Schwärmerische Sekte

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albi
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Schwärmerische Sekte

Beitragvon albi » 03.12.2014 16:46

Hallo!

Ich war einmal für einige Monate in einer Bibelkreis-Gemeinde. Die haben überall "Ausgesandte", die dort neue Bibelkreisgemeinden gründen. Hauptsächlich unter Studenten.

Man trifft sich sehr oft und betet (bzw. schreit!) und hört scharfe Predigten.

Zuerst war ich ganz begeistert, solch eine Hingabe. Doch mit der Zeit klang die Lehre subtil immer seltsamer. Ganz, wie es Kaiser in "Christus" allein zur Schwärmerei erklärt. Man beachtet weniger Christus, den Gekreuzigten, sondern sein eigene "Tod und Auferstehung".

Ich traf immer mal wieder einen von ihnen, der erzähälte miir, wie er "Kreuz erfuhr." Dazu sagte er dann, "das ist meine Errettung". Auch in der Gemeinde ständig "Der WEG des Kreuzes ist unsere Errettung". Man hört wenig vom Gekreuzigten und Auferstandenen, aber sehr viel von dem, was der Gläubige angeblich zu tun habe.

Heute begegnete ich zufällig wieder einem. Er sagte, man muss die Leute lieben (ja, stimmt). Ich erwiderte, "Liebe" allein reicht nicht, damit sie gerettet werden; man muss auch von Sünde und Gerechtigkieit und Gericht sprechen, dass sie sich bekehren. Da kam eine Streitdiskussion in Gang, wo er auch sagte, er höre "Stimmen im herzen" (das habe ich dort auch erlebt, und diese Stimme bzw. sehr eindrücklicher Gedankenimpuls - der kam definitiv nicht von mir selbst!) sagte mir etwas sehr sonderbares! Dennoch hatte ich einige ANfechtungen, dass ich "Gottes Willen" nun nicht tue) und ob ich denn den Herrn überhaupt erfahren habe und dass ich ein Lügner bin und immer nur Streit suche (weil ich nach der Lehre frage und die Geister prüfen will).

Ja so war das in dieser Gemeinde immer. AUch singen sie fast nur diese schwärmerischen Lieder von "Feiert Jesus 1-???" mit den ganzen falschen Texten etc.

Der Mann wurde auch laut und erregt und machte mich etwas an; kurz hatte ich Sorge, er will mich schlagen, aber nur kurz. Er wollte auch nichts von meinen Gedanken zur Geistprüfung hören und wollte das Gespräch beenden (er ließ mich eh kaum ausreden, weil ich ja eh kein "Kreuz und Auferstehung" erfahren habe und dennoch immer "predigen" will.)

Wie erkennt man einen Schwärmer und einen Schwarmgeist? Wenn man erst mal mit ihnen redet, geben sie teils eindrückliche Zeugnisse von der Liebe und Hilfe und Gnade und Treue des Herrn. Und wie der Herr segnet und immer hilft. Etc.

Es sind halt diese Lehrfragen, die sonderbar und falsch klingen (und auch wirklich unbiblisch sind).

Wer mehr Infos zu dieser Sekte will, gebe ich sie gern bekannt. Per PM oder öffentlich?

Jörg
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Re: Schwärmerische Sekte

Beitragvon Jörg » 06.12.2014 06:36

albi hat geschrieben:
Wie erkennt man einen Schwärmer und einen Schwarmgeist? Wenn man erst mal mit ihnen redet, geben sie teils eindrückliche Zeugnisse von der Liebe und Hilfe und Gnade und Treue des Herrn. Und wie der Herr segnet und immer hilft. Etc.


Hier ein paar Gedanken zum Thema Schwärmerei:

"Schlüsselbegriff für die Schwärmerei: Gottesunmittelbarkeit. Es gehört zum Wesen der Schwärmerei, die leiblich-geschöpflichen Mittel, die Gott gebraucht, um uns zu begegnen, geringzuachten. Der Schwärmer sucht die direkte Verbindung mit Gott. Dies setzt voraus, dass der gefallene Mensch in bestimmten Bereichen als göttlich oder als auf Gott hin angelegt gesehen wird. Das ist das Grundmuster aller Schwärmerei."

"In allen Formen der Schwärmerei fällt das Interesse der Gemeinde auf das Geschehen beim Menschen, das Erleben des Göttlichen in der Gegenwart. Damit wird zugleich das Kreuz Christi, ja der fleischgewordene Christus in seiner Einmaligkeit und Einzigkeit, aus der Mitte gerückt. Wenn man davon ausgeht, dass der Mensch eine solche mit Gott kompatible Anlage in sich hat, dann erwartet man auch eine Manifestation Gottes in dieser Sphäre. Oder im Bilde gesprochen: Geht man davon aus, dass der Mensch eine solche innere Leinwand hat, dann stellt man sich vor, dass Gott sein Licht uns seine Bilder eben auf diese Leinwand projiziert, und man versucht, diese inneren Bilder und Eindrücke zu erkennen und zu deuten."

Aus: Bernard Kaiser, Christus allein, Seite 205 +206


Herzlicher Gruß, Jörg
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 08.12.2014 07:06

Hallo albi,

mir persönlich hilft es den schwärmerischen Geist auf der Grundlage dessen, was Jesus selbst davon sagt, zu erkennen:

Johannes 16,13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt, daß er von dem Meinen nehmen und euch verkündigen wird.

Einem Christen, der Jesus liebt, geht es allein um Christus und nicht um sich selbst. Er ist darauf bedacht, Christus zu verherrlichen, ihn und sein Werk groß zu machen. Ein deutliches Merkmal der Schwärmer ist, dass es ihnen um sich selbst, um die eigene Erfahrung, um ein Erlebnis usw. geht. das wird ja auch in deiner Beschreibung sehr deutlich.

Gruß

Peter

albi
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Beitragvon albi » 11.01.2015 16:50

Noch ein Nachtrag zu den Schwärmern (?):

Also, was ich dort erlebt habe, ist einerseits total sonderbar. Einer hörte Stimmen im Herzen, die ihm sagen was er tun soll.

Dann aber wiederum: Völlige Selbstverleugnung, d.h. totale Hingabe. Mit der Bereitschaft alles aufzugeben und in einem völlig fremden Land neu anzufangen, wenn Gott (?) durch diesen Grupenführer die Botschaft empfängt. Da heißt es nur noch "AMEN!" sagen und alles organisieren.

Und außerdem lese ich alte Klassiker wie Fritz Binde, und dort geht es auch sehr um das Kreuz. Hm... Deswegen frage ich mich manchmal, ob die nich tdoch irgendwie Recht haben und viel tiefer das Geheimnis Gottes erkennen, als wir typischen verweltlichten, lauwarmen Christen heute. Ja, auch wenn wir "bibeltreu" sind - wir haben normale Arbeit, machen vieles was andere auch tun, haben ein Einkommen, Familie, relativ gesicherte Verhältnisse. Da ist nicht so viel Kreuz.

Auch meine GEmeinde. Obwohl das strenge Russlanddeutsche sind - als ich meinte ich würde auf Mission gehen "Nein, bleib doch, hier hast du Versorgung, dort gar nichts", "Du könntest sterben", "wer gibt dir Geld?", etc. "Du kannst ja hier bleiben, predigen", "Diene doch hier in der Gemeinde". Ja bis ich alt werde und umfalle!

Ach! So ein Elend. Die in dieser "Sekte" (?) werden ausgebildet, bis sie reif sind und reisen dann ab irgendwohin. Doch in normalen, auch streng bibeltreuen Gemeinden, machen doch alle wieder ihr eigenes Leben. Familie, Arbeit, Beruf. Und wehe einer sagt einmal, er will auf Mission gehen! Die Eltern (vor allem die Mutter) fällt in Ohnmacht, der Älteste rät ab und die Gemeindeglieder sind schockiert.

Deswegen bewundere ich diese Leute schon ein wenig.

Jose
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Re: Schwärmerische Sekte

Beitragvon Jose » 11.01.2015 18:06

Solche Erfahrungen betrachte ich mit großer Vorsicht:
albi hat geschrieben:Also, was ich dort erlebt habe, ist einerseits total sonderbar. Einer hörte Stimmen im Herzen, die ihm sagen was er tun soll.

Wie schnell geschieht es doch, dass Gläubige dadurch verführt werden.

Im 1. Thess. lesen wir: "Die Weissagung verachtet nicht! Prüft alles, das Gute behaltet! " 1.Thess 5,20-21. Prüfen können wir aber nur anhand der Bibel. Die Bibel muss die Grundlage unseres Glaubens sein und alle sonstigen Erfahrungen und Herzensanliegen, müssen daran geprüft werden.

Es ist mein Wunsch für alle Gläubigen - wie auch für mich -, im Glauben gefestigt zu werden und den Willen Gottes für ihr Leben zu erkennen. Menschen zu bewundern ist wenig hilfreich, auch wenn Gott uns Menschen als Vorbilder gibt. Beachte hier aber das Wort des Apostels: "Werdet meine Nachahmer, ihr Brüder, und seht auf diejenigen, die so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt" Phil 3,17.

Der gleiche Apostel hat auch geschrieben: "Und wenn ich alle meine Habe austeilte und meinen Leib hingäbe, damit ich verbrannt würde, aber keine Liebe hätte, so nützte es mir nichts!" 1.Kor 13,3. Man kann sich also für eine Sache ganz hingeben, aber die Frage ist doch, ob es in der echten Liebe des Christus geschieht.

Zu dieser Liebe des Christus, ist mir persönlich dieses Wort sehr wichtig:
14 Denn die Liebe des Christus drängt uns, da wir von diesem überzeugt sind: Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben; 15 und er ist deshalb für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist.
2.Kor 5,14-15

Was sind unsere Beweggründe in allem was wir tun? Wie sehen wir auf uns, wenn wir uns mit Christus vergleichen? Ich möchte und kann nicht alles beurteilen, und auch über die Menschen, von denen du geschrieben hast, weiß ich noch zu wenig. Aber wir können uns nur nach dem Wort Gottes richten und mit Gottes Hilfe danach trachten, Christus ähnlich zu werden.


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