Bibelabschrift- Wer kann mir helfen ?

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Maria L.
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Bibelabschrift- Wer kann mir helfen ?

Beitragvon Maria L. » 16.10.2014 09:23

Vielleicht kann mir von euch jemand helfen ? Ich leite christliche Leserunden, da kam die Frage auf, wie sehr man der Bibel glauben kann. Für mich stellt sich die Frage nicht, aber ich weiß aufgrund meiner geringen Kenntnisse nicht, was ich darauf antworten soll bzw. ich habe das noch nie gehört.

Ich zitiere:
"Was das AT angeht haben wir den ursprünglichen Text in großen Teilen vorliegen bzw. Abschriften, die sehr genau sind. Aber auf das NT trifft das überhaupt nicht zu. Da gibt es tausende Abschriften, die auch noch voneinander abweichen (meistens nur kleinere Rechtschreib- oder Grammatikfehler, aber teilweise auch gravierender). Ich gebe hier nur das Stichwort "Ende des Markusevangeliums". In manchen Handschriften fehlen da die Verse 9-20 und in anderen sind sie vorhanden. Und da fragen sich die Bibelwissenschaftler bis heute wie da bspw. der ursprüngliche Text aussah."

Ich hoffe, das ist in Ordnung, wenn ich hier nachfrage ? Sonst lösche ich meinen Beitrag wieder.

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 16.10.2014 11:53

Hallo Maria,

es ist völlig in Ordnung diese Frage zu stellen. Wahrscheinlich interessiert es viele. Und es ist auch gut nachzufragen, da wir ja auf Unsicherheiten richtig antworten wollen.

Der Vorspann in der Studienbibel von John MacArthur hilft dir vielleicht. Auf der Seite XIX (Der Vorspann ist in griechischen Zahlen unterteilt) geht er auf deine Fragestellung näher ein. Dass es im NT gerade um die 5000 Handschriften gibt, zeigt eigentlich, dass das NT eine sehr gute Quelle für die Wahrheit ist. Lehrabweichungen sind nachweislich praktisch 99,99% ausgeschlossen. Daher wenn jemand gravierende Fehler in den Abschriften sehen möchte, liegt die Beweislast bei ihm.

Du findest es unter dem folgendem Link:

http://bitimage.dyndns.org/german/JohnM ... rspann.pdf

Wenn du etwas ausführliches dazu willst, ich habe Unterlagen von Benedikt Peters, die ich dir gerne zuschicken könnte. Melde dich dazu einfach per PN bei mir.

Grüße

Peter

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 19.10.2014 18:45

Hallo Maria!
Hier findest Du eine große Menge von Infos und Material und verstehe ich deinen Beitrag richtig, es geht Dir um Fragen der Textkritik?
Gruß Joschie
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Berajo
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Link

Beitragvon Berajo » 20.10.2014 14:34

Ich empfehle die Seite von Bruder Ebertshäuser:

http://www.das-wort-der-wahrheit.de/

Bruder Ebertshäuser geht auf die verschiedensten Argumente sehr gut ein.
Jesus, mein Herr und mein Gott

Maria L.
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Beitragvon Maria L. » 20.10.2014 19:12

Vielen Dank an alle ! Ich habe jetzt genug Material zum Durchsehen, das mir auf jeden Fall schon mal weiterhilft .

joasch
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Beitragvon joasch » 21.10.2014 21:32

Hallo Maria,

darf ich noch kurz meinen Senf dazugeben? Wenn ich sehe, daß hier Rudolf Ebertshäuser empfohlen wird, kann ich das leider nicht unwidersprochen lassen. Pardon, aber der Mann argumentiert einfach total unseriös. Ich hatte mich bereits vor ein paar Jahren mit seinen Darstellungen zur Textkritik kritisch befaßt. Das Ergebnis kannst Du bis auf weiteres hier als PDF herunterladen:

http://home.sdirekt-net.de/jschmitsdorf ... assung.pdf

Die Homepage war eigentlich schon zum 30.09. gekündigt, aber so lange sie noch online ist: Tempus fugit, carpe diem. ;-)

Falls der Download nicht mehr geht, schreibe mir bitte eine PN. Ich kann Dir die Originaldatei dann auch gerne per E-Mail zuschicken (sind nur 188 KB).

Liebe Grüße
Joachim
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Berajo
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Beitragvon Berajo » 24.10.2014 22:02

@ Maria: Ich empfehle dir die Ansicht von Bruder Ebertsäuser auf das-wort-der-Wahrheit.de genau zu lesen und zu prüfen.
Jesus, mein Herr und mein Gott

Daniel Stippinger
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Beitragvon Daniel Stippinger » 25.10.2014 10:48

Man muss bei dem Thema dazusagen, dass viele verschiedene Christen zu diesem Thema grundverschiedene Zugänge haben. Manche meinen, dass wenn man den erst kürzlicher gefundenen Manuskripten Relevanz zubilligt anstatt auf den "althergebrachten" Text allein sich zu stützen, zweifelt man dadurch schon praktisch an der Bibel selbst (trust me, hab das selbst schon erlebt).

mMn ist es aber in Wirklichkeit doch ganz einfach: Dadurch, dass es Widersprüche in den Manuskripten gibt, ist eines mal klar: Kein Manuskript (händliche Abschrift) an sich ist fehlerfrei. Fehlerfrei und inspiriert ist das, was Paulus, Johannes etc. geschrieben haben. Und der mit Abstand größte Teil von dem, was sie geschrieben haben, ist ja auch textkritisch nicht umstritten d.h. Wir wissen was sie gelehrt haben und kennen ihre Lehre ohne Zweifel. Die betroffenen Stellen sind ja nur ein Bruchteil vom NT. Und keine zentralen Lehren sind von diesen Stellen betroffen. Es gibt also keinen Grund, dieser Argumente wegen der Bibel zu misstrauen, denn man würde nichts anderes erwarten bei einem Dokument das über fast zwei Jahrtausende weitergegeben wurde (im Gegenteil, man würde eigentlich viel weniger Manuskripte vermuten - ein Indiz, dass laut und klar für Die Vertrauenswürdigkeit der Bibel spricht).

Und Nein, man zweifelt auch nicht an der Bibel, wenn man glaubt, dass die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin nicht im Original stand (nur, um das mal klarzustellen^^)

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 25.10.2014 16:28

Daniel Stippinger hat geschrieben:Und Nein, man zweifelt auch nicht an der Bibel, wenn man glaubt, dass die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin nicht im Original stand (nur, um das mal klarzustellen^^)

Auf welche Handschrift beziehst du dich, in deine Aussage ??!
Gruß Joschie
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Daniel Stippinger
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Beitragvon Daniel Stippinger » 27.10.2014 11:39

@Joschie: Soweit ich weiß, taucht die Stelle von der Ehebrecherin in Johannes 8 das erste mal in einem griechischen Manuskript des 5. Jahrhunderts, dem sog. Codex Bezae, auf, der noch dazu in den Augen Vieler aufgrund seiner Teilweise sehr eigen - und einzigartigen Lesarten kein zuverlässiger Textzeuge ist.

Es ist daher gut möglich, dass diese Passage nicht von Johannes verfasst wurde, sondern eine spätere Beifügung ist. In manchen Bibelübersetzungen, die nicht auf dem TR bzw byzantinischen Texttyp basieren, wird dies entweder vermerkt und/oder die Passage befindet sich gar nicht im Fließtext.

Berajo
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Beitragvon Berajo » 27.10.2014 13:06

@ Daniel Stippinger:

Ich würde sagen, dass zumindest das Gesamtbild des eklektischen Textes zumindest mit gewisser Vorsicht zu betrachten ist.

Weiß jemand ob die Stelle mit der Ehebrecherin in der ältesten bekannten Vulgata enthalten ist? Es gibt ja doch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die älteste Vulgata den vollständig überlieferten Text des neuen Testamentes zu Grunde hat.
Jesus, mein Herr und mein Gott

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Beitragvon Daniel Stippinger » 27.10.2014 16:21

Soweit ich weiß ist sie in der Vulgata, ich verstehe aber nicht ganz die Relevanz, denn ich möchte nicht wissen, was die Redakteure der Vulgata als Gottes Wort betrachteten, sondern was Johannes wirklich geschrieben hat.
Und ich wüsste auch nicht, warum die Wahrscheinlichkeit, dass die Vulgata den vollständig überlieferten Text des NT enthält, höher sein sollte als bei anderen Manuskripten oder Codexen.

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 27.10.2014 19:01

Daniel Stippinger hat geschrieben: Und ich wüsste auch nicht, warum die Wahrscheinlichkeit, dass die Vulgata den vollständig überlieferten Text des NT enthält, höher sein sollte als bei anderen Manuskripten oder Codexen.

Viele Manuskripte oder Kodexe enthalten nur einige Teile vom Neuen Testament, es gibt nur sehr wenige, die den ganzen Text des N.T. enthalten. Bei den Manuskripten oder Kodexen sollte man schon prüfen, welchen Ursprung sie haben, es gibt Texte, die einen gnostischen Ursprung habe, Texte die viele Häresien enthalten und Texten, die der Fantasie ihrer Schreiber wiedergeben. Gottes Wort widerspricht such nicht selbst, daran ist ganz einfach zu erkennen, wie man Manuskripte oder Kodexe beurteilen kann. @Daniel die Geschichte von der Ehebrecherin widerspricht an keiner Stelle den anderen Aussagen des N.T.
Gruß Joschie
P.S. In einigen Ländern ist schon das Eigentum einer Bibel strafbar, es dürfen dort auch keine Bibeln gedruckt oder eingeführt werden. Dieses galt auch noch für einige Länder bis vor 28.Jahren in Europa, darüber sollten auch mal die Christen in den westlichen Ländern nachdenken :motz:
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Daniel Stippinger
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Beitragvon Daniel Stippinger » 27.10.2014 20:28

Ganz so einfach ist es mMn leider nicht, Joschie. Die Tatsache, dass sich Gottes Wort nicht widerspricht, macht nicht automatisch jede umstrittene Lesart, die augenscheinlich der Theologie des NTs nicht widerspricht, authentisch. Ich hoffe, es ist verständlich, was ich meine: nur weil es den anderen Aussagen des NT nicht widerspricht, ist es deshalb nicht automatisch kanonisch. Es besteht bspw. In diesem Fall eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Johannes diese Stelle einfach nicht verfasst hat.

Außerdem denke ich nicht, dass die Vulgata - eine lateinische Übersetzung (kein Original) aus dem vierten Jahrhundert, ein guter Maßstab dafür ist, zu bestimmen, welche Passagen authentisch sind und welche nicht. Ad fontes!

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Beitragvon Berajo » 28.10.2014 13:52

Ich denke in diesem Fall könnte die älteste Vulgata eine Hilfe sein. Denn zu dieser Zeit gab es ja nur einen Text des neuen Testamentes. Und wenn dieser Abschnitt enthalten spricht einiges dafür, dass es Johannes auch so geschrieben hat.

Aber unabhängig davon, allein die Qualität des Textes spricht für die Authentizität. Das Handeln Jesu auf diese Versuchung ist göttlich. Ich bin sicher, wir hätten alle (natürlich auch ich) nicht so geantwortet wie der Herr Jesus, ohne Ausnahme.
Jesus, mein Herr und mein Gott


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