G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

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G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 04.01.2017 20:08

Der Herr dein Gott, ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht lassen
noch verderben.
5. Mose 4,31


Er ist b a rm h er z i g , innerlich lieb habend; dies gilt den Elenden, den Trostlosen, über die alle Wetter gehen. Sein Herz bricht ihm über dem Seufzen dieser, mit mannigfachem Elend ringenden Herzen, wo hier eine Tiefe und da eine Tiefe brauset, dass er sich ihrer erbarmen muss. Seine Barmherzigkeit, rühmet Maria, währet immer für und für, bei denen, die ihn fürchten. Was ist köstlicher, wenn man sich gegen einen andern, besonders gegen einen Solchen, welcher nach der Strenge mit uns verfahren, aber auch uns mächtiglich helfen kann, wenn man sich gegen ihn eines zarten Mitleids versehen darf, nach welchem unsere Not und Kummer ihm nahe geht. Und siehe, wir haben einen Hohenpriester, welcher Mitleiden haben kann mit denen, die da schwach sind und versucht werden, als der da selbst mit Schwachheiten umfangen gewesen, und allenthalben versucht ist, gleich wie wir, doch ohne Sünde, auf dass er barmherzig und ein treuer Hoherpriester würde, die Angelegenheiten wahrzunehmen, welche bei Gott zu besorgen waren. Bist du denn elend, O Seele! schaue denn aus der Grube des Jammers hinauf zu dem am Gnadenfirmament flimmernden Stern, Barmherzigkeit genannt. Ein Abgrund von Barmherzigkeit verschlingt ein Meer voll Herzeleid.

Barmherzig, gnädig, geduldig sein,
Uns täglich reichlich die Schuld verzeih'n,
Heilen, still'n und trösten,
Erfreu'n und segnen
Und uns'rer Seele als Freund begegnen,
Ist seine Lust.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 09.01.2017 19:28

Ich kenne meine Schafe, und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
Johannes 10,27.28


Der Vorteile, welche die Schafe Jesu genießen, sind vier.
1. Ich kenne sie . Das ist die Sache, darauf kommt's an. Kennt er uns nur, so geht Alles gut, möchte es auch noch so wunderlich gehen.
2. Ich gebe ihnen das ewige Leben . Welch ein Geschenk! Ich gebe es. Welch eine Person. Nicht sie. Er hat es verdient und gibt's, wem er will, und Niemand erlangt's, als dem er es gibt, und dem gibt er es umsonst.
3.Und sie werden denn immer mehr rum kommen. Das scheint doch wohl so, geschieht aber nimmermehr und auf keinen Fall, wie gefährlich es auch wohl aussieht, und wie ängstlich sie schreien: wir verderben!
4. Und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Es reißen genug daran, nicht allein Fleisch und Blut, und Unglaube und böse Begierden, sondern noch was Ärgeres: Fürsten und Gewaltige nämlich. Aber Niemand, sagt Jesus, wer es auch sei, – Seine Hand ist stärker, als Alles.

Das Schäflein bleibt in seines Hirten Händen,
Wenn gleich vor Zorn der ganze Abgrund schnaubt;
Es wird es ihm kein wilder Wolf entwenden,
Weil der allmächtig ist, an den es glaubt.
Es kommt nicht um in Ewigkeit,
Und wird im Todestal von Furcht und Fall befreit.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 11.01.2017 13:33

Du bist der Trost Israels und ihr Nothelfer.
Jeremia 8,14


Mit diesen lieblichen Worten redet der Prophet Jeremia den Herrn an, und wollten wir sie noch eigentlicher übersetzen, so hieße es: O Israels Erwartung, sein Erlöser zur Zeit der Not! Es ist doch in der Tat ungemein lieblich, dass wir dem allgenugsamen Gott in Christus Jesu solche Namen geben dürfen. Die Gemeine der Gläubigen drückt in diesen Worten dreierlei aus; erstlich: tiefe Armut des Geistes. Von sich selbst erwartet sie kein Heil. In uns ist keine Kraft, kein Licht, kein Mut, keine Weisheit noch Heil; auf dich sind wir hingeworfen, auf dich sehen unsere Augen; dagegen bezeugt die Gemeine in diesen Worten die Allgenugsamkeit des Herrn; O du Erwartung Israels u.s.w. In dem Herrn haben wir Gerechtigkeit und Stärke. Christus ist gekommen, dass seine Schafe Leben und volles Genüge haben. In ihm ist eine Fülle, die nicht versiegt, und aus derselben haben wir genommen Gnade um Gnade. Das Wasser, was er gibt, wird in dem Menschen ein Quell des Wassers, der in das ewige Leben quillt. Sind nur Arme da, sie können reich, Hungrige, sie können satt werden. O, herrlicher Überfluss! Herzen her! Herzen her! Die Gemeine der Gläubigen bezeugt mit diesen Worten: O, du Erwartung Israels, sein Erlöser zur Zeit der Not, – ihr Vertrauen. Herr, was sollt' bei dir uns fehlen? Je mehr wir unsre Armut empfinden, desto mehr Freude macht es uns, weil der Herr desto mehr Gelegenheit hat, seinen Reichtum an uns zu verherrlichen. Wenn ich schwach bin, so bin ich stark; also kann man auch sagen: wenn ich töricht bin, so bin ich klug u. s. w. Wer ist weise, der dies verstehe, und klug, der dies merke?

Wenn ich traurig sitze
In Versuchungshitze,
Tröster, tröste mich!
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 16.01.2017 18:46

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit,
du tust deine Hand auf, und erfüllest alles, was lebet, mit Wohlgefallen.
Psalm 145,15.16


Irdische Wohltaten sind auch eine Art von Segen, den man nicht übersehen soll. Dies Jahr, die gegenwärtige Erntezeit lenkt unsre Aufmerksamkeit lebhaft darauf hin; Felder und Gärten halten uns eine Predigt von der Güte Gottes, indem sie uns den Genuss derselben darreichen, gegen welchen wir nicht unempfindlich sein dürfen, sondern aufheben sollen unsre Augen zu dem Segensgott, der seine milde Hand auftut, und von dem unsre zeitliche Wohlfahrt eben so gut abhängt, als unsre geistliche. Alles aber, was zu dieser zeitlichen Wohlfahrt gehört, nennen wir dennoch nur eine Art von Segen, weil auch Gottlose dessen teilhaftig werden., und Gottselige nicht selten wenig davon bekommen. Gott lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten, und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Gottlosen gereicht das zeitliche Gut nur zum Fluch, und sie geraten auf die Dauer doch in die bitterste Armut, wie an dem reichen Mann zu sehen ist. Was hülfe es auch dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele? Was hilft aller Anteil an der gegenwärtigen Welt, beim Mangel des Anteils an der zukünftigen? Und wie beweinenswert ist die Torheit, über dem Trachten nach einem augenblicklichen Gut ewige Güter zu versäumen, und wie gewöhnlich ist das leider!

Für alle Güte sei gepreis't
Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist;
Ihr bin ich zu geringe!
Vernimm den Dank,
Den Lobgesang,
Den ich dir kindlich bringe.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 21.01.2017 17:35

Wenn du mein Herz tröstest, so laufe ich den Weg deiner Gebote.
Psalm 119,32


Jede Erquickung ist wie ein Handgeld, ein Vorgeschmack des Kleinods, was am Ziel der Laufbahn aufgestellt ist, ein Vorgenuss dessen, was man dafür wieder bekommt, wenn man hiermit der Welt, und was der Welt gefällt, rein ab- und Christo ansagt. Denn, wenn du mich tröstest, dann laufe ich den Weg deiner Gebote. Der Trost geht, nach dem Evangelium, der Heiligung vorher, da das Gesetz diese voranstellt. Zur rechten Stunde lernt der zerschlagene Sünder gewisslich erkennen und dafür halten, dass Gott nicht ein harter Herr ist, der da schneiden will, wo er nicht gesät hat, sondern ein überaus guter Vater, welcher gibt einfältiglich, festiglich dafür halten und glauben, dass er nicht ein solcher ist, dem man durch vorhergehendes oder nachfolgendes eigens Wohlverhalten Etwas abverdienen muss, sondern der Alles hier umsonst um Christi willen schenkt, und überschwänglich tut, über Bitten und Verstehen, – als einen Gott lernt er ihn kennen, der Missetat, Übertretung und Sünde vergibt, der Gottlose so gerecht spricht, dass fortan sie Niemand verdammen darf, – als einen Gott von vollkommener Seligkeit. Er sieht unter den erleuchtenden Strahlen seines Angesichts und glaubt aufs gewisseste, dass er durch Christi Blut aufs Vollkommenste versöhnt, abgewaschen, gereinigt sei, dass die gesamte Handschrift seiner Sündenschuld an's Kreuz genagelt und weggeschafft sei. Der heilige Geist macht dies Alles kräftig, so dass sein Glaube eine gewisse Zuversicht wird.

Gibst du schon so viel auf Erden,
Ei, was wird's im Himmel werden!
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 24.01.2017 20:14

Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
Psalm 121,7


Freilich gestaltet sich bisher das Reich der Gnade hier auf Erden, wie eine Rose unter den Dornen: durch viele und mancherlei Trübsale müssen wir in das Reich Gottes gehen. Christus kündigt Jedem, der sein Jünger sein will, an, er müsse sein Kreuz auf sich nehmen, und zwar täglich, so dass wohl Leichteres und Schwereres abwechseln. Er selbst hat uns ein Vorbild gelassen, dass wir nachfolgen sollen seinen Fußstapfen. indessen wie dem auch sei, eigentlich Übel, d.i. solche Übel, die auch nichts als üble Folgen haben, treffen diejenigen nicht, die unter der Gnade sind; vielmehr muss ihnen Alles zur Seligkeit mitwirken. Und so groß der Vorteil ist, der in diesen Worten zugesichert wird, so wenig Sicherung gegen irgend eine Unannehmlichkeit bieten sie dar. Wem Alles zum Besten dienen muss, dem kann auch Alles widerfahren. „Wir werden geachtet wie die Schlachtschafe, als dem Tode übergeben, ein Schauspiel der Welt, den Engeln und den Menschen.“ Ob das aber auch, was diese Welt angeht, bis an's Ende derselben so fortdauern werde, kann man nicht behaupten. Wir gehen einer herrlichen Zeit der völligen Entwickelung des Seins unter der Gnade entgegen, einer völligen Offenbarung der Kinder Gottes, wie sie bisher noch nie stattgefunden hat, und in dem Maße, als sie diesseits der Ewigkeit statt- finden kann. Darauf hoffen wir, darnach sehnen wir uns, darum beten wir: „Wir sehnen uns nach der Kindschaft, und warten auf unsere Leibes Erlösung. Wir sind wohl Kinder, aber es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden.“

Darum trage deine Ketten,
Meine Seel, und dulde dich;
Gott wird dich gewiss erretten,
Das Gewitter legt sich.
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Beitragvon Joschie » 27.01.2017 19:50

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft; denn er ist mein Hort, meine
Hilfe, mein Schutz, dass mich kein Fall stürzen wird, wie groß er ist.
Psalm 62,1.2


Der Herr will sorgen, er will abwaschen unsere Sünden, er will kehren und trösten. Also dürfen wir nur stille sein, und können wir nicht stille sein, so will Er auch das geben. Alle unsere Sorgen dürfen wir auf Ihn werfen; und können wir des Sorgens nicht los werden, dürfen wir fragen: Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele, und mich ängstigen in meinem Herzen täglich? Ps. 13,3. – Was ist doch das für ein Bündnis, wo Alles versprochen wird! Wohl mag es da heißen: Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit, und aller Treue, die du an mir getan hast! – Wer sollte nicht Lust an einem solchen allerliebsten Bündnis bekommen, wo es heißt: Selig sind die Armen, denn das Himmelreich ist ihr! Selig sind, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden, – und woran nur die Satten, die Reichen, die Weisen und Frommen keinen Teil nehmen können. Dies recht einzusehen, versetzt in die süßeste Scham und eine Dankbarkeit von ganz eigener Art: „Denn ich sah dich in deinem Blute liegen, und sprach: Du sollst leben.“ Wunderbare Barmherzigkeit!

Was grämest du dich, meine Seel'?
Dem Herren deinen Weg befehl'.
Und glaube nur, er wird's wohl machen.
Er wird dir zeigen in der Tat,
Wie er dich leit't nach seinem Rat;
Dein Herz wird heilig darum lachen.
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Beitragvon Joschie » 30.01.2017 20:05

In uns ist nicht Kraft gegen diesen großen Haufen, der wider uns kommt.
Wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern unsre Augen sehen nach dir.
2. Chronik 20,12


Freilich erzittert da die Natur, wenn sie sich genötigt sieht, bei Gott die Hilfe zu suchen, weil sie sonst nirgends mehr zu finden ist, und ist geneigter, ihren gänzlichen Untergang zu besorgen, als Rettung und Hilfe zu erwarten. Doch gibt der heilige Geist hier den Ausschlag. Er hält die Seele fest, dass sie erklärt: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn! Dies sind die eigentlich inneren Kämpfe und Geburtswehen, während welcher die Seele aus der Tiefe ihrer Not zu Gott schreit, und sodann in die Höhe empor steigt, wenn die Zeit gekommen ist. Es ist dies in der Tat kein Scherz, und man kann da mit Salomo fragen: Einen niedergeschlagenen Geist, wer will den aufrichten? – Es sind dies aber auch zugleich Wege, die auf das Ziel hinauslaufen: Der Herr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. Gott pflegt die Seinigen stufenweise zu leiten, und diejenigen, welche er schweren Kämpfen berufen hat, vorher in leichteren zu üben. Eine Zeit lang können sie durch eigene Kraft und Überlegung noch Vieles ausrichten; endlich aber geht beides zu Grunde. Wellen bedecken das Schifflein, und es erhebt sich das Geschrei: "Meister wir kommen um"! Und dann ist die Hilfe am nächsten.

Gott der wird's wohl machen;
Mächtig in den Schwachen
Ist er allezeit.
Wem hat's je gefehlet,
Der sich Gott erwählet
In dem Herzeleid?
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Beitragvon Joschie » 03.02.2017 09:05

Wenn du mich demütigst, machst du mich groß.
Psalm 18,36


Nicht selten pflegt es denjenigen, denen der Herr sich näher offenbaren will, eine Zeit lang sehr misslich und widerwärtig zu gehen, und ihnen endlich ein Esau in den Weg zu treten, der es ihnen zu sauer macht; ja nicht ein Esau allein, sondern der Herr selbst. Sie selbst werden gering gemacht, damit der Herr groß werde. Sie wollen heilig, stark, gerecht, weise, gläubig, gut werden; sie beten und wirken nach aller Möglichkeit, und siehe, statt vorwärts zu kommen, geht's mit ihnen zurück. Was sie angreifen wollen, flieht vor ihnen; was sie halten wollen, verschwindet, was sie suchen, kriegen sie nicht. Ohne Barmherzigkeit macht Jesus Sünder aus ihnen, die überaus sündig sind, durch's Gebet, wie ungemein sie auch darüber jammern und stöhnen. Endlich wird ihnen ihre bisherige Art zu bestehen unmöglich gemacht, und ihnen nichts übrig gelassen, als: sich dem Sohne Gottes auf Diskretion zu übergeben, als Küchlein unter seine ausgebreiteten Flügel zu kriechen. O! herrlicher Ausgang, aber unangenehmer Weg für die Natur, der nichts übrig gelassen wird; aber auch nichts übrig gelassen werden soll und muss. Hier, hier erweiset es sich, dass das Geheimnis der Gottseligkeit groß ist .

Gott macht uns keinen Schmerz, er will ihn stillen.
Wo rührt er aber her? Vom Eigenwillen.
Lass dieses Schmerzenskind bei Zeiten töten,
So kommst du auf einmal aus allen Nöten.
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Beitragvon Joschie » 05.02.2017 19:35

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Jesaja 66,13


Gewöhnlich pflegt der bußfertigen Seele ein köstlicher Willkomm im Reiche Jesu Christi zu Teil zu werden, abgebildet durch das Freudenmahl und die andern Fest- und Feierlichkeiten wegen der Rückkehr des verlornen Sohnes, durch die Freude über das wiedergefundene Schaf, das der Hirte auf seine Achseln nimmt und nach Hause trägt; über den wiedergefundenen Groschen, wo die Nachbarinnen zur Mitfreude zusammen gerufen werden, wovon Jesus, Luk. 15 redet. Freilich ist dies nicht bei allen Seelen gleich groß, wie es auch die Arbeit der Buße nicht ist, und das Eine richtet sich gewöhnlich nach dem andern. Aber jede Seele empfängt doch einige liebliche Gnadenbröcklein, welche ihr lebenslänglich unvergesslich bleiben. Dies alles ist der vorhin so geängsteten Seele etwas ganz Neues, das sie nie gekannt hat; es ist dasjenige, was nie in eines Menschen Herz gekommen ist, und das Gott bereitet hat denen, die ihn lieben. Alle Weltfreude ist dagegen nicht nennenswert, sondern billig ginge Jeder hin, und verkaufte Alles, was er hat, um diese Perle zu kaufen, die reicher macht, als alle sonstigen Schätze, prächtiger ziert, als jeder andre Schmuck.

Gib nur, dass so, wie sich für jetzt
Mein Herz in deiner Füll' ergötzt,
Es in dir möge bleiben.
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Beitragvon Joschie » 08.02.2017 20:05

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, als des eingeborenen
Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Johannes 1,14


Jesus Christus ist der Mittelpunkt, in welchem sich die zerstreuten Strahlen als in ihrem Brennpunkt vereinigen, und in dessen Angesicht die Herrlichkeit Gottes sich spiegelt, dessen Betrachtung daher auch das Nötigste und Heilsamste ist. Sünde und Gnade recht kennen lernen, ist unsre Aufgabe, und beides wird am besten in ihm erkannt, der zur Sünde und zur Gerechtigkeit gemacht ist. Wollen wir recht anschauen, was die Sünde sei, so haben wir nicht so sehr unsere Augen zu richten auf jene erste gottlose Welt, die samt und sonders mit Alten und Kindern in den Wasserfluten ersäuft wurde – sondern wenn wir sehen, wie Gott selbst seines eigenen Sohnes, nachdem er ihn zur Sünde gemacht – sogar nicht schont, weder dem Leibe noch der Seele nach, und ihn ohne Barmherzigkeit in des Todes Staub legt: so sehen wir erst vollständig, was die Sünde in Gottes Augen sein müsse, da er eine solche Rache darüber nimmt und ein solches Opfer fordert. Wie tief werden wir dadurch gedemütigt, zu welcher Buße und Selbstverleugnung aufgefordert! – Aber wo erblicken wir auch einen solchen Gnadenglanz, wie in dem Angesicht Jesu Christi? Welch ein unergründliches Meer an Tiefe, und unübersehbar an Umfang bietet die Gnade aller Gnaden dar, dass Gott die Welt also liebte, dass er seinen eingebornen Sohn gab!

Hier starrt der Geister Schar, die Seraphinen
Bedecken hier mit Flügeln ihr Gesicht;
Hier öffnen sich der Ewigkeit Gardinen.
Hier tritt der ganzen Gottheit Rat an's Licht.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 10.02.2017 09:38

Geht hin in alle Welt, und predigt das Evangelium aller Kreatur.
Markus 16,15


Was heißt das Evangelium predigen? Es heißt kund machen und zeigen, was wir an Christo Jesu haben, was er uns ist, was für ein Geschenk uns der Vater mit seinem eingeborenen Sohne gemacht hat. Gottlob, ein weites Feld, voll der köstlichsten Früchte, grüne Auen an sanft fließenden Wassern, eine volle Mahlzeit, ja, ein königliches Hochzeitsmahl, wo alles Angenehme, Nötige und Nützliche im größten Überfluss angetroffen wird für die Genesenen, und die wirksamste Arznei für Kranke. Evangelium predigen heißt bekannt machen, was wir, so wir glauben, in ihm sind, welches ungemein viel bedeutet, und vom Apostel Kol.2.10 in dem einen, alles umfassenden Ausdruck zusammengestellt wird, wenn er sagt: ihr seid vollkommen in ihm! also dass ihr keinen Mangel habt, fügt er bei den Korinthern hinzu. – Evangelium predigen heißt nachweisen, welche Rechte und Hoffnungen wir um seinetwillen haben, als da ist das Recht und die Hoffnung vollkommener Erlösung, beides Leibes und der Seelen, das Recht des völligen Sieges über alle Feinde, zuletzt auch über den Tod, das Recht des freien Zutritts zum Gnadenthron, das Recht der Kind- und Erbschaft, so wie das Recht, dass alles uns zum Besten dienen muss. – Evangelium predigen heißt, alle die herrlichen Verheißungen des Gnadenbundes auseinander legen, wie sie vom Kleinsten bis zum Größten fortschreiten, und dem rückkehrenden verlorenen Sohn gleichsam Kleider, Ring und Schuhe entgegen tragen, und einen Hut auf sein Haupt setzen. Kurz – Evangelium predigen heißt das Allerfreundlichste, Lieblichste und Erwünschteste verkündigen, was ein Mensch nur hören kann: Gutes predigen, Heil verkündigen, nichts fordern, sondern alles anbieten, nichts befehlen, sondern alles schenken, nicht schrecken, sondern trösten, nicht niederschlagen, sondern aufrichten und Mut machen.

Wort aus Gottes Munde,
Wort vom Friedensbunde,
Evangelium;
Bald, da wir gefallen,
Ließ dich Gott erschallen,
Du bist unser Ruhm!
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Beitragvon Joschie » 12.02.2017 18:50

Denn ich weiß, an wen ich glaube, und ich bin überzeugt, daß er mächtig ist, das mir anvertraute Gut zu bewahren bis zu jenem Tag.
2. Timotheus 1,12

Ein echter Christ ist seiner Seligkeit gewiss. Er ist dies nicht durch Erinnerung an das , was vor Zeiten in seinem Herzen vorgegangen ist, und was der Seele oft nur eine schwache Stütze gewährt; er ist es nicht durch die Kennzeichen, denn wie sehr können die verdeckt und verdunkelt werden! Wir sind immer zu diesen Reflexionen aufgelegt, und wer kann dadurch nicht eben so leicht verwirrt, als beruhigt werden? Er ist es nicht durch ausnehmende Tröstungen und Erquickungen, die nicht an einem fort währen können und sollen. Viel weniger aber ist er's durch ein eigen- mächtiges Verfahren, wo er sich selbst ohne Buße und ohne Glauben der Seligkeit versichert, weil ja Gott barmherzig und Christus für uns gestorben ist, welches in einem solchen Munde und in einem solchen Herzen eine grobe Unwahrheit und Lüge ist – sondern der echt evangelische Christ ist sich seiner Seligkeit gewiss, weil er das Pfand des Geistes hat, womit er versiegelt ist auf den Tag der Erlösung. Dieser Geist versichert ihn des ewigen Lebens, wie er ihn von Herzen willig und bereit macht, dem zu leben und zu sterben, der für ihn gestorben ist, und nun lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Er wirkt in seinem Herzen die Empfindung des Anfangs des ewigen Lebens, und die Gewissheit, dass nichts ihn scheiden kann und wird von der Liebe Gottes, die da ist in Christus Jesu. Dieses Zeugnis ist kräftig durchdringend, und verscheucht alle Zweifel, die dagegen gar nicht empor kommen können, oder wenn sie sich melden, besiegt werden. O, seliger Stand eines echt evangelischen Christen! O großer Reichtum! O Friedensborn! Wer denn will, der komme, und wen da dürstet, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.

Ich weiß es, Herr, du mein Leben,
Du bist für mich dahingegeben,
In dir, o Jesu, find' ich Ruh';
Ist's, dass mich Sünd' und Hölle schrecken,
So lauf' ich, um mich zu verstecken,
Auf dich als meine Festung zu.
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Beitragvon Joschie » 15.02.2017 13:14

Wir wissen aber, das das Gesetz gut ist, so jemand sein recht braucht.
1. Timotheus 1,8


Die Gebote Gottes sollen uns an unsere Pflicht und Schuldigkeit mahnen, wie wir uns verhalten und überall erweisen sollen als Diener Gottes, Heilige und Geliebte. Wir sollen uns keineswegs so gelten lassen, sondern eifrig bedacht sein, abzulegen die Sünde, die uns immerdar anklebt und träge macht, fortzufahren mit der Heiligung, dem Ziele nachzujagen, ob wir's ergreifen möchten, nachdem wir von Jesu Christus ergriffen sind, auszuziehen den alten, anzuziehen den neuen Menschen. Deswegen stehen alle die Gebote in der heiligen Schrift, uns zu einem werktätigen Christentum anzuspornen; sie stehen da zu unserer Beschämung und Demütigung. Denn diese werden sich unserer bemeistern, wenn wir mit einander vergleichen, was wir sein sollten und was wir wirklich sind, wie wir uns benehmen sollten und wirklich benehmen, wie viel uns noch von dem alten Menschen anklebt und bei aller Gelegenheit durchblickt; vergleichen wir die Liebe Gottes gegen uns mit unserer Liebe gegen ihn, erwägen wir Christi Gnade an uns, sein Leiden für uns und unsere Dankbarkeit gegen ihn, ja bedenken wir unsern Kaltsinn, unsere Gleichgültigkeit, unsere Prätensionen, die wir noch wohl machen wollen, unsere Ungeduld, Weltliebe, Trägheit, erwägen wir dies recht: so wird sich wohl jene Zöllnergestalt für uns ziemen, der seine Augen nicht aufheben mochte. Wie gering nur ist der Anfang! Wie häufig bleibt's beim Wollen, das auch manchmal so gar brennend nicht ist; wie ist des Kriechens so weit mehr als des Laufens! Und wie zahlreich ist die Menge derer, die nicht einmal kriechen, die nicht einmal wollen, denen so gut wie gar nichts an ihrer Seelen Heil gelegen ist! Also Beschämung und Demütigung von allen Seiten.

Ach, wie viel näher müsst' ich schon zu dir
In so viel Tag' und Jahren sein gekommen!
Wie müsst' des Fleisches Trieb sein abgenommen!
Wie müsst' dein Bild schon glänzend steh'n in mir!
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Beitragvon Joschie » 17.02.2017 17:27

Wacht, steht im Glauben, seid männlich und seid stark.
1. Korinther 16,13


Es ist ein schwacher Glaube ähnlich einem zerstoßenen Rohr und glimmenden Docht! Es gibt aber auch einen starken Glauben, vergleichbar Eichenbäumen der Gerechtigkeit, Strebepfeilern im Hause Gottes. Jener kann als stark erscheinen, wenn die Umstände ihn begünstigen, wie ein leichter Nachen bei gutem Wetter sich weit in die See wagt, während ein starkes Schiff im Sturm Not leidet. Ist jemand voll Trost, voll angenehmer Empfindungen, voll Geistes, ist er in Sicherheit, ohne Mangel, ohne Anfechtungen, sind die Anstöße aus seinem Wege weggeräumt und Bahn gemacht, haben sich die Feinde heimlich vor ihm verborgen, ist sein Himmel ohne Welken und seine Erde im Wonnemond – dann ist's kein Wunder, wenn der Schwächste ist wie David. Bei dem allem ist der Glaube an sich noch wohl sehr schwach und macht nicht so sehr die nackte Verheißung, als vielmehr das, was er in sich selbst findet, zum Grunde seines Mutes. Sie schreien: nimmermehr werde ich darnieder liegen! Aber was wird's werden, wenn er sein Angesicht verbirgt? – Ein völliger Glaube weiß auch im größten Gedränge, was er an seinem Gott und Vater in Christus hat. Möchte ihm Leib und Seele verschmachten, dennoch bleibt er an Ihm. Ist in ihm keine gegen den Haufen, der wider ihn kommt: seine Augen sehen doch unverwandt auf den Herrn. Josua in unreinen Kleidern, den Widersacher, den Satan zur Rechten, steht vor dem Bundesengel. Der Schacher begehrt von dem, in tiefster Armut, Schmach und Erniedrigung, als ein Fluch am Kreuz hangenden Könige Israels, die Seligkeit; Jakob, von dem die Nacht hindurch mit ihm ringenden Gottengel unabweislich den Segen; Abraham glaubt wider Hoffnung. Ein völliger Glaube folgt der Wolkensäule getrost durch die Quergänge der Wüste, Kanaans gewiss, an der Grenze wie am äußersten Meere.

Ich halte mich an dem, der mich gemacht hat,
Und der so angenehm mein Heil.bedacht hat;
Er hat mich zu dem End' mit Blut erworben,
Und, dass ich leben könnt', ist er gestorben.
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