Lesung aus Arthur W. Pink "Das Leben des Elia"

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Sonja
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Das Leben des Elia - Kap. 7 Die Not einer Witwe

Beitragvon Sonja » 12.09.2016 08:08

„Er rief sie zu sich und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke.“ Beachte Elias freundliches, respektvolles Verhalten. Die Tatsache, dass er ein Prophet Jehovas war, betrachtete er nicht als Freibrief, diese arme Witwe hochmütig und anmaßend zu behandeln. Anstatt ihr zu befehlen, sagte er: „Hole mir doch (bitte)“ (wörtlich). Welch eine Zurechtweisung für alle, die stolz und offiziös auftreten. Zu liebevollem Verhalten sind wir alle verpflichtet: „Seid alle voll brüderlicher Liebe“ (1.Petr. 3,8, Elberf.) – das ist eine der göttlichen Vorschriften, die den Glaubenden gegeben sind. Und welche schwere Prüfung war es, die Elia dieser armen Frau auferlegte: ihm Wasser zum Trinken zu holen! Doch sie machte keinerlei Einwände noch verlangte sie einen hohen Preis für dieses kostbare Luxusgut; nicht einmal der Umstand, dass Elia ihr völlig fremd war und einem anderen Volk angehörte, ließ sie zögern. Wie wunderbar tritt hier die bewegende Kraft Gottes hervor, der das menschliche Herz zu Taten der Freundlichkeit an Seinen Knechten bewegen kann.

„Und als sie hinging zu holen“. Ja, sie unterbrach ihr Holzsammeln und kam der Bitte dieses Fremden unverzüglich nach. Mögen wir in dieser Hinsicht von ihr lernen und immer bereit sein, unseren Mitgeschöpfen Gutes zu tun. Wer nicht die Mittel hat, den Bedürftigen zu geben, der sollte umso bereitwilliger für sie arbeiten (Eph. 4,28). Ein Becher kalten Wassers, wenn sie uns auch nichts weiter als die Mühe sie zu holen kostet, wird durchaus nicht unbelohnt bleiben. „Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit“ (V. 11). Mit dieser Bitte wollte der Prophet sie auf eine weitere Prüfung stellen – und was für eine Prüfung: War sie bereit, ihre letzte Mahlzeit mit ihm zu teilen? Und er wollte den Weg für eine weitergehende Unterhaltung mit ihr ebnen. „Bringe mir auch einen Bissen Brot mit.“ Wie eigennützig musste dies Anliegen doch erscheinen! Wie lag es doch auf der Hand, dass die menschliche Natur über einen solchen Anspruch auf ihre mageren Vorräte verärgert war. Aber in Wahrheit war es Gott, der ihr in der Stunde ihrer größten Not begegnete. „Darum harrt der HERR darauf, dass er euch gnädig sei, und er macht sich auf, dass er sich euer erbarme; denn der HERR ist ein Gott des Rechts. Wohl allen, die auf ihn trauen“ (Jes. 30,18). Doch diese Witwe muss zunächst geprüft werden, ebenso wie später eine andere heidnische Frau von dem Mensch gewordenen Herrn geprüft wurde (Mt. 15). Gott wollte ihr all ihrer Not abhelfen, doch würde sie Ihm vertrauen? So lässt Er häufig die Umstände zunächst noch schlimmer werden, bevor irgendeine Besserung sichtbar wird. Er „harrt darauf, dass er gnädig sei“. Warum? Um uns ans Ende unserer selbst und unserer Mittel zu bringen, bis alles verloren scheint und wir verzweifelt sind: damit wir Seine befreiende Hand umso klarer erkennen können.

„Sie sprach: So wahr der Herr, dein Gott, lebt: ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will mir und meinem Sohn zurichten, dass wir essen – und sterben“ (V. 12). Die Auswirkungen der schrecklichen Hungersnot und Dürre in Palästina war auch in den angrenzenden Ländern zu spüren. Darüber, dass diese Witwe in Zarpat bei Sidon „Öl“ in ihrem Besitz hatte, schreibt J. J. Blunt in seinem wunderbaren Werk ‚Unbeabsichtigte Zufälle im Alten und Neuen Testament‘ ein hilfreiches Kapitel. Er zeigt auf, dass bei der Aufteilung Kanaans das Gebiet von Sidon zum Los Asers gehörte (Josua 10,28). Dann verweist er den Leser zurück auf 5.Mose 33 und erinnert daran, dass Mose, als er die zwölf Stämme segnete, über Aser sprach: „Gesegtet an Söhnen sei Aser; er sei wohlgefällig seinen Brüdern, und er tauche in Öl seinen Fuß“ (V. 24; Elberf.) – damit deutete er auf die Fruchtbarkeit der Gegend und auf ihr vorrangiges Produkt. Nach einer langen Hungersnot würde man Öl also vermutlich in erster Linie dort finden. So erkennen wir durch vergleichendes Studium der Heiligen Schriften ihre vollkommene Übereinstimmung.

„Und siehe, ich hab ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will mir und meinem Sohn zurichten, dass wir essen – und sterben.“ Arme Seele: Zum äußersten getrieben, hatte sie nichts anderes als einen sehr schmerzhaften Tod vor Augen! Sie sprach die Sprache der fleischlichen Vernunft und nicht die des Glaubens, die Sprache des Unglaubens und nicht die des Vertrauens in den lebendigen Gott; das war in ihrer Lage nur allzu verständlich. Noch wusste sie ja nichts von dem Wort an Elia: „Ich habe dort einer Witwe geboten, dich zu versorgen“ (V. 9). Nein, sie dachte, das Ende sei gekommen. Oh, liebe Leser, wieviel besser ist Gott als unsere Ängste! Die ungläubigen Hebräer meinten, sie würden in der Wüste verhungern, aber sie taten es nicht. David dachte einmal in seinem Herzen: „Ich werde doch eines Tages Saul in die Hände fallen“ (1.Sam. 27,1); doch es geschah nicht. Die Apostel dachten, sie würden in der stürmischen See ertrinken, aber sie taten es nicht.

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Sonja
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Das Leben des Elia - Kap. 7 Die Not einer Witwe

Beitragvon Sonja » 16.09.2016 07:36

„Sie sprach: So wahr der HERR, dein Gott, lebt: ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich hab ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will mir und meinem Sohn zurichten, dass wir essen – und sterben“ (V. 12). Nach natürlicher Sicht, nach menschlichem Verstand schien es unmöglich, dass sie irgend jemanden versorgen könnte. Sie war in bitterer Armut, und das Ende ihrer Vorräte war in Sicht. Und ihre Augen waren nicht auf Gott gerichtet (ebenso wenig wie unsere, solange der Geist nicht in uns wirkt!), sondern auf ihren Topf, und der ließ sie jetzt im Stich; folglich hatte sie nichts anderes mehr im Sinn als den Tod. Unglaube und Tod sind untrennbar miteinander verknüpft. Die Zuversicht dieser Witwe war auf den Topf und den Krug gegründet, darüber hinaus sah sie keine Hoffnung. Noch wusste ihr Herz nichts von der Seligkeit der Gemeinschaft mit Ihm, bei dem allein die Ausgänge vom Tode stehen (Ps. 68,20, Elberf.). Sie war noch nicht imstande zu hoffen, „wo nichts zu hoffen war“ (Röm. 4,18). Ach, welch armseliges, wackeliges Ding ist doch eine solche Hoffnung, die auf nichts besserem als einem Topf und einem Krug beruht.

Haben wir nicht alle die Neigung, uns auf so erbärmliche Dinge wie Mehltöpfe zu verlassen? Solange wir das tun, können unsere Erwartungen nur dürftig und dahinschwindend sein. Andererseits, lasst uns nicht vergessen, dass das kleinste Maß Mehl in der Hand Gottes für den Glauben so genügend und wertvoll ist wie „das Vieh auf tausend Bergen“. Doch wie selten wird Glaube in gesunder Weise ausgeübt. Nur zu oft sind wir wie die Jünger, als sie angesichts der hungrigen Menge ausriefen: „Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele?“ (Joh. 6,9) – das ist die Sprache des Unglaubens, des fleischlichen Verstandes. Glaube befasst sich nicht mit Schwierigkeiten, sondern mit Ihm, bei dem alle Dinge möglich sind. Glaube befasst sich nicht mit Umständen, sondern mit dem Gott, der alle Umstände lenkt. So war es bei Elia, wie wir bei der Betrachtung der nun folgenden Ereignisse sehen werden.

Welch einer Prüfung wurde Elias Glaube durch jene hoffnungslosen Worte der armen Witwe unterzogen! Man stelle sich die Situation vor, wie sie sich seinen Augen jetzt darstellte. Eine Witwe und ihr Sohn kurz vor dem Hungertod: ein paar Holzstücke, eine Handvoll Mehl und ein wenig Öl – das war alles, was sie noch vom Tod trennte. Und dennoch hatte Gott zu ihm gesagt: „Ich habe dort einer Witwe geboten, dich zu versorgen.“ Was für eine rätselhafte, kritische Erfahrung für Elia! Anstatt ihm helfen zu können, brauchte sie doch Hilfe von ihm. Doch wie einst Abraham „zweifelte er nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben,. sondern wurde stark im Glauben“. Er wusste, dass der Herr des Himmels und der Erde beschlossen hatte, dass sie ihn versorgen sollte, und selbst wenn dort überhaupt kein Mehl oder Öl gewesen wäre, so hätte ihn das nicht mutlos gemacht oder abgehalten. O liebe Leser, wenn Sie je etwas von der Güte, der Kraft und Treue Gottes in ihrem Leben erfahren haben, halten Sie – von allem äußeren Anschein unerschüttert – an Ihrem Vertrauen auf Ihn fest.

„Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will mir und meinem Sohn zurichten, dass wir essen und sterben.“ Hieran wird deutlich, dass diese Frau nicht aufhörte, ihrer Verantwortung nachzukommen. Bis zum bitteren Ende war sie fleißig und machte von den verfügbaren Mitteln Gebrauch. Anstatt sich der Verzweiflung hinzugeben, sich hinzusetzen und die Hände zu ringen, was sie eifrig beschäftigt und sammelte Holzscheite für das, wie sie fest überzeugt war, letzte Mahl. Dies ist kein unbedeutendes Detail, sondern eines, das wir uns zu Herzen nehmen müssen. Untätigkeit ist nie gerechtfertigt, am allerwenigsten in einer Notlage: nein, je verzweifelter die Situation, umso wichtiger ist es, dass wir uns anstrengen. Sich der Niedergeschlagenheit hinzugeben, bewirkt nie etwas Gutes. Komme deiner Verantwortung bis zum Ende nach, auch wenn sie darin besteht, das letzte Mahl zuzubereiten. Und wie reichlich wurde die Witwe für ihren Fleiß belohnt! Es geschah bei der Erfüllung ihrer Pflichten (ihrer Haushaltspflichten!), dass Gott ihr begegnete und sie segnete.

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Das Leben des Elia - Kap. 8 Der Herr wird versorgen

Beitragvon Sonja » 24.09.2016 07:48

Kapitel 8
Der Herr wird versorgen


In dem vor uns liegenden Abschnitt bekommen wir einen Einblick in das Verhalten des Propheten in einem ganz anderen Umfeld, in ganz anderen Lebensumständen als den zuvor dargestellten. Bisher haben wir gesehen, wie er in der Öffentlichkeit auftrat: seinen Mut und seine geistliche Würde vor Ahab; und auch, wie er sich in der Einsamkeit verhielt: sein verborgenes Leben vor Gott am Bach – dem Wort des Herrn gehorsam, geduldig Seine nächsten Marschbefehle abwartend. Doch hier gewährt der Geist uns Einblick darin, wie Elia im Haus der Witwe in Zarpat lebte, und offenbart dadurch in wunderbarer Weise die Hinlänglichkeit göttlicher Gnade für Gottes Knechte und Volk in jeder Situation, in der sie sich befinden mögen. Ach, wie oft geschieht es, dass der Knecht Gottes, der kompromisslos in der Öffentlichkeit und treu im verborgenen Gebet ist, im häuslichen Kreis, in seiner Familie schändlich versagt. Das sollte so nicht sein; bei Elia war es anders.

Das, worauf ich hier anspiele, bedarf vielleicht einiger Anmerkungen, die nicht der Abschwächung, sondern der Erläuterung dienen sollen. Wie kommt es, dass der Knecht Gottes zu Hause oft eine weit weniger vorteilhafte Figur abgibt als auf der Kanzel oder im Gebetskämmerlein? Erstens, wenn er hinausgeht, um seine öffentlichen Pflichten zu erfüllen, dann ist er zum Kampf gegen den Feind gerüstet; aber danach kommt er mit aufgeriebenen Nerven nach Hause, um zu entspannen und neue Kräfte zu sammeln. Dann lässt er sich durch vergleichsweise geringe Anlässe reizen und verwirren. Zweitens, in seinem öffentlichen Amt ist er sich bewusst, dass er den Mächten der Finsternis entgegentritt, aber im Familienkreis ist er von Menschen umgeben, die ihn lieben; er ist weniger wachsam und vergisst, dass der Satan seine Freunde benutzen kann, um ihn in den Griff zu bekommen. Drittens, bewusste Treue in der Öffentlichkeit kann seinen Stolz geweckt haben, und ein Pfahl im Fleisch – das schmerzliche Bewusstsein traurigen Versagens im eigenen Hause – mag notwendig sein, um ihn zu demütigen. Und doch: Ein Gott entehrendes Verhalten ist im häuslichen Kreis keinen Deut mehr gerechtfertigt als im öffentlichen Raum.

Im letzten Kapitel waren wir bis an den Punkt gelangt, wo Elia – auf Jehovas Befehl – seine Zuflucht am Krit verlassen, die Wüste durchquert und wohlbehalten die Tore von Zarpat erreicht hatte, wo der Herr (im Verborgenen) einer Witwe geboten hatte, ihn zu versorgen. Er traf sie am Tor der Stadt, wenn auch in Umständen, die dem fleischlichen Verstand nicht sehr verheißungsvoll erscheinen konnten. Anstatt dass diese Frau den Propheten freudig willkommen hieß, sprach sie trübsinnig von ihrem und ihres Sohnes bevorstehenden Tod. Anstatt reichlich bevorratet zu sein, um dem Propheten zu dienen, erzählte sie ihm, dass „eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug“ alles war, was sie noch hatte. Welch eine Prüfung für den Glauben! Wie unvernünftig schien es, dass der Mann Gottes Versorgung unter ihrem Dach erwarten sollte. Nicht unvernünftiger, als dass Noah angewiesen war, eine Arche zu bauen, bevor es überhaupt Regen gab, geschweige denn, Anzeichen für eine Flut; nicht unvernünftiger, als dass Israel einfach immer wieder um die Mauern Jerichos herummarschieren sollte. Der Pfad des Gehorsams kann nur gegangen werden, wenn Glaube aktiv ist.

„Und Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach’s, wie du gesagt hast“ (1.Kön. 17,13). Was für ein gnädiges Wort, um das Herz der armen Witwe zu beruhigen! Hab keine Angst vor den Folgen, weder für dich noch für deinen Sohn, wenn du die kärglichen verfügbaren Mittel verarbeitest. „Doch mach zuerst mir etwas Gebackenes davon und bring mir’s heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen“ (V. 13). Welch schwere Prüfung! Wurde je zuvor oder nachher eine arme Witwe so schmerzlich auf die Probe gestellt? Ihm „zuerst“ etwas zu backen, war gewiss in ihrer Situation eine der schwierigsten Anweisungen, die je gegeben wurden. Musste es ihr als der Inbegriff der Selbstsucht erscheinen? Verlangten denn die Gesetze Gottes oder der Menschen ein solches Opfer? Gott hat niemals Größeres von uns verlangt, als dass wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst; nirgends wird uns befohlen, ihn mehr zu lieben. Doch hier heißt es: „Mache zuerst mir etwas Gebackenes“!

„Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden“ (V. 14). Ja, das war natürlich etwas anderes: das nahm der Aufforderung den Stachel und zeigte, dass sie nicht aus selbstsüchtigen Motiven entsprang. Sie wurde um einen Teil des Wenigen, was ihr verblieben war, gebeten, doch Elia versichert ihr, dass sie es unbesorgt hergeben kann, denn Gott würde ungeachtet der aussichtslosen Lage für sie und ihren Sohn sorgen. Beachte, mit welch unbedingter Zuversicht der Prophet sprach: Da war keinerlei Unsicherheit, sondern positive, unerschütterliche Gewissheit, dass der Vorrat nicht abnehmen würde. Ja, Elia hatte am Krit eine kostbare Lektion gelernt – durch Erfahrung gelernt: Er hatte die Treue Jehovas am Bach erlebt, und deshalb war er jetzt qualifiziert, die Ängste der armen Witwe zu beschwichtigen und ihr Herz zu trösten –vergleiche 2. Korinther 1,3-4, wo das Geheimnis aller wirksamen Seelsorge offenbart wird.

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Das Leben des Elia - Kap. 8 Der Herr wird versorgen

Beitragvon Sonja » 27.09.2016 08:39

Beachte den besonderen Titel, den Elia hier für die Gottheit verwendet. Die Frau hatte gesagt: „So wahr der HERR, dein Gott lebt“ (V. 12), aber das war nicht genug. Elia erklärte: „So spricht der HERR, der Gott Israels“: von dessen großen Werken du so viel gehört haben musst: derjenige, der den hochmütigen Pharao zu Seinem Fußschemel machte, der Sein Volk trockenen Fußes durch das Rote Meer führte, der sie vierzig Jahre lang auf wunderbare Weise in der Wüste ernährte und der die Kanaaniter vor ihnen austrieb. Einem solchen Gott können wir doch gewiss für unser tägliches Brot vertrauen. Der „Gott Israels“ ist derjenige, dessen Verheißung nicht zuschanden werden lässt, denn „auch lügt der nicht, der Israels Ruhm ist; denn er ist nicht ein Mensch, dass ihn etwas gereuen könnte“ oder er seine Meinung ändern könnte (1.Sam. 15,29). Auf Ihn darf man sich getrost verlassen.

„Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden“ (V. 14). Gott gab ihr Sein Wort der Verheißung, auf das sie sich stützen sollte: konnte sie sich darauf verlassen? Würde sie Ihm wirklich vertrauen? Beachte, wie genau die Verheißung formuliert war: Es hieß nicht einfach, Gott wird nicht zulassen, dass ihr verhungert, oder Gott wird euch alles Notwendige geben; sondern es war, als hätte der Prophet gesagt: Das Mehl in deinem Topf soll nicht verzehrt werden, und deinem Ölkrug soll nichts mangeln. Und wenn unser Glaube ein von Gott getragener Glaube ist, so wird er uns veranlassen, auf Gottes Verheißung zu vertrauen, uns Seiner Fürsorge rückhaltlos anzuvertrauen und unseren Mitgeschöpfen Gutes zu tun. Doch beachte, wie Glaube fortwährend ausgeübt werden muss: Kein neuer Mehltopf war verheißen oder bereitgestellt: nur eine „Handvoll“, die sich nicht verzehrte – scheinbar eine unzulängliche Menge für die Familie, aber ausreichend mit Gott. „Bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden“ – dieser Nachsatz zeigt den festen Glauben des Propheten selbst.

„Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte“ (V. 15). Unwillkürlich muss man über die Größe ihres Glaubens staunen! Sie hätte viele Entschuldigungen gegen die Bitte des Propheten anführen können, zumal er ein Fremder für sie war, aber so schwer die Prüfung auch war, ihr Glaube an den Herrn war ihr gewachsen. Ihr schlichter Glaube, dass Gott sich ihrer annehmen würde, überwand alle Einwände der fleischlichen Vernunft. Erinnert sie uns nicht an jene andere heidnische Frau, die Syrophönizerin, eine Volksangehörige der götzendienerischen Kanaaniter, die lange Zeit später an der Grenze von Tyrus auf Christus zuging und Seine Hilfe für ihre dämonenbesessene Tochter erbat? Mit einem erstaunlichen Glauben überwand sie jedes Hindernis und erhielt einen Bissen vom Brot der Kinder in der Heilung ihrer Tochter (Mt. 15). O mögen uns solche Beispiele doch bewegen, von Herzen zu rufen: „Herr, mehre unseren Glauben“, denn niemand als der Geber des Glaubens kann ihn auch vermehren.

„Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des HERRN, das er durch Elia geredet hatte“ (V. 15-16). Ihre Großzügigkeit machte sie nicht zum Verlierer. Ihre geringen Vorräte an Mehl und Öl reichten nur für eine einzige Mahlzeit, und dann mussten sie und ihr Sohn sterben. Aber ihre Bereitschaft, Gottes Diener behilflich zu sein, brachte ihr genug Nahrung, nicht nur für viele Tage, sondern bis zum Ende der Hungersnot. Sie gab Elia von dem Besten, das sie besaß, und für ihre Freundlichkeit ihm gegenüber hielt Gott sie die ganze Hungersnot hindurch versorgt. Für sie bewahrheitete sich der Spruch: „Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, der wird den Lohn eines Propheten empfangen“ (Mt. 10,41). Nicht allen Gotteskindern mag das Vorrecht zuteil werden, einem Propheten helfen zu können, doch sie dürfen den Armen Gottes helfen. Steht nicht geschrieben: „Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Herrn, und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat“ (Spr. 19,17). Und wiederum: „Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt! Den wird der Herr erretten zur bösen Zeit“ (Ps. 41,2). Gott wird niemandes Schuldner sein.

„Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts.“ Hier haben wir erneut die Tatsache veranschaulicht, dass die Erlangung von Gottes Segen und von Nahrung (in übertragenem Sinne: geistlicher Nahrung) das Ergebnis von Gehorsam ist. Diese Frau kam der Bitte des Dieners Gottes nach und wurde reich belohnt. Bist du, lieber Leser, in Angst und Sorge um die Zukunft? In Sorge, dass im Alter, wenn deine Kräfte nachlassen, es an den lebensnotwendigen Dingen mangeln wird? Dann sei mir gestattet, dich zu erinnern, dass für solche Ängste kein Anlass besteht. „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“ (Mt. 6,33). „Fürchtet den HERR, ihr seine Heiligen, denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel“ (Ps. 34,10). „Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen“ (Ps. 84,12). Doch beachte, dass jede dieser Verheißungen an Bedingungen geknüpft ist: Unsere Aufgabe ist es, Gott die erste Stelle in unserem Leben zu geben, Ihn zu fürchten, Ihm zu gehorchen und Ihn in allen Dingen zu ehren, und im Gegenzug garantiert Er, dass uns Brot und Wasser gewiss sind.

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Das Leben des Elia - Kap. 8 Der Herr wird versorgen

Beitragvon Sonja » 29.09.2016 08:53

So mancher Leser mag denken: ‚Solch guter Rat ist leichter empfangen als befolgt. Es ist einfacher, an Gottes Verheißungen erinnert zu werden, als auf sie zu vertrauen‘. Einem anderen mag der Einwand auf der Zunge liegen: ‚Gut und schön, aber du weißt ja nicht, wie verzweifelt meine Lebensumstände sind, wie finster meine Zukunft aussieht, und wie massiv der Satan meine Gedanken mit Zweifeln bombardiert.“ Wohl wahr, aber wie verzweifelt dein Fall auch liegen mag, ich möchte dich ernstlich bitten, an die Witwe von Zarpat zu denken: Es ist unwahrscheinlich, dass deine Situation so extrem wie die ihrige ist, und doch ist sie nicht verhungert. Wer Gott an erste Stelle setzt, der wird immer erleben, dass Er bis zum letzten bei ihm ist. Dinge, die gegen uns zu wirken scheinen, müssen in Seinen wunderbaren Händen uns zum Besten dienen. Was deine Not auch sei, mein Freund, vergiss nicht Elias Gott.

„Und er aß, und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag.“ Hier sehen wir nun Elia, wie er sicher wohnt in der bescheidenen Unterkunft dieser armen Witwe. Wenn die Kost auch einfach war, so war sie doch genügend, Leben im Körper zu erhalten. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Gott in all den vielen Tagen für Abwechslung auf dem Speiseplan gesorgt hat, auch keine Andeutung, dass der Prophet unzufrieden wurde, weil er über so lange Zeit hinweg die gleiche Nahrung essen musste. Hier bekommen wie den ersten Einblick, wie er sich im familiären Kreis verhielt. In vorbildlicher Weise lebte er den göttlichen Grundsatz: „Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so wollen wir uns daran genügen lassen“ (1.Tim. 6,8). Und woher kommt solche Genügsamkeit? Von einem ergebenen, friedlichen Herzen, das in Gott ruht: Unterordnung unter Sein souveränes Wohlgefallen, Zufriedenheit mit dem Teil, den er uns zugedacht hat, in dem Bewusstsein, dass Seine Hand sowohl gibt als auch vorenthält.

„Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts.“ Die Witwe hatte gewiss keinen Grund, sich wegen der schweren Probe zu beklagen, auf die ihr Glaube gestellt worden war. Gott, der Seinen Prophet zu ihr gesandt hatte, dass er bei ihr wohne, bezahlte großzügig für seine Unterkunft – indem Er ihrer Familie Nahrung gab, während die Nachbarn hungerten, und indem Er ihr Gemeinschaft und Unterweisung durch Seinen Knecht schenkte. Wer kann ermessen, welcher Segen ihrer Seele durch die erbauliche Unterhaltung mit Elia und durch die Wirksamkeit seiner Gebete zuteil wurde? Sie hatte ein menschenfreundliches, großzügiges Wesen, eine Bereitschaft, die Not anderer zu lindern und die Knechte Gottes zu versorgen; und ihre Freigebigkeit wurde ihr hundertfach vergolten. Den Barmherzigen zeigt Gott Barmherzigkeit. „Denn Gott ist nicht ungerecht, dass er vergäße euer Werk und die Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt, indem ihr den Heiligen dientet und noch dient“ (Hebr. 6,10).

„Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts.“ Um die typologische Schönheit dieses Satzes nicht zu übersehen, wollen wir ihn noch von einer höheren Warte betrachten. Das „Mehl“ ist sicherlich ein göttliches Bild für Christus, das „Weizenkorn, das starb“ (Joh. 12,24), zermahlen zwischen dem oberen und dem unteren Mühlstein des göttlichen Gerichts, auf dass Er das „Brot des Lebens“ für uns würde. Dies geht deutlich aus den ersten Kapiteln des Levitikus hervor, wo für Israel die fünf großen Opfer festgelegt werden, die die Person und das Werk des Erlösers darstellen; das Speisopfer „von feinstem Mehl“ (3.Mose 2) veranschaulicht die Vollkommenheit Seiner menschlichen Natur. Ebenso eindeutig ist das „Öl“ ein Sinnbild des Heiligen Geistes in Seinen salbenden, erleuchtenden und erhaltenden Wirkungen. Ein äußerst segensreiches Studium kann darin bestehen, in der Heiligen Schrift die typologischen Hinweise auf das „Öl“ nachzuzeichnen.

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Das Leben des Elia - Kap. 8 Der Herr wird versorgen

Beitragvon Sonja » 03.10.2016 09:32

Ebenso wie die kleine Familie von Zarpat nicht von Mehl oder Öl allein am Leben gehalten wurde, sondern von einer Verbindung der beiden, so wird auch der Glaubende nur durch beide, Christus und den Heiligen Geist, geistlich am Leben gehalten. Wir könnten uns nicht von Christus nähren, ja, wir könnten nicht einmal die Notwendigkeit dafür verspüren, gäbe es nicht den gnädigen Einfluss des Geistes Gottes. Das eine ist so unentbehrlich für uns wie das andere: Christus für uns, der Geist in uns; der Eine vertritt uns oben im Himmel, der andere dient uns hier unten. Der Geist ist hier, um von Christus „Zeugnis zu geben“ (Joh. 15,26), ja, Ihn zu „verherrlichen“ (Joh. 16,14), und deshalb hat der Erlöser hinzugefügt: „Von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen.“ Ist das nicht der Grund dafür, dass in diesem Typus das „Mehl“ (dreimal) an erster Stelle genannt wird? Und dies ist nicht die einzige Stelle, wo wir die beiden typologischen Bilder vereint finden: Immer wieder lesen wir in den wunderbaren Vorschattungen des Alten Testaments davon, dass das „Öl“ auf das Blut gegossen wird (2.Mose 29,21; 3.Mose 14,14 etc.).

„Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts.“ Da war ein ständig nachwachsender Vorrat von beiden nach der mächtigen Kraft Gottes, die ein fortwährendes Wunder wirkte: Besteht hier nicht eine enge Parallele zu der wunderbaren Vermehrung der fünf Brote und zwei Fische, die Jesus wirkte, während Seine Jünger austeilten und damit die Menge speisten (Mt. 14,19-20)? Und wieder blicken wir vom Vorbild, vom Typus, zum Antitypus. Das Mehl blieb unvermindert, der Vorrat nahm nicht ab, und das Mehl wies auf Christus, den Ernährer unserer Seelen. Die Versorgung, die Gott für Sein Volk in dem Herrn Jesus geschaffen hat, bleibt durch alle Jahrhunderte dieselbe: wir können wieder und wieder zu Ihm kommen, und obwohl wir „Gnade um Gnade“ von Ihm empfangen haben, bleibt doch Seine „Fülle“ (Joh. 1,16) dieselbe „gestern, heute und in Ewigkeit“. „Und dem Ölkrug mangelte nichts“ – dieser Satz weist auf die große Wahrheit, dass der Heilige Geist bis zum Ende unserer Pilgerschaft bei uns bleibt (Eph. 4,30).

Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass Gott der Familie von Zarpat keinen neuen Mehltopf und keinen neuen Ölkrug gab, auch den alten nicht bis zum äußersten Rand auffüllte. Hierin steckt eine weitere wichtige Lehre für uns. Gott gab ihnen genug für den Tagesgebrauch, aber nicht den Bedarf für ein Jahr oder auch nur eine Woche im voraus. In gleicher Weise können wir uns auch keinen Vorrat an Gnade zum zukünftigen Gebrauch beiseite legen. Wir müssen ständig zu Christus kommen, um frische Zufuhr Seiner Gnade zu empfangen. Den Israeliten war es ausdrücklich untersagt, Manna auf Vorrat zu sammeln: jeden Morgen mussten sie erneut hinausgehen und es einsammeln. Wir können uns nicht am Sabbat genug Nahrung für unsere Seelen verschaffen, um damit den Rest der Woche versorgt zu sein, sondern müssen jeden Morgen von Gottes Wort speisen. Ebenso gilt: Wenn wir auch ein für allemal durch den Geist wiedergeboren sind, so wird doch unser innerer Mensch von „Tag zu Tag“ erneuert (2.Kor. 4,16).

„Nach dem Wort des HERRN, das er durch Elia geredet hatte“ (V. 16). Dies veranschaulicht und verdeutlicht einen wichtigen Grundsatz: Keines Seiner Worte wird zu Boden fallen, sondern alles, „wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn“ (Apg. 3,21), wird sich gewiss erfüllen. Das ist sowohl erschreckend als auch tröstlich. Erschreckend, weil die Androhungen der Heiligen Schrift keine leeren Worte sind, sondern zuverlässige Warnungen Dessen, der nicht lügen kann. Ebenso gewiss, wie Elias Ankündigung „Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn“ (V. 1) sich buchstäblich erfüllte, so wird der Allerhöchste jedes Gericht, das Er gegen die Gottlosen ausgesprochen hat, ausführen. Tröstlich, weil ebenso, wie Mehl und Öl der Witwe nach Seinem Wort durch Elia nicht ausgingen, auch jede Verheißung an Seine Heiligen ihre vollkommene Erfüllung finden wird. Die über allen Zweifel erhabene Wahrhaftigkeit, unwandelbare Treue und allmächtige Kraft Gottes, Sein Wort wahr zu machen, ist das unerschütterliche Fundament, auf dem der Glaube sicher ruhen kann.

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Das Leben des Elia - Kap. 9 Eine dunkle Vorsehung

Beitragvon Sonja » 06.10.2016 09:26

Kapitel 9
Eine dunkle Vorsehung


„Alles, was ich sehe, ist Wandel und Zerfall.“ Wir leben in einer sich verändernden Welt, wo nichts von Bestand ist und wo das Leben voller verwirrender Wechselfälle ist. Wir können und sollten nicht erwarten, dass unser Leben über einen längeren Zeitraum hinweg glatt und ebenmäßig verläuft, solange wir auf der Durchreise in diesem Land der Sünde und Sterblichkeit sind. Es stände im Widerspruch zu unserem gegenwärtigen Zustand als gefallene Kreaturen, denn „der Mensch ist zur Mühsal geboren, wie die Funken sich erheben im Fluge“; und es wäre uns auch nicht von Nutzen, wenn wir aus der Anfechtung gänzlich herausgenommen wären. Wenn wir auch Gottes Kinder, Ziele Seiner besonderen Gunst sind, so befreit uns das doch nicht von den normalen Unglücken des Lebens. Krankheit und Tod können jederzeit in unser Haus treten: sie können uns persönlich angreifen, oder jene, die uns am nächsten und liebsten sind, und wir sind verpflichtet, uns den souveränen Fügungen Dessen zu beugen, der über alles herrscht. Ich weiß, diese Anmerkungen sind Gemeinplätze, und doch enthalten sie eine Wahrheit, an die wir – so unschmackhaft sie auch ist – ständig neu erinnert werden müssen.

Obwohl uns die genannte Tatsache wohlbekannt ist und wir sie täglich allerorts veranschaulicht sehen, sind wir doch zögerlich und schwerfällig, ihre Relevanz für unser Leben anzuerkennen. So ist die menschliche Natur: Wir möchten das Unangenehme ignorieren und reden uns ein, dass unser gegenwärtiges Los, wenn es glücklich ist, für geraume Zeit so bleiben wird. Aber ganz gleich, wie gesund wir sind, wie kräftig unser Zustand ist und wie gut wir finanziell abgesichert sind: wir dürfen nicht meinen, unser Fels sei so stark, dass er nicht bewegt werden könne (Ps. 30,7-8). Stattdessen sollten wir uns darin üben, zeitliche Gnaden mit leichter Hand zu halten und die Beziehungen und Annehmlichkeiten dieses Lebens zu gebrauchen, als besäßen wir sie nicht (1.Kor. 7,30, Elberf.), immer eingedenk dessen, dass „die Gestalt dieser Welt vergeht“. Unser Ruheort ist nicht hier, und wenn wir unser Nest auf einem irdischen Baum bauen, dann in dem Bewusstsein, dass eines Tages der ganze Wald abgeholzt wird.

So wie viele zuvor und seitdem, mag die Witwe von Zarpat versucht gewesen sein zu denken, dass all ihre Sorgen nun ein für allemal vorbei waren. Berechtigterweise mag sie einen Segen dafür erwartet haben, dass sie den Knecht Gottes in ihrem Haus beherbergte, und sie empfing ja auch einen wirklichen, großzügigen Segen. Nachdem sie ihn aufgenommen hatte, wurden sie und ihr Sohn „Tag um Tag“ durch ein göttliches Wunder versorgt; und daraus mag sie den Schluss gezogen haben, dass sie nichts weiter zu befürchten hatte. Doch das nächste, was uns berichtet wird, ist: „Und nach diesen Geschichten wurde der Sohn seiner Hauswirtin krank, und seine Krankheit wurde so schwer, dass kein Odem mehr in ihm blieb“ (1.Kön. 17,17). Der Wortlaut, in dem dieses tragische Ereignis berichtet wird, scheint anzudeuten, dass ihr Sohn plötzlich niedergestreckt wurde, und zwar so schwer, dass er sehr schnell starb, bevor es eine Gelegenheit gab, dass Elia für seine Genesung beten konnte.

Wie tief und geheimnisvoll sind Gottes Wege! Das Schockierende dieses Ereignisses tritt umso deutlicher hervor, wenn wir es mit dem unmittelbar vorangegangenen Vers verbinden: „Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des HERRN, das er durch Elia geredet hatte. Und nach diesen Geschichten wurde der Sohn seiner Hauswirtin krank ...“ Sie und ihr Sohn waren über einen beträchtlichen Zeitraum wunderbar ernährt worden, und nun ist er schlagartig aus dem Land der Lebendigen abgeschnitten; das erinnert uns an die Worte Christi bezüglich der weiteren Entwicklung nach einem früheren Wunder: „Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben“ (Joh. 6,49). Selbst wenn Gottes Wohlwollen über unserem Leben steht und Er sich um unsertwillen stark erweist, gibt uns das keine Immunität von den Leiden, die zum Erbe von Fleisch und Blut gehören. So lange wir noch in diesem Tal der Tränen wandeln, müssen wir Gnade suchen, uns „mit Zittern zu freuen“ (Ps. 2,11, Elberf.).

Andererseits irrte diese Witwe ganz gewiss, wenn sie aus dem plötzlichen Tod ihres Sohnes den Schluss zog, dass sie die Gunst Gottes verwirkt hatte und dass diese dunkle Fügung ein sicheres Zeichen Seines Zornes war. Es steht geschrieben: „Wen der Herr liebhat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt“ (Hebr. 12,6). Selbst wenn wir die deutlichsten Beweise göttlichen Wohlwollens erlebt haben – wie diese Witwe in der Gegenwart Elias unter ihrem Dach und dem täglichen Wunder der Versorgung – müssen wir dennoch auf Schicksalsschläge gefasst sein. Wir sollten nicht geschockt sein, wenn uns auf dem Pfad der Pflicht bitteres Leid begegnet. War es nicht bei Joseph immer wieder der Fall? Und bei Daniel? Und vor allem, bei dem Erlöser selbst? Und bei Seinen Aposteln? „Ihr Lieben, lasst euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames“ (1Petr. 4,12).

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Das Leben des Elia - Kap. 9 Eine dunkle Vorsehung

Beitragvon Sonja » 11.10.2016 10:00

Es ist interessant festzustellen, dass diese arme Seele bestimmte Zeichen von Gottes Gunst empfangen hatte, bevor sie in den Schmelztiegel des Leidens geworfen wurde. Es geschieht oft, dass Gott Sein Volk durch schwerste Anfechtungen prüft, wenn sie zuvor Seine reichsten Segnungen genossen haben. Auch hierin kann das gesalbte Auge Seine liebende Barmherzigkeit erkennen. Überrascht dich eine solche Aussage, lieber Leser? Fragst du: Warum ist das so? Nun, der Herr in Seiner unendlichen Gnade bereitet Seine Kinder oft auf das Leid vor, indem Er ihnen zuvor geistliche Freuden schenkt: Er gibt ihnen unmissverständliche Zeichen Seiner Freundlichkeit, füllt ihre Herzen mit Seiner Liebe und breitet einen unbeschreiblichen Frieden über ihr ganzes Denken. Nachdem sie die Güte des Herrn geschmeckt und erfahren haben, sind sie besser gerüstet, Unglück zu begegnen. Überdies können Geduld, Hoffnung, Sanftmut und die übrigen geistlichen Gnadengaben nur im Feuer entwickelt werden: der Glaube dieser Witwe musste somit noch schwerer auf die Probe gestellt werden.

Der Verlust ihres Kindes war ein schweres Leid für diese arme Frau. Das wäre bei jeder Mutter so, aber in ihrem Fall war es besonders schwer, weil sie zuvor schon Witwe geworden war; nun würde sie niemanden mehr haben, der sie im fortgeschrittenen Alter unterstützen und trösten konnte. Auf ihn hatte sie all ihre Liebe konzentriert, und mit seinem Tod waren all ihre Hoffnungen zerstört: Ihr Funke war jetzt endgültig erloschen (2.Sam. 14,7), denn niemand blieb übrig, um den Namen ihres Mannes auf Erden zu bewahren. Aber, wie im Falle des Lazarus und seiner Schwestern, war dieser schwere Schlag „zur Verherrlichung Gottes“ (Joh. 11,4) und um ihr ein noch charakteristischeres Zeichen von des Herrn Wohlwollen zu geben. So war es auch bei Joseph und Daniel, die ich oben bereits erwähnt habe: Schwer und schmerzlich waren ihre Anfechtungen, doch anschließend verlieh Gott ihnen umso größere Herrlichkeit. O hätten wir den Glauben, um das „Danach“ zu erfassen (Hebr. 12,11)!

„Und sie sprach zu Elia: Was hab ich mit dir zu schaffen, du Mann Gottes? Du bist zu mir gekommen, dass meiner Sünde gedacht und mein Sohn getötet würde“ (V. 18). Ach, was für arme, versagende, sündige Geschöpfe sind wir doch! Wie kärglich vergelten wir Gott Seine überreiche Barmherzigkeit! Wenn Seine züchtigende Hand auf uns liegt, wie oft lehnen wir uns auf, anstatt uns demütig darunter zu beugen. Anstatt uns unter Gottes mächtige Hand zu demütigen und Ihn anzuflehen uns zu zeigen, weshalb Er mit uns rechtet (Hiob 10,2), sind wir allzu schnell dabei, anderen die Schuld an unserem Unglück zu geben. So war es auch bei dieser Frau. Anstatt Elia zu bitten, mit ihr und für sie zu beten – dass Gott sie in die Lage versetzen möge zu verstehen, worin sie „geirrt“ hatte (Hiob 6,24), und dass es Ihm gefallen möge, dieses Leid zum Wohl ihrer Seele zu heiligen – machte sie ihm Vorwürfe. Wie tragisch versäumen wir es, unsere Privilegien zu nutzen.

„Und sie sprach zu Elia: Was hab ich mit dir zu schaffen, du Mann Gottes? Du bist zu mir gekommen, dass meiner Sünde gedacht und mein Sohn getötet würde.“ Diese Reaktion steht in auffallendem Gegensatz zu der Gelassenheit, die sie bei ihrer ersten Begegnung mit Elia gezeigt hatte. Das plötzliche Unglück, das über sie hereingebrochen war, hatte sie als ein schmerzlicher Schock getroffen, und in solchen Umständen, wenn Leid uns unerwartet trifft, ist es schwer, die Fassung zu wahren. Unter plötzlichen, schweren Heimsuchungen ist viel Gnade erforderlich, um uns vor ungeduldigen, gereizten Ausbrüchen zu bewahren und uns zu befähigen, unerschütterliches Gottvertrauen und vollkommene Ergebenheit in Seine Wege zu praktizieren. Nicht alle Heiligen sind in der Lage, mit Hiob zu sagen: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? ... Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!“ (Hiob 2,10; 1,21). Doch anstatt ein solches Versagen als Entschuldigung anzuführen, müssen wir uns selbst schonungslos richten und solche Sünden reumütig vor Gott bekennen.

Die arme Witwe war über ihren Verlust zutiefst betrübt, und ihre Worte an Elia reflektieren eine seltsame Mischung von Glauben und Unglauben, Stolz und Demütigkeit. Sie waren der widerspruchsvolle Ausbruch eines aufgewühlten Geistes, wie aus ihrer unzusammenhängenden, stoßartigen Natur zu schließen ist. Zuerst fragt sie ihn: „Was hab ich mit dir zu schaffen? – Was hab ich getan, dich zu verstimmen? Womit habe ich dich verletzt? Sie wünschte, sie hätte ihn nie gesehen, wenn er für den Tod ihres Kindes verantwortlich war. Und doch, zweitens, nennt sie ihn „du Mann Gottes“ – einen, der zum göttlichen Dienst abgesondert war. Sie muss inzwischen erfahren haben, dass die schreckliche Dürre in Antwort auf die Gebete des Propheten über Israel gekommen war, und sie zog wahrscheinlich den Schluss, dass ihre eigene Not auf ähnliche Weise verursacht war. Drittens, sie demütigte sich, indem sie hinzufügte: „Du bist zu mir gekommen, dass meiner Sünde gedacht und mein Sohn getötet würde.“ – ein möglicher Hinweis auf ihre einstmalige Baalsverehrung.

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Das Leben des Elia - Kap. 9 Eine dunkle Vorsehung

Beitragvon Sonja » 13.10.2016 08:08

Es ist oft Gottes Weg, Leiden zu benutzen, um uns frühere Sünden ins Gedächtnis zu rufen. In der normalen täglichen Routine ist es so leicht, ohne tiefe Gewissensprüfung vor dem Herrn von Tag zu Tag zu leben, besonders wenn wir im Genuss eines ständig sich wieder anfüllenden Kruges sind. Nur wenn wir wirklich nah bei Ihm wandeln, oder wenn wir mit einer besonderen Züchtigung von Seiner Hand geschlagen sind, ist unser Gewissen empfindsam vor Ihm. Als der Tod ihre Familie heimsuchte, rückte die Frage nach der Sünde ins Bewusstsein, denn Tod ist der Sünde Sold (Röm. 6,23). Am sichersten ist es immer für uns, wenn wir die Haltung einnehmen, unsere Verluste als Gottes Stimme an unsere sündigen Herzen aufzufassen und uns mit allem Fleiß zu prüfen, von unseren Übertretungen umzukehren und sie dem Herrn zu bekennen, um Seine Vergebung und Reinigung zu empfangen (1.Joh. 1,9).

Das ist genau der Punkt, an dem der Unterschied zwischen einem Ungläubigen und einem Glaubenden so oft ans Licht kommt. Wenn der erstere von einem bitteren Leid oder Verlust heimgesucht wird, offenbart sich schnell der Stolz und die Selbstgerechtigkeit seines Herzens in Worten wie „Ich weiß nicht, was ich getan habe, dass ich so etwas verdiene: Ich war immer bemüht, das Richtige zu tun; ich bin nicht schlechter als meine Nachbarn, denen solcher Kummer erspart bleibt – warum muss ich diese Not erdulden?“ Doch wie anderes reagiert ein Mensch, der wahrhaft von Gott gedemütigt ist. Er misstraut sich selbst, weiß um sein vielfältiges Versagen und neigt zu dem Gedanken, dass er dem Herrn missfallen hat. Ein solcher Mensch wird eifrig seine Wege überdenken (Hag. 1,5), seinen bisherigen Lebenswandel kritisch beleuchten und sein gegenwärtiges Verhalten sorgfältig untersuchen, um zu entdecken, was falsch war und ist, und um es zu korrigieren. Nur so kann unser Geist von seinen Ängsten befreit und Gottes Friede in unseren Seelen bekräftigt werden.

Diese Haltung, uns unsere vielfältigen Sünden ins Bewusstsein zu rufen und uns selbst ihretwegen zu richten, ist es, die uns demütig und gehorsam, geduldig und ergeben machen wird. So war es bei Aaron: Als Gottes Gericht schwer auf seine Familie herabfuhr, heißt es: „Und Aaron schwieg“ (3.Mose 10,3). So war es auch bei dem armen, alten Eli, der es versäumt hatte, seine Söhne zu ermahnen und zu erziehen; als ihm ihr Tod angekündigt wurde, rief er aus: „Es ist der HERR; er tue, was ihm gefällt“ (1.Sam. 3,18). Der Verlust eines Kindes erinnert Eltern manchmal an Sünden, die sie im Zusammenhang mit ihm vor langer Zeit begangen haben. So erging es David, als er sein Kind durch die Hand Gottes verlor, der es wegen seiner Sünde tötete (2.Sam. 12). Wie schwer der Verlust, wie tief die Trauer auch sein mag, der Glaubende wird bei rechter Besinnung immer sagen: „HERR, ich weiß, dass deine Urteile gerecht sind; in deiner Treue hast du mich gedemütigt“ (Ps. 119,75).

Obwohl die Witwe und ihr Sohn Tag um Tag am Leben gehalten worden waren – auf wunderbare Weise durch Gottes Kraft ernährt, während der Rest des Volkes litt –, war sie doch weniger von dieser Wohltat Gottes beeindruckt als davon, dass Er ihr Kind nahm: „Was hab ich mit dir zu schaffen, du Mann Gottes? Du bist zu mir gekommen, dass meiner Sünde gedacht und mein Sohn getötet würde.“ Während sie Gott im Tod ihres Sohnes zu erkennen scheint, wird sie doch den Gedanken nicht los, dass die Anwesenheit des Propheten dafür verantwortlich ist. Sie schreibt ihren Verlust Elia zu: als sei er beauftragt gewesen zu ihr zu gehen, um die Strafe für ihre Sünden über sie zu verhängen. Da er zuvor zu Ahab gesandt war, um Israel für seine Sünden die Dürre anzukündigen, fürchtete sie sich jetzt vor seiner Anwesenheit; sein bloßer Anblick versetzte sie in Schrecken. Ach, wie leicht verkennen wir die Gründe unserer Not und schreiben sie falschen Ursachen zu.

„Und er sprach zu ihr: Gib mir deinen Sohn!“ (V. 19). In der Einleitung zum letzten Kapitel wies ich darauf hin, wie die zweite Hälfte von 2.Könige 17 uns ein Bild von dem häuslichen Leben Elias vermittelt, von seinem Verhalten im Haus der Witwe von Zarpat. Zunächst bewies er seine Zufriedenheit mit seinem bescheidenen Los, indem er mit keiner Silbe gegen die Eintönigkeit der Ernährung aufbegehrte. Hier nun sehen wir, wie er sich angesichts großer Provokation verhielt. Der gereizte Ausbruch dieser erschütterten Frau war deshalb besonders schmerzlich, weil er sich gegen den Mann richtete, der doch schließlich ihrem Hause Hilfe in der Not gebracht hatte. Ihr Satz „Du bist zu mir gekommen, dass meiner Sünde gedacht und mein Sohn getötet würde“ war unpassend und ungerecht und hätte sehr wohl eine bittere Antwort hervorrufen können. Er hätte es unzweifelhaft auch getan, wäre nicht die beschwichtigende Gnade Gottes wirksam gewesen, denn Elia war von Natur temperamentvoll.

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Das Leben des Elia - Kap. 9 Eine dunkle Vorsehung

Beitragvon Sonja » 18.10.2016 09:28

Die falsche Deutung, welche die Witwe der Gegenwart Elias in ihrem Haus beimaß, hätte jeden aus der Fassung bringen können. Erfreulicherweise erhielt ihr unbedachtes Urteil keine zornige Erwiderung, sondern stattdessen eine „linde Antwort“, um ihren Zorn zu stillen. Wenn jemand unbesonnene Worte zu uns sagt, so ist das für uns kein Grund, uns auf seine Ebene zu begeben. Der Prophet nahm keine Kenntnis von ihrer emotionsgeladenen Frage und erwies sich dadurch als Nachfolger Dessen, der „sanftmütig und von Herzen demütig“ war und von dem wir lesen: „... der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde“ (1.Petr. 2,23). „Elia sah, dass sie äußerst erschüttert war und als jemand sprach, der in großer Seelennot war; und deshalb sagte er, ohne ihre Worte zur Kenntnis zu nehmen, mit
ruhiger Stimme:‘Gib mir deinen Sohn!‘ und weckte dadurch gleichzeitig in ihr die Erwartung, dass er durch seine Fürbitte ihren Sohn wieder aufrichten würde.“ (J. Simpson).

Man könnte meinen, die gerade zitierten Worten seinen rein spekulativ; persönlich bin ich der Ansicht, dass sie durch die Schrift voll gerechtfertigt sind. In Hebräer 11,35 lesen wir: „Frauen haben ihre Toten durch Auferstehung wiederbekommen.“ Wir erinnern uns, dass diese Aussage in dem großen Glaubenskapitel zu finden ist, wo der Geist Gottes einige der wunderbaren Errungenschaften und Heldentaten jener dargelegt hat, die auf den lebendigen Gott vertrauen. Ein Einzelfall nach dem anderen wird erwähnt, und dann folgt eine Zusammenfassung und Verallgemeinerung: „diese haben durch Glauben Königreiche bezwungen ... Frauen haben durch Auferstehung ihre Toten wiederbekommen.“ Es kann keine Zweifel geben, dass hier auf den vorliegenden Fall und auf den Parallelfall der Schunemiterin (2.Kön. 4,17-37) Bezug genommen wird. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie das Neue Testament Licht auf die früheren Schriften wirft und uns befähigt, eine bessere Vorstellung von den damaligen Ereignissen zu bekommen.

Die Witwe von Zarpat war, wenngleich eine Heidin, dennoch eine Tochter Sarahs, welcher der Glaube der Auserwählten Gottes zuteil geworden war. Solch ein Glaube ist übernatürlich, denn sein Urheber und sein Ziel sind übernatürlich. Wann dieser Glaube ursprünglich in ihr geboren wurde, wird uns nicht erzählt – sehr wahrscheinlich, während Elia in ihrem Haus wohnte, denn „der Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi“ (Röm. 10,17). Das übernatürliche Wesen ihres Glaubens wird anhand der übernatürlichen Früchte deutlich, denn es geschah als Antwort auf ihren Glauben (und auf Elias Fürbitte), dass ihr Kind wieder zum Leben erweckt wurde. Das ist umso bemerkenswerter, wenn wir bedenken, dass, soweit Gottes Wort uns informiert, es nie zuvor eine Auferweckung aus den Toten gegeben hatte. Wie dem auch sei: Er, der bewirkt hatte, dass eine Handvoll Mehl und ein wenig Öl nicht verzehrt wurden, während sich viele Tage lang drei Menschen davon ernährten, konnte doch gewiss auch die Toten auferwecken. So folgert der Glaube: Dem Allmächtigen ist nichts unmöglich.

Man könnte einwenden, dass sich in dem historischen Bericht kein Hinweis auf den Glauben der Witwe bezüglich der Auferwekkung ihres Sohnes findet, sondern vielmehr eine Anspielung auf das Gegenteil. Das ist richtig, aber es widerlegt in keiner Weise das Gesagte. Nichts steht im 1. Buch Mose über Sarahs Glaube, Samen zu empfangen, stattdessen wird ihre Skepsis erwähnt. Wo finden wir im 2. Buch Mose eine Andeutung, dass Moses Eltern Glauben an Gott ausübten, als sie ihren Sohn in einem Körbchen ins Schilf legten? – und doch, siehe Hebräer 11,23. Man hätte wohl große Mühe, im Buch der Richter Anhaltspunkte dafür zu finden, dass Samson ein Mann des Glaubens war, und doch geht aus Hebräer 11,32 klar hervor, dass er einer war. Doch wenn im Alten Testament nichts von ihrem Glauben gesagt wird, dann dürfen wir auch festhalten, dass die unfreundlichen Worte der Witwe an Elia im Neuen Testament nicht berichtet werden – ebenso wenig wie Sarahs Unglaube oder Hiobs Ungeduld – weil sie vom Blut des Lammes ausgelöscht sind.

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Das Leben des Elia - Kap.10 Frauen haben ihre Toten...

Beitragvon Sonja » 20.10.2016 07:40

Das Leben des Elia - Kapitel 10
Frauen haben ihre Toten durch Auferstehung wiederbekommen


Wir wollen jetzt einen der erstaunlichsten Vorfälle bedenken, die im Alten Testament berichtet werden, nämlich die Auferweckung des Sohnes der Witwe von Zarpat. Für den Unglauben ist dieses Ereignis verwirrend, doch jemand, der erfahrungsmäßige Bekanntschaft mit dem Herrn gemacht hat, wird darin keine Schwierigkeit sehen. In seiner Verteidigungsrede vor Agrippa fragte der Apostel Paulus: „Warum wird das bei euch für unglaublich gehalten, (nicht nur, dass eine verstorbene Person wieder lebendig wird, sondern) dass Gott Tote auferweckt?“ (Apg. 26,8). Ja, darauf liegt für den Glaubenden der ganze Schwerpunkt: Auf der absoluten Hinlänglichkeit Dessen, mit dem er es zu tun hat. Bringen wir den lebendigen Gott ins Geschehen, dann verschwinden – ganz gleich, wie drastisch und verzweifelt die Lage sein mag – alle Schwierigkeiten augenblicklich, denn nichts ist Ihm unmöglich. Er, der ursprünglich das Leben einpflanzte, Er, der jetzt unsere Seelen am Leben erhält (Ps. 66,9), kann die Toten wieder beleben.

Der moderne Ungläubige mag (wie einst die Sadduzäer) über die göttlich offenbarte Wahrheit der Auferstehung spotten, aber nicht der Christ. Und warum nicht? Weil er in seiner eigenen Seele die lebendig machende Kraft Gottes erfahren hat: er ist geistlich vom Tod zum Leben gebracht worden. Selbst wenn der Satan schlimme Zweifel in sein Denken hineintreiben und für eine Zeitlang sein Vertrauen in die Auferstehung des Herrn Jesus erschüttern sollte, so wird er doch recht bald sein Gleichgewicht wieder erlangen; er weiß um die Seligkeit jener großen Wahrheit, und wenn Gnade ihn wieder von der Macht der Finsternis befreit hat, wird er voll Freude mit dem Apostel ausrufen: „Christus lebt in mir.“ Zudem wurde bei seiner Wiedergeburt ein übernatürliches Prinzip in sein Herz gepflanzt – das Prinzip des Glaubens – und dieses Prinzip veranlasst ihn, die Heilige Schrift mit der vollen Gewissheit aufzunehmen, dass sie tatsächlich das Wort Dessen ist, der nicht lügen kann, und deshalb glaubt er alles, was die Propheten gesprochen haben.

Hier liegt der Grund, weshalb alles, was die Weisen dieser Welt verwirrt und ins Wanken bringt, für den Christen ganz einfach und verständlich ist. Die Bewahrung Noahs und seiner Familie in der Arche, Israels Durchzug durch das Rote Meer, Jonas Überleben im Bauch des Fisches – all das macht ihm keine Schwierigkeiten. Er weiß, dass Gottes Wort irrtumslos ist, weil er die Wahrheit desselben im eigenen Leben erfahren hat. Nachdem er an sich selbst erlebt hat, dass das Evangelium Christi „die Kraft Gottes zur Erlösung“ ist, hat er keinen Grund, irgendetwas in Zweifel zu ziehen, was in den Heiligen Schriften über die Wundertaten Seiner Macht im materiellen Raum berichtet wird. Der Glaubende ist vollständig überzeugt, dass für den Schöpfer des Himmels und der Erde nichts zu schwer ist. Es ist ja nicht so, dass er ein Einfaltspinsel ist, der leichtgläubig alles annimmt, was ganz und gar jeder Vernunft widerspricht, sondern vielmehr ist in dem Christen die Vernunft in ihrer ursprünglichen Norm wiederhergestellt: Gehen wir davon aus, dass Gott allmächtig ist, so folgt daraus notwendig das übernatürliche Wirken Seiner Hand.

Das ganze Thema der Wunder ist hiermit auf seinen einfachsten Faktor zurückgeführt. Viel Gelehrtes ist darüber geschrieben worden: die Naturgesetze, ihre Außerkraftsetzung, Gottes Handeln entgegen diesen Gesetzen, das genaue Wesen eines Wunders. Persönlich würde ich ein Wunder definieren als etwas, das nur Gott selbst vollbringen kann. Dabei unterschätze ich nicht die Macht des Satans, oder übersehe Bibelstellen wie Offenbarung 16,14 und 19,20. Es genügt mir, dass die Heilige Schrift den Herrn als den beschreibt, „der allein große Wunder tut“ (Ps. 136,4). Was die „großen Zeichen und Wunder“ der falschen Christusse und falschen Propheten betrifft, so besteht ihre Natur darin, zu „verführen“ (Mt. 24,24), denn es sind „lügenhafte Wunder“ (2.Thess. 2,9), genau wie ihre Voraussagen falsch sind. Hierin ruhen wir: Gott allein tut große Wunder, und weil Er Gott ist, erwarten wir genau das von Ihm.

In unserem letzten Kapitel haben wir uns mit dem bitteren Leid befasst, das in dem plötzlichen Tod ihres Sohnes über die Witwe von Zarpat hereinbrach, und mit der unmittelbaren Wirkung, die es auf sie hatte. Bis in die Tiefe aufgewühlt, wandte sie sich gegen Elia und klagte ihn an, die Ursache ihres schweren Verlustes zu sein. Der Prophet gab ihr keine schroffe Antwort auf ihren unfreundlichen, ungerechten Vorwurf, sondern sagte stattdessen ruhig: „Gib mir deinen Sohn.“ Beachte, dass er nicht eigenmächtig Hand an den Leichnam legte, sondern höflich darum bat, dass er ihm überlassen werde. Ich glaube, dass Elia damit die Absicht verfolgte, ihr Gemüt zu beruhigen und sie zu veranlassen, „Hoffnung zu haben, wo nichts zu hoffen war“ (Röm. 4,18), wie lange Zeit vorher Abraham, als er Gott vertraute, der die Toten lebendig macht; denn es geschah (teilweise zumindest) in Anwort auf ihren Glauben, dass sie ihren Toten „durch Auferstehung wiedergewann“ (Hebr. 11,35).

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Das Leben des Elia - Kap.10 Frauen haben ihre Toten...

Beitragvon Sonja » 29.10.2016 08:03

„Und er nahm ihn von ihrem Schoß und ging hinauf ins Obergemach, wo er wohnte und legte ihn auf sein Bett“ (1.Kön. 17,19). Dies war offensichtlich ein Obergemach, das dem Propheten zur persönlichen Nutzung überlassen war, so wie Elisa das seinige an einem anderen Ort hatte (2.Kön. 4,10). Dorthin zog er sich jetzt zurück, wie Petrus auf das Dach und Christus in den Garten. Der Prophet muss selbst auch recht bedrückt und fassungslos durch das traurige Ereignis gewesen sein, das seiner Wirtin widerfahren war. So streng Elia bei der Ausübung seiner Pflicht war, so besaß er doch darunter ein sanftes Wesen (wie es bei strengen Menschen häufig der Fall ist), voller Wohlwollen und Empfindsamkeit für das Elend anderer. Wie aus dem folgenden deutlich wird, war Elia traurig, dass jemand, der so freundlich zu ihm war, so schwer angefochten war, seit er in ihr Haus gekommen war, und es musste seinen Kummer noch vergrößern, dass sie ihn für ihren Verlust veranwortlich machte.

Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass diese dunkle Fügung Elias Glauben auf eine echte Probe stellte. Jahwe ist der Gott dieser Witwe, der Belohner derer, die Seinem Volk helfen, insbesondere derer, die Seinen Dienern Freundlichkeit erweisen. Warum also sollte jetzt dieses Leid über diejenige kommen, die ihm Unterkunft gegeben hatte? War er nicht auf Gottes ausdrückliche Weisung hin als Bote der Barmherzigkeit in ihr Haus gekommen? Und wahrlich, als ein solcher hatte er sich erwiesen; doch das hatte sie unter dem Druck der gegenwärtigen Heimsuchung vergessen: nun empfand sie ihn nur noch als den Überbringer des Zorns, den Rächer ihrer Sünde, den Töter ihres Kindes. Am allerschlimmsten war das Empfinden, dass die Ehre seines Meisters auf dem Spiel stand; dass der Name des Herrn in Verruf geriet! Konnte die Witwe nicht fragen: Ist das Gottes Lohn für die, die Seinen Knechten helfen?

Elias Reaktion auf diesen Schicksalsschlag war vorbildlich. Als die Witwe den Tod ihres Sohnes seiner Anwesenheit zuschrieb, hielt er sich nicht mit fleischlichen Spekulationen auf, machte auch keinen Versuch, das tiefe Geheimnis zu lösen, mit dem er ebenso wie sie jetzt konfrontiert war. Stattdessen zog er sich in seine Kammer zurück, um mit Gott allein zu sein und seine Ratlosigkeit vor Ihm auszubreiten. Das ist in jedem Fall der Weg, den wir gehen sollen, denn nicht nur ist der Herr „eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben“, sondern Sein Wort verlangt, dass wir Ihn zuerst suchen sollen (Mt. 6,33). „Sei nur stille zu Gott, meine Seele“ – das gilt in doppeltem Maße in Zeiten der Verwirrung und des Kummers. Vergeblich ist die Hilfe von Menschen; wertlos sind fleischliche Mutmaßungen. In der Stunde Seiner größten Anfechtung zog sich der Erlöser selbst vor Seinen Jüngern zurück und schüttete Sein Herz dem Vater im Verborgenen aus. Der Witwe war es nicht gestattet, den tiefsten Seelenkampf des Propheten vor seinem Meister zu bezeugen.

„Und er rief den HERRN an“ (V. 20). Noch verstand Elia nicht die Bedeutung dieser mysteriösen Fügung, doch er wusste sehr wohl, was er in seiner Notlage zu tun hatte. Er begab sich zu seinem Gott und breitete seine Klage vor Ihm aus. Mit großer Inbrunst und Beharrlichkeit suchte er Abhilfe, indem er demütig mit Ihm über den Tod des Kindes redete. Doch beachte die ehrfürchtige Sprache: er fragte nicht, Warum hast Du diese unglückliche Fügung über uns gebracht?, sondern stattdessen: „Herr, mein Gott, tust du sogar der Witwe, bei der ich ein Gast bin, so Böses an, dass du ihren Sohn tötest?“ (V. 20). Das Warum dieser Geschehnisse war nicht sein Zuständigkeitsbereich. Es gebührt uns nicht, die Wege des Allerhöchsten in Frage zu stellen oder neugierig nach Seinen geheimen Ratschlüssen zu fragen. Es genügt uns zu wissen, dass der Herr keine Fehler macht, dass Er für alles, was Er tut, gute, ausreichende Gründe hat; und deshalb sollten wir uns demütig unter Sein souveränes Wohlgefallen beugen. Des Menschen „Warum macht Er?“ und „Warum tust Du?“ wird in der Bibel „Das Wort nehmen wider Gott“ genannt (Römer 9,19-20; Elberf.).

In Elias Anrede Gottes können wir zunächst feststellen, wie er sich auf die besondere Beziehung beruft, die Er zu ihm unterhielt: „HERR, mein Gott“, rief er. Dies war ein Geltendmachen seines persönlichen Anteils an Gott, denn diese Worte sind immer Ausdruck einer Bündnisbeziehung. Sagen zu können „HERR, mein Gott“ ist mehr wert als Gold oder Rubinen. Zweitens, er führt das Unglück auf seine ursprüngliche Quelle zurück: „Tust du sogar der Witwe ... so Böses an?“ (V. 20) – er sah, dass der Tod in göttlichem Auftrag zuschlug: „Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der HERR nicht tut?“ (Amos 3,6). Welch ein Trost, wenn uns bewusst wird, dass kein Unglück Gottes Kinder treffen kann, das nicht der Herr über sie bringt. Drittens, er führt die Schwere der Not ins Feld: Dieses Böse hat nicht nur die Frau, oder auch die Mutter ereilt, sondern “die Witwe“, der Du doch in besonderer Weise beistehst. Darüber hinaus ist sie diejenige, „bei der ich Gast bin“: meine freundliche Wohltäterin.

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Das Leben des Elia - Kap.10 Frauen haben ihre Toten...

Beitragvon Sonja » 13.11.2016 08:38

„Und er legte sich auf das Kind dreimal und rief den HERRN an“ (V. 21). War dies ein Beweis für das demütige Wesen des Propheten? Wie bemerkenswert, dass ein so bedeutender Mann so viel Zeit und Gedanken für diese magere kleine Gestalt aufwandte und sich selbst in unmitttelbaren Kontakt mit etwas brachte, das ihn nach dem Zeremonialgesetz verunreinigte! Ist diese Handlungsweise ein Hinweis auf seine eigene Liebe zu dem Kind und darauf, wie sehr er von seinem Tod aufgewühlt war? War sie ein Zeichen für die Ernsthaftigkeit seines Flehens zu Gott, als würde er, wenn er könnte, dem Leichnam etwas von seiner eigenen Lebenskraft und Wärme abgeben? Spricht dafür nicht die dreimalige Wiederholung? Liegt darin ein Sinnbild dafür, was Gott durch Seine Macht und Seine Gnade bewirken kann, wenn Er Sünder vom Tod zum Leben bringt, indem der Heilige Geist sie überschattet und ihnen Sein eigenes Leben zuführt? Wenn wir dem zustimmen, liegt darin nicht mehr als ein Wink, dass diejenigen, die Er als Werkzeuge der Bekehrung einsetzt, selbst wie kleine Kinder werden müssen, indem sie sich auf die Ebene derer begeben, denen sie dienen, anstatt auf einem Podest zu stehen, als wären sie höhere Wesen?

„[Er] rief den HERRN an und sprach: HERR, mein Gott, lass sein Leben in dies Kind zurückkehren!“ (V. 21). Welch ein Beweis dafür, dass Elia daran gewöhnt war, wunderbare Segnungen von Gott als Antwort auf sein Flehen zu erwarten und nichts als so schwer oder so groß zu erachten, dass Er es nicht auf sein Gebet hin gewähren würde. Zweifellos war diese Bitte vom Heiligen Geist angeregt, und doch ist es erstaunlich, dass der Glaube des Propheten zu der Erwartung fähig war, dass das Kind tatsächlich wieder zum Leben erweckt werden würde, denn es gibt keinen Bericht in der Schrift, dass zuvor jemals ein Mensch von den Toten auferstanden war. Doch bedenken wir, liebe christliche Leser, dass dies zu unserer Unterweisung und Ermutigung aufgeschrieben wurde: „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“ Am Thron der Gnade nahen wir uns einem großen König, so lasst uns große Bitten mitbringen. Je mehr der Glaube auf die grenzenlose Kraft und Hinlänglichkeit des Herrn zählt, desto mehr wird Er geehrt.

„Und der HERR erhörte die Stimme Elias, und das Leben kehrte in das Kind zurück, und es wurde wieder lebendig“ (V. 22). Welch ein Beweis für die Gültigkeit der Verheißung: „Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet“ (1.Petr. 3,12). Welch eine Veranschaulichung der Kraft und Wirksamkeit von Gebet! Wir haben einen Gebete hörenden und Gebete erhörenden Gott: zu Ihm lasst uns deshalb Zuflucht suchen, was immer unsere Not auch sei. So hoffnungslos unser Fall auch für alle menschliche Hilfe sein mag, so ist doch für den Herrn nichts zu schwer. Er ist in der Lage, weit über unser Bitten und Verstehen hinaus zu tun. Doch lasst uns „im Glauben bitten und nicht zweifeln; denn wer zweifelt, der gleicht einer Meereswoge, die vom Wind getrieben und bewegt wird. Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfange“ (Jak. 1,6-7). „Und das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns“ (1.Joh. 5,14). Gewiss haben wir es alle nötig, ernstlich zu flehen: „Herr, lehre uns beten!“ Solange dies nicht eine der Wirkungen unserer Betrachtung der vorliegenden Begebenheit ist, ist all unser Studium nur wenig nütze.

Es genügt jedoch nicht zu rufen, „Herr, lehre uns beten!“, wir müssen auch gründlich über solche Abschnitte in Seinem Wort nachdenken, die Fälle von anhaltender Fürbitte aufzeichnen, damit wir das Geheimnis erfolgreichen Betens lernen. An diesem Beispiel können wir die folgenden Punkte festhalten. Erstens, Elia zieht sich in seine eigene Kammer zurück, um mit Gott allein zu sein. Zweitens, sein Eifer: Er „rief den Herrn an“ – das war kein Lippendienst. Drittens, sein Vertrauen auf seinen persönlichen Anteil an dem Herrn, indem er sich auf die Bündnisbeziehung beruft: „HERR, mein Gott.“ Viertens, er stärkt seinen Mut durch den Gedanken an Gottes Eigenschaften, hier die göttliche Souveränität und Obergewalt – „Tust du sogar der Witwe ... so Böses an.“ Fünftens, seine Ernsthaftigkeit und Hartnäckigkeit, die daran ersichtlich wird, dass er sich nicht weniger als dreimal auf das Kind legt. Sechstens, seine Berufung auf Gottes Barmherzigkeit: „die Witwe, bei der ich ein Gast bin.“ Schließlich, die Bestimmtheit seiner Bitte: „Lass sein Leben in dies Kind zurückkehren!“

„Und die Seele des Kindes kehrte wieder in dasselbe zurück, und es wurde lebendig“ (V. 22; Elberf.). Diese Worte sind bedeutsam, weil sie die klare Unterscheidung zwischen Seele und Leib verdeutlichen, eine Unterscheidung, die so real ist wie diejenige zwischen dem Haus und seinem Bewohner. Die Bibel sagt, dass Gott, der Herr bei der Schöpfung zuerst den Leib des Menschen „aus Erde vom Acker“ formte und dann, als zweites, ihm „den Odem des Lebens in seine Nase“ blies; erst dann wurde der Mensch „eine lebendige Seele“ (1.Mose 2,7; Elberf.). Die Sprache in 1.Könige 17,22 bildet einen eindeutigen Beweis, dass die Seele unterschiedlich vom Leib ist, dass sie nicht mit dem Leib stirbt, dass sie nach dem Tod des Leibes eine eigenständige Existenz hat und dass niemand als Gott allein sie in ihren ursprünglichen Wohnort zurückbringen kann, vergl. Lukas 8,55. Im übrigen dürfen wir festhalten, dass diese Bitte Elias und die Antwort des Herrn ganz deutlich machen, dass der Knabe tatsächlich tot war.

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Das Leben des Elia - Kap.10 Frauen haben ihre Toten...

Beitragvon Joschie » 07.12.2016 19:00

Vergleichsweise, und doch in sehr realem Sinne, können wir sagen, dass das Zeitalter der Wunder aufgehört hat, so dass wir nicht länger erwarten können, dass uns unsere Toten in diesem Leben wiedergegeben werden. Aber der Christ darf und sollte sich mit großer Gewissheit darauf freuen, jene geliebten Verwandte und Freunde wieder zu treffen, die in Christus verschieden sind. Ihre Geister sind nicht tot, schlafen auch nicht, wie manche irrtümlich annehmen, sondern sind zu Gott zurückgekehrt, der sie gegeben hat (Pred. 12,7), und befinden sich jetzt in einem Stand, der „viel besser“ ist (Phil. 1,23), was nicht sein könnte, wenn sie aller bewussten Gemeinschaft mit ihrem Geliebten beraubt wären. Vom Leib abwesend, sind sie „daheim bei dem Herrn“ (2.Kor. 5,8), und in seiner Gegenwart ist „Freude die Fülle“ (Ps. 16,11). Was ihre Leiber betrifft, so warten sie auf den großen Tag, wenn sie dem herrlichen Leib Christi gleichgestaltet werden.

„Und Elia nahm das Kind und brachte es hinab vom Obergemach ins Haus und gab es seiner Mutter und sprach: Sieh da, dein Sohn lebt“ (V. 23). Welche Freude muss das Herz des Propheten erfüllt haben, als er die wunderbare Antwort auf seine Fürbitte sah!
Welch begeisterter Lobpreis muss von seinen Lippen zu Gott emporgestiegen sein für diesen weiteren Beweis Seiner Güte, als Er ihn von seiner Trauer befreite. Doch es gab keine Zeit zu verlieren: Die Sorge und Ungewissheit der armen Witwe musste nun gestillt werden. Elia brachte das Kind deshalb unverzüglich nach unten und gab es seiner Mutter. Wer kann ihre Freude ermessen, als sie ihr Kind wieder lebendig sah? Das Vorgehen des Propheten bei dieser Gelegenheit erinnert uns an das Handeln unseres Herrn, als Er den einzigen Sohn der Witwe von Nain zum Leben erweckt hatte, denn sowie er sich aufgerichtet hatte und zu reden anfing, heißt es: „und Jesus gab ihn seiner Mutter“ (Lk. 7,15).

„Und die Frau sprach zu Elia: Nun erkenne ich, dass du ein Mann Gottes bist, und des HERRN Wort in deinem Munde ist Wahrheit“ (V. 24). Eine wunderbare Reaktion. Anstatt ihren natürlichen Gefühlen freien Lauf zu lassen, scheint sie ganz und gar von der Macht Gottes überwältigt gewesen zu sein, die auf Seinem Diener ruhte und die sie jetzt ihrer Überzeugung von seiner göttlichen Mission, sowie der Wahrheit, die er verkündigte, vollkommen gewiss machte. Sie hatte den vollgültigen Beweis empfangen, dass Elia tatsächlich ein Prophet des Herrn war und dass sein Zeugnis wahrhaftig war. Man darf nicht vergessen, dass er sich ihr zuerst als ein „Mann Gottes“ vorgestellt hat (siehe ihre Worte in Vers 18), und deshalb war es unverzichtbar, dass er seinen Anspruch auf diesen Charakter unter Beweis stellte. Und das war durch die Auferweckung ihres Kindes zum Leben geschehen. Liebe Leser, wir bekennen uns als Kinder des lebendigen Gottes, aber wie machen wir unser Bekenntnis glaubwürdig? Es gibt nur einen schlüssigen Weg, dies zu tun, nämlich indem wir in einem „neuen Leben“ wandeln und damit zeigen, dass wir eine „neue Kreatur“ in Christus sind.

Jetzt wollen wir unseren Blick noch auf ein weiteres Wesensmerkmal Elias richten, das aus dem vorliegenden Bericht deutlich wird. In der Betrachtung seines Lebens im Haus der Witwe beschäftigte uns erstens seine Zufriedenheit, die Tatsache, dass er ohne Murren die bescheidenen Lebensumstände annahm, die sich ihm boten. Zweitens seine Sanftmut, seine Weigerung, ihre unfreundlichen Worte mit einer zornigen Erwiderung zu quittieren. Und jetzt betrachten wir, welche selige Wirkung das Wunder, das auf seine Gebete hin geschah, auf seine Wirtin ausübte. Ihr Bekenntnis, „Nun erkenne ich, dass du ein Mann Gottes bist“, war ein persönliches Zeugnis für die Realität und die Kraft eines heiligen Lebens. O dass wir in der Energie des Heiligen Geistes lebten, so dass diejenigen, die mit uns in Kontakt kommen, erkennen, dass Gottes Kraft in und durch uns wirksam ist! Somit wandte der Herr die Trauer der Witwe zu ihrem geistlichen Wohl, indem Er ihren Glauben an die Wahrhaftigkeit seines Wortes festigte.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Das Leben des Elias-Kapitel.11 In Gefahr

Beitragvon Joschie » 17.12.2016 18:39

Kapitel 11 In Gefahr


Für Elia, der mit solchem Eifer für den Herrn und solcher Liebe zu seinem Volk erfüllt war, muss die langanhaltende Handlungsunfähigkeit, zu der er gezwungen war, eine schwere Prüfung gewesen sein. Ein so energiegeladener und mutiger Prophet würde natürlicherweise bemüht sein, die gegenwärtige Not seiner Landsleute sinnvoll zu nutzen: er würde den Wunsch haben, ihr Empfinden für ihre schwere Sünde zu wecken und sie zu drängen, zu ihrem Herrn zurückzukehren. Stattdessen so verschieden sind Gottes Wege von den unsrigen war von ihm verlangt, Monat für Monat, Jahr für Jahr in vollkommener Abgeschiedenheit zu bleiben. Doch sein Meister verfolgte mit dem mühsamen Gehorsamsweg Seines Knechtes eine weise Absicht. Während seines langen Aufenthalts am Bach Krit erfuhr Elia die Treue und Hinlänglichkeit des Herrn, und auch
die ausgedehnte Zeit in Zarpat waren für ihn nicht ohne beträchtlichen Gewinn. Wie der Apostel (in 2.Kor. 6,4 und 12,12) offenbart, ist das erste Merkmal eines erprobten Dieners Christi die Gnadengabe der geistlichen „Geduld“, die wiederum durch die Bewährungsproben des Glaubens entwickelt wird (Jak. 1,3).

Die Jahre, die Elia in Zarpat lebte, waren alles andere als vergeudet, denn während seines Aufenthalts im Haus der Witwe empfing er Bestätigung für seinen göttlichen Ruf durch die bemerkenswerten Siegel, die seinem Amt dort zuteil wurden. Durch sie empfahl er sich dem Gewissen seiner Wirtin: „Nun erkenne ich, dass du ein Mann Gottes bist, und das Wort in deinem Munde ist Wahrheit“(17,24). Es war von größter Wichtigkeit, dass der Prophet ein solches Zeugnis vom göttlichen Ursprung seiner Mission hatte, bevor er den schwierigeren und gefährlicheren Abschnitt derselben antrat, der noch vor ihm lag. Sein eigenes Herz war wunderbar gefestigt, und er war gerüstet, erneut sein öffentliches Amt anzutreten, in der Gewissheit, dass er ein Knecht Jehovas war und dass das Wort des Herrn tatsächlich in seinem Munde war. Ein solches Siegel auf seinem Amt (die Auferweckung des toten Kindes) und die Bestätigung im Gewissen der Mutter waren eine große Ermutigung für ihn, als er daranging, sich der großen Krise und Auseinandersetzung am Karmel zu stellen.

Welch tröstliche Lektion liegt doch hierin für glühende Botschafter Christi, die Gottes Vorsehung eine Zeitlang aus dem öffentlichen Dienst zurückgezogen hat! Sie sind so begierig, Gutes zu tun und die Ehre ihres Meisters durch die Errettung von Sündern und die Auferbauung Seiner Heiligen zu fördern, dass sie ihre erzwungene Untätigkeit als schwere Prüfung empfinden. Doch mögen sie still vertrauen, dass der Herr einen guten Grund hat, ihnen diese Beschränkung aufzuerlegen; und deshalb sollten sie ernstlich die Gnade suchen, furchtlos in der Situation auszuhalten und nicht zu versuchen, eigenmächtig einen Ausweg zu erzwingen. Schauen wir Elia an! Er murrte nicht, wagte sich auch nicht vorwitzig aus dem Versteck heraus, in das Gott ihn gebracht hatte. Er wartete geduldig, dass Gott ihn führe, ihn wieder befreie und seinen Wirkungskreis vergrößere. In der Zwischenzeit wurde er durch seine eifrige Fürbitte zu einem großen Segen für die Bewohner des Hauses.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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