Wie kommt man zum Glauben, und was ist Glaube?

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Jörg
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Wie kommt man zum Glauben, und was ist Glaube?

Beitragvon Jörg » 14.12.2012 08:57

C.O.Rosenius schreibt über das Wort "Höret, so wird eure Seele leben!" (Jesaja 55, 3):

Sieh hier, wie der Prophet die Hauptlehre der ganzen Schrift bestätigt, daß wir durch den Glauben vor Gott gerecht werden. Paulus sagt: ,,Der Glaube kommt aus der Predigt"; und Jesus sagt: ,,Ihr seid rein durch Mein Wort. Ihr habt nicht mehr getan, als Meine Rede gehört; dann ist der Glaube in euren Herzen entstanden, und darum seid ihr rein." Das sagt derselbe Christus, der am Jüngsten Tag richten wird. Da die Schrift nun alle Seligkeit nur an das kurze Wort ,,Glaube" knüpft, wollen wir jetzt unsere ganze Aufmerksamkeit auf den einzigen Punkt richten: ,,Wie kommt man zum Glauben, und was ist der Glaube? Jeder erweckte, heilsuchende Mensch hat schließlich um diesen Punkt all seine Bekümmernisse, und seine ganze Seligkeit hängt von dieser Frage ab.

Vernimm denn, was der Geist des Herrn spricht: ,,Höret, so wird eure Seele leben!" Der Glaube kommt aus dem Hören. Er kommt nicht von selbst. Es ist der Irrtum und Schaden aller Erweckten, daß sie nur denken und immer wieder denken, aber nicht hören, was Gott sagt. In dieser Weise entsteht der Glaube nicht, auch nicht durch bloßes Wünschen und Warten auf den Heiligen Geist, auch nicht durch Arbeit am Herzen, um es zum Glauben zu bringen. Jesus sagt: ,,Durch Mein Wort". Halte still und höre, wie Gott redet. Fasse Ihn beim Wort und baue darauf, daß Er nicht lügt, mag es mit deinem Verdienst und mit deiner jämmerlichen Bekehrung auch so übel aussehen, wie es kann, und mag sie in deinem Herzen so wenig gefühlt werden, wie sie wolle. Kannst du nur Gott beim Wort nehmen und mit dem Glauben des Herzens Sein Zeugnis von Christus umfassen, dann hast du zugleich auch den ganzen Heiland und alles, was Er uns erworben hat. Beachte, wie köstlich der Apostel Röm. 10, 6-9 davon redet: ,,Die Gerechtigkeit aus dem Glauben spricht also: ,Sprich nicht in deinem Herzen: Wer will hinauf gen Himmel fahren?' (Das ist nichts anderes, denn Christus herabholen.) Oder: ,Wer will hinab in die Tiefe fahren?' (Das ist nichts anderes, denn Christus von den Toten holen.) Aber was sagt die Schrift? ,Das Wort ist dir nahe, nämlich in deinem Mund und in deinem Herzen. Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen'." Höre solche Lehre! Der Apostel will sagen: Blicke nicht hierhin und dorthin nach Christus, spähe nicht hinaus in ungewisse Räume, in eine dunkle, unendliche Ferne! Was sagt die Schrift? Das Wort ist dir nahe! Höre, du hast das Wort - das Wort vom Glauben! - Ja, aber Christus? Hörst du nicht? Du hast das Wort! Nimm das Wort, so hast du Christus! Dir scheint, daß Christus so fern ist, als wäre Er im Himmel oder in der Tiefe; du weißt nicht, wo Er ist, oder wie und wann Er dein werden soll. Du streckst dich in eine unbestimmte Ferne nach Ihm, aber das brauchst du nicht, sagt der Apostel. Das Wort ist dir nahe, nämlich das Wort vom Glauben. Umfaßt du das Wort, so umfaßt du Christus. Denn in demselben Augenblick, in dem das Wort von Christus in deinem Herzen Raum erhält, hast du Ihn mit Seinem ganzen Verdienst, ja, mit allem, was das Wort enthält. In dieser Weise errettet uns der Glaube. Gott gibt dir ein Wort, du umfaßt es, und augenblicklich hast du das, was das Wort enthält und verspricht.

Eben dieses wollte Jesus uns lehren, als Er umherging und allen nur mit einem Worte half. Er sprach ein Wort, sie glaubten an dasselbe, und sofort geschah es. Besonders lehrreich ist das Beispiel des Königischen bei Joh. 4, 47-54. Sein Sohn lag im Sterben. Da ging er zu Jesus und bat ihn zu kommen und seinen Sohn zu heilen. Jesus dagegen strafte seinen Unglauben und sagte: ,,Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht." Dennoch wiederholte der Königische sein Begehren. Und auch jetzt ging Jesus nicht mit ihm. Er gab ihm stattdessen ein Wort und sprach: ,,Gehe hin, dein Sohn lebt." Der Mensch glaubte dem Wort und ging hin. Er war aber seinem Heim so fern, daß er erst am anderen Tag seinen Knechten begegnete, die ausgesandt waren, ihm zu melden: ,,Dein Sohn lebt!" Und als er nach der Stunde forschte, in welcher es besser mit ihm geworden war, da merkte er, daß es gerade um die Stunde war, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: ,,Dein Sohn lebt", also in der Stunde, in der er das Wort mit dem Glauben umfaßte.

Erkenne hier, was es heißt, ,,im Glauben zu wandeln". Der Mann bekam nichts zu sehen. Jesus ging nicht mit ihm, gab ihm auch kein Arzneimittel, das er tragen und worauf er blicken konnte. Er bekam gar nichts, was gesehen oder gefühlt werden konnte, sondern er erhielt nur ein Wort, und mit dem bloßen Wort ging er bis zum anderen Tag und mußte sich während der langen Nacht am Wort genügen lassen; danach erhielt er das Zeugnis durch die Knechte. In derselben Weise müssen auch wir uns an einem einzigen Wort dieses Herrn genügen lassen, im Glauben wandeln, wenn wir auch gar nichts von dessen Erfüllung sehen.

Es ist überaus wichtig, dies tief in unsere Herzen zu prägen. Denn es ist ganz unbegreiflich, welch langwierige und marternde Qualen es manche Christen kostet, von ihren Gefühlen loszukommen und das Geheimnis zu fassen, daß wir damit anfangen müssen, ein uns von Christus gegebenes Wort zu umfassen und darauf zu bauen. Wie oft will man doch zuerst etwas im eigenen Herzen fühlen und merkwürdige Erfahrungen des Geisteslebens erhalten, bevor man glauben will. Das aber darf mit uns nicht geschehen, wie jetzt gezeigt wurde.

"Dein Wort laß allerwege sein Die Leuchte unsern Füßen; Erhalt es bei uns klar und rein, Hilf, daß wir d'raus genießen Kraft, Rat und Trost in aller Not, Daß wir im Leben und im Tod Beständig darauf bauen."
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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