Luther-Predigten, Zitate und Sprüche

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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Jörg
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Beitragvon Jörg » 08.05.2011 05:23

Am Sonntag Misericordias Domini


Johannes 10,12-16

Ich bin ein guter Hirte; ein guter Hirte läßt sein Leben für die Schafe. Ein Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen, und verläßt die Schafe, und flieht; denn er ist ein Mietling, und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirte, und erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen; wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle. Und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden.


1. Dies Evangelium kann man, gleichwie die anderen Werke Christi, auf zwei Weisen deuten: erstens vom Glauben, und danach von der Liebe. Nach dem Glauben hat es die Meinung, daß Christus allein der rechte Hirte ist, der für seine Schafe stirbt, und sonst niemand. Denn zu diesem Werk, darum Christus für uns stirbt, ist kein Mensch, kein Heiliger, noch Engel tüchtig gewesen, daß er den Menschen, der vom Teufel durch die Sünde im Paradies erwürgt, hätte frei machen können. Dieses ist dieses Hirten Werk, daß ihm niemand nachtun kann, damit er sich offenbart hat, daß er Gottes Sohn ist.

2. Darum kann niemand diese Worte reden, die Christus hier redet: " ich bin ein guter Hirte; ein guter Hirte läßt sein Leben für die Schafe ". Will damit uns zu sich ziehen und lehren, daß wir glauben sollen, daß aller Heiligen Leiden mit seinem Leiden nicht zu vergleichen sind. Moses und die Propheten sind große Leute gewesen, die haben recht gepredigt und gelehrt, was man tun und glauben soll. Haben auch viel darüber gelitten. Aber zu dem Werk, von dem Christus hier sagt: für die Schafe sterben, sind sie eitel Mietlinge, und können die Schafe vor dem Wolf nicht erretten. Denn da sieht man, daß Moses und die Propheten, wenn sie lange gepredigt und ihr Bestes getan haben, so bleiben Sie doch tot und können sich selbst nicht retten. Wie wollten sie denn ein Schaf retten oder ihm helfen gegen den Wolf, den Teufel und den Tod? Es geht, wie Christus sagt: " ein Mietling, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, der sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe, und flieht, und der Wolf ergreift und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber flieht, denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht ". Darum der in solch einer Gefahr bestehen, und vom Wolf, dem Teufel, nicht zerrissen werden will, der hüte sich, daß er sich nicht verlasse auf das Gesetz, oder auf gute Werke, auf diesen oder jenen Heiligen. Denn das Gesetz hält nicht, es weicht; ja, noch viel mehr, es ist wider uns und verdammt uns. Die guten Werke halten auch nicht, ja sie verschwinden. Darum soll man den ganzen Trost auf heiliges Leben und gute Werke fallenlassen, und lernen, daß man sich durch einen rechten Glauben sich zu dem Mann findet, der hier sagt: " ich bin ein guter Hirte, und lasse mein Leben für meine Schafe ". Denn dieser flieht vor dem Wolf nicht, und läßt sich eher zerreißen, ehe er dem Wolf ein Schäflein ließe. Darum sollen wir in solcher Gefahr auf ihn allein sehen und uns zu ihm halten, und wissen, daß wir durch ihn wieder Teufel, Sünde und Tod, als durch den treuen Hirten unserer Seelen, zum ewigen Leben erhalten werden sollen. Das ist ein Stück, daß man mit dem Glauben fassen muß: da können wir sonst nichts zu tun; sondern er, der gute Hirte, unser Herr Christus, hat es alles getan und ausgerichtet, und uns befohlen, wir sollen uns annehmen und mit festem Glauben daran hängen.

3. Die andere Lehre ist, daß unseres lieben Hirten tun uns auch alles zum Beispiel vorgestellt ist. Denn eben wie Petrus vom Glauben sagt, 1. Petrus 2,24. 25.: " Christus hat unsere Sünde selbst geopfert an seinem Leibe auf dem Holz, auf das wir der Sünden los seien und der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunden seid ihr Heil geworden; denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehret zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen ": -also sagt er weiter nach auch von der Liebe, und spricht: " Christus hat gelitten, und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen ". So wie Christus für uns gestorben ist, daß er uns errette durch sein eigen Werk, ohne unser Zutun, von Sünden und ewigen Tod: also sollen wir auch einer dem anderen dienen, und nicht darauf sehen ob es ihnen darüber übel gehen möchte. Das heißt denn dem Beispiel Christi folgen, und wird ein jeder Christ auch ein guter Hirte. Denn ob ich schon mit meinem Tode andere vom Tode und von Sünden nicht erretten kann; denn solches ist das eigene Werke des einigen rechten Hirten Jesu Christi, wie ihr eben gehört habt: so kann ich doch mein Leben darüber lassen, daß andere durch solch ein Beispiel zum Wort gelockt und zum Bekenntnis Christi gebracht werden. Denn wir sehen, wie die Welt und der Teufel dem Wort feind sind; besonders aber der Papst wendet alle seine Macht dahin, daß er das Wort mit Gewalt dämpfen möge. Da müssen sich die frommen Hirten leiden und zum Teil auch darüber ihr Leben lassen.

4. Darum gehören fromme, treue Prediger dazu, weil sie durch den Tod Christi erlöst sind, daß sie schnell dem Beispiel Christi nachfolgen, und sterben auch um der Schafe willen und lassen den Hals über dem Wort. Solches Sterben macht die anderen nicht selig. Denn Seligkeit kommt allein durch den Tod Christi Jesu. Aber dennoch stärkt es die anderen; und wird also Gott durch mein Blut und Sterben gepriesen, und der Nächste wird im Glauben dadurch gestärkt, obwohl er nicht durch den Tod erlöst wird. Denn dasselbe muß zuvor geschehen sein durch den Tod des einigen und rechten Hirten, Christi Jesu, wie jetzt oft gesagt worden ist.

5. Hier finden sich denn auch Mietlinge und Wölfe. Zuvor, in der ersten Lehre vom Glauben, sind Moses, das Gesetz, die Propheten und alle Menschen Mietlinge, sie sind gleich so fromm Sie immer wollen. Denn von dieser allen kann sich keiner selbst schützen, ich geschweige andere, vor dem Wolf, dem Teufel und der Sünde. Aber hier, in der Lehre von der Liebe, heißen Wölfe die falschen Lehrer und Tyrannen, welche die Lehre verfolgen und verdammen. Wo nun ein frommer Christ ist, der läßt sich nicht abschrecken, wenn er denn Wolf sieht, sondern ehe er seinen Nächsten des Wortes und der rechten Erkenntnis Christi ließe beraubt werden, ehe ließe er seinen Leib und Leben darüber. Wie die Heiligen Apostel und lieben Märtyrer getan haben: die sind nicht geflohen, sondern dem Wolf in den Rachen gelaufen.

6. Also soll es noch sein. Wer da will ein Prediger sein, der meine es mit ganzem Herzen, daß er allein Gottes Lehre und seines Nächsten Besserung suche. Sucht er sie aber nicht allein, sondern will bei solchem Amt seinen Nutzen oder Schaden bedenken, da darfst Du nicht denken, daß er stehen bleiben wird. Entweder er wird schändlich davon fliehen, und die Schafe allein lassen und davon laufen; oder er wird schweigen, und die Schafe ohne Weide, das ist, ohne das Wort gehen lassen. Das sind die rechten Mietlinge, die um eigenes Nutzen und Geizes willen predigen, und lassen sich an dem nicht genügen, welches ihnen Gott täglich zur Nahrung gibt als ein Almosen. Denn wir Prediger sollen doch nicht mehr von unserem Amt haben, denn Hülle und Fülle. Die aber mehr haben wollen und um Geldes und Gutes willen predigen, das sind Mietlinge, welche der Herden nicht achten. Dagegen aber ein frommer Prediger alles darüber läßt, auch sein Leib und Leben.

7. Das ist die andere Lehre vom Beispiel; und geht nicht allein auf die, so in den Kirchenämtern sind, sondern auf alle Christen. Denn sie alle sollen das Wort bekennen, und eher Leib und Leben lassen, ehe sie vom Wort auf Abgötterei sich bringen lassen wollten. Denn sie wissen, daß sie einen Hirten haben, der darum sein Leben gelassen hat: ob sie ihres schon auch lassen müssen, daß sie es doch durch ihn wieder empfangen und in Ewigkeit nicht mehr verlieren sollen.

8. Nun spricht der Herr weiter und tut eine Predigt von seinen Schafen, und unterscheidet sie von allen anderen Schafen. Will damit auch seine Lehre von Ketzerei und aller anderen Lehre scheiden, und spricht:

Ich bin ein guter Hirte, und erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen; wie mich mein Vater kennet, und ich den Vater kenne. Und ich lasse mein Leben für meine Schafe.

9. Als wollte er sagen: Es ist alles darum zu tun, wenn ihr wollt meine Schafe sein, daß ihr mich, euren Hirten, recht kennet; so wird es nicht Not um euch haben.

10. Darum soll ein guter Prediger den Leuten anderes nicht vortragen, denn allein Christum, daß man ihn lerne erkennen, was er sei und gebe; auf das niemand von seinem Wort komme, und er allein für den Hirten gehalten werde, der sein Leben lasse für seine Schafe. Das soll man fleißig predigen. Danach soll man auch das Beispiel treiben, auf das, wie Christus um unseretwillen alles getan und gelitten hat, wir auch um des Wortes willen alles gern tun und leiden sollen. Wer solche zwei Stücke nun hört und versteht sie, den nennt Christus Schaf. Wie er oben auch gesagt hat: " Meine Schafe hören meine Stimme ". Wer es predigt und lehrt, der ist ein guter Hirte, auch wenn er das Leben nicht für seine Schafe lassen kann, wie Christus.

11. Die aber solche Lehre nicht hören, oder den Schafen nicht vortragen wollen, die sind nicht Christus Schafe, sind auch nicht rechte Hirten; sondern wo sie am besten sind, sind sie Mietlinge, oder sogar reißende Wölfe. Die soll man nicht hören, sondern vor ihnen fliehen als vor dem Teufel selbst. So ist auch die Predigt vom Papst. Der führt die Worte Christi nicht recht und rein, wenn er sagt: " ich bin ein guter Hirte, und lasse mein Leben für meine Schafe; sondern lehrt, wo man vor dem Wolf, dem Teufel und dem Tod, sicher sein will, so müssen wir selbst unsere Hirten sein und uns durch eigene Werke schützen.

12. Wollen wir nun rechte Christen sein, so müssen wir tun wie ein Schaf, daß seines Hirten Stimme kennt und allein hört; andere Stimmen kennt es und hört es nicht. Sollen darum zum Papst oder andere Prediger sagen: Ich kenne deine Stimmen nicht; ich höre einen Wolf, der will mich von meinem Hirten wegreißen und fressen. Nur immer weg mit dem Wolfsgeschrei; ich will mich an meinen Hirten halten.

13. Denn so sagt Christus hier: " Sie werden meine Stimme hören ". Und oben sagt er: " Einem Fremden folgen die Schafe nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen der fremden Stimme nicht ". Denn unmöglich ist es, daß ein Schaf, so einmal zu Glauben angefangen, und seines Hirten Stimme gehört und gefaßt hat, die Predigt höre, die der Stimme Christi entgegen ist. Kaiser und Könige Gebot, Fürsten Gebot, daß Gebot der Stadt hört es, aber es weiß, daß es nicht zur Seligkeit dient; denn darum kommt man nicht in das ewige Leben, daß man solchen äußerlichen Gehorsam leistet. Wenn aber ein Prediger kommt und lehrt: Wenn du selig werden willst, so mußt du für deine Sünden genug tun, Messe halten, Almosen geben; das hört das Schafe nicht, und spricht: Ich kenne deine Stimmen nicht; es ist nicht des Hirten, sondern eine Wolfstimme.

14. Denn ein Schaf hat die Natur und Eigenschaft vor allen anderen Tieren, daß es ein scharfes Ohr hat. Darum wenn 10000 Mann bei einander wären, so flieht es, und scheut sich, aber nicht vor seines Hirten Stimme, die es kennt, und dieser Stimme läuft es nach. Also, wenn tausend Schafe bei einander in einem Haufen sind und die Mütter alle blökten, so kennt doch ein jedes Lamm seiner Mutter Stimme, und läuft ihr so lange nach, bis sie es findet; so gut kann es hören.

15. Auf solche Art und Eigenschaft sieht Christus hier, und spricht: solche Tiere habe ich auch; denn ich bin ein Hirte, und meine Schafe haben auch die Art an sich, daß sie meiner Stimme sehr gewiß sind und kennen. Darum, wo meine Stimme nicht ist, da bringt sie niemand hin. Will uns also lehren, wenn wir seine Schafe sein wollen, so müssen wir auch so gute Ohren haben, welche die Stimme Christi von allen anderen Stimmen absondern, sie sei noch so hell und schön, oder freundlich.

16. Darum sollen wir hier lernen und uns befleißigen, daß wir Gottes Wort hören und allein und gewiß uns darauf gründen; auf das wir dem Eingeben des Teufels, der ein Versucher zu allem Bösen ist, und untersteht sich, uns zu verschlingen, nicht Raum geben, und sonst auch vor falscher Lehre uns hüten. Denn der Wolf läßt seine Tücken nicht: kann er dich mit falscher Lehre nicht zu Fall bringen oder fangen, so wird er es inwendig im Herzen tun durch böse Gedanken. Da mußt du tun, wie ein Schaf und sagen: ich nehme mich dieser Stimme nicht an, sie ist vom Wolf, und nicht meines Hirten Stimme. Meines Hirten Stimme heißt: " Ich bin ein guter Hirte, und lasse mein Leben für die Schafe ". So willst du, Wolf, mich gern dahin bringen, daß ich verzagen, mich vor meinem Hirten fürchten und von ihm weglaufen sollte. So wird man sich der Anfechtung erwehren können, weil der Teufel gern das Herz damit beschweren, und irre, oder traurig und furchtsam machen möchte.

17. Also sollen wir die Stimme unseres Hirten lernen und hören und kennen; so werden wir ihn recht erkennen, und er wird uns wieder kennen und lieben. Denn wie könnte er uns feind sein, so er sein Leben für uns läßt, und schenkt uns das ewige Leben und dem von uns Tod, Sünde und alles Unglück? Solches werden wir sonst bei keiner Stimme finden, darum sollen wir uns noch fleißiger dazu halten.

18. Danach ist diese Predigt auch in dem Fall tröstlich und fein, daß der Herr sich einen Hirten, uns aber, die wir sein Wort haben und hören, seine Schafe nennt. Denn da hat ja kein Christi Ursache, daß er klagen sollte, er wäre verlassen. Das kann wohl sein, daß es einem fehlt an Geld und Gut, dem anderen an Gesundheit, den dritten an einem anderen, daß es scheint, als seien wir mitten unter den Wölfen und haben keinen Hirten. Wie denn Christus zu seinen Jüngern sagt: " Siehe, ich sende euch wie Schafe, mitten unter die Wölfe "; und wir es auch täglich vor Augen sehen, daß es um die christliche Kirche nicht anders steht, denn um ein Schaf, daß der Wolf jetzt beim Fell erwischt hat und fressen will. Es scheint nicht, als hätten wir einen Hirten, der sich unser annehme.

19. Aber es muß so zugehen, damit wir keinen anderen Trost haben, denn dieses Hirten Stimme und sein feilschen, wie der Herr hier sagt: " Meine Schafe kennen meine Stimme ". Wer nun sich an diese Stimme hält, und geht dieser nach, der kann sich dann rühmen, daß er einen rechten Hirten kenne und das sein Hirte ihn auch kennt. Denn wer auf das Wort Achtung hat und diesem folgt, den wird der Teufel zufrieden lassen müssen. Denn es gehe mit Leib und Leben, mit Geld und Gut, mit Weib und Kind, wie Gott will, so hört er immer seines Hirten Stimme, daß er ihm zuruft: Du bist mein liebes Schaf; denn du hörst auf meine Stimme und erkennst mich, und ich dich auch. Das also solche Erkenntnis im Wort und Glauben, und sonst in nichts steht. Wie denn der Herr selbst sagt: " Ich kenne sie, gleichwie mein Vater mich kennet und ich den Vater ".

20. Denn da Christus, der Sohn Gottes, selbst auf Erden ging, ging er so, als wäre er allen Teufel und bösen Buben hingegeben, daß sie ihren Mutwillen mit ihm treiben möchten, wie sie wollten. Gott stellt sich, als hätte er ihn vergessen, als wüßte er nichts von ihm um kennt ihn nicht. Aber da Christus selbst klagt: " Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen "; da er am Kreuz stirbt, und begraben wird, und der Teufel jetzt in der Hoffnung ist, Gott habe ihn verlassen: da sieht man, daß ihn der Vater kennt; denn er holt ihn aus der Hölle und aus dem Tode heraus.

21. Also, spricht nun Christus, soll es mit euch, meinen Schafen auch sein. Laßt euch nicht irre machen, wenn es auch so aussieht, als wenn ich euch nicht kennen würde. Denn ein Christi muß auf Erden also verdeckt bleiben mit Unglück, Leid, Sünde, und allerlei Gebrechen und Anfechtungen, daß man denken muß, daß kein Unterschied zwischen ihm und einem Gottlosen ist. Denn da ist Leben und Sterben, dem äußerlichen Ansehen nach, gleich; ja, noch mehr ist, es scheint, es sei ein Christ schlimmer dran mit unserem Herrn Gott, denn ein Heide; denn es geht ihm schlimmer, und er hat mehr Anstöße und Anfechtungen. Aber laß dich nicht irre machen, sondern denke daran, was er hier sagt: " Ich kenne meine Schafe ".

22. Hier, spricht der Teufel und die Vernunft, wie kann er dich kennen, weil es dir so übel geht? Da antworte du: Ich weiß, daß er mich kennt, und soll mich an solchem Glauben nicht hindern, daß ich sterben und allerlei Unglück leiden muß. Denn ich kenne ja seine Stimme und höre sie, und halte mich, daß er mir zuspricht, wie ein Hirte zu seinem Schaf: Ich bin dein Hirte, ich bin für dich gestorben, ich habe mein Leben für dich gelassen. Das Wort höre ich und glaube es; das ist mein einziges und gewisses Zeichen, daß er mich kennt und ich ihn auch. Wenn ich auch nun anderes fühle, als Christus hier sagt, solches schadet nicht. Es ist doch alles nur eine zeitliche Anfechtung. Dagegen aber lehrt mich das Wort vom ewigen Leben; ob ich nun nicht gleich den Tod fühle, und sterben muß wie andere, welche an Christus nicht Glauben: was liegt daran? Denn hier habe ich meines Hirten Stimme, die mir auf das freundlichste zuspricht: " Wer an mich glaubt, der wird den Tod nicht sehen ewiglich "; also: " Ich lasse mein Leben für meine Schafe ". Darum zweifle ich nicht, mein treuer Hirte, Christus Jesus, kennt mich.

23. Es bleibt aber solches Kennen verborgen, auf das der Glaube Raum habe; sonst wo wir so schnell aus der Taufe rein und unsterblich gingen, so bedürften wir weder des Wortes noch des Glaubens. Weil aber das Wort noch bleibt, so muß es geglaubt und nicht sofort erfahren sein, bis an jenen Tag, da wir es nicht mehr Glauben, sondern im Werk sehen und erfahren werden. Also ist kein Zweifel, wenn ein Mensch getauft wird, so wird er in der Taufe vor Gott so schön und hell, als die liebe Sonne, daß gar keine Sünde mehr dableibt, sondern nur eine ewige Gerechtigkeit. Denn also sagt Christus selbst: " Wer glaubt und getauft wird, der wird selig ". Aber solches läßt sich äußerlich nicht sehen. Und dennoch ist es wahr, wenn man das Urteil nach dem Wort und nach des Hirten Stimme stellen will. Darum liegt es alles an dem, daß man am Wort halte, und daran bleibe bis zu seiner Zeit, da es in einem anderen und ewigen Leben offenbar werden wird, wie wir jetzt im Wort hören und glauben. Denn wie jetzt das Leben hier und jenes Leben unterschiedliche Leben sind: also ist es nicht möglich, daß man hier in diesem Leben das ganz und gar fühle, daß man dort fühlen und erfahren wird.

24. Darum ist es eine große Kunst, einen Christen kennen. Ja, man kann ihn hier auf Erden nicht recht kennen. Denn welcher Mensch kann sagen, daß er im ewigen Leben sei? Und dennoch müssen wir bekennen, eben dies Kind, welches noch mit Tod, Sünde und allem Unglück geladen ist, da man kein ewiges Leben daran sehen, das hebt man von seiner Taufe an, ewig zu leben. Wie geht das zu? Sieht man es doch nicht, sondern man sieht nur das alte Leben. Aber über dieses alte und sündliche Leben hat Gott ein ewiges Leben gemacht, da Leben wir schon in (dem Wort und Glauben nach zu rechnen), wenn wir es gleich noch nicht sehen oder fühlen.

25. Das heißt denn einen Christen recht kennen, daß man ihn nicht urteilen noch Ansehen mit leiblichen Augen, sondern nach dem Hören und dem Wort. Wie ein Schaf: das hat sein Leben vom Hören; wenn es seines Hirten Stimme nicht hört, so läuft es in die Irre und unter die Wölfe. Denn ohne des Hirten Stimme kann man es nicht halten. Wo es aber diese hat, so bleibt es sicher. Wo es aber des Hirten Stimme verliert, so ist alle Freude und Sicherheit dahin, und muß sich überall fürchten und scheuen. Eben also ist es mit einem Christen auch: wenn er das Wort verliert, so ist auch der Trost aus. Wenn er aber am Wort festhält, so sieht er seinen Hirten Christum, und alles, was Christus ihm erworben und verheißen hat, nämlich, Vergebung der Sünden und das ewige Leben. Geht also in voller, gewisser Hoffnung hin, ist, trinkt, arbeitet, und tut, was ihm zu tun befohlen ist, ja, leidet wohl auch mit Freuden, was ihm zu leiden aufgelegt wird. Denn er hängt mit den Ohren an seines Hirten Stimme und Mund, und besinnt sich, daß er nicht urteile, nach dem er empfindet oder fühlt, sondern nach der Stimme und wie er hört. Das ist nun, daß Christus hier sagt: " Ich kenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen, gleich wie mich mein Vater kennet, und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für sie ".

26. Das sollen wir lernen, und unsere Herzen daran gewöhnen, daß wir uns nicht daran ärgern, obgleich die Christen leiden und sterben müssen, wie andere Menschen. Denn das ist allein der Christen Kunst, daß sie sagen können: An dem äußerlichen Leben sehe ich keinen Unterschied zwischen Christen und Unchristen; ja, den Christen geht es meistens schlimmer, und müssen viel mehr leiden, denn andere Leute. Aber im Wort sehe ich einen großen, trefflichen Unterschied, nämlich: das Christen und Unchristen unterschieden sind, nicht nach der Nase oder äußerlicher Frömmigkeit, sondern daß sie ihres Hirten Stimme haben und hören. Diese hören die Heiden nicht, Türken und Juden auch nicht; sondern allein des Herrn Christi Schafe. Sonst nach der Nase und weltlichen Sachen zu rechnen, wird man keinen Unterschied finden.

27. Einen solchen herrlichen Trost gibt der Herr hier seinen Christen an dem, daß er sich einen guten Hirten nennt, und sagt: Er kenne seine Schafe, wie sein Vater ihn kennt, und lasse sein Leben für sie. Da soll auch ferner folgen, daß wir uns, wie die Schafe, recht gegen solchen frommen und treuen Hirten halten sollen; das ist, wir sollen unseres Hirten Stimme allein folgen. Er tröstet uns, er hat sein Leben für uns gegeben; diesen Trost sollen wir glauben, und der Sünden wegen nicht verzagen, wie der Teufel uns unser sündhaftes Fleisch immer gern tun wollte und uns oft kleinmütig und zaghaft machen. Danach wir auch untereinander lieben, und also lieben, das wir auch einer um des anderen Willen unser Leben lassen sollen. Aber wie viele sind da, die solche Stimme hören? Der meiste Teil hört auf des Teufels Stimme, und folgt ihm, wenn er reizt, daß man geizen, untreu sein, betrügen, lügen und anderes tun soll, daß ganz und gar der christlichen Liebe entgegen ist. Solche Leute beweisen es mit ihrem eigenen Leben, das sie nicht rechte Schafe Christi sind, besonders die seine Stimme nicht hören: er warnt so treu, man soll im Leiden geduldig, im Glauben fest und in der Liebe brünstig sein, und des Teufels und unseres eigenen Fleisches Stimme, die uns zur Sünde lockt, nicht hören; es ist der Irrweg, der uns ins Verderben führen wird. Aber der meiste Teil tut wie ein blödes Schaf: es schreit, es pfeift, ist tut der Hirte, was er will, so läuft es immer in das Holz, kommt in die Irre und wird dem Wolf zum Fraß. Vor solcher Unart laßt uns alle hüten, und fromme, gehorsame Schafe sein, daß wir unseren Hirten auch kennen, wie er uns kennt, das ist, daß wir ihn lieb haben, sein Wort gern hören, seinem Wort gern folgen, und tun, was er uns heißt. Das aber der Herr von anderen Schafen sagt, die er auch führen soll, auf das ein Hirte und eine Herde werde, solches hat sich bald nach Pfingsten zugetragen, da das Evangelium in alle Welt durch die Apostel gepredigt worden ist, und geht noch bis zum Ende der Welt. Nicht so, als sollten sich alle Menschen bekehren und das Evangelium annehmen. Denn da wird nichts daraus werden; der Teufel läßt es dazu nicht kommen. Die Welt ist dem Wort feind und will ungestraft sein. Darum werden viele Religionen in der Welt bleiben. Das aber heißt ein Hirte und ein Schafstall, daß Gott alle, die das Evangelium annehmen, um Christus Willen zu Kindern aufnehmen will, es sind gleich Juden oder Heiden. Denn das ist die rechte einzige Religion, diesem Hirten und seiner Stimme folgen. Das verleihe uns der treue Hirte unserer Seelen durch den Heiligen Geist, Amen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 15.05.2011 05:54

Am Sonntag Jubilate


Johannes 16,16-23


Über ein Kleines, so werdet Ihr mich nicht sehen; und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen; denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern untereinander: Was ist das, daß er sagt zu uns, über ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie: Was ist das, daß er sagt, über ein Kleines? wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fragt ihr untereinander, daß ich gesagt habe, über ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und heulen; aber die Welt wird sich freuen. Ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden. Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit; denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen.


1. Dies Evangelium ist ein Stück von der Trostpredigt, welche der Herrn seinen Jüngern des Nachts über Tisch tut, als er bald danach im Garten von Judas verraten und von den Juden gefangen worden ist. Und geht dieser Trost besonders dahin: obwohl die Jüngern über dem schändlichen Tod des Herrn sich geärgert und darüber bekümmert werden sollten, so soll doch dieser Kummer nicht lange dauern; denn er, der Herr, werde nur ein Kleines von ihnen sein; danach werden sie ihn wieder sehen, wenn er von den Toten aufersteht, und sich seiner freuen und solcher Freude in Ewigkeit genießen.

2. Nun meldet Johannes mit vielen Worten, wie die Jüngern solche Predigt nicht verstanden, uns sich in das Kleine, wovon der Herr hier sagt, nicht haben richten können. Deswegen muß es ihnen der Herr erklären, und sie verstehen es immer noch nicht. Gleich nun wie es den Jüngern sauer geworden ist; also erfahren wir es auch, daß wir aus dem Kleinen auch nicht klug werden, und uns eben das im Wege liegt, daß die Jünger an solchem Verstande auch hinderte.

3. Denn als die Anfechtung kam, und sie den Herrn Jesum schmählich und armselig sterben sahen, da konnten sie nicht denken, daß es nur ein Kleines wäre; sondern so standen ihre Herzen: Es wäre nun mit dem Herrn Christus ganz und gar aus, und würde nun an ihnen sein, daß man eben mit ihnen, wie mit ihrem Meister, auch umgehen würde.

4. Daß sie aber gedacht haben sollten, es wäre nur um zwei Tage zu tun, da würde der Herr von den Toten in ein ewiges Leben auferstehen, und ihnen hier auf Erden wider die Welt, Teufel, Sünde und Tod helfen, bis er sie auch endlich selig machte: so weit konnten sie nicht denken. Darum meldete Johannes später, wie sie am Ostertag aus Furcht vor den Juden das Haus verriegelt, und es nicht glauben wollten, daß Christus von den Toten auferstanden ist, obgleich die Weiber und Petrus und die anderen zwei Jünger solches ihnen gesagt hatten. In der Summe, sie konnten es nicht glauben, daß es nur um ein Kleines zu tun war. Sie dachten, Christus würde also ewig im Tode bleiben, wie andere Menschen; sonst würden sie nicht so getrauert, sondern seiner Auferstehung mit Freuden erwartet und derselben sich getröstet haben.

5. So geht es uns auch; wenn Gott ein Unglück über uns kommen läßt, da ist bald der erste Gedanke: jetzt ist es aus, es ist keine Hilfe noch Rat zum helfen. Wir wollen uns weder sagen noch singen lassen, daß es nur um ein Kleines zu tun ist, und Gott bald und schnell sich mit seiner Gnade und Hilfe werde wieder sehen lassen. Darum werden wir kleinmütig, können nichts anderes als schreien und klagen. So doch, wie Paulus sagt, wir uns in der Anfechtung freuen und rühmen sollten: nicht allein wegen der zukünftigen Hilfe wegen, denn die wird nicht ausbleiben, wenn wir nur glauben und an dem Wort halten; sondern auch darum, daß wir durch das Kreuz, als durch eine gewisse Probe, mögen erkennen, daß wir Gottes Kinder sind, wie wir später noch hören werden.

6. Also ist nun dies Evangelium eine schöne Trostpredigt, nicht allein für die Jünger, sondern für alle Christen, daß sie das Wort (über ein Kleines) lernen sollen, und es in aller Anfechtung sich damit trösten: Es sei nur um ein Kleines zu tun, so werde dann das Leid verschwinden, und aller Trost und Freude sich wieder finden.

7. Auf das nun solcher Trost schnell möge gefaßt werden, wollen wir jetzt vom Kreuz und Leiden reden. Die Vernunft redet so, wo Gott ein Auge auf uns hätte und uns liebte, so würde er alles Unglück von uns nehmen und uns nicht leiden lassen. Weil aber jetzt da, jetzt dort alle Widerwärtigkeit auf uns kommt, da schließt die Vernunft, Gott habe uns entweder vergessen oder sei uns feind, und will unser nicht; sonst würde er helfen, und uns nicht zur jämmerlich liegen und zappeln lassen.

8. Gegen solche Gedanken aber, die wir von Natur haben, müssen wir uns mit Gottes Wort rüsten, und nicht wie wir denken, sondern wie das Wort uns sagt, urteilen. Denn urteilen wir außer und ohne daß Wort, so ist unser Urteil falsch und verführt uns. Was sagt nun das Wort? Erstens, daß auch nicht ein Haar von unserem Kopf fallen kann, es sei denn der Wille Gottes. Wer nun nach solchem Wort unseres lieben Herrn Christus urteilen will, der muß schließen: es ist gleich Teufel und Welt so mächtig und stark sie immer wollen, so können sie doch nicht das geringste gegen einen Christen tun, es sei denn der Wille Gottes. Wie der Herr Christus das Gleichnis von den Spatzen gibt; das ist ein unnützer Vogel, der mehr Schaden tut, denn als er nützt; und dennoch, sagt Christus, von diesen falle keiner auf die Erde und komme nicht um, es sei denn der Wille des Vaters im Himmel, Matthäus 10,29. Da muß ein Christ gewiß schließen, will er anders Christum nicht Lügen strafen, daß Gott mehr an einem Menschen, denn an viel Spatzen gelegen ist; wie Christus selbst sagt. Deswegen wird er sie in guter Acht und Hut haben, und beiden, Teufel und Welt, nicht so viel Macht lassen, daß sie gegen einen Christen etwas tun, was sie wollten. Tun sie ihm aber etwas, so wird Gott wohl darum wissen, und seinen Willen zuvor dazu gegeben haben, sonst müßten sie es wohl lassen. Das ist eins, das merke wohl, auf das Du nicht denkst, wenn es dir übel geht, Gott habe dich vergessen; so er an dich denken würde, würde es dir anders gehen; denn er denkt an dich, und läßt es dir doch übel gehen.

9. Da findet sich bald ein anderer Gedanke, der sehr gefährlich ist, denn so ich es so dafür halte, das Unglück, welches ich leide, daß habe Gott über mich verhängt, da fährt die Vernunft weiter und schließt: Gott muß es nicht gut mit mir meinen, sonst würde er mich nicht so plagen, er würde mich vom Leid befreien und mir gnädig sein. Wo dann das Gewissen zuschlägt und die Sünden uns unter die Augen kommen, da ist dann viel Mühe, daß man an Gott verzweifelt, ihm feind wird, von ihm sich wendet, und anders, wo es Gott verboten hat, Hilfe sucht. Denn wir denken, wir könnten es viel besser ertragen wenn das Unglück uns von bösen Leuten zugeführt würde, denn als daß es Gott über uns verhängen sollte.

10. Da ist nun wieder Not, daß wir mit Gottes Wort gefaßt sind und der Vernunft und ihrem Urteil nicht folgen. Denn da müßten wir gewiß entweder in Verzweiflung fallen, oder Gott feind werden und sein gar nicht achten. Nun, was sagt das Wort hier von? Paulus spricht 1. Korinther 12,31. 32.: " wenn wir uns selber richten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtet, auf das wir nicht samt der Welt verdammt werden ". Das ist ein klarer Spruch, daß Gott sieht, welche er zum ewigen Leben erhalten und bewahren will, züchtigt und straft, und ihnen nicht feind sein kann, daß sie dennoch allerlei, Unglück, Kreuz und Anfechtung leiden müssen.

11. Darum sollen wir in der Anfechtung an solchen Spruch uns halten. Einer hat dies, der andere ein anderes Anliegen, welches er gern wollte los sein; wenn er sich aber recht bedenkt: siehe, wäre diese Anfechtung nicht, so würdest du in diese oder andere Anfechtungen fallen; Gott tut dir dieses zum Besten, auf das er dich in seiner Furcht halte, dich zum Wort und Gebet treibe: dann wird es sich finden, daß Gott nicht darum straft, daß er uns feind ist, sondern daß er sich in seiner Liebe zeigt und uns vor dem ewigen Jammer bewahre. So sagt es auch die Epistel bei den Hebräern Kapitels 12,5. ff., den Spruch Salomos Sprüche bereit, 11. 12.: " Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn, und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn welchen der Herr liebt, den züchtigt er, und stäupt einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt. So ihr nun die Züchtigung erduldet, so erbarmt sich Gott, zu seinen Kindern. Denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Seid ihr habe ohne Züchtigung, welche sie alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde, und nicht Kinder ". Also: " So wir unsere leiblichen Väter zu Züchtigern gehabt, und sie gescheut; sollten wir denn nicht viel mehr untertan sein dem geistlichen Vater, daß wir leben? Und jene zwar haben uns gezüchtigt wenige Tage nach ihrem Dünken; dieser aber zur Nutz, auf das wir seine Heiligung erlangen. Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit sein. Aber danach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind ". Dieser Spruch beweist nicht allein, daß die Strafe, die Gott auf uns legt, eine Liebesstrafe ist. Darum sollen wir ja nicht denken, wenn wir die Strafe fühlen, daß Gott mit uns zürnt, oder will unser nicht. Denn eben darum straft der uns, daß wir Kinder sind, und beim Erbe bleiben, und davon nicht verstoßen werden sollen.

12. Gleich aber wie das Wort vom Kreuz und Leiden uns gepredigt wird, also sehen wir es in den Beispielen auch. Wer kann doch, darf oder will sagen, daß der allmächtige, himmlische Vater seinen eingeborenen Sohn, Christum Jesum, nicht lieb gehabt habe? Und dennoch siehe sein Leben und Sterben an, ist nicht die Liebe groß und verborgen, daß wer dem äußerlichen Ansehen nach urteilen wollte, müßte sagen, Gott sei ihm von Herzen feind, und achte sein nicht, weit weniger, denn der Gottlosen Juden, die allen ihren Mutwillen an ihm übten? Wie Jesaja sagt: " Wir achteten ihn als den, der von Gott geschlagen war ". Und die Juden am Kreuz spotteten über ihn: " Ist er Gottes Sohn, so steige er vom Kreuz hernieder ".

13. Wie nun Gott seinen Sohn hier auf Erden gehalten hat, so will er alle Christen auch halten. Wie Christus selbst spricht: " Der Knecht ist nicht mehr, denn sein Meister. Haben Sie mich verfolgt; sie werden euch auch verfolgen ". Und die Epistel der Hebräer, schreibt: " So ihr ohne Züchtigung seid, welcher alle Kinder Gottes teilhaftig sind geworden, so werdet ihr nicht Kinder, sondern Bastarde sein ". Also sieht man, wie Schrift und Beispiel fein zusammen stimmen, daß wir Gottes gnädigen Willen erkennen, und nicht denken sollen, wenn es uns übel geht, als habe Gott unser vergessen und wolle unser nicht; sondern sollen die Anfechtung für eine gewisse Anzeigung der Liebe Gottes annehmen, und nicht zweifeln, weil uns Gott also heimsucht, wir sind seine lieben Kinder.

14. Nun soll man auch die Ursache lernen, warum doch Gott mit seinen Kindern so unbarmherzig (wie es scheint) umgeht, und sie stets unter der Rute hält. Solche Ursache zeigt Paulus an, da er spricht: " Wir werden vom Herrn gezüchtigt, auf das wir nicht mit der Welt verdammt werden ". So auch David, Psalm 119,71.: " Es ist nur gut, Herr, daß du mich gezüchtigst hast, auf das ich deine Rechte lernte ". Und Jesaja im 28. Kapitel Vers 19: " Der Unfall allein lehrt auf das Wort merken ". Denn gewiß ist es, wo Gott uns alles gebe, daß wir gern hätten, und vor allem Unglück uns bewahrte, so würden wir sicher, und unserer Sünde selbst nicht in Acht nehmen, und weder an das Wort noch anders Gebet denken. Wenn aber jetzt da, jetzt dort der Hagel einschlägt, und jetzt die, bald eine andere Widerwärtigkeit sich findet, da hat man Ursache, daß man nicht allein zum Gebet eile, sondern auch daran denke, wie wir mit unseren Sünden solche Strafe verdient haben, und deswegen unser Leben künftig fleißiger bessern, auf das die Strafe wieder weggenommen oder gelindert werde. Wie die Epistel der Hebräer spricht: unser Vater im Himmel züchtigt uns, uns zur Nutz, auf das wir seine Heiligung erlangen.

15. Darum, wo ein Christ das Kreuz fühlt, soll er sich nicht weich machen lassen, daß er nicht mehr denn weinen und klagen wollte. Er soll gedenken: Ich habe einen gnädigen Gott in Himmel, der hält mich, wie alle seine Kinder, und will durch solche Anfechtung, Schaden und Widerwärtigkeit mich meiner Sünden erinnern, und mich zur Buße mahnen, daß ich frömmer werden und mich vor Sünden bewahren soll, und sein Kind bleiben. Wer solches tut, der braucht das Kreuz recht und wird nicht ungeduldig im Leiden; läßt sich darum auch durch Ungeduld nicht dahin bewegen, daß er verbotene Mittel und Hilfe suchen wollte, sondern er wartet auf Gottes Hilfe und bittet darum.

16. Denn das ist das vierte Stück: Nachdem man weiß, daß außer Gottes Willen uns nichts widerfahren kann, und daß es Gottes gnädiger Wille ist, wo er uns etwas widerfahren läßt, daß man als dann weiter wissen und glauben soll, daß Gott mit der Anfechtung auch das Ende und die Errettung schaffen werde; wie der Heilige Paulus sehr fein spricht, 1. Korinther 10,13. " Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen; sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinnen, daß ihr es könnt ertragen ". Und auf dieses Stück reimt sich besonders, daß der Herr hier (dem Kleinen) sagt: es soll nicht lange dauern, eure Traurigkeit soll zur Freude, und zur ewigen Freude werden.

17. Da finden sich aber zwei treffliche Ursachen, daß man es nicht für ein Kleines halten kann, und es darum mit dem Glauben nicht kommen will. Die erste ist: daß die Anfechtung so groß und heftig ist, daß wir denken, wir müssen verderben, da sei keine Kraft noch Macht mehr, daß man könne länger halten. Wie man an dem König Hiskia sieht, Jesaja 37.: als der König von Assyrien die Stadt Jerusalem auffordert; da schickt Hiskia zum Propheten Jesaja, und ließ ihm diese Worte sagen: " Das ist ein Tag des Trübsals, Scheltens und Lästerns. Denn die Kinder sind bis zur Geburt gekommen, und ist keine Kraft da zu gebären ", Vers 3. Und der Herr braucht hier auch dasselbe Gleichnis von einem gebärenden Weib. Denn der Christen Anfechtungen sind nicht schlechte, kleine Anfechtung; wie man im 69. Psalm sieht, da Christus selbst klagt und schreit " Gott, hilf mir; denn die Wasser gehen mir bis an die Seele. Ich versinke im tiefen Schlamm, da kein Grund ist. Ich bin in tiefen Wassern, und die Flut will mich ersäufen ".

18. Die andere ist, daß wir keinen Weg, Mittel noch Weise sehen, dadurch uns könnte geholfen werden. Da schließen wir denn, es ist aus mit uns, und könne nicht glauben, daß es nur um ein Kleines zu tun ist. Zu solchen dient dieses Gleichnis, daß der Herr hier sagt, von einer Frau, die gebären soll. Denn da läßt sich erst sehen, als werde kein Ende da sein und die Mutter müsse sterben. Aber in einem Augenblick gibt es sich, daß anstatt des Todes ein zweifaches Leben hervorkommt, daß die Mutter genesen, und ein schönes, gesundes Kind an die Welt gekommen ist. Darum verschwindet bald alles Leid und ist nur Freude da. Solches sieht man alle Tage vor Augen. Denn ob es wohl häufig übel zu geht, so geschieht doch solches selten, der gemeine Lauf ist, wie Christus hier sagt, daß plötzlich eine beständige, langwierige, herzliche Freude auf das Leid und die Schmerzen folgt. Solches will der Herr, daß wir es lernen, und wenn wir in Traurigkeit, Anfechtung und Kummer sind, daran denken sollen: Es sei nur um ein Kleines zu tun, danach soll es besser werden. Wie im Hebräer steht: " Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünkt sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit sein. Aber danach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind ".

19. Also heißt es ein Kleines, weil es plötzlich eine Änderung gibt, die sich schnell findet, schneller als man denkt, wenn wir nur mit dem Gebet und dem Vertrauen auf Gottes gnädige Hilfe nicht zweifeln. Danach heißt die Anfechtung auch um ein Kleines, daß sie mit der ewigen Freude getauscht werden soll. Denn was ist es, daß der arme Lazarus zehn oder zwanzig Jahre arm und elend ist, gegen den, daß er danach in Ewigkeit leben soll? Also spricht Paulus zu den Römern im 8. Kapitel Vers 18: " Ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbart werden "; und 2. Korinther 4,17: " Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige, und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare ". Und Petrus, 1. Petrus 1,6. 7.: " Ihr werdet euch freuen in der Seligkeit, die ihr jetzt eine kleine Zeit traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf das euer Glaube rechtschaffen, und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold "; und danach im 5. Kapitel Vers 10.: " Gott aller Gnaden, der euch berufen hat zu seine ewigen Herrlichkeit, in Christus Jesu, derselbe wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, wohl bereiten, stärken, kräftigen und gründen ".

20. Wer es nun also glauben und für wahr halten kann, daß es um ein Kleines zur tun ist, der hat einen gewissen Trost, an welchen er in der Anfechtung und Leiden sich halten kann. Darum liegt es alles an dem, das wir unserem lieben Herrn Christus trauen und sein Wort für wahr halten, daß ob gleich Unglück und Anfechtung über uns kommt, es doch nur um ein Kleines zu tun sei, auf das wir im Leiden uns trösten, wie man eine Frau, so in Kindesnöten liegt, tröstet, daß sie sich wohl haben soll, Gott werde ihr bald von der Last helfen, und sie mit einem fröhlichen Anblick ergötzen. Denn da ist es nicht möglich, daß man nicht zur Freude kommen, man muß zuvor Schmerzen haben und etwas leiden. Ob uns wohl, wie gesagt, unsere Vernunft immer plagt, uns solche Leiden und Schmerzen dahin deuten will, als wolle uns Gott darin verderben lassen; aber diese Meinung hat es nicht. Denn eben die Schmerzen, die ein gebärendes Weib hat, kommen darum, daß eine neue Frucht an die Welt gebracht werden soll. Also läßt Gott die Anfechtung kommen, daß wir Errettung finden, und darüber uns freuen werden.

21. Nun ist es aber besonders fein, daß der Herr den Jüngern deutet, was für eine Freude ihnen widerfahren soll. " Ich ", spricht er, " will euch wieder sehen ". Solches ist am heiligen Ostertag geschehen, da sie ihn in einem neuen, ewigen Leben gesehen haben. Also sieht uns Christus auch, und unser Herz freut sich, wenn wir seine Auferstehung vor uns nehmen, und sehen, wie er für uns Sünde, Tod und Teufel überwunden hat, daß wir durch ihn auch ewig leben sollen. Das ist die rechte beständige, ewige Freude, die allen Kummer wendet und nie von uns genommen werden soll.

22. Darum sollen wir unter dem Kreuz nicht ungeduldig und kleinmütig sein, sondern diesen Trost festhalten, wenn wir Leiden, so soll es doch um ein Kleines zu tun sein. Denn Christus ist auferstanden und sitzt zur Rechten seines Vaters, daß er dem Teufel und allen Jammer wehren, und uns ewig selig machen will. Das verleihe uns unser treuer Gott und Vater, durch seinen Sohn und unseren Erlöser, Christum Jesum, Amen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 22.05.2011 06:28

Am Sonntag Kantate

Johannes 16,5-15


Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fraget mich: Wo gehst du hin? sondern, dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns geworden. Aber ich sage euch die Wahrheit, es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; so ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Gericht. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich. Um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet. Um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären; denn von dem Meinen wird er es nehmen, und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, daß ist mein; darum habe ich gesagt: Er wirds von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.


1. Das ist ein sehr schönes Evangelium; denn es geht hauptsächlich mit dem hohen und nötigen Artikel um, von dem wir den Namen haben und Christen heißen. Darum, ob man es wohl jedes Jahr hört, so kann man es doch nicht genügend lernen. Soll es aber in unseren Herzen die rechte Frucht bringen, so muß es oft gepredigt werden.

2. Es ist aber dies Evangelium, eben wie das vor acht Tagen, eine Trostpredigt, welche der Herr Abends über Tisch getan hat, kurz zuvor, ehe er verraten und gefangen worden ist und es ist ihm darum zu tun, daß er seine Jünger gerne gegen künftige Ärgernisse rüsten will, auf das sie nicht wegen seines elenden, schmählichen Todes wegen sich bekümmerten; sondern lernten, was für Gutes aus solchem Tode folgen sollte, und daraus einen Trost empfingen. Darum, wie er heute vor acht Tagen sie getröstet hat, solche Schmach und Ärgernis soll nur ein Kleines sein, danach soll es in eine ewige Freude gewandelt werden: also tröstet er hier auch, und lehrt, wozu sein Sterben diene.

3. " Ich ", spricht er, " gehe hin zu dem, der mich gesandt hat ". Das ist, ich werde morgen an das Kreuz geschlagen und gewürgt werden. " Da ist niemand unter euch, der mich fragt, wo ich doch hin wolle ", oder was ich damit ausrichten wolle; " sondern weil ich euch solches gesagt habe, ist euer Herz voll Trauerns geworden. Aber ich sage euch die Wahrheit, es ist euch gut, daß ich hingehe ", und geschieht um euretwillen. " Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster, der Heilige Geist, nicht zu euch ", und erhält der Böse Geist seine Macht und Gewalt. " Wenn ich aber hingehe, so will ich den Heiligen Geist zu euch senden ". Diesen Trost, will der Herr, soll man lernen und fassen, und darüber seinem Leiden sich nicht ärgern noch davor erschrecken; sondern man solle sich trösten, weil es besonders dazu dient, daß dem bösen Geist und seiner Tyrannei dadurch gewehrt, und der Heilige Geist zu uns gebracht und uns geschenkt wird.

4. Was aber der Heilige Geist ausrichten, was er zu uns bringen und uns lehren werde, dieses zeigt der Herr später an und spricht: " Er soll die Welt strafen um die Sünde, um die Gerechtigkeit, und um das Gericht ". Das ist wahrlich zuviel auf einmal geredet, daß der Heilige Geist soll vornehmen, nicht eine Schule, ein Dorf, eine Stadt oder zwei, sondern die ganze Welt, und sie strafen. Wer nun solches fassen will, der muß einen starken Rücken und einen großen Hinterhalt wissen. Denn in die Welt gehört alles, was nur von Adam geboren ist, Kaiser, Könige, Fürsten. Da soll niemand ausgenommen sein, der Heilige Geist soll sie alle miteinander durch die Apostel und andere Prediger strafen und sagen: Ihr seid alle Sünder, von euch ist keiner gerecht, von euch ist keiner gelehrt noch klug; ganz gleich ihr seid zu Jerusalem, zu Rom, oder in was für einen Stand und Würden ihr wollt, wenn ihr nicht von mir lernt, so wird von euch keiner selig; sondern ihr seid des Teufels, wie ihr steht und geht, und soll euch keine Frömmigkeit, Heiligkeit noch gutes Werk helfen können. Das, spricht Christus, soll des Heiligen Geist des Amts sein, welches er durch arme Bettler und verachtete Leute anrichten wird, und die ganze Welt strafen.

5. Nun ist es aber mit dieser Strafe kein Scherz. Denn er soll die Welt strafen der Sünde, Gerechtigkeit und des Gerichtes wegen. Wenn nun lauter Sünde, keine Gerechtigkeit noch Gericht in der Welt ist, was wird endlich daraus werden? Darum ist diese Predigt des Heiligen Geist des ein harter Donnerschlag gegen die Welt, daß sie des Teufels ist mit allen ihren guten Werken, und kann so nicht in das Reich Gottes kommen, es sei denn, daß der Heilige Geist ihr von Sünden helfe, sie gerecht mache, und von dem Gericht erledige. Solche Sprüche sind viele in der Schrift. Als, wenn Paulus sagt: " Gott hat es alles unter die Sünde beschlossen "; also: " wir sind Kinder des Zorns von Natur ". Und Christus: " Es sei denn, daß jemand wiedergeboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen ". Das heißt des Heiligen Geistes Predigt, die Welt also strafen um der Sünde willen.

6. Was ist aber die Sünde? Ist es nicht stehlen, morden, ehebrechen, und dergleichen? Ja, solches sind auch Sünden; aber noch nicht die rechte Hauptsünde, um die der Heilige Geist die Welt strafen soll. Denn da findet man viel Leute, die dieser äußerlichen Sünden nicht schuldig sind. Aber die rechte Hauptsünde, von der der Heilige Geist predigt, deren ist die ganze Welt schuldig; sonst könnte er alle Welt nicht darum strafen. Diese Sünde nun heißt: nicht glauben an Jesum Christum. Von solcher Sünde weiß die Welt nichts, der Heilige Geist muß sie es erst lehren; denn die Welt hält nur für Sünde, was in der anderen Tafel von Mose verboten ist. Von Christus weiß sie nichts; viel weniger weiß sie, daß es Sünde ist, an ihn nicht glauben. Und was wollen wir viel von der Welt sagen? In den Schulen selbst, unter den gelehrten Christen, hat man den Unglauben für keine Sünde, besonders aber für keine Erbsünde gehalten. Denn predigen, daß der Unglaube eine Sünde ist, kann niemand, denn der Heilige Geist; der macht auch mit dieser Predigt alle Welt zu Sündern, weil sonst die Welt, äußerlicher Werke wegen, sich schmücken und für fromm verkaufen kann.

7. Also ist dies des Heiligen Geistes Predigt, daß alle Welt, niemand ausgenommen, Sünder sind, darum daß sie nicht an Christum glauben. Das ist aber eine seltsame Predigt, die die Welt nicht gewohnt ist, ja, von der die Welt ganz und garnichts weiß, daß sie an den Menschen Jesum glauben soll. Sie meint, wenn sie, wie jener Pharisäer, Lukas 18, kein Mörder, kein Ehebrecher, keine Ungerechter sei, so ist es genug und bedürfe nichts mehr. Aber der Heilige Geist predigt anders, und spricht: Ich weiß wohl, daß in solchem äußerlichen Leben einer frömmer ist denn der andere; aber das ist die Hauptsünde, in der ihr alle steckt, daß ihr nicht an Christum Jesum glaubt. Solche Sünder hat außer des Heiligen Geistes Predigt niemand jemals gesehen noch gewußt.

8. Darum So schließe nur schnell und getrost, und sprich: Was nicht im Glauben ist, das ist Sünde, es sei Beten, fasten, Almosen geben; so der Glaube an Christum Jesum nicht da ist, so hörst du hier, das es soll gestraft werden. Und ist kein anderer Weg, von solcher Sünden los zu werden, denn daß man an Jesum Christum glaube.

9. Das ist doch ein sehr gewaltiger Text, an dem niemand rüber kann. Und dennoch läßt ihn der Papst und sein Haufe nicht unangefochten. Wo sie nicht weiter können, sprechen sie, von dem Glauben, der durch die Liebe sein Wesen empfangen hat. Aber halte so einen Spruch zu diesem Text. Denn das kann ja niemand leugnen, Christus predigt hier von der Sünde, und deutet die Sünde, es sei, wenn man an ihn nicht glaube. So kommt der Schluß, es sind gute Werke da, so viel es sein können, wenn der Glaube an Christum nicht da ist, daß der Mensch bei allen solchen guten Werken und Tugenden ein Sünder ist, und der Heilige Geist ihn für einen Sünder strafen und verdammen werde.

10. Darum ist der Unglaube die rechte Hauptsünde, und die Quelle, aus der alle Sünden fließen. Denn wo der Unglaube im Herzen ist, daß man an Christum nicht glaubt, da folgt zuerst, daß man Gottes Wort nicht annimmt; sondern entweder verachtet man es, oder hält es für eine Ketzerei und Lüge, und verfolgt es, als hätte es der Teufel geredet. Da folgt dann noch mehr Unrat, daß man Vater und Mutter und der Obrigkeit ungehorsam wird, daß keiner seines Amtes und Berufes mit Fleiß ausübt, sondern in aller Unzucht und Unart lebt; ausgenommen, daß sich etliche häufig fürchten, oder vor den Leuten schämen müssen. Das sind dann die Blätter und der ganze Baum des Unglauben; der wächst und blüht aus dieser Wurzel, die der Heilige Geist darum straft, und ist ihm nicht zu wehren. Denn wer an Christum nicht glaubt, der hat den Heiligen Geist nicht, und kann darum keine guten Gedanken haben. Und wenn er auch gleich etwas tut, daß an sich selbst nicht Böse, sondern gut ist, daß tut er wie ein Knecht, allein aus Furcht, und nicht aus einem rechten, herzlichen Gehorsam. Das also die Welt ein Teufelsgesinde ist, daß nichts Gutes reden, tun, noch in den Sinn nehmen kann. Ursache, die Quelle und der Brunnen alles Übels ist da, der Unglaube.

11. Wer nun die Welt recht malen und ihre rechte Farbe geben will, der könnte sagen, das es ein Haufen Leute auf Erden ist, die an Christum nicht glauben, und darum sein Wort Lästern und Schänden, die im Herzen, inwendig und auswendig, mit Orten und Werken, morden, stehlen, rauben und aller Unart sich befleißigen, und dazu noch aller Gaben und Güter Gottes, unseres Herrn, mißbrauchen.

12. Wider solche Leute, sagt Christus hier, sollt ihr Apostel und alle Prediger euch legen und auftreten; denn solches Strafen muß bleiben bis an den jüngsten Tag, daß man immerdar predige: Was Welt ist, daß glaubt nicht an Christum, daß gehört nicht in das Reich Christi, sondern es ist des Teufels; nicht allein der äußerlichen groben Sünden wegen, sondern der Hauptsünde wegen, des Unglaubens. Und hilft nicht, ob du schon ein Mönch wirst, jetzt das, jetzt jenes tust; denn solange der Unglaube bleibt, so bist du ein verdammter Sünder, und es hilft nichts. Das allein muß helfen, daß du solchen Unglauben fallen läßt, und an Christum glaubst und dich sein tröstest wieder Sünde und Tod.

13. Nun wissen wir aber und haben es oft gehört, was der Glaube ist, nämlich: nicht allein dies, daß man wisse und glaube, es sei wahr, was man von Christus predigt; sondern ein herzliches Vertrauen, daß du es dir auch annimmst, daß es um deinetwillen und dir zu gut geschehen ist. Denn der Teufel weiß auch, daß Christus gestorben ist, und glaubt er so gewiß, als die Katholiken; aber das glaubt er nicht, daß Christus für ihn und ihn zu gut gestorben ist. Solcher Glaube, daß ich mich dessen annehme, und du dich auch dessen annimmst, daß es für uns geschehen ist, ist allein des Heiligen Geistes Gabe. Wer nun solchen Glauben nicht hat, daß er sprechen kann: Christus ist für mich gestorben, daß ich vom ewigen Tod und Sünden soll frei sein, der ist ein Unchrist, und bleibt ein Sünder, wenn er sich gleich mit guten Werken zu Tode martert.

14. Das ist das erste Stücke von des Heiligen Geistes Amt, daß es alles Sünde ist, und wir bei allen unseren guten Werken und Heiligen Leben als Sünder müssen gerichtet und verdammt werden, wenn wir nicht an Christum Jesum glauben. Darum nur frisch Kappen und Platten, alle Orden, und was man sich sonst vorgenommenen hat, Vergebung der Sünden dadurch zu bekommen, mit Füßen getreten. Denn es leidet sich nicht bei einander, daß ich sagen wollte: Christus ist für mich gestorben, und: Ich will eine Kappe tragen, dies und jenes Werk tun, daß ich fromm werde und in den Himmel komme. Wer aber solche Strafe nicht aufnehmen und den Herrn Jesum Christum nicht annehmen will, der bezeugt, daß er nicht glaubt, und ist ein Sünder, wie alle anderen, die nicht an Jesum Christum glauben.

15. Das andere Stück ist, daß der Heilige Geist die Welt auch strafen soll um die Gerechtigkeit. Das ist auch ein hartes Wort. Sünde hat die Welt; Frömmigkeit oder Gerechtigkeit hat sie nicht, und weiß auch nicht, wie sie soll oder kann fromm werden. Was ist das nun für eine Gerechtigkeit? Sieht man doch, daß die Welt Gericht und Recht hat; so haben die Heiden eine sehr feine Weise und Lehre gegeben von einem bürgerlichen, ehrbaren Leben; und es ist unmöglich, daß dieses Unrecht sein könnte, daß man Diebe hängt, die Mörder umbringt. Ist denn solches nicht alles Recht und gut?

16. Christus antwortet hier: nenne du solches Leben wie du willst, nur das du es keine Gerechtigkeit nennst; denn die ist es nicht. Ursache, ich predige nicht von der Juristen Gerechtigkeit; sondern die Gerechtigkeit, von der ich predige, die heißt: Ich gehe zum Vater, und ihr sehet mich fortan nicht. Dieses Wort ist schwer zu verstehen, genau wie das nächste, daß ich darum ein Sünder sein soll, daß ich nicht an Christum glaube; denn wir denken; Es sind doch so viel Gaben im Menschen, daß er sich selbst eine Andacht machen, sich zur Gnade bereiten und darum bitten kann. Solches machen noch heute die Katholiken, weil sie sich in diese Predigt nicht richten können. Also scheint es hier auch lächerlich, was Gerechtigkeit ist, daß du nur dann ein frommer Christ bist, wenn Christus zum Vater geht und du ihn nicht siehst. Das ist ein sehr gewaltiger, schöner Text.

17. Denn was will man doch von guten Werken rühmen oder sagen? Da steht des Herrn Christi Wort, und spricht: Dadurch werdet ihr nicht gerecht, daß ihr dies oder jenes tut, eure Werke werden es nicht ausrichten; das allein tut es, daß ich zum Vater gehe. Solcher Gang ist die Rechte, ewige Gerechtigkeit. Da weiß die Welt nichts von; denn man findet nicht einen Buchstaben in allen anderen Bücher davon. Aber das findet man in den Büchern: Wenn einer die Zehn Gebote hält, gegen Gesetz und Ordnung nichts tut, so ist der ein frommer, gerechter, ehrbarer Mann. Aber Christus spricht hier nicht ein Wort von dem, daß du tun oder lassen sollst; sondern bloß und allein von seinem Werk, daß er tut, nämlich, daß er zum Vater geht und wir ihn nicht sehen. Das soll unsere Gerechtigkeit sein, und sonst nichts.

18. Darum, wenn wir recht fromm werden wollen, so müssen wir es mit unseren Werken nicht anfangen. Das wird es nicht tun, daß du ein Mönch werden, viel fasten, wachen und beten wolltest. Das aber wird es tun, wenn du willst von der Sünde los und ein Christ werden, daß du weißt, daß Christus zu seinem Vater gegangen ist, und dich über diesen Gang von ganzem Herzen tröstet, und sonst nichts. Ja, sprichst du, ich meinte, ich müßte fasten, beten und gute Werke tun! Gute Werke sollst du ja tun; denn solches hat dir Gott schon im Gesetz geboten und aufgelegt. Aber dadurch wirst du nicht fromm, noch gerecht vor Gott. Ursache: solches geschieht allein dadurch, das Christus zum Vater geht. Der Weg allein, und kein anderer ist es, dadurch wir von Sünden erlöst und gerecht werden.

19. Des Herrn Christi Gang aber heißt nichts anderes, denn daß er gelitten und am Kreuz gestorben, und durch den Tod von dieser Welt abgeschieden ist und zum Vater gegangen, das ist, gen Himmel aufgefahren, da er sitzt zur Rechten Gottes und regiert. Wir aber sehen solches nicht, sondern glauben es. Das ist der Schatz, dadurch wir fromm werden. Das also " Gerechtigkeit " nicht mein Werk ist, Kraft, noch Vermögen, sondern des Herrn Christi, daß er zum Vater geht. Das ist nun so viel gesagt: Niemand wird gerecht, selig, noch von Sünden los, denn allein dadurch, daß Jesus Christus gelitten hat, gestorben und vom Tode wieder auferstanden ist. Dieser Gang macht gerecht, und sonst nichts.

20. Wie paßt aber solches mit der Lehre der Katholiken die sagen: Wer selig werden will, der muß mit seinen Werken etwas dazu tun? Das wäre wohl richtig geredet: Ein Christ soll christlich Leben und gute Werke tun; aber daß man durch gute Werke gerecht werden soll, das ist falsch und erlogen. Denn hier steht, daß es allein der Gang unseres Herrn Christi zum Vater tun und ausrichten soll. Solches ist die Rechte und wahre Gerechtigkeit, von der die Welt nichts weiß und allein der Heilige Geist davon lehrt.

21. Die Katholiken haben den Spruch: " willst du in das ewige Leben gehen, so halte die Gebote Gottes ", das hat aber eine andere Meinung, und zeigt klar, daß die Katholiken nicht wissen, was es heißt, die Gebote Gottes halten, sonst würden sie solchen Spruch nicht hierher ziehen. Darum steht diese Meinung fest und gewiß, daß wir keiner andere Gerechtigkeit, noch ewiges Leben haben können, denn diese, daß Christus von dieser Welt zum Vater gegangen ist. Da, sprich, will ich bleiben, und soll mir es der Teufel nicht nehmen. Schrecken kann mich der Teufel und mir ein Gewissen machen; denn ich weiß sehr wohl, daß meine Wege zu schwach sind. Aber da ist ein anderer Weg, den nicht ich, sondern Christus geht, in dem höchsten Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater, diesen wird der Teufel nicht ungerecht oder zum Sünder machen können, wenn er mich gleich zum Sünder macht; darum will ich mich auch sein annehmen und trösten.

22. Denn das muß immer unser Weg sein, daß wir dieses Werk mit den Glauben fassen. An diesem Gang und Werk Christi hat es keinen Mangel. Christus hat es ausgerichtet, und liegt nun künftig nur an dem, daß wir es mit Glauben annehmen und uns darüber trösten. Glaubst du es, so hast du es; glaubst du es aber nicht, zu hast du nichts davon. Denn mit Augen kann man es nicht sehen, wie hier klar steht: " ich gehe zum Vater, und ihr sehet mich fortan nicht ". Das also unsere Gerechtigkeit die wir uns vornehmen, und allein auf Christum und sein Werk oder seinen Gang setzen sollen: auf das wir gewiß wissen, wo wir endlich bleiben sollen. Denn so es an unseren Werken und Genugtuung, an unserer Beichte und Reue gelegen sein sollte, so würden unsere Herzen nie zufrieden sein können. Denn wann wollten wir doch wissen, daß wir genug der gebeichtet, und für die Sünde genug getan hätten? Darum hat es unser lieber Herr Christus ganz von uns weggenommen und auf sich selbst gesetzt, daß wir uns darauf gründen sollen, unsere Gerechtigkeit ist sein Gang, sein Sterben, seine Genugtuung. Denn da können wir ja nicht mehr zweifeln, die Person ist zu hoch und zu groß, nämlich der Sohn Gottes, und richtet das Werke aus, daß der Vater selbst dazu geordnet hat, daß uns von Sünden und Tod geholfen würde, wie Johannes ihn darum ein Lamm Gottes nennt.

23. Also seht ihr Lieben, wie gewaltig es in diesen Text geschrieben ist, daß die Gerechtigkeit nicht unser tun und lassen; sondern das Christus zum Vater geht. Wenn du nun solche Gerechtigkeit durch den Glauben hast, dann tue auch gute Werke, und sei fleißig, auf das beste, den Gehorsam gegen Gott. Ehe du aber dein Herz durch einen rechten Glauben und Zuversicht auf Christum setzt, so wirst du kein gutes Werk tun können. Ursache, das Herz ist noch Böse und unrein, es ist keine Vergebung der Sünden da, weil kein Glaube da ist.

24. Also ist der Christen Gerechtigkeit eine sonderbare Frömmigkeit, die kein Herz erdenken kann, man muß wohl vom Heiligen Geist Hören und lernen; und wenn man es gleich hört, so wird man es doch nicht begreifen können, es muß geglaubt sein, wie der Herr hier sagt: " Ich gehe zum Vater, und ihr sehet mich fort nicht mehr ". Das ist, ihr müßt es glauben, sonst werdet Ihr es nicht fassen können. Das ist der Christen Gerechtigkeit, die allein der Heilige Geist lehrt. Von der Welt Gerechtigkeit können die Philosophen, weltliche Obrigkeit, Juristen, Vater und Mutter predigen. Ein Christ aber hat eine besondere Kunst, von der die Welt nichts weiß, nämlich, daß es außer dem Glauben alles Sünde ist, und daß die rechte, ewige Gerechtigkeit allein auf dem steht, daß Christus zum Vater geht, und wir ihn nicht mehr sehen.

25. Das dritte Stücke ist, das der Heilige Geist die Welt auch Strafen würde um das Gericht. Was aber das für ein Gericht ist, Zeit der Herr sehr fein an, da er spricht: " Denn der Fürst dieser Welt ist gerichtet ". Wie nun der Heilige Geist die Welt straft, daß sie Sünde hat, weil sie nicht glaubt an Christum, und daß sie keine Gerechtigkeit hat, weil sie nicht weiß, und tröstet sich nicht, daß Christus zum Vater gegangen ist: also straft er sie auch um das Gericht, daß sie davon nichts weiß, und darum sich fürchte, da sie sich doch nicht fürchten sollte, wo sie ihn hörte und sein Wort annähme. Denn eine jämmerliche Plage ist es, Sünde haben und keine Gerechtigkeit, und dazu auch keinen Trost gegen die Sünde, Tod und anderes Unglück.

26. Das sagt nun Christus, soll das auch des Heiligen Geistes Amt sein, daß er vom Gericht predigen und durch das Evangelium überall ausrufen lassen soll: Der Fürst dieser Welt ist gerichtet, kann darum denen, die an Christum glauben und sich über seinen Gang zum Vater trösten, keinen Schaden tun. An sie kann er sich wohl setzen, sich an ihnen versuchen, jetzt da, jetzt dort: aber er soll nichts ausrichten. Denn er ist wohl ein Fürst der Welt: aber nun gerichtet, der seinen Palast verloren und mit den Ketten der Finsternis, wie es Petrus nennt, von Christus gebunden worden ist. Darum dürfen die Christen sich vor ihm nicht fürchten, noch vor seinem ganzen Reich der Welt. So muß gewißlich die Welt, welche sein Reich ist, auch alle macht verloren haben.

27. Das wissen die Unchristen nicht. Darum, ob sie schon häufig vom Wort führen und anfangen zu glauben; darüber die Welt sauer werden und zürnen will, fürchten sie sich und fallen wieder davon ab, wie Christus sagte im Gleichnis von den Samen auf dem Felsen. Die Christen aber halten fest. Denn da klingt ihnen die Strafe des Heiligen Geistes immer im Herzen und Ohren: Was willst du dich fürchten? Warum willst du erschrecken? Weißt du denn nicht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist? Er ist ein Herr, kein Fürst mehr. Du hast einen anderen stärkeren Herrn, Christum, der ihn überwunden und gebunden hat. Darum laßt den Fürsten und Gott dieser Welt sauer sein, die Zähne zeigen, scharren, drohen, oder sich anders stellen, er kann doch nicht mehr, denn ein böser Hund an einer Kette: der mag bellen, hin und her laufen, an der Kette reißen, er kann dich aber nicht beißen, weil er angebunden ist und du ihm aus den Wege gehst. Also ist der Teufel gegen einen jeden Christen auch. Darum liegt alles daran, daß man nicht sicher sei, sondern sich in Gottesfurcht und an das Gebet halte, so soll der Kettenhund uns nicht Schaden können. Wer aber sicher sein und ohne alle Sorge sicher daher gehen will, den könnte der Kettenhund schrecken, wenn er ihm zu nahe käme, daß er ihn beißen könnte; wie man an den bösen Hunden sieht.

28. Diesen Trost bedürfen nun besonders wohl die, die des Heiligen Geistes Amt in der Welt führen und die Welt um die Sünde und Gerechtigkeit strafen. Denn die Welt will und kann kein Strafen weniger leiden, denn das man sie Sünde heiße, und für solche Leute offen sage, die keine Gerechtigkeit haben. Darum, wo solche Strafe öffentlich geht (wie sie denn gehen soll), da hebt die Welt an zu wüten und zu toben, als wäre sie unsinnig. Aber der Heilige Geist ist da und predigt uns von diesem Gericht; sonst würden die Prediger furchtsam werden und sich schrecken lassen. Darum führt der Heilige Geist hauptsächlich diese Stückes wegen den Namen, daß er ein Tröster und Beistand ist, der die Herzen in Anfechtung und allerlei Gefahr und Not freudig und mutig macht, weil sie hören und glauben, der Fürst dieser Welt ist gerichtet.

29. Das ist die Predigt von des Heiligen Geistes Amt, was er Gutes auf Erden ausrichten, und wovon er besonders predigen und die Leute unterrichten soll. Und es ist gewiß wahr, wer solche Predigt und Unterricht nicht für den edelsten und höchsten Schatz hält auf Erden, also eher den Leib und Leben gibt, denn solchen Schatz verlieren wollte, der ein Christ ist. Ursache: Leib und Leben, und was wir haben, ist alles zeitlich und vergänglich. Dies aber ist ein ewiger Schatz, der uns das ewige Leben mitbringt. Wie Paulus sagt: " Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben ". Darum sollen wir uns über den Heimgang, von dem Christus hier sagt, von Herzen freuen, und Gott, unserem gnädigen Vater im Himmel, Tag und Nacht dafür danken, und bitten, daß der uns in dieser Erkenntnis erhalten, und von Tag zur Tag, die länger je mehr wollte zu nehmen lassen, auf das wir von Sünden los und der ewigen Gerechtigkeit teilhaftig werden, und uns dieses Gerichtes recht trösten mögen, daß er Fürst dieser Welt gerichtet ist.

30. Nun spricht der Herr auf diese Predigt weiter: " Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten ".

31. Wie aber die Katholiken diesen Text deuten, wißt ihr, daß sie alle ihre Änderung und Neuerung mit diesem Spruch verteidigen und sagen: Der Heilige Geist habe solche Änderung und Neuerung angerichtet, und Christus habe in diesem Text davon geweissagt. Aber das reimt und paßt übel zusammen.

32. Darum ist das der rechte Verstand zu diesem Text, als wollte Christus sagen: Ihr hört, was der Heilige Geist für ein Amt führen und was er unter euch ausrichten soll. Von solchem hätte ich euch noch viel zu sagen, aber ihr versteht es doch nicht eher, bis ihr es erfahrt. Denn über das was ich jetzt gesagt, wird der Heilige Geist auch dies tun, daß er euch in der Wahrheit leiten und vor falscher, ärgerlicher Lehre behüten wird. Denn wo es ohne solches des Heiligen Geistes leiten ist, da ist es sehe schnell geschehen, daß man die Wahrheit nicht trifft und vom Wort abweicht; wie wir sehen, wie schnell sich der Irrtum in dieser Welt ausbreitet.

33. Die Wideräufer richten darum die Widertaufe an, weil der Herr sagt: " Gehet hin, lehret und taufet alle Völker ". Weil nun die Lehre bei den Alten vorgehen soll, ehe man tauft, daraus schließen sie: Man soll die Kinder auch nicht taufen, bevor man sie nicht lehren kann. Also ist es mit dem Sakrament des Abendmahls auch gegangen: da hat man die klaren Worte Christi liegen lassen, und ist mit etlichen finsteren und ungewissen Sprüchen der Väter und alten Lehrer umgegangen. Darum ist es sehr bald geschehen, daß man in einen Irrtum falle, wo der Heilige Geist nicht hält und uns leitet.

34. Danach, spricht er, wird der Heilige Geist auch weissagen, und, was zukünftig ist, euch verkündigen. Denn solches ist auch seiner Werke eines; wie wir denn etliche Beispiele haben in den Geschichten der Apostel. Zum dritten, spricht er, wird er mich verklären, das ist, eure Herzen voll Erkenntnis Gottes machen, daß ihr um meinetwillen alles wagen und leiden, und alle eure Freude und Trost an mir haben werdet. Solches und anderes wird des Heiligen Geist des Werks sein. Aber wenn ich euch gleich lange davon sage, so versteht ihr es doch nicht, ehe denn ihr es erfahrt. Darum will ich es also bei dem jetzt bleiben lassen, daß ihr nicht erschrecken, sondern euch meines Abscheidens freuen sollt, besonders ich euch alsdann den Heiligen Geist senden werde, der solch ein Strafamt in der Welt führen soll, dadurch ihr von Sünden frei und gerecht werden, und einen ewigen Trost haben sollt.

35. Das ist die Lehre aus dem heutigen Evangelium, Gott, der Vater, wolle durch Christum seinen Heiligen Geist in unsere Herzen senden, und dieses Werk in uns gnädiglich anrichten und vollenden, Amen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 28.05.2011 07:22

Wohl ist´s wahr, dass der Heilige Geist nicht alle trifft, wie die Stimme tut, aber doch ist´s beschlossen: wenn du willst Teil haben am Heiligen Geist, so geschieht´s nicht anders als durchs Wort. Das Wort ist Tür und Fenster des Heiligen Geists. Die Fenster sind dazu im Hause, dass das Licht hereindringe. Willst du diese Fenster schließen, so gibt Gott den rechten Heiligen Geist nicht. Er will diese Tür gebrauchen, nämlich das geschriebene oder gesprochene Wort. Das soll stärker sein als alles andre, dadurch will er dein Herz erleuchten.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 29.05.2011 06:29

Am Sonntag Rogate ("Rogate“ — übersetzt aus dem Lateinischen — heißt: Betet, bittet)


Johannes 16,23 - 30


Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird ers euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches hab ich zu euch durch Sprichwörter geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht durch Sprichwörter mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, das ihr mich liebet und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen, und komme in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt, und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus, und sagst kein Sprichwort. Nun wissen wir, das Du alle Dinge weißt, und bedarfst nicht, daß dich jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist.

1. Ihr Lieben, das heutige Evangelium ist, eine herrliche Vermahnung zum Gebet. Denn das ist nach dem Predigtamt der höchste Gottesdienst bei den Christen, daß man bete. Solche Vermahnung hat der Herr auch getan des Abends über Tisch, bald auf die Predigt, die ihr vor 14 Tagen gehört habt, da er zu seinen Jüngern sagt: " Ihr werdet traurig sein, meines Abscheidens wegen; aber es ist nur um ein kleines zu tun, so will ich euch wieder sehen, und soll alsdann eure Traurigkeit zur Freude werden ". Auf diesen Trost folgt die Vermahnung hier zum Beten. Und es reimt sich sehr wohl auf einander. Denn wo ein Christ in Angst, Sorge und Kümmernis, in Gefahr und Unglück ist, da ist kein anderer Trost noch Rat, denn daß er sich an das Gebet halte, und schreie zu Gott um Hilfe.

2. Solches lehrt der Herr hier seinen Jünger und uns, daß sie in Stunden der Trauer des Betens nicht vergessen sollen. Und sagt über die Maßen tröstlich, daß sie zu solchem Werk kühn und unerschrocken sein sollen. " Denn ", spricht er, " ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum das ihr mich liebet, und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen ". Wahr ist es, Christus läßt es nicht, er sitzt zur Rechten des Vaters und vertritt uns, wie Paulus sagt. So wissen wir, daß sein Gebet, welches er für seine Kirche und uns arme Sünder am letzten Abendmahl über Tisch und danach am Kreuz getan hat, erhört ist, und noch geht und kräftig bleibt bis an der Welt Ende. Aber, spricht Christus, ihr bedürft solches Gebets nicht, daß ich für euch tue; denn ihr selbst könnt den Vater bitten; und sollt nicht zweifeln, euer Gebet ist erhört; denn mein Vater hat euch lieb, darum das ihr mich liebet. Solches muß man nicht so deuten, daß man sich des Gebets Christi nicht trösten sollte, sondern daß wir unser eigen Gebet nicht sollen verachten; besonders weil wir Christus lieb haben. Denn also ist es beschlossen, und wir sollen es mit allem Fleiß merken und lernen, das wer zu Christo Lust und Liebe hat, den will der Vater auch lieben, und also lieb haben, daß er ihn erhören will. Wo bleiben denn die Gottlosen Katholiken, die uns auf der Heiligen Fürbitte verweisen und vertröstet haben?

3. Das heißt doch tröstlich reizen und zum Gebet locken, daß uns unser lieber Herr Christus durch sein Sterben und Abscheiden von dieser Welt zum Vater einen solchen Zutritt zu Gott gemacht und erworben hat, wir sind wo wir wollen, in der Kirche, im Haus, dem Keller, in der Küche, auf dem Felde, in der Werkstatt, ganz gleich wo wir Christen sind und Christum lieb haben, daß wir mit dem Herzen vor Gott in dem Himmel treten, mit ihm reden und beten können um allerlei, was uns anliegt.

4. Denn zu solchem Gebet bedarf man sonst nichts, denn ein solches Herz, daß da spricht: Vater im Himmel, ich weiß, daß du mich lieb hast, darum das ich deinen Sohn und meinen Erlöser, Christum Jesum, lieb habe. In solchem Vertrauen und Zuversicht will ich dich jetzt bitten: nicht das ich so heilig oder fromm sei, sondern daß ich weiß, daß du um deines Sohnes Christi Jesu willen gern uns allen alles geben und schenken willst; in dessen Namen trete ich vor dich und bete, und zweifle gar nicht, solches Gebet (ich bin meiner Person wegen, wie ich will) sei ja gewiß erhört.

5. Denn da muß ein jeder Christ sich vor hüten, daß er mit dem Gebet nicht so lang warten, bis er denkt, daß er die Zeit berechnet zum Gebet. Wie denn der Teufel uns oft mit solchen Gedanken plagt und hindert, daß wir denken: Ei, du bist jetzt nicht geschickt noch müßig, du mußt zuvor dies oder anderes noch tun, so kannst du danach desto besser beten. Wer solchen Gedanken folgt, und sich am Gebet hindern und aufhalten läßt, dem geht es gewiß, wie jenem Bauer, der zuvor etwas tun wollte, ehe er anfing zu wünschen, war also verhindert und kam dann nicht mehr zum wünschen. Denn der Teufel ist ein Schalk, und schleicht uns immer nach, ob er uns an diesem oder anderem hindern könnte.

6. Darum müssen wir uns gegen den Teufel rüsten, und uns nicht aufhalten noch hindern lassen; sondern sobald die Not vor Augen ist, so denken: Jetzt ist die rechte Stunde zum beten; ich bin zwar nicht geschickt und würdig dazu, Gott aber wird mich wohl würdig machen; denn ich weiß, er hat mich lieb um Christus nicht um meinetwillen, daß ich so fromm oder heilig bin.

7. Das will unser lieber Herr Christus hier haben, daß wir beten sollen, und nicht hingehen, wie die rohen Leute, so sagen: Essen und Trinken schmeckt ihnen dennoch wohl, wenn sie auch in acht Tagen nicht einmal ein Vater Unser beten. Bist du ein Christ, oder willst ein Christ sein, so hüte dich vor solchen einem Leben, und bete wenigstens am Morgen, wenn du aufstehst, über und vom Tisch, und des Abends wieder wenn du zu Bett gehst, und sprich: Vater Unser, geheiligt werde dein Name.

8. Denn wir Christen sind schuldig, daß wir ohne Unterlaß beten sollen: wohl nicht mit dem Munde (wie wir denn nicht immer können), doch mit dem Herzen. Denn es sollen alle Herzen jeden Augenblick in dem Wunsch stehen, daß Gottes Name geheiligt, sein Reich komme, sein Wille geschehe, also, daß er Frieden im Lande, gutes Wetter, gesunden Leib geben möchte. Solches wünscht ein jeder Christ alle Stunden und Augenblicke in seinem Herzen, wenn der Mund auch feiert, ja, wenn er gleich nicht eigentlich daran denkt, so ist es doch in seinem Herzen. Das heißt geistlich und mit dem Herzen beten. Und wir bedürfen dieses Gebetes sehr wohl auch, um der ständigen Gefahr wegen, daß ein Christ nicht einen Augenblick sicher ist vor dem Teufel und seinem eigenen Fleisch, daß er nicht in Sünde und Schande falle.

9. Aber neben solchem Herzensgebet soll das mündliche Gebet auch gehen. Wie nun dieses Gebet gestaltet sein soll, lehrt der Herr hier und sagt: " ihr sollt in meinem Namen bitten "; also: " Der Vater hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet, und glaubt, daß ich von Gott ausgegangen bin ". Wie nun die Person also zugerichtet ist, daß sie an Christum glaubt, das ist dann der rechte Priester und priesterliche Schmuck, und es fehlt garnichts, denn daß er den Mund fröhlich auftue, und nehme sich ein gewisses Stück vor, von dem er denkt, daß ihm und anderen Christen am meisten damit geholfen sei, und spreche: Herr, das bedarf ich, daß bedarf jener; gib es uns um Christus willen.

10. Nun sind wir aber in so eine Zeit geraten, daß es uns leider an mancherlei Not, die täglich vorfällt und von Tag zu Tag, je länger je schwerer wird, nicht mangelt, wenn wir nur viel beteten. Denn erstens ist der Teufel ein Lügner und Mörder. Mit der Lüge will er Gottes Wort dämpfen; mit den Morden will er Unruhe im Reich erwecken. So erfahren wir, was ein jeder für eine Not auf sich hat. Darum haben wir überall Ursache genug, die uns zum Gebet treibt. Wer aber solche Not nicht bedenken kann, der nehme nur das Heilige Vater Unser vor sich, das hat sieben Stücke, in welche alle Not und alles Anliegen gefaßt ist.

11. In der ersten Bitte: " Geheiligt werde dein Name ", bitten wir für alle rechtschaffende Prediger und gegen alle Ketzer und Ungläubigen, gegen Juden, Heiden, Türken und den Papst; denn diese alle lästern den Namen Gottes und entheiligen ihn: das Gott ihnen wehren, fromme Prediger geben, und das Wort rein und lauter, wieder alle Ketzerei, erhalten möchte.

12. In der anderen Bitte: " Dein Reich komme zu uns ", bitten wir, daß des Teufels und des Todes Reich untergehe. Das ist auch eine sehr große Bitte; denn sie fast das ganze Teufelsreich, daß Gott damit ein Ende machen, und sein Reich durch sein Wort und Heiligen Geist in uns und allen Menschen anrichten möchte.

13. In der dritten Bitte: " Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel ", bitten wir, daß aller Wille gehindert werde, der wider Gottes gnädigen Willen ist. Das ist dem Teufel und den bösen Leuten eine Bitte welche sie nicht leiden können, und hindert über die Maßen viel Unglück, welches täglich der Teufel und die böse Welt würde stiften, wo man mit diesem Gebet nicht so herrlich wehrte.

14. In der vierten Bitte: " Unser täglich Brot gib uns heute ", bitten wir für unsere Obrigkeit, für unsere Eltern, für Weib und Kind, für Brot und die Früchte auf dem Felde, für Friede, und alles, was wir zur Unterhaltung dieses zeitlichen Lebens bedürfen, ein jeder in seinem Stand, daß ihm Gott Glück und Segen dazu geben und vor allem Unglück die gnädig bewahren möchte.

15. In der fünften Bitte: " Vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben ", bitten wir, daß uns Gott gnädig sei, den verdienten Zorn von uns abwenden, uns unsere Sünden wegen nicht strafen, und die Gnade auch tun möchte, daß wir von Tag zu Tag frömmer werden und uns nach seinem Willen halten möchten, und unter einander freundlich leben und einer dem anderen seine Missetat vergeben.

16. In der sechsten Bitte: " Nicht führe uns in Versuchung ", bitten wir, daß Gott besonders allen angefochtenen Herzen zu Hilfe komme, sie in der Anfechtung nicht stecken lassen, sondern ihnen gnädiglich durch sein Wort und seinen Heiligen Geist heraus helfen, und des Teufels Plan und Gewalt brechen möchte.

17. In der siebten Bitte: " Sondern erlöse uns vom Übel ", bitten wir um ein gutes, seliges Stündlein, daß uns Unser Herr Gott von diesem Jammertal mit Gnaden hinweg nehmen und ewig möchte selig machen.

18. Also ist es alles fein mit einander in das Vater Unser gefaßt, was uns bekümmert, oder aber uns zum Besten dienen mag. Solche Stücke sind alle uns nötig, daß wir täglich darum bitten. Denn Not ist genug vorhanden: erstens allgemein, danach in einen jedem Haus, Stand und Wesen; so fehlt es nur an uns, daß wir nur getrost den Mund auftun und Beten. denn der Befehl ist schon da, daß wir sollen beten, und die Zusage ist auch da, daß es soll ja und gewiß erhört sein. Und hat zum Überfluß unser lieber Herr Christus die Form des Gebetes uns selbst gestellt, wie man im Vater Unser sieht.

19. Nun müssen wir bekennen, daß wir arme Sünder sind, und nicht wert, daß wir vor Gott treten und mit Gott reden sollen, und auch unwürdig, daß wir etwas von ihm erlangen sollen. Auf das nun wir trotz unserer Unwürdigkeit uns nicht am Gebet hindern lassen, befiehlt der Herr hier mit klaren Worten: Wir sollen in seinem Namen bitten; und sagt uns zu: Was wir in seinem Namen bitten; das soll erhört werden. Zieht also mit diesen Worten diesen Gottesdienst ganz und gar aus der Welt in die einige Person, Christum Jesum.

20. Darum sind alle Gebete, die nicht geschehen im Namen Jesu, keine Gebete und kein Gottesdienst. Als, wenn ein Mensch betet, daß ihm Gott um einen Heiligen gnädig sei, seine Verdienste wie Fasten, oder anderes Ansehen sollte: solches ist kein Gebet; denn es geht nicht in Namen Christi, sondern es geht um einen Heiligen oder deinen eigenen Namen. Ein solches Gebet ist der Heiden, Türken und Juden Gebet, ja, auch aller Katholiken Gebet. Denn sie wollen den Namen Jesu nicht allein im Gebet haben, sondern setzen die Jungfrau Maria, die Apostel und andere Namen dazu. Aus solchem abgöttischem Gebet, kann nichts werden, Gott erhört es nicht. Und wenn ihnen auch widerfährt, daß sie bitten: so widerfährt es ihnen doch nur zum Ärgernis, um großen Schaden und Nachteil, und wäre besser, es wäre ihnen nicht widerfahren.

21. Aber die Christen beten nicht so; ihres und anderer Kreaturen Namen wegen verzweifeln sie, und würden nie den Mund auftun. Aber weil sie wissen, daß Gott durch Christum barmherzig ist, und sie den Befehle haben, im Namen Jesu Christi zu bitten: solches macht sie frisch und kühn, daß, ob sie sich gleich für arme Sünder bekennen und schuldig geben, dennoch treten sie vor Gott, tun den Mund unerschrocken auf und sprechen: Vater, wir deine Kinder bedürfen jetzt das und jetzt jenes; sei gnädig; sieh nicht unsere Sünde, sondern deinen Sohn Christum Jesum an; in seinen Namen kommen wir jetzt vor dich, und erhöre uns. Das heißt dann recht gebetet, wenn das Gebet also durch und durch in Christo Jesu geschieht. Und es muß folgen, was man bittet, daß es in Christo Jesu Ja und Amen sei. Das sollte uns lustig und willig zum Gebet machen, besonders weil wir hören: Was man den Vater im Namen Christi bittet, daß soll durchdringen, und nicht eher ruhen, bis es vor Gottes Thron kommt und dort Ja darüber gesprochen wird.

22. Auf solche Verheißung spricht der Herr zu seinen Jüngern: " Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen ". Denn sie verließen sich auf ihn; wie jene bösen Bauern sich auf ihre Pfarrherren verließen, daß er für sie beten sollte, und meinten, sie dürften nicht beten. Aber, spricht er, tut es nicht, sondern " betet, so werdet ihr nehmen, auf das eure Freude vollkommen sei ". Solchen Befehl und Gebot sollen wir wohl bedenken und uns danach richten. Traurigkeit, Kümmernis und Anfechtung wird nicht ausbleiben. Wer nun eine beständige, vollkommene Freude haben und aus solcher Not kommen will, der denke, daß er bete, wie Christus hier befiehlt, und zweifle nicht, was er will im Namen Christi bitten, das wird ihn widerfahren, so es anders zur Ehre Gottes und unserer Seligkeit dienstlich ist.

23. Denn es hat mit uns einen Mangel, wie Paulus sagt, daß wir nicht immer wissen, was und wie wir bitten sollen. Daher kommt es, daß mancher Mensch bittet, Gott wolle ihm von dieser und jene Anfechtung helfen. Aber es wird nichts daraus; denn Gott sieht und weiß das besser, was uns nützt und gut ist, denn wir selbst. Paulus war auch, Gott wollte ihm seine Anfechtung abhelfen. Aber was sagt Christus? (2 Korinther 12,9.:) " laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig ".

24. Also kann es noch heute so sein, daß du gern von der, ich gern von einer anderen Anfechtung frei wäre: aber Gott weiß, was uns nützlich ist, läßt darum diese Leiden auf uns liegen, und hilft nicht davon; denn sonst möchten wir zu hoffärtig, frech und sicher werden. Darum kommt die Bitte zuvor, ehe wir um das tägliche Brot bitten, daß Gott seinen Willen geschehen lassen möchte. Und Christus selbst, als er am Ölberg betet, spricht er: " Doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe ". Also sollen wir auch bitten, und immer auf Gottes willen sehen, und dann nicht zweifeln, Gott werde uns alles geben, was zu seiner Ehre und unserer Seligkeit dient.

25. Danach findet sich noch ein Mangel an uns. Gott will helfen, und uns geben, was wir im Namen seines Sohnes Christi Jesu bitten, da ist kein Zweifel daran. Aber da ist Zeit und Weise nicht bestimmt, wie er helfen will. Nun läßt aber uns unsere Vernunft, Fleisch und Blut nicht los. Sobald wir denken, der Weg, den wir uns vor nehmen, will nicht gehen, dann denken wir, es ist alles aus. Also geht es mit der Zeit auch: da denken wir, wo uns in so viel Stunden, Tagen, Jahren nicht Rat geschafft werde, so wird nie etwas daraus werden. Und wird also durch diese zwei Anfechtungen der Glaube heftig angefochten und geschwächt.

26. Darum ist es nötig, daß wir uns hier an Gottes Wort halten, und auf die Hilfe gewiß warten, so uns im Namen Christi zugesagt ist, es geschehe gleich Zeit, Weise und Weg, wie es will. Denn die Umstände sollen wir nicht wissen, Gott allein weiß es. Denn er hat den Namen und heißt: ein Helfer, der zu rechter Zeit hilft. Weil wir aber unserer Natur wegen ganz unleidlich sind, denken wir immer, es ist jetzt die rechte Zeit, Gott wartet zu lange. Das ist so viel gesagt, als wüßten wir die Zeit besser, denn unser Herr Gott selbst. Davor sollen wir uns hüten, auf das der Glaube an die Verheißung fest steht, Gott werde uns um Christi Jesu, seines Sohnes, Willen gnädig und zur rechter Zeit erhören.

27. Das ist nun die Lehre vom christlichen Gebet, welches wir, wie oben auch angezeigt, heute sehr wohl bedürfen; haben auch sonst keinen Trost hier auf Erden; wie der Herr hier anzeigt, als er spricht: " Bittet, auf das eure Freude vollkommen werden ". Denn wo das Gebet nicht ist, da wird auch keine Freude, ja keine vollkommene Freude folgen können; sondern es muß Jammer, Angst und Traurigkeit bleiben.

28. Solches haben wir auch in vielen Jahren oft einmal erfahren. Denn wo unser Gebet täte, wäre es unmöglich, daß der Papst und andere Tyrannen uns nicht längst in Grund und Boden vertilgt und ausgerottet hätten. Weil aber das Gebet ständig geht, daß Gott über seinem Wort und seine Kirche schützen und den Feinden seines Wortes wehren wolle, so sehen wir, je mehr der Papst und andere Tyrannen wieder die Kirche toben, je mehr fallen sie. Darum laßt uns weiter fleißig anhalten: uns, denen das Wort befohlen ist, mit Predigen, und danach ein jeder Christ für sich mit dem Beten; so wird durch diese zwei Stücke die christliche Kirche wider den Teufel und alle Feinde des Wortes wohl erhalten werden.

29. Wer nun die christliche Kirche lieb hat und gern sieht das sie wachse, der denke, er muß auch dazu helfen, das sie erhalten werde. Solches aber geschieht allein durch das Gebet, wenn du betest: daß der Name Gottes im Himmel geheiligt werde, sein Reich komme und sein Wille geschehe; wiederum, das des Teufels Name geschändet, sein Reich zerstört, und alle seine Anschläge verhindert werden. Wenn du solches tust, so stehst du und ein jeder Christ als ein Krieger mit seiner Waffe im Felde und an der Spitze, und hilfst die christliche Kirche wieder den Teufel und die Welt beschützen. Denn ein jeder Christ ist ein Krieger und liegt wider den Teufel im Felde: wir zuerst mit dem Predigen, und danach ihr mit uns, mit dem Beten. diese zwei Stücke tun dem Teufel viel Leid an, wo man also fleißig predigt und ernstlich betet; und soll er geschlagen werden, so muß es allein auf diese Weise geschehen. Darüber hinaus wissen wir auch, daß es unser Vater im Himmel oben so gern hat.

30. Ich habe keinen Zweifel, daß durch unser Gebet mancher Verfolger des Wortes gehindert worden ist; und auch noch heute etwas Gutes geschieht und das böse gehindert wird. Darum schlagt ja euer Gebet nicht in den Wind, wenn ihr auch denkt, ihr seid unwürdig dazu. Denn sonst würde niemand beten. Sondern ein jeder Christenmensch soll bei sich selbst sprechen: Weil das Gebet Gott so angenehm, und mir und der Kirche und dem Regiment so nötig und nütze ist, so will ich auch zu der Kirche treten, und mit helfen zu beten, soviel mir möglich ist; wenn ich weiß, daß es nicht umsonst sein soll.

31. Ein gefährlicher Gedanke ist es, wo man so denkt: Laß andere beten, dein Gebet ist nichts besonderes. Darum hüte dich davor, und denke so: Ich habe ja Christum und sein Wort lieb, und wollte eher alles verlassen, denn meinen Herrn Christum leugnen; so muß folgen, daß mich auch der Vater liebe und mein Gebet erhören werde, wie mir Christus hier zusagt. Darum will ich mich am Beten nicht hindern noch aufhalten lassen. Auf das man also getrost bete im Namen Christi, und glaube der Zusagung, die wir hier haben: " Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er euch geben "; so hat es keine Not.

32. Da nun der Herr weiter spricht: " Solches habe ich euch zu euch durch Sprichwörter gesagt "; dies hat nicht die Meinung, als wenn der Herr mit dunklen, verborgenen Worten geredet; denn die Worte sind rein und klar. Aber weil die Jünger noch keine Erfahrung davon hatten, und wußten nicht, was Christus für ein Reich anrichten würde: daher kam es, was er ihnen sagt, das war ihnen dunkel und verborgen, als redete er in einer unbekannten Sprache mit ihnen.

33. Aber, spricht er, es wird anders werden. Es kommt die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwörter mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. Denn wenn der heilige Geist kommt, und die Herzen mit einem rechten Vertrauen auf Gottes Güte und Barmherzigkeit durch Christum anzündet, da folgt dann, daß man recht beten kann, und willig dazu ist. Aber ohne solchen Geist ist das Beten unmöglich. Darum heißt ihn Sacharja einen Geist der Gnaden und des Gebets. Denn es muß beides beisammen sein. Der Glaube, daß man Gott erkennt als einen gnädigen Vater, besonders weil er seinen Sohn uns gegeben hat, welcher Glaube ist eine Gabe Gottes, die der Heilige Geist durch das Evangelium in uns wirkt. Wo nun solcher Gnadengeist ist, da folgt auch der Betegeist, daß man in Nöten und Anfechtung zu Gott um Hilfe schreit, und weiß, daß uns Gott nicht lassen, sondern bei uns sein und uns in Ewigkeit um seines Sohnes Christi Jesu Willen will selig machen.

34. Darum spricht der Herr: " Am selben Tage ", wenn ich frei vom Vater verkündigen, und durch den Heiligen Geist euch lehren werde, das ihr ihn recht kennt, " da werdet ihr in meinem Namen bitten ", und solches Beten wird nicht vergebens sein. Denn wie könnte euch der Vater etwas nicht geben, besonders weil er euch lieb hat, darum das ihr mich liebet, und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin? Denn das rechte Gebet muß aus solchem Glauben und Vertrauen kommen; sonst ist es kein Gebet, es sind gleich die Worte so gut sie immer wollen.

35. Gott, unser lieber Vater, gebe seinen Heiligen Geist durch Christum Jesum in unserer Herzen, daß wir auch in allerlei Not und Anfechtung bitten, und Gott diesen Dienst leisten, und von allen Jammer, zeitlich und ewiglich, möchten erlöst werden, Amen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 31.05.2011 16:16

Es kann ja niemand Gott loben, er hab ihn denn zuvor lieb. So kann ihn auch niemand lieben, er sei ihm denn aufs lieblichst und allerbest bekannt. Er kann aber nicht also bekannt werden außer durch seine Werk, in uns erzeigt, erfahren und gefühlet. Wo aber erfahren wird, wie er ein solcher Gott ist, der in die Tiefe siehet und nur hilft den Armen, Verachteten, Elenden, Jämmerlichen, Verlassenen und denen, die gar nichts sind, da wird er so herzlich lieb, da geht das Herz über vor Freuden, hüpft und springt vor großem Wohlgefallen, den es in Gott empfangen. Und da ist dann der Heilig Geist, der hat solch überschwänglich Kunst und Lust in einem Augenblick in der Erfahrung gelehret.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 02.06.2011 06:20

Himmelfahrt


Lukas 24, 50 - 53

Er führte sie aber hinaus gen Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen, und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an, und kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude, und waren allewege im Tempel, preisten und lobten Gott.

1. Man begeht heute den Tag der Himmelfahrt unseres Lieben Herrn Christi, um des Artikels willen in unserem Glauben, da wir also sprechen: Ich glaube an Christum, der aufgefahren ist gen Himmel, und sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Dieser Artikel ist eine Ursache, daß wir den heutigen Tag feiern, auf das wir nicht allein lernen, wie solche Himmelfahrt zugegangen ist, sondern auch, was Christus dadurch ausgerichtet und damit anzurichten gemeint hat.

2. Die Geschichte aber beschreibt Lukas eigentlich und fein, daß man den Tag, Ort und Zeit, und danach auch die Personen wissen kann, die dabei gewesen sind, und wie es zugegangen ist. Nämlich, daß der Herr, nachdem er 40 Tage nach seiner Auferstehung um seine Jünger, und besonders in Galiläa gewesen ist, mit ihnen gegessen und ihnen vom Reich Gottes gepredigt hat, hat er sie versammelt an den Ölberg, nahe bei Jerusalem gelegen, und den Befehl gegeben, sie sollten, wie Markus sagt, nach Jerusalem ziehen und auf den Heiligen Geist warten, und danach das Evangelium in aller Welt auspredigen. Nach solchem Befehl, sagt Lukas, sei Christus aufgehoben worden und in die Lüfte hinein gefahren, mit Fleisch und Bein, wie er vor ihnen gestanden ist, bis an die Wolken, daß sie ihn nicht mehr sehen konnten. Als aber die Jünger da so stehen und wundern sich (denn so etwas hat man zuvor nie von einem Menschen gesehen, daß dieser über sich in die Luft wie ein Vogel sich heben konnte), treten zwei Engel zu ihnen, sagen ihnen: Sie sollen wieder nach Haus gehen, es sei nichts mehr zu sehen; der Herr werde von nun an auf Erden nicht mehr in solcher Gestalt kommen, bis er die Toten und Lebendigen werde richten. Da werde er gleich in einer Wolke herunter kommen, wie er jetzt in einer Wolke aufgefahren sei. Dies ist ungefähr die Geschichte, so viel davon in den Evangelisten gemeldet ist.

3. Da ist einmal das Wunderwerk zu bedenken, daß der Herr in so wunderbarer Weise von seinen Jüngern in die Höhe auffährt, wie ein Vogel, und verschwindet in den Lüften, das ist, er fährt so hoch, daß seine Jünger ihn nicht mehr sehen können. Denn in den Lüften fahren ist den Menschen ein ungewöhnliches, ja, unmögliches Ding. Der Leib eines Menschen hat von Natur die Art, wie ein Stein oder ein anderes schweres Ding, daß er unter sich begehrt. Nun hat aber Christus nach seiner Auferstehung einen Rechten Leib, der Fleisch und Bein hat, wie er selbst sagt, Lukas im 24. Kapitel Vers 39. und sich greifen läßt; und dennoch ist es ein solcher Leib, der der Natur wegen in die Höhe kann und über sich fahren, als auch unter sich.

4. Das ist ein Zeichen, an dem wir lernen möchten, was für Leiber wir nach diesem Absterben bekommen sollen. Jetzt ist es um unsere Leiber ein schweres, langsames Ding: aber wenn wir von den Toten auferstehen und neue Leiber bekommen werden, das werden wohl rechte Leiber, von Fleisch und Bein und allen Gliedern sein; aber sie werden nicht mehr so schwer und ungelenk sein, sondern gleichwie wir mit Gedanken jetzt schnell da und dort sind, also wird man es dann mit dem Leibe auch tun können. Wie man an Christus nach seiner Auferstehung sieht: den hindert der Stein am Grabe nicht, die verschlossene Tür auch nicht, er wischt in einem Augenblick hindurch, daß wir nicht wissen können, wie er da hindurch kommt. Also, wenn er will, läßt er sich sehen; wenn er will, kann man ihn nicht sehen. In einem Augenblick ist er an dem Ort, in einem Augenblick an einem anderen Ort, und kann sowohl in den Lüften gehen, als auch auf Erden. Diese Herrlichkeit sollen wir an unserem Leibe nach diesem Leben auch erwarten; neben dem, daß es dann unsterbliche Leiber sein sollen, die weder Essen noch Trinken müssen und nie an Gesundheit einen Mangel haben werden.

5. Nun müssen wir aber auch sehen, was unser lieber Herr Christus mit solcher Himmelfahrt hat ausrichten wollen, und worin wir solcher Himmelfahrt auch hier auf Erden genießen können. Da ist das erste, weil wir sehen, daß Christus über sich in den Himmel fährt, daß wir daraus schließen müssen, Christus wolle mit der Welt und ihrem Reich nichts zu schaffen haben, sonst werde er hier auf Erden bleiben, und das gebrauchen, daß andere weltliche Könige und Fürsten auch brauchen. Aber er läßt solches alles hier unten, und fährt hinauf in den Himmel, wo wir ihn nicht sehen. Will damit uns lehren, das wir sein Reich recht ansehen und erkennen sollen, daß es nicht ein weltliches Reich ist, wie die Jünger dachten, daß er Geld und Gut und große Herrschaften austeilen würde; sondern ein geistliches und ewiges Reich, da er geistliche Gaben denen, so in solchem Reich bei ihm sind, austeilen will.

6. Denn darum darf und soll niemand ein Christ werden, daß er dadurch zu Geld und Gut, oder großen Ehren kommen wolle. Darum ist die Taufe, das Predigtamt, das Sakrament nicht eingesetzt; Christus ist auch um solches weltlichen, zeitlichen Dinges wegen vom Himmel auf die Erden nicht gekommen, ist auch darum nicht in den Himmel gefahren. Es ist um anderes und Höreres zu tun, nämlich, daß uns geholfen werde mit den ewigen Gütern, als da sind, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben. Solche Gaben sollen wir von unserem Herrn Christus erwarten, der nicht hier unten auf Erden bleiben, sondern in den Himmel fahren, und da ein geistliches, unsichtbares ewiges Reich anrichten will.

7. Solches ist lange zuvor geweissagt durch den Heiligen Geist, im 68. Psalm Vers 19,welches der Heilige Paulus auch zu den Ephesern im 4. Kapitel Vers 8 schreibt, und auf die Himmelfahrt Christi und sein geistliches Regiment deutet, da steht: " Du bist in die Höhe gefahren, und hast das Gefängnis gefangen; du hast Gaben empfangen für die Menschen, auch die Abtrünnigen, daß Gott, der Herr, dennoch daselbst wohnen wird ". Das ist ein kurzer Spruch, aber er fast über die Maßen viel. Darum müssen wir alle Worte fleißig bedenken und ansehen. Und auch Paulus selbst geht meisterlich und fein mit dem ersten Wörtlein um, und spricht: " Das er aufgefahren ist, was ist es, denn daß er zuvor ist hinunter gefahren in die untersten Örter der Erde? Der hinunter gefahren ist, das ist derselbige, der aufgefahren ist über alle Himmel, auf das er alles erfülle ". Was mag wohl Paulus mit solchen Worten meinen? Nichts anderes, daß wir der Himmelfahrt unseres Lieben Herrn Christi so groß geniesen sollen, wie wir bald hören werden, daß wir auch die Ursache lernen, wodurch wir zu solcher Gnade und Seligkeit gekommen sind. Denn solches haben nicht unsere guten Werke, heiliges Leben, oder Gehorsam verdient; sondern er selbst, der Herr, der solche Gaben gibt, der hat es verdient damit, daß er vom Himmel hernieder gestiegen, sich seiner Gottheit, wie Paulus an einem anderen Ort sagt, geäußert, und um unseretwillen ist Mensch geworden, und für uns am Kreuz gestorben.

8. Solch eine Wohltat will Paulus mit diesen Worten anzeigen, daß er daran denkt was es bedeutet das Christus vom Himmelsthron herunter gestiegen ist. Und es reimt sich sehr wohl; denn wer zuvor in der Höhe ist, darf nicht in die Höhe kommen. Das nun der Heilige Geist von Christus sagt: " Du bist in die Höhe gefahren ", daraus muß folgen, daß er zuvor herunter gefahren und sich gedemütigt habe. Das ist nun um unseretwillen geschehen. Darum reimt sich solch eine Auslegung von Paulus fein mit den Worten Christi, die wir vor Tagen gehört haben: " Es ist euch gut, daß ich hingehe; denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster, der Heilige Geist, nicht zu euch. Wenn ich aber hingehe, so will ich ihn zu euch senden ", Johannes 16,7.; und Johannes 14,3.: " so ich hingehe, so will ich euch die Stätte bereiten ".

9. Zu solchem reimt sich das andere Wort sehr fein, daß er sagte: " Du bist in die Höhe gefahren "; denn damit will er zwischen Christus und anderen, die auch gen Himmel fahren, einen Unterschied machen. Henoch ist aufgenommen zu Gott. Elias ist auf einem feurigem Wagen gen Himmel gefahren. Aber Christus ist nicht so gen Himmel gefahren; sondern er selbst, aus eigener Kraft, ist über sich gefahren, gleich wie er sich selbst von den Toten, aus eigener Kraft und Macht, ohne eines anderen Hilfe erweckt hat. Solches ist ein sehr großer Unterschied. Denn wir werden uns am jüngsten Tage von den Toten nicht auferwecken, sondern Christus wird uns auferwecken, Johannes 6,54. Aber Christus selbst steht aus eigener Kraft von den Toten auf; wie er sagt, Johannes 10,17. 18.: " Mein Vater liebet mich, daß ich mein Leben lasse, auf das ich wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe es Macht zu lassen, und habe es Macht wieder zu nehmen; und Petrus in seiner ersten Predigt, Apostelgeschichte 2,24.: " Es war unmöglich, daß er sollte vom Tod gehalten werden ". So ist der Unterschied auch hier mit seiner und unserer Himmelfahrt. Wir fahren gen Himmel; denn Christus zieht uns zu sich. Er aber ist es, der aus eigener Kraft und Vermögen gen Himmel fährt; wie er spricht, Johannes 3,13.: " Niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel herunter gefahren ist ". Solchen Unterschied hat der Heilige Geist lange zuvor angezeigt, und damit uns lehren wollen, daß wir Christum als einen rechten, allmächtigen, ewigen Gott annehmen sollen.

10. Das aber der Psalm weiter sagt: " Du bist aufgefahren in die Höhe ", solches ist, wie wir oben auch gesagt haben, nichts anderes, denn das Christus vor Pilatus sagt: " Mein Reich ist nicht von dieser Welt ". Darum, ob wir wohl hier auf Erden mit der Nahrung, mit Weib, Kind und Gesinde, mit weltlichem Regiment, zu schaffen haben und müssen damit umgehen: doch weil wir auch Christen sind und Christus sein Reich nicht hier unten auf Erden führt, sollen wir unsere Herzen und Gemüt über sich heben, und nach solchem geistlichen Reich hauptsächlich trachten, und mit unserem Herzen und Gedanken damit umgehen.

11. Aber was geschieht? Die meiste Zeit steckt mit Leib und Seele, mit Händen und Herzen allein in diesem vergänglich in Leben, und trachtet, wie man hier genug habe, und nimmt sich nichts oder wenig an, daß Christus in die Höhe gefahren ist. Da möchte der Heilige Geist gern wehren, und predigt: Christus sei nicht auf Erden geblieben, sondern in die Höhe gefahren, auf das wir, weil wir mit dem Leibe noch hier unten sind, doch uns mit dem Herzen und Gedanken über sich heben, und unserer Herzen mit Sorgen dieses Lebens nicht beschweren. Denn also soll es bei den Christian ausgerichtet sein: der Leib und alte Adam soll mit diesem zeitlichen umgehen und damit beschwert sein; das Herz aber soll sich um das Ewige annehmen, wie Paulus spricht Kolosser 3,1. 2.: " Suchet, was droben ist, und nicht nach dem, daß auf Erden ist ".

12. Was tut aber Christus oben? oder warum ist der hinauf gefahren, und nicht ihr unten geblieben? Ist er müßig, oder tut er gar etwas? Von solchem meldet der Psalm sehr fein und spricht: " Du bist in die Höhe gefahren, und hast das Gefängnis gefangen ". Das ist über die Maßen tröstlich geredet, und wir können sehen, daß Christus eben auf diesen Psalm damals gedacht hat, da er Lukas dem 11. Kapitel das 21 das Gleichnis die von dem starken Gewappneten, der sein Haus in Frieden bewahrt, bis ein Stärkere über ihn kommt und überwindet ihn, der nimmt ihm alsbald den Harnisch, darauf er sich verließ, und teilet den Raub aus.

13. Denn wir arme Menschen sind darum unter des Teufels und des Todes Tyrannei; die halten uns gefangen, und es ist unmöglich, daß wir uns selbst davon könnten frei machen aus solch einem Gefängnis. Der Teufel treibt und regiert uns, und der Tod würgt uns; da ist keine Rettung, die wir von uns selbst haben könnten. Aber Christus, als der Stärkere, kommt, erstlich in aller Demut gibt er sich hin und läßt sich am Kreuz würgen. Bezahlt also mit seinem eigenen Tod für der ganzen Welt Sünde, als ein armes, unschuldiges Lamm. Da ist keine Kraft noch Macht; denn darum hängt er da, daß er den Tod leiden will.

14. Als nun die Sünde durch solchen Tod versöhnt und abgetragen ist, und der arme Christus in dem Grabe liegt, und niemand eine Hoffnung noch Trost seinetwegen hat, da macht er sich in aller Macht und Herrlichkeit wieder aus dem Tode hervor, wie wir diesen Ostern gehört haben, und, wie der Heilige Geist hier sagt, nimmt er das Gefängnis gefangen, das ist, er bricht dem Teufel und Tod seine Macht, und nimmt ihnen das Regiment, daß der Teufel nicht mehr den Christen schaden, und der Tod sie nicht mehr würgen noch die Sünde sie anklagen soll.

15. Darum wird hier ein umgekehrtes Wesen. Die Sünde hat uns zuvor gefangen gehalten und verklagt, der Teufel hat uns in die Sünde nach seinem Mutwillen gejagt, der Tod hat uns gewürgt. Solches soll nie wieder geschehen. Denn dazu ist Christus gen Himmel gefahren, daß er Sünde, Tod und Teufel will gefangen halten, daß sie uns nicht mehr Schaden tun sollen, wie zuvor; sondern wenn sie uns einen Schaden tun, so soll es doch uns zum Besten werden.

16. Die Sünde läßt es nicht, sie reizt und lockt, ob sie uns wider Gottes willen bewegen könnte und ein böses Gewissen machen. Wir aber sind so schwach, daß wir uns oft bewegen und betrügen lassen. So geschah es dem trefflichen, großen Mann David, der fiel in zwei schwere Sünden. Daß er aber in solcher Sünde nicht bleibt, sondern sie ihm vergeben wird und er nicht stirbt, hat die Ursache, daß die Sünde durch Christum ihre Kraft verlieren und gefangen werden sollte. Darum muß die Sünde den David nicht allein schaden, sondern ihn versuchen, daß er darum heftiger und ernster bete. Denn wenn er in solch eine Sünde und Not nicht gefallen wäre, würde er den schönen Psalm, nie gemacht haben.

17. Also ist es mit dem Tode auch: der kann es nicht lassen, er muß die Zähne gegen uns zeigen, und sich stellen, als wenn er uns fressen wollte. Wiederum können wir es auch nicht lassen, wenn wir solches sehen, müssen wir davor erschrecken und uns fürchten. Wie kommt es denn, daß der Tod nicht ausrichtet, was er gern wollte, und die Christen nicht würgt? Also, daß der Tod ein gefangene Tod ist, und kann so nicht einen Schaden tun und würgen, als wenn ihn Christus nicht gefangen hielte. Darum, wenn er am meisten tobt und wütet, und sich am schrecklichsten stellt, richtet er doch bei den Christen nicht mehr aus, denn daß er sie zu Gottes Wort treibt, daß sie dieses desto fleißiger üben, in sich bilden und damit sich trösten; da sonst, wo die Schrecken des Todes nicht wären, sie das Wort nicht so fleißig annehmen würden.

18. Eben also geht es mit dem Teufel auch: der ist ein böser Feind, schleicht Tag und Nacht den Christen nach, ob er sie fällen und ihnen den Schatz des ewigen Lebens nehmen könnte. Aber er ist ein Gefangener Geist, und soll nicht allein solches zuwege bringen, sondern je mehr er den Christen nachstellt, je vorsichtiger soll er sie machen, daß sie beten, in Gottes Wort sich üben und sich in Gottes Schutz befehlen. Da sie sonst, wo der Teufel nicht so wüten würde, häufig sicher und nachlässig würden. Weil aber der Feind keinen Frieden gibt noch ruhen kann, müssen sie mutig und vorsichtig sein.

19. Also dienen den Christen solche Anfechtungen, Schrecken und Gefahr nicht darum, als wäre nichts Schädliches an ihnen. Ihrer Natur und Eigenschaft wegen sind sie sehr schädlich, wie man an der Welt sieht. Aber da ist die Himmelfahrt unseres Herrn Christi in ihrem rechten Brauch und Übung, daß solche Feinde gefangen sind, und an den Christen das nicht ausrichten sollen, daß sie sonst nicht lassen könnten. Die Sünde würde verdammen, der Tod würgen und der Teufel in alle Not und Jammer werfen; aber es sind gefangene Feinde. Darum, ob sie es gleich böse meinen, soll es doch nicht schaden. Das ist nun eine herrliche und große Frucht der Himmelfahrt Christi, daß die großen Feinde Sünde, Tod und Teufel, die uns gefangen hielten, vom Herrn Christus gefangen, und wir der von erlöst sind; denn darum ist er gen Himmel aufgefahren und sitzt zur rechten Gottes, daß er vor solchen Feinden seine Christen schützen will.

20. Bei dem allein will er es aber nicht bleiben lassen; denn der Psalm sagt weiter: " Du hast Gaben empfangen für die Menschen ". Das ist, solche Gaben, die du den Menschen mitteilen und ihnen dadurch helfen sollst. Was mögen aber solches für Gaben sein? Christus sagt in Johannes 16,7. 8. Da er spricht: " So ich hingehe, will ich den Tröster zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, wird er die Welt Strafen um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Gericht ". Und Petrus, Apostelgeschichte 2,33.: " nun er durch die Rechte Gottes erhöht ist, und empfangen hat die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater, hat er dies ausgegossen, daß ihr jetzt seht und hört ".

21. Nun aber richtet der Heilige Geist zweierlei aus: erstens bringt der uns durch das Evangelium zur Erkenntnis Christi, daß wir in seinem Namen Vergebung der Sünden glauben: zum anderen, das wir unser Leben bessern, der Sünde widerstehen und sie töten, und uns an einem herzlichen Gehorsam gegen Gott begeben. Das heißt Seele und Leib, Herz und alles an uns fromm machen. Denn wenn wir nie hier auf Erden, um unseres sündigen Fleisches willen, dahin kommen können, daß wir ganz rein und ohne alle Sünde werden; so wird doch solche anklebende Sünde, durch den Glauben an Christum, uns nicht zugerechnet, kann uns auch nicht verdammen. Das ist das erste, daß der Heilige Geist in uns ausrichtet.

22. Zum anderen braucht der Heilige Geist uns auch dazu, das wir durch das Wort und das Predigtamt andere auch zu solcher Gnade und Erkenntnis bringen. Darum deutet Paulus zu den Epheser an im 4. Kapitel 11-13. diesen Psalm, daß durch die Himmelfahrt Christi uns diese Gabe widerfahre, daß er etliche zu Apostel, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern gesetzt habe, " das die Heiligen geschickt seien zum Werk des Amtes, dadurch der Leib Christi erbaut werde, bis das wir alle zu einerlei Glauben und Bekenntnis des Sohnes Gottes kommen ". Denn wir sehen und erfahren, wie feind der Teufel dem Wort ist, und besonders in diesen Zeiten hetzt der Türke und Papst, daß sie das Wort dämpfen, und die Christenheit sollte wüste, oder wenigstens dünn machen. Und denn nach, je mehr Türke und Papst toben, je mehr nimmt Gottes Wort zu; und es ist ihnen und möglich, daß sie Taufe, Sakrament und Wort könnten ausrotten. Das ist nun auch ein Stück, an welchem wir die Himmelfahrt unseres Herrn Christi spüren; denn darum ist er denn Himmel gefahren, daß er den Heiligen Geist herunter senden, und sein Amt auf Erden fördern wolle.

23. Danach heißen auch das Gaben, daß Gott durchaus seine Kirche regiert und führt, in Anfechtung tröstet, in Verfolgung rettet, in der Wahrheit wieder Irrtum leitet und erhält, und besonders sie zum Gebet erweckt; wie der Herr im nächsten Evangelium sagt: " Am selben Tage werdet ihr beten in meinem Namen "; denn solches kann man ohne Hilfe des Heiligen Geistes nicht tun. In der Summe, was wir haben und empfangen, sind lauter Gaben Christi, und die rechte Frucht seiner fröhlichen Himmelfahrt; denn darum ist er aufgefahren, daß er dadurch sein Reich fördern, und sich eine christliche Kirche durch das Wort und den Heiligen Geist erhalten will.

24. Solches zeigt auch sehr schön Lukas in dem Text an, welchen wir am Anfang gehört haben. Denn er sagt: Da Christus habe wollen denn Himmel auffahren, habe er seine Hände aufgehoben und seine Jünger gesegnet. Nicht so gesegnet, wie wir häufig pflegen, daß einer dem anderen eine gute Nacht gibt oder Urlaub nimmt. Sondern er hat ihnen Glück und Heil zum Amt gewünscht, welches er ihnen befohlen hat, daß sie das Evangelium aller Kreatur, das ist, allerlei Ständen in aller Welt, predigen sollen. Denn das Evangelium ist nicht um der Bäume, Steine, Vögel oder Fische willen zu predigen befohlen, sondern um der Menschen willen; wie denn bald folgt: " Wer glaubt und getauft wird, der wird selig ". Stein und Holz werden nie glauben können; so hat man auch keinen Befehl, daß man sie taufen soll, wie die Katholiken tun. Darum wie Taufe und Glaube allein den Menschen gehört, also gehört ihnen auch allein die Predigt des Evangelium. Es braucht aber der Herr darum die Weise zu reden, und spricht: " Predigt allen Kreaturen ", daß er alle Stände damit fassen will, daß kein Kaiser, kein König auf Erden so mächtig sein soll, er soll diese Lehre des Evangelium hören, annehmen und glauben, oder er soll verdammt sein. Zu solchem Befehl hebt der Herr seine Hände auf und segnet sie, das ist, er wünscht nicht allein, daß sie viel Gutes ausrichten, sondern er hilft auch zu solchem Amt, fördert und gibt das Gedeihen.

25. Wo nun das Heilige Evangelium gepredigt würde, da geht solches aufheben der Hände und Segen des Herrn Christi noch, daß es Frucht schaffen und nicht umsonst gepredigt werden soll. Und ist es in der Wahrheit tröstlich, daß eben jetzt der Herr, da er auffahren will, seine Hände so aufhebt und seine Jünger segnet. Denn damit will er anzeigen, daß wir uns seiner Auffahrt trösten sollen, und daß er solche Auffahrt uns zum Segen und zu unserem Besten brauchen will. Denn was bedürfte es sonst solch einer freundlichen Gebärde so er mit uns zürnen und sich unser in seinem Reich nicht wollte annehmen? Daß er nun seine Hände aufhebt, ihnen Glück und Heil zu den neuen befohlen Amt wünscht, das ist ja ein gewisses Zeichen, daß der Herr treu und freundlich uns meint, und wir solches aufheben der Hände und den Segen immer genießen sollen, weil das Evangelium gepredigt wird.

26. Darin sehen wir, was für ein tröstliches und freudenreiches Fest wir an der Himmelfahrt haben, und wie in vielen Wegen wir dieses genießen: das künftig, weil unser Fleisch und Blut, der Sohn Gottes, zur Rechten seines Vaters sitzt, der Sünde, dem Tode und Teufel alle Macht genommen, daß sie uns nicht schaden sollen. Wenn auch sie gleich unsere Todfeinde sind und sich immer wieder gegen uns stellen; so sind es doch gebundene und gefangene Feinde. Dazu schenkt uns Christus seinen Geist, daß derselbe uns in aller Wahrheit leiten, wieder allen Irrtum erhalten, in Anfechtungen trösten, mit uns beten und uns zum Beten ermahnen soll, und danach mit allerlei Gaben und Gnaden zieren. Denn wegen solcher Ursache ist Christus gen Himmel aufgefahren und sitzt zur Rechten Gottes, daß, wie Paulus sagt, er alles erfülle, das ist, uns alles gebe und schenke, daß wir zur Seligkeit und ewigen Leben bedürfen. Darum sollen wir der lieben Apostel Beispiele folgen und, wie Lukas hier sagt, mit ihnen den Herrn Jesum Christum anbeten, fröhlich und guter Dinge sein; und daneben Gott, unserem gnädigen Vater im Himmel, danken, ihn loben und preisen, und beten, daß er uns in solcher Gnade weiter erhalten, und endlich um Christi Jesu, seines Sohnes, willen wolle selig machen. Das verleihe uns Gott allen, Amen.


Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 04.06.2011 04:36

Am Sonntag Exaudi ("Exaudi" - übersetzt aus dem Lateinischen - heißt: höre/erhöre)


Johannes 15, 26. bis 16,4

Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zur euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann tun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum tun, daß sie weder meinen Vater, noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ichs euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt; denn ich war bei euch.


1. Im heutigen Evangelium sind zwei Stücke: das erste vom Heiligen Geist; das andere von der künftigen Verfolgung, welche denen begegnen wird, die das Evangelium vor der Welt bekennen und predigen.

2. Vom Heiligen Geist wißt ihr, daß wir glauben, daß er ewiger, allmächtiger Gott sei. Demselben gibt der Herr Christus hier einen besonderen Namen und heißt ihn einen Tröster. Will damit anzeigen: so wir wollen Christen sein, daß wir etwas warten und darüber leiden müssen. Denn was bedürfte es des Trostes, wo nicht Leiden und Kummer uns auf dem Hals läge? Das Leiden aber, zeigte Herr an, werde das sein, daß man die Christen nicht allein töten werde, und die, so es tun, werden noch recht dazu haben wollen, und die Christen, die leiden, müssen Unrecht haben. Das heißt schändlich töten, wo jedermann sprechen wird: dem Ketzer geschieht recht, man sollte nicht wollen, daß es ihm anders erginge. Das also bei dem Tod der Christen kein Trost ist; denn die Welt würgt sie als Ketzer. So ist das Gewissen bei ihnen auch schwach, daß sie oft denken: Wer weiß, ob du es auch recht gemacht, und ihm nicht zuviel getan hast? Müssen also vor der Welt, und häufig auch vor ihrem eigenen Gewissen Unrecht haben.

3. Dazu dient dieser Name, daß der Herr den Heiligen Geist einen Tröster heißt, als wollte er sagen: Ich weiß, wie es euch gehen wird, daß ihr bei euch selbst wenig, und in der Welt gar keinen Trost finden werdet. In solch einer Not will ich euch nicht stecken lassen, will euch nicht so in den Schlamm hineinführen, daß ihr darin ersaufen sollt; sondern wenn kein Trost mehr in der Welt ist, und ihr ganz erschrocken und blöde seid, dann will ich euch den Heiligen Geist schicken, der ein Tröster ist, und soll euch im Herzen zusprechen, daß ihr nicht verzagen, und euch an das halten sollt, was ich euch zuvor gesagt habe.

4. Hier scheidet sich nun der Trost zwei mal. Der eine ist ein weltlicher Trost; der ist falsch und lügenhaftig; denn er stellt darauf, daß ein Mensch sich verläßt auf Gut, Lehre, Gewalt, auf großer Fürsten und Herren Freundschaft, welches alles miteinander ungewiß und trüglich ist, worauf man nichts Gewisses bauen kann. Darum, spricht Christus hier, werdet ihr, meine Jünger, davon nichts haben, sondern es soll alles wieder euch, und nicht mit euch sein, daß die Welt ihre Gewalt, Ehre, Gut und Vermögen wider euch brauchen und euch damit dämpfen wird. Über solches sollt ihr nicht erschrecken, daß ihr solchen Trost nicht habt; denn es ist ein elender, schlechter Trost, der nicht länger dauert, bis ein Fieber, eine Krankheit kommt, so ist dieser weltliche Trost schon dahin. Ich aber will euch einen anderen Tröster schaffen, den Geist der Wahrheit, der euch dann trösten soll, wenn ihr erschrocken, blöde, elend und armselig seid, beides vor den Leuten und in eurem Herzen vor euch selbst. denn darum führt der Heilige Geist den Namen, daß er ein Tröster heißt, und nicht ein Betrüber. Denn wo Traurigkeit und Betrübnis ist, da ist der Heilige Geist, der Tröster, nicht zu Haus. Dieser Tröster heißt nun auch ein Geist der Wahrheit, denn er tröstet nicht wie die Welt, bei der kein Bestand ist, sondern sein Trost wäret ewiglich und kann niemand betrügen.

5. Aber da stößt es sich wieder; denn das Gewissen spricht: Du sagst mir wohl von einem Trost; aber ich fühle ihn nicht, das Widerspiel sehe ich, daß die Welt Freude und Trost hat, dagegen die Christen aber leiden müssen. Johannes, der Täufer, muß seinen Kopf geben; Herodes und seine Hure feiern dabei miteinander haben einen guten Mut. Mit uns geht es auch so: die Welt gönnt uns nicht das trockene Brot, und läßt jedermann denken, was er einem Christen Böses getan, das sei wohl getan. Dagegen Papst, Cardinäle, Bischöfe, und alles, was dem Evangelium feind ist, das hat gute, geruhsame Tage, sitzt ohne alle Anfechtung im Rosengarten. Heißt das nun getröstet? Ja, spricht Christus, es heißt getröstet; aber du mußt einen Unterschied zwischen dem Tröster machen. Die Welt hat auch ihren Trost, das ist wahr; denn sonst könnte sie nicht so sicher, fröhlich und guter Dinge sein. Aber es ist nicht ein Trost, der da kommt vom Geist der Wahrheit, sondern es ist ein lügenhafter Trost; denn sehr bald kann es kommen, daß solches alles, darum sich die Welt tröstet, nicht mehr trösten noch helfen kann.

6. Dagegen aber ist dieser Tröster, den die Christen haben, ein Geist der Wahrheit, der einen beständigen Trost in unsere Herzen steckt. Darum, wenn auch der liebe Johannes den Trost nicht hat, welchen Herodes und seine Hure haben, sondern ihretwegen muß er elendiglich im Turm liegen und ungetröstet bleiben, und endlich den Kopf verlieren; so schreibt ihm doch der Heilige Geist zu und redet ihm ins Herz hinein, und spricht: Johannes, lieber Johannes, kehre dich nicht an das Schrecken, daß du so elend da liegst und die arge Welt ihren Mutwillen an dir übt; weißt du doch wohl, es kann nicht lange mit ihr werden. Es heißt eine kurze Freude und unendliches Leid. Dagegen aber soll dein Leiden kurz sein, und darauf eine ewige Freude folgen, da ein Augenblick mehr und besser ist, denn tausend Jahre hier auf Erden, wenngleich aller Welt Freude und kein Leid da wäre. Dieser Trost füllt dem Johannes sein Herz so voll, daß er sich nicht allein vor dem Tode entsetzt, sondern noch Gott dafür dankt, daß er von diesem armen sündhaften Leib und Leben erledigt und zum ewigen Leben soll gefördert werden.

7. Woher aber nimmt der Heilige Geist solchen Trost? " Vom Vater ", spricht Christus hier; denn er, der Heilige Geist, geht vom Vater aus. Das ist ein schöner Spruch, damit wir den Artikel unseres Glaubens beweisen können, die Heilige Dreifaltigkeit. Denn soll der Heilige Geist vom Vater ausgehen, muß folgen, daß solcher Geist ewig ist; denn aus dem Vater kann nichts gehen, daß seinem Wesen und Natur nicht gleich und gemäß ist. Darum eben wie Gott, der Sohn, ewig ist, darum, daß er vom ewigen Vater geboren wird; denn Gott kann nichts gebären, daß ihm nicht gleich sei: also muß auch folgen, daß der Heilige Geist, der von Gott ausgeht, auch ewig ist. Aber diesen Artikel wollen wir jetzt stehen lassen und zu seiner Zeit weiter davon reden.

8. Womit tröstet aber der Heilige Geist? " Von mir ", spricht der Herr, " wird er zeugen ". Das ist als wollte er sagen: Mein liebes Kind, man schreckt, ängstet, fängt, tötet dich, daß mußt du erwarten, anders wird es nicht werden. Dagegen aber soll der Heilige Geist ein Zeuge sein, der dich aufwecke, und mache, daß du an mich denkst; er wird dir nicht tausend Thaler geben, wie die Welt, sondern von mir wird er zeugen, auf das du möchtest sagen: Wenn es schon alles dahin ist, Weib und Kind, Haus und Hof, Gut und Ehre, und jetzt an dem ist, daß Leib und Leben auch hin sein soll; so lebt dennoch der droben, der da heißt Jesus Christus, der um meinetwillen Mensch geworden, für mich gestorben und auferstanden, und gen Himmel aufgefahren ist, wie ich täglich in meinem Glauben bete. Ist das wahr? Wovor will ich mich doch fürchten? Wahrlich, Gottes Sohn, der für mich den Tod leidet, der wird mein Feind nicht sein, er wird es treu und gut mit mir meinen. Hat er mich aber lieb, so werde ich keine Ursache haben, mich vor ihm zu fürchten oder ihm etwas Böses zuzutrauen.

9. Das ist, daß Christus spricht: " Er wird von mir zeugen ". Außer diesem Zeugnis des Heiligen Geistes von Christus ist kein gewisser beständiger Trost. Darum sollte man die Worte: " von mir ", mit großen Buchstaben schreiben, und fleißig merken; denn dabei können wir gewiß sein, daß der Heilige Geist mit keiner anderen Lehre kommen soll, und weder Mose noch anderes predigen, die Gewissen damit zu trösten. So aber die Gewissen getröstet werden sollen, so muß es allein die Predigt von Christus und von seinem Sterben und Auferstehen tun, die tröstet allein. Dagegen aller anderen Predigten, vom Gesetz, guten Werken, heiligem Leben, von Gott oder Menschen geboten, in Not und Tod nicht den Menschen trösten können, sondern nur blöde machen, zu schrecken; denn Gott selbst, wenn man außer Christus mit ihm handeln will, ist er ein schrecklicher Gott, bei dem man keinen Trost, sondern nur Zorn und Ungnade findet. Aber wer von Christus predigt, der verkündigt und bringt den rechten Trost, da ist es unmöglich, daß die Herzen sich darüber nicht freuen, und guter Dinge darüber sein sollten.

10. Darum liegt es alles an dem, daß man diesen Trost gewiß fasse und fest halte, und sage: Ich glaube an Jesum Christum, der für mich gestorben ist, und weiß, daß der Heilige Geist, der ein Zeuge und Tröster heißt und ist, von niemand anders predigt oder zeuget in der Christenheit, alle Betrübten zu trösten und zu stärken, denn von Christo, dabei will ich bleiben und mich sonst an keinen Trost halten. Denn sollte ein besserer Trost als dieser sein, der Heilige Geist würde ihn auch bringen. Aber er sollte mehr nicht tun, denn als von Christus zeugen.

11. Warum braucht aber der Herr hier so dies Wort " zeugen "? Hätte er doch wohl anders reden können? Es geschieht darum, daß wir mehr Achtung auf das Wort haben sollen.

12. Denn wahr ist es, der Heilige Geist hat seine Wirkung inwendig im Herzen. Aber doch will er solche Wirkung ordentlicher, in anderer Weise nicht, denn durch das mündliche Wort ausrichten. Wie Paulus bei Römer 10. 14.sagt: " Wie sollen sie glauben, von dem sie nicht gehört haben? " Darum heißt ihn Christus einen Zeugen. Nun aber zeuget er durch den Mund und Wort der Apostel und aller Prediger, die das Evangelium von Christus rein und lauter verkündigen.

13. Darum soll niemand warten, der Trost begehrt, bis der Heilige Geist ihm Christum persönlich vorstelle, oder vom Himmel herab mit ihm rede. Er führt sein Zeugnis öffentlich in der Predigt, da mußt du ihn suchen und auf ihn warten, bis er durch solches Wort, daß du mit deinen Ohren hörst, dein Herz rühre, und also auch durch seine Wirkung inwendig im Herzen von Christus Zeuge. Aber solch ein inwendiges Zeugnis kommt nicht früher, es sei denn zuvor das öffentliche und mündliche Zeugnis des Wortes gegangen, da man hört, daß Christus um unseretwillen Mensch geworden, gekreuzigt, gestorben und wieder auferstanden ist.

14. Das ist also die ganze Summe von dem heutigen Evangelium, daß wir uns willig in dieses begeben sollen, wenn wir Christen sein wollen, daß wir nicht Geld und Gut, Freude und Herrlichkeit hier auf Erden davon kriegen sollen; sondern wir sollen die Welt darüber zu Feinden haben, Sünde, Tod und ein Böses Gewissen tragen. Wenn nun ein Christ solches alles leidet, daß das Herz klein und bekümmert wird, und denkt: sieh nur, wie es mir geht? Was hast du angerichtet? Du hättest wohl ein Christ sein können, und dennoch nicht in solch eine Gefahr nicht begeben dürfen. Geht es dir übel, so ist es nur deine Schuld. Wo dann die schrecklichen Beispiele mit zuschlagen, in welchem man sieht, wie leicht auch große Leute gefallen und in der Anfechtung stecken geblieben sind: da, spricht Christus, ist es Zeit, daß der Tröster komme, und wird gewiß nicht fernbleiben, sondern kommen, und euch ich lehren, daß solche Gedanken nicht von ihm sind, sondern von dem bösen Geist. Ursache, solche Gedanken schrecken und führen in Verzweiflung. Aber der Heilige Geist soll nicht schrecken, sondern trösten und einen Mut machen, und solches sollte er so tun, daß er von mir zeuge. Darum sind andere Gedanken, die Traurigkeit und Schwermut mit sich bringen, nicht von mir, sondern vom Teufel. Der Heilige Geist aber bringt und gibt tröstliche, fröhliche Gedanken, in dem, daß er von mir zeugt, daß ich für euch mein Leben gelassen, um eurer Sünde willen gestorben und um eurer Gerechtigkeit willen wieder auferstanden bin. Aus diesen Zeugnis ihr dann schließen könnt, daß ich euch nicht feind bin, euch nicht fressen noch verdammen, sondern selig machen will. Darum liegt es alles an dem Wort: " Er wird von mir zeugen ".

15. Das soll man besonders merken wider die Rottengeister und falschen Prediger. Denn hier ist es beschlossen, daß der Heilige Geist, wenn er trösten soll, anderes nichts tut, denn von Christus zeugen und ihn in die Herzen bilden soll. Dagegen der Böse Geist die Gewissen schreckt, den Tod und Sünde ihnen pflegt vorzuhalten; in dem muß der Heilige Geist und sein Zeugnis wehren, und durch das Wort in unsere Herzen reden und sprechen: Ach, Mensch, was tust du doch? Kannst du denn sonst anderes nicht, denn an das Sterben, Sünde und Verdammnis denken? Wende die Augen von diesem schrecklichen Anblick und sieh hierher: kennst du denn nicht einen Mann, der heißt Jesus Christus? Von dem steht so geschrieben: Er sei empfangen vom Heiligen Geist, geboren aus der Jungfrau Maria, er habe gelitten unter Pontius Pilatus, sei gekreuzigt, gestorben und begraben, in die Hölle gefahren, und am dritten Tage wieder von den Toten auferstanden, und gen Himmel gefahren. Warum meinst du, daß solches alles geschehen sei? Ist es nicht darum geschehen, daß du gegen den Tod und die Sünde dich darüber trösten solltest? Darum höre auf, dich zu fürchten, du hast keine Ursache dazu. Wenn Christus nicht bei dir und um dich wäre und solches für dich nicht getan hätte, so hättest du dann Ursache genug, dich zu fürchten. Aber er ist bei dir und um dich, wie er spricht: " Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende ". Dazu hat er den Tod für dich gelitten, und sitzt dir zum Trost und zum Schutz zur rechten seines himmlischen Vaters.

16. Wo diese Predigt geht, da hört man des Heiligen Geistes Stimme, Zeugnis und Lehre. Was aber nach diesen Worten nicht so lautet, das mag, wo es auch sich am besten Hören läßt, Mose sein Zeugnis sein, oder es ist des leidigen Teufels, der durch seine Werkheiligen, Heuchler und Ketzer auch zeugt und predigt. Es folgt aber nichts anderes daraus, denn Angst, Schrecken und Verzweifeln. Gott wolle uns davor behüten, und bei diesen Zeugnis des Heiligen Geistes in unseren letzten Stunden erhalten, Amen.

17. Das ist das erste Stück des heutigen Evangeliums, vom Tröster, dem Heiligen Geist, und wodurch er die Christen trösten werde. Nun wollen wir weiter, und vom anderen Stück auch ein wenig sagen, nämlich, vom Kreuz und Verfolgung. Da ist besonders zu merken, daß Christus zu seinen Jüngern spricht: " Sie werden euch in den Bann tun "; oder, wie die Worte lauten, " aus der Synagoge und Versammlung stoßen und ausschließen ". Welche Worte zeugen, daß die, so die Christen in den Bann tun und von der Kirche ausschließen, den Titel führen und damit sich rühmen werden, daß sie die Synagoge oder die rechte Kirche sind, für die sie auch gerühmt und herrlich sein wollen, die Gott mit großem Ernst dienen. Sonst würde Christus diese Worte nicht sagen: " Es kommt die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran ".

18. Darum ist es nötig, daß man einen Unterschied mache und lerne, daß immer zwei Kirchen sind. Eine die falsche Kirche, die doch den Namen hat, und heißt Kirche und Gottes Volk, aber sie ist es nicht. Die andere, die rechte Kirche, die den Namen nicht hat, und ist es doch.

19. Diese zwei Kirchen sind sehr schwer zu unterscheiden. Denn hier liegt uns das im Wege, daß wir bekennen müssen, daß auch die falsche Kirche ein Amt habe, wie man sieht. Wir bekennen frei und halten, daß der Papst und sein Haufe nicht die rechte Kirche ist; dennoch, wenn sie taufen, Kirchendiener ordnen, Ehen trauen, ist das Amt und göttliche Wort recht und kräftig; bekennen darum, daß ihre Taufe recht ist, taufen auch die Kinder nicht wieder, so von ihnen getauft sind, wie doch Ciprianus getan hat. Der war in dem Wahn, daß er es nicht für eine rechte Taufe hielt, wenn die Ketzer jemand getauft hatten, und taufte sie darum wieder. Und war das sein Grund: die Ketzer, sprach er, sind nicht in der Einigkeit der christliche in Kirche; darum können sie kein christliches Amt vollziehen. Aber dieser Grund ist falsch. Denn man muß Amt und Person auseinander halten. Einer, der in wissentlichen Sünden steckt, die wider sein Gewissen sind der ist nicht in der Einigkeit der christlichen Kirche; dennoch soll darum sein Amt, daß er in der Kirche hat, nicht verachtet werden. Ursache, es ist nicht sein, sondern des Herrn Jesu Christi Amt. Wo er aber den Befehl des Herrn Jesu Christi brechen, anders denn Christus befohlen hat, taufen, Predigen und Sakrament reichen wollte, dann hätte man Ursache, Taufe, Predigt und anderes fahren zu lassen. Wo er aber an der Ordnung Christi nichts ändert, ob er gleich seiner Person wegen böse und ein Sünder ist, das nimmt den Amt nichts.

20. Darum, wer diese zwei Kirchen recht unterscheiden und beurteilen will, der dafür nicht auf das Amt allein sehen; denn auch die falsche Kirche kann das Amt recht haben und führen, und ist dennoch keine Kirche; wie man sieht, daß die falsche Kirche herrlich den Namen Gottes führt und rühmt. Daran soll man sich nicht kehren. Denn da steht das andere Gebot, und lehrt uns, daß der Name Gottes auch unnütz geführt werde. Dazu bitten wir in der ersten bitte im Vater Unser, daß Gottes Name geheiligt werde; welches ist dir ein gewisses Zeichen, daß derselbe Namen von vielen auch nicht geheiligt wird. Darum, wo die falsche Kirche es macht, und mit dem Namen Gottes und der Kirche bannen und verdammen will, da sollst du sehen, daß du dich nicht erschrecken läßt, sondern einen Unterschied machst und sagst: Ich höre Gottes Namen wohl, ich führe wohl, daß du die Kirche rühmt: aber solches können auch die Unchristen. Sonst bedürfte es des Verbotes nicht, daß man Gottes Namen nicht vergeblich höre soll. Darum muß man das Urteil anders suchen, und am ersten danach sehen, ob man auch Gottes Namen recht führe und des herrlichen Namens der Kirche nicht mißbrauche.

21. Nun, zu solchem Urteil dient die Regel, die der Herr hier gibt, damit er die falsche Kirche sehr fein abmalt; denn die rechte Kirche nimmt sich des Schwertes und weltlicher Gewalt nicht an. Die falsche Kirche aber nimmt das Schwert in die Hand und verfolgt die rechte Kirche, wie Christus hier sagt, das " sie werde euch in den Bann tun, und der euch tötet ". Dabei kannst du ja gewiß merken, welches die falsche Kirche ist. Und noch gewisser kannst du es dabei merken, das Christus spricht: " Solches werden sie euch darum tun, daß sie weder mich, noch meinen Vater erkennen ". Das heißt, die falsche Kirche recht abgemalt. Das Amt kann sie haben, und Gottes Namen rühmen und sich damit schmücken; aber neben dem Amt und Namen Gottes hängt ihr das Unglück an, daß sie weder Christum noch den Vater kennt.

22. Was heißt nun Christum und den Vater kennen? Es heißt ja nicht Messe lesen, eine Kappe aufsetzen, fasten, Almosen geben, und was sonst noch an anderer Werke sind; sondern Christum erkennen heißt, daß man glaube, er sei das Lamm Gottes, daß der Welt sündigt trägt, der um unseretwillen Mensch geworden, am Kreuz den Tod für uns erlitten, gestorben und wieder auferstanden, und gen Himmel gefahren ist. Daß man sich darüber tröste und gegen Gott ein solches Vertrauen fasse, er werde um seines Sohnes willen uns gnädig und barmherzig sein. Denn das heißt, den Vater kennen: wissen, daß er wolle gnädig sein, und uns unsere Sünde um seines Sohnes Christi Jesu willen nicht zurechnen. Wo nun solche Erkenntnis ist, da ist die rechte Kirche. Wo solche Erkenntnis nicht ist, da ist die Kirche nicht, wenn sie das Amt und Gottes Name auch braucht. Darum soll und muß man besonders auf diese Erkenntnis sehen, so wird man nicht irren können.

23. Die Spaltung, die heute in der Kirche ist, macht sehr viel Leute irre, daß sie nicht wissen, zu welchem Teil sie sich halten sollen. Aber es fehlt ihnen an dem, daß sie auf diese Regel nicht sehen wollen. Wir predigen so, daß vor Gott uns nichts könne helfen gegen die Sünde und den Tod, denn allein das Sterben und Auferstehen Christi. Wer solches mit rechtem Glauben fasse, der werde selig. Wer es nicht fasse, er tue sonst, was er wolle, könne er nicht selig werden (wie gewaltig aber solche Lehre im alten und neuen Testament gegründet ist, hören wir zur anderen Zeit); aber was geschieht? Eben um solcher Lehre willen verfolgt uns der Papst und sein Haufe, er tut uns in den Bann, schimpft uns Ketzer und würgt uns, denn er lehrt: Wer gen Himmel kommen will, der müsse für seine Sünde selbst genug tun; Christus haben nur für die Erbsünde bezahlt; was wir aber nach der Taufe sündigen, da müsse ein jeder selbst genug für tun, mit guten Werken solche Sünde ablegen und Gottes Zorn stillen. Wie reimt sich aber solche Predigt zur Erkenntnis Christi? Denn das muß ja folgen: So Christus für die Sünde genug getan hat, so können wir nicht dafür genug tun. Gute Werke sollen wir tun; aber aus einer anderen Meinung, denn daß wir dadurch Sünde ablegen und gen Himmel kommen wollten.

24. Also siehst du aus dieser Regel, welches die rechte Kirche ist. Wir werden darum in den Bann getan, daß wir alle Gerechtigkeit und Gnade allein auf Christum Jesum, auf sein Sterben und seine Auferstehung setzen. Dagegen aber setzt der Papst und seine Kirche die Seligkeit auf ihre eigenen Werke, Verdienst und Genugtuung, welches auch ein gewisses Zeichen ist, daß sie weder Christum noch den Vater kennen. So wir nun das haben, daß wir Christum (Gott sei immer Lob!) recht erkennen, sie aber kennen Christum nicht, so laßt uns unerschrocken sein, und nichts danach fragen, obgleich sie, so Christum und seinen Vater nicht kennen, uns in den Bann tun, uns Ketzer und eine Teufelskirche heißen. An diesem ist uns viel mehr gelegen, daß wir den Sohn und den Vater kennen; lassen uns durch das unnütze Geplärr nicht irren, daß der Papst mit den Namen der Kirche so hoch hält und uns den Teufel gibt.

25. Wir können aber auf ein anderes Urteil uns trösten und warten, da nicht die Menschen mit ihrem falschen Urteil, sondern Gott selbst mit seinem rechten, wahren Urteil uns aus dem Bann heben, und für seine Kirche am jüngsten Tage vor Gott und allen seinen Engeln rühmen wird. Denn es muß doch so auf Erden gehen, wie Christus hier sagt, daß zwei Kirchen sein werden, und eine die andere bannen soll. Der Bann aber geht nicht öffentlich gegen die falsche Kirche; denn sie hat das Schwert in der Hand und kann sich mit Gewalt dagegen schützen. Wie wir am Papst sehen; welches auch ein gewisses Zeichen ist, daß er nicht die rechte Kirche sein kann; denn von der rechten christlichen Kirche steht hier, daß sie soll in den Bann getan werden. " Euch ", spricht er, " werden sie in den Bann tun ". Wer sind diese " euch "? Sind es nicht unseres Herrn Christi lieben Jünger und Apostel? Die wird man bannen und töten. Wer? Die, so den Namen haben, daß sie Synagoge und Kirche sind.

26. So geht es auch noch heutigen Tages. Darum sollen wir uns vor solchem Bannen und Würgen nicht erschrecken, sondern wir sollen es mit Freuden annehmen, und lernen, daß es die rechte Farbe und das beste Zeichen ist für die Christen und die rechte Kirche. Doch so, daß die Erkenntnis Christi und seines Vaters vor allen Dingen auch dabei ist. Denn Widertäufer und andere Rottten werden auch verfolgt und leiden viel: aber sie haben die Erkenntnis Christi und seines Vaters nicht; denn sie leugnen die Zusage, welche ihnen Gott in der ersten Taufe getan hat, und richten eine neue Möncherei an, dadurch sie denken in den Himmel zu kommen und einen gnädigen Gott zu haben. Dagegen aber die rechte Kirche kennt Christum und seinen Vater, das ist, sie tröstet sich allein Gottes Güte und Barmherzigkeit durch Christum; und um solches Trostes und Hoffnung willen muß sie verfolgt werden. Das leidet sie gern; denn sie weiß, Christus hatte es hier geweissagt; darum gibt sie sich willig hin, läßt sich dem Papst und seinen Haufen uns für Ketzer und Teufelskirche rufen. Aber ihr genügt, daß sie Christum und seinen Vater kennt, und weiß, daß der Papst mit seinen Haufen, sind sie gleich noch so viel sie wollen, Christum und seinen Vater nicht kennen, sondern verfolgen; leidet darum gern mit Christus, und ist der Hoffnung, daß sie mit ihm auch in Ehren sitzen und ewig leben werden. Das verleihe uns allen unser lieber Vater im Himmel, durch seinen Sohn und den Heiligen Geist, Amen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 12.06.2011 05:37

Pfingsten

Apostelgeschichte 2,1 - 14

Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zerteilt, als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des Heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen, und wurden bestürzt; denn es hörte ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich, und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht dieser alle, wider reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther, und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesobethanien, und in Judäa und Cappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten, und an den Enden der Lybien bei Kyrene, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber; wir hören sie mit unseren Zungen die großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich alle, und wurden irre, und sprachen einer zu dem anderen: Was will das werden? Die andern aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßes Weins.

1. Das Wort " Pfingsten " ist nicht deutsch, sondern aus dem Griechischem genommen, die heißen Pfingsten den 50. Tag. Denn der Pfingsttag ist der 50. Tag nach Ostern, und ist bei den Juden ein besonderes Fest gewesen, darum, daß sie am 50. Tag, nachdem sie das Osterlamm in Ägypten gegessen und aus Ägypten gezogen waren, am Berge Sinai die Zehn Gebote empfangen haben. Weil aber solches eine große Wohltat ist, daß Gott selbst seinen Willen vom Himmel herab ihnen eröffnet hat, daß sie wissen konnten, woran doch Gott ein Gefallen oder Ungefallen geschehe, was er haben oder nicht haben wollte: darum hat Gott geboten, diesen 50. Tag nach Ostern für heilig zu halten, daß solcher Wohltat gedacht würde, und sie sich fleißiger nach Gottes Wort und Willen schicken lernten, wenn sie hörten und daran dächten, mit welchem Ernst Gott seinen Willen eröffnet, und sie sich dagegen verpflichtet hätten, solchem Willen mit Fleiß zu halten, wie die Geschichte im Buch Mose im 19. Und 20. Kapitel schreibt.



2. Nun sieht man aber in den Geschichten des Alten Testaments, wie Paulus sagt, 1 Korinther 10,6., was den Juden widerfahren ist, daß es alles ein Vorbild gewesen ist der Geschichten, so im neuen Testament in der Zeit der Gnade geschehen sollten. Darum gleichwie wir im neuen Testament ein anderes und besseres Osterlamm zu essen haben (denn dort in Ägypten half das Blut des Lammes, damit sie die Pfosten bestrichen, nur dazu, daß der Engel, der Verderben, dem Leib nicht Schaden täte und die erstgeborenen Früchte nicht tötete: dagegen unser Osterlamm Christi Jesu Blut dazu dient, daß wir aus dem rechten Ägypten, nämlich, aus des Teufels Tyrannerei, von der Sünde und dem ewigen Tod erlöst werden): also haben wir im neuen Testament auch ein anderes und ein besseres Pfingsten, denn jenes im Alten Testament gewesen ist.



3. Jene empfingen am Berge Sinai die Zehn Gebote. Das ist an sich selbst eine gute, nötige, köstliche Predigt, da man Gott für danken soll. Aber mit solcher Predigt ist uns nichts geholfen wider des Teufels Reich, die Sünde und den Tod; sondern das Gesetz hilft allein dazu, das wir noch größere Sünder werden, und unser eigen Gewissen uns gegen Gott verklagt und beschuldigt; besonders weil wir das nicht vollkommen tun, daß uns zu tun aufgelegt ist.



4. Darum wie es ein schreckliches Ansehen hatte am Berge Sinai, da Gott redete, und Blitze und Donner durch einander gingen, daß der ganze Berg rauchte und bebte; also tut das Gesetz heute noch: wo es die Herzen recht trifft, da schreckt es und macht blöde und zaghaft, daß man nicht weiß, wo man vor Angst bleiben soll. Denn wissen, was Gott haben will, und daneben fühlen, daß man es nicht gehalten hat, solches ist unmöglich, daß es einen Menschen nicht anfechten noch Angst machen sollte. Denn was Gott den Übertretern seines Wortes droht, das ist vor Augen, nämlich, den ewigen Tod und alles Unglück. Darum ist solch Juden Pfingsten und Pfingstpredigt ein schreckliches, unfreundliches Pfingsten und Predigt, da nicht viel Freude bei sein kann. Denn es hat über die Maßen ein schreckliches Ansehen gehabt, daß die Juden selbst sagen mußten und bitten: Ach, rede du mit uns; denn soll der Herr mit uns reden, so müssen wir sterben.



5. Was haben wir aber dagegen für ein Pfingsten im neuen Testament? Ein über aus herrliches und freundliches, wo kein Schrecken sondern nur lauter Freude, Mut und Wonne bei ist. Denn also sagte Evangelist, wie wir im Text gehört, daß am Pfingsttag, da die Juden mit der Danksagung für die Zehn Gebote umgegangen und die Geschichte am Berg Sinai gerühmt haben, sind die Apostel und andere Christen bei einander in einem Haus gewesen. Da habe sich plötzlich ein Brausen vom Himmel herunter, als eines gewaltigen Windes, erhoben, und das ganze Haus erfüllt, daß es alles wieder einander getönt hat. Und neben solchem Weben und Brausen habe man zerteilte feurige Flammen gesehen, wie die Flammen vom Feuer über sich lodern, daß also der Heilige Geist sich da hat öffentlich hören und sehen lassen. Denn in dem Brausen hat man ihn gehört und in den Feuerflamen gesehen; wie denn Christus zuvor gesagt und Johannes der Täufer auch geweissagt hatte, sie sollten mit Geist und Feuer getauft werden.



6. Es hat aber solches seine besondere Deutung und Ursache, denn die Zungen bedeuten das Predigtamt, daß soll nicht vergebens sein; es soll die Herzen anwehen und ein neues Licht oder Feuer darin anzünden, wie wir noch später davon sagen werden. Bald nun auf solches Brausen und Feuerflammen setzt sich der Heilige Geist auf einen jeden unter ihnen, und zündeten ihre Herzen so an, er durchweht sie also, daß sie in einem Augenblick Gott und seinen Sohn Christum Jesum recht erkennen, und die ganze Schrift verstehen, und einen solchen Mut haben, das sie solchen Verstand nicht bei sich behalten, sondern frei öffentlich bekennen dürfen. Und kam noch das herrliche Wunderwerk dazu, daß sie allerlei Sprachen reden können, so sie doch nur ihre Muttersprache vor diesem Augenblick konnten. Denn zu Jerusalem mußte es anfangen, aber da nicht bleiben; sondern, wie die Propheten zuvor geweissagt, sollte das Evangelium in allen Sprachen bald im ersten Anfang gehen und klingen. Dieses zum Zeugnis, daß es im jüdischen Lande nicht bleiben, sondern in alle Welt und allen Sprachen sollte gepredigt werden, lehrt der Heilige Geist die Apostel alle Sprachen. Das ist unser Pfingsten im neuen Testament, da man Gott recht erkennt, da man vor Gott nicht erschrickt, sondern fröhlich wird und ein gutes Gewissen bekommt, mit einem solchen Mut, der sich vor nichts entsetzt, und alles um Christi Willen gern leidet, wie man an den Aposteln sieht.



7. Von solchem Pfingsten hat nicht allein Christus in seiner letzten Predigt, sondern auch die Propheten David, Jesaja, Jeremia, Joel, Sacharja ja, und andere geweissagt. Darum wollen wir heut diesen Tag auch so zubringen und vom Heiligen Geist predigen, was er sei, was sein Werk und Amt sei, und wie wir uns dazu schicken sollen, wenn wir zu solchen seligen Pfingsten auch kommen und den Heiligen Geist empfangen wollen.



8. Für das erste sollen wir nicht denken, als sei der Heilige Geist nicht zuvor in der Kirche und unter den Leuten gewesen. Denn er ist ewiger, allmächtiger Gott, wie Christus sagt: Er gehe vom Vater aus. Darum muß er eben der Natur und des Wesens sein, des der Vater ist. So haben wir gewisse Zeugnisse, daß er, der Heilige Geist, je und je seine Wirkung in den Menschen gehabt, sie nach Gottes Willen regierte und geführt habe. Denn Christus selbst sagt, wie auch Petrus, daß der Heilige Geist durch die Propheten geredet habe. So zeugen die Evangelisten von dem alten Simeon, von der Hanna, von Zacharia, Elisabeth und Johannes, daß der Heilige Geist in ihnen gewohnt habe.



9. Darum müssen wir hier von dem Heiligen Geist eben denken und Glauben, wie von Christus, dem Sohn Gottes: der ist von Ewigkeit gewesen, und hat bald nach der ersten Verheißung im Paradies sein Werk angefangen, daß er wieder den Teufel sich zu Felde gelegt und ihm auf den Kopf getreten hat. Dieses von Anfang angefangene und stets geübte Werk hat der Sohn Gottes dann öffentlich vollendet, da er Mensch geworden, am Kreuz gestorben und am dritten Tage wieder auferstanden ist. Also ist es Heiligen Geistes Werk für und für in der Welt gewesen, daß er der Menschen Herzen durch das Wort Gottes zum Glauben geführt, sie erleuchtet, gestärkt, getröstet und in alle Wahrheit geleitet hat.



10. Aber dieses Werk hatte er an diesem Heiligen Pfingsttag zum ersten vollkommen und öffentlich geführt, daß es nicht mehr so heimlich zugegangen ist, wie zuvor; sondern jedermann, der es gesehen, der hat den Heiligen Geist und seine Wunder spüren und bekennen müssen. Denn, daß hier etliche sind, die es für keine Wirkung des Heiligen Geistes halten, sondern sagen: Die Apostel sind voll Wein, solches ist eine mutwillige Lüge. Ihr Herz beweist sie, daß man fremde, unbekannte Sprachen beim Saufen nicht lernen kann.



11. Was mag es aber für eine Ursache sein, daß solche Offenbarung des Heiligen Geistes bis auf diesen Pfingstag verzogen wird? Keine andere, denn daß wir lernen sollen, wie wir solchen Schatz allein durch unseren Herrn Christum haben: der hat uns solche Gaben erworben, und durch ihn allein werden sie uns gegeben; wie wir am Tage seiner Himmelfahrt gehört haben, aus dem 68. Psalm Vers 19., daß der sei in die Höhe gefahren, und habe Gaben empfangen für die Menschen. Denn also legt Petrus selbst diesen Spruch in der heutigen Predigt aus, da er spricht: " Nun aber Christus durch die Rechte Gottes erhöht ist, und empfangen hat die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater, hatte er ausgegossen dies, daß ihr jetzt sehet und höret ".



12. Das ist das erste Stück, daß wir lernen sollen, daß der Heilige Geist nicht erst am Pfingsttag sein Werk und Amt angefangen hat. Er hat es je und je in seiner Kirche geübt, aber erstlich am Heiligen Pfingsttag öffentlich geübt und sich mit besonderer Gewalt sehen lassen; auf das wir aus dieser Offenbarung lernen, was für einen herrlichen Schatz unser lieber Herr Christus Jesus uns durch sein Sterben und Auferstehung erworben und verdient habe.



13. Zum anderen müssen wir auch das lernen: gleichwie die Schrift dem Herrn Christus einen besonderen Namen gibt und heißt ihn das Wort Gottes; also gibt sie dem Geist Gottes auch seinen besonderen Namen und heißt ihn den Heiligen Geist, der die Herzen mit seiner Gnade anweht, und heiligt sie, da sie zuvor unheilig und in Sünden sind. Solcher Name ist den Christen sehr tröstlich; denn sie sehen wohl, daß sie dem Teufel zu schwach sind und seinem Eingeben nicht immer widerstehen können. Gleich nun wie solches sie schreckt, daß sie den bösen Geist wieder sich haben; also tröstet sie wiederum, daß sie durch Christum haben den Heiligen Geist, der die Sünde ihnen vergeben und sie zum rechten Gehorsam gegen Gott treiben soll.



14. Wie aber der Heilige Geist solches ausgerichtet, steht bei Johannes dem 16. Kapitel Vers 8.: Das er die Welt durch das Evangelium strafen werde um die Sünde, um die Gerechtigkeit und um das Gericht. Denn also werden die Werke der Heiligen Dreifaltigkeit in unserem Glauben unterschieden, zum Unterricht der Jugend und Einfältigen, daß Gott Vater uns Leib und Leben gegeben und zu seinem Reich erschaffen habe. Als aber unsere Eltern durch die Sünde in den Tod gefallen sind und solche Strafe auf uns geerbt hat, ist der Sohn Gottes Mensch geworden, und hat durch sein Sterben solchen Fall wieder hergestellt und uns von Sünden und ewigen Tode erlöst. Solche Erlösung trägt der Heilige Geist in aller Welt vor durch das Heilige Evangelium, und richtet die Herzen so zu, daß sie es annehmen und glauben; das ist, sie trösten sich, daß Christus Jesus für sie gestorben ist, und zweifeln nicht daran, daß sie dadurch mit Gott versöhnt sind, daß er an ihrer Sünden nicht mehr gedenken, sondern dieselben um Christi willen ihnen vergeben und schenken wolle. Das heißt die Herzen heiligen, oder wie es Petrus in den Geschichten (Apostel Geschichte 15,9.) nennt: durch den Glauben reinigen.



15. Wo nun also Vergebung der Sünden durch den Glauben ist, das, ob man schon Sünde hat, dennoch wir darum nicht Verzweifeln, sondern uns trösten des Sterbens und Auferstehens Christi; da folgt eine andere Heiligung des Heiligen Geistes, daß er auch unsere Leiber heiligt, daß wir nicht mehr in Sünden liegen, noch Lust und Liebe daran haben wie zuvor, sondern enthalten uns davon, und befleißigen uns dagegen, daß wir tun, was Gott wohlgefällig ist. Wie Paulus lehrt, Epheser 4,28:. " Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite, und schaffe mit den Händen etwas Redliches, auf das er habe zu geben den Dürftigen ". Solches ist es Heiligen Geistes Amt und Werk, daß er in uns einen neuen, rechten und herzlichen Gehorsam gegen Gott anhebt, und wir der Sünde widerstreben, und den alten Adam töten, und durch den Glauben Vergebung aller Sünden bekommen.



16. Aber solche Heiligung ist nicht so vollkommen, als die erste, welche, wo sie nicht da wäre, könnten wir mit dieser nicht vorankommen. Denn Fleisch und Blut ist zu schwach; so ist uns der Teufel zu stark, auch haben wir nur die Erstlinge des Heiligen Geistes empfangen: darum kann dieser Gehorsam nicht vollkommen sein. Was aber solchem und vollkommenen Gehorsam und Heiligung mangelt, das wird erstattet durch die erste Heiligung des Glaubens, daß wir Vergebung der Sünden glauben, und dadurch gerecht und vollkommen geheiligt werden; denn was noch für Sünde und Unflat an uns ist, das wird vergeben, als wäre es nie da gewesen. Also sehen wir, warum der Heilige Geist solchen Namen führt, nämlich, daß er die Gläubigen Heiligen soll und will, das ist, durch das Wort den Glauben an Christum in uns erwecken, daß wir durch ihn sollen Vergebung der Sünden erlangen.



17. Über dieses Werk der Heiligung hat der Heilige Geist noch andere mehr Werke, wie er auch sonst mehr Namen hat. Denn Sacharja heißt ihnen einen Geist des Betens, darum er die Herzen erregt, daß sie alles Gute sich von Gott erhoffen und in allen Nöten um Hilfe zu ihm schreien. Also, Christus nennt ihn einen Tröster, der den Herzen zuspricht, daß sie gern und willig alles leiden und vor keinem Unglück sich entsetzen. Also, er heißt ihn einen Geist der Wahrheit, dieser Trost ist nicht allein wahr und gewiß, sondern der behütet uns auch vor Lügen und Ketzerei, und in reinem Wort und rechtem Glauben erhalten; weil sonst der Teufel durch unsere Vernunft und falsche Lehre uns in Irrtum führen und in Lügen stecken würde. Solches sind des Heiligen Geistes eigene Werke, neben dem, daß er mit allerlei Tugenden und Gaben die Gläubigen ziert, und ein solcher Tröster ist, wie Christus sagt, der ewiglich bei uns bleibt, da sonst aller Welt Trost nur ein zeitlicher Trost ist, der keinen Bestand hat.



18. Darum weil der Heilige Geist solche herrliche und große Ding in uns wirken soll, liegt es an dem, daß wir auch lernen, wie wir zu solcher Gabe kommen und den Heiligen Geist erlangen können, daß er solches auch in uns anrichtet, und wir durch ihn geheiligt und selig werden. Davon lehrt uns unser lieber Herr Jesus Christus selbst, Lukas 11, da er spricht in Vers 13:. " So denn ihr, die ihr arg seid, könnt euren Kindern gute Gaben geben; viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten ". Diesen Spruch merke gut, das erstlich Gott allein den Heiligen Geist gibt, und gibt ihn denen, die ihn darum bitten, und nach solch einer Gabe zeufzen und wollten sie gern haben. Darum, so dein Herz sich auftut, daß du denkst: Ach Gott, gib mir auch den Heiligen Geist, mit solchen Gedanken und Gebet fahre fort, und zweifle nicht, das ist der nächste und beste Weg, da du zum Heiligen Geist kommen kannst. Denn Christus selbst lehrt, daß du so tun sollst und den himmlischen Vater bitten.



19. Nun muß aber solches Gebet, eben wie andere, gehen allein in dem Namen Jesu: daß wir bitten, Gott wolle um Christi, seines Sohnes und unseres Erlösers, willen solche Gabe und schenken. Da haben wir einen besonderen großen Vorteil zu, wie wir am Himmelfahrtstag gehört haben, nämlich, daß Christus darum zum Vater gegangen und gen Himmel aufgefahren ist, daß er solche Gabe vom Vater empfinge uns sie uns herunter sende. Darum brauchen wir nicht zweifeln. Denn da ist nicht allein der Befehl und die Verheißung, daß wir sollen um den Heiligen Geist bitten; sondern es ist auch der Wille da, daß Christus darum zur Rechten Gottes sitzt, daß er solche Gabe uns zukommen lassen will; denn er hat sie auch vom Vater empfangen, wie im 68. Psalm Vers 19 steht, nicht für seine Person, sondern für die Menschen, daß er sie ihnen geben und schenken will.



20. Nun ist aber auch das Gebet nicht allein genug, denn wo du dich in den Winkel setzen, um den Heiligen Geist bitten, und daneben dich nicht fleißig wolltest zum Wort und den Heiligen Sakramenten halten, so würde das Gebet langsam Frucht schaffen. Ursache, der Heilige Geist will allein durch das Wort und die Heiligen Sakramente seine Wirkung haben. Wer sich nun von solchem abhalten will, zu dem würde der Heilige Geist nicht kommen. Darum lassen wir uns taufen, wir gehen zum Abendmahl des Herrn, wir hören Gottes Wort, begehren die Absolution; denn wir wissen, daß solches alles das Werkzeug ist, dadurch der Heilige Geist sein Werk in uns ausrichtet. Wie die Beispiele zeigen. Die 3000 Seelen, so Petrus mit der ersten Predigt auf den heutigen Tag bekehrt, würden Ihr Lebtag nicht bekehrt sein, wo sie nicht zuvor das Wort gehört hätten. Da sie aber das Wort hören und ihre Herzen dadurch getroffen werden, dann lassen sie sich auch taufen. Denn also hat es Christus befohlen. Also der Kämmerer der Königin aus dem Mohrenland konnte den Heiligen Geist nicht erlangen, Philippus mußte ihm predigen und die Schrift auslegen. Da nun das Herz durch solche Predigt vom Heiligen Geist getroffen ward, dann wollte der Heilige Geist sein Amt nicht vollführen, Philippus mußte den Kämmerer auch taufen mit Wasser.



21. Darum, willst du zur Gabe des Heiligen Geistes kommen, so muß vor allen Dingen das da sein, daß du um solche Gabe im Namen Jesu den Vater bittest, und dich danach fleißig zum Wort halten, an deine Taufe mit Ernst denken, was Gott dir dazu gesagt und welch einen Bund er mit dir durch die Taufe gemacht hat, und auf zum Abendmahl des Herrn gehen, die Absolution suchen. Denn durch das Wort und Sakrament will der Heilige Geist unsere Herzen mit dem neuen Licht des Glaubens anzünden, daß wir das Wort nicht allein hören, wie es die verstockten Juden hörten, sondern es auch verstehen, und dadurch andere Menschen werden und neue Herzen bekommen.



22. Neben dem muß zum dritten auch das da sein, daß wir durch wildes und wüstes Leben, und durch mutwillige Sünden den Heiligen Geist an seinem Werk nicht hindern noch von uns treiben. Denn der Heilige Geist kann nicht wohnen, wo der Teufel wohnt. Darum wenn der Teufel dich anficht mit Geiz, mit Zorn, mit Unzucht und anderen Sünden, da gehe dann schnell an das Gebet, daß dich Gott davor behüten und in seinem Gehorsam erhalten wolle. Denn soll der Heilige Geist zu dir kommen oder bei dir bleiben, so mußt du vor solchen äußerlichen Sünden dich hüten; oder wo du aus Schwachheit hinein gefallen, mußt du dich wieder aufraffen und aufstehen, und in solchen Sünden nicht liegen bleiben. Da will dann der Heilige Geist zu uns treten, und, wie wir bitten, uns helfen wider den Teufel und das Fleisch samt der Sünde kämpfen. Die aber dagegen sich mutwillig mit Sünden beladen, je länger je mehr mit dem Teufel besessen werden, und außerhalb der Buße nicht zum Heiligen Geist kommen können, dieses ist sein Werk, wie ich oben gesagt, daß er erstlich durch den Glauben und Vergebung der Sünden uns Heiligen, und danach uns helfen soll, daß wir der Sünde widerstreben sollen und in Gottes Gehorsam leben.



23. Aber oben haben wir auch gehört, daß wir nur die Erstlinge des Heiligen Geistes empfangen, und dagegen Fleisch und Blut bleibt und lebt, solange wir leben. Daher kommt es, daß auch die, so den Heiligen Geist haben, dennoch schwach sind und sehr oft fallen; auf das niemand sich ärgere, und denkt wie die Widertäufer: Wer den Heiligen Geist habe, der können nicht fallen. Wahr ist`s, wenn wir den Heiligen Geist immer folgen würden, so würden wir nicht fallen; aber solches ist unmöglich: der Teufel ist uns so stark, die Welt zu böse, und unser Fleisch und Blut zu schwach. Darum heißt es immer bitten, daß Gott seinen Heiligen Geist nicht von uns nehmen, uns in seiner Gnade gnädiglich erhalten, und alle Tage solche Gabe des Heiligen Geistes mehren, und, wie wir im Vater Unser beten, uns unsere Schuld vergeben wolle. Denn ohne solche Schuld können auch die Heiligen nicht leben. Aber durch den Glauben an Christum werden sie vergeben und sollen nicht schaden.



24. Also ihr lieben Leute, so haben wir gehört was das rechte Pfingsten ist, das wir Christen uns von Herzen freuen sollen, weil es weit größer und herrlicher ist, denn der Juden Pfingsten; besonders der Heilige Geist durch Christum über alles Fleisch ist ausgegossen worden, daß wir durch das Evangelium Gott erkennen, und durch den Heiligen Geist heilig und fromm werden an Seele und Leib, so wir uns recht christlich mit Beten, Predigt hören und einem ordentlichen Wandel dazu schicken wollen. Dazu helfe uns durch Christum der Heilige Geist, Amen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 13.06.2011 08:04

Pfingsten 2. Predigt

Johannes 14,23 - 31

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, daß ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches hab ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wird es euch alles lehren, und euch erinnern alles deß, daß ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht, und fürchte sich nicht. Ihr habt gehört, daß ich euch gesagt habe, ich gehe hin, und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich euch gesagt habe, ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer, denn ich. Und nun hab ichs euch gesagt, ehe denn es geschieht, auf das, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort nicht mehr nicht viel mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat nichts an mir. Aber daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also tue, wie mir der Vater geboten hat; steht auf, und lasset uns von hinnen gehen.

1. Dies Evangelium ist auch ein Stück von der Trostpredigt, welche der Herr am grünen Donnerstag über Tisch getan hat, und ist ein Text, der besonders zu merken ist. Denn der Herr will uns lehren, daß es eine verlorene Arbeit ist, sich darum bemühen, wie man Gott erkennen und zu Gott kommen könne, wenn man es nicht so anfängt und vornimmt, daß man ihn, den Herrn Christum, liebt. Wo solches nicht so geht, so ist es allein ein ungewisses Flattern, was man von Gott denkt oder hört, man wird ihn doch nicht treffen noch fassen, noch dahin kommen können, daß er uns lieb habe. Wer aber Christum liebt, der kommt dahin, das ihn der Vater auch lieben wird.

2. Was mag es aber für eine Meinung haben, daß der Herr der Liebe gedenkt, und nicht so sagt, wie er sonst pflegt: Wer an mich glaubt? Tut es denn die Liebe, und der Glaube nicht, daß er spricht: " Wer mich liebet "? Aber es ist eben Eins; denn Christum kannst du nicht lieben, du glaubst denn an ihn und tröstest dich sein. Und ist das Wort " lieben " in dem Fall etwas deutlicher, daß es fein anzeigt, wie man die Augen und das Herz von allem anderen, was den Himmel und auf Erden ist, abziehen, und allein auf diesen Mann, Jesum Christum, wenden soll. Denn solches ist der Liebe eigentlicher Art: wessen sie sich annimmt, deß nimmt sie sich allein an, da bleibt und beruht sie allein darauf, und achtet sonst in der weiten Welt nichts mehr. Also will der Herrn von uns auch gehalten sein, daß wir ihn lieben und unser Herz auf ihn setzen sollen. Das kann aber nicht geschehen, denn allein durch den Glauben. Darum nimmt dieser Spruch dem Glauben nichts, sondern dient dazu, das man des Glaubens Art und rechte Wirkung desto besser erkennen kann.

3. Danach braucht er das Wort " lieben "darum, daß er wohl sieht, wer sein Wort annehmen und dabei beharren will, daß er darüber viel leiden und es ihm sauer werden wird. Denn da finden sich mancherlei Anfechtungen, die zur Ungeduld und Unwillen erregen können, und es kommt da noch dazu, wenn es einem so übel geht, daß man denkt: Was plage ich mich hier, daß ich das Wort gepredigt und öffentlich bekannt habe? Hätte ich doch wohl geschwiegen und für mich allein glauben können, was mir Gott gegeben hat; es würden wohl andere gekommen sein, die mehr Glück zum Predigen gehabt hätten. Jetzt stecke ich im Dreck, und richte auch nichts aus, oder nur ganz wenig, dazu ist mein Leib und Leben in Gefahr. Soll man solche Anfechtung ausstehen und nicht darunter zu Boden gehen, sondern fest am Wort halten, so gehört dazu, wie der Herr hier sagt, daß man ihn lieb habe und wie zuvor ein herzliches Wohlgefallen an ihm habe. Auf das ein Prediger und ein jeder Christ sagen möchte: Es gehe mir darüber, wie der liebe Gott will, so will ich fest halten und meinen lieben Herrn Christum nicht verleugnen; ist es doch allein ihm zu Ehren angefangen, und nicht den Leuten; darum muß es ausgestanden und etwas darüber gelitten sein.

4. Wo aber solche Liebe nicht ist, da wird man in die Länge an meinem Wort nicht halten, spricht Christus; denn ich teile nicht Thaler und Kronen aus, sondern das Ewige Leben. Das nimmt man hier auf Erden nicht ein, sondern erst nach diesem Leben. Darum liegt es alles an dem, daß ihr Lust und Liebe an mir habt. Ist die Liebe da, so werdet ihr mein Wort halten und fest dabei bleiben, und sollte es gleich an Leib und Leben gehen. Ist aber die Liebe nicht da, so werdet ihr mein Wort nicht halten. Denn es wird sich viel Gefahr, Anfechtung und Widerwärtigkeit finden, die euch alle zu Ungeduld und Verzweiflung bringen und treiben werden.

5. Wer aber Christum recht kennt, an ihn glaubt und ihn liebt, der wird sich nicht anfechten lassen und frisch hindurchgehen; denn er weiß und tröstet sich, daß Christus für uns gestorben, begraben und wieder auferstanden ist. Daraus muß ja folgen, daß es Christus mit uns nicht böse meint. Also muß die Liebe aus dem Glauben fließen, die dringt danach durch allerlei Gefahr und Unglück, und fragte nichts danach, ob die Welt murrt und zürnt; denn ihr ist an Christum und seinem Wort mehr denn an der Welt Zorn gelegen.

6. Das ist nun, daß er spricht: " Wer mich liebet, der wird mein Wort halten ". " Mein Wort ", von meinem Sterben und Auferstehen; nicht Mose sein Wort, oder die Zehn Gebote. Dieses Wort soll man wohl auch halten und nicht dagegen tun, denn Gott hat lange vorher solches befohlen: aber bei dem Wort von Mose ist der Trost nicht, der bei meinem Wort ist, man bekommt kein gutes Gewissen davon; sondern je mehr man sieht, daß es an solchem Gehorsam mangelt, je mehr fürchtet man sich vor Gottes Zorn. Aber das Wort unseres lieben Herrn Christi, das heilige Evangelium, in welchem wir hören, wie Christus um unsere Sünden Willen gestorben und uns zur Gerechtigkeit wieder auferstanden ist, ist der höchste und beste Schatz; wer den hat, spricht Christus, hält fest daran, und setzt alles, bevor er sich diesen nehmen läßt: der sei nun auch gewiß, das ihn mein Vater auch liebe.

7. Das ist recht nach Johannes geredet, der hat eine besondere Art, wie die anderen Evangelisten nicht haben, daß er die Leute zum ersten zu Christus zieht, und danach bringt er durch Christum zum Vater. Denn also geht es nach einander, wie Christus hier lehrt: daß man erst Christum erkennen, ihn lieb gewinnen, und dafür halten soll, daß er freundlich sei und uns meine. Wo das Vertrauen auf Christum und die liebe zu Christum ist, da folgt weiter, daß wir glauben sollen, der Vater habe uns auch lieb. Das also ein Mensch alles aus den Augen setzen, und durch Christum weder Zorn noch Ungnade von Gott erwarten, und sich weder vor Sünden, Teufel oder Tod fürchten soll, darum das Gott uns lieb hat, weil wir Christum lieb haben.

8. Das ist ein großer und starker Trost in aller Anfechtung, wer ihn nur recht fassen, und solches fest glauben das Gott mit uns nicht zürnen, sondern uns freundlich ansehen will, wenn wir Christum lieb haben und fest an seinem Wort halten. Aber es will, besonders zur Zeit der Anfechtung, nicht in unser Herz. Wir denken das Gegenteil, Gott sei uns feind, er achte unser nicht und will mit der Keule zuschlagen. Aber solche Gedanken sind falsch. Denn Christus lügt gewiß nicht, da er hier spricht: Wenn es mit euch dahin kommt, daß ihr mich liebt und meine Worte haltet, daß ihr eure größte und höchste Lust und Freude daran habt, daß ich euch von des Teufels Gewalt erlöst habe, und euch hinfort die Sünde nicht schaden und der Tod nicht verschlingen soll noch kann, und nun des ewigen Lebens und Seligkeit gewiß seid, wie mein Wort lehrt: so ist es gewiß, daß euch der Vater auch lieb haben wird, und seine Liebe also gegen euch beweisen, daß er, der Vater, mit dem Sohn und Heiligen Geist zu euch kommen und bei euch eine Wohnung machen werde.

9. Das ist ein sehr guter Trost, daß ein Christ nicht denken darf, wie er in den Himmel hinauf steigen will. Er ist zu Jerusalem, zu Rom, wo er wolle auf Erden, er ist auf dem Felde oder im Hause: so soll er doch in Himmel sein; denn der Vater, Sohn und Heiliger Geist wollen bei ihm sein und bei ihm wohnen. Solches haben wir hier auf Erden im Wort und fühlen es durch den Glauben im Herzen. Aber es soll im künftigen Leben endlich mit der Tat auch danach folgen.

10. Denn, Gott bei uns wohnen hier auf Erden, heißt nichts anderes, denn das alles, was wir tun, reden, denken und leiden, soll wohlgetan sein. Wir essen, trinken, arbeiten, aufstehen, legen uns nieder, wir beten, studieren, singen oder lesen, so will sich es Gott alles gefallen lassen. Das mag doch wohl ein Himmelreich heißen, wenn wir nur die Gnade hätten, und die Augen recht auftun und solches glauben könnten. Denn der Himmel selbst soll die Ehre nicht haben, die ein Christ hat. Ursache, vom Himmel sagt Gott nicht, daß er darinnen wohnen wolle; sondern sagt, er soll sein Stuhl und die Erde sein Fußschemel sein. Aber eines Christen Herz, das soll die rechte Wohnung sein, da Gott darin wohnen, wenn es nur Christum ergreifen kann, daß es weiß, daß er für uns gelitten und gestorben sei, und um solche Wohltat willen ihn lieb habe.

11. Also liegt es alles an dem, daß wir uns Christum gefallen lassen, so sollte es keine Not haben. Denn solche Liebe wird uns alles sanft und leicht machen, was wir um sein und seines Wortes willen leiden sollen. Da es sonst unmöglich wäre, daß man nicht sollte kleinmütig, traurig und ungeduldig werden, und vom Wort abfallen, wie Christus bald darauf sagt:

Wer aber mich nicht liebet, der hält mein Worte nicht.

12. Wer nun Christum liebt, der hat den Trost hier wieder, daß der Vater ihn um Christus willen nicht allein lieb haben, sondern selbst zu ihm kommen, und bei ihm, samt dem Herrn Christus und Heiligen Geist, wohnen will. Das ist ein herrlicher, seliger Trost, an den wir uns halten sollten, und uns willig dazu setzen, was uns darüber zu leiden zusteht.

13. Wo aber diese Liebe zu Christus nicht ist, und die Leute das Evangelium darum annehmen, daß sie, wie große Herren pflegen, die geistlichen Güter an sich bringen, oder in andere Wege ihren Nutzen schaffen und ihrer Lust nachkommen mögen, wie die Welt fast in allen Dingen tut und ihres Nutzens wegen anfängt: da wird man am Wort nicht lange halten. Denn daß man in der Gefahr bestehen kann, da gehört Liebe zu. Daß man es aus Zwang oder Geld wegen tun sollte, da wird nichts daraus werden.

14. Wollen wir nun rechte Christen sein und an dem Evangelium festhalten, müssen wir es allein dahin bringen, daß wir sagen: Es ist in meines Herrn Jesu Christi Namen angefangen und ihn zu Dienst geschehen; darum muß es auch so weitergehen, es gehe gleich darüber, wie Gott will. Darum sollen wir steif und fest am Wort Christi halten, und uns durch kein Unglück und Gefahr davon treiben lassen. Denn wie Christus weiter spricht: Das Wort, das er redet, ist nicht sein, sondern des Vaters, der ihn gesendet hat.

15. Auf solche Weise pflegt Christus sehr oft zu reden; denn es ist auch sehr viel daran gelegen. Und ist dies die Summe davon, daß Christus sagen will: Wenn ihr mich fast, und haftet an mir, das ist, an meinem Wort und meiner Zusagung, so seid ihr gewiß, das ihr den rechten Gott trefft, und könnt ihn nicht verfehlen, da es sonst unmöglich ist, daß man ihn finden oder erkennen könnte ohne das Wort Christi. Ursache: " Das Wort, daß ich rede, ist nicht mein, sondern des Vaters Wort ". Nehmet ihr es nun an, so nehmt ihr den Vater an; glaubt ihr es, so glaubt ihr an den Vater.

16. Darum ist die Rechnung heute leicht zu machen. Der Mohammed, Türke, Papst und Juden rühmen viel von Gott, beten viel und wollen seine besten Diener sein. Aber das ist gewiß: Mohammed, Türke, Papst und Juden haben des Vaters gefehlt und wissen nichts von ihm; denn sie haben unseres Herrn Christi Wort nicht, welches doch nicht Christi, sondern des Vaters ist, in welchem er uns zusagt, wie wir durch ihn zur Vergebung der Sünden und ewigen Leben kommen sollen. Ja, sie verfolgen noch solche Lehre, und heißen uns Ketzer, die wir zu Christus, und nicht auf Verdienst und eigene Werke weisen.

17. Darum will der Herr mit diesen Worten seine Jünger warnen und lehren. Als wollte er sagen: Wollt ihr Gott hören, Gott bei euch haben und bei Gott sein, so dürfte ihr eure Augen und Ohren nicht anderswohin kehren, denn zu mir. Hört ihr nun mich, so hört ihr Gott; seht Ihr mich, so seht ihr Gott; denn es ist beschlossen, entweder durch mich Gott gehört und gesehen, oder Gott nie gehört noch erkannt. Da muß dann weiter folgen, daß wenn Christus ein freundliches Wort redet, daß die ganze Gottheit Ja dazu sage, ich geschweige, daß die Welt oder der Teufel könnte ein Nein daraus machen. Ursache ist diese: denn Christi Wort ist nicht sein Wort; es ist des Vaters Wort, wie er sagt: " die Worte, die ihr höret, sind nicht meine Worte, sondern das Vaters, der mich gesandt hat ".

18. Das ist doch so ganz einfältig geredet, daß man es nicht wiederholen braucht. Darum wenn weltweise Leute über solche Worte reden, denken Sie, es sind schläfrige Worte; denn von solchen Sachen, daran so viel gelegen, sollte man viel gewaltiger reden. Aber was für Leben und Trost in solchen schläfrigen, einfältigen Worten, wie die Vernunft urteilt, steckt, findet sich alsdann, wenn die rechten Züge angehen.

19. Darum läßt der Herr hier also es so stehen, und spricht:

Solches habe ich zu euch gesagt, weil ich bei euch gewesen bin; aber der Tröster, der Heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbe wirds euch alles lehren, und euch erinnern alles deß, daß ich euch gesagt habe.

Denn wo man gleich viel Worte davon macht: ist der Heilige Geist nicht dabei, so versteht man es doch nicht.

20. Was weiter in diesem Evangelium folgt, ist der Beschluß dieser ganzen Trostpredigt, die der Herr in diesem Kapitel seinen Jüngern über Tisch getan hat, daß sie fröhlich und guter Dinge sein sollen, und sich über seinen schmählichen Tod nicht ärgern noch bekümmern; denn es sollen ihnen zum Besten sein.

21. Darum wollen wir es jetzt bei dieser Lehre bleiben lassen, welche der Herr in dem heutigen Stück besonders handelt: das wir alsdann Gottes Wort halten, wenn wir den Herrn Christum lieb haben und durch keinerlei Gefahr uns von seinem Wort abwenden lassen. Und das solches der einzige Weg ist, durch welchen wir dazu kommen, daß uns Gott lieb habe, uns sich zu uns nahe, daß er seine Wohnung bei uns mache. Auf solchem Wege soll man bleiben. Wer aber einen anderen Weg zu Gott sucht oder sich vornimmt, anders als dieser, daß er Christum liebt, der verfehlt den Vater, und kommt nie zu ihm; er tut und leide, was er wolle, so ist es doch alles umsonst, und verloren.

22. Weil denn unser lieber Herr Christus spricht: Die Worte, die er rede, sind nicht sein, sondern das Vaters, soll jedermann sich hüten und vorsehen, daß er sonst kein Wort noch Lehre annehme, denn durch dieses einigen Mannes Mund geht; alsdann triffst du unseren Herrn Gott gewiß, und kannst sein nicht verfehlen.

23. Aber es geht jetzt, wie im Alten Testament mit den Juden es auch ging: die hatten den Gnadenstuhl in der Hütte des Stifts, da sie beten und gewisse Erhörung erwarten sollten, und sonst nirgends. Aber was hatten sie zu schaffen? Da sie Gott hinwies, da wollten sie nicht hin, sondern er wählten andere Orte, wie es ihnen gefiel. Eben also geht es jetzt auch. Christus spricht: Wollt ihr Gott finden, und dahin kommen, daß er euch liebe; so findet euch her zu mir, liebet mich und nehmet mein Wort an. Was tut aber der Papst, die Widertäufer, die Juden, Türken und dergleichen? Sie lassen Christum und sein Wort fahren, und gehen darüber mit Menschensatzungen um: der Papst hält auf seine Messe, Gelübte, ehelos Leben; ein Widertäufer hält auf seine äußerliche Zucht, daß er einen grauen Rock, und kein Messer trägt; die Juden und die Türken haben auch ihr Besonderes.

24. Davor aber laßt uns ja fleißig hüten, und hierher zu Christo und seinem Wort uns allein halten. Denn da steht Gottes Befehl: " Den sollt ihr hören ". Und Christus spricht hier: " Die Worte, die ich rede, sind meines Vaters ". Darum ist es unmöglich, der Christum nicht allein liebt und hört, daß derselbe Gott hören oder zu seiner Liebe kommen können. Derselbige gnädige Vater verleihe uns solche Gnade auch, das wir Christum lieben, und an seinem Worte bleiben, und dasselbe durch seinen Heiligen Geist halten, und also ewig mögen selig werden, Amen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 19.06.2011 08:16

Am Sonntag Trinitatis


Johannes 3,1-15.



1. Dieses ist ein sehr schönes Evangelium, in welchen wir sehen, was der richtige Weg, der gewisse Weg zum ewigen Leben ist. Es scheint aber, daß man dieses Evangelium auf diesen heiligen Tag der Dreieinigkeit billigt, daß so fein der Unterschied der Personen angezeigt ist, in dem höchsten und größten Werk das Gott mit uns armen Menschen handelt, daß er uns von Sünden frei, gerecht und selig macht. Denn hier steht vom Vater, daß er die Welt geliebt und ihr seinen eingeborenen Sohn geschenkt hat. Das sind die zwei unterschiedlichen Personen, Vater und Sohn, eine jegliche mit ihren besonderen Werk. Der Vater liebt die Welt und schenkt ihr den Sohn; der Sohn läßt sich der Welt schenken, und, wie Christus hier sagt, läßt er sich wie die Schlange in der Wüste am Kreuz erhöhen, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Zu solchem Werk kommt danach die dritte Person, der Heilige Geist, welcher durch das Wasser der seligen Taufe den Glauben im Herzen anzündet, und uns also eine Wiedergeburt zum Reiche Gottes schenkt.

2. Dieses ist eine sehr tröstliche Predigt, die uns ein fröhliches Herz gegen Gott machen; darin wir sehen, daß alle drei Personen, die ganze Gottheit, sich dahin wendet und damit umgeht, daß den armen, elenden Menschen wider die Sünde, dem Tod und Teufel zur Gerechtigkeit, ewigem Leben und dem Reich Gottes geholfen werde. Wie können wir denn vor Gott unserer Sünden wegen uns fürchten? Wie können wir ein böses Herz zu dem haben? Wenn er uns unserer Sünde willen verdammen wollte, wie wir immer wieder uns sorgen, besonders wenn das Stündlein kommt: so würde der Vater seinen eingeborenen Sohn nicht gegeben haben, Vater und Sohn würden uns nicht zum Bad der Wiedergeburt und unter das Heiligen Geistes Flügel gefördert haben. Also ist dieser Artikel von der Dreieinigkeit auf das schönste und freundlichste hier angezeigt. Aber davon ist in der nächsten Predigt noch genug gehandelt, wollen deswegen jetzt das Evangelium von Stück zu Stück vor uns nehmen, in welchem wir hören, wie der Herr mit Nikodemus, dem Schriftgelehrten, eine lange Diskussion hat, in welcher der alte gute Mann sich ganz und gar nicht zurecht finden dann. Wir müssen zu erst erkennen, was dem Nikodemus gehindert hat, daß er gar nicht weiß, was der Herr redet und haben will.

3. Eine gute Sache ist es, daß Nikodemus dem Herrn nachgeht, und weil er öffentlich nicht darf, geschieht dieses zur Nacht. So sehen wir an seinen Worten auch, daß er es mit dem Herrn Jesus Christus nicht übel meint, sondern sehr viel von ihm hält, ihn hält für einen besonderen Prediger, welchen Gott in die Welt gesendet und seine Lehre mit herrlichen Wunderwerken bestätigt. Solche Worte redet er nicht aus einem falschen Herzen, wie die Pharisäer, Matthäus 22,16: " Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht. " Nein, wie es Nikodemus redet, so meint er es auch in seinem Herzen, daß unser lieber Herr Jesus Christus muß ein besonderer und teurer Lehrer sein, weil Gott mit so trefflichen Wunderzeichen seine Lehre bestätigt.

4. Dieser Gedanke gefällt unseren Heiland wohl. Darum, weil Nikodemus ihn für den höchsten Lehrer rühmt: also will er ihm jetzt dafür die höchste Predigt halten, vor dem höchsten und größten Werk, wo man von predigen kann, nämlich, wie man das Reich Gottes sehen könne, das ist, wie man könne von Sünden los werden, zu Gottes Reich kommen und das ewige Leben erlangen. Denn dieses ist die Predigt, welcher allein der Sohn Gottes vom Himmel zu uns auf Erden gebracht hat, wie Johannes sagte: " der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat es verkündigt ".

5. Das ist wahr, daß alle Welt je und je sich damit bekümmert, und sich besondere Weisen und Wege gemacht und ausgedacht hat, selig zu werden. Denn Nikodemus selbst kommt mit den Gedanken, er wisse, Gott Lob! Auch ohne Cristum, wie er solle und könne selig werden. Meint, weil er ein Jude ist und das Gesetz hat, habe er den Vorteil, er könne wissen, was er tun soll, wie er Gott zu Gefallen leben und den besten Gehorsam erzeigen. An diesem meint er, hat er genug, denkt nicht, daß es eine ganz anderer Meinung hat, wie er jetzt von Christus hören wird. Wie wir auch an den Katholiken sehen. Wenn ein Mönch es soweit bringt, daß er seinem Orden oder Kloster genug bringt, so denkt er, er säße schon bei Gott im Schoß, wie der Pharisäer in Lukas 18. Kapitel, der sein Fasten, Zehnten geben und andere gute Werke rühmt. In der Summe, die Menschenherzen sind so gestaltet. Wenn sie sich fürchten und entsetzen, wenn sie ihre Sünde fühlen: also trauen und hoffen sie, sie sind mit Gott wohl dran, wenn sie äußerlich fromm, und keine bösen Taten haben, wodurch ihr Gewissen erschreckt und zaghaft wird. Darum nimmt sich einer dies, jener ein anderes vor, jeder wie es ihn am besten gefällt, womit er meint vor Gott bestehen zu können. Der Jude hat seinen Mose, ein Mönch sein Kloster. Wir sind alle in dem Wahn, wenn wir die Zehn Gebote halten, so hätten wir keine Not vor Gott. So denkt Nikodemus auch. Aber weil er Christus für einen hohen, besonderen Prediger hält, will Christus sich also gegen ihn beweisen und gibt ihm diesen Unterricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß jemand von neuem geboren werden, kann er das Reich Gottes nicht sehen.

6. Nun, hier steht der Handel mit klaren, runden Worten, und Christus läßt sich hier hören als ein besonderer Lehrer; denn so etwas hat Nikodemus zuvor nicht gehört, darum versteht er es auch nicht. Dieses aber versteht er wohl, daß er noch nicht wiedergeborenen ist. Wie er aber zur Wiedergeburt kommen soll, davon weiß er nichts.

7. Da denke nun du auch drüber nach, was doch unser Heiland mit diesem Spruch will. Denn so man das Reich Gottes nicht sehen kann, man sei erst wieder geboren: daraus folgt ja, daß wir, geboren sind, mit Vernunft, freien Willen, mit dem Gesetz und allen guten Übungen, welche beides die Vernunft und der Wille kann erfüllen, müssen verdammt sein; dieses alles hilft nicht zum Reiche Gottes. Was ist aber das für ein jämmerlicher Handel, daß man die Leute von dieser Wiedergeburt nichts lehrt, sondern zeigt ihnen bloß, wie der Papst tut, auf eigene Werke, daß sie dadurch selig werden sollen? Wie reimt sich diese Lehre mit Christus hier? Sie sprechen: gute Werke machen selig. Christus spricht: bist du nicht wiedergeboren, so wirst du nicht selig.

8. Nun ist es aber wahr und kann man nicht leugnen, daß ein Mensch selbst und aus eigenen Kräften, wie man an den Heiden sieht, die sich zur Zucht, Ehrbarkeit und Tugend gewöhnen. Wie man sieht, daß nicht alle Menschen Mörder, Ehebrecher, Hurer, Diebe, Weinsäufer, Müßiggänger sind, sondern viel frommer, ehrbare Leute vor der Welt sind. Solches sind alles herrliche, schöne Tugenden und Werke, da zu man auch jedermann anhalten soll; denn Gott fordert dieses in den zehn Geboten. Aber das ist beschlossen, es können so viel gute Tugenden und gute Werke sein wie sie wollen, ist die Wiedergeburt nicht da, so gehört alles an Tugenden und Werken zum Teufel und in die Hölle. In den Himmel und in das Reich Gottes geht es dadurch nicht. Dieses sagt Christus selbst und es soll niemand daran zweifeln.

9. Die Vernunft aber ist gefangen, die Vernunft redet, Stehlen, Morden, Ehebrechen mißfällt Gott und er straft es, da muß man ja denken, daß, wenn man diese Sünden meidet es Gott wohl gefällt und er es belohnt, sonst spricht die Vernunft, müßte Gott ungerecht sein. Nun ist es wahr, es gefällt Gott wohl, solche und andere Sünde zu meiden und Gutes zu tun, dieses will er auch nicht unbelohnt lassen. Aber das Himmelreich sehen, da gehört etwas anderes und größeres zu, nämlich, daß man, wie hier steht, anders geboren werde. Darum ist Gott dem Pharisäer in Lukas 18., nicht darum Feind, daß er kein Räuber, kein Ehebrecher noch Ungerechter ist, wie andere Leute, daß er fastet und den zehnten gibt, solches läßt sich Gott wohl gefallen, wo nicht die schändliche Untugend daran hinge, daß er meinte, er würde dadurch in den Himmel kommen, meint auch er wäre viel besser als andere Sünder.

10. Darum ist es hier beschlossen: Vernunft ist ein edel, köstliches Ding, der Willen zum Guten ist auch sehr edel und ein köstliches Ding, daß Gesetz und die Zehn Gebote, ein feiner, ehrbarer Wandel sind alles herrliche, große Gaben, wofür man Gott danken soll: aber wenn man vom Reich Gottes sagt, wie man dazu kommen soll, da hilft weder Vernunft, Wille, Gesetz, oder andere gute Werke zu; allein das macht es, daß man von neuem geboren wird; anders kann man das Reich Gottes nicht sehen, sondern man muß mit Vernunft, freien Willen, Gesetz und zehn Geboten verdammt sein und bleiben.

11. Ja, sprichst du, so will ich besser gar nichts Gutes tun? Nein, das taugt auch nicht, und wird dir mit dieser Weise das Gericht Gottes nur noch schwerer werden. Darum tue beides, übe dich, die Zehn Gebote zu halten, und bekenne doch mit rechtem Ernst daneben, daß du ein armer Sünder bist, der wegen seines Tuns wegen ewig müßte verdammt sein. Danach höre unserem Heiland Christo weiter zu, wie er wiederum tröstet, nachdem er, unserer ersten Geburt wegen, uns die Seligkeit so einfach abgesagt hat.

12. Nikodemus fühlt das harte Urteil sehr wohl, er denkt sich, was doch die Wiedergeburt sei, und merkt, daß er in leiblicher Weise nicht noch einmal wieder geboren werden kann von Vater und Mutter, fragt deshalb, wie so etwas zugehen soll? Denn daraus kann ja nichts werden, spricht er, daß ich noch einmal in meiner Mutter Leib kriechen und auf ein neues sollte geboren werden. Mit solcher Frage bringt er unseren Heiland dahin, daß er lehrt, wie die Wiedergeburt zugehen muß, und spricht:

wahrlich, wahrlich, die sage dir, es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist.

13. Hier spricht unser Heiland ein Urteil gegen die erste Geburt, daß diese fleischlich und voller Sünden ist, und zum Reich Gottes nicht gehört. Als wollte er sagen: du fragst, ob du von deiner Mutter anders geboren werden müßtest. Wenn du tausendmal anders von deiner Mutter geboren würdest, so wärest du und bliebest der alte Nikodemus. Von Fleisch kann nichts denn Fleisch geboren werden. Darum gehört zu dieser Wiedergeburt nicht Vater und Mutter, wie beide Fleisch und voll Sünden sind; sondern es gehört dazu Wasser und Geist. Wer also wieder geboren ist, der ist ein neuer Mensch und wird in das Reich Gottes kommen.

14. Dieses werde ohne Zweifel den Nikodemus ein sehr lächerlicher Handel gewesen sein, er wird gedacht haben: nun, soll es mein Vernunft und Wille, und auch das Gesetz und Mosel nicht können, und das Wasser vermag es: was ist dies für eine Meinung? Hier wird der gute Mann so irre, daß er nicht weiß, was er sagen soll, wohl muß frei bekennen, daß er kein Wort versteht, obwohl er Mose und die Zehn Gebote sehr gut versteht, deswegen meint er auch er sei ein großer Lehrer.

15. Laßt uns nun die Worte fleißig merken und den Handel gut zusammen fassen. Beschlossen ist es, gute Werke sollen wir tun, und uns im Gehorsam des Gesetzes üben; aber dadurch sehen wir das Reich Gottes nicht. Wollen wir es aber sehen, so müssen nicht unsere Werke, sondern es muß ein anderer und neuer Mensch werden. Dieses geschieht nicht durch die leibliche Geburt, sondern durch Wasser und Geist; dieses sind die rechten Vater und Mutter zu dieser neuen Frucht

16. Das Wasser nun ist anderes nichts, als die heilige Taufe. Denn also spricht Christus, Markus im 16. Kapitel, Vers 16: " wer glaubt und getauft wird, der wird selig ". Nun aber hat das Wasser solche reine Kraft nicht von Natur aus. Denn Wasser ist Wasser, das ist, ein Element und Kreatur, die für sich selbst das Herz nicht rühren und nicht ändern kann, oder die Sünden ab waschen kann. Kleider, und was Unflath an der Haut ist, kann man mit Wasser reinigen und säubern; aber die Seele läßt sich durch Wasser nicht rühren noch reinigen. Das Wasser aber, wovon der Herr hier spricht und wir dazu Taufwasser sagen, ist nicht ein bloßes, natürliches Wasser; sondern es ist ein Wasser, da Gottes Worte, Befehl und Verheißung drin ist. Da kommen zwei Dinge zusammen, Wasser und Wort, und werden so ineinander gefügt, daß man keines vom anderen Abschneiden kann. Tust du das Wort vom Wasser, so hast du keine Taufe; tust du das Wasser vom Wort, so hast du auch keine Taufe. Wenn aber Wasser und Worte zusammen bleiben, da ist dann ein solches Wasser, in welchem der heilige Geist ist, und durch dasselbe wirst du zum Reich Gottes wieder geboren, das ist, dir deine Sünde vergeben und dich selig machen will.

17. Darum sollen wir diesen Spruch fleißig merken, hauptsächlich gegen das blinde Volk der Widertäufer, welche die Kindertaufe für untüchtig und unfruchtbar achten. Aber wie kann diese Taufe untüchtig sein, so du hier hörst, daß Christus das Wasser dazu eingesetzt, daß es zur Wiedergeburt durch die Mitwirkung des Heiligen Geistes helfen soll? So nun die Kinder bedürfen, daß sie wieder geboren werden, und sonst das Reich Gottes nicht sehen können: warum wollte man doch ihnen die Taufe verweigern? Oder es dafür halten, als sollte solches Wasser, so in Gottes Worte gefaßt und mit Gottes Wort verbunden ist, ihnen zur Wiedergeburt nicht hilfreich sein? Ist es nicht wahr, daß die Worte Christi uns dahin dringen, wer wieder geboren werden will, der muß durch das Wasser wieder geboren werden? Also, obwohl das Wasser ohne den Heiligen Geist nichts schafft, so will dennoch der heilige Geist seine Wirkung ohne daß Wasser in uns nicht haben.

18. Deswegen ist es ein schrecklicher großer Irrtum, daß an etlichen Orten etliche Prediger die Kinder ohne Wasser getauft haben. Denn soll die Taufe richtig sein und der Mensch zur Wiedergeburt kommen, so muß nicht allein Wort, nicht allein Geist, sondern auch Wasser dabei sein. Denn so hat es Christus hier geordnet, und diese Ordnung soll niemand brechen.

19. Das Wassertaufen sieht man mit den Augen, aber die Wirkung der Wiedergeburt, welche der Heilige Geist durch solches taufen im Herzen anrichtet, sieht man nicht. Auf das man aber um solcher heimlicher, unsichtbarer Wirkung Willen des Heiligen Geistes das äußerliche, schlechte, unansehnliche Wassertaufen nicht verachte, darum spricht der Herr zu Nikodemus weiter:

Laß dichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: ihr müßt von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein sausen wohl; aber du weißt nicht, von wo er kommt, und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.

20. Dieses sind sehr einfältige Worte, wie auch das Werk einfältig und schlecht ist. Denn es hat kein besonderes Ansehen bei unserer Vernunft. Daß man ein Kind, oder einen alten Menschen herbringt, und bekennt, es liege wegen der Sünden unter des Teufels Banden, und kann sich selbst davon nicht freimachen, und soll doch in solcher hoher, großer Not mehr nicht tun, denn das man im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ein wenig ins Wasser tauche oder mit Wasser begieße. Aber, spricht Christus, verachte ja niemand um solches schlechten Aussehens willen dieses Werk. Denn der Heilige Geist führt sein Werk heimlich; da gehört der Glaube zu, der die Worte faßt, und nicht daran zweifelt, es sei also, wie die Worte hier lauten. Denn mit den Augen wirst du es nie sehen, verstehen noch fassen können. Eben wie es mit dem Wind auch ist: den Wind hörst du sausen; aber das durch ihn so solltest fassen, daß du sagen könntest: hier fängt er an, da hört er auf, das ist nicht möglich. Also geht es hier auch zu. Das äußerliche Werk mit dem Wasser sieht man, und hört die Worte klingen oder sausen, daß es geschehe im Namen Jesu, zur Abwaschung der Sünden. Wer an das Wort sich nicht halten, und den Geist und seine Wirkung anders fassen oder suchen will, der wird fehlen. Denn soll er aus dem Geist geboren werden, so gehört mehr nicht dazu, denn das er sich taufen läßt mit Wasser, und auf das sausen (das ist, auf das Wort) merke auf dasselbe und mit Glauben annehme; so wird er zu dem Reich Gottes wieder geboren, und durch nichts anderes.

21. Wo sind nun die läßterlichen Rotten und Schwärmer, die mehr nicht können, denn vom Geist schreien und rühmen? Aber das ist der böse Geist, der Teufel selbst, der sie leibhaftig besessen hat, weil sie Taufe, Sakrament, Wort, die uns Christus selbst teuer erworben hat, als unnötige, unnütze Dinge zur Seligkeit, verworfen haben. Gott Strafe den Lästergeist. (Rotten und Schwärmer sind die Wiedertäufer) Also lehrt aber Christus hier nicht, sondern weißt uns auf die heilige Taufe und sausen, das ist, auf das Wort; und warnt, wo wir uns am Wasser und sausen nicht genügen lassen können so werden wir nichts vom Heiligen Geist behalten und nie zu einer neuen Geburt kommen. Deswegen laßt uns unsere Taufe und das Wort als unseren höchsten Schatz befohlen sein, da wir gewiß wissen, wenn wir dabei bleiben, daß wir zum Reich Gottes wieder geboren sind.

22. Das ist nun die Lehre, wie man zur Wiedergeburt, das ist, zum Reich Gottes, kommen soll; eine neue, unerhörte Predigt in der Welt, aber die allein gewiß und richtig ist, und uns nicht belügt. Dagegen sind aber alle anderen Lehren falsch und belügen uns, sie haben vor der Welt einen großen Schein. Es hatte auch das Leben der Pharisäer und das Judentum, sowie das ganze Papsttum mit den Mönchen, dieses ist auch ein besonderer Schmuck und großer Schein, wenn Menschen sich fein züchtig, ehrbar und nach den zehn Geboten halten: aber durch dieses alles wird man nicht wieder geboren. Allein das Wasser und der Geist muß es tun, welcher doch sich nicht anders sehen oder merken lassen will, denn wie der Wind durch sein Sausen. Wer das Sausen annimmt, das ist, wer dem Wort glaubt und getauft wird, der ist wieder geboren und wird selig.

23. Aber Nikodemus steckt so tief in seinen Gedanken vom Gesetz und von guten Werken, daß er diese Predigt nicht fassen und verstehen kann. Wie wir ja bei den Katholiken auch sehen, die es richtig meinen und auch nicht böse sind, aber das liegt ihnen im Wege, daß sie denken, soll unser Tun denn nichts sein? Soll es den Gott nicht gefallen, daß wir so viel beten, fasten, Tag und Nacht ihm dienen, so ein strenges Leben führen? Darum fährt Christus den Nikodemus auch härter an, daß er unseren Heiland nicht glauben und auch nicht weisen lassen will, so spricht er:.

Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht?

24. Als wollte er sagen: du bist ein Meister im Volk Gottes, daß du lehren und ihm den Weg zur Seligkeit zeigen sollst. Ach deines lehrens und Wegweisens! Du bist nicht einmal so weit gekommen, daß du deine eigene Natur und dein eigenes Wesen gerecht erkennen kannst, dazu noch in den Gedanken stehst, du würdest denn in den Himmel kommen, auch wenn du nicht von neuen geboren bist. Damit verwirft unser Heiland den Nikodemus und alle Prediger, die nicht mehr als von Gesetz und guten Werken predigen können, als irrige und verführerische Prediger: nicht darum, als sollte es nicht richtig sein gute Werke zu lehren und die Leute dazu vermahnen; denn dieses tut Gott selbst durch sein Gesetz, darum ist es recht und gut getan, aber das ist Unrecht, daß man die Leute bei dieser Lehre läßt, als wenn man nicht mehr zum ewigen Leben braucht. Denn hier steht es klar, wenn man Gesetz und Werke aufs beste befolgt, so können Sie doch zum Reich Gottes nicht helfen, das sei denn, daß man wieder geboren wird durch Wasser und Geist.

25. Der Geist nun ist es, der durch das Wasser und Wort anderen Menschen und neue Herzen macht. Das Gesetz und die Werke ändern an den Menschen und an den Herzen nichts. Deswegen, wer die Leute zum Himmelreich richtig unterweisen will, der höre was der Heiland hier sagt, fange es nicht mit Werken und Gesetz an, welche das alte Herz nicht ändern, sondern weise die Menschen zur Taufe und Geist, das ist, zum Wort, dadurch der heilige Geist die Herzen anweht und neu gebiert. Denn eben wie wir von dem Winde mehr nicht erkennen und wissen, als das Sausen: also haben wir vom Heiligen Geist auch nicht mehr denn als das Wort; da mögen wir uns dran halten, und des Heiligen Geistes und seiner Wirkung warten. Was nun solches Wort sei, und wieder Heilige Geist sause, lehrt der Herr Christus weiter, und spricht:

Niemand fährt in den Himmel, denn der vom Himmel herunter gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist.

26. Hier geht die Predigt an, da der Herr von sagt: " Glaubt Ihr mir nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie werdet Ihr mir glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde "? Denn diese Predigt ist nie in eines Menschen Herz gekommen, sondern der eingeborene Sohn,der in des Vaters Schoß ist, hat es uns verkündigt. Nun hat solche Predigt zwei Teile. Der erste Teil ist sehr hart und trefflich; denn da ist kurz beschlossen: ". Niemand fährt in den Himmel, denn der hernieder gekommen ist ".

27. Das ist genauso als wenn gesagt ist, wie oben: ". Es sei denn, daß jemand wieder geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen ".; das ist, kein Mensch kann zur Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Seligkeit und ewigem Leben kommen durch das Gesetz, Gute Werke, Vernunft noch freien Willen; ja wenn gleich das Gesetz, gute Werke, Vernunft und freier Wille auf das beste ist, hilft es doch nicht, wir sind und bleiben arme, verdammte Sünder, und können in den Himmel nicht kommen. Dieses ist ein heller und klarer Spruch, der den Juden und Katholiken, wo sie es glaubten, alles Vertrauen auf eigene Werke und Frömmigkeit nehmen sollte. Denn, sage mir, welcher Mensch ist vom Himmel gekommen? Keiner, Adam und Eva selbst nicht; der eingeborene Sohn Gottes von der Jungfrau Maria ist es, wie Johannes hier sagt. So denn nun niemand in den Himmel fahren soll, denn der vom Himmel heruntergekommen ist, so ist es fest beschlossen, und wird nie ein Mensch es anders machen können. Alle Menschen, wie sie von Vater und Mutter auf diese Welt geboren sind, müssen unten bleiben, und werden in den Himmel so nicht kommen, kommen sie aber in den Himmel nicht, wo werden sie denn bleiben? Auf Erden haben sie auch keine gewisse, beständige Herberge, denn sie müssen sterben. Wenn sie aber nicht in den Himmel kommen, so müssen sie im Tode bleiben. Dieses ist das Urteil, welches Christus über die ganze Welt fällt, niemand ausgenommen, es sei Adam, Eva, Abraham, Mose, David, alle müssen sie hier unten bleiben und können von sich selbst nicht in den Himmel kommen. Denn der allein fährt in den Himmel, der vom Himmel herunter gekommen ist. Wo bleiben denn nun die guten Werke, Verdienst, Gesetz, freier Wille? Alles dieses gehörte in die Hölle, und hilft uns nicht in den Himmel, das ist gewiß.

28. Ja, sprichst du, sollen denn alle Menschen verdammt sein und verloren werden? Ja, ihretwegen ist es unmöglich, daß es könnte anders sein, sie tun und lassen, was sie immer wollen oder können, sie werden doch keinen Weg oder ein Loch in den Himmel machen. Ein einziger Weg aber ist es, den wir nicht machen, sondern der Sohn Gottes. Davon predigt Christus weiter, und sagt:

Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden. Auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

29. Dieses ist der andere Teil von dieser himmlischen Predigt, und das rechte sausen des Heiligen Geistes; und es ist ja so tröstlich, wie der erste Teil schrecklich ist. Denn ein schreckliches Urteil ist es, daß niemand in den Himmel fahren und selig werden soll. Es dient aber solches schreckliches Urteil dazu, daß der Herr damit zeigen will, wie unsere erste Geburt sündhaft ist, und nichts an uns ist, dessen wir des ewigen Lebens wert sind, auf das wir nicht allein sicher, noch hoffärtig werden, sondern in uns schlagen, uns vor Gott demütigen und Gnade begehren. Da geht dann der richtige Trost an, daß, eben wie du vorher gehört hast, kein Mensch in den Himmel kommt: also hörst du hier, daß alle, die da glauben an Jesus Christus, die sollen nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Das ist nun das liebliche Sausen, wo man den Heiligen Geist spüren und fassen kann.

30. Denn da müssen beide Predigten in der Christenheit gesprochen werden. Die erste, von der Sünde und unserer verdorbenen Art und Natur, daß wir unseres Werkes, Lebens, tun und Lassens wegen ganz verzagt sein müssen, daß wir merken, so kommen wir nicht in den Himmel. Wo nun die Herzen durch solche Predigt richtig getroffen und erschreckt sind, da muß auch der Trost folgen, wie Jesus Christus, der Sohn Gottes, vom Himmel herunter auf die Erde gekommen, unser Fleisch und Blut an sich genommen, und den Tod unserer Sünde erlitten hat, auf das wir dadurch von den Sünden frei und wieder zum Erbe des ewigen Lebens gebracht werden sollen. Wer diese Predigt annimmt, daß er es fürwahr hält und sich tröstet, der ist genesen, daß ihn Christus nicht hier unten auf Erden und im Tode lassen, sondern will ihn mit sich hinauf in den Himmel führen.

31. Dieses ist die Predigt von himmlischen Dingen, diese will aber auch heute nicht in die Leute, und besonders nicht in den Nikodemus, das ist, wenn die, so mit den Gedanken kommen, wenn man das Gesetz halte, so bedarf man weiter zur Seligkeit nichts mehr. Denn diese sind es, die erstlich nicht wissen, obgleich das Gesetz recht und gut ist, daß es doch uns darum nicht helfen und nützen kann, weil wir von Natur böse sind, und um solcher angeborenen mitgebrachten Bosheit wegen dem Gesetz nicht genug können tun, ob wir auch gleich in dem Schein der äußerliche Werke etwas tun. Zum anderen wissen sie das viel weniger, daß wir durch diesen Menschen, den Sohn Marias, der allein vom Himmel gekommen ist, in den Himmel kommen werden. Hieraus wächst ein anderer sehr großer Schaden, daß sie nicht allein sich auf Werke und eigene Gerechtigkeit verlassen, sondern sie verachten und verfolgen die Gerechtigkeit, die da kommt aus dem Glauben an Jesum Cristum. Wie wir an den Katholiken sehen, die nichts weniger dulden können, ja gegen nichts heftiger streiten, denn daß wir lehren, wir müssen allein durch den Glauben an Jesus Cristum selig werden, mit guten Werken werden wir es nicht ausrichten. Das haben wir nicht erdacht; Christus, unseren Herrn, reden wir das nach, der die Wahrheit selbst ist. Wer diesem nicht glauben will, der lasse es.

32. Im vierten Buch Mose, 21. Kapitel, steht eine solche Geschichte, daß das Volk Israels in der Wüste verdrossen geworden war und gegen Mose gemurrt, und besonders die herrliche Wohltat, daß ihnen Gott in der Wüste ein Himmelsbrot gegeben hat, verachtet haben. Solche Sünde straft Gott also, daß er giftige Schlangen kommen ließ, die bissen die Israeliten. Von diesem Biß entzündete sich der Leib, und brannte wie das höllische Feuer das sie umfielen und viele davon sterben mußten. Da erkannten sie ihre Sünde, daß sie unrecht getan hatten, und gingen zu Mose, und baten, Mose soll den Herrn bitten, daß er ihnen von der Plage der Schlangen helfen soll. Der Herr befahl Mose, er sollte eine eherne Schlange machen und sie in der Wüste aufrichten, wer dann auf die eherne Schlange sieht, der soll gesund werden und nicht sterben.

33. Diese Geschichte führt der Herr hier ein und zieht sie auf sich, daß er auch also müsse erhöht werden, wie die Schlange. Wer dann das Ansehen, das ist, wie er selbst auslegt, an ihn glauben wird, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

34. Hier laßt uns zum ersten die Ursache des schrecklichen Urteils, daß der Herr vorher zweimal über alle Menschen gefällt hat, da er spricht: niemand fahre in den Himmel, denn des Menschen Sohn, der vom Himmel herunter gekommen ist, also: es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, könne er das Himmelreich nicht sehen. Wo kommt nun dem Menschen dieser Jammer her, daß er nicht so in den Himmel kommen und bleiben kann, so wie er von erster Geburt ist, auf ewig verloren ist? Nirgendwo anders woher, denn daß die alte Schlange, der Teufel, den ersten Menschen so gebissen und durch die Sünde so vergiftet hat, daß er den Tod am Halse hat, und ist unmöglich, daß er sich selbst eine Arznei geben oder sich selbst helfen könnte. Wie man an den Juden sieht, was gebissen war, war des Todes, es gab keine Arznei. Also ist es mit uns allen. Denn der Sünden Sold ist der Tod, und wo Sünde ist, da muß der Tod auch folgen. Weil nun alle Menschen in der ersten Geburt von Vater und Mutter als Sünder geboren werden, müssen sie auch das Urteil tragen und den Tod darum leiden. Wie der Herr dem Adam und Eva mit ausdrücklichen in Worten droht: ". Welchen Tag ihr von diesem Baum essen werdet, sollt ihr des Todes sterben ".

35. Aber da läßt Gott seine Barmherzigkeit leuchten, daß er solche arme, vergiftete und zum Tode verurteilte Menschen nicht verderben will, und eben, wie er dort heißt eine eherne Schlange aufrichten, die den anderen Schlangen gleich aussah, aber daß sie kein Gift hatte und wieder dem Gift helfen sollte, also läßt er seinen Sohn erhöhen am Stamm des Kreuzes, auf das alle, die ihn Ansehen, nicht verloren, sondern vom Tode heil werden und das ewige Leben haben sollen. Unser Heiland führt am Kreuz auch die Gestalt der giftigen Schlange, aber er ist kein Gift, sondern nur das bloße Ansehen. Denn Christus, ob er wohl unser Fleisch und Blut angenommen hat, so ist es doch ein Fleisch und Blut ohne Gift und Sünde, ja, es dient dazu, daß uns von den Gift und den Sünden geholfen wird.

36. Dieses ist das richtige sausen des Heiligen Geistes, dadurch Christus die neue Geburt im Herzen anrichtet, daß man glaube, und solche eherne Schlange mit gewisser Zuversicht Ansehen und gesund werde. Aber es wird bei den Juden nicht anders gegangen sein, einige werden es verachtet und gesagt haben, meinst du, daß dieser Anblick helfen wird? Ich glaube, wenn man diese oder einer andere Arznei hätte, was aber soll die eherne Schlange für eine Kraft haben? Oder, so eine Kraft bei ihr wäre, wie soll solche Kraft wirken, wenn man die Schlange anfassen und aufs Maul drücken, aber das nur durch das Ansehen uns soll geholfen werden?

37. So geht es noch heutigen Tages mit der rechten ehernen Schlange, unseren Heiland Jesus Christus. Alle Menschen denken, soll ihnen geholfen werden, so kann es das bloße Ansehen oder der Glaube nicht tun. Wer gute Werke tut und sich nicht versündigt, der müßte bei Gott mehr Vorteile haben. Darum predige man, es hilft doch nicht. Dieser nimmt sich dieses vor, ein anderer etwas anderes, denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Sie wollen einen anderen Weg zu der Gesundheit finden, denn das Ansehen, das ist, den Glauben an Jesu Christus. Aber du lerne:. Beschlossen ist es, der Teufel hat dich durch die Sünde so vergiftet,daß du den ewigen Tod am Halse hast; da kannst du nicht weglaufen, sondern mußt schlecht herhalten. Soll dir aber von solchem Gift und dem Tod geholfen werden, so denke du an keine andere Arznei, denn nur an diesen Anblick, daß du den erhöhten Christus am Kreuz mit rechten Augen ansiehst, daß er für dich gestorben, sein Leben geopfert, mit seinem Tode für deine Sünde bezahlt, und dich also mit Gott versöhnt hat. Glaubst du das und bist getauft, so bist du richtig wiedergeboren durch den Heiligen Geist zum Reich Gottes, da sollst du nicht dran zweifeln. Denn das hast du oben gehört, daß diese Wiedergeburt so zugeht, daß es auch kein anderes Mittel gibt denn nur das Sausen, das ist, an das Wort muß man sich halten, und Glauben, wie es Christus uns vorsagt, daß es also wahr und Amen sei.

38. Also haben wir auf das einfältigste die Lehre des heutigen Evangeliums: daß wir Menschen von Natur Sünder und des ewigen Todes würdig sind. Aber dadurch sollen wir vom ewigen Tod erlöst werden, wenn wir den Menschen Cristum Jesum am Kreuz ansehen, daß er für uns da bezahlt, den Tod erwürgt, und uns mit Gott versöhnt und zum ewigen Leben gebracht hat.

39. Diese Lehre ist es, die andere Menschen und ganze neue Herzen macht, daß wir in Sünden, im Tod und anderen Anfechtung sagen können. " Es ist wahr, die alte Schlange, der Teufel, hat mich übel gebissen und schrecklich vergiftet, aber dagegen tröste ich mich, daß ich weiß, wenn auch mein Herr Jesus Christus seiner Menschheit wegen auch das Ansehen hat, er sei voller Gift wie eine andere Schlange, so hat er doch kein Gift an sich, sondern darum am Kreuz hängt, daß er mich von meinem Gift reinigen, und mir helfen will gegen meine Sünden, Tod und Teufel . Deswegen laß nur den Teufel getrost kommen, laß den Teufel mich fressen und mir alles Unglück anlegen, ich will mich an meinen Herrn und Heiland Jesus Christus halten, und mich dessen Trösten, daß er darum erhöht ist, auf das die, die an ihn Glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

40. Wo also dieser Trost gegen das ewige Gift in Herzen ist, da wird auch weiter ein feines, freundliches Leben folgen gegen andere Leute. Wir können so etwas von unseren Herrn Jesus Christus erwarten, daß er uns gegen alles Unglück hilft, so sollen auch wir Hilfe erweisen wo wir können. Denn ein solcher Mensch sieht weit um sich, und ob ihm gleich von anderen Leuten Unrecht geschieht, so läßt er sich doch nicht zum Zorn reizen, sondern erbarmt sich über sie. Denn er sieht, daß solches nirgends anders herkommt, denn von dem Gift, welches wir alles durch den Biß des Teufels empfangen haben, sucht deswegen Mittel, wie er andere auch dahin bringen kann, daß sie zu dieser Arznei kommen und von den schädlichen Gift erlöst werden. Also ist diese Lehre der rechte Brunnen und Quelle, da alle Tugend, alle Trost, alle Freude und Sicherheit herkommt. Gott, der allmächtige, barmherzige Vater, möchte uns um seines lieben Sohnes Christi Willen in dieser Lehre erhalten und daß wir von Tag zu Tag darin wachsen, daß wir ja den Anblick nicht verlieren, und also durch rechten Glauben an Jesus Christus vom ewigen Tode erlöst werden, Amen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 26.06.2011 08:12

Am ersten Sonntag nach Trinitatis

Johannes 15


1. Dieses ist ein sehr schönes Evangelium, in welchen wir sehen, was der richtige Weg, der gewisse Weg zum ewigen Leben ist. Es scheint aber, daß man dieses Evangelium auf diesen heiligen Tag der Dreieinigkeit billigt, daß so fein der Unterschied der Personen angezeigt ist, in dem höchsten und größten Werk das Gott mit uns armen Menschen handelt, daß er uns von Sünden frei, die recht und selig macht. Denn hier steht vom Vater, daß er die Welt geliebt und ihr seinen eingeborenen Sohn geschenkt hat. Das sind die zwei unterschiedlichen Personen, Vater und Sohn, eine jegliche mit ihren besonderen Werk. Der Vater liebt die Welt und schenkt ihr den Sohn; der Sohn läßt sich der Welt schenken, und, wie Christus hier sagt, läßt er sich wie die Schlange in der Wüste am Kreuz erhöhen, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Zu solchem Werk kommt danach die dritte Person, der heilige Geist, welcher durch das Wasser der seligen Taufe den Glauben im Herzen anzündet, wohl uns also eine Wiedergeburt zum Reiche Gottes schenkt.

2. Dieses ist eine sehr tröstliche Predigt, die uns ein fröhliches Herz gegen Gott machen; darin wir sehen, daß alle drei Personen, die ganze Gottheit, sich dahin wendet und damit umgeht, daß den armen, elenden Menschen wider die Sünde, dem Tod und Teufel zur Gerechtigkeit, ewigem Leben und dem Reich Gottes geholfen werde. Wie können wir denn vor Gott unserer Sünden wegen uns fürchten? Wie können wir ein böses Herz zudem haben? Wenn er uns unserer Sünde willen verdammen wollte, wie wir immer wieder uns sorgen, besonders wenn das Stündlein kommt: so würde der Vater seinen eingeborenen Sohn nicht gegeben haben, Vater und Sohn würden uns nicht zum Bad der Wiedergeburt und unter das Heiligen Geistes Flügel gefördert haben. Also ist dieser Artikel von der Dreieinigkeit auf das schönste und freundlichste hier angezeigt. Aber davon ist in der nächsten Predigt noch genug gehandelt, wollen deswegen jetzt das Evangelium von Stück zu Stück vor uns nehmen, in welchem wir hören, wie der Herr mit Nikodemus, dem Schriftgelehrten, eine lange Diskussion hat, in welcher der alte gute Mann sich ganz und gar nicht zurecht finden dann. Wir müssen zu erst erkennen, was dem Nikodemus gehindert hat, daß er gar nicht weiß, was der Herr redet und haben will.

3. Eine gute Sache ist es, daß Nikodemus dem Herrn nach geht, und weil er öffentlich nicht darf, geschieht dieses zur Nacht. So sehen wir an seinen Worten auch, daß er es mit dem Herrn Jesus Christus nicht übel meint, sondern sehr viel von ihm hält, ihn hält für einen besonderen Prediger, welchen Gott in die Welt gesendet und seine Lehre mit herrlichen Wunderwerken bestätigt. Solche Worte redet er nicht aus einem falschen Herzen, wie die Pharisäer, Matthäus 22,16: " Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht du. " Nein, wie es Nikodemus redet, so meint er es auch in seinem Herzen, daß unser lieber Herr Jesus Christus muß ein besonderer und teurer Lehrer sein, weil Gott mit so trefflichen Wunderzeichen seine Lehre bestätigt.

4. Dieser Gedanke gefällt unseren Heiland wohl. Darum, weil Nikodemus ihn viel den höchsten Lehrer rühmt: also will er ihnen jetzt dafür die höchste Predigt halten, vor dem höchsten und größten Werk, wo man von predigen kann, nämlich, wie man das Reich Gottes sehen könne, das ist, wie man könne von Sünden los werden, zu Gottes Reich kommen und das ewige Leben erlangen. Denn dieses ist die Predigt, welcher allein der Sohn Gottes vom Himmel zu uns auf Erden gebracht hat, wie Johannes sagte: " der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hatten es verkündigt ".

5. Das ist wahr, daß alle Welt je und je sich damit bekümmert, und sich besonderer weisen und Wege gemacht und ausgedacht hat, selig zu werden. Denn Nikodemus selbst kommt mit den Gedanken, er wisse, Gott Lob! Auch ohne Cristum, wie er solle und könne selig werden. Meint, weil er ein Jude ist und das Gesetz hat, habe er den Vorteil, der könne wissen, was er tun soll, wenn er Gott zu gefallen leben und den besten Gehorsam erzeigen. An diesem meint er, hat der genug, denkt nicht, daß es eine ganz anderer Meinung hat, wie er jetzt von Christus hören wird. Wie wir auch an den Katholiken sehen. Wenn ein Mönch es soweit bringt, daß er seinem Orden oder Kloster genug bringt, so denkt er, er säße schon bei Gott im Schoß, wie der Pharisäer in Lukas 18. Kapitel, der sein Fasten, Zehnten geben und andere gute Werke rühmt. In der Summe, die Menschenherzen sind so gestaltet. Wenn sie sich fürchten und entsetzen, wenn sie ihre Sünde fühlen: also trauen und hoffen sie, sie sind mit Gott wohl dran, wenn sie äußerlich fromm, und keine bösen Taten haben, wo durch ihr Gewissen erschreckt und zaghaft wird. Darum nimmt sich einer dies, jener ein anderes vor, jeder wie es ihn am besten gefällt, womit er meint vor Gott bestehen zu können. Der Jude hat seinen Mose, ein Mönch sein Kloster. Wir sind alle in dem Wahn, wenn wir die Zehn Gebote halten, so hätten wir keine Not vor Gott. So denkt Nikodemus auch. Aber weil er Christus für einen hohen, besonderen Prediger hält, will Christus sich also gegen ihn beweisen und gibt ihm diesen Unterricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß jemand von neuem geboren werden, kann er das Reich Gottes nicht sehen.

6. Nun, hier steht der Handel mit klaren, runden Worten, und Christus läßt sich hier hören als ein besonderer Lehrer; denn so etwas hat Nikodemus zuvor nicht gehört, darum versteht er es auch nicht. Dieses aber versteht er wohl, daß er noch nicht wiedergeborenen ist. Wie er aber zur Wiedergeburt kommen soll, davon weiß er nichts.

7. Da denke nun du auch drüber nach, was doch unser Heiland mit diesem Spruch will. Denn so man das Reich Gottes nicht sehen kann, man sei erst wieder geboren: daraus folgt ja, daß wir, geboren sind, mit Vernunft, freien Willen, mit dem Gesetz und allen guten Übungen, welche beides die Vernunft und der Wille kann erfüllen, müssen verdammt sein; dieses alles hilft nicht zum Reiche Gottes. Was ist aber das für ein jämmerlicher Handel, daß man die Leute von dieser Wiedergeburt nichts lehrt, sondern zeigt ihnen bloß, wie der Papst tut, auf eigene Werke, daß sie dadurch selig werden sollen? Wie reimt sich diese Lehre mit Christus hier? Sie sprechen: gute Werke machen selig. Christus spricht: bist du nicht wieder geboren, so wirst du nicht selig.

8. Nun ist es aber wahr und kann man nicht leugnen, daß ein Mensch selbst und aus eigenen Kräften, wie man an den Heiden sieht, die sich zur Zucht, Ehrbarkeit und Tugend gewöhnen. Wie man sieht, daß nicht alle Menschen Mörder, Ehebrecher, Hurer, Diebe, Weinsäufer, Müßiggänger sind, sondern viel frommer, ehrbare Leute vor der Welt sind. Solches sind alles herrliche, schöne Tugenden und Werke, da zu man auch jedermann anhalten soll; denn Gott fordert dieses in den zehn Geboten. Aber das ist beschlossen, es können so viel gute Tugenden und gute Werke sein wie sie wollen, ist die Wiedergeburt nicht da, so gehört alles an Tugenden und Werken zum Teufel und in die Hölle. In den Himmel und in das Reich Gottes geht es dadurch nicht. Dieses sagt Christus selbst und es soll niemand daran zweifeln.

9. Die Vernunft aber ist gefangen, die Vernunft redet, Stehlen, Morden, Ehebrechen mißfällt Gott und er straft es, da muß man ja denken, daß, wenn man diese Sünden meidet es Gott wohl gefällt und er es belohnt, sonst spricht die Vernunft, müßte Gott ungerecht sein. Nun ist es wahr, es gefällt Gott wohl, solche und andere Sünde zu meiden und Gutes zu tun, dieses will er auch nicht unbelohnt lassen. Aber das Himmelreich sehen, da gehört etwas anderes und größeres zu, nämlich, daß man, wie hier steht, anders geboren werde. Darum ist Gott dem Pharisäer in Lukas 18., nicht darum Feind, daß er kein Räuber, kein Ehebrecher noch Ungerechter ist, wie andere Leute, daß der fastet und den zehnten gibt, solches läßt sich Gott wohl gefallen, wo nicht die schändliche Untugend daran hinge, daß er meinte, er würde dadurch in den Himmel kommen, meint auch er wäre viel besser als andere Sünder.

10. Darum ist es hier beschlossen: Vernunft ist ein edel, köstliches Ding, der Willen zum guten ist auch sehr edel und ein köstliches Ding, daß Gesetz und die Zehn Gebote, ein feiner, ehrbarer Wandel sind alles herrliche, große gaben, wofür man Gott danken soll: aber wenn man vom Reich Gottes sagt, wie man dazu kommen soll, da hilft weder Vernunft, Wille, Gesetz, oder andere gute Werke zu; allein das macht es, daß man von neuem geboren wird; anders kann man das Reich Gottes nicht sehen, sondern man muß mit Vernunft, freien Willen, Gesetz und zehn Geboten verdammt sein und bleiben.

11. Ja, sprichst du, so will ich besser gar nichts Gutes tun? Nein, das taugt auch nicht, und wird dir mit dieser Weise das Gericht Gottes nur noch schwerer werden. Darum tue beides, übe dich, die Zehn Gebote zu halten, und bekenne doch mit rechtem Ernst daneben, daß du ein armer Sünder bist, der wegen seines Tuns wegen ewig müßte verdammt sein. Danach wäre uns am Heiland Christo weiter zu, wie er wiederum tröstet, nachdem er, unserer ersten Geburt wegen, uns die Seligkeit so einfach abgesagt hat.

12. Nikodemus fühlt das harte Urteil sehr wohl, er denkt sich, was doch die Wiedergeburt sei, und merkt, daß er in leiblicher Weise nicht noch einmal wieder geboren werden kann von Vater und Mutter, fragt deshalb, wie so etwas zu gehen soll? Denn daraus kann ja nichts werden, spricht er, daß ich noch einmal in meiner Mutter Leib kriechen und auf ein neues sollte geboren werden. Mit solcher Frage bringt er unseren Heiland dahin, daß er lehrt, wie die Wiedergeburt zugehen muß, und spricht:

Wahrlich, wahrlich, die sage dir, es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist.

13. Hier spricht unser Heiland ein Urteil gegen die erste Geburt, daß diese fleischlich und voller Sünden ist, und zum Reich Gottes nicht gehört. Als wollte er sagen: du fragt, ob du von deiner Mutter anders geboren werden müßtest. Wenn du tausendmal anders von deiner Mutter geboren würdest, so wärest du und bliebest der alte Nikodemus. Von Fleisch denn nichts denn Fleisch geboren werden. Darum gehört zu dieser Wiedergeburt nicht Vater und Mutter, wie beide Fleisch und voll Sünden sind; sondern es gehört dazu Wasser und Geist. Wer also wieder geboren ist, der ist ein neuer Mensch und wird in das Reich Gottes kommen.

14. Dieses werde ohne Zweifel den Nikodemus ein sehr lächerlicher Handel gewesen sein, er wird gedacht haben: nun, soll es meint Vernunft und Wille, und auch das Gesetz und Mosel nicht können, und das Wasser vermag es: was ist dies für eine Meinung? Hier wird der gute Mann so irre, daß er nicht weiß, was er sagen soll, wohl muß frei bekennen, daß er kein Mord versteht, obwohl er Mose und die Zehn Gebote sehr gut versteht, deswegen meint er auch er sei ein großer Lehrer.

15. Laßt uns nun die Worte fleißig merken und den Handel gut zusammen fassen. Beschlossen ist es, gute Werke sollen wir tun, und uns im Gehorsam des Gesetzes üben; aber dadurch sehen wir das Reich Gottes nicht. Wollen wir es aber sehen, so müssen nicht unsere Werke, sondern es muß ein anderer und neuer Mensch werden. Dieses geschieht nicht durch die leibliche Geburt, sondern durch Wasser und Geist; dieses sind die rechten Vater und Mutter zu dieser neuen Frucht

16. Das Wasser nun ist anderes nichts, als die heilige Taufe. Denn also spricht Christus, Markus im 16. Kapitel, Vers 16: " wer glaubt rund getauft wird, der wird selig ". Nun aber hat das Wasser solche reine Kraft nicht von Natur aus. Denn Wasser ist Wasser, das ist, ein Element und Kreatur, die für sich selbst das Herz nicht rühren rund nicht ändern kann, oder die Sünden ab waschen kann. Kleider, und was Unflath an der Haut ist, kann man mit Wasser reinigen und säubern; aber die Seele läßt sich durch Wasser nicht rühren noch reinigen. Das Wasser aber, wovon der Herr hier spricht und wir dazu Taufwasser sagen, ist nicht ein bloßes, natürlich es Wasser; sondern es ist ein Wasser, da Gottes Worte, Befehl und Verheißung drin ist. Da kommen zwei Dinge zusammen, Wasser und Wort, rund werden so ineinander gefügt, daß man keines vom anderen Abschneiden kann. Tust du das Wort vom Wasser, so hast du keine Taufe; tust du das Wasser vom Wort, so hast du auch keine Taufe. Wenn aber Wasser und Worte zusammen bleiben, da ist dann ein solches Wasser, in welchem der heilige Geist ist, und durch dasselbe wirst du zum Reich Gottes wieder geboren, das ist, dir deine Sünde vergeben und dich selig machen will.

17. Darum sollen wir diesen Spruch fleißig merken, hauptsächlich gegen das blinde Volk der Wiedertäufer, welche die Kindertaufe für untüchtig und unfruchtbar achten. Aber wie kann diese Taufe untüchtig sein, so du hier hörst, daß Christus das Wasser dazu auch wird, daß es zur Wiedergeburt durch die Mitwirkung des heiligen Geistes helfen soll? So nun die Kinder bedürfen, daß sie wieder geboren werden, und sonst das Reich Gottes nicht sehen können: warum wollte man doch ihnen die Taufe verweigern? Oder es dafür halten, als sollte solches Wasser, so in Gottes Worte gefaßt und mit Gottes Wort verbunden ist, ihnen zur Wiedergeburt nicht hilfreich sein? Ist es nicht wahr, daß die Worte Christie uns dahin dringen, wer wieder geboren werden will, der muß durch das Wasser wieder geboren werden? Also, obwohl das Wasser ohne den heiligen Geist nichts schafft, so will dennoch der heilige Geist seine Wirkung ohne daß Wasser in uns nicht haben.

18. Deswegen ist es ein schrecklicher großer Irrtum, daß an etlichen Orten etliche Prediger die Kinder ohne Wasser gekauft haben. Denn soll die Taufe richtig sein und der Mensch zur Wiedergeburt kommen, so muß nicht allein Wort, nicht allein Geist, sondern auch Wasser dabei sein. Denn so hat es Christus hier geordnet, und dieser Ordnung soll niemand brechen.

19. Das Wassertaufen sieht man mit den Augen, aber die Wirkung der Wiedergeburt, welche der heilige Geist durch solches taufen dem Herzen anrichtet, sieht man nicht. Auf das man aber um solcher heimlicher, unsichtbarer Wirkung Willen des heiligen Geistes das äußerliche, schlechte, unansehnliche Wassertaufen nicht verachte, darum spricht der Herr zu Nikodemus weiter:

Laß dichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: ihr müßt von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein sausen wohl; aber du weißt nicht, von wo er kommt, und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.

20. Dieses sind sehr einfältige Worte, wie auch das Werk einfältig und schlecht ist. Denn es hat kein besonderes Ansehen bei unserer Vernunft. Daß man ein Kind, oder einen alten Menschen herbringt, und bekennt, es liege wegen der Sünden unter des Teufels Banden, und kann sich selbst davon nicht freimachen, und soll doch in solcher hoher, großer Not mehr nicht tun, denn das man im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes ein wenig ins Wasser tauche oder mit Wasser begieße. Aber, spricht Christus, verachte Jahr niemand um solches schlechten Aussehens willen dieses Werk. Denn der heilige Geist führt sein Werk heimlich; da gehört der Glaube zu, der die Worte faßt, und nicht daran zweifelt, es sei also, wie die Worte hier lauten. Denn mit den Augen wirst du es nie sehen, verstehen noch fassen können. Eben wie es mit dem Wind auch ist: den Wind hörst du sausen; aber das durch ihn so solltest fassen, daß du sagen könntest: hier fängt er an, da hörte auf, das ist nicht möglich. Also geht es hier auch zu. Das äußerliche Werk mit dem Wasser sieht man, und hört das Worte klingen oder sausen, daß es geschehe in Namen Jesu, zur Abwaschung der Sünden. Wer an das Wort sich nicht halten, und den Geist und seine Wirkung anders fassen oder suchen will, der wird fehlen. Denn soll er aus dem Geist geboren werden, so gehört mehr nicht dazu, denn das wer sich taufen läßt mit Wasser, und auf das sausen (das ist, auf das Wort) merke auf dasselbe und mit Glauben annehme; so wird er zu dem Reich Gottes wieder geboren, und durch nichts anderes.

21. Wo sind nun die läßterlichen Rotten und Schwärmer, die mehr nicht können, denn vom Geist schreien und rühmen? Aber der ist der böse Geist, der Teufel selbst, der sie leibhaftig besessen hat, weil sie Taufe, Sakrament, Wort, die uns Christus selbst teuer erworben hat, als unnötige, unnütze Dinge zur Seligkeit, verworfen haben. Gott Strafe den Lästergeist. (Rotten und Schwärmer sind die Wiedertäufer) Also lehrt aber Christus hier nicht, sondern weißt uns auf die heilige Taufe und sausen, das ist, auf das Wort; und warnt, wo wir uns am Wasser und sausen nicht genügen lassen können so werden wir nichts vom heiligen Geist behalten und nie zu einer neuen Geburt kommen. Deswegen laßt uns unsere Taufe und das Wort als unseren höchsten Schatz befohlen sein, da wir gewiß wissen, wenn wir dabei bleiben, daß wir zum Reich Gottes wieder geboren sind.

22. Das ist nun die Lehre, wie man zur Wiedergeburt, das ist, zum Reich Gottes, kommen soll; eine neue, unerhörte Predigt in der Welt, aber die allein gewiß und richtig ist, und uns nicht belügt. Dagegen sind aber alle anderen Lehren falsch und belügen uns, sie haben vor der Welt einen großen Schein. Es hatte auch das Leben der Pharisäer und das Judentum, sowie das ganze Papsttum mit den Mönchen, dieses ist auch ein besonderer Schmuck und großer Schein, wenn Menschen sich fein züchtig, ehrbar und nach den zehn Geboten halten: aber durch dieses alles wird man nicht wieder geboren. Allein das Wasser und der Geist muß es tun, welcher doch sich nicht anders sehen oder merken lassen will, denn wie der Wind durch sein Sausen. Wer das Sausen annimmt, das ist, wer dem Wort glaubt und getauft wird, der ist wieder geboren und wird selig.

23. Aber Nikodemus steckt so tief in seinen Gedanken vom Gesetz und von guten Werken, daß er diese Predigt nicht fassen und verstehen kann. Wie wir ja bei den Katholiken auch sehen, die es richtig meinen und auch nicht böse sind, aber das liegt ihnen im Wege, daß sie denken, soll unser Tun denn nichts sein? Soll es den Gott nicht gefallen, daß wir so viel beten, fasten, Tag und Nacht ihm dienen, so ein strenges Leben führen? Darum fährt Christus den Nikodemus auch härter an, Walter unseren Heiland nicht Glauben und auch nicht weisen lassen will, so spricht er:.

Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht?

24. Als wollte er sagen: du bist ein Meister im Volk Gottes, daß du Lehren und ihm den Weg zur Seligkeit zeigen sollst. Ach deines lehrens und Wegweisens! Du bist nicht einmal so weit gekommen, daß du deine eigene Natur und dein eigenes Wesen gerecht erkennen kannst, dazu noch in den Gedanken stehst, du würdest denn den Himmel kommen, auch wenn du nicht von neuen geboren bist. Damit verwirft unser Heiland den Nikodemus und alle Prediger, die nicht mehr als von Gesetz und guten Werken predigen können, als irrige und verführerische Prediger: nicht darum, als sollte es nicht richtig sein Gute Werke zur Lehren und die Leute dazu vermahnen; denn dieses tut Gott selbst durch sein Gesetz, darum ist es recht gut getan, aber das ist Unrecht, daß man die Leute bei dieser Lehre läßt, als wenn man nicht mehr zum ewigen Leben braucht. Denn hier steht es klar, wenn man Gesetz und Werke aufs beste befolgt, so können Sie doch zum Reich Gottes nicht helfen, das sei denn, daß man wieder geboren wird durch Wasser und Geist.

25. Der Geist nun ist es, der durch das Wasser und Wort anderen Menschen und neue Herzen macht. Das Gesetz und die Werke ändern an den Menschen und an den Herzen nichts. Deswegen, wer die Leute zum Himmelreich richtig unterweisen will, der höre was der Heiland hier sagt, fange es nicht mit Werken und Gesetz an, welche das alte Herz nicht ändern, sondern weise die Menschen zur Taufe und Geist, das ist, zum Wort, dadurch der heilige Geist die Herzen anweht und neu gebiert. Denn eben wie wir von dem Winde mehr nicht erkennen und wissen, als das Sausen: also haben wir vom heiligen Geist auch nicht mehr denn als das Wort; da mögen wir uns dran halten, und des heiligen Geistes und seiner Wirkung warten. Was nun solches Wort sei, und wieder heilige Geist sause, lehrt der Herr Christus weiter, und spricht:

Niemand fährt in den Himmel, denn der vom Himmel herunter gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist.

26. Hier geht die Predigt an, da der Herr von sagt: " glaubt Ihr mir nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie werdet Ihr mir glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde "? Denn diese Predigt ist nie binnen eines Menschen Herz gekommen, sondern der eingeborene Sohn, in der in des Vaters Schoß ist, hat es uns verkündigt. Nun hat solche Predigt zwei Teile. Der erste Teil ist sehr hart und trefflich; denn da ist kurz beschlossen: ". Niemand fährt in den Himmel, denn der hernieder gekommen ist ".

27. Das ist genauso als wenn gesagt ist, wie oben: ". Es sei denn, daß jemand wieder geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen ".; das ist, kein Mensch kann zur Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Seligkeit und ewigem Leben kommen durch das Gesetz, Gute Werke, Vernunft noch freien Willen; ja wenn gleich das Gesetz, gute Werke, Vernunft rund freier Wille auf das beste ist, hilft es doch nicht, wir sind und bleiben arme, verdammte Sünder, und können in den Himmel nicht kommen. Dieses ist ein heller und klarer Spruch, der den Juden und Katholiken, wo sie es glaubten, alles Vertrauen auf eigene Werke und Frömmigkeit nehmen sollte. Denn, sage mir, welcher Mensch ist vom Himmel gekommen? Keiner, Adam und Eva selbst nicht; der eingeborene Sohn Gottes von der Jungfrau Maria ist es, wie Johannes hier sagt. So denn nun niemand in den Himmel fahren soll, denn der vom Himmel heruntergekommen ist, so ist es fest beschlossen, und wird immer mehr kein Mensch es anders machen können. Alle Menschen, wie sie von Vater und Mutter auf diese Welt geboren sind, müssen unten bleiben, und werden in den Himmel so nicht kommen, kommen sie aber in den Himmel nicht, wo werden sie denn bleiben? Auf Erden haben sie auch keine gewisse, beständige Herberge, denn sie müssen sterben. Wenn sie aber nicht in den Himmel kommen, so müssen sie im Tode bleiben. Dieses ist das Urteil, welches Christus über die ganze Welt fällt, niemand ausgenommen, es sei Adam, Eva, Abraham, Mose, David, alle müssen sie hier unten bleiben und können von sich selbst nicht in den Himmel kommen. Denn der allein fährt in den Himmel, der vom Himmel herunter gekommen ist. Wo bleiben denn nun die guten Werke, Verdienst, Gesetz, freier Wille? Alles dieses gehörte in die Hölle, und hilft uns nicht in den Himmel, das ist gewiß.

28. Ja, sprichst du, sollen denn alle Menschen verdammt sein und verloren werden? Ja, ihretwegen ist es unmöglich, daß es könnte anders sein, sie tun und lassen, was sie immer wollen oder können, sie werden doch keinen Weg oder ein Loch in den Himmel machen. Ein einziger Weg aber ist es, den wir nicht machen, sondern der Sohn Gottes. Davon Predigt Christus weiter, und sagt:

wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden. Auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

29. Dieses ist der andere Teil von dieser himmlischen Predigt, und das rechte sausen des heiligen Geistes; und es ist ja so tröstlich, wie der erste Teil schrecklich ist. Denn ein schreckliches Urteil ist es, daß niemand in den Himmel fahren und selig werden soll. Es dient aber solches schreckliches Urteil dazu, daß der Herr damit zeigen will, wie unsere erste Geburt sündhaft ist, und nichts an uns ist, dessen wir des ewigen Lebens wert sind, auf das wir nicht allein sicher, noch hoffärtig werden, sondern in uns schlagen, uns vor Gott demütigen und Gnade begehren. Da geht dann der richtige Trost an, daß, eben wie du vorher gehört hast, kein Mensch in den Himmel kommt: also hörst du hier, daß alle, die da glauben an Jesus Christus, die sollen nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Das ist nun das liebliche Sausen, wo man den heiligen Geist spüren und fassen kann.

30. Denn da müssen beide Predigten in der Christenheit gesprochen werden. Die erste, von der Sünde und unserer verdorbenen Art und Natur, daß wir unseres Werkes, Lebens, tun und Lassens wegen ganz verzagt sein müssen, daß wir merken, so kommen wir nicht in den Himmel. Wo nun die Herzen durch solche Predigt richtig getroffen und erschreckt sind, da muß auch der Trost folgen, wie Jesus Christus, der Sohn Gottes, vom Himmel herunter auf die Erde gekommen, unser Fleisch und Blut an sich genommen, und den Tod unserer Sünde erlitten hat, auf das wir dadurch von den Sünden frei und wieder zum Erbe des ewigen Lebens gebracht werden sollen. Wer diese Predigt annimmt, daß er es fürwahr hält und sich tröstet, der ist genesen, daß ihn Christus nicht hier unten auf Erden und im Tode lassen, sondern will ihn mit sich hinauf in den Himmel führen.

31. Dieses ist die Predigt von himmlischen Dingen, diese will aber auch heute nicht in die Leute, und besonders nicht in den Nikodemus, das ist, wenn die, so mit den Gedanken kommen, wenn man das Gesetz halte, so bedarf man weiter zur Seligkeit nichts mehr. Denn diese sind es, die erstlich nicht wissen, obgleich das Gesetz recht und gut ist, daß es doch uns darum nicht helfen und nützen kann, weil wir von Natur böse sind, und um solcher angeborenen mitgebrachten Bosheit bewegen dem Gesetz nicht genug können tun, ob wir auch gleich dem Schein der äußerliche Werke etwas tun. Zum anderen wissen sie das viel weniger, daß wir durch diesen Menschen, den Sohn Marias, der allein vom Himmel gekommen ist, in den Himmel kommen werden. Hier raus wächst ein anderer sehr großer Schaden, daß sie nicht allein sich auf Werke und eigene Gerechtigkeit verlassen, sondern sie verachten und verfolgen die Gerechtigkeit, die da kommt aus dem Glauben an Jesu Cristum. Wie wir an den Katholiken sehen, die nichts weniger dulden können, ja gegen nichts heftiger streiten, denn daß wir lehren, wir müssen allein durch den Glauben an Jesus Cristum selig werden, mit guten Werken werden wir es nicht ausrichten. Das haben wir nicht erdacht; Christus, unseren Herrn, reden wir das nach, der die Wahrheit selbst ist. Wer diesem nicht glauben will, der lasse es.

32. Im vierten Buch Mose, 21. Kapitel, steht eine solche Geschichte, daß das Volk Israels in der Wüste verdrossen geworden war und gegen Mose gemurrt, und besonders die herrliche Wohltat, daß ihnen Gott in der Wüste ein Himmelsbrot gegebenen hat, verachtet haben. Solche Sünde straft Gott also, daß er giftige Schlangen kommen ließ, die bissen die Israeliten. Von diesem Biß entzündete sich der Leib, und brannte wie das höllische Feuer das sie umfielen und viele davon sterben mußten. Da erkannten sie ihre Sünde, daß sie unrecht getan hatten, und gingen zu Mose, und baten, Mose soll den Herrn bitten, daß er ihnen von der Plage der Schlangen helfen soll. Der Herr befahl Mose, er sollte einen eherne Schlange machen und sie in der Wüste aufrichten, wer dann auf die eherne Schlange sieht, der soll gesund werden und nicht sterben.

33. Diese Geschichte führt der Herr hier ein und zieht sie auf sich, daß er auch also müsse erhöht werden, wie die Schlange. Wer dann das Ansehen, das ist, wie er selbst auslegt, an ihn glauben wird, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

34. Hier laßt uns zum ersten die Ursache des schrecklichen Urteils, daß der Herr vorher zweimal über alle Menschen gefällt hat, da er spricht: niemand fahre in den Himmel, denn des Menschen Sohn, der vom Himmel herunter gekommen ist, also: es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, könne er das Himmelreich nicht sehen. Wo kommt nun dem Menschen dieser Jammer her, daß er nicht so in den Himmel kommen und bleiben kann, so wie er von erster Geburt ist, auf ewig verloren ist? Nirgendwo anders wo her, denn daß die alte Schlange, der Teufel, den ersten Menschen so gebissen und durch die Sünde so vergiftet hat, daß er den Tod am Halse hat, und ist unmöglich, daß er sich selbst eine Arznei geben oder sich selbst helfen könnte. Wie man an den guten sieht, was gebissen war, war des Todes, es gab keine Arznei. Also ist es mit uns allen. Denn der Sünden Sold ist der Tod, und wo Sünde ist, da muß der Tod auch folgen. Weil nun alle Menschen in der ersten Geburt von Vater und Mutter als Sünder geboren werden, müssen sie auch das Urteil tragen und den Tod darum leiden. Wie der Herr dem Adam und Eva mit ausdrücklichen in Worten droht: ". Welchen Tag ihr von diesem Baum essen werdet, sollt ihr des Todes sterben ".

35. Aber da läßt Gott seine Barmherzigkeit leuchten, daß der solche arme, vergiftete und zum Tode verurteilte Menschen nicht verderben will, und eben, wie er dort heißt eine eherne Schlange aufrichten, die den anderen Schlangen gleich aussah, aber daß sie kein Gift hatte und wieder dem Gift helfen sollte, also läßt er seinen Sohn erhöhen am Stamm des Kreuzes, auf das alle, die ihn Ansehen, nicht verloren, sondern vom Tode Heil werden und das ewige Leben haben sollen. Unser Heiland führt am Kreuz auch die Gestalt der giftigen Schlange, aber wer ist kein Gift, sondern nur das bloße Ansehen. Denn Christus, ob er wohl unser Fleisch und Blut angenommen hat, so ist es doch ein Fleisch und Blut ohne Gift und Sünde, ja, es dient dazu, daß uns von den Gift und den Sünden geholfen wird.

36. Dieses ist das richtige sausen des Heiligen Geistes, dadurch Christus die neue Geburt im Herzen anrichtet, daß man glaube, und solche eherne Schlange mit gewisser Zuversicht Ansehen und gesund werde. Aber es wird bei den Juden nicht anders gegangen sein, einige werden es verachtet und gesagt haben, meinst du, daß dieser Anblick helfen wird? Ich glaube, wenn man diese oder einer andere Arznei hätte, was aber soll die eherne Schlange für eine Kraft haben? Oder, so eine Kraft bei ihr wäre, wie soll solche Kraft wirken, wenn man die Schlange anfassen und aufs Maul drücken, aber das nur durch das Ansehen uns soll geholfen werden?

37. So geht es noch heutigen Tages mit der rechten ehernen Schlange, unseren Heiland Jesus Christus. Alle Menschen denken, soll ihnen geholfen werden, so kann es das bloße Ansehen oder der Glaube nicht tun. Wer gute Werke tut und sich nicht versündigt, der müßte bei Gott mehr Vorteile haben. Darum predige man, es hilft doch nicht. Dieser nimmt sich dieses vor, ein anderer etwas anderes, denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Sie wollen einen anderen Weg zu der Gesundheit finden, denn das Ansehen, das ist, den Glauben an Jesu Christus. Aber du lerne:. Beschlossen ist es, der Teufel hat dich durch die Sünde so vergiftet, um das du den ewigen Tod am Halse hast; da kannst du nicht weglaufen, sondern mußt schlecht herhalten. Soll dir aber von solchen Gift und dem Tod geholfen werden, so denke du an keine andere Arznei, denn nur an diesen Anblick, daß du den erhöhten Christus am Kreuz mit rechten Augen an siehst, daß er für dich gestorben, sein Leben geopfert, mit seinem Tode für deine Sünde bezahlt, und dich also mit Gott versöhnt hat. Glaubt du das und bist getauft, so bist du richtig wieder geboren durch den Heiligen Geist zum Reich Gottes, da sollst du nicht dran zweifeln. Denn das hast du oben gehört, daß diese Wiedergeburt so zugeht, daß es auch kein anderes Mittel gibt denn nur das Sausen, das ist, an das Wort muß man sich halten, und Glauben, wie es Christus uns vorsagt, daß es also wahr und Armen sei.

38. Also haben wir auf das einfältigste die Lehre des heutigen Evangeliums: daß wir Menschen von Natur Sünder und des ewigen Todes würdig sind. Aber dadurch sollen wir vom ewigen Tod erlöst werden, wenn wir den Menschen Cristum Jesum am Kreuz Ansehen, daß er für uns da bezahlt, den Tod erwürgt, und uns mit Gott versöhnt und zum ewigen Leben gebracht hat.

39. Diese Lehre ist es, die andere Menschen und ganze neue Herzen macht, daß wir in Sünden, im Tod und anderen Anfechtung sagen können. " Es ist wahr, die alte Schlange, der Teufel, hat mich übel gebissen und schrecklich vergiftet, aber dagegen tröste ich mich, daß ich weiß, wenn auch mein Herr Jesus Christus seiner Menschheit wegen auch das Ansehen hat, er sei voller Gift wie eine andere Schlange, so hat er doch kein Gift an sich, sondern darum hängt, daß er mich von meinem Gift reinigen, und mir helfen will gegen meine Sünden, Tod und Teufel . Deswegen laß nur den Teufel getrost kommen, laß den Teufel mich fressen und mir alles Unglück anlegen, ich will mich an meinen Herrn und Heiland Jesus Christus halten, und mich dessen Trösten, daß er darum erhöht ist, auf das die, die an ihn Glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

40. Wo also dieser Trost gegen das ewige Gift in Herzen ist, da wird auch weiter ein feines, freundliches Leben folgen gegen andere Leute. Wir können so etwas von unseren Herrn Jesus Christus erwarten, daß er uns gegen alles Unglück hilft, so sollen auch wir Hilfe erweisen wo wir können. Denn ein solcher Mensch sieht weit um sich, und ob ihm gleich von anderen Leuten Unrecht geschieht, so läßt er sich doch nicht zum Zorn reizen, sondern erbarmt sich über sie. Denn er sieht, daß solches nirgends anders her kommt, denn von dem Gift, welches wir alles durch den Biß des Teufels empfangen haben, sucht deswegen Mittel, wie er andere auch dahin bringen kann, daß sie zu dieser Arznei kommen und von den schädlichen Gift erlöst werden. Also ist diese Lehre der rechte Brunnen und Quelle, da alle Tugend, alle Trost, alle Freude und Sicherheit her kommt. Gott, der allmächtige, barmherzige Vater, möchte uns um seines lieben Sohnes Christi Willen in dieser Lehre erhalten und daß wir von Tag zu Tag darin wachsen, daß wir ja den Anblick nicht verlieren, und also durch rechten Glauben an Jesus Christus vom ewigen Tode erlöst werden, Armen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jörg
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Beitragvon Jörg » 03.07.2011 05:47

Am zweiten Sonntag nach Trinitatis


Lukas 14,16-24

Er aber Sprache zu ihm: es war ein Mensch, der machte eine groß Abendmahl und lud viele dazu. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit, und sie fingen an alle nacheinander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm:. Ich habe einen Acker gekauft, und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach:. Ich habe Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritter sprach:. Ich habe ein Weib genommen; darum kann dich nicht kommen. Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte:. Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte:. Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune, und nötige sie herein zukommen, auf das mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird.


1. Dieses Evangelium hat man darum auf den heutigen Sonntag gelegt, weil man in dieser Woche das Fest des Frohnleichnam Christi begangen hat, wie es noch heute bei den Katholiken gefeiert wird. Denn sie haben das Abendmahl, wovon dieses Evangelium berichtet, auf das Sakrament gedehnt und damit bestätigt die einige Gestalt des Sakramentes, welches, wie wir wissen, eines der vornehmsten Stücke ist, darüber wir mit ihnen nicht einig sind.

2. Weil nun das junge Volk nichts von diesem Fest und dem Prunk weiß, und die Alten auch vergessen haben, ist es gut, daß man davon predigt, denn wenn unsere Jugend in die Kirchen kommt oder solch ein abgöttisches Wesen sieht, sie sich nicht daran ärgern, und sagen können, daß dieses nicht richtig ist, daß man solch einen falschen Gottesdienst anrichtet und dabei soviel Geld ausgibt, und nicht nach der Meinung kommen, daß man den Sakrament gedenkt und ehrt. Die Katholiken aber tragen nicht das ganze Sakrament in Brot und Wein herum, sondern durch das Brot allein machen Sie es zu einer Schmach und Schande. Sie selbst aber kommen dabei zu den höchsten Ehren, denn diesen Unterschied wollen sie damit erhalten, daß der Pfaffenstand ein besonders hoher und schöner Stand sei vor Gott. Denn den einfachen und gemeinen Christen dürfe man nicht das ganze Sakrament geben, sie müssen sich an dem Brot alleine begnügen lassen.

3. Diesen Unterschied machen sie mit dem Fest Frohnleichnam, damit sie ihren eigenen Stand, wie gesagt, vor anderen Worten hoch halten wollen, damit aber den heiligen Sakrament Schande und Schmach bereiten und auch unserem Herrn Jesus Christus, welcher dieses Sakrament nicht darum eingesetzt hat, daß man einen Unterschied mache zwischen den geistlichen (wie sie erdichtet haben) und einem einfachen Christenstand. Christus hatte auch nicht für diesen oder einen besonderen Stand gelitten, und ist gestorben, sondern zum Trost seiner christlichen Kirche, welche nicht geteilt, sondern ein einiger Leib ist des einigen Hauptes Jesu Christi, in dem alle Glieder, gleich sind, obwohl der Beruf und die Werke ungleich und unterschiedlich sind.

4. Diesen Mißbrauch, der sehr groß und gefährlich ist, sollte man nicht vergessen, sondern von der Kanzel fleißig predigen, weil die Katholiken so verstockt und unbußfertig auf ihrem gottlosen Wesen bestehen. Denn wie kommt das heilige Sakrament dazu, daß man es dazu gebraucht um einen Unterschied unter den Christen zu machen, so es doch unser Heiland Jesus Christus gerade dazu eingesetzt hat, um uns einen Trost und ein gutes Gewissen zur Stärkung unseres Glaubens. Denn das Sakrament soll in der Christenheit gleich wie ein Band sein, mit dem die Christen zusammen verbunden sind, daß sie gleich wie ein Brot oder ein Kuchen sind, nicht allein damit, daß sie zugleich einen Gott, ein Wort, eine Taufe, ein Sakrament, einer Hoffnung und Zuversicht haben, sondern auch ein Leib sind, wo ein Glied dem anderen die Hand reicht, helfen, raten und das Leid zusammen tragen. Diesen Brauch des heiligen Sakramentes haben die Katholiken ganz und gar aufgehoben, daß allein Sie sich das Sakrament angemaßt haben, und sich dadurch zu einem besonderen Haufen gemacht, der besser sein sollte, als die einfache Christenheit. Damit nun aber die einfachen Christen auch eine Gestalt haben und nicht ganz verachtet sind, haben sie dieses Fest acht Tage lang im Jahr gehalten, wo man dieser einen Gestalt mit einem großen Gepränge durch die Stadt mit Spielen und Musik, damit den Leuten die Augen darüber übergingen, daß sie denken mußten, obwohl der Priesterstand viel herrlicher wäre und größer vor Gott, so hätten sie doch auch etwas, womit man sich rühmen könne.

5. Zu diesem allen hat das heutige Evangelium ihnen auch gedient. Gleich als hätte dieser Hausvater ein Mahl für Mäuse angerichtet, und allein zu essen, aber nicht zu trinken gegeben. Dabei singen sie aber doch: " komme, esset mein Brot und trinket meinen Wein ". Aber so geht es unserem Herrn und Gott immer, was er stiftet und anordnet, das muß von dem Teufel und den Seinen verkehrt werden, dazu noch gelästert und geschändet. Also geht es mit den heiligen Sakrament auch, welches auf dieses Fest noch heute auf das greulichste von den Katholiken gelästert und geschändet wird. Denn, wie gesagt, halten sie dies Fest nicht dem heiligen Sakrament zu Ehren, sie würden sonst das ganze Sakrament herumtragen. Sie machen aber es sich selbst zu Ehren und verdrehen es dahin, nicht, daß wir viel davon haben sollten, sondern allein, daß wir wissen sollen, was für ein Unterschied wäre zwischen einem Priester und einem einfachen Mann. In anderen Sachen, wo es Gott so geschaffen hat, ist es wohl gut, einen Unterschied zu machen, als, daß eine Frau eine Frau, ein Mann ein Mann bleibt. Das weltliche Obrigkeit einen Unterschied zu dem Volk, und so weiter mit anderem weltlichen Ständen. Daß man aber hier in Sakrament einen Unterschied machen will, wo Gott allen Unterschied aufgehoben hat, daß Papst, Bischöfe, wo der Paulus sollte eine bessere Taufe, ein besseres Evangelium haben, als ein einfacher Christ, das ist nicht die Meinung unseres Herrn Jesus Christus. Darum ist es auch ein großes Unrecht, daß die Katholiken für sich ein besseres Sakrament haben wollen, denn anderer einfacher Christen, die sie Laien nennen. Unser Seligmacher, der Herr Christus, hat das Sakrament nicht eingesetzt um einen Unterschied unter seinen Christen zu machen, sondern einer genauso viel davon haben soll als der andere.

6. Ich will nun schweigen von dieser greulichen Abgötterei, welche sie mit dem Frohnleichnam mit Macht in die Leute getrieben, daß sie darüber vergessen haben, wer dieses Sakrament richtig gebrauchen will, der soll essen und trinken, wie es Christus befohlen hat. Diesen Befehl haben sie den Christen nicht vorgehalten, sondern sie dahin gewiesen, es sei mit diesem Sakrament genug, wenn sie es allein sehen, davor niederfallen und anbeten, wo wir so etwas doch nicht in der Bibel lesen. Denn Christus hat das Sakrament ja nur dazu geordnet, daß man es essen und trinken, und dadurch den Glauben stärken soll, aber nicht dazu, daß man es ansehen, herumtragen oder anbeten soll. Wer es aber nun so gebraucht wie es Christus nicht befohlen hat, der mag sehen, wie er damit umgehe und was er von solchem Sakrament behalte. Denn so der Leib und das Blut Christi aus Befehl unter Brot und Wein da ist, dieses Sakrament aber anders gebraucht, als es Christus befohlen hat, er hat kein Sakrament mehr sondern richtet damit eine Abgötterei an.

7. Dieses alles ist wegen der Jugend und auch um unseretwillen zu sagen, daß sich ein jeder vor dem Greuel hüte, und den Teufel kennen lerne, den der Papst hier eingeführt hat, und die Christenheit zertrennt, wo sie doch unser Herr und Gott einig haben will. Denn sie verdammen und verfolgen uns darum, daß wir nicht Mäuse und Ratten sein wollen und solches aus uns machen lassen wollen. Darum sind es Leute, denen man einfach feind ist, weil sie gegen Christus und seine Ordnung so trotzig handeln. Darum haben wir dieses Fest Frohnleichnam aus gutem Grund aus unserer Kirche getan, weil dieses vor Gott ein Greuel, seinem heiligen Sakrament eine Schande und uns ein großer Schaden ist. Denn wir wollen bleiben bei der Einigkeit der Christen, daß hier einer so gut sei als der andere, und aller Unterschied in äußerlichen nun weltlichen Dingen bleibe. Dieses ist nun genug davon, um der Jugend und unseretwillen. Nun wollen wir zum Evangelium greifen.

8. Dieses Evangeliums fängt an bei dem Wunderwerk, als unser Heiland Jesus Christus in des Pharisäers Haus einen Wassersüchtigen heilt. Es sagt aber der Evangelist:. Sie haben auf ihn gelauert, daß sie ihn fangen möchten.

9. Darum fängt unser Heiland hier ein und liest den Gästen ein Kapitel, daß sie voll Hoffart und Hochmut stecken, weil sie sich auch darum alle bemühen immer oben zu sitzen, bis er zuletzt auch auf den Wirt zu sprechen kommt, dieser bekommt auch seine Lektion, wie er die Gäste bitten soll, nicht die Reichen, die ihn auf Erden wieder bitten und dafür danken können, sondern die Armen, die ihn dort in jenem Leben wieder laden. Auf diese Rede fängt einer von ihnen an, der sehr fromm sein will, und spricht: " ei, selig ist der, der das Brot ißt im Reiche Gottes ", als wäre ihm daran sehr viel gelegen. Aber der Herr merkt den Schalk und die Heuchelei wohl, und zeigt es ihm deutlich, wie heilig er und seinesgleichen sind, daß sie ganz und gar nichts, weder nach unserem Gott, noch dem Himmelreich fragen. Du, spricht er, hörst dich an, als wenn du ein sehr großes Verlangen nach dem Reiche Gottes hättest. Aber, soll dich dir die Wahrheit sagen, du bist der Gäste einer, die man freundlich ladet, die aber anderes zu schaffen und nicht kommen wollen. Diese Schande gilt besonders diesem, der sich mit diesen Wunsch vor den anderen hervor tut. Als wollte der Herr sagen:. Du sagst viel, es sei ein seliger Mensch, der das Brot in Himmel ißt. O, es ist dir wohl ein großer Ernst, wie bist du so ein guter Heiliger Mann; nämlich von denen einer, die geladen sind, und doch nicht kommen wollen. Dieses sind harte, scharfe, und schreckliche Worte, wer sie recht bewegen will; denn er redet mit den Schälken, die am Tisch saßen: nicht, daß sie etwas von ihm lernen wollten, sondern daß sie auf ihn warteten, wie sie ihn fangen könnten. Da fängt nun das Gleichnis an, wie ein Mensch gewesen sei, der ein großes Abendmahl machte, und schickte seine Diener aus und ließ die Gäste bitten. Aber was taten sie? Sie entschuldigten sich alle und blieben fort. Einer sagt, er hätte einen Acker gekauft, diesen müßte er besehen; der andere, er hatte fünf Joch gekauft; der dritte, er hätte ein Weib genommen: und ließen ihn mit seinem Abendmahl sitzen, und verachteten ihn dann noch dazu, daß er zuletzt zornig ward, nahm, was er finden konnte, Krüppel, Lahme und Blinde, und trieb sie mit Gewalt zu dem Abendmahl. Aber von den anderen sagt er: " sie sollen mein Abendmahl nicht schmecken ". Das ist ein hartes Evangelium gegen beide, Juden und uns Heiden. Nun wollen wir den Text nacheinander betrachten.

10. Der Mensch, der dieses Abendmahl gemacht hat, ist unser Herr Gott selbst, der ist ein großer und reicher Wirt; und hat auch ein Abendmahl gemacht, nach seiner großen Majestät und Ehre, nicht allein wegen des Wirtes, der Gott selbst ist, daß es eine große Mahlzeit wäre, wenn er etwa eine Erbsensuppe oder trockenes Brot gegeben hätte, nein die Kost ist auch sehr groß, das heilige Evangelium, ja, Christus, unser Herr, selbst. Dieser ist selbst die Speise, und wird uns im Evangelium vorgetragen, daß er für unsere Sünde durch seinen Tod genug getan hat, und uns von allen Jammer des ewigen Todes, der Hölle, des Zornes Gottes, Sünde und Verdammnis.

11. Diese Predigt von Christus ist das große, herrliche Abendmahl, zu welchem er Gäste bittet, daß er die heiligen durch seine Taufe, tröste und stärke durch das Sakrament seines Leibes und Blutes; daß es nur an nichts fehle, das volle Genüge vorhandenen sei und jedermann satt werde. Das also dieses ein großes Abendmahl heißt, auch wegen Kost und Speise, die also durchwürzt und zugerichtet ist, daß es keine Zunge ausreden und kein Herz genug begreifen kann. Denn es ist eine ewige Speise und ein ewiger Trank, da von uns nimmer dürstet noch hungert, sondern wir werden ewig satt, trunken und fröhlich. Und nicht ein Mensch allein, sondern soweit die Welt ist, wenn sie auch noch zehnmal größer wäre, hätten sie alle genug an dieser Mahlzeit. Denn das Evangelium sagt so:. Wer da glaubt an den Herrn Jesu Cristum, daß er um unseretwillen geboren ist aus Maria der Jungfrau, und um unserer Sünde willen gemartert unter Pontius Pilatus, gestorben, niedergefahren zur Hölle und wieder auferstanden, und sitzt zur rechten Gottes, der soll ewig Leben und selig sein. Dagegen wer heute genug zu essen hat, der muß morgen wieder essen. Aber dies ist eine ewige Speise, die ewig bleibt. Gibt also den Heuchlern am Tisch zu verstehen, daß es eine andere Mahlzeit ist, denn als sie ihm geben; und sie doch solche Schälke und Buben sind, obwohl sie viel davon reden können, dennoch Gott um seine Barmherzigkeit, ewiges Leben und Seligkeit verachteten, und sich alle anderen Dinge lassen lieber sein. Folgt weiter Text:

und lud viele dazu.

12. Die " viele ", die dazu geladen werden, sind die Juden und das ganze Volk in Israel, welches von Abraham an, durch die Propheten besonders geladen wurden. Denn dem Erzvater Abraham ist der Same verheißen, durch welchen der Segen kommen sollte. Und ist ihm also dies Abendmahl, als dem Vater dieses Volkes, zuerst verkündigt, danach haben es die Propheten weiter gesagt und das Volk darauf gewiesen, daß es unseres Herrn Gottes willen nicht verfehlen sollte, er hat sie also fleißig laden lassen. Darum setzt auch Paulus in seinen Episteln erst den Juden immer vor (. Den Juden vornehmlich und auch den Griechen.)

13. Da nun die Stunde kam, daß man zu Tisch stehen sollte, das ist, daß es um diese Zeit war, daß unser Herr Christus geboren war, und sollte leiden und wieder auferstehen von den Toten, und sein ewiges Reich anfangen, da gingen die Knechte aus, Johannes der Täufer und die Apostel, und sagten zu den geladenen, zu dem Volk Israel. Liebes Volk, bisher seid ihr geladen; jetzt ist es Zeit, kommt jetzt wird man anrichten. Euer Herr oder Messias ist schon geboren, gestorben und wieder auferstanden; darum bleibt nicht lange draußen, kommt zu Tische, esset und seid fröhlich, das ist, nehmet euren verheißenen Schatz mit Freuden an, der euch vom Fluch und Verdammnis erledigt und selig gemacht hat. Und ist solche Botschaft besonders den höchsten im Volk vorgetragen, die im geistlichen und weltlichen Regiment waren. Aber was taten sie dazu?

Sie fingen alle an nach einander sich zu entschuldigen.

14. Das ist eine Lektion für die Gäste, die mit Christus zu Tische sitzen, und besonders für den unnützen Schwätzer, der Christus am Tisch meistern will und viel vom Brot im Reiche Gottes predigt:. " Selig ist, der das Brot ißt im Himmelreich ". Ja, spricht er, willst du wissen, wie selig du bist, ich will dir es sagen: es ist schon angerichtet; Johannes, der Täufer, ist da; ich und meine Apostel bitten euch jetzt zu Tisch: aber ihr bleibt nicht allein draußen, sondern wollte euch noch entschuldigen und rein sein; versündigt euch also zweifach: daß ihr das Evangelium verachtet, und wollt dennoch recht getan haben, dazu noch heilig, fromm und klug sein. Dieses ist eine verdrießliche Sünde. Denn an dieser wäre es viel, viel zuviel, daß man unseres Herrn Gottes Wort nicht annimmt und nicht glaubt; daß man aber noch weiter fährt, und verachtet und will noch dazu gerecht sein, dieses ist sehr schlimm und nicht zu leiden. Wie die Katholiken jetzt auch tun: sie wollen noch darum gerühmt sein, daß sie das Sakrament nur unter einer Gestalt gegeben, die Ehe verboten und anderes gottloses Wesen in der Kirche angerichtet habe; ja verdammen noch uns dazu, ermorden und jagen die Leute, die diese Greuel nicht annehmen wollen.

15. Die Juden machen es ebenso, und entschuldigen sich, da sie geladen werden, und sprechen:. Sie könnten diese Lehre nicht annehmen; denn sie wäre gegen das Priestertum und Gesetz, daß Gott selbst durch Mose gegeben hätte, es möchte sonst Zerrüttung im Regiment folgen, welches Gott selbst geordnet hat. Darum entschuldigt sich hier der erste mit dem Acker, der andere mit den Ochsen, und beide meinen, es sei wohl und richtig getan; der dritte entschuldigt sich hier gar nicht, sagt schlecht ab, er könne nicht kommen. Dies sind dieser Heiligen Entschuldigungen gegen das Evangelium, daß sie erstlich das Gesetz Mose und ihren Gottesdienst vorbringen. Denn weil die Apostel predigten, daß weder Gesetz, Tempel, noch Priester nötig wären, weil der rechte Hohepriester vorhanden wäre, Jesus Christus, aus dem Stamme Juda, durch dasselbe Opfer allein müßte man selig werden; diese Predigt wollten sie nicht leiden, sondern ihr Gesetz behalten; ließen also Christus und das Evangelium fahren, und warten bis auf den heutigen Tag auf ihren Führer, wann ihr Messias kommt, und das alte Priestertum und Königreich, wie es gewesen ist zu der Zeit David, wieder aufrichte.

16. Dieses führt hier Christus mit dem kaufen vom Acker an, daß der erste sagt:. " Ich will meinen Acker beschauen "; das ist, wir Priester müssen arbeiten und ernten, das ist, müssen das Volk regieren (wie Christus auch die Prediger Ackerleute heißt, die das Evangelium säen), wir müssen unseres Priestertum warten. Weil aber die Lehre der Apostel dagegen ist und auf einen anderen Priester und ein anderes Opfer zeigt, verdammen wir diese falsche Lehre und wollen zu diesem Abendmahl nicht kommen. Also entschuldigen sich auch die anderen, so im weltlichen Regiment waren, mit den Ochsen. Denn Ochsen heißen die Regenten im Volk (Psalm 22, 13:. " Große Farren haben mich umgeben, fette Ochsen habe mich umringt "). Denn sie dachten:. Wir haben ein Königreich und Regiment, von Gott selbst gestellt; da müssen wir bleiben, und sehen, wie wir es erhalten. Wenn wir aber dieser neuen Lehre anhängen, sollten wir wohl alles verlieren; darum immer weg mit dieser Predigt! Die dritten sagen:. Das Evangelium ist eine Lehre, die will nicht lassen geizen, sondern lehrt alles in eine Gefahr setzen, Leib und Leben, Geld und Gut, um Christie willen; darum wollen wir nicht kommen, sondern unsere Häuser ohne diese Gefahr behalten. Denn Weib nehmen heißt hier nicht damit Unzucht treiben oder etwas Böses und unehrliches vorhaben, sondern sich das vornehmen, womit ein Hauswirt umgeht, daß man denkt, wie man wohl sein Haus erhalte und mehre. Denn die Juden sahen darauf, wie Mose ihnen, wenn sie fromm wären und Gottes Gebot hielten, verheißenen hatte zeitlichen Segen, das Vieh, Acker, Weib, Kind, alles gesegnet sein sollte. Darum trachten sie nur danach, daß sie Küche und Keller voll haben und reich werden, und meinten dann, sie wären fromm und Gott hätte sie so gesegnet.

17. Also entschuldigen sich die Katholiken auch und sagen: die Lehre sei wohl richtig, aber man müsse dennoch bei der Kirche bleiben und keine Trennung anrichten, sonst würde Aufruhr und Spaltung folgen. Haben auch somit Sorge, wenn sie das Evangelium annehmen, sie müssen ihre Kirche oder Obrigkeit dadurch verlieren, obwohl doch das Evangelium allein die richtige christliche Kirche erbaut und gegen alle Gewalt und Aufruhr schützt. Dazu hindert sie der Geiz auch, daß sie nichts bei dem Evangelium sehen, als lauter Armut und Verfolgung. Aber wie wird es ihnen gehen? Genau wie den Juden, die haben so lange und fest über ihrem Gesetz, Priestertum, Königreich und Gütern gehalten, daß sie zuletzt ganz und daran gescheitert sind und alles verloren haben, daß sie jetzt im Elend, unter fremden, wie auf einer Schaukel sitzen, und dazu dieses Abendmahl verlieren müssen, wie der Hausvater sagt:. " Ich sage euch, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird ". Doch er will es nicht vergebens zugerichtet haben; darum sieht er sich nach anderen Gästen um, wie nun folgt:.

Da ward der Hausvater zornig, und sprach zu seinen Knecht:. Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt.

18. Als wollte er sagen:. Nun, weil es euch darum zu tun ist, daß ihr euren Acker und Ochsen besehen und Weiber nehmen wollt, und mein Abendmahl darüber versäumen, das ist, ihr wollt euer Priestertum, Königreich und Reichtum erhalten, mich und mein Evangelium fahren lassen: will ich die Sache so machen, daß hier alles, so hier auf diese Weise zu erhalten denkt, verlieren sollt, dazu mein Abendmahl auch nicht schmecken, und mir andere Gäste schaffen. Darum gehe du hin, Knecht, auf die Straßen und Gassen in die Stadt, und führe die Armen und Krüppel, Lahmen und Blinden herein. Dieses ist so unter den Juden geschehen. Denn da die großen Herrn, Fürsten und Priester, und was das beste im Volk war, daß Evangelium nicht annehmen wollten, aus der Ursache wie oben angezeigt, hat unser Herr Gott die geringen Fischer, das arme, elende und verachteste Häuflein, angenommen. Wie Paulus im erste Korinther 1,26 ff.:. " Sehe an, lieben Brüder, euren Beruf: nicht viel Weise nach dem Fleische, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen, sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß er die Weisen zu Schande machte; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß er zur Schande machte, was stark ist; und das Unedle vor der Welt, und das Verachtete hat Gott erwählet, und das da nichts ist, daß er zunichte machte, was etwas ist ". Nach diesen Spruch ist der meiste Teil, was in diesem Volk weise, heilig, reich, gewaltig gewesen ist, von Gott darum verworfen worden, daß sie das Evangelium nicht annehmen wollten. Dagegen hat Christus die albernen, einfältigen, geringen Leute angenommen, als, Petrus, Andreas, Philippus, welches arme Fischer und Bettler waren, die niemand groß achtete, daß sie den Priestern und Fürsten im Volk die Schuhe wischen sollten. Denn sie waren die Grundsuppe, und wie es Jesaja sagt, die Hefen von dem guten, köstlichen Wein; und allein die Hefe sind geblieben, die der Herr hier Arme, Lahme, Krüppel und Blinde heißt. Diese kommen zu den Gnaden und Ehren, daß sie auf diesem Abendmahl Liebe Gäste sind und alle Fülle habe.

19. Das nun der Pharisäer sagt:. " Selig sind die, die das Brot im Reich Gottes essen "; Ja, antwortet Christus, selig sind die; aber dir und deinesgleichen ist es nur zu tun um einen Acker und Ochsen, davon redest du. Darum sollst du wissen, daß ein Abendmahl angerichtet ist, davon die Armen essen sollen, wie Christus in Matthäus 11,5 spricht:. " Den Armen wird das Evangelium gepredigt "; denn die Gewaltigen, Heiligen, Weisen wollen es nicht haben und sollen es auch nicht haben. Das heißt ja den Juden richtig den Kopf waschen, und besonders diesem hier, der so klug sein will und Brot im Himmelreich essen, und dennoch das Priestertum und Königreich erhalten will, es bleibe Christus und sein Evangelium, wo er wolle. Denn also steht sein Herz, daß er des Herrn Christie gar nicht bedürfte zum Himmel; sondern unser Herr Gott werde zu ihm und allen Juden sagen:. Kommt, die Juden, und besonders ihr Priester ihr Heiligen, ihr Fürsten, ihr fetten Bürger, euch ist das Abendmahl bestellt. Ja, sagt er, wahr ist es, geladen seid ihr; aber ihr achtet es nicht und entschuldigt euch, und wollt auch noch Recht haben. Darum lasse ich euch gehen, und nehme eher das geringe Volk an, die Krüppel und Lahmen.

20. Dieses alles geht vom Evangelium allein auf die Juden. Denn er sagt von den Lahmen und Krüppeln, die auf der Straße und der Gasse in der Stadt sind, und heißt das Judenvolk eine Stadt, darum daß sie ein ordentliches und wohl geordnetes Volk gewesen sind, und haben das Gesetz, Gottesdienst, Tempel, Priester, König, alles von Gott selbst geordnet und durch Mose angerichtet. Nun schickt er seinen Knecht auch auf die Landstraße, und befiehlt ihm, er soll Gäste nehmen, wo er sie findet, auch die Bettler an den Zäunen, und überall .

und der Herr sprach zu dem Knechte:. Gehe aus auf die Landstraßen, und an die Zäune, und nötige sie herein zukommen, auf das mein Haus Volk werde.

21. Dieses sind wir Heiden, die wir in keiner Stadt gewohnt, das ist, keinen besonderen Gottesdienst gehabt wie die Juden; sondern abgöttisch gewesen sind, deswegen nicht gewußt haben, was wir oder Gott wäre. Darum heißt unser Ding ein freier, offener Platz, auf der Landstraße, im Felde, wo der Teufel überall hinläuft und seinen Raum hat, wie er will. Da gehe hin, spricht der Hausvater, und nötige sie herein. Denn die Welt hat diese Unart, daß sie sich immer wieder gegen das Evangelium sperrt, und will diese Lehre nicht dulden, dagegen aber will dieser Hausvater sein Haus voll Gäste haben; denn er hat alles so gerüstet, daß er Leute haben muß, die Essen, Trinken und fröhlich sind, sollte er sie gleich aus Steinen machen. Und dieses ist auch die Ursache, daß Gott die Welt so lange läßt stehen, so er doch Ursache genug hätte, um unserer Sünde willen sie in jedem Augenblick in einen Haufen zu stoßen. Aber er tut es darum nicht, daß er noch auf mehr Gäste wartet, die auch zu dem Abendmahl gehören. Darum weil nun seine Knechte das liebe Evangelium zu uns bringen, ist dieses ein Zeichen, daß wir, die wir getauft sind und glauben, auch zu diesem Abendmahl gehören. Denn wir sind die großen Herren, die hinter den Zäunen liegen, das ist, blinde, arme, verlorene Heiden. Aber wie zwingt er uns? Will doch unser Herr Gott keinen gezwungenen Dienst haben?

22. Also zwingt er uns, daß er uns läßt predigen:. " Wer glaubt und getauft wird, der wird selig; der aber nicht glaubt, der wird verdammt ". Da zeigt er beides an, Hölle und Himmel, Tod und Leben, Zorn und Gnade. Denn in der Predigt wird uns erst offenbart unserer Sünde und unser verderblicher Stand, daß wir da vor erschrecken müssen, weil wir hören, daß hier, sobald wir geboren werden, unter des Teufels Reich und in Gottes Zorn sind.

23. Dieses heißt also richtig genötigt, wenn man sich also fürchtet vor dem Zorn Gottes und Hilfe von ihm begehrt. Wenn nun solches auch durch die Predigten geschehen ist, und die Herzen so zerschlagen und erschreckt sind, so predigt man denn weiter und sagt:. Lieber Mensch, verzage darum nicht, wenn du auch ein Sünder bist und ein so schreckliches Urteil auf dir hast; tue also: gehe hin, du bist doch getauft, höre das Evangelium. Da wirst du lernen, daß Jesus Christus um deinetwillen gestorben, und für deine Sünde durch seinen Tod am Kreuz genug getan hat. Glaubt du das, so sollst du sicher sein vor dem Zorn Gottes und ewigem Tode, und sollst auf diesem herrlichen Abendmahl ein Gast sein, und essen, daß du fein fett und stark werdest.

24. Dieses heißt " nötigen ", nämlich, mit der Sünde schrecken: nicht wie der Papst nötigt mit dem Bann. Der schreckt das Gewissen nicht richtig; denn er lehrt nicht, was rechte Sünden sind, sondern geht mit seinem Narrenwerk um: wer seine Ordnung und Menschen Satzungen nicht hält, der soll in den Bann getan werden. Das Evangelium aber offenbart die rechten Sünden und den Zorn Gottes vom Himmel, Römer 1,18, daß wir alle, keiner ausgeschlossen, in Sünden leben und gottlos sind. Das heißt unser Herr Gott uns durch sein Evangelium verkündigen, da er zu den Apostel sagt:. " Gehet hin und predigt Buße ". Nun kann man aber die Buße nicht predigen, man sage denn, Gott ist zornig über alle Menschen darum, daß sie voll des Unglaubens, in in und anderer Sünden sind. In dieser Zorn soll sie schrecken, die Gewissen zaghaft und furchtsam machen daß sie sich selbst nötigen und sagen:. Acht Herr Gott, was soll ich doch immer tun, daß sich von diesem Jammer frei werde? So wird man ihm sagen:. Setze dich hier und iß (denn es sind noch viele Tische frei und viel Essen da) das ist, du bist getauft, darum glaube an Jesu Cristum, daß er für deine Sünde gestorben und genug getan hat. Sonst ist kein anderes Mittel, dadurch dir könnte geholfen werden, denn das du getauft werdest und glaubst. Dann wird der Zorn aufhören, und vom Himmel nur Gnade und Barmherzigkeit, Vergebung der Sünden und ewiges Leben scheinen.

25. Darum ist " nötigen " hier als als Buße und Vergebung der Sünden predigen, Zorn über die Sünder und Gnade über die Gläubigen. So dringt der Zorn und die Buße, daß man nach der Gnade laufen und schreien muß. Dieses ist der rechte Weg zu diesem Abendmahl. Und wird also aus Juden und Heiden eine christliche Kirche, und werden alle zusammen heißen arme, elende Leute, Lahme und Krüppel. Denn sie nehmen das Evangelium nach diesem Schrecken herzlich an und kriechen zum Kreuze. Wer aber dieses nicht tun will, ist er auch noch gleich so weise und klug, wie er immer nur kann, so hatte er hier sein Urteil, daß er dieses Abendmahl nicht schmecken kann, das ist, der Zorn Gottes solle über ihm bleiben, und soll verdammt werden wegen seines Unglaubens. Denn da fragt unser Herr Gott nicht nach ( wie zuvor gesagt), daß sie reich, weise oder heilig sind. Und wenn sie auch schon sicher sind, und meinen, es hat mit ihnen keine Not, werden sie es doch erfahren, daß dies Urteil nicht lügen wird, welches der Herr hier schließt:. Sie sollen es nicht schmecken, mein Abendmahl. Wir aber, die es annehmen, und mit erschrockenen Herzen, unserer Sünde wegen, die Gnade Gottes, welche uns im Evangelium durch Christus verkündigt und angeboten wird, nicht ausschlagen, bekommen für Zorn Gnade, für Sünde Ewige Gerechtigkeit und für den ewigen Tod das ewige Leben.

26. Dieses schrecklich Urteil geht heutigen Tages, wie wir sehen, gewaltig unter Türken und Juden, daß sie keinen Geruch des Evangeliums haben; ja es ist ihnen ein Ekel, daß sie es nicht leiden und hören können. Also sind unsere Päpste mit Kardinälen und Bischöfen auch, sie riechen diese Kost nicht, daß sie davon sollten satt werden. Aber wir, die wir aus Gottes sonderlicher Gnade zu dieser Lehre gekommen sind, werden fett, stark rund fröhlich davon, und sind über dieser Mahlzeit guter Dinge. Gott gebe, daß wir also beständig bleiben bis ans Ende, Amen.

27. Also will nun der Herr in diesem Gleichnis uns ermahnen, daß wir das Evangelium sollen teuer und Wert achten, und uns nicht halten zu dem Haufen, die meinen, sie seien klug, weise, mächtig und heilig. Denn hier steht das Urteil:. Sie sollen verworfen sein und dieses Abendmahl nicht schmecken. So soll es uns auch gehen, wenn wir unsere Äcker, Ochsen, Weiber, das ist, geistliche, wie man es jetzt heißt, oder weltliche Ehre, samt den zeitlichen Gütern, lieber wollen als das Evangelium.

28. Er sagt mit einfachen, geringen Worten:. " Schmecken sollen sie mein Abendmahl nicht ". Als wollte er sagen:. Nun, mein Abendmahl ist auch etwas; und was gilt es, es soll viel besser sein, wie ihre Ochsen, Äcker und Häuser, oder Weiber, wenn sie es jetzt verachten und ihrer Äcker, Ochsen, Häuser viel köstlicher halten. Denn es wird die Stunde kommen, wenn sie ihre Ochsen, Äcker, Häuser verlassen müssen, daß sie gerne wollten mein Abendmahl schmecken. Aber es soll dann auch heißen:. Lieber, ich bin jetzt nicht zu Hause, ich kann nicht auf die Gäste warten, gehet hin auf eurer Äcker, zu euren Ochsen, in eure Häuser, die werden euch wohl ein besseres Abendmahl geben, weil ihr mein Abendmahl frech und sicher verachtet habt. Ich hatte auf Gäste gewartet und viel Mühe damit gemacht; das habt ihr verachtet: habt Ihr es nun besser gekocht, so esset es und seit fröhlich, aber mein Abendmahl sollt ihr nicht schmecken.

29. Dieses werden dann harte Worte und ein schreckliches Urteil sein an jenem Tage, wo er mit klaren Worten sein Abendmahl das Ewige Leben heißen wird, und ihrer Äcker, Ochsen und Häuser das höllische Feuer, und dabei fest bleiben, daß sie sein Abendmahl nicht schmecken sollen in Ewigkeit, das ist, es soll keine Hoffnung mehr da sein, daß ihnen geholfen werde. Denn da wird weder Buße noch Reue helfen. Darum sind dieses schreckliche heftige Worte, die des Hausherrn großen, unendlichen Zorn an. Denn das ist die Art von großen Herren und hohen Leuten: wenn sie zornig werden, so reden sie nicht viel Worte; was sie aber reden, da wiegt dann ein Worte wie ein Zentner; denn sie haben einen heftigen Sinn, als sie reden können. Wieviel mehr werden diese kurzen Worte des allmächtigen Herrn einen unaussprechlichliche Zorn deuten, der nie mehr versöhnt werden kann.

30. Noch gehen wir also dahin als hätte solche harten, schrecklichen Worte etwa nur ein Narr oder ein Kind geredet, daß wir lachen möchten und Spotten; Bruder als wäre es unseren Herrn Gott der Scherz, und hören noch sehen nicht, daß der Text ganz klar sagt, er sei zornig und habe solches aus großem Zorn geredet, und er ist nicht ein Narr oder ein Kind, sondern der Herr und Gott über alles, vor welchem wir zittern und erschrecken (wie die Schrift sagt) die Berge mit Grund und Boden, auch beide, Meer und Wasser vor ihm fliehen. Noch ist der Mensch so hart und eisern, daß er sich gar nicht davor fürchtet, sondern noch verachtet und seinen Spott daraus macht.

31. Aber wir Prediger sind hier entschuldigt; denn wir vermahnen euch treulich genug, daß ihr dieses Abendmahl mehr denn alles Geld um Gut auf dieser Erde sollt annehmen. Deswegen an jenem Tage die ganze Welt uns wird müssen Zeugnis geben und bekennen, wir haben keine Schuld. Denn wir sagen es so fleißig und treulich, daß auch unser Gegenteil davon weiß, und schimpft unsere Lehre eine Ketzerei. Das nehmen wir mit Dank von ihnen an. Denn damit bekennen sie, daß sie es ganz bestimmt gehört, gelesen und gesehen, und wir nicht geschwiegen haben. Haben wir aber nicht geschwiegen, sondern treu und fleißig alles gelehrt und gepredigt, also, daß unsere Feinde selber sagen:. Wir haben es zu toll getrieben: ach! So laßt den Mann richten, den wir dafür halten, er hat es uns erzählt; und laß den Mann sie verteidigen oder uns verdammen, der sie treibt zu verdammen. Es gelte im Namen Gottes, welches der rechte Gott, welcher Christus der rechte Christ, welche Kirche die rechte Kirche ist; es wird sich finden, wenn der Schnee geht. Wir wollen Gott bitten, daß er uns in solcher Lehre und Glauben durch seinen Heiligen Geist gnädig erhalten wolle, so werden wir gewißlich willkommen und liebe Gäste zu dieser Mahlzeit sein. Das verleihe uns unser lieber Vater im Himmel um seines Sohnes, Christie Jesu, willen, durch seinen Heiligen Geist, Amen
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 09.07.2011 04:49

Am dritten Sonntag nach Trinitatis


Lukas 15,1 - 10


Es nahten zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen:. Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:. Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eines verliert, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste, und hingehe nach dem verlorenen, bis das ers finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heim kommt, ruft er seinen Freunden und Nachbarn, und spricht zu ihnen:. Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch:. Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welch ein Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verliert, die nicht ein Licht anzündet und kehre das Haus, und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen, und spricht:. Freuet euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder der Buße tut.


1. Dieses ist eines der tröstlichen Evangelien, daß man im ganzen Jahr predigt, darin der Herr Jesus uns lehrt, daß sein Amt ein Hirtenamt ist, daß er den Sünder nachgehen, sie suchen und wieder zu recht bringen soll, daß sie dem Wolfe, dem Teufel, nicht zu Teil und ewig verdammt werden. Solche Predigt aber ist, daß allerlei Zöllner und Sünder den Herrn Christus nachliefen, daß sie seine Predigt hörten. Dieses sahen die Pharisäer und Schriftgelehrten, murrten darüber und legten ihm das sehr übel aus, als wäre es eine besondere Leichtfertigkeit. Denn einem Frommen Mann steht es zu, daß er sich zu Frommen Leuten halten und gesellen soll. Aber der Herr antwortet sehr wohl und sagt:. Er tue eben das, daß sonst die Leute tun in anderen Sachen, an denen nicht einmal soviel gelegen ist. Will also von Pharisäern ungestraft sein und in seiner Sache recht erhalten.

2. Denn dieses ist die Frage worum es hier geht:. Wie mit den Sünder umzugehen und was mit ihnen zu tun sei? Es ist genau mit zwei Menschen, die doch beide Gottes Wort studiert haben, zusammen kommen; so ist die Antwort auf diese Frage sehr unterschiedlich. Die Pharisäer und Schriftgelehrten wissen von Gottes Worten nicht mehr, denn was Mose und das Gesetz gelehrt. Weil nun das Gesetz immer so predigt:. Gott will denen gnädig sein, die fromm sind und seine Gebote halten; dagegen die Bösen, die seine Gebote nicht halten, strafen; daher kommt es, daß die Pharisäer und Schriftgelehrten hier meinen, es wäre von den Menschen nicht recht, mit den Sündern umzugehen, denn wie Gott mit ihnen umgeht. Weil Gott über sie zornig ist, sich ihrer nicht annimmt, sollen sie die Leute auch nicht annehmen, sondern fahren lassen.

3. Genauso urteilt unsere Vernunft auch. Sobald ein Mensch seine Sünden spürt und gewahr wird, denkt er, Gott zürne, es sei keine Gnade da, man müsse ein großes Unglück erwarten. Wie wir es an Adam und Eva auch sehen: als sie von dem verbotenen Baum gegessen, und das Gewissen ihnen schlug, sie hätten wieder Gott getan; da verkrochen sie sich und durften sich nirgends sehen lassen. An den jungen Kindern sehen wir es auch: wenn sie wissen, daß sie Unrecht getan haben, verstecken sie sich. Denn das ist die Art der Sünde, daß sie ein ängstliches Herz macht, daß sich um Ungnade und Strafe sorgt. Da aber, wo das Gewissen unschuldig ist, da bekommt der Mensch einen Mut, fragt nichts danach, ob jemand sich ungnädig stellt; denn dar steckt das Vertrauen immer im Herzen. Du weißt, daß unschuldig ist, es wird sich ein anderer finden, der schuldig ist, daß du frei ausgehen wirst.

4. Wenn nun ein Herz, daß weiß das es schuldig ist, natürlich nichts anderes kann als sich fürchten, und deswegen alle Gnade vergißt, und auf Ungnade wartet, also urteilen die Pharisäer hier von den Sündern auch. Sie sehen, daß Zöllner und Sünder in einem sündigen Stande bis er gelebt; schließen deswegen schnell darauf:. Mit bösen Buben soll niemand umgehen, noch ihnen einige Gnade beweisen; denn Gott selbst ist ihnen ungnädig, will ihrer nicht, will nur fromme, gottesfürchtige Herzen haben, die mit solchen groben Sünder nicht geladen sind.

5. Aber da denke du ihm nach, wenn solch ein Urteil wahr sein soll, daß Gott mit den Sündern keine Geduld tragen und immer mit der Keule zuschlagen will, wie wird es uns allen gehen? Wo wird er Leute und eine Kirche haben? Denn wenn wir auch in äußerlichen groben Sünden und Laster nicht liegen: es ist, Gott Lob! Mancher Ehemann, der seine Ehe nicht gebrochen, mancher, der mit der Hand nicht gemordet, nicht gestohlen, noch anderes getan hat, daß unehrlich und ungöttlich ist, so müssen wir uns alle vor Gott als Sünder bekennen. Denn wir sehen und erfahren, daß in unseren Herzen nichts Gutes ist, wenn auch an einem die Hände, der Mund und andere Glieder rein sind denn an einem anderen. Nun will aber Gott nach dem Herzen sein Urteil stellen. So nun Gott allen Sündern gnädig sein soll, sie wegwerfen und ihrer sich nicht annehmen, wie die Pharisäer hier das Urteil nach dem Gesetz fällen: so müßte ja folgen, daß kein Mensch kann selig werden. Aber die Pharisäer selbst müssen bekennen, diese Meinung ist falsch und unrecht.

6. Darum fällt unser lieber Herr Jesus Christus ein anderes Urteil und will solche Antwort der Pharisäer ganz und gar nicht gelten lassen, und macht das Widerspiel, nämlich, daß Gott den Sündern nicht feind ist, und auch nicht Lust an ihrem Tode hat; deswegen könne er, der Herr Christus, ihnen auch nicht feind sein, er ist deswegen in diese Welt gekommen, daß er die verirrten Schafe suchen und wieder zu recht bringen will. Und alle Menschen, besonders aber die Prediger, sollen diesem Beispiel folgen, daß sie, genau wie man ein Haus pflegt, wo etwas verloren ist, allen Fleiß dahin wenden soll, daß das verlorene wieder gefunden werde.

7. Dieses ist eine andere Lehre und Predigt denn als sie Mose und die Gesetzes Predigt, die nicht in unseren Herzen gewachsen, sondern durch den Sohn Gottes vom Himmel herab zu uns gebracht ist. Wie Johannes der Täufer sagt:. " Gott hat niemand jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat es uns verkündigt ". Denn solchen Willen Gottes, daß er mit den Sündern nicht zürnen, sie wegen der Sünden nicht verdammen, sondern viel lieber zu Gnade annehmen und sie selig machen will, weiß kein Mensch. Das Widerspiel wissen und fühlen wir. Deswegen wo die Sünde ist, da folgt, wie zuvor gemeldet, daß man sich vor Gott fürchtet. Aber da lehrt uns unser lieber Herr Christus durch sein Evangelium, daß es eine andere Meinung mit den Sündern vor Gottes Gericht habe, daß er nicht über sie zürnen, sondern sie zu Gnaden annehmen will, und daß die Engel in Himmel oben alle Freude und Lust daran haben, wo die Sünder zur Buße kommen und sich bekehren.

8. Diese Lehre soll man darum fleißig merken, weil unsere Vernunft das Widerspiel schließt, daß wir uns gegen unser Böses Gewissen und Sünde lernen sollen trösten. Denn wer ein solche Anfechtung irriges Gewissens seinem eigenen Herzen, Vernunft und Verstand folgen will, der geht dahin, und ist die weder zur raten noch zu helfen, er muß verzweifeln. Darum liegt alle Macht an denen, daß hier, gegen unser eigenes Herz und Gewissen, mit Christus dahin kommen, und sagen:. Ich bin ein armer Sünder, das kann, ja, will ich nicht leugnen; ich will aber darum nicht verzweifeln, und mein Gott wollte mich nicht. Ursache, meinte Jesus Christus sagt, es ist ein Sünder gleich wie ein Schaf, das seinen Hirten verloren und in die Irre geraten ist. Solche ein irriges Schaf will er nicht in der Irre lassen, sondern suchen, und zu den anderen Schafe tragen. Das ist ja ein Zeichen, daß er uns wegen der Sünde nicht wegwerfen, sondern allen Fleiß dahin wenden will, wir uns von Sünden und wieder zur Gnade bringen kann.

9. Nun zeigt aber das Evangelium an anderen Orten genug Ursache an, warum Gott die Sünder nicht will wegwerfen. Nämlich, wie Johannes im dritten Kapitel steht, daß er ein solcher Gott sei, der der Welt nicht feind ist, sondern sie lieb habe, und so lieb, daß er seinen eingeborene Sohn ihr geschenkt, und zur Versöhnung gegeben hat, auf das die Welt solches Opfers sich trösten soll, und wegen der Sünden nicht verzagen soll. Denn obgleich Gott auch andere Wege hätte um uns Menschen zu helfen, so ist doch diese Hilfe deswegen von ihm gut vorgenommen, weil sein eingeborener Sohn selbst unsere Sünden auf sich nimmt und dafür bezahlt, daß wir keinen Grund haben, an solcher Bezahlung zu zweifeln. Denn das muß folgen, daß Gott mehr gefallen und seinen Sohn und an seinen Tod und Sterben hat, denn an unseren Sünden.

10. Neben diesen Ursachen zeigte Jesus im heutigen Evangelium einen besonderen Gedanken an, welchen er in dieser Sache hat, daß er uns nicht lassen kann, er muß um die Sünder sein, sie suchen, und alles machen, was zu ihrer Seligkeit dienlich ist, und sagt:. Es gehe ihm eben, wie es uns Menschen geht. Ein reicher Mann, der 10000 Gulden besitzt, wenn ihm tausend gestohlen oder verloren werden, so ist dies nichts anderes, denn als wenn er alles verloren hätte. Denn daß er noch etwas übrig hat, daß Freude und tröstet ihn nicht so viel, alles wie er sich um das verlorene bekümmert. Das ist unsere Art, und heißt billig, wenn es nur das zeitliche antrifft, eine Unart. Denn da sieht man, daß Gott immer mehr läßt, als der Teufel nimmt. Deswegen sollte man sich des Zeitlichen Unfalls nicht soviel bekümmern lassen, sondern sich mit dem trösten, daß wir noch etwas und das meiste behalten, und Gott uns täglich mehr bescheren und das unseren mehren kann.

11. Diese Art nun, spricht unser lieber Herr Christus, habe ich auch. Die Sünder sind mein erkauftes, teuer erworbenes Gut und Eigentum; denn ich habe sie mir erkauft durch mein Leiden und Sterben. Sollte es mir nun nicht weh tun, und sollte ich nicht darum nicht heftig bekümmern und annehmen, daß sie aus den Wege und mir wieder aus den Händen gehen, dieses ist doch wohl unmöglich; denn sie kosten mich zuviel, und sind mir zu sauer geworden, und ich bin traurig, daß sie dem Teufel gehören sollten. Deswegen kann ich es nicht lassen, so bald mir eines meiner Schäflein verläßt, so muß ich mich stellen, als würden mich die anderen gar nicht kümmern, und nur dem verlorenen nachgehen, es suchen, daß es den bösen Wölfen nicht zur Beute werde. Eben wie eine Mutter, die viel Kinder hat, die sind ihr alle lieb, und wollte nicht gern eines unter ihnen geraten. Wenn es nun aber geschieht, daß eines fällt oder krank wird, so macht die Krankheit einen Unterschied zwischen den anderen Kindern allen, daß das Kranke das liebste ist, und die Mutter sich keines mehr annehmen, und sich um keines fleißiger kümmert. Wer nun über diese Liebe urteilen will, der müßte sagen:. Die Mutter hat nur das Kranke Kind lieb, die gesunden nicht. Also, spricht der Herr hier, ist es mir auch mit den Sündern zu tun.

12. Dieses ist doch das Herz unseres Heilandes auf das freundlichste und lieblichste abgemalt, daß es unmöglich ist, daß man es könnte besser und freundlicher machen, weil er einen solchen großen Kummer, Sorge, Mühe und Arbeit darüber hat, wie er die armen Sünder wieder zu recht bringen kann; und führt uns auf unser eigenes Herz, daß wir doch denken sollen, wie wir gestellt sind, wenn hier etwas verlieren, daß und lieb ist. Also, spricht er, steht mein Herz, also ist es unruhig und bebt, wenn ich sehe, daß der Teufel einen armen Menschen in die Sünde und Irre gebracht hat.

13. Dazu dient auch, daß er das Gleichnis von den Schäflein und Hirten erzählt. Es ist eine böse Sache, wo ein Schäflein von der Weide und von seinem Hirten in die Irre gerät; denn es kann sich selbst nicht helfen, und ist alle Augenblicke in Gefahr, daß der Wolf, der dem Schäflein nachschleicht, es gereift und frißt. In solch einer Gefahr hätte es keine Hilfe, kann sich auch weder schützen noch helfen. Denn es ist kein Tier unter allen Tieren, daß von Natur so bloß und wehrlos erschaffen ist. So ist es auch um einen Sünder, welchen der Teufel von Gott und seinem Wort abgeführt und in die Sünde gebracht hat. Denn da ist er keinen Augenblick sicher, vielmals unser Feind, der Teufel, wie Petrus sagt, umher schleicht wie ein Löwe, und sieht, ob er uns fressen kann. In solch einer Gefahr ist nun dieses der einzige Trost, daß wir einen Hirten haben, unseren lieben Herrn Christus, der sich unser annimmt und sucht uns: nicht darum, daß er uns wegen der Sünden strafen und in die Hölle werfen will, nein, dies ist des Teufels Gedanke und Meinung, sondern wenn er uns findet, daß er uns auf seine Achseln mit Freuden legt und nach Hause tragen will, wo wir vor dem Wolfe sicher sind und unsere beste Weide haben.

14. Wie aber solch ein Suchen zugeht, wißt ihr, nämlich, daß er sein Wort überall öffentlich predigen und klingen läßt. Zugleich hören wir, was für ein schrecklicher Jammer und Last die Sünde ist, die uns in die ewige Verdammnis hinunter wirft. Aber da ist Gott aus väterlicher Liebe gegen uns ungehorsamen Kinder bewegt worden, und hat durch seinen Sohn von diesen Jammer uns Hilfe geschafft, begehrt dafür nichts anderes, denn daß wir mit Danksagung dieses annehmen, an den Herrn Christus glauben, und uns an Gottes Wort halten, und ihm willig und Gehorsam sein sollen.

15. Wenn nun die irrige Schafe, die armen Sünder, solches hören, und fassen eine Zuversicht zu Gott aus dieser Predigt, schlagen in sich selbst, und denken:. Ei, was hast du denn gewollt, du unseliger Mensch, weil du so einen gnädigen Gott hast, daß du dich nicht nach seinem Willen gehalten, und durch den Teufel in Ungehorsam führen lassen hast? Was hilft dir das schändliche Geld, nach dem du so geizt? Wäre es nicht besser, einen geringen Gewinn mit Gott und Ehre, denn das du vor Gott und den Leuten ein großer Wucherer genannt wirst, und deswegen weder Glück noch Heil bei diesem schändlichen Gewinn haben wirst? Was hilft dir das unehrliche, unzüchtige Leben? Wäre es nicht besser, ehelich sein und ein gutes Gewissen haben, denn außer der Ehe in Sünden und Schanden leben, und jeden Augenblick darauf warten, daß Gott mit seinem schrecklichen Urteil straft? Was hilft dir das Schwelgen, Fressen und Saufen, dadurch du nur deines Leibes krank wirst und plötzlich Sterben kannst? Bald, bald umgekehrt und davon lassen, ehe Gottes Zorn dich trifft, der dir doch gerne gnädig sein will, wenn du es nur selbst wolltest und nicht durch mutwillige Sünde nicht tiefer in die Ungnade treibst. Wo solches nun geschieht, nämlich, daß die Herzen in sich schlagen und durch Christus einen Trost fassen, findet der Hirten Jesus seine irrigen Schäflein, die sich nach des Hirten Stimme wenden und in aller Zuversicht zu ihm laufen, und nimmt sie auf seine Achseln, das ist, er vergibt ihnen ihre Sünde und nimmt sie in seinen Schutz und Schirm, daß sie vor dem Wolf und anderen wilden Tieren sicher sein sollen.

16. Hier sieht man aber, was für ein Unterschied zwischen den Sündern ist. In diesem sind alle Sünder gleich, daß sie dem Teufel zu Dienste gegen Gottes Gehorsam sind. Danach aber werden sie ungleich und. Denn etliche unter meiste Teil, man predige und sage Ihnen, was man will, bleiben sie nach wie vor in ihren Sünden, und bessern sich auch nicht, trösten sich selber, und denken:. Ei, es hat nicht Not, Gott ist ledig, er wird immer über dich froh sein, du kommst und begehrst Gnade, wenn du es willst; ich will mich vorher aber noch zu der Welt halten, will vorher noch ein wenig der Früchte genießen, danach will ich auch zur Kirche gehen, Predigt hören und Fromm werden. Diese Schafe hören des Hirten Stimme wohl, aber sie wollen sich nicht finden lassen. Was geschieht dann? Nichts anderes, denn daß sie von Tag zu Tag, je länger je mehr in die Irre geraten, und in des Teufels Stricke kommen, daß sie allein nicht mehr daraus kommen können. Wie man sieht, daß es in der Welt geht, und die Leute im Geiz, Unzucht, Schwelgerei und anderen Sünden ganz ersaufen, daß ihre Natur so wird, daß sie denken, sie können gar nicht anders leben wie sie tun. Davor sollen wir uns hüten, und wenn wir des Hirten Stimme hören, sollen wir bald zu ihm finden, das ist, wir sollen tun, nicht in den Sünden bleiben und fortfahren, sondern umkehren, uns bessern, und glauben, unser Hirte Jesus Christus wird uns nicht in der ihre lassen, sondern in allen Gnaden wieder annehmen und uns mit seinem Vater versöhnen.

17. Denn Buße heißt nicht allein, des äußerlichen Lebens wegen frömmer werden; sondern durch Cristum auf Gottes Güte trauen und Vergebung der Sünden glauben. Solche Sünder will Christus annehmen. Die andern nähme er auch wohl gerne an, sie wollen aber Christus nicht: so muß er sie auch fahren lassen. Denn weil sie sich nicht finden lassen wollen, bleiben sie in der Irre, solange sie wollen, und sehen, wie es ihnen endlich gehen wird.

18. Also tröstet nicht allein dies Evangelium die armen Sünder, daß ihr Hirte, Christus, sie, als die irrenden Schäflein, suchen und annehmen will; sondern lehrt auch, wie wir uns gegen diesen Hirten schicken sollen, nämlich, daß wir seine Stimme hören und derselben nachlaufen sollen. Wie uns die Geschichte des Evangeliums auch meldet, daß diese Leute Zöllner und Sünder gewesen, aber doch dem Herrn Christus darum nachgelaufen sind, als sie ihn hörten. Was hört man aber von Christus? Anderes nicht, denn das Gott den Sündern durch Christus gnädig sein will und sie selig machen; allein das sich locken lassen und nicht ferner in die Irre laufen, sondern wenn sie des Hirten Stimme hören, umkehren, und sich von dem Herrn Christus tragen lassen, der schon ist für ihre Sünde bezahlt und genug getan, und sie mit Gott versöhnt hat. Denn es ist nicht gut, weil Gott so viel an uns gewendet und seine Gnade so reichlich uns bewiesen hat, daß wir seinen Befehl verachten, und uns an seinen Wort nicht halten wollten und ihm auch etwas zu gefallen tun.

19. Deswegen laßt uns auf diese Lehrer merken, auf das wir wieder den Teufel und unser eigenes Herz uns wehren, etwas gegen die Verzweiflung haben, als wäre Gott ein solcher Gott, der mit Sündern keine Geduld hat und sie verdammen will. Denn dieser Gedanke steckt in aller Menschen Herzen. Dagegen muß man mit Gottes Wort gefaßt sein, und dies Bild, daß der Herr Christus selbst uns vorgestellt, in das Herz drücken, daß er ein Hirte sei, und sein Wort darum lasse in die ganze Welt schallen, daß die verirrten Schäflein es hören und zu ihm finden sollen.

20. Deswegen erkennst du dich auch, daß du auch irrig Schäflein bist, welches der Teufel weit vom Wege getrieben und abgeführt hat, so nimm nun diese Predigt von Christus an. Denn um deinetwillen wird es gepredigt, daß du also zur Buße kommst, das ist, daß du dich des Herrn Jesus Christus und seiner Gnade tröstest, und aus des Teufels Stricke kommst und frömmer werdest. Und hüte dich davor, als vor dem Teufel selbst, daß du solche Stimme nicht vorüber läßt, sondern bald umkehrst und dem Hirten nachläufst: so bist du genesen, und hast den Engeln im Himmel eine sonderliche großer Freude angerichtet, die der Nacht gerne um dich sind und dich vor aller Gefahr des Teufels, behüten und schützen werden. Dagegen aber die unbußfertigen Sünder nur Leid, Unmut und Ärger machen, sind sie in ewiger Gefahr jeden Augenblick.

21. Aber unser Heiland Jesus Christus setzt diesem Gleichnis vom Hirten und dem Schäflein noch dazu, von einem Weibe, das einen Groschen verloren hat: dieses geschieht darum, daß er will, daß seinem Beispiel auch andere folgen, und die Sünder nicht verwerfen, sondern sie auch suchen und zur Buße bringen soll. Denn das erste Gleichnis geht allein auf unseren lieben Herrn und Erlöser Jesus Christus; der ist der einzige und richtige Hirte, der den Schäflein nicht feind ist, sondern läßt sein Leben für sie, daß sie beschützt und vor dem Teufel Frieden haben. Das andere Gleichnis aber von dem Weibe geht auf die christliche Kirche, die darum das Predigtamt führt, auf das die armen Sünder zur Buße gelockt, vom ewigen Tode und von Verdammnis gerettet und selig werden sollen. Da freut sich auch, gleich wie der Hirte, wenn sie den Groschen findet, zündet ein Licht an, daß Wort Gottes, und kehrt das Haus, das ist, sie lehrt, wie man Fromm sein und sich der Gnade Gottes durch Cristum vor Gott und seinem Gericht trösten soll. Mit dieser Predigt findet sie den verlorenen Groschen.

22. Dieses heißt Gottes Wort hoch rühmen und preisen, als den einzigen Schatz, der die Sünde und allen Jammer, welches aus der Sünder folgt, als da ist, Tod, Verdammnis, Teufel und die Hölle, wegnimmt, daß wir nicht mehr Sünder und Feinde Gottes, sondern den lieben Engeln im Himmel rund allen Heiligen auf Erden eine besondere Freude sind. Deswegen sollten wir es in allen Ehren und Würden halten, es gern und mit Herzen hören, die es so predigen, lieb und Wert halten; auf das wir zu solcher seligen Frucht auch kommen, aus der Irre und aller Gefahr des leidigen Teufels ledig und los, könnten ewig selig werden. Das verleihe uns allen der Liebe und Treue Hirte unserer Seelen, unser lieber Herr Christus, durch den Heiligen Geist, Amen.


Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 17.07.2011 05:58

Am vierten Sonntag nach Trinitatis


Lukas 6,36 bis 42

Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, da ihr messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleichnis:. Mag auch ein Blinder einen Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balken in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: halte still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuvor den Balken aus deinem Auge und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest.


1. Im heutigen Evangelium lehrt uns unser lieber Herr Christus seine Jünger und uns alle, wie wir uns gegeneinander verhalten und christlich leben sollen. Denn wenn wir gläubig geworden sind, und nun den Namen haben, daß wir Christen heißen, die durch den Herrn Christum von Sünde, Tod und allem Unglück er rettet sind: da soll danach ein neues Leben folgen, daß wir tun, was er von uns begehrt. Dieses neue Leben faßt er in das einige Wort, da er spricht:. " Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist ".

2. Nun weiß aber jeder Mann wohl, was barmherzig heißt, nämlich, ein solcher Mensch, der gegen seinen Nächsten ein freundlich, gütig Herz trägt, Mitleid mit ihm hat, und sich seiner Not und Unglückes, es betreffe seine Seele, Leib und Gut, mit Ernst annimmt, und sich so zu Herzen gehen läßt, daß er denkt, er ihm helfen kann. Beweist dies auch mit der Tat und tut es mit Lust und Freude gern. Ein solches Herz, sagt der Herr, sollt ihr gegen jedermann haben, daß es nicht eine Barmherzigkeit ist, wie der Sünder und Zöllner ist: die üben auch (wie Christus kurz vor diesen Evangelium sagt) Barmherzigkeit unter einander, liebt einer den anderen, erzeigt einer dem anderen Wohltat und Freundschaft, leiht einer dem anderen; aber solches tun sie darum, daß sie Gleiches wieder nehmen. Das ist eine falsche Barmherzigkeit, die darum Gutes tun, daß sie wieder Gutes oder Besseres empfangen.

3. Wir aber, so wir Christen sind, sollen barmherzig sein, wie unser Vater im Himmel: nicht allein gegen die, die unsere Freunde sind, sondern gegen jedermann, auch gegen die, so uns feind sind und verfolgen, auch wenn wir denken, sie sind es nicht wert, daß er ihnen ein freundliches Wort zu sprechen . Wie wir auch erfahren, wie schwer uns das wird. Ei, sprechen wir, was geht mich der Bube an, er hat mir die dies oder das getan, ich erkenne sein unnützes Maul wohl, warum sollte ich ihm helfen? Ich wollte eher, daß ihn die Läuße fräßen. Also will unsere Natur immer uns auf eine falsche Barmherzigkeit ziehen, welcher nur auf unsere Mitgenossen geht, die mit uns Büberei treiben; mit den anderen wollen wir nichts zu schaffen haben.

4. Dieses ist meine Meinung nicht, spricht Christus; sondern wenn euch gleich eure Nächsten beleidigt haben, wollt ihr Christen sein, so denkt, daß ihr barmherzig seid, und so barmherzig, wie euer Vater ist, sonst könnt ihr nicht seine Kinder, noch meine Brüder sein, der ich euch mit meinem Blut von Sünden und Tod erlöst habe. Denn das müßt ihr alle bekennen, daß ihr eurem Gott und Vater im Himmel alles Leid und viel Verdruß getan habt, und seine Gebote nicht gehalten, ja, alle über treten habt, so hätte er Ursache genug zu sagen:. Sollte ich meinen Sohn für solche bösen Buben geben? Zum Teufel mit ihnen, in den Abgrund der Hölle; denn sie fürchten, lieben und Vertrauen mir nicht, ja, verachten, läßtern und haßen mich, schwören und fluchen bei meinem Namen, verfolgen und verdammen mein Wort, sind den Eltern und Obrigkeit ungehorsam, sind Mörder, Ehebrecher, Diebe, Geizhälse, Wucherer, Meineidige, in der Summe, sie tun alle Übel, darum laß sie da hin fahren, wo sie hingehören. Also könnte Gott, spricht Christus, zu euch auch sagen: aber er tut es nicht, sondern über alle eure Bosheit fährt er zu und ist gütig und gnädig, gibt nicht allein Leib und Leben, Essen und Trinken, Weib und Kind, Nahrung und alle Notdurft zu diesem Leben, sondern auch seinen Sohn und das ewige Leben.

5. Solche Barmherzigkeit sollt ihr auch lernen üben. Denn wo schon jemand dich beleidigt, und getan hat, das dir nicht gefällt: was ist das gegen dem, daß du so oft und schwer gegen Gott getan hast? So nun Gott eine so große Barmherzigkeit hat, daß er seinen Feinden seinen eingeborenen Sohn schenkt, daß sie durch ihn erlöst werden von der Sünde und Tod; begibt uns dazu Seele, Leib, Gut und alles, was wir bedürfen, da er ja eigentlich Strafen ja, Hagel, Donner, Blitz und höllisches Feuer, und noch viel mehr Unglück schicken sollte: so lerne du auch an diesem Beispiel, daß du sagen kannst:. Ob mich wohl dieser oder jener stark beleidigt hat, daß ich ihm wünschen würde es sollten ihn die Maden fressen, so will ich es doch nicht tun. Denn dieses wäre nur eine heidnische, und nicht eine christliche Barmherzigkeit. Hat er mir Übel und Unrecht getan: nun, wer weiß, wie ich es verdient hätte. Ich will ihn darum jetzt nicht, da er meiner Hilfe bedarf, laufen lassen; denn ich sehe, daß er Hilfe bedarf und ich ihm helfen kann. Also tut mein Vater im Himmel doch auch mit mir.

6. Man sieht, was für ein großer Frevel in unserem Volk überall ist, jeder will für seine Arbeit und seine Ware soviel Geld haben, wie er nur bekommen kann. Jedermann sammelt Geld, schlemmt und praßt, belügt und betrügt daneben einer den anderen, wo er nur kann. Dieses sollte wohl eine Unlust machen, wenn sie in eine Not kommen, daß man denken würde:. Das ist richtig, damit die Buben müde werden. Aber ein Christ soll nicht so tun, sondern sagen:. Was liegt mir daran, ob sie gleich böse sind? Dieses soll mich nicht bewegen, daß ich auch wollte böse sein, ich will tun wie ein guter Baum. Wenn man die Früchte abbricht, die er getragen hat, über ein Jahr bringt der andere, und zürnt darum nicht, also will ich es auch tun. Habe ich dir zuvor Gutes getan, und du bist und dankbar gewesen und hast mir dagegen Böses getan; damit sollst du mich nicht bewegen, daß ich auch sollte böse werden. Du bist ein Dornstrauch, der nichts weiter kann als stechen, so bleibe es, darum will aber ich keiner werden, sondern ein feiner, fruchtbarer Weinstock bleiben und gute Trauben bringen. Denn also tut mein Vater in Himmel auch:. Der gibt bösen Buben genau so, als Frommen und Gerechten, Vieh, Ochsen, Eier, Butter, Käse, Haus, Hof, Geld, Gut, Leib und Seele, Frieden, schönes Wetter, und was man bedarf. Er läßt die liebe Sonne leuchten, obwohl wir wohl verdient hätten, daß er höllisches Feuer herunter regnen ließe. Aber er tut es nicht: er will kein Dornstrauch werden wegen unseres Undankes willen; sondern spricht:. Wollt ihr nichts anderes denn böse sein, so will ich doch gut bleiben, meine Sonne, meinen Regen über Böse und Gute gehen lassen.

7. Das ist das Beispiel, welches unser lieber Herr Christus uns zeigt, daß wir in solcher Frömmigkeit auch bleiben, und anderer Leute Bosheit uns nicht dazu verleiten sollen, daß wir auch böse werden, wie es in der Welt geschieht, die rächt sich, bezahlt gleiches mit gleichem. Das soll unter den Christen nicht sein, sondern sollen sagen:. Du bist ein Dornstrauch, hast mich übel gestochen; aber um deiner Sünde willen will ich nicht auch zu einem Dornstrauch werden, sondern dir in deiner Not alles Gute tun; dazu Gott für dich bitten, daß er dir solches vergeben, und dich aus dem Dornstrauch zum schönen fruchtbaren Weinstock machen wolle. Das heißt:. " Seid barmherzig, wie euer Himmlische Vater barmherzig ist ", der seinen ärgsten Feinden das allerbeste tut.

8. Nun muß man aber solches also verstehen, daß man nicht denke, Gott will alle Strafe verboten und hinweg haben. Denn Christus predigt hier seinen Jüngern, die kein Regiment hatten. Die Kinder im Hause, die Bauern im Dorf, die Bürger in der Stadt, die Politiker in der Regierung, da verhält es sich anders, denn im Haus regiert Vater und Mutter, im Dorf der Richter, in der Stadt der Bürgermeister usw. die Kinder im Haus, die Bauern im Dorf die Bürger in der Stadt, die Politiker in der Regierung sind alle gleich untereinander, deswegen sollen sie diese Regel untereinander halten, welche der Herr hier gibt, daß keiner dem anderen soll übles tun, sondern untereinander barmherzig sein. Wo aber die Personen ungleich sind, als, Politiker in der Regierung gegen das Volk, der Richter über die Leute, da soll man keine Barmherzigkeit gegen die bösen brauchen, sondern das Böse strafen. Also sollen die Eltern nicht barmherzig sein gegen die Kinder, wenn sie böse sind, sondern strafen, was zu strafen ist, und nichts übersehen. Das fordert Gott von ihnen; und wo Sie es nicht tun, müssen sie Gott harte Rechenschaft dafür geben.

9. Also geht dieser Befehl Christi von der Barmherzigkeit allein auf die, die gleich sind. Wo aber ungleiche Personen sind, der soll ein jeder seines sonderlichen Befehls warten, und sich die Barmherzigkeit an solchem Befehl nicht hindern lassen. Aber wo gleiche Personen sind, Bürger gegen Bürger, Bauer gegen Bauer, Kind gegen Kind, da soll ein Christ sprechen:. Du hast mir Leid und Übel getan, daß dir es Gott vergebe; aber ich habe dich darum nicht zu strafen. Das heißt Barmherzigkeit.

10. Wo nun dir weiter Leid geschieht, so sage es deinem Vater, Richter, Bürgermeister, und sprich:. Daß und das tut mir der; auf das du nur nicht richtest noch urteilst. Also soll kein Kind das andere, kein Bauer, kein Bürger den anderen schlagen, kein Mensch soll den anderen übervorteilen; sondern es soll der Obrigkeit angesagt werden:. Dies und das ist mir widerfahren, ich aber soll es nicht strafen, denn ich habe das Amt dazu nicht. Das heißt denn auch eine Barmherzigkeit, wo man dies ordentliche Mittel sucht bei denen, die dazu die Macht haben, daß den bösen Buben der Mutwillen genommen wird. Also tat Josef. Der sah viel Unrecht von seinen Brüdern, aber er selbst straft es nicht, denn es war ihm nicht befohlen; sondern sagte es dem Vater an: Vater, so tut Simeon, so tut Levi; ihr mögt zusehen und wehren. Das war recht und wohl getan, und ein sonderliches Werk der Barmherzigkeit. Aber er verdiente Ungunst, Haß und Neid damit. Denn seine Brüder konnten es nicht glauben, daß er es so gut mit ihnen meinte und so ein großes Werk der Barmherzigkeit an ihnen täte. Denn mit solchem Ansagen half Josef der Seele vom Teufel und dem Leibe vom Henker.

11. Also solle es unter den Kindern und Menschen auch noch gehen, daß niemand sich selbst räche, sondern aus sanftem und nicht bitterem Herzen der Herrschaft, den Eltern oder Herrn es sage, was für ein Unrecht geschehen ist. Damit hilft eins dem anderen an Leib, Geld und Gut, ja auch an der Seele, daß du nicht mehr so faul, unachtsam, untreu bist, sondern dich besserst. Darum soll das junge Volk solche Barmherzigkeit lernen, wenn dir ein Leid geschieht, oder du etwas schlechtes siehst, daß du nicht dazwischen schlagen, sondern sagst:. Es ist mir leid, ich wollte, du hättest es nicht getan. Solches heißt ein Gebet für deinen Nächsten getan. Danach kannst du hingehen, und dem sagen, der die Macht hat es strafen, daß er es bessern und ändern soll, und den Befehl hat, daß er als tun soll. Denn Gott hat Leute genug dazu verordnet, nämlich, Richter, Herren, Vater, Mutter, Pastoren, und zuletzt auch die Henker, die sollen die Untugend strafen. Die anderen, so in diesen Ämtern nicht sind, sollen es ungestraft lassen und Barmherzigkeit beweisen, das ist, beraten und helfen, womit sie können.

12. So sollen wir nun wohl merken, daß dieser Befehl hier geht gegen gleiche Personen, wo keiner über den anderen Macht oder Befehl hat. Wo aber ungleiche Personen sind, ist einer Vater, der andere Richter, der dritte Amtmann, die sollen gegen ihres Gleichen auch Barmherzigkeit beweisen; aber nicht gegen die Untertanen. Denn da steht der sonderliche Befehl, daß sie das Übel an den Kindern, Volk und Untertanen strafen sollen. Aber wo gleiche Personen sind, die sollen gegen einander ein freundlich, gütig, mitleidendes Herz tragen, helfen, vermahnen, ansagen; das heißt christlich gelebt. Ob man dich aber darüber schimpfen würden, wie die Kinder und das Volk pflegen, und dich einen Verräter heißen, das schadet nicht. Denke du, daß du ein Feigenbaum oder guter Weinstock bleibst, und las dich nur nicht zu einem Dornstrauch machen. Also tut die liebe Sonne auch: die sieht jetzt manchen Menschen an, der die vergangenen Nacht gestohlen hat, wo er die Ehe gebrochen hat, und dennoch bleibt sie eine schöne Sonne, ob du gleich ein schwarzer Teufel, und einer Sünde wegen nicht wert bist, daß sie ansehen solltest. Denn Sie denkt so:. Wenn ich doch auch deine Bosheit sehen mußte, so will ich doch einmal auch zu sehen, daß man dich an den Galgen hänge. Jetzt lachts du meiner und ich muß dir zu deiner Bosheit leuchten; aber was gilt es, wenn du dich nicht besserst, ich werde dir auch einmal zu deiner Strafe leuchten?

Tut

13. Die Erfahrung lehrt uns, daß keine Untugend und Bosheit von Gott ungestraft bleibt. Denn wer Vater und Mutter entläuft, der entläuft doch den Henker nicht. Du mußt entweder büßen und dich bessern, oder gewiß auf die Strafe warten; denn Gott will nichts ungestraft lassen, wo nicht Besserung folgt. Mancher Mörder und Dieb wird nicht gefaßt, zieht aus dem Lande, und entgeht so eine Zeitlang der Strafe; wo aber keine Besserung folgt, so findet es sich letztlich wunderbarer Weise, daß er doch der Obrigkeit in die Hände läuft und seinen Lohn empfängt. Denn das Sprichwort fehlt nicht:. Den Eltern können böse Buben entlaufen, aber dem Henker können sie nicht entlaufen. Darum was der Vater nicht zwingen kann mit der Rute, daß soll des Henkers Strick und Schwert zwingen. Willst du dich an die Lebensstrafe nicht kehren, so leide die Todesstrafe, die ist dein verdienter Lohn.

14. Also wollte der Herr Christus gern, in das wir ein gutes Leben führten, und gute Werke unter einander täten, die rechtschaffen, und nicht ein schlechter Schein wären. Er befiehlt deswegen, wir sollen barmherzig sein, nicht wie die Heiden, die barmherzig sind gegen die, von welchem sie wieder eine Hilfe erwarten, daß also eine Hand die andere wasche. Nicht so, sondern wie der Vater im Himmel, der schüttet mit Haufen herunter, was wir bedürfen, daß die ganze Welt genug hat zu nehmen: nicht allein die Frommen, die hätte er an einem Tage alle bezahlt; sondern auch den Bösen. Darum läßt er seine Güte nicht versiegen, obwohl der meiste Teil böse und und dankbar ist, ja, die Bösen bekommen dabei sogar noch den besseren Teil.

15. Diesen, spricht Christus, setze ich euch, die ihr meine Christen seid, zum Exempel, daß ihr nicht allein euren Freunden helfet; solche Frömmigkeit will ich wohl unter den Heiden bekommen: sondern auch Feinden, wie ihr seht, daß euer Vater die Sonne jedermann leuchten läßt, auch den Mördern, Dieben, Ehebrechern, bösen Buben, Bürgern und Bauern, die es wohl wert wären, daß sie mit den Augen die liebe Sonne nicht sehen sollten. Er tut es aber nicht, er will seine Gnade nicht um der Leute Bosheit willen nicht versiegen lassen.

16. Also, spricht er, tut ihr auch, laßt euch nicht erzürnen, zieht die Hand nicht zurück, wie die Welt pflegt, und sagt:. Ja, es ist alles verloren, was man den Menschen tut. Das ist falsch geredet. Freunden dienen, ist nichts besonderes, denn die Heiden selbst sind so lange freundlich und hilfreich, solange sie wieder auf eine Hilfe hoffen und spüren. Wenn aber die Hilfe nicht kommt, so versiegt auch die Wohltat. Da sieht man es dann öffentlich, daß es nicht ein Quell oder ein lebendiger Brunnen der Liebe, sondern nur Wasser in den Sand getragen und eine heidnische Hilfe. Ihr Christen müßt schon mehr tun, und unverdrossen sein zu helfen, auch euren Feinden, obwohl ihr Undank verdient, und denken:. Wollen sie undankbar sein, nun gut, da ist Gott, der hat noch so viel Teufel, so viel böser Buben auf Erden, so viel Wasser, Feuer, Pest und andere Plagen, damit er strafen kann; der wird das rechte Maß dazu finden. Weil ich nun weiß, daß es nicht ungestraft bleiben kann, so will ich ein süßes, mitleidiges Herz, daß zu raten und zu helfen bereit ist, behalten. Dieses heißt dann ein christliches Herz und christliche Liebe, welche die Heiden nicht haben, denn sie helfen nur dann, wenn sie dadurch Dank und wieder eine Hilfe erwarten. Die Christen aber sollen ein solches Herz und Liebe haben, die, wie eine lebendige Quelle, nicht auszuschöpfen ist, noch versiege, obwohl sich die Wohltat, wie das Wasser in den Sand verliert und umsonst ist. Nun geht unser Heiland weiter, und teilt solche Barmherzigkeit in einige Stücke, und spricht: Richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

17. Der Herr wollte gern, daß wir rechtschaffene Christen würden, die nicht mit Worten den Glauben und das Evangelium rühmen; wie die Leute jetzt tun, die evangelisch sein wollen und viel von Christus sagen und wissen, aber wenn man es recht besieht, ist nichts dahinter. Täuscht also der meiste Teil, auch die, welche das Evangelium haben und hören, sich selbst und fahren zum Teufel mit ihrem falschen Glauben. Solchen Unrat wollte Christus gern wehren; stellt uns deswegen nicht ein fremd, unbekannt, sondern seines Vaters und unser eigenes Exempel vor, daß wir selbst erfahren haben, daß er so mit uns gehandelt hat, und sagt: wir sollen mit anderen Leuten auch so tun.

18. Denn wir sind ja alle im Gericht Gottes und in der Verdammnis gewesen, unserer Sünde wegen. Was hat nun unser Vater im Himmel getan? Ist es nicht wahr, er hat dich weder richten noch verdammen wollen, sondern dir deine Sünden vergeben, und die Hölle und Verdammnis hinweg getan, und dich zu Gnaden angenommen? Solch ein Beispiel hast du an dir unter deiner eigenen Person; dem folge und tue gegen andere auch so: so bist du denn ein rechter Christ, der du ein Christ und glaubst, deinen Nächsten nicht richtest noch verdammst, sondern ihm gern vergibst, was er gegen dich getan hat.

19. So du es aber nicht tun willst, sondern mit dem Schalksknecht, Matthäus 18, dort Gnade empfangen und hier einen anderen dieselbe nicht auch beweisen; so sollst du wissen, daß du kein Christ bist, und das dich Gott wiederum aus der Barmherzigkeit in das Gericht und in die Verdammnis werfe, und dir alle Güter, die er dir gegeben, berauben, und alle Schuld, die er dir erlassen, dir wieder auf den Hals legen will: das sollst du gewiß haben; denn dann steht es:. " Richtet nicht, daß ihr nicht gerichtet werdet ", das ist, wollt ihr nicht aufhören zu richten, so wird euch Gott auch richten.

20. Nun sieht man aber, wie man es so über die Maßen schwer lassen kann; sobald jemand uns im geringsten beleidigt, da geht schnell das Gericht her:. Was soll ich diesem Schalk noch mehr tun? Ich habe ihm dies und das getan, das ist der Dank, also bezahlt er mich. Das heißt eine unbarmherzige Barmherzigkeit und eine schlechte Hilfe, daß man sobald richten will, wenn der Dank nicht folgt. Die richtige Frömmigkeit ist mitleidig, aber die heuchlerische Frömmigkeit ist eine zweifache Unbarmherzigkeit. Das erfährt man dabei, wenn mir einer einen Gulden schenkt, wollte er mich gern damit kaufen und mich zu seinem eigen machen. Darum, sobald ich nun etwas rede oder tue, daß ihm nicht gefällt, oder in einem Fall nicht dienlich ist, bald drängt er mich die Hand zu drücken:. Siehe, daß und das habe ich dir gegeben, warum willst du mir den nicht auch diese Freundschaft tun? Das heißt dienen, daß man dir wieder diene, wie die Heiden tun, und richten.

21. Aber es soll so sein:. Tust du jemand etwas Gutes, und er erkennt es nicht, oder tut dir etwas Böses dafür, dann kannst du ihn wohl warnen, er soll es nicht tun, er würde sich sonst gegen Gott versündigen. Aber das du ihm darum feind werden, und ihn urteilen oder richten und in seiner Not nicht wieder helfen in wolltest, da hüte dich vor. Befiehl ihn seinem Richter; denn du weißt nicht, was Gott mit ihm machen will, ob er sich werde bekehren oder nicht. Bekehrt er sich nicht, so hat Gott, wie zuvor gesagt, so viel Teufel, Henker und sonst böse Buben, daß er ihn zu seiner Zeit wohl strafen kann. Wie man sieht, daß jetzt da, jetzt dort unversehens ein Unglück sich zuträgt. Darum hüte dich, daß du nicht richtest, sondern denken:. Hätte Gott mit mir auch nach der Strenge, die ich ja auch verdient hätte, es mit mir gemacht, so hätte ich vor 10,20,30 Jahren in meinen Sünden sterben müssen, da ich in aller schändlicher Abgötterei und Heuchelei gelebt habe.

22. Also hüte dich vor dem verdammen, denn es gehört nicht zu dir. Strafen, unterweisen, vermahnen, kannst du es denen, die richten sollen und verdammen. Dir aber gebührt anderes nicht zu tun, denn das du barmherzig bist, nicht richtest, nicht verdammst, sondern vergibst. Und wenngleich dein Nächster nichts aufhören will, gegen dich zu sündigen, dennoch soll dein Herz geneigt sein ihm zu vergeben, ihn weder hindern, noch sollst du begehren dich zu rächen, sondern wo du kannst, sein Bestes fördern.

23. Dieses alles aber tut weh, und ist schwer zu tun. Aber da bedenke, daß du ein Christ bist, und mußt dich, so du ein Christ bleiben willst, die Sache ernster angehen als die Unchristen. Wie das Beispiel unseres Vaters in Himmel uns vorleuchtet. Denn wenn du deinem Nächsten Gutes tust, und er dir es nicht danken, ja, dagegen Schaden zufügen will, da darfst du nicht zweifeln, Gott wird ihn wohl finden; dem laß die Rache, und tue du, was dir befohlen ist.

24. Man liest eine Geschichte, wie ein ungezogener ungeratener Sohn seinen Vater bei den Haaren genommen und ihn bis an die Türschwelle geschleift hat, da hat der Vater angefangen zu schreien:. Hör auf, hör auf, mein Sohn, denn bis hierher habe ich meinen Vater auch an den Haaren gezogen; wie ich es bei ihm getan habe, so tust du es jetzt wieder bei mir. Dieses ist das Urteil unseres Gottes, dieser weiß wohl Rat dazu, wie er Untugend, besonders aber den Undank strafe. Darum sollen wir ihm es befehlen, und tun, was uns hier befohlen ist, daß wir nicht strafen, sondern barmherzig sind. Gott wird mit der Strafe nicht ausbleiben, wie der Herr hier weiter meldete:.

Gebet, so wird euch wieder gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt, und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben. Denn eben mit dem Maß, da ihr messet, wird man euch wieder messen.

25. Es hat doch der Herr alles fein zusammengefaßt, will gern, daß wir feine, fromme Christen würden, und uns immer rechtschaffen hielten. Darum, eben wie er befohlen, man soll mit den armen Sündern gnädig umgehen, wie Gott mit uns umgeht, sie nicht richten, noch verdammen, sondern Gericht und Urteil Gott befehlen und für Sie bitten: also befiehlt er hier weiter, daß man in anderen Nöten ihnen auch behilflich sein soll mit Geben und Raten; und soll dann gewiß hoffen, so viel und reichlich kann man nicht geben, denn Gott will immer mehr und reichlicher geben. Das also unser Herz immer eine Quelle in Liebe, und von Dornen sich nicht stechen lasse, damit es nicht versiege. Wie die Heiden tun: die können des Richtens und Verdammens nicht lassen; sobald man etwas tut, daß ihnen nicht gefällt, wollen sie es nicht eher vergeben, denn daß man ihnen zu Fuße fällt und sie anbete. Also, wo sie es nicht wissen wieder zu genießen, da geben sie nichts hin. Darum bleibt das schwere Urteil über sie, daß sie Gott wieder richten, verdammen, und ihnen auch nicht vergeben will.

26. Vor solcher Unart sollen wir uns hüten, und unserem Nächsten tun, wie uns unser lieber Gott im Himmel getan hat. Dieser hebt das Urteil auf und will vergeben; er will weder rächen noch verdammen, ganz gleich, daß wir so undankbar sind und seine Wohltat und seine Hände nicht annehmen wollen. Dieses sollen wir auch lernen. Wo nicht, so werden wir das Urteil bekommen, daß er sagt:. " Mit was Maß ihr messet, wird euch wieder gemessen werden ".

27. Nun müßten wir aber ja erkennen, daß uns unser Gott sehe reichlich gegeben hat. Denn so wir nach unserem Verdienst bekommen würden, so hätten wir Zorn, Unfriede und alles Unglück verdient, daß es richtig wäre wenn uns die Erde verschlingen würde, sobald wir darauf geboren sind; geschweige denn, daß wir uns danach durch unser ganzes Leben so böse gehalten haben. Das also das rechte Maß auf uns wäre gewesen der Tod und die Hölle. Aber was tut Gott? Er nimmt hinweg alles, was wir verdient haben, Zorn, Ungnade, Gericht, Tod, Hölle, und schenkt uns den Himmel, Gnade und Freiheit von der Anklage des Gesetzes und unseren bösen Gewissens. Er schüttet aus allen Mangel und Schuld, und gibt alles Gute. Das heißt doch gnädig gemessen. Aber danach, wenn du anderen Leute nicht willst also wieder messen, so erwarte nur anderes nicht, denn wie du mißt, also wird dir Gott auch wieder messen. Zuvor hatte Gott dir nur Gnade eingemessen: aber jetzt, gleich wie du tust und mißt mit deinem Undank, also soll dir auch gemessen werden.

28. Dieses ist eine wunderbare Predigt, in welcher man sieht, daß Gott sich viel mehr des Dienstes gegen den Nächsten annimmt, denn seines eigenen Dienstes. Denn in seiner Sache und so viel ihn betrifft, vergibt er alle Sünde, und will sich nicht rächen, was wir wieder ihn getan haben. Wiederum aber, wenn wir uns gegen unseren nächsten Übel halten, so will er auch uns garnichts vergeben. Deswegen muß man das Messen hier verstehen nach dem Glauben, und nicht vor dem Glauben. Denn ehe du zum Glauben gekommen bist, da hat Gott mit dir nicht gehandelt nach deinem Verdienst, sondern nach Gnaden. Er hat dich zu seinem Wort kommen lassen, und dir Vergebung deiner Sünde zugesagt. Das ist das erste Maß, womit er uns gemessen hat, da wir angefangen haben zu glauben.

29. Weil wir nun solch ein Maß von Gott empfangen haben, sagt er:. Gedenke, und bist du zu anderen Leute nicht anders. Tust du es aber nicht, so soll es dir gehen, wie du anderen tust. Du bist ihnen ungnädig: ich will dir auch ungnädig sein. Du richtest und verdammst sie: ich will dich auch richten und verdammen. Du nimmst und gibst nichts: ich will dir auch nehmen und nichts geben. Da geht das Maß an nach dem Glauben, daß sich unser lieber Herr Gott der Werke gegen den Nächsten so sehr annimmt, daß er will zurück rufen, was er für Gutes getan hat, wenn wir unserem Nächsten nicht auch Gutes tun wollen.

30. Deswegen, wer da denkt Gott treulich zu dienen, der tue seinen Nächsten, wie Gott ihm getan hat, das ist, er richte nicht, er verdamme nicht, er vergebe und gebe gern, sei freundlich und hilfreich, wo er kann. Denn sonst wird es ihm gehen, wie mit dem Knecht, Matthäus 18. Diesem war eitel Gnade zugemessen, daß der Herr ihn ohne Schuld entließ, da er aber nicht wollte seinem Nächsten die hundert Groschen schenken, noch Geduld haben, bis er sie bezahlte; der kamen die 10000 Pfund wieder auf ihn, und wurde den Peinigern überantworte, bis er alles bezahlte.

31. Nun ist wohl war, möglich ist es nicht, daß wir uns an diese Regel immer halten könnten. Wir vergessen der Barmherzigkeit sehr oft: wo wir freundlich sein sollten, da zürnen wir; wo wir gute Worte geben sollten, da fluchen wir. Wenn sich nun alles bei uns zuträgt, daß wir in diesem Fall gegen den Befehl Christus tun, da sollen wir beachten, daß wir uns vor der Sünde der Pharisäer hüten, und unser Gewissen nicht tot machen und in der Sünde fortfahren, sondern daß wir bald umkehren, an dieses Bild denken, und tun, wie uns unser Vater getan hat, daß wir auch vergessen und vergeben, und uns durch keinen Undank bitter machen lassen.

32. Doch wenn man vergeben soll, so gehört auch dazu, daß der Teil, dem man vergeben soll, seine Sünde erkenne und lasse diese sich leid sein. Denn daß ich dem Papst und anderen Feinden des Wortes ihre Sünde vergeben soll, das ist mir nicht möglich. Ursache, sie halten es für Recht, daß sie unsere Lehre verfolgen. Denn so man Sünde vergeben soll, so muß ja Sünde da sein. Wer nun Recht haben will und Sünde nicht bekennen, wie Saul mit Samuel tat, dem kann man die Sünde nicht vergeben.

33. Das ist die Lehre vom christlichen Leben, welche der Herr aus dem Beispiel unseres Vaters im Himmel uns vorhält. Diese Lehre hält er uns vor in dem Gleichnis vom Splitter im Auge, und dem Balken. Als wollte er sagen:. Ich sehe wohl, es ist euch sauer, denn wenn ihr Schaden habt tut es euch so weh, ihr könnte es nicht sobald vergessen: sobald ihr euren Widersacher seht, wo der an ihn denkt, so läuft euch die Galle über, und denkt:. Er hat mir das und das getan, ich wollte, daß er alles Unglück hätte. Liebe Kinder, spricht Christus, nicht so: wenn er dir schon da und dort Schaden getan, oder dich mit einem Wort geärgert hat, so ist es doch in der Wahrheit nur ein Splitter, ein kleines Staubkorn im Auge, dagegen hast du einen großen Balken im Auge, wenn du dahin sehen willst, was du gegen Gott getan hast. Darum gehört sehr viel dazu, wer einen anderen richten und verdammen will.

34. In anderen Sachen ist es also, daß der Schulmeister muß gelehrter sein als sein Schüler, sonst wird der Schüler nicht viel von ihm lernen. Was bist du denn für ein Schulmeister, der du andere lehren und richten willst, und hast genauso viel Schuld, und kannst ebenso wenig als der, den du dich unterstehst zu lehren? Vor den Leuten, will der Herr sagen, taugt solches keinen Tropfen; wie will es sich denn schicken in meinem Reich und vor Gott, da ihr alle gleich viel Schuld habt?

35. Darum so lerne solches Gleichnis fein in das Werk ziehen: wenn du etwas hörst, siehst, leidest, daß du nicht gern hörst, siehst oder leidest, daß du sagst: es ist eine geringe Sünde gegen meine Sünden; Gott sieht viel mehr Mangel an mir, denn ich an anderen Leuten sehen kann: darum will ich gern still schweigen und vergeben ist; das Gott mir auch vergebe und still schweige. Aber da wird nichts draus; in der Welt straft immer ein Bruder den anderen um des Splitters willen, und er selbst hat doch einen großen Balken im Auge. Denn wo du eine Sache zu deinem Nächsten hast, dagegen hat Gott tausend und aber tausend zu dir, daß du seine Gebote dein Leben lang nie gehalten, ja, häufig dagegen gesündigt hast. Solches siehst du nicht , willst deinen Nächsten um eines bösen Wortes willen fressen. Pfui dich, bist du denn so scharfägig und kannst doch einen solchen großen Balken nicht sehen?

36. Darum soll ein Christ sich anders gewöhnen: wenn er den Splitter in seines nächsten Auge sieht, soll er zuvor, ehe er urteilt, vor den Spiegel treten und sich darin besehen; da würde er so große Balken finden, aus denen man Schweinetröge machen möchte, und er sagen müßte:. Was soll doch das sein? Mein Nächster beleidigt mich in einem viertel, halben, ganzen Jahr einmal; ich aber bin so alt geworden, und habe meines Gottes Gebote noch nie gehalten, ja, übertretet sie stündlich, wie kann dich denn so ein großer verzweifelter Schalk sein? Meine Sünden sind so groß wie Eichbäume; und den kleinen Splitter, daß Staubkorn in meines Bruders Auge, nehme ich mich mehr an denn als meinem großen Balken? Aber es soll so nicht sein; ich muß zuvor sehen, wie ich meine Sünde los werde. Denn ich bin Gott, meiner Obrigkeit, meinen Vater und Mutter, meiner Herrschaft ungehorsam, mache dabei immer weiter, und höre nicht auf zu sündigen: und will noch gegen meinen Nächsten so ungnädig sein und ihm nicht ein einziges gutes Wort gönnen? Oh nein, so sollen Christen nicht sein.

37. Als so will der Herr uns immer auf das Beispiel unseres Vaters im Himmel weisen, der unsere großen Balken nicht sehen will, auf das wir mit dem kleinen Splitter auch Geduld haben, und nicht richten und verdammen.

38. Der nun solche herrliche, schöne Verheißung sich zur Barmherzigkeit nicht will bewegen lassen, daß Gott alles Gericht und Verdammnis aufheben und uns gern vergeben will, wenn wir uns untereinander vergeben und nicht richten, daß keine Hölle noch Tod, sondern lauter Gnade und Freundlichkeit da sein soll; wiederum, wer sich nun nicht schrecken lassen will vom Gericht und von der Verdammnis, daß wo er einen Splitter den seines Nächsten Auge findet, Gott dagegen in seinen Augen viel Balken findet, da kann ich nicht wissen, was ihn noch sollte bewegen, Trösten oder erschrecken.

39. Sind wir nicht heillose Leute und große Narren, daß wir nicht einem ein gutes Wort gönnen, so doch Gott uns allen unsere Sünde dagegen zu gute halten? Und wo wir einen Augenblick unser richten nachlassen? Was hilft es uns aber, wenn wir solches nicht tun, und mehr dem Beispiel der Welt, denn dem Beispiel unseres Vaters im Himmel folgen wollen? Anderes nicht, denn daß wir uns aus der Gnade in die höchste Ungnade werfen, und wo wir sonst einen gnädigen, barmherzigen, milden Gott haben könnten, da machen wir selbst Gott uns zum Feind, und bewegen ihn zu Zorn und Strafe gegen uns.

40. Diesen Jammer sollten wir wohl bedenken, und unser Leben also christlich lernen anstellen, auf das jedermann, Freunde und Feinde, an uns sehen können, daß wir rechte Schüler Christi wären, und ein solches Herz hätten, wo eine unerschöpfte Quelle der Liebe innen ist, die nimmermehr versiegt. Das wolle uns unser lieber Vater im Himmel durch seinen Heiligen Geist um Christ die Willen allen gnädiglich verleihen, Amen.


Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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