Andachten zum Buch Ruth

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Joschie
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Andachten zum Buch Ruth

Beitragvon Joschie » 28.12.2012 13:37

C.H.Spurgeon
Ruth 1, 14. ,,Arpa küßte ihre Schwieger, Ruth aber blieb bei ihr."


Beide Schwiegertöchter waren von Liebe zu Naemi erfüllt, und machten sich darum mit ihr auf den Weg, als sie ins Land Juda zurückkehrte. Aber es kam die Stunde der Prüfung und Entscheidung; Naemi stellte jeder von ihnen höchst uneigennützig alle die Nöten vor, die ihrer warteten, und bat sie, umzukehren in ihrer Mutter Haus und zu ihrer Freundschaft, damit ihnen dort ein neues, liebliches Los erblühen könnte. Zuerst erklärten beide, sie wollten mit ihr zu ihrem Volke gehen und ihr Los teilen; aber auf fernere Vorstellungen hin verließ Arpa schmerzlich bewegt und mit ehrerbietigem Abschiedskuß ihre Schwiegermutter, ihr Volk, ihren Gott, während Ruth sich von ganzem Herzen dem Gott ihrer Schwiegermutter zu eigen gab. Es ist etwas andres, die Wege des Herrn zu lieben, wenn sie gemächlich durch liebliche Gefilde führen, und etwas andres, mitten unter Leiden und entmutigenden Schwierigkeiten auf dem Pfad der Frommen auszuharren. Der ehrerbietige Kuß des äußerlichen Bekenntnisses ist wohlfeil und leicht, aber das treue Festhalten am Herrn, das sich im heiligen Ernst für Wahrheit und Heiligkeit bewähren muß, ist keine so geringfügige Sache. Wie steht's in dieser Hinsicht mit uns? Ist unser Herz auf Jesum gerichtet, ist unser Opfer mit Seilen unsrer Liebe an die Hörner des Altars befestigt? Haben wir die Kosten überschlagen, und sind wir ernstlich bereit, um des Meisters willen einen irdischen Verlust auf uns zu nehmen? Die Belohnung, die nachher folgt, ist ein unermeßlicher Gewinn, denn die Schätze Ägyptens können den Vergleich mit der Herrlichkeit nicht aushalten, die hernach an uns soll offenbar werden. Von Arpa verlautet nichts mehr; in bequemer Ruhe und götzendienerischer Freude welkt ihr Leben dahin in den Tod; Ruth aber lebt fort in der heiligen Geschichte und im Himmel, denn die Gnade hat sie eingepflanzt in den edlen Stammbaum, aus dem der König der Könige entsproßte. Selig sind unter den Weibern, die um Christi willen allem entsagen können; aber vergessen und ärger als vergessen sollen die sein, die in der Stunde der Versuchung ihrem Gewissen Gewalt antun und umkehren zur Lust dieser Welt. Begnügen wir uns doch nie mit dem bloßen Kuß der äußerlichen Andacht, sondern möge der Heilige Geist in uns also wirken, daß wir von ganzem Herzen unserm Herrn und Heiland anhangen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 02.01.2013 11:05

A.Christlieb

Heißet mich nicht Naemi, sondern Mara. Ruth 1, 20


Das Buch Ruth enthält im Gegensatz zum Richterbuch manche liebliche Geschichte. Es handelt von Naemi und ihrer Familie. Bethlehem war ihr Wohnort. Eine Teuerung kam in das Land. Es entstand Hungersnot. Die Familie wurde zur Auswanderung in das Moabiterland gezwungen. Das war ein notvoller dunkler Weg. Im fremden Lande mußten sie sich kümmerlich durchschlagen. Dann traf sie ein schwerer Schlag. Elimelech, Naemis Mann, wurde von schwerer Krankheit befallen. Er starb. Nun stand die Witwe mit den beiden Söhnen hilflos in der Fremde. Wacker schlug sie sich durch, bis beide Söhne heirateten. Für kurze Zeit hatte die Mutter es gut. Dann kam der schwerste Schlag: beide Söhne wurden krank, siechten dahin und starben! Es gab tränenschwere Zeit für Naemi und die beiden jungen Frauen; denn damals gab es weder Armenfürsorge noch Witwenunterstützung. Doch Gott hatte für Naemi einen guten Trost. Die beiden Schwiegertöchter waren ihr in Liebe zugetan. Naemi konnte ihnen das gute Zeugnis ausstellen: ,,Ihr habt Barmherzigkeit an den Toten und mir getan" (V. 8). Tiefe Freude war es da für Naemi, daß beide Schwiegertöchter sich mit ihr auf den Weg machten, um in die alte Heimat zurückzuwandern. Wohl kehrte die eine von ihnen wieder heim zu ,,ihrem" Gott und ,,ihrem" Volk. Aber Ruth, die andere sprach: ,,Wo du hingehst, da will ich auch hingehen. Dein Volk ist mein Volk, dein Gott ist mein Gott. Nur der Tod soll mich und dich scheiden." - Es ist wohl die schönste Freude für eine Schwiegermutter, wenn sie sieht, wie eine von Haus aus heidnische Schwiegertochter durch sie zu dem Glauben an den lebendigen Gott geführt wird. - Wohl uns, wenn Gott auch uns durch Licht und Schatten, Freud und Leid, Wohl und Wehe an die von ihm uns gesteckten Ziele führt.

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 03.01.2013 06:14

C.H.Spurgeon

,,Laß mich aufs Feld gehen und Ähren auflesen." Ruth 2, 2.


Niedergeschlagener und betrübter Christ, komm und lies heute auf in dem weiten Erntefeld der Verheißungen. Hier liegen reiche Vorräte köstlicher Zusagen, die ganz auf deine Bedürfnisse berechnet sind. Nimm die folgende: ,,Das zerstoßene Rohr wird Er nicht zerbrechen, und das glimmende Docht wird Er nicht auslöschen." Paßt das nicht ganz für dich? Ein Rohr, hilflos, unbedeutend, elend, schwach; ein zerstoßenes Rohr, aus welchem sich kein Ton locken läßt; schwächer als die Schwachheit selber; ein Rohr, und dies Rohr ganz zerstoßen, und dennoch will Er dich nicht ganz zerbrechen; sondern Er will dich vielmehr stärken und wieder herstellen. Du bist wie ein glimmendes Docht: kein Licht, keine Wärme strömen von dir aus; aber Er will dich nicht gar auslöschen; Er will mit seinem sanften, belebenden Gnadenhauch dich anfachen, bis daß Er dich in Flammen ausbrechen sieht. Willst du gern eine andre Ähre auflesen? ,,Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." Was für liebliche Worte sind das! Dein Herz ist hart, und dein Meister weiß das, und darum spricht Er so sanft mit dir. Willst du Ihm nicht gehorsam sein und Ihm gerade in diesem Augenblick folgen? Nimm noch eine andre Kornähre: ,,Fürchte dich nicht, du Würmlein Jakob. Ich helfe dir, spricht der Herr, und dein Erlöser, der Heilige in Israel." Wie kannst du dich noch fürchten, wenn dir eine so wunderbare Zusicherung gegeben ist wie hier? Und so magst du zehntausend goldene Ähren sammeln wie diese: ,,Ich vertilge deine Missetat wie eine Wolke, und deine Sünde wie den Nebel." ,,Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden; und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbe, soll sei doch wie Wolle werden." Oder diese: ,,Höret, so wird eure Seele leben; denn ich will mit euch einen ewigen Bund machen, nämlich die gewissen Gnaden Davids." Oder diese: ,,Der Geist und die Braut sprechen: Komm. Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst." Unsers Meisters Kornfeld trägt gar reichlich; betrachte die Haufen; siehe, hier liegen sie vor dir, armer, verzagter Christ! Lies sie auf, eigne sie dir an, denn Jesus heißt dich zugreifen. Fürchte dich nicht, glaube nur! Erfasse diese lieblichen Verheißungen, dresche sie aus auf der Tenne deiner Betrachtung und genieße ihres Brots mit Freuden.

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 04.01.2013 08:07

A.Christlieb

Laß mich . . . Ruth 2, 2


Dreimal wird von Ruth berichtet, sie habe die beiden Wörtlein ,,Laß mich" gesagt. Die Gelegenheiten, bei denen sie so sprach, lassen einen Rückschluß zu auf ihren Charakter. Das erstemal sprach sie zu ihrer Schwiegermutter: ,,L a ß m i c h auf das Feld gehen und Ähren auflesen." - Es ist nicht allgemein üblich, daß ein erwachsener Mensch und vollends eine Schwiegertochter ihre Schwiegermutter um Erlaubnis bittet, wenn sie ausgehen oder irgendein Vorhaben ausführen will. Eine andere Person hätte gesagt: ,,Ich gehe jetzt auf das Feld, um Ähren aufzulesen." Sie hätte sich nicht im geringsten darum gekümmert, ob das der Schwiegermutter gefiele oder nicht. Ruth war bescheiden, höflich und zartfühlend. Sie beschämt viele christliche Frauen durch ihre demütige Unterordnung. - Auf dem Felde angekommen, bat sie den Aufseher über die Schnitter: ,,Laß mich auflesen und sammeln unter den Garben." In Israel war es durch das Gesetz Moses geboten, Armen und Fremdlingen auf dem Feld etwas übrigzulassen zum Auflesen. Durch Naemi wird Ruth davon gewußt haben. Trotzdem bittet sie um Erlaubnis. Sie ist demütig genug, das Armenrecht noch ausdrücklich zu erbitten. - In unseren Tagen werden selbst die Bettler oft frech und trotzig. Ruth blieb bescheiden. Solche Menschen sind hochgeachtet vor Gott. - Möchte all unser Stolz in den Tod gebracht werden! - Und endlich: Der Herr des Ackers, Boas, hat im Städtchen von der Ruth viel Lobenswertes gehört. Er trifft sie auf dem Felde und sagt ihr Worte hoher Anerkennung (V. 11 f.). Eine hochmütige Frau wäre bei solcher Lobrede kühn geworden. Ruth kann das Lob ertragen, ohne stolz zu werden. Sie spricht zu Boas: ,,Laß mich Gnade finden vor deinen Augen" (V. 13)! - Gott lasse uns klein werden und bleiben wie Ruth, dann wird Gottes Gnade und Segen uns nicht fehlen.

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Beitragvon Peter01 » 05.01.2013 07:55

C.H.Spurgeon

,,Sie las auf, den Schnittern nach, auf dem Felde. Und es begab sich eben, daß dasselbe Feld war des Boas, der von dem Geschlecht Eli-Melechs war." Ruth 2, 3.


Es begab sich eben. Freilich, es schien ein bloßer Zufall, aber wie wachte die göttliche Vorsehung so sorgfältig über dem allem! Ruth war fortgegangen, gesegnet von ihrer Mutter, unter der Obhut des Gottes ihrer Mutter, zu demütigender, aber ehrlicher Arbeit, und die Vorsehung Gottes leitete sie auf allen Schritten und Tritten. Wie wenig ahnte sie, daß sie unter den Garben auch ihren Mann finden würde, daß er sie zur Mitbesitzerin aller der weiten Ackergelände machen werde, ja, daß sie, die Fremde, in die Reihe der Vorfahren des großen Messias eintreten sollte! Gott ist sehr gütig gegen die, die auf Ihn vertrauen, und überrascht sie oft mit unerwarteten Segnungen. Wie wenig wissen wir doch, was uns morgen widerfahren mag; aber uns mag die liebliche Tatsache trösten, daß uns kein Gutes mangeln wird. Der Zufall ist verbannt aus dem Glaubensleben des Christen, denn in allem sieht er die Hand Gottes. Die kleinen Begebnisse von heute oder morgen können vielleicht Ereignisse von der größten Wichtigkeit herbeiführen. O Herr, handle mit Deinen Knechten doch auch so gnädig, wie mit Ruth. Wie selig wäre es doch, wenn sich heute abend, beim Umhergehen auf dem Acker der Erinnerung, begeben sollte, daß wir auf derjenigen Stelle auflesen, wo unser nächster Verwandter sich uns offenbaren will! O Geist Gottes, leite uns zu Ihm! Wir wollen lieber Ähren auflesen auf seinem Acker, als von dem Felde irgend eines andern den ganzen Ernte-Ertrag heimführen. Wo sind doch die Tritte seiner Herde, die uns zu den grünen Auen führen, wo Er weidet? Ach, wie öde und traurig ist doch diese Welt, wenn Jesus ihr mangelt! Wir könnten eher Sonne und Mond missen, als Ihn; aber wie göttlich-schön wird alles von der Herrlichkeit seiner Gegenwart verklärt! Unsre Seelen kennen die heilsame Kraft, die in Jesu wohnt, und können sich ohne Ihn nicht zufrieden geben. Wir wollen diesen Abend im Gebet verharren, bis daß es sich begebe, daß wir lesen auf einem Felde, welches unserm lieben Herrn Jesus gehört, und wo Er sich uns offenbaren will.

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Beitragvon Peter01 » 07.01.2013 07:51

D.Rappard

Du bist gekommen zu dem Gott Israels, daß du unter seinen Flügeln Zuversicht hättest. Ruth 2,12.


Ruth, die junge moabitische Witwe, kam auf wunderbaren Wegen in das Land der Verheißung, wurde dort reich gesegnet und sogar gewürdigt, eine Stammutter Jesu zu werden. Was hat ihr diesen Segen eingebracht? Es ist ausgesprochen in unserem Textwort. Sie war gekommen zu dem Gott Israels und hatte unter seinen Flügeln Zuflucht gesucht und gefunden. Ihre treue Anhänglichkeit an die schwergeprüfte Naemi war verbunden mit kindlichem Vertrauen zu Naemis Gott. Und solches Vertrauen wird nicht zuschanden.

Das ganze liebliche Buch Ruth ist voll zarter Hinweise auf Gottes Führungen. Es fängt an mit Teuerung und Tod und endet in eitel Freude und Segen. Auch heute klagt wohl manche Witwe und Mutter: Nennt mich nicht mehr Naemi (die Glückliche), sondern Mara (Bitterkeit); denn der Allmächtige hat mich sehr betrübt. Aber der Herr kann das bittere Leid versüßen und durch die herbe Arznei Heilung schaffen. Er kann das tiefe Dunkel in helles Licht verwandeln. - Manche fühlen sich vielleicht gerade beim Herannahen einer Festzeit doppelt einsam, fremd und unverstanden. O, so nehmt eure Zuflucht zu dem Gott Israels, der auch unser Gott und Heiland ist. Bergt euch in ihn. Da f i n d e t i h r die Heimat.

Herr, zu Dir steht mein Vertrauen, Daß kein Unheil mich erschreckt; Mit dem Schatten Deiner Flügel Sei mein wehrlos Haupt bedeckt.

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Beitragvon Peter01 » 08.01.2013 07:49

Ch.Spurgeon

"Dein Lohn müsse vollkommen sein von dem Herrn, dem Gott Israels, zu welchem du gekommen bist, um unter seinen Flügeln Zuflucht zu nehmen!" Ruth 2,12


Welchen Lohn bekommen die, welche unter den Flügeln des Herrn Zuflucht haben? Ich möchte darauf antworten, daß wir den vollen Lohn bekommen an dem Tage, wenn wir diesen Körper von Fleisch und Blut verlassen, das heißt in Christus entschlafen, damit unser Geist allezeit bei dem Herrn sei. In diesem Zustand werden wir schon vollkommene Glückseligkeit genießen, aber ein noch vollerer Lohn wartet unser, wenn der Herr wiederkommen und unseren Leib verklären wird. Dann werden wir dem Herrn Jesus gleich sein. Diese unaussprechliche Wonne ist der volle Lohn für die, welche Zuflucht unter den Flügeln des Herrn gesucht haben. Es gibt aber auch einen gegenwärtigen Lohn, und auf diesen bezieht sich Boas. Mögen der Leiden und Trübsale, die der Gläubige auf Erden durchzumachen hat, auch viele sein, so fehlt es ihm in dieser Welt doch nicht an Lohn. Die Gottseligkeit hat nicht nur die Verheißung des zukünftigen, sondern auch des jetzigen Lebens. Wer zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit trachtet, dem werden auch alle anderen Dinge zufallen. Wie werde ich von dem Herrn für mein Vertrauen belohnt? Zuerst durch den tiefen Frieden des Gewissens, den er mir geben wird. Könnte es wohl einen besseren Lohn geben? Wenn jemand sagen kann: Ich habe gesündigt, alle meine Sünden sind mir vergeben - ist solche Vergebung nicht eine unaussprechliche Gabe? Meine Sünden wurden auf Jesus gelegt, er trug sie hinweg, so daß sie auf ewig hinweggetan sind und ich völlig freigesprochen bin. Ist das nicht eine herrliche Versicherung? Das Herz, das durch die Macht des Blutes Jesu Christi gereinigt wurde, erfüllt eine tiefe Ruhe. Eine innere Stimme verkündigt ihm den Frieden Gottes, und der Heilige Geist versiegelt diesen inneren Frieden durch sein eigenes Zeugnis. Ruth gab durch ihr Kommen zum Gott Israels alles auf, aber im Grunde gewann sie alles. Ohne Aussicht auf Gewinn war sie Naomi gefolgt, aber indem sie das tat, was vor Gott recht ist, fand sie den Segen, der reich macht.

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Beitragvon Peter01 » 10.01.2013 09:37

C.H.Spurgeon ,,Und sie aß, und ward satt, und ließ übrig." Ruth 2, 14.

Jedesmal, wenn wir von dem Brot essen dürfen, das der Herr Jesus gibt, werden wir wie Ruth erquickt mit einer vollen und herrlichen Mahlzeit. Wenn Jesus uns bewirtet, geht kein Gast leer von seiner Tafel. Unser Haupt wird gesättigt von der köstlichen Wahrheit, die Christus uns offenbart; unser Herz findet Frieden in Jesu, dem unaussprechlich lieblichen Gegenstand unsrer Sehnsucht; unsre Hoffnung wird erfüllt, denn auf wen anders hoffen wir im Himmel, als auf unsern Jesus? und unser Verlangen wird gestillt, denn was können wir mehr und Größeres wünschen, als daß wir ,,Christum gewinnen und in Ihm erfunden werden?" Jesus beruhigt unser Gewissen, bis es vollkommen Frieden erlangt hat; Er erfüllt unsern Verstand mit der Überzeugung von der Gewißheit seiner Lehren, unser Gedächtnis mit den Erinnerungen an das, was Er getan und vollbracht hat, und unsre Einbildungskraft mit den Vorstellungen von dem, was Er noch vollenden will. Gleichwie Ruth ,,satt ward, und ließ übrig," so geht es auch uns. Wir haben tiefe Züge aus dem Becher seiner Gnade getan; wir haben gedacht, alle Gaben Christi in uns aufgenommen und erschöpft zu haben; aber siehe, es blieb noch immer ein Übriges ohne Maß. Wir haben an der Tafel der Liebe Christi gesessen und gesprochen: ,,Nichts als das Unendliche vermag mich zu sättigen; ich bin ein so großer Sünder, daß ich ein unendliches Verdienst bedarf zum Abwaschen meiner Sünden." Aber unser Hunger ward am Mahl der Liebe gestillt, und immer noch ist ein Übriges vom geistlichen Mahle. O, es gibt gewiß noch viel Liebliches im Worte Gottes, was wir noch nicht geschmeckt haben, und das wir noch eine Weile müssen unberührt lassen; denn wir haben es wie die Jünger, zu denen der Herr Jesus sprach: ,,Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen." Ja, es gibt noch Gnadengüter, die wir noch nicht erlangt haben; Stätten der innigen Gemeinschaft mit Christo, bis zu welchen wir noch nicht hindurchgedrungen sind; und Höhen der himmlischen Liebe, die unser Fuß noch nicht kennt. Bei jedem Mahl, das uns der Herr bereitet, bleiben noch viele Körbe voll Brosamen übrig. O, preisen wir doch die Gastfreundlichkeit und Freigebigkeit unsers herrlichen Boas.

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Beitragvon Peter01 » 14.01.2013 05:45



C.H.Spurgeon

,,Also las sie auf dem Felde bis zu Abend." Ruth 2, 17.


Wir wollen von Ruth, der Ährenleserin, uns heute lehren lassen. Wie sie hinausging, Ähren zu lesen auf dem Felde, so muß ich hinausgehen auf den Acker des Gebets, der Betrachtung, des Gottesdienstes, und das Wort hören, um geistliche Nahrung einzusammeln. Die Ährenleserin sammelte Ähre um Ähre für ihren Vorrat; der Lohn ihrer Arbeit wird ihr nur in kleinen Mengen nach und nach zuteil; so muß ich mich zufrieden geben mit dem Aussuchen einzelner Wahrheiten, wenn sich nicht eine große Fülle auf einmal darbietet. Jede Ähre trägt etwas mit bei zu einem Bündlein, und jede Belehrung aus dem Evangelium hilft, daß wir weiser werden zur Seligkeit. Die Ährenleserin hält ihre Augen offen; wenn sie träumend durch die Stoppeln schwankte, so müßte sie abends auf die Freude verzichten, einen Vorrat heimzutragen. Ich muß in meinen geistlichen Bemühungen mich wach erhalten, sonst bringen sie mir keinen Segen; ich fürchte, ich habe schon viel verloren. Ach, daß ich doch die Gelegenheiten recht schätzte und mit größerem Fleiße sammelte. Die Ährenleserin steht bei jeder Ähre still, die sie findet, und das habe auch ich mir zu merken. Hochfahrende Geister tadeln und verwerfen, demütige Seelen aber sammeln und empfangen Segen dabei. Ein einfältiges Herz ist eine große Hilfe, um des Evangelium mit Segen verkündigen zu hören. Das ausgestreute Wort, das die Seelen selig macht, wird nur von einem demütigen Herzen aufgenommen. Ein unbeugsamer Rücken ist ungeschickt zum Ährenlesen; herunter, Stolz, du bist ein schändlicher Räuber. Was die Ährenleserin sammelt, behält sie; ließe sie die eine Ähre fallen, um eine andre aufzuheben, so wäre die Frucht ihrer Tagesarbeit gar winzig; sie ist so sehr darauf bedacht, zu behalten als zu sammeln, und so wird zuletzt ihr Gewinn groß. Wie oft vergesse ich alles, was ich höre; die zweite Wahrheit verdrängt die erste aus meinem Gedächtnis, und so endigt mein Lesen und Hören in viel Lärmen um nichts! Fühle ich die Wichtigkeit recht tief, Wahrheiten zu bewahren in einem feinen und guten Herzen? Ich habe immer ein großes Bedürfnis, nur hilf Du, o Herr, daß ich es auch fühle, damit mich es vorwärts treibe und ich auf einem Acker lese, der dem Fleiße einen reichlichen Lohn gewähre.

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Beitragvon Peter01 » 15.01.2013 05:46

W.Nee

Er wird dir sagen, was du tun sollst. Ruth 3,4


Alle Israeliten sollten ihr Familienerbe behalten, von Josuas Zeiten bis zum Kommen Christi; daher die Rückgabe des in fremde Hände geratenen Besitzes im Jubeljahr. Und weil die Kontinuität des Besitzes nur gewahrt werden konnte, wenn der ursprüngliche Eigentümer Erben hatte, bestand ein weiteres Gebot: Wenn ein Mann starb und eine Witwe, aber keine Söhne hinterließ, mußte ein naher Verwandter die Witwe heiraten und die Familie fortpflanzen. Noomis Fall lag noch schlimmer. Verwitwet, war sie jetzt zu alt, um noch Kinder gebären zu können. Wie konnte das Erbe ihres verstorbenen Mannes zurückgewonnen werden? Ihre Schwiegertochter Ruth war willig, aber eine Fremde. Nur der betagte Boas war nahe genug verwandt, um helfen zu können. Würde er eine Ausländerin lösen? Denn Ruth war nicht damit aus der Not geholfen, daß jemand für sie ihre Ländereien zurückkaufte. Sie mußte geheiratet werden. Sie mußte sich selbst Boas darbieten.

Wenn wir uns Gott nicht darbieten, ist die Erlösung etwas Leeres, Steriles. Boas spendete Ruth mit Recht Lob, daß sie sich nicht den jüngeren und reizvolleren Männern zugewandt hatte, weil sie Gottes Gebot befolgen wollte. Ein Blick auf ihre Nachkommenschaft zeigt uns, wie reich sie dafür belohnt wurde. Sich Gott weihen bringt hohe Dividenden.

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Beitragvon Peter01 » 16.01.2013 05:42


A.Christlieb

Also nahm Boas die Ruth, daß sie seine Frau wurde. Ruth 4, 13


Die Heirat des reichen Bauern Boas mit einer völlig mittellosen Witwe kann einen verwundern. Boas war kein habgieriger Mensch, sonst wäre er diese Ehe nie eingegangen. Im 2. und 3. Kapitel wird hervorgehoben, in welch edler und reichlicher Weise er den Armen einen beträchtlichen Teil seiner Ernte überließ. Er war ein freigebiger Mann. Er klebte nicht - wie ein Nabal - an seiner Habe, sondern hatte Freude daran, wohlzutun und mitzuteilen. Wohl dem, der solche Gesinnung hat. Wer gerne gibt, wird reich gesegnet. - Weiter: Boas war ein züchtiger Mensch. Als Ruth in seiner Nähe schlief, lag für ihn die Versuchung nahe, sie anzutasten. Aber Boas überwand die Versuchung. Er hatte Ruth liebgewonnen, wollte aber vor einer geordneten Heirat keinen verbotenen Umgang mit ihr haben. Das war ein Edelsinn, der viele beschämt. - Die dritte Verzichtleistung bestand darin, daß Boas bereit war, die ganze Heirat aufzugeben, wenn der Mann, welcher nach damaligem Recht den ersten Anspruch auf das Erbteil und auf die Ehe mit Ruth hatte, sie begehrte. Boas war der Ruth von Herzen zugetan. Er wollte sie gerne ehelichen. Umso anerkennenswerter ist es von ihm, daß er keinen Schritt in dieser Sache tun wollte, wenn nicht vor Gott und Menschen alles in Ordnung war. - Wie beschämt Boas hier solche Menschen, die nicht genug eilen und drängen können, wenn es um die Eheschließung geht. - Die Verbindung des Boas mit der Ruth gehört zu den Ehen, die im Himmel geschlossen werden. Gebe Gott, daß solche Ehen in den Reihen der Christen zur Regel werden. Es ist das sonst ein dunkles Gebiet und Ursache für viele Entgleisungen und Lähmungen auch bei frommen Menschen. - Wohl dem, der dem Boas in seiner dreifachen Verzichtleistung ähnlich wird.

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Beitragvon Peter01 » 17.01.2013 05:46

A.Christlieb

Also nahm Boas die Ruth, daß sie seine Frau wurde. Ruth 4, 13


Das war eine Hochzeit, an der man sich freuen konnte! Da wurde nicht ohne Gott oder gar gegen Gottes Willen geheiratet, da wurde nicht mit Sünde und Schande begonnen. Diese Ehe, dem Worte Gottes gemäß geschlossen, war gesegnet und beglückend. Das Gesetz Moses befahl, wenn ein Ehemann kinderlos starb, sollte der nächste Verwandte die Witwe heiraten und den ersten Sohn nach dem Namen des Verstorbenen nennen. Dieser Bestimmung gemäß handelte Boas. Er hatte dadurch ein gutes Fundament für die Ehe, ein viel besseres, als wenn irdische Vorteile oder Sinnenlust ihn bestimmt hätten. - Diese Ehe darf auch deshalb eine gesegnete genannt werden, weil beide Teile in ihrer Herzensstellung und Gesinnung zueinander passen. Ein edler, freigebiger, keuscher Mann verband sich einer treuen, tugendsamen, dreimal demütigen Frau. Wohl solch einem Ehepaar! - Das wichtigste Band in der Ehe ist nicht die vergängliche Anziehungskraft des Fleisches, sondern die Harmonie der Seelen. Wo zwei in göttlicher Gesinnung eins werden, wo beide (Ruth 2, 12) zu dem gleichen Gott Israels kommen, um unter seinen Flügeln Zuflucht zu suchen, da kann man von einer gesegneten Ehe reden. - Und endlich, man kann diese Ehe eine köstliche nennen, weil sie im Einvernehmen mit allen beteiligten Personen geschlossen wurde. Boas hatte zuerst den näheren Verwandten, der eigentlich die Ruth hätte heiraten müssen, gefragt, ob er die Ehe eingehen wolle. Er hatte abgelehnt. Nun konnte Boas seiner Neigung folgen. Alle Ältesten des Ortes sprachen ihre Segenswünsche aus, und so war der Bund besiegelt. Bei Ruth wissen wir, daß die Schwiegermutter, an die Ruth zunächst gewiesen war, diese Verbindung wünschte und selber angebahnt hatte. - Wie anders ist das oft in unsern Tagen! Wie oft werden heimliche Verlöbnisse ohne oder gegen den Willen der Eltern geschlossen! - Möchten uns viele Ehen beschert werden, wie die zwischen Boas und Ruth.


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