G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

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Joschie
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G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 05.01.2015 16:31

Ab heute werden die Andachten aus Gottfried Daniel Krummacher "Tägliches Manna"-Andachten zur Stärkung für die Wüstenreise von Gottfried Daniel Krummacher hier im Forum reingesetzt. Wir bedanken uns besonders bei Thomas Karker für die Genehmigung, dass wir diese von ihm bearbeiteten Andachten, hier im Bifo-Forum als Lesung benutzen zu können. Die Andachten gibt es nach langer Zeit wieder Hier

Gottfried Daniel Krummacher – eine biografische Skizze

G.D. Krummacher wurde am 1. April 1774 als Sohn des Juristen und Bürgermeisters Friedrich Jakob Krummacher in Tecklenburg bei Osnabrück in eine reformiert geprägte Familie geboren. Er studierte in Duisburg Theologie, wobei er sich bewusst dem aufstrebenden Gedankengut der Aufklärung, des Rationalismus und der Bibelkritik widersetzte. Stattdessen suchte er den Kontakt zur Erweckungsbewegung und las Schriften wie John Bunyans „Pilgerreise“. 1798 nahm Krummacher eine Predigerstelle in einer pietistisch geprägten Gemeinde in Baerl bei Moers am Niederrhein an. Erst durch die dortige Teilnahme an einer Katechismusstunde erlangte er Erkenntnis seiner Sünden und Verdorbenheit und fand nach mehrtätigen Buß- und Gebetskampf im Glauben an das stellvertretende Sühnopfer Christi Frieden mit Gott. Fortan rang er um Heiligung und unterschied in seinen erwecklichen Predigten klar zwischen den Kindern Gottes und den Kindern dieser Welt.

Ab 1801 wirkte er 15 Jahre lang in einer eher schläfrigen Gemeinde in Wülfrath und entschied sich in dieser Zeit – wohl veranlasst durch das romantisch-pietistische Gedankengut Gerhard Tersteegens (1697-1769) - zur Ehelosigkeit.

Im Februar 1816 wurde er Prediger der reformierten Gemeinde in Elberfeld. Zu dieser Zeit breitete sich in Elberfeld die bergisch-niederrheinische Erweckungsbewegung aus, die in einem Nachruf auf Hermann Friedrich Kohlbrügge, ein Nachfolger Krummachers, so beschrieben wird:

In Deutschland finden wir besonders nach den Nöten der Napoleonischen Fremdherrschaft und den Freiheitskriegen eine Erweckungsbewegung, die aber weniger an die Öffentlichkeit trat als in Holland. Im Allgemeinen herrschte aber in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Rationalismus, der an die Stelle der Offenbarung die menschliche Vernunft setzte, und der kirchliche Liberalismus, hie und da von pietistischen Strömungen oder von den Einflüssen Schleiermachers durchbrochen, der die Frömmigkeit des Menschen pries, aber von der reformatorischen Wahrheit weit abgewichen war. Die Städte des Wuppertals waren wie eine Oase inmitten der Verödung. Der Rationalismus hatte dort nur wenig Eingang gefunden. (Quelle: LichtundRecht.de)

Ein anderer beschrieb Elberfeld in einem Brief 1825:

Kurz, wir haben jetzt ein Land Gosen, ein rechtes Canaan hier und in hiesiger Gegend … Denken Sie sich zwanzig erleuchtete, wiedergeborene Prediger …(aus U. Gäble: Der Pietismus im 19. und 20. Jahrhundert)

Krummacher stand dabei an der Spitze dieser Schar erwecklicher Prediger. Die Erweckung war zunächst eine Jugendbewegung – die so genante Elberfelder Kindererweckung von 1816 – ergriff dann aber auch die Erwachsenen. Während der lutherische Pfarrer Karl August Döring (1783 – 1844) durch evangelistisches Wirken die Jugend zu gewinnen suchte, stellte Krummacher in guter Ergänzung dazu mehr die persönliche Heiligung des Gläubigen in den Vordergrund seiner Verkündigung, betonte aber auch immer wieder die Rechtfertigung allein aus Glauben, um die Gläubigen durch den Nachdruck auf dieses Grundelement des Evangeliums zu festigen und zu stärken.

Die Zusammenkünfte der Erweckungsbewegung wurden so beschrieben:

Das Äußere hatte allerdings nicht viel Anziehendes. Ein ziemlich enges Stübchen im Hinterhause war der Versammlungsort. Zunächst vorn hatte der Selige seinen Platz an einem kleinen Tischlein, auf welchem ein Lämpchen oder Talglicht brannte – das einzige in der ganzen Stube – um ihn ältere Freunde, rings umher dann in allen Räumen und Winkeln, wo nur ein Platz zu finden war, die Erbauung suchenden Zuhörer. (Aus: Der Pietismus im 19. und 20. Jahrhundert).

Krummachers Predigten wurden als »in rhetorischer Hinsicht gewollt kunstlos«, aber eindringlich beschrieben. Viel lag ihm an der Betonung der Souveränität Gottes, der sich nicht des Frommen, sonders des Sünders erbarmt. Seine Gegner brandmarkten ihn wegen deshalb bisweilen abschätzig als »Prädestinatianer«.

In seinen Predigten und Predigtreihen betrachtete er oft das Alte Testament; berühmt sind z. B. seine Auslegungen über »Jakobs Kampf und Sieg« oder die »Wanderungen Israels«. In diesen Predigten vergleicht er den Auszug Israels aus Ägypten mit den Christen, der Welt und Gottlosigkeit hinter sich lässt auf dem Weg zum ewigen Erbe. Theologisch orientierte Krummacher sich dabei an Calvin und am Heidelberger Katechismus, und die inneren Kämpfe Luthers waren ihm ein persönliches Vorbild. So vermittelte er dem pietistischen Erbe seines Wirkungskreises entgegen der eher lehrfeindlichen Haltung des Pietismus eine vertiefe lehrmäßige, biblisch-reformatorische Grundlage.

Seine Zeit in Elberfeld war von Kämpfen an drei Fronten geprägt: gegen die Schwärmerei, die in Elberfeld-Wüstenhof grassierte (die Bezeichnung „Wüstenhöfer“ war damals Inbegriff für sektierische Schwärmerei), gegen den Liberalismus und Säkularismus und für eine freie, vom Staat unabhängige Kirche (Agendenstreit).

Am 24. Oktober 1819 musste sich Krummacher in Köln vor der Kirchenbehörde rechtfertigen, weil ihm vorgeworfen wurde, seine Gnadenlehre fördere den Antinomismus (die Lehre der Gesetzlosigkeit) der schwärmerischen Wüstenhöfer. Krummacher gründete seine Rechtfertigungspredigt auf Römer 6,1 – Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf dass die Gnade desto mächtiger werde? Das sei ferne! – und zeigte, dass seine Lehre nichts mit Schwärmerei zu tun hat, sondern auf Paulus beruht. In der Veröffentlichung dieser Predigt schrieb er in einem Vorwort: „Feind alles Fanatismus, der außerordentliche unmittelbare Offenbarungen Gottes an die Menschen wähnt, während er die geschriebenen gering achtet, hänge ich mit ganzer Seele an der Heiligen Schrift.“ (Quelle: Glaubenstimme.de)

Zwischen 1834 und 1837 erlitt Krummacher drei Schlaganfälle; er starb am 30. Januar 1837 in Elberfeld. Seine Nachwirkungen sind vielfältig. Er gilt als Hauptperson der bergisch-niederrheinischen Erweckungsbewegung und war somit Wegbereiter für weitreichende geistliche Impulse, die im 19. Jahrhundert von Elberfeld ausgingen: Hier entstand der deutsche Zweig der Brüderwegung und die Elberfelder Bibelübersetzung, 1848 wurde hier die Evangelische Gesellschaft für Deutschland begründet (die Werkezeuge Gottes wie den Jugendpfarrer Wilhelm Busch hervorbrachte), und auch Hermann Heinrich Grafe, der Gründervater der Freien evangelischen Gemeinden, war Nutznießer des in Elberfeld und Umgebung zubereiteten Bodens. Aber auch die Erweckungsbewegung im Siegerland hat Krummacher mit geprägt und hatte dort den späteren Verbandspräses Tillmann Siebel zum geistlichen Ziehsohn. Auch Hermann Friedrich Kohlbrügge und über ihn weite Kreise im Wuppertal und in den Niederlanden waren nachhaltig von Krummacher beeinflusst. Seine Predigten wurden in zahlreichen Bänden gedruckt.(Quelle)

Vorrede

Der selige Herr Pastor Krummacher war bei seinen Lebzeiten, besonders in den letzten Jahren, von seinen Freunden oft ersucht worden, ein Schatzkästchen zu verfassen, und ihnen dadurch gleichsam ein tägliches Andenken zu hinterlassen. Er zeigte sich auch durchaus nicht abgeneigt, ihren Wünschen zu willfahren; aber seine letzte Krankheit und sein Tod vereitelten sein Vorhaben zum Bedauern Vieler, die grade von ihm am liebsten ein solches Vermächtnis sich wünschten. Da lag der Gedanke nun natürlich nahe, aus seinen hinterlassenen Werken ein solches Schatzkästlein zusammen zu setzen, und auf diese Art dem Verlangen seiner Freunde entgegen zu kommen. Aus seinen so gehaltreichen und tiefen Predigten ließen sich leicht einzelne kurze, aber inhaltsreiche Stellen auslesen, und jedem Tage des Jahres eine solche zuteilen; ein passender Bibelspruch, als Überschrift der einzelnen Betrachtungen, war auch nicht schwer zu finden, indem ein solcher sich entweder als Predigttext von selbst darbot, oder die Betrachtung sich als besonderer Teil der Predigt an diesen Spruch knüpfte; oft auch musste ein einzelnes Wort die Wahl des Spruches bestimmen, ohne dass das Folgende dann grade als eine Erklärung des ganzen Spruches erscheint. An Liederversen, die in einem Schatzkästlein eigentlich nicht fehlen dürfen, boten das hiesige reformierte Gesangbuch, die Lieder von Lampe, Neander, Terstegen, Woltersdorf u. A., besonders auch das Gesangbuch der Brüdergemeine eine reiche Auswahl dar. Besonders passend erschien es, wenn ein Vers sich als Gebet oder Zueignung an die vorhergehenden Worte anschloss. So wie natürlich auch hierin es galt, den Geschmack und die Vorliebe des Seligen für einzelne Dichter und Lieder zu ehren. Bei dem großen Reichtum an Gedanken und ihrer Mannigfaltigkeit in den hinterlassenen Predigten des Herrn Pastor Krummacher, sind es doch einige Wahrheiten, die, mit besonderer Vorliebe von ihm behandelt, auch sehr häufig in neuen Betrachtungen wiederkehren; ja fast könnte man sagen, seine Predigten seien nur Variationen über einige Themata, besonders über die: „Der Gerechte wird seines Glaubens leben.“ – „Alles und in Allem Christus!“ – „Er muss wachsen, ich muss abnehmen.“ „Erkennet, wie der Herr seine Heiligen wunderlich führt.“ – und einige andere. Darin hat es denn auch besonders seinen Grund, wenn in diesem Büchlein einzelne Wahrheiten dem Leser öfter im Jahre vorgehalten werden. Zur Rechtfertigung möchten wir ein Wort des Seligen aus seinen köstlichen Predigten über „Jakobs Kampf und Sieg“ anführen, wenn er in Beziehung auf die heilige Schrift sagt: „Das wäre doch eine seltsame und für fleißige Leser der heiligen Schrift üble Sache, wenn man sich solcher Verheißungen nicht trösten dürfte, die man schon weiß.“ – Ein Wort, an dem wir heute vielleicht grade nichts Sonderliches haben, bietet uns morgen desto mehr. Dies waren denn die Grundsätze und Gesichtspunkte, unter deren Leitung die Zusammenstellung dieses Schatzkästchens bewerkstelligt wurde, zu dessen Anfertigung und Herausgabe übrigens der Verfasser weder durch ein besonderes Talent dazu, noch auch selbst durch einen jahrelangen vertrauten Umgang mit dem Verewigten, sondern allein durch seine Lust und Liebe zu dieser Arbeit, so wie durch den Segen, den er sich selbst davon versprach, – und welcher ihm auch durch Gottes Gnade zuteil geworden ist, – sich berechtigt glaubte. Übrigens däucht ihn, diese Blätter seien wirklich das, was ihr Titel sagt: Ein tägliches Manna für Pilger durch die Wüste. Manche werden vielleicht verächtlich, wie die Israeliten, beim ersten Anblick des Manna fragen: Was ist das? Andere „wird's ekeln vor dieser losen Speise.“ Für Solche sind sie nicht geschrieben. Wer aber mit David sich einen Pilger Gottes nennen darf, wem diese Erde zu einer Wüste geworden ist, wer ein anderes, besseres Vaterland kennt, und auf der Reise dahin begriffen ist, – der wird in ihnen nicht allein großen Verstand, sondern auch Trost, Erquickung, Stärkung und Ermunterung in reichem Maße finden, und den Herrn dafür preisen. An solchen Seelen wolle der treue Herr denn insbesondere das tägliche Sammeln und Genießen dieser Mannakörner segnen und dieselben neu gestärkt von Kraft zu Kraft fortgehen lassen, bis sie zu Gott in Zion kommen.
Amen.
Elberfelb, im Dezember 1837
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 06.01.2015 08:32

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein Jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. 2. Korinther 5,10

Wie kurz unser Leben ist, so wichtig ist es. Es ist die Aussaat für jene Welt. Hier sät man und ist immer am Säen, dort erntet man. Unser Schicksal in derselben, was entweder schrecklich ober höchst selig, in beiden Fällen ewig ist, hängt lediglich davon ab, wie wir unsere kurze Lebens und Gnadenzeit verwendet haben. Nachholen lässt sich da nichts mehr, nachbessern eben so wenig. Ansehn, worin wir hier standen, gilt da nichts mehr. Aber wie beschließen die Meisten ihre Reise? so dass man ihnen das Herannahen ihres Endes zu verheimlichen sucht. – Es kommt doch. Bisweilen wird ihnen herzlich, bisweilen zum Schein, oft gar nicht nachgeweint. Man begräbt sie. Man unterhält sich nach dem Begräbnis munter über vorkommende Gegenstände. Wenn was da ist, teilen sich die Erben drein, und des Verstorbenen wird vergessen. Es dauert nicht lange, so ist er wie niemals da gewesen, und wird wenig oder gar nicht vermisst. Das ist es denn; das war sonst der Mühe wert! So gings auch mit dem reichen Mann und dem armen Lazarus. Sie starben beide, und wurden begraben. Jesus zieht aber da, wo unser Nachsehen vorbei ist, den Vorhang weg und lässt uns den reichen Mann in der bittersten Armut in der Hölle, in der Qual, in den Flammen erblicken, den Lazarus aber in Überfluss, Freude und Ehre. Jener wünscht seine Brüder bewahrt zu sehen, für die aber kein Rat ist. Wenn sie die Schrift nicht hören wollen. – Da haben wir's also. Schreckliche Reise, die einen solchen Ausgang nimmt, wie jene vergnügliche Art zu reisen! Herrliche Reise, die zu Lazarus Ziele führt! möchte es während derselben auch noch so erbärmlich hergehen. Richtet euch denn darnach. Wer nach Osten reiset, kann nicht nach Süden kommen. Wer das gute Ziel will, muss auch den guten Weg einschlagen. Meine nur Niemand, das Ziel sei einerlei, wie verschieden auch die Wege; er irrt gefährlich.

So schnell ich Land und Sand verlass,
So schnell läuft meines Lebens Glas,
Und was vorbei ist, kommt nicht wieder;
Ich eile zu der Ewigkeit,
Herr Jesu, mach mich nur bereit,
Eröffne meine Augenlider,
Dass ich, was zeitlich ist, veracht'
Und nur nach dem, was ewig, tracht.

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Beitragvon Peter01 » 07.01.2015 11:43

Wünsche Jerusalem Glück. Es müsse wohl gehen, die dich lieben. Psalm 122,6

Das Grüßen oder Segnen wahrer Christen ist auch etwas Heilsames und Kräftiges, wenn es geschieht, wie es geschehen soll, mit gläubiger Erhebung des Herzens zu Gott durch Christum. Wir glauben eine Gemeinschaft der Heiligen. Sie besteht nicht bloß in der herzlichen und aufrichtigen Liebe, welche unter wahren Christen so unfehlbar stattfindet, dass Johannes sie als Kennzeichen angibt, man sei vom Tode in's Leben kommen, und wer den Bruder nicht liebe, der bleibe im Tode. Sie besteht nicht bloß darin, dass man sie mit seiner äußern Habe unterstützt, und mit seinen geistlichen Gaben dienet, z. B. belehret, aufmuntert, tröstet; sondern wir haben Grund zu glauben, dass unser Werk in dem Herrn keineswegs vergeblich sei, wenn wir uns gegenseitig im Geiste segnen, und Heil und Gnade vom Herrn betend über einander herabwünschen. Der Herr tut ja, was die Gottesfürchtigen begehren. Ja, es ist gegenseitige Pflicht. Wir segnen euch im Namen des Herrn, – so schließt der 119. Psalm, und Paulus spricht: Betet für einander! Lasset auch uns das gegenseitig fleißig üben, damit der Leib Christi erbauet werde. Doch unser Segnen an sich ist unkräftig, und nur dann kräftig, wenn unsere Herzen vom Herrn dazu bewirkt werden, und mit seinem Rat übereinstimmen.
Betgemeine, heilge dich

Mit dem heiligen Öle;
Jesu Geist ergieße sich
Dir in Herz und Seele!
Lass den Mund
Alle Stund
Vom Gebet und Flehen
Heilig übergehen.

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Beitragvon Peter01 » 08.01.2015 08:38

Aber nun, Herr, du bist unser Vater; wir sind Ton, du bist der Töpfer; wir sind alle deiner Hände Werk. Jesaja 64,8


So betet die Kirche. Sie stellt dich dem Herrn als Ton dar, der an sich keine Gestalt noch Schönheit hat, sich auch keine geben kann, aber doch begehrt, ein Gesäß dem Herrn brauchbar und zur Ehre zu werden. Ein Töpfer bereitet aber aus dem Ton manche schöne, ja prächtige und kostbare Gefäße, denen man den schmutzigen Ton nicht mehr ansieht, sondern die eine zierliche und schöne Gestalt, und Farbe, Gold, Silber und Blumen an sich haben, und zum Nutzen und zum Zierrat dienen. Gott kann aus uns etwas Herrliches bereiten, obwohl wir von Natur ein hässlicher Ton sind, obschon wir uns selbst nicht zubereiten kommen. Ja, er will es auch aus Gnaden tun, will unser Töpfer sein, wenn wir uns nur in seine Hände legen und nicht widerstreben. – Ein Töpfer muss aber viele Arbeit mit dem Ton vornehmen, ehe ein Gefäß daraus wird. Er muss ihn z. B. von Sand, Steinen und sonstigem Unrat reinigen, die sonst alle Bearbeitung hindern würden; und je edler das Gefäß werden soll, desto genauer muss diese Reinigung geschehen. Demnächst wird er geknetet, gestampft, geschlagen, damit er recht geschmeidig und genehm werde; dann kommt er auf die Töpferscheibe, und es wird durch die Hand des Künstlers ein Gefäß daraus gemacht, das aber auch nur eine Gestalt ohne Schönheit hat. Alsdann wird’s bemalt, und je nachdem es ein köstliches Gefäß werden soll, werden Gold, Silber und kostbare Farben gewählt, und die Figuren mit Sorgfalt aufgetragen. Endlich wird's in's Feuer gebracht und bekommt da seine Vollendung. Auf eine ähnliche Weise macht's der himmlische Töpfer mit den Seelen. Da gibt's manche Schläge und verschiedene Bearbeitungen, die oft sehr schmerzhaft sind; da kommt manche Hitze der Anfechtung und endlich der Tod. Aber dies Alles dient zum Zwecke. O, möchten wir nur so wenig widerstreben, wie der Ton seinem Töpfer!

Das ist's allein. Was er von uns begehrt,
Zum Seligsein, das unaufhörlich währt:
Und o! wie gut
Hat's, wer das kindlich tut,
Und wiederholt es täglich;
Des Glücke ist unsäglich.

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Beitragvon Peter01 » 09.01.2015 09:02

Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.
Jesaja 30,15


Was Gott verheißen hat, kann er tun, wird er tun, und wird's in rechter Ordnung, Zeit und Maß tun, denn er sagt's und tut's auch, und was er zusagt, das hält er gewiss. An dieser Verheißung sich haltend, stehet der Glaube fest, und sieht der Erfüllung derselben ruhig und zuversichtlich entgegen. Wer glaubet, wie die Schrift sagt, ist der, durch Christus so überschwänglich über allen irgend gegründeten Zweifel erhabenen, nun noch immer durch die Sakramente versiegelten Liebe Gottes gewiss. Er findet kein Bedenken, dafür zu halten, dass derjenige, der seines eigenen Sohnes nicht verschonte, sondern ihn für uns dahin gab, uns nun auch ganz gewiss mit ihm alles schenken werde. Dies macht seine Seele still und gelassen, in was für Verhältnisse ihn sein Gott auch zu führen für gut findet. Öffnet sich vor ihm ein glühender Ofen, oder eine Grube grimmiger Löwen, in welche ein Nebukadnezar ihn zu werfen befiehlt: wer glaubt, bleibt gelassen und weiß, dass Gott ihn wohl erretten kann; sollte er's aber nicht wollen, so hat das auch nichts zu sagen. Soll Leib und Seele verschmachten, dennoch bleibt er an ihm. Im finstern Kerker, in Ketten und Banden, stimmen Paulus und Silas Loblieder an. Sobald das Wort: Meine Gnade ist dir genug, und meine Kraft ist in den Schwachen mächtig – im Glauben aufgenommen ist, legt sich das eilende Verlangen, je eher, je lieber der Faustschläge Satans überhoben zu sein. Das Herz wird stille und sagt: so will ich mich denn am liebsten meiner Schwachheit rühmen, denn wenn ich schwach bin, bin ich stark.

Ich habe ihm mich ganz ergeben;
Und dies ist nun mein innig Flehen,
Dass doch in meinem ganzen Leben
Sein Wille mög' an mir geschehn.-

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Beitragvon Peter01 » 10.01.2015 09:06

Gesegnet ist der Mann, der sich auf den Herrn verlässt, und der Herr seine Zuversicht ist. Jeremia 17,7

David hatte schon so manche Errettung aus Sauls Händen erfahren, hatte die Verheißung, er solle König werden, und sprach doch in seinem Zagen: „Ich werde noch eines Tages in Sauls Hände fallen.“ Abraham geriet in Sorgen, er möchte getötet werden, da er doch den verheißenen Sohn noch erst haben sollte. Niemand drückt aber das natürliche Misstrauen des Menschen kräftiger aus, als Hiob, wenn er Kap. 9,16 sagt: „Wenn ich ihn schon anrufe, und er mich erhört, so glaube ich doch nicht, dass er meine Stimme hört,“ – als wollte er sagen: wenn ich auch um etwas bitte und bekomme es, so glaube ich doch noch eher, dass es zufällig geschehe, und sich auch ohne mein Gebet so zugetragen haben würde, als dass ich darin eine göttliche Gebetserhörung erkennen sollte. Dies geht weit; aber so ist unsere Natur. Kein äußerliches Mittel ist auch im Stande, dies Misstrauen auszurotten, sonst würden die Süden ja, um der vielen unleugbaren Wunder willen, die Jesus tat, haben glauben müssen. Aber dann muss unser Herz selbst geändert und erneuert werden, damit in diesem guten Baum auch die gute Frucht des Vertrauens wachse. Wer nun eine unwandelbare Sicherheit begehrt, muss sie in dem Gott Amen suchen, denn es ruht der Mut in Christi Blut, und nicht in unsern eignen Ständen.

Gott hat mir ein Wort versprochen,
Seinen Bund mit mir gemacht,
Der wird nimmermehr gebrochen,
Bis er alles hat vollbracht.
Er, die Wahrheit, trüget nicht.
Was er saget, dass geschicht.-

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Beitragvon Peter01 » 12.01.2015 08:22

In meinem Zorne habe ich dich geschlagen, und in meiner Gnade erbarme ich mich über dich. Jesaja 60,10

Der alte Mensch kann und darf nicht anders behandelt, sondern muss wie der Weinstock, stets unter dem Messer gehalten werden. Gott hat Ruten genug. Er kann uns mit körperlichen Leiden heimsuchen, uns einen zeitlichen Schaden erleiden lassen; er kann andere Menschen und selbst den Satan wider uns erregen; er kann uns Stellen und Sprüche aus seinem Worte zu einem Stachel machen, gegen den uns schwer wird, hinten auszuschlagen; er kann uns auch sein Missfallen also in unserm Gewissen fühlen lassen, dass es wie giftige Pfeile darin schmerzt. Ja, unsere eigenen Gedanken, Wünsche und Besorgnisse können uns zu peinigenden Ruten werden. Hat nicht auch Jesus selbst seine Jünger manchmal derb geschlagen, ohne körperliche Ruten zu gebrauchen, und seiner eigenen Mutter nicht geschont? Waren das nicht tüchtige Schläge, die er unter seine Jünger austeilte, als er sie fragte: wie lange soll ich euch dulden? Wie? dass ihr so unverständig seid! wenn er ihnen bei einem Zanke, wer unter ihnen der größte sei, erklärte: wenn sie sich nicht bekehrten und würden wie die Kinder, so würden sie nicht in das Himmelreich kommen; wenn er den Petrus einen Satan nannte, und es eine Zeit lang unentschieden ließ, wer der Eine unter ihnen sei, der ihn verraten würde, und sie dadurch alle in Verlegenheit setzte; wenn er sie selbst nach seiner Auferstehung Toren und träges Herzens nannte, und schalt ihren Unglauben. Wie wurde nicht Paulus geschlagen, und das selbst von einem Satansengel, aller der sonstigen innern und äußern Mühseligkeiten nicht zu gedenken. Wer dürfte sich denn ungebehrlich stellen, wenn es heißt: es ist deiner Bosheit Schuld, dass du so gestäupet wirst, und deines Ungehorsams, dass du so gestrafet wirst?

Wenn er dich lobet, bücke dich,
Wenn er dich liebt, so ruh,
Wenn er dich aber schilt, so sprich:
Ich brauch's, Herr, schlage zu

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Beitragvon Peter01 » 13.01.2015 06:31

Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. Jakobus 4,6

Die wahre Demut entsteht aus der innigen Überzeugung seiner Nichtigkeit und Sündigkeit. Sie ist durchaus nichts Gemachtes und Äußerliches, sondern etwas Wahrhaftes, so dass ein wahrhaft Demütiger sich nicht für demütig hält, sondern nicht wüsste, wie er anders von sich denken sollte, als sehr gering und schlecht, wie er auch tut. Ja, der wirklich Demütige hält sich für gar nichts, wie wir auch wirklich nichts sind, als was der Herr aus Gnaden aus uns machen will – und ist damit wohl zufrieden. So lange wir's Christo nicht ganz und gar können gelten lassen. Wenn er z. B. sagt: ihr vermögt das Geringste nicht; ohne mich könnt ihr nichts tun: so lange wir Paulo nicht nachsagen können: ich bin der Größte unter den Sündern, ich bin eine unzeitige Geburt, ein Narr, nichts – werden wir keine Ursache haben, uns für demütig zu halten. Herunter muss der Mensch von den Bergen des eigenen Wissens, Könnens und Seins, in's Armenhaus, wo er seine ganze Subsistenz vom Geben haben muss, und bald spärlich, bald reichlich empfängt, zuweilen auch mit Brot und Wasser vorlieb nehmen, oder gar ein wenig hungern und dursten, auch wohl eine schnöde Behandlung erfahren muss, wie es dem weisen Pfleger der himmlischen Güter beliebt. Lasset uns allesamt noch geringer werden, denn also; lasset uns für noch größere, abscheulichere, nichtswürdigere Sünder halten, wie bisher, wozu wir ja große Ursache haben: lasset uns noch gründlicher lernen und glauben, dass wir außer Christo nichts verstehen und nichts können; noch gründlicher glauben lernen, dass sein Opfer allein uns angenehm macht.

Was erhebt sich doch die Erde?
Was rühmt sich der Würmer Speis'?
O dass doch erniedrigt werde
Jedermann, der dieses weiß,
Dass der rechte Ruhm gebühret,
Niemand, als den Jesus führet.-

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Beitragvon Peter01 » 14.01.2015 06:47

Nicht, dass ich es schon ergriffen haben, oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin. Philipper 3,12

Kein echter Christ darf sich mit den ersten Anfängen des Christentums begnügen. Er meint nicht, schon am Ziele zu sein, und alles erkannt und erfahren zu haben, wenn er einige Einsichten in sein Verderben und in das Evangelium empfangen hat. Er wird nicht satt und denkt nicht, ich bin's nun. Freilich kommt eine anfangende Seele, besonders wenn ihr Bußkampf scharf, und die darauf erfolgte Tröstung und Versicherung von der Vergebung der Sünden recht kräftig und durchbringend war, wohl auf den Gedanken, nun sei sie fertig, welches auch wohl wahr ist. Dennoch sagt der Apostel Paulus: Nicht, dass ich's schon ergriffen habe. Mit Christo ist ein Licht in die Seele gekommen. Dies Licht soll sie aber mehr und mehr durchleuchten, bis dass sie ein Licht werde durch den Herrn. Ein Leben ist in die Seele gekommen; dies Leben soll sie mehr und mehr durchdringen, dass auch sie sagen könne: Ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Die Weisheit ist in ihr, die soll sie mehr und mehr erfüllen, dass es von ihr heißen könne: Ihr wisset alles, denn ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist. Die Vollkommenheit ist in ihr, und alle sollen hinan kommen zu einerlei Glauben und, Erkenntnis des Sohnes Gottes, und ein vollkommener Mann werden, nach dem Maße des vollkommenen Alters Christi, und zunehmen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus.


Wohne, herrsche, leuchte, heile!
Dir, dir räum ich Herz und Mut;
Sei mir stets zur Feuersäule,
Fülle mich mit Licht und Glut!-

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Beitragvon Peter01 » 15.01.2015 06:44

Darum feget den alten Sauerteig aus, dass ihr ein neuer Teig seid. 1. Korinther 5,7


Dieser alte Sauerteig ist besonders die Erbsünde, die angeborne Verdorbenheit, dieser innere Trieb und Brunn all des Bösen, was sich in den Blüten böser Gedanken, Neigungen und Begierden, in Blättern böser Worte und Gebärden, und in den Früchten böser Handlungen offenbart, wohl ist dieser Sauerteig durch die ganze Masse des menschlichen Wesens verknetet, dass Paulus sagt: es wohnt nichts Gutes in meinem Fleische, und Jeremias: dein Schade ist verzweifelt böse, und deine Wunden sind unheilbar. – Diesen Sauerteig wieder aus uns wegschaffen – das ist die Kunst, das ist die Arbeit. Dies ist aber auch die Sache, die geschehen muss. Dies geschieht aber durch die Wiedergeburt. Gleich wie jenes Böse durch die natürliche Geburt in uns gekommen ist, also muss das entgegengesetzte Gute auch durch eine Geburt aus Gott in uns kommen. Das, was dadurch in das Herz gelegt wird, heißt Geist, wie jenes Fleisch genannt wird. – Wir können es aber noch höher stellen und sagen: Christus selbst müsse als ein neues Lebensprinzip in uns geboren werden, sodann aber auch, wie Paulus zu den Galatern sagt, eine Gestalt in uns gewinnen, wir gleichsam recht mit ihm durchknetet und verbunden werden, so dass er unser Ganzes immer völliger durchdringt, durchleuchtet, durchwirket, durchlebet, und seiner Verheißung und Gebet nach, Er mit uns und wir mit Ihm eins werden, auf dass sie vollkommen sein in Eins, Joh, 17,23.

Reinigt euch von euren Lüsten,
Besieget sie, die ihr seid Christen,
Und stehet in des Herren Kraft.-

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Beitragvon Peter01 » 16.01.2015 06:15

Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Gerechtigkeit Nutzen wird ewige Stille und Sicherheit sein; dass mein Volk in Häusern des Friedens wohnen wird, in sichern Wohnungen und in stolzer Ruhe. Jesaja 32,17.18

Die wahre Ruhe ist lediglich in dem teuren Namen Jesu anzutreffen, in demjenigen, was er ist, was er uns ist, was er getan hat und noch tut, uns Elenden zu gut. Insbesondere ist es sein ewig gültiges Opfer am Kreuz, wodurch er in Ewigkeit vollendet hat alle, die geheiligt werden, was einen vollkommenen Beruhigungsgrund, auch für den ärmsten Sünder darbietet. In ihm, dem Geliebten, sind wir angenehm gemacht auf einmal, durch das Opfer seines heiligen Leibes, und das gilt auf immerhin. Wir sind vollkommen in ihm, so dass nichts mehr hinzugetan werden kann noch darf. Dazu gesellt sich nun alles übrige, was wir an ihm haben, so dass er das Eine ist was Not tut uns hinreicht; denn er ist uns ja von Gott gemacht zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und Erlösung. Und ist darin denn nicht alles zusammengefasst, was uns nötig und heilsam ist? und ist's nicht etwas Köstliches dabei, dass Alles in dem Einen ist, wir also nicht nötig haben, das eine in diesem, das andere in jenem Winkel nachzusuchen, sondern Alles in Einem antreffen? Sobald der heilige Geist der Blinden Augen öffnet, dies zu sehen, so bereitet sich ihr ein köstliches Ruhebette, worauf sie ihre müden Glieder erquicken, und ganz mit Frieden schlafen kann.

Wer ist wohl wie du,
Jesu, süße Ruh?
Unter allen auserkoren,
Leben derer, die verloren.
Und ihr Licht dazu,
Jesu, süße Ruh!

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Beitragvon Peter01 » 19.01.2015 06:44

Richtet wieder auf die lässigen Hände und die müden Knie.
Hebräer 12,12



Denn die Schrift ermahnt, aufzurichten die lassen Hände und die müden Knie, so setzt dies voraus, dass sich diese Versuchung bei Christen einstellen kann. Es kann sich ihrer eine Mutlosigkeit bemeistern wollen, als ob sie nur alles daran geben sollten, weil es doch vergeblich sei. Es kann jemanden bedünken, als möge er das Beten nur einstellen, weil es doch ganz fruchtlos bleibe, und, des Kampfes müde, kann er die Waffen wegwerfen wollen. Diese Mutlosigkeit ist eine üble Sache, und es wird daher ausdrücklich geboten, den verjagten Herzen zuzurufen: seid getrost! Geduld aber ist euch Not, auf dass ihr den Willen Gottes tut, und die Verheißung empfahet. Man muss lernen, auf eine unermüdliche Art auf den Herrn und seine Hilfe zu harren und wenn er verzeucht, so heißt es doch fortwährend: harre sein, denn der Herr wird gewisslich kommen, und nicht verziehen. Immer auf's neue muss man sich zum Kampf rüsten, und mit dem Widerstand seinen Mut verdoppeln. geheilt werden sie aber. Wenn der heilige Geist die Seele seiner kräftigen Einwirkung würdigt, und sie tröstet, wo sie alsdann den Weg läuft seiner Gebote. Denen, die auf den Herrn harren, ist ja auch eine neue Kraft zugesagt, und er wird uns als ein solcher vorgestellt, der den Müden Stärke, und Kraft genug den Unvermögenden gibt. Wenn der Geist wieder all das Gute zu Gesicht bekommt, was wir in Christo haben, so wird der Glaube wieder kräftig.

Lass uns dein' edle Balsamkraft
Empfinden, und zur Ritterschaft
Dadurch gestärket werden,
auf dass wir unter deinem Schutz
Begegnen aller Feinde Trutz,
So lang' wir sind auf Erden.-

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 20.01.2015 14:53

Sei ein starker Fels, und eine Burg, dass du mir helfest.
Psalm 31,3


Bedarf und begehrt jemand Sicherheit gegen den mit seinen Sünden verdienten Zorn Gottes, und den eben so schrecklichen Fluch des Gesetzes; Sicherung gegen die eben so listigen Anfälle des Satans oder dessen feurige Pfeile; Sicherung gegen die bedenklichen Versuchungen des Schlimmen Feindes, unseres eigenen Herzens; Sicherung gegen die namen- und zahllosen Gefahren, die uns von allen Seiten bedrohen – dieser Fels bietet sie im vollkommensten Maße dar. Daher nennt David Gott seine Burg und seinen Felsen. Möchten die Zeitereignisse auch so zagenerregend sein, dass die Menschen verschmachteten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden, dass des Himmelskräfte sich bewegen und die Wasserwogen brausen: so gebeut doch Christus den Seinigen, ihre Häupter empor zu heben, weil sich ihre Erlösung nahe, und versichert sie, kein Haar von ihrem Haupte solle umkommen. Er spricht: siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe – ohne etwas für sie zu fürchten. Er darf keins verlieren von denen, die ihm der Vater gegeben hat, soll's auferwecken am jüngsten Tag. So ist's des Vaters Wille, und so tut er's auch. Daher war Paulus des auch in guter Zuversicht, dass, der in euch angefan gen hat das gute Werk, der wird's auch vollführen, bis an den Tag Jesu Christi.

Der Schild des Glaubens wird mich decken
Auch in der allerschwersten Zeit;
Lass Erd und Himmel selbst vergehen,
Der Fels, auf dem ich ruh, bleibt stehen,
Und mit ihm meine Seligkeit.-

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 21.01.2015 06:50

Einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 1. Korinther 3,11

Der Fels, welcher Christum heißt, teilt der Seele, die darauf erbauet, deren früheres Gebäude zusammengerissen, die durch wahren Glauben, durch den Geist Jesu Christi mit ihm vereinigt ist, nicht nur Beharrlichkeit, sondern auch viel mehreres mit. Dies Fundament heißt Weisheit, Weil es weise, und Gerechtigkeit, weil es gerecht, und Heiligung, weil es heilig macht, und Erlösung, weil es von allen Übeln befreit und alles Gute schenkt. Wie nun ein Gebäude sich mit seiner ganzen Wucht auf ein Fundament stützt, so die gläubige Seele mit allen ihrem Bedarf, mit ihrem ganzen Hoffen und Trauen auf Christum. Auf dich bin ich geworfen, an dich mit allem meinem Anliegen verwiesen, auf dich traue ich, und muss auf dich hoffen, auch wenn du mich töten wolltest. Außer dir ist kein Heiland, ich weiß ja keinen. Und ach! wie bald, wie bald verschwindet, was sich nicht auf Jesum gründet. Seid erbauet und gewurzelt in Ihm, sagt Paulus. Und mag etwas scheinen, wie schön es will – hat es seine Wurzel nicht in Christo, so hat's keinen Bestand, keinen Erfolg – es heiße Wissenschaft, Tugend, Friede, Christentum, Erweckung und Bekehrung. Sehe derhalben ein jeglicher zu, wie er darauf bauet, und ob er in der Wirklichkeit und Wahrheit auf Christum gegründet sei. Ist das, so. hat's keine Gefahr, sondern alles wird durch des Herrn Hand glücklich fortgehen.

Ein Fels, der keinen Stürmen weichet,
Ein Fels, an dem die wilde Flut,
Und wär's die ganze Macht der Höllen,
Entkräftet muss zurücke prellen,
Schleußt mich in seine Ritzen ein.
Mein Herz verbanne Furcht und Grauen;
Auf diesen Felsen kannst du trauen,
Hier wirst du ewig sicher sein.-

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 22.01.2015 06:40

Wenn er mich töten wollte, sollte ich nicht auf ihn hoffen?
Hiob 13,15 (nach dem Grundtext)


Das ist gewiss eine bewundernswürdige Rede, wir mögen Sie als die Sprache der Ergebung betrachten, oder als die des Vertrauens. Wenn der große Dulder sagt: wenn er mich töten wollte – so drückt er damit eine Übergebung ohne allen Vorbehalt aus in alles, was der Herr weiter über ihn zu verfügen für gut finden möchte. Und dies kann nur derjenige für etwas leichtes achten, der's nicht begreift. Armer Hiob, möchte man sagen, du redest wohl. Aber wo willst du die Kraft hernehmen, wenn es zur wirklichen Ausübung kommen sollte? Doch er setzt hinzu: sollte ich nicht auf ihn hoffen? Er fragt: was sollte mich bewegen, meine Hoffnung auf ihn fahren zu lassen? Die Größe, die Heftigkeit, die Dauer meiner Leiden? Sie nötigen mich ja um so mehr dazu, da sie mir jegliche sonstige Stütze wegreißen. Sollte es meine Sünde tun? Ach! er wolle ja nicht Acht haben auf meine Sünde. Kap. 14,6. Habe ich gesündigt, was soll ich dir tun, o du Menschenhüter? Kap, 7,20. Aber nötigt sie mich nicht, um so mehr auf seine Barmherzigkeit zu hoffen, je weniger ich an Verdienst habe, und mich um so fester an den zu klammern, der mir zur Gerechtigkeit gemacht ist, je weniger ich eine eigne in mir entdecke? Soll meine Armut mich dazu bewegen, die mich für seinen Reichtum nur um so bedürftiger macht, und mich nötigt, seine königliche Mildtätigkeit so viel dringender in Anspruch in nehmen? Oder meine Krankheit? Nötigt sie mich nicht um so mehr, zu dem Arzt zu flüchten, der mich einladet zu kommen – je tödlicher und unheilbarer sie ist? Soll's mein Unglaube tun? Aber wer soll mich glauben lehren, wenn er's nicht tut? Oder meine Ohnmacht und weites Elend, da ich ihn eben deswegen um so mehr bedarf? Nein, ich hoffe, ich hoffe auf ihn. Worauf soll ich's sonst? So dringt er um so mehr auf den Herrn los, je mehr ihn davon zurück scheuchen will.

Darum alleine auf dich,
Herr Christ, verlass ich mich.


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