Neuer Calvinismus oder Es ist nicht alles Gold was glänzt!

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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Joschie
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Neuer Calvinismus oder Es ist nicht alles Gold was glänzt!

Beitragvon Joschie » 12.10.2011 19:51

Neuer Calvinismus "Es ist nicht alles Gold was glänzt"

Ich setze mal folgenden Beitrag rein.

In der Märzausgabe des TIME Magazine aus dem Jahre 2009 schaffte es der Neue Calvinismus unter die ersten zehn Ideen, die die Welt am stärksten verändern. In seinem Artikel The New Calvinism schrieb David Van Biema: „Der Calvinismus ist zurück… Johannes Calvins Antwort aus dem 16. Jahrhundert auf den mittelalterlichen Katholizismus mit seinen ‚Kauf dich aus dem Fegefeuer frei‘-Exzessen ist die neueste Erfolgsgeschichte des Evangelikalismus.“1

Zu den profiliertesten Vertretern des Neuen Calvinismus zählen unter anderem John Piper, C. J. Mahaney, Collin Hansen, Albert Mohler, Matt Chandler, Tim Keller, Mark Dever und Mark Driscoll. Ein Zuwachs der Publikationen calvinistischer Autoren sowie eine wachsende Zahl von Konferenzen und eine Reihe so bekannter calvinistischer Blogs wie das von Collin Hansen unter dem Motto Young, Restless, Reformed (Jung, Ruhelos, Reformiert) dokumentieren die „calvinistische Erweckung“ in den USA.

John MacArthur sagte kürzlich in einem Interview mit Alex Crain über die „reformierte Erweckung,“ wie er sie bezeichnete: „Diese Reformation hat stark begonnen – ich bezeichne sie als eine Reformation reformierter Theologie. Wenn ich 25 Jahre zurückdenke, gab es dies alles nicht. Es ist erst in den letzten 15 Jahren wie eine Flut hereingebrochen. Es ist wunderbar.“2 Und offensichtlich empfängt der Calvinismus auch im deutschsprachigen Raum Rückenwind, wenngleich die Wiederbelebung des reformierten Glaubens noch nicht die Dynamik wie in den USA erfahren hat.

So weit, so gut. Man könnte meinen, dass dies in einer Zeit, in welcher der Evangelikalismus auch mit Problemen zu kämpfen hat, eine gute Entwicklung darstellt. Bei genauerer Betrachtung jedoch wird schnell deutlich, dass die reformierte Erweckung mit nicht unerheblichen Problemen behaftet ist. John MacArthur beispielsweise brachte in oben erwähntem Interview mit Alex Crain seine Bedenken zum Ausdruck, dass viele der jungen Calvinisten sich zu stark der Kultur anpassen, was aus seiner Sicht sogar das Ende der Erweckung nach sich ziehen könnte. Über manche „Junge, Ruhelose, Reformierte“ sagte er: „Es scheint mir, dass die Meinung vorherrscht, dass man sich alles erlauben kann, sofern man eine reformierte Soteriologie (Lehre über das Heil) vertritt.“3

John MacArthur sieht vor allem mit großer Sorge, dass viele der jungen Calvinisten in Kleidung, Musik, Sprache und ihrem Freizeitverhalten verweltlicht sind und dass in dem Maße, wie die Anpassung an die Kultur voranschreitet, auch die Kraft der calvinistischen Botschaft verloren geht. Ferner diagnostiziert MacArthur bei vielen Neuen Calvinisten einen Hang zum Arminianismus, also jener Lehre, die den freien Willen und die menschliche Kraft in den Vordergrund rückt, was im Widerspruch zur Lehre Calvins steht, die die Souveränität Gottes betont.

Kritik übt John MacArthur beispielsweise an dem so bekannten John Piper: „Und sogar die bekanntesten Leute, die für die reformierte Theologie stehen, halten gemeinsame Konferenzen mit Leuten, die als die extremsten Pragmatiker gelten. Ich meine, das ist Realität. Wer hätte je gedacht, dass, sagen wir, John Piper Rick Warren zu seiner Desiring God Konferenz einlädt? Diese Prediger sind völlig gegensätzlich.“4 Man kann nicht in der Frage des Heils calvinistisch sein und zugleich in anderen Fragen wie Gemeindebau und Evangelisation arminianisch denken und handeln, so MacArthur.

Über die Zukunft des Neuen Calvinismus und eine notwendige Kehrtwendung sagt MacArthur ein wenig pessimistisch: „Also, ich weiß nicht, wie die Zukunft aussieht, ich glaube einfach, dass hier viel Arminianismus hineingemischt wurde [in das Denken], man wird sie [die Unerretteten] nicht erreichen, es sei denn, man passt sich an. Und ich denke, dass es schwer ist, dieser Gruppe von Leuten [den Neuen Calvinisten] zu sagen: Hasst euch selbst, hasst euer eigenes Leben, hasst alle Dinge, die euch wertvoll sind und kommt, um ein Sklave Jesu zu werden. Ich weiß nicht, wie diese Botschaft ankommen würde. Aber genau das ist die Botschaft.“5

Trotz der Kritik MacArthurs an den Neuen Calvinisten ermutigt er sie in einem im August 2011 erschienen Artikel, sich durch Ausdauer in Zukunft zu bewähren und Christus treu zu dienen, was große Ernsthaftigkeit voraussetzt. Der Ruf Christi in seine Nachfolge ist allerdings keine Einladung zu einer Party. Im Gegenteil, die Schrift ruft zur Nüchternheit auf und dazu, sich in der Schrift zu gründen und geistlich reif zu werden (Rö 12,3; 1Kor 14,20; Eph 4,14; 1Thess 5,6; Hebr 5,12-13; 2Tim 4,5). Nüchternheit wird in der heutigen Kultur nicht mehr großgeschrieben, doch das Denken des Christen sollte sich diesem Zeitgeist nicht anpassen, so MacArthur.

„Die postmoderne westliche Gesellschaft denkt, dass es gut ist, sich den jugendlichen Lüsten hinzugeben - insbesondere in der Jugendzeit - und traurigerweise hat diese Mentalität Eingang in die evangelikale Kultur gefunden. Das ist der Hauptgrund, warum so viele Gemeindeprogramme heute Spaß und Spiele auf Kosten biblischer Lehre betonen,“ urteilt MacArthur.6 Auf Dauer schädigt dies das geistliche Wachstum der Gemeinde. Die reformierte Erweckung wird aus der Sicht MacArthurs nur dann Bestand haben, wenn die Gemeinde sich von der Welt unterscheidet und einen biblisch-alternativen, heiligen Lebensstil lebt.

In Bezug auf Verweltlichung ist insbesondere Mark Driscoll immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Der Pastor der Mars Hill Church wurde nicht nur als der „fluchende Pastor“ bekannt, sondern er greift auch gerne einmal auf obszöne Illustrationen in seinen Predigten zurück, was ihm zu Recht den Vorwurf der Vulgarität einbrachte. Driscoll kontert, er wolle, ja müsse, provokativ verkündigen, um die Menschen zu erreichen. Driscolls Sicht von Gemeinde ist, dass sie theologisch konservativ aber kulturell liberal sein soll. Letzteres erlaubt es Mitgliedern seiner Gemeinde Kinofilme mit Gewalt- und Sexszenen sowie vulgärer Sprache zu sehen, Bars zu besuchen, Rockmusik zu hören usw.

Der britische Pastor und Autor Peter Masters vom Metropolitan Tabernacle, jener geschichtsträchtigen Gemeinde, in der Charles Spurgeon einst predigte, gibt zu bedenken: „Der Neue Calvinismus hat eine Möglichkeit gefunden, geistlich unvereinbare Dinge, zur gleichen Zeit in einer Veranstaltung miteinander zu verbinden… Man kann die puritanische Heilslehre nicht ohne die puritanische Heiligungslehre haben. Man sollte die Menschen nicht mit calvinistischen (oder anderen) Predigten ködern, indem man ihnen die Welt anbietet… Der Neue Calvinismus ist keine Wiederbelegung (des alten Calvinismus), sondern eine völlig neue Form, welche die (calvinistische) Lehre von ihrer historischen Gestalt löst und sie mit der Welt verbindet.“7

Ähnlich wie MacArthur ist Masters eher pessimistisch, was die Zukunft der calvinistischen Erweckung angeht: „Der derzeitig neue, kopflastige Calvinismus, der vom praktischen Gehorsam entbindet, wird sich sicherlich als kurzlebig erweisen, aber die calvinistische Botschaft kompromittieren und beschädigen.“8

Der reformierte Professor für Kirchengeschichte und Historische Theologie, R. Scott Clark, spricht Driscoll sogar ab, ein „Calvinist“ zu sein und ordnet ihn eher den „Anabaptisten“ zu. Seine Popularität erklärt Clark so: „Die Wahrheit ist, dass zu viele Reformierte von einer zu großen Begeisterung getragen sind, dass ein bekannter Führer des Evangelikalismus, der in den Medien zunehmend präsenter wird, sich selbst als Reformierter bezeichnet. Pastor Driscoll gefällt sich darin, sich als ‚calvinistisch’ zu bezeichnen, weil die echten Calvinisten, jene, die glauben und praktizieren, was Calvin glaubte und praktizierte, ihn gewähren lassen.“9

Ein weiteres Phänomen, das Neue Calvinisten prägt, ist die mittlerweile theologische Breite, die in dieser Bewegung zu beobachten ist. Sebastian Heck schrieb in einem Artikel mit dem Titel Was bedeutet es „reformiert“ zu sein? Einige Streiflichter: „Und so beobachte ich das Phänomen, dass heute sowohl in den USA als auch in Deutschland jede Gruppierung für sich selbst definiert, was ‚Reformiert‘ sein bedeutet. Es gibt reformierte Charismatiker, reformierte Baptisten, reformierte Rekonstruktionisten; reformierte Pietisten; reformierte Theologen, die die Lehre von der doppelten Prädestination nicht anerkennen; reformierte Theologen, die die Lehre vom wirksamen Sühneopfer Christi ablehnen; Reformierte, die von Johannes Calvin allgemein nicht sehr viel halten; Reformierte, die glauben, Kinder, die getauft sind, sollten sogleich auch zur Kommunion zugelassen werden; Reformierte, die nicht an die Vorsehung glauben, etc.“10

Insbesondere die charismatische und mystische Ausrichtung der Neuen Calvinisten sind als äußerst bedenklich einzuordnen. John MacArthur arbeitet nur gelegentlich und unter Vorbehalt mit charismatischen Calvinisten zusammen, weil er eine strikt cessationistische Position vertritt (die Zusammenarbeit mit Pfingstlern und Charismatikern lehnt er kategorisch ab!). Für MacArthur traten die Geistesgaben wie Zungenreden und Prophetie mit der Niederschrift der Offenbarung allmählich in den Hintergrund und hörten schließlich gänzlich auf.

In einem Interview mit Tim Challies sprach MacArthur zwar seine Wertschätzung für charismatische Calvinisten wie Mahaney, Piper und Grudem aus, mahnte aber zugleich: „Aber ich würde diese Männer dennoch auffordern, ihre Position über die Geistesgaben zu überdenken. Ich bin überzeugt, dass die charismatische Bewegung die Tür für mehr theologische Irrtümer geöffnet hat als irgendein anderer Faktor im 20. Jahrhundert (einschließlich des Liberalismus, der Psychologie und des Ökumenismus). Das ist eine energische Aussage, ich weiß. Aber wenn Sie es zulassen, dass Erfahrungen in den Mittelpunkt rücken, sind die Auswirkungen katastrophal.“11

Erst kürzlich, am 27. August 2011, sagte Matt Chandler, der der Gruppe Young, Restless, Reformed zuzurechnen ist, zu, auf der Konferenz von Steve Furtick zu sprechen. Furtick steht sowohl für den Gemeindepragmatismus (Leben mit Vision) als auch für das Gedankengut der Emerging Church und beweist ferner, dass er auch keine Vorbehalte gegenüber Extremcharismatikern hat, wie die eingeladenen Sprecher seiner Konferenz deutlich machen (z. B. Wohlstandsverkündiger Jentezen Franklin).

Der Calvinist Michael Horton distanziert sich in seinem Artikel Reformed and Charismatic? (Reformiert und Charismatisch?) im August 2011 von extremcharismatischen Bewegungen wie die von C. Peter Wagner gegründete Neue Apostolische Reformation und untersucht die Vereinbarkeit von charismatischen Überzeugungen mit der reformierten Lehre. Horton ruft seine Brüder unter den Neuen Calvinisten dazu auf, die Lehren der Gnade wieder zu entdecken und nach einer wahren Erweckung zu streben: „…das bedeutet, einen überraschenden Segen Gottes auf seinen normalen Dienst in unseren Tagen. Die falsche Entscheidung zwischen Kopf und Herz, dem Geist und dem Wort, war eine mehrjährige Polemik des radikalen Flügels des Protestantismus.“12 Driscolls Aufruf zu einer Synthese von Charismatik mit Calvinismus lehnt Horton ab, weil er darin eine gefährliche Trennung zwischen dem Heiligen Geist und Gottes Wort sieht.

Der allgemeine Trend zum Mystizismus und vor allem die Rückbesinnung auf katholische Mystiker sind unter Evangelikalen derzeit ungebrochen. Dass die Neuen Calvinisten diesem Trend ebenfalls folgen, ist überraschend, da eines der Prinzipien der Calvinisten sola scriptura – allein die Schrift - war. Die Allgenugsamkeit der Heiligen Schrift schließt im Grunde mystische Erfahrungen ebenso aus wie prophetische Eindrücke. Erstaunlicherweise häufen sich derzeit die Aufrufe und Empfehlungen einer Reihe prominenter Vertreter der Neuen Calvinisten, sich der Mystik zuzuwenden.

Tim Keller beispielsweise lehrte über verschiedene „Ebenen des Gebets“ und darüber wie man „tiefer in die Gegenwart und Realität Gottes eindringen kann.“ Keller erläutert: „Der Grund, warum Meditation so grundlegend wichtig ist, ist der, dass Meditation das Tor zum Gebet – zu wahrem Gebet – ist.“ Um die tieferen Ebenen des Gebets, das wahre Gebet, zu erlernen, empfiehlt Keller das Buch Celebration of Discipline (dt. Nachfolge feiern, Brockhaus Verlag) von Richard Foster. Das Buch des Quäkers Foster ist voll von Ratschlägen, subjektiven Eindrücken oder Visionen zu folgen, den Rosenkranz oder Gebetsräder zu nutzen oder auf die Kraft der Imagination zurückzugreifen. Foster empfiehlt Thomas Merton, dessen mystische Lehren stark an das New Age erinnern. Ferner empfiehlt Keller die mystischen Übungen der Lectio Divina des Jesuiten Ignatius von Loyola, einem glühenden Verfechter der katholischen Gegenreformation.

Auch Mark Driscoll empfiehlt die Lektüre des Buches von Richard Foster. Ferner bezeichnete er das Buch des kontemplativen Autors Donald S. Whitney Spiritual Disciplines for the Christian Life als „wunderbares“ Buch. Und auch Sacred Pathways (dt. Neue Wege, Gott zu lieben, Brockhaus Verlag) von Gary Thomas, einem weiteren Vertreter kontemplativer Theologie, der eine besondere Form von Mantra Meditation propagiert, hält Driscoll für lesenswert. Die besondere Form von Mantra Meditation, die Gary Thomas anpreist, geht auf den katholischen Priester John Main (1926-1982) zurück, der eine Mantra Meditation nach hinduistischem Vorbild entwickelt hatte.

Man muss Sebastian Hecks oben erwähntem Artikel nicht unbedingt in allen Punkten zustimmen. Dennoch bringt er es auf den Punkt, wenn er über den gegenwärtigen Zustand der Neuen Calvinisten schreibt, dass „nun anscheinend ganz unmerklich die Grenzen verschoben wurden und der Begriff “reformiert” durch Leute wie C.J. Mahaney, Al Mohler und John Piper illustriert, wenn nicht sogar definiert wird, und eben nicht mehr durch Namen wie Johannes Calvin, Heinrich Bullinger, Caspar Olevianus oder, noch besser, durch die Bekenntnisse der reformierten Kirchen durch die Geschichte hindurch... Es steht uns nicht zu, nach eigenem Belieben zu definieren (oder umzudefinieren), was es bedeutet, ‚reformiert‘ zu sein, d.h. was den reformierte Glauben ausmacht.“13

Eine interessante Umfrage von George Barna über die protestantische Bewegung in den USA mit besonderem Augenmerk auf reformierte und calvinistische Strömungen ergab folgenden Befund. Derzeit beschreiben sich 31% der protestantischen Pastoren als calvinistisch/reformiert. Vor einem Jahrzehnt waren es 32% der Pastoren. Die Besucherzahlen in calvinistisch/reformierten Gottesdiensten wuchsen im letzten Jahrzehnt um13% von 80 auf 90 Besucher, während die wesleyanisch/arminianischen Gemeinden einen Besucherzuwachs um 18% von 85 auf 100 Besucher verzeichneten. 17% der reformierten Gemeinden bezeichneten sich als liberal, während sich unter den wesleyanisch/arminianischen Gemeinden nur 13% der Gemeinden zum Liberalismus bekannten.14

Die Zahlen Barnas beschränken sich nur auf Mitgliederzahlen und sagen wenig über die geistliche Stärke einer Bewegung im Allgemeinen oder der Neuen Calvinisten im Besonderen aus. Bislang konnte die Popularität der Neuen Calvinisten offensichtlich kaum in Mitgliederzuwachs umgemünzt werden. Sofern der Neue Calvinismus jedoch erwecklich ist und vor allem die junge Generation erreicht, werden die Neuen Calvinisten dies sicherlich getrost verkraften können.

Es bleibt zu hoffen (und zu beten), dass unter den Neuen Calvinisten eine biblische und damit heilsame Debatte entfacht wird über den Kurs, den diese Bewegung für die Zukunft einschlagen soll. Eine weitere Verweltlichung sowie die Öffnung zu extremcharismatischen Gruppierungen und zur Mystik wird eine weitere Zersplitterung der Bewegung zur Folge haben und kann auf Dauer keine guten Früchte tragen.

Johannes Calvin schrieb 1536 über eitle geistliche Leiter, die ihre eigenen Gedanken mehr lieben als das Wort Gottes:

„Es hätte sich freilich für jene (Kirchenhäupter) geschickt, Beschützer und Wächter des Friedens und Heils zu sein, für dessen Erhaltung sie bestimmt sind. Doch ist es etwas anderes zu leisten, was man schuldig ist, und zu schulden, was man nicht leistet. Und doch wolle man nicht diese unsere Worte in dem Sinne aufnehmen, als sei ich dafür, dass man das Ansehen der Hirten ohne Unterschied, Überlegung und Auswahl erschüttern solle. Nur möchte ich unter ihnen selbst eine Auswahl getroffen sehen, damit man nicht alle, die da Pastoren (Hirten) heißen, sofort als solche anzusehen brauche. Denn daran müssen wir doch schlechterdings festhalten, dass ihre ganze Amtstätigkeit durch den Dienst am Worte Gottes, ihre ganze Weisheit durch die Erkenntnis dieses Wortes, ihre ganze Beredsamkeit durch die Verkündigung dieses Wortes begrenzt sei. Weichen sie davon ab, so müssen sie nach ihrer Einsicht für matt und stumpf, nach ihrer Zungenfertigkeit für Stammler und nach allen Seiten hin für unzuverlässige und pflichtvergessene Menschen gelten, mögen sie nun Propheten sein oder Bischöfe oder Lehrer oder gar noch irgendetwas Größeres! Nicht von dem einen oder andern will ich reden: nein, die gesamte Körperschaft der Priester wird, falls sie Gottes Wort hintansetzen und so von ihrem eigenen Sinne sollte sich treiben lassen, zu reinen Narren werden.“

Der Neue Calvinismus muss sich ganz an das Wort binden, und sich nicht „von seinem eigenen Sinn treiben lassen,“ um auch in Zukunft das ewige Evangelium kraftvoll zu verkünden.


Anmerkungen

1 David Van Biema, The New Calvinism. TIME Magazine, 12. März 2009.
2 John MacArthur im Interview mit Alex Crain, Redakteur von Christianity.com.
YouTube, John MacArthur Predicts Reversal of the Reformed Revival Pt.1/2, (siehe unten).
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Ebd.
6 John MacArthur, Settle Down Don’t lose your passion and energy; take charge of it. 23. August 2011.
7 Dr. Peter Masters, The Merger of Calvinism with Worldliness. In: The Sword and the Trowel, 1/2009.
8 Ebd.
9 R. Scott Clark, Recovering the Reformed Confession – Calvinism Old and “New”. 15.3.2009.
URL: http://heidelblog.wordpress.com/2009/03 ... d-and-new/.
10 Sebastian Heck, Was bedeutet es „reformiert“ zu sein? Einige Streiflichter.
URL: http://www.lebensquellen.de/?p=815.
11 Tim Challies, 10 Questions.
Deutsche Übersetzung: 10 Fragen an John MacArthur.
12 Michael Horton, Reformed and Charismatic?, 22. August 2011.
13 Sebastian Heck, Was bedeutet es „reformiert“ zu sein? Einige Streiflichter. URL: http://www.lebensquellen.de/?p=815.
14 George Barna, Is there a „Reformed“ Movement in American Churches?
15 Ron Kubsch, Reine Narren werden sie sein
Quelle
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Wer sind die Neuen Calvinisten (Teil I)

Beitragvon Joschie » 06.09.2012 18:47

Ich teile nicht alle Standpunkte in den folgenden Beitrag von Dr. E. S. Williams. Ich halte es für sehr wichtig sich mit dem Thema "Neuer Calvinismus" zu befassen und sich im gegebenen Fall sich mit ihm auseinanderzusetzen. Dieser Prozess hilft einem auch die eigenen Standpunkte heraus zuarbeiten und zu festigen.

Wer sind die Neuen Calvinisten (Teil I)
Dr. E. S. Williams

Dr. E. S. Williams erteilte freundlicherweise die Erlaubnis, das vorliegende Dokument ins Deutsche zu übersetzen und zu veröffentlichen. Dr. Williams hielt an der Summer School of Theology im Metropolitan Tabernacle, London, am 4. Juli 2012 zwei Vorträge über die Neuen Calvinisten. Das Metropolitan Tabernacle ist jene geschichtsträchtige Gemeinde, in welcher Charles Spurgeon drei Jahrzehnte das Evangelium verkündigte. Seit 1970 steht Peter Masters der Gemeinde im Metropolitan Tabernacle vor. Sowohl Peter Masters als auch Dr. Williams bekennen sich zum reformierten Glauben. Die Kritik von Dr. Williams an einer Reihe von Vertretern des Neuen Calvinismus ist somit eine Bewertung aus dem eigenen reformierten Lager und sollte bedacht werden, auch wenn man nicht allen Punkten zustimmen sollte. Dr. Williams ist Mitglied des Metropolitan Tabernacle.

Der Neue Calvinismus

Der Neue Calvinismus ist eine Bewegung, die sich in der christlichen Gemeinde in den USA bis nach Großbritannien ausbreitet und andere Länder in der ganzen Welt erreicht. Christen mögen mit dem Ausdruck nicht vertraut sein, und so wird meine Aufgabe darin bestehen, in zwei Vorträgen das Phänomen Neuer Calvinismus zu erklären, eine Bewegung, die von sich behauptet, dass die reformierten Lehren von Johannes Calvin, Charles Spurgeon und Jonathan Edwards mit ihr verbunden sind. Angeführt von einigen der bekanntesten Namen in der evangelikalen Welt erweckt der Neue Calvinismus den Anschein, in der Lehre gesund zu sein. Aber bei genauerer Betrachtung ergibt sich ein anderes Bild. Wir sehen eine Bewegung, welche die Welt in die Gemeinde bringt – eine Bewegung, die keinen Unterschied mehr zwischen dem Heiligen und dem Profanen macht. Ich hoffe zeigen zu können, dass das Problem des Neuen Calvinismus sowohl in der Lehre als auch im Handeln erkennbar wird.

Der offenkundige Erfolg des Neuen Calvinismus geht auf einige einflussreiche Dienste zurück, darunter Megagemeinden, deren Leiter sich bereit erklärt haben, zusammenzuarbeiten. Diese Einheit, die auf Pragmatismus beruht, unterliegt einem rasanten Wandel in der evangelikalen Landkarte in den USA und in anderen Ländern. Der Einfluss dieser neuen Bewegung ist derart groß, dass selbst das TIME Magazine die Auswirkungen auf die evangelikale Welt zur Kenntnis nahm. Dennoch ist es falsch, den Neuen Calvinismus als etwas zu betrachten, das auf einer klaren Lehrgrundlage steht, denn, wie wir sehen werden, handelt es sich hierbei um ein Zelt, das vielen Personen mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Vorstellungen, Lehren, Praktiken und Doktrinen Platz bietet.

Zuerst werde ich den Ursprung des Neuen Calvinismus und seinen Bezug zur Gospel Coalition beschreiben, um dann die vier Theologen zu betrachten, die allgemein als zentrale Figuren des Neuen Calvinismus anerkannt werden, namentlich Dr. Tim Keller, Pastor John Piper, Pastor Mark Driscoll und Dr. Albert Mohler. Obgleich der Begriff „Neuer Calvinismus“ in Großbritannien selten Verwendung findet, wird die Philosophie dieser Bewegung von vielen Gemeinden hierzulande begierig angenommen.

TIME Magazine (2009)

Von welcher Bedeutung ist nun der Neue Calvinismus? Während vielen Leuten in Großbritannien der Begriff nicht geläufig ist, übt der Neue Calvinismus enormen Einfluss aus und hat großes Gewicht in der christlichen Gemeinde. Das TIME Magazine, das größte Nachrichtenmagazin der Welt, das wöchentlich erscheint, listete in einem Artikel im Jahre 2009 zehn Vorstellungen auf, die die Welt heute verändern; der Neue Calvinismus war auf Platz 3. Ted Olson, Redaktionsleiter von Christianity Today, wurde mit den Worten zitiert: „Jeder weiß, wo die Energie und die Leidenschaft in der evangelikalen Welt zu finden ist – in dem Pionier der Neuen Calvinisten, John Piper aus Minneapolis, Seattles, dem streitbaren Mark Driscoll und in Albert Mohler, Leiter des Southern Seminary der großen Southern Baptist Convention."

Young, Restless, Reformed (Jung, Rastlos, Reformiert)

Die Geschichte der Neuen Calvinisten begann wahrscheinlich um 2006, als Collin Hansen, ein Junior-Redakteur von Christianity Today, einen Artikel veröffentlichte, in welchem er über ein vermeintliches Wiederaufleben reformierter Theologie unter jungen Christen in den USA berichtete. Er kam zu dieser Schlussfolgerung, nachdem er durch die USA gereist war und führende Gemeinden und christliche Institutionen besucht und mit Theologen, Pastoren und Kirchengemeindemitgliedern gesprochen hatte.

Hansens Buch Young, Restless, Reformed - A Journalist’s Journey with the New Calvinists (Jung, Rastlos, Reformiert – Die Reise eines Journalisten mit den Neuen Calvinisten), das im Jahre 2008 veröffentlicht wurde, berichtet über das Wiederaufleben des Calvinismus unter jungen Leuten in den USA. Hansen war sehr von der Passion Conference beeindruckt, eines großen, jährlichen Events, das zeitgenössische Anbetungsmusik neben John Piper als Hauptredner zu bieten hat. Zwanzigtausend Collegestudenten, die auf moderne Lobpreismusik abfahren, brennen darauf, John Pipers reformierte Botschaft zu hören. Und Piper sagt, dass die Anbetungslieder, die heute geschrieben werden, von einem großen Gott handeln. Zitat: „Sie [die Lieder] waren die Grundlage für die Theologie; ich verstehe noch immer nicht, warum viele Gemeinden nicht dem Sachverhalt folgen, dass Predigt ihre Theologie aus Liedern bezieht. Aber zumindest wird in der Passion Bewegung Gott durch die Musik erhoben.“ Hansen sagt, dass die jungen Leute durch die Verkündigung von Piper und durch die Musik der Passion Conference die Nähe Gottes erfahren. „Diese mächtige Kombination auf Konferenzen wie Passion lässt Stereotypen über reformierte Theologie als ein kaltes und unnahbares Studium Gottes hinter sich.“

Dann enthüllt Hansen, dass die Gemeinden, die der Bewegung Sovereign Grace Ministries (calvinistisch-charismatische orientierte Freikirchen) angehören, die charismatische Anbetung mit der calvinistischen Theologie verbinden. Er kommt zu dem Schluss: „Das wachsende Netzwerk charismatischer Calvinisten, das von C. J. Mahaney angeführt wird, ist ein Zeichen des Wiederauflebens des reformierten Glaubens.“ Hansen sagt, dass evangelikale Christen, die von der High School abgehen und die Gemeinden ihrer Jugendzeit verlassen, zu den zeitgenössischen Anbetungskonferenzen wie Passion oder New Attitude pilgern und durch die Musik und den transzendenten Gott, der ihnen durch die reformierte Theologie von John Piper und anderen präsentiert wird, verändert werden.

Hansens Buch lobt die bekannten Persönlichkeiten des Neuen Calvinismus. Er glaubt, dass ein echtes Wiederaufleben stattfindet und macht die folgenden Beobachtungen:

1) John Piper ist die zentrale Person im Wiederaufleben des Calvinismus unter jungen Leuten.
2) Pastor Mark Driscoll und die Mars Hill Church zeugen von der missionalen Betonung des Neuen Calvinismus.
3) Al Mohler und das Southern Seminary in Louisville fördern das Wiederaufleben des Calvinismus in der Southern Baptist Convention.
4) Die New Attitude Conference, die von Joshua Harris organisiert wird und reformierte Rap- und Rockmusik anbietet, erreicht junge Menschen mit der Lehre der Neuen Calvinisten.
5) Der Neue Calvinismus hat traditionelle Lehre erfolgreich mit der charismatischen Lehre und Praxis von C. J. Mahaney und den Sovereign Grace Churches verbunden.
6) Tim Keller von der Redeemer Presbyterian Church in New York und einer der Leiter der Gospel Coalition ist der führende kulturelle Analytiker der Bewegung der Neuen Calvinisten.

Hansens Buch wurde von vielen Evangelikalen gut aufgenommen. Pastor Tim Challies kommentiert: „Collin Hansen lädt uns ein, an einer Entdeckungsreise teilzunehmen, bei der wir erkennen, wie unsere rastlose Jugend von neuem die großen Lehren des christlichen Glaubens entdeckt.“ Der leitende Redakteur von Christianity Today, David Neff, ist überschwänglich in seinem Lob: „Collin Hansen hat eine frische Bewegung junger Christen entdeckt für die Lehre – insbesondere die calvinistische Lehre – die Evangelisation beflügelt, die Leidenschaft anfacht und das Leben verändert. Lesen Sie es und freuen Sie sich.“

In Großbritannien wurde Hansens Buch in so bekannten Magazinen wie Banner of Truth, Evangelical Times, Evangelicals Now und Reformation Today voller Enthusiasmus aufgenommen. Die Gospel Coalition hat Hansen zu ihrem Chefredakteur gemacht.

Dr. Peter Masters Rezension von Young, Restless, Reformed

Dr. Peter Masters hingegen, Pastor des Metropolitan Tabernacle, war sehr bekümmert, nachdem er Hansens Buch gelesen hatte. Zitat: „Weil es einen ernsthaft verzerrten Calvinismus beschreibt, der weit, weit von einem authentischen Leben im Gehorsam gegenüber einem souveränen Gott entfernt ist. Wenn diese Art von Calvinismus Verbreitung findet, dann wird wahrhaftige biblische Frömmigkeit Angriffen ausgesetzt sein wie nie zuvor.“

Der Autor (Collin Hansen) beginnt seine Beschreibung der Passion Conference in Atlanta im Jahre 2007, wo 21000 junge Leute in zeitgenössicher Musik versunken waren und Sprecher wie John Piper hörten, die calvinistische Lehren verkündeten. Und dieses Bild taucht in dem Buch viele Male auf – große Konferenzen, die man als Mischung aus weltlicher, Aufsehen erregender, lauter, rhythmischer Musik und calvinistischer Lehre beschreiben kann.

Dr. Peter Masters kommt zu dem Schluss: „Du kannst keine puritanische Soteriologie [Lehre vom Heil] ohne puritanische Heiligung haben. Du solltest die Menschen nicht mit den Verlockungen der Welt für die calvinistische Verkündigung zu begeistern versuchen. Wir hoffen, dass die jungen Leute in der Bewegung besser begreifen als ihre Lehrer, was die calvinistischen Lehren beinhalten und keine Kompromisse mehr machen. Aber es bahnt sich Unheil an, wenn diese neue Form von Calvinismus Verbreitung findet.“

Um den Neuen Calvinismus zu verstehen, müssen wir die Lehren der vier einflussreichsten Männer in der Bewegung untersuchen: erstens, Tim Keller, Pastor der Redeemer Presbyterian Church in New York, Mitbegründer der Gospel Coalition mit Don Carson; zweitens, Pastor John Piper von Desiring God Ministries, der von vielen als die zentrale Figur des Neuen Calvinismus betrachtet wird; drittens, Pastor Mark Driscoll von der Mars Hill Church in Seattle, der den Ruf hat, als Pastor die meisten Downloads in der Geschichte erzielt zu haben; viertens, Dr. Albert Mohler, Präsident des Southern Baptist Theological Seminary. Aber zunächst müssen wir die Gospel Coalition betrachten, eine Organisation, die an der vordersten Front des Neuen Calvinismus steht.

Die Gospel Coalition

Die Gospel Coalition wurde im Jahre 2007 ins Leben gerufen von Dr. D. A. Carson, Forschungsprofessor für Neues Testament an der Trinitiy Evangelical Divinity School, der das Bekenntnis verfasste, und von Dr. Tim Keller, der eine theologische Abfassung über Berufung zum Dienst herausbrachte. Pastor Mark Driscoll war ebenfalls bei der Gründung der Gospel Coalition beteiligt. Er war eingeladen, einem kleinen theologischen Treffen beizuwohnen, das von Carson und Keller geleitet wurde sowie von Pastoren einer Reihe bekannter evangelikaler Gemeinden wie Alistair Begg, Kent Hughes, Philip Ryken, Mark Dever, Ray Ortlund und Ligon Duncan.

Ferner waren Organisationen wie The Council on Biblical Manhood and Womanhood, Desiring God, Together for the Gospel, 9Marks, Alliance of Confessing Evangelicals, Sovereign Grace Ministries neben Acts 29 und The Resurgence beteiligt.

Die Vision der Gospel Coalition ist es, eine Bewegung zu schaffen, die langfristig das evangelikale Denken und Handeln sowohl in den USA als auch weltweit erneuern und reformieren kann. Hansen schreibt über das erste Treffen: „Wie Carson mir heute mitteilte, wäre diese Gruppe vor fünf Jahren noch nicht zustande gekommen. Mache daraus, was du willst, aber es bewegt sich etwas in der evangelikalen Bewegung. Die Gospel Coalition versucht nichts weiter als die Rückkehr zum theologischen Konsens, wie er in den Tagen des Neoevangelikalismus unter der Führung von Billy Graham, Carl Henry, Harold John Ockenga und vielen anderen vorhanden war.“

Die Gospel Coalition strebt an, Pastoren und Theologen zu motivieren, sich einem sozialen Aktivismus hinzugeben. Die theologische Vision des Dienstes besteht darin, das Christentum zu einer Gegenkultur für das allgemeine Wohl zu machen. Das Tun der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit ist ein wichtiger Aspekt der Gospel Coalition – das Dienen steht für sie im Mittelpunkt des Evangeliums. „Die Auferstehung Jesu zeigt, dass er sowohl die spirituelle als auch die materielle Welt erlöst. Aus diesem Grund ist Gott nicht nur am Heil der Seelen interessiert, sondern auch an der Bekämpfung der Armut, des Hungers und der Ungerechtigkeit“ (S.13). In Wirklichkeit ist dies nichts weiter als das alte soziale Evangelium lediglich in die Sprache des Neuen Calvinismus gekleidet.

Kontextualisierung

Die Gospel Coalition beschäftigt sich mit der Frage, wie die Kirche zur Kultur steht, was man als Kontextualisierung bezeichnet. „Wir glauben, dass jeglicher Ausdruck des Christentums notwendigerweise und richtigerweise bis zu einem gewissen Grad in Bezug auf die jeweilige Kultur des Menschen kontextualisiert ist... Das Evangelium selbst hat den Schlüssel für die geeignete Kontextualisierung“ (S.10). Die Gospel Coalition zielt darauf ab, im Zuge der Verkündigung des Evangeliums die richtige Balance zu finden.

Wahrheit

Die Gospel Coalition propagiert, was sie als „‘einsichtige‘ Korrespondenztheorie der Wahrheit (‚chastened‘ correspondence-theory of truth) bezeichnet, die weniger triumphalistisch ist als der Evangelikalismus der Vergangenheit.“ Die Korrespondenztheorie der Wahrheit ist ein philosophisches Konstrukt, welches argumentiert, dass „Wahrheit“ stets das ist, was auch immer mit der Realität korrespondiert. Die Wahrheit korrespondiert mit den Fakten. Es handelt sich um ein traditionelles Modell, das auf die klassischen Philosophen Griechenlands wie Plato und Aristoteles zurückgeht. Dieses Modell wurde auch von vielen Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts vertreten.

Die Gospel Coalition hat ihrer „Theorie der Wahrheit“ das Wort „einsichtig“ (“chastened”) hinzugefügt. Damit will sie sagen, dass die christliche Gemeinde keine absolute Wahrheit verkünden kann, wie sie in der Schrift geoffenbart wurde, sondern lediglich eine „einsichtige“ apologetische Version dessen, was Wahrheit sein könnte. Die absolute Wahrheit zu verkünden, wird abwertend als triumphalistisch bezeichnet, etwas, das es auf jeden Fall zu meiden gilt. Vielmehr sind Christen demütig, wenn sie die Wahrheit verkünden, denn sie könnten sich irren. Aber dies ist nicht das biblische Verständnis von Wahrheit. Die Gospel Coalition scheint sich für die absolute Wahrheit, die in Gottes Wort geoffenbart durch die christliche Gemeinde bewahrt wurde, zu schämen.

Zeitgenössicher Lobpreis

Die Gospel Coaltion hat sich der zeitgenössischen Lobpreismusik völlig verschrieben und viele ihrer Konferenzen beinhalten Hip-Hop-Konzerte. Ein Artikel von Collin Hansen mit dem Titel „The Hip-hop Opportunity“ (Möglichkeiten durch Hip-Hop), welcher auf der Webseite der Gospel Coaltion veröffentlicht wurde, beschreibt ein Hip-Hop-Konzert im Moody Bible Institute: „Die Zuhörer pulsierten vor jugendlicher Energie fast drei Stunden lang. Eine bunte Menge aus fast 2000 Personen stand Schlange, lange bevor die Türen geöffnet wurden. Während des ausverkauften Konzerts riefen sie die ihnen bekannten Worte aus und tanzten leidenschaftlich unter Vertrauten und neuen Freunden, die ihre Liebe zur Musik teilten. Aber die Botschaft war wichtiger als die Musik und sogar wichtiger als die Musiker des Abends. Und genau so wollten es alle ... Das Konzert, bei dem Lecrae, Trip Lee, Sho Baraka, Tedashi, Pro und DJ Official auftraten, machte Jesus Christus zum Star der Show.“

Eine Sache, welche die Neuen Calvinisten offensichtlich zusammenschweißt, ist ihre Hingabe an zeitgenössischen Lobpreis und heiligen Hip-Hop.

Lehre

Der Neue Calvinismus ist für alles offen, was Großzügigkeit in der Lehre fördert und Unstimmigkeiten in Bezug auf Lehre meidet. Sowohl charismatische Praktiken als auch einige der Lehren der Emerging Church sind unter dem Zelt des Neuen Calvinismus bereitwillig angenommen worden. Trotz der Lippenbekenntnisse zu den Lehren Calvins bekennen sich wenige zum Westminster Glaubensbekenntnis oder dem Glaubensbekenntnis der Baptisten aus dem Jahre 1689. Wir werden sehen, dass die Lehren des Neuen Calvinismus wenig mit den Lehren der Gnaden des Calvinismus zu tun haben.

Neoevangelikalismus

Was diesen Punkt angeht, müssen wir die Beziehungen zwischen dem Neoevangelikalismus und dem Neuen Calvinismus verstehen. Die Vorstellungen des Neoevangelikalismus, die sich in den 1940er und 1950er Jahren entwickelten, richteten sich offen gegen die Glaubensüberzeugungen des Fundamentalismus und strebten einen liberaleren, angepassteren Glauben an, der sich nicht von ungesunder Lehre distanzierte. Die Führer der Neoevangelikalen waren Dr. Harold Ockenga, der den Begriff Neoevangelikalismus schuf, und der Theologe Dr. Carl Henry. Im Jahre 1956 begann Henry unter dem Drängen und mit Hilfe von Billy Graham mit der Herausgabe der Zeitschrift Christianity Today, welche zum Sprachrohr der Neoevangelikalen wurde und derzeit zum Sprachrohr der Neuen Calvinisten wird.

Der Neoevangelikalismus weist vier Eigenschaften auf. Erstens, er hatte eine niedere Sicht, was die Schrift angeht, und er machte Kompromisse in Bezug auf die Irrtumslosigkeit der Schrift. Der Neue Calvinismus, wie wir sehen werden, ist ebenso leichtfertig und ebenso ehrfurchtslos bezüglich der Schrift. Zweitens, der Neoevangelikalismus machte Kompromisse, wenn es darum ging, sich von falscher Lehre zu trennen, und er strebte Allianzen mit allen an, die sich als Christen bezeichneten, was auch immer sie glaubten. Der Neue Calvinismus ist weitestgehend ebenso ökumenisch ausgerichtet. Drittens, der Neoevangelikalismus suchte nach Anerkennung durch die Welt und nach intellektueller Respektabilität. Der Neue Calvinismus ist sogar noch weltlicher, was sein Verlangen und sein Verhalten angeht. Viertens, der Neoevangelikalismus fügte dem Evangelium der Wahrheit den sozialen Aktivismus hinzu. Auch der Neue Calvinismus fördert sozialen Aktivismus.

Weltweiter Einfluss

Wir müssen anmerken, dass der Einfluss der Neuen Calvinisten weltweit zu verzeichnen ist. Obgleich es keine Organisation der Neuen Calvinisten als solche in Großbritannien gibt, gewinnen die Vorstellungen und Praktiken hierzulande schnell an Boden. Besonders drei der einflussreichsten Vertreter des Neuen Calvinismus, Tim Keller, John Piper und Mark Driscoll, sind in Großbritannien äußerst populär. Mark Driscoll ist so populär, dass er 2011 von einer Gruppe evangelikaler Leiter zur London Men’s Convention eingeladen wurde. Tim Keller pflegt enge Verbindungen zum Proclamation Trust in Großbritannien und wurde eingeladen, auf drei Konferenzen der Anglican Evangelical Ministry Assembly in den Jahren 2004, 2007 und 2011 zu sprechen; Keller referierte darüber, wie die Verkündigung sowohl zeitgenössisch sein kann, was ihre Anwendung angeht (d. i. Kontextualisierung), als auch im orthodoxen Christentum verwurzelt sein kann.

Tim Keller – der intellektuelle Riese des Neuen Calvinismus

Tim Keller ist eine Säule des Neuen Calvinismus. Als Hauptpastor der Redeemer Presbyterian Church in New York stellt er sich als Vertreter des reformierten Christentums dar. Newsweek bezeichnete ihn als den „C. S. Lewis des 21. Jahrhunderts“. Er wird von vielen als ein großer Intellektueller betrachtet, als Experte für christliche Apologetik, als jemand, der schlagfertig ist, um die Wahrheit des Christentums in einer postmodernen Welt aufzuzeigen. In einer seiner Predigten hilft Keller seinen Zuhörern, Jesus Christus als „existentiell erquickend“ und „intellektuell glaubwürdig“ zu sehen.

Tim Keller ist Bestsellerautor und populärer Konferenzsprecher. Er hat eine Reihe von Büchern geschrieben, einschließlich The Reason for God (2008), das unter die ersten Zehn der Bestsellerliste der New York Times kam(dt. Ausgabe: Warum Gott? Vernünftiger Glaube oder Irrlicht der Menschheit? Brunnen-Verlag, Gießen, 4. Aufl. 2012). Er wird in evangelikalen Kreisen so hoch geschätzt, dass er einer der Hauptredner beim 3. Lausanner Weltkongress für Evangelisation in Kapstadt im Jahre 2010 war. Er hielt die Laudatio bei John Stotts Gedenkgottesdienst in den USA.

Unter Kellers Führung ist die Redeemer Presbyterian Church mittlerweile auf ca. 5000 Mitglieder angewachsen. Redeemer City to City ist eine weltweite Gemeindegründungsbewegung. Das Netzwerk umfasst etwa 150 Gemeinden, die sich in den USA und anderen Ländern auf der ganzen Welt befinden. Von denjenigen, die sich Redeemer City to City anschließen, wird erwartet, dass sie Kellers Philosophie, seine Bücher, Predigten und Artikel weiterverbreiten. In einem Artikel mit dem Titel “Coming Together on Culture“ (Gemeinsame Ansichten über Kultur) schrieb Keller, dass es das wichtigste ist, den Leuten, die in die Gemeinde kommen, zu sagen, dass sie erstens an Jesus glauben sollen, und dass sie zweitens Gerechtigkeit üben sollen.1

Trotz Kellers großer Reputation und Popularität unter evangelikalen Christen müssen wir das Evangelium, das er verkündet, gründlich unter die Lupe nehmen.

Kellers theistische Evolution

Tim Keller glaubt fest an das, was er „progressive Evolution“ nennt. In seinem Buch The Reason for God (2008) versucht Keller den Christen zu helfen, ihre Zweifel abzulegen, indem er sie von der „Wahrheit“ der theistischen Evolution zu überzeugen sucht, eine Theorie, die es Christen erlaubt, sowohl an die Schöpfung als auch an die Evolution zu glauben.

Nach Kellers Auffassung steht es außer Frage, dass die wissenschaftliche Evolutionstheorie wahr ist, und so muss die Bibel der „Wahrheit“ der Wissenschaft angepasst werden. Keller tut dies, indem er ausführt, das erste Kapitel von 1Mose sei ein Gedicht (S.93) und könne daher nicht wörtlich genommen werden. Er schreibt: „Ich denke, dass 1Mose die Merkmale von Poesie aufweist und somit ein ‚Lied‘ über die Wunder und die Bedeutung der Schöpfung Gottes ist... Gott steuerte eine Art Prozess natürlicher Selektion, und dennoch lehne ich die Vorstellung einer Evolution als allumfassende Theorie ab.“

Als er gefragt wurde, die offenkundigen Widersprüche seiner Theorie der theistischen Evolution aufzuklären, erwiderte Keller: „Wie konnte es den Tod geben, bevor Adam und Eva in Sünde fielen? Die Antwort ist, ich weiß es nicht. Aber alles, was ich weiß, ist: Fressen Tiere nicht Käfer? Und fressen Käfer nicht Pflanzen? Der Tod muss existiert haben. Mit anderen Worten, wenn Sie verstehen, oh, einen Moment, das ist wirklich kompliziert...”

Keller räumt offen ein, dass seine Darstellung der theistischen Evolution verwirrend ist. Und weil er erkennt, dass seine theistische Evolutionstheorie unlösbare Schwierigkeiten aufweist, sagt er, dass er eine „chaotische“ Herangehensweise bevorzugt, wie er es bezeichnet.

Kellers Sicht über die Errettung

Im Jahre 2006 brachte Keller im Zuge der Veranstaltung Entrepreneur’s Forum in der Redeemer Church sein Missfallen über konservative Christen zum Ausdruck. Zitat: „Konservative Gemeinden sagen: ‚Diese Welt ist nicht unsere Heimat – sie wird letztlich vergehen, und auf was es wirklich ankommt, ist, Seelen zu erretten ... also Evangelisation und Jüngerschaft und die Errettung von Seelen ist das, was wichtig ist.‘ Und wir [Kellers Gemeinde] versuchen zu sagen, dass es fast andersherum ist, dass es das Ziel der Errettung ist, die Schöpfung zu erneuern, dass diese Welt in sich selbst gut ist ...“2

In seinem Buch The Reason for God (2008) führt Keller dies weiter aus. Zitat: „Beim Christentum geht es nicht nur darum, dass unsere individuellen Sünden vergeben werden, damit wir in den Himmel kommen. Das ist ein wichtiges Ziel von Gottes Errettung, aber nicht das letztgültige Ziel oder die endgültige Absicht. Der Grund für das Kommen Jesu ist, die ganze Welt in Ordnung zu bringen, sie zu erneuern und die Schöpfung wiederherzustellen, nicht ihr zu entfliehen. Es geht nicht nur darum, persönliche Vergebung und Frieden zu erlangen, sondern auch darum, der Welt Gerechtigkeit und Schalom zu bringen ... Das Werk des Geistes Gottes besteht nicht ausschließlich darin, Seelen zu erretten, sondern auch darin, das Angesicht der Erde, die materielle Welt, zu verbessern und zu kultivieren ... Kurz gesagt, das christliche Leben will nicht nur die christliche Gemeinschaft bauen, indem sie die Menschen ermutigt, Christus im Glauben anzunehmen, sondern sie will die menschliche Gemeinschaft erbauen durch Taten der Gerechtigkeit und durch das Dienen.“ (S.223 - 225)

Wiedergeborene Fanatiker

Keller bringt sein Missfallen an jenen zum Ausdruck, die er als christliche Fanatiker bezeichnet. Er sagt, für den durchschnittlichen Menschen stelle der Schatten des Fanatismus das größte Hindernis für das Christentum dar. Zitat: „Viele Ungläubige haben Freunde oder Verwandte, die ‚eine Wiedergeburt erlebt‘ haben und scheinbar extrem geworden sind. Bald bringen sie lauthals ihre Abneigung gegen verschiedene Gruppen und Teile unserer Gesellschaft zum Ausdruck – insbesondere gegen Kino und Fernsehen, gegen die Demokraten, gegen Homosexuelle, gegen Vertreter der Evolutionstheorie ... Wenn sie für die Wahrheit argumentieren, erscheinen sie oft intolerant und selbstgerecht. Das würden viele Menschen als Fanatismus bezeichnen.“ (S. 56 - 57)

Keller argumentiert, dass diese wiedergeborenen Christen „anmaßend, selbstgerecht, rechthaberisch, unsensibel und barsch“ sind. Er scheint sehr irrititiert zu sein in Bezug auf diejenigen, die wiedergeboren sind, das Böse verurteilen und einen Stand für Gerechtigkeit einnehmen. Der sehr tolerante Keller erscheint gegenüber den wiedergeborenen Christen als intolerant.

Das Veritas Forum

Im August 2011 wurde Keller vom Veritas Forum, einer Gruppe universitärer Akademiker und Studenten in den USA, eingeladen, um über die Themen seines Buches The Reason for God zu sprechen. Keller wurde von dem NBC Journalisten Martin Bashir interviewt und präsentierte seine intellektuellen Argumente, die für den Glauben an Gott sprechen. Das Interview ist online verfügbar (hier) und wurde von vielen Tausenden von Menschen gehört. Keller wurde gefragt, ob Jesus Christus der einzige Weg zu Gott ist.

Bashir: „Ich spreche von den Millionen von Moslems, Sikhs und Juden, die von Jesus gehört haben. Wo bleiben dies nach Ihrer These?“

Dr. Tim Keller: „Wenn es eine Falltür gibt, wurde es mir nicht mitgeteilt. Wenn Jesus ist, was er sagt, dass er es ist, dann können sie langfristig gesehen Gott nicht ihr Eigen nennen. Auf der anderen Seite ... alles, was ich dazu immer sagen kann, ist, dass Gott mir als einem Verkündiger mit der Heiligen Schrift Informationen auf der Basis gibt, das zu wissen, was ich wissen muss ... Wenn eine Person gerade jetzt Gott nicht hat, dann muss er oder sie ihn annehmen. Wenn sie sterben, und sie haben Jesus Christus nicht, ich weiß nicht ... Ich weiß gewiss, dass Gott weiser ist als ich, barmherziger ist als ich, und ich weiß, dass, wenn ich einmal erkennen werde, wie Gott mit jeder einzelnen Seele verfährt, dann werde ich keine Fragen mehr haben...“

Gedrängt von Bashir in Bezug auf Menschen anderer Religionen erwiderte Keller: „Menschen anderer Religionen, wenn sie Christus finden, ich weiß von keinem anderen Weg; aber ich bekomme Informationen auf der Basis, dass ich das weiß, was ich wissen muss; wenn es also eine Falltür gibt oder etwas ähnliches, wurde es mir nicht gesagt.“

Keller sagt, dass die Seele „Jesus bekommen“ (get Jesus) muss, damit eine Person Christ wird. Vor einer großen Zuhörerschaft macht er die bemerkenswerte Aussage, dass Gott möglicherweise eine Falltür für Ungläubige hat, über die Gott uns nichts gesagt hat. Keller vermutet, dass Gott tatsächlich einen geheimen Weg in den Himmel haben könnte für alle diejenigen, die nicht Buße tun und an Christus glauben. Aber Kellers „Falltür“ ist unbiblisch und zutiefst häretisch, denn sie beinhaltet, dass Christus umsonst starb.

Und als letzter Schock – Keller sagt, dass er nicht weiß, was mit Ungläubigen geschieht, die ohne Christus sterben. Er sagt: „Wenn sie sterben und Jesus Christus nicht haben, ich weiß nicht, was mit ihnen geschieht.“ Aber wie kann er sagen, dass er es nicht weiß, wenn die Schrift klar ist? Die Schrift sagt: „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; und wer nicht an den Sohn glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm“ (Joh 3,36). Beachten Sie, dass er sich nicht auf die Schrift bezieht, wenn er die Fragen Bashirs beantwortet.

Kellers Neigungen zu Rom

In seinem Buch The Reason for God versucht Keller das Dogma der theistischen Evolution zu stützen, indem er zur Kirche in Rom schielt. Zitat: „Zum Beispiel, die katholische Kirche, die größte Kirche in der Welt, hat sich öffentlich für die Vereinbarkeit der Evolutionslehre mit dem christlichen Glauben ausgesprochen“ (S.87). Beachten Sie, dass Keller die katholische Kirche als die größte Kirche [Gemeinde] in der Welt bezeichnet!

Kellers Definition des Christentums schließt die Orthodoxe Kirche, die Katholische Kirche und alle protestantischen Kirchen ein, welche die traditionellen Glaubensbekenntnisse wie das Apostolische Glaubensbekenntnis akzeptieren. Er schreibt: „Was ist das Christentum? Für unsere Zwecke definiere ich Christentum als den Leib der Gläubigen, die alle diese großen ökumenischen Glaubensbekenntnisse anerkennen ... Ich argumentiere in diesem Buch für die Wahrheit des Christentums im Allgemeinen – nicht für einen einzelnen Standpunkt“ (S.116 - 117)

Die beiden oben angeführten Zitate machen deutlich, dass Keller keinen Unterschied zwischen dem protestantischen und römisch-katholischen Glauben macht - er behauptet, die gesamte christliche Gemeinde zu verteidigen, welche die Katholische Kirche einschließt.

Die katholische Autorin Mary Flannery O´Connor

Keller schreibt, dass er die Wege von Gottes Gnade in „Hunderten bekannter Biographien geistlicher Personen aufzeigen könnte wie bspw. Paulus, Augustinus, Martin Luther, John Wesley ... Aber mein Lieblingsbeispiel in Bezug auf das Trauma der Gnade ist das von Mary Flannery O´Connor mit ihrer Kurzgeschichte Revelation.“ (S.237)

Keller schreibt ganze zwei Seiten über Mary Flannery O´Connors Kurzgeschichte, bevor er folgenden Schluss zieht: „Was für eine radikale Vorstellung“ Die ‚Freaks und Verrückten‘ kommen vor den moralisch Aufrichtigen in den Himmel?“ (S.240). Keller bezieht sich drei weitere Male auf die Schriften von Mary Flannery O´Connor.

Die New World Encyclopedia beschreibt Mary Flannery O´Connor als eine Frau, die ihr Leben lang römisch-katholisch war und deren Schriften sehr stark auf der Sakramentenlehre beruhten. „Sie schrieb ironische, subtil allegorische Fiktionen über moralisch, fehlerhafte Charaktere aus dem Süden der USA, gewöhnlicherweise fundamentalistische Protestanten, die einen Charakterwandel durchlebten, der sie aus O´Connors Sicht dem katholischen Denken näher brachte...“3

Die Tatsache, dass Keller die Schriften O´Connors auswählt, um die Bedeutung der Gnade zu erklären, sagt viel über seine Theologie aus. Statt aus dem riesigen Ozean der reformierten Literatur zu schöpfen, welche die Errettung aus Gnade allein und durch Glauben allein erklärt, zieht Keller eine katholische Schriftstellerin heran, die durch ihre Karikaturen fundamentalistischer Protestanten den reformierten Glauben subtil unterwandert.

Keller zitiert katholische Prominente wie Malcolm Muggeridge, G. K. Chesterton und J. R. Tolkien, um seine theologischen und philosophischen Argumente zu untermauern. In seinem Interview mit dem Magazin First Things, eines der bekanntesten katholischen Magazine der USA, sagt Keller: „Ich will nicht nur eine Art von Christentum verteidigen. Ich denke, ich will das Apostolische Glaubensbekenntnis verteidigen.“ Er will, dass Ungläubige das Apostolische Glaubensbekenntnis akzeptieren, um dann damit machen zu können, was sie wollen. In diesem Interview wurde deutlich, dass Kellers Ziel es ist, das zu verteidigen, was er als „ganzen Glauben“ (whole Faith) bezeichnet, und das, so seine Vorstellung, schließt die Kirche Roms ein. Im Grunde hat Keller die Reformation öffentlich als null und nichtig erklärt.

Mystizismus in Kellers Gemeinde

Die Frucht von Kellers Annäherung an die Kirche von Rom ist seine Förderung katholischer mystischer Praktiken in seiner Redeemer Church. 2009 bot Kellers presbyterianische Gemeinde eine Serie von Vorträgen an, die seine Mitglieder lehren sollte, wie man den „The Way of the Monk“ (Weg der Mönche) geht – eine Methode des Gebets und der Anbetung, die auf der Grundlage katholischer Mystik steht.

Die Webseite der Redeemer Church erklärt die katholische Meditationstechnik Lectio Divina und enthält ferner Ratschläge zu den Geistlichen Übungen des Ignatius von Loyola, dem Gründer der Jesuiten. Zitat: „Loyolas Methoden, wie sie in seinem Buch Geistliche Übungen niedergeschrieben wurden, werden seit Jahrhunderten praktiziert. Keller ermutigt seine Anhänger, die Schrift mit allen fünf Sinnen zu erfahren: Sehen, Hören, Schmecken, Tasten und Riechen.4

Ein Mitglied von Kellers Gemeinde war so beunruhigt, dass sie schrieb: „Am Ende musste ich die Redeemer Church verlassen, weil ich erfuhr, dass sie Unterricht erteilt, wie man auf der Grundlage der Lectio Divina betet, wie man eine kontemplative Gebetsmeditation praktiziert und wie man sogar ein ‚eigenes privates Kloster‘ schafft (die Veranstaltung wurde The Way of the Monk genannt). Dies ging mir definitiv gegen den Strich, und ich schrieb vor einigen Monaten einen Brief mit meinen Bedenken an die Pastoren und Ältesten der Gemeinde, habe jedoch bis heute keine Antwort erhalten.“

Das Evangelium und die Kultur

Kellers Buch Generous Justice (2010) ist eine Polemik gegen sozialen Aktivismus (dt. Warum Gerechtigkeit? Gottes Großzügigkeit, soziales Handeln und was ich tun kann, Brunnen-Verlag, Gießen, 2012). Um die Aussage, dass Gott auf der Seite der Armen steht, zu bekräftigen, zitiert Keller Gustavo Gutierrez, einen Dominikanerpriester und Autor des Buches A Theology of Liberation (1971) (dt. Theologie der Befreiung, Kreuz Verlag, Stuttgart, 10. Aufl. 1991) – Gutierrez wird als Vater der Befreiungstheologie betrachtet. Doch Keller erwähnt an keiner Stelle, dass Gutierrez ein katholischer Theologe ist. Keller erklärt, was er unter Gerechtigkeit versteht, und dies bedeutet für ihn, den Armen zu helfen. Er argumentiert, dass, „wenn es wahr ist, dass Gerechtigkeit und Barmherzigkeit für die Armen die unvermeidlichen Zeichen des rechtfertigenden Glaubens“ darstellen, dann hat die christliche Gemeinde als Ganzes eine Verpflichtung gegenüber den Armen. Er kommt zu dem Schluss: „Ein Leben, das sich der Gerechtigkeit für die Armen verschreibt, ist das unvermeidliche Zeichen jeden realen, wahren Glaubens an das Evangelium.“ (S.189)

Kontextualisierung des Evangeliums

Keller betont die Wichtigkeit, das Evangelium in der Kultur in einer sensiblen Weise darzustellen. Er geht davon aus, dass der Widerstand des Menschen gegen das Evangelium durch und durch kulturell bedingt sei. Aus diesem Grunde, so Keller, muss das Evangelium „in Verbindung mit von der Basis ausgehenden kulturellen Narrativen präsentiert werden – Jesus muss die Antwort auf alle Fragen sein, welche von der Kultur gestellt werden. Vergessen Sie nicht – jegliche Darbietung des Evangeliums präsentiert Jesus als die Antwort auf eine Bereich der menschlichen Kultur ... jegliche Darbietung des Evangeliums muss kulturell inkarniert sein, sie muss einige übergeordnete kulturelle Anliegen beinhalten ... Das Christentum muss die Antwort auf die wichtigsten Fragen und Sehnsüchte unserer Kultur sein.“ Bei der Präsentation des Evangeliums, so Keller, müssen wir die Frage stellen: Wie wird die Welt in Ordnung gebracht? Wir müssen ferner erklären, wie wir selbst ein Teil davon sein können, die Welt in Ordnung zu bringen.

Kellers Theologie kann in seiner eigenen Aussage zusammengefasst werden: „Das wichtigste Ziel des Heils - kulturelle Erneuerung - besteht darin, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.“ Diese Vorstellung nimmt in allen Lehren Kellers einen zentralen Platz ein.

Fazit

Dr. Tim Keller ist ein großer Name in der Bewegung des Neuen Calvinismus. Seine Lehren werden in Großbritannien auf breiter Ebene bekannt gemacht durch The Gospel Coalition, Redeemer Network, Proclamation Trust sowie durch Konferenzen in der ganzen Welt. Während er den Ruf genießt, ein gesunder christlicher Leiter des Protestantismus zu sein, ist die Wahrheit, dass er nicht den orthodoxen Lehren des reformierten Glaubens folgt. Er macht sich eine pseudointellektuelle, philosophische Methode zunutze, um ein menschengemachtes Evangelium zu propagieren. Er verbreitet eine Version des Evangeliums, die weit von biblischer Wahrheit entfernt ist.

Wir haben gesehen, dass Keller durch den „Fanatismus“ derer, die sich als wiedergeborene Christen betrachten, irritiert zeigt, obgleich er sich sehr ökumenisch gibt und große Sympathien für die katholische Sache zeigt. Wie die Neoevangelikalen hat er eine niedere Sicht in Bezug auf die Schrift, was ihm erlaubt, die Lehre der theistischen Evolution zu verbreiten. Er versucht, das Evangelium zu kontextualisieren, damit es in der jeweiligen Kultur akzeptiert wird. Er versucht, Evangelisation mit sozialem Aktivismus zu verbinden. Er ist ein archetypischer Neuer Calvinist, der im Grunde die Reformation verworfen hat.

Der Apostel Paulus warnte vor den Gefahren, die mit denjenigen verbunden waren, die philosophische Vorstellungen im Namen des christlichen Glaubens verbreiteten. „Habt Acht, dass euch niemand beraubt durch die Philosophie und leeren Betrug, gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt und nicht Christus gemäß. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid zur Fülle gebracht in ihm, der das Haupt jeder Herrschaft und Gewalt ist“ (Kol 2,8 - 10). Wir müssen nicht von leerem Betrug und menschengemachten Philosophien des Neuen Calvinismus gefangen genommen werden, der lediglich Lippenbekenntnisse für die Lehren der Reformation ablegt. Vielmehr verkündigen wir gesunde biblische Lehre.

Anmerkungen

[1] Tim Keller, Coming Together on Culture’, Parter 2: Practical Issues, 10. Februar 2012.
[2] http://freedomtorch.com/blogs/3/2762/ti ... al-justice
[3] http://www.newworldencyclopedia.org/ent ... y_O’Connor
[4] http://www.redeemer.com/connect/prayer/ ... ticle.html
http://www.newcalvinist.com/who-are-the ... ts-part-1/
Quelle: hier
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Florian
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Registriert: 08.08.2012 11:09

Beitragvon Florian » 08.09.2012 11:00

Lieber Joschie.

Danke für die Beiträge. Es ist immer sehr gut einen kritischen Geist zu bewahren. Auch wenn ich oftmals nicht deren Meinung bin lese ich sehr gerne Blogs und Artikel die sich Kritisch mit Themen auseinandersetzen. Nur so bleibt man immer wachsam und ausgewogen. Deswegen mag ich auch gerne "Extreme" und schätze, auf eine gewisse Weise, solche Brüder die überall den Teufel an die Wand malen ;) - immerhin weiß man dass man dann nichts übersieht :)

Zu deinen geposteten Artikeln.
Ich muss ihnen in den meisten Dingen zupflichten, in manchen Dingen bin ich anderer Meinung.

Ich selbst habe eine lange Erfahrung mit charismatischen Phänomenen, weiß um die dämonische Vermischung und warne oft davor. Mein eigener Bruder hatte einen falschen Geist empfangen... ich weiß also von was ich spreche und bin auf keinen Fall ein Befürworter dieser Dinge. - Ganz im Gegenteil

Dennoch merke ich dass man oft das Kind mit dem Bade ausschüttet, einfach weil man Ebenen miteinander vermischt.
Ich würde es einmal so formulieren und die ganze Thematik um die "new Calvinists" etwas gliedern. Um was geht es? Es geht um verschiedenste Themen wie grundlegende Lehre, Gemeindeform, Anbetungsform, Stellung zur Welt...
Ich unterscheide:

* Grundlegende Lehre: Evangelium, Errettung durch Gnade, 5 Solas
* Gebote & Gewissensfragen
* Anbetungsformen
* Stellung zur Welt

Was mich immer wieder verwundert ist dass selbst die besten Lehrer diese Ebenen vermischen. z.B. wird eine Gemeinde "charismatisch" genannt die gewisse postmoderne Lieder singt. Dabei ist doch der Inbegriff von "charismatisch" eher der "Nicht-Cessationismus" und das Praktizieren von "Geistesgaben".

Auch gibt es manche Brüder die keinen Raum für "Gewissensfragen nach Rö 14" lassen, sondern das Kind mit dem Bade ausschütten indem sie sagen: "Ein Christ darf keinen Alkohol trinken (Gebot), wer dies tut ist fragwürdig".
Hier werden meiner Meinung nach die Ebenen vermischt.

Die Liste ließe sich unendlich weiterführen.
Was ich schade finde ist dass man oft ganze Bewegungen aburteilt, weil sie nicht komplett der eigenen Schriftmeinung entsprechen.
Man sagt: "Ein wahrer Calvinist müsse Cessationist sein, ansonsten sei der Charismatik Tür und Tor geöffnet"
Nun ja, zweiteres stimmt, aber wer gibt denn bitte ersteres vor?

Wer sich auf die "Lehren der Gnade" beruft muss der zwingend in der Eschatologie die gleiche Linie wie Calvin vertreten um die Lehren der Gnade glauben zu dürfen? Muss er in Fragen der Anbetungsform Kirchenlieder aus 1500 singen um reformiert zu sein?
Ich habe Mühe mit dieser Art von Argumentation, wenngleich ich bei vielem zustimme.

Ich bin kein Charismatiker, bin Cessationist, lehne die meisten postmodernen Lieder ab weil sie oberflächlich sind, finde manche von ihnen aber durchaus sehr gut, finde ein Christ darf Alkohol trinken und sich Filme ansehen, soweit sein Gewissen dabei rein bleibt, bin Eschatologisch noch nicht einer gefestigten Meinung und würde mich als Calvinist in Bezug auf die Lehren der Gnade bezeichnen.
Manch ein Bruder würde mich wohl als "unrein" bezeichnen (überspitzt formuliert), aber auch nur deswegen weil er Kategorien vermischt und (wieder überspitzt formuliert) einem Bekenntnis zu einer bestimmten Richtung der Christenheit mehr Wert gibt als der Schrift selbst. :)

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Wer sind die Neuen Calvinisten (Teil II)

Beitragvon Joschie » 08.09.2012 13:17

Wer sind die Neuen Calvinisten (Teil II)

Pastor John Piper, Pastor Mark Driscoll und Dr. Albert Mohler

In meinem ersten Vortrag sahen wir, dass der Neue Calvinismus sich nicht immer an die Lehren des reformierten Glaubens hält, obgleich er von sich behauptet, die Lehren Calvins zu vertreten. Wir sahen, dass die Gospel Coalition, das Flaggschiff des Neuen Calvinismus, einen ökumenischen Einschlag hat. Dr. Tim Keller, der intellektuelle Gigant des Neuen Calvinismus und Mitgründer der Gospel Coalition, definiert das Christentum folgendermaßen: alle Gläubigen, die den großen ökumenischen Glaubensbekenntnissen zustimmen, und dies schließt Katholiken ein.

Ein weiteres Merkmal des Neuen Calvinismus ist die Kombination von Evangelisation mit sozialem Aktivismus. Die Gospel Coalition glaubt, dass das Evangelium kontextualisiert werden muss, um es für die moderne Kultur relevant zu machen. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Neuen Calvinisten eine Leidenschaft für zeitgenössische Anbetungsmusik haben.

In diesem Vortrag will ich mich drei Männern zuwenden, die in der Bewegung des Neuen Calvinismus enormen Einfluss ausüben, nämlich Pastor John Piper von Desiring God Ministries, Pastor Mark Driscoll von der Mars Hill Church, Seattle, und Gründer von Acts 29, einem Gemeindegründungsnetzwerk, sowie Dr. Albert Mohler, Präsident des Southern Baptist Theological Seminary in Louisville, USA.

Wer ist John Piper?

John Piper ist der redegewandte Prediger, der im Zentrum der Bewegung des Neuen Calvinismus steht. Seine charismatische Persönlichkeit und sein kraftvoller, redegewandter Predigtstil üben extrem großen Einfluss auf junge Evangelikale aus. Piper hat den Ruf, ein Fünf-Punkte-Calvinist zu sein. Seine Webseite Desiring God bestätigt dies: „Wir fangen als bibelgläubige Christen an, die die Bibel über alle Gedankensysteme erheben. Aber im Lauf der Jahre haben wir unsere Überzeugung vertieft, dass die calvinistischen Lehren über die fünf Punkte biblisch und folglich wahr sind.“1

Pipers Bestseller Desiring God: Meditations of a Christian Hedonist (1986; dt. Titel: Sehnsucht nach Gott: Leben als christlicher Genießer, 3L Verlag, 2005) erhebt den Anspruch, seine Leser in eine andere und freudige Erfahrung ihres Glaubens zu leiten. Das Buch wurde als ein Klassiker des 20. Jahrhunderts bezeichnet, der Leben verändert. Einige Rezensionen besagen, dass das Buch Desiring God neben der Bibel eines der Bücher ist, das wie kein anderes das Leben seiner Leser verändert hat. Der Begriff „Desiring God“ ist so attraktiv, dass Piper es verstanden hat, eine blühende Geschäftigkeit daraus zu machen, seine Vision eines christlichen Hedonismus zu verbreiten [Hedonismus bezeichnet die Anschauung, die Vergnügen zum Ziel des menschlichen Lebens erhebt; Piper will diese Haltung veredeln und den christlichen Genuss zum zentralen Motiv allen Handelns machen]. Der Einfluss des Buches ist so groß, dass Piper kürzlich das 25-jährige Bestehen seines Buches gefeiert hat [durch die Herausgabe einer Sonderedition].

Piper ist hoch angesehen als Konferenzsprecher. Er ist einer der Hauptredner der jährlichen Passion Conference, die von vielen Tausenden von Studenten und jungen Leuten besucht wird. Er war eingeladen an einer Plenarsitzung des 3. Lausanner Kongresses in Kapstadt (2010) teilzunehmen, eine der größten Zusammenkünfte evangelikaler Leiter in der Kirchengeschichte.

Pipers jährliche Konferenz Desiring God zieht Sprecher eines breiten theologischen Spektrums in den USA an. 2007 sprach Piper bei der Eröffnungsveranstaltung der Gospel Coalition, welcher er angehört. Trotz seiner großen Popularität gibt es vieles in Pipers Dienst, was einen Kompromiss in Bezug auf den reformierten Glauben, für den er vermeintlich steht, darstellt.

Eine ungesunde Grundlage

Drei wichtige Einflüsse haben Pipers Denken und Theologie beeinflusst.
1. Daniel Fuller, Dekan der Fuller School of Theology (1963-1972)

Erstens, John Piper studierte am Fuller Theological Seminary und betont den wichtigen Einfluss des Fuller Seminars auf sein theologisches Denken, obgleich das Seminar eine ungesunde Sichtweise in Bezug auf die Schrift [eingeschränkte Irrtumslosigkeit] und liberale Tendenzen aufweist. In seinem Buch Desiring God erläutert Piper: „Nahezu alles, was ich tue, trägt den Stempel von Daniel P. Fuller“ (S.10). Piper räumt offen den Einfluss des Fuller Seminars auf sein Denken ein, obschon die Auffassung des Fuller Seminars in Bezug auf die Schrift Ende der 1960er Jahre einen fatalen Mittelweg eingeschlagen hatte – „eingeschränkte Irrtumslosigkeit“ war die vorherrschende Sichtweise des Fuller Seminars. Daniel Fuller, Dekan des Seminars, förderte, was man als Teilinspiration der Schrift bezeichnen könnte.2 Er argumentierte, dass es zwei Arten von Schrift gibt – "offenbarende" (revelational) Schrift, die vollständig irrtumslos ist und "nicht-offenbarende" (non-revelational) Schrift, die nicht irrtumslos ist.3 Unzweifelhaft ist Piper das Produkt von Fullers liberalem Kompromiss in Bezug auf den christlichen Glauben.

2. Blaise Pascal – Menschliche Philosophie

Der zweite Einfluss stammt von dem katholischen Philosophen Blaise Pascal. Während seines Studiums am Fuller Seminar wurde Piper in die Philosophie Pascals eingeführt, der erklärte: „Alle Menschen suchen nach Glück. Hierin gibt es keine Ausnahme.“ Für Piper war das gut genug. Er entwickelte die Theorie des christlichen Hedonismus [nach Piper: "Gott wird am meisten in uns verherrlicht, wenn wir am meisten in Ihm befriedigt sind", Klappentext Wenn die Freude nicht mehr da ist], indem er die Schrift durchsuchte, um Verse zu finden, die Pascals Theorie zu bestätigen schienen. Indem er dies tat, beging er einen kapitalen Fehler, denn er begann mit den Vorstellungen eines Menschen und wandte sich erst dann der Schrift zu, um ein philosophisches System zu untermauern. Aber dies ist der falsche Weg – gesundes christliches Denken beginnt immer bei Gottes Wort, nicht bei den Vorstellungen der Menschen. „Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut“ (Jer 17,5).

3. C. S. Lewis – Christlicher Mystizismus

Der dritte Einfluss auf Piper kommt von C. S. Lewis. Pipers Liebe zu dem Werk von C. S. Lewis nahm im Laufe der Zeit zu, und eine der Predigten von Lewis The Weight of Glory machte einen tiefen Eindruck auf ihn. „Niemals zuvor in meinem Leben hatte ich einen Christen, geschweige denn einen Christen vom Format eines Lewis, sagen hören, dass wir alle nicht nur (wie Pascal sagte) nach unserem Glück suchen, sondern dass wir unser Glück gleichfalls suchen sollten (S.20).

Aber C. S. Lewis, der Professor von Oxford, war kein gesunder Führer, denn er hatte ein verwirrtes Verständnis des christlichen Glaubens. Er lehnte die Irrtumslosigkeit der Schrift und die Rechtfertigung aus Glauben allein ebenso ab wie die Lehre der völligen Verderbtheit des Menschen und der Souveränität Gottes.4 Lewis lehrte und glaubte an das Fegefeuer, betete für Verstorbene und viele seiner Werke sind sehr mystisch.

Pipers Streben nach Glück

Auf der Grundlage der Gedanken von Pascal und C. S. Lewis entwickelte Piper eine Lebensphilosophie, die er als „christlichen Hedonismus“ bezeichnet. In seinem Buch Desiring God erläutert Piper: „Alle diese Jahre versuchte ich mein großes Verlangen nach Glück zu unterdrücken, um Gott aufrichtig in einer ‚höheren‘, weniger selbstsüchtigen Weise anbeten zu können. Aber dann begann es mir zu dämmern, dass dieses anhaltende und unleugbare Sehnen nach Glück nicht unterdrückt, sondern gestillt werden sollte – bei Gott“ (S.21). Pipers großes Verlangen nach Glück musste genährt und kultiviert werden, und Gott musste die Quelle sein, die sein Verlangen stillte. Es überrascht folglich nicht, dass der Index des Buches 20 Stellen aufführt, die sich auf Glück beziehen, aber nur eine Stelle, die Heiligkeit zum Inhalt hat.

An dieser Stelle sollten wir anmerken, dass es das nicht wiedergeborene Herz ist, das das Glück als das wichtigste Ziel im Leben betrachtet. Der Apostel Paulus betete, dass die Heiligen in Kolossä danach verlangen, „mit der Erkenntnis seines Willens erfüllt zu werden in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, damit sie des Herrn würdig wandeln und ihm in allem wohlgefällig sind: in jedem guten Werk fruchtbar und in der Erkenntnis Gottes wachsend“ (Kol 1,9 - 10). Pipers fehlerhafte Theologie erlaubte es ihm, menschliche Philosophie mit dem christlichen Glauben zu vermischen, und das Resultat war ein „christlicher Hedonismus; der ganze Umtrieb um Desiring God ist eine der treibenden Kräfte des Neuen Calvinismus.

Pipers Art und Weise, mit der Schrift umzugehen, ist enttäuschend. Bei seinem Versuch aufzuzeigen, dass die Bibel Christen nicht nur ermuntert, sondern sogar gebietet, [christliche] Hedonisten zu werden, zitiert er halbe Verse und vernachlässigt den Zusammenhang von Textpassagen in einer Weise, dass diese ihren wahren Sinn verlieren. Beweisstellen anzuführen ist nicht eine gesunde Herangehensweise, um eine Lebensphilosophie zu schaffen. Dr. Masters schreibt in einer Rezension des Buches Desiring God, dass Pipers Gedankensystem dazu führt, die biblische Lehre der Heiligung zu verzerren.

Piper hört Gott

Piper berichtet auf seiner Webseite Desiring God über seine Erfahrung, wie Gott die Worte aus Psalm 66,5 -7 hörbar zu ihm gesprochen hat: „Lasst mich euch die wunderbarste Erfahrung erzählen, die ich an einem frühen Morgen am 19. März 2007 machte, kurz nach sechs Uhr. Gott sprach unstreitig zu mir. Es war kein Zweifel, dass es Gott war. Ich hörte die Worte in meinem Kopf so klar, als ob man sich an eine Unterhaltung bewusst erinnert. Die Worte waren in Englisch, aber es schwang eine absolute selbst bestätigende Wahrheit mit. Ich weiß ohne jeden Zweifel, dass Gott noch heute spricht.“ Piper behauptet, dass Gott ihm sagte: „Kommt her und schaut, was ich geschaffen habe.“ Gottes Stimme sagte auch: „Ich habe acht auf die Heiden – die Widerspenstigen sollen sich ja nicht erheben.“ Piper interpretiert sein ekstatisches Erlebnis: „Er [Gott] hätte mich auch am Kragen meines Hemds packen und mich mit einer Hand hochheben können mit einer unvergleichlichen Mischung aus Heftigkeit und Liebe: ‚Niemals, niemals, niemals erhöhe dich selbst. Niemals widerstrebe mir.‘“ Tatsächlich legte Piper Worte in den Mund Gottes, die nicht in der Schrift zu finden sind.

Es ist erstaunlich, dass ein angesehener reformierter Theologe seine Erfahrung öffentlich verbreitet, wie Gott persönlich zu ihm gesprochen hat. Der historische Protestantismus lehrt, dass das Wort Gottes, gesprochen durch die Apostel und Propheten und gegeben zur Unterweisung seiner Gemeinde, heute nur in der Heiligen Schrift zu finden ist.

Die Banalität der gegenwärtigen Lobpreisszene

Pipers Dienst räumt der zeitgenössischen, weltlichen, ehrfurchtslosen Lobpreismusik viel Raum ein. Seine jährlichen Konferenzen (Desiring God National Conference) fördern den zeitgenössischen Lobpreis. Piper ist eng mit der Passion Conference verbunden, ein großes Treffen junger Leute, die sich der zeitgenössischen Musikszene hingeben. Jedes Jahr predigt Piper zu Tausenden von jungen Leuten, die von lauter, rhythmischer Musik, Lichtorgeln und energiegeladenen Rap-Künstlern unterhalten werden.

Piper befürwortet ebenfalls die heilige Hip-Hop-Szene. Offen demonstrierte er seine Unterstützung für diese Musik, indem er den populären Rap-Künstler Lecrae einlud, um bei einem morgendlichen Gottesdienst zu performen. Der Rap-Künstler erhielt stehende Ovationen von der begeisterten Menge. Die Beziehung zwischen Piper und dem Rapper Lecrae ist so eng, dass ihre Organisationen, Desiring God und Reach Records, zusammengearbeitet haben, um heilige Hip-Hop DVDs zu produzieren.

Piper mag Rick Warren wirklich

Im Jahre 2010 lud Piper Rick Warren ein, um auf der Desiring God National Conference zu sprechen. Piper begründete dies mit folgenden Worten: „Ich denke, dass er [Warren] ein tiefgründiger Theologe ist, er ist ein brillanter Mann ... So denke ich nicht, dass er emergent ist; im Grunde denke ich, dass er theologisch und lehrmäßig gesund ist.“

Im Jahre 2011 setzten sich Piper und Warren in den Studios der Saddleback Church zusammen, um die Lehren in Warrens Buch Leben mit Vision (2002) zu diskutieren; Piper sagt, dass dieses Buch von den meisten reformierten Theologen schlecht gemacht wurde. Piper sagt: „Offen gesagt, ich bin erschüttert über die Verunglimpfungen, die gegen dieses Buch hervorgebracht wurden...“5 Piper hat seine Position als Leiter innerhalb der christlichen Gemeinde gebraucht, um Christen davon zu überzeugen, dass Rick Warren missinterpretiert und missverstanden wurde. Die Beziehung zwischen Piper und Warren ist so eng, dass eine regionale Desiring God Konferenz in Warrens Saddleback Church in Kalifornien abgehalten wurde.

John Piper ist zweifelsohne eine zentrale Person im Neuen Calvinismus. Er hat den Dienst Desiring God gebraucht, um seine fehlerhafte Philosophie des christlichen Hedonismus zu verbreiten. Er fördert ferner die zeitgenössische, ehrfurchtslose, weltliche Lobpreismusik und sogar den heiligen Hip-Hop. Er ist sehr ökumenisch ausgerichtet und unternimmt keine Anstrengungen, das Wahre vom Falschen zu trennen.

Wer ist Mark Driscoll?

Mark Driscoll, Pastor der Megagemeinde Mars Hill Church in Seattle und Mitgründer von Acts 29, einem Gemeindegründungsnetzwerk, ist einer der einflussreichsten Männer des Neuen Calvinismus. Er steht im Ruf, einer der Pastoren zu sein, die weltweit am meisten zitiert werden und die am meisten Downloads vorzuweisen haben. Das Magazin Preaching zählte Driscoll zu den 25 einflussreichsten Pastoren der letzten 25 Jahre.

Das Netzwerk Acts 29, das über 400 Gemeinden gegründet hat, ist in Großbritannien und weiteren dreizehn Nationen aktiv. Driscoll hat auch The Resurgence gegründet, ein Zusammenschluss von Theologen, die mit den Gemeindegründern von Acts 29 zusammenarbeiten, um Material für die Gemeinden bereitzustellen. Driscoll spricht auf Konferenzen in den USA und in der ganzen Welt. Im Mai 2011 wurde er von evangelikalen Christen in Großbritannien eingeladen, um in der Londoner Royal Albert Hall vor 4000 Menschen zur Men’s Convention zu sprechen. Er war Mitglied der Gospel Coalition, bis er kürzlich zurücktrat.

Driscoll sagt von sich, dass er ein fester Bestandteil des calvinistischen Lagers ist. Er sagt, dass Johannes Calvin einer der größten Lehrer in der Geschichte der Gemeinde ist. Zitat: „Ich schätze sein Werk wirklich, und ich nannte meinen zweiten Sohn Calvin Martin nach John Calvin und Martin Luther. Das sagt dir, bei welchem Team ich spiele.“

Driscoll ist ein großer Bewunderer von Charles Spurgeon. In vielerlei Hinsicht hat er sich an Spurgeon orientiert, den er „unstrittig als den größten biblischen Verkündiger außerhalb der Schrift bezeichnet ... die Schriften Spurgeons sind unglaublich inspirierend für mich ... in ihm habe ich einen Mentor gefunden, der mich anspricht...“

Driscoll nannte vier Eigenschaften, die den Neuen Calvinismus besser als den alten machen. Erstens, der Alte Calvinismus war fundamentalistisch und hielt sich von der Kultur fern, während der Neue Calvinismus missional ist und die Erlösung der Kultur anstrebt. Zweitens, der Alte Calvinismus wandte sich von den Städten ab, während der Neue Calvinismus in die Städte drängt. Drittens, der Alte Calvinismus war cessationistisch [Cessationismus: Glaube, dass Geistesgaben wie Zungenreden und Prophetie mit dem Tod der letzten Apostel aufhörten] und fürchtete sich vor der Gegenwart des Heiligen Geistes. Der Neue Calvinismus ist nicht-cessationistisch [d. h., er glaubt, dass Geistesgaben wie das Zungenreden noch heute auftreten] und er erfreut sich an der Gegenwart und Kraft des Heiligen Geistes. Viertens, der Alte Calvinismus scheute sich vor und war argwöhnisch gegenüber anderen Christen und brach Brücken ab. Der Neue Calvinismus liebt alle Christen und baut Brücken zwischen ihnen.

Doch trotz seiner Popularität in der evangelikalen Welt hat sich Driscolls Dienst als kontrovers erwiesen, weil er unkonventionelle Methoden anwendet, die er als „theologisch konservativ und kulturell liberal“ bezeichnet. Hier sind einige der Hauptmerkmale von Driscolls Dienst.

1. Perverse Sprache und verdorbene Kommunikation

Driscoll verwendet häufig perverse und ungehobelte Sprache. Seine Sprache – selbst in seinen Predigten – ist ungehobelt und zweitweise anzüglich und vulgär. Er ist gut bekannt für seine profane Sprache, wie Donald Miller, populärer Autor und Ikone der Emerging Church, in seinem Buch Blue Like Jazz (S.133; dt. Titel: Blue Like Jazz: Unfromme Gedanken über christliche Spiritualität, Luqs, 2010) erwähnt; Driscolls Spitzname ist „Mark, der fluchende Pastor“. In den letzten Jahren hat Driscoll seine Sprache etwas gemäßigt.

Ein Merkmal von Driscolls Dienst ist seine lässige Kleidung. Wenn er in der Mars Hill Church predigt, trägt er oft Jeans und viele provokative T-Shirts wie zum Beispiel T-Shirts mit dem Slogan „Body Pearcing rettete mein Leben“, T-Shirts mit einem Bild von Drag Queen Jesus [Jesus als Transvestit dargestellt], T-Shirts mit der Aufschrift Jesus is my homeboy [Jesus ist mein Kumpel] oder Mary is my homegirl [Maria ist meine beste Freundin], T-Shirts mit Totenkopf und Knochen [Skull and Cross bones] oder der Aufschrift Jesus as a DJ [Jesus als Diskjockey].

2. Spott über die Schrift

Driscoll spottet oft über die Schrift und macht sich über biblische Personen lustig. Er nennt Gideon, den Krieger des Herrn einen völligen Feigling; er bezeichnet Johannes den Täufer als einen Freak. In einer Predigt über Humor in der Bibel sagte er über das Erste Buch Mose, dass es das Buch ist, wo alles beginnt, einschließlich guter Comedy. Zitat: „Ich meine, das ganze Buch ist hinterwäldlerisch, eine Familiensage reinster Prägung. Es ist so, als ob 1Mose auf einem Campingplatz stattfindet ... das ganze Buch ist voller provinzieller Comedy ... So sehe ich das. Es ist irgendwie lustig, dass, nachdem Gott alle umgebracht hat, der eine ‚gerechte‘ Typ nackt in seinem Zelt endet.“

Driscolls Buch Vintage Jesus (2008) enthält zwar einige Lehren, die wahr sind, aber es enthält vieles, was vulgär und anstößig ist. In den Buchläden in den USA und in Großbritannien sowie weltweit ist es überall zu erhalten. Viele Gemeindebuchläden empfehlen dieses Buch, und Tausende von jungen Leuten haben es gelesen. Um einen Einblick in die Tragödie und die Kompromisse des Neuen Calvinismus zu erlangen, müssen wir wissen, was von ihren führenden Vertretern niedergeschrieben wurde.

Nun einige Zitate aus den Seiten 43 - 44:

„Das erste Kapitel von Markus beginnt damit, dass Jesus völlig fremde Leute anschreit, damit sie Buße über ihre Sünden tun ... Im zweiten Kapitel legt sich Jesus mit einigen kultivierten religiösen Typen an ...
Im dritten Kapitel wird Jesus zornig und auch traurig, und offensichtlich braucht er Praxil [Medikament für Depressionen, Angststörungen und Panikattacken] ... Dann lässt er seine eigene Mami links liegen ... In Kapitel 5 bringt Jesus 2000 Schweine um, verursacht eine Panik in der Blogosphäre der Tierschutzaktivisten und bewirkt einen Mangel an Schinken ... In Kapitel 6 beleidigt Jesus einige Leute und braucht offensichtlich Training in Sensibilität. In Kapitel 7 haben einige religiöse Leute ein Paar Fragen an Jesus und er bezeichnet sie rüde als ‚Heuchler‘ und lässt eine lange Schimpftirade über sie los...“ Und so geht das mit geistlosen Kommentierungen über jedes Kapitel in Markus weiter und weiter.

Driscoll zieht seine Schlussfolgerungen. „Alles in allem eignet sich das Markusevangelium nicht für alte Damen mit Hüten oder Männer in Anzügen, wie wir sie in den Gemeinden sehen.“ In seinem ganzen Dienst zeigt sich Driscolls Abneigung gegen Leute, die er als religiös bezeichnet, worunter er traditionelle Gemeindemitglieder versteht, und er lässt keine Gelegenheit aus, diejenigen zu verurteilen, die in seinen Augen Fundamentalisten sind, da sie „zu Gesetzlichkeit, Moralismus und zu einem allgemeinen Mangel an Liebe, Gnade oder Geduld neigen.“

In seinem Buch Vintage Jesus beschreibt Driscoll unseren Herrn als intolerant, aggressiv, depressiv, als jemand, der mehr Sensibilität braucht. Er sagt auch: „Jesus war ein ziemlich lustiger Typ und wurde auf viele Partys eingeladen...“ (S.39). Das Bild, das er von unserem Herrn Jesus Christus zeichnet, ist ohne Ehrfurcht und blasphemisch. Driscolls Umgang mit der Schrift ist respektlos und spöttisch.

Dennoch wurde das Buch Vintage Jesus von vielen bekannten evangelikalen Leitern wärmstens empfohlen. Bruce Ware, Professor für christliche Theologie am Southern Baptist Theological Seminary, empfiehlt das Buch: „Das Buch Vintage Jesus bietet eine frische, fesselnde und aufschlussreiche Diskussion über einige der ältesten und wichtigsten Wahrheiten über Jesus Christus, die das Herz des Evangeliums bilden. Beim Lesen sprang mein Herz vor Freude, während die Wunder und der Scharfsinn der Wahrheiten dargelegt wurden...”

Professor Wayne Grudem, Professor für Bibel und Theologie, Phoenix, ist ebenso überschwänglich, was seine Empfehlung angeht: „Mark Driscoll und Gerry Breshears kombinieren ein tiefes Verständnis der modernen Kultur mit tiefer christlicher Lehre, die bibeltreu ist. Es ist in einem so interessanten Stil verfasst, dass man es kaum aus den Händen legen mag. Ich empfehle es wärmstens!“ Dieses Buch wurde ferner von John Piper empfohlen, und auch Desiring God empfahl das Buch.

3. Sexuelle Zügellosigkeit

Von Beginn seines Dienstes an hat Mark Driscoll angestrebt, Lüsternheit in der Gemeinde zu fördern. Seine Schriften sind voll von sexuellen Anspielungen und sexuell provokativer Sprache. Driscolls Dienst weist Predigten und Lehre über Sex auf, wobei er eine vulgäre und provokative Sprache verwendet. In seinem Buch Confessions of a Reformission Rev: Hard Lessons from an Emerging Missional Church (2006) erklärt er seine Methode, um Gemeindewachstum zu erzielen – er ging davon aus, dass alle jungen Leute an Sex interessiert sind, und so predigte er über das Hohelied, das er als ein Sexhandbuch interpretierte. Obgleich er betont, dass Sex in die Ehe gehört, ist sein Umgang mit sexuellen Dingen sinnlich und unrein. In seinem Buch Radical Reformission (S.131) schlägt er als Teil eines kulturellen Projekts vor, dass Männer das Magazin Cosmo Girl [Frauenzeitschrift für junge Leserinnen] lesen und aufreizende Gespräche über Sex im Radio anhören sollen.

Die Webseite der Mars Hill Church enthielt Links zu zwei pornographischen Webseiten. Dr. Judith Reisman (Expertin über den diskreditierten Alfred Kinsey) begutachtete die von Driscoll empfohlenen Webseiten und kommentierte: „Nun, dies ist im besten Falle tragisch. Ich weiß nicht, ob es schlimmer ist zu denken, dass es sich hierbei um Schein-Webseiten von Gemeinden handelt, die in Wahrheit von pornographischen Seiten ins Netz gestellt wurden, oder dass es sich wirklich um christliche Webseiten handelt, die von Gemeinden, die Pornographie verbreiten, ins Netz gestellt wurden. Worte können die Ignoranz, Arroganz und die schamlose Homoerotik dieser Seiten kaum beschreiben.“

Im Jahre 2007 predigte Driscoll eine Predigt mit dem Titel Sex, a Study of the Good Bits from Song of Solomon (Sex, eine Studie der guten Teile des Hohelieds) in zwei schottischen Gemeinden. Er bot der Gemeinde drei Predigten an und ließ sie wählen, welche sie hören wollten. Inmitten von begeisterten Zurufen und Gelächter entschied sich die Gemeinde für Sex im Hohelied. Die Predigt war so geschmacklos und vulgär, selbst nach Driscolls eigenen Maßstäben, dass es zu einem Aufschrei kam.

Driscolls letztes Buch Real Marriage (2012) handelt erneut über Sex in der provozierendsten, anstößigsten und unsittlichsten Weise.

4. Gott liebt Punk und Rockmusik

Driscolls zugrundeliegende Philosophie geht davon aus, dass Christen sich auf die Kultur von heute einlassen sollten. Weltliche Punk- und Rockmusik spielt eine wichtige Rolle in Driscolls Leben und Dienst. Er nannte den Hip-Hop Künstler Jay-Z ein Genie und bezeichnete den christlichen Rapper Lecrae als Missionar des 21. Jahrhunderts. Driscolls Liebe für Hardrock hat großen Einfluss auf die Mars Hill Church. „Ich hatte die Vision für eine große Gemeinde, die Konzerte für nichtchristliche Bands gibt ...“

In seinem Buch Radical Reformission schreibt er: „Ich war hin- und hergerissen zwischen der ‚säkularen‘ Musik, die mir gefiel, und der christlichen Musik, die mir nicht gefiel. Nach viel Gebet entschloss ich mich, dass Gott mich liebte und es zuließ, dass meine [christliche] Musik gestohlen wurde, damit ich die alten Alben, die ich mochte, wieder zurückkaufen konnte. Und so tat ich dies, und als ein Pastor einer Gemeinde, die immer wieder säkulare Bands mit säkularen Konzerten Raum bietet, habe ich dies bis heute nicht bereut“ (S.126). Piper beschrieb die Musik in Driscolls Gemeinde als die lauteste, die er je hörte.

5. Jesus liebt Tattoos

Driscolls Gemeinde fördert Tattoo-Künstler in ihrer Arbeit. Das Thema Tattoos wird in der Mars Hill Church unter der Überschrift „Jesus liebt Tattos“ diskutiert. Driscoll hat keine Einwände dagegen, dass Leute sich tätowieren lassen. In einer Predigt behauptete er unverfroren: „Du bist frei in Christus, um verrückt zu sein ... Lasst mich unsere Position sagen – Tattoos sind keine Sünde, okay. Es heißt, dass an seinem rechten Arm geschrieben sein wird 'König der Könige' und 'Herr der Herren', was für alle Fundamentalisten wirklich als ausgeflippt empfunden werden wird, wenn sie Jesus mit seinen Tattoos sehen werden. Ich kann diesen Tag kaum erwarten ...“ 6

6. Übernatürliche Visionen

Driscoll behauptet, dass er die Gabe der Unterscheidung besitzt, die es ihm erlaubt, die Sünden der Menschen in seiner Gemeinde zu sehen. In einem Seminar über Seelsorge erläutert Mark Driscoll: „Einige Leute sehen tatsächlich Dinge. Dies mag die Gabe der Unterscheidung sein. Gelegentlich sehe ich Dinge. Ich sehe Dinge.“ Driscoll behauptet, dass er sah, wie eine Person als Kind sexuell missbraucht worden war. Driscoll: „Es ist so, als ob ich einen Fernseher vor mir hätte. Ich sehe es ... Und einige von euch haben diese visuelle Fähigkeit, Dinge zu sehen.“

Driscoll erklärt: “Es ist das Übernatürliche. Es ist der ganz andere Bereich. Es ist wie in The Matrix [US-amerikanischer Science Fiction]. Du kannst die blaue Pille nehmen, du kannst die rote Pille nehmen. Du gehst in diese ganz andere Welt. Und so funktioniert es ... Auch ich sehe Dinge. Ich habe gesehen, wie Frauen vergewaltigt wurden. Ich habe gesehen, wie Menschen missbraucht wurden. Ich habe gesehen, wie Menschen geschlagen wurden. Ich habe schreckliche Dinge gesehen.“

Ist Mark Driscoll ein falscher Lehrer?

„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,20). Denn der Baum wird an der Frucht erkannt (Mt 12,33). Mark Driscolls gibt sich als theologisch konservativ und kulturell liberal. Er sagt, dass die „Emerging Church ein Evangelium der Freiheit verkündet“ (Confessions of a Reformission Rev.: Hard Lessons from an Emerging Missional Church, S.25). Driscolls Evangelium der Freiheit scheint ein Evangelium zu sein, das keine Regeln oder Verhaltensweisen des biblischen Christentums kennt. Ist Driscoll also ein falscher Lehrer? Dies ist eine Frage, die für viele verwirrend ist.

In der Praxis sehen wir einen großen Graben zwischen der Lehre, die Driscoll verkündet, und dem Verhalten, das er durch seinen kulturell-liberalen Dienst fördert. Diejenigen, die Driscoll unterstützen, argumentieren mit seinen Predigten, die in der Lehre in Ordnung sind. Aber was ist mit dem Handeln, das Driscoll nicht nur bejaht, sondern sogar fördert? Was nützt gesunde Lehre, wenn sie mit zügellosem Handeln verbunden ist? Ist dies nicht die gefährliche Häresie, die in Juda beschrieben wird, wo falsche Lehrer heimlich in die Gemeinde eindringen und die Gnade Gottes in Zügellosigkeit verwandeln (Judas 4).

Der Test für falsche Lehrer

Ist also Driscoll ein falscher Lehrer? Unser Herr gab uns die Kriterien für falsche Lehrer, damit seine Jünger sie identifizieren können und ihre Lehren meiden. „Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind! An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln? So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum werdet ihr sie an ihren Früchten erkennen“ (Mt 7,15 - 20).

An dieser Stelle ist anzumerken, dass ein falscher Lehrer an seinen Früchten, nicht an seinen Worten erkannt wird. Unser Herr erklärt: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! Wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht?“ (Mt 7,21 - 22). So sehen wir, dass der falsche Prophet jemand ist, der die Dinge Gottes in Christi Namen spricht. Aber seine Frucht ist verdorben.

Folglich, wie ein schlechter Baum schlechte Frucht hervorbringt, so bringt ein falscher Lehrer (jemand, der im Namen des Herrn spricht und lehrt) verderbtes Handeln hervor. Wir sollten erwarten, dass ein falscher Lehrer, der ein Bote Satans ist (2Kor 11,14), sich als ein Diener der Gerechtigkeit verstellt, indem er gesunde Worte spricht, denn dies ist ein Teil der Verführung. Aus diesem Grunde müssen wir das Verhalten betrachten, das der Dienst eines Lehrers hervorbringt. Die vergiftete Botschaft eines Wolfs im Schaftspelz ist eine Mischung aus Wahrheit und Irrtum und bringt verdorbenes Verhalten hervor. Was also sind die Früchte Driscolls? Wie wir in diesem Vortrag gehört haben, schließt der Dienst Driscolls folgenden schlechte Früchte ein: 1) Perverse Sprache und verdorbene Kommunikation; 2) Spott über die Schrift; 3) Sexuelle Zügellosigkeit; 4) Punk- und Rockmusik; 5) Tattoos; 6) Übernatürliche Visionen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Driscolls Dienst sündhaftes Verhalten in der Gemeinde fördert. Er hat die Gnade Gottes in Zügellosigkeit verwandelt. Seine Lehren pervertieren einen heiligen Wandel, indem er Weltlichkeit in der Gemeinde fördert. Er propagiert eine fleischliche Version des Christentums, die sich an den Lüsten des Fleisches ergötzt. Er ermutigt Christen dazu, nach dem Fleisch zu wandeln, ihre Gedanken auf die Dinge des Fleisches zu richten, was Zügellosigkeit, Unmoral, Unreinheit und Sinnlichkeit beinhaltet (Gal 5,19). Ist Mark Driscoll also ein falscher Lehrer? Unser Herr sagte: „An den Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Wie ein schlechter Baum schlechte Frucht hervorbringt, so bringt ein falscher Lehrer sündhaftes Verhalten in der Gemeinde hervor. Aus diesem Grunde muss Mark Driscoll an seinen Früchten beurteilt werden.

Wie wurde Mark Driscoll so populär im Neuen Calvinismus?

Driscoll hat eine so wichtige Stellung im Neuen Calvinismus eingenommen, weil er enorme Unterstützung durch eine Reihe evangelikaler Leiter in den USA und in Großbritannien bekam. Driscoll spricht regelmäßig auf großen Konferenzen der Gospel Coalition und von Desiring God. In Großbritannien wurde er auf die Konferenz Men’s Convention in London in der bekannten Royal Albert Hall eingeladen, um vor 4000 Menschen zu sprechen.

Der vielleicht größte Unterstützer von Mark Driscolls Dienst ist John Piper. Er hat Driscoll zweimal eingeladen, auf seiner Desiring God Konferenz zu sprechen. Piper sagte, der Grund, warum er Driscoll eingeladen hatte, war, weil er Driscolls Theologie liebt, und weil Mark sein Freund ist. Er hilft Driscoll, wie ein Vater seinem Sohn hilft.

Es ist von Bedeutung, dass Driscoll häufig an den jährlichen Konferenzen der Gospel Coalition gesprochen hat. 2009 lautete die Predigt von Driscoll „Das Wort der Wahrheit in gerader Richtung schneiden“. Driscolls einleitenden Worte lauteten: „Ich danke Dr. Carson, den ich sehr liebe und schätze, und Dr. Tim Keller, dass sie uns alle hier zusammengebracht haben ... was uns verbindet, ist die theologische Überzeugung, und das ist, worauf es am meisten ankommt...“ 2011 predigte Driscoll über „Den geisterfüllten missionalen Dienst Jesu“ und propagierte seine Acts 29-Version des Dienstes. Die Gospel Coalition hat den Dienst Driscolls in vollem Umfang unterstützt, und Driscoll war jahrelang ein Mitglied, bis er vor einigen Monaten zurücktrat.

Mark Driscoll war so einflussreich in der Gospel Coalition, dass er im Jahre 2011 bei der nationalen Konferenz an der Podiumsdiskussion teilnahm, als das Thema “Ausbildung der nächsten Generation von Pastoren und anderen christlichen Leitern” diskutiert wurde. Die Diskussion wurde von Don Carson geleitet; Mark Driscoll saß leger inmitten der größten Namen der evangelikalen Welt, Dr. Albert Mohler, David Helm und Ligon Duncan.

Dr. Albert Mohler

Dr. Albert Mohler, Präsident des Southern Baptist Theological Seminary, ist als Leiter unter amerikanischen Evangelikalen auf breiter Front anerkannt und ebenso bekannt unter den Neuen Calvinisten. Das TIME Magazine bezeichnete ihn als den „führenden Intellektuellen unter den Evangelikalen in den USA.“

Mohler machte sich einen Namen, als er 1993 zum Direktor des Southern Baptist Seminary berufen wurde und von den Mitgliedern der Fakultät verlangte, dass sie das Glaubensbekenntnis des Seminars auf der Grundlage der Westminster Confession ohne Vorbehalte akzeptieren mussten. Mohler erklärt: „Ich sagte, mit einem Wort, wenn Sie dies glauben, dann wollen wir, dass sie bleiben. Wenn nicht, dann sind Sie unter Vortäuschung falscher Tatsachen hierhergekommen, und dann müssen Sie gehen.“ Nur vier Fakultätsmitglieder unter mehr als 100 blieben, als Mohler kam.

Bedeutsam ist die Tatsache, dass Billy Graham bei der Amtseinführung Mohlers im Oktober 1993 der Redner war. Das Southern Seminary hatte die Liberalen aus ihren Reihen verwiesen und lud nun die Neoevangelikalen ein. Es überrascht nicht, dass Mohlers erstes großes Projekt darin bestand, die Billy Graham School of Evangelism, Mission and Church Growth (Billy Graham Schule für Evangelisation, Mission und Gemeindewachstum) aufzubauen, was von Graham sehr begrüßt wurde. Heute bringt das Southern Baptist Seminary, das mehr als 4300 Studenten hat, ständig neue Pastoren hervor. Aber der Schein trügt. Drei Kritikpunkte müssen angeführt werden.

Mohlers ökumenische Gesinnung

Erstens, Al Mohler hat sich als sehr ökumenisch erwiesen und hegt Sympathien für das neoevangelikale Denken. 2001 war Al Mohler der Vorsitzende des Ausschusses für die Greater Louisville Billy Graham Crusade, trotz der Tatsache, dass die ökumenischen Kompromisse Grahams gut dokumentiert sind. Es ist unter Reformierten allgemein bekannt, dass Graham der Führer der neoevangelikalen Kompromissbereitschaft war und dass er große Sympathien für die Kirche Roms hat.

Der Theologe Dr. Kevin Bauder schrieb im Baptist Bulletin: „Al Mohler war bereit, mit Billy Graham zusammenzuarbeiten und ihm auf dem Campus einen Ehrenplatz zu bereiten. Wir sind nicht bereit, Billy Graham zu ehren. Wir denken, dass dieser Mann Tadel und Korrektur braucht für das, was er mit dem Evangelium gemacht hat.7 Mohler erwiderte, dass Dr. Graham bei seiner Amtseinführung gesprochen hatte und eine wichtige Rolle bei der konservativen Neuausrichtung des Southern Baptist Theological Seminary spielt, wofür Mohler sehr dankbar war.“8

Dr. Mohler war einer der ersten, der das ökumenische Dokument Manhattan Declaration zusammen mit Führern aus der Orthodoxen Kirche und der Katholischen Kirche unterschrieb. Mohler sagte, dass er die Deklaration unterschrieben hatte, weil es um die Heiligkeit des Lebens, die Integrität der Ehe und die Verteidigung der Religionsfreiheit ging, worüber das christliche Gewissen nicht schweigen kann. Zitat: „Schließlich unterzeichnete ich die Manhattan Declaration, weil ich meinen Namen unter die Abschlusserklärung setzen wollte – dass wir unsere Knie nicht vor Cäsar beugen wollen.“ Mohler erklärte damit, dass er sich zusammen mit katholischen Führern weigern wird, seine Knie vor Cäsar zu beugen.

Mohler zeigte seinen ökumenischen Geist ferner, als er als Mitglied der Gospel Coalition fungierte. Im Juni 2011 nahm er an einer Podiumsdiskussion teil mit dem Thema "Ausbildung von Pastoren" und saß direkt neben Pastor Mark Driscoll.

Im Dezember 2011 wurde er auf den kontroversen Dienst von Mark Driscoll angesprochen und sagte: „Ich bin dankbar, dass Mark Driscoll an das Evangelium Jesu Christi glaubt, es lehrt und verkündigt. Ich schätze und bewundere seine Kühnheit und Beharrlichkeit ... Das Evangelium hat Konsequenzen. Pastor Driscoll und ich stimmen nicht in allen Punkten überein. Ich habe große Bedenken in Bezug auf exzessive Kontextualisierung ... Ich möchte sagen, dass es manche Dinge gibt, über welche Driscoll spricht, die ich niemals erwähnen würde.“ Hier hatte Mohler die Gelegenheit, vor dem weltlichen Dienst Driscolls zu warnen (wie John MacArthur es tat), aber er entschied sich, dies nicht zu tun. Es ist bedeutungsvoll, wie oben erwähnt, dass Mohler und Driscoll einige Monate später problemlos während einer Podiumsdiskussion der Gospel Coalition nebeneinander saßen, um darüber zu diskutieren, wie die zukünftigen Pastoren und christlichen Leiter ausgebildet werden müssen.

Förderung der weltlichen Hip-Hop Kultur

Der zweite Kritikpunkt ist, dass Dr. Mohler Radioprogramm bekannten Rappern wie Marcus Gray, auch bekannt als Flame, und Lecrae Sendezeit eingeräumt hat. Dieses Programm, ausgestrahlt von Dr. Russel Moore, Dekan der School of Theology am Southern Baptist Theological Seminary, hat offen die Hip-Hop Kultur und christlichen Rap verbreitet. Dr. Russel Moore sprach darüber, wie die christliche Gemeinde mit der Hip-Hop Kultur in Dialog treten kann. Er sagte: „Da ist etwas im Hip-Hop, von dem wir in jeder Weise etwas lernen können, in unserer Evangelisationsarbeit, in unserer Jüngerschaft, in unserer Verkündigung, vor allem in unserer Verkündigung.“ Er bekräftigte, dass die Lieder der Rapmusik in ihrer Lehre und Theologie wirklich sehr tiefgründig seien. Er wies ferner darauf hin, dass die christliche Gemeinde von der Hip-Hop Kultur in Bezug auf gute biblische Kontextualisierung viel lernen kann. Er bat Lecrae sogar darum, eine Liste empfehlenswerter christlicher Rapper zu erstellen.

Die Frucht dieser Radioprogramme, die mit dem Segen der Southern Baptist Seminary im Albert Mohler Program ausgestrahlt wurden, ist, dass christlicher Rap und die Hip-Hop Kultur unter theologischen Studenten und jungen Christen Verbreitung findet. Dr. Mohlers Radioprogramm hat die Welt in die christliche Gemeinde eingeladen – er macht keinen Unterschied mehr zwischen dem Heiligen und dem Profanen.

Psychologie in der Gemeinde

Ein dritter Grund zur Besorgnis ist, dass Dr. Mohler im Aufsichtsgremium für Focus on the Family war. Diese Organisation wurde von James Dobson gegründet und hat mehr als jede andere Organisation getan, um die Lehre um den Selbstwert in der Gemeinde zu verbreiten.

Fazit:

Nachdem wir die Lehren und Praktiken des Neuen Calvinismus beschrieben haben, müssen wir nun unsere Schlussfolgerungen daraus ziehen. Der Neue Calvinismus ist eine Bewegung, die auf den Kompromissen der Neoevangelikalen ruht, auf den Praktiken der Emerging Church und auf dem falschen Denken eines neuen Ökumenismus, der die katholische Kirche lediglich als einen unter vielen Zweigen des christlichen Glaubens betrachten. Es handelt sich um eine Bewegung, die in der Praxis die protestantische Reformation verworfen hat, obgleich sie Lippenbekenntnisse für den reformierten Glauben ausspricht.

Hier sind die fünf Merkmale des Neuen Calvinismus:

1)Oberflächlichkeit in der Lehre

Der Neue Calvinismus ist oberflächlich in Bezug auf die Lehre, obgleich er für sich beansprucht, das Wiederaufleben der reformierten Lehren Calvins zu sein. Die Botschaft der Errettung, die oftmals äußerlich korrekt erscheint, wird in einer Weise verkündet, die ohne Überzeugungskraft ist. Selten wird die schreckliche Folge der Sünde und die Notwendigkeit echter Buße zum Heil erwähnt, das zum neuen Leben in Christus führt. Die Lehre des Neuen Calvinismus über die Heiligung ist mangelhaft. Sie vernachlässigt die Notwendigkeit, heilig zu wandeln; stattdessen betont sie die Freiheit, die Freuden und die Vorteile des christlichen Lebens.

2) Liebe zu der Welt

Der Neue Calvinismus hat weltliches Handeln und Denken in die Gemeinde gebracht. Er trennt sich gewöhnlicherweise nicht von der Haltung, den Begierden und den Dingen dieser Welt. Der Neue Calvinismus hat sich den Begierden und dem Denken des Fleisches hingegeben. Er hat sich stark der zeitgenössischen Anbetung und der heiligen Hip-Hop Szene verschrieben. Was Kleidung, Sprache und Unterhaltung angeht, akzeptiert der Neue Calvinismus die Wege der Welt.

3) Starke ökumenische Ausrichtung

Der Neue Calvinismus hat offene Arme für alle Schattierungen von Lehren. Die Zustimmung zum Apostolischen Glaubensbekenntnis ist alles, was jemand braucht, um als Christ akzeptiert zu werden. Dies bedeutet, dass der Neue Calvinismus Sympathien für die Katholische Kirche hegt. Er ist inklusivistisch und akzeptiert bereitwillig sowohl die Charismatiker als auch die Irrtümer der Emerging Church. Das Streben nach einer falschen kirchlichen Einheit ist der Kardinalfehler des Neuen Calvinismus, der zu allen Arten von Kompromissen führt. Die Neuen Calvinisten weigern sich, sich von ungesunder Lehre - selbst den extremsten Formen von Irrlehren - zu distanzieren. Viele gehen Allianzen ein, die lediglich aus pragmatischer Vorteilsnahme zustandekommen und nicht weil es darum geht, das wahre Evangelium zu verkündigen. Wie die Neoevangelikalen sich nicht von offenkundigen Irrtümern distanzierten, so folgt der Neue Calvinist diesem neoevangelikalen Beispiel; und damit verletzt er die Prinzipien der Schrift wie in 2Korinther 6,14 - 18.

4) Sozialer Aktivismus

Der Neue Calvinismus fügt dem Evangelium des Heils das soziale Evangelium hinzu. Er glaubt, dass der soziale Aktivismus ein zentraler Aspekt des Evangeliums ist und dass die Kultur erlöst und die Welt verbessert werden muss. Er fördert soziale Programme, die den Armen dienen, und er setzt sich für soziale Gerechtigkeit ein, um die Menschenrechte zu stärken.

5) Niedere Sicht der Schrift

Der Neue Calvinismus hat die Debatte um die Irrtumslosigkeit der Schrift hinter sich gelassen, denn sein Umgang mit der Schrift ist von Ehrfurchtslosigkeit und Oberflächlichkeit charakterisiert. Einige im neocalvinistischen Lager verwenden die Bibel sogar als Quelle für gute Comedy. Die Lieder der Rapper werden als tiefgründige Lehre betrachtet, die die Gemeinde lehren können, wie das Wort Gottes verkündigt werden sollte. Die Schrift wird kontextualisiert, um das Evangelium sensibel für die Weltanschauung zu machen und um das Evangelium den neuesten kulturellen Trends anzupassen. Jesus muss als Antwort auf alle Fragen, welche die Kultur stellt, betrachtet werden.

Der Neue Calvinismus ist eine Bewegung, die von Oberflächlichkeit gegenüber heiligen Dingen charakterisiert ist. Er kennt keine Gottesfurcht. Er macht keinen Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Profanen. Der Puritaner Thomas Watson gab diesen Rat: „Hab acht, auf wen du hörst! Unser lieber Heiland riet uns: ‚Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern daherkommen, aber inwendig reißende Wölfe sind (Mt 7,15). Lasst mich euch sagen, der Teufel hat seine Deiner – so wie Christus auch. Da gibt es einige, die es durch die Subtilität ihres Zeugnisses gelernt haben, wie man den Irrtum mit der Wahrheit vermischt, und wie man Gift in einem goldenen Becher serviert.“

Unsere Antwort auf diesen Angriff auf die Wahrheit des Evangeliums ist, jede neue Lehre zunächst zu untersuchen und ans Licht zu bringen, was daran falsch ist. Wir müssen für das Evangelium kämpfen, das den Heiligen ein für allemal überliefert wurde. Wir müssen gesunde Lehre weitergeben.


Anmerkungen

[1] Desiring God website: ‘What We Believe About the Five Points of Calvinism’ http://www.desiringgod.org/resource-lib ... -calvinism
[2] Website, http://evangelicalreformedfellowship.or ... Inerr.aspx. Evangelical Reformed Fellowship, The Necessary Consonance of the Doctrines of Scripture: Inspiration, Inerrancy, and Authority by Steve Curtis
[3] Harold Lindsell, The Battle for the Bible, Zondervan, 1981, p113
[4] http://www.trinityfoundation.org/journal.php?id=103
[5 Christianity Today, Rick Warren answers his critics by Lillian Kwon, Christian Post Posted: Saturday, May 28, 2011, 13:14 (BST)
[6] Mark Driscoll sermon, part 19: The Weaker Christian from 1 Corinthians 8:1-13. 28 May 2006. Abstract from sermon:
[7] http://baptistbulletin.org/?p=19039
[8] Marking the Boundaries, Baptist Bulletin interviews Kevin Bauder and Al Mohler. Kevin Mungons November 1, 2011.http://www.newcalvinist.com/who-are-the ... ts-part-2/
Zum kostenlosen Download der Vorträge von E. S. Williamshier

Quelle: hier
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Joschie » 16.09.2012 18:11

Florian hat geschrieben:Danke für die Beiträge. Es ist immer sehr gut einen kritischen Geist zu bewahren. Auch wenn ich oftmals nicht deren Meinung bin lese ich sehr gerne Blogs und Artikel die sich Kritisch mit Themen auseinandersetzen. Nur so bleibt man immer wachsam und ausgewogen.
Der Apostel Paulus schreibt in 2.Korinther13.5 Prüft euch, ob ihr im Glauben seid, untersucht euch! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr etwa unbewährt seid In diesen Zeilen fordert der Apostel Paulus die Korinther auf, sich selbst zu prüfen und zu untersuchen. Den Beitrag von E. S. Williams über den neuen Calvinismus, ist für mich besonders nachdenkenswert, gerade weil E. S. Williams selbst ein Calvinist ist. Es gibt bei der Fragestellung zum Cessationismus, noch eine Besonderheit bei uns hier in Deutschland, wir müssen abklären welche Wertigkeit die Berliner Erklärung von 1909 für uns hat.
Ich würde es einmal so formulieren und die ganze Thematik um die "new Calvinists" etwas gliedern. Um was geht es? Es geht um verschiedenste Themen wie grundlegende Lehre, Gemeindeform, Anbetungsform, Stellung zur Welt...
Ich unterscheide:
* Grundlegende Lehre: Evangelium, Errettung durch Gnade, 5 Solas
* Gebote & Gewissensfragen
* Anbetungsformen
* Stellung zur Welt
Was genau verstehen wir unter die "Grundlegende Lehre: Evangelium, Errettung durch Gnade, 5 Solas" oder anders ausgedrückt welche Lehraussagen des Calvinismus stehen im Gegensatz zu dem Lehraussagen von dem anderen Denominationen?
Gruß Joschie
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Jetzt auch als gedruckte Broschüre erhältlich

Beitragvon joasch » 22.09.2012 16:13

Hallo zusammen,

der Aufsatz von E.S. Williams ist jetzt auch als gedruckte Broschüre erhältlich. Diese enthält außerdem ein Vorwort von Martin Erdmann.

Siehe http://www.cbuch.de/product_info.php?products_id=3972

Liebe Grüße
Joachim
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Nachbemerkung

Beitragvon Joschie » 23.09.2012 18:57

Hallo Ihr!
Auf Seit.37 der Broschüre steht:
Nachbemerkung des deutschen Herausgebers.
Im deutschsprachigen Raum hat die Initiative Evangelium 21 einige Verbindungen zu den in dieser Broschüre kritisierten Personen und Organisationen und hat sich z.T. an der Gospel Coalition als Leitbild orientiert. Man soll die geübte Kritik jedoch nicht direkt auf Evangelium 21 übertragen, da viele die erwähnten Kritikpunkte nicht auf Evangelium 21 zutreffen.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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