Sind Arminianer unsere Brüder?

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

Moderatoren: Der Pilgrim, Leo_Sibbing

Gast

Sind Arminianer unsere Brüder?

Beitragvon Gast » 13.06.2010 19:15

Sorry für einen Arminianer ist so eine Fragestellung wirklich provozierend, aber angesichts der Tatsache das wir Calvinisten fest davon überzeugt sind, dass die 5 Punkte des Calvinismus dem Evangelium entsprechen und Paulus predigte "wer ein anderes Evangelium predigt, der sei verflucht" müssen wir eigentlich echt uns fragen, sind Arminianer wahre Geschwister?

Ich habe einen arminianischen Pastor und erst ist wirklich ein krasser Theologe, hat die Bibel über 20 Jahre intensiv studiert, war mal so halber Calvinist und nun aber schon lange Arminianer. Er kennt auf jeden Fall die Argumente der Calvinisten und könnte, wenn er ein Irrlehrer ist, später auf keinen Fall behaupten, dass er die Wahrheit nicht kannte.

Ich habe mich mit ihm nun in der Wolle und das wird in den nächsten Jahren bestimmt noch ein paar Auseinandersetzungen geben. Heute habe ich ihm aber um Vergebung gebeten, weil ich letzte Woche sehr oft zornig über ihn war und ich dann mich entschied, dass es besser ist, dass ich ihn darum um Vergebung bitte, weil ich mir auch noch nicht ganz sicher bin wie wichtig die 5 Punkte des Calvinismus sind und ob sie vielleicht doch nicht ganz wahr sind.
Aber es gibt wirklich viele Bibelstellen die für sie sprechen.

Nochmal die Frage, glaubt ihr das Arminianer unsere Brüder sind?
Gottes Gnade mit euch

lutz
Beiträge: 1052
Registriert: 02.12.2005 21:37
Kontaktdaten:

Re: Sind Arminianer unsere Brüder?

Beitragvon lutz » 13.06.2010 22:09

Hallo Samuel,
Samuel A. hat geschrieben: weil ich mir auch noch nicht ganz sicher bin wie wichtig die 5 Punkte des Calvinismus sind und ob sie vielleicht doch nicht ganz wahr sind.
Hans –Werner Deppe hat die arminianische Position hier unter „Hinweise zu diesem Bereich – bitte beachten“ so charakterisiert:
… welche sinngemäß besagen:

1. Der freie Wille des Menschen befähige ihn, sich selbst für sein Heil zu entscheiden.
2. "Erwählung" bedeute nicht, dass Gott in seiner Souveränität vor Grundlegung der Welt beschlossen hat, wer errettet werden soll, sondern dass er lediglich die Entscheidung der Menschen vorausgewusst oder dass er alle Menschen erwählt habe.
3. Christi Opfer habe die Schuld aller jemals lebenden Menschen bezahlt und sei daher nicht zum Heil wirksam, da ja nicht alle errettet werden, sondern nur jene, die dem Werk Christi noch ihre eigene Entscheidung hinzufügen.
4. Gott könne trotz seiner souveränen Gnade und trotz seines mächtigen, wirksamen Wortes, des aller Welt zu verkündigenden Evangeliums, niemanden erfolgreich zu Buße und Glaube bewegen, da der Mensch sich der Kraft des Wortes Gottes dauerhaft widersetzen, dies nur allein für sich entscheiden und ihm diese Entscheidung niemand abnehmen könne, nicht einmal Gott, der durch sein Evangelium beruft (treffender: zu berufen versuche).
5. Da der Mensch so sehr an seinem Heil beteiligt sei, läge auch die Sicherheit dieses Heils letztlich in seiner Hand: Auch ein wahrhaft Gläubiger könne wieder verloren gehen, da es nicht sicher sei, dass Gott ihm Ausharren im Glauben gebe. (Die Scofield-dispensationalistische Spielart dieses Punktes besagt: Ein einmal bekehrter Mensch könne nicht verloren gehen, auch wenn er nicht in Glauben und Heiligung ausharrt).
Bist du dir absolut sicher, dass alle diese Punkte falsch sind?

Gottes Gnade mit dir
Lutz

Jose
Beiträge: 953
Registriert: 29.05.2010 19:23

Re: Sind Arminianer unsere Brüder?

Beitragvon Jose » 14.06.2010 07:09

Samuel A. hat geschrieben:glaubt ihr das Arminianer unsere Brüder sind?
Wenn die 5 Punkte Calvins das entscheidende Kriterium wären, dann nicht, aber Jesus sagt: „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ Joh 3,36. Von Calvin steht hier nichts. Dafür ist hier von Gehorsam die Rede, d.h. der Mensch hat einen freien Willen. Wer an Jesus von Herzen glaubt ist mein Bruder, selbst wenn er ein Arminianer wäre.

Wir dürfen nicht grundsätzlich Lehrunterschiede als Irrlehre definieren, aber leider führen diese oft zu Streitigkeiten, wie z.B. zwischen John Wesley und George Whitefield. Wesley akzeptierte die doppelte Prädestination nicht, die der Calvinist George Whitefield aber vertrat, dies führte zur Trennung der beiden. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Calvinismus.

Muss so etwas sein? Beide Brüder hatten doch in reichem Segen gewirkt. Warum erlauben wir so oft dem Feind, Sand ins Getriebe zu streuen? Der Teufel hat keine größere Freude, als, wenn er schon nicht verhindern kann, dass das Evangelium verkündigt wird, er dann zumindest Brüder entzweit.
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2260
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Beitragvon Jörg » 14.06.2010 07:57

Die großen Calvinisten C. H. Spurgeon und G. Whitefield jedenfalls haben dem Arminianer John Wesley nicht die Bruderschaft abgesprochen, sondern sind sehr liebevoll mit ihm umgegangen, auch wenn Sie Teile seiner Lehre aufs heftigste widersprochen haben. Das sind für mich echte Vorbilder!!!

Gruß, Jörg
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Gast

Beitragvon Gast » 14.06.2010 09:01

Lutz, ich glaube, dass die 5 Punkte des Calvinismus alle in der Bibel gelehrt werden. Aber ich sehe auch, dass Jesus oder Paulus den Menschen immer wieder in Verantwortung nimmt sich zu entscheiden. Er sagt meistens nicht warte bis der Heilige Geist über dich kommt und dir Glaube und Buße schenkt oder bete darum das der Heilige Geist dir Buße und Glauben schenkt, sondern fordert oftmals direkt auf zu Glauben.

Ich glaube das die meisten Christen zum Glauben gekommen sind, ohne sich bewusst gewesen zu sein, dass dies das alleinige Werk Gottes bzw. des Heiligen Geistes war.

Erst nachdem sie zum Glauben gekommen sind mussten sie, nachdem sie Bibelstellen wie diese lasen "Niemand kann zu mir kommen, es sei denn das ihn der Vater zieht" feststellen, dass sie absolut unfähig waren zum Glauben zu kommen und das es allein Gott war.

Die Frage für mich, stellt sich, weil ich gerne irgendwann einmal predigen möchte, wie ich das Evangelium predigen soll. Und ich werde wie Spurgeon dem Sünder auch seine Unfähigkeit zeigen, und ihn aber auch natürlich auffordern zu Glauben und sich von Sünde abzuwenden.

Die 5 Punkte sind wahr, aber wenn man sie allein betrachtet, entsteht aus ihnen, so denke ich eine Art Hypercalvinimus und man müsste dann eigentlich nur noch an Wiedergeborene appelieren und das hat Jesus, Paulus, Spurgeon oder wer auch immer nicht getan.

Ich finde bisher keine Bibelstelle für die 5 Punkte des Arminianismus. Ich halte sie wirklich für falsch. Ich denke die Arminianer wollten einfach nicht die Verantwortung des Menschen aufheben und haben sich dann mit diesen Lehren gewehrt. Aber Souveränität Gottes und Verantwortung des Menschen sind wie 2 parallele Linien, die unser Verstand leider nicht zusammen bringen kann und niemals wird.

Wenn ich bisher ne angeblich arminianische Bibelstelle gefunden hatte, gab es bisher auch immer sinnvolle Gegenargumente wie z.B. bei 1Joh 2,2.

Ich halte die arminianische Lehre wirklich für falsch, weiß aber noch nicht, ob ich sie als Sektierer einordnen soll und mit ihnen keine Gemeinschaft mehr haben möchte, denn sie versuchen zumindest die ganze Bibel als Wort Gottes stehen zu lassen, auch wenn sie natürlich dabei etliche Bibelstellen sich zurecht biegen müssen.
Gottes Gnade und Friede
Sammy

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5656
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 14.06.2010 10:06

Hallo Samuel
Erstmal Dank für deine ehrlichen Worte.Ich denke wenn man denkt, den Calvinismus allein auf Tulip verkürzt , wird es gefährlich und man tut ihm unrecht.Lehrunterschiede sollten benannt werden aber entscheidend ist wie geht man damit um, dazu ein Zitat:
Lehrunterschiede zwischen Gläubigen sollten niemals zu persönliche Feindschaft führen
Der ganze gute Beitrag hier Ich habe kein Problem mit arm. Geschwister zu beten und Gemeinschaft zu haben.
Lieben Gruß und Segen Joschie
P.S. Ich wäre schon froh eine Gemeinde zu finden, wo der einzige Unterschied den es gibt zwischen arm. und cal. liegt.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jose
Beiträge: 953
Registriert: 29.05.2010 19:23

Wesley, Whitefield, Spurgeon

Beitragvon Jose » 14.06.2010 21:30

Jörg hat geschrieben:Die großen Calvinisten C. H. Spurgeon und G. Whitefield jedenfalls haben dem Arminianer John Wesley nicht die Bruderschaft abgesprochen, sondern sind sehr liebevoll mit ihm umgegangen, auch wenn Sie Teile seiner Lehre aufs heftigste widersprochen haben.
Danke für diese Worte, Jörg, aber was meinst du mit "liebevoll mit ihm umgegangen"?

Die mir bekannten Geburts- und Sterbedaten:
John Wesley (17.06.1703 - 02.03.1791)
George Whitefield (16.12.1714 - 30.09.1770)
Charles Haddon Spurgeon (19.06.1834 - 31.01.1892)

Spurgeon hat weder Wesley noch Whitefield persönlich gekannt.


In Jesu verbunden,
José

Jörg
Moderator
Beiträge: 2260
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Re: Wesley, Whitefield, Spurgeon

Beitragvon Jörg » 15.06.2010 04:10

Jose hat geschrieben: was meinst du mit "liebevoll mit ihm umgegangen"?

Die mir bekannten Geburts- und Sterbedaten:
John Wesley (17.06.1703 - 02.03.1791)
George Whitefield (16.12.1714 - 30.09.1770)
Charles Haddon Spurgeon (19.06.1834 - 31.01.1892)

Spurgeon hat weder Wesley noch Whitefield persönlich gekannt.
Hallo José, ja, er hat ihn nicht persönlich gekannt. Aber er ist mit dem Namen Wesley liebevoll umgegangen. Denn man kann auch heute noch den Namen Wesley "in den Dreck ziehen" und entehren.

Aber mit welcher Hochachtung sprach Spurgeon von John Wesley, wenn er sagte: „Ich kann nur von ihm sagen, dass ich zwar viele der Lehren, die er predigte, verabscheue, aber dass ich, was meine Achtung für den Mann selbst betrifft, hinter keinem Wesleyaner zurückstehe.“ (das Zitat ist aus dem Buch "Spurgeon - wie ihn keiner kennt". Die Seitenzahl habe ich damals beim Abschreiben leider nicht notiert)

Herzlichen Gruß

Jörg
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5656
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 15.06.2010 12:52

Jose hat geschrieben:was meinst du mit "liebevoll mit ihm umgegangen"?

Die mir bekannten Geburts- und Sterbedaten:
John Wesley (17.06.1703 - 02.03.1791)
George Whitefield (16.12.1714 - 30.09.1770)
Charles Haddon Spurgeon (19.06.1834 - 31.01.1892)
Spurgeon hat weder Wesley noch Whitefield persönlich gekannt.
Ich habe folgendes dazu gefunden:
Die Autobiographie von Charles H. Spurgeon, Cincinnati - St. Louis 1898, Vol. I. | 1898 | Curts & Jennings

"Scheußlichsten Dinge über den Charakter und die seelische Verfassung von John Wesley, der modernen Prince of Arminianer gesprochen worden. Ich kann nur sagen, dass über ihn, während ich viele der Lehren, die er predigte, verabscheue aber für den Menschen selbst habe ich eine Ehrfurcht an zweiter Stelle zu keinen Wesleyan, und wenn es zwei Apostel wollte zu der Zahl der zwölf hinzugefügt werden, das glaube ich nicht, dass es zwei Männer gefunden fitter zu sein als so George Whitfield und John Wesley hinzugefügt werden "(S. 176).
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Gast

Beitragvon Gast » 15.06.2010 13:40

Ehrlich gesagt würde ich ja auch gerne arminianische Preidger, die vom Herrn gebraucht werden und ihre vom Geist gegebene Gabe nutzen, hoch schätzen. Ein Problem ensteht dann aber, wenn an dem einen Sonntag in einer Gemeinde ein Arminianer predigt "Jesus starb für alle Menschen" und am nächsten Sonntag in derselben Gemeinde ein Calvinist predigt "Jesus starb nur für die Erwählten bzw. für sein Volk".
Da ist eine gewisse Problematik, die zur Zurüstung der Heiligen wohl nicht ganz dienlich ist.

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5656
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 15.06.2010 18:33

Ein Problem ensteht dann aber, wenn an dem einen Sonntag in einer Gemeinde ein Arminianer predigt "Jesus starb für alle Menschen" und am nächsten Sonntag in derselben Gemeinde ein Calvinist predigt "Jesus starb nur für die Erwählten bzw. für sein Volk".
Wo gibt es so eine Gemeinde?
Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Gast

Beitragvon Gast » 15.06.2010 21:41

gelöscht
Zuletzt geändert von Gast am 07.11.2010 11:01, insgesamt 1-mal geändert.

lutz
Beiträge: 1052
Registriert: 02.12.2005 21:37
Kontaktdaten:

Beitragvon lutz » 17.06.2010 18:05

Hallo Sammy,
… angesichts der Tatsache das wir Calvinisten fest davon überzeugt sind, dass die 5 Punkte des Calvinismus dem Evangelium entsprechen und Paulus predigte "wer ein anderes Evangelium predigt, der sei verflucht" müssen wir eigentlich echt uns fragen, sind Arminianer wahre Geschwister?
Wenn jemand behauptet, er habe oder man könne anders empfangen, als die Schrift sagt – dann sind solche Zweifel durchaus angebracht.

Ich möchte aber auf zwei Sachverhalte hinweisen:
Das eine ist die Beurteilung einer Lehre.
Das andere ist die Beurteilung eines Menschen.

Eine Lehre (Bekenntnis) zu beurteilen ist viel leichter, weil wir hier Sätze vorliegen haben, die wir in der Aussage mit der Schrift vergleichen können.
Es ist auch nützlich Lehren einmal widerspruchslos zu Ende zu denken und weiter zu vergleichen, wohin das führen wird.
Hier ist ein Urteil: wahr oder falsch möglich.
Anhand einer Lehre ist beurteilbar, ob es sich um einen Lehrer der Gemeinde des Herrn handeln kann oder nicht.
Denn ein solcher hat Wahrheit zu bringen und das wird auch von ihm erwartet.
Von ihm wird in der Regel ein tieferes Schriftverständnis vorausgesetzt. Er soll ja andere belehren.

Bei der Beurteilung eines Menschen (Bruder oder nicht) in diesem Zusammenhang hier, sieht es nicht so einfach aus.
Das liegt daran, dass es wohl in seltensten Fällen einen Menschen gibt, der die ganzen 5 Positionen des „Arminianismus“ teilt und widerspruchsfrei in die Praxis umsetzt.
Es ist wohl eher so, dass mit dem Mund (rein intellektuell) etwas bekannt wird, dass dann aber in der Praxis (z. B. Gebet, z. B. Umgang mit Vertretern anderer Heilslehren) so nicht gehandhabt wird.
Wenn ich jetzt jemanden vor mir habe, der der Überzeugung ist, dass der Mensch von sich aus einen Schritt auf Gott zugehen muss, um gerettet zu werden – gleichzeitig diesen Menschen aber anders Gott bitten höre – für welches Urteilskriterium soll ich mich entscheiden? Stelle ich jetzt das lehrmäßige Bekenntnis über die Gebetsbekenntnisse oder nicht? Was hat hier welche Wichtung?
Ich halte es für einen großen Fehler, Menschen (Bruder oder nicht) hier rein an einem lehrmäßigen Bekenntnis zu beurteilen.
Ich denke, dass die Schrift uns dafür auch keine Handhabe gibt. Ich denke, die Irrlehrer, die dort verflucht werden, sind auch Menschen, die konform mit ihrer Irrlehre Werke aufweisen, die sichtbar und damit beurteilbar sind.
„ … nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium von Christus verdrehen wollen.“ (Gal. 1, 7)
Ich halte es für unmöglich ausschließlich aufgrund eines anderen verbalen Bekenntnisses einen zweifelsfreien Rückschluss auf „verdrehen wollen“ zu machen.
Ich denke die Verfluchung des Paulus lässt sich nicht von Gal. 1, 7 / Gal. 2, 4 / Gal. 4, 17 / Gal. 5, 19 – 21 /Gal. 6, 12. 13 abkoppeln und rein intellektuell fassen. Diese Menschengruppe (falsche Brüder) wird doch umfangreicher charakterisiert.

Ich möchte mal zur Verdeutlichung ein längeres Zitat aus folgendem Buch einstellen:
http://www.cbuch.de/product_info.php/in ... rheit.html

Es geht hier zwar um Dispensationalisten, aber die Darstellung lässt sich doch prinzipiell auch auf deine Problematik anwenden:
„…Doch es gibt etwas, das unbestreitbar, unbedingt und unverhandelbar mit dem Wesen der christlichen Religion zusammenhängt, und das ist ihre Lehre vom Heil. Ein Theologe mag vielleicht ungestraft vom reformierten System abrücken und auf eigene Gefahr seinen Weg fortsetzen, doch das Grundmuster des Heils zu verlassen, heißt das Christentum zu verlassen. Folglich hat die Lehre, die wir jetzt betrachten wollen, etwas mit dem Wesen zu tun. Wenn der Dispensationalismus tatsächlich von dem einzigen Weg des Heils, den die christliche Religion lehrt, abgewichen ist, dann müssen wir sagen, dass er vom Christentum abgewichen ist. Ganz gleich, wie viele andere wichtige Wahrheiten er verkündet, er kann nicht mehr christlich genannt werden, wenn er das Christentum von seiner wesentlichen Botschaft entleert.
Eine Sekte definiert man als eine Gruppierung von Menschen, die behaupten, christlich zu sein, dabei aber die eigentliche Botschaft ungültig machen. Wenn der Dispensationalismus das tut, dann ist er eine Sekte, und nicht ein Zweig der christlichen Kirche. Deshalb ist es nicht übertrieben, wenn wir diese Frage hier mit aller Dringlichkeit behandeln.
Was lehrt denn nun der Dispensationalismus über Gottes Volk und das Heil?
Zu meiner Freude stelle ich fest, dass alle Dispensationalisten, die ich je gehört oder deren Werke ich je gelesen habe, leidenschaftlich und nachdrücklich ihren Glauben beteuern, dass Jesus Christus der einzige Retter in allen Dispensationen ist. Das Kreuz Christi ist der einzige Weg der Rechtfertigung für alle, von Adam angefangen bis hin zu dem letzten Heiligen, der je gerettet werden wird. Unabhängig von der oberflächlichen Erscheinungsform der jeweiligen Heilszeit, so sagen sie, ist im Grunde das Blut Christi der einzige Grund des Heils für jeden und zu allen Zeiten.
Unsere dispensationalistischen Freunde beteuern nachdrücklich ihre Treue zum eigentlichen christlichen Heilsweg. Welches auch immer ihre Absichten sein mögen, es gelingt ihnen jedenfalls nicht, sie in ihrer Theologie zum Tragen zu bringen. Wie oft sie auch ihre Treue gegenüber dem Blut Christi als unverzichtbarem Bestandteil des Heilsweges betonen, so zieht doch ihr Lehrsystem unerbittlich dagegen zu Felde.
Diese Diskrepanz ist ihnen nicht bewusst, und ich halte ihnen zugute, dass sie meinen Vorwurf empört von der Hand weisen. Doch eigentlich können sie ihren Widerstand dagegen nicht aufrechterhalten, solange sie ihr Lehrsystem vertreten. Sie müssen dieser Kritik offen ins Auge sehen. Es sei denn, sie könnten sie als unberechtigt widerlegen, müssen sie sich entscheiden, welches von beiden sie verwerfen wollen: entweder das dispensationalistische System, oder das Evangelium von Jesus Christus.
Ich kann es leider nicht milder formulieren. Ich bekenne meine eigene Fehlbarkeit. Ich bin für Gegenkritik offen. Ich warte seit Jahren, dass ein Dispensationalist meine These widerlegt und nachweist, dass er dem Kreuz Christi die ihm gebührende Bedeutung nicht nur geben will, sondern – unter Aufrechterhaltung des dispensationalistischen Theologiesystems – auch tatsächlich geben kann. Bislang warte ich vergebens. Viele Menschen werden leidenschaftlich und entrüstet den Vorwurf von sich weisen, ohne ihn überhaupt zu bedenken, geschweige denn ernsthaft zu erwägen. Das ist eines Christen nicht würdig; …“ (S. 42 / 43)


Gottes Gnade und Friede dir,
Lutz

PS: Dass in einer Gemeinde gegensätzliche Positionen als Wahrheit verkündigt werden, halte ich für absolut untragbar. Die „Herde Gottes“ ist kein Versuchslabor, in dem man heute mal dies und morgen das Gegenteil ausprobiert.
Ich denke, dass du diesen unhaltbaren Zustand als „Schaf der Herde“ dringend mit den „Hirten“ besprechen solltest, wenn du es nicht schon längst getan hast.
In Sachen „allgemeines Sühneopfer“ ist die wichtigste Frage zuerst: Ist Christus für dich, stellvertretend, persönlich, einmalig gestorben? Wird diese Frage persönlich verneint, mit der Bemerkung, das Sühneopfer bedeute etwas anderes – dann liegt die Sache ganz anders.

Jose
Beiträge: 953
Registriert: 29.05.2010 19:23

Wer sind meine Brüder?

Beitragvon Jose » 18.06.2010 02:39

Samuel A. hat geschrieben:Sorry für einen Arminianer ist so eine Fragestellung wirklich provozierend, aber angesichts der Tatsache das wir Calvinisten fest davon überzeugt sind, dass die 5 Punkte des Calvinismus dem Evangelium entsprechen und Paulus predigte "wer ein anderes Evangelium predigt, der sei verflucht" müssen wir eigentlich echt uns fragen, sind Arminianer wahre Geschwister?
Warum sollte jemand, der die 5 Punkte des Calvinismus nicht annerkennt, aber genauso erfasst hat, dass Jesus am Kreuz für seine Sünden gestorben ist und dass er ohne Sündenvergebung nicht in den Himmel kommt, nicht errettet und mein Bruder sein? Ist Calvin der Maßstab oder die Bibel? Und warum hat Paulus das Wort Verflucht im Galaterbrief verwendet, nicht etwa im Zusammenhang mit den Gesetzeswerken die dort wieder auflebten? Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: "Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!"" Gal 3,10.

Da möchte ich doch fragen: Sind die Arminianer wieder in das Gesetz zurückgefallen? Durch welche Werke versuchen sie ihr Heil zu bewerkstelligen? Etwa indem sie die Verantwortung der Menschen hervorheben, die Gnade annehmen oder ablehnen zu können? Ist das schon ein Werk? Wenn etwa ein Ertrinkender um ein Rettungsseil fleht und diesen verzweifelt festhält bis er wieder auf sicherem Boden steht, wird er etwa hinterher sagen: Weil ich um Hilfe gerufen und weil ich das Seil nicht los gelassen habe, deswegen bin ich gerettet? Also, ich danke Gott für die Gnade, dass ich Ihn suchen dürfte. Das ist nicht mein Verdienst. Aber ich durfte kommen, nachdem ich gemerkt hatte, dass Er am ziehen war.

Zwischenzeitlich habe ich verstanden, dass Calvin wohl alles abgelehnt hat was irgendwie als eigene Leistung gewertet werden könnte. Aber es müssen wohl noch andere da sein, die in dieser Spur weiterlaufen und die Anschauung Calvins weiter entwickeln.

Paulus schreibt an die Korinther: "Werdet rechtschaffen nüchtern und sündigt nicht! Denn manche sind in Unwissenheit über Gott; zur Beschämung sage ich es euch." 1.Kor 15,34. Wir wissen, dass nicht nur die Korinther in dieser Gefahr standen, unwissend über Gott zu sein. Aber erkennen wir, dass auch wir in dieser Gefahr stehen?


Darf ich hier noch das Thema >>Die Taufe mit dem Heiligen Geist<< kurz einfügen?
Ich möchte es gerne tun um darauf hinzuweisen, dass auch auf diesem Gebiet viel verkehrte Lehre und noch schlimmere Praxis existiert. Soll ich deswegen alle, die nach meinem Verständnis gegen die Schrift lehren und somit den Heiligen Geist dämpfen, nicht als meine Brüder ansehen?

Der gleiche Apostel Paulus der gewarnt hat vor einem anderen Evangelium, schreib wiederum den Korinthern: "Was aber die geistlichen Gaben betrifft, Brüder, so will ich nicht, daß ihr ohne Kenntnis seid." 1. Kor 12,1. Zwei Kapitel später schreibt er dann: "Ich möchte aber, daß ihr alle in Sprachen redet, mehr aber noch, daß ihr weissagt. Wer aber weissagt, ist größer, als wer in Sprachen redet, es sei denn, daß er es auslegt, damit die Gemeinde Erbauung empfange." 1.Kor 14,5. Das Reden in Zungen oder das Weissagen war und ist aber nichts ergänzendes zur Bibel, sondern es handelt sich um besondere Offenbarungen des Herrn, die aber im Einklang mit der Bibel stehen müssen. Deswegen bestand der Apostel auch darauf, dass beispielsweise Zungenrede ausgelegt werden muss, damit die anderen es prüfen können.

Wir sehen somit, der gleiche Apostel der davor warnte, die Schrift zu verlassen, bestätigt die Geistesgaben. Was soll ich dann von der nachfolgenden Aussage halten:
Mit dem Aufkommen der Pfingstbewegung wurde erstmals in einer evangelikalen Denomination das Prinzip, dass es außer der Schrift auch andere Offenbarungsquellen gibt, zum System. Visionen, Stimmen und damit einhergehend die Macht, Zeichen und Wunder zu tun, relativieren die Wahrheit, dass die Schrift allein genügt (2. Tim. 3,16.17) und drängen die Wahrheit von der Einmaligkeit der Vollender der Schrift – der Apostel (1Thes 2,13) – an den Rand.

076 Peter (K)ein anderes Evangelium, Seite 4 (Artikel erhielt ich über Lutz)
Klar läuft vieles verkehrt auf dem Gebiet der Geistesgaben, aber Paulus hat nicht alles verdammt, sondern Anweisungen gegeben, wie man sich verhalten soll.

Ganz wichtig finde ich auch die Stelle in Apostelgeschichte 8:
Als aber Simon sah, daß durch das Auflegen der Hände der Apostel der Geist gegeben wurde, brachte er ihnen Geld und sagte: Gebt auch mir diese Macht, daß der, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfängt! Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fahre mit dir ins Verderben, weil du gemeint hast, daß die Gabe Gottes durch Geld zu erlangen sei! Du hast weder Teil noch Recht an dieser Sache, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. Tu nun Buße über diese deine Bosheit und bitte den Herrn, ob dir etwa der Anschlag deines Herzens vergeben werde!" Apg 8,22.

Wenn wir die ganzen Lehrunterschiede betrachten, müssen wir schon besorgt fragen; sind die oder jene meine Brüder? Der Herr bewahre uns aber davor, aneinander schuldig zu werden.


Wer sind meine Brüder?
Bin ich, Samuel, dein Bruder, obwohl ich kein "Calvinist" bin? Sind wirklich die 5 Punkte Calvins das entscheidende? Waren Wesley, Whitefield, Spurgeon, Darby Brüder und sind sie jetzt alle im Himmel?

Nach meiner Überzegung, ja, da ich zwar Lehrunterschiede feststelle, aber keine Zweifel daran, dass nur die Gnade Gottes und das Werk Jesu am Kreuz Grund für unsere Errettung sind.
Zuletzt geändert von Jose am 19.06.2010 15:19, insgesamt 1-mal geändert.
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

lutz
Beiträge: 1052
Registriert: 02.12.2005 21:37
Kontaktdaten:

Re: Wer sind meine Brüder?

Beitragvon lutz » 18.06.2010 18:53

Jose hat geschrieben: "Mit dem Aufkommen der Pfingstbewegung wurde erstmals in einer evangelikalen Denomination das Prinzip, dass es außer der Schrift auch andere Offenbarungsquellen gibt, zum System. Visionen, Stimmen und damit einhergehend die Macht, Zeichen und Wunder zu tun, relativieren die Wahrheit, dass die Schrift allein genügt (2. Tim. 3,16.17) und drängen die Wahrheit von der Einmaligkeit der Vollender der Schrift – der Apostel (1Thes 2,13) – an den Rand. [076 Peter (K)ein anderes Evangelium, Seite 4 (Artikel erhielt ich über Lutz)].
Was soll ich von so einer pausschalen Aussage halten?
Es war nicht meine Absicht dich nun gerade auf dieses Thema zu lenken – sondern ich schrieb in dem entsprechenden Thema: Seite 4 (Johannes) bis Ende. Damit habe ich gemeint, ab dem Teil, der mit „Johannes“ überschrieben ist.

Wenn du zu 1. Korinther 1 und 2 noch diese Bibelarbeit hinzunimmst, dann müssten aber gemessen an der Schrift erhebliche Zweifel aufkommen bei deinem „Rettungsring – Bild“.

Es nützt doch nichts vor dem biblischen Befund über den Menschen wegzulaufen, die Wirklichkeit erfassen ist das Ziel – nicht einem Traum nachjagen.

Ich versuche es mal mit einem Beispiel aus dem Alltag.
Ich bekomme 100 Dinge geschenkt. Nun möchte ich für diese 100 Dinge danken. Da gibt es aber welche, die wollen mir einreden, dass ich nur 99 Dinge geschenkt bekam. Wie soll ich mich verhalten?
Mich dem Gruppendruck beugen und falsch Zeugnis ablegen?
Mich dem Gruppendruck beugen und gar nicht bezeugen?
Mich dem Gruppendruck beugen und teilweise bekennen? Dass ich 99 Dinge geschenkt bekam ist ja wahr, ich unterschlage einfach Ding Nr. 100.
Aus „Liebe“ zur Harmonie vielleicht falsch Zeugnis ablegen?
Aus „Liebe“ zur Harmonie vielleicht gar nicht bezeugen?
Aus „Liebe“ zur Harmonie teilweise bekennen? Dass ich 99 Dinge geschenkt bekam ist ja wahr, ich unterschlage einfach Ding Nr. 100.
Weist derjenige, der jetzt von mir verlangt, entweder falsch Zeugnis abzulegen, gar nicht mehr oder teilweise zu bezeugen – Merkmale auf, an denen ich meinen Bruder erkennen kann?
Was sagt eigentlich der dazu, der geschenkt hat? In welcher Beziehung stehen dann ich und der andere zum Geber? Eine aufrichtige Beziehung? Eine Beziehung auf der Basis von Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe?
… keine Zweifel daran, dass nur die Gnade Gottes und das Werk Jesu am Kreuz Grund für unsere Errettung sind.
Dir mag es ja vielleicht wie eine Spitzfindigkeit vorkommen – aber um dieses „nur“ geht es gerade.
Es ist ein großer Unterschied, ob von „nur“ im Sinne von „allein“ gesprochen wird – oder von einem „nur“ im Sinne von „ohne das geht es nicht, aber ohne mein Dazu freilich auch nicht“.

Lutz

PS: Wer weiß, dass er alles (ohne Ausnahme) zum Heil empfangen musste und muss, der weiß, dass es keinen Grund in der Schrift und keinen anderen vernünftigen Grund gibt, sich vor einem entsprechenden Bekenntnis zu fürchten.


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast