Gemeinde sehr reglementiert

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biggi
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Gemeinde sehr reglementiert

Beitragvon biggi » 06.05.2015 19:23

Hallo, habt ihr Erfahrung, wenn die Gemeinde sehr straff reglementiert ist in bzug auf Äusserlichkeiten. Ich würde gerne zuhause auch so leben, wie in der Gemeinde gelehrt wird, aber es funktioniert einfach nicht so, z. T. weil ich es zu streng finde und auch aus anderen Gründen, ich habe dann immer ein schlechtes Gewissen, aber ich versuche, mir die Antworten aus der Bibel zu holen und manchmal denke ich, ich stecke zwischen zwei Stühlen. Manche Verhaltensweisen, die ich lerne, kann man schon aus der Bibel ableiten, aber so genau steht es auch wieder nicht in der bibel, z. B. Kleidung, Schmuck, Makeup, Verhalten in der Gemeinde, Habt ihr da Erfahrung, wie Ihr damit umgeht? Viele Grüsse
Biggi

Berajo
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Nicht nur Christen, die Versammlungen besuchen

Beitragvon Berajo » 08.05.2015 20:54

Ich denke, erstmal ist wichtig, dass wir nicht nur in der Versammlung Christen sind. Auch zu Hause, am Arbeitsplatz etc. Unser ganzes Leben soll ein Gottesdienst sein. Sicherlich klappt das leider nicht immer. Aber wir dürfen zum Herrn damit kommen und das ist wunderbar. Beim Äußeren ist es wichtig, dass es das Innere widerspiegelt. Es muss also keusch sein. Der Klassiker hier ist wohl die körperbetonte Kleidung. Das ist logischerweise nicht keusch. Wir sollten auch am Äußeren erkennbar sein, dass wir anders sind als die Welt. Sicherlich können sich auch Ungläubige durchaus das ein oder andere Mal oder öfter keusch anziehen. Aber bei uns sollte es eben auf unsere Gesinnung verweisen, z. B. wenn jemand am Arbeitsplatz bemerkt "Ja, der ist anders". Diese Ehre dürfen wir dann mit Freuden dem Herrn geben.

Soviel erstmal zu meinem Verständnis.

Die Frage, die sich aber weiterhin stellt. Welchen Nutzen sollen die "Reglemtierungen" haben?
Jesus, mein Herr und mein Gott

Fritz67
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Beitragvon Fritz67 » 18.05.2015 17:34

Ich frage mich auch, wiieso manche Gemeinden Gemeinde sehr straff reglementiert im Bezug auf Äusserlichkeiten sind, vielleicht wegen 1. Korinther 11, 1-16.
Dieser Kontext hat aber eine deutlichen Grundsatz, Vers 3:
Ich will aber, daß ihr wißt, daß Christus das HAUPT jedes Mannes ist, der Mann aber das HAUPT der Frau, Gott aber das HAUPT des Christus.

Die Kapitel 2 und 3 des ersten Petrusbrief geben einige Antworten, die Berajo schon mitgeteilt hat.

Da geht es kurz gesagt, um das Gehorsam des Ggläubigen Christen gegenüber dem Staat, der Gesellschaft, dem Arbeitgeber, innerhalb der Ehe und auch das Verhalten untereinander innerhalb einer christlichen Gemeinshaft.
Der gläubige Christ soll ein Licht, ein Vorbild sein. Übrigens zeigt das Kapitel 2 auf, dass der alltägliche Gottesdienst - im Alltag und Beruf - gar nicht so schwer ist.
Für die christliche Gemeinschaft gilt 1. Petrus 3, 8-17

Hervorheben möchte ich diese beiden Verse, 1. Petrus 3+4
3 Euer Schmuck soll nicht der äußerliche sein, Haarflechten und Anlegen von Goldgeschmeide oder Kleidung,
4 sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck eines sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist.

Der Kontext ist an die gläubigen Frauen gerichtet, vor allem wenn ihre Ehemänner ungläubig sind, denen sie sich unterordnen sollen durch einen vorbildlichen Wandel zu dem Zweck, dass diese sich bekehren. Wahrscheinlich ist dieser Kontext an Frauen gerichtet, die während der Ehe bekehrt worden sind.
Das bedeutet nicht, dass die Frau beginnt, bis zum Umfallen zu schuften und dadurch viele unnütze Dinge tut, das bringt nur Unruhe.

Die beiden Verse zeigen aber deutlich auf, Gott hat Wohlgefallen an inwendigen Schmuck, an rechter Herzenshaltung oder lebendigen inwendigen Glauben durch den Heiligen Geist (z. B. Römer 2, 17-29), das ist vor Gott sehr kostbar und keine Äußerlichkeiten.
Das bedeutet nicht, dass man sich unanständig oder schmutzig oder aufreizend Kleiden soll.

Der Kontext verbietet nicht das Tragen von Schmuck, dann müsste man ja gänzlich auf Kleidung verzichten. Aber man kann auf Dinge verzichten, die nicht wirklich nützlich sind.

biggi
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Beitragvon biggi » 18.05.2015 18:00

Fritz67 hat geschrieben:Ich frage mich auch, wiieso manche Gemeinden Gemeinde sehr straff reglementiert im Bezug auf Äusserlichkeiten sind, vielleicht wegen 1. Korinther 11, 1-16.
Dieser Kontext hat aber eine deutlichen Grundsatz, Vers 3:
Ich will aber, daß ihr wißt, daß Christus das HAUPT jedes Mannes ist, der Mann aber das HAUPT der Frau, Gott aber das HAUPT des Christus.

Die Kapitel 2 und 3 des ersten Petrusbrief geben einige Antworten, die Berajo schon mitgeteilt hat.

Da geht es kurz gesagt, um das Gehorsam des Ggläubigen Christen gegenüber dem Staat, der Gesellschaft, dem Arbeitgeber, innerhalb der Ehe und auch das Verhalten untereinander innerhalb einer christlichen Gemeinshaft.
Der gläubige Christ soll ein Licht, ein Vorbild sein. Übrigens zeigt das Kapitel 2 auf, dass der alltägliche Gottesdienst - im Alltag und Beruf - gar nicht so schwer ist.
Für die christliche Gemeinschaft gilt 1. Petrus 3, 8-17

Hervorheben möchte ich diese beiden Verse, 1. Petrus 3+4
3 Euer Schmuck soll nicht der äußerliche sein, Haarflechten und Anlegen von Goldgeschmeide oder Kleidung,
4 sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck eines sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist.

Der Kontext ist an die gläubigen Frauen gerichtet, vor allem wenn ihre Ehemänner ungläubig sind, denen sie sich unterordnen sollen durch einen vorbildlichen Wandel zu dem Zweck, dass diese sich bekehren. Wahrscheinlich ist dieser Kontext an Frauen gerichtet, die während der Ehe bekehrt worden sind.
Das bedeutet nicht, dass die Frau beginnt, bis zum Umfallen zu schuften und dadurch viele unnütze Dinge tut, das bringt nur Unruhe.

Die beiden Verse zeigen aber deutlich auf, Gott hat Wohlgefallen an inwendigen Schmuck, an rechter Herzenshaltung oder lebendigen inwendigen Glauben durch den Heiligen Geist (z. B. Römer 2, 17-29), das ist vor Gott sehr kostbar und keine Äußerlichkeiten.
Biggi schreibt dazu:
"Ja, natürlich bin ich nicht dafür, dass eine Frau mit sehr enganliegender Kleidung kommt oder dass jeder Fingernagel in einer anderen Farbe schimmert und sehr angemalt ist. Das halte ich für Gleichstellung mit der Welt. Aber ich denke, ein dezentes Makeup, Betonung wirklich auf dezent, kann eine Frau durchaus verwenden. Ich sehe darin keine Sünde.Manche Frau, die ein Kind geboren hat, leidet sehr unter Eisenmangel und ist dann weiss wie die Wand. Und dann finde ich es besser, sie verwendet etwas getönte Creme für das Gesicht, als dass die Gemeinde in Verruf kommt, ihre Mitglieder so mit Arbeit zu überschütten, dass sie eben so käsig aussehen.
Aber es wird manchmal so argumentiert, dass Gott den Menschen geschaffen hat und dass man an seinem Aussehen nichts verändern soll. Aber wenn man die Bedeutung des Wortes "Makeup" einmal betrachtet, stelle ich fest, dass es äusserliche Aufmachung bedeutet, und nach meiner Ansicht benutzt jeder ein gewisses Makeup, ob Mann oder Frau, man geht ja auch nicht so aus dem Haus wie man aufgestanden ist, also jeder kämmt sich die Haare, die meisten Männer rasieren sich im Gesicht, davon steht übrigens nichts in der Bibel, und dann müssten alle Männer einen Bart oder Vollbart haben, und man zieht sich entsprechend an. Das gehört für mich auch zur Bedeutung von "Make up". Aber man soll sein Äusseres natürlich nicht herausstechen lassen, z. B. mit Designerbrillen, eng anliegende Kleidung, Schminke, aufreinzende Kleidung, Haarpomade und aufwendige Frisuren. " Aber ich finde es nicht gut, wenn die Gemeinde so etwas diktiert, sie sollte empfehlen, was die Schrift sagt und jeder muss dann nach seinem Gewissen entscheiden. - Gruss Biggi

Das bedeutet nicht, dass man sich unanständig oder schmutzig oder aufreizend Kleiden soll.

Der Kontext verbietet nicht das Tragen von Schmuck, dann müsste man ja gänzlich auf Kleidung verzichten. Aber man kann auf Dinge verzichten, die nicht wirklich nützlich sind.
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Berajo
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Beitragvon Berajo » 19.05.2015 09:30

@ Fritz:

Die Betonung bei 1. Petrus 3 liegt meines Erachtens auf den stillen und keuschen (reinen) Wandel der Frau. Sie soll also daher nicht belehren. Ich denke aber, du meinst das auch, oder?:)

Bzgl. des äußeren Schmucks, ist die Frage was man darstellen will, wenn man sich schmückt.

"sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck eines sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist" (Vers 4 nach SCH2000)

Der unvergängliche Schmuck ist die richtige (geistliche/nicht-fleischliche) Herzenseinstellung vor Gott. Ich kenne bisher kein Beispiel, bei der der äußere Schmuck irgendwas mit der geistlichen Herzenseinstellung zu tun hat. Petrus schreibt ja, dass dieser (Herzens-)Schmuck unvergänglich ist während der Äußere vergänglich ist.

Ich finde, zumindest eine Beschränkung auf sehr dezenten Schmuck bei der wirklich die Keuschheit zu erkennen ist oder auf gar keinen Schmuck lässt diese Stelle durchaus zu.
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Fritz67
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Beitragvon Fritz67 » 19.05.2015 09:59

Hallo Beraja,

danke, du hast es viel besser erklärt :)

Die Äußerlichkeiten, die Gott missfallen, sind zum Beispiel die, die Hochmut und Eitelkeit zum Ausdruck bringen oder aufreizend und unkeusch/unrein wirken z.B. nach Jesaja 3.

Mit dem Wort "keusch" habe ich meine Probleme gehabt, also ist mit Keuschheit nichts anderes als Reinheit gemeint?

Berajo
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Beitragvon Berajo » 19.05.2015 10:37

@ Fritz:

Das griechische Wort hagnos bedeutet: rein, keusch, sauber, klar.

Es heißt in (Gottes-)Furcht keuschen Wandel. D.h. der Wandel muss vor Gott stimmen. Es hier interessant, dass es vorher vom Arbeitgeber bzw. Arbeitsplatz geschrieben steht. Der Umkreis beim Arbeitsplatz, der sieht ja den Wandel ob er gut oder schlecht ist. Richtig schön, wie es beschrieben wird.
Jesus, mein Herr und mein Gott

Jose
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Re: Gemeinde sehr reglementiert

Beitragvon Jose » 15.07.2015 07:32

Im 1. Timotheusbrief lesen wir die Worte des Apostel Paulus: "wenn ich aber zögere, damit du weißt, wie man sich verhalten muss im Hause Gottes, das die Gemeinde des lebendigen Gottes ist, die Säule und Grundfeste der Wahrheit" 1.Tim 3,15. Für die Gemeinde Jesu finden wir in der Bibel Anweisungen und Ordnungen, die sich auf die Lehre und die Gemeindepraxis beziehen und auch sogenannte „Äußerlichkeiten“ erfassen. In vorherigen Beiträgen wurde schon einiges, was wichtig ist, erwähnt.

Eine wichtige Frage, die sich jeder stellen muss, ist: Warum tue ich dies und jenes? Suche ich die Ehre des Herrn oder trachte ich danach, Menschen zu gefallen? Was auf jeden Fall vermieden werden sollte, ist in Konflikt zu geraten mit der Gemeindepraxis und das Verhalten im Privaten. Ein Christ steht überall zu seinen Überzeugungen und wandelt danach. Es ist etwas schlimmes, wenn beispielsweise Nachbarn zu Recht darauf hinweisen, Zuhause würde man sich anders kleiden und Verhalten als in der Gemeinde (wenn sie z.B. auch mal die Versammlung bzw. ein Gottesdienst besuchen). Es geht um die Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit unseres Zeugnisses. Da sollte kein Widerspruch sein.

Ich möchte noch ein Beispiel erwähnen: In Sprüche lesen wir: "Der Schmuck der jungen Männer ist ihre Kraft, graues Haar aber die Zierde der Alten" Spr 20,29. Aus diesem Wort lässt sich entnehmen, dass graues Haar vor Gott eine natürliche Schönheit ist. Wenn nun jemand die grauen Haare färbt, ist es doch verkehrt. Auch sollte man überlegen und sich eingestehen, warum man es eigentlich macht: Ist es, um jünger auszusehen, hat es also mit Eitelkeit zu tun und Anpassung an die Welt?

Wenn ich an das nachfolgende Wort denke, da verblasst und verfliegt vieles, was mir im jetzigen Zeitlauf wichtig erscheinen möchte:
1 Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes!
2 Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist! Kol 3,1.2

Ich bin froh und dankbar für alle Gemeinden, wo neben der klaren biblischen Lehre, auch Wert auf Keuschheit und Zucht in der Kleidung und Auftreten gelegt wird, bei Männern und Frauen. Es sollte aber alles wirklich anhand des Wortes Gottes gelehrt werden und nicht übertrieben sein, wie z.B. die Festlegung, in welche Richtung die Falten im Rock zu gehen haben. Auch sollte alles in Liebe geschehen und sich auf die Gemeinde konzentrieren. Wenn Ungläubige kommen, sollten sie geliebt und angenommen werden, wie sie sind.

In diesem Zusammenhang ist auch die Frage interessant: Warum lehnen manche Kirchen Jeans ab?

Mit freundlichen Grüßen,
José


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