Andachten zur Passionszeit!

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Joschie
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Andachten zur Passionszeit!

Beitragvon Joschie » 23.03.2013 19:22

C.O.Rosenius

Es war aber der Satanas gefahren in den Judas, genannt Ischariot, der da war aus der Zahl der Zwölf. Luk. 22, 3. C.O.Rosenius

Was wir aus diesem erschrecklichen Ereignis vor allem lernen sollen, ist dieses: Niemand darf sicher sein und denken: ,,Die Heuchler sind Heuchler, ein redlicher Christ aber hat nichts zu befürchten." Das Beispiel des Judas lehrt uns etwas anderes. Als er vom Heiland zum Jünger erwählt wurde, war er gewiß nicht das, was er später wurde. Wie viele haben im Geist angefangen und im Fleisch vollendet! Am Beispiel des Judas und an jedem anderen Sündenfall erkennen wir, wie leicht und bald es geschehen kann, daß ein Christ verloren geht. Besonders wenn in einer bösen Stunde der Teufel dich mit seinen listigen und starken Anläufen angreift und zu gleicher Zeit die Begierde des Fleisches entzündet und deinen Verstand verblendet, so daß die schrecklichsten Sünden dir nicht mehr im geringsten gefährlich, sondern sogar lieb, ja, notwendig erscheinen, - dann ist es bald geschehen, daß du fällst. Beachte dies!

Zu einer solchen Versuchungsstunde gehören vor allem drei Dinge: Die Sünde wird dir lieb und angenehm. Wenn du sie auch noch soviel betrachtest, kannst du unmöglich finden, daß sie gefährlich ist, sondern sie wird dir ganz gering und unbedeutend erscheinen. Und schließlich fängst du mit etwas ganz Geringem zu sündigen an und denkst dabei, daß ,,so wenig ja nichts macht". So war es, als die Schlange Eva mit ihrer Hinterlist betrog. Sie sprach: ,,Ihr werdet mitnichten sterben; es ist ja nur, einen Apfel zu essen, und ein Apfel ist doch nur ein Apfel. Dagegen aber werdet ihr viel gewinnen, nämlich nicht nur den Genuß der lieblichen Frucht, sondern auch einen vollkommenen Verstand." - Ebenso verführte sie Judas. Er fing mit kleineren Diebereien an, und da hieß es: ,,Ich nehme ja nur so wenig und nur dieses Mal" (für jedesmal) und - ,,es ist kein Unrecht, daß ich etwas für meine Mühe habe." Als der Teufel ihm dann ins Herz gab, daß er Jesus verraten sollte, war es ja so natürlich zu denken: ,,Dreißig Silberlinge sind nicht zu verachten - und keine Gefahr! Jesus ist erstens unschuldig und außerdem allmächtig; es kann Sein Leben nicht kosten - indessen habe ich einen guten Verdienst." Das hat Judas gewiß gedacht. Wer würde ihm gesagt haben, daß er am Tage nach der Tat so verzweifelt wäre, daß er hingehen und sich erhängen würde? Das glaubte er nicht, sondern er dachte nur daran, wie er sein Geld genießen könnte. Hätte er am Donnerstag, als Jesus ihn warnte, das geglaubt, was er am Tage danach erfuhr, dann wäre er gewiß vor dem Handel wie vor der Hölle zurückgebebt.

Ein jeder bedenke dies beizeiten und lerne die rechte Art der Sünde und des Teufels zu verstehen. Wenn du nämlich der Sünde und der Heuchelei nur in einem Fall und bei einer Gelegenheit Raum gibst, wirst du bald so verblendet, bezaubert und verstrickt werden, daß du nicht zu sehen und auch nicht die geringste Gefahr zu befürchten vermagst, und so wirst du allmählich Schritt für Schritt in dein äußerstes Verderben gehen. Ja, besonders: in einer solchen bösen, satanischen Bezauberungsstunde wirst du, wenn du die Sünde, zu der du versucht wirst, auf das gründlichste erwägen und betrachten willst, unmöglich etwas anderes sehen können, als daß sie gar nicht gefährlich, sondern gering und leicht wie eine Feder erscheint. Zu gleicher Zeit wird sie dir aber auch unendlich lieb und angenehm erscheinen. Dies sind die rechten Farben der Sünde in der Stunde der Versuchung, sowie auch die rechten Zeichen dafür, daß du in diesem Augenblick in einer Versuchung bist oder in einer Probe stehst, in der über das Wohl oder Wehe deiner unsterblichen Seele entschieden wird. Denn beginnst du jetzt zu heucheln und der Sünde zu folgen oder sie zu verbergen, dann ist es aus mit dir.

Die Heuchelei ist der güldene Schleier der Sünde und des Teufels, ohne den sie nichts ausrichten. Wahrlich, entferne die Heuchelei, und du wirst nie in einer Sünde verbleiben oder darin weiter leben können, sondern immer aus derselben aufstehen und errettet werden. Hätte Judas bekannt, was ihm der Teufel einflößte - wenn es auch nur vor einem der Jünger geschehen wäre -, dann wäre der Teufel sofort entwaffnet gewesen, und Judas wäre nicht länger in der Sünde verblieben. Dies ist ein Mittel, das schwer versuchte Christen zu allen Zeiten mit großem Segen gegen den Teufel angewandt haben. Darum gilt gerade hier die Ermahnung des Apostels: ,,Bekenne einer dem andern seine Sünden und betet füreinander, daß ihr geheilt werdet."

Alles dieses aber glaubt und bedenkt man selten recht, bevor man es nicht aus eigener trauriger Erfahrung gelernt hat, und dann ist es oft zu spät. Und was ist es, das man nicht glaubt? Es ist folgendes: In der Stunde der Versuchung ist man einer wirklichen Verblendung und Bezauberung unterworfen, so daß man sicher, ruhig und dreist wird und zu sehen wähnt, daß gar keine Gefahr vorhanden ist, während doch Leben und Seele auf dem Spiel stehen. Und wenn jemand das vorher auch glaubt, so erscheint ihm die Sünde in der Versuchungsstunde doch nicht gefährlich.

Hier sollte man doch billigerweise in Furcht geraten und mit den Jüngern fragen: ,,Wer kann dann selig werden?" Jesus antwortete darauf: ,,Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich." Solange wir in dieser Furcht und in diesem Trost verbleiben, können wir nie verlorengehen, sondern werden stets in der Hand Gottes sein. Er ist ein treuer Helfer und Hirte und sagt selbst: ,,Niemand wird sie Mir aus Meiner Hand reißen."

O Jesu, Du Hirte der gläubigen Herden, Ach hilf doch, daß wir Dir nicht abtrünnig werden; Du wolltest uns täglich im Glauben erneuen, Hilf, daß wir die Sicherheit ewiglich scheuen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 24.03.2013 21:52

C.O.Rosenius

Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Joh. 18, 36.

Wie ein Reich von dieser Welt ist, sehen wir mit unseren Augen. Es kommt ,,mit äußerlichen Gebärden", mit äußerer Pracht, mit äußerem Ansehen, mit leiblicher Macht, Heeren, Waffen, Titeln und allerlei Veranstaltungen, die diesem äußeren Leben dienen. Das Reich Christi dagegen ist ein geistliches, ein unsichtbares Reich, vor Menschenaugen verächtlich und elend. Es dient nicht diesem Leben, sondern unserem ewigen Heil und einer anderen Zeit.

Gegen unser allergrößtes Übel haben alle Reiche der Welt keine Hilfe. Die Sünde beugt die mächtigsten Könige unter ihre Gewalt. Der Teufel, ,,der Fürst dieser Welt", zwingt alle Könige und Fürsten, ihm zu dienen, wenn sie nicht zu Christus geflohen sind und von Ihm erlöst wurden. Vor dem Tod legt jeder König sein Zepter nieder und läßt sich still wegführen; ja, die ewige Verdammnis trifft ebenso den unbußfertigen König wie jeden anderen Menschen.

Gegen dieses ewige Übel haben alle Reiche der Welt keine Hilfe, gerade hier aber soll das Reich Christi uns dienen. Es hat zwar in der Welt kein Ansehen, vor den Augen der Menschen ist es elend und jämmerlich, wie sein König es auch war, als Er gegeißelt, verspottet und mit Schmach bedeckt vor Pilatus stand. Sein Reich erscheint also höchst elend. Es schützt nicht vor Verachtung durch die Welt, nicht vor der Unterdrückung durch die Menschen, nicht vor Kreuz und Leiden, nicht einmal vor Versuchungen und Anfechtungen durch die Sünde und den Satan, nein, es bringt eher alles das über uns. Aber vor dem Zorn Gottes und dem ewigen Tod schützt es. Von der Sünde, sowohl von ihrer Strafe als auch von ihrer Herrschaft, befreit es. Von der ganzen Herrschaft und der Übermacht des Teufels errettet es. Vor der Hölle und dem ewigen Feuer bewahrt es. Die Menschen, die an Jesus glauben und in Seinem Reiche sind, werden nicht ewiglich sterben, sondern, wenn der leibliche Tod diesem elenden Erdenleben ein Ende macht, werden sie erst recht zu leben anfangen, gleichwie Jesus gerade da zu Seiner Herrlichkeit einging, als Er starb. So ist Sein Reich, so Seine Meinung mit den Worten: ,,Mein Reich ist nicht von dieser Welt."

Dies aber müssen wir uns vor allem durch das Bild des Königs einprägen. Denn dazu sollte die tiefe Erniedrigung des Herrn Christus und Sein Leiden uns in so ergreifenden Zügen vor Augen gestellt werden, daß die Gläubigen zu allen Zeiten in Ihm ein Vorbild ihres eigenen Weges durch Leiden zur Herrlichkeit sehen sollten. Dieser Weg oder das Reich Christi auf Erden, wird uns oft so niederdrückend und so verwunderlich, daß auch seine erleuchtetsten Mitglieder unaufhörlich daran irre werden. Darum mußt du den König oft und gründlich als ein Beispiel der Art und Beschaffenheit des Reiches betrachten; übe dich darin, die großen Gegensätze bei Christus recht zusammenzuhalten, die Gegensätze zwischen dem Wesen und dem Aussehen. Sieh, welch eine herrliche Person. Und sieh, welch eine tiefe Erniedrigung, welch ein jämmerliches Aussehen! Der Person und der Wirklichkeit nach ist der ,,König der Ehren", der eingeborene Sohn des Vaters, dem der Vater auch als Mensch ,,alle Gewalt im Himmel und auf Erden" und ,,einen Namen gegeben hat, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle Knie derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters." So ist der König in Wirklichkeit. Aber sieh, was davon an Ihm gesehen wird! Er wird in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt. Er war während Seines ganzen Lebens ,,der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit", so arm, daß - während ,,die Füchse Gruben und die Vögel unter dem Himmel Nester haben - des Menschen Sohn nicht hatte, da Er Sein Haupt hinlegte." Und als Er Seinen bedeutungsvollen, von den Propheten vorausgesagten Einzug in Jerusalem hält, reitet Er auf einem geliehenen Füllen der lastbaren Eselin, die Kleider Seiner Jünger zum Sattel. Ist dieser Jesus der große König der Ehren, von dem die Propheten von Anfang der Welt an sangen? Ja, Er ist es, ,,der König der Ehren, mächtig im Streit." Dies aber war jetzt so vollständig verborgen, daß man sich nicht zu wundern brauchte, wenn alle Menschen versucht würden, über Seinen Königsnamen zu spötteln und zu sagen: Dann ist es gewiß ein Bettelkönig.

Aber Sein Reich ist ein Reich der schärfsten Gegensätze, der größten Ehre und Herrlichkeit vor Gott, des größten Elends aber vor uns und vor allen Menschen. Sein Reich ist ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, zugleich aber ist darin eine beständige Sünde und Unruhe, ein beständiger Streit. Seine Gläubigen sind vor Gott in größter Gnade und Ehre, sind nichts Geringeres als Gottes Kinder - ,,Meine Söhne und Töchter", spricht der allmächtige Herr. Ja, wir sind Christi Brüder und Miterben, die ,,leuchten werden wie die Sonne in unseres Vaters Reich" - und gehen doch hier auf Erden oft wie ganz von Gott verlassen einher, als wären wir wegen unserer Sünden unter Seinem Zorn. Wir sollten dann vielmehr der Gestalt unseres Königs eingedenk und darauf bedacht sein, daß die große Gnade und Herrlichkeit hier auf Erden unter allem Jammer und Elend verborgen sein soll, auf daß der Glaube eine beständige Übung habe!

Es glänzet der Christen inwendiges Leben, Obgleich sie von außen die Sonne verbrannt; Was ihnen der König des Himmels gegeben, Ist keinem als ihnen nur selber bekannt. Was niemand verspüret, was niemand berühret, Hat ihre erleuchteten Sinne gezieret, Und sie zur göttlichen Würde geführet.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 25.03.2013 16:41

C.Eichhorn
Nicht erhört und doch erhört Jesus sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel und stärkte Ihn. Luk. 22, 42.43

Der Vater konnte dem Sohn diese Bitte nicht gewähren. Er muß den Kelch trinken. Es gab keinen andern Weg zu unserer Erlösung als den einzigen, vor dem es den Heiland schauderte. Und doch wurde die flehentliche Bitte Jesu erhört. Er bekam eine himmlische Erscheinung. Ein Engel stärkte ihn. Schon die Lichterscheinung war eine Stärkung. Dies war die Antwort auf sein Gebet. Die Jünger sollten mit ihm wachen. Aber sie schliefen ein. Der Heiland mußte den schwersten Kampf allein durchkämpfen. Aber er war nicht allein. Der Vater ließ ihn nicht stecken. Er konnte ihn vor dem Leiden nicht verschonen, aber er gab ihm Kraft, daß er den schweren Weg vollbringen konnte. Der Druck auf die Seele war so furchtbar und die körperliche Anspannung so heftig, daß mit dem Schweiß Blut aus den Poren drang. Sein schon ganz erschöpfter Leib wurde von oben neu belebt. Der Heiland hätte den Leidensweg nicht antreten können, wenn er nicht leibliche Stärkung durch das "verborgene Manna" (Offb. 2, 17) empfangen hätte. Sodann befreite ihn der Vater von Angst und Grauen. Nicht der Tod als solcher war dem Heiland so schrecklich. Aber dieser Tod, der Verbrechertod am Kreuz, und der Gedanke, daß er in die Hände der Gottlosen übergeben werde, daß sie ihr Spiel mit ihm treiben dürfen, diese Aussicht legte sich zentnerschwer auf seine Seele, so daß er betrübt ward bis an den Tod. Doch er wurde von der Furcht befreit. Sie wich aufs Gebet ein wenig. Aber dann kehrte sie wieder. Er betete zum zweitenmal. Wieder wurde ihm leichter. Aber dann fiel die Angst ihm nochmals auf die Seele. Er flehte zum drittenmal. Dann war er ganz befreit. Er konnte getrost sprechen: "Laßt uns aufstehen und von hinnen gehen! Er ist da, der mich verrät!" Er floh nicht, er ging den Feinden entgegen wie ein Sieger.

So ist Jesus erhört worden, als er Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen zu Gott opferte, der ihm vom Tode aushelfen konnte, aber nicht durfte. Er ist errettet worden von der Todesfurcht. Er mußte des Todes Bitterkeit schmecken für uns. Er bekam aber die nötige Kraft von oben zu diesem schwersten Werk. Wie anbetungswürdig ist diese Erhörung Gottes! Unzählige erlöste Sünder preisen ihn nun, daß er den eingeborenen Sohn diesen Schmerzensweg gehen ließ, aber ihm auch durchhalf. Jesus selbst aber wurde auf diesem Weg vollendet und zur Rechten Gottes erhöht. Eben weil er sich bis zum Verbrechertod am Kreuz erniedrigte, wurde er erhöht über alles und erhielt eine unvergleichliche Machtstellung. So erhörte Gott nicht, um überschwenglich herrlich zu erhören.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 26.03.2013 20:02

S.Keller
Joh. 17, 20: «Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden.»

Da haben wir eine Fürbitte Jesu für uns, weil wir ja auch zu denen gehören, die durch das Wort der Apostel an ihn gläubig geworden sind. Wenn ein Mensch, den wir lieben und von dessen Glaubensstellung wir überzeugt sind, uns versichert, daß er für uns betet, so kann in dunklen Stunden und schweren Versuchungen die bloße Erinnerung an solche Fürbitte uns eine gewaltige Stütze und Hilfe sein. Oder man könnte auch sagen, daß in solcher Erinnerung uns die Kraft und die Erhörung der Fürbitte spürbar wird. Sollte das nicht in noch ganz anderer Weise der Fall sein, wenn wir uns des Fürsprechers beim Vater erinnern, der uns vertritt mit unaussprechlichem Seufzen! Mir ist wiederholt in besonderen Zeiten geistlicher Not diese Steigerung lebendig geworden; zuerst fiel mir ein, wie dieser und jener meiner Freunde für mich bete, und das fing an, mich aus meiner verzagten Stimmung herauszuheben; im nächsten Augenblick dachte ich an Jesu Fürbitte, und da war das stärkende Vertrauen wieder hergestellt, und der nächste und letzte Absatz war dann das Bewußtsein seiner Nähe. Die Dankbarkeit für das neue Erfahren der alten Treue Gottes strahlte über meinem Erdentag.

Herr Jesus, ich danke dir, daß du mich nicht hast versinken lassen, wenn ich in der größten Schwachheit meines Glaubens steckte. Stärke mir durch solche Erfahrungen den Glauben und bringe mich endlich heim ins Land ohne Versuchungen. Amen.
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Beitragvon Joschie » 27.03.2013 16:34

John MacArthur
Mangel bei den Jüngern

Wenn die Jünger einfach auf Christus gehört hätten, wäre ihnen bewusst geworden, dass er sie behutsam an ihre Unzulänglichkeit erinnerte, mit einer solch schweren Prüfung fertig zu werden. Er versuchte nicht, sie zu veranlassen, ihren Mut und ihr Selbstvertrauen zusammenzunehmen. Vielmehr erinnerte er sie an ihre Schwachheit und forderte sie auf, seine Kraft in Anspruch zu nehmen. Leider verstanden sie alle nicht, worum es ging. Sie hatten noch viel darüber zu lernen, wie man das Kreuz aufnimmt und ihm nachfolgt. Um das tun zu können, mussten sie die eigene geistliche Armut erkennen und sich auf ihn als Kraftquelle stützen. Seine Lehre hatte von Beginn seines Dienstes an immer wieder solche Lektionen enthalten. Beispielsweise hieß es in der allerersten Seligpreisung (und zugleich dem einleitenden Satz der Bergpredigt): »Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel« (Matthäus 5,3). Er beschrieb eine geistliche Armut, die dem Selbstvertrauen diametral entgegengesetzt ist. Später hielt er ein kleines Kind – dem Säuglingsalter kaum entwachsen – hoch und erklärte: »Darum, wenn jemand sich selbst erniedrigen wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel« (Matthäus 18,4). Ein solches Kind verkörperte das Urbild eines Menschen, der sich vertrauensvoll auf die Hilfsmittel verließ, die ihm jemand anders bot. Christus hatte wiederholt die Demut gerühmt und den Hochmut sowie die Selbstgenügsamkeit der Pharisäer verurteilt. Seine Lehre über dieses Thema hätte nicht eindeutiger sein können. Dennoch fiel all den Jüngern im Augenblick ihrer größten Prüfung nichts anderes ein, als die eigene Kraft und Selbstgenügsamkeit geltend zu machen. Dies war ein katastrophaler Fehler: »Wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle« (1. Korinther 10,12). Die Jünger mussten noch die Lektion lernen, das eigene Ich in den Tod zu geben (1. Korinther 15,31; 2. Korinther 5,15; Galater 2,20). Sie erkannten noch nicht die eigene Unzulänglichkeit für den Auftrag, zu dem Jesus sie berufen hatte (vgl. 2. Korinther 2,16). Statt auf sich selbst zu vertrauen, hätten sie Kraft aus einer höheren Quelle erbitten sollen (vgl. 2. Korinther 1,9; 12,9-10). Unmittelbar danach sollten sie eine Lektion lernen, die keiner von ihnen je vergessen würde. Im Gegensatz zu Judas lag es den elf übrigen Jüngern fern, Christus bewusst und vorsätzlich zu verraten. Anhand des Berichts im Matthäusevangelium erkennen wir, dass sie schon über den bloßen Gedanken an solch eine feige Tat entsetzt waren. Ihrer Ansicht nach war es eine der schlimmsten Sünden, sich Christi zu schämen. Christus selbst hatte gesagt: »Wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln « (Markus 8,38). Außerdem sagte er ihnen: »Wer … mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist« (Matthäus 10,33). So etwas zu tun, war für sie unvorstellbar. Sie sollten aber bald lernen, dass Treue gegenüber Christus ohne totale Abhängigkeit von ihm nicht möglich ist. Der unerschütterlichste Jünger ist völlig kraftlos, wenn er darauf vertraut, dass ihm die eigenen Hilfsmittel Mut und Kraft zum Durchhalten geben. »Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt « (Epheser 6,12). Ohne die geistliche Waffenrüstung des Herrn setzen wir uns den größten und schmachvollsten Niederlagen aus. Obwohl Petrus und die anderen es nicht wussten, wurde ein unsichtbarer Kampf um ihre Seelen geführt. Sowohl Johannes als auch Lukas berichten, dass Jesus sie bereits zuvor in ähnlicher Weise gewarnt hatte, als sie noch im Obersaal waren (Lukas 22,31-34; Johannes 13,36-38). Damals hatte Jesus zu Petrus gesagt: »Simon, Simon! sehe, der Satan hat euer begehrt, euch zu sichten wie den Weizen« (Lukas 22,31). Auch dort hatte Petrus erwidert: »Herr, mit dir bin ich bereit, auch ins Gefängnis und in den Tod zu gehen« (V. 33). Daraufhin hatte Jesus ihn im Voraus gewarnt: »Ich sage dir, Petrus, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst« (V. 34). Petrus nahm fälschlicherweise an, dass die zur Gefangennahme Jesu führende Verschwörung ein rein menschlicher Konfl ikt wäre. Er verließ sich auf fl eischliche Hilfsmittel wie z. B. auf seinen eigenen Mut sowie körperliches Stehvermögen und – wie wir bald sehen werden – auf sein Schwert (V. 38). Doch solche Dinge stellen stets unzureichende Waffen in einem geistlichen Kampf dar. »Wehe denen, welche nach Ägypten hinabziehen um Hilfe, sich auf Pferde stützen und die ihr Vertrauen auf Wagen setzen, weil es viele sind, und auf Reiter, weil sie zahlreich sind; und die auf den Heiligen Israels nicht schauen und nach dem HERRN nicht fragen!« (Jesaja 31,1). Als sie jetzt Gethsemane erreichten, wiederholte Jesus seine Warnung mit noch deutlicheren Worten. Noch einmal sagte er zu Petrus: »Wahrlich, ich sage dir, dass du in dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, mich dreimal verleugnen wirst« (Matthäus 26,34). Doch Petrus und die anderen Jünger schienen den Ernst dessen, was unmittelbar bevorstand, völlig zu verkennen. Ihr Ich wurde durch den Hinweis darauf, dass sie Christus in der Stunde der Prüfung verlassen würden, schwer gekränkt. Ihnen fiel nichts anderes ein, als sich dagegen zu wehren, dass Jesus nichts auf ihre Selbstsicherheit gab. Sie waren so damit beschäftigt, das eigene Selbstvertrauen geltend zu machen, dass sie ihm nicht richtig zuhörten. Und daher entging ihnen die volle Bedeutung dessen, was er ihnen warnend sagte. Sie konnten sich nicht damit herausreden, dass sie in einem unerwarteten Augenblick überrascht wurden. Sie hatten aber eindeutig keine Vorstellung davon, wie umfassend die Prüfung war, die sie unmittelbar danach durchleben sollten. Selbst nachdem Jesus sie wiederholt gewarnt hatte, verstärkte sich nur ihre Selbstsicherheit.
Sie nahmen die liebevolle Warnung des Herrn weiterhin nicht wahr. Ihre in Stolz und Selbstgenügsamkeit wurzelnde Sünde kam darin zum Ausdruck, dass sie das Bevorstehende bewusst nicht sehen wollten. Sie sollten die Gefahren des Stolzes bald auf schmerzliche Art und Weise kennen lernen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 28.03.2013 18:56

C.O.Rosenius

Vater, willst Du, so nimm diesen Kelch von Mir; doch nicht Mein, sondern Dein Wille geschehe! Luk. 22, 42.

Wenn mir einmal meine Augen geöffnet werden, so daß ich die wichtigste Herzenssache Gottes und Seinen Eifer um die Errettung der Seele recht sehen und erkennen kann, daß Er für uns ein Mensch, ein Opferlamm wird, Blut schwitzt, sich geißeln, kreuzigen und töten läßt, welch ein unaussprechlicher, großer Trost liegt dann in dem Gebet: ,,Nicht Mein, sondern Dein Wille geschehe!" Es ist vor allen Dingen notwendig zu wissen und in Wahrheit zu glauben, ja, im tiefsten Herzensgrund davon überzeugt zu sein, daß Gott will - und in Ewigkeit nie etwas anderes will -, daß wir selig werden sollen. Heute und morgen und alle Tage wird Er nichts anderes wollen.

Wegen dieser Seiner wichtigsten Herzensabsicht kann Er dich viel bitteres Leiden treffen lassen. Nur zum ewigen Heil deiner Seele läßt Er deinen ,,äußeren Menschen" umkommen, läßt Er dich viel zeitliche Trübsal treffen, ja, zuweilen die bittersten Erfahrungen machen, z. B. den Verlust deiner dir liebsten Dinge, mit denen dein Herz verwachsen war. Hier reißt der Tod einen lieben Herzensfreund, vielleicht die teure Gattin oder ein Kind hinweg; dort verliert ein anderer auf einmal sein ganzes Hab und Gut. Hier rauben böse Menschen dir noch etwas Kostbareres, deinen guten Namen; dort wird ein anderer von einer unheilbaren Krankheit befallen. Welch unendlich bittere Erfahrungen hat doch das Jammertal für seine Wandersleute! Da könnte ein Mensch ganz verzweifeln, wenn er nur auf das blickt, was vor Augen ist. Kannst du aber mit Asaph ,,in das Heiligtum Gottes gehen" und die wahre Bedeutung dieses Lebens, den Ernst der Ewigkeit und die zärtliche Meinung des getreuen Gottes gewahr werden, daß Er nämlich an deine Seele dachte, als Er dir das zusandte, dann wirst du mit Anbetung dein Herz vor Gott beruhigen und auch deine bittersten Erfahrungen für die größte Gnade halten. Oder weißt du, wie viele Leiden zur Errettung deiner Seele vonnöten sind? Halte hier still!

Hat dein treuer Gott nun eine so zärtliche Absicht mit dir, daß Er dich ewig selig im Himmel zu machen gedenkt, solltest du dann darüber mißvergnügt sein, wenn Er so bittere Mittel anwendet? Vielleicht hast du beim Gefühl deiner jämmerlichen Trägheit und Schwachheit in der Heiligung und bei der Kreuzigung des Fleisches aus der Tiefe gerufen: ,,Gott, ich kann weder wachen noch streiten und mein Fleisch nicht töten, wie ich soll; tue Du es, O Herr, töte Du mein Fleisch, fördere Du meine Heiligung!" Hat der Herr dir jetzt die Gnade erwiesen und deine Bitte erhört, hat Er jetzt angefangen, dein Fleisch zu töten - und hat Er kein besseres Mittel dazu gefunden als gerade dieses Leiden, - willst du dann mißvergnügt sein? Bitte Gott um einen ergebenen und stillen Geist, so daß du in dem härtesten Todeskampf deines alten Menschen beten kannst: ,,Vater, nicht wie ich will, sondern wie Du willst." Es kommt nur darauf an, sich zu ergeben - sich in den Tod zu geben, Abschied zu nehmen von diesem Leben und von jeglichem Gedanken an irdische Seligkeit - und seine Seele der Ewigkeit zuzuwenden. Diese Bitte wird man in Gethsemane lernen. Als das Grauen vor den Martern und dem Tod dem frommen Herzen Jesu die Bitte abpreßte: ,,Ist es möglich, so gehe dieser Kelch von Mir", fügte Er hinzu ,,doch nicht wie ich will, sondern wie Du willst!" Das war der Sieg! Darauf sagte Er mit erleichtertem Geist: ,,Soll Ich den Kelch nicht trinken, den Mir Mein Vater gegeben hat?" Wenn man sich erst in den Tod gegeben hat, dann wird das Leiden erleichtert, so schwer es auch immer sein mag.

,,Aber", sprichst du, ,,wenn es nur mein Vater wäre, der mir mein Leiden zugesandt hat, ich sehe doch, daß der oder jener Mensch die Ursache daran ist." Antwort: Das ist die Folge davon, daß du nicht an einen alleinigen Gott glaubst. Es ist der Heide in deinem Herzen, der mehrere Götter hat; zuerst den Schöpfer, dann den Teufel, dann einen bösen Menschen usw. Glaubtest du stattdessen, was die Schrift lehrt, daß es nur einen Gott gibt, der über alle anderen Mächte im Himmel, auf Erden und in der Hölle herrscht, daß der Teufel den Hiob nicht antasten darf, ohne dazu Erlaubnis erhalten zu haben, daß die Welt ,,kein Haar auf unserem Haupte ohne den Willen des himmlischen Vaters krümmen" kann, dann würdest du einsehen, daß auch das, was böse Menschen dir zufügen, der Art und dem Grad nach von dem weisen Vater bestimmt ist; dann würdest du nicht auf das Fleisch schauen, sondern allein Gott in allen Dingen erblicken. Die Schrift lehrt uns, daß der Herr es ist, der uns das Leiden sendet, selbst wenn es uns von bösen Menschen zugefügt wird. Das wußte auch David, als der böse Mensch Simei ihm fluchte. ,,Lasset ihn fluchen", sagte er, ,,denn der Herr hat es ihn geheißen: Fluche David. Wer kann nun sagen: Warum tust du also?" Auch Jesus Christus wurde von bösen Menschen gemartert, dennoch aber sagte Er, daß ,,der Vater Ihm den Kelch gegeben" habe. Und wenn Er sagt: Ein Haar von eurem Haupte soll nicht umkommen ohne euren Vater", was kann dann ohne den Willen Gottes geschehen? Was kann unwichtiger als ein Haar sein? Erschrecklicher Unglaube, wenn wir solche Worte aus Christi eigenem Munde nicht bedenken! Er hat ja damit ausgesprochen, daß unser himmlischer Vater für unsere kleinsten Angelegenheiten Sorge trägt und daß uns ohne Seinen Willen nicht das geringste widerfahren kann. Sollten wir Ihm dann nicht mit freudiger Ergebung alles anempfehlen und sagen: ,,Dein Wille geschehe!"?

Gottes Kinder säen zwar Traurig und mit Tränen; Aber endlich kommt das Jahr, Wonach sie sich sehnen. Denn es kommt die Erntezeit, Da sie Garben machen; Da wird all ihr Gram und Leid Lauter Freud und Lachen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Shalom
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Beitragvon Shalom » 29.03.2013 03:58

Martin Luther

Lukas 23, 32-43

Es wurden aber auch hingeführt zwei andere Übeltäter, daß sie mit ihm abgetan würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte; kreuzigten sie ihn da selbst, und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten, und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun. Und sie teilten seine Kleider, und warfen das Los darum. Und das Volk stand, und sah zu, und die Obersten samt ihnen spotteten sein und sprachen: Er hat anderen geholfen, er helfe ihn selber, ist er Christ, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm, und brachten ihm Essig, und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber. Es war auch oben über ihm geschrieben die Überschrift, mit griechischen, und lateinischen, und hebräischen Buchstaben: Dies ist der Juden König. Aber der Übeltäter einer, die da gehängt waren, lästerte ihn und sprach: bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Und zwar sind wir billig darinnen; denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt. Und er sprach zur Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein.

1. Der Heilige Evangelist Lukas meldet hier zwei Stücke, die sehr tröstlich sind. Darum, obwohl Matthäus und die anderen solche Stücke ausgelassen haben, wollen wir doch diese betrachten, auf das wir die Geschichte des Leidens Christi ganz haben. Das erste ist, daß Christus, wie er an das Kreuz geschlagen und das Kreuz mit ihm aufgerichtet worden ist, kurz danach anfängt zu beten, und spricht: " Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun ". Das andere von dem Schächer, der solches Gebet gehört, und so viel daraus gelernt hat, daß dieser Jesus Gottes Sohn und der rechte Christ sei, begehrt darum, daß er sein nicht vergessen wolle, wenn er in sein Reich komme. Diese zwei Stücke wollen wir jetzt vor uns nehmen; denn sie sind sehr tröstlich, und können nicht von uns genügend bedacht und erklärt werden. Darum ist es nötig, daß wir nicht allein auf die Werke sehen, die dieser Mann tut, und auf sein Leiden, sondern auch seine Worte fleißig hören, die er predigt. Denn damit erklärte er sein Tun und Leiden, warum er da ist und was er macht.

2. Wir müssen aber vor allen Dingen dies Leiden unterscheiden von aller anderen Menschen Leiden. Nicht allein der Person wegen, daß Jesus Christus ewiger Gott ist, durch welchen Himmel und Erde erschaffen und alles gemacht ist; sondern auch der Ursache wegen seines Leidens, und den Nutzen oder der Frucht wegen, welche aus solchen Leiden, und sonst aus keines Menschen noch Engels, oder anderer Kreatur Leiden folgt. Denn er leidet (wie ihr gehört habt) nicht seinetwegen, sondern unseretwegen, daß wir dadurch von Sünde und Tod befreit werden sollen. Solches hören wir auch hier in seinen Worten, die ein jeder Christ merken, und in sein Herz, als den höchsten Schatz und Trost, einschließen sollte.

3. Denn daß er da am Kreuze spricht: " Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun "; diese Worte zeigen deutlich, daß er ist in seinem rechten priesterlichen Amt, und verbringe sein Werk, darum er auf Erden gekommen ist, nicht allein mit seinem Leiden, daß er sich selbst aufopfert, sondern auch mit dem Gebet. Denn beides sind priesterliche Werke, Opfern und Beten. Das Opfer geht aber eigentlich dahin, das, wie er Johannes 17,19 sagte, er sich selbst für uns hat heiligen wollen, auf das wir in der Wahrheit und recht geheiligt würden; also, Johannes 10,12, daß er sein Leben gebe für seine Schafe. Solche Sprüche findest du viel mehr, die alle bezeugen, daß sein Leiden ein Leiden für uns heißen soll, nicht für sich selbst oder seinetwegen. Dieses Werk des Opfers richtet er mit solchem Ernst aus, daß er auch bittet, der Vater wolle denen, so ihn kreuzigen, vergeben, die Sünde nicht strafen, sondern nachlassen; auf das jedermann sehe, warum er hierher an das Kreuz gekommen sei, und sich darüber tröstet.

4. Darum sollst du aus solchen Gebet das lernen, daß unser lieber Herr Jesus ein Priester sei, und da am Kreuz sein Priesteramt verrichtet habe. Denn für die Sünder bitten gehört eigentlich zum Priesteramt. Fragst du nun, was er für einen priesterlichen Schmuck oder Kleid habe, oder Altar, so magst du hier an das Kreuz sehen; da hängt er nackend und bloß, voller Wunden, und hat nicht einen Faden an seinem Leibe. Und dennoch richtet er sein Priesteramt auf das beste und fleißigste aus, daß er auch für seine Feinde bittet. Denn es hat mit diesem Priester einer anderer Meinung, denn mit den mit Priestern bei Mose.

5. Also siehst du, wie über seinem Haupt die Überschrift steht, er sei der Juden König, die er vor Pilatus öffentlich und selbst klar bekannt hat. Dieser Titel reimt sich schlecht mit dem äußerlichen Ansehen. Denn anstatt eines schönen Kleides ist sein ganzer Leib blutig und voll Wunden und Striemen, und anstatt der goldenen Krone trägt er Dornen auf den Kopf geschlagen. Einen solchen Priester und König findest du da am Kreuz, daß die Welt sich schämt, verachtet ihn, will ihn weder für einen König noch für einen Priester halten; wie Jesaja sagt: " Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, daß wir sein hätten mögen begehren. Er war der Allerverachtetste und Unwertestste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn nicht geachtet ". Nun mag man es mit fleischlichen Augen sehen wie man will, so soll es doch uns der liebste, schönste, beste Schmuck sein, daß dieser Priester seinen Leib selbst und sein Blut da am Kreuz geopfert, an einem verfluchtem Ort. Denn die Ochsen, Kühe, Kälber, die man im Tempel opferte, wurden auf einem geschmückten Altar geopfert. Christus aber opfert sich selbst auf einem ungeweihten und verfluchten Altar. Denn also steht in Mose: " Verflucht sei, der am Holz stirbt ".

6. Vor der Welt ist solches lästerlich und unehrlich, daß diesem Priester der Ort zu seinem Opfer nicht gegönnt werden soll, welchen Kühe und Kälber hatten. Aber es geschieht alles um unseretwegen und uns zu gut, auf das wir lernen, daß er ein völliges, genügendes Opfer für unsere Sünden getan habe. Denn wie unsere Sünden nicht versöhnt oder bezahlt werden konnten, denn allein durch diesen Priester, der ewiger Sohn Gottes war: also hat dieser Priester um unsere Sünden willen keinen ehrlicheren Altar noch köstlichen Schmuck haben können.

7. Aber solches hindert sein Amt nicht. Er opfert nicht allein seinen Leib und Leben, sondern bittet auch für die armen, unwissenden Sünder. Darum sollen wir uns über dieses Priesters und seines Amtes herzlich trösten. Denn gleichwie er leidet, also betet er auch, nicht allein für die, die damals dabei waren, und die Hände an ihn legten, und ihn an das Kreuz schlugen (solches wäre das Gebet Christi viel zu eng gedeutet), sondern auch für uns.

8. Denn jene sind nur unseren Sünden, Knechte und Diener gewesen. Wo deine und meine Sünden Christum nicht hätten an das Kreuz geschlagen, sie hätten ihn wohl müssen zufrieden lassen. Weil aber Christus als der rechte Priester und das Lamm Gottes da ist, für der ganzen Welt Sünde mit seinem Opfer oder Tod zu bezahlen, daß macht, daß Juden und Heiden Gewalt gegen ihn tun. Darum, wenn er für die betet, die ihn kreuzigen, betet er für uns Menschen alle, die wir mit unseren Sünden zu seinem Kreuz und Sterben Ursache geben.

9. Darum sollen wir den Galgen und das Kreuz, daran Christus gelitten hat, anders nicht sehen, denn einen Altar, da Christus sein Leben opfert, und sein priesterliches Amt auch mit dem Beten ausrichtet, und uns mit Gott versöhnt, daß wir von Sünden frei und von dem ewigen Tode befreit werden. Denn wer die Sünde wegnimmt, der nimmt auch den Tod weg. Ursache, der Tod hat keine Macht mehr, wo die Sünde weg ist; also die Hölle auch. Solches hat Christus, unser einiger und ewiger Priester,ohne unsere Werke, durch sein eigenes Leiden, daß er für uns zum Fluch geworden und um unsere Sünden willen am Kreuz gestorben, und endlich noch für die Sünder gebeten hat. Da bedenke, das du ihm auch von Herzen dafür dankst.

10. Der Papst predigt solches auch. Aber sie verdrehen den Text, der doch eigentlich so klar und deutlich ist, daß Christus sich selbst am Kreuz opfert und für uns gelitten hat, da predigen sie, wir selbst sollen Priester sein, sollen selbst opfern, und durch eigene Werke das ewige Leben erwerben. Unsere Lehre aber, daß wir lehren, Christus, der einige, rechte Priester, habe uns von Sünden erlöst und das ewige Leben verdient, verfluchen und verdammen sie als Ketzerei.

11. Ist aber das nicht schrecklich? Ist solches nicht ein schrecklicher Zorn, Blindheit und Strafe über die undankbare Welt, daß die Katholiken predigen, Christus habe sich für uns am Kreuz opfert, und doch toben sie gegen uns, und vergießen unschuldiges Blut, darum das wir solche Lehre treiben und die Leute auf solchen Trost weisen? Das heißt ja (wie Jesaja den Verächtern des Wortes Gottes droht) mit sehenden Augen blind sein und mit offenen Ohren nicht hören, und ein verstocktes, unverständiges Herz haben. Denn wie könnte es sonst möglich sein, daß sie dieses Opfer so wenig achten, und dann Leben ihren Trost auf eigene Werke, auf Ablaß, und auf Mönchskappen setzen wollen? Warum tröstet man sich nicht dessen hier, daß Christus sein Leib und Leben opfert, und betet für uns, und spricht: Vater, hier bin ich, ein Mittler zwischen dir und den armen Sünden; ich sterbe für sie, ich opfere mich für sie, sei ihnen gnädig.

12. Solches hören und sehen unsere Widersacher; und dennoch sollen sie noch dagegen schreien und toben, und uns als Ketzer verdammen. Nun, es ist ein schrecklicher Zorn Gottes, da möchte Gott uns gnädiglich vor behüten. Will er uns aber einmal fallenlassen, so möchte er uns in solch eine Sünde fallen lassen, die wir fühlen und bekennen, und nicht in die, die der Gnade ganz und gar entgegen ist, und dennoch so geschmückt und für eine Heiligkeit gerühmt wird.

13. Darum laßt uns unsere Herzen auftun, und unseren Priester Christum in seinem rechten Schmuck anschauen. Mit den Augen wirst du keinen Schmuck an ihm finden; denn wie elend und jämmerlich hängt er da, das siehst du wohl. Aber siehe ihm ins Herz, da wirst du einen solchen Schmuck und Schatz finden, für den du in deinem Leben nicht genug danken kannst.

14. Denn erstens ist er geschmückt mit dem großen, herzlichen Gehorsam gegen seinen Vater, daß der ihm zu ehren sich also läßt geißeln und martern. Diesen Schmuck können wir in diesem Leben unmöglich sehen, aber dennoch, so viel können wir sehen, daß alle Perlen und aller Samt und goldene Stücke nichts dagegen sind.

15. Der andere Schmuck ist die große Liebe gegen uns, daß der Herr seines Lebens und Leidens so wenig gedenkt, sondern bedenkt nur unsere Sache und Not, bittet zuerst für uns eh er an sich selbst denkt. Wer kann solche Liebe genügend verstehen oder fassen, daß der Herr ein solches Herz gegen uns hat, so voll Feuer, daß er in seinem größten Leiden, Marter und Schmach sich stellt, als sehe oder fühle er nichts; er denkt aber, sieht und sorgt nur auf dein und mein Elend, Not und Herzeleid? Das muß doch eine große, ernste Liebe sein, daß er sich unser so annimmt, daß er seiner Gefahr, Schaden und Leiden ganz und gar vergißt. Das ist gleichwie es sich mit den Kindern verhält, daß Vater und Mutter durch ein Feuer laufen, sie zu erretten. Da ist die Liebe so groß, daß das Herz auf die eigene Not nicht denkt, und allein sich darum annimmt, wie dem Kind geholfen werden kann. Also, sehen wir, brennt unseren lieben Herrn Christus sein Herz auch, daß er durch das Leiden hindurch, wie durch ein Feuer, rennt und faßt uns in aller Liebe und Barmherzigkeit.

16. Das ist nun der richtige Schmuck, dar unser hoher und ewiger Priester mit geschmückt ist. Äußerlich sieht man solchen Schmuck nicht; aber inwendig sieht man ihn, wie denn seine Worte genügend bezeugen.

17. Also soll man zuerst in allen Stücken des Leidens auf die Hauptsache sehen, dieselbe fest fassen, und uns nicht nehmen lassen, daß Christus für uns geopfert hat, auf das er uns errette, greift nach uns, und läuft uns nach, durch alles Leiden, wie durch ein Feuer. Dieses bedürfen wir nicht allein, um uns damit zu trösten, sondern auch zu stärken gegen des Teufels Gift, welches der Papst in die Leute gießt, und sie durch eigene Gerechtigkeit, Werke und Verdienst in den Himmel bringen will. Aber wenn wir mit unseren Werken solches ausrichten könnten, warum sollte Christus, der Sohn Gottes, gelitten haben? Nun aber steht er hier, bringt sein Opfer, seinen eigenen Leib und Leben, in allem Gehorsam und Geduld, und bittet noch dazu seinen Vater, daß er wolle gnädig sein und vergeben. Das ist ein Zeichen, daß wir mit unseren Werken nichts ausrichten können; denn Vergebung der Sünden ist ein Handel, der nicht so leicht zugeht, wie die Katholiken meinen. Es ist bald geschehen, daß du eine Kappe anziehst, viel fastest, singst, solches ist alles noch wohl zu tun: aber Vergebung der Sünden bekommen, da gehört weit mehr und größeres dazu, denn deine eigenen Werke; Gott wird dein Fasten, Wachen, Beten wegen langsam erhören; sondern also heißt es, wie Jesaja sagt: " um unsere Missetat willen ist er verwundet, und um unsere Sünden willen zerschlagen. Er hat unserer aller Krankheit getragen ".

18. Nun müssen ja die Katholiken selbst bekennen, daß des Herrn Christi Leiden und Sterben etwas anderes ist, denn mein Gebet, meine guten Werke, meine Marter, mein Almosen geben, mein Fasten. Wer nun solches anstatt der Sünde setzen will, der wird es nicht ausrichten. Es gehört ein anderer Mann, andere Werke und Verdienst dazu, wie Jesaja klar sagt. Wer aber seine eigenen Verdienste geben und gegen die Sünde gebrauchen will, der lästert der Sterben, Opfer und Gebet Christi; besonders weil er von seinem Opfer und Gebet genauso viel hält, als vom Opfer und Gebet unseres Herrn Jesus Christus. Vor diesem Greuel soll man sich fleißig hüten.

19. Nun betet aber der Herrn nicht schlecht in den Haufen hin, sondern setzt einen Unterschied derer, für die er bittet, und spricht: " Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun ". Will also damit zweierlei Sünder anzeigen. Etliche wissen, daß sie Unrecht tun, und tun es dennoch und aller Scheu. Solches heißt dann wider den Heiligen Geist gesündigt, wenn man in solcher wissentlichen Sünde beharren, sie nicht bekennen, davon nicht ablassen, noch Vergebung derselben bitten will; wie die Katholiken, jetzt tun. Die wissen, daß unsere Lehre recht ist, daß Christus das Sakrament ganz empfangen befohlen hat, die Ehe nicht verboten, und dennoch verdammen sie uns um solcher Stücke willen als Ketzer, und Strafen ihre Untertanen, wo sie wissen, daß sie unsere Lehre und Sakrament brauchen.

20. Diese sündigen nicht unwissend. Darum ist die Natur solcher Sünden so, daß sie nicht vergeben werden kann; denn sie geht gegen die Vergebung der Sünden, besonders weil man nicht davon ablassen und sie nicht bekennen will. Denn Vergebung der Sünden will beides haben, daß man das Unrecht bekennen und davon Abstand nimmt.

21. Die anderen Sünder sind, die unwissend sündigen. Nicht also, als wüßte David nicht, daß es Sünde wäre, dem Uria sein Weib nehmen und ihn erschlagen lassen. Er weiß es sehr wohl. Aber da treibt und jagt ihn die Sünde und der Teufels so heftig, daß er in solche Sünde fällt, ehe er es denn recht bedenkt, was er tut. Danach aber bekennt er es, läßt es sich leid sein, wollte, er hätte es nicht getan, und begehrt Gnade.

22. Solche Sünde tragen wir alle am Halse, daß wir leicht und unversehens betört werden, und fallen häufig aus Furcht, wie Petrus, aus Unvorsichtigkeit und Schwachheit, oder aus Vermessenheit. Solche Sünde hat Christus mit sich an das Kreuz getragen und dafür gebeten; denn es sind Sünden die nicht wider die Gnade sind; besonders wenn man sie erkennt und bekennt, und bittet um Vergebung. Also sieht man, daß oft Huren und Buben, Mörder und andere böse Leute zu Gnaden kommen; denn sie wissen, daß sie Unrecht getan haben, und wollen es nicht verantworten. Solche bekannten Sünden haben das Opfer Christi zwischen sich und Gott; darum will Gott diese uns nicht zurechnen. Jene aber, die wissend unwillig nicht wollen anderes tun und ihre Sünden noch verteidigen, die sündigen wider den Heiligen Geist und verleugnen die Gnade Gottes. Für diese bittet Christus hier nicht, sondern für die, die nicht wissen, was sie tun, und aus Schwachheit fallen. Die soll dieses Opfer und Gebet trösten, und wissen, daß ihnen die Sünden vergeben sind. Denn um solches hat Christus hier gebeten, und ist gewiß vom Vater erhört worden; da sollen wir nicht daran zweifeln, sondern uns darüber trösten und freuen.

23. Dieses sei in Kürze gesagt von dem Gebet Christi am Kreuz, damit er anzeigt, warum er da leide, daß diese Sünder, die unwissend sündigen und lassen es sich leid sein, sollen um des Herrn Christi willen einen gnädigen Gott haben, der ihnen ihre Sünde vergeben will.

24. Nun wollen wir auch ein wenig die Geschichte mit den Schächer zur rechten Hand betrachten. Das ist so ein schönes Beispiel, wie man es sonst nirgends findet. Denn erstens muß man sich darüber wundern, der arme Mensch kann seine Sünden nicht leugnen, er weiß, daß er gesündigt und wegen seiner Sünden den Tod leiden soll. Darum kann er sich gegen Gott keines guten Werkes noch Verdienstes rühmen; wie er zu seinem Gesellen sagt, der mit dem Herrn Jesus Christus übel redet: " wir ", spricht er, " sind billig in solcher Strafe; denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind. Dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt ". Hier hörst du, was er von sich selbst bekennt, daß er diesen Tod wohl verdient habe. Das ist eines, darüber man sich wundern kann, daß er seiner Sünden wegen Ursache hat, sich vor Gott zu fürchten; und dennoch faßt er, wie wir hören werden, den Gedanken, er werde noch in Gottes Reich kommen.

25. Zum anderen ist das auch ein großes Wunder, daß dieser Mensch sich durch das große Ärgernis nicht anfechten läßt, daß der ganze Rat zu Jerusalem, weltliches und geistliches Regiment, des Herrn Christi spottet und ihn lästert. Die Obersten im geistlichen Regiment sprachen: " Er hat anderen geholfen, er helfe ihm selbst, so er Christus ist, der Auserwählte Gottes ". Die Kriegsknechte tun auch so: " bist du der Juden König, so hilf dir ". Denn das stand die Überschrift über ihm: " der Juden König ". Also der eine Mörder, der mit ihm gekreuzigt wurde, sprach auch: " bist du Christus, so hilf dir und uns auch ". Dieses redet er nicht nach der Meinung, daß er Hilfe begehrte, sondern daß er Christum spotten wollte. In der Summe, alle Welt ärgert sich an diesem Christus, der am Kreuz hängt, und hält nichts von ihm. Denn die Jünger selbst, ob sie wohl ein Teil bei dem Kreuz standen, hatten sie doch keine Hoffnung mehr.

26. Allein der arme Mörder zur rechten Hand reißt durch das ganze Ärgernis hindurch, und darf Christum, der neben ihm am Kreuz hängt, einen Herrn und König nennen. Dieser straft die ganze Welt lügen, sieht nicht an, was andere Leute von ihm halten oder sagen, und ruft ihn für einen ewigen König aus. Denn so lauten seine Worte: " Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst ". Er heißt ihn einen " Herrn ", und sagt, er habe ein " Reich "; und begehrt, wenn er im selben Reich werde sein, daß er sein gedenken wollen. Nun war es ja um die Zeit, daß von ihnen keiner den Abend mit dem Leben erreichen konnte. Darum glaubt er, Christus sei ein Herr eines anderen und ewigen Lebens. Das nenne ich einen großen, trefflichen Glauben und ein herrliches Bekenntnis, weil sonst alle Welt an Christus verzweifelt und nichts von ihm hält.

27. Hier gedenke bei dir selbst: Wo doch diesem Mörder so einer reichliche und klare Erkenntnis hergekommen ist, daß er Christus für einen Herrn des ewigen Lebens erkennt und ausruft, und vom wem er solches gelernt hat? Aber da ist kein Zweifel, er hat es allein aus dem Gebet, daß der Herr am Kreuz getan hat, gelernt. Im Propheten Jesaja, im 53. Kapitel, ist es beides geschrieben, daß der Messias leiden und den Übeltätern gleich gerechnet werden, und viele Sünden tragen und für die Übeltäter beten werde. Da nun solches am Kreuz geschehen ist, er hängt da, der fromme Herr, der nichts Böses getan hat, zwischen zwei Mördern, und fängt an zu beten und spricht: " Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun ": da faßt der eine Schächer das Wort " Vater ". Denn auf diese Weise pflegen die Leute mit Gott nicht zu reden; Christus ist es allein, der mit Gott so reden kann, und hat es uns auch so gelehrt. Darum schließt der Schächer, daß er Gottes Sohn sei. Und weil er für die Sünder bittet, erkennt er ihn für den rechten Messias. Und es werden ihm ohne Zweifel diese Sprüche von Jesaja, und andere Prophezeiungen eingefallen sein, die er vielleicht in der Kirche gehört, da aber noch nicht verstanden hat. Diese faßt er nun zusammen, und der Heiligen Geist macht diese Weissagung in seinem Herzen licht und klar, daß er nun nicht mehr an sich halten kann; er muß mit dem Mund bekennen, wie er im Herzen glaubt, und spricht: " Herr, gedenke mein, wenn du in dein Reich kommst ". Das ist als wollte er sagen: Du bist Gottes Sohn; hier auf Erden leidest du für unsere Sünde und muß unserer Sünden wegen sterben; aber danach wirst du auferstehen in ein ewiges Reich, und ein Herr sein über alles. Oh Herr, da gedenke mein. Ich will den Tod jetzt gern leiden; denn ich habe ihn wohl verdient: laß mich nur nicht, wenn du in dein Reich kommst. Siehe, so eine reiche Erkenntnis des Herrn Christi schöpft dieser Mensch aus dem kurzen Gebet des Herrn; das ist die Predigt, da er diese Kunst von lernt. Gleichwie nun dieser Mörder am Kreuz Christum erkennt und bekennt: also will Gott auch noch heute seine christliche Kirche erhalten. Wenn auch gleich alles zu Trümmern geht, Kaiser, Könige, Papst, Bischöfe, so will doch Gott einen kleinen Haufen erhalten, die seinen Geist haben und ihn vor der Welt bekennen sollen. Wollen die Jünger, mit anderen, die mit dem Herrn Christus verwandt, nicht bekennen noch glauben, sondern aus Furcht leugnen und davon laufen: so muß ein Mörder kommen, diesen Christus bekennen, von ihm predigen, und andere Leute lehren, was man von ihm halten und warum man sich sein trösten soll; denn unser Herr Gott will Christus nicht ohne Leute lassen, sollte es gleich nur ein Dieb am Galgen, oder ein Mörder sein.

28. Darum ist dies eine tröstliche Geschichte, an der wir sehen können, was Christus für Leute hat, die sich zu ihm finden, und denen er alle Gnade beweisen will, nämlich, die Sünder sind, und ihre Sünde bekennen und um Gnade bitten; diese sollen Gnade und Barmherzigkeit finden. Denn eben wie er vorher gebeten hat, also beweist er es hier mit der Tat, daß er darum da sei und will Sünden vergeben. Und dieses ist nun sein erstes Werk, daß er einen Mörder von Sünden und ewigen Tod erlöst und selig macht, auf das wir ja gewiß werden und nicht zweifeln, weil er sich am Kreuz selbst geopfert, solches geschieht nicht um der Heiligen und Frommen willen, sondern um der Sünder willen. Denn um der Sünder willen ist er gekommen, sie zur Buße zu rufen, und nicht um der Gerechten willen; wie er und selbst sagt, Matthäus 9,13.

29. Darum, wer da denkt, er will in den Himmel kommen als ein Heiliger Mensch und ohne alle Sünde, der wird betrogen. Denn wer nicht ein Sünder sein will, der bedarf des Herrn Christi nicht; denn er ist nicht um sein selbst willen, sondern um der Sünder willen gestorben.

30. Darum soll man diese Geschichte für ein Beispiel halten, in der Christus mit der Tat bewiesen, was er mit seinem Leiden gesucht und erworben hat, besonders weil er einen Mörder am Galgen zum Heiligen macht, und will ihn nicht in Sünden bleiben noch verderben lassen. Dieses aber tut er nicht darum, als hätte er ein Wohlgefallen an den Sünden, oder daß wir in Sünden bleiben und darin fortfahren sollten. Nein, weil er für die Sünder leidet, will er, daß sie nicht mehr so bleiben, sondern fromm und heilig sind und sich bekehren sollen. Wie man hier an dem Schächer sieht: der kehrt um, und beschuldigt sich selbst seiner Sünden wegen; hofft aber, er werde des Herrn Christi geniesen, daß seine Sünden am ewigen Lebens ihm nicht schaden sollen.

31. Also wird ein ganz anderer Menschen aus ihm, und sein Tod, den er verdient hat, wird jetzt ein Gottesdienst, daß er ferner nicht mehr leidet als ein Mörder, sondern als ein rechter Heiliger. Denn er stirbt in rechten Bekenntnis und herzlichen Vertrauen auf die Gnade Gottes durch Christum, und läßt sich seine Sünde von Herzen leid sein; und wo Gott ihn noch länger auf Erden ließe, würde er es nicht wieder tun, was er zuvor getan hat. Dieser Glaube an Christum macht ihn nicht allein zum Heiligen, sondern bringt ihn ins Paradies und zum ewigen Leben; wie der Herr Christus ihm sagt: " Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du bei mir sein im Paradies ".

32. Diesem Beispiel sollen wir folgen, und nicht denken, wie rohe, gottlose Leute pflegen: Ich will sündigen, auf das mich Christus erlöse, und seine Gnade an mir beweise. Nein, so nicht; sondern denke so: Ich bin in Sünden geboren, ich bin voll böser Lüste, muß nicht zuerst noch anfangen zu sündigen, daß ich mich für einen Sünder rühmen möchte; ich bin schon vorher ein Sünder, ich liege immer in Sünden und dem Tod. Darum will ich mich an den halten, er durch sein Leiden für die Sünder bezahlt, und durch seinen unschuldigen Tod mich vom verdienten und längst verschuldeten Tod erlöst und mit Gott versöhnt hat.

33. Wer aber solche Gnadenpredigt mißbrauchen, von Sünden nicht ablassen, diese nicht bekennen, noch sich dieses wollte leid sein lassen will, der mag mit dem Mörder zur Linken, die Obersten der Juden und die Kriegsknechte besehen, und bedenken, was ihnen geschehen und was sie mit dem unbußfertigen Leben verdient haben. Denn willst du des Herrn Christi und seines Leidens und Gebets geniesen, so mußt du des anderen Schächers Weise folgen, der seine Sünden bekennt, um Gnade bittet, und den Herrn Christum bekennt, er sei ein Herr und König des ewigen Lebens. Das verleihe uns unser lieber Herr Christus, Amen.

Shalom
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Beitragvon Shalom » 30.03.2013 05:29


D.Rappard

Da Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und neigte das Haupt und verschied.


Johannes 19,30

Auf diesen Siegesruf meines sterbenden Heilandes stützt sich meine Seele im Leben und im Tod. Es ist in der Ursprache ein einziges Wort: Vollbracht!

V o l l b r a c h t war meines Jesu Erdenlauf in Mühe, Entbehrung, Versuchung, Kampf und Tod. V o l l b r a c h t der Liebesrat Gottes, der vor Erschaffung der Welt im Herzen der Dreieinigkeit beschlossen wurde. V o l l b r a c h t das große Opfer, das im Tempelkultus vorgeschattet war. V o l l b r a c h t, fertiggemacht, das Kleid der Gerechtigkeit, in das die Brautgemeinde sich hüllen kann, um vor dem heiligen Gott zu bestehen. V o l l b r a c h t der Triumph über die alte Schlange, deren Kopf zertreten wurde im Augenblick, da sie dem Erlöser den Fersenstich versetzte.

Wenn Jesus alles vollbracht hat, dann kann und soll ich nichts mehr tun, als mich durch den Glauben so mit ihm zu vereinigen, daß sein Tod mein Tod, sein Leben mein Leben, sein Sieg mein Sieg sei. Auf dem Grabmal einer selig Vollendeten steht die vielsagende Inschrift: ,,Wiewohl sie gestorben ist, lebt sie, weil sie geglaubt hat dem Worte: Es ist vollbracht!" Ja, das ist Glaubensgrund und Heiligungskraft. O Jesu, an diesem heiligen Gedächtnistage Deines Sterbens preise ich Dich anbetend für Deine vollendete Erlösung. Jesu, mein Heiland, Dir sag' ich Preis und Dank!

O Überwinder, hör meinen Lobgesang! In Deine Gnade hüll ich mich tief hinein, In Deinem teuren Blut bin ich gerecht und rein. Ehr' sei dem Lamm, das rief, da es geschlacht't: Es ist vollbracht.


C.H.Spurgeon

,,Siehe, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus."


Matthäus 27,51

Es war kein geringes Wunder, daß der schwere und dicke Vorhang zerriß; aber dies Wunder sollte nicht nur ein bloßes Zeugnis der Macht Gottes sein, sondern es wird uns in demselben mancherlei geoffenbart. Das alte Gesetz der Opfergottesdienste ward abgetan und wie ein abgetragenes Kleid zerrissen und beiseite gelegt. Als der Herr Jesus starb, wurden alle Opfer vollendet, weil in Ihm alles seine Erfüllung fand, und deshalb ward die Stätte ihrer Darbringung mit einem sichtbaren Zeugnis des Verfalls bezeichnet. Der Riß offenbarte auch alle heiligen Geheimnisse des alten Bundes; der Gnadenstuhl konnte nun gesehen werden und die Herrlichkeit des Herrn, die strahlend darüber schwebte. Durch den Tod unsers Herrn Jesu wird uns eine deutliche Offenbarung Gottes zuteil, denn Er war nicht ,,wie Moses, der die Decke vor sein Angesicht hing." Leben und unvergängliches Wesen sind nun ans Licht gebracht, und was verborgen war von Grundlegung der Welt her, ist geoffenbaret in Ihm. Das große jährliche Versöhnungsopfer ward aufgehoben und ungültig. Das Versöhnungsblut, das sonst einmal des Jahres im Allerheiligsten dargebracht wurde, ward nun einmal für immer geopfert durch den großen Hohenpriester, und darum ward die Stätte des vorbildlichen Gottesdienstes der Verwüstung preisgegeben. Kein Blut der Farren und Lämmer ist mehr nötig, denn Jesus ist durch den Vorhang eingegangen mit seinem eignen Blut. Daher ist von nun an ein freier Zugang geöffnet zu Gott, und dieser Zugang ist ein Vorrecht aller Gläubigen in Christo Jesu. Es ist uns nicht bloß eine kleine Lücke geöffnet, durch welche wir uns zum Gnadenthron hindurchwinden müßten, sondern der Riß reicht von oben bis unten. Wir dürfen mit Freudigkeit hinzutreten zu dem himmlischen Gnadenstuhl. Und sollten wir irren, wenn wir sagen, daß dieser durch den Todesschrei Jesu so wunderbar geöffnete Zugang zum Allerheiligsten ein Vorbild ist auf die Pforten des Paradieses, die nun allen Gläubigen durch die Macht des Erlösungsleidens geöffnet sind? Unser Heiland hat die Schlüssel des Himmels; Er tut auf und niemand schließt zu; so gehen wir denn mit Ihm ein zu den himmlischen Wohnungen, und bleiben bei Ihm, bis daß seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt sind.


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