Erfolg - Zeichen der Erwählung?

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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MaciejNogaj
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Erfolg - Zeichen der Erwählung?

Beitragvon MaciejNogaj » 22.09.2010 03:06

Hallo Ihr,
Ich habe in letzter Zeit einiges über den calvinistischen Glauben gelesen und gehört. Ich konnte vieles davon annehmen, aber jetzt bin ich auf etwas gestoßen was mich ehrlich gesagt geschockt hat. In Wikipedia steht bei dem Artikel über "Protestantische Ethik", dass Calvinisten glauben, dass Erfolg ein Zeichen für die Erwählung ist.
Was denkt ihr darüber? Was sagt die Bibel?
Freue mich auf Antworten.
Liebe Grüße,
Maciej

lutz
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Beitragvon lutz » 22.09.2010 16:02

Hallo Maciej,

Erfolg ist kein Zeichen für Erwählung. Wir könnten das schon allein damit belegen, wenn wir Auslegungen von Calvinisten zum Gleichnis vom „Reichen und dem armen Lazarus“ einstellen.

Calvin schreibt in der Institutio (III, 10, 6) zum Thema: „Die Bedeutung des Berufs für die Lebensführung“:
„ … Wer ein unbeamteter Mann ist, der wird sein ohne öffentliche Aufgaben dahingehendes („privates“) Leben ohne Verdrießlichkeit führen, damit er nicht den Platz verlässt, an den ihn Gott gestellt hat. Auf der anderen Seite wird es uns in Sorgen, Mühen und Schwierigkeiten und anderen Lasten keine geringe Erleichterung bereiten, wenn jeder Einzelne weiß, dass Gott in all diesen Dingen sein Führer ist. Ist er obrigkeitliche Person, so wird er dann williger sein Amtswerk ausüben, ist er Familienvater, so wird er seine Pflicht fleißig tun – und es wird jeder in seiner Lebensgestalt Unannehmlichkeit, Sorgen, Verdruss und Ängste tragen und herunterschlucken, wenn er gewiss sein darf, dass jedem seine Last von Gott auferlegt ist. Daraus entspringt dann auch ein herrlicher Trost: denn wenn wir nur unserem Beruf gehorchen, so wird kein Werk so unansehnlich und gering sein, dass es nicht vor Gott leuchtet und für sehr köstlich gehalten wird!“
Also bei Calvin (Institutio, Auslegungen, persönliche Briefe) wird man finden, dass der Gläubige seine Pflicht tun soll. Diese Pflichten entnimmt er dem Wort Gottes. Dabei geht es um die Anerkennung, dass Gott anweist, bestimmt, führt, erhält, beschützt … Kurz es geht um die Verherrlichung Gottes im alltäglichen Leben.
Ich könnte auch sagen: Gottesdienst in der Welt. Das ist aber etwas völlig Anderes als „verweltlichter Gottesdienst“.
Mit Bestimmtheit findet man dort nichts, was irgendwie „irdischen Reichtum“, „menschliche Anerkennung“, „Karrierestreben“ in den Mittelpunkt oder gar zur Motivation macht.

Der besagte Artikel auf Wikipedia bezieht sich auf die so genannte „Max-Weber-These“, die nach Erklärungen für bestimmtes menschliches Handeln forscht. Überlegungen, wie es zusammenpassen könnte, wurden dann als These formuliert.

Liebe Grüße Lutz.

lutz
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Beitragvon lutz » 22.09.2010 16:05

Für die, die sich extra noch einmal mit der „Max-Weber-These“ beschäftigen möchten, hier einige Materialien dazu:

Inwiefern ist diese These überhaupt historisch zu belegen und glaubwürdig?
Daran gibt es mehr als einen Zweifel und dennoch scheint diese These weit verbreitet zu sein. Dabei werden Max Weber wohl auch Aussagen zugeschoben, die er nie getätigt hat.

http://www.ekd.de/calvin/wirken/calvini ... ismus.html
„Für Weber sind nun besonders zwei religiöse Größen für die Ausbildung dieser Berufsethik relevant: Erstens eine von Katholizismus und Luthertum abweichende weltzugewandte Ethik, die das innerweltliche Leben als Aufgabe religiöser Gestaltung und Bewährung begreift und ein spezifisches Berufsethos ausbildet; und zweitens eine Askese, die Weber in den Äußerungen eines Benjamin Franklin findet, der für ihn den "Idealtyp" des kapitalistischen Unternehmers verkörpert. Beide Traditionen findet er im reformierten Protestantismus vertreten, besonders im englischen Puritanismus des 17. Jahrhunderts. Innerhalb des Calvinismus glaubt Weber in der Prädestinationslehre und ihren Wirkungen auf die Lebensführung der Gläubigen einen zentralen Impuls gefunden zu haben.“
„Das häufige Missverständnis, Weber habe eine direkte Abhängigkeit des kapitalistischen Geistes von der Ethik des asketischen Protestantismus behauptet oder gar Calvin als geistigen Urheber des modernen Kapitalismus bezeichnet, geht dagegen an Weber vorbei. Wenn man fragt, was an Webers These dran ist, kann man das in zweierlei Hinsicht tun. Einerseits ist zu fragen, ob Weber mit seiner historischen Zuschreibung recht hat. Hat die Prädestinationsvorstellung im Calvinismus tatsächlich die Lebensführung bis hinein in das Wirtschaftshandeln so beeinflusst, wie Weber das meint? Hier haben neuere Untersuchungen erhebliche Zweifel angemeldet. Obwohl Weber richtigerweise auf Zeugnisse aus der Seelsorgeliteratur statt auf theologische Lehräußerungen geschaut hat, liegt er wohl mit seiner Einschätzung nicht richtig. Die Prädestinationslehre war keineswegs so bestimmend und hatte eher geringe Wirkung auf die nach Heilsgewissheit strebenden Gläubigen. Doch der Baseler Historiker Kaspar von Greyerz hat beim Studium von Seelsorgeliteratur und autobiografischen Schriften von Puritanern des 17. Jahrhunderts - also Webers Gewährsleuten - eine interessante Entdeckung gemacht. Er stieß auf die immense Bedeutung der Vorsehungslehre für die Gläubigen. Gott wurde nicht nur als alltäglicher Helfer angesehen. Faktisch wurden auch Unfälle, Krankheiten, Epidemien, Erdbeben, Flutkatastrophen und ähnliche Ereignisse als Gottes direkte Strafe für Sünden Einzelner oder einer Gemeinschaft betrachtet. Die Folge dieses speziellen Vorsehungsgedankens, so Greyerz, sei rigorose Selbstkontrolle gewesen, die der ähnle, die Weber für den Prädestinationsgedanken angenommen hatte.“
Hier einmal eine Zusammenstellung mehrerer Links zum Thema: „Calvin und Kapitalismus“:
http://www.reformiert-info.de/3240-0-105-16.html

Speziell daraus Zitate von: http://www.reformiert-info.de/side.php? ... 05&navi=16
Anmerkungen zur Prädestinationslehre Calvins. Von Dieter Schellong
„Eine radikale Enthmythologisierung der These Max Webers. Fragwürdig sei schon die Rede vom „Geist“ des Kapitalismus, fragwürdig desweiteren die Quellen, auf die Weber sich beruft. So war der presbyterianische Prediger Richard Baxter kein entschiedener Prediger der Prädestinationslehre, der ebenfalls zitierte Philipp Jakob Spener kein „Calvinist“ und Benjamin Franklins „Buchführung über Tugendfortschritte“ war nicht religiös. Der für Weber so entscheidende Begriff der „Bewährung“ spielt im Calvinismus eine genauso geringe Rolle wie sonst in der Theologie ...u.a.m.“
„Doch man muss unterscheiden zwischen dem, was Max Weber geschrieben hat, und dem, was daraus in der Rezeptionsgeschichte geworden ist. Um erst einmal Weber in Schutz zu nehmen: Dass Calvin wirtschaftlichen Erfolg als Maßstab dafür angesehen hätte, ob ein Mensch von Gott erwählt ist, hat Weber nirgendwo behauptet. Er hat in seinen genannten Abhandlungen auch von niemand anderem behauptet, dass er eine solche Meinung vertreten habe. Erst nachträglich stieß er zu Formulierungen vor, die diese Ansicht allenfalls nahelegen könnten (3), und dann hat sie sich im Zuge der Rezeption Webers durchgesetzt.
Ich versuche zu Beginn eine kritische Darstellung der sog. Max-Weber-These, gehe dann zu ihrer Befragung über und lenke von dort zurück zu Calvins Prädestinationslehre – nun in Barths Darstellung von 1922.“
„Auch Webers psychologische Deutung, dass der Prädestinationsgläubige in tiefe Zweifel und Unsicherheit fallen müsse, ist wenig überzeugend. …Weber musste denn auch feststellen, dass die Puritaner von ihren Seelsorgern vor Hochmut und selbstgefälliger sittlicher Bequemlichkeit gewarnt wurden. (30) Für die Trostbeschaffung durch methodischen Berufseifer dagegen hat er nichts an Textgrundlagen aufgeboten, obwohl er behauptet, dass davon in der Seelsorge und in Erbauungsbüchern andauernd die Rede gewesen sei.
Die Belegstellen, die Weber zitiert, reden durchweg recht allgemein von der Notwendigkeit eines frommen Lebens, das sich von Sünden freihält, das nicht auf anderer Leute Kosten lebt und zu Fleiß und zu Verzichten bereit ist. Dazu gehört die Ablehnung des Bettelns und die Verpflichtung zu eigener Arbeit und zur Fürsorge für die Hilfsbedürftigen. Die Beziehung zur Prädestinationsanfechtung und Prädestinationsbewährung auf der einen Seite und zum methodischen Berufseifer oder gar Geldanhäufen auf der anderen Seite findet sich nur in Webers eigenen Aufstellungen, aber so hartnäckig, dass der Leser unwillkürlich geneigt ist, sie in die historischen Belegstellen mit hineinzulesen. Ist man darauf einmal aufmerksam geworden, bricht das ganze Gebäude zusammen.“
Lutz.

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Beitragvon H.W.Deppe » 24.09.2010 08:08

Ich muss da an 1. Korinther 1,27-29 denken:
sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache. Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache, daß sich vor Gott kein Fleisch rühme.
Es ließen sich noch viele andere biblische Aussagen zitieren, die zeigen, dass eher Entbehrung als Erfolg ein Kennzeichen von Kindern Gottes ist.

Keine Ahnung, ob es eine pervertierte Spielart des Calvinismus gibt, die das von dir zitierte lehrt.
Die fünf Punkte des Calvinismus sind jedenfalls eine sehr sinnvolle Gliederung des Evangeliums (der Beitrag des Menschen, des Vaters, des Sohnes und des Heilgen Geistes zum Heil), aber das muss ja nicht heißen, dass der ganze Calvinismus als solcher ein unfehlbares System wäre. Aber ich denke, bei der von dir zitierten Behauptung handelt es sich eher um Verleumdung des Calvinismus - was ja Gang und Gäbe ist.

Grüße, Werner
"Der Prophet, der einen Traum hat, erzähle den Traum! Wer aber mein Wort hat, rede mein Wort in Wahrheit! Was hat das Stroh mit dem Korn gemeinsam? spricht der HERR." (Jer 23,28)
Lasst uns bei dem bleiben, was geschrieben steht! Sola Scriptura!

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MaciejNogaj
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Beitragvon MaciejNogaj » 24.09.2010 13:58

Hey,
Danke für eure Antworten. Ich werde in der nächsten Zeit wahrscheinlich noch mehr Fragen hier im Forum stellen. Ich habe letztens im 1. Timotheusbrief gelesen, dass in späteren Zeiten einige Gläubige abfallen werden(1.Timotheus 4, 1). Wie ist das mit der Beharrlichkeit der Heiligen in Zusammenhang zu bringen?
Liebe Grüße,
Maciej

Gast

Beitragvon Gast » 24.09.2010 16:43

Die Frage mit dem Abfall wird in dem Buch von John Owen "Die Gefahr des Abfallens" und von Schreiner und Caneday "Mit Ausharren laufen" sehr ausführlich und gut behandelt.
Es gibt Gläubige die Abfallen, aber nicht wirklich wahre (wiedergeborene) Gläubige. Jesu Aussagen in Joh 10 und die Aussage von Paulus in Römer 8 ist zu eindeutig als das man diesen Punkt im Evangelium angreifen könnte, wie aber aber manche Arminianer das gerne tun.
Dennoch sollte sich jeder immer wieder prüfen, ob er denn wirklich gerettet ist und er das Recht verdient ein Kind Gottes und ein Schaf Christi zu heißen, da die wahren Kinder den unechten manchmal zum verwechseln ähnlich sehen.

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MaciejNogaj
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Beitragvon MaciejNogaj » 24.09.2010 20:34

Wie prüft man denn, ob man ein Kind Gottes ist?

Jose
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Re: Wie erkennt man, ob man ein Kind Gottes ist?

Beitragvon Jose » 24.09.2010 22:02

MaciejNogaj hat geschrieben:Wie prüft man denn, ob man ein Kind Gottes ist?
Lieber Maciej,
es freut mich, dass du ein aufrichtiges Verlangen nach der Wahrheit hast.

Für mich selbst waren Ermunterungen wie diese aus dem Wort Gottes sehr wichtig: "und seid wie neugeborene Kinder, begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch - damit ihr durch sie wachset zur Rettung" 1. Petr 2,2. Ich hatte Jesus im Glauben erfasst und auch mein sündiges Herz erkannt, ich wusste um die Vergebung Jesu am Kreuz, wo Er für meine Sünden starb, aber dann ging es weiter. Es ging darum, im Glauben zu wandeln und darin gefestigt zu werden.

Wenn uns Gott in Seinem Wort aber verheißt, dass wen wir aufrichtig nach Ihn suchen, in der Bibel lesen und Jesus lieben, wir in alle Wahrheit geleitet werden und Gott, den Vater, und Seinen Sohn Jesus Christus mehr und mehr erkennen, dann dürfen wir auch darauf vertrauen. In der Gemeinschaft mit Jesus erkennen wir aber auch uns selbst in unserer Verderbtheit und dies umso mehr, je mehr Jesus und der Vater in uns Wohnung machen.

Wir lesen in der Schrift: "Der Geist selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind" Röm 8,16, aber man könnte sich selbst auch was vormachen. Daher ist es wichtig, dass man im Gebet und im Bibellesen sich wirklich vor Gott prüft. Wenn jemand von neuem geboren wird, bleibt die Veränderung nicht aus und wenn es andere zuerst merken, bevor man selber die Veränderung nach außen wahrnimmt, ist das ein gutes Zeichen: "Hierbei befremdet es sie, dass ihr nicht mehr mitlauft in demselben Strom der Heillosigkeit, und sie lästern" 1. Petr. 4,4.

Gott segne dich!

José
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Jose
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Re: Es gibt Gläubige die Abfallen, aber ...

Beitragvon Jose » 24.09.2010 22:42

Samuel A. hat geschrieben:Es gibt Gläubige die Abfallen, aber nicht wirklich wahre (wiedergeborene) Gläubige.
Ich wäre froh, wenn man mich aus dem Wort Gottes von dieser Aussage überzeugen könnte. Es würde mich trösten wegen solche, mit denen ich die Knie gebeugt habe, die aber wieder in die Welt und Sünde zurück sind. Leider fand ich bislang aber keine wirklich überzeugende Auslegungen, wenn man die ganze Bibel betrachtet.

Samuel, ich kenne die Aussage, dass die welche Abfallen nicht wirklich gläubig gewesen sein können, aber wenn man die gesamte Schrift betrachtet, kann man das nicht wirklich behaupten. Vorhin las ich die Bibelstelle: "Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka!, dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr!, der Hölle des Feuers verfallen sein wird" Mt 5,22. Da ist mir aufgefallen, dass selbst hier uns gesagt wird, dass ein Gotteskind verloren gehen kann.

Mir ist es ein Anliegen, Gottes Wort so zu lesen und anzunehmen wie es geschrieben steht. Nur dann gilt auch mir die Zuversicht des Apostel Paulus: "Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu" Phil 1,6.

José
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lutz
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Re: Es gibt Gläubige die Abfallen, aber ...

Beitragvon lutz » 24.09.2010 23:05

Jose hat geschrieben: Vorhin las ich die Bibelstelle: "Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka!, dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr!, der Hölle des Feuers verfallen sein wird" Mt 5,22. Da ist mir aufgefallen, dass selbst hier uns gesagt wird, dass ein Gotteskind verloren gehen kann.
Jose, es nützt nichts, wenn du in Bibelstellen etwas hineinliest, was nicht dasteht.
Das ist aber nicht das erste Mal, dass du mit Bibelstellen derartig umgehst.

Lutz

Gast

Beitragvon Gast » 25.09.2010 14:21

MaciejNogaj hat geschrieben:Wie prüft man denn, ob man ein Kind Gottes ist?
Der 1.Johannesbrief ist dazu geschrieben worden, um dir zu versichern, dass du ewiges Leben hast.

Von dem bekannten Ausleger Lloyd-Jones sind zu diesem Brief zwei Bücher erschienen: "Kennzeichen eines Christen".

Jose
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Re: Erfolg - Zeichen der Erwählung?

Beitragvon Jose » 25.09.2010 19:04

In den Aufzählungen, wodurch der Calvinismus geprägt wird, fand ich wie du auch u.a. gelistet: "Fleiß und Arbeitseifer wobei wirtschaftlicher Wohlstand als Zeichen der Erwählung gesehen wird". Das mit dem "Wohlstand als Zeichen der Erwählung" ist wohl einer der Aussagen, die irgendwann verbreitet wurden und nun nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind.

Wenn ich allerdings bei Bertelsmann das nachfolgende lese, dann kann man hier vielleicht einen Zusammenhang erkennen, wie sich die obengenannte Meinung verfestigen konnte.
Der deutsche Soziologe MAX WEBER veröffentliche 1904/05 eine Untersuchung mit dem Titel „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. In den darin vertretenen - umstrittenen - Thesen versuchte WEBER aufzuzeigen, dass eine wesentliche Wurzel der industriellen Leistungsgesellschaft und der Erfolge des Kapitalismus in den Lebensvorschriften des Calvinismus liegen.
Von der Bibel her kann man m.E. auf keinen Fall behaupten, dass Wohlstand bzw Erfolg ein Zeichen für Erwählung sind. Was wäre dann mit den Armen und mit den Erfolglosen? Bezüglich der Reichen sagt Jesus sogar: "Wie schwer werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes hineinkommen! " Lk 18,24, somit liegt im Reichtum eher eine Gefahr. Paulus schreibt daher an Timotheus: "Den Reichen in dem gegenwärtigen Zeitlauf gebiete, nicht hochmütig zu sein, noch auf die Ungewissheit des Reichtums Hoffnung zu setzen - sondern auf Gott, der uns alles reichlich darreicht zum Genuss"1. Tim. 6,17.

Wenn ich aber das Thema überdenke "Erfolg - Zeichen der Erwählung?" dann stutze ich, denn wofür brauche ich als ein Gottes Kind ein materielles Zeichen der Erwählung? Ist meine Wiedergeburt nicht ausreichend? Oder soll ich etwa an Gott und Seinem Wort zweifeln?

Wohlstand oder Erfolg sind kein Kriterium, aber, Paulus schreibt wiederum: "Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger" 1. Tim. 5,8. Hier sehen wir z.B. wie wichtig es ist, dass z.B. ein gläubiger Ehemann erst recht die Verantwortung für die ihm anvertraute Familie wahrnimmt und für die seinen sorgt. Es mag eine schlichte Arbeit sein und ohne hohes Einkommen, aber in Liebe und Verantwortung für die Anvertrauten getan, wird es von Gott gesegnet und für die anderen ein Zeugnis sein.

José
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Re: Erfolg - Zeichen der Erwählung?

Beitragvon lutz » 25.09.2010 21:19

Jose hat geschrieben:In den Aufzählungen, wodurch der Calvinismus geprägt wird, fand ich wie du auch u.a. gelistet: "Fleiß und Arbeitseifer wobei wirtschaftlicher Wohlstand als Zeichen der Erwählung gesehen wird". Das mit dem "Wohlstand als Zeichen der Erwählung" ist wohl einer der Aussagen, die irgendwann verbreitet wurden und nun nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind.

Wenn ich allerdings bei Bertelsmann das nachfolgende lese, dann kann man hier vielleicht einen Zusammenhang erkennen, wie sich die obengenannte Meinung verfestigen konnte.
Der deutsche Soziologe MAX WEBER veröffentliche 1904/05 eine Untersuchung mit dem Titel „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. In den darin vertretenen - umstrittenen - Thesen versuchte WEBER aufzuzeigen, dass eine wesentliche Wurzel der industriellen Leistungsgesellschaft und der Erfolge des Kapitalismus in den Lebensvorschriften des Calvinismus liegen.
Und ob nun die Max-Weber-These den Anfang dieses Unsinns bildete oder nicht, was von Max Webers Analysen zu halten ist, sagt schon Bertelsmann selber: "umstritten" - und warum umstritten?:

Das kann man in diesem Thema weiter vorn lesen.

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Beitragvon MaciejNogaj » 25.09.2010 23:45

Hallo Leute,
Ich denke auch, dass Erfolg als Zeichen für die Erwählung nicht biblisch ist. Vielen Dank für eure Antworten und die Büchertipps. Eine andere Frage ist mir heute in den Kopf gekommen. Die passt jetzt hier nicht so rein, aber ich will sie euch trotzdem stellen. Sind Charismatiker errettet? Ich kenne einige Leute aus dieser Bewegung und ich kann echte Frucht in ihrem Leben erkennen. Sie sind halt ein wenig komisch und glauben meiner Meinung nach falsche Sachen, aber kann ich sie trotzdem "Bruder" nennen?
Liebe Grüße,
Maciej

Gast

Beitragvon Gast » 26.09.2010 10:30

Ob viele Charismatiker oder auch andere Christen, die aus nicht-reformierten Gemeinden kommen errettet sind, kann man wohl mit ja beantworten. Ich denke einige sind falsch belehrt oder unzureichend, doch viele werden durch den Heiligen Geist mithilfe des Wortes, guter Literatur und anderen Gläubigen Schritt für Schritt in die ganze Wahrheit geleitet werden, hoffe ich zumindest. Man kann nicht alles von Anfang an richtig verstehen und selbst wenn man mehr versteht und in Heiligung, Gnade und Liebe wächst, bleibt alles in diesem Zeitalter Stückwerk. Wichtig ist das erste Anzeichen von Buße, Glauben an Jesus und Vertrauen auf sein stellvertretendes Opfer vorhanden sein müssen. Errettender Glaube wird immer gute Frucht hervorbringen. Ich denke das auch ich bereits errettet war, als meine Erkenntnis über grundlegende Glaubensinhalte und über meine Sündhaftigkeit noch sehr mangelhaft waren.
Die Briefe im Neuen Testament zeigen, dass viele errettet waren, auch wenn sie noch viel Belehrung brauchten und die Gemeinden von Ihrlehren beeinflusst waren.


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