausender von verschmachtenden Menschen gestillt hat bis auf den heutigen Tag. Da ist der rechte »Brunnen des Anrufers«. Wer da erquickt und gelabt ist, kann selber durchs Jammertal gehen und daselbst Brunnen graben. Gott schenke uns das!

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Beitragvon Shalom » 18.12.2012 08:17

A.Christlieb

Der Brunnen heißt noch heutigentags: des Anrufers Brunnen, der zu Lehi ist. Richter 15, 19


Der Kampf gegen die 1000 Philister hatte Simsons Kraft erschöpft. Ein brennender Durst plagte ihn. Er sank zu Boden und betete: ,,Du hast Heil gegeben, nun muß ich Durstes sterben." Da spaltete Gott eine Höhlung. Eine Quelle sprudelte hervor. Simson trank und lebte wieder auf. Brunnen des Anrufers heißt diese Quelle bis auf den heutigen Tag. - Es gibt dürre Orte, an denen man verschmachtend am Boden liegt. Wird man aber zum Anrufer, dann kann solche Durststelle zum Brunnen werden. Oberlin kam ins Steintal. Wie jämmerlich sah es da aus: Alles dürr, wie bei Lehi. Aber Oberlin war ein Anrufer, und Gott schuf Quellen. Das Steintal wurde nach und nach ein Garten Gottes. - Niemand sollte verzagen, wenn ihm sterbenselend zumute ist. Gott leitet manchmal die Wunder seiner Hilfe ein, indem er uns in jämmerliches Elend versetzt. Er will, daß wir schreien lernen. Wandle nur dein brennend heißes Verlangen in Anrufung Gottes, in flehendes Schreien: ,,Du hast Heil gegeben, nun muß ich vor Durst sterben!" Es wird auch bei dir heißen: ,,Da spaltete Gott die Höhlung, daß Wasser herausging." - Ein einziger Anrufer kann für eine ganz öde Gegend Belebung durch Gott erlangen. Fast immer geht es dabei durch hoffnungslose Nöte. Nie mag es dem Simson so jämmerlich zumute gewesen sein, als damals bei Lehi. An keiner Stelle mag man aber auch so dankbar seiner gedacht haben als dort. Die Stadt war gerettet, und die wasserlose Gegend hatte eine Quelle erhalten: Des Anrufers Brunnen! Psalm 84, 6 f. sagt: ,,Wohl den Menschen, die Gott für ihre Stärke halten und von Herzen ihm nachfolgen, die durch das Jammertal gehen und machen daselbst Brunnen." - Möchten viele Brunnen des Anrufes entstehen, wo es jetzt noch dürre ist!

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Beitragvon Shalom » 19.12.2012 05:46

A.Christlieb

Simson ging nach Gaza und sah daselbst eine Hure und kam zu ihr. Richter 16, 1


Welches widernatürliche Bild: Ein Mann Gottes, der eben erst ein Wunder herrlicher Gotteshilfe erlebt hat, ein Mensch voller Kraft und Glauben, ein Richter und Retter Israels, ein Mann, getrieben vom Geist Gottes: So ein Mann in den Fängen einer Hure! Nur mit tiefster Wehmut kann man dieses Bild betrachten. Wie ist es nur möglich, daß er so zu Fall kommen konnte? - Erschütternde Gegensätze treten in Simsons Leben zutage. Der Mann ist so stark und doch so schwach. Er ist so stark, daß er ein schweres Stadttor aus den Angeln heben und wegzutragen vermochte. Wer könnte stärker gewesen sein, als Simson? Und dieser Riese an Kräften ist so schwach, daß eine schlechte Frau ihn gängeln kann! - Sodann: Dieser Mann kann sich frei bewegen, kann hingehen, wo er Lust hat. Er hat es gewagt, ganz allein in Gaza, die Hauptstadt seiner Feinde, einzudringen. Alles wich wie von Angst gelähmt vor ihm aus. Und derselbe Mann ist so unfrei und gebunden, daß der Blick einer Dirne ihn bannt! Die Macht der Leidenschaft bindet ihn stärker als eiserne Ketten! Er sieht die Dirne. Er geht zu ihr. Er kommt nicht wieder von ihr los. - Und endlich: Wie hoch steht dieser Mann und doch wie tief. Er steht hoch. Er ist ein Verlobter Gottes, Richter, Retter und Heiland des Volkes. Und doch lebt er in solchen Tiefen. Er wälzt sich im Schlamm der Unzucht. - Der Abschluß seines Lebens aber ist versöhnend. Gott läßt ihn schwerste Bestrafung durchleiden. Man sticht ihm die Augen aus. Man bindet ihn in Ketten. Eine Eselsmühle muß er treiben lebenslang. Zuletzt aber kehrt er zurück zu Gott und scheidet als begnadigter Beter. Gottes Erbarmen ist stärker als unsere Sünde!

Shalom
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Beitragvon Shalom » 20.12.2012 05:47

C.H.Spurgeon

,,Lieber, sage mir, worinnen deine große Kraft sei." Richt. 16, 6.



Worin liegt die geheime Kraft des Glaubens? Sie liegt in der Nahrung, von welcher sie lebt; denn der Glaube forscht, was die Verheißung ist: ein Ausfluß der göttlichen Gnade, ein Überströmen des großen Herzens unsres Gottes; und der Glaube spricht: ,,Mein Gott hätte diese Verheißung nicht geben können, es sei denn aus Gnade und liebendem Erbarmen; darum ist es völlig gewiß, daß sein Wort erfüllt wird." Dann denkt der Glaube: ,,Wer gab die Verheißung?" Es kommt hier nicht sowohl auf ihre Größe an, als: ,,Wer ist der Urheber?" Er erwägt, daß dieser Urheber Gott ist, der nicht lügen kann, Gott, der Allmächtige, Gott, der Unwandelbare; und daraus schließt er, daß die Verheißung erfüllt werden muß, und in dieser festen Überzeugung wandelt er weiter. Er erinnert sich, wozu die Verheißung gegeben ward: nämlich zur Verherrlichung Gottes, und er fühlt die völlige Gewißheit, daß Gottes Ehre nicht wanken könne, daß Er sein Wappen nicht werde verunglimpfen, noch den Glanz seiner Krone werde verdunkeln lassen; und darum wird und muß die Verheißung feststehen. Dann betrachtet der Glaube auch das staunenswürdige Werk Christi als einen klaren Beweis von des Vaters Absicht, sein Wort zu erfüllen. ,,Welcher auch seines eignen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat Ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte Er uns mit Ihm nicht alles schenken?" Weiter siehet der Glaube auf das Vergangene, denn seine Kämpfe haben ihn gestärkt, und seine Siege haben ihn ermutigt. Er gedenket, daß Gott ihn nie verlassen hat; ja, daß Er auch nie ein einziges seiner Kinder vergessen hat. Er schaut zurück auf die Zeiten großer Not, wo die Erlösung kam; auf die Stunden schrecklicher Gefahr, wo seine Tage waren wie seine Kraft; und er ruft aus: ,,Nein, nie will ich mich dem Gedanken hingeben, daß Er sich ändern und nun seinen Knecht verlassen kann. Bis hierher hat mir der Herr geholfen, Er wird auch weiter helfen." So schaut der Glaube jede Verheißung an nach ihrem Zusammenhang mit Dem, der sie gegeben hat, und darum spricht er voller Zuversicht: Wahrlich, ,,Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar." ,,Denn Gott, der Herr, ist Sonne und Schild, der Herr gibt Gnade und Ehre, Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen."

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Beitragvon Shalom » 21.12.2012 04:40

J.Kroeker Vom Versagen unseres Glaubens.

"Und sie ließ ihn auf ihrem Schoß einschlafen und rief einen Mann, der schor ihm die sieben Locken seines Hauptes ... Da sprach sie zu ihm: Philister über dir, Simson! Als er nun von seinem Schlaf erwachte, gedachte er: Ich komme davon wie immer und brauche mich nur zu schütteln." Richt. 16,19 f.


Israel erlitt, nachdem Simson als Gottgeweihter am Busen der Philisterdirne seine Locken und seine innere Kraft verloren hatte, Niederlage um Niederlage. Das Volk göttlicher Berufung und Offenbarung, das Gott sich zu einem Gewissen in der Welt und zu einem Propheten für die Nationen erziehen wollte, versagte. Es gibt kein traurigeres Bild als den Anblick einer versagenden Gottesgemeinde, aus deren Wort und Handlung das erschütternde Bekenntnis spricht: "Und seine Kraft wich von ihm! Er wusste aber nicht, dass der Herr von ihm gewichen war."

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Beitragvon Shalom » 22.12.2012 07:09

Alle späteren Versuche Simsons, auch ohne den Herrn jene Stricke zu zerreißen, durch welche die Philister ihn gefesselt hatten, waren vergeblich. Er blieb bis an seinen Tod ein Gefangener der Feinde seines Volkes. Geweihte Gottes, wie Simson es war, leben in ihrem Dienst und in ihrem Kampf nicht von Kräften, die sie auch ohne Gott in sich tragen. Das Geheimnis ihrer Stärke liegt in dem dauernden Handeln Gottes durch sie. Muss der Herr sich mit seinem Handeln erst aus ihrem Leben zurückziehen, dann bemühen sie sich vergeblich, die Fesseln der Welt von sich zu werfen. Alles Schütteln, und mag Simson es nachher genau so tun, wie er es vordem getan hat, machte ihn nicht wieder frei für den Dienst an seinem Volk.

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Beitragvon Shalom » 23.12.2012 05:09

Weit mehr als einst ein Simson ist die gegenwärtige Kirche Jesu Christi in ihrem Kampf und Dienst abhängig von der Gegenwart und dem Wirken ihres Herrn. Wie oft aber glich auch ihr Leben im Verlauf ihrer Geschichte dem Leben eines Simson, der am Busen einer Philisterdirne seine Locken verlor. Sie glaubte, ohne Verlust ihrer heiligsten Güter, die Liebe der Welt teilen zu dürfen. Sie begab sich in schwerste Versuchungen, da sie annahm, in ihrer Glaubenskraft für immer Herrin aller Fesseln des Feindes sein zu können. Eines Tages schüttelte sie sich jedoch wie vordem, d.h. ebetete wie vordem, evangelisierte wie vordem, predigte wie vordem, pflegte Vereine wie vordem, blieb bekenntnistreu wie vordem, und doch überwand sie die Fesseln der Welt nicht mehr. Der Herr war aus ihrem Leben und Dienst gewichen.

Hinfort teilte ihr Leben die Schmach Simsons. Er blieb ein Gefesselter der Philister. Er verlor seine Augen. Seine Kraft wurde in der Tretmühle der Feinde verbraucht. Ein Leben, das Gott geweiht war, sah sich gezwungen, sich im Dienst der Welt zu verzehren. Es blieb hinfort fruchtlos für den Ausbau der Königsherrschaft Gottes auf Erden und ging mit in einem Gericht unter, das Simson zuletzt noch über einen Teil der Philister heraufbeschwor.

Shalom
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Beitragvon Shalom » 24.12.2012 07:55

A.Christlieb

Zu der Zeit war kein König in Israel, und jeder tat, was ihn recht deuchte. Richter 17, 6


Das 17. Kapitel des Richterbuches erzählt uns mehrere abschreckende Beispiele frommer Leichtfertigkeit. - Da ist zunächst eine Mutter, der 1100 Silberlinge gestohlen wurden. Sie merkt es und spricht über den Dieb einen Fluch aus. Ihr Sohn Micha hört diesen Fluch und gesteht, daß er der Dieb sei. Die Mutter spricht unmittelbar danach: ,,Gesegnet sei mein Sohn dem Herrn." Der also mit frommem Geschwätz gesegnete Sohn hat nichts Eiligeres zu tun, als die 1100 Silberlinge in ein Götzenbild zu verwandeln, und dasselbe in seinem Haus aufzustellen. Diesem Paar leichtfertig ,,Frommer" tritt würdig zur Seite ein junger Levit aus Bethlehem. Er war aufs Geradewohl von zu Hause weggewandert, ,,wo er hin konnte'' (V. 8). Zufällig trifft er mit Micha zusammen. Der hört, daß der junge Mann Levit ist. Sofort bietet er ihm lebenslängliche Anstellung in seinem Haus als Götzenpriester an. Unbedenklich nimmt der Levit das Angebot an und Micha gibt all diesem leichtfertigen Handeln die Weihe mit den frömmelnden Worten: ,,Nun weiß ich, daß der Herr mir wohltun wird, weil ich einen Leviten zum Priester habe" (V. 13). - Ihr lieben Eltern! Hütet euch vor Leichtfertigkeit in der Erziehung! Kein leichtfertiges Fluchen. Kein nichtiges Segnen! Nicht Strafe verhängen und im nächsten Augenblick wieder aufheben! - Und ihr jungen Leute! Nicht so leichtfertig drauflos wandern! Nicht folgenschwere, lebenslängliche Verbindungen eingehen, vor allem nicht mit Familien, die irgendwie den Götzen dieser Welt dienen! Und besonders: Die Hände weg von ,,Reichsgottesarbeit", wenn die Triebfeder dazu nur ist, auf bequeme Weise seinen Lebensunterhalt zu verdienen! - Vor frommer Leichtfertigkeit und Schwätzerei werden wir nur bewahrt, wenn es uns ein ernstes Anliegen ist, mit Paulus zu fragen: ,,Herr, was willst du, daß ich tun soll?"


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