Lesung aus C.H.Spurgeon "Das Evangelium des Reiche"

Basiert auf "Biblische Lehre" - aber damit die Praxis nicht zu kurz kommt, ein Extra-Forum

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Jörg
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Matthäus 7.1-5

Beitragvon Jörg » 08.04.2015 04:02

(Der König fährt fort, das Verhalten seiner Unterthanen zu regeln. V. 1-12.)

Er behandelt Dinge, in denen wir mit unsren Mitmenschen in Berührung kommen, wie Er früher unsre persönliche Andacht vor Gott und unsre eignen Privatangelegenheiten geregelt hatte.

1.2. Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden.

Gebraucht eure Urteilskraft, gewiß, gebraucht sie, denn der Vers setzt voraus, daß ihr im rechten Sinne richten werdet. Aber gestattet eurer kritischen Fähigkeit nicht, in tadelsüchtiger Weise über andre zu urteilen oder in der Weise, als wenn ihr über sie gesetzt wäret und ein Recht hättet, über sie zu Gereicht zu sitzen. Wenn ihr andren Beweggründe unterschiebt oder vorgebt, ihre Herzen zu lesen, so werden sie ebenso gegen euch handeln. Ein hartes und tadelsüchtiges Benehmen wird sicherlich Wiedervergeltung hervorrufen. Eure Umgebung wird den Scheffel aufheben, den ihr gebraucht habt, und euer Korn damit messen. Ihr habt nichts dagegen, wenn die Menschen sich ein billiges Urteil über euren Charakter bilden, und es ist euch nicht verboten, das Gleiche in bezug auf sie zu thun, aber wie ihr etwas dagegen haben würdet, wenn sie über euch zu Gericht säßen, so sitzt ihr auch nicht über sie zu Gericht. Dies ist nicht der Tag des Gerichts, und wir sind auch keine berufenen Richter, und dürfen deshalb nicht der für das Endgericht festgesetzten Zeit vorgreifen, noch uns die Vorrechte des Richters der ganzen Erde anmaßen.

Gewiß, wenn ich mich selber recht kenne, habe ich nicht nötig, über andre zu richten; ich habe genug zu thun, vor dem Gerichtshof meines Gewissens die Verräter in meinem eignen Busen zu richten.

3.-5. Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen? Und siehe, ein Balken ist in deinem Auge. Du Heuchler, ziehe am ersten den Balken aus deinem Auge; danach besiehe, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest.

Die richtende Fähigkeit wird am besten daheim gebraucht. Unsre Neigung geht dahin, die Splitter in den Augen andrer auszuspähen und den Balken in unsrem eignen nicht zu sehen. Anstatt mit Vergnügen auf den kleinen Fehler eines andren zu schauen, würden wir vernünftig handeln, wenn wir reumütig unsre eignen größeren Fehler betrachteten. Es ist “der Balken in unsrem Auge“, der uns für unser eignes Unrechtthun blind macht, aber solche Blindheit genügt nicht, uns zu entschuldigen, da sie offenbar unsre Augen für den kleinen Irrtum unsres Bruders nicht verschließt. Übertriebener Diensteifer will den Augenarzt spielen, aber in Wahrheit macht er sich zum Narren. Stellt euch vor, daß ein Mann mit einem Balken in seinem Auge einen so zarten Teil, wie das Auge eines andren, behandeln und versuchen will, ein so kleines Ding, wie ein Splitter, herauszuziehen! Ist er nicht ein Heuchler, sich so bekümmert um andrer Leute Augen zu stellen, und doch nie auf seine eignen zu achten? Jesus ist sanft, aber dennoch nennt Er denjenigen einen Heuchler, der viel aus kleinen Dingen bei andren macht und auf große Dinge in seiner eignen Persönlichkeit nicht acht gibt. Unsre Verbesserungen müssen bei uns selber beginnen, sonst sind sie nicht echt und entspringen nicht aus dem rechten Beweggrund. Die Sünde dürfen wir rügen, aber nicht, wenn wir sie uns selber gestatten. Wir dürfen gegen die Sünde Widerspruch erheben, aber nicht, wenn wir vorsätzlich selbst sündigen. Die Pharisäer waren groß im Tadel, aber langsam in der Besserung. Unser Herr will nicht, daß sein Reich aus heuchlerischen Gesetzkrämern bestehe, sondern Er will thatsächlichen Gehorsam gegen die Gebote der Heiligkeit.

Nachdem wir selber geheiligt sind, ist es unsre Pflicht, die Augen der Blinden zu sein und unheiliges Leben zu tadeln, aber nicht eher. Bis wir persönliche Frömmigkeit haben, ist unser Predigen der Gottseligkeit nur Heuchelei. Möge niemand von uns den Herrn veranlassen, “du Heuchler“ zu ihm sprechen zu müssen!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Matthäus 7.6-10

Beitragvon Jörg » 10.04.2015 03:44

6. Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf daß sie dieselbigen nicht zertreten mit ihren Füßen, und sich wenden und euch zerreißen.

Wenn Menschen offenbar unfähig sind, die Reinheit einer großen Wahrheit aufzunehmen, so stellt sie ihnen nicht vor Augen. Sie sind wie Hunde, und wenn ihr ihnen heilige Dinge vor Augen stellt, werden sie gereizt werden und “sich wenden und euch zerreißen“: das Heiligtum ist nicht für die Weltlichen. „Draußen sind die Hunde;“ sie dürfen nicht an den heiligen Ort kommen. Wenn ihr inmitten der Lasterhaften seid, die den Säuen gleichen, so bringt nicht die köstlichen Geheimnisse des Glaubens hervor, denn sie werden sie verachten und “mit ihren Füßen“ in den Schlamm treten. Ihr sollt nicht unnötigerweise zu einem Angriff auf euch oder auf die höheren Wahrheiten des Evangeliums reizen. Ihr sollt nicht richten, aber ihr sollt nicht ohne Urteil handeln. Haltet nicht Menschen für Hunde oder Säue; aber wenn sie sich als solche bekennen oder so handeln, als wenn sie solche wären, so gebt ihnen keinen Anlaß, ihren schlechten Charakter zu zeigen. Heilige sollen keine Einfaltspinsel sein, sie sollen keine Richter sein, aber auch keine Narren. Großer König, wieviel Weisheit erfordern Deine Vorschriften! Ich bedarf Deiner, nicht nur, um meinen Mund zu öffnen, sondern auch zuzeiten, um ihn geschlossen zu halten.

7.8. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan. Denn wer da bittet, der empfängt, und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgethan.

Zu Menschen dürft ihr nicht immer von himmlischen Dingen reden, aber zu Gott dürft ihr es.

“Bittet, suchet, klopfet an;“ laßt euer Gebet der Sache angemessen sein, laßt es an Stärke zunehmen, laßt es wachsen an Umfang des Gegenstandes. Eine Gabe empfangen, ist einfach; einen Schatz finden, ist mehr bereichernd; aber in einen Palast eingehen, ist das beste von allem. Jede Form des Gebets wird vorgeschrieben, angenommen und belohnt in einer dem Charakter derselben angemessenen Weise. Die Verheißung ist allgemein für alle, die der Vorschrift gehorchen. Die Gebote sind im Gegensatz zu den Methoden der nagenden Sorge, die in dem vorigen Kapitel gerügt wurden. Sie sind Ermutigungen für das Geben und das geduldige Leiden, was in den früheren Kapiteln vorgeschrieben wurde, da der, welcher von Gott empfangen kann, wenn er nur bittet, wohl den Menschen geben mag, welche bitten, und selbst denen nachgeben, die ungerechterweise fordern. Mit solchen unbegrenzten Vorräten, die uns zu Gebote stehen, sollten wir weder knauserig noch streitsüchtig sein. Herr, hilf mir, mit Sorgen aufzuhören und oft zu bitten, zu suchen und anzuklopfen, so werde ich bald überfließen mit Dank.

9. 10. Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet um Brot, der ihm einen Stein biete? Oder so er ihn bittet um einen Fisch, der ihm eine Schlange biete?

In zeitlichen Dingen begehen wir Mißgriffe und bitten um etwas, das wir für Brot halten, was aber in Wahrheit ein Stein ist. Wir halten eine Schlange für einen Aal und bitten darum, wie um einen Fisch. Unser himmlischer Vater wird unser Gebet verbessern und uns nicht das geben, was wir unwissenderweise suchen, sondern was wir wirklich nötig haben. Die Verheißung, daß Er geben will, um was wir bitten, wird hier erklärt und in ihr wahres Licht gestellt. Dies ist eine gnädige Zurechtweisung der Thorheit, die des Herrn Worte im buchstäblichsten Sinne verstehen und uns träumen lassen will, daß jeder unsrer Einfälle nur das Kleid des Gebets anzulegen brauchte, um verwirklicht zu werden. Unsre Gebete gehen zum Himmel in einer verbesserten Übersetzung. Es würde eine schreckliche Sache sein, wenn Gott uns immer alles gäbe, um das wir bitten. Unser himmlischer Vater “weiß viel besser“, wie zu geben, als wir wissen, wie zu bitten.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Matthäus 7.11-12

Beitragvon Jörg » 12.04.2015 05:15

11. So denn ihr, die ihr doch arg seid, könnet dennoch euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die Ihn bitten.

Wir, obwohl selber arg, berichtigen doch unser Kinder Irrtümer in ihren Bitten, und weit mehr noch wird unser allweiser und guter, himmlischer Vater ins einem Geben die Irrtümer in unsren Gebeten berichtigen. Er wird uns das Gute geben, um das wir baten, und das Übel vorenthalten, das wir so unweise wünschten. Wir kennen unsre Kinder und kennen ihre Bedürfnisse, obgleich wir nur arme, böse Geschöpfe sind. Wird nicht der vollkommen gute Vater, der alle Dinge kennt, seine Gaben gnädig anordnen? Ja, wir sind gewiß, Er wird es. “Wie viel mehr!“ sagt unser Herr, und Er sagt nicht, wie viel mehr, sondern überläßt das unsrem Nachdenken. Wir wissen nicht so zu beten, wie wir sollten, aber Er weiß so zu geben, wie es seiner Vollkommenheit geziemt, und Er wird es thun. Er wird „Gutes“ geben und besonders seinen Heiligen Geist, der alles Gute in sich schließt. Herr, ich möchte mehr an Dich denken, als an mein eignes Gebet; mehr an Deinen Sohn, als an meinen eignen Glauben; mehr an Deinen Heiligen Geist, als an alle übrigen guten Gaben.

12. Alles nun, das ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen, das thut ihr ihnen auch; das ist das Gesetz und die Propheten.

Alles Vorhergegangene führt zu diesem und beweist es. Es wird lehrreich sein, zurück zu blicken und dies zu überdenken. Möge mein Leser dies thun.

Hier gibt unser König uns eine goldene Regel. Versetze dich in die Stelle des andren, und dann handle gegen ihn, wie du wünschen würdest, daß er unter gleichen Umständen gegen dich handelte. Dies ist eine echt königliche Regel, eine Vorschrift, immer zur Hand, immer anwendbar und immer richtig. Hier magst du ein Richter sein und doch nicht andre richten, sondern für andre richten. Dies ist die Summe der zehn Gebote, der fünf Bücher Mose und des ganzen heiligen Wortes. O, daß alle danach handelten, dann würde es keine Sklaverei geben, keinen Krieg, keine Quälerei, keine Streiks, kein Lügen, kein Rauben, sondern alles würde Gerechtigkeit und Liebe sein! Welch ein Reich ist dies, das ein solches Gesetz hat! Dies ist das christliche Gesetz. Dies ist der Inbegriff von allem, was recht und großmütig ist. Wir beten den König an, aus dessen Mund und Herzen ein solches Gesetz fließen konnte. Diese eine Regel ist ein Beweis der Göttlichkeit unsrer heiligen Religion. Wenn alle, die sich Christen nennen, danach handelten, so würde das Juden, Türken und Ungläubige mit größerer Schnelle und Gewißheit überzeugen, als alle Erklärungen und Beweise, die der Scharfsinn oder die Frömmigkeit der Menschen hervorbringen könnte.

Herr, lehre mich dies! Schreibe es auf die fleischernen Tafeln meines erneuerten Herzens! Schreibe es vollständig in meinem Leben!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Matthäus 7.13-16

Beitragvon Jörg » 14.04.2015 03:55

(Der König lehrt seine Diener unterscheiden und beurteilen. V. 13-23.)

13. 14. Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis abführt; und ihrer sind viel, die drauf wandeln. Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenig sind ihrer, die ihn finden.

Seid auf eurer Wanderschaft! Gehet ein durch die enge Pforte am Anfang des Weges und steht nicht zaudernd still. Wenn es die rechte Straße ist, werdet ihr den Eingang etwas schwierig finden und ungemein enge, denn er verlangt Selbstverleugnung, strengen Gehorsam und Wachsamkeit des Geistes. Dessenungeachtet “gehet ein durch die enge Pforte“. Wie wenig auch der Pilger, wie eng auch der Eingang, wählt den schmalen Weg und wandelt darauf. Wohl wahr, es gibt eine andre Straße, breit und sehr besucht, aber sie führt zur Verdammnis. Die Menschen gehen ins Verderben auf der breiten Straße, aber der Weg zum Himmel ist ein schmaler Pfad. Es mögen andre Tage kommen, wo sich viele auf den schmalen Weg drängen werden, aber in der jetzigen Zeit muß man, um beliebt zu sein, breit sein; breit in der Lehre, breit in sittlichen und geistlichen Dingen. Aber die auf dem schmalen Wege gehen, werden geradeswegs zur Herrlichkeit gehen, während die, welche auf dem breiten Wege gehen, weit davon entfernt sein werden. Ende gut, alles gut. Wir können lieber etwas beengt sein auf dem rechten Wege, als uns unbehindert fühlen auf dem falschen Wege; weil der erste im endlosen Leben endet und der zweite zum ewigen Tode hinabeilt.

Herr, erlöse mich von der Versuchung, “breit“ zu sein und bewahre mich auf dem schmalen Wege, ob wenige ihn auch finden!

15. Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.

Wir haben Urteilskräfte nötig und müssen die Geister derer prüfen, die behaupten, von Gott gesandt zu sein. Es gibt Menschen von großen Gaben, die “falsche Propheten“ sind. Diese ahmen das Aussehen, die Sprache, den Geist der Kinder Gottes nach, während sie in Wirklichkeit danach verlangen, Seelen zu verschlingen, wie Wölfe nach dem Blut der Schafe dürsten. “Schafskleider“ sind sehr schön, aber wir müssen tiefer blicken und die Wölfe ausspähen. Ein Mensch ist, was er inwendig ist. Wir haben es nötig, uns vorzusehen. Diese Vorschrift ist zeitgemäß. Wir müssen sorgsam sein, nicht nur hinsichtlich unsres Weges, sondern auch hinsichtlich unsrer Führer. Sie kommen zu uns, sie kommen als Propheten, sie kommen mit jeder äußeren Empfehlung, aber sie sind wahrhafte Bileams, und werden denen fluchen, die sie zu segnen vorgeben.

16. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln?

Ihr Lehren, ihr Leben und ihre Wirkung auf unsre Seelen wird ein sicherer Prüfstein für uns sein. Jede Lehre und jeder Lehrer kann so geprüft werden. Wenn wir Trauben von ihnen lesen können, sind sie keine Dornen; wenn sie nichts als Distelwolle hervorbringen, sind sie keine Feigenbäume. Einige haben Einwendungen gegen diese praktische Methode der Prüfung, aber weise Christen werden sie gebrauchen als den schließlichen Prüfstein. Was ist die Wirkung der neuen Theologie auf die geistliche Gesinnung, das Gebet, die Heiligkeit der Menschen? Hat sie irgend eine gute Wirkung?
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Matthäus 7.17-20

Beitragvon Jörg » 16.04.2015 03:52

17. 18. Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen.

Jeder Mensch bringt das hervor, was seiner Natur gemäß ist; er kann nicht anders. Guter Baum, gute Frucht; fauler Baum, arge Frucht. Es ist keine Möglichkeit da, daß die Wirkung höher und besser sein könnte, als die Ursache. Das wirklich Gute bringt nichts Arges hervor, denn das würde seiner Natur entgegen sein. Das durchaus Schlechte erhebt sich nie dazu, Gutes hervorzubringen, obwohl es den Anschein haben mag. Deshalb kann das eine wie das andre an seiner besonderen Frucht erkannt werden. Unser König ist ein großer Lehrer der Klugheit. Wir sollen nicht richten, aber wir sollen erkennen, und seine Regel für dies Erkennen ist ebenso einfach als sicher. Solche Menschenkenntnis kann uns vor großem Schaden bewahren, den wir durch Verbindung mit schlechten und trügerischen Menschen leiden könnten.

19. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

Hier ist das Ende, wohin die bösen Dinge führen. Die Axt und das Feuer warten auf die Ungöttlichen, wie schön sie auch mit dem Laub ihres Bekenntnisses aussehen. Mit der Zeit wird es dahin kommen, daß jeder Mensch auf Erden, der nicht gute Früchte trägt, seinen Untergang finden wird. Es ist nicht nur der Gottlose, der Giftbeeren trägt, welcher abgehauen werden wird, sondern auch der Neutrale, der, welcher keine Frucht der Tugend trägt, muß in das Feuer geworfen werden.

20. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

Es ist unsre Sache nicht, abzuhauen oder zu verbrennen, sondern zu erkennen. Diese Erkenntnis soll uns davor bewahren, unter den Schatten oder Einfluß falscher Lehrer zu kommen. Wer will sein Nest auf einen Baum bauen, der bald abgehauen wird? Wer würde einen unfruchtbaren Baum für den Mittelpunkt seines Obstgartens wählen?

Herr, laß mich daran gedenken, daß ich mich selber nach dieser Regel zu beurteilen habe. Mache mich zu einem recht fruchttragenden Baum!
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Matthäus 7.21-23

Beitragvon Jörg » 18.04.2015 05:38

21. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel.

Keine Huldigung mit Worten genügt. Wir mögen an die Gottheit des Herrn glauben und uns große Mühe geben, dies wieder und wieder mit unsrem “Herr, Herr!“ zu versichern, aber wenn wir nicht die Gebote des Vaters vollziehen, so bringen wir dem Sohn keine wahre Huldigung dar. Wir mögen unsere Verpflichtungen gegen Jesum anerkennen und Ihn deshalb “Herr, Herr!“ nennen, aber wenn wir diese Verpflichtungen niemals erfüllen, so hat unser Zugeständnis keinen Wert. Unser König nimmt in sein Reich nicht solche auf, deren Religion in Worten und Zeremonien liegt, sondern nur solche, deren Leben den Gehorsam wahrer Jüngerschaft zeigt.

22. 23. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in Deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in Deinem Namen viel Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Uebelthäter!

Ein orthodoxes Glaubensbekenntnis wird nicht retten, wenn es allein steht, und ebensowenig wenn es mit einer amtlichen Stellung und einem Dienst verbunden ist. Diese Leute sagen: “Herr, Herr!“ und machten überdies ihr Weissagen oder Predigen in seinem Namen geltend. Alles Predigen in der Welt wird den Prediger nicht erretten, wenn er nicht danach thut. Ja, wenn er auch Erfolg gehabt hat, Erfolg in einem sehr hohen Grade, “haben wir nicht in Deinem Namen Teufel ausgetrieben?“ so wird doch der Teufelaustreiber, ohne persönliche Heiligkeit, selbst hinausgetrieben werden. Es mögen ganz besondere Thaten sein, deren sie sich rühmen, “haben wir nicht in Deinem Namen viele Thaten gethan?“ und doch kann der Mann Christo unbekannt sein. Dreimal heißt es hier von dem Menschen, daß er alles in Jesu Namen gethan, und dennoch wußte der Herr, dessen Namen er so frei, so kühn gebrauchte, nichts von ihm, und wollte ihn nicht in seiner Gesellschaft bleiben lassen. Der Herr kann nicht die Gegenwart derer ertragen, die Ihn “Herr, Herr“ nennen und dann Böses thun. Sie bekannten Ihm, daß sie Ihn kannten, aber Er “wird ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt.“

Wie feierlich ist diese Mahnung für mich und andre! Nichts andres wird beweisen, daß wir wahre Christen sind, als wenn wir aufrichtig den Willen des Vaters thun! Wir mögen als solche bekannt sein, die eine große geistliche Macht über Teufel und Menschen haben, und dennoch ist es möglich, daß unser Herr uns an jenem Tage nicht anerkennen, sondern als Betrüger austreiben wird, die Er nicht in seiner Gegenwart dulden kann.
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Matthäus 7.24-27

Beitragvon Jörg » 20.04.2015 03:43

(Der König faßt seine Rede kurz zusammen. V. 24-29.)

24. 25. Darum, wer diese meine Rede hört, und thut sie, den vergleiche ich mit einem klugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen baute. Da nun ein Platzregen fiel, und ein Gewässer kam, und wehten die Winde, und stießen an das Haus, fiel es doch nicht; denn es war auf einen Felsen gegründet.


Wir sollen unsren Herrn hören. Damit ist natürlich gemeint, daß wir das, was Er sagt, als bindend annehmen. Dies ist etwas ganz andres, als was einige Menschen in unsrer Zeit thun, denn sie sitzen zu Gericht über die Lehren unsres Herrn. Aber hören ist nicht genug, wir müssen es thun. Es muß wahre Gottesfurcht da sein, sonst ist es nicht richtig in unsrem Innern. Der, welcher hört und danach thut, hat ein Haus mit festem Grund gebaut; das weiseste und sicherste, aber auch das kostbarste und mühsamste Werk, was er thun kann. Prüfungen kommen über ihn. Seine Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit hindern nicht, daß er auf die Probe gestellt wird. Von oben, von unten und von allen Seiten kommen Prüfungen: Regen, Gewässer und Winde. Er wird nicht geschirmt; sie alle “stießen gegen das Haus.“ Es ist ein festes Gebäude, aber die Proben werden so schwer, daß nichts das Gebäude retten kann, als nur die Stärke des Grundes. Weil die Hauptstütze so unbeweglich ist, bleibt das ganze Gebäude stehen. “Es fiel doch nicht.“ Es mag hier und da gelitten und sehr beschädigt ausgesehen haben; aber “es fiel nicht.“ Preisen wir den Fels des Heils, wenn nach schrecklicher Trübsal von unsrem Glauben gesagt werden kann: “er fiel nicht, denn er war auf einen Felsen gegründet.“

26. 27. Und wer diese meine Rede hört, und thut sie nicht, der ist einem thörichten Mann gleich, der sein Haus auf den Sand baute. Da nun ein Platzregen fiel, und kam ein Gewässer, und wehten die Winde, und stießen an das Haus, da fiel es, und that einen großen Fall.

Der bloße Hörer ist in armseligem Zustande. Auch er baut ein Haus. Das Hören der Worte des Herrn treibt ihn zur Arbeit und zu einer Arbeit, die bestimmt ist, ihm Schutz und Behagen zu bringen. Er “baute sein Haus;“ er war thätig und beharrlich und hörte nicht auf, ehe es vollendet war. Aber obgleich fleißig, war er doch thöricht. Ohne Zweifel baute er rasch, denn seine Grundlage kostete ihm keine harte Arbeit. Seine Aushöhlungen waren bald gemacht, denn es war kein Fels wegzuschaffen, “weil er sein Haus auf den Sand baute.“ Aber Prüfungen kommen auch zu unaufrichtigen Bekennern. Sind wir nicht alle zum Unglück geboren? Die gleichen Trübsale kommen über Thörichte wie über Weise und wirken genau in derselben Art, aber das Ergebnis ist ein sehr verschiedenes.

“Es fiel.“ Dies sind ernste Worte. Es war ein schönes Gebäude und versprach, jahrhundertelang zu stehen, aber “es fiel.“ Es waren kleinere Fehler in dem Bau, aber seine Hauptschwäche war unterirdisch, an dem verborgenen Ort des Grundes; der Mann “baute sein Haus auf den Sand.“ Seine Grundlage war falsch.

Der Krach war schrecklich, der Ton wurde weit gehört, denn “es that einen großen Fall.“ Die Überflutung war völlig und nicht wieder gut zu machen. Viele hörten den Fall und noch mehrere sahen die Ruinen, die ein beständiges Andenken blieben an das Resultat der Thorheit, die mit dem Hören zufrieden ist, und das Thun versäumt.
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Matthäus 7.28-Matthäus 8.2

Beitragvon Jörg » 22.04.2015 05:00

28. 29. Und es begab sich, da Jesus diese Rede vollendet hatte, entsetzte sich das Volk über seiner Lehre. Denn Er predigte gewaltig, und nicht wie die Schriftgelehrten.

Die Predigt ist vorüber; was hat sie gewirkt? Niemals war ein größerer Prediger, und niemals hielt derselbe eine größere Rede. Wie viele waren der Bußfertigen? Wie viele der Bekehrten? Wir hören von keinem. Die göttliche Wahrheit, wenn sie auch in der Vollkommenheit gepredigt wird, wirkt durch sich selbst nicht auf das Herz zur Bekehrung ein. Das überwältigendste Zeugnis erzeugt keinen Gehorsam, wen nicht der Heilige Geist des Hörers Herz bezwingt.

“Das Volk entsetzte sich.“ War dies alles? Es ist zu fürchten, daß es so war. Zweierlei überraschte sie, der Inhalt seiner Lehre und die Art derselben. Sie hatten nie zuvor solche Lehre gehört. Die von Ihm gegebenen Vorschriften waren ihren Gedanken ganz neu. Aber ihr größtes Staunen war über seine Art und Weise, denn es war eine Gewißheit, eine Macht, ein Gewicht darin, wie sie es niemals bei den gewöhnlichen, verordneten Lehrern gefunden hatten. Er warf keine Fragen auf, und sprach nicht mit Zaudern; Er citierte auch keine Autoritäten und verbarg seine eigne Verantwortlichkeit nicht hinter großen Namen. “Er lehrte gewaltig.“ Er sprach königlich. Die Wahrheit war ihr eigner Beweis und ihre eigne Bezeugung. Er lehrte prophetisch wie einer, der von oben inspiriert war. Die Menschen fühlten, daß Er wie ein von Gott Gesandter sprach. Es war kein Fehler von ihnen, daß sie erstaunt waren, aber es war ein schweres Verbrechen, erstaunt zu sein, und weiter nicht.

Mein Heiland, dies war ein armseliger Lohn für Deine königliche Rede - “das Volk war erstaunt.“ Gewähre mir, daß mir nichts daran liege, die Menschen in Staunen zu setzen, daß ich aber fähig gemacht werde, sie für Dich zu gewinnen; jedoch wenn ich mit meinen äußersten Bemühungen sie nur in Staunen setze und weiter nichts, so laß mich nie klagen, denn wie sollte der Jünger über seinem Meister sein?

(Nachdem der König mit Weisheit geredet, wirkt Er mit Macht. V. 1-18.)

1.Da Er aber vom Berge herabging, folgte Ihm viel Volks nach.

Die Neugierde zog die Menge zu Ihm. Unser Herr war beliebt beim Volke, aber Er schätzte die Beliebtheit nie um ihrer selbst willen. Er war zu weise, um hoch von etwas so Wankelmütigem zu denken. Dennoch sind wir froh, große Mengen versammelt zu sehen, die das Wort hören, denn es kann Gutes daraus hervorgehen. Jesus “kam herab“, um die Mange aufzurichten.

2. Und siehe, ein Aussätziger kam, und betete Ihn an und sprach: Herr, so Du willst, kannst Du mich wohl reinigen.

Dieser Vers beginnt mit einem “Siehe.“ Es war nicht wunderbar, daß große Mengen zu Jesu kamen, aber es war zu verwundern, daß ein Aussätziger glaubte, Er könne eine unheilbare Krankheit heilen. Der Aussätzige erwies Christo göttliche Ehre, und wenn Jesus nur ein guter Mensch gewesen wäre und nichts mehr, so hätte Er die Anbetung mit heiligem Unwillen zurückgewiesen. Die, welche Jesum „Herr“ nennen und Ihn nicht anbeten, sind kränker, als der Aussätzige es war. Er hatte einen hohen Glaubensgrad, denn so viel wir wissen, hatte früher noch niemand auf diese Weise an Jesum geglaubt. Der Aussatz erzeugt große Verzweiflung, aber der arme Mensch erhob sich über allen Zweifel, indem er glaubte, daß Jesus selbst ihn heilen könnte, wenn Er es wollte.

Er zweifelte nicht an des Heilandes Willen, wenn er sprach: “Herr, so Du willst.“ Nein, er glaubte vielmehr so an die Macht unsres Herrn, daß er fühlte, Er hätte nur nötig, seinen Willen zu gebrauchen, so würde die Heilung sofort bewirkt werden. Haben wir solchen Glauben? Sind wir überzeugt, daß der bloße Wille Jesu uns heilen würde?

Herr, ich gehe ebensoweit, ja, noch weiter.
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Matthäus 8.3-4

Beitragvon Jörg » 24.04.2015 03:46

3. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an, und sprach: Ich will’s thun, sei gereinigt! Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein.

Jeder andre wäre durch das Berühren eines Aussätzigen verunreinigt worden, aber die heilende Kraft Jesu trieb die Befleckung zurück. Er berührt uns mit dem Finger seiner Menschheit, aber Er wird dadurch nicht verunreinigt. Seine Berührung beweist seine Herablassung, seine Teilnahme, seine Gemeinschaft. Es war kein zufälliges Anrühren. “Jesus streckte seine Hand aus.“ Unser Herr ist zu uns gekommen durch seine eigne That und Anstrengung; Er war entschlossen, zu uns in alle unsrer Ekelhaftigkeit und Unreinigkeit zu kommen. Nach dem Anrühren kam das Wort: “Ich will.“ Es ist sehr treffend von jemand bemerkt worden, daß Jesus niemals sagt: „Ich will nicht.“ Er will, ob wir wollen oder nicht. “Sei gereinigt“ war das königliche Wort Dessen, der sich seiner Macht bewußt war. Welches Werk, einen Aussätzigen zu reinigen! Doch ist es leicht genug für unsren König, weil Er göttlich ist, sonst würde der Unglaube sehr vernünftig sein.

Mit welchem Vergnügen sprach Jesus! Mit welcher Freude hörte der Aussätzige! Mit welcher Neugier sahen die Umstehenden zu! Sie hatten nicht zu warten; das Wunder folgte dem Worte ohne einen Augenblick Verzug. Er sprach, und es geschah. Daß unser König seinen Thron verlassen, um an der Seite eines Aussätzigen zu stehen, war das größte aller Wunder, und deshalb wundern wir uns nicht, daß andre Wunder daraus entsprangen.

4. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sage es niemand, sondern gehe hin, und zeige dich dem Priester, und opfre die Gabe, die Mose befohlen hat, zu einem Zeugnis über sie.

Unser Herr wollte nicht seinen Ruf vergrößern. Er suchte keine Ehre von Menschen und Er wünschte nicht, die Menge zu vermehren, die selbst jetzt es fast unmöglich für Ihn machte, sein Werk zu thun. Er wollte wirken und suchte keinen Ruhm. Es wäre schwer für den Aussätzigen gewesen, still zu schweigen, aber er hätte es thun sollen, da es geboten wurde. Es ist unsre Sache, zu reden oder zu schweigen, wie unser Herr es fordert.

Das alte Gesetz galt noch, und unser Herr wollte es geehrt haben, so lange es währte, deshalb mußte der geheilte Aussätzige zu dem Priester gehen, seine Gabe darbringen und von dem verordneten Beamten ein Gesundheitszeugnis empfangen. Außerdem legte Er damit vor dem Volk ein Zeugnis ab, daß einer unter ihnen sei, der den Aussatz heilen konnte. Der Mann war rein, und doch mußte er hingehen, um nach dem Zeremonialgesetz gereinigt zu werden. – Nachdem wir dasjenige haben, was durch eine verordnete Handlung bedeutet wird, sollen wir darum nicht das Zeichen unterlassen, sondern es vielmehr mit Sorgfalt beobachten. Wie vorsichtig war es von unsrem herrn, nicht alte Regeln aufzuheben, ehe die volle Zeit zur Einführung neuer gekommen war!
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Matthäus 8.5-10

Beitragvon Jörg » 27.04.2015 03:50

5-7. Da aber Jesus einging zu Kapernaum, trat ein Hauptmann zu Ihm, der bat Ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause, und ist gichtbrüchig, und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen, und ihn gesund machen.

Ein Heide nähert sich unsrem König, ein Soldat, einer von Israels Unterdrückern, und unser Herr empfängt ihn mit einem: “Ich will,“ eben wie Er den Aussätzigen empfangen hatte. Dieser römische Offizier kam wegen seines Sklaven. Es ist gut, wenn die Herren sich um ihre Diener kümmern, besonders wenn diese krank sind. Es ist am allerbesten, wenn sie ihrer Diener wegen zu Jesu gehen, wie dieser Hauptmann that. Der Knecht war im Hause seines Herrn; er hatte ihn nicht fortgeschickt, weil er krank war. Der freundliche Herr beobachtete das Krankenbett seines Dieners und beschreibt teilnehmend, was er gesehen. Er suchte eine Heilung, aber er schreibt dem Herrn nicht vor, wie oder wo Er sie bewirken soll. Er spricht seine Bitte nicht in Worten aus, sondern legt den Fall vor und läßt das Leiden reden. Daß der Jüngling „große Qual“ hat, wird erwähnt, um unsren Herrn zum Mitleid zu bewegen. Es sind nicht immer große Schmerzen mit der Gichtbrüchigkeit verbunden, aber der aufmerksame Hauptmann hatte es hier bemerkt und legt es Jesu vor. Nicht das Verdienst, sondern das Elend müssen wir beim Heiland geltend machen.

Unser Herr bedurfte des Bittens sehr wenig. Er sagte gleich: “Ich will kommen, und ihn gesund machen.“ Herr, sage dies zu uns in betreff derer, für die wir liebevolle Fürbitte thun!

8. 9. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß Du unter mein Dach gehest, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, der Obrigkeit unterthan, und habe unter mir Kriegsknechte; und wenn ich sage zu einem: Gehe hin! so geht er; und zum andern: Komm her! so kommt er; und zu meinem Knecht: Thu’ das! so thut er’s.

Er wollte dem Herrn Jesu nicht die Mühe machen, in sein Haus zu kommen. Er fühlte sich unwürdig, um einen solchen Preis von einem solchen Herrn bedient zu werden. Er beweist, daß ein Wort alles thun werde. Er war selbst der Obrigkeit unterthan, und hatte darum die Macht, über andre zu gebieten. Er glaubte, daß der Herr Jesus auch einen Auftrag von der höchsten Macht habe und daß dieses Ihn mit der Herrschaft über alle untergeordneten Kräfte des Weltalls umgürten werde, einer Herrschaft, die Er aus der Entfernung mit einem einzigen Worte ausüben könne. Wenn Kriegsleute kämen und gingen auf eines Hauptmanns Geheiß, wie viel mehr würden Krankheiten weichen auf das Wort des Herrn Jesu. Es war der Beweis eines Nachdenkenden, aber er war gut und folgerichtig. Möchten auch wir Jesum erkennen als unter der Herrschaft und mit der Herrschaft, und uns unter seiner Herrschaft. Möchten auch wir an die Allmacht des göttlichen Wortes glauben und dann hingehen und seine Macht an den Herzen der Menschen erproben! O Du, der Du unser König bist, zeige Deine königliche Macht!

10. Da das Jesus hörte, verwunderte Er sich, und sprach zu denen, die Ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.

Jesus verwunderte sich, irgend einen Menschen glauben zu sehen, denn die Menschen sind von Natur ungläubig. Er freut sich, einen Fernstehenden glauben zu sehen; denn ach, die bevorzugten Hörer sind träge zum Glauben. Er verwundert sich, daß ein Soldat, ein Offizier, so viel Glauben hat. Jesus lobte den Hauptmann nicht ins Gesicht, sondern was Er sagte, “sprach Er zu denen, die Ihm nachfolgten.“ Vermeidet es, Neubekehrten zu schmeicheln. Lernt aus dem, was unser Herr sprach, daß Er nach dem Glauben aussieht, daß Er glauben unter den Hörern des Wortes sucht und daß Er ihn gewöhnlich nicht findet; daß derselbe aber, wenn Er ihn findet, so groß sein kann, daß er Ihn in Erstaunen setzt. Großer Glaube wächst oft dort, wo wenig Erdreich ist, und wo alles ihn zu verheißen und zu fördern scheint, fehlt er oft. Großer Glaube ist dem Herrn Jesu sehr lieb, aber Er verwundert sich, wenn Er ihn sieht, denn er ist so selten.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Matthäus 8.11-13

Beitragvon Jörg » 29.04.2015 03:48

11. 12. Aber ich sage euch: Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen; aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähnklappern.

Der Himmel wird voll werden. Wenn die, von denen man es erwarten sollte, nicht kommen wollen, so werden die kommen, von denen man es nicht erwartete. Viele unsrer Lieben sind schon da, eine Art von Kern, um die wir uns sammeln, wie Israel sich zu “Abraham, Isaak und Jakob“ sammelte. Vom „Morgen und vom Abend“ werden große Mengen kommen, durch die Entfernung nicht abgeschreckt, und diese sollen mit den alten Patriarchen denselben Himmel teilen. Wie traurig, daran zu denken, daß die Nachkommen dieser Patriarchen hinausgestoßen werden sollen, wie ein Auswurf in die ewige Finsternis, wo Heulen und Zähnklappen ist, und wo sie ewig bleiben müssen! Welche gänzliche Umkehr der Dinge! Die Nächsten werden hinausgeworfen und die Fernsten nahe gebracht! Wie oft ist dies der Fall! Der Hauptmann kommt aus dem Lager zu Christo, und der Israelit geht von der Synagoge zur Hülle. Die Hure beugt sich bußfertig zu Jesu Füßen, während der selbstgerechte Pharisäer das Heil verwirft. O, daß dieser Vorfall uns dahin führte, stark im Glauben zu werden und nie die Macht des Mensch gewordenen Sohnes Gottes zu bezweifeln!

13. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde.

In dem Worte: “Gehe hin“, sehen wir, daß häufig die Rückkehr zu den täglichen Pflichten und zu unsrer gewöhnlichen Gemütsruhe der beste Beweis ist, daß unser Glaube den verheißenen Segen ergriffen hat. Warum sollte der noch verweilen, der alles erlangt hat, was er suchte? ist es nicht besser, wenn er nach Hause geht und sich der Frucht seines erhörten Gebets erfreut? Der Herr gibt oft im Verhältnis zum Glauben. “Dir geschehe, wie du geglaubt hast,“ ist ein Wort, das uns erlaubt, unser eignes Maß zu bringen und die Größe des Segens, den wir wünschen, zu bestimmen. Unser Herr sprach das Wort, wie der Hauptmann es wünschte. Das Ergebnis war unmittelbar und vollständig, nicht nur ward das Leben erhalten, sondern die Gesundheit wieder hergestellt. Manches Mal ist fortgesetztes Gebet nur murmelnder Unglaube; und an unser Geschäft zu gehen, würde heißen, dem Herrn bei seinem Worte nehmen und seine Wahrhaftigkeit ehren.

Herr, gib mir Glauben genug, an mein Geschäft zu gehen, nachdem ich gläubig gebetet habe. In derselbigen Stunde, in der ich Dir glaube, gefalle es Dir, das Wunder zu wirken, das ich suche.
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Matthäus 8.14-17

Beitragvon Jörg » 01.05.2015 07:08

14. Und Jesus kam in Petrus’ Haus, und sah, daß seine Schwiegermutter lag, und hatte das Fieber.

Es war ein Ort, wo Fieber herrschte. Frömmigkeit macht ungesunde Orte nicht gesund. Petrus hatte in Weib: mögen die sogenannten Nachfolger Petri sich an diese Thatsache erinnern. Seine Schwiegermutter bekam das Fieber; Heiligkeit sichert uns nicht die Verschonung von Krankheiten. Diese Schwiegermutter war eine besonders gute Frau, denn es war ihr erlaubt, bei ihrem Schwiegersohne zu wohnen, und er wollte sie gern wieder hergestellt sehen. Der Herr Jesus sah die Kranke, denn sie war nicht in eine Hinterstube gebracht, und Er hielt sich nicht von ansteckender Krankheit fern. Jesus fürchtete kein Fieber.

Unser Herr sieht alle unsre Kranken und darin liegt unsre Hoffnung auf ihre Genesung.

15. Da griff Er ihre Hand an, und das Fieber verließ sie. Und sie stand auf, und diente ihnen.

Unser Herr war von ihren Verwandten gebeten, und deshalb ergriff Er ihre Hand und stellte sie durch eine Berührung wieder her. Das erste Wunder in diesem Kapitel geschah durch eine Berührung, das zweite durch ein Wort, und nun geschieht dieses wieder durch eine Berührung; es ist für Jesum alles gleich. Die Heilung war eine augenblickliche und vollständige. Wir erwarten zu lesen, daß das Fieber große Schwäche zurückließ, aber die Heilungen unsres Herrn sind immer vollkommen. Sie fühlte sich kräftig genug, aufzustehen, energisch genug, zu arbeiten, und wir brauchen kaum hinzuzufügen, dankbar genug, ihrem Arzt und all seinen Freunden zu dienen. Kein Beweis der Genesung von dem Fieber der Sünde ist sicherer, als der heilige Ernst der Genesenen, Werke der Dankbarkeit für Den zu thun, der sie wieder hergestellt hat.

16. Am Abend aber brachten sie viel Besessene zu Ihm; und Er trieb die Geister aus mit Worten, und machte allerlei Kranke gesund.

Unser Herr machte lange Tage; der Untergang der Sonne war nicht der Untergang seiner Macht. Weise Leute brachten ihre Kranken in seine Nähe, sobald der Sabbat zu Ende war. Seine Kraft floß sogleich aus. Er lebte in einem Hospital, und es war ein Hospital für Unheilbare, das viele qualvolle Fälle enthielt, doch kein fall war zu schwer für Ihn. Er verjagte die Teufel, welche von Männern und Frauen Besitz genommen hatten; Er rief sich nicht heraus, sondern “Er trieb sie aus“ mit göttlicher Gewalt. Und was die Krankheiten betrifft, so kam Ihm nichts ungelegen, Er heilte sie alle. Der König kämpfte mit Legionen von Feinden und überwand sie alle leichte. Was waren Dämonen oder Krankheiten für den allmächtigen Herrn? Sein Wort ist noch allmächtig.

17. Auf daß erfüllt würde, das gesagt ist durch den Propheten Jesaias, der da spricht: Er hat unsre Schwachheit auf sich genommen, und unsre Seuche hat Er getragen.

Seine heilenden Thaten bewiesen seine lebendige Teilnahme für die Menschen. Als Er Mensch ward, da sah Er die Schwachheiten der Menschen für seine Schwachheiten an. Er betrachtete die menschlichen Krankheiten, als wären es seine eignen, und zögerte keinen Augenblick, sie hinwegzunehmen. Überdies kostete Ihn die Heilung viel in bezug auf seinen leiblichen Organismus, der mit der Bürde des menschlichen Wehes beladen war. Die Kraft, die von Ihm ausging, erschöpfte sein eignes System, und so schien die Schwachheit der Menschen zu Ihm zurückzukommen, während seine Stärke sich ihnen mitteilte. Er beugte seinen Rücken unter unsere Bürde und hob sie so ab von den Schultern, die unter ihr auf die Erde hinabgedrückt waren.

O Herr, laß mich nie vergessen, welch ein Bruder Du bist, und wie sehr Deine Hilfe beweist, daß Du wahrhaft unsre Schmerzen teilst!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Matthäus 8.18-22

Beitragvon Jörg » 03.05.2015 06:20

18. Und da Jesus viel Volks um sich sah, hieß Er hinüber jenseit des Meers fahren.

Er wich der Volksgunst aus. Nachdem der königliche Arzt alle Krankheiten geheilt hatte, suchte Er auf frischem Boden wieder zu beginnen. Er sah, daß die Menge gefährlich wurde und vielleicht zu begeistert, und so schiffte Er sich nach dem ferneren Ufer ein, um vor ihrem vorschnellen Thun sicher zu sein. Zu oft buhlen wir um die Berühmtheit, die unser Herr vermied. Kommt das nicht daher, weil wir von niederen Beweggründen geleitet werden, die keine Macht über Ihn hatten? Wir sollten nicht an dem Ufer bleiben, wo wir Schmeicheleien bekommen, sondern “hinüber jenseits des Meeres fahren,“ um ein frisches Werk zu beginnen. Überdies mag die andre Küste diejenige sein, die unsrer am meisten bedarf, und es ist recht, sogar eine Menge zu verlassen, die ihren Anteil an den Vorrechten gehabt hat, um zu einer kleineren Anzahl zu gehen, die noch keine Zeit der gnädigen Heimsuchung gehabt hat.

Herr, befiehlst Du mir, “jenseits des Meeres zu fahren“! Gehe mit mir, und ich fahre sogleich ab.

(Unser König unterscheidet seine wahren Nachfolger. V. 19-22.)

19.20. Und es trat zu Ihm ein Schriftgelehrter, der sprach zu Ihm: Meister, ich will Dir sagen, wo Du hin gehst. Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da Er sein Haupt hin lege.


War dieser Schriftgelehrte angezogen durch das, was er von unsrem Herrn hörte und sah? Wir glauben dies. In einem plötzlichen Anfall von Begeisterung nennt er Ihn “Meister“. Er war wahrscheinlich um das Ufer herum geeilt, Jesu nach, und erklärt, daß er Ihm stets folgen will, gehe der Meister, wohin Er wolle. Es war eine unbedingte Jüngerschaft, die weder Zeit noch Ort kennt: “Ich will Dir folgen, wo Du hin gehst.“ Seine Nachfolge war eine ungebetene, denn der Herr hatte nicht zu Ihm gesagt: „Folge mir nach.“ Es war die beste Frucht der Natur, aber nicht das Ergebnis der Gnade. Unser König stellt diese laut ausgesprochene Ergebenheit auf die Probe, indem Er dem Neubekehrten sagt, daß Er als Meister so arm sei, daß die Tiere des Feldes und “die Vögel unter dem Himmel“ in betreff der Wohnung besser daran wären, als Er selber. Wenn es dem Führer so schlecht erging, so war die Aussicht für den Nachfolger armselig. Wie groß war die Erniedrigung unsres Herrn und Königs! Er hatte keinen Palast und keinen seidenen Thronhimmel. Er, der unser Haupt war, hatte nicht, da Er sein Haupt hin lege.

Ließ dieser Schriftgelehrte seinen Namen einschreiben in die Liste der armen Schüler eines heimatlosen Lehrers? Wir wissen es nicht. Wie steht es mit uns? Können wir einer pfenniglosen Sache folgen? Können wir eine verachtete Lehre verkünden?

21. Und ein andrer unter seinen Jüngern sprach zu Ihm: Herr, erlaube mir, daß ich hingehe, und zuvor meinen Vater begrabe.

Der Erste war zu rasch, der zweite war zu langsam. Dieser letzte war ein Jünger; Jesus sandte ihn mit einem Auftrag aus, aber er war nicht bereit zu gehen. Er mußte zuvor etwas andres thun, und dies bezog sich auf einen toten Angehörigen. Es war ein schwerer Fehler, das Grab vor den Heiland zu stellen. Sein Vater konnte gewiß von einem andren Familienmitglied begraben werden, aber kein andrer konnte dem Gebot Christi gehorchen, welches dieser Jünger empfangen hatte. Wir haben ein Werk zu unterlassen, was ein andrer thun kann, wenn der Herr uns zu einem besonderen persönlichen Dienst bestimmt. Christus muß zuerst kommen, und der Vater danach. Lebendige Gebote müssen den Pflichten gegen die Toten vorangehen. Soldaten können nicht des Kriegsdienstes enthoben werden wegen häuslicher Pflichten.

22. Aber Jesus sprach zu ihm: Folge du mir, und laß die Toten ihre Toten begraben.

Unser Herr wiederholte seinen Befehl: “Folge du mir.“ Andre konnten die Toten begraben; des Jüngers Sache war es, seinen Geboten zu gehorchen. Unerneuerte Menschen sind tot, und sie sind durchaus fähig, ein so totes Geschäft, wie ein Leichenbegängnis ist, zu besorgen. Viele Angelegenheiten der Politik, Komitee-Versammlungen, soziale Verbesserungen, unschuldige Vergnügungen u.s.w. können sehr passend als ein Begraben der Toten beschrieben werden. Vieles von diesem ist sehr nötige, angemessene und lobenswerte Arbeit, aber doch nur eine Art Werk, das unwiedergeborene Menschen ebensowohl thun können wie die Jünger Jesu. Sie mögen es thun; wenn wir aber berufen sind, das Evangelium zu predigen, so haben wir uns unsrem heiligen Berufe ganz hinzugeben. Der höhere Arbeiter soll sich nicht in das verwickeln, was Weltlinge ebensogut thun können, wie er. “Folge mir“ ist eine Vorschrift, deren Ausführung all unsre Kraft beanspruchen wird, aber durch die Gnade wollen wir gehorchen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Matthäus 8.23-25

Beitragvon Jörg » 05.05.2015 03:55

(Unser König beherrscht das Meer. V. 23-27.)

23. Und Er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten Ihm.

Sie waren wiese, Ihm zu folgen, und sicher, indem sie es thaten, aber sie waren deshalb nicht vor Prüfungen geschützt. Mit Jesu in dem Boot ist ein glücklicher Platz, aber Stürme können uns treffen, selbst wenn wir dort sind.

24. Und siehe, da erhob sich ein großes Ungestüm im Meer, also, daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und Er schlief.

Auf diesem Binnensee fanden oft plötzliche Windstöße und Stürme statt, in denen der Wind so tobte, daß er das Schiff fast aus dem Wasser hervorhob. Dies war ein ungewöhnlich starker Sturm; das Schifflein schien verloren zu sein, denn die Wellen bedeckten es. Es war ein Trost, daß Christus sich in dem Schiff befand und daß seine Gegenwart das Boot ebenso gewiß bedeckte, wie die Wellen es thaten. Doch verhindert die Gegenwart unsres Herrn nicht, daß wir von einem “großen Ungestüm“ hin und hergeworfen werden.

25. Und die Jünger traten zu Ihm, und weckten Ihn auf, und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben!

Er war nicht beunruhigt. Sein Vertrauen auf den großen Vater war so fest, daß Er in der Wiege der Tiefe gewiegt, friedlich schlief. Die Winde heulten und die Wasser stürzten sich über Ihn, aber Er schlief weiter. Seine Jünger verursachten Ihm mehr Unruhe als der Sturm. Sie “weckten Ihn auf“ mit ihrem Schreien. Sie waren mißtrauisch und bereit, Ihm Gleichgültigkeit vorzuwerfen. Der Kleinglaube betete: “Hilf uns“; die große Furcht rief: “Wir verderben.“ In einem Sturm können die Leute nicht sehr wählerisch in ihren Worten sein, aber sie lernen, sehr ernst und eifrig zu sein. Der Ruf dieser Jünger mag sich für viele eignen. Hier war Ehrfurcht vor Jesu - “Herr“, eine verständige Bitte - “hilf uns;“ und ein überwältigender Grund dafür – „wir verderben.“
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Matthäus 8.26-27

Beitragvon Jörg » 07.05.2015 03:46

26. Da sagte Er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf, und bedrohte den Wind und das Meer; da ward es ganz stille.

Er sprach zuerst zu den Menschen, denn sie waren am schwierigsten zu behandeln; Wind und Meer konnten nachher bedroht werden. Er legt den Jüngern eine Frage vor. Ach, sie hatten in unwürdiger Weise seine Teilnahme in Frage gestellt. Es ist keine Vernunft in unsrem Unglauben. Dieses “Warum?“ ist nicht zu beantworten. Wenn es recht ist, daß wir Glauben haben, so muß es unrecht sein, Furcht zu haben. Der Kleinglaube ist in einer Hinsicht sehr köstlich, aber in einer andren nicht zu rechtfertigen. Warum “kleinen Glauben“ an einen großen Gott? Es ist gut, daß Glaube da ist, aber es ist schlimm, daß er klein ist.

Seht den Herrn von seinem harten Lager aufstehen. In königlicher Würde richtet Er sich auf. Ein Wort macht alles stille. Wie vorher ein “großes Ungestüm“ war, so wird jetzt eine große Stille; es war nichts klein in der ganzen Sache, ausgenommen der Jünger Glaube. Wenn unser Herr den Wind bedrohte, so bedrohte Er auf die beste Art ihren Unglauben. Er hat eine sehr freundliche Art, uns zurechtzuweisen durch die Größe seiner Gnade gegen uns.

Meine Seele, du weißt, was diese große Stille ist; fortan habe großen Glauben an den großen Friedensstifter. Habe ja diesen großen Glauben, wenn du in einen großen Sturm gerätst.

27. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß Ihm Wind und Meer gehorsam ist?

Es war gut, daß sie sich verwunderten, aber es wäre besser gewesen, wenn sie angebetet hätten. Wäre Christus ein bloßer Mensch gewesen, so würde das Wunderbare an Ihm über alles Verwundern hinaus gewesen sein. Er war göttlich, und deshalb gehorchte die ganze Natur seinem königlichen Worte. Dies ist das Ende der Verwunderung des Verstandes, aber es ist der Anfang der Anbetung des Herzens. Hier enthüllte unser glorreicher König für den Augenblick seine Herrlichkeit und befahl dem ungestümsten der Elemente Gehorsam. Wie oft haben wir schon in unsren eignen Angelegenheiten ausrufen müssen: “Was ist das für ein Mann!“ Wie großartig hat Er uns durch schreckliche Stürme hindurch gebracht! Wie leicht hat Er die Wogen unsrer Seele beruhigt! Gelobt sei sein Name! Noch immer “ist Ihm Wind und Meer gehorsam.“
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