G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

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Joschie
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G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 07.08.2017 12:16

So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christus Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist.
Römer 8,1


Für diejenigen, die in Christus Jesu sind, und die nicht nach dem Fleische leben, gibt es keine Verdammung mehr. Dies erschreckliche Ungeheuer, die Sünde, geht freilich mit wütendem Ungestüm auf Verdammung los; aber es ist seines Stachels beraubt, nämlich des Gesetzes und des Fluchs desselben. O, herrliches Reich! In demselben zeigt sich ein Gott, nicht wie auf Sinai auf einem Richterstuhl, der Alles in Todesangst und Schrecken setzte, sondern auf einem Gnadenthron, und bei demselben ein Lamm, das geschlachtet ist – Einer, der für Alle gestorben ist, wo wir denn dafür halten, dass sie Alle gestorben sind, – der uns vor demselben vertritt, wo man also, ohne die geringste eigne Würdigkeit, fragt: „Wer will verdammen, wer beschuldigen? – Christus ist hier!“ In diesem herrlichen Reiche kann auch die Sünde nicht mehr herrschen, sie mag sich anstellen, wie sie will. Gott selbst hat die Sünde im Fleisch verdammt und sie vom Throne gestoßen, den sie sonst ewig inne behalten hätte. Sollten wir deswegen verzagen, weil unsere Sünde über unser Haupt gewachsen und groß geworden ist bis an den Himmel, – weil alle unsere eignen Vorsätze scheitern, und ein Gefecht wie mit dem Leviathan ist. Welcher der bebenden Lanze spottet, Eisen wie Stroh, und Erz wie faules Holz achtet, – verzagen, weil in uns keine Kraft ist? – O nein, die Sünde wird nicht herrschen können über euch; denn ihr seid nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.

Die Sünde kann nicht mehr
Mich durch's Gesetz verdammen,
Denn alle Zornesflammen
Hat Jesus ausgelöscht.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 10.08.2017 19:00

Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen. Da vergabst du mir die Missetat meiner Sünde.
Psalm 32,5


Halte mir nur alle meine Sünden vor, so betet der gedemütigte Sünder , entfalte und enthülle sie in ihrer ganzen Abscheulichkeit, decke mir jeden erschwerenden Umstand derselben auf , zeige mir meinen ganzen Lohn, ich gebe alles zu, ich entschuldige, ich bemäntele, ich verkleinere nichts. Aber das sage ich dir auch, ich stehe und liege hier nicht auf meine Gerechtigkeit, der ich keine habe, sondern eben aus deine Barmherzigkeit. Bist du, ja bist du nicht selber – magst du dich auch noch so feindlich gegen mich stellen, bist du nicht eben Jahwe Zidkenu, (d.h. der Herr meine Gerechtigkeit) und also auch meine Gerechtikkeit) Ist daran der geringste Flecken, Runzel oder Tadel? Nein, nein, du verstößt den armen Sünder nicht, der zu dir flieht. Hast du nicht dein Wort darauf gegeben, du seist gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten? Solltest du bei mir anheben, dein Wort selber ungültig zu machen? Das leidet deine Wahrhaftigkeit nicht. Wider deine Gerechtigkeit reicht mir deine große
Barmherzigkeit selbst die Waffen.

Ich, dein betrübtes Kind,
Werf' alle meine Sünd',
So viel ihr in mir stecken,
Und mich so heftig schrecken,
In deine tiefe Wunden,
Da ich stets Heil gefunden.
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Beitragvon Joschie » 15.08.2017 08:25

Darum will ich mich am liebsten meiner Schwachheit rühmen, auf dass die Kraft Christi bei mir wohne.
2. Korinther 12,9


Hat der Herr in einer Seele einen innigen Hunger nach einem rechtschaffenen Gnadenstande gewirkt, so führt er sie auch auf dem ihm wohlgefälligen Wege und durch die Mittel, die seine mannigfaltige Weisheit dazu ersieht, dem Ziele zu; – Mittel und Wege, welche der Vernunft meistens so wenig als zweckmäßig einleuchten, dass sie vielmehr das grade Gegenteil zu sein scheinen, denn sie sind dem Spruch gemäß: „Wenn du mich demütigst, so machst du mich groß.“ Die an den Wegen Gottes blinde Vernunft macht sich die Hoffnung, man werde immer reicher, stärker in sich selbst werden, und je länger je weniger die Beihilfe des Herrn nötig haben. Aber grade das Gegenteil! Christus wird je länger je mehr das Ein und Alles, das A und das O, der Erste und der Letzte, so dass man außer ihm weder glauben noch lieben, weder Gutes denken noch begehren, weder hoffen noch geduldig sein kann, und doch dies Alles und noch mehr kann durch den, der uns mächtig macht Christus. Und hier, hier ist es, wo das Beten ohne Unterlass gegeben wird, was zum Leben und göttlichen Wandel dient, wo der Christ nichts und doch Alles hat, schwach und doch stark ist, nichts und deswegen Alles vermag.

Wie bin ich doch so herzlich froh,
Dass Jesus ist das A und O,
Der Anfang und das Ende.
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Beitragvon Joschie » 19.08.2017 07:00

Der Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel.
Johannes 3,27


In der Freudigkeit seines Herzens, und im Genuss der göttlichen Gaben, meint der Mensch wohl: nun sei sein Berg so fest gesetzt, dass er nimmermehr darnieder liegen werde. Und warum meint er das? Weil er heimlich für sich selbst etwas geworden zu sein glaubt, und meint, er habe nun den Glauben u.s.w, bekommen, um welchen er so lange gebetet. Aber da kann es noch immer wieder mit ihm dahin kommen, dass er mit Jakob sich selbst ansieht und besorgt, seine mächtigen Feinde möchten ihn noch einst vertilgen, samt seinem Hause. O ! was hat Gott mit uns zu tun, um uns in die wahre Armut des Geistes einzuführen, und darin zu erhalten. Immer und immer wollen wir groß, etwas in uns selbst werden, wachsen, stark, geschickt in uns selbst sein! Immer und immer muss uns daher der Herr von unserer Armut und Elend überzeugen; aber dieses Alles würde auch nichts helfen, gäbe er's nicht endlich selbst einigen Seelen, ihm das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit beizulegen, und sich in der Tat und Wahrheit für ein Nichts selbst dann zu achten, wenn sie der Gaben die Fülle haben; aber auch in der Tat, und mit Beruhigung, zu glauben, und daran sich zu genügen, dass in Christus alle Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt. Wohl ist's wahr, dass Niemand etwas nehmen oder behalten kann, es sei ihm denn gegeben vom Himmel.

Ach zermalme das Verlangen,
Das noch etwas Eignes will,
Nimm den bösen Sinn gefangen,
Der nicht hält in Allem still.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 29.08.2017 07:37

Darum laset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen, und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe Not sein wird.
Hebräer 4,16


Es ist nicht ein Richter, sondern ein Gnadenthron,oder wenn es ja ein Richtstuhl ist, so ist es doch nur ein solcher, von wo gnadenvolle Urteilssprüche ausgesprochen werden. Freilich offenbart sich Gott der Seele zunächst als ein strenger Richter. Der Mensch muss vors Gericht, jedoch in Gnaden. Er wird aller eingebildeten Gerechtigkeit verlustig, der Strafe würdig erklärt. Seine Sünden werden, wie in Schlachtordnung, wider ihn vorgeladen. Er kommt in Jammer und Not. Das ist nötig, und obschon schmerzhaft, doch wohltätig; denn er wird dadurch gedemütigt, und den Demütigen gibt Gott Gnade. Was kann nun also dem gedemütigten Sünder willkommeneres widerfahren, als wenn Gott ihm nach dem Evangelium als in Christus, als auf dem Gnadenthron offenbar wird. O! welch ein liebens-, welch ein vertrauenswürdiger Gott! Deswegen sagt er auch nicht: Lasst uns fliehen, sondern lasst uns hinzugehen, und das noch wohl mit Freudigkeit. Was werden wir denn daselbst finden? Was anders als Barmherzigkeit und Gnade auf die Zeit, wenn uns Hilfe Not sein wird. Wie kommt man denn dahin? Nicht anders als so wie man ist, nicht anders als mit seinen Sünden und seinem Elende.

Von dir hab' ich das Priestertum,
dass ich in’s innre Heiligtum
darf unverhüllet gehen.
Den Vorhang riss dein Tod entzwei,
ich darf als Bundsgenosse frei
vor deinem Antlitz stehen.
Grämen, Schämen
hat ein Ende, weil die Hände sind durchgraben,
die für mich bezahlet haben.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 03.09.2017 07:29

Ihr seid jetzt eine kleine Zeit traurig in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube rechtschaffen, und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold, das durch's Feuer geläutert wird.
1. Petrus 1,6.7


Wie Gold durchs Feuer, so muss der Glaube durch manche Proben und Anfechtungen gehen, um geläutert zu werden, und den ihm bestimmten Grad der Läuterung zu erreichen. Es ist der Natur des Glaubens gemäß, nichts zu haben, oder zu behalten, als Gott allein. Alle sonstige Stützen müssen brechen. Und das gibt Proben. Mit Israel kommt es bis vor das rote Meer – und dann hindurch. Josaphat muss ausrufen: In uns ist keine Kraft. Hiskia: Es ist keine Kraft da! – und dann der Sieg durch Gott. Das kranke Töchterlein muss sterben, Lazarus noch obendrein bis an den vierten Tag im Grabe liegen, Paulus seiner festen Erwartung nach so gut wie tot, Abraham und Sara erstorbener Leibes sein – dann hilft Gott. Du kannst, du weißt, du hast noch viel außer Gott – daher kannst, weißt, hast du noch so wenig und wirst so geplagt. Der Grund, warum es uns oft schwer wird, zu glauben, liegt in der Größe der Dinge, welche demselben vorgehalten werden. Dir, dem Missetäter, wird ein Geschenk frei, umsonst dargeboten, das, recht erwogen, fast zu groß und zu herrlich erscheinen möchte, um es anzunehmen, und zu glauben, du seist in Wahrheit gemeint. Die gänzliche Vergebung aller deiner Sünden, eine Gottesgerechtigkeit, die ewige Herrlichkeit, und das dir – wie darfst du dich unterstehen, solche Königreiche und Kaiserkronen als dir wirklich und unbezweifelt zugedacht anzusehen, ja anzunehmen? Ist das nicht unbescheiden, verwegen? Du, ein solcher Sündenwurm – sollst dich in Christus für einen solchen ansehen, der nie keine Sünde begangen noch gehabt hat? – ist das nicht gefährlich, entsetzlich, unerhört? – Aber sollte das Blut Christi es nicht wert sein?

Bist du erst ganz vom eignen Wirken leer,
So wandelt er dein fürchten, Zweifeln, Zagen
In lauter Jubelton und Lobgesang;
Du sagst ihm für den Geist des Glaubens Dank.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 18.09.2017 06:45

Der Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel.
Johannes 3,27


In der Freudigkeit seines Herzens, und im Genuss der göttlichen Gaben, meint der Mensch wohl: nun sei sein Berg so fest gesetzt, dass er nimmermehr darnieder liegen werde. Und warum meint er das? Weil er heimlich für sich selbst etwas geworden zu sein glaubt, und meint, er habe nun den Glauben u.s.w, bekommen, um welchen er so lange gebetet. Aber da kann es noch immer wieder mit ihm dahin kommen, dass er mit Jakob sich selbst ansieht und besorgt, seine mächtigen Feinde möchten ihn noch einst vertilgen, samt seinem Hause. O! was hat Gott mit uns zu tun, um uns in die wahre Armut des Geistes einzuführen, und darin zu erhalten. Immer und immer wollen wir groß, etwas in uns selbst werden, wachsen, stark, geschickt in uns selbst sein! Immer und immer muss uns daher der Herr von unserer Armut und Elend überzeugen; aber dieses Alles würde auch nichts helfen, gäbe er's nicht endlich selbst einigen Seelen, ihm das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit beizulegen, und sich in der Tat und Wahrheit für ein Nichts selbst dann zu achten, wenn sie der Gaben die Fülle haben; aber auch in der Tat, und mit Beruhigung, zu glauben, und daran sich zu genügen, dass in Christus alle Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt. Wohl ist's wahr, dass Niemand etwas nehmen oder behalten kann, es sei ihm denn gegeben vom Himmel.

Ach zermalme das Verlangen,
Das noch etwas Eignes will,
Nimm den bösen Sinn gefangen,
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Beitragvon Joschie » 23.09.2017 07:42

Ihr seid jetzt eine kleine Zeit traurig in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube rechtschaffen, und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird.
1. Petrus 1,6.7


Wie Gold durchs Feuer, so muss der Glaube durch manche Proben und Anfechtungen gehen, um geläutert zu werden, und den ihm bestimmten Grad der Läuterung zu erreichen. Es ist der Natur des Glaubens gemäß, nichts zu haben, oder zu behalten, als Gott allein. Alle sonstige Stützen müssen brechen. Und das gibt Proben. Mit Israel kommt's bis vor das rote Meer – und dann hindurch. Josaphat muss ausrufen: In uns ist keine Kraft. Hiskia: Es ist keine Kraft da! – und dann der Sieg durch Gott. Das kranke Töchterlein muss sterben, Lazarus noch obendrein bis an den vierten Tag im Grabe liegen, Paulus seiner festen Erwartung nach so gut wie tot, Abraham und Sara erstorbenen Leibes sein – dann hilft Gott. Du kannst, du weißt, du hast noch viel außer Gott – daher kannst, weißt, hast du noch so wenig und wirst so geplagt. Der Grund, warum es uns oft schwer wird, zu glauben, liegt in der Größe der Dinge, welche demselben vorgehalten werden. Dir, dem Missetäter, wird ein Geschenk frei, umsonst dargeboten, das, recht erwogen, fast zu groß und zu herrlich erscheinen möchte, um es anzunehmen, und zu glauben, du seist in Wahrheit gemeint. Die gänzliche Vergebung aller deiner Sünden, eine Gottesgerechtigkeit, die ewige Herrlichkeit, und das dir – wie darfst du dich unterstehen, solche Königreiche und Kaiserkronen als dir wirklich und unbezweifelt zugedacht anzusehen, ja anzunehmen? Ist das nicht unbescheiden, verwegen? Du, ein solcher Sündenwurm – sollst dich in Christus für einen solchen ansehen, der nie keine Sünde begangen noch gehabt hat? – ist das nicht gefährlich, entsetzlich, unerhört? – Aber sollte das Blut Christi es nicht wert sein?

Bist du erst ganz vom eignen Wirken leer,
So wandelt er dein fürchten, Zweifeln, Zagen
In lauter Jubelton und Lobgesang;
Du sagst ihm für den Geist des Glaubens Dank.
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Beitragvon Joschie » 26.09.2017 06:34

Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.
Römer 4,5


Sobald jemand glaubt, wird er auch gerecht vor Gott, und zwar so gerecht, wie Jesus Christus selber. Das ist freilich ein erstaunungswürdiges Wunder, wodurch aus Gottlosen auf einmal göttlich Gerechte, aus Unreinen mehr als Engelreine, aus Verfluchten Gesegnete werden und das in einem Augenblick, in demjenigen nämlich, wo die Vereinigung zwischen Christus und der Seele durch den Glauben vollzogen wird, wo Er sich mit der Seele verlobt und sie den Herrn erkennt. Das ist ein rechter Wunderglaube, welcher Berge versetzt. Sind aber nicht dem, der da glaubt, alle Dinge möglich? Wie das zugehen mag, ist leicht erklärbar. Denn durch den Glauben wird ein Mensch, welcher bisher ohne Gott, ohne Christus war – mit Christus vereinigt, eine Pflanze, ein Leib mit ihm, irgend ein Glied an ihm, eins mit ihm. Christus und er machen also eins aus, ja nicht er und Christus, sondern er nicht mehr, sondern Christus in ihm, wie Paulus spricht. Christus selbst wird seine Gerechtigkeit. – Wollen wir dies durch ein entgegengesetztes Bild erläutern? Ist jemand auch nur leicht von einer Schlange gebissen, so nennt man ihn mit Recht vergiftet, und er muss sterben. Ist jemand, auch nur noch den ersten Anfängen nach, von Christus tangiert: so hat er die Rechtfertigung des Lebens und wird nicht sterben, sondern leben und des Herrn Ruhm verkünden.

Hätt' ich der Engel Heiligkeit,
Ich legte ab mein schönstes Kleid,
Und wollt' in Jesum mich verhüllen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 04.10.2017 09:31

Jaget nach dem Frieden mit jedermann, und der Heiligung, ohne welche wird Niemand den Herrn sehen.
Hebräer 12,14


Das Ziel, zu welchem die christliche Religion uns führen will, ist in den Worten ausgedrückt: Den Herrn zu sehen, d. i. ihn zu erkennen, und eine vollkommene Gemeinschaft mit ihm zu haben. Dies ist die ewige Seligkeit. Sie wird Niemand zu Teil ohne Heiligung. Die Heiligung ist zweifacher Art, Die eine und hauptsächliche oder erste geschieht durch's Blut, und zwar durch das Blut Jesu Christi. Sie ist diejenige, die er selbst in den Worten ausdrückt: Ich heilige mich selbst für sie, auf dass sie geheiligt seien in der Wahrheit(Johannes 17,19). Sie heißt auch sonst die Versöhnung und die Rechtfertigung zum Leben. Wer diese nicht hat, wird den Herrn nicht sehen, sei er auch, wer er wolle. Wir nennen sie die erste, denn sie muss vorab statt finden. Auf diese Weise, durch's Blut oder durch ein Opfer, muss man von allen seinen Sünden gereinigt sein. Jagt ihr also nach, dass ihr euch mit nichts Geringerem begnügt, als mit einem so völligen Genuss derselben, wie der Hebräerbrief ihn andeutet: Dass ihr los seid von dem bösen Gewissen, weil ihr einmal vollendet seid; dass ihr kein Gewissen mehr habt von den Sünden, sondern Frieden habt mit Gott, durch unsern Herrn Jesus Christus. Daraus fließt nun her und ist unzertrennlich damit verknüpft die andere Heiligung, die durch Wasser und Feuer, den heiligen Geist bewirkt wird. Sie besteht in der Gleichförmigkeit unserer Gesinnung mit Gott, ohne welche es unmöglich ist, den Herrn zu sehen; denn ohne dieses würden wir seine Feinde sein, und keine Gemeinschaft mit ihm haben können nach seinem Willen.

Ich muss, wie du mich, dich kennen,
Ich muss heilig sein, wie du,
Und, wie du, in Liebe brennen;
Gib mir Licht und Kraft dazu.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 10.10.2017 16:46

Herr, lehre doch mich, dass es ein Ende mit mir haben muss, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muss.
Psalm 39,5


Wir reisen alle. Wir reisen stets. Wir rücken immer, schnell, unaufhaltsam und unvermerkt wie auf einem Dampfboot vorwärts, wir mögen essen, trinken, uns beschäftigen oder ruhen – es geht immer vorwärts. Zuletzt aber nimmt Jeder einen erstaunlichen Schwung, tut einen ganz gewaltigen Satz, gar aus: dieser Welt hinaus in eine andere hinüber, dann ist die Reise zu Ende. Das Reisezeug bleibt zurück, der Reisende selbst ist – ja, wo ist er? Alles schweigt. Man sieht's nicht, glaubt's nur, hoffet, fürchtet. Er hat viel und Wichtiges mitgenommen, aber was? Das, was hier meistens für das Unwichtigste gehalten wird: seine Gesinnungen, seine Wünsche, seine Begierden.
Wir reisen. Darüber sind wir alle einverstanden. Aber vielen fällt's gar nicht ein, oder wenn es ihnen einfallen wollte, würden sie doch denken, es sei noch gar zur Unzeit, sich das einfallen zu lassen, so lange werde ihre Reise noch dauern. Wird sie? Ihr seid etwa noch Jünglinge, und Salomo gibt, wenn man nur Eins dabei weglässt, euch eine willkommene Lebensregel, wenn er sagt: Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein. Tue, was dein Herz gelüstet, und deinen Augen gefällt. Lass die Traurigkeit aus deinem Herzen, und das Übel von deinem Leibe. – Dasjenige,was sich seltsam dazu reimt, lautet also:.Und wisse, dass dich Gott um dies Alles wird vor Gericht führen! Wer von euch jungen Leuten mag das aber bedenken! Doch gibt's derer auch und noch manche, die es zu Herzen nehmen. Sind Andere im Alter schon vorgerückt, so verhehlen sie sich ihr Ziel um so mehr, je näher es gekommen ist. Und wie? Betet nicht selbst David: Herr, lehre doch mich, dass es ein Ende mit mir haben muss, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muss. Erhellt nicht daraus, wie tief der eitle Sinn bei uns gewurzelt, und wie groß und allgemein unsere Verblendung sein muss?

Bedenk', du bist hier nur ein Gast,
Und kannst nicht lange bleiben;
Die Zeit lässt dir kein' Ruh' noch Rast,
Bis sie dich tut vertreiben.
So eile zu dem Vaterland,
Das dir hat Christus zugewandt
Durch sein heiliges Leiden.
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