Aufzählung der Wesenseigenschaften Gottes

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Leo_Sibbing
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Aufzählung der Wesenseigenschaften Gottes

Beitragvon Leo_Sibbing » 18.05.2011 16:57

Hallo Ihr!
In diesem Thread hatten wir überlegt ein neues Thema zu eröffnen, in welchem wir versuchen die Eigenschaften Gottes Aufzulisten und uns darüber auszutauschen. Ich schreibe bewusst "versuchen", weil wir sicherlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben wollen. Denn es steht geschrieben: "sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken." Jesaja 55.9

Trotzdem ist das Thema von entscheidender Bedeutung. Aiden Wildson Tozer schreibt in seinem Buch "Das Wesen Gottes":
"Eines Tages wird es wohl offenbar werden, daß ein Volk immer
auf dem Niveau geblieben ist, auf dem auch seine Religion war,
und die menschliche Geistesgeschichte wird gewiß zeigen, daß
keine Religion je größer gewesen ist, als auch ihre Gottesvorstellung
es war. Die Gottesverehrung steht auf hohem oder auf
niedrigem Niveau, je nachdem ob der Gläubige hohe oder niedrige
Vorstellungen von Gott hat.
Deshalb ist die Gottesvorstellung selbst immer die entscheidendste
Frage für eine Gemeinde, und ebenso ist bei einem Menschen
nicht das, was er in einem bestimmten Moment sagt oder tut, das
Bedeutsamste, sondern seine Auffassung von Gott."
...
"Sich mit den Eigenschaften Gottes zu beschäftigen ist alles
andere als langweilig oder schwierig, vielmehr wird es für den
Gläubigen eine erfrischende und packende geistliche Übung sein.
Für die nach Gott dürstende Seele gibt es nichts Köstlicheres."


Ich wünsche euch viel Segen beim Nachsinnen und Lesen darüber und freue mich auf einen erbauenden Austausch!

Liebe Grüße
Leo
Ich freue mich sehr in dem HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir Kleider des Heils angezogen, mit dem Mantel der Gerechtigkeit mich bekleidet, ... Jesaja 61,10

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Beitragvon Joschie » 19.05.2011 11:01

Hallo Ihr!
Dazu folgende Wesen und Eigenschaften Gottes.
-Die Selbstgenügsamkeit Gottes
-Die Heiligkeit Gottes
-Die göttliche Allwissenheit
-Die Weisheit Gottes Teil.1
-Die Weisheit Gottes Teil.2
-Die Ewigkeit Gottes
-Die Unveränderlichkeit Gottes Teil.1
-Die Unveränderlichkeit Gottes Teil.2
-Die Unveränderlichkeit Gottes Teil.3
-Die heilige Dreieinigkeit Teil.1
-Die heilige Dreieinigkeit Teil.2
-Die Liebe Gottes Teil.1
-Die Liebe Gottes Teil.2
-Die Unbedingtheit Gottes Teil.1
-Die Unbedingtheit Gottes Teil.2
-Die Unbedingtheit Gottes Teil.3
-Die göttliche Erhabenheit
-Gottes Unendlichkeit Teil.1
-Gottes Unendlichkeit Teil.2
-Die Ewigkeit Gottes
-Die Allmacht Gottes
-Die Treue Gottes
-Die Gerechtigkeit Gottes
-Die Barmherzigkeit Gottes
-Die Heiligkeit Gottes Teil.1
-Die Heiligkeit Gottes Teil.2









:arrow: Da ja alles Wissen Stückwerk wer es sehr gut wen ihr zu diesen Beiträge Ergänzungen schreiben würdet oder über ganz andere Aspekte von den Wesen und der Eigenschaften Gottes.
Gruß Joschie
Zuletzt geändert von Joschie am 14.03.2014 13:07, insgesamt 5-mal geändert.
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Die "Selbstgenügsamkeit Gottes"

Beitragvon Joschie » 24.05.2011 18:40

Hallo Ihr!
Über die Selbstgenügsamkeit Gottes habe ich lange Zeit in meinen Glaubensleben nie, was gehört.Erst als ich angefangen habe mein Gottesbild das ich von meiner Gemeinde (ältere Brüder) übernommen habe öfter zu überdenken bin ich auf die Selbstgenügsamkeit Gottes gestoßen.Ich merkte auch sehr bald, wie sehr ich die Bibel durch meine Prägung gelesen habe und das es eine Illusion ist, dass es ein neutrales Lesen der Bibel gibt. Ich setze mal zu diesem Thema einen etwas längeren Text von A.W. Tozer rein:


:arrow: Da Gott als allerhöchstes Wesen über allem steht, kann er nicht noch mehr erhöht werden. Nichts steht über ihm, nichts geht über ihn hinaus. Für sein Geschöpf ist jede Regung zu ihm hin Erhöhung, jedes Abwenden von ihm Niedergang. Er hält seine Stellung kraft seines eigenen Vermögens und nicht durch irgend jemandes Erlaubnis. Niemand kann ihn befördern, niemand degradieren. Es steht geschrieben, daß er alle Dinge durch sein kräftiges Wort aufrechterhält. Wie kann er von etwas erhöht oder unterstützt werden, das nur durch ihn aufrechterhalten wird?
Wären alle Menschen plötzlich blind, würde dennoch am Tag die Sonne scheinen und die Sterne in der Nacht leuchten, denn diese sind all den Millionen, die aus ihrem Lichte Nutzen ziehen,in nichts verpflichtet. Genausowenig Einfluß hätte es auf Gott,würden alle Menschen auf Erden Atheisten. Was er ist, ist er in sich selbst, ungeachtet aller anderen. An Gott zu glauben bedeutet keine Ergänzung seiner Vollkommenheit, und an ihm zu zweifeln beeinträchtigt ihn nicht.
Der allmächtige Gott braucht - gerade weil er allmächtig ist keineUnterstützung. Das Bild eines nervösen Gottes, der sich bei den Menschen einschmeichelt, um ihre Gunst zu gewinnen, ist gewiß nicht erfreulich. Aber genau dies sind die allgemeinen Vorstellungen, die man von Gott hat. Die Christenheit des 20.Jahrhunderts hat ihn zu einem Gott ihrer Gnaden gemacht.Unsere Meinung von uns selbst ist so hoch, daß wir es als leicht, ja sogar als angenehm empfinden, zu glauben, daß Gott
unser bedarf. Aber die Wahrheit ist, daß Gott durch unsere Existenz nicht größer wird, genausowenig wie es ihm Abbruch tun würde,gäbe es uns nicht. Unsere Existenz ist ausschließlich auf Gottes freien Entschluß und Vorsatz zurückzuführen, nicht auf unseren Wert oder auf eine Notwendigkeit.
Am schwersten fällt uns durch unseren angeborenen Egoismus wohl der Gedanke, Gott könnte unsere Hilfe gar nicht nötig haben. Wir stellen Gott gewöhnlich als einen geschäftigen, eifrigen,irgendwie frustrierten Vater dar, der bei der Realisierung seines Plans, der Welt Frieden und Heil zu bringen, Hilfe benötigt.Doch in Wirklichkeit ist es so, wie Juliana von Norwich sagte:
»Ich erkannte, daß gewißlich Gott alle Dinge tut, auch die Allergeringsten.«
Der Gott, der alle Dinge wirkt, braucht bestimmt weder Hilfe noch Helfer.
Allzu viele Missionsaufrufe stützen sich auf diese vermeintliche Frustration des allmächtigen Gottes. Ein geübter Redner kann leicht Mitleid bei seinen Hörern wecken, Mitleid nicht nur für die armen Heiden, sondern auch für den Gott, der sich schon lange nachdrücklich, aber vergeblich, um deren Errettung bemüht hat,weil ihm die Unterstützung fehlte. Ich fürchte, daß Tausende junger Menschen als Beweggrund für ihren Dienst im Reiche Gottes die peinliche Lage, in der Gott steckt, sehen, in die ihn seine Liebe gebracht hat und aus der er mit seinen beschränkten Fähigkeiten ohne ihre Hilfe nicht mehr herauskommt. Fügt man dem noch ein gewisses Maß an löblichem Idealismus sowie eine gute Portion Erbarmen für die weniger Privilegierten hinzu, so findet man den wahren Antrieb, der heute hinter einem Großteil christlicher Aktivitäten steht. Des weiteren braucht Gott auch keine Verteidiger. Er ist der ewig »Unverteidigte«. Gott gebraucht in der Bibel öfters solche militärische Ausdrücke, damit wir ihn besser verstehen. Dies darf uns jedoch keinesfalls zu der Meinung verleiten, der Thron der allerhöchsten Majestät befände sich im Belagerungszustand und würde von Michael und seinen Engeln gegen die heftigen Angriffe von außen verteidigt. Damit hätten wir alles, was uns die Bibel über Gott sagt, mißverstanden. Weder das Judentum noch das Christentum könnten solch naive Vorstellungen gutheißen. Ein Gott, der verteidigt werden muß, könnte uns nur dann helfen,wenn auch ihm jemand hülfe. Wir könnten nur dann auf ihn zählen, wenn er die gewaltige Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse gewänne. Solch ein Gott könnte niemals den Respekt intelligenter Menschen gewinnen, sondern nur ihr Mitleid erregen.Um auf den rechten Weg zu kommen, muß unser Denken von Gott seiner würdig sein. Es ist unbedingt notwendig, alle unangebrachtenVorstellungen über die Gottheit aus unserm Sinn zu verbannen und Gott so sein zu lassen, wie er wirklich ist. Die christliche Religion hat mit Gott und dem Menschen zu tun. Aber nicht der Mensch steht im Brennpunkt, sondern Gott. Der Mensch kann sich nur aufgrund seiner Gottebenbildlichkeit Bedeutung zumessen; in sich selbst ist er nichts. Die Psalmisten und Propheten der Bibel sprechen betrübt spottend vom schwachen Menschen,der wie ein Grashalm ist, der am Morgen blüht und sproßt und des Abends welkt und verdorrt. Die Bibel lehrt nachdrücklich,daß Gott selbst unbedingt ist und der Mensch allein zu Gottes Verherrlichung existiert. Wie im Himmel, so muß die Ehre Gottesauch auf Erden absolute Priorität besitzen.All das läßt uns immer besser verstehen, warum die Heilige Schrift so viel über die lebensnotwendige Bedeutung des Glaubens zu sagen hat und den Unglauben als eine Todsünde brandmarkt.Keines der erschaffenen Wesen dürfte es wagen, auf sich selbst zu vertrauen. Gott allein vertraut auf sich selbst, wie auch alle anderen Wesen auf ihn vertrauen müssen. Unglaube ist in Wirklichkeit verkehrter Glaube; denn er setzt sein Vertrauen nicht auf den lebendigen Gott, sondern auf sterbliche Menschen. Der Ungläubige leugnet die Selbstgenügsamkeit Gottes und nennt Eigenschaften sein eigen, die ihm nicht gehören. Diese zweifache Sünde verunehrtGott und zerstört letztlich die Seele des Menschen.In seiner Liebe und in seinem Erbarmen kam Gott in Christus zu uns. Das war der konsequente Glaube der Gemeinde zur Zeit der Apostel, der bis heute in der christlichen Lehre der Fleischwerdung Gottes festgehalten wird. Seit einiger Zeit jedoch hat sich hier im Gegensatz zum Glauben der Urchristen eine Bedeutungswandlung und auch -minderung eingeschlichen. Der Mensch Jesus wird in seiner Menschlichkeit mit Gott gleichgesetzt, und all seine menschlichen Schwachheiten und Grenzen werden auf die Gottheit übertragen. Die Wahrheit ist, daß der Mensch, der unter uns lebte, nicht eine offene Darstellung der Gottheit, sondern eines vollkommenen Menschseins war. Die schreckenerregende Majestät der Gottheit wurde zum Schutz der Menschheit in barmherziger Weise mit dem Mantel menschlicher Natur verhüllt.
»Steig hinab«, befahl Gott Mose auf dem Berge, »und verwarne das Volk, daß sie nicht durchbrechen zum Herrn, ihn zu sehen, und viele von ihnen fallen« (2 Mo 19,21). Und später: »Kein Mensch wird leben, der mich sieht« (2 Mo 33,20).
Unter den heutigen Gläubigen scheint man Christus oft nur als Mensch zu kennen. Sie versuchen, in Gemeinschaft mit ihm zu kommen, indem sie ihn seiner verzehrenden Heiligkeit und unnahbaren Majestät berauben und damit auch jener Eigenschaften,die er während seines Erdendaseins verhüllte, aber in ganzer Herrlichkeit wieder an sich nahm, als er in den Himmel auffuhrund sich zur Rechten seines Vaters setzte. Der Christus desallgemeinen Christentums hat ein mattes Lächeln und einen
Heiligenschein. Er ist zu »Einem-dort-Oben« geworden, der die Menschen gern hat - zumindest einige - , und diese sind ihm dafür zwar dankbar, aber es beeindruckt sie nicht sonderlich. Wenn sie ihn brauchen, braucht er bestimmt auch sie.Wir sollten nun jedoch keinesfalls den Schluß ziehen, das Verständnis der göttlichen Selbstgenügsamkeit lähmte die christliche Aktivität. Im Gegenteil, sie regt sie zu einem heiligen Bemühen an. Diese Eigenschaft Gottes, die das menschliche Selbstvertrauen in seine Schranken verweist, kann unseren Sinn von der erdrückenden Last der Sterblichkeit befreien und uns ermutigen, das leichte Joch Christi auf uns zu nehmen und uns unter der Führung des Heiligen Geistes zur Ehre Gottes und für das Wohl der Menschheit hinzugeben.
Es ist wunderbar,daß Gott, der niemanden nötig hat, sich in seiner Herrlichkeit herabneigt,
um in seinen Kindern und durch sie zu wirken.Sollte dies alles widersprüchlich scheinen - amen, so sei es also!Einzelne Teile dieser Wahrheit stehen zueinander im Gegensatz und manchmal wird von uns verlangt, an diese scheinbaren Widersprüche zu glauben. Aber wir warten auf den Augenblick,wo wir erkennen werden, wie wir erkannt worden sind. Dann wird sich solch eine Wahrheit, die für uns noch widersprüchlich erscheint, als in sich geschlossen und harmonisch erweisen. Wir werden erkennen, daß dieser Konflikt in unserem von der Sünde geschädigten Sinn begründet lag. Bis dahin finden wir Erfüllung im liebenden Gehorsam gegenüber den Geboten Christi und den vom Geist gegebenen Ermahnungender Apostel. »Gott ist's, der in euch wirkt« (Phil 2,13). Er
ist auf niemanden angewiesen, aber wo Glaube ist, kann er jeden gebrauchen. Voraussetzung für gesundes geistliches Leben ist, daß wir beide Teile dieses Satzes akzeptieren. Viele Jahre lang wurde der erste fast vollständig in den Hintergrund gedrängt. Dasbrachte für uns einen tiefen geistlichen Schaden mit sich.
Quelle des Guten, aller Segen fließt von Dir;


Keinen Mangel kennt Deine Fülle;
Was kannst Du außer Dir selbst begehren?
Doch selbstgenügsam, wie Du bist,
Begehrst Du mein unwürdiges Herz;
Dies, dies allein verlangst Du.
JOHANN SCHEFFLER
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Die "Heiligkeit Gottes"

Beitragvon Joschie » 09.06.2011 18:25

" Nie ist der Mensch gebührend ergriffen und beeindruckt von seiner eigenen Bedeutungslosigkeit,
bis er sich selbst im Kontrast zu der Majestät und Herrlichkeit Gottes sieht"


:arrow: Der Schock, den wir durch unsern furchtbaren Bruch mit dem göttlichen Willen erlitten haben, hat in uns allen ein bleibendes Traum zurückgelassen, das jedes Teil unseres Seins berührt.Sowohl in uns wie in unserer Umwelt sitzt eine Krankheit.Das Bewußtsein seiner eigenen Verderbtheit kam wie ein Blitz vom Himmel über den zitternden Jesaja in dem Moment, als er die überwältigende Schau der Herrlichkeit Gottes empfing. Sein schmerzerfüllter Schrei: »Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den Herrn Zebaoth, gesehenmit meinen Augen« (Jes 6,5), drückt die Gefühle eines jeden aus,der sich selbst unter seiner Verkleidung erkannt hat und durch ein inneres Schauen mit der heiligen Reinheit Gottes konfrontiert worden ist. Es kann gar nicht anders sein, als daß eine solche Erfahrung von einer heftigen Gefühlsregung begleitet wird.
Bevor wir uns selbst nicht gesehen haben, wie Gott uns sieht,lassen wir uns nicht so leicht durch äußere Umstände aus der Ruhe bringen; erst, wenn sie unseren bequemen Lebensstil bedrohen,werden wir aktiv. Wir haben gelernt, mit Unheiligkeit zu leben,und sind so weit gekommen, sie als etwas ganz Natürliches undAlltägliches zu betrachten. Wir sind nicht darüber enttäuscht, daß wir nicht die ganze Wahrheit bei den Lehrern, Gewissenhaftigkeit bei den Politikern, Ehrlichkeit bei den Kaufleuten oder volle Vertrauenswürdigkeit bei unsern Freunden finden. Um die Fortdauer unserer Existenz zu sichern, erfinden wir Gesetze, um uns vor unsern Mitmenschen zu schützen, und lassen es dabei bewenden.Weder der Verfasser noch der Leser dieses Buches ist von sich aus fähig, die
Heiligkeit Gottes zu würdigen. So etwas wie ein neuer Kanal muß durch die Wüste unseres Sinnes gegraben werden, damit das köstliche Wasser der Wahrheit, das unsere schwere Krankheit heilen will, hineinfließen kann. Wir erfassen den wahren Sinn göttlicher Heiligkeit nicht, indem wir einfach an etwas oder jemand sehr Reinen denken und dann diese Vorstellung im höchsten Maße veredeln. Gottes Heiligkeit ist keine unendliche Verbesserung des Besten, das wir kennen. Uns ist etwas der göttlichen Heiligkeit Ähnliches gar nicht bekannt. Sie ist etwas ganz Besonderes: einzigartig, unnahbar, unbegreiflich und unerreichbar. Der natürliche Mensch ist blind dafür. Er fürchtet vielleicht Gottes Macht und bestaunt seine Weisheit, doch seine Heiligkeit kann er sich nicht einmal vorstellen.Nur der Geist des Heiligen kann dem menschlichen Geist die Erkenntnis des Heiligen vermitteln. Aber wie der elektrische Strom nur durch eine Leitung fließt, so fließt der Geist Gottes durch die Wahrheit. Er muß ein gewisses Maß an Wahrheit im Geist eines Menschen vorfinden, ehe er das Herz erleuchten kann.Glaube wird nur durch die Stimme der Wahrheit geweckt. »So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi« (Rom 10,17). Theologisches Wissen ist gleichsam das Medium, durch welches der Geist ins menschliche Herz
strömt; aber es setzt demütige Reue voraus, bevor die Wahrheit Glauben wecken kann. Der Geist Gottes ist der Geist der Wahrheit. Es ist möglich, etwas von der Wahrheit im Kopf zu haben, ohne den Geist im Herzen zu haben. Aber es ist unmöglich,den Geist ohne die Wahrheit zu haben.In seiner eingehenden Studie »Das Heilige« bringt Rudolf Otto beachtenswerte Beweise für das Vorhandensein einer Ahnung im menschlichen Geiste, daß es in der Welt ein unbestimmtes, unfaßbares Etwas gibt, das Mysterium Tremendum, das furchteinflößende Geheimnisvolle, welches das Universum umfaßt und durchdringt. Dieses ist ein Schrecken hervorbringendes Etwas,das nie verstandesmäßig wahrgenommen, sondern nur in den Tiefen des Menschengeistes erahnt und erfühlt werden kann. Es besteht weiter als ein bleibender religiöser Instinkt, ein Gefühl für jene namenlose, unauffindbare Gegenwart,
die »quecksilbergleich in den Adern der Schöpfung pulst« und manchmal den Verstand wie betäubt, indem es diesem mit einer
übernatürlichen,überverstandesmäßigen Kundgebung seiner selbst gegenübertritt.Der von ihm überwältigte Mensch wird ganz klein und kann nur zittern und schweigen.Dieser nicht aus der Vernunft stammende Schrecken, diese Ahnung eines nichtkreatürlichen Weltgeheimnisses, bildet den Urgrund aller Religionen. Die reine Religion, wie wir sie in der Bibel finden, existiert ebenso wie der niedrigste Animismus desnackten Eingeborenen nur deshalb, weil der menschlichen Natur diesergrundlegen Instinkt innewohnt. Der Unterschied zwischen der Religion eines Jesaja oder Paulus und der des Animisten besteht natürlich darin, daß der eine die Wahrheit hat und der andere nicht; letzterer besitzt lediglich
den ahnungsvollen Instinkt.Er fühlt einen unbekannten Gott. Ein Jesaja aber und ein Paulus haben den wahren Gott durch seine Selbstäußerung in derHeiligen Schrift gefunden.Das Erahnen des großen Mysteriums ist für die menschliche Natur grundlegend und für den Glauben unentbehrlich, aber sie genügt nicht. Wohl läßt sie die Menschen flüstern: »Dieses fürchterliche Etwas!« Aber sie rufen nicht aus: »Du mein Heiliger!« In der jüdischen wie auch in der christlichen Bibel setzt Gott seine Selbstoffenbarung fort und macht sich persönlich bekannt.Seine Gegenwart wird nicht als ein Etwas, als ein Ding dargestellt,sondern als ein persönliches Wesen mit allen Eigenschaften einer echte Persönlichkeit. Ja, noch mehr: Dieses Wesen ist voll Gerechtigkeit, Reinheit, Geradheit und unbegreiflicher Heiligkeit. Und in alledem ist er unerschaffen, genügt sich selbst und ist weder mit dem menschlichen Denkvermögen zu erfassen noch mit dem menschlichen Sprachvermögen auszudrücken. Durch die Selbstoffenbarung Gottes in der Heiligen Schrift und durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes gewinnt der Gläubige alles und verliert nichts. Seiner Gottesvorstellung wird das Doppelkonzept von Persönlichkeit und sittlichem Charakter hinzugefügt. Das ursprüngliche Empfinden von Staunen und Ehrfurcht in der Gegenwart des welterfüllten Mysteriums aber bleibt. Heute hüpft vielleicht sein Herz, und er ruft vor lauter Freude: »Abba,lieber Vater, mein Herr und mein Gott!« Morgen kniet er vielleicht mit verzücktem Zittern nieder, um den Hohen und Erhabenen, dessen Wohnung die Ewigkeit ist, zu bestaunen und anzubeten.Heiligkeit ist Gottes Art. Um heilig zu sein, richtet er sich nicht
nach einem Maßstab. Er selbst ist sich der Maßstab. Seine absolute Heiligkeit ist von einer unendlichen, unfaßbaren Reinheitsfülle,die unfähig ist, etwas anderes zu sein, als sie ist. Weil er heilig ist, sind auch alle seine Eigenschaften heilig. Das heißt,alles, was wir Gott zuschreiben, müssen wir uns heilig vorstellen.Gott ist heilig, und er hat Heiligkeit zur moralischen Bedingung für das Wohl seines Universums gemacht. Die einstweilige Gegenwart der Sünde in der Welt betont dies nur. Was heilig ist, ist auch gesund. Das Böse ist eine Krankheit, die schließlich zum Tode führen muß. Auch im Sprachlichen kommt das zum Ausdruck, hat doch das Wort heilig die gleiche sprachliche Wurzel wie das Wort heil, das soviel wie gesund, ganz, bedeutet.Da es Gott im Blick auf seine Welt in erster Linie um deren Übereinstimmung mit seiner Lebensordnung, das heißt um Heiligkeit,geht, zieht alles, was im Gegensatz dazu steht, sein ewiges Mißfallen auf sich. Um seine Schöpfung zu erhalten, muß Gott alles zunichte machen, was diese zerstören würde. Wenn er sich erhebt, um der Sünde entgegenzutreten und die Welt vor einem nicht wiedergutzumachenden Zusammenbruch zu retten, dann wird er in der Bibel als zornigbeschrieben. Jedes Zorngericht in der Weltgeschichte stellt einen heiligen Akt der Erhaltung dar.Die Heiligkeit Gottes, der Zorn Gottes und das Wohl der Schöpfung sind unzertrennbar vereint. Gottes Zorn ist seine völlige Unduldsamkeit allem gegenüber, was verdirbt und zerstört.
Er haßt die Sünde, wie eine Mutter die Krankheit haßt, die das Leben ihres Kindes bedroht.Gottes Heiligkeit ist absolut und kennt keine Abstufungen. Das ist etwas, das er nicht auf seine Geschöpfe übertragen kann. Aber
es gibt eine relative und bedingte Heiligkeit, die er sowohl seinen Engeln und Seraphim im Himmel wie auch erlösten Menschen auf Erden schenkt, und zwar durch Zurechnung und Mitteilung. Weil er sie ihnen zugänglich gemacht hat durch das Blut des Lammes,fordert er sie auch von ihnen. Zuerst zu Israel und später zu seiner Gemeinde sagte Gott: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig«(3 Mo 19,2; 1 Petr 1,16). Er sagte nicht: »Seid heilig, wie ich heilig bin«, denn das hieße, von uns absolute Heiligkeit zu verlangen,die ja nur Gott allein besitzt.
Vor unerschaffenen Feuer der göttlichen Heiligkeit verhüllen die Engel ihr Antlitz. Nicht einmal die Himmel und die Sterne sind rein vor seinem Angesicht.
Kein ehrlicher Mensch kann behaupten: »Ich bin heilig.« Aber ebensowenig ist ein ehrlicher Mensch bereit, die ernsten Worte des
inspirierten Schreibers zu ignorieren:»Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird« (Hebr 12,14).Was sollen wir Gläubigen in diesem Dilemma, in dem wir uns befinden, tun?
Wir müssen uns, ähnlich wie Mose, mit Glaube und Demut bedecken, während wir einen raschen Blick auf den Gott werfen, den kein Mensch sehen und dabei am Leben bleiben kann. Das zerbrochene und zerschlagene Herz wird er nicht verachten. Wir müssen unsere Unheiligkeit in den Wunden Christi verbergen, so wie Mose sich in der Felsenkluft verbarg, während die Herrlichkeit Gottes an ihm vorüberzog. Wir müssen von Gott zu Gott flüchten. Vor allem jedoch müssen wir glauben,daß Gott in uns seinem Sohn als vollkommen ansieht. Daneben züchtigt und reinigt er uns, damit wir Teilhaber seiner Heiligkeit sind.Durch Glauben und Gehorsam, durch anhaltendes Nachdenken über die Heiligkeit Gottes, durch Gerechtigkeitsliebe und Sündenabscheu, durch wachsende Vertrautheit mit dem Geiste der Heiligkeit können wir in der Gemeinschaft der Heiligen auf Erden leben und uns für das ewige Leben vorbereiten. Auf diese Weise haben die Gläubigen, wenn sie sich versammeln, sozusagen einen Himmel, in dem sie sich auf den Himmel vorbereiten.

Wie erhaben ist Deine Allgegenwart,
Du ewiger Herr!
Von gebeugten Seelen wird sie Tag und Nacht
Ohne Unterlaß gepriesen.
Wie schön, wie schön
Muß es sein, Dich zu sehen,
Deine endlose Weisheit, grenzenlose Macht
Und ehrfurchterregende Reinheit!
Ach, wie ich Dich fürchte, lebendiger Gott!
Mit tiefsten Ängsten, mit zitternder Hoffnung
Und mit bußfertigen Tränen bete ich Dich an.

FREDERICK W. FABER

Quelle des Beitrages: A.W. Tozer "Das Wesen Gottes"

Ein lesenswerte Beitrag vom Abraham Meister Namen des Ewigen Nr.382 "Der Heilige"
Gruß Joschie
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Die göttliche Allwissenheit

Beitragvon Joschie » 22.06.2011 07:53

Die göttliche Allwissenheit


Herr, Du kennst alles; Du weißt, wann ich sitze und wann
ich aufstehe; alle meine Wege sind Dir bekannt. Ich kann
Dir nichts erzählen, was Dir neu wäre, und jeder Versuch,
etwas vor Dir verbergen zu wollen, ist umsonst. Im Lichte
Deines vollkommenen Wissens bin ich so unwissend wie
ein kleines Kind. Hilf mir, alle Sorge wegzutun; denn Du
kennst den Weg, den ich gehe, und aus Deiner Prüfung
werde ich wie geläutertes Gold hervorgehen. Amen.


Wenn wir von der Allwissenheit Gottes reden, so meinen wir damit, daß er vollkommenes Wissen besitzt und darum nichts hinzuzulernen braucht. Aber es bedeutet noch mehr. Es bedeutet,daß Gott nie etwas gelernt hat, daß er gar nicht lernen kann.
Die Heilige Schrift sagt uns, daß Gott niemals etwas von einem anderen gelernt hat. »Wer bestimmt den Geist des Herrn, und welcher Ratgeber unterweist ihn? Wen fragt er um Rat, der ihm Einsicht gebe und lehre ihn den Weg des Rechts und lehre ihn Erkenntnis und weise ihm den Weg des Verstandes?« (Jes 40,13 bis 14). »Wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?« (Rom 11,34). Diese schon beantworteten Fragen des Propheten Jesaja sagen deutlich aus, daß Gott nie etwas erlernen mußte.
Daraus zu schließen, daß Gott auch nichts hinzulernen kann, ist nun ein kleiner Schritt. Könnte Gott irgendwann oder irgendwie zusätzlich Wissen aufnehmen, so wäre er unvollkommen und nicht Gott. Könnten wir uns Gott vorstellen, wie er zu Füßen eines Lehrers - und wäre es ein Erzengel oder Seraph - säße, so würden wir dabei keinesfalls an Gott, den Allerhöchsten und Schöpfer des Himmels und der Erde, denken.
Daß ich das Thema der Allwissenheit Gottes damit einleite, zu beschreiben
, wie Gott nicht ist, halte ich dadurch für gerechtfertigt,daß ich es einfacher finde, uns, die wir noch nicht viel über Gott wissen, diese Eigenschaft Gottes auf diesem Wege verständlicher zu machen. Von dieser Methode haben wir auch in den bisherigen Betrachtungen schon öfters Gebrauch gemacht. Wir haben gesehen, daß Gott keinen Ursprung und keinen Anfang hat, daß er keine Helfer braucht, daß er keinen Veränderungen unterworfen ist und daß sein Wesen keine Beschränkungen kennt.Auch die inspirierten Verfasser der Heiligen Schrift haben sich dieser Methode der Verneinung bedient. »Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt« (Jes 40,28). Die eindrückliche Feststellung, die Gott über sich selbst macht: »Ich,der Herr, wandle mich nicht«, sagt mehr über die göttliche Allwissenheit aus, als eine eingehende Abhandlung es zu tun vermöchte. Gottes ewige Wahrhaftigkeit wird vom Apostel Paulus durch eine Verneinung bestätigt: »Gott, der nicht lügt« (Tit1,2). Die Bestätigung des Engels, daß »bei Gott kein Ding unmöglich« ist, fügt sich mit der obigen Verneinung zu etwas unüberhörbar Positivem zusammen.
Daß Gott allwissend ist, wird nicht nur in der Bibel gelehrt,sondern ist auch aus all dem zu schließen, was wir sonst über ihn wissen. Gott weiß alles über seine eigene Person, und weil er selbst Quelle und Ursprung aller Dinge ist, folgt daraus auch sein alles umfassendes Wissen. Dieses Wissen hat er im gleichen Augenblick eines Geschehens und in absoluter Vollkommenheit. Er kennt jede Einzelheit aller Dinge, die irgendwo im All irgendwann existiert haben, noch existieren oder erst existieren werden.
Gott kennt sofort, ausnahmslos und ohne Mühe, alle Dinge, alle Gedanken, alle Geister, alle Wesen, alle Geschöpfe, alle Gesetze, alle Beziehungen, alle Geheimnisse, alle Rätsel, alle Gefühle, alle Wünsche, alles Verborgene, alle Throne und Reiche,alle Persönlichkeiten, alles Sichtbare und Unsichtbare im Himmel und auf der Erde, Bewegung, Raum, Zeit, Leben, Tod, Gut und Böse, Himmel und Hölle.
Weil Gott alle Dinge vollkommen durchschaut, kennt er das eine nicht besser als das andere, entdeckt er nie etwas, ist nie überrascht und nie erstaunt oder verwundert. Er sucht keine Informationen und stellt keine Fragen, es sei denn, daß er einen Menschen die Wahrheit zu dessen Wohl bekennen läßt.Gott, der in sich selbst besteht und in sich alles enthält, kennt das, was keine Kreatur kennen kann - sich selbst. »So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes« (1 Kor 2,11).Nur der Unendliche kann das Unendliche kennen.
Die göttliche Allwissenheit führt uns den Schrecken und die Faszination der Gottheit vor Augen. Daß Gott jeden Menschen durch und durch kennt, kann für einen, der etwas zu verbergen hat, Grund zum Zittern und Fürchten sein. Ein Mensch, dereine Sünde gegen andere oder Gott zu verstecken sucht, tut wohl daran, vor Gott zu zittern, da dieser ja die Fadenscheinigkeit jeder Ausrede und Entschuldigung für sündiges Verhalten genau kennt.»Denn unsre Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht« (Ps 90,8). Welch ein erschreckender Anblick ist es, zu sehen, wie sich die Söhne Adams zwischen den Bäumen eines anderen Gartens
verstecken. Doch wo sollen sie sich verbergen? »Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein - , so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, unddie Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht«(Ps 139,7.11-12).Welch unaussprechlicher Trost liegt für uns, die wir bei ihm Zuflucht haben und die im Evangelium dargebotene Hoffnung ergreifen, in dem Wissen, daß unser himmlischer Vater uns durch und durch kennt. Niemand kann uns bei ihm verleumden, kein Feind kann uns anklagen, kein vergessener dunkler Punkt kann plötzlich aus einem verborgenen Winkel hervorgeholt werden unduns demütigen und unsere Vergangenheit offen darlegen. Keine unerwartete Schwachheit unseres Charakters kann ans Licht kommen und Gott dazu veranlassen, sich von uns abzuwenden;denn er kannte uns schon, ehe wir ihn kannten, und rief uns zu sich in voller Kenntnis dessen, was gegen uns stand. »Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer« (Jes 54,10).Unser Vater im Himmel kennt unsere Art und weiß, daß wir Staub sind. Er wußte um unsere angeborene Verderbtheit und rettete uns um seinetwillen (Jes 48,8-11). Sein eingeborener Sohn fühlte, als er unter uns wandelte,unsere Schmerzen und auch intensive Angst. Christus kennt unsere Anfechtungen und Nöte nicht nur theoretisch, sondern persönlich; er kann sie mitfühlen. Was uns auch immer widerfahren mag, Gott weiß es und ist um uns besorgt, wie kein anderer es sein kann.

Er gibt allen seine Freude;
Er wird zum kleinen Säugling;
Er wird ein Mann der Schmerzen;
Er spürt auch das Leid.

Denke nicht, Du könntest einen Seufzer seufzen,
Und Dein Schöpfer wäre nicht dabei;
Denke nicht, du könntest eine Träne weinen, und Dein
Schöpfer wäre nicht nahe.

Ach! Er gibt uns seine Freude,
Um unsere Schmerzen zu vernichten;
Bis unser Schmerz davongeflogen ist,
Sitzt er bei uns und stöhnt mit uns.

WILLIAM BLAKE
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Die Weisheit Gottes Teil.1

Beitragvon Joschie » 20.07.2011 09:23

Die Weisheit Gottes Teil.1

O Christus, »der Du versucht wurdest in allen Dingen wie wir,
doch ohne Sünde«, mache uns stark, damit wir das
Verlangen, weise zu sein und von andern als weise ange-
sehen zu werden, überwinden. Wir wenden uns von unse-
rer Weisheit und Torheit ab und flüchten zu Dir, der Du
die Weisheit und die Kraft Gottes bist. Amen.


Diese kurze Studie über die göttliche Weisheit beginnen wir mit dem Glauben an Gott. Wir wollen auch hier nicht verstehen,um dann glauben zu können, sondern glauben, um zu verstehen. Also werden wir nicht nach Beweisen für die Weisheit Gottes suchen. Der ungläubige Verstand würde sich auch dadurch nicht überzeugen lassen, und der gläubige Mensch braucht keine Beweise. »Gelobt sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit«,sprach der Prophet Daniel, »denn ihm gehören Weisheit und Stärke... Er gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand, er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis liegt, denn bei ihm ist lauter Licht« (Dan 2,20 ff.). In der Offenbarung (7,12) beten die Engel Gott an: »Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit!« Das akzeptiert der gläubige Mensch, ohne daß es ihm einfallen würde, Gott müßte Beweise für seine Wahrheit oder seine Kraft erbringen. Genügt es nicht, daß er Gott ist? Die Feststellung der christlichen Theologie, Gott sei weise bedeutet viel mehr als dieses schwache Wort auszudrücken vermag,das durch die Gewichtigkeit seines Inhalts schier erdrückt wird. »Seine Weisheit ist nicht zu ermessen«, sagt der Psalmist.Was die Theologie hier auszudrücken versucht, ist nichts Geringeres als Unendlichkeit. Da das Wort unendlich etwas umschreibt, das einzigartig ist,kann es davon keine Steigerangsformen geben. Worte wie einzigartiger oder besonders unendlich kennen wir nicht.Vor der Unendlichkeit müssen wir verstummen.
Es gibt zwar eine sekundäre, erschaffene Weisheit, die Gott seinen Geschöpfen verliehen hat, aber im Vergleich zur grenzenlosen Weisheit Gottes ist alle Weisheit der Menschen klein und armselig. Gott allein ist weise, und alle Weisheit der Menschen oder Engel ist nur ein Widerschein jenes unerschaffenen Glanzes, der vom Throne der himmlischen Majestät ausgeht.Der Gedanke der unendlichen Weisheit Gottes setzt an der Wurzel aller Wahrheit an und ist eine Glaubensgrundlage, die für die Gültigkeit aller anderen Aussagen über Gott notwendig ist.Da Gott unabhängig von allen Geschöpfen existiert, ist er natürlich auch nicht von unseren Meinungen über ihn abhängig. Aber unsere moralisch-geistige Gesundheit fordert, daß wir dem Schöpfer und Erhalters des Universums eine absolut vollkommene Weisheit zuschreiben. Das zu leugnen würde bedeuten, genau das in uns zu verraten, was uns von Tiere unterscheidet. Der Begriff Weisheit wird in der Bibel meist in Verbindung mit Gott und guten Menschen gebraucht und trägt dadurch einen stark moralischen Beiklang. Sie wird als rein, voller Liebe und Güte beschrieben, während dagegen eine Weisheit, die lediglich Schlauheit bedeutet, oft bösen Menschen zugeschrieben wird,denn solche Weisheit ist trügerisch und falsch. Diese gegensätzlichen Ausdrucksformen von Weisheit stehen in ständigem Konflikt miteinander. Betrachtet man die ganze Weltgeschichte von der Höhe des Sinai oder von Golgatha aus, so erscheint sie tatsächlich als eineAuseinandersetzung zwischen der Weisheit Gottes und der Schlauheit Satans und des gefallenen Menschen.Das Ergebnis dieses Konflikts steht außer Zweifel. Das Unvollkommene muß schließlich dem Vollkommenen unterliegen. Gott hat gewarnt, daß er die Weisen bei ihrer eigenen Schlauheit packen und die Weisheit der Klugen zuschanden werden lassen wird.Weisheit ist unter anderem die Fähigkeit, sich vollkommene Ziele zu stecken und zu versuchen, diese mit den vollkommensten Mitteln zu erreichen; von Anfang an das Ende vor Augen zu haben und sich nicht auf Raten und Mutmaßen einzulassen. Weisheit erkennt den Kern aller Dinge und die Beziehung, in der sie zueinander stehen, und kann deshalb mit fehlerfreier Präzision auf die vorherbestimmten Ziele hinwirken.Alle Taten Gottes geschehen in vollkommener Weisheit, in erster Linie zu seiner eigenen Verherrlichung und dann zum Allerbesten möglichst vieler Menschen über möglichst lange Zeit.Alle seine Taten sind ebenso rein und gut wie weise. Nicht nur seine Taten, sondern auch die Art und Weise, wie sie ausgeführt werden, sind vollkommen. Ein unendlich weiser Gott muß in einer Weise wirken, die von begrenzten Geschöpfen nicht verbesser werden kann. O Herr, wie mannigfaltig sind deine Werke! Du hast sie alle in Weisheit gemacht. Die Erde ist voll von deinenReichtümern! Ohne die Schöpfung wäre die Weisheit Gottes auf ewig in der unendlichen Tiefe des göttlichen Wesens verschlossen geblieben.Gott schenkte seine Geschöpfen das Dasein, um sich an ihnen zu erfreuen und damit sie sich an ihn erfreuen sollten. »Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe siehe, es war sehr gut«(1 Mo 1,31).Jahrhunderte hindurch haben sich viele außerstande erklärt,an die grundlegende Weisheit einer Welt, in der so viel verkehrt zu sein scheint, zu glauben. Voltaire stellt in Candide einen entschlossenen Optimisten namens Dr. Pangloss vor, dem er all die Argumente der »Besten-aller-moglichen-Welten«-Philosophie in den Mund legt. Offensichtlich bereitete es dem französischen Zyniker großes Vergnügen, den alten Professor in Situationen zu versetzen, die seine Philosophie lächerlich erscheinen ließen.Aber die Lebensanschauung des gläubigen Christen ist in jeder Hinsicht realistischer als die des Dr. Pangloss mit seiner Vernunftgläubigkeit.Ein Christ ist sich dessen bewußt, daß diese Welt imAugenblick nicht die beste aller möglichen Welten ist, sondern im Schatten eines ungeheuren Unglücks, des Sündenfalls des Menschen, steht. Die inspirierten Bibelautoren bezeugen, daß sich die ganze Schöpfung unter dem furchtbaren Schock des Sündenfallsängstet und nach Erlösung sehnt. Sie versuchen nicht, vernünftige Gründe hervorzuholen; sie betonen, »die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit - ohne ihren Willen,sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf Hoffnung«(Rom 8,20). Hier wird kein Versuch unternommen, Gottes Wege,die er die Menschen führt, zu rechtfertigen, sondern einfach eine Tatsache beschrieben. Das Wesen Gottes ist mehr als alle Verteidigung.Aber all unsere Tränen tragen Hoffnung in sich. In der Stunde des Triumphes Christi wird die leidende Welt zur herrlichen Freiheit der Söhne Gottes hinausgeführt werden. Für die Menschen der neuen Schöpfung ist das goldene Zeitalter nicht die Vergangenheit,sondern die Zukunft, und wenn sie anbricht, wird eine staunende Welt erkennen, daß Gott in Wahrheit all seine Weisheit über- reichlich an uns verschwendet hat. Bis dahin setzen wir unsere Hoffnung auf den allein weisen Gott, unseren Heiland, und warten mit Geduld auf die schrittweise Entfaltung seiner Pläne.Trotz Tränen,Schmerz und Tod glauben wir, daß der Gott,der uns alle erschaffen hat, unendlich weise und gut ist. So wie Abraham nicht an den Verheißungen Gottes zweifelte, sondern stark wurde im Glauben, Gott die Ehre gab und völlig davon überzeugt war, daß Gott das, was er verheißt, auch tun kann, so setzen gleicherweise auch wir unsere Hoffnung auf Gott allein, bis sein Tag anbricht. Wir ruhen in dem, was Gott ist. Ich glaube, das allein ist wahrer Glaube. Jeglicher Glaube, der Unterstützung durch augenfällige Beweise braucht, ist kein echter Glaube »Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!« (Joh20,29).Das Zeugnis des Glaubens lautet, daß ungeachtet dessen, wie es in dieser gefallenen Welt aussieht, alle Taten Gottes in vollkommener Weisheit vollbracht wurden. Die Fleischwerdung des ewigen Sohnes war eine von Gottes mächtigen Taten, und wir können versichert sein, daß diese Tat mit einer Vollkommenheit geschah, deren nur der Unendliche fähig ist.»Und groß ist, wie jedermann bekennen muß, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart imFleisch« (1 Tim 3,16).Auch die Versöhnung wurde mit derselben makellosen Erfahrenheit vollbracht, die alle Taten Gottes auszeichnet. Auch wenn wir es kaum begreifen, so wissen wir jedenfalls, daß Christi Versöhnungswerk Gott und die Menschen vollkommen miteinander versöhnt und allen, die da glauben, das Reich Gottes aufgeschlössen hat. Unser Anliegen ist nicht, zu verstehen, sondern zuverkündigen. Mich wundert tatsächlich, ob Gott uns all das verstehen lassen kann, was dort am Kreuz geschah. Nach den Worten des Apostels Petrus verstehen es nicht einmal die Engel,die gelüstet,diese Dinge zu schauen.Das Wirken des Evangeliums, die Wiedergeburt, die Sendung des Heiligen Geistes in die menschliche Natur, der endgültige Sieg über das Böse und schließlich die Aufrichtung des Reiches Christi der Gerechtigkeit - all dies floß und fließt noch immer aus der unendlichen Fülle der Weisheit Gottes. Auch das schärfste Auge des heiligsten Beobachters unter der seligen Schar droben kann bei der Ausführung all dieser Ereignisse keinen Makel an den Wegen Gottes entdecken, und ebensowenig vermag alle Weisheit der Seraphim und Cherubim zusammen eine Verbesserung am göttlichen Vorgehen vorzuschlagen. Ich merkte, daß alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, daß man sich vor ihm fürchten soll« (Pred 3,14). Das Festhalten dieser Wahrheit der unendlichen Weisheit Gottes als Lehrsatz unseres Glaubensbekenntnisses ist für uns entscheidend wichtig. Doch dies allein genügt noch nicht. Wir müssen sie durch den Gebrauch unseres Glaubens und das Gebet in die praktische Welt unserer alltäglichen Erfahrung hineintragen.Der bewußte Glaube daran, daß unser himmlischer Vater für uns ständig Situationen plant, die gegenwärtig zu unserem Besten und zusätzlich zu unserem ewigen Wohlbehagen beitragen, bedeutet für den inwendigen Menschen einen echten Segen. Die meisten von uns gehen durch das Leben, indem sie ein wenig beten, ein wenig planen, sich in eine gute Position bringen wollen,ständig hoffen, aber sich einer Sache nie wirklich sicher sind, und bei alle dem im Geheimen fürchten, daß sie den richtigen Weg verpassen könnten.Das ist eine tragische Ver-
schwendung der Wahrheit und bringt dem Herzen nie Ruhe. Es gibt einen besseren Weg, nämlich sich nicht auf die eigene Weisheit, sondern statt dessen auf die unendliche Weisheit Gottes zu verlassen. Wenn wir unbedingt selber Vorsorge treffen wollen,so ist das ganz natürlich, aber es ist auch ein Hindernis für unser geistliches Wachstum. Gott hat die volle Verantwortung für unser ewiges Glück auf sich genommen und steht bereit,die Führung über unser Leben in dem Augenblick zur übernahmen, wo wir uns im Glauben ganz an ihn wenden. Er hat verheißen:»Aber die Blinden will ich auf dem Wege leiten, den sie nicht wissen; ich will sie führen auf den Steigen, die sie nicht kennen.Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene. Das alles will ich tun und nicht davon lassen« (Jes 42,16).

Laß Ihn dich blindlings vorwärts führen,
Liebe braucht nichts zu wissen;
Kinder, die der Vater führt,
Fragen nicht, wohin sie gehen,
Sei noch so unbekannt der Weg
Über einsames Moor und Gebirge.


Gott ermutigt uns unaufhörlich, ihm im dunkeln zu vertrauen.»Ich will vor dir hergehen und das Bergland eben machen, ich will die ehernen Türenzuschlagen und die eisernen Riegel zerbrechen und will dir heimliche Schätze geben und verborgene Kleinode, damit du erkennst,daß
ich der Herr bin, der dich beim Namen ruft, der Gott Israels«
(Jes 45,2 f.).Es ist ermutigend zu erfahren,wie viele der mächtigen Taten
Gottes im Verborgenen geschahen, geschützt vor den neugierigen Augen der Menschen oder Engel. Als Gott Himmel und Erde schuf, lag Finsternis über der Tiefe. Als der ewige Sohn Feisch wurde, weilte er für eine Zeit in der Dunkelheit des gesegneten jungfräulichen Schoßes. Als er starb, damit die Welt leben konnte, geschah dies in der Finsternis. Als er von den Toten auferstand, war es »sehr früh am Morgen«. Niemand sah ihn auferstehen. Es ist, als wollte Gott sagen: »Was ich bin, ist alles, was für dich zählt; denn darin liegt deine Hoffnung und dein Friede. Ich werde tun, was ich tun will, und es wird alles irgendwann ans Licht kommen. Aber wie ich es tue, das ist mein Geheimnis. Vertraue mir und fürchte dich nicht.« Wenn die Güte Gottes unser Bestes will, wenn die Weisheit Gottes alles plant und wenn die Kraft Gottes es vollbringt - was fehlt uns dann noch? Ganz gewiß sind wir die Bevorzugtesten aller Geschöpfe!

In allen Werken unseres Schöpfers
Leuchten Allmacht und Weisheit.
Diese ganze wunderbare Gefolgschaft
Rühmt die Ehre Seines Namens.

THOMAS BLACKLOCK
Quelle: A.W. Tozer "Das Wesen Gottes"
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Die Weisheit Gottes Teil.2

Beitragvon Joschie » 14.08.2011 18:31

Die Weisheit Gottes Teil.2

Weisheit Gottes ist Sein Vermögen, Seine allezeit vollkommen guten Ziele mit dem Vollkommensten zu erreichen. Das kann in Einzelnen, im Kleinen, im Gesamten und Großen der Schöpfung wahrgenommen werden. Das Alte Testament bewundert in diesem Sinne die Werke Gottes (Sprüche 3,18-19; Jeremia 10,12; Jeremia 51,15; Psalm 104,24;Psalm 136,5). Im alttestamentlichen Schrifttum wird auch anerkannt, dass die Spuren der göttlichen Weisheit nicht immer leicht zu erkennen sind. Es wird aber nicht daraus gefolgert, an Gottes Weisheit zu zweifeln. Die Erhabenheit der göttlichen Weisheit, die sich der menschlichen Forschung oft verbirgt, kann nur durch Offenbarung erkannt werden (Hiob 28,12; Hiob 38,1; Hiob 39,1). Gottes Weisheit hat in der Weltschöpfung und Weltregierung und Welterhaltung ihre Wirksamkeit. Die Weisheit, die mit Seiner Stärke verbunden ist, wirkt in der Überwindung aller feindlichen Gewalten (Hiob 9,4; Hiob 12,13;Jesaja 31,2; Daniel 2,20).

Im Neuen Testament wird der Gedanke der göttlichen Weisheit erweitert auf die Offenbarung der Welterlösung (Römer 11,33). Der hochmütige Menschen- verstand sieht das als Torheit an, weil eben die Spuren der göttlichen Weisheit in der Schöpfung schnöde verkannt werden (1. Korinther 1,21-25). Es ist eine verborgene Weisheit, die sich nur denen erschließt, die durch Gottes Geist geistlich urteilen können (1.Korinther 2,4-10). Bei ihnen rechtfertigt (Matthäus 11,19) und enthüllt sich Gottes Weisheit in einer unerschöpflichen Tiefe und Vielseitigkeit (Römer 11,33; Epheser 3,10; 1. Korinther 1,30). Gott bewährt Sich als der „allein Weise (Römer 16,27; 1.Timotheus 1,17). Die Ewigkeit wird noch erfüllt sein vom Lobpreis der göttlichen Weisheit.Die Weisheit war nach der Belehrung Salomos bei der Weltschöpfung mit Gott in Gemeinschaft (Sprüche 8,22-31). Dieser Gedanke liegt in einer Reihe von Zeugnissen, wo Jesus von dem Bewusstsein Seines Lebens vor Seinem Erdendasein redet.Nikodemus gegenüber bezeichnet Er Sich als den, der vom Himmel gekommen ist (Johannes 3,13).Zweifellos verstand Jesus unter Seiner Sendung in die Welt die Sendung vom Himmel herab (Johannes 3,17). Das gleiche Zeugnis, vom Himmel herabgekommen zu sein spricht Jesus von dem Festzuge zum Passah (Johannes 6,33.38). Wenn Jesus sagt: „Ihr werdet von nun an sehen des Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war“(Johannes 6,62). Der Herr war sich völlig bewusst, vorher im Himmel gewesen zu sein. Aus Seinem Ausspruch: „Aber gerechtfertigt wird die Weisheit von ihren Kindern“ (Matthäus 11,19) ist ersichtlich, dass Er Sich im Blick auf Sprüche 8,22s.; Sprüche 9,1ss.Selbst als die persönliche Weisheit bezeichnete. Er war als ein besonderes Ich neben Gott bei der Ordnung der Schöpfung und bei der Begründung eines göttlichen Reiches beteiligt.
In Lukas 11,49: „Darum hat die Weisheit Gottes gesprochen“ ist auch ein Ausspruch Jesu über Seine Präexistenz. Jesus bezeichnet Sich hier als „die Weisheit“, von welcher Sprüche 8,22 als von der Vermittlerin der Schöpfung der Welt spricht.In Matthäus 11,19 und Lukas 11,49 liegt nahe, dass Sich Jesus Selbst als „die Weisheit Gottes“, bezeichnet. Es ist nicht nur ein Fingerzeig auf Seine Präexistenz, sondern auch auf die Vermittlung der Welt-schöpfung und der Offenbarung des Alten Testamentes. Es ist in Sprüche 8,22 wohl zu erkennen, dass die Weisheit als persönliche Bildnerin der Welt und Erzieherin der Menschen erscheint. Jahwe bereitete sie als Anfang Seines Weges (Sprüche 8,22). Sie war dort, als Jahwe den Himmel bereitete (Sprüche 8,27). Sie war Ihm als Werkmeister (Nr. 619 siehe dort) oder Busensohn (Nr. 79 siehe dort) zur Seite, als Jahwe den Grund zur Erde legte (Sprüche 8,30). Sie war spielend auf dem Kreis Seiner Erde, Seine Wonne war bei den Menschensöhnen (Sprüche 8,31). Sie baute ihr Haus auf sieben Säulen und lud die Menschen zu ihrem Gastmahl (Sprüche 9,1). Nach der gesamten biblischen Offenbarung ist uns Christus von Gott zur Weisheit gemacht (1.Korinther 1,30-31).
Quelle: Abraham Meister "Namen des Ewigen"
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Die Ewigkeit Gottes

Beitragvon Joschie » 06.09.2011 18:36

Die Ewigkeit Gottes

Heute erkennen unsere Herzen mit Freuden, was unser
Verstand nie völlig erfassen kann - Deine Ewigkeit, o
Allmächtiger. Bist Du nicht von Ewigkeit her gewesen, o
Herr, mein Gott, Du Heiliger?
Ewiger Vater, wir beten Dich an, dessen Jahre kein Ende
haben; und Dich, den geliebten eingeborenen Sohn, der
von Ewigkeit her gewirkt hat; wir ehren auch Dich,
ewiger Geist, und beten Dich an, der Du vor Grundlegung
der Welt in gleicher Herrlichkeit mit dem Vater und
dem Sohn lebtest und liebtest.
Erweitere und reinige unsere Herzen, damit sie würdige
Wohnungen Deines Geistes seien, Du, der Du ein aufrichtiges
und reines Herz allen Tempeln vorziehst. Amen.


Der Begriff der Ewigkeit zieht sich durch die gesamte Bibel hindurch und nimmt im orthodoxen jüdischen und christlichen Denken eine wichtige Stellung ein. Würden wir ihn verwerfen,wäre es uns ganz unmöglich, die Gedanken der Propheten und Apostel nachzuvollziehen, denn sie waren von den Gedanken an eine Ewigkeit erfüllt.
Da das Wort ewig von den Schreibern der Bibel manchmal im Sinne von »lange andauernd«gebrauchtwird (wie z. B. in 1 Mo49,26: »... die ewigen Hügel«),sind einige Leute der Meinung,der Gedanke der unendlichen Existenz sei nicht von dem abzuleiten,was die biblischen Autoren mit diesem Wort gemeint hätten,sondern erst später von den Theologen eingeführt worden.Dieser schwerwiegende Irrtum entspringt - meiner Meinung nach -einer fehlenden ernsthafte Wissenschaftlichkeit.
Durch diese Argumentation flüchten einige Bibelausleger vor der Lehre der ewigen Bestrafung. Sie lehnen die Idee ewiger Vergeltung ab und sind deshalb dazu gezwungen, die ganze Vorstellung einer Endlosigkeit zu schwächen. Das ist nicht das einzige Beispiel dafür, wie Menschen versuchen, klare Aussagen zu verändern, um damit alle Beweise gegen ihren Irrtum zu vernichten.Die Wahrheit ist, daß selbst, wenn die Bibel nicht die Ewigkeit Gottes wortwörtlich lehren würde, wir trotzdem nicht daran vorbeikämen, sie aus seinen anderen Eigenschaften abzuleiten.Gäbe es in der Heiligen Schrift kein Wort für Ewigkeit, so müßten wir notwendigerweise eines erfinden, um damit ein Konzept, das überall in der Schrift vorausgesetzt wird, in Worte fassen zu können.Der Gedanke der Endlosigkeit ist für das Reich Gottes von so grundlegender Bedeutung wie der Kohlenstoff für die Natur. So wie der Kohlenstoff als wesentliches Element in fast allen lebenden Stoffen vorhanden ist und sie mit Energie versorgt, so ist eine Auffassung von Endlosigkeit notwendig, um jeder christlichen Lehre Sinn zu verleihen. Ich kenne keinen Lehrsatz des christlichen Glaubensbekenntnisses, der ohne den Ewigkeitsgedanken seinen Sinn bewahren könnte. »Du bist,Gott, von Ewigkeit zuEwigkeit« (Ps 90,2), sagte Mose, vom Geist erfüllt. Der Verstand blickt, so weit er vermag, in die Vergangenheit zurück, und wendet dann seinen Blick in die Zukunft, so weit es ihm sein Vorstellungs- und Denkvermögen ermöglicht. Gott, bei dem es keine Vergangenheit und Zukunft gibt, ist sowohl hier wie dort.Zeit markiert den Anfang der Existenz der Geschöpfe; da Gott nie zu existieren begann, ist sie auf ihn auch nicht anwendbar.Beginnen ist ein Zeit-Wort und besitzt daher für den Höchsten,
der in der Ewigkeit wohnt, keine persönliche Bedeutung.


Kein Alter kann Dich mit Jahren beladen;
Lieber Gott! Du bist selbst Deine eigene Ewigkeit.

FREDERICK W. FABER

Weil Gott im immerwährenden »Jetzt« lebt, hat er keine Vergangenheit und keine Zukunft. Zeitbegriffe, die in der Bibel gebraucht werden beziehen sich auf unsere, nicht auf seine Zeit.
Die vier Gestalten, die Tag und Nacht vor dem Throne Gottes rufen: »Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige,der da war und der da ist und der da kommt!« (Offb 4,8),identifizieren Gott mit der Lebensform seiner Geschöpfe und deren drei Zeitformen. Das ist richtig und gut so; denn Gott selbst will dies. Da Gott jedoch unerschaffen ist, bleibt er von den aufeinanderfolgenden Wechseln, die wir Zeit nennen, unberührt. Gott lebt in der Ewigkeit, die Zeit dagegen wohnt in ihm. Gott hat schon unsere ganze Zukunft, sowie auch unsere Vergangenheit durchlebt. Vielleicht hilft uns hier ein Versuch von C. S.Lewis, dies zu veranschaulichen. Er schlägt vor, sich die Ewigkeit als ein unendlich großes Blatt Papier vorzustellen. Eine kurze Linie, die man auf diesem Blatt zieht, bedeutet die Zeit. So wie diese Linie auf dem unendlich großen Blatt beginnt und endet, so begann die Zeit in Gott und wird auch in Gott enden.Daß Gott zu Beginn der Zeit erscheint, ist nicht allzu schwer zu verstehen. Aber daß er am Anfang und am Ende der Zeit gleichzeitig erscheint, ist nicht so leicht zu fassen. Dennoch ist es wahr. Wir Menschen verstehen Zeit als eine Abfolge von Ereignissen,und mit ihrer Hilfe erklären wir uns aufeinanderfolgende Veränderungen im Universum. Veränderungen geschehen nicht alle auf einmal, sondern eine nach der andern, und es ist das Verhältnis vom Nachher zum Vorher, welches uns den Zeitbegriff vermittelt. Wir warten darauf, daß die Sonne von Osten nach Westen zieht oder daß sich der Stundenzeiger auf dem Zifferblatt im Kreis bewegt. Aber Gott ist nicht auf ein solches Warten angewiesen, bei ihm ist alles zukünftige Geschehen bereits vollendet.Deshalb kann Gott sagen: »Ich bin Gott, und sonst keiner mehr, ein Gott, dem nichts gleicht. Ich habe von Anfang an verkündigt, was hernach kommen soll, und vorzeiten, was noch nicht geschehen ist« (Jes 46,9 f)Er sieht beides, Anfang und Ende, mit einem Blick. »Denn unendliche Dauer, das Wesen der Ewigkeit, umschließt alles Aufeinanderfolgen«, sagt Nikolaus von Kues, »und alles, was für uns wie ein zeitliches Nacheinander aussieht, ist für deinen Begriff immer jetzt... Weil du Gott der Allmächtige bist, wohnst du in den Menschen des Paradieses,und diese Mauern sind ein zeitliches Zusammenfallen von früher oder später, wo das Ende eins ist mit dem Anfang und wo das Alpha und Omega dasselbe ist... Denn jetzt und dann falleninnerhalb der Mauern des Paradieses zusammen.
O mein Gott,du Absoluter und Ewiger, du bist und sprichst jenseits von Gegenwart und Vergangenheit.«Als Mose hochbetagt war, schrieb er Psalm 90, aus dem in diesem Kapitel schon zitiert wurde.
Darin besingt er die Ewigkeit Gottes. Für ihn ist diese Wahrheit eine feststehende theologische Tatsache, so fest und unerschütterlich wie der ihm so vertraute Berg Sinai. Sie enthielt für ihn eine doppelte praktische
Bedeutung:Da Gott ewig ist, wird er stets das einzige Zuhause seiner von der Zeit getriebenen Kinder sein. »Herr, du bist unsre Zuflucht für und für.« Der zweite Gedanke ist weniger tröstend:Gottes Ewigkeit ist unendlich und unsere Jahre auf Erden sind gezählt - wie sollen wir dabei mit unseren Händen etwas Bleibendes schaffen können? Wie sollen wir der steten Wiederholung von Geschehnissen entgehen, die uns zermürben und an den Rand der Erschöpfung und Zerstörung bringen? Dieser ganze Psalm spricht über Gott, und so ist er es auch, den Mose wehmütig anruft:»Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden« (Ps 90,12) Möge das Wissen um deine Ewigkeit, o Gott, für mich nicht umsonst sein!Von uns, die wir in dieser hektischen Zeit leben, wäre es weise,oft und lange in der Gegenwart Gottes und an der Schwelle zur Ewigkeit über unser Leben und unsere Zeit nachzudenken. Denn wir sind für die Ewigkeit ebenso gemacht wie für die Zeit hier auf Erden, und als verantwortliche sittliche Wesen müssen wir uns mit beiden befassen.
Für die Ewigkeit erschaffen und trotzdem gezwungen zu sein, in der Zeit zu leben, ist für die Menschheit eine Tragödie großen Ausmaßes. Alles in uns schreit nach Leben und Beständigkeit,und alles um uns her erinnert uns an Sterblichkeit und Wechsel.Dennoch ist die Tatsache, daß Gott uns für die Ewigkeit gemacht hat, beides: Herrlichkeit und Prophezeiung - eine Herrlichkeit,die Wirklichkeit werden wird, und eine Prophezeiung, die noch
erfüllt werden wird.Ich hoffe, daß man es nicht für unnötig hält, wenn ich hier nochmals auf das Bild Gottes im Menschen, auf diesen Grundpfeiler christlicher Theologie, zurückkomme. Die Merkmale des Abbildes Gottes sind durch die Sünde so unkenntlich gemacht worden, daß sie nicht leicht wiederzuerkennen sind. Aber ist es nicht vernünftig zu glauben, daß eines dieser Merkmale das unersättliche Verlangen des Menschen nach Unsterblichkeit ist?

Du wirst uns nicht im Staube liegenlassen
Du hast den Menschen geschaffen, er weiß nicht warum;
Er denkt, er sei nicht zum Sterben erschaffen,
Du hast ihn gemacht: Du bist gerecht!

TENNYSON

Das Abbild Gottes im Menschen läßt, vielleicht auch nur schwach, einen jeden beständig auf eine Fortdauer seiner Existenz hoffen. Trotzdem kann er sich nicht freuen; denn das Licht des Verstandes, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen, beunruhigt sein Gewissen, indem es ihn durch Beweise seiner Schuld und die Gewißheit des Sterbens erschreckt.So wird er zwischen Hoffnung und Furcht hin- und hergerissen.
Doch genau an diesem Punkt erscheint die herrliche Botschaft des Evangeliums. Jesus Christus hat »dem Tode die Machtgenommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht... durch das Evangelium« (2 Tim 1,10). Dies schreibt Paulus kurz bevor er zur Hinrichtung geführt wird. Gottes Ewigkeit und die Sterblichkeit des Menschen machen uns deutlich,daß es uns nicht einfach freigestellt ist, an Jesus Christus zu glauben oder ihn abzulehnen. Für jeden Menschen gilt die Entscheidung:entweder der Glaube an Christus oder eine ewige
Verdammnis. Unser Herr kam aus der Ewigkeit, um seine Brüder zu retten deren moralisches Fehlen sie nicht nur zu Toren der vergänglichen Welt, sondern auch zu Sklaven der Sünde und des Todes gemacht hat.

Ein kurzes Leben ist hier unser Anteil,
Kurzer Kummer, kurze Sorge;
Das Leben, das kein Ende kennt,
Das Leben ohne Tränen ist dort.
Dort werden wir Gott, unseren König
In der Fülle Seiner Gnade
Dann immer sehen
Und von Angesicht zu Angesicht anbeten.

BERNHARD VON CLUNY
Quelle: A.W.Tozer "Das Wesen Gottes"
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Die Unveränderlichkeit Gottes Teil.1

Beitragvon Joschie » 13.01.2012 19:38

Die Unveränderlichkeit Gottes Teil.1

O Christus, unser Herr, Du warst unsere Zuflucht durch
alle Generationen. Wie die Kaninchen in ihren Bau, so
flüchten wir zu Dir, um Schutz zu suchen. Wie Vögel auf
ihrem Zug, so fliegen wir zu Dir, um Frieden zu finden.
Zufall und Veränderung treten in unserer kleinen, natürlichen
und menschlichen Welt häufig auf, doch bei Dir
gibt es keine Unbeständigkeit oder den Schatten der
Veränderung. Wir ruhen in Dir ohne Furcht und Zweifel
und sehen dem Morgen ohne Besorgnis entgegen. Amen.


Die Unveränderlichkeit gehört zu den weniger schwer zu verstehenden Eigenschaften Gottes.Doch um sie erfassen zu können,müssen wir unsere gewohnte Denkweise, die wir erschaffenen Dingen gegenüber anwenden, ablegen und uns um eine neue bemühen.
Wenn wir sagen, Gott sei unveränderlich, heißt das, daß er immer gleich bleibt. Die Vorstellung von einem wachsenden oder sich entwickelnden Gott ist der Heiligen Schrift fremd. Der Gedanke, daß Gott sich in irgendeiner Weise verändert,scheint mir aus folgendem Grunde undenkbar zu sein: Ein sittliches Wesen kann sich in drei Richtungen verändern:vom Besseren zum Schlechteren, vom Schlechteren zum Besseren,oder - bei gleichbleibender Qualität - von der Unreife zur Reife. Uns sollte klar sein, daß Gott sich in keine dieser Richtungen bewegt,denn seine Vollkommenheit schließt eine solch Möglichkeit für immer aus. Gott kann sich nicht zum Besseren verändern. Da er vollkommen heilig ist, war er nie weniger heilig, als er es jetzt ist, und er kann nie heiliger sein, als er es immer war. Ebensowenig kann Gott sich zum Schlechteren verändern. Eine Verschlechterung des unaussprechlich heiligen Wesens Gottes ist unmöglich. Ich glaube sogar, daß es unmöglich ist, an so etwas überhaupt zu denken, denn wenn wir das tun, ist der Gegenstand unseres Denkens nicht mehr Gott, sondern etwas, das geringer ist als er.So wie es keine Veränderung der Moral Gottes geben kann, so kann es auch in seinem göttlichen Wesen keine geben. Das Wesen Gottes ist einzigartig im wörtlichsten Sinne, das heißt, es ist verschieden von allen anderen Wesen. Wir haben gesehen, wie sich Gott von seinen Geschöpfen dadurch unterscheidet, daß er unbedingt,selbstgenügsam und ewig ist. Aufgrund dieser Eigenschaften ist Gott Gott und nicht irgendein anderes Wesen.
Jemand,der auch nur der geringsten Veränderung unterworfen ist,ist nicht unbedingt, selbstgenügsam und ewig und damit auch nicht Gott.Nur ein aus Teilen zusammengesetztes Wesen kann sich verändern;denn eine Veränderung ist im Grunde eine Verschiebung der Beziehung der Teile zueinander oder das Hinzutreten eines fremden Elementes zur ursprünglichen Zusammensetzung. Da Gott unbedingt ist, das heißt, in sich selbst besteht, kann er nicht zusammengesetzt sein. Es gibt nichts an ihm, was zu verändern wäre, und da er selbstgenügsam ist, kann von außen nichts in sein Wesen eindringen.»Was aus Teilen zusammengefügt ist«, sagt Anselm von Canterbury,»ist durchaus nicht eines, sondern irgendwie mehreres und verschiedenartig von sich selber und kann-sei es wirklich oder gedanklich - zerlegt werden ; das ist dir fremd... Es gibt also keine Teile in dir, Herr, noch bist du mehreres, sondern so sehr bist du etwas Eines und dir selber Gleiches, daß du in nichts dir selber unähnlich bist;vielmehr bist du die Einheit selber, durch keinen Verstand teilbar.«
»Alles, was Gott ist, ist er immer gewesen, und alles, was er gewesen ist und jetzt ist, wird er immer sein.« Von dem, was Gott über sich selbst ausgesagt hat, unterliegt nichts der Veränderung;auch das, was die inspirierten Propheten und Apostel über ihn ausgesagt haben, wird niemals aufgehoben. Dies garantiert uns seine Unveränderlichkeit.
Die Unveränderlichkeit Gottes erscheint in ihrer vollkommensten Schönheit, wenn sie mit der Veränderlichkeit des Menschen verglichen wird. In Gott ist keine Veränderung möglich, der Mensch dagegen kann der Veränderlichkeit nicht entfliehen.Weder der Mensch noch seine Welt sind unveränderlich, sondern befinden sich in ständiger Bewegung. Jeder Mensch lebt seine Zeit, lacht und weint, arbeitet und spielt, geht dann dahin und macht denen Platz, die ihm folgen.
Manch ein Dichter findet am Gesetz der Unbeständigkeit ein schier krankhaftes Vergnügen und singt in Molltönen das Lied des ständigen Wechsels. Omar Chaijau zum Beispiel schrieb mit Pathos und Humor über Unbeständigkeit und Sterblichkeit, die Zwillingskrankheit des Menschen.» Gehe mit dem Ton nicht sogrob um«, ermahnt er den Töpfer, »es könnte der Staub deines Großvaters sein, mit dem du hantierst.«, »Wenn du den Becher erhebst und den roten Wein trinkst«, erinnert er den Zecher,»küßt du vielleicht die Lippen einer längst verstorbenen Schönen.«Dieser Ton der süßen Sorge, vermischt mit liebenswürdigem Humor, verleiht den Vierzeilern eine leuchtende Schönheit. Doch wie schön dieses Gedicht auch erscheinen mag, so ist es doch krank, todkrank. Wie sich der Vogel von der drohenden Schlange betören läßt, so ist der Dichter von dem Feind fasziniert, der ihn und alle Menschen aller Generationen zerstört.
Auch die heiligen Schreiber sehen der Veränderlichkeit des Menschen ins Auge, aber es sind gesunde Menschen, in deren Worte eine heilsame Kraft liegt. Diese Schreiber haben das Heilmittel für die große Krankheit in der Erkenntnis, daß Gott sich niemals verändert, gefunden. Eine gefallene Welt fällt unter das Gesetz der Veränderlichkeit, Gott aber ist« unveränderlich « und in ihm findet der gläubige Mensch endlich ewige Beständigkeit.Schon zu Lebzeiten arbeitet die Veränderlichkeit für die Kinder des Reiches und nicht gegen sie. Die Veränderungen, die in ihnen geschehen, werden durch die Hand des in ihnen wohnenden Geistes gewirkt. »Nun aber«, schreibt der Apostel, »schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist«(2 Kor 3,18). In einer Welt des Wechsels und Zerfalls kann nicht einmal der Gläubige vollständig glücklich sein. Instinktiv sucht er das Beständige und ist betrübt über die Vergänglichkeit.
Quelle: A.W.Tozer "Das Wesen Gottes"
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Die Unveränderlichkeit Gottes Teil.2

Beitragvon Joschie » 15.01.2012 17:11

Die Unveränderlichkeit Gottes Teil.2

O Herr! Mein Herz ist krank,
Krank von diesen ewigen Veränderungen.
Und das Leben läuft lästig schnell
Durch die Abwechslungen und den rastlosen Lauf;
Veränderungen finden ihresgleichen nicht in Dir
Und weckt kein Echo in Deiner stillen Ewigkeit.

FREDERICK W. FABER

Doch so sehr wir den Mangel an Beständigkeit, der allen irdischen Dingen anhaftet, beklagen, so ist doch in einer gefallenen Welt wie dieser, gerade die Fähigkeit zur Veränderung ein goldener Schatz, eine Gabe Gottes von solch wunderbarem Wert,daß sie zu ständigem Danken bewegen sollte. Die Fähigkeit zur Veränderung schafft für uns Menschen die Möglichkeit zur Erlösung.Ein anderer Mensch zu werden ist nur durch die Buße möglich: der Lügner wird wahrhaftig, der Dieb ehrlich, der Unzüchtige der Stolze demütig. Die ganze Moral eines Menschenlebens wird verändert. Die Gedanken, die Wünsche, die Neigungen sind andere geworden, und der Mensch ist nicht mehr der gleiche, der er vorher war. Diese Veränderung ist so radikal, daß der Apostel den einstigen Menschen den »alten Menschen« nennt und den jetzigen den »neuen Menschen«»der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat« (Kol 3,9 f).Doch die Veränderung ist tiefer und grundlegender, als irgendeine äußere Erscheinung kundtun kann, denn sie schließt auch ein, daß ein neues Leben empfangen wird, das von anderer und höherer Qualität ist. Der alte Mensch lebt, auch wenn er sich von der besten Seite zeigt, nur das Leben Adams; der neue Mensch dagegen hat das Leben Gottes.Dies ist mehr als eine bloße Redensart, es ist wortwörtlich wahr.Wenn Gott den Geist eines Menschen mit ewigem Leben durchdringt, so wird dieser Mensch Teil einer neuen und höheren Seinsordnung. Der unveränderliche Gott gebraucht bei seinem erlösenden Wirken eine Folge von Veränderungen und erreicht dadurch schließlich Dauerhaftigkeit. Am deutlichsten wird dies im Hebräerbrief dargestellt.»Er hebt das erste auf, damit er das zweite einsetze« (Hebr 10,9. Das ist eine Art Zusammenfassung der Lehre dieses bemerkenswerten Briefes. Der alte Bund wurde aufgehoben, damit der neue und unvergängliche Bund an dessen Stelle treten konnte. Das Blut der Ochsen und Böcke verlor seine Bedeutung, als das Blut des Passahlammes vergossen wurde. Das Gesetz, der Altar, das Priestertum - all das war Veränderungen unterworfen. Jetzt ist das ewige Gesetz Gottes für immer in der lebendigen, empfindsamen, menschlichen Seele eingegraben. Das alte Heiligtum existiert nicht mehr, doch das neue Heiligtum,in dem der Sohn Gottes der Hohepriester ist, ist auf ewig in den Himmeln eingerichtet.Hier sehen wir, daß Gott Veränderungen gebraucht,um dadurch seine Erlösten zusegnen. Er selbst jedoch steht außerhalb des Gesetzes der Veränderlichkeit und bleibt von allen Wechseln, die sich im Universum ereignen, unberührt.
Quelle: A.W.Tozer "Das Wesen Gottes"
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Die Unveränderlichkeit Gottes Teil.3

Beitragvon Joschie » 16.01.2012 19:54

Die Unveränderlichkeit Gottes Teil.3

Und alles verkündet,
während es sich verändert,
Den ewig gleichen Herrn.

CHARLES WESLEY

Wieder erhebt sich die Frage danach, was es mir nützt, zu wissen, daß Gott unveränderlich ist. Ist dies alles nicht bloß eine metaphysische Spekulation, die den Leuten, die sich damit beschäftigen, Befriedigung verschafft, aber für die anderen, praktischen Menschen keine wirkliche Bedeutung besitzt?Wenn »praktische Menschen« ungläubige Menschen sind, die sich nur um weltliche Geschäfte kümmern,dem Anspruch Christi, dem Wohlergehen ihrer eigenen Seele oder den Interessen der zukünftigen Welt jedoch gleichgültig gegenüberstehen, dann besitzt für sie weder dies noch irgendein anderes den Glauben ernstnehmendes Buch überhaupt eine Bedeutung. Aber auch wenn es überwiegend solche Menschen gibt, so stellen sie keineswegs die Gesamtheit der Bevölkerung dar. Da sind immer noch die »siebentausend, die ihre Knie nicht vor Baal beugen«, und daran glauben, daß sie erschaffen wurden, um Gott anzubeten und sich auf ewig seiner Gegenwart zu erfreuen. Diesem Menschen wollen so viel sie können über den Gott,mit dem sie die Ewigkeit zu verbringen hoffen, lernen.Ist es für uns nicht eine Quelle wunderbarer Kraft, zu wissen, daß Gott sich niemals verändert, auch wenn uns die Menschen dieser Welt vergessen,ihre Haltung uns gegenüber je nach ihren Eigeninteressen ändern und ihre Meinung über uns beim geringsten Anlaß revidieren? Gottes Einstellung uns gegenüber jedoch bleibt auch in der zukünftigen Ewigkeit dieselbe, die sie in der vergangenen schon war. Welch einen Frieden bringt es dem gläubigen Herzen, sich bewußt zu machen, daß unser himmlischer Vater sich nie von dem unterscheiden wird, was er jetzt ist. Wir können zu ihm kommen, wann wir wollen, und brauchen uns nie zu fragen, ob er in diesem Moment in guter Laune ist. Er ist immer empfänglich für Not und Elend, genauso wie für Glaube und Liebe. Festgelegte Zeiten, in denen er niemanden sehen will, kennt er nicht. Auch seine Meinung ändert er niemals. Heute,in diesem Augenblick, empfindet er seinen Geschöpfen, den Babys,Kranken, Gefallenen und Sündigen gegenüber genauso wie damals, als er seinen eingeborenen Sohn in die Welt schickte, damit er für die Menschheit sterben sollte.Gott kennt keine Stimmungen, seine Zuneigung verblaßt nicht, seinen Enthusiasmus verliert er nicht. Seine Haltung der Sünde gegenüber ist heute noch die gleiche wie damals, als er den sündigen Menschen aus dem Garten Eden vertrieb, und seine Einstellung zum Sünder ist dieselbe wie damals, als er seine Arme ausstreckte und rief: »Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken« (Mt 11,28). Gott schließt keine Kompromisse und läßt sich nicht dazu überreden, sein Wort zu ändern oder selbstsüchtige Gebete zu erhören. Bei all unseren Bemühungen, Gott zu finden, ihm zu gefallen und Gemeinschaft mit ihm zu haben, sollten wir daran denken, daß sich jegliche Veränderung auf unserer Seite vollziehen muß. »Ich, der Herr, wandle mich nicht« (Mal 3,6).Wir müssen nur seine klar ausgesprochenen Bedingungen erfüllen und unser Leben in Übereinstimmung mit seinem Willen bringen, dann wird seine unendliche Kraft augenblicklich an uns in der Weise wirksam werden, wie es im Evangelium dargestellt ist.

Ursprung des Seins, Quelle des Guten!
Unveränderlich bleibst Du!
Kein Schatten einer Veränderung kann
Die Herrlichkeit Deines Reiches verdunkeln.
Die Erde samt all ihren Mächtigen mag vergehen,
Wenn es der große Schöpfer will;
Doch Du bist für immer derselbe.
ICH BIN ist immer noch Dein Ehrenmal.

Aus »WALKER'S COLLECTION«
Quelle: A.W.Tozer "Das Wesen Gottes"
Zuletzt geändert von Joschie am 25.08.2013 12:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Jörg » 07.08.2012 04:35

Die heilige Dreieinigkeit Teil.1

Gott unserer Väter, wie reich ist unsere Sprache. Und
doch, wie armselig scheinen unsere Worte, wenn wir
versuchen, Deine Wunder zu rühmen! Wenn wir das
Geheimnis Deiner dreieinigen Gottheit betrachten, legen
wir ehrfürchtig die Hand auf den Mund. Im Anblick des
brennenden Busches begehren wir nicht, zu begreifen,
sondern sehnen uns danach, Dich, den einen Gott, geoffenbart
in drei Personen, gebührend anbeten zu können.
Amen.


Über die drei Personen der Gottheit nachzusinnen ist wie in Gedanken durch den Garten Eden zu gehen und auf heiligen Boden zu treten. Unser ernsthaftestes Bemühen, das unbegreifliche Geheimnis zu erfassen, wird stets vergeblich sein, und nur tiefste Ehrfurcht kann es vor tatsächlicher Anmaßung bewahren. Manche Leute, die alles ablehnen, was sie nicht erklären können, bestreiten auch, daß Gott eine Trinität ist. Sie unterziehen den Allerhöchsten einer nüchternen Prüfung und kommen zu dem Schluß, daß er unmöglich gleichzeitig Einer und doch Drei sein kann. Solche Leute vergessen, daß ihr ganzes Leben in ein Geheimnis gehüllt ist. Sie bedenken nicht, daß selbst einfachste Naturphänomene nie ganz zu ergründen sind und kaum besser als das Geheimnis der Gottheit geklärt werden können. Jeder Mensch hat einen Glauben, der Ungläubige wie der Heilige; der eine glaubt an die Naturgesetze, der andere an Gott. Jeder Mensch muß in seinem Leben Dinge akzeptieren, die er nicht verstehen kann. Selbst den gelehrtesten Weisen kann man mit der Frage »Was ist das?« zum Schweigen bringen. Die Antwort auf diese Frage liegt für alle Zeiten in der unendlichen Tiefe des Unbekannten verborgen; kein Mensch wird sie je entdecken. »Gott weiß den Weg zu ihr, er allein kennt ihre Stätte« (Hi 28,23), niemals aber der sterbliche Mensch.Ähnlich wie Piaton stellt sich Thomas Carlyle einen heidnischen Menschen vor, der in einer versteckten Höhle zur Reife herangewachsen ist und nun plötzlich herausgebracht wird, um den Sonnenaufgang mit anzusehen. »Wie groß wäre sein entzücktes Staunen beim Anblick dessen, dem wir täglich mit Gleichgültigkeit begegnen! Mit dem freien, offenen Sinn eines Kindes, jedoch auch mit dem reifen Geist eines Mannes, würde sein ganzes Herz entbrennen... Diese grüne, blühende, auf Felsen gebildete Erde mit all ihren Bäumen, Flüssen und wogenden Meeren; die blaue Weite, die sich über uns ausbreitet; das Wehen der Winde; die schwarze Wolke, die sich zusammenballt und einmal Feuer, ein anderes Mal Hagel und Regen ausschüttet - was ist das? Ja, was? Im tiefsten Innern wissen wir es noch nicht und werden es auch nie wissen.« Wie anders reagieren wir! Wir haben uns daran gewöhnt und sind durch die Fülle der wunderbaren Dinge, die uns umgeben, abgestumpft! »Nicht durch unsere überragende Einsicht überwinden wir das Unverständliche«, sagte Carlyle, »sondern durch unseren überragenden Leichtsinn, unsere Unaufmerksamkeit und durch unseren Mangel an Einsicht. Das Nichtdenken läßt uns aufhören zu staunen... Wir nennen das Feuer aus der dunklen Wolke >Elektrizität< und halten darüber gelehrte Vorträge. Aber was ist Elektrizität? Wohin geht sie? Woher kommt sie? Die Wissenschaft hat viel für uns getan; aber ist das nicht eine arme Wissenschaft, die uns die tiefe, heilige, unendliche Unwissenheit verbergen möchte, auf deren Oberfläche sie schwimmt und welche sie nie durchdringen wird! Diese Welt ist trotz all unseres Wissens und all unserer Wissenschaft immer noch ein Wunder großartig, unergründlich und faszinierend für alle, die darüber nachdenken.« Diese eindrücklichen, beinahe prophetischen Worte wurden vor mehr als einem Jahrhundert geschrieben, aber trotz der atemberaubenden Fortschritte, die Wissenschaft und Technik seit jener Zeit erlebten, ist kein einziges unzeitgemäß geworden. Wir sind immer noch Unwissende. Wir wahren das Gesicht, indem wir gedankenlos im Fahrwasser der Wissenschaft schwimmen. Die gewaltige Energie der Erde machen wir uns zu Nutzen und beherrschen sie mit einem Knopfdruck, es sei im Auto oder in der Küche. Wir lassen sie für uns arbeiten wie Aladins Wunderlampe,aber noch immer wissen wir nicht, was sie ist. Weltliche Interessen, Materialismus und die gegenwärtigen Dinge, die ständig in uns eindringen, haben das Licht in unsern Seelen gelöscht und uns zu einer Generation lebendiger Leichen gemacht. Wir verdecken unsere Unwissenheit mit Worten, wir schämen uns zu staunen und fürchten uns davor, das Wort Geheimnis auch nur zu flüstern. Die Gemeinde hat nie gezögert, die Dreieinigkeit zu lehren. Ohne vorgeben zu wollen, diese zu verstehen, hat sie sie bezeugt und hat damit die Lehre der Heiligen Schrift wiederholt. Manche bestreiten, daß die Bibel die Dreieinigkeit Gottes lehrt. Sie gehen davon aus, daß die ganze Idee von einer Dreiheit, die gleichzeitig eine Einheit ist, in sich selbst ein Widerspruch ist. Doch wenn wir nicht einmal das Herabfallen eines Blattes vom Baum am Straßenrand oder das Ausbrüten eines Eies im Rotkehlchennest verstehen können, warum sollte dann die Trinität für uns ein Problem darstellen? »Wir denken edler von Gott«, sagt Miguel de Molinos, »wenn wir erkennen, daß er unbegreiflich ist und unser Verstehen übersteigt, als wenn wir ihn mit der Begrenztheit unseres Verstandes in irgendeinem Bilde und in der Naturschönheit bruchstückhaft wahrnehmen.« Nicht alle, die sich in vergangenen Jahrhunderten Christen nannten, glaubten an die Dreieinigkeit. Doch wie die Gegenwart Gottes in der Feuerwolke über dem Lager Israels während der ganzen Wüstenwanderung aufleuchtete und der gesamten Welt bezeugte: »Dies ist mein Volk«, so strahlt der Dreieinigkeitsglaube seit den Tagen der Apostel wie ein Licht über der Gemeinde, die ihren Weg durch die Wüste der Zeit sucht. Reinheit und Kraft sind Folgen dieses Glaubens. Unter diesem Banner schritten Apostel, Glaubensväter, Märtyrer, Mystiker, Liederdichter, Reformatoren und Erweckungsprediger vorwärts, und das Siegel göttlichen Wohlgefallens ruhte auf ihrem Leben und Tun. Wie sehr sie auch in unbedeutenderen Dingen voneinander abwichen, so verband sie in gleichem Maße die Lehre der Dreieinigkeit. Was Gott kundtut, bekennt das glaubende Herz, ohne weiterer Beweise zu bedürfen. Einen Beweis zu suchen bedeutet ja nichts anderes, als dem Zweifel Raum zu geben, und einen Beweis zu erhalten heißt, den Glauben überflüssig zu machen. Jeder, der die Gabe des Glaubens besitzt, wird die Weisheit in jenen kühnen Worten eines der frühen Kirchenväter erkennen: »Ich glaube, daß Christus für mich starb, weil es unglaublich ist. Ich glaube, daß er von den Toten auferstand, weil es unmöglich ist.« Das war auch die Haltung Abrahams, der trotz all der äußeren Umstände im Glauben stark wurde und Gott die Ehre gab. Das war die Glaubenshaltung Anselms von Canterbury, des »zweiten Augustinus«, eines der größten Denker der christlichen Geschichte, der daran festhält, daß der Glaube den Vorrang vor allem intellektuellen Bemühen hat. Das Nachsinnen über offenbarte Wahrheit zieht den Glauben ganz natürlich nach sich, doch der Glaube kommt zuerst zum hörenden Ohr und nicht zum denkenden Verstand. Der glaubende Mensch kommt nicht durch das verstandesmäßige Erfassen des Wortes zum Glauben. Die Bestätigung seines Glaubens sucht er nicht in der Philosophie oder Wissenschaft. Sein Schrei ist: »Gott ist wahrhaftig, und alle Menschen sind Lügner« (Rom 3,4). Heißt das, man solle die Gelehrsamkeit im christlichen Glauben, der von den Offenbarungen Gottes lebt, aufgeben? Keineswegs. Dem Gelehrten fällt - im richtigen Rahmen - eine wichtige und wesentliche Aufgabe zu. Seine Aufgabe ist es, die Reinheit des Textes zu garantieren und so nahe wie möglich an das ursprüngliche Wort heranzukommen. Er soll Schriftwort mit Schriftwort so lange vergleichen, bis er den wahren Sinn des Textes herausgefunden hat. Aber genau an dieser Stelle endet seine Autorität. Er darf sich nie zum Richter über das, was geschrieben ist, erheben. Die Bedeutung des Schriftwortes darf er nicht vor den Richtstuhl seiner Vernunft ziehen.[/b]. Er darf nichts als vernünftig oder unvernünftig, als wissenschaftlich oder unwissenschaftlich empfehlen oder verwerfen. Hat er die Bedeutung des Textes herausgefunden, so ist sie es, die ihn beurteilt - niemals umgekehrt! Die Lehre von der Dreieinigkeit ist eine Wahrheit, die mit dem Herzen aufgenommen wird. Nur der Geist des Menschen, nicht der Verstand, vermag durch den Vorhang hindurch in dieses Allerheiligste zu treten. »Laß mich dich verlangend suchen«, flehte Anselm, »suchend verlangen. Laß mich liebend finden, findend lieben.«Liebe und Glaube sind im Geheimnis der Gottheit zu Hause. Die Vernunft möge draußen in Ehrfurcht niederknien. Christus zögerte nicht, über den Vater, den Heiligen Geist und sich selbst in der Mehrzahl zu sprechen. »Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen« (Joh 14,23]. Doch er sagte auch: »Ich und der Vater sind eins« (Joh 10,30). Es ist sehr wichtig, daß wir Gott als drei in einem sehen und weder die Personen durcheinanderbringen noch sein Wesen zerteilen. Nur so denken wir richtig von Gott und in einer Weise, die seiner würdig und auch unserer Seele angemessen ist. Dieser Anspruch unseres Herrn auf das Gleichsein mit dem Vater brachte die damaligen Juden gegen ihn auf und führte bis zur Kreuzigung. Der Angriff, den Arius 200 Jahre später gegen die Dreieinigkeitslehre einleitete, richtete sich ebenfalls gegen den Gottheitsanspruch Jesu. Während dieser Kontroverse versammelten sich in Nizäa 318 Kirchenväter (viele von ihnen durch frühere Verfolgungen verstümmelt und narbenbedeckt) und verfaßten ein Glaubensbekenntnis, dessen einer Teil lautet:
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 09.08.2012 03:41

Die heilige Dreieinigkeit Teil.2

Ich glaube an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
Aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht,
Wahrer Gott vom wahren Gott,
Gezeugt, nicht geschaffen,
Eines Wesens mit dem Vater,
Durch ihn ist alles geschaffen.


Über 600 Jahre diente dieses Bekenntnis als Prüfstein der Rechtgläubigkeit, denn es faßt in theologischer Sprache die Lehre des Neuen Testamentes über die Stellung des Gottessohnes in der Dreieinigkeit zusammen. Das Nizäische Glaubensbekenntnis spricht auch vom Heiligen Geist als von Gott selbst und setzt ihn mit dem Vater und dem Sohne gleich:

Ich glaube an den Heiligen Geist,
Der Herr ist und lebendig macht,
Der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
Der mit dem Vater und dem Sohne
Angebetet und verherrlicht wird.


Bis auf die Frage, ob der Geist vom Vater allein oder aber vom Vater und vom Sohn gemeinsam ausgeht, ist dieser Lehrsatz des alten Glaubensbekenntnisses sowohl in den östlichen wie auch in den westlichen Zweigen der Kirche und - mit Ausnahme einer kleinen Minderheit - von allen Gläubigen festgehalten worden. Die Verfasser des Athanasianischen Glaubensbekenntnisses formulierten die Beziehung der drei göttlichen Personen zueinander sehr sorgfältig. Die Lücken, die das menschliche Denken nicht überwinden kann, füllten sie so gut wie möglich, ohne dabei die Grenzen des inspirierten Wortes zu überschreiten. »In dieser Dreieinigkeit«, so heißt es im Athanasianum, »ist nichts früher oder später, ist nichts größer oder kleiner, sondern alle drei Personen sind ewig eins und gleich.« Wie können diese Worte mit dem Ausspruch Jesu »Mein Vater ist größer als ich« übereinstimmen? Jene alten Theologen waren sich dieser Frage bewußt und schrieben ins Bekenntnis: »Gleich mit dem Vater in seiner Gottheit, geringer als der Vater in seinem Menschsein.« Diese Interpretation sollte jeder kennen, der auf einem Gebiet, wo das Licht so hell ist, daß es das Auge blendet, nach Wahrheit sucht. Um die Menschheit zu erlösen, verließ der Ewige Sohn den Schoß des Vaters nicht. Als Jesus schon geboren war, sprach Johannes von ihm als von dem »Eingeborenen (Sohn), der Gott ist und in des Vaters Schoß ist« (Joh 1,18). Jesus selbst dagegen sagt von sich, er sei »der Menschensohn«, »der vom Himmel herabgekommen ist« (Joh 3,13). Zugegeben - hier stoßen wir auf ein Geheimnis, aber nicht auf einen Widerspruch. In seiner Fleischwerdung verhüllte der Sohn seine Göttlichkeit, machte sie dadurch aber nicht ungültig und hob sie auch nicht auf. Die Einheit der Gottheit machte es ihm unmöglich, etwas von seiner Göttlichkeit aufzugeben. Als er Mensch wurde, erniedrigte er sich nicht, denn Gott kann nie geringer werden. Es ist undenkbar, daß Gott sich verändert, er bleibt ewig derselbe. Da die Personen der Gottheit eins sind, haben sie auch nur einen Willen. Sie wirken immer gemeinsam; jede geringste Tat des einen hat die sofortige Zustimmung der anderen, sie wird in der Einheit der Dreieinigkeit vollbracht. Hier zwingt uns unser Verstand, Gott in menschliche Begriffe zu fassen. Wir denken von Gott so, wie wir auch von Menschen denken würden; deshalb kann das Ergebnis zwangsläufig nicht die ganze Wahrheit umfassen. Wenn wir jedoch überhaupt über Gott nachdenken wollen, müssen wir menschliche Gedanken und Worte auch auf unseren Schöpfer anwenden. Daraus entsteht diese zwar verständliche, jedoch absolut falsche Vorstellung, die Personen der Gottheit würden miteinander diskutieren und dann gemeinsam beschließen, so wie wir Menschen es tun. Ich hatte schon immer den Eindruck, daß Milton, der Autor des Buches »Das verlorene Paradies«, das Ansehen der Gottheit dadurch schwächt, daß er Vater, Sohn und Heiligen Geist über die Erlösung der Menschheit beratend darstellt. Als der Sohn Gottes als Menschensohn auf Erden wandelte, redete er oft mit dem Vater, und dieser antwortete ihm; jetzt tritt der Menschensohn bei Gott als Vermittler für sein Volk ein. Der in der Bibel geschilderte Dialog zwischen dem Vater und dem Sohn ist immer ein Dialog zwischen dem Ewigen Vater und dem Menschen Jesus Christus.Die augenblickliche, unmittelbare Kommunikation zwischen den Personen der Gottheit besteht von aller Ewigkeit her und kennt weder Laute noch Mühe noch Bewegung.

Inmitten der ewigen Stille
Wurde Gottes endloses Wort gesprochen;
Keiner hörte, außer dem, der immer sprach,
Und die Stille blieb ununterbrochen.

Erstaunlich! Anbetungswürdig!
Kein Gesang noch Klang wird gehört,
Doch überall und zu jeder Stunde
Spricht der Vater sein ewiges Wort
In Liebe, in Weisheit und in Kraft.

FREDERICK W. FABER

Viele Gläubige haben die Vorstellung, das Wirken Gottes sei unter den drei Personen aufgeteilt, wobei sie jeder Person eine bestimmte Aufgabe zuordnen. So zum Beispiel dem Vater die Schöpfung, dem Sohn die Erlösung und dem Heiligen Geist die Wiedergeburt. Das trifft jedoch nur zum Teil zu, denn Gott teilt sich selbst nicht so, daß die eine göttliche Person wirkt, während die anderen untätig sind. Die Heilige Schrift zeigt uns, daß alle drei Personen gemeinsam in harmonischer Einheit all ihre Werke im Universum vollbringen. In der Bibel wird das Schöpfungswerk dem Vater (1 Mo 1,1), dem Sohn (Kol 1,16) und dem Heiligen Geist (Hi 26,13; Ps 104,30) zugeschrieben.Sie zeigt ebenso, daß die Fleischwerdung von allen drei Personen der Gottheit in voller Übereinstimmung vollendet wurde (Lk 1,35), obwohl nur der Sohn Fleisch wurde, um unter uns zu wohnen. Bei der Taufe Christi stieg der Sohn aus dem Wasser, der Geist kam auf ihn hernieder, und die Stimme des Vaters ertönte vom Himmel (Mt 3,16 f.). Die wahrscheinlich schönste Beschreibung des Versöhnungswerkes finden wir in Hebräer 9,14, wo gesagt wird, daß Christus sich »ohne Fehl durch den ewigen Geist Gott« geopfert hat, und auch hier sehen wir wieder das Zusammenwirken der drei Gottheitspersonen. Ähnlich wird die Auferstehung Christi abwechselnd dem Vater (Apg 2,32), dem Sohn (Joh 10,17 f.) und dem Heiligen Geist (Rom 1,4) zugeschrieben. Die Errettung des einzelnen Menschen ist nach den Worten des Apostels Petrus das Werk aller drei göttlichen Personen (1 Petr 1,2); die gläubige Seele erfährt, daß der Vater, der Sohn und der Heilige Geist in ihr wohnen(Joh 14,15-23). Die Lehre von der Dreieinigkeit ist, wie ich bereits erklärte, eine Wahrheit, die mit dem Herzen ergriffen wird. Die Tatsache, daß man sie nicht zufriedenstellend erklären kann, spricht nicht gegen, sondern für sie.

Du gepriesene Dreieinigkeit!
Du einzige Majestät! Du drei in Einem!
Du bist für immer Gott allein.
Heilige Dreieinigkeit!
Gepriesene, gleichgestellte Drei,
Wir preisen Dich, den einen Gott.

FREDERICK W. FABER
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Joschie
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Die Liebe Gottes Teil.1

Beitragvon Joschie » 17.12.2012 21:08

Die Liebe Gottes Teil.1

Unser Vater, der Du bist im Himmel! Wir, Deine Kinder, sind oft bekümmert, weil wir in uns zur gleichen Zeit den Zuspruch des Glaubens und die Anklage des Gewissens hören. Wir wissen nur zu gut, daß in uns nichts ist, was die Liebe eines so Heiligen und Gerechten, wie Du es bist, gewinnen könnte. Doch Du hast Deine unwandelbare Liebe zu uns in Christus Jesus bezeugt. Wenn nichts in uns Deine Liebe gewinnen kann, so kann auch nichts im Universum Dich daran hindern, uns zu lieben. Deine Liebe ist unverdient und kommt aus freien Stücken. Du selbst bist der Grund für die Liebe, mit der wir geliebt werden. Hilf uns, an die Intensität und die Ewigkeit der Liebe zu glauben, die uns gefunden hat. Dann wird die Liebe die Furcht vertreiben, und unsere bekümmerten Herzen werden zum Frieden erhalten, indem wir nicht darauf vertrauen, was wir sind, sondern darauf, was Du über Dich selbst gesagt hast. Amen.

Der Apostel Johannes schrieb vom Geist getrieben: »Gott ist Liebe«, und manche haben seine Worte als eine definitive Aussage über das Wesen Gottes aufgefaßt. Das ist ein großer Irrtum. Johannes hat mit seinen Worten eine Tatsache bezeugt, aber niemals eine Definition angeboten. Die Liebe mit Gott gleichsetzen zu wollen, ist absolut falsch, und dieser Fehler wurde zum Ursprung ungesunder Religionsphilosophie und einer Flut von nebelhafter Poesie, die überhaupt nicht mit der Heiligen Schrift übereinstimmen und aus einem anderen Klima stammen als das historische Christentum.
Hätte der Apostel gesagt, daß Liebe das ist, was Gott ist, wären wir zu der Annahme gezwungen, daß Gott das ist, was Liebe ist. Wenn Gott buchstäblich Liebe ist, dann ist Liebe buchstäblich Gott, und wir müßten die Liebe als den einzigen Gott anbeten, den es gibt. Wenn Liebe mit Gott gleich ist, dann ist Gott nur mit Liebe gleich, und Liebe und Gott wären identisch. Auf diese Weise aber zerstören wir das Konzept der Persönlichkeit Gottes und leugnen alle seine Eigenschaften - mit einer Ausnahme, und diese Ausnahme setzen wir an Gottes Stelle. Der Gott, den wir damit verlassen haben, ist nicht der Gott Israels.
Er ist nicht der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er ist nicht der Gott der Propheten und der Apostel. Er ist nicht der Gott der Heiligen, der Reformatoren und der Märtyrer. Und er ist auch nicht der Gott der Theologen und der Liederdichter der Gemeinde Jesu. Wir müssen um der eigenen Seele willen lernen, die Heilige Schrift zu verstehen. Wir müssen der Sklaverei der Worte entfliehen und uns statt dessen treu an ihre Bedeutung halten. Worte sollen Gedanken zum Ausdruck bringen, aber nicht erzeugen. Wir sagen, daß Gott Liebe ist. Wir sagen, daß Gott Licht ist. Wir sagen, daß Christus die Wahrheit ist. Und wir wollen solche Worte in ähnlicher Weise verstanden wissen, wie wenn man von einem Mann sagt: »Er ist die Freundlichkeit selbst.« Damit stellen wir keinesfalls fest, daß Freundlichkeit und dieser Mann identisch sind, und niemand würde unsere Worte in diesem Sinne verstehen.
Die Worte »Gott ist Liebe« bedeuten, daß Liebe eine wesentliche Eigenschaft Gottes ist. Liebe ist etwas, das auf Gott zutrifft, aber sie ist nicht Gott. Sie drückt die Art aus, wie Gott in seinem Wesen ist, ebenso wie die Worte Heiligkeit, Gerechtigkeit, Treue und Wahrheit. Weil Gott unwandelbar ist, handelt er immer sich selbst entsprechend, und weil er eine Wesenseinheit ist, stellt er nie eine seiner Eigenschaften zurück, um eine andere zum Zuge kommen zu lassen.

Von den anderen uns bekannten göttlichen Eigenschaften können wir viel über Gottes Liebe lernen. Aus der Unbedingtheit Gottes zum Beispiel können wir schließen, daß seine Liebe keinen Anfang hat. Weil er ewig ist, kann seine Liebe auch kein Ende haben. Weil er unendlich ist, kennt sie keine Grenzen.
Weil er heilig ist, ist sie die Quintessenz aller makellosen Reinheit. Weil er unermeßlich ist, ist seine Liebe ein unbegreiflich großer, grund und uferloser Ozean, vor dem wir in beglücktem Schweigen niederknien und vor dem sich die schönsten Worte verwirrt und beschämt zurückziehen müssen. Doch wenn wir Gott kennen und um anderer willen von ihm sprechen, so müssen wir versuchen, von seiner Liebe zu reden. Alle Gläubigen haben das schon versucht, aber noch keiner hat es wirklich sehr gut gemacht.
Ich vermag diesem gewaltigen und wundervollen Thema ebensowenig gerecht zu werden, wie ein Kind nach Sternen fassen kann. Aber es kann, indem es nach einem Stern greifen will, die Aufmerksamkeit auf ihn lenken und die Richtung angeben, in welche man schauen muß, um ihn zu sehen. Wenn ich also von der herrlichen, leuchtenden Liebe Gottes rede, wird vielleicht irgendjemand, der vorher noch nichts von ihr wußte, dadurch ermutigt, nach oben zu blicken und Hoffnung zu schöpfen! Wir wissen es nicht und werden vielleicht auch nie richtig wissen, was Liebe ist. Aber wir können wissen, wie sie sich kundtut, und das ist für uns in diesem Zusammenhang genug. Zunächst einmal tut sie sich als Wohlwollen kund. Liebe will für alle das Gute, nie das Schlechte. Das erklärt die Worte des Apostels Johannes: »Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus« (1 Jo 4,17b-18a). Furcht ist das schmerzhafte Gefühl, das bei dem Gedanken, wir könnten Schaden nehmen oder müßten leiden, entsteht. Diese Furcht dauert so lange an, wie wir dem Willen einer Person unterworfen sind, die uns nicht wohlgesinnt ist. Sobald wir jedoch unter dem Schutz eines Menschen, der uns positiv gesinnt ist, stehen, weicht die Furcht. Ein in einem Warenhaus verlorengegangenes Kind ist voller Furcht, weil es die fremden Menschen um sich als Feinde betrachtet.
In den Armen der Mutter ist alle Angst vergessen. Das Wissen um das Wohlwollen der Mutter vertreibt die Furcht. Die Welt ist voller Feinde, und solange wir der Möglichkeit ausgesetzt sind, durch sie Schaden zu erleiden, ist Furcht unvermeidlich. Der Versuch, sie zu besiegen, ohne die Gründe zu beseitigen, ist ein nutzloses Unterfangen. Das Herz ist weiser als die Apostel der Gelassenheit. Solange wir in den Händen des Zufalls sind; solange wir mit Wahrscheinlichkeitsgesetzen rechnen müssen; solange wir im Bestreben um das Überleben auf unsere Fähigkeiten vertrauen müssen - so lange haben wir allen Grund, uns zu fürchten. Und Furcht bringt Pein. Zu wissen, daß Gott Liebe ist, sich zu ihm zu flüchten und sich auf den Arm des Geliebten zu stützen - das und nichts anderes kann die Furcht vertreiben. Man überzeuge einen Menschen, daß für ihn gar keine Gefahr besteht und ihm nichts schaden kann, so wird er augenblicklich alle Furcht vergessen.
Wohl mag manchmal noch eine natürliche Reaktion auf physischen Schmerz auftreten, aber das quälende Angstgefühl ist für immer verschwunden. Gott ist Liebe, und Gott ist souverän. Seine Liebe läßt ihn unser ewiges Wohlergehen wünschen, und seine Souveränität befähigt ihn, es auch zu sichern.

Nehmen sie den Leib,
Gut, Ehr, Kind und Weib,
Laß fahren dahin!
Sie haben's kein Gewinn;
Das Reich muß uns doch bleiben.

MARTIN LUTHER
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Die Liebe Gottes Teil.2

Beitragvon Joschie » 19.12.2012 21:23

Die Liebe Gottes Teil.2

Gottes Liebe sagt uns, daß er freundlich ist, und sein Wort versichert uns, daß er unser Freund ist und uns zu seinen Freunden machen möchte. Kein Mensch, der auch nur eine Spur Demut besitzt, würde von sich aus behaupten, ein Freund Gottes zu sein. Der Gedanke daran stammt nicht von Menschen. Abraham hätte nie gesagt: »Ich bin Gottes Freund«, sondern Gott selbst bezeichnet ihn als seinen Freund. Die Jünger hätten wahrscheinlich gezögert, von einer Freundschaft zu Christus zu reden. Aber Jesus sagte zu ihnen: »Ihr seid meine Freunde.« Während Bescheidenheit bei einer solchen Vorstellung Bedenken äußert, wagt es der kühne Glaube, dem Wort zu vertrauen und auf die Freundschaft Gottes einzugehen. Wir ehren Gott viel mehr, wenn wir glauben, was er über sich selbst gesagt hat, und den Mut haben, kühn zum Gnadenthron hinzutreten, als wenn wir uns in selbsterwählter Demut hinter den Bäumen des Gartens verstecken.
Liebe ist auch eine gefühlsmäßige Identifikation. Sie betrachtet nichts als ihr Eigentum, sondern verschenkt alles an den Gegenstand ihrer Zuneigung. Das beobachten wir in unserer Welt voll Männer und Frauen ja immer wieder. Eine junge Mutter, abgemagert und müde, nährt an ihrer Brust ein pummeliges, gesundes Baby. Ohne überhaupt daran zu denken, ihren eigenen Zustand beklagen zu können, blickt die Mutter mit stolzen und glücklichen Augen auf ihr Kind. Selbstlose Opfer sind für die Liebe nichts Ungewöhnliches. Christus sagte von sich: »Niemand hat größere Liebe als die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde« (Joh 15,13). Es ist eine seltsame und schöne Eigenart des freien Gottes, daß er sich emotional mit den Menschen identifizieren läßt. Obwohl er selbstgenügsam ist, will er unsere Liebe und ist nicht eher befriedigt, als bis er sie bekommt. Obwohl er frei ist, hat er sein Herz auf immer mit uns verbunden. »Darin besteht die Liebe: nicht, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden« (1 Jo 4,10).
»Unsere Seele wird in einer so besonderen Weise von ihm, dem Allerhöchsten, geliebt«, sagt Julia von Norwich, »daß es die Erkenntnis aller Kreaturen übersteigt. Das heißt: Es gibt kein Geschöpf, das weiß, wie sehr und wie zärtlich uns unser Schöpfer liebt. Und darum mögen wir mit seiner Gnade und Hilfe still verharren in geistlichem Schauen, mit einem immerwährenden Staunen über diese hohe, überragende, unschätzbare Liebe, die der allmächtige Gott in seiner Güte zu uns hat.« Ein weiteres Merkmal der Liebe ist, daß sie sich am Gegenstand ihrer Zuneigung freut. Gott freut sich an seiner Schöpfung. Der Apostel Johannes sagt, daß Gottes Absicht mit der Schöpfung sein eigenes Wohlgefallen war. Gott ist glücklich in seiner Liebe zu allem, was er gemacht hat. Wir können das Freudengefühl in den Aussagen Gottes über sein Werk nicht übersehen. Psalm 104 ist ein göttlich inspiriertes, von Glück überfülltes Naturgedicht, das immer wieder das Wohlgefallen Gottes zum Ausdruck bringt. »Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich, der Herr freue sich seiner Werke!« (Ps 104,31).

Ganz besonders freut sich der Herr an seinen Heiligen. Viele stellen sich Gott etwa so vor: Er ist weit weg, schaut finster drein und ist mit allem äußerst unzufrieden. In apathischer Stimmung starrt er auf eine Erde nieder, an der er schon lange sein Interesse verloren hat. Aber das ist eine irrige Vorstellung. Gewiß, Gott haßt die Sünde und kann sich niemals mit ihr abfinden. Aber wo Menschen danach trachten, Gottes Willen zu tun, antwortet er mit echter Zuneigung. Christus hat durch sein Sühnopfer die Schranke zur Gemeinschaft mit Gott beseitigt.
Nunmehr sind alle an Christus gläubigen Menschen Gegenstand der Freude Gottes.»Denn der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dich mit Jauchzen fröhlich sein« (Zeph 3,17). Im Buche Hiob lesen wir, daß Gottes Schöpfungswerk unter musikalischer Begleitung geschah. »Wo warst du«, fragt Gott, »als ich die Erde gründete..., als mich die Morgensterne miteinander lobten und jauchzten alle Gottessöhne?«

Aus Harmonie, aus himmlischer Harmonie
Begann dieses Universumsgefüge.
Als die Natur als ein Haufen
Rasselnder Atome dalag Und ihr Haupt nicht erheben konnte,
Wurde die klangvolle Stimme aus der Höhe vernommen:
»Steht auf, ihr Ungeformten!«
Da stellten sich Kälte und Wärme, Nässe und Trockenheit
In ihren ordnungsgemäßen Platz
Und gehorchten der Kraft der Stimme.

Aus Harmonie, aus himmlischer Harmonie
Begann dieses Universumsgefüge:
Von Harmonie zu Harmonie,
So lief es um den ganzen Weltenkreis,
Um sich als harmonisches Ganzes im Menschen zu vollenden.

JOHN DRYDEN

Musik ist sowohl ein Ausdruck wie auch eine Quelle der Freude. Und die Freude, die am reinsten ist und Gott am meisten entspricht, ist die Freude der Liebe. Die Hölle ist ein Ort, an dem es keine Freude gibt, weil es dort keine Liebe gibt. Der Himmel ist voller Musik, weil er der Ort ist, an dem die Freuden heiliger Liebe im Überfluß vorhanden sind. Die Erde ist der Ort, an dem die Freuden mit Schmerz vermischt sind, weil es auf ihr Sünde, Haß und Feindschaft gibt. In einer Welt wie der unsrigen muß Liebe manchmal leiden, so wie Christus gelitten hat, als er sich für die Seinen dahingab. Aber wir haben die gewisse Verheißung, daß die Ursachen des Leidens letzten Endes beseitigt werden und daß das neue Menschengeschlecht sich auf ewig einer Welt voller selbstloser, vollkommener Liebe erfreuen wird. Es liegt in der Natur der Liebe, daß sie nicht untätig bleiben kann. Sie ist aktiv, schöpferisch und wohltätig. »Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren« (Rom 5,8). »Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab« (Joh 3,16). So muß es sein, wo Liebe ist. Liebe muß geben, was immer es auch kostet. Die Apostel tadelten die jungen Gemeinden scharf, weil einige ihrer Glieder das vergessen hatten und nur an sich selbst dachten, während ihre Brüder in Not waren. »Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?« So schrieb jener Johannes, der durch die Jahrhunderte hindurch als »der Jünger, den Jesus liebte«, bekannt ist (1 Jo 3,17).
Die Liebe Gottes ist eine der großen Realitäten des Universums, ein Pfeiler, auf dem die Hoffnung der Welt ruht. Aber sie ist auch etwas Persönliches, Intimes. Gott liebt nicht Bevölkerungen, er liebt Völker. Er liebt nicht Massen, sondern Menschen. Er liebt uns alle mit einer mächtigen Liebe, die keinen Anfang hat und kein Ende haben kann. Die christliche Glaubenserfahrung kennt einen höchst befriedigenden Liebesinhalt, der sie von allen anderen Religionen unterscheidet und weit über die reinsten und edelsten Philosophien erhebt. Dieser Inhalt ihrer Liebe ist mehr als irgend etwas. Es ist der inmitten seiner Gemeinde weilende und über sein Volk singende Gott. Echte Glaubensfreude ist das harmonische Echo des Herzens auf den Liebesgesang des Herrn.

Ich bete an die Macht der Liebe,
Die sich in Jesu offenbart;
Ich geb mich hin dem freien Triebe,
Wodurch ich Wurm geliebet ward;
Ich will, anstatt an mich zu denken,
Ins Meer der Liebe mich versenken.

GERHARD Tersteegen
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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