Was ist am Calvinismus besonders?

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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Jose
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Was ist am Calvinismus besonders?

Beitragvon Jose » 10.06.2010 20:21

(fand ich in diesem Forum)
Mich stört an der ganzen Sache, dass die Verzerrung eher da liegt, wo Nichtcalvinisten, Calvinisten ihr Gottesbild versuchen zu erklären
- ohne sich Mühe zu machen, wie der Calvinist tatsächlich Gott sieht.
Warum muss ich das Gottesbild der Calvinisten verstehen? Sind Calvinisten, wenn sie es nicht nur dem Namen nach sind, nicht wiedergeborene Christen wie Lutheraner auch, wenn sie die Gnade Jesu erfasst und sich von Herzen bekehrt haben?

Mit dem Calvinismus fing ich erst an mich zu befassen, muss aber zugeben, dass ich schon auf Grund der Prädestinationslehre dem Calvinismus schon immer reserviert gegenüberstand. Es gibt leider verschiedene Richtungen mit verschiedenen Schwerpunkten, wenn bei alledem das Evangelium und die Notwendigkeit der Bekehrung aber nicht unterschlagen werden, dann soll es mich nicht weiter stören. Wir haben leider noch nicht alle Erkenntnis.

Aber zur Prädestinationslehre. Vorhin las ich in der Bibel:
Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Joh 3,16. Es heißt hier doch jeder, daher kann das Heilsangebot, nach meiner Überzeugung, nicht nur für eine Auswahl gelten. Es ist schlimm genug, dass nur wenige das Heil finden, denn Jesus sagt: „Geht hinein durch die enge Pforte! Denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen. Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden." Mt 7,13.14

Ich möchte einer sein, der durch Gottes Gnade nicht nur gefunden hat, sondern der auf dem schmalen Weg bleibt, bis der Herr kommt oder ich Heim darf.

Verbunden mit allen die Jesus lieben,
José

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Zuletzt geändert von Jose am 12.06.2010 01:04, insgesamt 1-mal geändert.

lutz
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Re: Was ist am Calvinismus besonders?

Beitragvon lutz » 10.06.2010 22:41

Jose hat geschrieben:
(fand ich in diesem Forum)
Mich stört an der ganzen Sache, dass die Verzerrung eher da liegt, wo Nichtcalvinisten, Calvinisten ihr Gottesbild versuchen zu erklären
- ohne sich Mühe zu machen, wie der Calvinist tatsächlich Gott sieht.
Warum muss ich das Gottesbild der Calvinisten verstehen?
In Anlehnung an mein obiges Zitat, dass du hier erwähnst:
Wenn du calvinistische Lehren beschreiben möchtest, dann solltest du verstehen, was Calvinisten dazu sagen, was sie damit meinen und was sie nicht damit meinen.

Wenn du Schwierigkeiten mit der Prädestinationslehre der Calvinisten hast und findest sie muss abgelehnt werden, dann musst du dich mit dieser Lehre auseinandersetzen. (Was sie meint und wie sie nicht zu verstehen ist.) Du solltest genau wissen, was du bewusst ablehnst.

Dann gebietet es einfach die Redlichkeit, die Wahrhaftigkeit. Dies ist notwendig um nicht falsch Zeugnis abzulegen wider den Nächsten ...
Man könnte sicher noch eine Menge Gründe mehr finden ...

Mit "wiedergeboren oder nicht" hat das jetzt direkt nichts zu tun.

Lutz

Leo_Sibbing
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Re: Was ist am Calvinismus besonders?

Beitragvon Leo_Sibbing » 11.06.2010 14:58

Jose hat geschrieben:Aber zur Prädestinationslehre. Vorhin las ich in der Bibel:
Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Joh 3,16. Es heißt hier doch jeder, daher kann das Heilsangebot, nach meiner Überzeugung, nicht nur für eine Auswahl gelten.

Hallo Jose,

du hast da die Einschränkung übersehen, die du sogar mit zitiert hast. "Jeder, der an ihn glaubt". Es heißt also nicht ausnahmslos/bedingungslos JEDER, sondern "Jeder", mit der einschränkenden Bedingung des Glaubens: "Jeder, der an ihn glaubt". Man könnte es (rein von der Logik her) auch Umformulieren in "Nur die, die an ihn glauben" oder "Alle, die an ihn glauben".

Lieben Gruß,
Leo
Ich freue mich sehr in dem HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir Kleider des Heils angezogen, mit dem Mantel der Gerechtigkeit mich bekleidet, ... Jesaja 61,10

Jose
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Re: Was ist am Calvinismus besonders?

Beitragvon Jose » 11.06.2010 17:19

Leo_Sibbing hat geschrieben:du hast da die Einschränkung übersehen, die du sogar mit zitiert hast. "Jeder, der an ihn glaubt".
Das ist schon klar, das Heil kann nur in Verbindung mit dem Glauben wirksam werden, aber nach Joh. 3,16 gilt das Heilsangebot allen, natürlich unter der Bedingung, dass sie glauben. Wenn aber Gott eine Vorauswahl bereits getroffen hätte, dann müsste man ja sagen, das Heil wird nicht allen angeboten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott uns hier sagen lässt "damit jeder, der an ihn glaubt, aber in der Umsetzung meint, dass nicht jeder eingeladen ist an Ihn zu glauben. Wie sollte Gott die Menschen richten, die Seine Einladung nicht angenommen haben?

Es werden leider nicht alle gerettet werden, und Gott weiß jetzt schon wer das Heil annimmt und wer nicht. Aber das ist eben Seine für uns unbegreifliche Allmacht. Was aber nach dem was ich aus der Bibel verstehe m.E. absolut unvereinbar wäre mit Gottes Gerechtigkeit, ist, dass es die Möglichkeit gäbe, dass jemand wirklich von Herzen nach Heil und Vergebung sucht, unter der Predigt sitzt, und am Ende entsetzt einsehen muss, dass er nicht zu der Erwählten gehört. Ob es auch solche Menschen gibt, die auf Grund bestimmter Lehren depressiv werden?

Wie wunderbar ist die Verheißung:
Denn es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn er ist Herr über alle, und er ist reich für alle, die ihn anrufen; denn jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden." Röm 10,12.13

Ich bin dabei, auch mit Hilfe dieses Forums, mich mehr mit dem Thema zu befassen. Was mich bereits sehr überrascht hat, ist dass selbst Spurgeon dem Calvinismus zugetan war.

Danke für den lieben Gruß, Leo.
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lutz
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Re: Was ist am Calvinismus besonders?

Beitragvon lutz » 11.06.2010 17:46

Jose:
nach Joh. 3,16 gilt das Heilsangebot allen, natürlich unter der Bedingung, dass sie glauben.

Zu: Was besagt Johannes 3, 16?
ist Folgendes sehr empfehlenswert:

„Verblendet durch Tradition - Ein offener Brief an Dave Hunt als Antwort auf seinen jüngsten Angriff auf die Reformation durch sein Buch: What Love is This? Calvinism’s Misrepresentation of God
von James White”

http://www.betanien.de/verlag/material/JamesWhite1.pdf

(ganz besonders S. 35 / 36)

Lutz

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Beitragvon lutz » 11.06.2010 18:01

Nachtrag:
Die Auseinandersetzung in der Auslegung fängt natürlich schon früher an:

bspw.:
http://www.betanien.de/verlag/material/JamesWhite1.pdf

S. 33 lesen wir u. a. Folgendes:
Jeder, der glaubt
Siehe dazu die obigen Bemerkungen zur Bedeutung von p龝 ho pisteō佖. Hier liegt kein
Ausdruck oder Wort vor, das eine allgemeine Fähigkeit zu glauben nahelegen würde, was
diejenigen so oft annehmen, die diesen Abschnitt lesen. Wie auch immer – man sollte betonen,
dass das Partizip im Präsens steht. Es ist sehr bedeutend, dass Johannes die Präsensform
von „glauben“ verwendet, besonders wenn man bedenkt, dass er den Aorist benutzt, um falsche
Gläubige zu bezeichnen. Diejenigen, die ewiges Leben empfangen, sind nicht die, die
irgendwann glauben, sondern die, die einen bleibenden Glauben haben. Das ist sein allgemeiner
Gebrauch in den soteriologischen Schlüsselstellen (Joh 3; 6; 10). Wenn man die Lehre
Christi untersucht, in der es darum geht, wer ein wahrer Gläubiger in diesem Sinne ist,
entdecken wir, dass es die sind, die ihm vom Vater gegeben wurden (Joh 6,37-39), die zu
ihm kommen und an ihn so glauben, dass sie errettet werden.
Lutz

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 11.06.2010 18:16

Hallo Jose
Hast du schon mal das Buch gelesen von Iain h. Murray "C.H. Spurgeon wie ihn keiner kennt"?
Gruß Joschie
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Jose
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RE: C.H. Spurgeon wie ihn keiner kennt

Beitragvon Jose » 11.06.2010 19:11

Joschie hat geschrieben:Hast du schon mal das Buch gelesen von Iain h. Murray "C.H. Spurgeon wie ihn keiner kennt"?
Hallo Joschie,
nein, habe ich nicht. Aber ansonsten schon viel von Spurgeon gelesen. Nur einmal stuzte ich, als ich in einem Andachtsbuch von Spurgeon die Andeutung las, dass ein Gotteskind nicht verloren gehen kann. Ich wundere mich zuweilen ohnehin, wie es möglich ist, dass man Überzeugungen haben kann, die für mich absolut kontraproduktiv sind und dabei dennoch so kostbare Andachten schreiben.

Vielen Dank für die Empfehlung,
ich werde mal nach dem Buch schauen.

Im Herrn verbunden,
José

Jose
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Calvinismus und die 5 Punkte

Beitragvon Jose » 12.06.2010 01:41

Vorhin fand ich in Wikipedia eine einfache Auflistung der fünf Punkte, teilweise vermutlich mit erklärenden Einfügungen. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Calvinismus.

Weil die "Fünf Punkte" ein Schwerpunkt bzw. ein Fundament der calvinistischen Lehre sind, habe ich diese Darstellung aus Wikipedia hier eingefügt, für mich und andere als Verständnis- und Diskussionshilfe. Hinweis: Ich habe die Querverweise unten zwecks bessere Lesbarkeit entfernt.

Im Folgenden werde ich auf die "Punkte" eingehen und meine Meinung dazu abgeben, die ich auch versuchen werde mit Bibelstellen zu belegen. Eines ist mir aber jetzt schon klar geworden: Wer an die "Bedingungslose Erwählung" und die "Unwiderstehliche Gnade" glaubt, muss zwangsläufig auch an "Die Beharrlichkeit der Heiligen" glauben. Den wenn Gott am Anfang souverän handelt und entscheidet, wer gerettet wird, dann muss Er auch souverän bleiben und die Auserwählten wirklich erretten.


Die fünf Punkte

Völlige Verderbtheit oder völlige Fähigkeit
Aufgrund des Sündenfalls beherrscht die Sünde den ganzen Menschen, sein Denken, seine Gefühle und seinen Willen. Daher ist der normale Mensch nicht fähig, die Botschaft des Evangeliums zu verstehen, er ist geistlich völlig hilflos und verloren. Der Mensch kann Gottes rettende Botschaft erst verstehen, nachdem er durch den Heiligen Geist dazu befähigt wurde.

Bedingungslose Erwählung
Dies ist Calvins Prinzip der doppelten Prädestination. Die Erwählung zum Heil vollzieht sich nach Calvin wie folgt: Gott hat die Menschen in eine Gruppe der Auserwählten und eine der Nicht-Auserwählten geteilt. Für die Auserwählten hat Gott seine Erkenntnis bestimmt und die Auferstehung vorhergesehen. Die Übrigen bleiben unwissend bezüglich Gottes und des Evangeliums. Laut Calvin sind sie von Gott verdammt auf dem Weg in die ewige Hölle. Diese Entscheidung sei noch vor der Schaffung des Universums getroffen worden und somit erst recht vor der Geburt des einzelnen Menschen sowie vor irgendwelchen Entscheidungen, die der Mensch in seinem Leben trifft. Die Gründe, warum Gott einige erwählt hat, sind unbekannt. Es ist aber offensichtlich, dass das nicht aufgrund irgendwelcher guten Werke von Seiten des Erwählten geschehen ist. Die Erwählung ist insofern nicht an irgendwelche in der Person des Erwählten liegenden Bedingungen geknüpft.

Begrenzte Versöhnung/Sühne
Das ist der Glaube, dass Jesus Christus nicht gestorben ist, um alle Menschen zu retten. Sein Erlösungswerk ist nur an die auserwählten Sünder, die durch ihn gerettet sind, gerichtet.

Unwiderstehliche Gnade
Gemeint ist, dass man die Gnade der Erwählung nicht ausschlagen kann. Der Mensch hat in dieser Hinsicht also keinen freien Willen, da er tot ist in seinen Vergehungen und deswegen keinerlei Macht hat, sich für Gott zu entscheiden. Nur durch den Ruf Gottes kann der Mensch geistlich wieder zum Leben erweckt werden, und somit zu Gott kommen. Jeder Mensch, den Gott erwählt hat, werde Gott erkennen. Die Erwählten können dem Ruf Gottes nicht widerstehen.

Die Beharrlichkeit der Heiligen
Die einmal Geretteten werden gerettet bleiben. Es sei unmöglich, Gottes Gnade wieder zu verlieren.

Bis hierher der Auszug aus der oben angegebenen Seite aus Wiki.
Zuletzt geändert von Jose am 12.06.2010 10:01, insgesamt 1-mal geändert.

Jose
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Calvin: Die Beharrlichkeit der Heiligen

Beitragvon Jose » 12.06.2010 02:06

Die Beharrlichkeit der Heiligen
Die einmal Geretteten werden gerettet bleiben. Es sei unmöglich, Gottes Gnade wieder zu verlieren.
Diese Lehre kannte ich bislang nur von der sogenannten Brüderbewegung, daher bin ich überrascht, es im Calvinismus zu finden. Aber wahrscheinlich ist der Zusammenhang ein anderer: Wer prädestiniert ist gerettet zu werden, darf nicht verloren gehen.

Was fängt aber ein "Calvinist" mit dieser Bibelstelle an:
Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen.“ Hebr 6,4-6.

Meine Überzeugung ist, dass auch ein ehemaliges Gotteskind verloren gehen kann, dann nämlich, wie oben in der Bibelstelle angegeben, das Gotteskind, nachdem es alles erfasst und reich gesegnet wurde, sich tragischerweise doch wieder gegen Gott wendet. In diesem Zusammenhang erfolgt dann vermutlich auch die Sünde wider den Heiligen Geist, die nicht vergeben werden kann: "Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden" Mt 12,31. Dies ist ein schwieriges Gebiet, aber Jesus hat uns diese Warnung gegeben. Hierdurch sollen aber nicht schwache und schwankende Gotteskinder zusätzlich verunsichert werden, sondern solche gewarnt werden, die, nachdem sie aus Gnade errettet wurden, es dem Luzifer gleich tun und im Hochmut untergehen.
Zuletzt geändert von Jose am 13.06.2010 11:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon lutz » 12.06.2010 06:53

Wieso fängst du nicht "vorne" an?

Wenn du so auflistest, dann würde ich erst einmal wissen wollen, wie du zu Punkt 1 stehst.

Wenn hier ein gemeinsamer Glaubensinhalt vorliegt, dann hätten wir zumindest einen gemeinsamen Ausgangspunkt.

Lutz

PS: Ich bezweifle übrigens, ob ein "Calvinist" die Beschreibungen der fünf Punkte so akzeptieren würde. Ich jedenfalls nicht!

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 12.06.2010 08:30

Hallo Jose
Mir hat der Link http://www.calvinianum.de/Artikel/5_Punkte/index.html sehr weiter geholfen.
Lieben Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Völlige Verderbtheit oder völlige Fähigkeit

Beitragvon Jose » 12.06.2010 12:45

lutz hat geschrieben:Wieso fängst du nicht "vorne" an?
Wenn du so auflistest, dann würde ich erst einmal wissen wollen, wie du zu Punkt 1 stehst.
Wenn hier ein gemeinsamer Glaubensinhalt vorliegt, dann hätten wir zumindest einen gemeinsamen Ausgangspunkt.
Völlige Verderbtheit oder völlige Fähigkeit
Aufgrund des Sündenfalls beherrscht die Sünde den ganzen Menschen, sein Denken, seine Gefühle und seinen Willen. Daher ist der normale Mensch nicht fähig, die Botschaft des Evangeliums zu verstehen, er ist geistlich völlig hilflos und verloren. Der Mensch kann Gottes rettende Botschaft erst verstehen, nachdem er durch den Heiligen Geist dazu befähigt wurde.
Mein Erlebnis mit der Sündenerkenntnis
Als ehemaliger Katholik hatte ich zuvor in den Messen mit den anderen mitgesprochen, dass Jesus für meine Schuld, meine große Schuld gestorben sei. Aber das war nur auswendig gelernt, nicht persönlich erfasst. Was Schuld vor Gott ist, hatte ich nicht erkannt.

Als ich 1982 ernsthaft anfing Gott zu suchen, da litt ich besonders darunter, dass ich bereits seit 8 Jahre inkomplett querschnittsgelähmt war. Diese Not belastete mich sehr und nahm mir die Lebensfreude. Irgendwann, ermutigt durch eine Christin aus einer Freikirche mit der ich im Kontakt stand, fing ich an, Gott zu bitten mir zu begegnen und mir zu helfen, an Ihn zu glauben. Ich redete einfach und bekannte Gott auch, dass ich noch nicht an Ihn glaubte und erst recht nicht wüsste, wie ich Ihm vertrauen soll. Genau das war aber mein Anliegen, denn ich kam mit meinem Zustand immer weniger klar und auch Selbstmordgedanken waren mir nicht fremd.

Ich betete und suchte Gott über Tage und Wochen. Irgendwann sagte die erwähnte Christin zu mir: "Du, früher hast du immer über deinen Zustand geklagt und das tust du jetzt nicht mehr, sondern bist fröhlich und ausgeglichen". Persönlich war ich mir dessen gar nicht so sehr bewusst, aber eines hatte ich erfahren, irgendwann hatte ich erfasst, dass meine Gebete nicht nur bis zur Decke stiegen sondern wirklich zu Gott gelangten, und Gott sich zu mir neigte. Obwohl ich die Bibel noch nicht so kannte, erfuhr ich die Wirklichkeit dessen, was im Psalm 145 steht: „Nahe ist der HERR allen, die ihn anrufen, allen, die ihn in Wahrheit anrufen.“ Ps 145,18. Aber als der Herr sich zu mir herabneigte, da begann ich erst meine Sünden zu erkennen, mich in Seinem Licht zu sehen.

Plötzlich erkannte ich Dinge in meinem Leben, Regungen in meinem Herzen, und so vieles mehr, die ich eindeutig als Sünde erkannte und für die Jesus am Kreuz gestorben war. Mein Zustand war dann plötzlich nicht mehr was mich am meisten belastete, sondern meine Sünde beschwerte mein Gewissen und mein Herz. Aber Lob und Dank, ich durfte Jesus im Glauben am Kreuz erblicken und Vergebung meiner Sünden finden.

Damit begann mein Christenleben, aber ich war noch so sehr am Anfang. Wie fleischlich war ich noch, wie verdorben, wie sehr mangelt es mir noch an Selbst- und weitreichende Sündenerkenntnis. Mein sündhaftes und völlig verderbtes Wesen hatte ich aber erkannt, sowie die Liebe Gottes, die Jesus auf diese Welt gesandt hat, um für mich am Kreuz zu sterben und stellvertretend das Gericht Gottes an meiner statt zu erdulden. Ich muss aber gestehen, von Tag zu Tag erkenne ich immer mehr, wie unfähig ich wäre, ohne Gottes Gnade im Glauben zu bleiben. Wenn Gott seine bewahrende Hand von mir wegziehen würde, ich wäre zu allem fähig.

Im Römerbrief lesen wir: „"Wie geschrieben steht: Da ist kein Gerechter, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer. Ihr Schlund ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen handelten sie trügerisch. Otterngift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit. Ihre Füße sind schnell, Blut zu vergießen; Verwüstung und Elend ist auf ihren Wegen, und den Weg des Friedens haben sie nicht erkannt. Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen." Röm 3,10-18. Das ist der natürliche Mensch, ohne Gott, und so bin auch ich von Natur - immer noch, bis wir Ihn gleich sein werden.


An die lieben Geschwister des Calvinismus:
Vielleicht ist dieser Beitrag nicht wie von euch erhofft, aber man kann mit der Bibel vieles belegen und fruchtlose Diskussionen führen. Da möchte ich lieber an manchen Stellen meine Überzeugung auch durch persönliche Zeugnisse darlegen. Gott ist größer als unser Herz und Schablonen kennt Er nicht. Wir aber stehen immer wieder in Gefahr, Gott verstehen zu wollen und erkennen dann vielleicht nicht, dass wir uns ein eigenes Bild von Gott aufgebaut haben. Mich bewegt das Zeugnis Hiobs so sehr: „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.“ Hiob 42,5. Nur vom Hörensagen vernommen, so stufte Hiob seinen Glauben ein. Dabei hielt er treu zu Gott und durfte am Ende auch für seine Freunde beten. Gott selbst gab ihm schon am Anfang das Zeugnis: Es gibt keinen wie ihn auf Erden - ein Mann, so rechtschaffen und redlich, der Gott fürchtet und das Böse meidet!“ Hiob 1,8.


Abschließend:
Es ist richtig, dass wir von uns aus Gott nicht erfassen können, mit unseren natürlichen Fähigkeiten. Jesus sagt ja: "„Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ Joh 6,29. Dennoch hat sich Gott allen Menschen in der Natur geoffenbart, wie es im Römerbrief bezeugt wird: „Sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien“ Röm 1,20. Und alle Menschen sind aufgefordert, Ihn zu suchen: „Sucht den HERRN, während er sich finden läßt! Ruft ihn an, während er nahe ist.“ Jes 55,6.
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

lutz
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Beitragvon lutz » 12.06.2010 16:18

Dann stelle ich einmal einige Formulierungen zusammen.
Sie können mit den entsprechenden Bibelverweisen, auf denen sie fußen genauer unter „Aus der Praxis - Alltag, Mission, Gemeindearbeit etc“ – „Mit den Bekenntnissen durchs Jahr“, einer beharrlichen und nützlichen Zusammenstellung von Joschie, genau nachgelesen werden.
Artikel 1 – Von der Heiligen Schrift
Artikel 1.1. Die göttliche Offenbarung
Obwohl das Licht der Natur und die Werke der Schöpfung und Fürsorge** die Güte, Weisheit und Macht Gottes so weit offenbaren***, daß sie die Menschen ohne Entschuldigung lassen a, reichen sie doch nicht aus, um jene Erkenntnis Gottes und seines Willens zu geben, die zum Heil notwendig ist b. Darum hat es dem Herrn gefallen, sich selbst zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Arten und Weisen seiner Kirche zu offenbaren und ihr diesen seinen Willen zu erklären c und danach diesen zur besseren Bewahrung und Verbreitung der Wahrheit und zur sichereren Gründung und Stärkung der Kirche gegen die Verdorbenheit des Fleisches und die Bosheit Satans und der Welt ganz und gar der Schrift* anzuvertrauen d. Dies macht die Heilige Schrift höchst notwendig e, nachdem jene früheren Wege, auf denen Gott seinem Volk seinen Willen offenbarte, nunmehr aufgehört haben.f

Artikel 1.4. Die Heilige Schrift beruht auf dem Zeugnis Gottes
Die Autorität der Heiligen Schrift, um deretwillen man ihr glauben und gehorsam sein muß, beruht nicht auf dem Zeugnis irgendeines Menschen oder einer Kirche, sondern völlig auf Gott, der die Wahrheit selbst ist, als ihrem Autor*, und darum ist sie anzunehmen, weil sie das Wort Gottes isti.

Artikel 1.6. Wie gewinnen wir Erkenntnis aus der Schrift?
Der ganze Ratschluß Gottes in bezug auf alles, was zu seiner eigenen Ehre und zum Heil, zum Glauben und zum Leben des Menschen nötig ist, ist entweder in der Schrift ausdrücklich niedergelegt oder kann durch gute und notwendige Schlußfolgerungen aus der Schrift hergeleitet werden. Zu ihr darf zu keiner Zeit etwas hinzugefügt werden, sei es durch neue Offenbarungen des Geistes oder durch menschliche Traditionen m. Trotzdem anerkennen wir, daß die innere Erleuchtung des Geistes Gottes zum heilschaffenden* Verständnis solcher Dinge, die im Wort geoffenbart sind, notwendig ist,n und daß es einige Umstände bezüglich des Gottesdienstes und der Kirchenleitung gibt, die allen menschlichen Handlungen und Gesellschaften gemeinsam sind, die durch das Licht der Natur und christliche Klugheit nach den allgemeinen Regeln des Wortes, die stets beachtet werden müssen, geordnet werden müssen.o

Artikel 1.7. Die Klarheit der Schrift in bezug auf das Heil
In der Schrift sind nicht alle Dinge gleichermaßen in sich selbst klar und auch nicht gleichermaßen klar für alle p; aber diejenigen Dinge, die zu erkennen, zu glauben und zu beobachten zum Heil notwendig sind, sind an der einen oder der anderen Stelle der Schrift so klar dargelegt und aufgedeckt, daß nicht nur die Gelehrten, sondern auch die Ungelehrten bei rechtem Gebrauch der gewöhnlichen Hilfsmittel zu einem hinreichenden Verständnis derselben gelangen können q

Artikel 1.9. Die Schrift legt die Schrift aus
Die unfehlbare Regel der Auslegung der Schrift ist die Schrift selbst. Wenn deshalb eine Frage über den wahren und vollen Sinn einer Schriftstelle besteht, der nicht vielfältig, sondern nur einer ist, so muß er aus anderen Stellen, die klarer reden, erforscht und verstanden werden.y

Artikel 1.10. Alles ist an der Schrift zu prüfen
Der oberste Richter, vor dem alle Religionsstreitigkeiten zu entscheiden sind und alle Konzilsbeschlüsse, Meinungen der alten Schriftsteller*, Lehren der Menschen und Meinungen einzelner zu prüfen sind und in dessen Urteil wir zur Ruhe kommen müssen, kann niemand anderes sein als der Heilige Geist, der in der Schrift redet z
_______________________________________________
Artikel 6 - Von dem Fall des Menschen, der Sünde und der Strafe dafür
Artikel 6.2. Die Folgen des Sündenfalls
Durch diese Sünde sind sie aus ihrer ursprünglichen Gerechtigkeit und Gemeinschaft mit Gott gefallen c und wurden dadurch tot in Sünde d und in allen Teilen und Fähigkeiten des Leibes und der Seele gänzlich verdorben.e

Artikel 6.3. Erbsünde durch Abstammung
Da unsere ersten Eltern die Wurzel der ganzen Menschheit sind, wurde ihrer gesamten Nachkommenschaft, die von ihr durch natürliche Zeugung abstammt, die Schuld dieser Sünde zugerechnet f und derselbe Tod in Sünde und dieselbe verdorbene Natur auf sie übertragen.g

Artikel 6.4. Die Erbsünde führt zu den einzelnen Sünden
Aus dieser ursprünglichen Verdorbenheit, durch die wir zu allem Guten völlig unfähig, ungeschickt und im Gegensatz zu ihm stehend wurden h und völlig zu allem Bösen hingeneigt sind i, gehen alle tatsächlichen Übertretungen hervor k.
Artikel 9 - Vom freien Willen
Artikel 9.3. Der Wille im Stand der Schuld
Der Mensch hat durch seinen Fall in den Stand der Sünde alle Fähigkeit des Willens zu irgend etwas geistlich Gutem, das mit dem Heil zusammenhängt d, völlig verloren, so daß er als natürlicher Mensch, weil er von diesem Guten ganz und gar abgewandt e und in Sünden tot ist f, nicht in der Lage ist, sich durch seine eigene Kraft zu bekehren oder sich darauf vorzubereiten g.
Lutz

Gast

Beitragvon Gast » 12.06.2010 21:40

gelöscht
Zuletzt geändert von Gast am 07.11.2010 11:05, insgesamt 1-mal geändert.


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