Auslegung: Apg. 8, 32-33 -> Jes. 53,7-8

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Leo_Sibbing
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Auslegung: Apg. 8, 32-33 -> Jes. 53,7-8

Beitragvon Leo_Sibbing » 02.12.2013 00:11

Hallo ihr Lieben,
wir betrachten in der Bibelstunde zur Zeit die Apostelgeschichte und sind in Kapitel 8 Angelangt. Dort wird Philippus zu dem Kämmerer von Äthiopien gesandt, um ihm das Wort zu erklären und ihn zum Herrn zu führen. Er darf den Kämmerer auch taufen, bevor er vom Hl. Geist an einen anderen Ort entrückt wird. Der Kämmerer zieht fröhlich seines Weges und bringt die Frohe Botschaft nach Nordafrika.

Die Stelle die Philippus dem Kämmerer erklärt hat ist die Stelle, die wir heute als Jes. 53, 7-8 kennen.
Meine Frage bezieht sich auf die Verse 32-33 im 8. Kapitel der Apg.
Apg. 8, 32-33 - Schlachter 2000 hat geschrieben:Die Schriftstelle aber, die er las, war diese: >>Wie ein Schaf wurde er zur Schlachtung geführt, und wie ein Lamm vor seinem Scherer stumm ist, so tut er seinen Mund nicht auf.
In seiner Erniedrigung wurde sein Gericht aufgehoben. Wer will sein Geschlecht beschreiben? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen!<<
In der Bibelstunde wurde die Frage gestellt, wie wir dem Kämmerer den Bibeltext erklärt hätten. Wenn man die Verse nur auf das Geschehen am Kreuz auf Golgatha bezieht, erweist sich besonders die Stelle "In seiner Erniedrigung wurde sein Gericht aufgehoben" als eine Herausforderung! Was genau wurde da aufgehoben?

In diesem Zusammenhang ist natürlich die Stelle in Jesaja 53 interessant. Beim Lesen fällt auf, dass diese schon anders klingt:
Jes. 53, 7-8 - Schlachter 2000 hat geschrieben:Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.
Infolge von Drangsal und Gericht wurde er weggenommen; wer will aber sein Geschlecht beschreiben? Denn er wurde aus dem Land der Lebendigen weggerissen; wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen.
Hier wird nicht sein Gericht "aufgehoben", sondern der Herr selbst wird "infolge von Drangsal und Gericht" weggenommen.

Wie würdet ihr dem Kämmerer die Stelle in der Apg. erklären?
Was ist eure Meinung zu den beiden Bibelstellen im Vergleich?

LG und viel Spaß beim grübeln :)
Leo
Ich freue mich sehr in dem HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir Kleider des Heils angezogen, mit dem Mantel der Gerechtigkeit mich bekleidet, ... Jesaja 61,10

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 04.12.2013 20:12

Hallo Leo!
Die Stelle in Jesaja 53, 7-8 stammt ja aus dem vierten Lied:Der Knecht Gottes -Sein Leidenzur Gerechtigkeit für viele. Die Worte sind prophetische Worte zu diesem Zeitpunkt und so muß man sie auch verstehen. John MacArthur schreibt zu dieser Bibelstelle
53,4 getragen … auf sich geladen. Vgl. V. 11.12. Obwohl diese Verben in der Vergangenheitsform geschrieben sind, sagen sie Dinge voraus, die zu Jesajas Zeit noch Zukunft waren, d.h. es handelt sich um den »prophetischen Perfekt« im Hebr., der hier und an anderen Stellen dieses Knechtsliedes verwendet wird. Jesaja sagte damit, dass der Messias die Konsequenzen der Sünden von Menschen tragen würde, nämlich die Trübsale und Sorgen des Lebens. Unglaublicherweise dachten aber die Juden, die ihn sterben sahen, er würde von Gott für seine eigenen Sünden bestraft. Matthäus sah eine analoge Erfüllung dieser Worte im Heilungsdienst Jesu (s. Anm. zu Mt 8,16.17), weil Krankheit aus Sünde resultiert, wofür der Knecht mit seinem Leben zahlte (V. 7.8; vgl. 1Pt 2,24). In der Ewigkeit wird es keine Krankheiten mehr geben, deshalb ist Heilung letztendlich in den Segnungen des Sühnopfers enthalten. 53,5 um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen. Dieser Vers ist gefüllt mit dem Vokabular der Stellvertretung. Der Knecht litt nicht für seine eigene Sünde, denn er war sündlos (vgl. Hebr 4,15; 7,26), sondern litt als Stellvertreter für Sünder. Die Betonung liegt hier darauf, dass Christus stellvertretend Gottes Zorn, der auf Sünder lag, empfi ng (vgl. 2Kor 5,21; Gal 1,3.4; Hebr 10,9.10). Strafe … Frieden. Er erlitt die Bestrafung durch Gott, um unseren Frieden mit Gott sicherzustellen. durch seine Wunden sind wir geheilt worden. Die Wunde (das hebr. Wort ist im Singular), die seinen Tod verursachte, hat denen Heil gebracht, für deren Sünden er starb. Petrus bestätigt das in 1Pt 2,24. 53,6 Wir alle … jeder … unser aller. Jeder Mensch hat gesündigt (Röm 3,9.23), aber der Knecht hat in hinlänglicher Weise die Konsequenzen der Sünde und den gerechten Zorn, den Sünder verdienen, auf sich genommen (vgl. 1Tim 2,5.6; 4,10; 1Joh 2,2). Gott legte unsere Missetaten auf ihn, und zwar so, dass er ihn behandelte, als habe er jede Sünde begangen, die jemals von allen Gläubigen begangen wurde und wird, obwohl er absolut keiner Sünde schuldig war. Gott tat ihm das an, damit der Zorn ausgegossen der Gerechtigkeit Genüge getan werden konnte.

Wer zu diesem Zeitpunkt am Kreuz stirbt i auf den musste der Fluch Gottes liegen. In 5.21.22-23(rev.Elberf) steht
22 Und wenn bei einem Mann eine Sünde geschieht, auf die das Todesurteil steht, und er wird getötet, und du hängst ihn an ein Holz, 23 dann darf seine Leiche nicht über Nacht an dem Holz10 bleiben, sondern du sollst ihn unbedingt am selben Tag begraben. Denn ein Aufgehängter ist ein Fluch Gottes.

Die Heilige Schrift legt sich selbst aus und beantwortet Galater3,10-14 deine Frage
10 Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: "Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!" 11 Dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn "der Gerechte wird aus Glauben leben". 12 Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: "Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben." 13 Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist - denn es steht geschrieben: "Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!" -, 14 damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme, damit wir die Verheißung des Geistes durch den Glauben empfingen

Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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