Lesung aus C.H.Spurgeon "Das Evangelium des Reiche"

Basiert auf "Biblische Lehre" - aber damit die Praxis nicht zu kurz kommt, ein Extra-Forum

Moderator: eddi

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 23.34-39

Beitragvon Jörg » 19.02.2016 18:23

(Des Königs Lebewohl an seine Hauptstadt. V. 34-39.)

34-36. Darum siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und derselbigen werdet ihr etliche töten und kreuzigen und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andren; auf daß über euch komme alle das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut an des gerechten Abel bis aufs Blut Zacharias, Berechias Sohn, welchen ihr getötet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies Geschlecht kommen.


Unser großer König wußte, daß sein irdisches Leben bald enden würde; Er war in der That im Begriff, sein letztes Lebewohl dem im Tempel versammelten Volke zu sagen. Aber ehe Er sie verließ, gab Er ihnen eine königliche und prophetische Botschaft: “Siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte.“ Keiner als der König aller Könige konnte ohne Lästerung so sprechen. Diese „Propheten und Weise und Schriftgelehrte“ waren Christi Himmelfahrtsgaben an die Gemeinde und die Welt. Er sagte vorher, welche Aufnahme seine Diener bei den Juden finden würden: “Derselbigen werdet ihr etliche töten und kreuzigen und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andren.“ Alles dies wurde buchstäblich erfüllt.

Der Zweck des Königs bei der Sendung seiner letzten Vertreter war der, daß die schuldige Stadt auf immer ohne Entschuldigung sein sollte, wenn ihr Maß der Missethat voll und ihr furchtbares Geschick besiegelt war: “Auf daß über euch komme alles das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut an des gerechten Abel bis aufs Blut Zacharias, Berechias Sohn, welchen ihr getötet habt zwischen dem Tempel und Altar.“ Die Zerstörung Jerusalems war schrecklicher als irgend etwas, was die Welt je gesehen hat oder sehen wird. sogar Titus schien in seinem grausamen Werk die Hand eines rächenden Gottes zu sehen. Wahrlich, das Blut der in Jerusalem erschlagenen Märtyrer wurde reichlich gerächt, als die ganze Stadt ein wahres Hakeldama oder Blutfeld wurde.

Der königliche Prophet sagte die Zeit des Endes vorher: “Wahrlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies Geschlecht kommen.“ Noch ehe dieses Geschlecht vergangen war, wurde Jerusalem belagert und zerstört. Es war eine Zwischenzeit, die hinreichte für die volle Verkündigung des Evangeliums durch die Apostel und Evangelisten der ersten christlichen Gemeinde und für das Heraussammeln derer, welche den gekreuzigten Christum als ihren wahren Messias anerkannten. Dann kam das entsetzliche Ende, was der Heiland vorhersah und vorhersagte, und dessen Voraussicht seinen Lippen und seinem Herzen die schmerzliche Klage auspreßte, die auf seine Weissagung von dem Geschick der schuldigen Hauptstadt folgte.

37. Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigest, die zu dir gesandt sind! wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt.

Welches Bild von Mitleid und getäuschter Liebe muß des Königs Angesicht dargeboten haben, als Er mit strömenden Thränen diese Worte aussprach! Welch ausgezeichnetes Gemälde gab Er von der Art, wie Er gesucht, die Juden zu sich zu ziehen: “Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel!“ Welche vertrauliche Zärtlichkeit! Welches warme Paradies der Ruhe! Welche Nahrung für die Schwachen! Welcher Schutz für die Hilflosen! doch war alles vergeblich bereitet: „Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, und ihr habt nicht gewollt!“

O, die schreckliche Verkehrtheit des aufrührerischen, menschlichen Willens! Mögen alle Leser dieser Zeilen sich davor hüten, daß der König jemals eine solche Klage über sie auszusprechen habe.

38. 39. Siehe, euer Haus soll euch wüst gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Nichts blieb dem König übrig, als das feierliche Todesurteil über die auszusprechen, die nicht zu Ihm kommen wollten, daß sie das Leben haben möchten: “Siehe, euer Haus soll euch wüst gelassen werden.“ Das ganze „Haus“ der Juden war wüst gelassen, als Jesus von ihnen schied; und der Tempel, das heilige und schöne „Haus“, wurde eine geistliche Wüste, als Jesus es endgültig verließ. Jerusalem war zu weit gegangen, um noch von seinem selbstgesuchten Geschick errettet zu werden.

In all diesem Dunkel war ein Lichtstrahl: “Denn ich sage euch, ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprechet: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.“ Nach seinem Tod und seiner Auferstehung erschien der Herr Jesus viele Male seinen Jüngern, aber nicht einmal den ungläubigen Juden. Sein persönliches Amt unter ihnen war zu Ende, aber es soll erneuert werden, wenn Er zum zweitenmal kommt ohne ein Sündopfer, zur Seligkeit, und dann werden sie sprechen: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.“ Lange Jahrhunderte sind vergangen, seit der König wegging. Die Zeichen der Zeit sagen uns alle, daß sein Kommen nahet. O, daß Christen und Juden gleichermaßen nach dem wahren Messias aussähen, dessen Botschaft an alle ist: „Siehe, ich komme bald!“
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 24.1-6

Beitragvon Jörg » 21.02.2016 12:00

(Der König und seines Vaters Haus. V. 1. 2.)

1. 2. Und Jesus ging hinweg von dem Tempel, und seine Jünger traten zu Ihm, daß sie Ihm zeigten des Tempels Gebäu. Jesus aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andren bleiben, der nicht zerbrochen werde.


Nachdem der König seine letzte Rede im Tempel beendet hatte, verließ Er ihn, um niemals wiederzukehren: “Jesus ging hinweg von dem Tempel.“ Sein Amt hier war geendet. Als seine Jünger mit Ihm nach dem Ölberg gingen, machten sie Ihn aufmerksam auf die großen Steine, aus denen der Tempel gebaut war und die kostbaren Verzierungen des schönen Gebäudes. Für sie war der Anblick ein glorreicher, aber für ihren Herrn war es ein trauriger. Seines Vaters Haus, welches ein Gebetshaus für alle Völker hätte sein sollen, war eine Mördergrube geworden und sollte bald gänzlich zerstört werden: “Jesus aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andren bleiben, der nicht zerbrochen werde.“ Josephus erzählt uns, daß Titus zuerst versuchte, den Tempel zu retten, selbst nachdem er schon in Brand gesteckt war, aber seine Bemühungen waren umsonst, und zuletzt gab er Befehl, daß die ganze Stadt und der Tempel dem Erdboden gleich gemacht würden, mit Ausnahme eines kleinen Teils, der für die Garnison zurückbehalten werden sollte. Dies ward so gründlich gethan, daß der Historiker sagt: „es ward nichts übrig gelassen, was die, welche dahin kamen, glauben machte, sie sei je bewohnt gewesen.“

Wir freuen uns zuweilen über das zeitliche Wohlergehen der Gemeinde, als wenn es etwas wäre, was sicherlich dauern würde, aber alles, was äußerlich ist, wird vergehen oder zerstört werden. Laßt uns nur das für wesentlich rechnen, was von Gott kommt und Gottes Werk ist. „Was sichtbar ist, das ist zeitlich.“

(Der König beantwortet schwierige Fragen. V. 3-31.)

3. Und als Er auf dem Ölberge saß, traten zu Ihm seine Jünger besonders und sprachen: Sage uns, wann wird das geschehen? Und welches wird das Zeichen sein Deiner Zukunft und der Welt Ende?


Die kleine Schar fuhr fort, den Ölberg hinanzusteigen, bis Jesus einen Ruheplatz erreichte, von dem aus Er den Tempel sehen konnte (Mk. 13,3). Da setzte Er sich nieder, und seine Jünger traten zu Ihm besonders und sprachen: Sage uns, wann wird das geschehen? Und welches wird das Zeichen sein Deiner Zukunft und der Welt Ende? Dies sind die Fragen, die in jedem Zeitalter seit unsres Heilandes Tagen gethan worden sind. hier sind zwei, vielleicht drei bestimmte Fragen. Die Jünger fragen zuerst nach der Zeit der Zerstörung des Tempels und dann nach dem Zeichen des Kommens Christi und der „Vollendung des Zeitalters“. Die Antworten Jesu enthielten viel Geheimnisvolles, das nur völlig verstanden werden kann, wenn das, was Er vorhersagte, wirklich geschieht. Er sagte seinen Jüngern einiges, was sich auf die Belagerung Jerusalems bezog, einiges, was seine zweite Zukunft betraf, und einiges, was unmittelbar dem „Ende der Welt“ vorangehen würde. Wenn wir klareres Licht haben, können wir möglicherweise wahrnehmen, daß alle Vorhersagungen unsres Heilandes bei dieser denkwürdigen Gelegenheit einen Zusammenhang mit all diesen drei großen Ereignissen hatten.

4-6. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen. Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin Christus; und werden viele verführen. Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen; sehet zu und erschreckt nicht. Das muß zum ersten alles geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da.

Jesus war immer praktisch. Das Wichtigste für seine Jünger war nicht, daß sie wüßten, wann das geschehen würde, sondern daß sie vor den besonderen Übeln der Zeit bewahrt blieben. Darum “antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe, denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin Christus; und werden viele verführen.“ Sie sollten sich hüten, daß keiner von den falschen Christi sie irre leite, denn diese würden viele verführen. Eine große Anzahl Betrüger traten vor der Zerstörung Jerusalems auf und gaben vor, die Gesalbten Gottes zu sein; fast jedes Blatt der Geschichte ist mit den Namen solcher Betrüger befleckt. Und auch in unsren eignen Tagen haben wir einige gesehen, die in Christi Namen kamen und sagten, daß sie Christus wären. Solche Männer verführen viele, aber die, welche ihres Herrn Warnung beachten, werden nicht von ihnen getäuscht werden.

Unsres Heilandes Worte: “Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen“ lassen sich fast auf jede Periode der Weltgeschichte anwenden. Die Erde hat selten eine lange Zeit der Ruhe gehabt; es hat beinahe immer wirkliche Kriege und Geschrei von Kriegen gegeben. Es waren deren viele, ehe Jerusalem zerstört ward; es sind seitdem viele gewesen, und es wird viele geben bis zu jener glorreichen Periode, wo „kein Volk wider das andre ein Schwert aufheben wird und hinfort nicht mehr kriegen lernen werden.“

“Sehet zu und erschreckt nicht“: dies ist ein zeitgemäßes Wort für die Jünger Christi in allen Jahrhunderten. “Das muß zum ersten alles geschehen,“ darum laßt uns nicht dadurch überrascht oder erschreckt werden; “aber es ist noch nicht das Ende da.“ Die Zerstörung Jerusalems war der Anfang vom Ende, das große Vorbild von allem, was stattfinden soll, wenn Christus am letzten Tage auf der Erde stehen wird. Es war ein Ende, aber nicht das Ende: „es ist noch nicht das Ende da.“
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 24.7-13

Beitragvon Jörg » 23.02.2016 17:17

7. 8. Denn es wird sich empören ein Volk über das andre und ein Königreich über das andre, und werden sein Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und wieder. Da wird sich allererst die Not anheben.

Man sollte denken, daß Not genug wäre “in Pestilenz und teurer Zeit und Erdbeben hin und wieder“, aber unser Herr spricht: “Da wird sich allererst die Not anheben,“ dieses waren die ersten Schmerzen der Geburtswehen, die seinem Kommen, zu Jerusalem oder zu der ganzen Welt, vorangehen müssen. Wenn teure Zeiten, Pestilenz und Erdbeben nur das „Anheben der Not“ sind, was mag das Ende derselben sein? Diese Weissagung sollte die Jünger warnen vor dem, was kommen würde, und sie von der Welt entwöhnen, wo alle diese und größere Not gefühlt werden wird.

9. Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr müßt gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern.

Unser Herr sagte nicht nur die allgemeine Trübsal vorher, die über die Juden und die Welt kommen würde, sondern auch die besondere Verfolgung, welche der Teil seiner erwählten Nachfolger sein würde: “Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr müßt gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern.“ Das Neue Testament liefert reichlichen Beweis von der Erfüllung dieser Worte. Selbst in Pauli Tagen ward „dieser Sekte an allen Enden widersprochen.“ Und ist seit der Zeit irgend ein Land unbefleckt geblieben von dem Blut der Märtyrer? Wo immer Christi Evangelium gepredigt worden ist, da haben sich die Menschen in Waffen gegen die Boten der Barmherzigkeit erhoben und sie gepeinigt und getötet, wo sie nur konnten.

10. Dann werden sich viele ärgern, und werden sich untereinander verraten, und werden sich untereinander hassen.

Dies war ein bitteres Leiden für die Nachfolger Christi, doch haben sie das immer zu erdulden gehabt. Die Verfolgung enthüllte die Verräter innerhalb der Gemeinde sowohl als die Feinde außerhalb derselben. In der Mitte der Erwählten fanden sich die Nachfolger des Judas, die willig waren, die Jünger zu verraten, wie er den Herrn verriet. Das Traurigste von allem ist, wenn gute Menschen durch ihre eignen Verwandten verraten werden, aber selbst dies haben viele von ihnen um Christi willen erdulden müssen.

11. 12. Und es werden sich viel falscher Propheten erheben und werden viele verführen. Und dieweil die Ungerechtigkeit wird überhand nehmen, wird die Liebe in vielen erkalten.

Was nicht durch Verfolger außerhalb der Gemeinde und Verräter innerhalb derselben bewirkt werden konnte, versuchten Lehrer der Ketzerei: “Es werden sich viel falscher Propheten erheben und werden viele verführen.“ Sie haben sich in allen Zeitaltern erhoben; in diesen neueren Zeiten haben sie sich in Wolken erhoben, bis die Luft dicht voll von ihnen ist, wie von einem Heer verzehrender Heuschrecken. Dies sind die Männer, welche neue Lehren erfinden und zu denken scheinen, daß die Religion Jesu Christi etwas sei, das ein Mensch in jede ihm beliebige Form und Gestalt drehen kann. Ach, daß solche Lehrer überhaupt Jünger haben! Es ist doppelt traurig, daß sie fähig sind, “viele“ zu verführen. Doch, wenn es geschieht, laßt uns daran gedenken, daß der König sagte, es würde so sein.

Ist es zum Verwundern, daß, wo solche “Ungerechtigkeit überhand nimmt“ und solche Gesetzlosigkeit sich mehrt, “die Liebe in vielen erkaltet“? Wenn die Lehrer das Volk täuschen und ihm „ein andres Evangelium predigen, so doch kein andres ist,“ so ist es kein Wunder, daß Mangel an Liebe und Eifer da ist. Das Wunder ist, daß überhaupt Liebe und Eifer übrig geblieben, nachdem sie solchem Erkaltungsprozeß ausgesetzt gewesen sind, wie dem, welchen die Anwälte der neueren „zerstörenden Kritik“ vornehmen. Wahrlich, sie wird mit Recht „zerstörend“ genannt, denn sie zerstört fast alles, was des Bewahrens wert ist.

13. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig.

Wiederum erinnert unser Heiland seine Jünger an die persönliche Verantwortlichkeit eines jeden von ihnen in einer solchen Leidens- und Prüfungszeit, wie die, der sie entgegen gingen. Er wollte, sie sollten daran gedenken, daß nicht der, welcher den Wettlauf beginnt, sondern der, welcher das Ziel erreicht, den Preis erlangt: “Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig.“ Wenn diese Lehre nicht durch eine andre ergänzt würde, so würde nur wenig gute Botschaft für arme, versuchte, leidende und kämpfende Heilige in solchen Worten sein. Wer unter uns würde in dem himmlischen Wettlauf beharren, wenn Gott uns nicht vor dem Fallen bewahrte und uns beharrende Gnade gäbe? Aber, gelobet sei sein Name! „Der Gerechte wird seinen Weg behalten.“ „Der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi.“
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 24.14-21

Beitragvon Jörg » 24.02.2016 17:15

14. Und es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Die Welt ist für die Gemeinde, was das Baugerüst für ein Gebäude ist. Wenn die Gemeinde gebaut ist, wird das Gerüst abgebrochen werden; die Welt muß bestehen, bis der letzte Erwählte errettet ist: “dann wird das Ende kommen.“ Ehe Jerusalem zerstört wurde, war “dies Evangelium vom Reiche“ wahrscheinlich “in der ganzen Welt“ gepredigt worden, so weit sie damals bekannt war, aber es soll eine völligere Verkündigung desselben stattfinden, “zu einem Zeugnis über alle Völker,“ vor der großen Vollendung aller Dinge. „Dann wird das Ende kommen,“ und der König wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen und das ewige Geschick des ganzen menschlichen Geschlechts entscheiden.

15-18. Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, (davon gesagt ist durch den Propheten Daniel), daß er stehet an der heiligen Stätte, (wer das liest, der merke drauf!) Alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Land ist; und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, sine Kleider zu holen.

Diese Worte unsres Heilands scheinen sich nur auf die Zerstörung Jerusalems zu beziehen. Sobald die Jünger Christi “den Greuel der Verwüstung,“ d.h. die römischen Fahnen mit ihren götzendienerischen Sinnbildern “an der heiligen Stätte stehen“ sahen, wußten sie, daß die Zeit für ihre Flucht gekommen sei, und sie “flohen auf die Berge“. Die Christen in Jerusalem und den benachbarten Städten und Dörfern ergriffen die erste Gelegenheit, den römischen Heeren zu entgehen, und flohen in die Bergstadt Pella in Perea, wo sie vor dem allgemeinen Verderben, das über die Juden kam, geschützt waren. Es war keine Zeit zu verlieren vor der schließlichen Einnahme der schuldigen Stadt. Der Mann “auf dem Dach“ konnte “nicht herunterkommen, etwas aus seinem Hause zu holen“, und der Mann “auf dem Felde“ konnte nicht zurück kehren, “um seine Kleider zu holen.“ Sie mußten in größter Eile auf die Berge fliehen, sobald sie Jerusalem „belagert mit einem Heer“ sahen (Lk. 21,20).

19-21. Weh aber den Schwangeren und Säugerinnen zu der Zeit! Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat. Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, als nicht gewesen ist von Anfang der Welt bis her, und als auch nicht werden wird.

Es muß eine besonders schwere Zeit für die Frauen gewesen sein, die aus ihren Häusern zu fliehen hatten, gerade wenn sie der Stille und Ruhe bedurften. Wie rücksichtsvoll und weich war unser mitleidiger Heiland, daß Er so viel Mitgefühl hatte für leidende Mütter in ihrer Stunde der Not! “Flucht im Winter“ oder “am Sabbat“ wäre mit besonderen Schwierigkeiten verbunden gewesen; darum wurden die Jünger ermahnt, zu “beten“, daß ihnen eine andre Zeit gewährt würde. Der Herr wußte genau, wann sie imstande sein würden zu entfliehen, demnach hieß Er sie beten, daß ihre Flucht nicht im Winter noch am Sabbat geschehe. Die weisen Männer der Gegenwart würden gesagt haben, daß Gebet unter solchen Verhältnissen unnütz sei. Nicht so der große Lehrer und Beispielgeber seines betenden Volkes; Er lehrte, daß eine solche Zeit gerade die rechte für besonderes Flehen sei.

Der Grund für diesen Befehl ward von dem Heiland gegeben: “Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, als nicht gewesen ist von Anfang der Welt bis her, und als auch nicht werden wird.“ Leset den Bericht des Josephus über die Zerstörung Jerusalems und seht, wie sehr unsres Herrn Worte erfüllt wurden. Die Juden sprachen gottvergessen: „Sein Blut komme über uns und unsre Kinder.“ Niemals rief ein andres Volk einen solchen schrecklichen Fluch auf sich herab, und über kein andres Volk kam je ein solches Gericht. Wir lesen, daß so viele Juden gekreuzigt wurden, bis kein Holz mehr da war, um Kreuze zu machen; daß Tausende des Volks sich einander in den hitzigen Parteikämpfen innerhalb der Stadt erschlugen; daß so viele als Sklaven verkauft wurden, daß sich fast keine Käufer mehr fanden und sie nahezu wertlos wurden, und daß ein furchtbares Blutbad war, als die Römer endlich in die unglückliche Stadt eindrangen. Die schauervolle Erzählung bestätigt genau, was der Heiland vorhersagte, fast vierzig Jahre, ehe die schrecklichen Ereignisse stattfanden.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 24.22-31

Beitragvon Jörg » 26.02.2016 17:10

22. Und wo diese Tage nicht würden gekürzt, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt.

Dies waren die Worte des Königs sowohl, wie des Propheten, und als solche waren sie beides, authentisch und mit Autorität bekleidet. Jesus sprach von dem, was “sein würde,“ nicht nur als der Seher, der in die Zukunft schauen konnte, sondern als der unumschränkte Lenker aller Ereignisse. Er wußte, welche furchtbare Leiden des ungläubigen Volks harrten und daß, wo diese Tage nicht verkürzt würden, kein Mensch selig werden würde. Wenn die Schrecken der Belagerung lange angedauert hätten, so wäre die ganze jüdische Nation zerstört worden. Der König hatte die Macht, diese bösen Tage zu verkürzen, und Er gab den Grund an, weshalb Er diese Macht gebrauche: “aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt.“ Die, welche von ihren eigenen Landsleuten gehaßt und verfolgt wurden, waren das Mittel, sie vor völliger Vernichtung zu bewahren. So ist es seit jenen Tagen häufig gewesen; um seiner Auserwählten willen hat der Herr viele Gerichte zurückgehalten und andre verkürzt. Die Ungöttlichen verdanken den Gottesfürchtigen mehr als sie wissen oder anerkennen möchten.

23-26. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da, so sollt ihr’s nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder thun, daß verführt werden in den Irrtum (wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, Er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus; siehe, Er ist in der Kammer, so glaubet nicht.

Es ist ein Großes, solchen Glauben an Christum zu haben, daß ihr für Betrüger keinen übrig habt. Es ist wichtig, daß ihr euren Glauben nicht zu weit verteilt. Die, welche ein wenig von allem glauben, werden zuletzt gar nichts glauben. Wenn ihr vollen Glauben an das habt, was gewiß und fest ist, so werden “falsche Christi und falsche Propheten“ nicht imstande sein, euch zu bethören. In einer Hinsicht haben die neueren Lehrer der Ketzerei mehr Erfolg, als ihre jüdischen Vorbilder, denn sie verführen thatsächlich “die Auserwählten,“ obwohl sie nicht einmal “große Zeichen und Wunder thun.“ Eins der traurigsten Zeichen der Zeit, in der wir leben, ist die Leichtigkeit, mit der „die Auserwählten“ sich verführen lassen von den glattzüngigen „falschen Christi und falschen Propheten,“ die in solcher Menge unter uns sind. Doch warnte unser Heiland seine Nachfolger ausdrücklich vor ihnen: “Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt.“ Vorher gewarnt ist vorher gewaffnet. Laßt es so bei uns sein. Unsres Heilandes ausdrückliches Gebot kann füglich auf das ganze System des neueren Denkens angewandt werden, das dem inspirierten Wort Gottes entgegen ist: “glaubt es nicht.“

27. Denn gleich wie der Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohns.

Wenn Er kommt, werden wir wissen, wer Er ist und wozu Er gekommen ist. Es wird nicht länger irgend ein Geheimnis oder Rätsel in betreff “des Kommens des Menschensohnes“ sein. Es wird nicht nötig sein, dann Fragen zu thun, denn niemand wird sich in Irrtum befinden über seine Erscheinung, wenn sie wirklich stattfindet. „Es werden Ihn sehen alle Augen.“ Christi Kommen wird plötzlich, unerwartet, allgemein sichtbar und schreckenvoll für die Ungöttlichen sein: “Gleich wie der Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang.“ Sein erstes Kommen zum Gericht bei der Zerstörung Jerusalems hatte Schrecken, die bis dahin niemals auf der Erde empfunden waren; sein letztes Kommen wird noch furchtbarer sein.

28. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler.

Das Judentum war ein “Aas“ geworden, tot und verwest; eine passende Beute für die Adler oder Aasgeier Roms. Bald wird ein andrer Tag kommen, wo eine tote Gemeinde in einer toten Welt sein wird und “die Adler“ des göttlichen Gerichts “sich sammeln werden“ und die zerreißen, für die „kein Erretter da“ ist. Die Raubvögel sammeln sich überall, wo tote Körper zu finden sind, und die Gerichte Christi werden ausgegossen werden, wenn die politische oder religiöse Körperschaft unerträglich faul geworden ist.

29-30. Bald aber nach der Trübsal derselbigen Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden sich bewegen. Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns im Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden, und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Unser Herr scheint absichtlich die Weissagungen über die Zerstörung Jerusalems und über seine zweite Zukunft vermischt zu haben, so daß seine Worte nichts enthielten, was müßige Neugier befriedigte, dagegen alles, was seine Jünger stets wachend und auf seine Erscheinung wartend erhalten konnte. Diese Verse müssen sich auf das Kommen des Königs am letzten großen Tage beziehen. Es mag eine teilweise Erfüllung derselben in der “Trübsal“ gewesen sein, die über seine schuldige Hauptstadt kam; und die Worte mögen bildlich genommen worden sein, und die Wunder in den Himmeln und die Wehe auf Erden bezeichnen, die mit diesem furchtbaren Gericht verbunden waren; aber wir müssen Christi Worte hier als eine Weissagung von der schließlichen Erscheinung nehmen, wenn “des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels kommt mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ “Sonne, Mond und Sterne werden nicht mehr nötig sein, wenn Er, der glänzender ist als die Sonne, in der Herrlichkeit seines Vaters und seiner heiligen Engel leuchtet. Christi Kommen wird die Quelle unsagbarer Freude für seine Freunde sein, aber es wird beispielloses Leid für seine Feinde bringen. “Alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden.“ Wenn Jesus kommt, wird Er die Völker noch unerrettet finden, und Grauen wird ihr ewiger Teil sein.

31. Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von einem Ende des Himmels zu dem andren.

Unsres Herrn erste Sorge, wenn Er wiederkehrt, wird die Sicherheit seiner “Erwählten“ sein. Er ist hingegangen, eine Stätte für sie zu bereiten, und wenn die Stätte bereit und die Zeit für ihre Verklärung gekommen ist, so “wird Er senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von einem Ende des Himmels zu dem andren.“

Welcher Gegensatz zwischen dem Sammeln der Adler um die verfaulenden Leichname, und dem Sammeln der Auserwählten Christi bei dem hellen Posaunenschall seiner heiligen Engel! Möge jeder Leser dieser Zeilen unter der letzten Zahl sein! Diese werden mit Freuden auf die Zeit der Erscheinung des Königs hinausblicken.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 24.32-41

Beitragvon Jörg » 28.02.2016 11:52

(Der König spricht von der Zeit seines Kommens. V. 32-41.)

32-35. An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis. Wenn sein Zweig jetzt saftig wird, und Blätter gewinnt, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. Also auch wenn ihr das alles seht, so wisset, daß es nahe vor der Thür ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß dieses alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

Unser Herr kehrt hier augenscheinlich wieder zu dem Thema der Zerstörung Jerusalems zurück und gibt in diesen Worten seinen Aposteln eine Warnung in betreff der Zeichen der Zeit. Er hatte kürzlich den unfruchtbaren Feigenbaum zu einer Anschauungslehre benutzt; Er heißt nun seine Jünger “an dem Feigenbaum ein Gleichnis lernen“ und an allen Bäumen (Lk. 21,31.). Gottes großes Buch der Natur ist voll von Bildern für die, welche Augen haben, sie zu sehen, und der Herr Jesus, der große Schöpfer, machte oft Gebrauch von den bunten Blättern desselben, um den Seelen seiner Hörer Lehren einzuprägen. Bei dieser Gelegenheit gebrauchte Er ein einfaches Gleichnis vom Feigenbaum: “Wenn sein Zweig jetzt saftig wird, und Blätter gewinnt, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist.“ Sie konnten ein so klares Zeichen von der wahren Wiederkehr des Sommers nicht mißverstehen, und Jesus wollte, daß sie ebenso schnell die Zeichen lesen sollten, die das kommende Gericht über Jerusalem ankündigten. “Also auch wenn ihr dies alles seht, so wisset, daß es nahe vor der Thür ist.“ Genauer, „daß Er nahe ist“, der Sohn des Menschen, der König. Sein eignes Volk verwarf Ihn, als Er in Barmherzigkeit kam, und sein nächstes Kommen sollte eine Zeit des schrecklichen Gerichts und der Vergeltung für seine schuldige Hauptstadt sein. O, daß Juden und Heiden heutzutage weise genug wären, die Lehre dieser entsetzlichen Trübsal zu lernen und das Angesicht suchen, dessen Zorn sie nicht tragen können!

Der König ließ seine Nachfolger nicht in Zweifel darüber, wann dieses alles geschehen solle: “Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß dieses alles geschehe.“ Ungefähr ein gewöhnliches Menschenalter war vergangen, als die römischen Heere Jerusalem belagerten, dessen Maß der Sünde jetzt voll war und in Elend, Todesangst, Not und Blutvergießen überfloß, wie die Welt nie zuvor gesehen und nie nachher. Jesus war ein wahrer Prophet; alles, was Er vorhersagte, ward buchstäblich erfüllt. Er bekräftigte, was Er schon gesagt und was Er im Begriff war, zu sagen mit einer feierlichen Versicherung: “Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ „Das Wort des Herrn bleibt ewiglich,“ und obgleich dieser Herr in der Gestalt eines Menschen erschien und bald als ein Übelthäter gekreuzigt werden sollte, bleiben seine Worte doch, wenn Himmel und Erde den Zweck erfüllt haben, für den Er sie geschaffen hat, und vergangen sind.

Christi Verheißungen der Vergebung werden ebenso gewiß erfüllt, wie seine Weissagungen von der Strafe; keins seiner Worte soll je „vergehen“.

36. Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, sondern allein mein Vater.

Es ist eine offenbare Veränderung hier in den Worten unsres Herrn, die klar anzeigt, daß sie auf sein letztes, großes kommen zum Gericht gehen: “Von jenem Tag aber und von der Stunde weiß niemand.“ Einige vorgebliche Propheten haben den klaren Sinn dieses Verses verdreht, indem sie sagten: „Obwohl wir nicht den Tag oder die Stunde der Zukunft Christi wissen, können wir doch das Jahr, den Monat und sogar die Woche wissen.“ Wenn diese Art, Christi Worte zu behandeln, nicht lästerlich ist, so ist sie sicher thöricht und verrät Untreue gegen den König. Er fügte hinzu, daß nicht nur kein Mensch jenen Tag und Stunde kennt, sondern daß es auch den Engeln verborgen ist: “auch die Engel nicht im Himmel, sondern allein mein Vater.“ Wir brauchen uns deshalb nicht zu beunruhigen durch die müßigen Prophezeiungen verrückter Fanatiker, selbst wenn sie behaupten, die Schrift auszulegen, denn was die Engel nicht wissen, ist ihnen nicht offenbart. Sogar Christus beschränkte in seiner menschlichen Natur freiwillig seine Fähigkeiten so, daß Er nicht die Zeit seiner zweiten Zukunft wußte (Mk. 13,32). Es ist genug für uns zu wissen, daß Er sicherlich kommen wird. Unsre große Sorge sollte sein, bereit für seine Erscheinung zu sein, zu welcher Zeit sie auch stattfinden werde.

37-39. Gleich aber wie es zu der Zeit Noahs war, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohns. Denn gleich wie sie waren in den Tagen vor der Sündflut: sie aßen, sie tranken, sie freiten, und ließen sich freien bis an den Tag, da Noah zu der Arche einging. Und sie achteten’s nicht, bis die Sündflut kam, und nahm sie alle dahin: also wird auch sein die Zukunft des Menschensohns.

Obgleich der König nicht die Zeit der “Zukunft des Menschensohns“ enthüllte, so erklärte Er doch deutlich, daß die Weltgeschichte sich wiederholen würde und daß es an „jenem Tage“ sein würde, wie es zu der Zeit Noahs war. Wenn Er kommt, wird Er viele unvorbereitet finden, wie die Vorsündflutlichen es waren, als “die Sündflut kam und sie alle dahin nahm“. Doch in beiden Fällen haben die Sünder reichliche Warnung. Noah war ein Prediger der Gerechtigkeit für die Menschen seiner Zeit; und „es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker, und dann wird das Ende kommen“ (V. 14). Christi Zukunft wird wie die Sündflut plötzlich, unerwartet, allgemein in ihren Wirkungen und schrecklich für die Ungöttlichen sein, obgleich diese ganz unbekümmert sein werden: “sie werden essen und trinken, freien und sich freien lassen bis an den Tag.“ Das, was erlaubt und recht ist unter andren Umständen, wird etwas positiv Böses, wenn es die Stelle der Vorbereitung auf die Zukunft des Menschensohnes einnimmt. Wehe denen, deren Essen und Trinken nicht das Brot und Wasser des Lebens einschließt, und die heiraten und sich verheiraten lassen, aber nicht mit dem himmlischen Bräutigam! Jener Dies Irae (Tag des Zorns) wird ein schrecklicher Tag für Sünder sein.

„Tag des Zorns, wenn Gott einst richtet,
Rings die Welt in Glut vernichtet,
Wie Prophetenmund berichtet.
Welch ein Grau’n wird sein, welch Beben,
Wann Du, Herr, Dich wirst erheben,
Streng zu prüfen aller Leben!“

40.41. Dann werden zwei auf dem Felde sein; einer wird angenommen, und der andre wird verlassen werden. Zwei werden mahlen auf der Mühle; eine wird angenommen, und die andre wird verlassen werden.

Die Scheidung zwischen den Frommen und Gottlosen beim Kommen Christi wird sehr genau sein. Gefährten in der Arbeit werden an „jenem Tage“ auf ewig getrennt werden: “Dann werden zwei auf dem Felde sein,“ pflügend, säend, erntend oder ruhend; “einer wird angenommen, und der andre wird verlassen werden.“ Der gläubige Arbeiter soll von den Engeln genommen werden, um sich den Scharen der Erlösten einzureihen, während sein ungläubiger Mitarbeiter dem Gericht überlassen wird, das schnell über ihn hereinbrechen soll. “Zwei werden mahlen auf der Mühle,“ es mögen zwei Mägde in eines reichen Mannes Haus sein, oder es mögen Mutter und Tochter oder zwei Schwestern in eines Armen Hütte sein; aber wie nahe sie auch miteinander verbunden gewesen sind, wenn die eine durch die Gnade errettet und die andre noch unter dem Urteil der Verdammung ist, so “wird die eine angenommen, und die andre verlassen werden.“ Diese Trennung wird ewig sein; es ist keine Andeutung einer künftigen Wiedervereinigung da.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 24.42-44

Beitragvon Jörg » 01.03.2016 17:44

(Der König befiehlt seinen Knechten, zu wachen. V. 42-51.)

42. Darum wachet; denn ihr wißt nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird.


Dies ist der praktische Schluß aus der ganzen Sache. Daß unser Herr kommt, ist gewiß, daß sein Kommen jeden Augenblick stattfinden kann, ist eine Glaubenssache, und daß wir die Zeit seines Kommens nicht wissen, ist eine Thatsache: “Ihr wißt nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird.“ Christi Worte sind in der englischen Übersetzung in der gegenwärtigen Zeit. Es heißt dort: „welche Stunde euer Herr kommt“, wie um uns stets in der Erwartung zu halten. Damit wir seine Worte nicht unbeachtet lassen, spricht Er den Befehl ganz deutlich aus: “Darum wachet.“ Der Titel, den Er gebraucht, verleiht dem Befehl, zu wachen, noch mehr Kraft, denn es ist unser Herr, der bald kommt.

43.44. Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüßte, welche Stunde der Dieb kommen wollte, so würde er ja wachen, und nicht in sein Haus brechen lassen. Darum seid ihr auch bereit; denn des Menschen Sohn wird kommen zu einer Stunde, da ihr nicht meinet.

Wenn der Hausvater zuverlässige Nachricht hat, daß ein Dieb kommt, aber nicht weiß, zu welcher Stunde er ankommt, so wird er die ganze Nacht wachen und auf seine Ankunft warten; aber wenn “der Hausvater“ wüßte, in welcher Stunde er kommen wollte, so würde er zu dieser Zeit ganz besonders wachsam sein. Jedes kleine Geräusch wird seine Aufmerksamkeit erregen. Er denkt, er hört jemand an der Hinterthür; nein, der Dieb versucht durch ein Fenster an der Vorderseite hereinzukommen. Wohin er auch kommt, er wird finden, daß des Herrn Ohr horcht, des Herrn Auge wacht, des Herrn Hand bereit ist, ihn zu ergreifen, denn er hat rechtzeitige Warnung vor dem Einbrecher erhalten. Die Menschen handeln weislich in bezug auf Diebe; wie schade, daß sie nicht ebenso weise sind in dem Wachen und Aussehen nach der Zukunft ihres Herrn! Wir wissen nicht, wir können nicht einmal erraten, in welcher Nachtwache der langen Erdennacht Er kommen wird, denn “des Menschen Sohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint.“ „Des Menschen Sohn kommt, er ist im Kommen begriffen; seine eignen Worte sind: „Siehe, ich komme bald.“

Christi Kommen zu der Welt wird wie das eines Diebes sein, das man nicht erwartet und darum nicht die geeigneten Vorbereitungen für seinen Empfang getroffen hat, aber seine wahren Nachfolger werden nicht gestatten, daß „der Tag“ sie „wie ein Dieb ergreife“ (1. Thess. 5,4). Sie sollten stets nach seinem Erscheinen aussehen. Was unser Herr seinen Jüngern einschärfte, sollte noch größeres Gewicht für uns haben, die wir seiner zweiten Zukunft so viel näher leben, als es für die hatte, an die Er sein Warnungswort zuerst richtete: “Darum seid ihr auch bereit.“ Wir sollten so wachsam sein, als wenn wir wüßten, daß Christus heute abend kommen würde; weil wir, obwohl wir nicht wissen, wann Er kommen wird, doch wissen, daß Er jeden Augenblick kommen kann. O, daß wir bereit wären für sein Erscheinen und wachten und auf Ihn warteten wie Knechte, deren Herr lange Zeit fern gewesen, und jede Stunde zurückkehren kann! Dies wird uns nicht unsern täglichen Beruf vernachlässigen lassen; im Gegenteil, wir werden um so fleißiger im Erfüllen unsrer irdischen Pflichten sein, weil unsre Herzen in betreff unsrer himmlischen Schätze ruhig sind.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 24.45-51

Beitragvon Jörg » 03.03.2016 17:04

45.46. Welcher ist aber nun ein treuer und kluger Knecht, den sein Herr gesetzt hat über sein Gesinde, daß er ihnen zu rechter Zeit Speise gebe? Selig ist der Knecht, wenn sein Herr kommt, und findet ihn also thun.

Die Apostel waren „Haushalter über Gottes Geheimnisse“ (1. Kor. 4,1) und „gute Haushalter der mancherlei Gnade Gottes“ (1 Petri 4,10). Eine Eigenschaft, die dem Haushalter sehr not that, war die, daß er “treu“ erfunden ward, sowohl gegen seinen Herrn, als gegen “das Gesinde,“ über das “er gesetzt“ war. Es war auch nötig, weise in seinem Verfahren gegen seine Mitknechte zu sein, denn trotz der ihm beigelegten Ehre war er immer noch ein „Knecht,“ der seinem Herrn Rechnung von seinem Haushalt ablegen mußte. Diese Worte beschreiben den Dienst eines Predigers, der die Wahrheit von ganzem Herzen predigt, und sucht, “zu rechter Zeit Speise zu geben,“ allen, über die ihn „der Heilige Geist zu einem Bischof gesetzt hat.“ Oder sie können einen Lehrer schildern, der sich bemüht, die Seelen der Jugend mit gesunder Lehre zu speisen, oder auch jeden Diener Christi, was immer sein Beruf sein mag, der das Werk thut, das sein Meister ihm bestimmt hat, gerade wie er es thun würde, wenn er wüßte, daß sein Herr in demselben Augenblick käme, um es zu prüfen. “Selig ist der Knecht, wenn sein Herr kommt, und findet ihn also thun.“ Solch ein Knecht Christi ist geeignet; er ist ein glücklicher Mann, daß sein Herr ihn „also thun“ findet. Möge unser Meister uns so beschäftigt finden, wenn Er kommt!

47. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.

Sein Herr hatte ihn früher „über sein Gesinde“ gesetzt. Sein treues und kluges Verhalten in diesem Amt gewann ihm Beförderung zu einem höheren Posten, sein Herr entschloß sich, ihn über alle seine Güter zu setzen. So ist es mit den Dienern des Königs Jesu, es sind Belohnungen da für treuen Dienst, nicht dem Rechte nach, sondern aus Gnaden; nicht nach der Regel des Gesetzes, sondern nach der Ordnung des Hauses Gottes und der höheren Regel der Liebe.

Es sollte beachtet werden, daß Treue in einer Form des Dienstes durch weiteren Dienst und vermehrte Verantwortlichkeit belohnt wird. Der Knecht, dessen Pfund zehn Pfund gewonnen hatte, erhielt Macht über zehn Städte (Lk. 19,17).

48-51. So aber jener, der böse Knecht, wird in seinem Herzen sagen: Mein Herr kommt noch lange nicht; und fängt an zu schlagen seine Mitknechte, ißt und trinkt mit den Trunkenen: So wird der Herr desselben Knechts kommen an dem Tage, des er sich nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht meint, und wird ihn zerscheitern, und wird ihm seinen Lohn geben mit den Heuchlern; da wird sein Heulen und Zähnklappern.

Dieser Mann war ein “Knecht“, so daß wir hier keine Warnung haben für die, welche außerhalb, sondern für die, welche innerhalb der Gemeinde Christi sind und sich als Knechte Gottes bekennen. Dies ist auch besonders eine Warnung für die Diener des Wortes, welche von Gott „über das Gesinde“ gesetzt sind. Dieser Mann, obwohl ein Knecht, war ein “böser Knecht“, ein Heuchler, einer, der sich in ein Amt gedrängt hatte, zu dem er nicht berechtigt war. Seine Gedanken und Worte waren böse: “So aber jener, der böse Knecht, wird in seinem herzen sagen: Mein Herr kommt noch lange nicht.“ Sein Verhalten gegen die unter ihm Stehenden war böse: “ißt und trinkt mit den Trunkenen.“ Sein böses Thun kam zu einem schnellen Ende durch des Herrn Erscheinen: “so wird der Herr desselben Knechts kommen an dem Tage, des er sich nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht meint.“ Sofortige und schreckliche Strafe wird ihm zugemessen: “und wird ihn zerscheitern, und wird ihm seinen Lohn geben mit den Heuchlern.“ Er war einer von ihnen, er gab vor, ein Knecht Gottes zu sein, während er die ganze Zeit über ein Sklave Satans war, der sich selbst und der Sünde diente. Möge er zu den Seinigen gehen. „Er wird ihn entzwei hauen“, (nach der englischen Übersetzung). Er war in Wirklichkeit vorher schon geteilt, äußerlich war er ein Nachfolger Christi, innerlich diente er seinen eignen Lüsten. Ihn „entzwei zu hauen“ wird nur eine gerechte Verewigung seines eignen doppelherzigen Charakters sein. Wird ihm dies ein Ende machen? Nein, “da wird sein Heulen und Zähnklappen.“ Welch ein „Lohn“ für einen, der unter Gottes Knechte gezählt ward“ Laßt uns beim Lesen in tiefer Demut der ernsten Einschärfung des Apostels gedenken: „Wer sich läßt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle.“
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 25.1-3

Beitragvon Jörg » 05.03.2016 09:19

(Der König und sein Hochzeitszug. V. 1-13.)

Unser Herr saß noch mit seinen Jüngern auf dem Ölberg (s. Kapitel 24,3.). Das lehrreiche Gleichnis, welches folgt, wurde von Ihm als Fortsetzung der soeben betrachteten Rede gesprochen. Es beabsichtigt augenscheinlich, unter einem bekannten Bilde darzustellen, wie nötig die Bereitung ist für des Königs glorreiches Erscheinen, wenn Er kommt, seine Braut zu holen. Für diejenigen, die bei dem zweiten Kommen Christi nicht am Leben sind, wird der Mitternachtsruf: „Gehet aus, Ihm entgegen“, in der Todesstunde erschallen.

1. 2. Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen, und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren klug.

Der morgenländischen Sitte gemäß geht der Bräutigam zum Hause des Brautvaters, von wo er seine Verlobte zu ihrem künftigen Heim führt. Das Gleichnis beginnt mit dem Zeitpunkt, wo einige seiner Freunde warten, um sich dem Zuge anzuschließen und mit ihm zum Hochzeitsfest hineinzugehen. So warten die, welche sich zur Gemeinde bekennen, auf das Kommen des Herrn. Es war nicht viel Verschiedenheit in der äußeren Erscheinung der “zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen, und gingen aus, dem Bräutigam entgegen.“ Sie waren alle Jungfrauen, sie nahmen alle ihre Lampen, und sie gingen alle aus, dem Bräutigam entgegen. Sie legten alle ein Bekenntnis ihrer Anhänglichkeit an ihn ab, welches sie veranlaßte, sich von ihren andren Gefährten und Bekannten zu trennen, um ihm an seinem Hochzeitsabend entgegen zu gehen.

Es war indes ein wichtiger und wesentlicher Unterschied zwischen ihnen: “Fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren klug.“ Laßt uns hoffen, daß wir aus den Worten unsres Herrn nicht zu entnehmen haben, daß die Hälfte der sich christlich nennenden Gemeinde aus solchen besteht, die Er „thöricht“ nennt. Doch würde unser Heiland nicht von einer verhältnismäßige so großen Zahl gesprochen haben, wenn nicht wirklich sehr viele Thörichte, die nur mit dem Munde bekennen, sich unter den Klugen befänden, welche die Gnade Gottes in Wahrheit besitzen.

3. Die thörichten nahmen ihre Lampen; aber sie nahmen nicht Öl mit sich.

Sie mögen gedacht haben, wenn sie ähnliche Lampen hätten wie die andren, so wäre es genügend. Vielleicht meinten sie, daß der verborgene Vorrat des Öls, da er nicht zu sehen war, unnötig sei. Sie waren willig, eine Lampe in der einen Hand zu tragen, aber die andre Hand zu gebrauchen, um eine Ölflasche zu halten, war mehr als sie zu thun willig waren. Es ist der Mangel an dem Öl der Gnade, der verhängnisvoll für manche Lampe eines Bekenners ist. Viele haben den Namen, daß sie leben, aber haben nicht das Leben Gottes in ihren Seelen. Sie legen ein Bekenntnis der Anhänglichkeit an Christum ab, aber sie besitzen den Geist der Gnade nicht innerlich, um es aufrecht zu halten. Ein Flimmern oder ein Blitzen ist da, aber kein anhaltendes Licht, und es kann kein solches da sein, denn obwohl sie „Lampen“ haben, so haben sie “kein Öl bei sich.“
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 25.4-8

Beitragvon Jörg » 07.03.2016 18:29

4. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen.

Sie hatten Öl in ihren Lampen und Öl mit ihren Lampen. Lampen sind nutzlos ohne Öl; doch hat das Öl die Lampe nötig, sonst kann es nicht gebraucht werden. Die Gnade sollte ihre Gegenwart enthüllen, der Glaube an Christum sollte bekannt werden; aber es ist schlimmer als nutzlos, ein Bekenntnis der Liebe zu Christo abzulegen, wenn nicht ein verborgener Vorrat von Gnade da ist, durch den der äußere Teil der Religion sogar vor dem allerforschenden Auge des Königs selber aufrecht erhalten werden kann. Wenn nicht der Geist Gottes in der That und in der Wahrheit in uns ist, so mag eine Weile alles einen guten Anschein haben, aber das Ende wird die Schwärze der ewigen Finsternis sein.

5. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und entschliefen.

Wie traurig wahr ist es, daß in der Geschichte der Gemeinde Christi echte Heilige und bloße Namenschristen oft miteinander schläfrig geworden und entschlafen sind! Die, welche das Öl der Gnade haben, sind nicht immer wach genug, ihrem Herrn zu dienen und auf seine Erscheinung zu warten. Selbst bei wahren Gläubigen verursacht das Verziehen des Kommens Christi Enttäuschung, Müdigkeit und Schlafsucht, und seine Gemeinde fällt in tiefen Schlaf, während sie auf ihren Herrn warten sollte. Und bei den „Thörichten“, ob sie nun sich selbst täuschen oder Heuchler sind, verschwindet, da kein wahres, göttliches Leben in ihrer Seele ist, nach einer Weile ihr anscheinender Ernst, und Satan läßt sie in einen tödlichen Schlummer fallen.

6. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen!

Dieser Mitternachtsruf: „Siehe, der Bräutigam kommt!“ erweckte alle Schläfer. Es würde gut sein, wenn wir alle mehr an die große Wahrheit der zweiten Zukunft unsres Herrn dächten. Je öfter sie gepredigt wird, in gehörigem Verhältnis zu andren geoffenbarten Lehren, desto mehr wird sie die Schlummernden erwecken, die wirklich die Liebe Christi besitzen, und die Schlafenden, die sie nur zu haben behaupten. Da die Mitternacht dieses jetzigen bösen Zeitalters sich nahet, so wird die Notwendigkeit immer größer, alle zu ermahnen, auf den schrillen Ruf zu horchen: “Gehet aus, Ihm entgegen!“

7. Da standen diese Jungfrauen alle auf, und schmückten ihre Lampen.

Das Plötzliche des Weckrufes machte, daß sie alle aufsprangen und ihre Lampen zu prüfen und zu schmücken begannen. Sie konnten dem Bräutigam nicht entgegen gehen ohne Licht, denn dies war ein wesentlicher Teil ihrer Bereitung zum Anschluß an den Hochzeitszug. Jene Jungfrauen, die Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen hatten, beendigten ihr Schmücken bald und waren bereit, zu gehen; doch die, welche Lampen, aber kein Öl hatten, waren unfähig, sie in rechter Weise, zu schmücken. Es ist zu bedauern, daß einige ihre Lampen erst zu schmücken beginnen, wenn es mit ihnen zum Sterben geht oder wenn das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheint, allein wenn dies Werk ohne den Geist oder die Gnade Gottes versucht wird, so wird es mißlingen für alle Ewigkeit.

8. Die thörichten sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öle, denn unsre Lampen verlöschen.

Sie begannen jetzt zu schätzen, was sie zuvor verachtet hatten; sie waren so thöricht gewesen, zu denken, daß Öl nicht notwendig sei; nun sahen sie, daß es da seine war, was not ist. Daher ihre Bitte an ihre klügeren Gefährtinnen: “Gebt uns von eurem Öl.“ Sie gaben einen furchtbaren Grund für ihre Bitte an: “denn unsre Lampen verlöschen;“ der trockene Docht flackerte eine Weile und verstarb dann im Dunkel, wie ein ausgelöschtes Licht.

Es sind schreckliche Worte: “unsre Lampen verlöschen.“ Es ist schlimmer, eine verloschene Lampe zu haben, als gar keine. „Unsre Lampen verlöschen.“ Die thörichten Jungfrauen schienen zu sagen: „Wir dachten, alles wäre für diese Nacht bereit, wir rühmten uns sogar unsrer Lampen, wir versprachen uns eine glänzende Zukunft, wir dachten, alles stände gut mit unsrem Anteil an dem Hochzeitsmahl, aber unsre Lampen verlöschen und wir haben kein Öl zum Nachgießen.“ Möge kein Leser dieser Schrift je solche bittere Klage zu erheben haben!

Die, welche ihre Buße bis zu ihrer Sterbestunde verschieben, gleichen diesen thörichten Jungfrauen; ihre Thorheit hat die äußerste Höhe erreicht. Wenn der Todesschweiß kalt auf der Stirn liegt, dann wird das vernachlässigte Öl der Gnade geschätzt werden. Dann wird der verzweifelnde Ruf kommen: „Schickt nach dem Prediger, daß er für mich bete; holt ein paar christliche Leute, damit sie sehen, was sie für mich thun können!“
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 25.9-13

Beitragvon Jörg » 09.03.2016 17:32

9. Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; gehet aber hin zu den Krämern, und kaufet für euch selbst.

Kein Gläubiger hat mehr Gnade, als er braucht; „die klugen“ Jungfrauen hatten kein Öl zum Weggeben. Sie gaben den besten Rat, der unter den Umständen möglich war, obwohl er nichts half. “Gehet aber hin zu den Krämern, und kauft für euch selbst.“ Es gibt einen Ort, wo das Öl zur rechten Zeit gekauft werden kann. Uns ist befohlen, „die Wahrheit zu kaufen,“ die Gnade wird auf dem Markte Gottes nach evangelischen Bedingungen verkauft: „umsonst und ohne Geld;“ aber wenn der Mitternachtsruf gehört wird, so ist der Gnadentag zu Ende, und Kaufen und Verkaufen sind auf ewig vorüber.

10. Und da sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit; und die Thür ward verschlossen.

Ohne Zweifel gibt es Bekehrungen auf dem Sterbebett, aber es steht zu fürchten, daß in den meisten Fällen die Leute, welche so spät zu einer wahren Erkenntnis ihres Zustandes erwachen, finden werden, daß „der Bräutigam kommt,“ während sie hingehen, die lange verachtete Gnade zu kaufen. Der arme Kopf mag so von Schmerz gequält sein, daß der Geist nicht mehr im stande ist zu verstehen, was Glaube an Christum ist; die geistige Fähigkeit mag völlig in dieser furchtbaren Stunde versagen. Die Gefahr ist so groß, daß niemand, ausgenommen völlig Thörichte, die Bereitung für des Königs Kommen bis dahin verschieben werden.

“Welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit.“ Ihre Bereitschaft bestand darin, daß sie brennende Lampen oder flammende Fackeln hatten. Unsre Bereitschaft für den Tod oder für das Kommen Christi besteht darin, daß wir die Gnade Gottes im Herzen haben. “Und die Thür ward verschlossen.“ Wenn diese Thür einmal verschlossen ist, wird sie nie wieder aufgethan werden. Es gibt einige, die faseln und träumen von einem Aufthun der Thür nach dem Tode für die, welche unbußfertig gestorben sind, aber es ist nichts in der Schrift, was eine solche Erwartung verbürgt. Jede „weitere Hoffnung“, als die im Worte Gottes geoffenbarte, ist eine Täuschung und eine Schlinge.

11. 12. Zuletzt kamen auch die andren Jungfrauen, und sprachen: Herr, Herr, thue uns auf. Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.

“Die andren Jungfrauen“ waren nicht „bereit,“, als der Bräutigam kam, und es ist kein Wink in dem Gleichnis, daß sie mehr bereit waren, als sie kamen und vor seiner verschlossenen Thür riefen: “Herr, Herr, thue uns auf.“ „Wir gingen Dir entgegen, wir trugen Lampen, wir waren mit den andren Jungfrauen; Herr, Herr, thue uns auf!“ Seine Antwort läutete die Totenglocke für jede eitle Hoffnung des Einlasses, die sie gehegt haben mochten: “Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht.“ „So aber jemand Gott liebt, derselbe ist von Ihm erkannt.“ (1. Kor. 8,3.) Der gute Hirte spricht: „Ich erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen.“ (Joh. 10,14.) Die, welche Jesus Christus in diesem Sinne kennt, liebt Er, und sie lieben Ihn, weil Er sie zuerst geliebt hat. Die thörichten Jungfrauen hatten behauptet, des Bräutigams Freunde zu sein, doch war es nun bewiesen, daß sie nicht einmal seine Bekannte waren. Möge keiner von uns je von den Lippen des himmlischen Bräutigams das furchtbare Todesurteil hören: „Ich kenne euch nicht!“

13. Darum wachet; denn ihr wißt weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird.

Unser Herr schärft wiederum seinen Nachfolgern die Pflicht der Wachsamkeit ein, wie Kap. 24,32, und wiederholt in einer etwas veränderten Form den vorher angegebenen Grund: “Denn ihr wißt weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird.“ Es ist müßig, zu sagen, daß wir das Jahr, wenn auch nicht Tag und Stunde, des Kommens Christi berechnen können. Die Zeit des Endes ist verborgen und wird nicht bekannt werden, bis Er plötzlich erscheint „in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ Es sollte unsre eine große Sorge sein, bereit zu sein, Ihm entgegen zu gehen, wann immer Er kommt.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 25.14-18

Beitragvon Jörg » 11.03.2016 16:32

(Das Gleichnis von den Zentnern. V. 14-30.)

14. 15. Gleich wie ein Mensch, der über Land zog, rief seine Knechte, und that ihnen seine Güter aus; und einem gab Er fünf Zentner, dem andren zwei, dem dritten einen, einem jeden nach seinem Vermögen, und zog bald hinweg.

Unser Heiland hatte von sich gesprochen als von dem himmlischen Bräutigam; nun vergleicht Er sich einem “Menschen, der über Land zog,“ „der in ein fernes Land reiste.“ (n.d. engl. Übers.) Das Wort „reiste“ deutet an, daß unser Herr nur auf eine Zeitlang hinweg gegangen ist, und daß Er wiederkehren wird, wenn der Zweck, um deswillen Er in das „ferne Land“ ging, erfüllt ist. Als Er von der Erde zum Himmel zurückging, war es eine lange Reise, aber Er ließ seine Knechte nicht ohne die nötige Versorgung während seiner Abwesenheit. Er “rief seine Knechte,“ seine Leibeignen, die Diener seines Hauses, “und that ihnen seine Güter aus.“ Die Knechte waren sein, und die Güter waren auch sein; seine Sklaven konnten weder ihre Personen, noch ihr Besitztum als ihr eigen beanspruchen, alles gehörte ihrem Herrn und sollte für Ihn gebraucht werden.

Er vertraute nicht allen die gleiche Menge der Güter an: “einem gab Er fünf Zentner, dem andren zwei, dem dritten einen, einem jeden nach seinem Vermögen.“ Er konnte das Vermögen jedes seiner Knechte beurteilen und irrte sich nicht in der Verteilung der Zentner. Wir mögen versichert sein, daß der Herr, wenn wir seine Knechte sind, uns so viele Zentner verliehen hat, wie wir richtig gebrauchen können und ganz genug, um Rechenschaft davon abzulegen, wenn Er wiederkehrt. Die über alles wichtige Sache für uns ist, treu in dem uns Anvertrauten zu sein.

“Und zog bald hinweg;“ unser Herr wußte alles, was geschehen würde, ehe Er die Erde verließ: seine Leiden, seine Kreuzigung und seine Auferstehung; aber Er sprach ruhig davon, wie ein Mann von seinen Vorbereitungen zu einer Reise in ein fernes Land spricht. Er ist gegangen und seine Knechte sind zurückgelassen, um während seiner Abwesenheit den besten Gebrauch, den sie können, von seinen Himmelfahrtsgaben zu machen.

Dieses Gleichnis handelt wie das von den zehn Jungfrauen von wirklichen und bloßen Namenschristen, von allen, die Knechte Christi sind oder zu sein behaupten. Die „Zentner“ sind all und jedes, was unser Herr uns als seinen Haushaltern hier zum Gebrauch gegeben hat.

16-18. Da ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit denselbigen, und gewann andre fünf Zentner. Desgleichen auch der zwei Zentner empfangen hatte, gewann auch zwei andre. Der aber einen empfangen hatte, ging hin, und machte eine Grube in die Erde, und verbarg seines Herrn Geld.

Es ist sehr bedeutsam, daß unser Heiland sagte, daß der, welcher “einen Zentner empfangen hatte,“ hinging “und machte eine Grube in die Erde, und verbarg seines Herrn Geld.“ Viele, die „fünf Zentner“ oder „zwei“ besitzen, „handeln nicht mit denselben“ und gewinnen nicht „andre fünf“ oder „andre zwei“; aber Jesus wußte, daß der Knecht mit einem Zentner am meisten der Versuchung ausgesetzt war, nichts zu thun, weil er nur wenig thun könne. Es sind Gefahren verknüpft mit dem Besitz von fünf oder zwei Zentnern; aber der, welcher nur einen hat, ist in gleicher, wenn nicht größerer Gefahr. Laßt uns alle daran gedenken, daß, wie es eine Sünde ist, einen Zentner in der Erde zu verbergen, es eine noch größere Sünde ist, zwei oder fünf Zentner zu verbergen. Es war „seines Herrn Geld,“ das der träge Knecht verbarg. Es wäre unrecht gewesen, das zu vergraben, was ihm selber gehörte; aber er war doppelt tadelnswert, weil er das verbarg, was ihm von seinem Herrn anvertraut war, anstatt damit zu handeln und es zu vermehren. Sündigen einige von uns so gegen ihren Heiland?
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 25.19-23

Beitragvon Jörg » 13.03.2016 11:37

19. Über eine lange Zeit kam der Herr dieser Knechte, und hielt Rechenschaft mit ihnen.

Es kommt ein Tag der Rechenschaft, selbst wenn “eine lange Zeit“ vergehen mag, ehe “der Herr dieser Knechte“ kommt. Jesus kommt zurück aus dem fremden Lande, wohin Er gegangen ist. Sein eignes Wort ist: „Siehe, ich komme bald.“ Wir müssen diese große Thatsache nicht aus unsrer Rechnung auslassen, und als seine Haushalter müssen wir uns darauf vorbereiten, daß Er jeden Augenblick kommen und Rechenschaft mit uns halten kann über die Zentner, die Er jedem seiner Knechte verliehen hat.

20.21. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte fünf andre Zentner dar, und sprach: Herr, Du hast mir fünf Zentner gethan; siehe da, ich habe damit andre fünf Zentner gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude!

Haben alle unter uns, die „fünf Zentner“ von unsrem Herrn empfangen, damit andre “fünf Zentner gewonnen“? Ich glaube nicht. Haben wir doppelt so viel Gnade, als wir zuerst hatten? Zweimal so viel Takt, als den, womit wir zuerst unser Werk begannen? Zweifache Geschicklichkeit für das Werk, das Er uns zu thun gegeben? Es war so mit diesem Knecht, und deshalb lobte und belohnte ihn der Herr. Es war kein Verhältnis zwischen seinem Dienst und dessen Belohnung: “Du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen.“ Wer seinem Herrn treu ist, soll größere Gelegenheiten erhalten, seine Treue und Hingebung in einem höheren Wirkungskreise zu bewähren; und dazu soll er an der Seligkeit der Wiederkehr seines Herrn teilhaben: “Gehe ein zu deines Herrn Freude.“ Diese Freude ist nicht des Knechtes Anteil, sondern des Herrn Anteil, den Er mit seinen treuen Knechten teilt. Dies wird die Vollendung aller himmlischen Wonne sein; nicht so sehr, daß wir eine eigne Freude haben, sondern daß wir in die Freude unsres Herrn eingehen.

22. 23. Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte und sprach: Herr, Du hast mir zwei Zentner gethan; siehe da, ich habe mit denselben zwei andre gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude!

Dieses Knechtes Lob und Lohn sind genau dieselben, die seinem mehr bevorzugten Bruder gegeben wurden; als wenn unser Heiland uns lehren wollte, daß nicht die Zahl der Zentner, sondern der Gebrauch, den wir davon machen, das Wesentliche ist. Er erwartet nicht so viel von dem Mann mit zwei Talenten als von dem, welchem Er fünf gegeben; was Er erwartet, ist, daß beide über dem wenigen treu sind, was Er ihrer Sorge übergeben hat. Es war so bei den zwei in diesem Gleichnis genannten Knechten. Der zweite hatte das von seinem Herrn empfangene Kapital verdoppelt, eben wie der erste es mit der größeren, ihm anvertrauten Summe gethan; darum wurden sie gleichermaßen gelobt und gesegnet.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 25.24-30

Beitragvon Jörg » 15.03.2016 17:15

24. 25. Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wußte, daß Du ein harter Mann bist; Du schneidest, wo Du nicht gesäet hast, und sammelst, da Du nicht gestreut hast; und fürchtete mich, ging hin, und verbarg Deinen Zentner in die Erde. Siehe, da hast du das Deine.

Am Tage der Rechenschaft haben die Treuen sowohl wie die Untreuen Rechnung abzulegen von ihrem Haushalt. Dieses Mannes Worte widersprachen sich, und seine Entschuldigung verurteilte sich selbst. Er sagte, er wisse, daß sein Herr ein harter Mann sei, der schneide, wo Er nicht gesäet, und sammle, wo Er nicht gestreut, dennoch bekannte er, daß der Zentner, den er wiederbrachte, ihm von diesem Herrn, den er als strenge und unbillig darstellte, gegeben worden sei. Er räumte auch ein, daß es seines Herrn Geld sei, das er vergraben: “Deinen Zentner.“ Es war ihm anvertraut, und er gestand selbst, daß es ihm nicht gehöre: “Siehe, da hast du das Deine.“ Ich habe nichts zu Deinem Zentner hinzugefügt, aber ich habe ihn weder verloren, noch ihn weggegeben; ich habe ihn zurückgebracht, siehe, hier ist er. Er schien zu sprechen, als wäre dies alles, was mit Recht von ihm erwartet werden könnte; doch war er augenscheinlich nicht mit sich zufrieden, denn er sagte: “Ich fürchtete mich, ging hin, und verbarg Deinen Zentner in die Erde.“ Seht, wie die Furcht die Mutter der Anmaßung werden kann. Der Glaube an Gott erzeugt heilige Furcht, aber knechtische Furcht gebiert den Zweifel, der seinerseits wiederum ungläubige Empörer hervorbringt.

26. 27. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du Schalk und fauler Knecht! Wußtest du, daß ich schneide, da ich nicht gesäet habe, und sammle, da ich nicht gestreut habe, so solltest du mein Geld zu den Wechslern gethan haben, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine zu mir genommen mit Wucher.

“Sein Herr“ stellte sich auf denselben Standpunkt, wie dieser “Schalk und faule Knecht“, und richtete ihn aus seinem eignen Munde. Der Herr beabsichtigte nicht, einzuräumen, daß Er so sei, wie der „boshafte und faule Sklave“ (wie es im Grundtext heißt) Ihn genannt hatte, aber gesetzt, des Knechtes Worte wären wahr gewesen, was hätte er thun sollen? Wenn er sich fürchtete, auf eigne Verantwortlichkeit hin mit seines Herrn Zentner zu handeln, hätte er ihn den Wechslern bringen können, die ihn wenigstens sicher verwahrt und Zinsen dazu gelegt hätten, so lange er bei ihnen niedergelegt war.

Wenn wir nicht direkt und persönlich für unsres Herrn Rechnung handeln können, wenn wir nicht das Geschick oder den Takt zur Leitung einer Gesellschaft oder eines Unternehmens für seine Sache haben, so können wir wenigstens zu dem beitragen, was andre thun, und unser Kapital zu dem ihrigen hinzufügen, so daß auf irgend eine Weise unser Herr die Zinsen erhält, zu denen Er berechtigt ist. Sein Zentner muß nicht in die Erde vergraben werden, sondern angelegt, wo es ihm den besten Gewinn bei seiner Rückkehr bringen wird.

28-30. Darum nehmt von ihm den Zentner, und gebt’s dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, das er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die äußerste Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähnklappen.

Dem Knecht, der fünf Zentner zu seines Herrn fünf gewonnen hatte, wurde erlaubt, sie alle zu behalten, denn sein Herr sprach von dem, “der zehn Zentner hat.“ Der unbenutzte Zentner des faulen Knechtes ward ihm auch gegeben, denn wer das Anvertraute gut gebraucht, soll mehr empfangen. Wer Glauben hat, soll mehr Glauben haben. Wer Geschmack an göttlichen Dingen hat, soll noch mehr Hunger nach ihnen empfinden. Wer einiges Verständnis für die Geheimnisse des Reiches hat, soll sie völliger verstehen: “Denn wer da hat, dem wird gegeben, und wird die Fülle haben.“

Den Zentner, der müßig gelegen, zu verlieren war nur ein kleiner Teil der Strafe des “unnützen Knechtes.“ Sein Herr befahl, ihn in “die äußerste Finsternis zu werfen,“ und seine Strafe wird angedeutet durch die Worte, die unser Heiland oft hinzusetzte, wenn Er die Schrecken enthüllte, die der verlornen Seelen harren: “Da wird sein Heulen und Zähnklappen.“ Wenn wir eine irgendwie fruchtbare Beschreibung der künftigen Welt geben, so wird angenommen, daß wir sie von Dante oder Milton entlehnt haben, aber die schrecklichsten und entsetzlichsten Beschreibungen, die je über menschliche Lippen kamen, gehen nicht über die Sprache des liebevollen Christus hinaus. Derjenige ist der wahre Liebhaber der Menschen, der sie treulich warnt vor dem ewigen Wehe, das den Unbußfertigen erwartet; während der, welcher das Elend der Hölle schildert, als wenn es eine Kleinigkeit wäre, unter dem Vorwand der Freundschaft die Seelen der Menschen zu morden sucht.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2193
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Matthäus 25.31-33

Beitragvon Jörg » 17.03.2016 17:10

(Der königliche Richter des Weltalls. V. 31-46.)

Hier haben wir des Königs eigne Beschreibung des jüngsten Tages, und in feierlichem Schweigen unsrer Seele können wir wohl unsre Schuhe von den Füßen ziehen, wenn wir uns diesem heiligen Boden nähern.

31. Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle heilige Engel mit Ihm, dann wird Er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit.

Vor unsres Heilands Augen ging eine wunderbare Reihe von Gegensätzen vorüber, als Er diese erhabene Weissagung aussprach. Innerhalb dreier Tage sollte Er gekreuzigt werden, doch sprach Er von der Zeit, “wenn des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit.“ Er hatte eine kleine Gesellschaft von Jüngern bei sich, von denen Er wußte, daß einer Ihn verraten, ein andrer Ihn verleugnen und alle Ihn verlassen würden, doch sah Er im Glauben das himmlische Gefolge, das Ihn bei seinem Kommen begleiten wird: “und alle heilige Engel mit Ihm.“ Müde und erschöpft von seinen Arbeiten und traurig über die Herzenshärtigkeit der Menschen und das nahende Gericht über Jerusalem, saß Er auf dem Ölberg, aber seine Gedanken gingen in die fernen Zeiten, als Er zu den Jüngern von dem Throne sprach, den ER an dem Tage einnehmen würde, wo ER als der königliche Weltrichter wiederkehren würde. “Dann wird Er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit.“ Der große weihe Thron wird droben hingesetzt werden, ganz rein und glänzend, hell und klar wie ein polierter Spiegel, in dem jeder Mensch sich und seine Sünden zurückgeworfen sieht, und auf diesem Thron soll „des Menschen Sohn“ sitzen. Hinter dem königlichen Richter werden „alle heilige Engel“ aufgestellt sitzen. Hinter dem königlichen Richter werden „alle heilige Engel“ aufgestellt werden, Reihe an Reihe, eine zahllose und herrliche Leibwache, um den Hof ihres Herrn am Tage des letzten großen Gerichts zu zieren und auf sein Geheiß alle, die Er verurteilt, von seinem Angesichte wegzuführen.

32. 33. Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und Er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

Am letzten großen Tage des Herrn werden alle Völker, die je auf der Erde existiert haben, vor dem Richterstuhl Christi versammelt werden. Die Erde, welche immer mehr und mehr ein großer Kirchhof oder ein Beinhaus wird, soll ihre Toten hergeben, und das Meer selbst, in ein festes Pflaster verwandelt, wird auf seinem Busen die Millionen tragen, die in seinen dunklen Höhlen verborgen liegen. Die ganze Menschheit wird vor ihrem Richter versammelt werden: „Und es werden Ihn sehen alle Augen, und die Ihn gestochen haben und werden heulen alle Geschlechter der Erde.“ Zuerst werden sie in einer Mischung versammelt sein, aber die Myriaden werden rasch in zwei Gesellschaften geteilt werden: “und Er wird sie voneinander scheiden.“ Der König wird der Scheidende an jenem furchtbaren Tage sein. Wie Er sie scheiden wird, kann niemand sagen, ausgenommen, daß Er sie scheiden wird, “gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet.“ Kein einziger Bock wird unter den Schafen gelassen werden, noch ein Schaf unter den Böcken. Die Teilung wird sehr genau und persönlich sein, eins von dem andren. Sie werden nicht in Völker, nicht einmal in Familien geteilt werden; jedem einzelnen wird sein Platz unter den Schafen oder den Böcken zugewiesen werden.

“Und Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.“ Es werden nur zwei Klassen da sein, die eine zur Rechten des Richters und die andre zu seiner Linken. Der Herr Jesus Christus „wird richten die Lebendigen und die Toten bei seiner Erscheinung.“ alle, die Er vor sein furchtbares Tribunal gefordert hat, werden entweder lebendig gemacht aus den Toten oder noch tot in Übertretungen und Sünden sein. Es wird keine Mittelpartei an jenem Tage geben, wie es vor Gottes Augen auch jetzt schon keine dritte Klasse gibt. Unser aller Namen sind entweder in dem Lebensbuch des Lammes oder dem Todesbuch des Richters.

Einige haben gelehrt, das hier das vorhergesagte Gericht sei das der Gemeinde, die sich christlich nennt, und nicht das der ganzen Welt. Es mag etwas Grund zu diesem Glauben da sein, doch scheint es unmöglich, die volle Bedeutung der majestätischen Worte unsres Heilandes auf irgend etwas andres anzuwenden, als auf das allgemeine Gericht des ganzen menschlichen Geschlechts.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


Zurück zu „Aus der Praxis - Alltag, Mission, Gemeindearbeit etc“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste