Dietrich Bonhoeffer aus reformierter Perspektive

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

Moderatoren: Der Pilgrim, Leo_Sibbing

davidan
Beiträge: 5
Registriert: 31.10.2011 18:41
Wohnort: Deutschland

Dietrich Bonhoeffer aus reformierter Perspektive

Beitragvon davidan » 08.12.2011 08:58

Dietrich Bonhoeffer wird aus reformierten Kreisen oftmals seine Nähe zu neo-orthodoxen Theologie K.Barths + liberalen Ansätzen vorgeworfen.

Was ist eure Meinung zu seiner Theologie ?

Sollte dies schon ausgiebig diskutiert worden sein, bitte ich um Entschuldigung und die Links in diesem Forum, da eine Suche nach Dietrich Bonhoeffer hier sehr viele Ergebnisse produzierte.
Reformierter Christ

Der Pilgrim
Moderator
Beiträge: 490
Registriert: 05.02.2011 12:40

Beitragvon Der Pilgrim » 08.12.2011 11:26

Ich habe mich noch nie intensiv mit Bonhoeffers Theologie beschäftigt, allerdings hatten wir ihn in der 12. oder 13. Klasse im Zuge des "Theodizee-Problems" mal kurz behandelt. Dazu lasen wir einen kurzen Text, der mit Bonhoeffers Theologie sehr suspekt machte:
Dietrich Bonhoeffer hat geschrieben:Der Gott, der uns in der Welt leben läßt ohne die Arbeitshypothese Gott, ist der Gott, vor dem wir dauernd stehen. Vor und mit Gott leben wir ohne Gott. Gott läßt sich aus der Welt herausdrängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt und gerade und nur so ist er bei uns und hilft uns. Es ist Matth. 8,17 ganz deutlich, daß Christus nicht hilft kraft seiner Allmacht, sondern kraft seiner Schwachheit, seines Leidens! (aus dem Brief vom 16. 7. 1944)
Ich will nicht ausschließen, dass meine damalige Lehrerin ihren Teil dazu beigetragen hat, dass mir das häretisch vorkam. Ich erinnere mich noch, wie ich mich über die einseitige Zentrierung auf die angebliche Ohnmacht Gottes beschwerte und unter anderem auf Matthäus 26,53 verwies, mit der Frage, wie Bonhoeffer solche Stellen mit seinen Thesen vereinbaren könnte, wenn er doch, wie die zitierten Verse bei ihm vermuten ließen, schon irgendwie den Anspruch hatte, bibelorientiert vorzugehen.
Meine Lehrerin erinnerte mich dann an die historisch-kritische Vorstellung, dass sich ja auch innerhalb eines Evangeliums (in diesem Falle Matthäus) unterschiedliche Traditionsstränge ausmachen ließen, und es letztendlich darauf ankäme, welche von den sich "widersprechenden Aussagen" man mehr gewichte. So wäre es dann auch möglich zu solchen Schlüssen wie Bonhoeffer zu kommen. Da ich keine Grundsatzdiskussion über die historisch-kritische Bibelauslegung beginnen wollte, ließ ich dann einfach davon ab, aber diese Stunde führte dann dazu, dass die Erinnerung an Bonhoeffer für mich nicht durchweg positiver Natur ist. Es tut mir leid, sollte ich ihm unrecht tun, ich weiß nicht, in wiefern er selber Verfechter der historisch-kritischen Theologie war, vielleicht hatte ihm das meine Lehrerin auch nur "in die Schuhe geschoben"... Seinen Widerstand gegen das NS-Regime werde ich jedoch nichts destotrotz weiterhin schätzen und würdigen.
Zuletzt geändert von Der Pilgrim am 08.12.2011 12:54, insgesamt 2-mal geändert.
Simon W.

davidan
Beiträge: 5
Registriert: 31.10.2011 18:41
Wohnort: Deutschland

Zitat Bonhoeffers

Beitragvon davidan » 08.12.2011 12:08

Das Zitat von Bonhoeffer ist ja schon bisschen grenzwertig.
Reformierter Christ

Benutzeravatar
Pilger Andreas
Beiträge: 166
Registriert: 11.04.2005 11:11
Wohnort: Mühlacker
Kontaktdaten:

Beitragvon Pilger Andreas » 08.12.2011 17:49

Vieleicht kann dieser Aufsatz von Bernhard Kaiser Aufschluß geben.

Viele Grüße,
Andreas

lutz
Beiträge: 1052
Registriert: 02.12.2005 21:37
Kontaktdaten:

Beitragvon lutz » 08.12.2011 18:41

Und ich hätte noch einen Tipp. Der Betreiber von www.theoblog.de ist nach eigenen Aussagen „bekennender Bonhoeffer-Leser“ und sehr bedacht auf eine adäquate Darstellung Bonhoeffers.
Hier mal ein Blogeintrag (samt Kommentarbereich lesenswert) und dort könntest du sicher auch qualifizierte persönliche Auskunft erhalten.
http://www.theoblog.de/der-andere-bonhoeffer/15343/

Ron Kubsch (Webseitenbetreiber) ist auch User in bifo unter dem Namen „RKubsch“. Du kannst auch über PN versuchen ihn auf deine Fragestellung aufmerksam zu machen. …
(Es kann sein, dass er durch seine vielen Tätigkeiten deine Anfrage gar nicht wahrgenommen hat.)

Lutz

Jörg
Moderator
Beiträge: 2260
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Beitragvon Jörg » 09.12.2011 21:30

Vielleicht hilft auch folgendes Interview weiter:

http://www.pro-medienmagazin.de/?id=bue ... id%5D=4553


Oder vielleicht auch folgendes Buch:

Willberg, Hans A / Faix, Wilhelm / Gableske, Reinfried
Einer von uns?
Evangelikale Beiträge zu Theologie und Leben Dietrich Bonhoeffers
Vorwort von Schirrmacher, Thomas
Verlag : VTR
ISBN : 978-3-937965-43-7

Drei evangelikale Theologen beschäftigen sich in diesem Buch mit der Theologie und dem Leben Dietrich Bonhoeffers.
Wilhelm Faix liefert zunächst eine ertragreiche Biografie. Reinfried Gableske stellt sich der eigentlichen Herausforderung der Schriften Bonhoeffers für Evangelikale. Und Hans-Arved Willberg geht in zwei Beiträgen auf zentrale Themen ein, die für das Verhältnis der Evangelikalen zu Bonhoeffers und allgemein für ein richtiges
Verständnis von Bonhoeffer von zentraler Bedeutung sind: die Ekklesiologie und die Seelsorgelehre.



Lieben Gruß, Jörg

PS: Man sollte allerdings nicht nur Bücher über Bonhoeffer lesen, sondern auch Bücher von Bonhoeffer. Ich habe es mit Gewinn getan!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast