Lesung aus Arthur W. Pink "Das Leben des Elia"

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Joschie
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Lesung aus Arthur W. Pink "Das Leben des Elia"

Beitragvon Joschie » 26.05.2016 18:05

Ab heute gibt es eine regelmäßige Lesungen aus dem Buch von Arthur W. Pink "Das Leben des Elia" aus dem RVB-Verlag hier im Forum . Wir bedanken uns besonders bei Christan Beese für die Genehmigung, dass wir diese Buch, hier im Bifo-Forum als Lesung benutzen dürfen . Dieses Buch kann man hier bestellen!

Inhalt
1.Elias dramatisches Auftreten
2.Die Himmel werden verschlossen
3.Der Bach Krit
4.Die Prüfung des Glaubens
5.Der austrocknende Bach
6.Nach Zarpat geleitet
7.Die Not einer Witwe
8.Der Herr wird versorgen
10.Eine dunkle Vorsehung
11.„Frauen haben ihre Toten durch Auferstehung wiederbekommen“
12.In Gefahr
13.Die Begegnung mit Ahab
14.Der Trübsalbringer Israels
15.Der Ruf zum Karmel
16.Elias Herausforderung
17.Ohren, die nicht hören
18.Die Zuversicht des Glaubens
19.Wirksames Gebet
20.Die Antwort mit Feuer
21.Ein Rauschen eines gewaltigen Regens
22.Beharrlich im Gebet
23.Auf der Flucht
24.In der Wüste
25.Niedergeschlagen
26.Erfrischt
27.Die Höhle am Horeb
28.Ein stilles, sanftes Sausen
29.Elias Wiederherstellung
30.Nabots Weinberg
31.Der Sünder gefunden
32.Eine furchtbare Botschaft
33.Elias letzte Aufgabe
34.Werkzeug der Rache
35.Elias Fortgang
36.Der feurige Wagen


Dieses Buch ist besonders allen angefochtenen Christen
gewidmet, deren Eifer für Gott und unerschütterliches
Festhalten an der Wahrheit sie manchmal einsam macht.

Der Übersetzer
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Joschie
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Kapitel 1 Elias dramatisches Auftreten(1)

Beitragvon Joschie » 26.05.2016 18:12

Kapitel 1
Elias dramatisches Auftreten

Elia betrat die öffentliche Bühne zu einer der finstersten Stunden in Israels trauriger Geschichte. Er wird uns am Anfang von 1.Könige 17 vorgestellt, und wir brauchen nur die vorangegangenen Kapitel durchzulesen, um festzustellen, in welch einem kläglichen Zustand sich Gottes Volk damals befand. Israel war schmerzlich und schamlos von Jahwe abgewichen, und Dinge, die sich unmittelbar gegen Ihn wandten, waren in aller Öffentlichkeit aufgerichtet worden. Nie zuvor war die von Gott so privilegierte Nation so tief gesunken. Achtundfünfzig Jahre waren vergangen, seit das Königreich nach Salomos Tod auseinandergerissen worden war. Während dieser kurzen Zeit hatten nicht weniger als sieben Könige über die zehn Stämme geherrscht, und ohne Ausnahme waren es böse Männer gewesen. Es ist wahrlich schmerzhaft, ihre traurige Geschichte zurückzuverfolgen, und es ist noch tragischer zu erkennen, wie sich dieselbe in der Geschichte der Christenheit wiederholt. Der erste dieser sieben Könige war Jerobeam. Über ihn lesen wir, dass er „zwei goldene Kälber“ machte und zum Volk sprach:„Es ist zuviel für euch, dass ihr hinauf nach Jerusalem geht; siehe, da ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat. Und er stellte eins in Bethel auf, und das andere tat er nach Dan. Er baute auch ein Höhenheiligtum und machte Priester aus allerlei Leuten, die nicht von den Söhnen Levi waren. Und er machte ein Fest am fünfzehnten Tag des achten Monats wie das Fest in Juda und opferte auf dem Altar.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jörg
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Kapitel 1 Elias dramatisches Auftreten(1)

Beitragvon Jörg » 28.05.2016 08:09

So tat er in Bethel, dass er den Kälbern opferte, die er gemacht hatte, und bestellte in Bethel Priester für die Höhen, die er gemacht hatte ...“ (1.Kön. 12,28-32). Interessanterweise begann der Abfall mit der Entartung der Priesterschaft, indem nämlich in den göttlichen Dienst Männer eingesetzt wurden, die nie von Gott berufen und ausgerüstet waren! Von dem nächsten König, Nadab, heißt es: „und [er] tat, was dem HERRN missfiel, und wandelte in dem Wege seines Vaters und in seiner Sünde, womit dieser Israel sündigen gemacht hatte“(1.Kön. 15,26). Sein Nachfolger auf dem Thron war ausgerechnet der Mann, der ihn ermordete, Bascha (1.Kön. 15,27). Als nächstes kam Ela, ein Trunkenbold, der nun seinerseits zum Mordopfer wurde (1.Kön. 16,8-9). Sein Nachfolger Simri war der Verschwörung schuldig (1.Kön. 16,20). Nach ihm kam ein militanter Abenteurer namens Omri, über den gesagt wird: „Und Omri tat, was dem HERRN missfiel, und trieb es ärger als alle, die vor ihm gewesen waren, und wandelte in allen Wegen Jerobeams, des Sohnes Nebats, und in seiner Sünde, durch die dieser Israel sündigen machte, dass sie den HERRN, den Gott Israels, erzürnten durch ihre Abgötterei“ (1.Kön. 16,25-26). Der Kreis des Bösen schloss sich mit Omris Sohn, denn er war sogar noch niederträchtiger als jene, die ihm vorangegangen waren.


Und Ahab, der Sohn Omris „tat, was dem HERRN missfiel, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren. Es war noch das Geringste, dass er wandelte in der Sünde Jerobeams, des Sohnes Nebats; er nahm sogar Isebel, die Tochter Etbaals, des Königs der Sidonier, zur Frau und ging hin und diente Baal und betete ihn an“ (1.Kön. 16,30-31). Diese Heirat Ahabs mit einer heidnischen Prinzessin zog, wie zu erwarten war (denn wir können Gottes Gesetz nicht ungestraft mit Füßen treten), die fürchterlichsten Folgen nach sich. In kurzer Zeit verschwand jede Spur echter Anbetung Jehovas aus dem Land, und offener Götzendienst nahm überhand. Die goldenen Kälber wurden zu Dan und Bethel angebetet, ein Tempel für Baal war in Samaria erbaut worden, die „Haine“ zu Ehren Baals waren allerorts sichtbar, und die Baalspriester erlangten gänzlich die Kontrolle über das religiöse Leben Israels. Es wurde offen erklärt, dass Baal lebte und dass Jehova nicht länger existierte. Der schockierende Stand der Dinge wird deutlich an Sätzen wie „[Ahab] machte ein Bild der Aschera, so dass Ahab mehr tat, den HERRN, den Gott Israels zu erzürnen, als alle Könige von Israel, die vor ihm gewesen waren“ (1.Kön. 16,33). Die Verhöhnung Gottes, des Herrn und die dreiste Bosheit hatten jetzt ihren Höhepunkt erreicht. Dies wird ferner deutlich durch den Satz „Zur selben Zeit baute Hiel von Bethel Jericho wieder auf“ (V. 34). Das war eine schreckliche Unverschämtheit, denn von alters her steht geschrieben: „Zu dieser Zeit ließ Josua schwören: Verflucht vor dem HERRN sei der Mann, der sich aufmacht und diese Stadt Jericho wieder aufbaut! Wenn er ihren Grund legt, das koste ihn seinen erstgeborenen Sohn, und wenn er ihre Tore setzt, das koste ihn seinen jüngsten Sohn!“ (Jos. 6,26).
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Sonja
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Das Leben des Elia - Kapitel 1 Elias dramatisches Auftreten

Beitragvon Sonja » 03.06.2016 17:12

Die Wiederauferbauung des verfluchten Jericho war eine offene Verhöhnung Gottes. Inmitten dieser geistlichen Finsternis und Entartung nun erschien auf der öffentlichen Bühne mit dramatischer Plötzlichkeit ein einsamer, doch beeindruckender Zeuge des lebendigen Gottes. Ein berühmter Kommentator begann seine Anmerkungen zu 1.Könige 17 mit den Worten: „Der erhabenste aller Propheten, Elia, wurde während der Regentschaft des gottlosesten aller Könige Israels erweckt.“ Das ist eine kurze, aber treffende Zusammenfassung der Situation, in der sich Israel damals befand, und obendrein ein Schlüssel für das, was folgt. Man kann wirklich traurig werden, wenn man sich die furchtbaren Zustände vor Augen führt, die damals herrschten. Jegliches Licht war ausgelöscht, jede Stimme göttlichen Zeugnisses zum Schweigen gebracht worden. Über alles hatte sich geistlicher Tod gebreitet, und es sah so aus, als habe der Satan wahrlich die Herrschaft über die Lage errungen. „Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der HERR, der Gott Israels lebt, vor dem ich stehe: es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn“ (1.Kön. 17,1). Jetzt erweckte sich Gott mit hoher Hand selbst einen mächtigen Zeugen. Elia wird uns hier auf sehr abrupte Weise vorgestellt. Nichts wird über sein Elternhaus oder sein bisheriges Leben berichtet. Wir wissen nicht einmal, welchem Stamm er angehörte, wenn auch die Tatsache, dass er „aus Tischbe in Gilead“ kam, darauf hinweist, dass er wahrscheinlich zu Gad oder Manasse gehörte, denn unter diese beiden war Gilead aufgeteilt. Gilead lag östlich des Jordans. Es war wild und zerklüftet; seine Hügel waren von rauhen Wäldern bedeckt; seine furchterregenden Einöden waren nur von dahineilenden Gebirgsbächen unterbrochen; seine Täler waren das Jagdgebiet wilder Raubtiere.

Wie gesagt, Elia wird uns in dem göttlichen Bericht auf eigenartige Weise vorgestellt, ohne dass uns zuvor irgendetwas über seine Vorfahren oder sein bisheriges Leben gesagt wird. Ich glaube, dass ein typologischer Grund dafür vorliegt, weshalb der Geist nichts über Elias Herkunft sagt. Wie bei Melchisedek ist der Beginn und der Abschluss seiner Geschichte in ein heiliges Mysterium gehüllt. Wie das Fehlen jeglicher Erwähnung von Melchisedeks Geburt oder Tod von Gott beabsichtigt war, um die ewige Priesterschaft und Königsherrschaft Christi vorzuschatten, so kennzeichnen die Tatsache, dass wir nichts über Elias Vater und Mutter wissen, und die weitere Tatsache, dass er diese Welt auf übernatürliche Weise verließ, ohne durch die Pforten des Todes zu gehen, ihn als den typologischen Vorläufer des ewigen Propheten. Somit deutet die Fortlassung solcher Einzelheiten auf die Endlosigkeit des prophetischen Amtes Christi. Die Herkunft Elias „aus Tischbe in Gilead“ wird sicherlich mit der Absicht erwähnt, ein Streiflicht auf seine natürliche Prägung zu werfen – die doch einen so großen Einfluss auf die Formung des Charakters ausübt. Die Menschen in jenen Bergen spiegelten das Wesen ihrer Umgebung wider: Sie waren rauh und schroff, ernsthaft und unnachgiebig, sie wohnten in einfachen Dörfern und lebten von ihren Schafherden. Vom Leben in der freien Natur gestählt, mit einem Gewand aus Kamelhaar bekleidet, daran gewöhnt, den Großteil seiner Zeit in Einsamkeit zu verbringen, im Besitz sehniger Kräfte, die ihn große physische Belastung aushalten ließen – so bildete Elia einen deutlichen Kontrast zu den Städtern im Flachland und, ganz besonders, zu den verweichlichten Höflingen des Palastes.

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Das Leben des Elia - Kapitel 1 Elias dramatisches Auftreten

Beitragvon Sonja » 06.06.2016 07:41

Wie alt er war, als der Herr ihm erstmals eine persönliche errettende Offenbarung Seiner selbst schenkte, können wir nicht wissen, ebenso, wie wir auch keine Informationen über seine religiöse Ausbildung besitzen. In einem späteren Kapitel gibt es jedoch einen Satz, der uns eine bestimmte Vorstellung davon vermittelt, von welchem geistlichen Kaliber dieser Mann war – „Ich habe geeifert für den HERRN, den Gott Zebaoth“ (1.Kön. 19,10). Die Worte können nur bedeuten, dass Gottes Herrlichkeit ihm sehr am Herzen lag und dass die Ehre Seines Namens für ihn wichtiger war als alles andere. Folglich muss er tief betrübt und von heiligem Zorn erfüllt worden sein, als er mehr und mehr erfuhr, wie weit Israels Abfall von Jehova vorangeschritten war.

Es kann wenig Zweifel darüber geben, dass Elia gründlich vertraut mit der Heiligen Schrift war, besonders mit den ersten Büchern des Alten Testaments. In dem Wissen, wie viel der Herr für die Kinder Israel getan und welche außerordentlichen Gunstbeweise Er ihnen gegeben hatte, muss es ihn sehnsüchtig danach verlangt haben, dass sie Ihm gefielen und zu Seiner Ehre lebten. Doch als er erfuhr, dass dies absolut nicht der Fall war, und als Nachrichten ihn erreichten von dem, was auf der anderen Seite des Jordan geschah, als er Kenntnis darüber erhielt, wie Isebel Gottes Altäre abgerissen, Seine Priester ermordet und durch die heidnischen Götzenpriester ersetzt hatte, muss seine Seele von Schrecken erfüllt gewesen sein, und sein Blut muss vor Zorn gekocht haben, denn er hat „geeifert für den HERRN, den Gott Zebaoth“. Wären doch auch wir heute mehr von diesem gerechten Zorn erfüllt und getrieben!

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Das Leben des Elia - Kapitel 1 Elias dramatisches Auftreten

Beitragvon Sonja » 09.06.2016 09:16

Die Frage, die Elia jetzt am meisten quälte, war vermutlich: Wie sollte er handeln? Was konnte er tun – er, ein rauhes, unkultiviertes Kind der Wüste? Je mehr er darüber nachsann, umso schwieriger muss ihm die Lage erschienen sein; und sicher flüsterte ihm der Satan ins Ohr: „Du kannst gar nichts tun, die Zustände sind hoffnungslos.“ Doch, eines konnte er tun: Er konnte sich an jene großartige Hilfsquelle aller tief angefochtenen Seelen wenden – er konnte beten. Und das tat er: Wie uns Jakobus berichtet: Er betete „ernstlich“ (Jak. 5,17). Er betete, weil er gewiss war, dass Gott, der Herr lebte und über allem herrschte. Er betete, weil ihm bewusst war, dass Gott allmächtig ist und dass bei Ihm alle Dinge möglich sind. Er betete, weil er seine eigene Schwachheit und Unfähigkeit spürte, und deshalb wandte er sich an denjenigen, der mit Stärke bekleidet und aus sich selbst heraus uneingeschränkt fähig ist.

Doch um wirksam zu sein, muss das Gebet auf Gottes Wort gegründet sein, denn ohne Glauben ist es unmöglich, Ihm zu gefallen, und „Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi“ (Rö. 10,17). Nun, ein bestimmter Abschnitt in den frühen Büchern der Schrift scheint sich Elia in besonderer Weise ins Bewusstsein geprägt zu haben: „Hütet euch aber, dass sich euer Herz nicht betören lässt, dass ihr abfallet und dienet andern Göttern und betet sie an, und dass dann der Zorn des HERRN entbrenne über euch und schließe den Himmel zu, so dass kein Regen kommt und die Erde ihr Gewächs nicht gibt“ (5.Mose 11,16-17). Genau das war das Verbrechen, dessen Israel sich jetzt schuldig gemacht hatte: Sie waren abgefallen und hatten falschen Göttern gedient. Man stelle sich nun vor, dieses göttlich angedrohte Gerichtsurteil würde nicht vollzogen werden – würde es nicht wahrlich so aussehen, als wäre Jehova nur ein Mythos, eine tote Überlieferung? Und Elia hatte „geeifert für den HERR, den Gott Zebaoth“ und folglich „betete er ein Gebet, dass es nicht regnen sollte“ (Jak. 5,17). Daraus lernen wir einmal mehr, was wahres Gebet bedeutet: es bedeutet Glaube, der sich an Gottes Wort festmacht, es vor Ihm geltend macht und sagt, „Tu, wie du geredet hast“ (2.Sam. 7,25).

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Das Leben des Elia - Kapitel 1 Elias dramatisches Auftreten

Beitragvon Sonja » 10.06.2016 07:23

„Er betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte.“ Vielleicht fragt so mancher, der dies liest, ‚War das nicht ein schreckliches Gebet?‘ Ich stelle die Gegenfrage: War es nicht noch viel schrecklicher, dass die geliebten Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs, Gott, den Herrn verachteten, sich von Ihm abwandten und Ihn dreist verhöhnten, indem sie Baal anbeteten? Sollte der dreimal Heilige angesichts solcher Frevel die Augen zudrücken? Sollten Seine gerechten Gesetze ungestraft mit Füßen getreten werden? Sollte Er es ablehnen, die gerechtfertigten Strafen zu vollziehen? Welches Bild würden sich die Menschen von Gottes Wesen machen, wenn Er ihre offene Verhöhnung Seiner selbst einfach ignorierte? Die Heilige Schrift gibt die Antwort: „Weil das Urteil über böses Tun nicht sogleich ergeht, wird das Herz der Menschen voll Begier, Böses zu tun“ (Pred. 8,11). Doch nicht nur das, sondern, wie Gott weiter bezeugt: „Das tust du, und ich schweige; da meinst du, ich sei so wie du. Aber ich will dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen“ (Ps. 50,21).

O meine Leser, es gibt weitaus Schrecklicheres als physisches Elend und Leid, nämlich moralische Verbrechen und geistliche Abtrünnigkeit. Dass das heute so selten erkannt wird! Was sind Verbrechen gegen Menschen im Vergleich mit mutwilligen Sünden gegen Gott? Und was sind nationale Notlagen im Vergleich mit dem Verlust von Gottes Wohlwollen? Elia hatte eine wahre Einschätzung der Werte: Er „hatte geeifert für den HERRN, den Gott Zebaoth“, und deswegen betete er ernstlich, dass es nicht regnen sollte. Schlimme Krankheiten erfordern drastische Kuren. Und während er betete, erlangte Elia Gewissheit, dass seine Bitte erhört wurde und dass er zu Ahab gehen und es ihm mitteilen musste. Ungeachtet der Gefahren, denen sich der Prophet persönlich aussetzte, mussten doch der König und seine Untertanen den Zusammenhang zwischen der schrecklichen Dürre und ihren Sünden lernen, die dazu geführt hatten.

Die Aufgabe, vor der Elia jetzt stand, war außergewöhnlich und erforderte außergewöhnlichen Mut. Als ungebildeter Bauer ohne Einladung vor einen König treten zu müssen, der den Himmel verhöhnte, konnte selbst den Tapfersten das Fürchten lehren; um so mehr, wenn der König eine heidnische Lebensgefährtin hatte, die nicht davor zurückschreckte, alle zu töten, die sich ihrem Willen widersetzten, ja, die bereits viele der Diener Gottes hatte hinrichten lassen. Welche Wahrscheinlichkeit bestand denn für diesen einsamen Gileaditen, mit dem Leben davonzukommen? „Der Gerechte aber ist furchtlos wie ein junger Löwe“ (Spr. 28,1). Die mit Gott im Reinen sind, lassen sich weder von Schwierigkeiten einschüchtern noch von Gefahren entmutigen. „Ich fürchte mich nicht vor vielen Tausenden, die sich ringsum wider mich legen“ (Ps. 3,7). „Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich doch mein Herz nicht“ (Ps. 27,3). Das ist die selige Gelassenheit jener, die ein unbelastetes Gewissen haben und deren Vertrauen auf den lebendigen Gott gerichtet ist.

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Das Leben des Elia - Kapitel 1 Elias dramatisches Auftreten

Beitragvon Sonja » 13.06.2016 07:24

Die Stunde der Durchführung seiner ernsten Aufgabe war gekommen, und Elia verlässt seine Heimat in Gilead, um Ahab seine Gerichtsbotschaft zu überbringen. Stellen wir ihn uns vor, auf seiner langen und einsamen Reise. Welche Gedanken beschäftigten ihn? Erinnerte er sich, wie Mose zu einer ähnlichen Mission aufbrach, als er von dem Herrn gesandt war, dem hochmütigen Monarchen Ägyptens sein Ultimatum zu überbringen? Nun, die Botschaft, die ihm auf dem Herzen lag, würde für den entarteten König Israels keineswegs schmackhafter sein. Doch solche Erinnerungen mussten ihn in keiner Weise aufhalten oder einschüchtern: Im Gegenteil, das Gedenken an jenes Geschehen sollte seinen Glauben stärken. Der Herr Gott hatte seinen Knecht Mose nicht im Stich gelassen, sondern hatte Seinen mächtigen Arm um seinetwillen ausgestreckt und ihm am Ende vollständiges Gelingen geschenkt. Die Wunderwerke Gottes in der Vergangenheit sollten Seinen Knechten und Heiligen der Gegenwart immer neuen Mut geben.

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Das Leben des Elia - Kap. 2 Die Himmel werden verschlossen

Beitragvon Sonja » 13.06.2016 07:33

Das Leben des Elia
Kap. 2 Die Himmel werden verschlossen


„Wenn der Bedränger kommen wird wie ein Strom, so wird der Hauch Jehovas ihn in die Flucht schlagen“ (Jes. 59,19, Elberf.). Wofür steht die Formulierung, der Bedränger wird kommen „wie ein Strom“? Es handelt sich hier um ein anschauliches, ausdrucksstarkes Bild: Das Bild einer außerordentlichen Flut, die zur Überschwemmung des Landes führt, zur Gefährdung von Besitz und Leben, einer Flut, die alles mit sich zu reißen droht. Treffend beschreibt dieses Bild eine moralische Erfahrung, welche die Welt im allgemeinen, und von Gott stark begünstigte Länder im besonderen, im Laufe der Geschichte des öfteren gemacht haben. Wieder und wieder erhoben sich Fluten des Bösen, Fluten von so alarmierenden Ausmaßen, dass es schien, als würde es dem Satan gelingen, alles Heilige vor sich zu zerschlagen, wenn durch ein Überschwemmen von Götzendienst, Gottlosigkeit und Gesetzlosigkeit das Anliegen Gottes in akuter Gefahr schien, völlig hinweggefegt zu werden.

„Wenn der Bedränger kommen wird wie ein Strom“. Wir brauchen uns nur den Zusammenhang anzusehen, um zu entdecken, was mit dieser Formulierung gemeint ist. „Wir harren auf Licht, siehe, so ist’s finster, auf Helligkeit, siehe, so wandeln wir im Dunkeln. Wir tasten an der Wand entlang wie die Blinden und tappen wie die, die keine Augen haben ... Denn wir sind zu oft von dir abgefallen, und unsere Sünden zeugen gegen uns: abtrünnig sein und den HERRN verleugnen und abfallen von unserm Gott, Frevel reden und Ungehorsam, Lügenworte ausdenken und bedenkenlos daherreden. Das Recht ist zurückgewiesen, und die Gerechtigkeit hat sich entfernt; denn die Wahrheit ist auf der Gasse zu Fall gekommen, und die Aufrichtigkeit findet keinen Eingang. Und die Wahrheit ist dahin, und wer vom Bösen weicht, muss sich ausplündern lassen“ (Jes. 59,9-15). Dennoch, wenn der Teufel eine Flut von Lügen und Irrlehren losgelassen und Gesetzlosigkeit überhand genommen hat, dann greift der Geist Gottes ein und macht die Absicht des Satans zunichte.

Die zitierten Verse beschreiben treffend die furchtbaren Zustände, die in Israel unter der Regentschaft Ahabs und seiner heidnischen Frau Isebel herrschten. Wegen ihrer übermäßig vielen Sünden hatte Gott das Volk in Blindheit und Finsternis dahingegeben, und ein Geist der Falschheit und des Wahnsinns hatte von ihren Herzen Besitz ergriffen. Folglich war die Wahrheit auf der Gasse zu Fall gekommen, von der Menge unbarmherzig mit Füßen getreten. Götzendienst war zur Staatsreligion geworden: Die Anbetung des Baal war an der Tagesordnung: Boshaftigkeit war allerorts vorherrschend. Der Feind war in der Tat wie ein Strom hereingekommen, und es sah so aus, als gäbe es kein Aufhalten mehr für seine verheerenden Kräfte. Doch dann richtete der Geist des Herrn ein Feldzeichen gegen ihn auf und ließ öffentlich verkünden, dass der Gott Israels äußerstes Missfallen an den Sünden des Volkes hatte und ihnen ihre Ungerechtigkeit jetzt heimzahlen würde. Dieses himmlische Feldzeichen wurde durch die Hand Elias aufgerichtet.

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Das Leben des Elia - Kap. 2 Die Himmel werden verschlossen

Beitragvon Sonja » 18.06.2016 09:13

Niemals ließ Gott die Erde ohne Zeugen Seiner Gegenwart zurück. Selbst in den finstersten Zeiten der Menschheitsgeschichte hat der Herr ein Zeugnis von sich selbst aufgerichtet und bewahrt. Weder Verfolgung noch Entartung konnten es vollständig vernichten. In den Tagen vor der Sintflut, als die Welt von Gewalttätigkeit erfüllt war und alles Fleisch in seinem Wandel entartet war, hatte Jehova als Sein Sprachrohr einen Henoch und einen Noah. Als die Hebräer in Ägypten in elende Sklaverei geraten waren, beauftragte der Allerhöchste Mose und Aaron als Seine Botschafter, und in den nachfolgenden Epochen ihrer Geschichte wurde ein Prophet nach dem anderen zu ihnen gesandt. Ebenso war es auch in der gesamten Geschichte des Christentums: In den Tagen Neros, in der Zeit Karls des Großen, und selbst im finsteren Mittelalter wurde – trotz dem unablässigen Widerstand des Papsttums – das Licht der Wahrheit niemals ausgelöscht. Und so sehen wir auch hier in 1. Könige 17 die unwandelbare Treue Gottes zu Seinem Bund, indem Er einen Mann ins Geschehen bringt, der für Seine Ehre eiferte und der sich nicht fürchtete, Seine Feinde öffentlich anzuprangern.

Nachdem wir die Bedeutsamkeit seines besonderen Amtes und seine geheimnisvolle Persönlichkeit betrachtet haben, wollen wir uns nun mit seinem Namen befassen. Er hat eine sehr treffende und ausdrucksstarke Bedeutung, denn Elia kann übersetzt werden mit „Mein Gott ist Jehova“ oder „Jehova ist mein Gott“. Die abtrünnige Nation hatte Baal als ihre Gottheit angenommen, doch der Name unseres Propheten proklamierte den wahren Gott Israels. Aus der Analogie der Heiligen Schrift dürfen wir den sicheren Schluss ziehen, dass ihm dieser Name von seinen Eltern vermutlich unter prophetischem Einfluss oder als Folge einer göttlichen Mitteilung gegeben wurde. Wer mit Gottes Wort vertraut ist, wird diesen Gedanken nicht als schwärmerisch abtun. Lamech nannte seinen Sohn Noah „und sprach: Der wird uns trösten in unserer Mühe und Arbeit“ (1.Mose 5,29) – ‚Noah‘ bedeutet ‚Ruhe‘ oder ‚Trost‘. Joseph gab seinen Söhnen Namen, die Gottes besondere Vorsehung in seinem Leben zum Ausdruck brachten (1.Mose 41,51-52). Der Name, den Hanna ihrem Sohn gab (1.Sam. 1,20), und derjenige, den Pinhas Frau dem ihrigen gab (1.Sam. 4,19-22), sind weitere Beispiele.

Wir können beobachten, dass der gleiche Grundsatz für viele Orte gilt, die in der Schrift erwähnt werden: Babel (1.Mose 11,9); Beerscheba (1.Mose 21,31); Messa und Meriba (2.Mose 17,7) und Kabul (1.Kön. 9,13) sind Belege hierfür; in der Tat: niemand, der die Heilige Schrift verstehen möchte, kann auf ein sorgfältiges Studium der Bedeutung von Namen verzichten. Wie wichtig dies ist, lässt sich am Beispiel unseres Herrn selbst bestätigen, denn als Er den Blinden aufforderte, sich im Teich Siloah zu waschen, wird sogleich hinzugefügt: „das heißt übersetzt: gesandt“ (Joh. 9,7). Und wiederum, als Matthäus von dem Befehl des Engels an Joseph berichtete, den Erretter Jesus zu nennen, bewegte ihn der Geist hinzuzufügen: „Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: ‚Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben‘, das heißt übersetzt: Gott mit uns“ (1,21; 23). Vergleiche auch die Worte „das heißt übersetzt“ in Apg. 4,36 und Heb. 7,1-2.

So sehen wir, dass das Vorbild der Apostel uns berechtigt, aus den Namen Unterweisung abzuleiten (denn viele, wenn nicht alle, verkörpern bedeutende Wahrheiten); doch dies muss maßvoll und gemäß der Analogie der Schrift geschehen, und nicht dogmatisierend oder um neue Lehren aufzurichten. Wie treffend der Name Elia zu der Mission und der Botschaft des Propheten passt, wird sogleich deutlich, und auch, welchen Trost jedes Nachsinnen darüber für ihn bedeuten würde! Mit seinem auffälligen Namen können wir ferner die Tatsache koppeln, dass der Heilige Geist ihn den „Tischbiter“ nennt, was ihn interessanterweise als den „Fremden“ auszeichnet. Und wir müssen auch das weitere Detail zur Kenntnis nehmen, dass er aus „Gilead“ stammte, was felsig bedeutet, wegen der bergigen
Natur jener Gegend. Immer sind es solche Menschen, die Gott nimmt und in einem kritischen Augenblick benutzt: Menschen, die ganz und gar für Ihn da sind, abgesondert von den religiösen Übeln ihrer Zeit, und die in der Höhe wohnen; Menschen, die inmitten furchtbaren Verfalls das Zeugnis Gottes in ihren Herzen tragen.

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Das Leben des Elia - Kap. 2 Die Himmel werden verschlossen

Beitragvon Sonja » 20.06.2016 08:36

„Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn“ (1.Kön. 17,1). Dieses denkwürdige Ereignis geschah etwa 860 Jahre vor der Geburt Christi. Was seine dramatische Plötzlichkeit, seine außerordentliche Kühnheit und seinen erstaunlichen Charakter betrifft, sucht es in der Geschichte der Heiligen seinesgleichen. Unangekündigt und unbeachtet erschien ein schlichter Mann in bescheidenem Gewand vor Israels abtrünnigem König als Botschafter Jehovas und als Herold eines schrecklichen Gerichtes. Niemand am Hof wusste viel, wenn überhaupt irgend etwas über ihn, denn er war gerade erst aus der unbekannten Ferne Gileads aufgetaucht, um – mit den Schlüsseln des Himmels in der Hand – vor Ahab zu stehen. So sind häufig die Menschen, die Gott sich als Zeugen Seiner Wahrheit aussucht. Auf Seinen Befehl hin kommen sie und ziehen sie los; sie gehen nicht aus den Reihen der Einflussreichen und Gebildeten hervor. Sie sind nicht das Erzeugnis dieser Weltordnung, und die Welt setzt ihnen auch keinen Lorbeerkranz auf.

„So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.“ In dieser Formulierung „der HERR, der Gott Israels, lebt“ ist weit mehr enthalten, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Beachte, dass es nicht einfach heißt „der HERR Gott lebt“, sondern, „der HERR, der Gott Israels, lebt“ – im Unterschied zu der weitergefassten Formulierung „der HERR der Heerscharen“. Dadurch werden mindestens drei Dinge zum Ausdruck gebracht. Erstens, „der Herr, der Gott Israels“ legt vornehmliche Betonung auf Seine besondere Beziehung zu der privilegierten Nation: Jehova war ihr König, ihr Regent, derjenige, mit dem sie es zu tun hatten, derjenige, mit dem sie in ein feierliches Bündnis getreten waren. Zweitens, Ahab wird dadurch in Kenntnis gesetzt, dass Er lebt. Diese grandiose Tatsache war offensichtlich in Frage gestellt worden. Während der Regentschaften mehrerer aufeinanderfolgender Könige hatte Israel Jehova offen verspottet und verhöhnt, ohne dass daraus schmerzhafte Konsequenzen erfolgt wären; und so hatte sich die falsche Vorstellung breitgemacht, dass der Herr gar nicht wirklich existierte. Drittens, diese Erklärung „der HERR, der Gott Israels, lebt“ betonte einen markanten Gegensatz zu den leblosen Götzen, deren Ohnmacht offenbar gemacht werden sollte – ihre Unfähigkeit, ihre verblendeten Anhänger vor Gottes Zorn zu retten.

Wenngleich Gott, aus weisen Gründen, die Er allein kennt, „mit großer Geduld ertragen [hat] die Gefäße des Zorns“ (Rö. 9,22), so liefert Er doch den gesamten Lauf der Menschheitsgeschichte hindurch klare und ausreichende Beweise, dass Er auch jetzt noch der Herrscher über die Gottlosen und der Vergelter der Sünde ist. Ein solcher Beweis wurde Israel damals geliefert. Ungeachtet des Friedens und Wohlstands, die das Königreich lange genossen hatte, war der Herr äußerst erzürnt über die ungeheuerliche Art und Weise, wie Er in aller Öffentlichkeit geschmäht worden war, und die Zeit war gekommen, das widerspenstige Volk ernsthaft zu züchtigen. Folglich sandte Er Elia zu Ahab, um die Art und Dauer Seiner Geißel anzukündigen. Es gilt zu beachten, dass der Prophet mit seiner furchteinflößenden Botschaft nicht zum Volk, sondern zum König selbst ging – zu dem verantwortlichen Haupt, demjenigen, der es in seiner Hand gehabt hätte, das Falsche zu korrigieren, indem er alle Götzen aus seinem Herrschaftsgebiet verbannt hätte.

Elia war jetzt berufen, eine höchst unschmackhafte Botschaft an den mächtigsten Mann von ganz Israel zu überbringen, aber in dem Bewusstsein, dass Gott mit ihm war, schreckte er nicht vor einer solchen Aufgabe zurück. Indem er Ahab plötzlich gegenübertrat, machte Elia ihm augenblicklich deutlich, dass er jemandem gegenüberstand, der keine Furcht vor ihm hatte, auch wenn er der König war. Seine ersten Worte setzten Israels entarteten Monarchen in Kenntnis, dass er es mit dem lebendigen Gott zu tun hatte. „So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt“ war ein freimütiges Bekenntnis des Propheten zu seinem Glauben, gleichzeitig lenkte es die Aufmerksamkeit auf denjenigen, den Ahab verraten hatte. „Vor dem ich stehe“: (d. h., dessen Knecht ich bin – vergl. 5.Mose 10,8; Lk. 1,19); in dessen Namen ich zu dir komme, auf dessen Glaubwürdigkeit und Kraft ich mich unerschütterlich verlasse, dessen unbeschreiblicher Gegenwart ich mir jetzt bewusst bin, und zu dem ich gebetet habe und der mir geantwortet hat.

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Sonja
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Das Leben des Elia - Kap. 2 Die Himmel werden verschlossen

Beitragvon Sonja » 24.06.2016 10:39

„Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen geben, ich sage es denn.“ Was für eine furchtbare Aussicht! Aus der Formulierung „Frühregen und Spätregen“ (5.Mose 11,14; Jer. 5,24) können wir folgern, dass es in Palästina normalerweise eine Trockenzeit von mehreren Monaten gab: doch wenn auch während dieser Zeiten kein Regen fiel, so legte sich doch nachts ein kräftiger Tau auf die Vegetation und erfrischte sie. Aber dass weder Tau noch Regen fallen sollte, noch dazu über einen Zeitraum von Jahren, war in der Tat ein fürchterliches Gericht. Jenes Land, so reich und fruchtbar, dass es das Land genannt wurde, „in dem Milch und Honig fließt“, würde schnell in ein Land der Trockenheit und Dürre verwandelt werden, in dem Hungersnot, Pest und Tod herrschten. Und wenn Gott den Regen entzieht, kann niemand ihn schaffen. „Ist denn unter den Götzen der Heiden einer, der Regen geben könnte?“ (Jer. 14,22) – wie offenbart dies doch die völlige Ohnmacht der Götzen und den Wahnsinn derer, die sie anbeten!

Die hohe Anforderung, die Elia bevorstand, Ahab gegenüberzutreten und eine solche Botschaft zu überbringen, erforderte mehr als gewöhnliche moralische Stärke. Das wird umso deutlicher, wenn wir uns einem Detail zuwenden, das von den Kommentatoren anscheinend weitgehend übersehen wurde und das nur sichtbar wird, wenn wir sorgfältig die Heilige Schrift mit sich selbst vergleichen. Elia sagte dem König, „es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen“, während es in 1.Kön. 18,1 weiter heißt: „Nach einer langen Zeit kam das Wort des Herrn zu Elia im dritten Jahr: Geh hin und zeige dich Ahab, denn ich will regnen lassen auf die Erde.“ Andererseits erklärt Christus: „Es waren viele Witwen in Israel zur Zeit des Elia, als der Himmel verschlossen war drei Jahre und sechs Monate und eine große Hungersnot herrschte im ganzen Lande“ (Lk. 4,25). Wie sollen wir uns diese zusätzlichen sechs Monate erklären? Folgendermaßen: Es herrschte bereits seit sechs Monaten Trockenheit, als Elia zu Ahab ging: Wir können uns gut vorstellen, wie ungehalten der König war, als ihm mitgeteilt wurde, dass die furchtbare Trockenheit weitere drei Jahre andauern sollte!

Ja, die unangenehme Aufgabe, vor der Elia stand, verlangte keine gewöhnliche Entschlossenheit und Kühnheit, und wir mögen uns wohl fragen: Was war das Geheimnis seines bemerkenswerten Mutes, wie können wir uns seine Stärke erklären? Einige jüdische Rabbiner vertraten die Ansicht, er sei ein Engel gewesen; doch das kann nicht sein, denn das Neue Testament informiert uns ausdrücklich, dass er „ein Mensch von gleichen Gemütsbewegungen wie wir“ war (Jak. 5,17, Elberf.). Ja, er war nur „ein Mensch“, aber er zitterte nicht in der Gegenwart eines Monarchen. Nur ein Mensch, aber er hatte Macht, die Fenster des Himmels zu verschließen und die Flüsse der Erde auszutrocknen. Doch kommen wir auf die Frage zurück: Wie sollen wir uns die völlige Gewissheit erklären, mit der er die langanhaltende Dürre voraussagte, seine Zuversicht, dass alles gemäß seinem Wort geschehen würde? Wie kam es, dass einer, der in sich selbst so schwach war, mächtig wurde im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören?

Ich meine, es gibt eine dreifache Lösung für das Geheimnis von Elias Kraft. Erstens, sein Beten. „Elia war ein Mensch von gleichen Gemütsbewegungen wie wir; und er betete ernstlich, dass es nicht regnen möge, und es regnete nicht auf der Erde drei Jahre und sechs Monate“ (Jak. 5,17, Elberf.). Beachten wir, dass der Prophet sein inständiges Gebet nicht nach seinem Auftritt vor Ahab betete, sondern sechs Monate vorher! Hierin liegt die Erklärung für seine Gewissheit und für seine Kühnheit vor dem König. Persönliches Gebet war für ihn die Kraftquelle bei seinem öffentlichen Auftreten: Er konnte furchtlos in der Gegenwart des gottlosen Monarchen stehen, weil er zuvor in Demut vor Gott auf seinen Knien gelegen hatte. Doch lasst uns auch sorgfältig beachten, dass der Prophet „ernstlich“ betete: Sein Gebet war nicht von einer förmlichen, geistlosen Frömmigkeit geprägt, die nichts bewegte, sondern von einem aufrichtigen, inbrünstigen und wirksamen Glauben.

Zweitens, seine Erkenntnis Gottes. Diese wird klar in seinen Worten an Ahab angedeutet, „So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt“. Jehova war für ihn lebendige Wirklichkeit. Um ihn herum hatte jegliche öffentliche Anerkennung Gottes aufgehört: nach dem äußeren Anschein zu urteilen, gab es in Israel keine einzige Seele mehr, die an Seine Existenz glaubte. Elia ließ sich nicht von der öffentlichen Meinung und Praktik beeinflussen. Warum sollte er, wenn er doch in seinem eigenen Herzen eine Erfahrung gemacht hat, die ihn mit Hiob sagen ließ: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“! Die Treulosigkeit und der Atheismus anderer kann nicht den Glauben eines Menschen erschüttern, der Gott für sich selbst ergriffen hat. Das ist es, was Elias Mut erklärt, ebenso, wie bei einer späteren Begebenheit die kompromisslose Treue Daniels und seiner drei hebräischen Gefährten. Wer Gott wirklich kennt, ist stark (Dan. 11,32) und fürchtet keinen Menschen.

Drittens, sein Bewusstsein der göttlichen Gegenwart: „So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe. “Elia war sich nicht nur der Wirklichkeit der Existenz Jehovas gewiss, sondern er war sich auch bewusst, in Seiner Gegenwart zu sein. Auch wenn er vor die Person des Ahab trat, wusste der Prophet, dass er in der Gegenwart dessen war, der unendlich größer als jeder irdische Herrscher war, ja vor dem sich selbst die höchsten Engel in anbetender Verehrung verneigten. Gabriel selbst konnte kein größeres Bekenntnis abgeben, Lukas 1,19. O meine Leser, eine so wunderbare Gewissheit erhebt uns über jegliche Furcht. Wenn der Allmächtige mit ihm war, warum sollte der Prophet vor einem Wurm der Erde erzittern! Der HERR, der Gott Israels, lebt: „vor dem ich stehe“ – diese Aussage offenbart deutlich das Fundament, auf dem seine Seele ruhte, als er sich an die Durchführung seiner unangenehmen Aufgabe machte.

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Das Leben des Elia - Kap. 3 Der Bach Krit

Beitragvon Sonja » 29.06.2016 07:52

Das Leben des Elia
Kapitel 3 - Der Bach Krit


„Elia war ein Mensch von gleichen Gemütsbewegungen wie wir; und er betete ernstlich, dass es nicht regnen möge, und es regnete nicht auf der Erde drei Jahre und sechs Monate“ (Jak. 5,17, Elberf.). Elia wird uns hier als ein Beispiel dafür vor Augen geführt, was durch das ernstliche Gebet eines „Gerechten“ (V. 16) alles bewirkt werden kann. Meine lieben Leser, beachten Sie wohl das beschreibende Adjektiv, denn nicht jeder Mensch, nicht einmal jeder Christ, erhält definitive Antworten auf seine Gebete. Bei weitem nicht! Ein „Gerechter“ ist ein Mensch, der im praktischen Leben mit Gott in reinen ist: ein Mensch, dessen Wandel in Seinen Augen wohlgefällig ist, dessen Gewand unbefleckt von der Welt ist und der sich von religiösem Übel fernhält, denn kein Übel auf Erden ist auch nur halb so entehrend und missfallend für Gott wie religiöses Übel (siehe Lk. 10,12-15; Offb. 11,8). Ein solcher Mensch findet im Himmel offene Ohren, denn keine moralische Barriere steht zwischen seiner Seele und einem Gott, der Sünde hasst. „Was wir bitten, werden wir von ihm empfangen; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist“ (1.Joh. 3,22).

„Er betete ernstlich, dass es nicht regnen möge.“ Was für eine fürchterliche Bitte, die er hier der allerhöchsten Majestät vortrug! Welch unvorstellbare Not, welches Leid würde die Gewährung einer solchen Bitte mit sich bringen! Das liebliche Land Palästina würde in eine verdorrte, unfruchtbare Wüste verwandelt werden, und seine Einwohner würden von einer langen Hungersnot mit all ihren begleitenden Übeln dahingerafft werden. War denn dieser Prophet ein kalter, gefühlsarmer Stoiker, der keine natürlichen Empfindungen kannte? Wahrlich nicht! Der Heilige Geist hat sehr wohl darauf geachtet, uns in eben diesem Vers zu sagen, dass er „ein Mensch von gleichen Gemütsbewegungen wie wir“ war, und diese Aussage steht unmittebar vor dem Bericht von seinem furchtbaren Gebet. Was bedeutet diese Beschreibung in einem solchen Zusammenhang? Ich meine, folgendes: dass Elia sehr wohl zarte Empfindungen und warmherzige Wertschätzung für seine Zeitgenossen hatte, dass er aber in seinem Gebet über jegliche fleischliche Sentimentalität hinauswuchs.

Warum betete Elia, „dass es nicht regnen möge“? Nicht, weil er für menschliches Leid unempfindlich war, nicht, weil er teuflisches Vergnügen angesichts des Elends seiner Nachbarn empfand, sondern weil er Gottes Ehre allem anderen voranstellte, selbst seinen natürlichen Empfindungen. Erinnern wir uns, was ich in einem früheren Kapitel über die geistlichen Zustände gesagt habe, die damals in Israel herrschten. Nicht nur, dass es damals – wohin man im Lande auch blicken mochte – keine öffentliche Anerkennung Gottes mehr gab, sondern überall wurde Er durch Baalsanbeter öffentlich beleidigt und verhöhnt. Täglich stieg die Flut des Bösen höher und höher, bis sie nun praktisch alles vor sich her hinweggefegt hatte. Und Elia „eiferte für den HERR, den Gott Zebaoth“ (1.Kön. 19,10) und sehnte sich danach, Seinen großen Namen gerechtfertigt und Sein abtrünniges Volk erneuert zu sehen. Somit war es die Ehre Gottes und wahre Liebe für Israel, die ihn zu seiner Bitte bewegten.

Hierin liegt das herausragende Merkmal eines „Gerechten“, dessen Gebete bei Gott Erhörung finden: Ungeachtet seiner tiefsten Empfindungen, setzt er dennoch die Ehre des Herrn über alle anderen Erwägungen. Und Gott hat verheißen: „Wer mich ehrt, den will ich auch ehren“ (1.Sam. 2,30). Ach, wie oft treffen jene Worte auf uns zu: „Ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich damit ihr’s für eure Lüste vergeuden könnt“ (Jak. 4,3). Wir „bitten in übler Absicht“, wenn natürliche Gefühle uns beherrschen, wenn fleischliche Beweggründe uns veranlassen, wenn selbstsüchtige Überlegungen uns antreiben. Doch wie anders war es bei Elia! Er war tief beunruhigt durch die furchtbare Schmähung seines Meisters und sehnte sich danach, Ihn wieder in Seine rechtmäßige Stellung in Israel erhoben zu sehen. „Und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate.“ Der Prophet verfehlte sein Ziel nicht. Gott versäumt es nie zu handeln, wenn der Glaube sich auf dem Boden Seiner eigenen Herrlichkeit an Ihn wendet, und das war bei Elias Bitte eindeutig der Fall.

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Das Leben des Elia - Kap. 3 Der Bach Krit

Beitragvon Sonja » 04.07.2016 08:24

„Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden, wenn wir Hilfe nötig haben“ (Heb. 4,16). Dort, an dem wunderbaren Thron empfing Elia die Stärke, die er zu jenem Zeitpunkt so nötig hatte. Nicht nur war es von ihm verlangt, seine eigenen Kleider von der Bosheit unbefleckt zu halten, die ihn umgab, sondern er war berufen, einen heiligen Einfluss auf andere auszuüben, in einem entarteten Zeitalter für Gott zu handeln und ernsthafte Anstrengungen zu unternehmen, das Volk zum Gott ihrer Väter zurückzubringen. Wie notwendig war es daher, dass er viel Zeit unter dem Schirm des Höchsten verbrachte, um jene Gnade von Ihm zu erlangen, die allein ihn für seine schwierige und gefährliche Aufgabe zurüsten konnte: Nur so konnte er selbst vom Bösen befreit werden, und nur so konnte er hoffen, ein Werkzeug für die Befreiung anderer zu sein. Auf diese Weise zum Kampf gerüstet, machte er sich, angetan mit göttlicher Kraft, auf seinen Weg des Dienstes.

Der Zustimmung des Herrn sowie der Erhörung seines Gebetes gewiss und von dem Empfinden durchdrungen, dass der Allmächtige bei ihm war, trat Elia mutig vor den gottlosen Ahab und kündigte das göttliche Gerichthandeln gegen sein Königreich an. Doch wir wollen einen Augenblick innehalten, um uns diese mächtige Tatsache in ihrem vollen Ausmaß bewusst zu machen, denn sie erklärt die übermenschliche Kühnheit, die Gottes Knechte zu allen Zeiten bewiesen haben. Was machte Mose so mutig vor dem Pharao? Was befähigte den jungen David, hinauszugehen und Goliath entgegenzutreten? Was gab Paulus die Kraft, vor Agrippa als Zeuge für den Herrn aufzutreten? Woher nahm Luther die Entschlossenheit, „auch wenn jede Schindel des Daches ein Teufel wäre“, seine Mission fortzusetzen? In jedem Falle ist die Antwort dieselbe: übernatürliche Kraft wurde aus einer übernatürlichen Quelle gewonnen: nur so können wir gestärkt werden, mit den Fürstentümern und Gewalten des Bösen zu kämpfen.

„Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden“ (Jes. 40,29-31). Aber wo hat Elia diese wichtigste aller Lektionen gelernt? Nicht in einem Seminar oder auf einer Bibelschule, denn wenn es zu seiner Zeit welche gab, so waren sie – wie so manche in unserer verdorbenen Zeit – fest in der Hand des Feindes des Herrn. Solche Geheimnisse können Schulen der rechten Lehre auch gar nicht vermitteln. Selbst gottesfürchtige Männer können nicht einmal sich selbst, geschweige denn, anderen diese Lektion beibringen. Meine lieben Leser, wie der Herr Mose „hinter der Wüste“ (2.Mose 3,1, Elberf.) erschien und ihn mit seiner Aufgabe betraute, so begegnete auch Elia Jehova in der Einöde Gileads und wurde dort von Ihm für seinen mühsamen Auftrag zugerüstet. Dort hatte er auf den Herrn gewartet, und dort hatte er Kraft für seine Aufgabe bekommen.

Niemand als allein der lebendige Gott kann zu Seinem Knecht sagen: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit“ (Jes. 41,10). Auf diese Weise im Bewusstsein der Gegenwart des Herrn gestärkt, geht Sein Knecht „mutig wie ein Löwe“ hinaus, ohne jegliche Menschenfurcht und in vollkommener Gelassenheit selbst in den widrigsten Umständen. In einer solchen Gemütsverfassung trat der Tischbiter Ahab entgegen: „So wahr der HERR, der Gott Isaraels, lebt, vor dem ich stehe“. Aber wie wenig wusste jener abtrünnige Herrscher von der verborgenen Zurüstung in der Seele des Propheten, ehe er soweit war, dass er auf ihn zutreten und sein Gewissen anklagen konnte! „Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen geben, ich sage es denn.“ Wie bemerkenswert und gleichzeitig segensreich ist doch diese Formulierung! Der Prophet sprach mit allergrößter Gewissheit und Autorität, denn er überbrachte Gottes Botschaft – der Knecht identifizierte sich mit seinem Herrn. So sollte das Auftreten der Knechte Christi immer sein: „Wir reden von dem, was wir wissen und zeugen von dem, was wir gesehen haben.“

„Da kam das Wort des HERRN zu ihm“ (V.2). Wie wunderbar! Doch können wir diese Aussage erst richtig begreifen, wenn wir sie im Licht des Vorangegangenen betrachten. Aus dem vorherigen Vers lernen wir, dass Elia seinen Auftrag treu ausgeführt hatte, und hier lesen wir nun, dass der Herr erneut zu Seinem Knecht redete: Somit können wir letzteres als eine gnädige Belohnung für das erstere verstehen. So ist der Herr: Er liebt es, sich denen mitzuteilen, die freudig Seinen Willen tun. Es ist eine sehr gewinnbringende Übung, einmal nachzuforschen, in welchen Zusammenhängen diese Formulierung in der gesamten Schrift benutzt wird. Gott gewährt keine frischen Offenbarungen, ehe wir uns nicht unter diejenigen gebeugt haben, die wir bereits empfangen haben. Ein Bespiel hierfür können wir in der frühen Lebensphase Abrahams sehen. „Und der Herr sprach zu Abram: Gehe ... in ein Land, das ich dir zeigen will“ (1.Mose 12,1); bisher war er nur den halben Weg gegangen und hatte sich in Haran niedergelassen (11,31). Erst als er von dort auszog und ganz gehorchte, erschien ihm der Herr erneut (12,4-7).

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Das Leben des Elia - Kap. 3 Der Bach Krit

Beitragvon Sonja » 07.07.2016 08:32

„Und es geschah das Wort Jehovas zu ihm also: Gehe von hinnen und wende dich nach Osten, und verbirg dich am Bach Krit“ (V. 2-3; Elberf.). Hier tritt beispielhaft eine bedeutende Wahrheit hervor. Gott leitet Seine Knechte Schritt für Schritt. Das ist deshalb notwendig, weil der Pfad, den zu gehen sie berufen sind, ein Pfad des Glaubens ist, und Glaube steht im Gegensatz sowohl zum Schauen als auch zum unabhängigen Handeln. Der Herr offenbart uns gewöhnlich nicht den ganzen Weg, der zu durchlaufen ist: Vielmehr beschränkt Er Sein Licht auf einen Schritt zur Zeit, auf dass wir in ständiger Abhängigkeit zu Ihm gehalten werden. Dies ist eine äußerst heilsame Lektion, die jedoch das Fleisch ganz und gar nicht zu schätzen weiß, insbesondere in denen, die von Natur aus tatkräftig und zielstrebig sind. Bevor der Prophet von Gilead nach Samaria aufbrach, um seine ernste Botschaft zu überbringen, fragte er sich sicherlich, was er denn tun sollte, sobald sie überbracht war. Aber das sollte nicht seine Sorge sein: Er musste dem göttlichen Befehl gehorchen und es Gott überlassen, ihm mitzuteilen, was er als nächstes tun sollte.

„Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führten“ (Spr. 3,5-6). Meine lieben Leser, hätte Elia sich in dieser Situation auf seinen Verstand verlassen, so wäre der Gedanke, sich am Bach Krit zu verbergen, doch gewiss das letzte gewesen, das ihm in den Sinn gekommen wäre. Wäre er seinen Neigungen gefolgt, ja hätte er das getan, was seiner Meinung nach am förderlichsten für Gottes Ehre gewesen wäre, hätte er sich nicht viel mehr auf eine Predigttournee durch die Städte und Dörfer Samariens begeben? Hätte er es nicht als seine oberste Pflicht angesehen, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um das schlummernde Gewissen der Öffentlichkeit zu wecken, auf dass Ahabs Untertanen – entsetzt angesichts des allgegenwärtigen Götzendienstes – den König unter Druck setzen würden, denselben zu unterbinden. Aber genau das wollte Gott nicht von ihm; was nützen alle Vernunft und natürlichen Neigungen in Zusammenhang mit göttlichen Dingen? Nichts.

„Und es geschah das Wort Jehovas zu ihm also.“ Beachte, dass es nicht heißt: Der Wille des Herrn wurde ihm geoffenbart“ oder „die Gedanken des Herrn wurden ihm gezeigt“. Dieses Detail möchte ich besonders hervorheben, da gerade an diesem Punkt heute viel Verwirrung herrscht. Es gibt etliche, die sich selbst und andere hinters Licht führen durch viel frommes Gerede darüber, dass sie „den Sinn des Herrn erforschen“ oder „Gottes Willen für sich entdecken“ wollen, was bei näherem Hinsehen auf nichts weiter als eine vage Vorstellung oder einen persönlichen Eindruck hinausläuft. Gottes „Sinn“ oder „Wille“, meine lieben Leser, wird aus Seinem Wort erkannt, und Er „will“ niemals etwas für uns, das auch nur im geringsten Widerspruch zu diesem himmlischen Maßstab steht. Ein weiteres Detail: „Das Wort Jehovas geschah zu ihm“: es bestand keine Notwendigkeit für ihn, hinauszugehen und danach zu suchen! Siehe 5.Mose 30,11-14.

Und welch ein Wort, das zu Elia geschah! „Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt“ (V.3). Wahrlich, Gottes Gedanken und Wege sind völlig anders als die unsrigen: Ja, und Er allein kann sie uns „wissen lassen“ (Ps. 103,7). Es ist fast amüsant zu sehen, wie Bibelausleger hier auf der falschen Fährte gewandert sind, denn fast alle erklären hier den Befehl des Herrn als eine Schutzmaßnahme Gottes für Seinen Knecht. Während die todbringende Dürre anhielt, würde die Beunruhigung des Königs immer mehr zunehmen, und wenn ihm die Worte des Propheten ins Gedächtnis kamen, dass weder Tau noch Regen sein würde, er sage es denn, dann würde sein Zorn gegen ihn keine Grenzen kennen: Elia musste also einen Zufluchtsort finden, wenn sein Leben verschont bleiben sollte. Aber Ahab unternahm bei ihrer nächsten Begegnung keinen Versuch ihn zu töten (1.Kön. 18,17-20)! Sollte jemand entgegnen, „Das war nur deshalb, weil die zügelnde Hand Gottes auf dem König lag“, so lautet meine Antwort: „Dem stimme ich zu, doch wäre Gott nicht in der Lage gewesen, ihn den ganzen Zeitraum hindurch zu zügeln?“

Nein, der Grund für den Befehl Gottes an Seinen Knecht muss woanders gesucht werden, und wir brauchen gar nicht lange zu suchen. Sobald wir erkannt haben, dass – neben der Gabe Seines Wortes und des Heiligen Geistes, der das Wort zur Anwendung bringt – das wertvollste Geschenk, das Gott einem Volk macht, die Aussendung Seiner bevollmächtigten Knechte in dieses Volk ist, und dass das größtmögliche Unglück, das ein Land treffen kann, Gottes Hinwegnahme derer ist, die Er zum Dienst an den Seelen der Menschen bestimmt hat, dann sollte uns der Grund klar sein. Die Dürre in Ahabs Königreich war eine göttliche Geißel, und dementsprechend befahl der Herr Seinem Propheten: „Geh weg von hier!“ Wenn Gott die Diener Seiner Wahrheit fortnimmt, so ist das ein sicheres Zeichen Seines Missfallens, ein Hinweis auf Sein Gerichtshandeln an einem Volk, das Ihn zum Zorn gereizt hat.


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