Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

Empfehlungen, Kritik oder Rezensionen von christlichen Büchern und Medien

Moderator: Joschie

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5601
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

Beitragvon Joschie » 10.01.2018 18:26

Regelmäßige Lesungen aus der Schatzkammer Davids von C.H.Spurgeon

Vorwort

»Nun ist das Riesenwerk getan! Alle Ehre sei Gott dargebracht!« So schrieb Spurgeon, als er den letzten Band des »Treasury of David« hinausgehen ließ. »Mehr als zwanzig Jahre sind dahingeglitten, während diese Arbeit unter meinen Händen war; aber den Reichtum an Gnade zu ermessen, der während dieser Zeit verschwenderisch über mich ausgeschüttet worden ist, dazu ist mein Herz bei aller Dankbarkeit nicht imstande.

»Doch so freudig ich den Herrn dafür preise, dass er es mir hat gelingen lassen, das Werk zu vollenden, lagert sich ein Schatten von Traurigkeit über mein Gemüt, da ich nun die Schatzkammer Davids verlasse, um nie auf Erden ein reicheres Vorratshaus zu finden, wiewohl mir der ganze weite Palast der göttlichen Offenbarung offen steht. Es waren gesegnete Tage, da ich mit dem Psalmisten sinnend, betend, trauernd, hoffend, glaubend und frohlockend in tiefe innere Gemeinschaft treten durfte. Kann ich wohl hoffen, diesseits der Tore der goldenen Stadt noch freudenreichere Stunden zu erleben? Vielleicht nicht; denn diese Zeiten sind mir überaus köstlich gewesen, da die Harfe des großen Dichters des Heiligtums mein Ohr entzückte. Doch mag die Übung und innere Erziehung, die mir durch diese von Himmelsluft durchwehten Betrachtungen geworden ist, glücklicherweise von weitreichendem Einfluss sein, ein friedevolles Gemüt zu schaffen und zu erhalten, das nie ohne seinen eigenen seligen Psalmengesang sein wird und nie ohne das Streben nach noch Höherem, als es bisher kennen gelernt hat.
Das Psalmbuch unterweist uns ebenso sehr im Gebrauch von Flügeln, als in dem von Worten; es lehrt uns, der Lerche gleich von der Erde zu den Himmelshöhen uns singend emporzuschwingen. Oft habe ich bei der Arbeit die Feder hingelegt, um mit dem Psalm, den ich bearbeitete, in höhere Regionen aufzusteigen und Gesichte von Gott zu beschauen. Wenn ich hoffen darf, dass diese Bände andern Herzen beim Lesen so nützlich sein werden, wie meinem Herzen, während ich sie schrieb, dann bin ich durch diese Aussicht wohl belohnt.«

Aus diesem Zeugnis geht zur Genüge hervor, wie sehr es Spurgeon darum zu tun war, die Psalmen innerlich zu erleben, um sie dann mit lebensvoller Frische der Gemeinde auszulegen. Es wundert uns nicht, dass er manchmal die Feder geraume Zeit ruhen lassen musste, weil er sich in dem betreffenden Psalm noch nicht heimisch genug fühlte oder ihm die Aufgabe, die Psalmen würdig auszulegen, bei dem einen oder andern derselben allzu groß erschien. Mit gleicher Liebe und Sorgfalt widmete er sich jedem Psalm und strengte seine Kräfte bis zur äußersten Grenze seiner Fähigkeiten an, um die letzten Bände mit den früheren mindestens auf gleicher Höhe zu halten. Wusste er doch aus eigener Erfahrung reichlich, welche Enttäuschung es dem Leser bereitet, wenn er bei einer Auslegung nach einem viel verheißenden Anfang gegen das Ende eine bedenkliche Abnahme wahrnehmen muss.

In den »Erläuterungen und Kernworten« ist ein Teil des reichen Ertrages einer literarischen Schatzgräberarbeit von Jahrzehnten geborgen. Spurgeon wurde dabei von seinem Sekretär, sowie von Lehrern seiner Predigerschule und andern Freunden aufs Tatkräftigste unterstützt. Die Bibliothek des Britischen Museums und andere öffentliche und private Schatzkammern des theologischen Wissens wurden ständig benutzt. Neben den Puritanern und vielen anderen englischen Verfassern werden hier Stimmen sozusagen aus allen Jahrhunderten, allen Ländern und allen Kirchen (im Ganzen gegen 1500 verschiedene Verfasser) laut. Bei manchen Psalmen bot sich eine solche Fülle dar, dass nur ein verschwindend kleiner Teil der gesammelten und übersetzten Auszüge aufgenommen werden konnte. Bei anderen Psalmen hingegen, darunter auch manchen der ausgezeichnetsten, machte Spurgeon die Entdeckung, dass sie, soweit wirklich gründliche Auslegung in Frage komme, ein fast unbetretenes Land seien. Das trieb ihn desto mehr zu den lateinischen Schriftstellern, oft ganz seltenen Werken. Mächtige Folianten voll entsetzlich lang gesponnener Reden ergaben freilich auch da nur je und dann einige wenige gute Körnlein. Diese allerdings erschienen wertvoll genug, um die unsägliche Mühe und bedeutenden Kosten mit geistigem Gewinn zu lohnen.

Die Homiletischen Winke suchte Spurgeon immer reicher zu gestalten; Prof. Rogers, der Direktor des von Spurgeon gegründeten Predigerseminars, und manche aus dieser Anstalt hervorgegangene Prediger lieferten Beiträge. Die deutsche Bearbeitung strebte, soweit es sich dabei um das Übersetzen handelte, danach, bei wirklich treuer Wiedergabe des Originals und Wahrung des Spurgeon und den von ihm angeführten andern Schriftstellern eigentümlichen Gepräges, es den Leser möglichst wenig empfinden zu lassen, dass er eine Übersetzung vor sich hat. Es musste sich jedoch bei einem solchen Werke um mehr als eine bloße Übersetzung handeln. Könnte es doch auf den deutschen Leser nur störend wirken, wenn er sich fort und fort auf die englische Bibelübersetzung (die Authorised Version vom Jahr 1611) verwiesen sähe, die, wenn sie unter den älteren Übersetzungen auch einen ehrenvollen Platz einnimmt, bei dem deutschen Leser doch kein so hervorragendes Interesse beanspruchen kann. Den im Auftrag der deutschen Kirchenkonferenz durchgesehenen Luthertext setzten wir zwar zur Bequemlichkeit der Leser den Abschnitten voran; ihn der Bearbeitung durchweg zu Grunde legen konnten wir aber selbstverständlich ebenfalls nicht, wiewohl wir die bei aller Verbesserungsbedürftigkeit doch unvergleichlich schöne Übersetzung gern nach Möglichkeit berücksichtigten. Es musste vielmehr auf den Grundtext zurückgegangen und auf Grund eingehender Studien der Psalmen und ihrer bedeutendsten Auslegungen und Übersetzungen versucht werden, das von Spurgeon (und andern) Dargebotene mit allen irgend zu Gebote stehenden Mitteln dem Grundtext möglichst anzuschließen, es unter Umständen auch ganz frei zu bearbeiten, alles mit dem Ziel, dass das Werk dem deutschen Leser zum Verständnis und zur praktischen Anwendung des Schriftwortes möglichst gute Dienste leiste.

Der Kundige wird es Seite für Seite, sei es an der Wahl einzelner Ausdrücke, sei es an der ganzen Schattierung der Auslegung, wahrnehmen können, dass die besten Auslegungen und Übersetzungen andauernd in den Dienst der Bearbeitung des Werkes, namentlich auch der Spurgeonschen Auslegung, gestellt worden sind. Es wäre jedoch irrig, zu meinen, dass wir die von uns in der Auslegung gegebene Übersetzung des Bibeltextes stets für die uns entsprechendste Wiedergabe des Grundtextes ansähen. Dafür ist sie schon zu wörtlich gehalten. Ferner mussten wir in der Form derselben ja möglichst dem von Spurgeon Dargebotenen Rechnung tragen. Auch stehen sich, namentlich bei schwierigen Stellen, oft verschiedene Auffassungen, denen hie und da auch eine andere Weise, den Grundtext zu lesen, zu Grunde liegt, gegenüber, deren jede ihre bedeutenden Vertreter hat. Es haben sich, abgesehen von dem besondern Licht, das etwa einzelnen über gewisse Stellen zu bringen vergönnt war, in der Auffassung vieler Stellen verschiedene Traditionen gebildet, die sich von den alten Übersetzern und Auslegern her bis in unsere Tage verfolgen lassen. Da sind Spurgeon oder die sonst angeführten Verfasser oft einer anderen Auffassung gefolgt, als diejenige ist, welcher z.B. Luther sich angeschlossen hat oder aber wir uns anschließen würden.

So sehr der Herausgeber an manchen Stellen dem Grundtext und den Abnehmern zuliebe von seiner Freiheit als Bearbeiter Gebrauch machen zu müssen glaubte, hat er sich doch redlich bemüht, die Pietät gegen Spurgeon darin zu wahren, dass er den als Auslegung bezeichneten Teil nichts sagen ließ, wovon er annehmen musste, dass es gegen Spurgeons Grundsätze verstoßen hätte.

In den Fußnoten hat der deutsche Bearbeiter versucht, denjenigen Mitbrüdern im Dienst am Wort, welchen weder die Zeit zu eingehenden eigenen Studien noch das umfangreiche Kommentarmaterial zur Verfügung steht, einige bescheidene Winke zur selbstständigen Beurteilung der in der Auslegung gegebenen Übersetzung, sowie auch jeweils zum besseren Verständnis sowohl der Lutherübersetzung als des Grundtextes zu geben. Die durchgreifendste Änderung hat das Werk bei der deutschen Bearbeitung in den »Erläuterungen und Kernworten« erfahren, einerseits durch abermalige scharfe Sichtung und oft sehr stark zusammenziehende, das Beste herausnehmende Kürzung, anderseits durch Bereicherung aus zahlreichen Werken, namentlich aus der zum Teil zwar schon von Spurgeon, aber doch in geringerem Maße benutzten deutschen exegetischen und erbaulichen Psalmenliteratur. In diesem Teil glaubte der Herausgeber in den entsprechend gekennzeichneten Absätzen auch noch manches aus dem Ertrag seiner eigenen, die Übersetzungsarbeit begleitenden Psalmenstudien darbieten zu dürfen. Die von einigen Mitarbeitern, besonders im Anfang, dann wieder zum 119. Psalm gelieferten Übersetzungen konnte der Herausgeber um der Einheitlichkeit des Ganzen willen nur als zum Teil sehr schätzenswerte Vorarbeiten benutzen; mithin ruht die ganze Verantwortung für das Werk in der vorliegenden Gestalt auf ihm allein.

Das englische Werk hat in Hunderttausende von Bänden eine Verbreitung gefunden, wie wohl kein ähnliches Werk. Wiewohl die sich natürlich in viel engeren Grenzen haltende Verbreitung des deutschen Werkes durch das langsame Voranschreiten der Bearbeitung ungünstig beeinflusst wurde, war doch die erste starke Auflage wenigstens der beiden ersten Bände schon bei der Vollendung des Werkes fast vergriffen. Den dadurch notwendig gewordenen Neudruck hat der Herausgeber gern benutzt, um diese beiden Bände in der während ihres ersten Erscheinens veränderten amtlichen Rechtschreibung den beiden späteren anzupassen und ihnen auch sonst die während der langen Arbeit gewonnenen Erfahrungen zugute kommen zu lassen, so dass sie nun, von unwesentlichen Kleinigkeiten abgesehen, den späteren gleichen. Das Werk ist getan, möge die Frucht reifen! Möge das unter viel Gebet geschriebene Werk des gottbegnadeten Mannes auch in der deutschen Gestalt dazu dienen, dass viele aus dem auch von einem Spurgeon nicht ausgeschöpften Gottesbrünnlein der Psalmen noch weiter schöpfen und auch andere nach Lebenswasser schmachtende Seelen mit einem frischen Trunk aus diesem Borne laben!
J. M.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5601
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.1

Beitragvon Joschie » 11.01.2018 20:50

Kommentar & Auslegung zu PSALM 1

Überschrift und Inhalt
-Auslegung
-Erläuterungen und Kernworte
-Homiletische Winke
-Fußnoten


Inhalt
Wir können diesem Psalm die Überschrift das Vorwort geben, da gewissermaßen der Inhalt des ganzen Psalters darin angezeigt ist. Es liegt dem Psalmisten am Herzen, uns den Weg zu der wahren Glückseligkeit zu lehren und vor dem sicheren Untergang der Sünder zu warnen; und eben dies ist der Gegenstand des ersten Psalms, der so gleichsam als der Text gelten kann, wozu der ganze Psalter die göttliche Predigt bildet.

Einteilung.
Der Psalm besteht aus zwei Teilen. In dem ersten (V. 1-3) führt der Dichter aus, worin die Glückseligkeit des Frommen besteht, womit er sich beschäftigt und was für Segnungen er vom Herrn empfängt. In der zweiten Hälfte (V. 4-6) stellt er demgegenüber den Zustand und die Beschaffenheit des Gottlosen dar und enthüllt dessen Zukunft, indem er mit markigen Zügen sein schließliches Schicksal beschreibt.


Auslegung
1. Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen,
noch tritt auf den Weg der Sünder,
noch sitzt, da die Spötter sitzen,
2. sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn,
und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht!

1. Wohl dem, oder: Selig ist der Mann, der usw. Siehe, wie der Psalter mit einer Seligpreisung beginnt, gerade wie die gewaltige Bergpredigt unseres Heilandes. Wie viel liegt in diesem freudigen Ausruf über das Glück dessen, der bei Gott in Gnaden steht! Wörtlich wäre etwa zu übersetzen: "O der Glückseligkeiten des Mannes der usw." Dass das hebräische Wort (hier wie immer) in der Mehrzahl steht, können wir wohl darauf deuten, wie mannigfaltig die Segnungen sind, welche auf dem Manne ruhen, der bei Gott in Huld steht, und wie erhaben und vollkommen das Glück ist, das er genießt. Möge diese Seligpreisung auch auf uns ruhen!
Der Gerechte wird hier erst (V. 1) beschrieben nach dem, was er nicht tut, und sodann (V. 2) nach dem, was er tut. Er ist Mensch, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen . Er folgt weiserem Rat, er wandelt in den Geboten des Herrn, seines Gottes. Ihn dünken die Wege der Gottseligkeit friedliche und liebliche Pfade. Seine Schritte richten sich nach dem Worte Gottes und nicht nach den teuflisch klugen und doch so törichten ruchlosen Lebensregeln fleischlich gesinnter Leute. Es ist ein starker Erweis davon, dass im Innern die Gnade waltet, wenn im äußeren Wandel eine Umänderung eingetreten und das ungöttliche Wesen von unserem Handeln abgetan ist. Beachte ferner: Er steht nicht (Grundt.) auf dem Weg der Sünder . Sein Umgang ist gewählter als früher. Wohl ist auch er von Natur ein Sünder; aber er ist ein mit dem Blut der Versöhnung gewaschener Sünder, lebendig gemacht durch den heiligen Geist und im Herzen erneuert. Durch Gottes große Gnade steht er in der Gemeinschaft der Gerechten, und darum darf er sich nicht der Menge derer, die das Böse tun, beigesellen. Wiederum heißt es: Er sitzt nicht, wo die Spötter sitzen. Er findet keine Ruhe bei den Spöttereien der Gottesleugner. Mögen andere mit Sünde, Ewigkeit, Himmel und Hölle und dem ewigen Gott ihren Spott treiben, er hat eine bessere Weisheit kennen gelernt als die Philosophie des Unglaubens und ist von Gottes Gegenwart zu sehr durchdrungen, als dass er es ertragen könnte, seinen Namen lästern zu hören. Des Verächters Sitz mag stolz erhaben sein, dennoch ist er der Höllenpforte sehr nahe. Lasst uns von ihm fliehen, denn bald wird er leer sein und Verderben den Mann verschlingen, der jetzt darauf sitzt.-Man beachte die Steigerung im ersten Verse:

Er wandelt nicht in dem Rat der Gottlosen,
er steht nicht auf dem Weg der Sünder,
er sitzt nicht, da sitzen die Spötter.

1.Menschen, die in der Sünde leben, sinken von einer Stufe des Bösen zur anderen. Erst wandelt man nach dem Rat der Gottlosen , die in ihrem Leichtsinn Gottes vergessen, -- das Böse wird tatsächlich ausgeübt, aber es ist noch nicht zur Natur geworden; aber darnach wird einem das Schlechte zur Gewohnheit, und man steht nun auf dem Wege der offenbaren Sünder, die in augenfälligen Tatsünden dahinleben und mit Vorsatz Gottes Gebote übertreten; und greift keine höhere Hand ein, so geht die natürliche Entwicklung noch einen Schritt weiter und man wird zum Lästerer und Verführer, der andere mit ruchloser Lehre pestartig ansteckt, und nun sitzt man, da die Spötter sitzen. Diese sind im Laster zu Würden gekommen, sie sind bestallt als echte Doktoren der Verdammnis und stehen als Meister der Verruchtheit bei den Bösen in hohem Ansehen. Aber der Mann, der die Glückseligkeit der Gemeinschaft mit dem Herrn und seinem Worte kennt und der Erbe der Segnungen Gottes ist, kann mit Leuten dieser Art keine Gemeinschaft pflegen. Er hält sich rein von solchen Aussätzigen. Alles Böse tut er ferne von sich, denn er hasst den vom Fleische befleckten Rock (Jud. V. 23). Er sondert sich von den Gottlosen ab und geht hinaus außer dem Lager, die Schmach Christi tragend (Hebr. 13,13). O dass auch uns die Gnade zuteil werde, also von den Sündern abgesondert zu sein.

2. Und nun lasst uns sehen, wie das Wesen des Frommen beschrieben wird. Er hat Lust zum Gesetz des Herrn. Er lebt nicht unter dem Gesetz als einem Fluch und Verdammungsurteil, sondern in demselben (vergl. 1.Kor. 9,21), und es ist seine Lust, sein Element und die Regel seines Lebens. Eine Lust ist es ihm auch, über das Gesetz des Herrn nachzusinnen (Grundt. 2, bei Tage darin zu lesen und bei Nacht darüber nachzudenken. Er nimmt sich ein Schriftwort heraus und trägt es den ganzen Tag mit sich umher; und wenn des Nachts der Schlaf seine Augenlider flieht, sinnt er über seines Gottes Gesetz. Am Tage des Glücks singt er Psalmen aus dem Worte Gottes und in der Nacht des Leidens tröstet er sich mit den Verheißungen aus demselben teuren Bibelbuche. "Das Gesetz des Herrn" ist das tägliche Brot des wahren Gläubigen. Und wie klein war doch wohl zu den Zeiten des Psalmisten der Umfang der heiligen Schriften! Wie viel mehr denn sollten wir das ganze geschriebene Wort Gottes schätzen, um so mehr noch, als wir so bevorzugt sind, es überall in unsern Häusern zu haben. Aber welch schlechte Behandlung wird diesem Boten des Himmels zuteil! Wir gleichen bei weitem nicht alle den Leuten zu Beröa, die täglich in der Schrift forschten (Apg. 17,11). Wie wenige unter uns können auf die Seligpreisung unseres Psalmwortes vollen Anspruch erheben. Vielleicht könnten einige von euch, liebe Leser, eine Art negativer Reinheit beanspruchen, indem ihr nicht in den Wegen der Gottlosen wandelt; aber lasst mich euch fragen: Habt ihr Lust zum Gesetz des Herrn? Forscht ihr in Gottes Wort? Macht ihr es zu eurem Geleitsmann, eurem besten Gesellschafter, eurem Führer zu allen Stunden? Wenn nicht, so dürft ihr euch diese Seligpreisung nicht zueignen.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jörg
Moderator
Beiträge: 2203
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.1

Beitragvon Jörg » 16.01.2018 17:03

3. Der ist wie ein Baum, gepflanzet an den Wasserbächen,
der seine Frucht bringet zu seiner Zeit,
und seine Blätter verwelken nicht;
und was er macht, das gerät wohl.


Also nicht ein wilder Baum ist er, sondern er ist gepflanzt (wörtl.: verpflanzt), ein auserwählter, als Eigentum wertgeschätzter und gepflegter Baum, der darum auch vor dem schrecklichen Ausreißen gesichert ist, das allen Pflanzen, die der himmlische Vater nicht gepflanzt hat, als Endschicksal bevorsteht (Mt. 15,13). An den Wasserbächen steht er, so dass, wenn ein Bach versiegen sollte, ein anderer ihn tränkt. Die Wasserbäche der Vergebung und der Gnade, der Verheißung und der Gemeinschaft mit Christo sind nie versiegende Quellen. Er ist gleich einem Baume, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringet zu seiner Zeit: nicht unzeitige Früchte, gleich den frühreifen Feigen, die nie den vollen Wohlgeschmack haben, sondern der Mann, der seine Lust an dem Worte Gottes hat, welches ihn unterweist, bringt in der Zeit des Leidens Geduld als köstliche Frucht, Glauben in der Zeit der Prüfung, geheiligte Freude in der Zeit des Glückes. Fruchtbarkeit ist eine wesentliche Eigenschaft des begnadigten Menschen, und diese Fruchtbarkeit muss sich zur rechten Zeit erweisen. Und seine Blätter verwelken nicht ; sein schwächstes Wort hat eine dauernde Wirkung, seine kleinen Liebestaten bleiben im Andenken. Nicht allein seine Früchte, sondern auch sein Laub bleibt erhalten. Er verliert weder Schöne noch Fruchtbarkeit. Und was er macht, das gerät wohl, oder: Und alles, was er tut, führt er glücklich hinaus . Wohl dem Manne, der solche Verheißung hat. Aber wir dürfen die Erfüllung einer Verheißung nicht immer nach dem Augenschein beurteilen. Wie oft würden wir, meine Brüder, wenn wir nach unserm schwachen Verstand urteilten, zu der trüben Schlussfolgerung kommen: Alles ist wider mich! Denn obwohl wir wissen, dass wir an der Verheißung unseres Verses Anteil haben, sieht unser Auge, wenn wir in Prüfungen und Trübsalen sind, doch oft das gerade Gegenteil von dem, was die Verheißung uns zusagt. Aber für das Glaubensauge ist dies Wort zuverlässig und mit seiner Hilfe nehmen wir wahr, dass unser Wirken gedeiht, auch wenn alles uns zuwider zu gehen scheint. Nicht äußeres Wohlergehen ist es, was der Christ am meisten begehrt und schätzt; ihn verlangt nach Wohlfahrt des inneren Menschen. Wir machen etwa gleich Josaphat (1.Kön. 22,49) Schiffe aufs Meer, die nach Ophir gehen sollen, Gold zu holen; aber sie werden zerbrochen zu Ezeon-Geber. Doch auch dies dient zu unserer wahren Wohlfahrt, denn um der Gesundheit der Seele willen müssen wir oft arm, verlassen und bedrängt sein. Das Schlimmste ist manchmal für uns das Beste. Wie in den Wohltaten, die einem Gottlosen widerfahren, ein Fluch verborgen ist, so ein Segen in des Gerechten Kreuz, seinen Verlusten und Kümmernissen. Die Prüfungen der Gläubigen sind ein kräftiger Mutterboden, darin Gottes Pflänzlein gedeihen und reiche Frucht bringen.

4. Aber so sind die Gottlosen nicht,
sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.


Wir stehen nun an dem zweiten Teil unseres Psalms. In dem vierten Vers wird der schlimme Zustand der Gottlosen als Gegensatz benutzt, um dadurch die Farbe des vorhergehenden lieblichen Bildes noch zu heben. Aber so sind die Gottlosen nicht! Das gibt uns zu verstehen: Was immer für Gutes vom Gerechten ausgesagt ist, das ist nicht wahr vom Gottlosen. Septuaginta und Vulgata wiederholen nachdrücklich das "nicht so". Wie schrecklich ist es, wenn einem die Verheißungen so mit einer doppelten Verneinung belegt sind, und doch ist das gerade die Lage der Gottlosen. Beachten wir, dass hier wieder das Wort Gottlose gebraucht ist, das zu Beginn des Psalms zur Bezeichnung der Anfänger im Bösen, der noch am wenigsten anstößigen Sünder angewandt worden war. Wenn das der traurige Zustand derer ist, die noch verhältnismäßig ehrbar leben und nur gegen Gott gleichgültig sind, was muss es sein mit den offenbaren Sündern und schamlosen Ungläubigen! Der erste Satz ist eine negative Beschreibung der Gottlosen, der zweite stellt ihr wirkliches Bild dar. Ihr Wesen wird so geschildert: Sie sind wie Spreu, ohne inneren Wert, ohne Leben, ohne Nutzen, ohne Kern; daher ihr Schicksal: Der Wind verstreut sie. Der Tod wird sie mit seinem schrecklichen Hauche in das Feuer treiben, das sie verzehren wird.

5. Darum bleiben die Gottlosen nicht im Gericht,
noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.


Sie werden dort stehen, um gerichtet, und nicht, um freigesprochen zu werden. Furcht wird sie da packen. Sie werden nicht standhalten können und doch vergeblich zu entfliehen versuchen. Sie werden sich nicht verteidigen können, denn ewige Schmach und Schande (Dan. 12,2) wird sie ergreifen. Mit Recht sehnen sich die Heiligen Gottes nach dem Himmel, denn kein Böser wird daselbst wohnen, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Alle unsere Versammlungen auf Erden sind gemischt. Jede Gemeinde hat einen Teufel in ihrer Mitte (Joh. 6,70). Das Unkraut, der Afterweizen (Mt. 13,24 ff.) wächst in denselben Furchen wie der Weizen. Es gibt jetzt noch keine Tenne, die ganz von der Spreu gereinigt ist. Sünder sind noch vermischt mit den Heiligen, wie Schlacken mit dem Gold. Gottes köstliche Diamanten liegen noch auf einem Feld zusammen mit Kieselsteinen. Gerechte Seelen wie Lot werden diesseits des Himmels beständig gequält von den schändlichen Leuten Sodoms (2. Petr. 2,7 f.). So wollen wir uns denn freuen, dass zu der großen Versammlung droben, der Gemeinde der Erstgeborenen (Hebr. 12,23), auch nicht einer unwiedergeborenen Seele der Zutritt verstattet sein wird. Sünder können im Himmel nicht leben. Sie wären außer ihrem Element. Eher könnte ein Fisch auf einem Baume leben, als ein Gottloser im Paradiese. Der Himmel würde für den Unbußfertigen eine unerträgliche Hölle sein, auch wenn ihm der Eintritt erlaubt würde; aber solches Vorrecht wird dem, der in seinen Missetaten beharrt, niemals zuteil werden. Gott gebe, dass unsere Namen im Himmel angeschrieben seien und ein Platz in den Vorhöfen droben unser warte.

6. Denn der Herr kennet den Weg der Gerechten;
aber der Gottlosen Weg vergehet.

Fortwährend achtet Jahwe auf den Weg der Gerechten: Mag derselbe oft in Nebel und Finsternis gehüllt sein, durch dunkle Wolken und Unwetter der Trübsal hindurchführen, der Herr kennt ihn. Er zählt die Haare auf unserem Haupte und wird nicht dulden, dass irgendein Unglück uns überfalle. "Er kennet meinen Weg wohl. Er versuche mich, so will ich erfunden werden wie das Gold. (Hiob 23,10.) Aber der Gottlosen Weg vergeht. Nicht nur sie selbst werden vergehen, sondern ihr Weg wird auch vergehen. Der Gerechte gräbt seinen Namen auf den Felsen ein, der Gottlose schreibt sein Gedächtnis in den Sand. Der Gerechte pflügt Furchen in die Erde und sät hier eine Saat aus, deren Ernte erst völlig gesammelt wird, wenn er zu den Freuden der Ewigkeit eingeht; der Gottlose aber zieht Furchen durchs Wasser, und wiewohl ein glänzender Schweif hinter seinem Kiel sein mag, werden doch die Wogen darüber gehen, und seine Stätte, die ihn kannte, kennt ihn nicht mehr. Wenn der Gottlose im Andenken bleibt, dann nur in der Erinnerung an das Böse, das er getan hat: denn der Herr wird den Namen des Gottlosen vermodern lassen, dass er den Guten zum Gestank werden und nur noch dem Gottlosen selbst durch seine Fäulnis bekannt sein wird.
Möge der Herr unsere Herzen und unsere Wege reinigen, auf dass wir dem Lose der Ungöttlichen entrinnen und das Glück der Gerechten genießen!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2203
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.1

Beitragvon Jörg » 19.01.2018 16:35

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Basilius († 379) bezeichnet den Psalm als prooi/mion bracu/ (kurzes Vorwort) zum Psalter; als solches scheint bereits der Sammler ihn an die Spitze der Sammlung gestellt zu haben. Gegenüber den zahlreichen, in den Psalmen vorkommenden Klagen über die Bedrückung der Gerechten durch gottlose Feinde sollte gleich im Anfang des Buches die Wahrheit betont werden, dass der Fromme zuletzt doch den Sieg behält. Prof. D. Fr. Bäthgen, Die Psalmen, 1904.

Der Psalter ist Ja und Amen in Liedern zu dem Gottesworte der Tora (des Gesetzes). Darum beginnt er mit einem Psalm, welcher das Geschick des Liebhabers der Tora dem Geschicke der Gottlosen entgegenhält, einem Echo jener Ermahnung Josua 1,8, in welcher Jahwe nach Moses Tode seinem Nachfolger Josua das Buch der Tora ans Herz legt. Wie die neutestamentliche Bergpredigt als Predigt des verinnerlichten Gesetzes mit maka/rios (glückselig) anhebt, so der ganz und gar auf Verinnerlichung des Gesetzes gerichtete alttestamentliche Psalter mit yr#) (glückselig).-Kommentar von Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Dieser erste Psalm ist zwar klein dem Umfang nach, aber sehr groß und voller Kraft, was den Inhalt betrifft; er fasst die Quintessenz der Glückseligkeit in sich. Der Psalm trägt Glückseligkeit an der Stirn. Er beginnt mit dem, womit wir alle zu enden hoffen. Er mag des Christen Führer genannt werden: denn er zeigt den Flugsand, auf dem die Gottlosen ins Verderben sinken, und den festen Grund, auf dem die Frommen in die Herrlichkeit schreiten. Thomas Watson 1660.

V. 1. Nicht ohne Grund ist das Wort der Seligkeit an die Spitze des Buches der tiefsten Leiden und Gebete gestellt; dieses Wort, wie auch zurückgedrängt und zu Boden gehalten, dringt doch durch alle Töne der Klage und des Schmerzes hindurch und behauptet sich endlich in dem Halleluja des hundertfünfzigsten Psalms. Prof. Joh. Wichelhaus † 1858.

Der Dichter sagt in diesem kurzen Psalm mehr Stichhaltiges über wahre Glückseligkeit als irgendeiner der Philosophen oder alle Weltweisen zusammen. Sie klopfen nur auf den Busch, Gott aber gibt uns hier den Vogel in die Hand. John Trapp † 1669.

Wo echte Glückseligkeit als Schild außen hängt, können wir sicher sein, drinnen einen gottseligen Menschen zu finden. Rich. Baker 1640.

Glücklich der Mann usw. Es ist, wie V. 3 zeigt, nicht Wunsch ("Glücklich sei"), sondern Aussage in Form des Ausrufs. Die Übersetzung der LXX maka/rios , Hieron. beatus ist nicht ganz zutreffend, richtiger wäre felix oder fortunatus ; denn der Dichter will im Gegensatz zu dem unglücklichen Schicksal des Gottlosen den nicht gestörten und zu seiner vollen Entwicklung kommenden äußeren Lebenslauf des Frommen glücklich preisen. Jeremias, der Kyrb statt yr#) sagt (Jer. 17, 7), reflektiert darauf, dass der Segen von oben kommt (faustus). Prof. D. Fr. Bäthgen 1904.

Wohl dem Manne (Grundt.), dem einen aus tausend, dessen Leben zur Erfüllung des Zweckes dient, zu welchem Gott ihn geschaffen. Adam Clarke † 1832.

Er wandelt nicht, noch steht er, noch sitzt er. Vorschriften in der Form der Verneinung sind manchmal noch bestimmter und unbedingter als bejahende. Unter allen Umständen und zu allen Zeiten soll sich der Fromme von dem gottlosen Wesen rein halten. Rich. Baker 1640.

Des Gottlosen Rat oder Sinnesart ist religiöse Gleichgültigkeit. Er bemüht sich weder um seine eigene Seligkeit noch um die anderer Leute, und er gibt denen, mit welchen er umgeht, den Rat, seine Denkweise zu der ihrigen zu machen und sich um Beten, Bibellesen, Buße und dergleichen nicht zu kümmert. "Das alles ist nicht nötig. Tue recht und scheue niemand. Führe ein ehrbares Leben, mach keinen Lärm über Religion, du wirst gut dabei fahren." Nun, wohl dem, der nicht in solches Mannes Sinnesart eingeht und seine Ratschläge nicht befolgt.
Jeder Sünder hat seinen eigentümlichen Weg, auf dem er ins Verderben wandelt. Der eine ist ein Trinker, ein anderer ist unehrlich, wieder ein anderer unkeusch. Nur wenige sind allen Lastern ergeben. Es gibt viele geizige Menschen, denen alle Völlerei ein Gräuel ist, viele Unmäßige, die den Geiz verabscheuen, und so hat jeder seine Lieblingssünde, die ihn besonders leicht umgarnt und seiner Lebensweise das Gepräge gibt. Darum sagt der Prophet (Jes. 55,7): "Der Gottlose lasse von seinem Wege." Heil dem, der sich von des Sünders Weg fernhält.
Der Spötter hat in seinem Herzen aller Religion und allem sittlichen Gefühl den Garaus gemacht. Er hat sich niedergesetzt, sich vollständig befestigt in der Gottvergessenheit. Er macht aus der Sünde einen Scherz. Sein Gewissen ist verhärtet. Während er gegen alle geoffenbarte Wahrheit ungläubig ist, glaubt er dagegen alles, was der Unglaube erdichtet. Wohl dem Manne, der nicht mit solchen Leuten zusammensitzt. Adam Clarke † 1832.

Da sitzen die Spötter. Die einen übersetzen: auf dem Sitze der Spötter (vergl. das Wort moschab in 1. Samuel 20,25); die anderen: im Kreise der Spötter (moschab = das Zusammensitzen, Ps. 107,32, vergl. Ps. 26,4 f.: Jer. 15,17). Der Sinn ist im Grunde wenig verschieden.-J. M.

Der Ort, wo die Trinker sitzen, ist der Ort der Spötter. Vergl. z. B. Mt. Henry † 1714.

Die Spötter. Peccator cum in profundum venerit contemnet: Wenn der Gottlose in die Tiefen der Sünde hineinkommt, wird er ein Verächter. So zankt Ahab mit Micha (1.Kön. 22,18), weil er ihm nichts Gutes weissagt. Sogar die kleinen Knaben in Beth-El verspotten den Elisa und erfrechen sich, ihn Kahlkopf zu schmähen. Das Tröpflein Gift schwillt bald zu einem Meer des Verderbens an; wie ein Tropfen Otterngift, das in die Hand gerät, in die Adern geht und so sich durch den ganzen Körper verbreitet, bis es die Lebensgeister auslöscht. Gott wird dich verlachen (Ps. 2,4), der du ihn verlachst, und wer ihn verachtet, der soll wieder verachtet werden (1. Samuel 2,30). Wer gegen den Himmel ausspuckt, dem wird sein Speichel aufs eigene Antlitz zurückfallen. Die Schändlichkeiten, welche du gegen diejenigen begehst, die sich um dein Seelenheil mühen, werden mit deiner Asche im Staube ruhen, aber einst werden sie auferstehen, um im Gericht wider dich zu zeugen. Thomas Adams 1614.

V. 2. Es ist in aller Welt unter den Leuten eine gemeine Frage von der Seligkeit, und ist kein Mensch auf Erden, der nicht wünschte, dass es ihm wohl ginge, und nicht wiederum unmutig darüber würde, wenn es ihm übel ginge. Doch, so viel ihrer sind, haben sie alle geirrt, dass sie nicht gewusst noch verstanden haben, was rechte Seligkeit ist. Dieser aber, der hier im Psalm redet, der vom Himmel herunterschallet, schlägt zu Boden und verdammet alles, was menschliche Gedanken hierin erfinden und ausdenken können, und bringet eine einige Beschreibung der Seligkeit, davon alle Welt nichts weiß, und sagt, dass der selig sei und dass es dem wohl gehe, der Lust und Liebe zum Gesetz des Herrn habe . Als wollte er sagen: Was ratschlagt ihr lange? Was schließt ihr Weltweisen ohne Aufhören so vergeblich unnütze Dinge? Dies ist die einige köstliche Perle (Mt. 13,46), wer sie überkömmt, nämlich, dass er Lust und Liebe zum Gesetz Gottes habe und von den Gottlosen sich absondere, dem gedeihet alles zum Besten. Wer aber diese Perle nicht findet, der mag wohl mit vieler Mühe und Arbeit den Weg zur Seligkeit suchen, er wird ihn aber nicht finden. Wiederum ist denen, die an Gottes Wort ihre Lust und Freude haben, alles lieblich, gut, heilsam und selig, nach dem Wort des 18. Psalms, Vers 26: Dem Reinen ist alles rein. Und kürzlich davon zu reden: Wie du bist, so ist dir Gott, geschweige denn die Kreatur. Gott ist bei den Heiligen heilig, bei den Verkehrten aber ist er verkehrt. Daher kommt es, dass dem nichts gut ist, der böse ist, und von keiner rechten Lust und Freude weiß, der zum Gesetz Gottes nicht Lust hat.
Lust zum Gesetz des Herrn haben, ist aber menschlicher Natur nicht eingepflanzt noch angeboren, sondern es muss vom Himmel herunterkommen. Denn weil die menschliche Natur zum Bösen geneigt und geflissen ist, wie Gott selber spricht (1. Mose 8,21), und Gottes Gesetz gut ist, heilig und gerecht (Röm. 7,12): so folget Not halben hieraus, dass der menschliche Wille Gottes Gesetze entgegen und zuwider ist, hasse das Gesetz und fliehe dafür: ob er sich gleich zuzeiten aus Furcht der Strafe oder aus Lust zur Verheißung stellet, als liebe er das Gesetz, so bleibet gleichwohl allewege ein Hass und Unwille im Herzen wider das Gesetz, und kann es mitnichten umsonst lieb haben. Diese Lust und Liebe nun müssen wir uns, die wir an unsern Kräften und Vermögen verzweifeln sollen, vom Himmel herab bitten und empfangen durch einen demütigen Glauben an Christum. Martin Luther † 1546.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
Moderator
Beiträge: 2203
Registriert: 04.04.2008 07:47
Wohnort: Essen im Ruhrpott

Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.1

Beitragvon Jörg » 22.01.2018 14:49

Erläuterungen und Kernworte

Die Lust, von welcher der Prophet hier redet, ist die einzige, um derentwillen man weder schamrot werden noch erbleichen muss; das einzige Vergnügen, bei dem man zu Gaste geht, ohne dass man nachher dafür zahlen muss; das einzige Ergötzen, das nicht nur viel verspricht, sondern wirklich gibt, und nicht nur, wie andere Lust, den Augenblick befriedigt, da man sie geniest, sondern auch in der Erinnerung ungetrübte Freude zurücklässt. Rich. Baker 1640.

Er sinnt über sein Gesetz Tag und Nacht. (Grundt.) Im einfachsten Bibelwort ist eine wunderbare Fülle von heiliger Geistesmacht. Erforschen wir es im Geist des Gebets und im Bewusstsein unserer Abhängigkeit von Gott, so entdecken wir weit mehr, als wir zuerst vermuten. Beim oberflächlichen Lesen einer Schriftstelle geht es uns vielleicht wie dem Knaben des Elia, der, als er zum ersten Mal auf des Karmels Spitze ging, nichts sah. Da wurde ihm der Befehl, siebenmal auszuschauen. Und beim siebenten Male, siehe, da ging eine Wolke auf aus dem Meer, wie eines Mannes Hand. Bald aber wurde der ganze Himmel schwarz von Wolken (1.Kön. 18,43-45). Sinne oft über ein Bibelwort nach. Du wirst darin ein Licht schauen, hell leuchtend wie die Sonne. Joseph Caryl 1647.

In seinem Worte tritt Gott dem Menschen seinem persönlichen Wesen gemäß denkend und wollend entgegen und dementsprechend soll sich auch der Mensch diesem Worte persönlich zukehren, seine Denk- und Willenskraft darauf richtend. Beides, die praktische und die theoretische Seite, ist hier durch Lust haben und nachdenken bezeichnet. Bloß äußerliches Denken und augenblickliche, schnell vorübergehende Lust genügen aber hier nicht, sondern es erfordert den ganzen Fleiß und Ernst unseres inneren Menschen. Wir müssen durch fleißiges Nachdenken ("Tag und Nacht") die göttlichen Gedanken und Gebote ins Herz aufnehmen und unsere ganze Denkweise und Willensrichtung dadurch bestimmen lassen. Das heißt das Gesetz dem Zwecke des Gesetzes gemäß gebrauchen (1.Tim. 1,8 Grundt.). Und der fromme Israelit, dem das Gesetz auf diesem Wege zur inneren, den Wandel bestimmenden Lebensordnung geworden war (Ps. 40,9), ermüdete nicht, dasselbe als heilsam zu rühmen; siehe Ps. 119; 19,8-15 u.-G. T. 1882.

Die Priester halten das einfache Volk von dem Worte Gottes, diesem köstlichen Gemeingut aller Christen, ab, indem sie vorgeben, die Bibel sei schwer zu verstehen. "Quält euch nicht damit ab, wir wollen euch schon sagen, was der Sinn der Bibel ist." Sie könnten gerade so gut sagen: "Der Himmel ist ein herrlicher Ort, aber der Weg zum Himmel ist schwierig: bemüht euch nicht, wir wollen für euch dahin gehen." So kommt es, dass die Armen in den Zeiten der Not, wo das teure Bibelbuch sich ihnen in seiner rettenden Kraft erweisen sollte, kein Wort Gottes haben. Anstatt der Schrift können sie Bilder vorzeigen, das seien die Bücher der Laien; als ob der Gerichtshof, vor dem sie einst erscheinen müssen, ans Bildschnitzern und Malern bestände und nicht aus den zwölf Aposteln! Lasst euch nicht betrügen, sondern forschet in der Schrift, wenn ihr einst von ihr Trost erwarten wollt. Wer auf ein Erbe hofft, wird auf die Erbschaftsurkunde großen Wert legen. Thomas Adams 1614.

Nirgends finde ich süßere Ruhe, als an einem stillen Plätzchen mit dem teuren Bibelbuche. Nach Thomas von Kempen † 1471.

Das, worüber ein Mensch nachsinnt, ist bezeichnend für sein Wesen: daran mag man erkennen, ob das eigene Herz gut oder böse ist. Das Nachsinnen ist der Prüfstein des Christen; es zeigt, ob er von edlem Metall ist. Thomas Watson 1660.

Durch das Nachdenken verarbeiten wir innerlich die geistige Speise, so dass die Lieblichkeit und Nährkraft des Wortes in Herz und Leben übergeht. Dadurch kommt es bei den Gottseligen zum reichen Fruchttragen. Barthol. Ashwood 1688.

Zu der Erhaltung des Leibeslebens wirken verschiedene Kräfte zusammen: unter andern 1) eine Kraft der Aneignung, zur Aufnahme der Nahrung, 2) eine Kraft zum Behalten der aufgenommenen Nahrung, 3) eine Kraft der Assimilation, um die Nährstoffe in Fleisch und Blut zu verwandeln, 4) eine Kraft des Wachstums, zur Vervollkommnung des Organismus. Das Nachsinnen begreift das alles in sich. Es schärft das Urteilsvermögen und fördert uns in der Weisheit und im Glauben zum Abwägen, Unterscheiden und Annehmen dessen, was uns durch das Lesen und Hören dargeboten wird. Es unterstützt das Gedächtnis in der Aufgabe, die Juwelen der göttlichen Wahrheit in seiner sichern Schatzkammer zu verschließen. Es verwandelt die dargebotene Wahrheit in geistliche Nahrung. Und endlich hilft es dem erneuerten Herzen dazu, der Vollkommenheit entgegen zu reifen und mehr und mehr den Reichtum der freien Gnadengaben Gottes zu erkennen. Nathan. Ranew 1670.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


Zurück zu „Bücher und Medien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast