Gottes Souveränität vs. Verantwortung des Menschen

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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lutz
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Beitragvon lutz » 10.10.2010 21:16

Fortsetzung:

James I. Packer, Prädestination und Verantwortung, Gott und Mensch in der Verkündigung, Brockhaus Verlag, 2. Aufl. 2000:

„Die spezielle Antinomie, die uns hier beschäftigen soll, ist der scheinbare Gegensatz von göttlicher und menschlicher Verantwortung, oder – biblischer ausgedrückt – von dem, was Gott als König und dem, was er als Richter tut. Die Schrift sagt, dass er als König alle Dinge, auch das menschliche Handeln, nach seinem ewigen Ratschluss bestimmt und lenkt. Ebenso lesen wir in der Schrift, dass er als Richter jeden Menschen zur Verantwortung zieht für seine Handlungsweise und die von ihm getroffenen Entscheidungen. So ist also der Hörer der Botschaft für seine Reaktion verantwortlich; lehnt er die frohe Botschaft ab, macht er sich des Unglaubens schuldig. „Wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet; hat er doch nicht geglaubt …“ Andererseits ist Paulus für die Verkündigung des Evangeliums, das ihm anvertraut wurde, verantwortlich; führt er seinen Auftrag nicht durch, macht er sich der Treulosigkeit schuldig. „Ich muss es tun, und wehe mir, wenn ich es nicht täte!“ Die Bibel lehrt uns Gottes Souveränität und die Verantwortung des Menschen nebeneinander, oft sogar in ein und derselben Textstelle. Beides ist uns also durch die gleiche göttliche Autorität verbürgt, und daher ist beides wahr. Daraus folgt, dass beide Phänomene aufrechterhalten werden müssen und nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Der Mensch ist ein für sein Handeln sittlich Verantwortlicher, während er auch göttlich geführt wird; er wird von Gott geführt, während er auch in eigener sittlicher Verantwortung handelt.“ (S. 15 / 16)

„Für unser begrenztes Denkvermögen ist dies natürlich etwas Unerklärliches. Es hört sich wie ein Widerspruch an, den wir in unserer ersten Reaktion für absurd und bedauerlich halten. Paulus geht darauf im Römerbrief ein: „Nun wirst du einwenden: Wie kann er (Gott) uns dann noch einen Vorwurf machen? Kann sich ja doch niemand Gottes Willen widersetzen!“ (Röm. 9, 19) Wenn Gott als unser Herr unser ganzes Handeln bestimmt, wie kann er dann gerechterweise auch als unser Richter auftreten und unsere Fehler verurteilen? Achten wir aber auf die Antwort des Paulus: Er versucht nicht, die Richtigkeit des Handelns Gottes darzulegen, sondern tadelt die Geisteshaltung, aus der die Frage entspringt. „O Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?“ Der Aufsässige soll begreifen, dass er als Geschöpf und als Sünder überhaupt kein Recht hat, die offenbarten Wege Gottes zu missbilligen. Das Geschöpf ist nicht berechtigt, Anklagen gegen seinen Schöpfer zu erheben. Weiter sagt Paulus: Die Souveränität Gottes besteht zu vollem Recht, denn er besitzt das absolute Verfügungsrecht über sein Geschöpf. Zu Beginn des Römerbriefes hat Paulus bereits gezeigt, dass auch Gottes Gericht über die Sünder durchaus zu Recht besteht, da wir für unsere Sünden sein Urteil in reichem Maße verdient haben. Unsererseits, will er uns sagen, haben wir diese Tatsachen anzuerkennen und Gottes Handeln als König wie als Richter anzubeten und nicht darüber nachzusinnen, wie die Gott zustehende Souveränität und sein göttliches Richteramt in Übereinstimmung zu bringen sind, oder gar zu bezweifeln, dass eines von beiden zu Recht besteht, nur weil uns das Problem ihrer Beziehung zueinander zu schwer ist!
Unsere menschlichen Überlegungen sind nicht der Maßstab für unseren Gott. Er als Schöpfer hat uns wissen lassen, dass er sowohl ein souveräner Herr als auch ein gerechter Richter ist. Sollte uns das nicht genügen? Warum wollen wir ihn nicht bei seinem Wort nehmen? Können wir seinen Aussagen nicht trauen?“ (S. 16 / 17)

http://www.glaubensstimme.de/doku.php?i ... kapitel_09
Calvin zu Römer 9, 22:
„V. 22. Derhalben usw. Eine zweite Antwort, welche in Kürze zeigt, dass Gottes Rat in diesem Stück zwar unbegreiflich ist, dass aber doch seine Gerechtigkeit nicht minder untadelig sich zeigt, wenn sie den Verworfenen das Verderben, als wenn sie den Auserwählten die Seligkeit bereitet. Allerdings will und kann der Apostel auch hier nicht erklären, warum die einen verworfen, die andern aber erwählt werden. Denn es wäre nicht recht gewesen, den Inhalt des geheimen Ratschlusses Gottes menschlichem Urteil zu unterstellen, und das Geheimnis hätte doch unenthüllt bleiben müssen. Paulus zügelt also unsere Neugier, damit sie nicht durchforsche, was doch alles Denken übersteigt, und zeigt doch zugleich, dass Gottes Erwählungsratschluss, soweit er uns überhaupt enthüllt ward, als vollkommen gerecht erscheinen muss. Der Satz „Wenn nun aber Gott … mit großer Geduld getragen hat“ usw., fordert die Ergänzung: wer wagt es dann noch, ihm deshalb Ungerechtigkeit vorzuwerfen? Der Gedanke ist nämlich der: diese Gefäße sind zum Verderben bereitet, d. h. dem Verderben geweiht und dafür bestimmt; es sind also Gefäße des Zornes, d. h. sie sind geschaffen und gebildet, um als Beweisstücke der göttlichen Strafe und des göttlichen Zornes zu dienen. Wenn sie nun Gott eine Zeitlang geduldig trägt und sie nicht im nächsten Augenblick zerschlägt, sondern das ihnen zugedachte Gericht aufschiebt -, und wenn er dies tut, einerseits um den Übrigen ein erschreckendes und darum heilsames Beispiel seines strengen Gerichts zu geben, andererseits um seine Macht zu zeigen, welcher die Kreaturen auf allerlei Weise dienen müssen, namentlich aber um den Reichtum seines Erbarmens über die Auserwählten desto sichtlicher und heller leuchten zu lassen -, was soll dann in solcher Anordnung des Tadels wert sein? Freilich verschweigt der Apostel, woher es kommt, dass es zum Verderben bereitete Gefäße gibt. Aber das ist begreiflich. Er kann nach seinen vorherigen Darlegungen voraussetzen, dass man den Grund in dem ewigen und unentwirrbaren Ratschluss Gotte suche. Und es ziemt sich, Gottes Gerechtigkeit lieber anzubeten, als sie durchschauen zu wollen. „Gefäße“ aber schreibt der Apostel im Sinne von „Werkzeuge“. Denn alle Bewegung aller Kreatur ist wie ein Mittel und Werkzeug göttlicher Kraft. Mit gutem Grunde heißen danach wir Gläubigen (V. 23) Gefäße der Barmherzigkeit, denn wir sind Gottes Werkzeuge zur Offenbarung seiner Barmherzigkeit, die Verworfenen aber Gefäße des Zorns; denn sie dienen dazu, dass man Gottes Gerichte schaue.“

Lutz

Jose
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Re: Ist ein Säugling vor Gott rein oder sündig?

Beitragvon Jose » 23.10.2010 13:56

Auf diese Aussage möchte ich gerne eigehen:
Lutz hat geschrieben:Besonders „heikle“ Angelegenheit: Ist ein Säugling vor Gott rein oder sündig?
Betrachtet im Gesamtzeugnis der Schrift ist die Frage, ob ein Säugling vor Gott rein oder sündig ist, nicht heikel. Wir lesen bereits im AT: "Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen" Ps 51,7, und das deckt sich mit der Lehre der Schrift, dass nach dem Sündenfall alle Menschen unter dem Urteil der Sünde stehen (s. z.B. Röm 5,18), mit Ausnahme von Jesus, der Mensch und Gott war zugleich und ohne Sünde war (s. z.B. Hebr 7,26). Vor der Erschaffung des Menschen lesen wir: "Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich!" 1.Mose 1,26, nach dem Sündenfall lesen wir aber: "Und Adam lebte 130 Jahre und zeugte einen Sohn ihm ähnlich, nach seinem Bild, und gab ihm den Namen Set" 1.Mose 5,3. Set, das erste Kind von Adam und Eva, war bereits nach dem Bild des gefallenen Adams geschaffen.

Nun aber zurück zu den Säuglingen. Wie weise und liebevoll ist Gott, dass Er uns auch die Worte gab: "Jesus aber rief sie herbei und sprach: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht! Denn solchen gehört das Reich Gottes" Lk 18,16. Davor hatte Jesus bereits gesagt: "Seht zu, dass ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch, dass ihre Engel in den Himmeln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der in den Himmeln ist" Mt 18,10.

Verstehen kann ich das im Detail auch nicht, aber darin ist z.B. Trost für alle trauernden Eltern, die ein Kind früh verloren haben. Vielleicht hat Gott es deswegen aufschreiben lassen, damit wir uns nicht ängstigen oder gar meinen, der Säugling müsse noch schnell (not)getauft werden. Jesus "nahm sie in seine Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie" Mk 10,16.


Liebe Grüße,
José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

Gast

Vereinbarkeitsthese

Beitragvon Gast » 01.04.2011 21:27

Heute habe ich im Buch „Ach, Herr, wie lange noch? von Donald A. Carson eine hilfreiche Ausführung zum Thema Souveränität Gottes und Verantwortung des Menschen gefunden. Ich bin ja fast zu dem Schluss gekommen, man könnte dies beides eigentlich gar nicht vereinbaren. Doch Carson hat eine These aufgestellt, die Vereinbarkeitsthese, mit der er beide Lehren zusammenbringt.

Auf Seite 197 -202 schreibt er:

Die Vereinbarkeitsthese: eine Definition
Sowohl die Bibel in ihrem Zusammenhang als auch gewisse Schriftabschnitte lehren entweder ausdrücklich oder setzen stillschweigend voraus, dass folgende beide Aussagen wahr sind:

1. Der allmächtige Gott waltet souverän und frei, doch wirkt sich seine Herrschaft niemals so aus, dass dabei die Verantwortung des Menschen beschnitten, minimiert oder gänzlich aufgehoben würde.


2. Menschen sind moralisch verantwortliche Wesen – sie treffen sinnvolle Entscheidungen, rebellieren, gehorchen, glauben, widersetzen sich usw. und werden zu Recht für diese Handlungsweisen verantwortlich gemacht: Dies wirkt sich jedoch nie so aus, dass Gott dadurch eingeschränkt würde.


Im Folgenden vertrete ich die Ansicht, dass die Bibel die Wahrheit beider Aussagen stützt. Die Ansicht, dass beide Aussagen zugleich wahr sind, bezeichne ich als die Vereinbarkeitsthese. Wir könnten zwar andere Bezeichnungen wählen, doch scheint mir diese aus geschichtlichen Gründen besonders geeignet zu sein. Mit ihr will ich allerdings nur unterstreichen, dass die Bibel meines Erachtens beide Positionen lehrt und als miteinander vereinbar darstellt.
Ich möchte gleich hinzufügen, dass ich damit den biblischen Texten kein philosophisches Raster überstülpe. Meine Ansicht, beide Aussagen seien wahr, beruht, wie noch deutlich werden soll, auf einem Studium vieler Passagen der Bibel. Wenn ich aber dieses Kapitel mit der Vereinbarkeitsthese statt mit dem induktiven Bibelstudium selbst beginne, dann deshalb, weil ich zunächst die Ergebnisse nennen möchte, ehe ich das sie stützende Belegmaterial anführe. Bei dem umfassenden Studium, auf dem der erste Teil des vorliegenden Kapitels gründet, begann ich allerdings umgekehrt und führte den „Vereinbarkeitsthese“ erst ein, als sich genug Belegmaterial angesammelt hatte, um die These zu rechtfertigen.
Ich bin also der Ansicht, dass nach Darstellung der Bibel beide Aussagen wahr sind; die Bibel lehrt entweder ausdrücklich die Vereinbarkeitsthese oder setzt sie stillschweigend voraus. Damit können wir uns den biblischen Belegstellen zuwenden.

Die Schrift setzt die Vereinbarkeitsthese entweder stillschweigend voraus oder lehrt sie ausdrücklich

Die biblischen Belegstellen

Beginnen wir mit dem ersten Teil der ersten Aussage: Der allmächtige Gott waltet souverän und frei. Dass dies stimmt, wird in der Bibel häufig hervorgehoben – so häufig, dass es eines umfangreichen Buches bedürfte, um alle entsprechenden Stellen darzulegen. „Warum sagen die Völker: „Wo ist denn ihr Gott?“ Unser Gott ist im Himmel; er handelt nach Belieben“ (Psalm 115,2 f.). „Alles, was dem Herrn gefällt, das vollbringt er im Himmel und auf der Erde, in den Meeren und in allen Tiefen“ (Psalm 135,6). Gott wird sogar als der vorgestellt, „der alle Dinge wirkt nach dem Rat seines Willens“ (Epheser 1,11; Lutherübers.). Er verordnet nicht nur „Zeiten“ und „Grenzen“ (Apostelgeschichte 17,26), sondern übt seine Weltregierung in der Weise aus, dass sogar die alltäglichsten natürlichen Prozesse auf sein Eingreifen zurückgeführt werden. Finden die Vögel Nahrung, dann deshalb, weil der Vater sie ernährt (Matthäus 6,26); zieren wildwachsende Blumen die Wiese, dann deshalb, weil Gott „das Gras kleidet“ (Matthäus 6,30). Der Prediger Salomo kennt zwar den Kreislauf des Wassers, dennoch sprechen die biblischen Autoren lieber davon, dass Gott den Regen schickt, als dass sie sagen: „Es regnet.“ Gott ist der, der auftut und zuschließt, der tötet und lebendig macht, der Könige auf den Thron erhebt und sie auch absetzt. Er ruft die Sterne bei ihrem Namen und weiß, wie viele Haare wir auf unserem Haupt haben.
Die Weltregierung Gottes ist dermaßen umfassend, dass es – aus biblischer Perspektive – kaum verwundert, wenn beispielsweise ein unbeabsichtigter Totschlag (2.Mo 21,13) oder ein Familienunglück (Ruth 1,13.20) mit dem Willen Gottes in Verbindung gebracht wird. Der Wille des Menschen ist ebensowenig von seiner Herrschaft ausgenommen: „Des Königs Herz [das Zentrum der menschlichen Persönlichkeit und der Sitz des Willens] ist in der Hand des Herrn; er lenkt es wie einen Wasserbach, wohin er will“ (Sprüche 21,1). Das gilt nicht nur für Könige: „Der Mensch plant seinen Weg, doch lenkt der Herr seine Schritte“ (Sprüche 16,9). „Ich weiß, Herr, dass das Leben eines Menschen nicht in seiner eigenen Gewalt steht; es liegt in niemandes Macht, die eigenen Schritte zu lenken“ (Jeremia 10,23). Es war Gott selbst, der das Herz der Ägypter „verwandelte“, so dass sie sein Volk hassten und sich gegen seine Knechte verschworen“ (Psalm 105,25).
Auch bei der Zerstörung einer Stadt durch feindliche Truppen ist sich Amos der Oberherrschaft Gottes so sicher, dass er sich über die Dummheit derer mokiert, die sie nicht anerkennen und nicht daraus lernen wollen (Amos 3,6). „Ich bin der Herr, und sonst keiner. Ich erschaffe das Licht und mache das Dunkel; ich bewirke, dass es Menschen gutgeht, und ich führe Unheil herbei. Ich, der Herr, vollbringe das alles“ (Jesaja 45,6 f.). Zweifellos „plagt und betrübt [Gott] die Menschen nicht freudigen Herzens“ (Klagelieder 3,33). Dennoch gilt: Wer kann sprechen und solches geschehen lassen, ohne dass der Herr es beschlossen hat? Geht nicht sowohl Böses als Gutes aus dem Mund des Allerhöchsten hervor?“ (Klagelieder 3,37 f.). Gott verstockt, wen er will (Römer 9,18). Dass Simei den Gesalbten des Herrn verfluchte, war ein Ausdruck seiner Gottlosigkeit, dennoch erkennt David hinter Simei den Gott, der ihm „geboten“ hatte, so zu reden (2Sam 16,10). Gott selbst beauftragt den Lügengeist, der die Propheten des Ahab in die Irre führt (1.Könige 22,21 ff.); Gott selbst steht hinter der Weigerung der Söhne Elis, auf die mahnende Stimme ihres Vaters zu hören, „denn es war der Wille des Herrn, sie umbringen zu lassen“ (1.Samuel 2,25); Gott selbst schickt gottllosen Menschen „kräftige Irrtümer“, damit sie der Lüge glauben (2. Thessalonicher 2,11); in seinem Zorn treibt Gott selbst David zu einer Volkszählung an (2.Samuel 24,1).
An diesen Bibelstellen – und es gibt sie in sehr großer Anzahl – fällt auf, dass der menschliche Handelnde an keiner Stelle seiner Verantwortung enthoben wird, nur weil Gott auf die eine oder andere Weise hinter seiner Handlung steht. Wir werden uns gleich anschließend mit mehreren Stellen ausführlicher befassen, doch kann man bereits an den angeführten Passagen nachweisen, dass dies stimmt. So reizt Gott in seinem Zorn David dazu an, eine Volkszählung durchzuführen, doch wird David für seine Handlungsweise voll und ganz verantwortlich gemacht. Die Söhne Elis werden als gottlos bezeichnet; von den Menschen, denen Gott kräftige Irrtümer schickt, heißt es, sie hätten „sich geweigert, die Wahrheit zu lieben und sich retten zu lassen“ (2. Thessalonicher2, 10). Der bemerkenswerte Nachdruck, der auf die uneingeschränkte Weltregierung Gottes gelegt wird, dient nirgendwo dazu, die Verantwortung der Menschen abzuschwächen; wie alles andere im Universum sind auch die Menschen der Herrschaft Gottes unterworfen.
Der zweite Teil meiner Definition der Vereinbarkeitsthese lässt sich ebenso eindrücklich belegen. „Fürchtet also jetzt den Herrn, und dient ihm in aller Treue … Erscheint es euch jedoch nicht wünschenswert, dem Herrn zu dienen, so entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt…Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen“ (Josua 24,14 f.). Dies ist nur eine der unzähligen Bibelstellen, in denen Menschen zum Gehorsam, zum Handeln oder zu einem festen Entschluss aufgefordert werden. Den Zehn Geboten kann man Gehorsam oder Ungehorsam entgegenbringen. Der neutestamentliche Ruf zur Bekehrung setzt die Verantwortlichkeit des Menschen voraus: „Wenn du mit deinem Mund bekennst: „Jesus ist Herr“ und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet werden…Denn die Schrift sagt: „Wer auf ihn vertraut, wird niemals zuschanden werden““ (Römer 10,9.11). Menschen werden von Gott geprüft, weil er wissen möchte, was in ihrem Herzen vorgeht (1.Mose 22,12; 2.Mose16,4; 2.Chronik 32,31). Menschliche Verantwortung kann sogar infolge der Gnadenwahl Gottes entstehen (2.Mose 19,4-6; 5.Mose 4,5-8; 6,6 ff.; Hosea 13,4; Micha 3,1-12): Gott bittet die Menschen auf rührende Weise, Buße zu tun, und findet keinen Gefallen am Tod des Gottlosen (Jesaja 30,18; 65,2; Klagelieder 3,31-36; Hesekiel 18,30,32; Hosea 11,7 ff.).
Dennoch dienen solche Aussagen niemals dazu, Gottes Allmacht zu begrenzen: Weder Gottes Wesen noch seine Entscheidungen hängen im absoluten Sinn von den Entscheidungen oder Taten der Menschen ab.
Wir müssen an dieser Stelle vorsichtig. Ich sage nicht, dass die Schrift jegliche Beschränkung Gottes bestreitet. Er spricht mit Menschen und geht auf sie ein; mehrmals wird von ihm ausgesagt, er habe seine Entscheidungen „sich gereuen lassen“, das heißt, er habe einen Sinneswandel vollzogen oder sich im Hinblick auf seine erklärten Absichten erweichen lassen. Ich werde im weiteren Verlauf des vorliegenden Kapitels auf diese Stellen zurückkommen. Doch in keinem einzigen Fall wirkt sich die menschliche Verantwortung so aus, dass Gott dadurch absolut eingeschränkt würde. Gott wird niemals matt gesetzt, seine Pläne werden niemals vereitelt oder durchkreuzt; es kommt kein einziges Mal vor, dass Gott das, was er sich vorgenommen hat, nicht durchzuführen vermag. Wäre Gott derartigen Begrenzungen unterworfen, dann träfe die erste unserer beiden Aussagen nicht zu. Das Erstaunliche an der Bibel ist aber, dass sie die Vereinbarkeitsthese vertritt: Sie lehrt oder setzt stillschweigend voraus, dass beide Aussagen wahr sind.
Ehe wir dazu typische Stellen betrachten, muss ein weiterer biblischer Schwerpunkt herausgestellt werden. Dieser ist zwar von den beiden Aussagen zu unterscheiden, die unsere Definition der Vereinbarkeitsthese ausmachen, dennoch steht er mit dem Thema des vorliegenden Buches in direktem Zusammenhang: Trotz allem, was die Bibel über die Reichweite der Weltregierung Gottes zu sagen hat, pocht sie immer neu auf die uneingeschränkte Güte Gottes. Gott wird nirgendwo als ein Komplize des Bösen oder gar als heimtückisch hingestellt: Es wird nirgendwo angedeutet, dass er in gleicher Weise für das Übel verantwortlich sei wie für das Gute. Wir werden uns noch mit dem Problem zu befassen haben, wie sich das zusammenreimt. Über die Tatsachen indes besteht nicht der geringste Zweifel. „Er ist der Fels, seine Werke sind vollkommen, und alle seine Wege sind gerecht. Er ist ein treuer Gott, der kein Unrecht tut; wahrhaftig und gerecht ist er“ (5 Mose 32,4). „Gott ist Licht, und in ihm ist keinerlei Finsternis“ (1.Johannes 1,5). Der Prophet Habakuk sagt einmal zu Gott: „Deine Augen sind zu rein, als dass du Böses mitansehen könntest; du kannst das Unrecht nicht dulden“ (Habakuk 1,13); und weil dem so ist, fällt es Habakuk außerordentlich schwer zu verstehen, wie Gott zulassen kann, dass die Chaldäer so schrecklich gegen das Bundesvolk wüten. Merken wir uns also: Die Güte Gottes wird überall vorausgesetzt und ist nicht anzuzweifeln. Im Himmel erschallt das Lied: „Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr, allmächtiger Gott. Gerecht und wahr sind deine Wege, du König der Zeitalter. Wer wird dich nicht fürchten, o Herr, und deinen Namen verherrlichen? Denn du allein bist heilig“ (Offenbarung 15,3 f.).
Bei der folgenden Betrachtung einiger ausgewählter Bibelstellen handelt es sich keineswegs um eine ausführliche Auslegung. Mein Ziel ist bescheidener. Ich möchte lediglich aufzeigen, dass die Vereinbarkeitsthese bestimmten Texten als Voraussetzung zugrunde liegt bzw. dass sie in diesen Texten ausdrücklich gelehrt wird. Bei den hier besprochenen Bibelstellen handelt es sich nur um eine kleine, aber repräsentative Auswahl…."



Ich fand diese Ausführungen deshalb interessant, weil in meinem Kopf bis jetzt eine Blockade war (und auch immer noch ist) wie Gottes Allmacht mit der Verantwortung des Menschen in Einklang zu bringen ist. Also wenn der Herr mir dass irgenwann einmal ganz zu verstehen geben sollte, wer ich echt sehr, sehr glücklich. Und dennoch will ich sprechen: Oh großer Gott wir preisen dich für alles was du bist, und auch für deine unerforschlichen Wege.
Grüße und Segen
Samuel
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Berajo
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Antwort von Dave Hunt an James White

Beitragvon Berajo » 15.01.2015 15:03

Ich habe es nicht gelesen, aber der Vollständigkeit halber sei darauf verwiesen.

http://www.thebereancall.org/calbook.htm
Jesus, mein Herr und mein Gott

Fritz67
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Beitragvon Fritz67 » 17.05.2015 17:11

Calvin hat es recht erkannt, was er zu Römer 9, 22 schreibt, besonders diese beiden Sätze:
Allerdings will und kann der Apostel auch hier nicht erklären, warum die einen verworfen, die andern aber erwählt werden. Denn es wäre nicht recht gewesen, den Inhalt des geheimen Ratschlusses Gottes menschlichem Urteil zu unterstellen, und das Geheimnis hätte doch unenthüllt bleiben müssen

Damit hat er recht, wir können Gottes Erwählung nicht erklaren und wir können den Ratschluss Gottes, allgemein göttliches Maß nicht mit menschlichem Maß messen.

Gott allein hat die wahre Erkenntnis von Gut und Böse. Unsere ist eingetrübt, das zeigt sich daran, dass der Mensch dazu neigt, Wahrheit in Lüge zu verkehren und Gut zu nennen, was Böse ist.

Gott vollbringt alles, was ihm gefällt und das ist all das auch das Gute. Und wenn Gott alle Dinge wirkt nach seinem Willen, dann sind auch alle diese Dinge gut.
Gott schaut in das Verborgene, Sein Geist erforscht ALLE Dinge, schon vor Grundlegung der Welt hat er die Herzen aller Menschen erforscht und erkannt. Denn er ist ja Herr über allem und somit auch der Zeit.
Wem er erwählt, dann erwählt Gott nach seinem Willen, weil nur Er gerecht erwählen kann, eben weil nur Er die Herzen aller Menschen erfiorschen kann.

Ich weiß, dass Gott die Sünde hasst, aber ich wage es nicht, mit menschlichem Hass zu bemessen. Menschlicher Hass ist immer mit bösen Gedanken begleitet, doch so hasst Gott nicht, weil er gut und keine bösen Gedanken oder bösen Absichten hat.

Ich weiß, dass es Menschen gibt , die den Heiligen Geist in ihr Herz lassen und Buße tun und welche, die das nicht tun. Aber welche das sind, kann ich nicht wissen als allein Gott.

Ich weiß, dass der Heilige Geist eines nicht tut, Er verschafft sich nicht mit Gewalt Zutritt in das Herz eines Menschen. Denn Gott herrscht nicht als Skalventreiber und legt uns nicht in Ketten. Er "regiert" barmhezig und geduldig und voller Güte und langsam zum Zorn.
Und eben weil Gott uns nicht in Ketten legt, lässt Gott uns auch unseren Willen, deswgen wir auch für all unser Denken, Reden und Handeln verantwortlich sind.

Ich bin vorsichtig damit, bei der Anreihung von Versen, weil solche nicht erkennen lässt, zu welchen Zusammenhang diese Verse genannt sind. Solches macht auch die Allversöhnungslehre und die kann nicht wahr sein.
Ich bin auch vorsichtig bei jeder Lehre, weil ich sicher bin, dass auch diese trotz Glaubensstärke und Gottesfurcht doch vom menschlichen Verstand eingeschränkt ist.

Es gibt Dinge, die allein Gott weiß und wir nicht wissen, ja nichtmal wissen können, weil wir sie nicht verstehen können und deswegen auch nicht erklären können.
Dass Gott allein alles kann, dass Ihm alles möglich, genau das ist es, was Seine Souveränität ausmacht.


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