Die Neuen Calvinisten und die charismatische Frage

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

Moderatoren: Der Pilgrim, Leo_Sibbing

Gast

Beitragvon Gast » 14.03.2011 19:32

Danke ich hab euch auch lieb :)

Also Epheser 2,20 und Epheser 4,11 sind die einzigen Bibelverse, welche die Cessationisten für ihre Lehre beanspruchen können. Explizit kann ich aus diesen Versen leider nicht erkennen, dass die Geistesgaben aufgehört haben.

"aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, indem Christus Jesus selbst Eckstein ist"
(Eph. 2, 20, Elberfelder CSV)

"Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer"
(Eph. 4, 11, Elberfelder CSV)

Leider haben wir aber Anweisungen von Paulus an die damaligen Gemeinden bekommen, wie sie in ihren Versammlungen sich zu verhalten haben. Speziell der 1.Korintherbrief ist da sehr eindeutig.

1 Strebt nach der Liebe; eifert aber nach den geistlichen Gaben, viel mehr aber, dass ihr weissagt.
2 Denn wer in einer Sprache redet, redet nicht Menschen, sondern Gott; denn niemand versteht es, im Geist aber redet er Geheimnisse.
3 Wer aber weissagt, redet den Menschen zur Erbauung und Ermahnung und Tröstung.
4 Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst; wer aber weissagt, erbaut die Versammlung.
5 Ich wollte aber, dass ihr alle in Sprachen redetet, viel mehr aber, dass ihr weissagtet. Wer aber weissagt, ist größer, als wer in Sprachen redet, es sei denn, dass er es auslegt, damit die Versammlung Erbauung empfange.
6 Jetzt aber, Brüder, wenn ich zu euch komme und in Sprachen rede, was werde ich euch nützen, wenn ich nicht zu euch rede, entweder in Offenbarung oder in Erkenntnis oder in Weissagung oder in Lehre?
7 Doch auch die leblosen Dinge, die einen Ton von sich geben, es sei Flöte oder Harfe, wenn sie den Tönen keinen Unterschied geben, wie wird man erkennen, was geflötet oder geharft wird?
8 Denn auch wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten?
9 So auch ihr, wenn ihr durch die Sprache keine verständliche Rede gebt, wie wird man wissen, was geredet wird? Denn ihr werdet in den Wind reden.
10 Es gibt vielleicht soundso viele Arten von Stimmen in der Welt, und keine Art ist ohne bestimmten Ton.
11 Wenn ich nun die Bedeutung der Stimme nicht kenne, so werde ich dem Redenden ein Barbar sein und der Redende für mich ein Barbar.
12 So auch ihr, da ihr um geistliche Gaben eifert, so sucht, dass ihr überströmend seid zur Erbauung der Versammlung.
13 Darum, wer in einer Sprache redet, bete, dass er es auslege.
14 Denn wenn ich in einer Sprache bete, so betet mein Geist, aber mein Verstand ist fruchtleer.
15 Was ist es nun? Ich will beten mit dem Geist, ich will aber auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, ich will aber auch lobsingen mit dem Verstand.
16 Sonst, wenn du mit dem Geist preist, wie soll der, der die Stelle des Unkundigen einnimmt, das Amen sprechen zu deiner Danksagung, da er ja nicht weiß, was du sagst?
17 Denn du danksagst wohl gut, aber der andere wird nicht erbaut.
18 Ich danke Gott, ich rede mehr in Sprachen als ihr alle.
19 Aber in der Versammlung will ich lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand, um auch andere zu unterweisen, als zehntausend Worte in einer Sprache.
20 Brüder, werdet nicht Kinder am Verstand, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am Verstand aber werdet Erwachsene.
21 In dem Gesetz steht geschrieben: „Ich will in anderen Sprachen und durch andere Lippen zu diesem Volk reden, und auch so werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr.“
22 Daher sind die Sprachen zu einem Zeichen, nicht den Glaubenden, sondern den Ungläubigen; die Weissagung aber nicht den Ungläubigen, sondern den Glaubenden.
23 Wenn nun die ganze Versammlung an einem Ort zusammenkommt und alle in Sprachen reden, es kommen aber Unkundige oder Ungläubige herein, werden sie nicht sagen, dass ihr von Sinnen seid?
24 Wenn aber alle weissagen, und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt, von allen beurteilt;
25 das Verborgene seines Herzens wird offenbar, und so, auf sein Angesicht fallend, wird er Gott anbeten und verkündigen, dass Gott wirklich unter euch ist.
26 Was ist es nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder [von euch] einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprache, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung.
27 Wenn nun jemand in einer Sprache redet, so sei es zu zwei oder höchstens drei, und nacheinander, und einer lege aus.
28 Wenn aber kein Ausleger da ist, so schweige er in der Versammlung, rede aber sich selbst und Gott.
29 Propheten aber lasst zwei oder drei reden, und die anderen lasst urteilen.
30 Wenn aber einem anderen, der dasitzt, eine Offenbarung zuteil wird, so schweige der erste.
31 Denn ihr könnt einer nach dem anderen alle weissagen, damit alle lernen und alle getröstet werden.
32 Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan.
33 Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens, wie in allen Versammlungen der Heiligen.
34 Die Frauen sollen schweigen in den Versammlungen, denn es ist ihnen nicht erlaubt zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.
35 Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen; denn es ist schändlich für eine Frau, in der Versammlung zu reden.
36 Oder ist das Wort Gottes von euch ausgegangen? Oder ist es zu euch allein gelangt?
37 Wenn jemand meint, ein Prophet zu sein oder geistlich, so erkenne er, dass das, was ich euch schreibe, ein Gebot des Herrn ist.
38 Wenn aber jemand unwissend ist, so sei er unwissend.
39 Daher, meine Brüder, eifert danach, zu weissagen, und wehrt nicht, in Sprachen zu reden.
40 Alles aber geschehe anständig und in Ordnung.
(1. Kor. 14, 1-40, Elberfelder CSV)


Jetzt habe ich ein ganzes Kapitel von Anweisungen von Paulus an eine Gemeinde wie sie ihre Zusammenkünfte gestalten sollen. Gelten diese Anweisungen nicht auch für unsere heutigen Gemeinden?

Wie gesagt sind mir diese 2 mehrdeutigen Verse aus dem Epheserbrief eindeutig zu wenig, um so wichtige Lehren über die Geistesgaben auszuhebeln. Ich kann es nicht, wenn ihr das könnt, tut es.
Gottes Segen
Samuel

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 14.03.2011 19:46

Hallo Samuel!
Ich frage noch mal, was genau verstehst du unter Evangelisten,Hirten Lehrer,Apostel und Propheten?Ich würde mich freuen, wenn du auch auf meine anderen Fragen eingehen würdest.
Joschie
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Beitragvon lutz » 14.03.2011 21:04

Hallo Samuel,

in deinem Textabschnitt geht es u. a. um Zungenrede und du hattest am 9. 3. 2011 – 0 : 22 Uhr in deinem Beitrag folgenden Satz stehen:
Ich denke Zungenrede ist noch einmal ein spezielleres Thema und man kann hier sicherlich gut argumentieren, dass diese Gabe wirklich aufgehört hat und nur als Zeichen des Gerichts für die damaligen Juden galt.
Wenn dir diese „gute Argumentation“ plausibel erscheint, dann findest du dort vielleicht Anknüpfungspunkte, die dir dann auch auf anderen Gebieten zum Nachvollziehen hilfreich sind.
Wie gesagt sind mir diese 2 mehrdeutigen Verse aus dem Epheserbrief eindeutig zu wenig, …
Das hier präsentierte Material lässt sich nicht auf zwei Verse beschränken, aber ich denke, dass der Eingangsartikel selbst ausreichend darauf hinweist. Bücher können wir dazu hier nicht schreiben. Wir können etwas „antippen“ …

Von „mehrdeutig“ gehe ich überhaupt nicht aus. Das ist ein ganz konkreter Brief, mit ganz konkreten Inhalten an ganz konkrete Personen. Darüber hinaus ist dieser Brief noch bindend für alle Gläubige. Für Mehrdeutigkeit ist da kein Platz und Rätselraten ist nicht das Ansinnen des Wortes Gottes für Gläubige.

Die beiden Epheserstellen sind meiner Ansicht nach deswegen im Material erwähnt, weil die Gegenposition damit die offensichtlichsten Schwierigkeiten hat – nicht weil nur diese beiden Verse zur Argumentation gehören würden. Also so habe ich das Ganze gelesen.

Lutz

Gast

Beitragvon Gast » 14.03.2011 22:21

Joschie hat geschrieben:Hallo Samuel!
Ich frage noch mal, was genau verstehst du unter Evangelisten,Hirten Lehrer,Apostel und Propheten?Ich würde mich freuen, wenn du auch auf meine anderen Fragen eingehen würdest.
Joschie
Entschuldigung Joschie das ich nicht auf alles antworte.
Ich selber sortiere gerade meine Gedanken und bin gerade auf dem Weg zu verstehen. Tief zu verstehen, warum ich von Herzen biblisch hinter der nicht-cessationistischen Position stehe.

Epheser 2,20 und Epheser 4,11 müssen ausgelegt und in den Zusammenhang gebracht werden. Es gibt keine Probleme mit den anderen Bibelstellen. Auch die Zungenrede wird für mich wieder interessanter. Ich habe ein gutes Bücher gelesen, das gegen die Zungenrede argumentierte. Der Vers war 1.Kor 13,8, der als Schlüsselvers genommen wurde, um die Zungenrede für nichtig zu erklären. Aber das Wort Sprache hier im 8. Vers muss sich nicht unbedingt auf die Gabe der Zungenrede beziehen.

Was sind es für Leute in Eph 4,11? Hatte ich ja eigentlich bereits durch den Kommentar der Mac-Arthur-Studienbibel bestätigt, dass ich das auch so in etwa sehe, aber und das ist das entscheidende aber, Apostel und Propheten gibt es heute noch immer. Mir ist weniger wichtig jetzt um die Gaben des Hirten-Lehrers oder ob es Hirten und Lehrer sind zu definieren. Wichtig sind die Apostel und Propheten. Die heutigen Apostel sind für mich Missionare und Gemeindegründer. Leute die von Gott begabt sind neue Projekte aufzubauen und andere Gläubige zu motivieren mit zu machen. Ich werde noch intensiver drüber nachdenken, was diese heutigen Apostel sind.
Propheten sind für mich Menschen, die die aktuelle Situation der Christenheit erkennen und verstehen in welche Richtung sie sich entwickeln wird. Sie rufen zur Buße auf, zur Gesinnungsänderung und helfen der Gemeinde in keine Schieflage zu geraten. Möglicherweise können sie auch Dinge vorhersagen wie Agabus (Apg).

Ich sehe kein Problem darin, dass die Apostel und Propheten, die in Epheser 2,20 genannt werden, die Grundlage der Gemeinde gebaut haben, die Lehren über Christus, Gemeinde, Eschatologie etc und das die Apostel und Propheten in Epheser 4,11 zum einen damit die selben gemeint sind, aber auch Apostel und Propheten, die es heute noch gibt.

Gruß Samuel

lutz
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Beitragvon lutz » 14.03.2011 22:48

Samuel A. hat geschrieben: Tief zu verstehen, warum ich von Herzen biblisch hinter der nicht-cessationistischen Position stehe.
Also ich kann dir nur raten und möchte es dir wirklich ans Herz legen dafür mehr Zeit einzuräumen als ein paar Stunden oder Tage ...
Tief verstehen heißt nach allen Richtungen erwägen (so sehe ich es und so empfehle ich es auch gern, weil dann eher etwas wirklich Festes daraus wird).
Man kann zwischendurch auch einmal Pausen einlegen, wenn man nicht weiter kommt. Das ist auf alle Fälle besser als "flache Schnellschüsse".

Wenn es in deinen Zeitrahmen passt, würdest du z. B. diesen Beitrag ganz subjektiv als "Mittelweg" einstufen?
http://christozentrisch.wordpress.com/2 ... ungsgaben/

Lutz

Jose
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Kritischer Umgang mit den (heutigen) Geistesgaben

Beitragvon Jose » 15.03.2011 00:17

Den verlinkten Beitrag von Lutz finde ich als Diskussionsgrundlage nicht schlecht, schon deswegen, weil die Diskussion offen bleibt. Es ist wichtig, dass wir vorsichtig sind mit Behauptungen, die sich biblisch nicht ohne weiteres belegen lassen.

Nicht gut finde ich die Stellung von Benedikt Peters, der eine absolut ablehnende Haltung zu dem Thema hat, wie beispielsweise hier zu lesen im Abschnitt "Die Anpassung der Evangelikalen des 20. Jahrhunderts". Ich erwähne gerade diesen Artikel, weil Benedikt Peters m.W. unter den Anhängern des Calvinismus einen großen Einfluss ausübt. Das, was Peters hier schreibt, kann ich in gewisser Weise nachempfinden auf Grund der wirklichen Missstände, dennoch ist seine Schlussfolgerung nicht haltbar.

Die biblische Handhabung der Geistesgaben war nie dazu gedacht, das Erlösungswerk Christi und das "allein aus Gnaden" in Frage zu stellen, und das sollten wir klar unterscheiden. Ich verstehe die Gründe, die zur Ablehnung führten, aber das ist keine biblische Begründung. Wenn man dann das ganze als Folge des ohnehin abgelehnten Arminianismus sieht, dann kann man keine offene Haltung dazu einnehmen.

Ich bin sehr dafür, kritisch mit dem Thema umzugehen, aber nicht einfach deswegen abzulehnen, weil viele dazu keine biblische Haltung eingenommen haben. Paulus selbst schreibt an Timotheus: "Die Hände lege niemand schnell auf, und habe nicht teil an fremden Sünden! Bewahre dich selbst rein!" 1. Tim. 5,22. Wenn diese Warnung schon damals galt, wie viel mehr heute! Davor ermuntert Paulus den Timotheus aber auch mit den Worten: "Vernachlässige nicht die Gnadengabe in dir, die dir gegeben worden ist durch Weissagung mit Handauflegung der Ältestenschaft!" 1. Tim. 4,14. Persönlich möchte ich es so stehen lassen, wobei m.E. Gott in unseren Tagen weniger durch die Handauflegung der Ältestenschaft wirkt, welche auch die Gemeindeglieder kennen, sondern vielmehr durch ernstes Gebet und wahre Hingabe des einzelnen.

José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

Gast

Beitragvon Gast » 27.03.2011 10:54

Ich habe mir jetzt noch einmal die Mühe gemacht, die biblische Begründung der Cessationisten mehr zu betrachten. Es sind nicht nur die 2 Bibelverse, die hier meistens genannt wurden, auf die die Cessationisten ihre Lehre bauen, sondern noch ein paar andere.

Die Cessationisten begründen das Aufhören der übernatürlichen Gaben damit, dass die Zeichen und Wunder ihren Zweck erfüllt haben. Diese Zeichen und Wunder sollten Jesus als den Messias ausweisen und die Botschaft der Apostel bekräftigen. Mit Abschluss des Neuen Testamentes und dem Ableben des letzten Apostels haben diese Gaben definitiv aufgehört. Sie sind ihrer Meinung nach nicht mehr nötig, da der Mensch alles was er über Gott, den Erlösungsplan und das Leben im Allgemeinen wissen muss, in seinem geschriebenen Wort offenbart ist.

Für ihre Auffassung sind folgende Bibelstellen entscheidend:

Joh 5,36: „Doch ich habe ein größeres Zeugnis als das des Johannes: Das sind die Werke, die der Vater mir zu tun aufgibt. Diese Taten bezeugen, dass er mich gesandt hat.“

Die Werke die Jesus getan hat, sollten für die Juden ein Beweis sein, dass er der Messias ist und sie sollten zum Glauben an ihn führen. Jesus nennt in diesem Abschnitt noch 2 oder 3 weitere Zeugen, dass er der verheißene Messias ist: Johannes der Täufer, den Vater und/oder das geschriebene Wort und das Zeugnis von Mose.

Apg 2,22: „Männer von Israel, hört zu! Ihr wisst selbst, dass Gott durch Jesus von Nazaret mächtige Taten, Wunder und Zeichen unter euch vollbracht hat. Auf diese Weise hat Gott ihn vor euch bestätigt.“

Auch hier wird uns der Zweck der Wunder und Zeichen, die Jesus tat, aufgezeigt.
Ebenso haben wir Verse über die Apostel, welche aussagen, warum sie Zeichen und Wunder vollbringen konnten.

2 Kor 12,22: „Das, woran man einen Apostel erkennt, habe ich mit großer Ausdauer in Zeichen, Wundern und Machttaten unter euch gewirkt.“

Hebr 2,3b.4: „Es war ja der Herr selbst, durch den die Rettung zuerst verkündet wurde. Und uns wurde die Botschaft von denen bestätigt, die ihn mit eigenen Ohren gehört haben. Deren Zeugnis wiederum hatte Gott selbst durch Zeichen und Wundertaten und viele Beweise seiner Macht bestätigt, und auch dadurch, dass er den Heiligen Geist nach seinem Ermessen austeilte.“

Außer diesen Versen messen sie auch dem wie schon sehr diskutierten Vers in Epheser 2,20 eine große Bedeutung bei:
„Ihr seid auf dem Fundament der Apostel und Propheten aufgebaut, in dem Jesus Christus selbst der Eckstein ist.“

Das Fundament ist gelegt und wir haben keine weitere Offenbarung mehr nötig, jedenfalls in Bezug auf das was wir über Gott wissen müssen bzw. dürfen. Auch die Sprachenrede oder Zungenrede hat ihrer Auffassung natürlich nach auch ihren Zweck erfüllt, sie war ein Gerichtszeichen für die ungläubigen Juden. Mit dem Vers in 1.Korinther 13,8 bekräftigen sie ihre Position, dass diese Gabe aufgehört hat. Sie glauben nicht, dass sie überhaupt für heute noch eine positive Bedeutung haben kann.

„Die Liebe wird niemals aufhören. Prophetische Eingebungen werden aufhören, Sprachenrede wird verstummen, die Gabe der Erkenntnis wird es nicht mehr geben.“

Angesichts der Tatsache das wirkliche Wunder und Zeichen sehr selten geschehen, könnten die Cessationisten schon recht haben mit ihren Überlegungen. Sie glauben natürlich immer noch dass Gott Wunder tun kann und heilt, weil er immer noch die Macht dazu hat, aber er tut dies nicht mehr durch begabte Menschen.
Die von mir schon einmal erwähnte Aussage von John Mac-Arthur möchte ich hier noch einmal zitieren:
Heilt Gott wirklich? Ja, das glaube ich. Ich lehne nicht automatisch
alle Berichte von übernatürlichen Heilungen ab, nur weil es Falschmeldungen
gibt. Doch ich bin überzeugt, dass ein spektakuläres,
übernatürliches, unverzügliches Eingreifen Gottes höchst selten vorkommt
– und niemals von einer angeblich begabten Person abhängt,
die als ein Vermittler der Heilung fungiert.

(Aus dem Buch „Dein Glaube hat dich geheilt“ von Richard Mayhue, S.55)

Weshalb bin ich trotz dieser gut überlegten Ansicht aber offener für die übernatürlichen Geistesgaben geworden?
Ich hatte schon die Bibelstellen zitiert, die meiner Meinung nach auch die Sichtweise belegen können, warum übernatürliche Geistesgaben für normale Gläubige und nicht nur dem Herrn Jesus und seinen Aposteln gegeben waren. Stephanus (Apg 6,8), Philippus (Apg 8,5-8), Agabus (Apg 11,28; 21,10), die 4 Töchter des Philippus (Apg 21,9), die 70 Jünger und der Missionsbefehl in Markus, wo den gläubig-gewordenen Jüngern Zeichen verheißen wurden, die diese tun würden, können für ein Weiterexistieren der Gaben sprechen. Auch die Gabenauflistung im 1 Korintherbrief 12,4-11 spricht eventuell dafür, dass diese Gaben allgemein für das Gemeindezeitalter gegeben sind.

Mit absoluter Sicherheit zu sagen, die eine Position ist richtig und die andere ist falsch, scheint mir kaum möglich zu sein.

Ich wollte in diesem Beitrag vor allem einmal die biblischen Begründungen der Cessationisten nennen, da mir dies bisher ein wenig zu kurz kam.
Grüße und Segen
Samuel
Zuletzt geändert von Gast am 30.03.2011 09:02, insgesamt 1-mal geändert.

Gast

Beitragvon Gast » 30.03.2011 09:00

Samuel schrieb:
Mit dem Vers in 1.Korinther 13,8 bekräftigen sie ihre Position, dass diese Gabe aufgehört hat. Sie glauben nicht, dass sie überhaupt für heute noch eine positive Bedeutung haben kann.

„Die Liebe wird niemals aufhören. Prophetische Eingebungen werden aufhören, Sprachenrede wird verstummen, die Gabe der Erkenntnis wird es nicht mehr geben.“
1 Kor 13,8-13
[8] Die Liebe vergeht niemals; seien es aber Weissagungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden.
[9] Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise;
[10] wenn aber das Vollkommene gekommen sein wird, so wird das, was stückweise ist, weggetan werden.
[11] Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich das weg, was kindlich war.
[12] Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin.
[13] Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe.


Mit 1 Kor 13,8 wird ja von manchen Cessationisten argumentiert die Sprachen und die Prophetien hätten aufgehört mit dem Abschluss der Bibel und dem Tod der Apostel. Das Problem ist aber der 12. Vers und das "Dann" in diesem. Denn dieses "Dann" sagt wann die Prophetien und Sprachen aufhören werden und zwar dann, wenn wir nicht mehr Gott sehen wie in einem Spiegel (die Spiegel früher waren etwas undeutlicher, als die wir heutzutage haben), sondern von Angesicht zu Angesicht , wenn wir erkennen wie wir erkannt worden sind. Das kann sich erst auf den Himmel beziehen. Erst in der Ewigkeit, erst wenn wir bei Jesus sind, können diese Prophetien und Sprachen aufhören, die in 1.Kor 13,8 erwähnt sind.
Grüße Samuel

Jose
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Zwischenfrage zu Neo-Calvinismus

Beitragvon Jose » 10.04.2011 17:51

In diesem Vortrag:
http://www.betanien.de/verlag/material/ ... tsdorf.mp3, hat Joachim Schmitsdorf gleich in den einleitenden Worten die Aussage gemacht, dass Neo-Calvinisten alles andere als Calvinisten sind.

Ist das nur seine persönliche Meinung, auch wenn die Aussage bei der Betanien-Konferenz fiel?

José

Gast

Beitragvon Gast » 10.04.2011 19:59

Ich frage mich inzwischen wer sich überhaput als Calvinist bezeichnen sollte. Ich vermute dass es kaum einen gibt, der alles das was Calvin lehrte, glaubt. Allein die Gläubigentaufe machen in meinen Augen aus den meisten Calvinisten Nicht-Calvinisten.

Mac-Arthur kann mit seiner gesamten Lehre, die in vielen Dingen mit Calvin nicht konform ist, wohl auch kaum als Calvinist bezeichnet werden.

lg samuel

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Beitragvon lutz » 10.04.2011 20:04

Ich denke das ist ein ähnliches "Durcheinander" wie mit: Wer oder was ist reformatorisch?

Lutz

PS: Info zu "Das problematische Erbe des Neocalvinismus" (Video) hier:
http://www.nuntia.de/taxonomy/term/164

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Neo-Calvinismus das Gegenteil von Calvinismus ?!

Beitragvon Jose » 02.05.2011 22:29

lutz hat geschrieben:Ich denke das ist ein ähnliches "Durcheinander" wie mit: Wer oder was ist reformatorisch?
Gibt es eine sinnvolle Möglichkeit, aus diesem "Durcheinander" herauszufinden? Ob Hypo-, Hyper-, Neo- oder nur Calvinismus, offensichtlich gibt es viele offene Fragen, trotz Institutio. Und es ist sicherlich wichtig, denn vermutlich hatte Calvin damals noch nicht alles erkannt und gelehrt, oder sagen wir, alles richtig erkannt. Ich denke, kein Mensch kann mit Sicherheit behaupten, alles richtig erkannt zu haben.

Die Aussage, dass Neo-Calvinismus genau das Gegenteil von Calvinismus ist, finde ich sehr bedauerlich. Es gibt ja verschiedene Gemeinderichtungen, die sich ähnlich nennen und doch gewisse Unterschiede haben. Haben sie deswegen nicht mehr bestimmte gemeinsame Werte?

Das ist es wirklich besser, nur von Christen zu reden. Denn Christen gibt es mit verschiedenen Erkenntnisständen, aber dort, wo man aufrichtig Jesus liebt, wirklich seine Sünden erkannt und Buße getan hat, da stört es mich nicht wirklich, ob jemand in Zungen redet ohne Auslegung oder nur die Kindertaufe hat. Ich vertraue darauf, dass der Herr dem Aufrichtigen die rechte Erkenntnis schenken wird.

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Beitragvon lutz » 02.05.2011 22:55

Wie sinnvoll ist es denn für dich aus so einem "Durcheinander" herausfinden zu müssen?

Danach können sich dann alle anderen Initiativen richten, denke ich.

Lutz

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Welches Bild gibt der Calvinismus ab

Beitragvon Jose » 03.05.2011 09:54

lutz hat geschrieben:Wie sinnvoll ist es denn für dich aus so einem "Durcheinander" herausfinden zu müssen?
Es geht darum, welches Bild eine Glaubensrichtung nach außen abgibt und welche Meinung sich bei den anderen und mir selber über den Calvinismus einprägt. Wenn ich die Pauschalaussage von Joachim übernehme, dass Neo-Calvinisten gar keine Calvinisten sind, dann stehe ich vor der nächsten Frage: Was sind sie dann? Sind es überhaupt Gläubige, wenn der Calvinismus sich so schwer damit tut, andersdenkende als errettete zu sehen?

Es kann in unseren Tagen keine Konfession von sich behaupten, die Wahrheit völlig erkannt zu haben. Aber was wir alle mit Sicherheit gemeinsam haben ist: Mangel an Liebe. Deshalb ist die Ermahnung so ernst: "Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiß, und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts" 1. Kor. 13,2. Wenn ich nun gerade bei den besonders überzeugten Calvinisten diesen Charakterzug vermisse, so fällt es mir außerordentlich schwer, manche umstrittene Bibelauslegungen ernst zu nehmen.

José
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Beitragvon Joschie » 03.05.2011 13:08

Jose hat geschrieben:Es kann in unseren Tagen keine Konfession von sich behaupten, die Wahrheit völlig erkannt zu haben. Aber was wir alle mit Sicherheit gemeinsam haben ist: Mangel an Liebe. Deshalb ist die Ermahnung so ernst: "Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiß, und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts" 1. Kor. 13,2. Wenn ich nun gerade bei den besonders überzeugten Calvinisten diesen Charakterzug vermisse, so fällt es mir außerordentlich schwer, manche umstrittene Bibelauslegungen ernst zu nehmen.
Jose, so schnell kann die Argumentation zum Eigentor werden.Du schreibst von einigen besonders überzeugten Calvinisten, wen meinst du genau damit? Ein Pauschalurteil ist auch nicht gerade ein Zeichen von Liebe, zu den anderen Brüdern. Genau so wie du schreibst "diesen Charakterzug vermisse", ist Liebe immer ein Charakterzug und was verstehst du genau unter Liebe?
Ist also jede umstrittene Bibelauslegung nur schwer ernst zu nehmen, weil irgend ein Bruder meint, die Liebe als Charakterzug ist nicht da? Wie sieht denn der Umkehrschluß aus, ist die umstrittene Bibelauslegung annehmbar, weil ich meine, der Charakterzug der Liebe ist beim Ausleger da ??!
Joschie
P.S.Ich bitte nochmals die Regeln für diesen Bereich zu beachten.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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