Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

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Joschie
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Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

Beitragvon Joschie » 10.06.2017 16:53

albi hat geschrieben:Gerade im Seelsorgebereich wird oft Schindluder mit der Bibel getrieben und Verse und Abschnitte ohne Kontext erst falsch ausgelegt und dann falsch angewendet.

So zitiert Peter01 auch Psalm 13, Elia in 1. König 19, und Paulus in 2. Korinther 12 sowie Hebräer 10.

Diese Aussagen von Dir sind zu pauschal und allgemein. Ist nach deinen Verständnis die richtige Seelsorge von der richtigen Auslegung abhängig? Gerade durch den Psalm 13 hat schon so manch einer Trotz und Hilfe gefunden! Haben diese Geschwister sich geirrt weil der Psalm.13 in einen bestimmten Kontext steht, der ihren persönlichen Kontext nicht entspricht ? Im Psalm 88 steht nichts von Depressionen und doch entsprechen seine Schilderung sehr, wie sich eine Depression für den Betroffenen anfühlen kann.

albi hat geschrieben:Oft denke ich auch, dass die WIRKLICH verfolgten Christen in nicht-westlichen Ländern viele Bibeltexte wie 1. Petrus und Hebräer weit besser verstehen können als wir. Im Westen werden diese Abschnitte dann psychologisiert, weil wir noch keine äußere Drangsal erleiden ("Hass der Welt"), von dem diese Texte eindeutig sprechen.

Gibt es in den nicht-westlichen Ländern auch nicht wirklich verfolgte Christen :?: Es ist noch gar nicht so lange her das Christen in den östlichen Ländern Europas (Ostblock) verfolgt wurden und in einigen Ländern ist die Lage mehr als schwierig was ist mit diesen Christen? Hast Du dir schon einmal mit solchen Geschwistern unterhalten, dieses kann sehr hilfreich sein mal den eigenen Horizont zu erweitern!
Gruß Joschie
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albi
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Re: Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

Beitragvon albi » 23.06.2017 17:10

Hallo Joschie.

Der Psalm 88 ist ein Psalm, der "passt". Den kann man ja wirklich bei Depression verwenden und anwenden.

Das ist, was ich meine: Es gibt sehr gute Bibelworte, die "passen". Aber manchmal verwenden Christen - auch sog. "biblische Seelsorger" - Abschnitte und Verse, die im zusammenhang gar nichts mit dem seelischen Problem zu tun haben. Und das ist unredlich. Denn ich bin tatsächlich überzeugt, dass ein Bibelwort nur dann etwas über ein Problem sagt, wenn man das auch vom Kontext her ableiten kann. So sagt 1. Petrus sehr viel aus über unter Verfolgung leidende Christen, aber man darf die Worte wie in 1. Petrus 4,12-13 nicht einfach auf seelische Probleme übertragen, wie es leider David Tripp in "Werkzeuge in Gottes Hand" in Kapitel 8 tut (wo er auch viel andere Bibelworte so psychologisierend falsch auslegt und dann auf seelische Störungen anwendet - "Leid, Enttäuschungen, zerschlagene Träume" usw.) Entweder bin ich einfach blind und ich kann das einfach nicht erkennen, oder aber Petrus spricht in diesem Brief gar nicht von "seelischen Problemen" - sondern von einer verfolgten, unterdrückten, verleumdeten und geschmähten christlichen Geschwistern im Exil.

Deswegen bin ich kritisch, wenn ich so etwas lese und man das "Biblische Seelsorge" nennt.

Es gibt ja wirklich viel, was Trost und Kraft gibt in der Bibel, mir z.B. neulich Psalm 25. Auch Offenbarung 21 kann in schweren Zeiten trösten. Wenn man also die passenden Bibelabschnitte findet, die wirklich in die jeweilige Situation und die Not und das Leid sprechen, ist es echte BIBLISCHE Seelsorge. Aber wenn man Bibelabschnitte falsch auslegt auf eine Weise, die der Autor (z.B. 1. Petrus) den damaligen Lesern in ihren damaligen Problemen gar nicht vermitteln wollte, und diese Wahrheit dann auf die heutige Gemeinde und persönliche Situation anwendet, dann betreibt man Eisegese und man liest einfach seine persönlichen Projektionen in die Bibel hinein. So etwas kann ich nicht als BIBLISCHE Seelsorge annehmen, sondern weise ich entschieden zurück.

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Peter01
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Re: Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

Beitragvon Peter01 » 09.08.2017 18:38

Hallo albi

du schreibst:

albi hat geschrieben:Gerade im Seelsorgebereich wird oft Schindluder mit der Bibel getrieben und Verse und Abschnitte ohne Kontext erst falsch ausgelegt und dann falsch angewendet.

So zitiert Peter01 auch Psalm 13, Elia in 1. König 19, und Paulus in 2. Korinther 12 sowie Hebräer 10.

An alle, aber besonders an Peter01: Was haben diese Abschnitte überhaupt mit SEELISCHEN PROBLEMEN / Störunge zu tun?!

In Psalm 13 ist David besorgt wegen seinem FEIND. In 1. Könige 19 hat Elia TODESANGST, weil Isebel ihn ERMORDEN will. In 2. Korinther 12. spricht Paulus von seinem mysteriösen "Pfahl im Fleisch" (wo es viele verschiedene Auslegungen gibt, was das überhaupt ist), und in Hebräer 10 sowie im gesamten Hebräerbrief geht es um Ausharren unter Verfolgungen, Drangsal und Bedrängnis.

Was hat das mit den seelischen Problemen zu tun, von denen wir hier eigentlich sprechen?!

Wenn ich von SEELISCHEN Störungen spreche, meine ich nicht eine Kummer oder Angst, weil ich verfolgt oder unterdrückt werde (das ist doch keine seelische Störung, sondern NORMAL!), sondern eine tiefe, alte und scheinbar "irrationaler" seelischer Dauerzustand. Verbunden mit negativen, kreisenden Gedanken, sehr belastenden Emotionen und großer Selbst-Entwertung (es gibt eine biblische Selbst-Entwertung, die geboten ist, aber auch eine seelisch/psychische, die ungesund und krankhaft ist). Diese Bibelabschnitte aber sprechen von äußerst nachvollziehbaren und durch äußerliche Umstände verursachte Ängste, Nöte usw. Selbst den seelisch gesündesten Menschen würde es Angst machen, wenn sein FEIND ihn bedrängt oder er in einer Höhle vom König versteckt. Das ist doch was ganz anderes als z.B. ein hartnäckige "Depression" oder andere seelislche STÖRUNGEN der Persönlichkeit!


Deine Definition von seelischen Störungen tiefe, alte und scheinbar "irrationaler" seelischer Dauerzustand. Verbunden mit negativen, kreisenden Gedanken, sehr belastenden Emotionen und großer Selbst-Entwertung sind Störungen, die bei David in Psalm 13, bei Elia in 1. Kön 19, bei Paulus in 2. Kor und bei den Hebräern in Kap. 10 vorkommen. Hier sei auf deine Frage geantwortet. Um dies noch deutlicher zu machen, bitte ich dich, dich mit den einzelnen Stellen und besonders mit dem Kontext zu beschäftigen (das ist doch was du für ein seelische Hilfestellung verlangst). In welcher Situation befanden sich die Menschen? Was war vorher geschehen? Welcher Gefahr wurden sie ausgesetzt? Was erwartete sie? usw.

Eine kleine Anmerkung: Was du mit NORMAL bezeichnest (Kummer und Angst) ist nicht normal. Es ist die Auswirkung der Sünde und genauso ein seelisches Problem. Jesus tröstet seine Jünger, sie sollen sich nicht erschrecken und getrost sein (vgl. Joh 14,1 und 16,33). Das zeigt dass Kummer und Angst nicht normal sind. Sünde verursacht jede seelische Störung. Normal ist der Zustand vor dem Sündenfall. Aber du gibst ja selbst zu verstehen, dass es deine Auffassung ist, daher ist es in Ordnung solange du es nicht für die biblische Sicht ausgibst.

Herzlich
Peter

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Re: Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

Beitragvon Jose » 11.08.2017 16:19

Peter01 hat geschrieben:Eine kleine Anmerkung: Was du mit NORMAL bezeichnest (Kummer und Angst) ist nicht normal. Es ist die Auswirkung der Sünde und genauso ein seelisches Problem. Jesus tröstet seine Jünger, sie sollen sich nicht erschrecken und getrost sein (vgl. Joh 14,1 und 16,33). Das zeigt dass Kummer und Angst nicht normal sind. Sünde verursacht jede seelische Störung. Normal ist der Zustand vor dem Sündenfall. Aber du gibst ja selbst zu verstehen, dass es deine Auffassung ist, daher ist es in Ordnung solange du es nicht für die biblische Sicht ausgibst.

Ja, Jesus tröstet Seine Jünger! Kummer und Angst sind nicht unbedingt Folge der Sünde. Sonst hätte Jesus die Jünger nicht getröstet, sondern getadelt. Im Römerbrief lesen wir: "Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?" Röm 8,35. Auch hier ist u.a. von Angst die Rede. Aber ob Angst, Kampf oder Trübsal, die Gläubigen durchleben viel Leiden auf dieser Erde, Anfechtungen und Nöte. Diese Erfahrungen sollte man nicht gleich als Sünde abtun. Und manche benötigen vielleicht mehr Trost und Aufmunterung, um wieder auf den Herrn im Vertrauen zu blicken.

Gerade in der christlichen Seelsorge dürfen wir m.E. nicht einseitig und engherzig sein in der Beurteilung einer Stimmungslage bzw. einer Gemütsverfassung. Auch Paulus redete an manchen Stellen von Ängsten die er durchlebte: "Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark" 2. Kor 12,10. Nur aus solchen Erfahrungen heraus konnte er schreiben: "Wir ermahnen euch aber, Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen alle!" 1.Thess 5,14. Haben wir hier nicht alle noch zu lernen, was den Umgang untereinander anbetrifft und die Fürsorge die wir einander schuldig sind?

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Joschie
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Re: Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

Beitragvon Joschie » 12.08.2017 10:33

Jose hat geschrieben:
Peter01 hat geschrieben:Eine kleine Anmerkung: Was du mit NORMAL bezeichnest (Kummer und Angst) ist nicht normal. Es ist die Auswirkung der Sünde und genauso ein seelisches Problem. Jesus tröstet seine Jünger, sie sollen sich nicht erschrecken und getrost sein (vgl. Joh 14,1 und 16,33). Das zeigt dass Kummer und Angst nicht normal sind. Sünde verursacht jede seelische Störung. Normal ist der Zustand vor dem Sündenfall. Aber du gibst ja selbst zu verstehen, dass es deine Auffassung ist, daher ist es in Ordnung solange du es nicht für die biblische Sicht ausgibst.

Ja, Jesus tröstet Seine Jünger! Kummer und Angst sind nicht unbedingt Folge der Sünde. Sonst hätte Jesus die Jünger nicht getröstet, sondern getadelt. Im Römerbrief lesen wir: "Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?" Röm 8,35. Auch hier ist u.a. von Angst die Rede. Aber ob Angst, Kampf oder Trübsal, die Gläubigen durchleben viel Leiden auf dieser Erde, Anfechtungen und Nöte. Diese Erfahrungen sollte man nicht gleich als Sünde abtun. Und manche benötigen vielleicht mehr Trost und Aufmunterung, um wieder auf den Herrn im Vertrauen zu blicken.

Gerade in der christlichen Seelsorge dürfen wir m.E. nicht einseitig und engherzig sein in der Beurteilung einer Stimmungslage bzw. einer Gemütsverfassung. Auch Paulus redete an manchen Stellen von Ängsten die er durchlebte: "Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark" 2. Kor 12,10. Nur aus solchen Erfahrungen heraus konnte er schreiben: "Wir ermahnen euch aber, Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen alle!" 1.Thess 5,14. Haben wir hier nicht alle noch zu lernen, was den Umgang untereinander anbetrifft und die Fürsorge die wir einander schuldig sind?

Jose,ich Teile deine Sicht in den Bereichen Not, Leid, Anfechtungen, Angst usw. Wenn ich diese Dinge alle Ignoriere oder gar als Sünde hinstelle blendet man aus das wir in einer gefallenden Welt leben. Ich habe zu diesen Bereichen verschiedene Bücher gelesen, dabei ist mir aufgefallen, das sie ob bewusst oder unbewusst alle die westliche Welt im Hinterkopf haben. Verfolgung, Angst oder Drangsal sind für sie oft nur Erzählungen aus der Kirchengeschichte alten oder neueren Datums. Hätten sie dieses Dinge persönlich erlebt haben würden so manch eine Seelsorgerische Abhandlung anders ausfallen. Leider ist es so das es grade in diesen Bereich sehr viel pharisäerhaftes Denken gibt!
Ich behaupte nicht das ich als Christ verfolgt wurde. Ich habe erlebt wie es ist wenn die Staatssicherheit an der Tür klopft oder das man vor allen Kollegen vorgeführt wird, so das aus Angst vor der Stasi viele Leute jeden sozialen Kontakt zu einen Abrechen usw. Ja ich hatte Angst und mir ging der Ars... auf Grundeis. Der HERR hat viel Gnade geschenkt und mich in diesen Dingen durch getragen. Ich kenne leider auch Fälle von Geschwistern besonders in Rumänien wo es ganz anders ausgegangen ist, sie wurden so schwer Gefoltert das sie bis heute dadurch Körperlich und Seelisch schwer Leiden. Wenn jemand dieses Geschwister die deshalb Angst und Not haben verunglimpft werde ich so richtig sauer :motz: :motz: :motz:
Dieses waren von Joschie ganz persönliche Zeilen!
Gruß Joschie
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Re: Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

Beitragvon albi » 12.08.2017 17:55

Peter01 hat geschrieben:Eine kleine Anmerkung: Was du mit NORMAL bezeichnest (Kummer und Angst) ist nicht normal. Es ist die Auswirkung der Sünde und genauso ein seelisches Problem. Jesus tröstet seine Jünger, sie sollen sich nicht erschrecken und getrost sein (vgl. Joh 14,1 und 16,33). Das zeigt dass Kummer und Angst nicht normal sind. Sünde verursacht jede seelische Störung. Normal ist der Zustand vor dem Sündenfall.


"Und Jesus weinte." (Joh 11,35, Kummer)

"Und er fing an sehr betrübt zu werden und ihm graute sehr. ... Meine seele ist betrübt bus zum Tod." (Matthäus 26,37-38)

Wen man dir glauben sollte wäre Jesus selbst ein Sünder, den er kannte Gram, Angst und Kummer. Aber ich kenne ja nun schon zur Genüge diese krankmachenden Irrtümer über Emotionen, die von dieser Gesinnung verbreitet werden. Jonathan Edwards hatte damals eine viel gesundere und weisere Einstellung dazu.


Joschie hat geschrieben:Ich habe zu diesen Bereichen verschiedene Bücher gelesen, dabei ist mir aufgefallen, das sie ob bewusst oder unbewusst alle die westliche Welt im Hinterkopf haben. Verfolgung, Angst oder Drangsal sind für sie oft nur Erzählungen aus der Kirchengeschichte alten oder neueren Datums. Hätten sie dieses Dinge persönlich erlebt haben würden so manch eine Seelsorgerische Abhandlung anders ausfallen. Leider ist es so das es grade in diesen Bereich sehr viel pharisäerhaftes Denken gibt!


Hallo Joschi, ja, leider lesen viele, die sog. "Biblische" Seelsorge betreiben, klare Verfolgungsstellen in der Bibel psychologisch. Selbst im Lehrbuch von David Tripp in kapitel 8, wo er von leid spricht, legt er 1. PETRUS 4 psychologisierend auf Enttäuschungen, Verletzungen usw. aus. Petrus spricht aber eindeutig im gesamten Brief und nahkontext von Leiden UM CHRISTI WILLEN durch die Ablehnung der Welt. Petrus geht es nie darum, Leuten innihren seelischen Problemen die durch ganz andere Ursachen bewirkt sind, zu helfen. PETRUS ist der perfekte selesorgerliche Trost fue Christen in Nordkorea oder in Russland. Er sagt aber wenig an depressive Christen.

Ich denke oft diese sog. "Biblische" Seelsorge kann nur gedeihen, wo es keine Verfolgung gibt. Auch die von Peter genannten Abschnitte verstehen verfolgte Christen besser als wir, wenn wir sie psychologisieren.

Hier in diesem Forum Erfahrungen von Ggeschädigten Leutendurch Jay Adams einflussreichen Seelsorgemodell.
https://cryingoutforjustice.com/2012/10 ... m-it-does/

Das Problem ist, dass man es heute nicht mehr NOUTHETIC, sondern "BIBLICAL counseling" nennt. Das impliziert, dass jeder, der gegen nuthetische Beratung ist, sich gegen die Bibel stellt. Das ist ein feiner Trick, Kritiker von vornherein zu diffamieren.

Dabei gibt es so viel massive Kritik an Adams und seinen Nachfolgern von treuen Christten, und sogar psychoheresy-aware taten Buße und warnen jetzt vor der "biblischen (nuthetischen) Seelsorge"-Bewegung, wo sie einst selbst 11 Jahre mitwirkten. http://www.psychoheresy-aware.org/abc25.html

Die Nuthetik wird in Berlin am bekannten und sonst recht guten EBTC gelehrt und verbreitet.

albi
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Re: Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

Beitragvon albi » 12.08.2017 18:29

Peter01 hat geschrieben:Deine Definition von seelischen Störungen tiefe, alte und scheinbar "irrationaler" seelischer Dauerzustand. Verbunden mit negativen, kreisenden Gedanken, sehr belastenden Emotionen und großer Selbst-Entwertung sind Störungen, die bei David in Psalm 13, bei Elia in 1. Kön 19, bei Paulus in 2. Kor und bei den Hebräern in Kap. 10 vorkommen.


Das sind dch keine Störungen, sondern sehr nachvollziehbare Reaktionen auf äußere Umstände. Das hat doch nichts mit seelischen Störungen zu tun. Auch MacArthur oder Wolfgang Nestvogel hätten solche ansehnlichen "seelischen Probleme", wenn sie mit so einer Drangsal wie Elia oder Paulus konfrontiert würden. Ich sehe immer wieder dass diese sog. "Seelsorger" ein sehr sonderbares Bild davon haben, was das Wesen seelischer Störungen ist. Wen man sie ernst nimmt kann man auch behaupten, Paulus und Barnabas hatten eine seelische Störung, als sie in den Stock kamen und sicherlich auch "seelisch" darunter litten.

Es werden beständig "normale" psychische Reaktionen auf Umstände mit irrationalen psychischen erwechselt. Dann heißt es, Jona hatte eine "Depression", weil er den Kopf senkte und nicht mehr leben wollte, als Got Ninive doch verschonte. Was hat das mit Depressionen zu tun? Der war kurz und als Reaktion griesgrämig gegen Gott, was Sünde ist. Was hat das mit einer Seele zu tun, die ständig bedrückt ist und nicht recht weiß warum, nicht mehr weiter weiß, keinen Mut und Lust mehr zum Leben hat, sich selbst nicht ausstehen kann, jedes Interesse am Leben verliert und sich von anderen völlig zurückzieht? Und das ganze dauerhaft, tief innerlupich, möglicherweise außen wenig bemerkt, vielleicht schleicht sich das seit Jahren ein oder ist seit Kindheit in einem drin.

Ein Freund von meinem Bruder brachte sich vor vielen Jahrennin seiner Jugend um. Keiner hatte so etwas erwartet. Er wirkte so lebensfroh, lachte immer mit. Das war ein Schock als sie die Leiche fanden.

Ich würde NIE NIE NIE (!!!) so einem zu einem sog. "biblischen" Seelsorger schicken, der die ganze Gesinung der Nutetic aus den Lehrbuechern in sich geschluckt hat. Da besteht tatsächlich die Gefahr dass sich der Mensch noch das Leben nimmt. Ich würde aber sehr wohl so einem zu einem wirklich BIBLISCHEN Rat- und Trostspender schicken und auch selbst zu so einem gehen.

Jose
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Re: Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

Beitragvon Jose » 13.08.2017 20:04

Ich musste über eine bestimmte Aussage von Peter nachdenken:

Peter01 hat geschrieben:Hallo albi


Aber du gibst ja selbst zu verstehen, dass es deine Auffassung ist, daher ist es in Ordnung solange du es nicht für die biblische Sicht ausgibst.

Es ist ja nicht nur albi, der eine andere biblische Sicht vertritt, das möchte ich doch gerne festhalten. Aber, wie mit so vielen anderen Themen auch, man kann fast jede eigene Meinung in die Bibel hineinpressen und als die richtige biblische Sicht ausgeben. M.E. ein trauriger Zustand.

Heute, als ich unterwegs mit dem Auto war und den Jakobusbrief hörte, fielen mir die folgenden Bibelstellen auf:

"Nehmt, Brüder, zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die im Namen des Herrn geredet haben!" Jak 5,10

"Siehe, wir preisen die glückselig, die ausgeharrt haben. Vom Ausharren Hiobs habt ihr gehört, und das Ende <des> Herrn habt ihr gesehen, dass der Herr voll innigen Mitgefühls und barmherzig ist." Jak 5,11

"Leidet jemand unter euch? Er bete. Ist jemand guten Mutes? Er singe Psalmen." Jak 5,13

Nicht immer sind wir guten Mutes, oft leiden wir auch, haben wir Trübsal und Kummer. Oft brauchen wir es auch, um die zu verstehen und trösten zu können, die in ähnliche Lage sind.

Paulus bezeugt: "der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden" 2. Kor 1,4.

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Re: Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

Beitragvon Peter01 » 16.08.2017 07:51

Jose hat geschrieben:Diese Erfahrungen sollte man nicht gleich als Sünde abtun.


Joschie hat geschrieben:Jose,ich Teile deine Sicht in den Bereichen Not, Leid, Anfechtungen, Angst usw. Wenn ich diese Dinge alle Ignoriere oder gar als Sünde hinstelle blendet man aus das wir in einer gefallenden Welt leben.


Hallo Joschie und Jose

ich glaube ihr habt meine Anmerkung falsch verstanden:
Peter01 hat geschrieben:Eine kleine Anmerkung: Was du mit NORMAL bezeichnest (Kummer und Angst) ist nicht normal. Es ist die Auswirkung der Sünde und genauso ein seelisches Problem. Jesus tröstet seine Jünger, sie sollen sich nicht erschrecken und getrost sein (vgl. Joh 14,1 und 16,33). Das zeigt dass Kummer und Angst nicht normal sind. Sünde verursacht jede seelische Störung. Normal ist der Zustand vor dem Sündenfall.


Bitte beachtet: Mit dieser Aussage meinte ich in keiner Weise, dass Angst oder Kummer Sünde ist. Ich sprach allgemein. Angst und Kummer gibt es deshalb, weil Sünde in der Welt ist und aufgrund des Sündenfalls. Vor dem Sündenfall gab es keine Angst und keinen Kummer. Jesus hatte auch Angst und Kummer, jedoch nicht weil er gesündigt hatte, sondern weil er Knechtsgestalt angenommen und sein Leben stellvertretend für Sünder gelebt und gestorben ist. In der ewigen Herrlichkeit wird es keine Angst und Kummer geben.

Offb 21,4 Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Herzlich
Peter

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Re: Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

Beitragvon Jose » 17.08.2017 06:27

Was bedeutet es, wenn du Peter meinst, Kummer und Angst seien ein seelisches Problem, eine seelische Störung?
Peter01 hat geschrieben:... (Kummer und Angst) ist nicht normal. Es ist die Auswirkung der Sünde und genauso ein seelisches Problem...

Wir leben in dieser gefallenen Welt. Hat der Christ nun lediglich ein "seelisches Problem", wenn er Kummer und Angst erlebt? Darf er das haben und wie geht der Seelsorger damit um?

Der Umgang mit Kummer und Angst ist die Frage und ich hatte bislang den Eindruck, dass du es verurteilst und kein Verständnis dafür hast.

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Re: Fragen zur Bedeutung und den Inhalt von christlicher Seelsorge!

Beitragvon albi » 19.08.2017 11:47

Hallo Peter01!

Peter01 hat geschrieben:Mit dieser Aussage meinte ich in keiner Weise, dass Angst oder Kummer Sünde ist. Ich sprach allgemein. Angst und Kummer gibt es deshalb, weil Sünde in der Welt ist und aufgrund des Sündenfalls. Vor dem Sündenfall gab es keine Angst und keinen Kummer.


Das klingt doch schon etwas vernünftiger. Ich finde es absolut verrückt, wenn einige christliche Bewegungen prinzipiell Emotionen ablehnen. Da wird schnell seelisch krank, erst recht wenn man dann noch gelehrt wird das sein seelisches Ungleichgewicht dann auch noch Sünde sind.

Man sollte halbwegs emotional im Gleichgewicht sein. Wenn man es nicht ist, ist man seelisch/psychisch "gestört". Jedenfalls kenne ich viele Leute, die ganz schone emotionale Probleme haben; und dann aber teilweise diese Probleme auch noch schön geistlich übertünchen.


Jose hat geschrieben:Der Umgang mit Kummer und Angst ist die Frage und ich hatte bislang den Eindruck, dass du es verurteilst und kein Verständnis dafür hast.


Diesen Eindruck habe ich übrigens fast bei der gesamten einflussreichen nuthetischen Seelsorge-Bewegung. Emotion wird so gut wie immer schlecht und negativ dargestellt.


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