Predigten,Andachten und Briefe von Johannes Calvin

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

Moderatoren: Der Pilgrim, Leo_Sibbing

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 20.08.2009 08:04

An einen Berner Pfarrer.
Pierre Caroli, Doktor der Sorbonne, war wegen seiner evangelischen Anschauungen aus Frankreich entflohen und nach kurzem Aufenthalt in Basel und Genf zum ersten Pfarrer von Lausanne neben Pierre Viret eingesetzt worden, als Bern in der neu eroberten Waadt die Reformation einführte. Durch Carolis herrisches Wesen und zum Teil noch katholisierende Ansichten gab es bald Streit zwischen den beiden Kollegen.

Klage gegen Caroli, der Calvin der Ketzerei bezichtigt.

Ich denke, es wird dir schon bekannt genug sein, welche Intrigue uns Caroli in diesen Tagen angezettelt hat. Er klügelte nämlich eine Art aus, wie man für die Verstorbenen beten dürfe, nicht um sie von den Sünden zu erlösen, sondern damit sie bald auferständen. Eine überaus wichtige Frage, gerade jetzt, wo wir ernste Schwierigkeiten genug haben! Aber der ehrgeizige Mensche wollte sich durch etwas Neues beim Volke beliebt machen, dem er sich durch nichts Anderes empfehlen kann; als ob das etwas Neues wäre, was schon lange vorher von verschiedenen Schriftstellern vorgebracht worden ist. Er beansprucht trotzdem ganz frech den Ruhm der Erfindung, wodurch er deutlich kund tut, worum es ihm zu tun war, als er dies Dogma aussprach. Aber selbst wenn wir seinem Ehrgeiz den falschen Ruhm, den er sich wünscht, lassen, was erreicht er, wenn man klar beweisen kann, dass seine Erfindung nicht nur seltsam und unhaltbar, sondern geradezu dumm ist? Das darzutun mache ich mich anheischig. Ganz abgesehen nun von Recht oder Unrecht seiner Behauptung, in der Art, wie er sie vorbrachte, kann man ihn von großer Bosheit und Unredlichkeit nicht freisprechen. So lange Viret bei ihm war, sagte er kein Wort von der Sache. Viret kommt zu uns auf Besuch; sofort bricht der Lärm los! Das zeigt doch klar, dass Caroli boshaft die Abwesenheit seines Kollegen abgewartet hat, um die Ruhe der Kirche zu stören. Dazu kommt, dass ja auf Euern Antrag durch Beschluss aller Brüder festgesetzt war, es solle Niemand etwas bisher nicht Gehörtes und Übliches vors Volk bringen ohne Beratung mit mehreren Kollegen. Du weißt, wie richtig und wertvoll das ist zum Schutz der Lehreinheit. Durch diesen Beschluss glaubten wir unsere Kirchen aufs Beste geschützt vor der Gefahr der Uneinigkeit. Er aber, ohne das geringste Gewicht darauf zu legen, wie sehr er durch seine Unüberlegtheit das Reich Christi schädige, wirft diesen Beschluss der ganzen Kirche drunter und drüber. Wenn er auch bisher ein Leben nicht nur ohne Gesetz, sondern auch ohne Vernunft verbracht hat, so musste er doch denken, jetzt müsse er eine andere Lebensweise führen. Aber welche Art, eine Sache zu behandeln? Unverschämteres ward nie gehört. Damit ja deutlich würde, dass er ganz absichtlich uns feindselig bekriege! So groß war die Erregung seines Gehirns, so wild sein Geschrei, so bitter seine Worte! Zuerst reiste Viret wieder heim. Da er aber nichts ausrichtete, eilte auch ich auf Wunsch der Brüder hin. Frech schlug Caroli es stets ab, vor Euren Gesandten über sein Tun Rechenschaft abzulegen. Unsere Bemühung, ihn dazu aufzufordern, beschuldigte er als frevelhafte Verschwörung zu seinem Sturz. Obwohl es doch sicherer als sicher war, dass ich nie die geringste Feindschaft mit ihm gehabt, Farel und Viret aber immer nur seiner unreinen Sitten wegen gegen ihn aufgebracht waren. Nun wies ihm aber Viret alle Ränke und Verleumdungen dieser Art so geschickt zurück, dass er, in dieser Beziehung deutlich überführt, gefangen war. Um uns nun doch in einer Sache überlegen zu sein, bezichtigte er uns alle miteinander des Arianismus. Ich stand sofort auf und trug das Bekenntnis aus unserm Katechismus vor, das in dem offiziellen Schreiben an Euer Kollegium zitiert ist. Er gab sich aber damit nicht zufrieden, sondern erklärte, wir blieben ihm verdächtig, bis wir das Glaubensbekenntnis des Athanasius unterzeichnet hätten. Ich antwortete, es sei meine Gewohnheit, nichts Anderes für Gottes Wort zu achten, als was wirklich solches Gewicht habe. Nun musste ich aber die Wut des Ungeheuers kennen lernen. In tragischem Ton rief er: Das ist ein Wort, unwürdig eines Christen! Die Gesandten sagten, es sei eine Synode notwendig, um die Dinge zu besprechen, und nahmen es auf sich, eine solche zu veranlassen. Ich kann mit Worten nicht darstellen, und du kannst dirs nicht ausdenken, welche Gefahr der Kirche droht, wenn mans länger hinausschiebt. Wir glaubten deshalb nicht abwarten zu dürfen, bis die Gesandten Wort hielten, sondern hielten es für besser, die Aufgabe dir und deinen Kollegen zu überweisen. In diesem Sinn wurde ein offizielles Schreiben an Euer Kollegium gerichtet. Dich aber, trefflichster Bruder, der du in der Sache am meisten Einfluss hast und nach deiner Fähigkeit vor Andern mithelfen solltest, glaubte ich besonders bitten zu sollen, du mögest dich ernstlich dieser Sache widmen. Du glaubst kaum, wie sehr durch diesen einen Schlag die bisher gelegten Fundamente erschüttert sind, da die Unwissenden hören, wir seien uneins in der Lehre, und es ist unzweifelhaft, dass bald noch Schlimmeres folgt, wenn wir nicht gleich auf Heilung sinnen. Schon mussten sich einige von uns Schwindler nennen lassen, weil sie die Fürbitte für die Toten nicht mit Stillschweigen übergingen, sondern bestimmt bestritten. Schon wird uns von den Bauern vorgehalten, wir sollten zuerst einmal unter uns gleicher Gesinnung sein, ehe wir suchten, Andere für unsere Meinung zu gewinnen. Nun rechne selbst aus, was aus solchen Vorspielen herauskommen kann. Der Makel darf weiterhin nicht länger auf uns haften bleiben, den uns dieser Verleumder anhängte, damit nicht zugleich das ganze Evangelium durch die Schmähungen der Gottlosen heruntergerissen wird. Es muss deshalb dafür gesorgt werden, dass alle Pfarrer französischer Zunge, die unter der Herrschaft Eurer Republik stehen, zu seiner Synode versammelt werden, auf der alle Streitigkeiten dieser Art zum Austrag gebracht werden können. Und zwar schleunigst, und wenns irgendwie erreichbar ist, noch vor Ostern. Es gibt nämlich noch allerlei andere Dinge, deren Besprechung vor diesem Fest nützlich wäre. Wir hören nämlich, dass Einige so etwas vom brotwerdenden Leib Christi munkeln. Solcher Kühnheit sollte man zeitig entgegentreten. Du wirst, fromm und klug wie du bist, schon sorgen, dass du uns in einer so wichtigen Frage nicht fehlst, und vor allem zu Stande bringst, dass man uns nicht bis Ostern vertröstet. Dein Zeremonienbüchlein, das Maurus in unserm Auftrag übersetzt hat, haben wir mit unserm verglichen, von dem es in nichts als im Umfang abweicht. Ich habe es neulich nach Lausanne mitgenommen, da ich dachte, ich würde wohl noch nach Bern reisen. Nun scheints mir besser, den Synodaltag abzuwarten, an dem wir es mit Muße besprechen können. Scheue, bitte, die Mühe nicht, mir darüber und über die Ankündigung der Synode zu schreiben, an der teilzunehmen sich auch die Unsern nicht weigern werden.

[Februar 1537].
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 21.08.2009 08:41

Der Mensch
Calvin, Jean

Mit gutem Grunde legt ein altes Sprichwort dem Menschen ans Herz: „Erkenne dich selbst.“ Gilt es schon als schimpflich, nicht zu wissen, wie man sein Leben vernünftig einrichtet, so ist es noch viel häßlicher, wenn man sich selbst nicht kennt: denn diese Unkenntnis raubt uns für unsere Entschlüsse auf dem allerwichtigsten Gebiete das klare Urteil und macht uns gänzlich blind. Wir müssen uns aber hüten, diese alte nützliche Anweisung nicht zu mißbrauchen, wie dies viele Philosophen getan haben. Sie wendeten die Mahnung zur Selbsterkenntnis dahin, daß der Mensch sich über seine Würde und Herrlichkeit wohl unterrichten solle. Sie leiteten ihn zu einer Selbstbespiegelung an, die ihn aufgeblasen, stolz und voll leeren Selbstvertrauens machen mußte. Tatsächlich kommen für die Selbsterkenntnis zwei Stücke in Betracht:

Erstlich sollen wir uns vor Augen stellen, was uns bei der Schöpfung gegeben ward, und wie Gott noch immer seine Gnade freundlich über uns walten laßt. Dabei kann uns freilich nicht entgehen, wie erhaben unsre Natur angelegt war - wenn sie nur in ihrem unversehrten Stande geblieben wäre. Und doch müssen wir uns zugleich sagen, daß wir nichts Eignes haben, sondern nur entlehnen, was Gott uns gibt, so daß wir immer von ihm abhängig bleiben. Zweitens stoßen wir auf unsere jämmerliche Verfassung nach Adams Fall. Die Empfindung, die uns dabei aufsteigt, kann nur demütigende Scham sein, bei der uns das Rühmen und Selbstvertrauen vergeht. Denn wenn uns Gott im Anfang nach seinem Bilde geschaffen hat, um unser Dichten und Trachten nicht bloß mit irdischer Sittlichkeit, sondern auch mit dem Ausblick auf das ewige Leben zu beschäftigen, so gilt es - wenn anders wir uns wirklich unseres edlen Vorzugs vor den unvernünftigen Kreaturen bewußt bleiben wollen -~, vor allen Dingen dies festzuhalten, daß wir mit Vernunft und Verstand begabt wurden, damit wir durch einen heiligen und sittlichen Wandel dem Ziel der seligen Unsterblichkeit stets näher kommen. Sobald wir uns aber diese ursprüngliche Würdestellung vorhalten, fällt unwillkürlich unser Blick auch auf die trostlose Verschmutzung und Schande, in die uns der Fall des ersten Menschen gestürzt hat. So lernen wir, uns selbst zu hassen und in wahrer Demut ein Mißfallen an uns selbst zu haben. Und dies gibt uns einen neuen Antrieb, nach Gott zu fragen, in dessen Gemeinschaft ein jeglicher die Güter wiedergewinnen soll, von denen er sich sagen muß, daß sie ihm gänzlich verlorengingen und fehlen.

Die von Augustin stammende verbreitete Meinung, daß die natürlichen Gaben des Menschen durch die Sünde verderbt, die übernatürlichen verloren wurden, mochte ich durchaus billigen. Unter den übernatürlichen Gaben versteht man das Licht des Glaubens sowie eine solche Gerechtigkeit, die zum Erwerb des himmlischen Lebens und des ewigen Glücks ausgereicht hätte. lndem der Mensch sich von der Herrschaft Gottes lossagte, wurde er zugleich dieser geistlichen Gaben beraubt, die für ihn die Hoffnung auf ewiges Heil bedeuteten.

Jetzt ist er also von Gottes Reich so fern, daß alles, was auf ein seliges Leben der Seele zielt, in ihm ausgelöscht ward, bis es durch die Gnadengabe der Wiedergeburt ihm neu geschenkt wird. Diese Güter sind: Glaube, Liebe zu Gott und den Nächsten, ernstes Streben nach Heiligkeit und Gerechtigkeit. Sie sind, sofern Christus sie uns wiederbringt, Zugaben zu unserer Natur: wir schätzen sie also als übernatürliche Güter ein, die durch den Fall verloren wurden. Daneben kam uns die Gesundheit unseres Denkens und die rechte Richtung des Herzens abhanden: in diesem Letzteren sehen wir die Verderbnis der natürlichen Gaben. Denn wenn auch noch etwas von Denk- und Urteilskraft samt dem Willen in uns bleibt, so können wir diese geschwächte und von mancherlei Finsternis umhüllte Denkkraft doch nicht für gesund und unversehrt erklären und wie verkehrt unser Wille ist, wissen wir nur zu gut Wenn also der Verstand, vermöge dessen der Mensch zwischen gut und böse unterscheidet und andere Urteile fällt zur Ausrüstung der Menschennatur gehört, so konnte er nicht gänzlich verlorengehen; aber er wurde teils geschwächt, teils ,verfälscht, so daß man nur noch ungestaltete Ruinen sieht… Auch der Wille, der eine notwendige Ausrüstung der Menschennatur ist, ging nicht verloren. Aber er wurde durch sündhafte Begierden gefesselt, so daß er nichts Rechtes mehr begehren kann.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Über die Taufe

Beitragvon Joschie » 22.08.2009 08:17

Institutio IV, Kapitel XV
Die Taufe ist ein Zeichen der Einweihung durch das wir in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen werden und dient, nach dem Willen Gottes, zwei Zwecken, nämlich denen, dass wir unseren Glauben:

1.vor Gott, und
2.vor den Menschen
bekennen. Die Taufe ist nämlich ein Zeichen, mit dem öffentlich bekennen, dass wir zum Volk Gottes gehören wollen, dass wir mit allen Christen zur Verehrung des einen Gottes und zu einer Religion in Eintracht verbunden sind. Dazu müssen wir sie aus der Hand ihres Gebers nehmen und die Gewissheit haben, dass er es ist, der durch das Zeichen zu uns redet, dass er es ist, der uns von unseren Sünden reinigt und die Erinnerung an unsere Schuld austilgt, und dass er es ist, der uns an seinem (Christi) Tod teilhaben lässt. Er ist es auch, der dem Satan das Reich wegnimmt und der mit uns in eins zusammenwächst, so dass wir als Kinder Gottes gelten.

Darüber hinaus leistet die Taufe einen dreifachen Dienst.
Sie soll uns eine Erinnerung und ein Beweis Gottes unserer Reinigung von den Sünden sein, und dass alle unsere Sünden, auch die nachfolgenden, für immer ausgetilgt sind.
Sie zeigt uns unsere Abtötung in Christus und das neue Leben in ihm.
Sie bezeugt uns, dass wir Christus geeint sind, auf dass wir an allen seinen Gütern teilhaben.
Reinigung von den Sünden
So ist es also zu verstehen wenn Paulus meint, Christus sei „reinigend durch das Wasserbad im Wort” (Epheser 5:26) oder wenn es heisst: „errettete er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit [vollbracht], wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes.” (Titus 3:5). Denn unsere Errettung ist nicht durch das Wasser an sich, schon gar nicht hat das Wasser die Kraft, uns die Wiedergeburt zu verschaffen! Allein das Evangelium verkündet uns die Botschaft von unserer Reinigung, allein der Glaube an Christus als den Erlöser kann errettet – durch die Taufe wird dieses Zeugnis dann schlussendlich versiegelt. Denn auch Petrus sagt, die Taufe sei nicht die Ablegung der Unreinheit des Fleisches, sondern ein gutes Gewissen vor Gott (1. Petrus 3:21), dieses geht aber folgt aus dem Glauben [Anm.: Dieser Vers wurde unterschiedlich übersetzt, entweder als "Bund eines guten Gewissens" (Luther), "Antwort eines guten Gewissens" (King James, Schlachter) oder eben als "Bitte um ein gutes Gewissen" (Elberfelder). Einmal folgt die Taufe also auf ein gutes Gewissen, ein andermal geht sie ihr voraus. Da ich kein Griechisch kann, schliesse ich mich hier der Mehrheit der Übersetzungen an, bin aber für erklärende Hilfe sehr dankbar.]

Abtötung und neues Leben
„Oder wißt ihr nicht, daß wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.” (Römer 6:3-4). Mit diesen Worten sagt uns der Apostel quasi, würden durch die Taufe dazu ermuntert, nach dem Vorbild des Sterbens Christi für unsere Begierden zu sterben, also tot für sie zu sein, auf dass sie keine Wirkung mehr auf uns haben. Sind wir Christen, so müssen wir auch der Sünde „gestorben sein” und „der Gerechtigkeit leben” (Römer 6:11).

Einigung in Christus
Christus hat sich selbst taufen lassen, dass sie nun das festeste Band der Gemeinschaft zwischen uns und ihm sei. So sagt auch Paulus, dass wir in der Taufe „Christus angezogen” haben und nun Gottes Kinder sind (Galater 3:26-27).

Ursache unserer Reinigung und unserer Wiedergeburt ist Gott der Vater, ihr Wirkgrund ist in Christus und ihre Wirkung ist im Heiligen Geist. So hat zuerst Johannes, später auch die Apostel mit der „Taufe der Busse zur Vergebung der Sünden” getauft (Matthäus 3:6.11; Lukas 3:3.16; Johannes 3:23; 4:1; Apostelgeschichte 2:38.41).

Gibt es nun aber einen Unterschied zwischen der Taufe des Johannes und der Taufe der Apostel? Wer danach fragt, wird keinen anderen finden als den, dass Johannes auf den taufte, der da kommen sollte, die Apostel hingegen auf den, der sich bereits offenbart hatte (Lukas 3:16; Apostelgeschichte 19:4).

Und was hat es nun zu bedeuten, wenn Johannes sagte, er taufe zwar mit Wasser, Christus aber werde mit dem Heiligen Geist und Feuer taufen (Matthäus 3:11)? Die Antwort ist, dass er sich verglich mit Christus verglich und darlegte, wie er seinen Dienst mit Wasser tat, Christus dagegen der Geber des Heiligen Geistes war.

Streitpunkte mit Anabaptisten
Was antwortet man einem, der meint, unsere Taufe sei ohne Gültigkeit, da sie nur dann gilt, wenn Wort und Verheissung im Glauben angenommen werden? Calvin schreibt hierzu:

Wir waren [zum Zeitpunkt unserer Taufe] allerdings blind und ungläubig und haben lange Zeit hindurch die Verheissung, die uns in der Taufe gegeben war, nicht festgehalten. Die Verheissung selbst aber war von Gott und ist deshalb allezeit unerschüttert, fest und wahrhaftig geblieben. Denn obwohl alle Menschen lügenhaft und treubrüchig sind, so hört doch Gott nicht auf, wahrhaftig zu sein (Römer 3:3-4).

Und wie ist es mit den Leuten, die Paulus wiedergetauft hat, die die Taufe des Johannes schon einmal empfangen hatten (Apostelgeschichte 19:3-5)? Nun, was bedeuten denn die Worte: „Als sie es aber gehört hatten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen” (Apostelgeschichte 19:5)? Wohl doch nicht mehr, als dass sie durch Auflegung der Hände die Taufe des Heiligen Geistes, das heisst die sichtbaren Gnadengaben des Geistes, erhielten. Es ist ja nichts besonderes, dass diese Gaben mit dem Namen „Taufe” bezeichnet werden (Apostelgeschichte 1:5; 11:16). Da passt dann auch, dass Paulus ihnen die Hände auflegt und der Heilige Geist auf sie kommt (Apostelgeschichte 19:6).

Taufmodus
Es ist macht keinen Unterschied, ob der Täufling ganz untergetaucht wird, ob das einmal oder dreimal geschieht, oder ob man ihn bloss mit Wasser übergiesst und damit besprenkelt. Dass muss, so Calvin, nach der der Verschiedenheit der Länder den Kirchen freistehen. Allerdings bedeutet das Wort „taufen” an sich soviel wie „untertauchen”. Desweiteren steht fest, dass die Alte Kirche am Brauch des Untertauchens festgehalten hat.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 23.08.2009 08:41

Zeugnis des Geistes über das Wort
Calvin, Jean

Obwohl die Heilige Schrift durch ihre eigene Majestät unsere Ehrerbietung fordert, so ergreift sie uns doch erst dann völlig, wenn sie durch den Geist in unseren Herzen versiegelt ist. Wenn wir von seiner Kraft erleuchtet sind, glauben wir nicht mehr auf Grund unserer oder anderer Urteile, daß die Schrift von Gott ist; sondern, erhaben über menschliche Urteile, behaupten wir es mit vollkommener Gewißheit, daß wir nichts anderes als Gottes Antlitz in ihr ansehen und daß sie aus Gottes Mund durch den Dienst der Menschen zu uns gekommen sei. Nicht Beweise, nicht Wahrscheinlichkeit suchen wir, um darauf unser Urteil zu gründen, sondern wir unterwerfen unser Urteil und unseren Verstand der Wahrheit als einer unbezweifelbaren Tatsache. Es ist nicht so, als ob wir es so machten, daß wir etwas Unbekanntes zunächst kritiklos hinnähmen und es dann hinterher erst prüften und dann wieder verwerfen; wir sind uns vielmehr des Besitzes der unbestreitbaren Wahrheit deutlich bewußt. Auch machen wir es nicht wie jene elenden Menschen, die ihre Seele dem Aberglauben deutlich gefangen geben, sondern wir fühlen, daß in dem Wort Gottes eine unbezweifelbare göttliche Kraft wirkt und waltet und daß wir durch sie mit Wissen und Willen - aber lebendiger und kräftiger als durch menschliches Wissen und Wollen, angezogen und entflammt werden. Daher ruft der Herr mit vollem Recht durch Jesaja, die Propheten und das Volk seien seine Zeugen, weil sie, durch Weissagungen belehrt, nicht daran zweifelten, daß Gott ohne Trug und Zweideutigkeit zu ihnen geredet habe. Es handelt sich also um eine solche Überzeugung, die keine Gründe fordert, eine Erkenntnis, die auf dem besten Grund beruht, bei dem sich die Seele sicherer und fester gewinnen läßt als bei irgendwelchen anderen Gründen; kurz, es ist eine solche Überzeugung, die nur aus einer himmlischen Offenbarung entsprungen sein kann.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 24.08.2009 07:53

Von der letzten Auferstehung
Institutio III, Kapitel XXV

Gewiss hat Christus den Tod besiegt und uns durch die Erleuchtung mit dem Evangelium das „Leben ans Licht gebracht”, wie Paulus im 2. Timotheus 1:10 bezeugt. Deshalb heißt es ja auch, dass wir durch den Glauben „vom Tode zum Leben durchgedrungen” sind (Johannes 5:24). Doch damit uns unsere weltliche Reise nun nicht beschwerlich fällt, betont Calvin das Wesen der Hoffnung. Denn wir richten unsere Hoffnung ja auf das, „was wir nicht sehen” (Römer 8:25), und der Glaube ist, wie es an anderer Stelle heißt, ein Nichtzweifeln unsichtbarer Dinge (Hebräer 11:1). Solange wir also, um in den Worten Calvins zu bleiben, in den Kerker unseres Fleisches eingesperrt sind, „wandeln wir ferne vom Herrn” (2. Korinther 5:6). Aus diesem Grund sagt Paulus an anderer Stelle: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit.” (Kolosser 3:3-4). Das ist nun also unser Stand, dass wir „züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes, Jesu Christi,” (Titus 2:12-13).
Und um uns noch schärfer anzuspornen, nennt Paulus Christi zweites Kommen „unsere Erlösung” (Römer 8:23). Es ist natürlich richtig, dass unsere Auferstehung bereits vollkommen erfüllt ist, aber weil Christus einmal für die Sünden geopfert ist (Hebräer 10:12), so wird er ein anderes Mal, jenen, die auf ihn warten, ohne Sünde zur Seligkeit erscheinen (Hebräer 9:28). Was uns auch für Sorgen belasten mögen, so soll uns doch diese Erlösung bis zu ihrer (sichtbaren) Auswirkung aufrechterhalten.
Damit sich nun keine Frage hinsichtlich der Auferstehung Christi überbleibt, wollen wir jetzt einmal sehen, was die Schrift genau dazu sagt. Doch zuvor noch erst noch eines der zynischen Kommentare Calvins, die uns zeigen, dass er vor fast 500 Jahren mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, wir wir heute:

Naseweise Leute werden die von den Evangelisten berichteten Geschichten wie ein Kindermärchen verlachen. Denn was soll auch eine Botschaft für Bedeutung haben, die erschrockene Weiber überbringen und die dann von fast verzagten Jüngern bestätigt wird? Warum hat Christus nicht lieber mitten im Tempel oder auf dem Markte die herrlichen Trophäen seines Sieges aufgerichtet? Warum trat er nicht in grausiger Erscheinung dem Pilatus entgegen? Weshalb erweist er sich nicht den Priestern und dem ganzen Jerusalem als der, der wieder zum Leben gekommen ist?

Wie kann uns die Glaubwürdigkeit der Jünger Christi nur zweifelhaft sein, wo sie doch das, was sie von den Frauen hörten, für eine erfundene Geschichte hielten, bis sie sich selbst greifbar von der Tatsache überzeugen konnten? Das Grab Jesu wird versiegelt, Wächter halten die Wache – und am dritten Tage findet man keinen Leichnam mehr drin (Matthäus 27:66; 28:11). Da besticht man die Kriegsknechte mit Geld und nun verbreiten sie das Gerücht, die Jünger hätten Jesu Leichnam gestohlen (Matthäus 28:13.15). Als ob die Jünger das Geld gehabt hätten, eine Schar von Kriegsknechten zusammenzubringen oder als ob ihnen Waffen zur Verfügung gestanden hätten! Indessen erschallte die Stimme der Engel: „Er ist nicht hier; er ist auferstanden.” (Lukas 24:6). Später aber machte Christus selbst allem Zweifel, der noch bestehen mochte, ein Ende (Lukas 24:38). Mehr als einmal haben ihn die Jünger gesehen, auch seine Füße und Hände haben sie betastet (Lukas 24:40; Johannes 20:27), und ihr Unglaube hat dazu sogar dazu gedient, unseren Glauben zu stärken. In ihrem Kreis redete Christus von den Geheimnissen des Reiches Gottes, und schließlich ist er vor ihren Augen in den Himmel aufgestiegen (Apostelgeschichte 1:3.9). Aber das ganze wurde ja nicht nur von den elf Aposteln gesehen, sondern er ist auch von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal gesehen worden (1. Korinther 15:6). Nun sandte er ihnen den Heiligen Geist und gab dadurch nicht nur einen Beweis, dass er lebte, sondern auch, dass er die höchste Herrschaft innehält.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 25.08.2009 07:55

Der Mensch ist jetzt des freien Willens beraubt und elender Knechtschaft unterworfen
Institutio II, Kapitel II

Unter den damaligen Gelehrten unterschied man zwischen drei Formen der Freiheit:

die Freiheit von der Notwendigkeit
die Freiheit von der Sünde
die Freiheit vom Elend.
Die erste scheint untrennbar mit dem Wesen des Menschen verbunden, die beiden anderen dagegen durch die Sünde verloren. Es wird dabei „Notwendigkeit” verkehrterweise mit „Zwang” ver­wechselt – und es wird an anderer Stelle deutlich werden, wie tief der Unterschied zwischen diesen beiden ist und wie notwendig es ist, ihn zu beachten. Wird das angenommen, so steht außer Frage, dass der Mensch keinen „freien Willen” hat der ihm zu guten Werken verhelfen könnte, sofern ihm nicht die Gnade Gottes beisteht – und zwar eben die „besondere” Gnade, welche allein die Auserwählten durch die Wiedergeburt empfangen.

Wie wagen es doch jämmerliche Menschen, hochmütig vom freien Willen zu reden, ehe sie überhaupt frei gemacht sind, oder von ihren Kräften, ehe sie zur Freiheit gelangt sind? Sie beachten gar nicht, daß schon in dem Wort ‚freier Wille’ die ‚Freiheit’ besonders hervorklingt. Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit! (2. Korinther 3:17).

Dabei verlangt Calvin doch nicht, dass sich der Mensch ohne Überzeugung grundlos erniedrige!

Der Mensch ist ein von Natur auf Gemeinschaft angelegtes Wesen und neigt daher durch natürlichen Trieb dazu, diese Gemeinschaft zu erhalten und zu fördern. Deshalb be­merkt man auch, dass allgemeine Empfindungen für eine gewisse bürgerliche Ordnung in allen Menschen anzutreffen ist. Daher ist auch kein Mensch zu finden, der nicht versteht, dass jede menschliche Gemeinschaft durch Gesetze zusammengehalten werden muss (mit Ausnahme von linken und rechten Anarchisten). Daher kommt auch jene immerwährende grobe Übereinstimmung aller Völker hinsichtlich der Gesetze, ‘denn die Samenkörner dazu sind in alle Menschen ohne Lehrmeister und Gesetzgeber hineingesät’.

Ich will mich nicht damit aufhalten, auf den Zwiespalt und Streit einzugehen, der sich bald erhebt, wenn die einen alles menschliche und göttliche Recht umzustürzen, alle Schran­ken des Gesetzes zu zerbrechen und der Begierde allein nach ihrem eigenen Recht freien Lauf zu lassen begehren wie Diebe und Räuber, oder wenn andere, was ein allzu verbreitetes Übel ist, für Unrecht erklären, was andere Leute als Recht festgestellt haben, oder für löblich, was jene verbieten! Denn der Haß solcher Leute gegen die Gesetze hat nicht darin seinen Grund, daß sie etwa nicht wüßten, daß sie gut und heilig sind; sondern sie wüten in wilder Gier, kämpfen gegen die klar erkannte Ver­nunft und verabscheuen in ihrer Lust, was sie mit der Kraft ihres eigenen Ver­standes billigen! Dieser letztgeschilderte Streit ist so geartet, daß er jenes ursprüng­liche Bewußtsein um das Recht nicht auflöst. Im Gegenteil: Wenn die Menschen über einige Stücke der Gesetze im Streit liegen, so besteht doch hinsichtlich des we­sentlichen Bestandes des Rechts Übereinstimmung. Freilich erweist sich dabei die Un­zulänglichkeit des Menschengeistes: auch wo er dem rechten Wege zu folgen scheint, gerät er ins Stolpern und Schwanken!

Trotzdem bleibt es bei der Feststellung: allen Menschen ist gewissermaßen die Idee der Ordnung der weltlichen Regierung ins Herz gelegt. Und dies ist ein starker Beweis dafür, dass in der Führung des Lebens auf Erden kein Mensch gänzlich ohne Vernunft ist.

Auch die Gelehrten geben zu, dass der freie Wille nur da tätig wird, wo die Vernunft entgegengesetzten Möglichkeiten gegenübersteht. Das bedeutet, der Gegenstand unseres Begehrens muss der Entscheidung unterliegen, und dieser Entscheidung muss eine Überlegung vorausgehen. Betrachtet man nun jenes natürliche Streben zum „Gu­ten” im Menschen näher, so findet man auch, dass er es mit Tieren gemein­sam hat. Denn auch diese haben den Trieb, es sich gut gehen zu lassen. Und wo ihnen der Anschein des Guten begegnet, da folgen sie ihm. Der Mensch dagegen erwählt mit seiner Vernunft nicht das, was wirklich gut für ihn ist und der Würde seiner unsterblichen Natur entspräche, sondern er folgt wie die Tiere ohne Vernunft, ohne rechten Plan der natürlichen Neigung – dem Trieb. Die Frage ob der Mensch vom natürlichen Empfinden dazu gebracht wird das Gute zu begehren, hat also nichts mit dem freien Willen zu tun! Vielmehr er­fordert der freie Wille, dass er aufgrund von vernünftiger Überlegung das Gute erkennt, sich für das richtig Erkannte entscheidet und diese Entscheidung auch ausführt.

Damit nun bei keinem Leser ein Zweifel bleibe, ist ein doppeltes Mißverständ­nis zu beachten. Denn einerseits bedeutet oben „Begehren” nicht eine eigentliche Regung des Willens, sondern einen natürlichen Trieb, und anderseits bezeichnet das „Gute” nicht etwas, das mit Tugend und Gerechtigkeit zu tun hätte, sondern einen bloßen Zustand, nämlich: das Wohlsein des Menschen! Und dann: mag der Mensch das „Gute” auch noch so sehr zu erreichen wünschen, er geht ihm doch nicht nach; ebenso wie jedermann die ewige Seligkeit für etwas Schönes hält und doch ohne Antrieb des Geistes niemand sich recht danach ausstreckt.

Was aber, wenn mir ein unbekehrter in dieser humanistischen Welt erzählen mag, dass der Mensch – auch ohne die Gnade – gewisse, wenn auch noch so geringfügige Regungen zum Guten hat? Was soll ich ihm dann sagen? Vielleicht, dass der Apostel uns für unfähig erklärt „etwas zu denken als von uns selber” (2. Korinther 3:5)? Soll ich ihm mit Mose Worten antworten, alles Dichten und Trachten des menschlichen Herzens sei immer nur böse (Genesis 8:21)? Wir halten uns lieber an Christi eigenes Wort: „Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht” (Johannes 8:34). Und Sünder sind wir seit dem Fall alle von Natur! Ist aber der ganze Mensch der Herrschaft der Sünde unterworfen, so ist schlussfolglich auch der Wille ‘mit härtesten Fesseln gebunden’. Natürlich beten Gläubige dafür, dass der HERR ihr Herz zum Gehorsam gegenüber seinen Gesetzen be­reitet möge, wie es auch David tut. Aber bedenken wir dabei doch, dass selbst der Wunsch zu beten von Gott kommt!
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 26.08.2009 07:51

Der Schutzengel der Gläubigen
Calvin, Jean

Ob einzelnen Gläubigen besondere Engel zum Schutz gegeben sind, wage ich nicht zu entscheiden. Wenn Daniel von einem Engel der Perser und Griechen redet, so deutet er an, daß den Reichen und Provinzen gewisse Engel, gleichsam als Vorgesetzte, bestimmt sind. Auch Christus deutet, wenn er sagt, daß die Engel der Kinder immer das Antlitz des Vaters sehen, an, daß deren Wohl gewissen Engeln anvertraut ist. Aber ich weiß nicht, ob man daraus schließen darf, daß jeder Mensch seinen Engel hat. Als sicher dürfen wir dagegen annehmen, daß unser Heil nicht bloß einem Engel am Herzen liegt, sondern daß alle gleichmäßig um unser Wohl besorgt sind. Denn von allen Engeln wird zugleich gesagt, daß sie sich freuen über einen Sünder, der Buße tut. Auch wird von mehreren Engeln gesagt, daß sie die Seele des Lazarus in Abrahams Schoß trugen. Und nicht ohne Grund zeigt Elisa seinem Diener so viele feurige Wagen, die doch hauptsächlich für ihn bestimmt waren. Noch deutlicher erscheint die Stelle Apostelgeschichte 12,15. Als Petrus, aus dem Kerker gerettet, an die Türe des Hauses geklopft hatte, wo die Brüder versammelt waren, sagten sie, es sei sein Engel. Dies schien ihnen in den Sinn gekommen zu sein, weil sie der allgemeinen Meinung folgten. Doch läßt sich hierauf erwidern, daß damit nicht gesagt sein müsse, daß dieser Engel der ständige H+ter Petri gewesen sei; es konnte ja auch ein Engel gewesen sein, dem der Herr in diesem Fall den Schutz des Petrus aufgetragen hatte.

Es lohnt aber auch nicht der Mühe, darüber ängstlich nachzusinnen, was zu wissen uns doch wenig nützen kann. Wenn es jemandem nicht genügt, daß das ganze himmlische Heer für unser Heil wacht, so sehe ich nicht ein, was er davon hat, zu wissen, daß einem jeden sein besonderer Engel zugeordnet ist. Wenn aber viele die Obhut, die Gott uns zuteil werden läßt, auf einen einzigen Engel beschränken, tun sie sich selbst und allen Gläubigen großes Unrecht. Nicht umsonst sind uns jene hilfreichen Scharen verheißen, von denen wir uns beschirmt und umgeben wissen und daher um so mutiger kämpfen sollen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 27.08.2009 07:42

Gegen Aberglauben
Calvin, Jean

Diejenigen, welche Rosenkränze und Bilder haben und anbeten, sollen vor das Konsistorium geschickt werden und außer der Verwarnung, die ihnen da erteilt wird, vor die Herren (Rat) geschickt werden; desgleichen Wallfahrer. Wer die päpstlichen Feste beobachtet, soll nur vermahnt werden. Wer an der Messe teilnimmt, soll außer der Ermahnung vor die Herren geführt werden. Hierüber werden die Herren Anweisung haben, sie gefänglich oder anders zu bestrafen.

Wenn jemand trunken gefunden wird, soll er das erstemal 3 Sols zahlen und vor das Konsistorium kommen, das zweitemal soll er 5 Sols zahlen, das drittemal 10 Sols und ins Gefängnis gelegt werden. Wer unanständige Lieder singt oder tanzt, soll 3 Tage Gefängnis erhalten und dann vors Konsistorium geschickt werden.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 28.08.2009 08:28

Aus der Genfer Kirchenordnung 1541
Calvin, Jean

Es gibt vier Arten von Ämtern, die unser Herr zur Verwaltung seiner Kirche eingesetzt hat: erstens die Pastoren, zweitens die Lehrer, drittens die Ältesten, viertens die Diakonen. Wenn wir eine gut geordnete Kirche haben und sie instand halten wollen, müssen wir diese Form der Verwaltung beibehalten.

Das Amt der Pastoren ist es, das Wort Gottes zu verkündigen, um zu lehren, zu ermahnen und zu tadeln, öffentlich und von Mensch zu Mensch, die Sakramente zu verwalten und zusammen mit den Ältesten die brüderliche Zucht zu handhaben …

Für die Einsetzung der Pfarrer wird man gut tun, dem Brauch der alten Kirche zu folgen; denn es ist nur die Anwendung dessen, was uns in der Schrift angezeigt ist. Danach wählen zuerst die Pfarrer denjenigen aus, der in das Amt eingesetzt werden soll. Sodann wird er dem Rat vorgestellt. Wenn er für würdig befunden wird, nimmt ihn der Rat an und auf. Schließlich wird er mit einer Predigt dem Volk vorgestellt, damit er aufgenommen wird durch die Zustimmung der Gemeinde der Gläubigen …

Wenn er gewählt ist, soll er in die Hände der Seigneurie einen Eid ablegen. – Es wird nützlich sein, wenn alle Pfarrer, um Reinheit und Eintracht in der Lehre unter sich zu erhalten, wöchentlich an einem bestimmten Tag zusammenkommen, und eine Besprechung über ein biblisches Thema abhalten. Wenn sich Unterschiede in der Lehre zeigen, sollen die Pfarrer den Fall gemeinsam behandeln und den Stoff durchsprechen. Nötigenfalls sollen sie die Ältesten hinzuziehen, damit sie ihnen bei der Beilegung des Streits helfen. Wenn sie wegen der Hartnäckigkeit einer der Parteien zu einer friedlichen Einigung nicht kommen können, soll schließlich die Sache dem Magistrat übergeben werden, damit er sie in Ordnung bringe. – Um alle Ärgernisse zu vermeiden, die ein schlechter Lebenswandel bieten kann, muss man eine Zucht haben, der sich alle unterwerfen. Sie wird zur Folge haben, dass der Pfarrerstand geachtet bleibt und dass nicht durch den schlechten Ruf der Pfarrer das Wort Gottes in Unehre oder Verachtung fällt. Denn ebenso, wie man denjenigen bestrafen wird, der es verdient hat, so wird man auch gegen Verleumdungen auftreten können, die ungerechter Weise gegen Unschuldige erhoben werden. Zuerst ist zu merken, dass es Vergehen gibt, die bei einem Pfarrer ganz und gar unerträglich sind, und außerdem Fehler, die man im übrigen ertragen kann, die nur eine brüderliche Zurechtweisung nötig machen.

Es werden einige Beispiele für jede der beiden Klassen angeführt:

Wenn ein Pfarrer eines Vergehens, das man auf keine Weise ertragen kann, gerüchteweise bezichtigt wird, so muss die Versammlung der ‚Pfarrer und Ältesten Nachforschungen anstellen, nach dem Befund ein Urteil sprechen und dieses dem Magistrat mitteilen, damit der Schuldige nötigenfalls abgesetzt wird. Handelt es sich um geringere Fehler, gegen die man mit einer einfachen Ermahnung vorgehen darf, so soll man dabei verfahren nach der Anordnung unseres Herrn, so dass die letzte Instanz das Urteil der Gemeinde ist.

Das eigentliche Amt der Lehrer ist es, die Gläubigen in der reinen Lehre zu unterrichten, damit die Reinheit des Evangeliums nicht durch Unwissenheit oder falsche Meinungen verdorben werde. Wie jedoch jetzt die Dinge liegen, verstehen wir unter diesem Titel die Lehreinrichtungen, die dazu dienen, die Lehren von Gott zu erhalten, und es verhüten sollen, dass die Kirche aus Mangel an Pfarrern verödet, also, um ein leichter verständliches Wort zu gebrauchen, die Schulordnung.

Im Folgenden werden eine evangelische Fakultät mit Lehrstühlen für Neues und Altes Testament und Gymnasien zur Vorbereitung der Kinder auf das Pfarramt und den Dienst in der weltlichen Verwaltung gefordert.

Auch die Lehrer sollen derselben kirchlichen Zucht unterworfen sein, wie die Pfarrer. Andere Schulen für die Kinder soll es in der Stadt nicht geben, nur die Mädchen sollen ihre besondere Schule haben, wie bisher. Keiner soll als Lehrer angestellt werden, wenn er nicht durch die Pfarrer bestätigt ist.

Das Amt des Ältesten ist es, Obacht zu geben auf den Lebenswandel eines jeden. Wen sie straucheln oder einen unordentlichen Wandel führen sehen, den sollen sie in Liebe mahnen. Wo es nötig ist, sollen sie Bericht erstatten an das Pfarrkollegium, das die brüderliche Zucht zu handhaben hat und sie mit ihm zusammen ausüben. – Der städtischen Verfassung entsprechen wird es sich empfehlen, zu diesem Amt der Ältesten auszuwählen zwei aus dem engeren Rat, vier aus dem Rat der Sechzig, und sechs aus dem Rat der Zweihundert, Männer von gutem, anständigem Lebenswandel, untadeligem Ruf und erhaben über jedem Verdacht, vor allem gottesfürchtig und klug. Und man wird sie so auswählen müssen, dass in jedem Stadtviertel welche wohnen, damit sie überall ihre Augen haben. – Die Wahl wird am besten so vor sich gehen, dass der engere Rat das Recht bekommt, die Geeignetsten, die man finden kann, zu benennen, und dass er zu diesem Zwecke die Pfarrer vorlädt, um mit ihnen darüber zu beraten. Dann sollen engerer Rat und Pfarrer die von ihnen Benannten dem Rat der Zweihundert vorstellen; er hat sie zu bestätigen. Befindet er sie würdig, so sollen sie einen besonderen Eid ablegen. Am Ende des Jahres, nach der Neuwahl des Rats, sollen sie sich der Seigneurie vorstellen, damit man zusehe, ob sie ihr Amt weiterführen oder ausgewechselt werden sollen. Doch wird es sich empfehlen, sie nicht öfters ohne Grund wechseln zu lassen, wenn sie sich ihrer Pflicht in Treuen entledigt haben [sie in Treue ihre Pflicht erfüllen?].

Diakone hat es in der alten Kirche immer zwei Arten gegeben: Die einen waren beauftragt, die Güter für die Armen -; tägliche Almosen wie ruhenden Besitz -; Renten und Pensionen – in Empfang zu nehmen, zu verteilen und zu verwalten. Die anderen waren eingesetzt unmittelbar zur Kranken- und Armenpflege. Die Zweiteilung behalten wir auch für die Gegenwart bei; denn wir haben Verwalter und Pfleger. – Ihre Wahl soll vor sich gehen wie die der Ältesten.

Die Pfarrer sollen ihrerseits sorgfältig Nachfrage halten, ob (im Hospital) irgend etwas mangelt, um dann die Seigneurie zu bitten, Abhilfe zu schaffen. Zu diesem Zweck sollen alle drei Monate einige aus dem Pfarrerkollegium zusammen mit den Verwaltern das Hospital besichtigen, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist. – Es wäre auch gut, wenn sowohl für die Armen im Hospital wie für die in der Stadt, die keine Mittel haben, um sich selbst zu helfen, ein eigener Arzt und ein Wundarzt angestellt würden, die zwar in der Stadt praktizieren dürften, aber gehalten wären, die Hospitalarmen zu behandeln und auch die anderen Kranken zu besuchen. – Um außerdem die Bettelei zu verhindern, welche sich mit einer guten Verwaltung nicht verträgt, haben wir angeordnet, dass einer unserer Polizeibeamten an den Ausgängen der Kirchen Aufstellung nimmt, um die, die dort betteln wollen, vom Platz zu vertreiben. Leisten sie Widerstand oder antworten sie trotzig, so soll er sie vor einen der Herren Syndici führen. Ebenso sollen in der übrigen Zeit die Polizisten Obacht geben, dass das Bettelverbot eingehalten wird.

Am Sonntag, bevor man das Abendmahl feiert, soll es abgekündigt werden, damit kein Kind sich dazu einfinde, das noch nicht das Bekenntnis seines Glaubens abgelegt hat, wie es im Katechismus vorgeschrieben ist. Auch sollen die Fremden und neu Zugezogenen durch die Abkündigung gemahnt werden, sich zuvor der Kirche vorzustellen, um, wenn sie dessen bedürfen, Unterweisung zu empfangen. So soll verhindert werden, dass niemand sich selbst zum Gericht daran teilnimmt.

Die Streitigkeiten in Ehesachen überlassen wir, da sie keine rein geistliche Angelegenheit sind, sondern auch das bürgerliche Recht angehen, den Herren vom Rat. Wir bitten sie aber, ohne Verzug ein Konsistorium zu bilden, das darüber richten soll. Ihm könnten sie, wenn es ihnen gut scheint, einige Pfarrer als Beiräte beigeben. Jedenfalls aber bitten wir sie, Leute abzuordnen, die dafür Anweisungen aufstellen, nach denen man sich künftig richten kann.

Weil viele wenig Eifer zeigen, bei Gottes Wort Trost zu suchen, wenn sie krank sind, und daher ohne Zuspruch und Belehrung sterben, die den Menschen in solcher Lage heilsamer sind als je, so wäre es gut, wenn die Herren vom Rat den Befehl erließen, dass keiner volle drei Tage krank im Bett liegen darf, ohne dass es der Pfarrer erfährt, und dass jeder den Pfarrer rechtzeitig holen lässt, wenn der Kranke nach ihm verlangt. Besonders sind die Verwandten, Freunde und Wärter anzuweisen, dass sie nicht warten, bis der Kranke in den letzten Zügen liegt; denn so im letzten Augenblick nützen in der Regel Tröstungen kaum noch etwas.

Alle Bürger und Einwohner haben ihre Kinder Sonntags um die Mittagsstunde in den Religionsunterricht zu bringen oder zu schicken. – Es soll ein bestimmter Plan aufgestellt werden, nach dem man sie unterrichtet, und neben der Belehrung, die man ihnen gibt, soll man Fragen an sie richten, um zu sehen, ob sie das Besprochene verstanden und behalten haben. Wenn ein Kind hinreichend unterwiesen ist und keinen weiteren Religionsunterricht mehr braucht, so soll es eine kurze Zusammenfassung dessen, was dort behandelt worden ist, feierlich aufsagen. Das soll zugleich ein Bekenntnis seines Christentums sein und vor der versammelten Gemeinde stattfinden. – Bevor das geschehen ist, soll kein Kind zum Empfang des Abendmahls zugelassen werden und man weise die Eltern an, sie nicht vor der Zeit dazu mitzubringen. Denn es ist ein für Kinder und Eltern gleich gefährliches Unternehmen, sie teilnehmen zu lassen, ehe sie gut und ausreichend unterrichtet sind. – Diejenigen, die ihre Kinder nicht zum Unterricht schicken, sollen vor die Versammlung der Ältesten geladen und, wenn sie auf gutes Zureden nicht gehorchen, soll Bericht erstattet werden. – Um zu wissen, welche ihre Pflicht tun und welche nicht, sollen die Ältesten eine Aufsicht ausüben.

Die Ältesten sollen sich einmal wöchentlich, und zwar am Donnerstag morgen, zusammen mit den Pfarrern versammeln, um zuzusehen, ob keine Unregelmäßigkeit in der Gemeinde vorgekommen ist, du um zusammen über Gegenmaßnahmen zu beraten, wenn solche nötig sind. – Da sie keine Zwangsgewalt haben, wollen die Herren vom Rat die Güte haben, ihnen einen ihrer Polizeibeamten zur Seite zu geben, der diejenigen vorlädt, die sie mahnen wollen. – Weigert sich einer böswillig zu erscheinen, so sollen sie den Rat davon benachrichtigen, damit er Abhilfe schaffe.

Wenn einer Anschauungen vertritt, die der allgemein angenommenen Lehre widersprechen, so soll man ihn vorladen und mit ihm verhandeln. Fügt er sich, soll man ihn, ohne Aufsehen zu erregen und ihn bloßzustellen, wieder entlassen. Zeigt er sich hartnäckig, soll man ihn einige Male mahnen, bis man sieht, dass größere Strenge nötig ist; dann soll man ihm die Teilnahme am Abendmahl untersagen und ihn beim Magistrat anzeigen. – Zeigt sich einer nachlässig im Besuch des Gottesdienstes, so dass er deutlich Verachtung gegen die Gemeinde der Gläubigen an den Tag legt, oder setzt sich einer fortgesetzt über die kirchliche Ordnung hinweg, so soll er ermahnt werden. Gehorcht er, soll man ihn in Güte entlassen; bleibt er dabei und wird es schlimmer mit ihm, so soll man ihn nach dreimaliger Ermahnung aus der Kirche ausschließen und ihn anzeigen. – Um Fehler zu verbessern, die einer in seinem Lebenswandel macht, soll man nach der Ordnung unseres Herrn verfahren. Das heißt: Geheime Fehler soll man im Geheimen zu bessern suchen. Keiner darf seinen Nächsten vor der Gemeinde eines Fehlers anklagen, der nicht öffentlich bekannt und ärgerniserregend ist, es sei denn, er habe ihn aufsässig gefunden. Diejenigen, die sich über die privaten Mahnungen ihres Nächsten lustig machen, sollen von neuem durch die Gemeinde gemahnt werden. Wollen sie auf keine Weise zur Vernunft kommen und ihren Fehler erkennen, so soll man sie – vorausgesetzt, dass sie überführt sind – anzeigen, dass sie vom Abendmahl fernzubleiben haben, bis sie sich bessern. – Handelt es sich aber um öffentlich bekannte Laster, die die Kirche nicht übersehen darf, die aber nur eine Mahnung verdienen, so soll es Pflicht der Ältesten sein, die davon Befleckten vorzuladen und ihnen in Güte Vorstellungen zu machen. Nimmt man eine Besserung war, so soll man sie nicht weiter belästigen, Fahren sie fort, übel zu tun, soll man sie noch einmal mahnen. Wird damit immer noch nichts erreicht, dass sie als Gottesverächter dem Abendmahl fernzubleiben haben, bis eine Änderung in ihrem Wandel zu bemerken ist. – Handelt es sich um Vergehen, die mehr als nur Vorhaltungen, die eine Bestrafung verdienen, so soll man dem Betreffenden mitteilen, dass er einige Zeit am Abendmahl nicht teilnehmen darf, damit er sich vor Gott demütigt und seinen Fehler besser erkennt. – Wenn sich jemand aus Trotz oder Aufsässigkeit dem Gebot zuwider trotzdem einschleichen will, so soll es Pflicht des Pfarrers sein, ihn wegzuschicken; denn es ist ihm nicht erlaubt, ihn an der Austeilung teilnehmen zu lassen. – Doch soll das alles so gehandhabt werden, dass nirgendwo allzu große Strenge waltet, von der sich einer beschwert fühlen könnte, und auch die Strafen und dazu dienen, die Sünder zu unserem Herrn zurückzuführen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 29.08.2009 09:24

Aus dem "Unterricht in der christlichen Religion" 1559
Calvin, Jean

Wenn es offensichtlich durch Gottes Willen geschieht, dass den einen das Heil angeboten, den anderen der Zugang zu ihm verwehrt wird, so tauchen hier viele schwere Fragen auf, die nur der lösen kann, der fest und sicher weiß, was es um Erwählung und Vorherbestimmung ist. Das scheint manchen eine ganz verkehrte Lehre zu sein; denn nichts erscheint ihnen widersinniger, als dass aus der Gemeinschaft der Menschen die einen zum Heil, die anderen zum Untergang bestimmt sein sollen. Dass diese Leute aber irren und sich selbst den richtigen Weg verlegen, das wird aus dem Folgenden hervorgehen. Ja, gerade darin, worüber man zuerst erschrecken möchte, zeigt sich der Nutzen dieser Lehre und die süße Frucht, die sie bringt. Wir werden niemals so fest, wie wir wollen, davon überzeugt sein, dass unser Heil alleine in dem gnädigen Erbarmen Gottes seine Quelle hat, ehe uns nicht seine ewige Wahl bekannt geworden ist. Denn gerade das stellt die Gnade Gottes ins rechte Licht, dass er nicht alle ohne Unterschied zur Hoffnung auf das Heil annimmt, sondern den einen gibt, was er den anderen versagt. Wie ohne die Kenntnis dieses Grundsatzes Gott nicht die ganze ihm zukommende Ehre gegeben wird und der Mensch die rechte demütige Haltung Gott gegenüber nicht findet, liegt auf der Hand. Zu dieser so notwendigen Erkenntnis kommt man aber, wie Paulus bezeugt nur dann, wenn man weiß, dass Gott nach seinem freien Entschluß, ohne alle Rücksicht auf menschliche Werke erwählt …

Mit aller Deutlichkeit spricht es Paulus aus, dass nur da, wo des verlassenen Volkes Rettung auf Gottes Gnadenwahl zurückgeführt wird, recht erkannt wird, dass Gott rein nach seinem Wohlgefallen rettet, welche er will, und nicht einen Lohn austeilt, den er doch niemandem schuldet. Diejenigen aber, die die Türen verschließen, so dass niemand die Frucht dieser Lehre zu genießen wagt, die fügen ebenso den Menschen wie Gott Schaden zu. Denn nichts anderes außer dieser Lehre reicht aus, um uns so vor Gott zu demütigen, wie er es haben will, und uns im tiefsten Herzen fühlen zu lassen, wie unbedingt wir ihm verfallen sind. Auch ist nirgendwo anders feste Zuversicht zu finden. Das bezeugt auch Christus; denn um uns in so viel Not, Nachstellungen und tödlichen Kämpfen von aller Furcht zu befreien, und unüberwindlich zu machen, verspricht er Rettung allen, die er von seinem Vater zur Bewahrung erhalten hat. Daraus entnehmen wir, dass alle die in ständiger Angst schweben müssen, die nicht wissen, dass sie zu Gottes Volk gehören. So sorgen diejenigen sehr schlecht für sich selbst und alle Gläubigen, die, blind für den dreifachen Nutzen, den wir aufgezeigt haben, die Grundlage unseres Heils zerstören wollen …

Nach dem klaren Zeugnis der Schrift stellen wir also den Satz auf, dass Gott in einmaligem, ewigen und unwandelbarem Ratschluß beschlossen hat, welche er einst zum Heil annehmen und welche er dem Verderben weihen will. Dieser Ratschluß gründet sich, soweit er sich über die Erwählten erstreckt, auf sein gnädiges Erbarmen; die er aber der Verdammung preisgibt, denen verwehrt er nach seinem gerechten und unanfechtbaren, aber unbegreiflichen Gericht den Zugang zum Leben …

Die törichten Menschen fragen da zuerst, mit welchem Recht Gott seinen Geschöpfen zürne, wo er doch von ihnen vorher gar nicht beleidigt oder gereizt worden sei. Denn nach Gefallen einen dem Verderben weihen, dass sei eher als tyrannische Laune denn als ordentlicher Richterspruch anzusehen. Die Menschen dürften also Gott zur Rechenschaft ziehen, wenn er sie bloß nach seiner Willkür ohne Ansehen dessen, was sie verdient haben, zum ewigen Tode vorherbestimme. Wenn solche Gedanken etwa einmal frommen Menschen in den Sinn kommen wollen, so können sie sich zur Abwehr solcher Angriffe zur Genüge mit dem einen Gedanken waffnen: wir unfromm es sei, den göttlichen Willen nach seinen Gründen zu fragen, wo doch er der Grund alles Bestehenden ist. Wenn er nämlich einen Grund hätte, so müsste ihm etwas vorausgegangen und er daran gebunden sein, und sich das vorzustellen, ist Sünde. Denn Gottes Wille ist die höchste Form aller Gerechtigkeit; das heißt was er will, das ist eben dadurch, dass er es will, gerecht. Wenn mal also fragt, warum Gott so und so gehandelt hat, so heißt die Antwort, weil er will. Wenn man weiter fragt, warum er will, so heißt das nach etwas fragen, was größer und höher ist als Gottes Wille; so etwas gibt es nicht. Daher hüte sich der menschliche Leichtsinn, nach etwas zu suchen, was nicht ist, damit er nicht an dem, was ist, vorbeilaufe. Diese Grenze müssen alle achten, die mit Ehrfurcht über Gottes Geheimnisse nachdenken wollen. Gegen die Frechheit der Gottlosen, die sich nicht scheuen, Gott öffentlich zu schmähen, wird sich der Herr mit seiner Gerechtigkeit schon selbst verteidigen ohne unseren Rechtsbeistand, wird ihrem Gewissen alle Ausflüchte abschneiden, sie überführen und vor seinen Richterstuhl als Angeklagte stellen. Doch wollen wir nicht etwa die Fabel von Gottes absoluter Macht einführen; sie ist so unheilig, dass sie uns mit Recht verabscheuenswert erscheint. Wir denken Gott nicht als außerhalb des Gesetzes, sonders er ist sich selbst Gesetz. Denn nach Plato haben die Menschen das Gesetz nötig, weil sie an Leidenschaften krank sind. Gottes Wille aber ist nicht nur fehlerlos, sondern die höchste Norm aller Vollkommenheit und aller Gesetze Gesetz. Wir leugnen nun, dass er schuldig sei, Rechenschaft zu geben, und leugnen, dass wir fähig seien, über ihn zu Gericht zu sitzen …

So kann zwar Gott schweigend seinen Feinden den Mund stopfen. Damit wir sie aber nicht ungestraft seinen heiligen Namen lästern zu lassen brauchen, hat er uns in seinem Wort Waffen gegen sie in die Hand gegeben. Wenn uns daher einer mit solchen Worten angreift: warum denn Gott von Anfang an einige zum Tode vorherbestimmt hat, die doch, weil sie ja noch gar nicht existierten, das Todesgericht nicht hatten verdienen können, so wollen wir anstelle der Antwort die Gegenfrage stellen, was denn Gott dem Menschen zu tun schuldig sei, wenn er ihn nach seiner Natur beurteilen wollte? Befleckt mit Sünde, wie wir sind, muss Gott uns hassen, und das nicht in blinder Wut, sondern nach vollkommener Gerechtigkeit. Wenn aber alle nach ihrer natürlichen Beschaffenheit dem Todesgericht verfallen sind, wie wollen sich da diejenigen über eine Ungerechtigkeit ihnen gegenüber beklagen, die der Herr zum Tode vorherbestimmt? …

Sie sollen doch nicht Gott der Ungerechtigkeit bezichtigen, wenn sie durch sein ewiges Gericht für den Tod bestimmt sind; fühlen sie doch selbst ganz genau, wie ihre eigene Natur sie, mögen sie wollen oder nicht, von selbst zu demselben Ziel hintreibt. So wird klar, wie verkehrt hier jedes Bemühen ist, Widerspruch zu erheben, denn man will ja nur den wahren Grund für die Verdammnis nicht zugeben, den jeder als in ihm selbst liegend anerkennen muss, und die Schuld daran von sich auf Gott abwälzen. Und mag hundertmal diese Verdammung von Gott herrühren – sie werden doch die eigene Schuld daran nicht aus der Welt schaffen, die tief in ihr Gewissen eingegraben ist und ihnen daher doch immer wieder lebendig vor Augen stehen wird.






--------------------------------------------------------------------------------





Quelle: Religionskundliche Quellenhefte
Herausgegeben von Prof. D.H. Hietzmann und Ob.-St.-Dir. Dr. R. Weidel
Heft II
Calvin
Von
Lic. Hanns Rückert
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 30.08.2009 09:10

Aus dem 2. Genfer Katechismus 1545
Calvin, Jean

Pfarrer: Welches ist das eigentliche Ziel des menschlichen Lebens?

Schüler: Die Erkenntnis Gottes.

Pfarrer: Warum nennst du sie?

Schüler: Weil er uns geschaffen und in die Welt gestellt hat, um in uns verherrlicht zu werden. Und das ist Grund genug, dass wir unser Leben als im Dienst an seiner Ehre bestehend betrachten, wo es doch in ihm seinen Ursprung hat.

Pfarrer: Und was ist das höchste Gut für den Menschen?

Schüler: Eben dieselbe Erkenntnis Gottes.

Pfarrer: Warum nennst du sie als das höchste Gut?

Schüler: Weil ohne sie unser Leben elender wäre als das der Tiere.

Pfarrer: Welches ist dann aber die rechte, wahre Gotteserkenntnis?

Schüler: Diejenige, die ihn erkennt, um ihn zu ehren.

Pfarrer: Und welches ist die rechte Form, um ihn zu ehren?

Schüler: Er wird recht geehrt, wenn wir all unser Vertrauen auf ihn setzen, und wenn wir ihm mit unserem ganzen Leben im Gehorsam gegen seinen Willen dienen, wenn wir ihn in allen Nöten anrufen und bei ihm Heil und alles Gute suchen, und endlich wenn wir mit Herz und Mund ihm dafür danken, dass alles Gute von ihm allein zu uns kommt.

I. Teil: vom Glauben. Das Glaubensbekenntnis

II. Teil: vom Gesetz. Die zehn Gebote

III. Teil: vom Gebet. Das Vaterunser

Pfarrer: Um seinen Inhalt besser zu verstehen, wollen wir es in Abschnitte zerlegen.

Schüler: Es hat sechs Teile. Von ihnen haben die drei ersten allein Gottes Ehre als ihr eigentliches Ziel, ohne an uns zu denken; die Übrigen beschäftigen sich mit uns und unserem Wohl.

Pfarrer: Müssen wir also Dinge von Gott erbitten, von denen wir gar nichts haben?

Schüler: Er hat in seiner unendlichen Güte alles so geordnet, das nichts zu seiner Ehre dient, was nicht zugleich uns Segen brächte. So werden, wenn sein Name geheiligt wird, damit auch wir geheiligt, und sein Reich kommt nicht, ohne dass wir an ihm Anteil bekämen. Aber wenn wir um diese Dinge bitten, sollen wir nur seine Ehre im Auge haben und an uns und unseren Vorteil nicht denken.

Pfarrer: Nach dem, was du sagst, ist also die Erfüllung der drei ersten Bitten uns wohl nützlich; aber wir sollen sie aussprechen mit keinem anderen Gedanken, als dass Gott verherrlicht werde?

Schüler: Jawohl. Und ebenso müssen wir in den drei letzten, mögen sie auch zunächst nur dem gelten, was uns förderlich ist, doch immer die Ehre Gottes im Auge behalten, sodaß sie das oberste Ziel all unserer Bitten ist.

Pfarrer: Wir kommen jetzt zur Auslegung der einzelnen Bitten. Aber bevor wir an sie herangehen: Warum wird hier Gott gerade als unser Vater angeredet?

Schüler: Weil zum rechten Gebet vor allem ein festes Zutrauen unseres Gewissens zu Gott gehört; darum legt sich Gott hier einen Namen bei, der nur von seiner Liebe redet, damit alle Angst aus unseren Herzen schwinde und er uns locke, ihn zutraulich anzuflehen.

Pfarrer: So dürfen wir wirklich zu Gott kommen, ohne dass es uns schwer zu werden braucht, wie Kinder zu ihrem Vater?

Schüler: Ja. Und sogar mit noch viel größerem Vertrauen auf Gewährung der Bitte. Denn der Herr sagt es selbst: Wenn wir schon, die wir arg sind, unseren bittenden Kindern Brot und Fleisch nicht versagen können, wie viel weniger kann es der himmlische Vater, der nicht nur gut, sondern die höchste Güte selbst ist …

Pfarrer: Was will der Satz sagen „der du bist im Himmel?“

Schüler: Das heißt so viel, als ob man ihn erhaben, allmächtig, unbegreiflich nennt.

Pfarrer: Wie das und warum?

Schüler: Damit wir, wenn wir ihn anrufen, lernen, unsere Gedanken nach oben zu richten und nicht fleischlich und irdisch von ihm denken. Auch sollen wir ihn nicht an unserer Fassungskraft messen oder ihn unserem Willen unterwerfen wollen, sondern sollen Demut seine glorreiche Majestät anbeten. Daneben soll die Beifügung in uns umso größeres Vertrauen zu ihm erwecken, da er in ihr Herr des Himmels und Meister, der alles nach seinem Willen lenkt, genannt wird.

Pfarrer: Sage mir die Auslegung der ersten Bitte.

Schüler: Der Name Gottes ist der Ruf, den er unter den Menschen genießt, Wir bitten also, dass seine Ehre überall und in allen Dingen gepriesen werde.

Pfarrer: Glaubst du denn, dass sie wachsen oder abnehmen kann?

Schüler: An sich zwar nicht. Aber die Bitte will besagen, dass sie überall offenbar werde, wie es sich gebührt, und dass alles, was Gott tut, und alle seine Werke so herrlich erscheinen, wie sie in Wahrheit sind, so dass er allenthalben verherrlicht wird.

Pfarrer: Was verstehst du in der zweiten Bitte unter dem Reich Gottes?

Schüler: Es besteht im wesentlichen in zwei Dingen: Einmal darin, dass Gott die Seinen führt und leitet durch seinen Geist, und auf der anderen Seite darin, dass die Verworfenen vernichtet und verwirrt werden, damit klar erscheine, dass es keine Macht gibt, die der seinigen zu widerstehen vermöchte.

Pfarrer: Was meinst du, wenn du bittest, dass dieses Reich komme?

Schüler: Ich meine damit, dass Gott die Zahl der Gläubigen Tag um Tag wachsen lasse, dass er immer wieder neue Gaben seines Geistes über sie ausschütte, bis er sie ganz damit erfüllt hat, dass er auch mehr und mehr seine Wahrheit ans Licht bringe, um Satans Finsternis zu vertreiben und seine Gerechtigkeit offenbare, um alle Ungerechtigkeit zu vertilgen.

Pfarrer: Geschieht das alles aber nicht täglich?

Schüler: Ja, es geschieht so, dass man von einem Anfang des Gottesreiches reden kann. Wir wünschen aber, dass es beständig wachse und zunehme, bis es zur letzten Vollendung gelangt, was, wie wir hoffen, am letzten Tage eintreffen wird, an dem Gott allein erhaben und alle Kreatur unter seine Größe gebeugt sein wird, auf dass Gott sei alles in allem.

Pfarrer: In welchem Sinn bittest Du in der dritten Bitte, dass der Wille Gottes geschehe?

Schüler: Ich bitte darum, dass alle Kreaturen ihm untertan und so auf den Wink gehorsam werden, dass nichts geschieht, als was er will.

Pfarrer: Also meinst du, es könne auch etwas gegen seinen Willen geschehen?

Schüler: Wir bitten nicht nur, dass das, was er beschlossen hat, an sich geschehe, sondern auch, dass er allen Trotz zähme und niederwerfe und den Willen aller Kreatur so dem seinigen untertan mache, dass er sich ihm in Gehorsam ergibt.

Pfarrer: Verzichten wir dann aber, wenn wir so bitten, auf allen eigenen Willen?

Schüler: Allerdings, und nicht nur in der Sehnsucht, dass er allen Wünschen unseres Herzens, die seinem Willen widerstreiten, die Erfüllung versage, sondern dass er überhaupt einen neuen Sinn und ein neues Herz in uns schaffe, so dass wir nichts von uns aus wollen, sondern sein Geist unsere Wünsche leite zur vollen Übereinstimmung mit Gott.

Pfarrer: Nun kommen wir zum weiten Teil. Was verstehst du unter dem täglichen Brot, das du in der vierten Bitte erbittest?

Schüler: Ganz allgemein alles, was zur Notdurft unseres Körpers gehört, und nicht nur Nahrung und Kleidung, sondern alles, was Gott als uns nützlich erkennt, damit wir unser Brot in Frieden essen können.

Pfarrer: Wie kannst du aber von Gott erbitten, dass er dir Nahrung schenkt, wo er uns doch befohlen hat, sie uns durch die Arbeit unserer Hände zu erwerben?

Schüler: Zwar müssen wir arbeiten, um zu leben; doch vermag uns alle unsere Arbeit, aller Fleiß und alles Sorgfalt nicht zu ernähren, sondern allein der Segen Gottes, mit dem er unserer Hände Arbeit segnet und sie gedeihen lässt. Und weiter ist festzustellen: Auch wenn unsere Nahrungsmittel in Menge zur Verfügung stehen und wir von ihnen essen, so ist es doch nicht ihr Stoff, der uns nährt, sondern allein Gottes Kraft. Denn sie haben ihre Nährkraft nicht von Natur eingepflanzt, sondern Gott teilt sie ihnen vom Himmel her mit als den Werkzeugen seiner Güte.

Pfarrer: Was enthält die fünfte Bitte?

Schüler: Dass Gott uns unsere Sünden vergeben möge.

Pfarrer: Gibt es nicht gerechte Menschen, die dieser Vergebung nicht bedürfen?

Schüler: Nein, denn der Herr Jesus hat dieses Muster für das Gebet seinen Aposteln für seine Kirche gegeben. So würde der, der behauptete, er habe solche Bitten nicht nötig, auf die Gemeinschaft der Christen verzichten. Und vollends hören wir, dass die Schrift bezeugt, derjenige, der sich vor Gott rechtfertigen wolle, werde tausendfach schuldig befunden werden. So müssen wir alle unsere Zuflucht zu Gottes Barmherzigkeit nehmen.

Pfarrer: Wie, meinst du, werden uns die Sünden vergeben?

Schüler: Wie es die Worte Jesu Christi selbst zeigen: dass nämlich unsere Sünden Schuld sind, die uns zum ewigen Tode verdammungswürdig macht. Wir bitten, dass Gott uns aus dieser Verfallenheit befreit durch seine reine Güte.

Pfarrer: Du meinst also, dass wir Vergebung unserer Sünden erlangen durch Gottes freie Gnade?

Schüler: Ja. Denn wir können auch durch den kleinsten Fehler, den wir begangen haben, keine Genugtuung leisten, wenn nicht Gott seine reine Güte uns gegenüber walten lässt und sie uns alle vergibt.

Pfarrer: Was für Nutzen haben denn nun wir davon, wenn Gott uns die Sünden vergibt?

Schüler: Wir werden dadurch vor Gott angenehm, als wären wir gerecht und unschuldig und, unsere Gewissen werden fest im Vertrauen auf seine väterliche Güte, aus der all unser Heil kommt.

Pfarrer: Wenn du bittest, dass er uns vergebe, wie wir unseren Beleidigern vergeben, meinst Du damit, dass wir uns, wenn wir den Menschen verzeihen, Verzeihung von ihm verdienen?

Schüler: Nicht doch, denn dann wäre die Verzeihung ja nicht mehr aus Gnaden und nicht mehr begründet auf die Genugtuung, die Jesus Christus in seinem Tod geleistet hat. Sondern da wir, wenn wir die uns angetanen Beleidigungen vergessen, dem Beispiel seiner Liebe und Milde folgen und uns damit als seine wahren Kinder erweisen, so hat er uns dieses Zeichen gegeben, um uns unserer Vergebung gewiss zu machen. Und andererseits bedeutet er uns damit, dass wir in seinem Gericht nur äußerste Härte und Strenge zu erwarten haben, wenn wir nicht leicht geneigt sind, denen, die sich gegen uns verschuldet haben, zu vergeben.

Pfarrer: Wie geht es weiter?

Schüler: Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen.

Pfarrer: Machst du daraus nur eine Bitte?

Schüler: Ja, denn das zweite Glied ist nur eine Auslegung von dem ersten.

Pfarrer: Was ist ihr wesentlicher Inhalt?

Schüler: Gott wolle uns nicht in Sünden stürzen lassen und nicht zugeben, dass uns der Teufel und die Lüste unseres Fleisches überwinden, die wider uns streiten; sondern wolle uns Kraft zum Widerstande geben, uns mit seiner Hand halten und mit seinem Schutz um uns sein, um uns zu verteidigen und zu leiten.

Pfarrer: Wie geschieht das?

Schüler: Indem er uns durch seinen heiligen Geist regiert, so dass wir das Gute lieben und das Böse hassen, seiner Gerechtigkeit folgen und die Sünde fliehen. Denn durch die Kraft des Heiligen Geistes überwinden wir Teufel, Sünde und Fleisch.

Pfarrer: Haben denn alle diese Hilfe nötig?

Schüler: Wer könnte sie entbehren? Denn immer wacht über uns der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Wir aber würden, schwach, wie wir sind, sogleich fallen, ja, in jedem Augenblick wäre es um uns geschehen, wenn uns Gott nicht mit seinen Waffen für den Kampf ausrüstete und mit seiner Hand uns stärkte.

Pfarrer: Was bedeutet das Wort „Versuchung“?

Schüler: Die Schliche und Täuschungen Satans, mit denen er unaufhörlich nach uns trachtet und uns leicht vollends umgarnen würde, wenn Gott uns nicht Hilfe brächte. Denn unser Herz, eitel, wie es von Geburt an ist, verfällt seiner List, und da unser Wille immer zum Bösen neigt, würde er ihm bald gänzlich erliegen.

Pfarrer: Aber warum bittest du dann, dass Gott dich nicht in Versuchung führe, wenn das doch Stans und nicht Gottes Werk ist?

Schüler: Wie Gott die Gläubigen durch seinen Schutz davor bewahrt, dass sie Satans List erliegen oder von der Sünde überwunden werden, so verlässt er die, die er strafen will, nicht nur mit seiner Gnade, sondern gibt sie auch noch der Herrschaft des Teufels preis, schlägt sie mit Blindheit und verstockt sie in verwerflichem Sinn, so dass die Sünde ganz von ihnen Besitz ergreift und sie den Angriffen aller Versuchungen ausgesetzt sind.

Pfarrer: Was bedeutet der Zusatz „denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“?

Schüler: Hier werden wir noch einmal daran erinnert, dass die Kraft unserer Bitten auf Gottes Macht und Güte beruht, und nicht auf uns; denn wir sind nicht wert, auch nur den Mund zu öffnen, um zu ihm zu beten. Außerdem lernen wir dadurch, alle unsere Gebete mit seinem Lobpreis zu beschließen.

IV. Teil: on den Sakramenten.

Pfarrer: Wir wollen jetzt von dem Vierten der Stücke sprechen, mit dem wir Gott die Ehre geben sollen.

Schüler: Es besteht darin, dass wir Gott als den Urheber alles Guten anerkennen und seine Güte, Gerechtigkeit, Weisheit und Macht mit Lob und Danksagung preisen, so dass die Ehre für alles Gute allein ihm gezollt werde.

Pfarrer: Hat er für dieses Stück keine Regel vorgeschrieben?

Schüler: Alle Stellen der Schrift, wo sein Lob gepriesen wird, soll uns als Regel dienen.

Pfarrer: Enthält das Herrengebet nicht hierher Gehöriges?

Schüler: Doch. Wenn wir bitten, dass sein Name geheiligt werde, so wünschen wir, dass in allen seinen Werken seine Ehre erscheine, dass er, wenn er den Sündern verzeiht, als barmherzig, wenn er straft, als gerecht, wenn er den Seinen schenkt, was er verheißen, als wahrhaftig anerkannt werde. Kurz, jedes seiner Werke, das wir sehen, soll uns Anlass werden, ihn zu verherrlichen. Das heißt, ihm den Lobpreis für alles Gute darbringen.

Pfarrer: Was können wir aus dem entnehmen, was wir bisher behandelt haben?

Schüler: Dass, wie die Wahrheit selbst es lehrt und ich schon Anfangs gesagt habe, das ewige Leben in der Erkenntnis Gottes des Vaters und dessen, den er gesandt hat, Jesu Christi besteht. Ihn erkennen, das heißt aber: ihm die Ehre und die Anbetung zukommen lassen, die ihm gebührt, ihn nicht nur als unseren Herrn, sondern auch als unseren Vater und Heiland und uns als seine Kinder und Diener erkennen und darum unser Leben der Darstellung seiner Ehre weihen.

Pfarrer: Auf welchem Wege gelangt man zu solchem Gut?

Schüler: Dazu hat er uns sein heiliges Wort gegeben. Es ist eine geistliche Lehre und gleichsam die Pforte, durch die wir zu seinem himmlischen Reich gelangen können.

Pfarrer: Wir müssen wir es gebrauchen, damit es uns Frucht bringe?

Schüler: Wir müssen es, im Herzen von ihm überzeugt, annehmen als sichere Wahrheit, die vom Himmel kommt, müssen willig sein, es zu lernen, Willen und Sinn ihm gehorsam machen, es von ganzer Seele lieben, es tief in unsere Herzen schreiben und dort fest verwurzelt lassen, damit es im Leben Frucht bringe, müssen wir uns endlich nach seinem Bild gestalten lassen: dann dient es uns zum Heil und erfüllt damit seine Bestimmung.

Pfarrer: Liegt das alles in unserer Macht?

Schüler: Nein, nichts von alledem; sondern es ist alles Gottes Werk, das er in uns tut durch die Gnade seines Geistes….

Pfarrer: Gibt es neben dem Wort kein anderes Mittel, durch das Gott sich uns mitteilt?

Schüler: Der Predigt des Wortes hat er die Sakramente zur Seite gestellt.

Pfarrer: Was ist ein Sakrament?

Schüler: Ein äußeres Zeugnis der göttlichen Liebe gegen uns, das durch ein sichtbares Zeichen geistliche Gnaden abbildet, um Gottes Verheißungen in unseren Herzen zu versiegeln und uns ihrer Wahrheit noch gewisser zu machen.

Pfarrer: Aber es ist doch, denke ich, Sache des Heiligen Geistes, Gottes Verheißungen in unserem Herzen zu versiegeln; wie kannst Du dann diese Aufgabe den Sakramenten zuweisen?

Schüler: Es ist zwischen jenen und diesen ein großer Unterschied. Das Herz treffen, den Sinn erleuchten, das Gewissen sicher und ruhig machen, das ist in der Tat alleine Sache des Heiligen Geistes und muss als sein ganz eigenes Werk angesprochen werden. Der Dank dafür darf nichts anderem zufallen. Das hindert jedoch nicht, dass sich Gott der Sakramente gleichsam als untergeordnete Werkzeuge bedient, sie gebraucht, wie es ihm gut scheint, und das er das tut, ohne dem Vorzug des Geistes Abbruch zu tun.

Pfarrer: Du meinst also, dass die Wirksamkeit des Sakraments nicht im äußeren Element eingeschlossen sei, sondern ganz und gar vom Geist Gottes ausgehe?

Schüler: Das meine ich….

Pfarrer: Aber wie können die Sakramente Vertrauen wecken und die Gewissen festigen, und wie soll man aus ihnen Sicherheit schöpfen können, wo sie doch ohne Unterschied Gute und Böse empfangen?

Schüler: Zwar machen die Gottlosen die ihnen in den Sakramenten angebotenen Gaben für ihre eigene Person sozusagen zunichte. Aber das hindert nicht, dass die Sakramente ihre Kraft und Art behalten.

Pfarrer: Wie also und wann ist der Genuss der Sakramente von Erfolg begleitet? – Wenn wir sie im Glauben empfangen und in ihnen allein Christus und seine Gnade suchen…

Pfarrer: Wenn aber zu ihrem Empfang schon Glauben nötig ist, wie kannst Du dann sagen, sie seien uns zur Stärkung des Glaubens gegeben?

Schüler: Es ist eben nicht genug, dass der Glaube in uns anfängt, sondern er muss ständig genährt werden und von Tag zu Tag wachsen. Zu dieser Nährung, Stärkung und Vervollkommnung des Glaubens hat der Herr die Sakramente eingesetzt.

Pfarrer: Ist es aber nicht ein Zeichen von Unglauben, wenn man den Verheißungen Gottes keinen festen Glauben schenkt und ihn sich erst von anderswo her stärken lassen muss?

Schüler: Sicher, Sicherlich zeugt es von Schwäche im Glauben. Aber an ihr leiden auch die Kinder Gottes und hören doch deswegen nicht auf, Gläubige zu sein, mögen sie auch nur erst mit einem kleinen und unvollkommenen Glauben begabt sein. Denn so lange wir in diesem Leben wandeln, hängen unserem Fleisch Rest von Misstrauen an, die wir nur in steter Annäherung bis an das Ende des Lebens beseitigen können. Darum müssen wir in jedem Augenblick immer noch ein Stück weiter fortschreiten.

Pfarrer: Wie viele Sakramente hat die christliche Kirche?

Schüler: Zwei

Pfarrer: Welche sind das?

Schüler: Die Taufe und das heilige Mahl.[das Abendmahl]

Pfarrer: Was bedeutet das Abendmahl?

Schüler: Es ist deswegen von Christus eingesetzt, um unsere Seelen durch die Gemeinschaft seines Leibes und Blutes auf das ewige Leben sicher zu machen.

Pfarrer: Wir genießen also Leib und Blut des Herrn?

Schüler: Das ist meine Meinung. Denn da all unser Heil darin beruht, dass wir glauben, Gott rechne uns den Gehorsam, den Christus ihm geleistet hat, an, als hätten wir ihn geleistet, so müssen wir Christus besitzen. Er teilt uns nämlich seine Güter niemals anders mit, als indem er sich uns zu eigen gibt.

Pfarrer: Aber hat er sich denn uns nicht schon damals zu eigen gegeben, als er den Tod auf sich nahm, um uns vom Gericht des Todes zu erlösen und uns mit dem Vater zu versöhnen?

Schüler: Das ist wohl wahr, aber damit sein Tod für uns wirksam werde und Frucht bringe, ist es nicht genug, wenn wir ihn nicht jetzt in uns aufnehmen.

Pfarrer: Aber nehmen wir ihn denn nicht auf durch den Glauben?

Schüler: Ja, aber das geschieht nicht, wenn wir bloß daran glauben, dass er gestorben ist, um uns vom Tode zu befreien, und auferstanden, um uns das Leben zu erwecken. Sondern wir müssen auch wissen, dass er in uns wohnt und mit uns verbunden ist, wie das Haupt mit den Gliedern. Nur dann empfangen wir die Wohltat dieses Verbundenseins und alle ihre Güter.

Pfarrer: So weist uns das Abendmahl auf Tod und Leben Jesu Christi zurück, damit wir an ihrer Wirkung teilnehmen?

Schüler: Jawohl. Denn damals ist das einmalige, ewig gültige Opfer dargebracht worden, das zu unserem Heil genügt. Für uns bleibt jetzt nichts weiter übrig, als seine Frucht zu genießen….

Pfarrer: Haben wir im Abendmahl nur den Hinweis auf die Wohltaten, von denen du redest, oder werden sie selbst uns in ihm zuteil?

Schüler: Unser Herr Jesus Christus ist die Wahrheit selbst; daher ist es außer Zweifel, dass er die Verheißungen, die er uns im Abendmahl gibt, auch zugleich erfüllt und mit dem Zeichen auch die Sache schenkt. So zweifle ich nicht, dass er, wie er es in Worten und Zeichen bezeugt, uns teilnehmen lässt an seinem Wesen, damit wir mit ihm zu einem Leben zusammenwachsen.

Pfarrer: Aber wie kann das geschehen, wo doch Christi Leib im Himmel ist und wir noch auf der Erde wandeln?

Schüler: Das bewirkt er durch die wunderbare und geheimnisvolle Kraft seines Geistes. Ihm fällt es nicht schwer, zu vereinigen, was sonst örtlich getrennt ist.

Pfarrer: Du stellst es dir also nicht so vor, dass der Leib im Brot und das Blut im Kelch eingeschlossen ist.

Schüler: Nein. Im Gegenteil meine ich, dass wir die Zeichen nur dann recht verstehen, wenn wir aus ihnen lernen, dass wir unseren Geist zum Himmel richten müssen, wo Christus wohnt und woher wir ihn als Richter und Erlöser erwarten. Es ist vergebens und verkehrt, ihn in irdischen Dingen zu suchen.

Pfarrer: Wer gebraucht aber dieses Sakrament recht?

Schüler: Wer, wie Paulus sagt, sich selbst prüft, ehe er herzukommt.

Pfarrer: Woraufhin soll er sich prüfen?

Schüler: Daran, ob er wahre Reue und wahren Glauben verspürt, ob er die Nächsten aufrichtig liebt und ob sein Herz rein ist von Hass und Missgunst.

Pfarrer: Forderst Du vollkommenen Glauben und vollkommene Liebe?

Schüler: Beide müssen rein frei von aller Heuchelei sein. Aber eine gänzlich vollendete Vollkommenheit, die zu wünschen nichts mehr übrig ließe, würde man vergebens verlangen; denn sie kann der Mensch niemals aufbringen.

Pfarrer: Dir Unvollkommenheit also, an der wir hier noch kranken, braucht uns nicht zu hindern, zum Empfang des Abendmahls herzukommen?

Schüler: Im Gegenteil: wären wir vollkommen, so brauchten wir ja das Abendmahl nicht mehr; denn es soll doch eine Stütze für unsere Schwachheit und eine Hilfe für unsere Unvollkommenheit sein.

Pfarrer: Sind die beiden Sakramente zu keinem anderen Zweck eingesetzt?

Schüler: Sie sind zugleich auch Zeichen unseres Bekenntnisses. Denn durch ihren Gebrauch legen wir vor den Menschen Zeugnis ab für unseren Glauben und für unsere Einigkeit in der christlichen Religion.

Pfarrer: Wenn einer ihren Gebrauch verschmähte, wofür wäre der zu halten?

Schüler: Das wäre eine Verleugnung Christi, und ein solcher, der sich als Christen nicht bekennen will, wäre auch nicht würdig, dass man ihn für einen Christen hielte …

Pfarrer: Aber sollen die Pfarrer, denen die Austeilung übertragen ist, unterschiedslos alle ohne Auswahl zulassen?

Schüler: Zur Taufe, ja. Denn sie wird heute nur auf Kinder angewendet, und da darf kein Unterschied gemacht werden. Beim Abendmahl aber muss sicher der Pfarrer hüten, es jemandem zu reichen, der öffentlich als unwürdig bekannt ist.

Pfarrer: Warum?

Schüler: Weis das das Sakrament beflecken und entheiligen würde.

Pfarrer: Aber hat Christus nicht den Verräter Judas an seinem letzten Mahl teilnehmen lassen?

Schüler: Ja, aber als sein Verrat noch verborgen war. Zwar wusste Christus um ihn; aber er war noch nicht ans Licht getreten und zur Kenntnis der Menschen gelangt.

Pfarrer: Was soll also mit den Heuchlern geschehen?

Schüler: Sie kann der Pfarrer, wenn sie auch unwürdig sind, nicht ausschließen, sondern er muss warten, bis Gott ihre Bosheit enthüllt, so dass sie auch den Menschen bekannt wird.

Pfarrer: Aber wenn er selbst einen als unwürdig kennt oder auf seine Unwürdigkeit aufmerksam gemacht wird?

Schüler: Auch das genügt nicht zum Ausschluss vom Abendmahl. Der Fall muss ordnungsgemäß untersucht und von der Gemeinde beurteilt worden sein.

Pfarrer: Man braucht also eine bestimmte Ordnung für die Leitung der Gemeinde?

Schüler: Jawohl; sonst gibt es Unordnung in der Gemeinde. Und zwar müssen Älteste gewählt werden, die die Sittenzucht ausüben und darüber wachen, dass Ärgernis vermieden wird. Diejenigen, die sie nicht für würdig der Teilnahme am Abendmahl befinden, dürfen nicht zugelassen, sondern müssen ausgeschlossen werden, damit das Sakrament nicht befleckt wird.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 31.08.2009 08:13

Gott
Calvin, Jean

Die Gotteserkenntnis, die wir meinen, ist nicht bloß ein Wissen davon, dass irgendein Gott existiert; von rechter Erkenntnis kann erst da die Rede sein, wo man weiß, in welcher Beziehung Gott zu uns steht, und was anderseits dazu dient, ihn zu verherrlichen. Man kann Gott im eigentlichen Sinne ohne persönliche Religiosität und Frömmigkeit gar nicht erkennen. Dabei denken wir noch nicht einmal an die tiefere Erkenntnis, in welcher in sich verlorene und verdammte ,Menschen Gott durch den Mittler Christus als ihren Erlöser ergreifen; hier ist nur von jener grundlegenden und einfachen Erkenntnis die Rede, auf welche uns schon die Ordnung der Natur führen würde, wenn Adam nicht in Sünde gefallen wäre. Gewiss wird kein sündiger Mensch etwas davon erfahren, dass Gott sein gnädiger Vater und Hüter ist, wenn ihm nicht Christus als Versöhner begegnet. Aber wir müssen doch eine doppelte Form der Gotteserkenntnis unterscheiden, Erstlich erkennen wir Gott als unseren Schöpfer, der mit seiner Macht uns aufrechterhält, mit seiner Vorsehung uns regiert, mit seiner Güte uns hegt und uns mit allerlei Segen überschüttet. Sodann erscheint er uns in Christi Angesicht als Erlöser. Im ersten Buch handelten wir zunächst von der erstbezeichneten Erkenntnis. Wiewohl nun unser Gemüt Gott nur so ergreifen kann, dass es ihm zugleich irgendeine Verehrung zuteil werden lasst, so genügt es doch nicht, dass wir ihn für den einigen Gott erklären, den man allein unter allen Göttern verehren und anbeten müsse: wir sollen auch überzeugt sein, dass er der Quell aller Güte ist, damit wir nichts irgendwo anders als bei ihm suchen.

Welch einzigartiges Geschenk, dass Gott, um seine Gemeinde zu unterweisen, nicht bloß stummer Lehrmeister sich bedient, sondern selbst seinen heiligen Mund öffnet! Und er erklärt nicht bloß, dass man irgendeinen Gott verehren soll, sondern bietet sich persönlich an, damit man ihn verehren könne. Er belehrt seine Auserwählten nicht bloß, dass sie auf Gott schauen müssen, sondern stellt sich ihnen selbst anschaulich vor Augen. Diese Ordnung, dass er sich neben der allgemeinen Offenbarung seines Wortes bediente, hat Gott von jeher im Verkehr mit seiner Gemeinde eingehalten. Ohne Zweifel konnten Adam, Noah, Abraham und die übrigen Väter nur durch dieses Hilfsmittel zu der vertrauten Kenntnis Gottes gelangen, durch die sie sich von den Ungläubigen abhoben. Dabei rede ich noch gar nicht von der eigentlichen Lehre des Glaubens, die in ihnen die Hoffnung auf ein ewiges Leben anzündet. Denn sollten sie anders vom Tode ins Leben dringen, so mussten sie Gott erstlich zwar als Schöpfer, sodann aber als Erlöser kennenlernen: und beides ward ihnen offenbar durch sein Wort zuteil, Der Ordnung nach voran geht die Erkenntnis, die uns klarmacht, wer der Gott ist, der die Welt geschaffen hat und erhält. Daran schloss sich dann jene tiefere Unterweisung, welche allein imstande ist, tote Seelen zum Leben zu erwecken, in welcher sich uns Gott nicht bloß als Weltschöpfer und einiger Urheber und Regierer aller Dinge, sondern in der Person des Mittlers auch als Erlöser zu erkennen gibt.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 01.09.2009 08:29

Gebete zu Hesekiel
Calvin, Jean

Hes. 1
Vers 3

geschah das Wort Jahwes ausdrücklich zu Hesekiel, dem Sohne Busis, dem Priester, im Lande der Chaldäer, am Flusse Kebar; und daselbst kam die Hand Jahwes über ihn.

Allmächtiger Gott! Du hast deinem Volk, als es aus seinem Erbe vertrieben war, die beständige Gnade deines Heiligen Geistes gewährt und ihm gar in der Hölle selbst einen Propheten erweckt, damit er es wieder zum Leben zurückriefe, als es schon schier verzweifelt war. So wollest du denn deiner Kirche, obgleich sie heute durch deine Hand jämmerlich in Nöten steckt, dies schenken, daß sie deines Trostes nicht entbehren muß. Zeige du es uns, daß wir auch mitten im Tode noch von deiner Barmherzigkeit das Leben erwarten sollen, auf daß wir solchermaßen alle deine Züchtigungen in Geduld ertragen, bis daß wir wieder bei dir in Gnaden stehen und du dich als unseren Vater erzeigest und wir so am Ende versammelt werden in jenes selige Reich, da wir völliges Genügen haben sollen in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 02.09.2009 08:16

Gebete zu Hesekiel
Calvin, Jean
Hes. 1

Vers 8
Und Menschenhände waren unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; und die vier hatten ihre Angesichter und ihre Flügel.

Allmächtiger Gott! Dieweil wir nach unserm groben Sinn dergestalt an der Erde kleben, daß wir auch dann nicht zu dir dringen können, wenn du uns deine Hand entgegenstreckst, so wollest du uns schenken, daß wir durch deinen Heiligen Geist erweckt, unsere Sinne zu dir lernen erheben und wider unsere Trägheit wacker anstreiten, bis daß du dich näher zu uns willst herbeilassen und uns vertrauter dich zu erkennen gibst, daß wir endlich dahin gelangen, da wir volle und unverkürzte Herrlichkeit genießen, die uns bewahrt ist im Himmel durch Christus Jesus, unseren Herrn. Amen.
Zuletzt geändert von Joschie am 03.09.2009 02:41, insgesamt 1-mal geändert.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5663
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 03.09.2009 02:41

Gebete zu Hesekiel
Calvin, Jean
Hes. 1
Vers 16

Das Aussehen der Räder und ihre Arbeit war wie der Anblick eines Chrysoliths, und die vier hatten einerlei Gestalt; und ihr Aussehen und ihre Arbeit war, wie wenn ein Rad inmitten eines Rades wäre.

Allmächtiger Gott! Du hast es haben wollen, daß wir soviel Wechsel unterliegen, damit wir nicht unbesorgten Herzens an der Erde kleben. So bitten wir dich denn, da wir so vielartiges Los auf uns nehmen müssen, du wollest es uns schenken, daß wir unsere Ruhe im Himmel suchen und allezeit danach verlangen, deine Herrlichkeit zu schauen, damit uns daselbst erstrahle, was wir mit Augen nicht sehen können. Du wollest uns solchermaßen auch zu erkennen geben, daß die ganze Welt von deiner Hand und Kraft regiert wird, so daß wir uns auf deine väterliche Fürsorge verlassen, bis daß wir dahin gelangen, daß wir jene selige Ruhe genießen, die uns in dem Blute deines eingeborenen Sohnes zukommen ist. Amen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste