G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

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Joschie
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G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 30.05.2017 17:20

Er heißt Friedefürst.
Jesaja 9,6


Jesus ist der rechte Friedensfürst; er bringt den Frieden zwischen Gott und den Menschen, zwischen Himmel und Erde; er bringt Frieden in die Seele, indem er sowohl das Gewissen beruhigt, als auch die Gemütsbewegungen ordnet, dass das Herz nicht mehr einem ungestümen Meere gleicht, das nicht still sein kann, sondern einem stillen See, auf dessen spiegelglatter Oberfläche sich die Sonne und der ganze Himmel abbildet. Er zieht das Gemüt aus der Mannigfaltigkeit der Sorgen und Mühen in das allgenugsame, völlig befriedigende Eins, was Not ist; er sammelt die Seele, die sich in der Menge ihrer Wege zerarbeitet, dass sie in Ihm Frieden, wenn sie auch in der Welt Angst hat. Und O! wo ist ein Friede, wie derjenige, den Er gibt! Er ist höher, als alle Vernunft. Wo ist ein Friede, der so begehrenswert wäre? denn wo Er ist, da hat man allenthalben Friede, auf alle Weise, auch mit den Tieren auf dem Lande, wie Eliphas, Hiob 5,23, sagt. Und wenn er stillt, wer will beunruhigen ? Ein fleischlicher Mensch versteht alles fleischlich, und so träumten sich die Juden unter dem Reich des Messias ein Leben in lauter sinnlichen Wohltaten, und der natürliche Mensch vernimmt überhaupt nichts von den Dingen, die des Geistes Gottes sind. Die Worte Christi sind Geist und Leben. Werden wir nur innerlich mit den reichen Friedensgaben Christi erfüllt und gelabt, so mag es ungemein leicht, dass uns das Äußere gut genug ist, was uns beim Mangel der innerlichen Fülle ohne ihn nicht zufrieden stellen kann, und wäre es noch so glänzend.

Mein Salomo, dein freundliches Regieren
Stillt alles Weh, das meinen Geist beschwert;
Wenn sich zu dir mein blödes Herze kehrt,
So lässt sich bald dein Friedegeist verspüren.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 03.06.2017 11:45

Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst.
Matthäus 16,24


Die Nachfolge Christi setzt eine große Selbstverleugnung, voraus, und fordert sie so entschieden, dass Christus erklärt, dass wer sich nicht verleugnen könne, auch sein Jünger nicht sei. Aber freilich, wie kann man nur seiner heilsamen Forderung: „Lernt von mir!“(Matthäus 11,29) ohne Selbstverleugnung entsprechen? Denn, wollen wir von ihm lernen, so müssen wir uns von aller eigenen Weisheit leer achten, wiewohl man freilich auch im Natürlichen keine Kunst erlernen kann, es sei denn, dass man glaube, man verstehe sie nicht, der Meister aber verstehe sie. Jesu Lehre geht auch überhaupt so schnurstracks gegen den eigenen Willen, gegen die Eigenliebe und Eigengerechtigkeit, sogar gegen das eigene Tun und Wirken an, dass man tausendfachen Anlass zur Selbstverleugnung findet; sie setzt überhaupt in Streit wider den ganzen alten Menschen, den sie an's Kreuz und in den Tod bringt, und ihm Schmerzen genug verursacht. Die Lehre Jesu bleibt aber in Ewigkeit, so dass er es sogar für leichter erklärt, dass Himmel und Erde vergehen, als eins seiner Worte. Wie er es sagt, so hat es sich, so wird es kommen und sich machen, es streite dagegen, oder spotte darüber, wer und wie es auch sei. Von der Apostelzeit her hat sich List und Gewalt, Bosheit und Klugheit gegen die Lehre Jesu aufgelehnt und unzählige Ketzereien sind entstanden. Wirklich ist sie auch aus Asien und Afrika, wo sie sonst blühte, ganz verdrängt; aber immer hat sich ein Häuflein gefunden und wird sich eins finden, das ihm von ganzem Herzen anhängt, und endlich wird sie über alles triumphieren und Alles ein Hirt und eine Herde werden.

Mein Himmelsmeister, mein Prophete,
Schenk' mir ein Herz, das mit Bedacht
In Lernbegierde vor dich trete,
Und geb' auf deinen Wink recht Acht!
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 05.06.2017 17:19

Wer auf den Herrn sich verlässt, wird fett. Wer sich auf sein Herz verlässt, ist ein Narr.
Sprüche 28,25.26


Derjenige also, auf welchen sich der arme, schwache, Mensch verlassen soll, ist der Herr. Er ist ganz vertrauenswürdig und auf ihn kann man sich verlassen; denn seiner Allmacht ist alles möglich, und unmöglich kann er je in den Fall kommen, dass er nicht helfen könnte. Er kann überschwänglich tun über Bitten und Verstehen. Dies Verlassen besteht darin, dass wir unser Vertrauen auf ihn setzen, nicht von unserm Verdienst und Würdigkeit, sondern von dem Reichtum seiner Gnade die Vergebung der Sünden gläubig erwarten, und mit derselben Licht, Kraft, Beistand, Aushilfe, Trost und Alles, was zum Leben und göttlichen Wandel dient. Was wir von ihm erwarten mögen, ist in den göttlichen Verheißungen enthalten, und umfasst freilich das ganze Heil. Und gewisslich gibt das Vertrauen auf den Herrn Ruhe und Frieden, weil man da alles in Einem findet. Was fett werden soll, dein darf's an guter Nahrung nicht fehlen. Und die wird demjenigen reichlich zu Teil, der sich auf den Herrn verlässt. Ihm wird nichts mangeln, denn der Herr ist sein Hirte und führt ihn auf grünende Auen und an sanft fließende Wasserbäche. Bleibt denn auch hienieden der böse neben dem guten Tag, was wird's doch einst werden, wenn er seine Diener mit Wollust sättigt, wie mit einem Strom! Hier sehen wir zugleich die Quelle unserer geistlichen Magerkeit, .Dürre und Kraftlosigkeit, aber auch das Mittel, ihr abzuhelfen. Unser geistlicher
Wohlstand richtet sich nämlich nach dem Maße unseres Vertrauens zu dem Herrn. Wer sich auf ihn verlässt, wird fett.

Dein tröst' ich mich ganz sicherlich.
Denn du kannst mir wohl geben.
Was mir ist Not,
Du treuer Gott,
In dies'm und jenem Leben.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 06.06.2017 18:52

Ich bin desselbigen in guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi.
Philiper 1,6


Das Vollführung bezieht sich teils auf dieses, teils aus das zukünftige Leben. In diesem Leben wird das Werk der Bekehrung in der Seele weiter fortgesetzt, dem Verstande wird mehr Licht, dem Willen mehr Kraft zum Vollbringen mitgeteilt, das Gewissen gründlicher beruhigt, der Glaube völliger und fester, die Liebe stärker, die Verleugnung umfassender. Das Kind wächst, indem es begabt ist, nach der vernünftigen lautern Milch des Evangeliums, indem es betet und wacht, indem es sich in Christus als dem Haupte hält, mehr und mehr heran, lernt immer mehr feste Tritte tun mit seinen Füßen, und jagt so nach der Heiligung, ohne welche wird Niemand den Herrn sehen; dabei wird er aus Gottes Macht bewahrt zur Seligkeit; Gott lässt sein angefangenes Werk nicht wieder liegen, sondern führt's glücklich an das Ziel. Und das tut Gott, und nicht der Mensch selber. Er tut es durch sein Wort, das die Milch für die Kinder, und die starke Speise für die Erwachsenen enthält; er tut's durch seine Gnade, die tröstet, um laufen zu können den Weg der Gebote. Seine Kraft ist in ihrer Schwachheit mächtig, und rüstet sie aus zu einem siegreichen Kampf. Sein Licht und Freude geht immer wieder auf, und indem sie auf den Herrn harren, bekommen sie neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie die Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, wandeln und nicht müde werden; er tut's durch das heilige Kreuz, welches bei demjenigen nicht ausbleibt, in welchem das gute Werk angefangen ist; es dient ungemein zur Förderung; deswegen züchtiget der Vater auch einen Jeglichen, welchen er lieb hat: unter demselben wird der alte Mensch getötet, es zerstört nach und nach die eigene Weisheit, Kraft und Gerechtigkeit, und gründet das Herz im nämlichen Maße im Glauben an unsern Herrn Jesus Christus, welcher der Sieg ist, der Alles überwindet. Vom Kreuz zum Sieg.

Nun,ich weiß, Gott wird vollführen,
Was er angefangen hat;
Jesus wird mich auch regieren
Durch des Geistes Wundertat,
Bis auf den Tag, wann allein
Das doch dreimal heilig Wesen
Ganz wird mein Jehova sein,
Dann wird meine See' genesen.
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Beitragvon Joschie » 10.06.2017 16:23

Und seine Jünger traten zu ihm, und weckten ihn auf, und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben! Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?
Matthäus 8,25.26


Der Christ meint wohl oft, er müsse dem Elend ohne Rettung heimfallen, wovor er sich fürchtet. Tut es Jesus nicht ganz und gar, ist er nicht Anfang, Mittel und Ende, ist's nicht lauter Gnade, dass wir selig werden, so ist wenigstens für ihn weiter nichts zu hoffen. Nur der Name Jesus , nur das Wort Gnade hält ihn einigermaßen, da ihm aller sonstige Boden weicht. Aber was tut nun der treue Hirte? Nun ist's recht Zeit zum Erbarmen. O. was bekommt der arme Mensch zu sehen! seinen Heiland, sein Evangelium. Er erkennt seine höchste Treue eben darin, dass er ihn so gedemütigt hat, obschon er meinte, sein Meister habe es wunderbar und übel mit ihm vor. Jetzt findet er, dass der Herr aus lauter Barmherzigkeit nichts gelingen ließ, da er vorher nicht fassen konnte, warum er sein ängstliches Flehen doch nicht erhören wollte. Nun versteht er, dass der Herr bloß darum seinen Weg mit Dornen verzäunte, um ihn den wahren einschlagen zu machen, und ihn deswegen in die Wüste führte, um freundlich mit ihm zu reden.

Wird uns auch nach Troste bange,
Dass das Herz oft rufen muss:
Steh, mein Gott, mein Gott, wie lange?
Ei, so mache den Beschluss:
Sprich der Seelen tröstlich zu,
Und gib Mut, Geduld und Ruh'.
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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 15.06.2017 16:35

Dass nicht Jemand weich werde in diesen Trübsalen; denn ihr wisst, dass wir dazu gesetzt sind.
1. Thessalonicher 3,3


Die Zeit der Trübsal ist gleichsam ein geistlicher Winter, wo Alles in Trauer eingehüllt ist, wo der Wachstum teils aufhört, teils sich nur in der Wurzel zeigt, also wesentlich, aber doch unmerkbar ist. Und wenn die Bekehrten in Schläfrigkeit und Trägheit geraten, statt zu stehen, liegen sie, und schlafen, statt zu wachen. Sie sitzen, statt dass sie wandeln, streiten, laufen sollten; statt fortzuschreiten, gehen sie zurück; es ist kein rechtes Leben, keine Kraft und Munterkeit da, und die Gottseligkeit erweist sich nicht in der Kraft, sondern artet aus in ein Geschwätz oder Zank, so dass Jeremias ausruft: Wie ist dein Gold so hässlich geworden! – und Christus: Gedenke, wovon du gefallen bist; – und Paulus: Ihr liefet gut, wer hat euch aufgehalten? – Sie sitzen oder liegen in Ohnmacht, und wenn auch einige matte Versuche gemacht werden, sich aufzurichten, und sich in Lauf zu setzen, so sind sie fruchtlos. Da reget sich allerlei Verkehrtes und Unlauteres, und dabei wird dieser Verfall nicht einmal bemerkt, sondern man ist obendrein voll Eigendünkel und Aufgeblasenheit, meint zu stehen, meint etwas oder auch gar viel zu sein, zu wissen, zu haben, womit man sich selbst betrügt. Dergleichen Verfall zeigte sich schon zu der Apostel Zeiten, wie namentlich die Briefe an die Korinther und Galater beweisen, und er ist in unsern Zeiten ohne Zweifel zu einem beklagungswerten Gipfel gesteigert, so dass wenige Ausnahmen abgerechnet, alles Fleisch seinen Weg verkehrt hat, und man wohl den Rat Christi in Ausübung bringen möchte: So sei nun fleißig, und tue Buße.

Jesu, gib in dunkeln Wegen
Deinen Segen,
Weil die Nacht der Trübsal währt;
Lass mich alles auf dich wagen,
Statt zu klagen,
Weil dies nur die Kraft verzehrt.
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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 18.06.2017 17:25

Ich bin es, der in Gerechtigkeit redet, der mächtig ist zu retten.
Jesaja 63,1


Habt denn auch ihr seine Hilfe erfahren? Ist nicht zu besorgen, dass viele gar nicht einmal begreifen werden, was man durch diese Frage eigentlich will, und dass man zur Antwort erwarten muss: Die Zeit der Wunder ist ja vorüber! Du hast also bei diesem Meister im Helfen nichts zu suchen? Schlimm für dich! Hast du keine Seele? Fehlt dir nichts? Bist du dir selbst genugsam? Dir wäre kein neues Herz, kein neuer Geist nötig ? Du hättest für diesen Meister nichts zu tun? Armer Mensch! Freilich daran fehlt's, woran es doch eigentlich gar nicht fehlt, an Bedürfnis für diesen Meister zu helfen. Wo das erst gefühlt wird, da wird man auch schon Hosianna! schreien. Ihr Hilfsbedürftigen, ihr seid es demnach. Wohl euch, dass ein solcher Meister da ist. Er versteht seine Kunst, meistert ihn deswegen nicht, und besteht nicht hart darauf, dass dieser Meister sich nach eurem Gutdünken richten soll. Ihr könnt ihm wohl sagen lassen: Herr! den du lieb hast, der liegt krank, ob er sich aber dadurch wird bewegen lassen, zu eilen oder zu zögern, das weiß er als Meister am besten zu beurteilen, und ihr versteht es nicht. Will er ein Meisterstück an euch liefern, so habt ihr vor der
Hand nicht viel Erfreuliches zu erwarten.

Er hilft uns aber überschwänglich besser,
Als wir ihn bitten und verstehn.
Wird die Verwirrung täglich größer,
Er lässt uns doch viel Gut's geschehn.
Wenn man nichts schaut, doch ihm vertraut;
So zeigt er der Gelassenheit
Am Ende seine Herrlichkeit.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Matze7443
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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Matze7443 » 22.06.2017 20:58

Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes, und nach seiner Gerechtigkeit,
so wird euch solches alles zufallen.

Matthäus 6,33


Im Reiche Gottes ist es überall auf etwas Wesentliches abgesehen. Es ist ein Reich der Wahrheit, die Welt ist ein Reich der Lügen. Sie verspricht zwar Lust, Vergnügen, Ruhe sogar; aber sie hält nicht Wort. Was sie gibt, ist Schein, der wohl eine Zeit lang täuschen kann, so dass der betrogene Mensch selbst meint, wunder vergnügt zu sein; aber ehe er sich's versieht, wird ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht, und am Ende lässt sie ihn gar im Stich. Im Reiche Gottes aber verhalten sich die Sachen wirklich so, wie es sie schildert. Wenn es sagt: Suche das! so ist es wahrlich der Mühe wert; sagt es: Trachtet darnach nicht! so lohnt sich's sich wirklich der Mühe nicht darnach zu ringen. Auch seine Versprechungen sind lauter Wahrheit. Sagt es: Christi Blut mache uns ein fröhliches Gewissen, und rein von aller Sünde es erweist sich auch so an unserm Gemüt. Sagt es: Der Herr sorgt für euch es erweist sich so an Allen, die es fassen mögen. Seine Freuden sind wirkliche Freuden in der Tat und Wahrheit, und wenn es einmal erscheinen wird, was wir sein werden, so werden alle unsere Erwartungen übertroffen sein.

Wer Erde sucht, find't Erdenlast,
Und geht auf Spreu und Wind zu Gast;
Mit Müh' und Streit, Verdruss und Leid
Erjagt, bewahrt – und spät bereut.
Ein Freund in Not, ein Trost im Tod
Dir g'nug ist keiner, bis dir's wird Einer:
Dein Gott allein!
Befleißige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen als einen Arbeiter, der
sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt. 2. Tim. 2:15

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Beitragvon Joschie » 08.07.2017 15:20

Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen.
Psalm 50,15

Der Herr will sein Volk gewöhnen, lediglich auf ihn zu vertrauen. Es scheint, sie sollten sich gewöhnen, ohne ihn keinen Schritt zu tun, so wie auch nirgends mit ihm zu verzagen. Nie sollten sie meinen, nun sei alle Not für immer beseitigt, aber auch überzeugt sein, es gebe keine einzige, aus welcher der Herr nicht retten könne, wolle oder werde. Und aus diesem allen sollte sich ein Leben in einer gänzlichen Abhängigkeit von Gott und Übergabe an ihn entwickeln, so wie ein wunderbares Vertrauen zu ihm, welches ja lauter wesentliche Stücke der Gottseligkeit sind. Jeremias setzt es als etwas Ausgemachtes fest, Gott plage die Menschen nicht von Herzen, nicht, um sie zu plagen, sondern ihnen zu nützen. Man soll ihn also machen lassen, sich beugen und der Hoffnung warten. Wirklich, wirklich muss bei uns Mangel entstehen, damit unser Vertrauen zu uns selbst vergehe; damit wir gründlich gewahr werden, wie sehr wir seiner bedürfen, und damit wir auf ihn, seine Macht und Treue hoffen lernen. Wir dürfen es uns gar nicht befremden lassen, wenn es bei uns meistens knapp herumgeht und wir uns gedrungen sehen, Christus anzukleben, wie eine Klette am Kleide, damit uns von Stunde zu Stunde dargereicht werde, was wir zum Leben und göttlichen Wandel bedürfen.

Herr Jesus, mache mich
Recht kindverwöht an dich,
Und verleihe mir einen Hang,
Der lebenslang
Das Herz nach dir erhalte krank.
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Beitragvon Joschie » 09.07.2017 16:09

Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen.
Psalm 17,7


Als wunderlich gestaltet sich die Güte Gottes oft, wenn die ersehnte, verheißene und erbetene Hilfe lange und wohl so lange verseucht, dass sie unmöglich geworden zu sein scheint, und dagegen das Übel so lange drückt, als ob gar kein Aufhören daran wäre. Wie das Herz durch solche Wege zerrissen, mit welchen schmerzhaften Empfindungen und schweren Gedanken es durchbohrt werden kann, drückt namentlich Asaph Ps. 77 mit erstaunlichen Worten aus, wenn er sagt: Wird denn der Herr ewiglich verstoßen, und fortan keine Gnade mehr erzeigen? Ist es denn ganz und gar aus mit seiner Güte, und hat die Verheißung ein Ende? – Wenn allerlei Heimsuchungen Stunden oder Tage dauern, möchte man sich noch darin fügen, wenn sie aber Monate und Jahre dauern, möchte man sich darüber wundern. Ein Hiob klagt: Ich habe viele Monate hindurch vergeblich gearbeitet, und der betrübten Nächte sind mir viele geworden. Die Kirche hat wohl schon geklagt und wird vielleicht noch klagen: Der Herr hat mein vergessen, wiewohl der Herr antwortet: Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen? siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Gewiss lautere Güte. Aber, o wunderliche Güte! Zeigt sie sich wieder wie die Sonne nach dem Regen, o! so ändert sich die Sprache; so heißt es dann: Den Abend lang währt das Weinen, aber des Morgens ist Freude. In seinem Zorn ist ein Augenblick, aber in seiner Güte ein Leben. In einem Augenblick meines Zorns habe ich dich verlassen, aber mit ewiger Gnade will ich dich sammeln.

O Güte, o wunderliche Güte!
Sei getreu in deinem Hoffen,
Hilft Gott gleich nicht, wie du willst,
Er hat bald ein Mittel troffen,
Dass dein Wünschen wird erfüllt.
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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 12.07.2017 07:49

Herr du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen; du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen.
Jeremia 20,7


Fängt der Herr sein Gnadenwerk in einem Menschen an, so ringt er auch so mit ihm, dass ihm zuletzt nichts übrig bleibt, als mit beiden Armen des Glaubens den Sohn Gottes zu umfassen, sich von ihm heben und tragen zu lassen; er wird nach und nach von der alten Weise, zu bestehen und zu wirken, ganz abgebracht, und in eine Weise übergeleitet, wovon er selbst gestehen muss, dass es ihm nicht von Fleisch und Blut geoffenbart sei, sondern dass eine wunderbare Gnade ihn erst unmündig gemacht, und ihm sodann das Geheimnis des Reiches Gottes zu offenbaren angefangen habe. Jetzt lernt er recht von Herzen Schriftstellen glauben, wo es heißt: So liegt es nun nicht an Jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Wo bleibt unsere Weisheit nach dem Ausspruch des Christentums, da dies als den Weg der Wahrheit angibt, dass wir Narren werden nach dem Grundsatz der Welt? wo unsre Kraft, da Christus nur in den Schwachen mächtig ist, und wir ohne ihn nichts tun können? wo unsre Gerechtigkeit, da wir alle für Gottlose erklärt werden, unter denen kein Unterschied ist, als den die Gnade macht? wo unsre Bemühung, da ihr aus Gnaden selig worden seid? Herr! öffne uns die Augen, dass wir sehen die Wunder in deinem
Gesetz!

Komm dann, Herzenszwinger!
Heils- und Friedensbringer!
Komm, Gott heil'ger Geist!
Zwing' mich in die Bande,
Bring' mich zu dem Stande,
D'rin Gott wird gepreis't.
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Beitragvon Joschie » 22.07.2017 10:53

Ich bin gekommen, zu rufen die Sünder zur Buße, und nicht die Gerechten.
Lukas 5,32


Freilich sind wir Sünder, da aber Jesus gekommen ist, Sünder selig zu machen, so wächst das Recht an den Seligmacher in dem Maße, als wir unsre Sünderschaft gewahr werden. Das müssen wir wissen, dass Gott nicht nur dem Volk Israel Kanaan nicht gab um seiner Gerechtigkeit willen, „denn ich weiß,“ spricht er, „dass du ein halsstarriges und ungehorsames Volk bist,“(5.Mose 9,6.13), sondern dass überhaupt seine Zusagen ihren Grund in der freien Gnade haben und in dem Blute Jesu Christi. Wenn jemand um seiner guten Eigenschaft und seines Wohlverhaltens willen an göttliche Zusagen Ansprüche zu haben glaubt, so würde er deswegen wenig oder nichts bekommen, weil er nicht verstünde, umsonst zu kaufen. Gott weiß viel besser, was für elende Sünder wir sind, wie wir selbst, und hat uns in seinem Buche so signalisieren und bezeichnen lassen, dass wir Mühe haben, nicht höher von uns zu halten, als uns dieser Beschreibung gemäß geziemt. Aber dessen ungeachtet hat er zum Ruhm seiner herrlichen Gnade eben diesen die teuersten und allergrößten Verheißungen gegeben, und Christus hat durch seinen Gehorsam, Leiden und Sterben hinlänglich dafür gesorgt, dass die Gnade über uns walten kann, ohne dass sich die göttliche Gerechtigkeit und Heiligkeit derselben widersetzen könnte.

Bist du der Arzt, der Kranke trägt?
Auf dich will ich mich legen.
Bist du der Hirt, der Schwache pflegt?
Erquicke mich mit Segen.
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Re: G.D.Krummacher Andachten aus "Tägliches Manna"

Beitragvon Joschie » 27.07.2017 16:14

Lasset uns wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist,Christus.
Epheser 4,15


Beim Anfang macht man sich oft seltsame und unbegründete Vorstellungen vom Christentum. Man bildet sich, in demselben einen Wachstum ein, wie wir ihn an den Kindern wahrnehmen, welche der mütterlichen Pflege und Hilfeleistung immer weniger bedürfen, bis sie dieselbe endliche ganz entbehren können. Christus aber vergleicht die Seinen lieber den Weinreben, welche nie aus sich selbst, sondern nur dadurch Frucht bringen, dass sie am Weinstock bleiben. Ein wahres Zunehmen, welches allerdings bei einem wahren Christentum statt finden muss, besteht nicht darin, dass man aus und für sich selbst immer besser fertig werden kann mit den Pflichten der Gottseligkeit, sondern es ist vielmehr ein Zunehmen in der Gnade und Erkenntnis Jesu Christi, eine immer mehrere Fertigkeit, sich Christus so zu Nutze zu machen, wie und wozu er uns von Gott gemacht und gegeben ist, und dies kann natürlich nicht anders erlernt werden, als dass unsre eigne Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung zerstört werde, wodurch wir abnehmen, Christus aber wächst.

Ach komm in deinen Garten dann!
Ich will dir bringen, was ich kann,
Was du mir erst gegeben;
Willst du noch mehr, so gib es mir,
Ich will es wiederbringen dir,
Der Weinstock gibt den Reben
Kräfte, Säfte, die von innen
Herz und Sinnen
Aufwärts jagen,
Und die reife Früchte tragen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 29.07.2017 16:21

Ehe ich gedemütigt ward, irrte ich, nun aber halte ich dein Wort.
Psalm 119,67


Grundsätzlich müssen wir bedenken, dass ein wahres rechtschaffenes Christentum in sehr wesentlicher Erfahrung von Sünde und Gnade, von eigenem Elend und Gottes Herrlichkeit, von eigener Ohnmacht und Gottes Kraft, von eigener Blindheit und Gottes Weisheit besteht; bedenken, dass wir von demselben eigentlich nichts mehr verstehen, als wir davon erfahren. Wir müssen wissen, dass Gott das Kreuz in alle seine Führungen genau verwebt hat, und dass sich an und unter demselben der alte Mensch nach und nach verblutet. Die Schrift redet von einem heilsamen Getötet werden und Sterben samt Christus, so wie von Auferstehen und Lebendig machen mit ihm. So wie dieses etwas sehr Heiliges und Herrliches, so ist dagegen jenes, wie jedes Getötet werden, etwas, das nicht ohne Not und Angst hergeht. Vom Christentum und hohen Ständen reden, ist das Leichteste, und die Eigenliebe kann sich darin sehr gefallen. Wo aber wesentliche Gnade ist, da hört unfehlbar alle Prahlerei auf, weil aller Grund dazu benommen wird, und wenn man sich selbst rühmen wollte, so müsste man sich seiner Schwachheit rühmen. Ich danke dir, dass du mich treulich gedemütigt hast und hilfst mir! Das abhängige Leben im Glauben, wo man sich nur des Herrn rühmt, ist in Kraft und Wahrheit eine seltene Sache.

Ich unrein und ganz Verdorben,
Du die höchste Heiligkeit;
Ich verfinstert und erstorben,
Du des Lebens Licht und Freud';
Ich ein armes Bettelkind,
Lahm und Krüppel, taub und blind,
Du das Wesen aller Wesen,
Ganz vollkommen auserlesen.
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Beitragvon Joschie » 04.08.2017 18:03

Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Friede und Freude
im heiligen Geist.
Römer 14,17


Friede und Freude in dem heiligen Geist sind Erquickungen, welche im Reiche Gottes genossen werden. Diese Erquickungen sind oft so groß, stark und anhaltend gewesen, dass der äußere Mensch, der sterbliche Leib, zu schwach ist, sie tragen zu können. Dieses wird Manchem, der diese Erquickung nicht aus Erfahrung kennt, unglaublich sein; aber nichts desto weniger ist es doch eine gewisse Wahrheit. Ja, was die Seele davon genießt, teilt sich auch den äußern Sinnen mit; man fühlt sich gedrungen, auszurufen: Tausend Welten können gegen dich nichts gelten! Diese Erquickten hört man das Lob Gottes verkündigen. Sie sind trunken von den reichen Gütern des Hauses Gottes, und werden getränkt mit Wollust, als mit einem Strom. Dass sie sich des Lächelns dabei nicht enthalten können, ist natürlich; es geht ihnen wie Abraham, als ihm der Messias verheißen wurde – er lachte; oder wie es Zacharias 9 heißt: dass sie trinken und rumoren als vom Wein, und voll werden als das Becken und wie die Ecken des Altars. Dabei kann die Welt, welche dieses Rumoren nicht kennt, wohl veranlasst werden, wie am ersten christlichen Pfingstfeste geschah, zu urteilen: Sie sind voll süßen Weins. Diese Erquickungen sind aber von heiliger Natur. Wenn du
mich tröstest, dann laufe ich den Weg deiner Gebote, sagt David. Im Genuss dieser Erquickungen wird der Begnadigte es recht inne, dass er nicht bloß verleugnen, sondern auch genießen soll, aber auch welch eine glückliche Wahl er im Absagen der Sünde und der Welt, und in Annahme des Herrn Jesu getroffen hat, wiewohl wir nicht Jesus, sondern er uns erwählt hat.

Die gebeugte Seele
Jauchzt in ihrer Höhle,
Denn du tränkst sie wie ein Strom,
Machst sie fröhlich, satt und fromm.
Alle deine Gaben
Können mich zwar laben,
Aber keine, Jesu Christ,
Ist mir, was du selber bist!
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