Das Zentrum des Evangelium=Lehrfragen?

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Joschie
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Das Zentrum des Evangelium=Lehrfragen?

Beitragvon Joschie » 07.10.2014 18:19

Hallo Ihr!
Ich habe die follgenden Zeilen in einem Beitrag von Kurt Vetterli entdeckt:
Um einen Kurs vorzubereiten, der Christen helfen sollte, Aussenstehenden das Evangelium zu erklären, machte ich eine Umfrage in christlichen Buchläden und an anderen Orten, wo ich annahm, dass andere Christen anzutreffen sind.Ich bat die Befragten, mir im Zeitrahmen von etwa einer Minute das Evangelium zu beschreiben.Das Resultat war vernichtend. Die wenigsten konnten nur annähernd eine richtige Definition geben. Die wenigen, die den biblischen Begriff am Treffendsten widergaben, sagte etwas wie: "Jesus starb am Kreuz für uns."Ich fragte schliesslich am Anfang des Kurses die Teilnehmer. Das Resultat war ähnlich mager. Und dieselbe Erfahrung habe ich immer und immer wieder gemacht, wenn das Thema 'Evangelium' zur Sprache kam. Ein Grossteil der Christenheit, die bekennt, an Jesus Christus zu glauben, kann zwar sagen: "Jesus Christus starb für mich, für uns…", aber was dies im Einzelnen bedeutet; warum Christus starb, was er damit genau bewirkte und was das für Implikationen hat, können die Allerwenigsten erklären oder gar gegen falsche Ansichten verteidigen.Im Gegenteil: es kursieren unzählige irrige Meinungen darüber, was Christus durch sein Leben und Sterben beabsichtigte und bewirkte. Die Botschaft, die die Kirche als Evangelium verkündet, wird dadurch zunehmend unklar.

Die in diesem Beitrag gemachten Äußerungen, was für viele Christen das Zentrum des Evangeliums bedeutet, sind wohl heute eher die Regel als die Ausnahme! Daher an euch die Frage was ist für euch das Zentrum des Evangeliums und welche Lehraussagen sind für einen Christen existenziell?
Gruß Joschie
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PeterG
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Titel: Das Zentrum des Evangelium=Lehrfragen?

Beitragvon PeterG » 11.10.2014 19:30

1. Gott ist der Schöpfer.
2. Der Mensch lebt nicht nach Gottes Willen.
3. Jesus nahm die Schuld auf sich und starb für uns.
4. Der Mensch setzt sein ganzes Vertrauen auf diesen Jesus.

Mal so ins "Unreine" und ganz knapp hingeworfen :-)
Röm 1:16: "Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben."

albi
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Beitragvon albi » 25.11.2014 12:44

Hallo Joschie!

Schön dass du das fragst! Ich empfinde es ebenso, dass Christen (?) lehrmäßig extrem schwach sind. Ich meine, das liegt daran, dass zwar viel "gepredigt" wird, aber kaum feste Lehre, sondern eher so "Themen", "Botschaften". Viel Menschengedanken und Menschenwort, aber kaum werden Christen gefestigt in dem, was die Wahrheit der Bibel ist.

Genug kritisiert, jetzt muss ich mich aber auch selbst bewähren. Also:

Zu PeterGs füge ich hinzu:

5. Der verlorene, gegen Gott rebellierende Mensch wird durch Jesus Christus begnadigt und neu gemacht und von der Sündensklaverei erlöst. Diese Gnade gibt ihm die Macht und das Anrecht, als Kinder Gottes wieder den Willen Gottes zu erfüllen (siehe Punkt 2). Nicht in Perfektion, aber im zunehmenden Maße Gottes Gebot zu erfüllen. Gottes Ziel mit dem Evangelium ist es, sich ein gehorsames Eigentumsvolk zu schaffen, das schnell ist, gute (Glaubens-)Werke zu tun.
Ich sehe auch die Verherrlichung Gottes darin, dass er aus Feinden und Rebellen seine Getreuen macht, die ihn über alles lieben. Sie wechseln wie Paulus die Seiten und erweisen damit, dass die Herrlichkeit Gottes alles überstahlt. So verherrlicht sich Gott selbst, indem er aus gotthassenden Rebellen ihm über alles ergebene treue Sklaven Jesu Christi macht.

Wer Punkt 5 verfehlt, ist gar kein wahrer Christ.

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 06.01.2015 19:36

In Hebr.6.1-2 steht:
1 Deshalb wollen wir das Wort vom Anfang des Christus lassen und uns der vollen Reife zuwenden und nicht wieder einen Grund legen mit der Buße von toten Werken und dem Glauben an Gott, 2 der Lehre von Waschungen und der Handauflegung, der Totenauferstehung und dem ewigen Gericht.

Hier werde ja einige Lehren vom Schreiber des Hebraerbriefes benannt benannt. Es geht hier nach meinem Verständnis um Lehren A.T. , daher auch die Bezeichnung "Anfangsgründe des Wortes von Christus". Hier sind die Lehren die ich für wichtig erachte:
1.Das stellvertretende Sühnopfer Christi am Kreuz
2.Erwählung
3.Rechtfertigung
4.Wiedergeburt
5.Glauben
6.Buße
7.Heiligung
8.Ausharren
Wie ist eure Meinung zu diesen 8.Punkte?
Gruß Joschie
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"Ordo Salutis" Heilsordnung/lehre

Beitragvon Joschie » 04.02.2015 21:10

Hallo Ihr
In älteren Büchern kommt ja oft der Begriff "Ordo Salutis"(die Heilsordnung) vor, in neuen Büchern kommt dieser Begriff doch recht selten vor. Als ich noch ein Mal das Buch von Martyn Lloyd Jones "Gott - der Heilige Geist" gelesen, bin ich zu meiner Verblüffung oft auf diesen Begriff gestoßen. Der Ordo Salutis (die Heilsordnung) wird nicht von allen christlichen Gemeinschaften einheitlich geordnet; ich denke, das ist auch nicht unbedingt notwendig. Was aber anhand der Bibel (theologisch) behandelt werden muss, das sind all die genannten Sachverhalte bzw. Aspekte, die bei der Heilszu- und Heilsaneignung bedacht werden müssen. In der Klassischen reformierten. lutherischen und in der arminianische/ Wesleyanischen Anordnung der Heilsordnung/lehre kommen die Begriffe Rechtfertigung, Buße, Wiedergeburt und Heiligung vor. Als ich Gott meiner erbarmt hat, waren in meiner ersten Gemeinde diese vier Begriffe praktisch nicht etwas Ungewöhnliches, so war es auch zum Teil in anderen Gemeinden, die ich bisher kennengelernt habe, Ich habe erst mit der Zeit mitbekommen das es über diese vier Begriffen, doch recht divergierende Verständnisse gibt. Daher meine Frage wie ist euer persönliches Verständnis von diesen vier Begriffe und wie hängen die einzelnen Begriffe in ihrer Bedeutung zusammen!
Gruß und Segen von Joschie
P.S. Ich hoffe, dass ich mich nicht allzu unverständlich ausgedrückt habe, wen ja so fragt bitte einfach bei mir nach :pssst:
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Bekehrung!

Beitragvon Joschie » 07.03.2015 07:42

Für viele Christen ist es selbstverständlich, von Bekehrung zu sprechen. Stellt sie doch den Beginn des neuen Lebens im Glauben an Jesus Christus dar. Sie ist von so entscheidender Bedeutung, dass es nicht verwundert, wenn Menschen sich genau an das Datum ihrer Bekehrung erinnern. Dementsprechend ist auch der Sprachgebrauch. Wir sprechen davon, uns bekehrt oder uns für Jesus entschieden zu haben.Ein Blick in das Neue Testament zeigt , wie wichtig das Thema der Bekehrung für Jesus und die Apostel gewesen ist. Was genau verstehen sie unter Bekehrung , wie findet sie statt sie und welche Bedeutung hat sie für das neue Leben im Glauben ?
Gruß Joschie
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Beitragvon Joschie » 11.03.2015 20:59

Hallo Ihr!
Mir wurde die folgende Frage gestellt:
Ist die Bekehrung also ein menschliche Entscheidung oder ein alleiniges Werk Gottes?

Wie würdet ihr dieses Frage persönlich beantworten ??!
Gruß Joschie
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Jose
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Beitragvon Jose » 11.03.2015 21:58

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Beitragvon Peter01 » 12.03.2015 07:03

Joschie hat geschrieben:Hallo Ihr!
Mir wurde die folgende Frage gestellt:
Ist die Bekehrung also ein menschliche Entscheidung oder ein alleiniges Werk Gottes?

Wie würdet ihr dieses Frage persönlich beantworten ??!


Ich würde wie folgt antworten: Die Bekehrung ist das alleinige Werk Gottes. Aus den folgenden Gründen, muss das auf der Grundlage der Schrift gesagt werden.

Gott hat die Errettung noch vor Grundlegung der Welt geplant Eph 1,4-6
Gott ist der Urheber des ewigen Heils Hebrs 5,9
Gott hat die Sünder durch Christus gerettet Eph 1,7-8; Tit 3,4-7
Gott öffnet die Herzen der widerspenstigen Menschen Joh 6,44.65; Apg 16,14
Gott schenkt dem Sünder Glauben Eph 2,8; Phil 1,29; 2Pet 1,1
Gott schenkt dem Sünde Buße 2Tim 2,25;
Gott wiedergebiert die Sünder zu einem neuen Leben Joh 3,5-8
Gott bewirkt im Menschen das Wollen und Vollbringen Phil 2,13; Hebr 13,21
Gott bereitet die Werke, die der Mensch tut Eph 2,10
Gott heiligt die die Gläubigen Joh 17,17
Gott bewahrt den Gläubigen vor dem Abfallen Joh 10,27-30; Phil 1,6; Hebr 12,2; Jud 1

Wer auch nur einen Gedanken daran verliert, dass die Bekehrung bzw. die Errettung ein Werk beider Seiten, Gottes wie des Menschen, ist, lehrt eine Errettung aus Werken und vertritt ein falsches Evangelium (Gal 1,6-9).

Diese Wahrheit bedeutet jedoch nicht, dass der Mensch sich der Verantwortung seiner Sünde nun entziehen kann. Er ist schuldig und verdient den Zorn Gottes. Wenn er sich aber Gott unterwirft und an Jesus Christus glaubt, wird er gerettet werden. Diese Handlung ist aber in der Ersten Ursache, Gott allein zuzuschreiben (siehe oben).

Gruß

Peter

Jose
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Beitragvon Jose » 12.03.2015 21:32

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Beitragvon Peter01 » 13.03.2015 06:41

Jose hat geschrieben:Aber das ist ja genau das Kernproblem: Ist der Mensch zu irgendeinem Zeitpunkt eingebunden und selbstverantwortlich dafür, sich Gott zu unterwerfen, damit er gerettet werden kann? Den Glauben an Jesus Christus kann nur Gott schenken, in Antwort darauf.


Hallo Jose,

Es geht doch um die Frage der Errettung und wessen Werk das ist. Die Schrift macht uns klar, dass es allein Gottes Werk ist. Dass der Mensch für seine Schuld verantwortlich ist, macht die Schrift auch klar (Röm 1,18-32). Dass die "Entscheidung für Gott" bzw. die Bekehrung des Menschen auf Gott zurückgeführt werden muss, weil er dem Menschen - bevor dieser sich überhaupt für Gott entscheidet oder sich zu ihm bekehrt - Glauben schenkt, sein Herz öffnet, Buße schenkt und die Wiedergeburt bewirkt, macht die Schrift ebenso klar.

Daher muss man nicht ein Problem suchen, wo keines ist. Die Auswirkungen Gottes werden in dem Tun des Menschen wahrgenommen. Die Ursache des Tun des Menschen (Entscheidung und Bekehrung) ist Gott allein zuzuschreiben. Daher gehört aller Ruhm und Ehre Gott allein. Für den Mensch bleibt kein Ruhm übrig. Ist an ihm doch durch sein Tun das Werk Gottes offenbar geworden.

Gruß

Peter

Jose
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Beitragvon Jose » 13.03.2015 19:25

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Jörg
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Beitragvon Jörg » 14.03.2015 07:44

Hallo,

folgende Zeilen von Bernhard Kaiser finde ich nachdenkenswert:

"Der Evangelikale baut auf seine Bekehrung. Doch mit ihr ergreift er Jesus nicht im Glauben, sondern er inszeniert mit ihr seine Selbstrettung. Er hält die Tatsache, daß er seine Sünden bekannt und Jesus aufgenommen hat, für den Ausweg aus seiner mißlichen Lage. Er "glaubt", daß er gerettet ist, weil er eine angeblich biblische Bedingung erfüllt hat, nämlich "Jesus aufgenommen" zu haben. Aber die Tatsache, daß er sein Heil an den Akt der Annahme bindet, zeigt, daß er im Grunde doch nicht an Jesus allein glaubt, sondern an sich und sein Tun. Das ist eine Variante des großen Irrtums, Gott rette den Menschen nicht ohne dessen Beitrag."

Quelle: Bernard Kaiser, "Die christliche Freiheit", Seite 85, Institut für Reformatorische Theologie

Lieben Gruß, Jörg
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Joschie » 14.03.2015 17:42

Jose hat geschrieben:Es gibt viele Bibelworte welche klar machen, dass der Mensch schuldig vor Gott ist: "denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, so dass sie keine Entschuldigung haben" Röm 1,20 (Schlachter 2000). Da frage ich mich: Warum und wofür ist der Mensch schuldig? Was erwartet Gott von dem Menschen, was er IHM bringen soll?

Es geht in diesen Bibelvers um Menschen(Heiden) die noch nie das Evangelium gehört haben und ob sie deswegen eine Entschuldigung vor Gott haben. Es geht nicht um Menschen die das Evangelium gehört haben und wie sie sich darauf entscheiden. Es ist halt immer wichtig das man den Textzusammenhang beachtet. Hier stellt sich für mich die Frage ob der Mensch allein durch die natürliche Offenbarung in der Lage ist sich zu bekehren?
Gruß Joschie
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Beitragvon Jose » 14.03.2015 17:50

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