Finney, Charles Grandison

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Jose
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Finney, Charles Grandison

Beitragvon Jose » 11.05.2011 23:15

In diesem Bereich darf es auch um Personen und Entwicklungen gehen. Finney ist eine Person, über die ich mich gerne austauschen möchte, da ich bislang in ihm nicht einen Verführer sah sondern jemanden, dem es sehr um die Bekehrung von Menschen ging.

Es mag manches geben, was im Leben von Finney nicht unumstritten ist, aber gibt es das nicht auch bei vielen anderen bekannten Vätern des Glaubens? Wenn ich danach ginge, wäre Luther auch kein unumstrittenes Vorbild, wenn man beispielsweise an seine spätere Haltung zu den Juden denkt, als Reaktion auf ihre Ablehnung des Evangeliums:
Da Luther diese "Umkehr auf den rechten Weg" in den folgenden Jahren nicht erkennen kann, verbittert den alternden Reformator. Nun entstehen stark polemische Schriften wie "Von den Juden und ihren Lügen"
http://www.luther.de/kontext/juden.html


Vorhin habe ich einen schönen Text von Finney gelesen:
Charles Grandison Finney - Über die Aufnahme von Neubekehrten
http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:finney:finney-ueber_die_aufnahme_von_neubekehrten

Keine Gemeinde der Welt hat das Recht, einem Neubekehrten, der den wesentlichen Punkten des Evangeliums zustimmt, ein weitschweifiges Glaubensbekenntnis aufzudrängen. Sie kann ihm sagen, wie sie über diesen und jenen Punkt denkt, und ihn, wenn sie es für nötig findet, fragen, was er glaubt; hat er aber Zweifel über den einen oder anderen Punkt, der nicht wesentlich zum Bekehrtsein gehört, wie z.B. über die Kindertaufe, die Lehre von der Gnadenwahl und dergleichen, und er gesteht ehrlich, daß er sich über diese Fragen noch nicht ganz klar ist - hat dann irgendein Prediger, Lehrer oder dergleichen oder eine Gemeinde das Recht, ihn so lange vom Abendmahl auszuschließen, bis er Fragen gegenüber, über welche anerkannt treue Kinder Gottes noch nicht eines Sinnes sind, eine feste Stellung genommen hat? Ich würde mir lieber die rechte Hand abhauen, als einem Neubekehrten unter solchen Umständen den Zutritt zum Abendmahl zu verwehren. Ich würde ihn in der Zeit, ehe er um Aufnahme in die Gemeinde nachsucht, so gut wie möglich unterrichten und ihm nach seiner Aufnahme bei zunehmendem Wachstum in der Gnade zu zunehmender Erkenntnis zu verhelfen suchen.

Diesen Text fand ich sehr aussagefähig. In der Tat, ist es nicht so, dass wir andere oftmals anhand unserer eigenen Erkenntnis messen?

Einen anderen Text, der mich sehr anspricht, ist:
Charles Grandison Finney - Folgen der Innewohnung des Heiligen Geistes
http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:finney:finney-folgen_der_innewohnung_des_heiligen_geistes

Ich zitiere hier nur den Abschnitt 3:
Oft wird euch der Zustand der Prediger tiefes Weh bereiten. Vor einigen Jahren traf ich mit einer Frau zusammen. Auf meine Frage, wie es in ihrem Ort mit dem religiösen Leben bestellt sei, schien sie nicht recht eingehen zu wollen; dann füllten sich ihre Augen mit Tränen, und sie fügte leise hinzu: “ Ach, es ist, als seien unsere Prediger in Nacht und Finsternis befangen!“ Dieses Gefühl haben wahrhaft ehrlich gesinnte Christen hier und da, und es kostet sie heiße Tränen.

Sicherlich haben einige von uns auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht, dass sie in Gottesdiensten waren, wo nicht wirklich Gottes Wort verkündigt wurde oder der Zustand in der Gemeinde eher dem von Laodizea glich: "Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts!, und nicht weißt, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und bloß bist" Offb 3,17.

Das Zeugnis Finneys im genannten Abschnitt zeugt m.E. von seiner aufrichtigen Not, was den geistlichen Zustand in vielen Gemeinden anbetrifft. Ich erkenne hier das gleiche Ringen, den Paulus auch mit den Worten bezeugt: "Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt gewonnen hat " Gal 4,19. Möge der Herr uns allen diese Not viel stärker aufs Herz legen.

José

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Joschie
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Charles Finney und der amerikanische evangelikale Pragma.

Beitragvon Joschie » 12.05.2011 13:08

Charles Finney und der amerikanische evangelikale Pragmatismus

Von John MacArthur Jr[1]

Charles Finney wurde 1792 in Connecticut geboren, verbrachte aber die meiste Zeit seiner Kindheit in Oneida, New York. Seine Eltern waren keine Christen, und er wuchs in ziemlicher Unkenntnis der christlichen Lehre auf. Er erinnert sich an keinerlei Predigt oder Evangeliumsverkündigung in jener Gegend New Yorks (die er eine „Wüste“ nannte) – obwohl die Geschichte zumindest von einer starken evangelikalen Gemeinde in diesem Stadtteil zu berichten weiß.|[2]

Von der Religion seiner Kinderzeit sagte er später, sie sei von einer Art gewesen, „die nicht dazu angetan war, meine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken“.[3] Er beschreibt den einzigen Prediger, an den er sich aus seiner Jugend erinnert, wie folgt:

Ich saß auf der Empore und beobachtete, dass er sein Manuskript in der Mitte der Bibel liegen hatte. Seine Finger steckten an den Stellen, wo er die Bibelverse finden konnte, die er während der Predigt zitieren wollte. Daher musste er die Bibel mit beiden Händen halten, was jegliches Gestikulieren mit seinen Händen unmöglich machte. Im Fortgang der Predigt pflegte er nun eine Schriftstelle nach der anderen vorzulesen, wodurch ebenfalls ein Finger nach dem anderen befreit wurde, bis schließlich alle Finger beider Hände „herausgelesen“ waren. Damit hatte er dann auch bald das Ende der Predigt erreicht. Sein Vortrag war im Ganzen leidenschaftslos und monoton, und obwohl die Leute seinen Lesungen sehr aufmerksam und ehrerbietig lauschten, muss ich bekennen, dass sie mir wenig Ähnlichkeit mit einer Predigt zu haben schienen.[4]

Finney charakterisierte das, was der Pastor zu sagen hatte, als „eine trockene Lehrdiskussion“ und fügte hinzu: „Und diese Predigt war in der Tat genauso gut wie Predigten, die ich andernorts hörte; aber man möge beurteilen, ob solche Predigt dazu angetan ist, einen jungen Menschen zu unterweisen oder zu interessieren, der von Religion nichts wusste, noch sich darüber Gedanken machte.“[5]

Finney entschied sich, Jura zu studieren und machte sein Praktikum in Adams, New York, wo er sich zum erstenmal aktiv mit einer Gemeinde auseinandersetzen musste. Der örtliche Presbyterpastor, George W. Gale, ein junger Mann, der nur zwei Jahre älter war als Finney, gewann Interesse an dem Jurastudenten. Gale machte ihn zum Chordirigenten in der Gemeinde und begann, ihn in seinem Anwaltsbüro zu besuchen, um über geistliche Dinge zu sprechen.

Finney notierte Bibelstellen in seinem Juralehrbuch, bis er um eine Bibel bat und anfing, sie zu studieren. Aber wieder, so sagt Finney, sei die Predigt ein Hindernis für ihn gewesen. „Gale schien der Ansicht zu sein, seine Hörer seien Theologen, bei denen er all die großen und fundamentalen Lehren des Evangeliums voraussetzen konnte. Ich muss aber sagen, dass ich eher verwirrt als erbaut von seinen Predigten war.“[6]

Finney setzte den jungen Pastor während ihrer Unterhaltungen im Anwaltsbüro mit lehrmäßigen Fragen unter Druck: „Was meinte er mit Buße? War sie nur das Gefühl, dass einem die Sünden leid taten? War sie im Grunde eine passive Herzenshaltung oder enthielt sie ein willensmäßiges Element? Wenn sie eine Sinnesänderung war, in welcher Hinsicht war sie es dann?“[7] und so weiter. Man gewinnt aus der Natur der Finney’schen Fragen den Eindruck, dass Gales Predigten gar nicht so völlig abgehoben waren, wie Finney sie später geschildert hat. Vielmehr zeigt sich ganz deutlich, dass Gales Dienst begann, den gewünschten Effekt zu erzielen.

Finneys dramatische Bekehrung

Während seiner Zeit in Adams bekehrte sich Finney auf spektakuläre Weise. Seltsamerweise kam Finney trotz seiner dramatischen, überwältigenden und revolutionären Bekehrung niemals zu der Erkenntnis, dass eine Bekehrung einzig das Werk Gottes ist. So wie Finney die Geschichte erzählt, wird ganz deutlich, dass er glaubte, sein Wille sei der bestimmende Faktor bei seiner Errettung gewesen: „An einem Sabbathabend im Herbst 1821 nahm ich mir vor, die Frage der Rettung meiner Seele auf der Stelle zu regeln, um mit Gott Frieden zu schließen.“[8] Offensichtlich unter starkem inneren Zwang stehend ging Finney in den Wald, wo er versprach, „Gott sein Herz zu geben oder bei dem Versuch dazu zu sterben“.[9]

Finney wurde dort im Wald errettet. Zunächst erschien es wie eine normale Bekehrung. Finney selbst wusste nicht recht, was geschehen war; aber er hielt sich zu dem Herrn. Sein Herz war „wunderbar still und friedevoll“. Das überwältigende Gefühl der eigenen Sünde, das er gespürt hatte, war völlig verschwunden. Er fragte sich sogar, ob er vielleicht „den mahnenden Heiligen Geist ganz und gar wegvergrämt hätte“.[10] Aber später am Abend hatte er in seinem Anwaltsbüro ein Erlebnis, das er als „mächtige Taufe des Heiligen Geistes“ beschrieb. „Der Heilige Geist kam auf mich herab, in einer Weise, die durch Leib und Seele hindurchzugehen schien. Ich hatte den Eindruck, als wenn eine elektrische Welle immerfort durch mich hindurchfloss.“[11]

Trotz all dieser Erfahrungen war Finneys Geist an jenem Abend so verwirrt, dass er Jahre später schrieb: „Obwohl ich diese Taufe empfangen hatte ... ging ich ins Bett, ohne sicher zu sein, Frieden mit Gott zu haben.“[12]

Finneys Zweifel waren plötzlich und auf geheimnisvolle Weise am nächsten Morgen gewichen, und später am selben Tag entschied er, Gott wolle, dass er predige, und zwar sofort. „Nachdem ich diese Taufe des Geistes empfangen hatte, war ich sehr willig, das Evangelium zu predigen. Nein, ich entdeckte, dass ich unwillig zu irgend etwas anderem war. Ich hatte kein Bedürfnis mehr, als Jurist zu arbeiten ... Mein ganzes Herz war mit Jesus erfüllt und mit Seinem Heil, und die Welt erschien mir bedeutungslos.“[13]

Berufen zum Predigen?

Es war, wie ich meine, ein großes Unglück, dass Finney sofort nach seiner Bekehrung ein Predigeramt übernehmen wollte. Ohne jeglichen soliden christlichen Einfluss in seiner frühen Kindheit, wusste er beinahe nichts von der Bibel und deren Aussagen. Finney hatte wohl ein brillantes Gedächtnis und konnte in theologischen Debatten seinen Standpunkt vertreten – auch gegen einen wohltrainierten Mann wie Gale. Seine juristischen Studien hatten Finney logisches Denken gelehrt, ihn aber auch mit einer Riesenmenge falscher Voraussetzungen erfüllt. Finneys Haltung zu Gerechtigkeit, Schuld, Gericht, Übertretung, Vergebung, Verantwortlichkeit, Souveränität und vielen, vielen anderen Begriffen stammte aus seinem Jurastudium und nicht aus der Schrift.

Wo immer Finney predigte, reagierten die Menschen enthusiastisch. Augenblicklich schienen seinen Aufrufen Zeichen von Erweckung zu folgen. Mit seinem Ruf verbreitete sich auch sein Einfluss. Finney forderte die konventionelle Lehre mutig heraus und förderte in überzeugender Weise sein ziemlich neuartiges Lehrgebäude. Er begann zu predigen, wo immer er ein Auditorium fand. Und es dauerte nicht lange, bis er mit den etablierten Kirchen zusammenstieß. „Hier war ein junger Mann, erst zwei Jahre Pastor, erst vier Jahre ein Christ, ohne traditionelle Bildung und ohne Predigterfahrung außer der eines Missionars, der plötzlich zum Schlag gegen die Kirchen ausholte. Er war von Natur extravagant in seinen Behauptungen, anmaßend und rau in seinem Verhalten, der es vorzog, mit der Egge über die Gefühle der Menschen herzufahren, anstatt ihre Herzen mit sanftem Lockruf zu schmelzen.“[14]

Dazu muss angemerkt werden, dass, als Finney auftrat, viele Gemeinden von wahrer Orthodoxie zu kaltem Hyperkalvinismus abgedriftet waren. Hyperkalvinismus ist der Glaube, die Einladung zum Evangelium gelte nur den Erwählten. Hyperkalvinisten glauben nicht, das Evangelium solle vorurteilsfrei verkündet und das Heil allen frei angeboten werden. Im Grunde widersetzen sie sich dem eigentlichen Wesen des Evangeliums. Viele Gemeinden hatten sich in Finneys Tagen durch hyperkalvinistische Tendenzen selbst mattgesetzt. Finneys eigener Pastor, George Gale, scheint hyperkalvinistisch gedacht zu haben. Finney beschreibt Gales Predigten so: „Er schien niemals zu erwarten oder auch nur die Absicht zu haben, jemand durch irgendeine seiner Predigten zur Bekehrung zu bringen.“[15]

Finney schloss, dass der Glaube seines Pastors an die menschliche Verlorenheit und an die göttliche Souveränität mit Evangelisation unvereinbar war. Er schrieb: „Tatsache ist, diese Lehren waren für ihn eine vollkommene Zwangsjacke. Wenn er Buße gepredigt hatte, so konnte er sich nicht hinsetzen, bevor er sicher war, den Leuten den Eindruck vermittelt zu haben, dass sie nicht Buße tun konnten. Wenn er sie zum Glauben aufrief, so musste er sicherstellen, dass alle begriffen hatten: Ohne Veränderung ihres Wesens durch den Heiligen Geist konnten sie überhaupt nicht glauben. Und so war seine Orthodoxie eine unentrinnbare Fußfalle sowohl für ihn selbst, wie auch für seine Hörer.“[16]

Finneys Aversion gegen die Orthodoxie

Finney unterschied nicht zwischen kalvinistischer Orthodoxie und Hyperkalvinismus.[17] Demzufolge zerstörte er die orthodoxe Lehre und verwarf den Kalvinismus samt und sonders. Er studierte die Lehre nur oberflächlich und installierte ein eigenes theologisches System, das seinem Sinn für Logik entgegenkam. So wandte er die juristischen Erkenntnisse des neunzehnten Jahrhunderts, wie sie in Amerika galten, auf alle biblischen Lehren an. „Ich habe über diesen Gegenstand (die Versöhnung) nirgends außer in meiner Bibel gelesen“, schrieb er, „und was ich dort darüber fand, habe ich so ausgelegt, wie ich es bei einer gleichen oder ähnlichen Passage in einem Gesetzbuch auch getan hätte.“[18] Er schloss, dass Gottes Gerechtigkeit fordere, dass auch Seine Gnade gleicherweise allen gelte. Er folgerte, dass Gott gerechterweise unmöglich der ganzen Menschheit Adams Ungehorsam zurechnen könne. Seiner Meinung nach würde ein gerechter Gott niemals die Menschen verdammen, weil sie von Natur Sünder sind: „Die Bibel beschreibt die Sünde als Gesetzesübertretung. Welches Gesetz haben wir übertreten, indem wir diese (sündige) Natur ererbten? Welches Gesetz verlangt von uns, eine andere als die uns eigene Natur zu haben? Gibt es einen Grund, weswegen wir den ewigen Zorn Gottes verdienen, weil wir Adams sündige Natur ererbt haben?“[19] So ließ Finney die klare Lehre der Bibel (Römer 5,16-19) zugunsten menschlicher Überlegungen fallen.

Schlimmer noch: Finney leugnete, dass der heilige Gott die Sünden der Menschen Christus zuschreiben und Christi Gerechtigkeit den Glaubenden zuerkennen würde. Er schloss, diese Lehren – klar im dritten, vierten und fünften Römerkapitel gelehrt – seien „eine theologische Fiktion“.[20] Damit allerdings leugnete er das Herzstück evangelikaler Theologie.

Unglücklicherweise überdeckte Finneys früher Erfolg bei seinen Predigten die ernsten Mängel seiner Theologie. Finney selbst gab zu, dass das Presbyterium bei seiner kirchlichen Prüfung für das Predigtamt „alle Fragen vermied, die selbstverständlich den Widerspruch meiner Ansichten zu ihren offenbart hätten“.[21] Dieses Gremium war offensichtlich durch Finneys wachsende Popularität als Erweckungsprediger eingeschüchtert worden. Einer der Prüfer fragte trotzdem, ob Finney das Westminster-Glaubensbekenntnis anerkenne. Später bekannte Finney, er habe dieses Bekenntnis bis dahin nie gelesen. Doch antwortete er dem Presbyterium in einer Weise, der sie eine Bestätigung ihrer Lehrauffassung entnahmen. „Ich entgegnete ihnen, ich sähe das Bekenntnis – soweit ich es verstanden hätte – als Lehrgrundlage an.“[22] Später, nachdem Finney das Bekenntnis gelesen hatte, entdeckte er zu seinem Schrecken, dass es zu vielem, was er glaubte, im Widerspruch stand. „Sobald ich die eindeutigen Lehren dieses Glaubensbekenntnisses kennengelernt hatte, ... versäumte ich keine Gelegenheit, meine anderslautenden Auffassungen kundzutun“, schrieb er.[23]

Bei der Ablehnung hyperkalvinistischer Tendenzen geriet er völlig ins gegenteilige Extrem. „In der Religion gibt es nichts, was über die üblichen Kräfte der Natur hinausgeht“, meinte er.[24] „Eine Erweckung ist weder ein Wunder noch hängt sie irgendwie von einem Wunder ab. Sie ist einzig das philosophische Ergebnis der rechten Anwendung der dazu nötigen Mittel – so wie jeder andere Effekt durch die Anwendung der geeigneten Mittel hervorgerufen werden kann ... Eine Erweckung ist ein genauso natürliches Ergebnis des Gebrauchs geeigneter Mittel, wie eine Ernte auf den Einsatz der dazu nötigen Mittel folgt.“[25]

Der Erfolg rechtfertigt die Mittel?

Finney war der erste einflussreiche Evangelist, der meinte, der Erfolg rechtfertige die Mittel: „Der Erfolg irgendeiner Maßnahme zur Förderung einer Erweckung demonstriert deren Weisheit ... Folgt die Segnung offensichtlich bei der Einführung der Maßnahme, so ist unwiderlegbar bewiesen, dass die Maßnahme klug war. Zu behaupten, eine solche Maßnahme richte mehr Schaden als Nutzen an, ist lästerlich. Gott kennt sie ja, und Seine Absicht ist es, die größtmögliche Menge an Gutem daraus hervorgehen zu lassen.“[26]

Finneys Einfluss auf die evangelikale Bewegung in Amerika war grundlegender Art. Er war der erste, der Bekehrte aufforderte, bei Evangelisationsversammlungen „nach vorne zu kommen“, um dadurch anzuzeigen, sie hätten Christus angenommen. Er war einer der ersten, die den Begriff „Erweckung“ für Evangelisationsfeldzüge gebrauchte. Finney war es, der die Nachversammlungen für Heilsverlangende
einführte. Er drückte auch dem amerikanischen Predigtstil seinen Stempel auf, indem er junge Prediger ermutigte, zu improvisieren, Anekdoten zu erzählen und mehr im Unterhaltungston als streng lehrmäßig zu sprechen, wie es bis dahin die Prediger taten. All diese Ideen – heute bei Evangelisationen gang und gäbe – gehörten zu den „neuen Maßnahmen“, die Finney einführte.

Natürlich waren nicht alle Neuerungen Finneys falsch. Er forderte, dass Prediger direkt, klar, zwingend, ernst und angreifend bei ihren Botschaften waren. Er riet ihnen, über Sünder nicht in der dritten Person zu reden, sondern sie mit „du“ anzureden, um ihre Gewissen direkter zu erreichen. Er drang auf eine sofortige Bekehrung im Gegensatz zu der damals vorherrschenden Meinung, nach der man Sündern riet, auf Gott zu warten, bis Er ihnen Buße und Glauben schenke. Entsprechend der Schrift und der Predigt Jesu rief Finney die Sünder zu Buße und Glauben auf – und nicht dazu, untätig darauf zu hoffen, dass Gott sie bekehre.
Finneys Dienst konzentrierte sich auf den Westen des Staates New York. Selbst zu Finneys Lebzeiten war diese Gegend als „das ausgebrannte Gebiet“[27] bekannt, weil wiederholte Wellen religiösen Feuereifers jedes wahre Verlangen nach dem Evangelium ausgetilgt hatten. In seiner Frühzeit schien Finney allerdings in der Lage gewesen zu sein, die Flammen immer wieder neu entfachen zu können.
Mit der Zeit aber machten die Erregung und die Glut der vermeintlichen „Erweckung“ einem umso härteren Unglauben und weitverbreitetem Agnostizismus Platz. Das „ausgebrannte Gebiet“ wurde weiter versengt und wurde verhärteter als je zuvor. Tatsächlich hat jener Teil unseres Landes nie wieder eine weitere Erweckung erfahren.
Einer, der mit Finney bei den Erweckungen zusammenarbeitete, schrieb 1834 an ihn:
Lass uns die Felder besehen, wo Du und andere und auch ich selbst an der Erweckung gearbeitet haben, und wie es jetzt um ihren moralischen Stand bestellt ist! Wie sah es dort nach weniger als drei Monaten, nachdem wir sie verlassen hatten, aus? Ich habe die Felder wieder und wieder besucht und im Geist geseufzt, als ich den traurigen, erkalteten, fleischlichen, selbstzufriedenen Zustand erblickte, in den die Gemeinden gefallen waren – gefallen, schon sehr bald, nachdem wir von ihnen gegangen waren.[28]

B.B. Warfield schrieb:

Es gibt kein kraftvolles Zeugnis mehr ... außer dem von Asa Mahan (Finneys langjährigem Freund und Mitarbeiter), der uns – kurz gesagt – berichtete, dass alle, die von diesen Erweckungen berührt wurden, im Nachhinein einem traurigen Abfall erlegen sind: Die Leute sind wie eine erkaltete Kohle, die nicht wieder zum Glühen gebracht werden kann; die Pastoren waren all ihrer geistlichen Kraft beraubt; und die Evangelisten? Er sagt: „Unter allen – und ich kannte sie fast alle persönlich – weiß ich von keinem, Bruder Finney und Vater Nash ausgenommen, der nicht nach wenigen Jahren seine Salbung verloren hat und für das Amt eines Evangelisten ebenso untauglich war wie für das eines Pastors.“
So sind die großen „Erweckungen des Westens“ zu einem Desaster geworden ... Immer wieder, wenn er plante, eine der Gemeinden zu besuchen, wurden ihm Delegationen entgegengeschickt oder andere Mittel angewendet, um das zu verhindern, weil man abwenden wollte, was man für eine Anfechtung hielt.[29]

„Selbst noch eine Generation später“, bemerkt Warfield, „scheuen diese gebrannten Kinder das Feuer.“[30]

Ein enttäuschendes Ende

Finney wurde entmutigt, als seine Methoden fehlschlugen. Er wurde Pastor der Broadway Tabernacle Congregational Church in New-York-City und später Präsident des Oberlin-Colleges in Ohio. Er verwandte all seine Energie auf die Fortentwicklung seiner perfektionistischen Lehren und auf die Arbeit im College.

Später schrieb Finney im Rückblick auf seine Zeit als Evangelist: „Ich war oft das Instrument, durch das Christen sehr stark überführt wurden und in einen zeitweiligen Zustand von Buße und Glauben gerieten ... (Aber) weil ich versäumte, darauf zu dringen, dass sie Christus so gut kennen lernten, dass sie bei Ihm blieben, pflegten sie natürlich alsbald in ihren früheren Status zurückzufallen.“[31] Im Bewusstsein des Versagens seiner evangelistischen Methoden schloss Finney – immer noch der gleiche Pragmatist -, perfektionistische Lehren seien der wahre Schlüssel zu erfolgreichem Dienst. Im Rückblick meinte er, ihm wäre Erfolg beschieden gewesen, wenn er eine starke, aber auf Furcht begründete perfektionistische Botschaft gebracht hätte. Hätte er lange genug gelebt, so würde er erfahren haben, dass auf Perfektionismus gegründeter Samen größeren geistlichen Schaden hervorbringt als ein flaches Evangelium.

Ein Zeitgenosse Finneys sagte:
Während zehn Jahren wurde berichtet, jährlich hätten sich Hunderte, vielleicht sogar Tausende, tiefgreifend bekehrt. Jetzt muss aber zugegeben werden, dass sich (bei Finney) nur verhältnismäßig wenige richtig bekehrt haben. Es wird sogar von ihm selbst erklärt, „der größte Teil von ihnen sind eine Schande für die Religion“. Als Ergebnis dieses Abfalls sind große, schreckliche und unzählige praktische Übel in viele Gemeinden eingedrungen.[32]

So bezieht sich Finneys fortdauernder und weitreichender Einfluss leider nicht auf zahllose gerettete Seelen oder vom Evangelium erreichte Sünder. Solche Effekte waren, wie es scheint, beinahe nur sehr oberflächlich und verschwanden oft, sobald Finney die Stadt verließ. Finneys bare Gesetzlichkeit ist es, die einen so verheerenden Einfluss auf die amerikanische evangelikale Theologie und die Methodologie der Evangelisation gewonnen hat. In der Kirche unserer Generation gärt noch heute der von Finney hineingetragene Sauerteig, und der moderne evangelikale Pragmatismus ist der Beweis dafür.

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[1] Dieser Artikel ist ein Anhang aus dem Buch „Wenn Salz kraftlos wird“ von John MacArthur, Bielefeld: CLV 1996. Das Buch kostet 8,50 Euro und kann bei Betanien (info@betanien.de) bestellt werden.
[2] B.B. Warfield, Perfectionism, 2 Bände (New York: Oxford, 1932), Band 2, S. 10.
[3] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 78.
[4] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 6.
[5] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 6, 7.
[6] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 7.
[7] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 8.
[8] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 12 (Hervorhebung vom Autor).
[9] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 16.
[10] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 17.
[11] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 20.
[12] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 22.
[13] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 25, 26.
[14] B.B. Warfield, Perfectionism, 2 Bände (New York: Oxford, 1932), Band 2, S. 21.
[15] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 59.
[16] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 59, 60.
[17] Finney schrieb: “Ich habe überall entdeckt, dass sich der Hyper-Kalvinismus als ein großer Stolperstein sowohl für die Kirche als auch für die Welt erwiesen hat. Eine in sich selbst sündige Natur, eine totale Unfähigkeit, Christus anzunehmen und Gott zu gehorchen, Verdammnis zu ewigem Tode wegen der Sünde Adams und wegen der sündigen Natur und ähnliche und sich daraus ergebende Dogmen dieser speziellen Schule wurden zum Stolperstein für Gläubige und zum Ruin für Sünder (S. 368-369). Aber die von Finney aufgezählten Lehren sind nicht hyper-kalvinistisch – sie sind einfach kalvinistische Orthodoxie – und in den meisten Fällen reine biblische Lehre. Finney wirft sie alle über Bord und lehnt somit das Herzstück biblischer Theologie ab.
Die eigenartige, von Finney erfundene Theologie ist voller Probleme – besonders im Gebiet der Heiligung. Finney entwickelte eine radikale Form des Perfektionismus, die darauf viele fanatische Ideen unter seinen Nachfolgern entstehen ließ. B.B. Warfield verfasste in seinem zweibändigen Werk Perfectionism eine sorgfältige, aber vernichtende Kritik der Finney’schen Theologie. (Band 2, S. 1-215).
Was Finney nicht genügend beachtet hatte, war die Tatsache, dass die beständigsten Erweckungen des achtzehnten Jahrhunderts in Amerika – einschließlich der Großen Erweckung – alle durch kalvinistische Lehren hervorgebracht worden waren. Jonathan Edwards, George Whitefield, David Brainerd und die frühen Baptisten waren alle strenge Kalvinisten, doch eiferten sie für eine agressive Ausbreitung des Evangeliums. Leider war Finney allzu schnell bereit, dieses Erbe beiseite zu werfen und sein eigenes theologisches Gebräu zu verbreiten. Der pragmatische Ansatz, mit dem Finneys System steht oder fällt, hat sich bis zum heutigen Tag erhalten, selbst bei solchen Christen, die Finneys lehrmäßigen Neuerungen ablehnend gegenüberstehen.
[18] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 42.
[19] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 339.
[20] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 56-58.
[21] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 51.
[22] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 51.
[23] Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 59.
[24] Revivals of Religion (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 4.
[25] Revivals of Religion (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 5.
[26] Revivals of Religion (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 211 (Im Original hervorgehoben).
[27] Seltersamerweise hat Finney selbst diesen Ausdruck mitgeprägt. In seinen Memoiren spricht er von diesem Gebiet als von dem “verbrannten Distrikt“, wegen des Widerstands, der seinen eigenen Erweckungsbemühungen entgegenschlug. Charles G. Finney: An Autobiography (Old Tappan: N. J. Revell, ohne Jahresangabe), S. 778.
Eine faszinierende weltliche Analyse dieser Region und seiner historischen Erweckung wurde von Whitney R. Cross verfaßt, The Burned-Over District: The Social and Interlectual History of Tenthusiastic Religion in Western New York, 1800-1850 (New York: Harper Torchbooks, 1950).
[28] Zitiert in B.B. Warfield, Perfectionism, 2 Bände (New York: Oxford, 1932), Band 2, S. 26.
[29] Zitiert in B.B. Warfield, Perfectionism, 2 Bände (New York: Oxford, 1932), Band 2, S. 26, 27.
[30] Zitiert in B.B. Warfield, Perfectionism, 2 Bände (New York: Oxford, 1932), Band 2, S. 28.
[31] Zitiert in B.B. Warfield, Perfectionism, 2 Bände (New York: Oxford, 1932), Band 2, S. 24.
[32] Zitiert in B.B. Warfield, Perfectionism, 2 Bände (New York: Oxford, 1932), Band 2, S. 23.
hier
Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

lutz
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Re: Finney, Charles Grandison

Beitragvon lutz » 12.05.2011 18:22

Jose hat geschrieben:
, da ich bislang in ihm nicht einen Verführer sah sondern jemanden, dem es sehr um die Bekehrung von Menschen ging. ...


Jose, wenn dein Bild von Finney sich auf die drei deutschen Bücher stützt, die Joachim in seinem Vortrag erwähnt hat – ist das sicherlich auch nicht verwunderlich.

Was meinst du was bspw. Leugner der Gottheit Jesu für herrliche Textausführungen über Gott den Vater machen können. Das zieht einem manchmal wirklich den Boden unter den Füßen weg, wenn sich so etwas herausstellt. Wenn dann noch eine besondere Sympathie zu dem Menschen hinzukommt, bricht es einem mitunter das Herz. …

Nur, aus dem Vortrag von Joachim wissen wir, wie das Evangeliumsverständnis von Finney aussah.
http://www.betanien.de/verlag/material/ ... tsdorf.mp3

Aus einem älteren Beitrag:
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Vorab: Die Zitate sind nach Gehör geschrieben, deswegen verzichte ich auf die Wiedergabe von Namen. Namen nach Gehör schreiben, führt oft zu Unsinn.

Kommen wir zu Finney´ s Bekehrung. Finney ging nachdem er eine Rechtsanwaltslehre gemacht hatte in eine presbyterianische Gemeinde und deren Pastor verkündigte, wie Finney es nannte einen Calivinismus: Zitat: „Ganz nach der alten Schule“. Finney hielt diese Verkündigung (ja man muss nicht sagen für langweilig), aber er hielt sie für nicht erwecklich, weil der Prediger die Souveränität der Gnade Gottes bei der Errettung betonte. Der Prediger … betonte: der Mensch kann nur durch Gottes Gnade gerettet werden. Finney hingegen meinte: ich muss selbst dafür sorgen, dass ich Heilsgewissheit bekomme. …
Pastor … sorgte sich um das Seelenheil seiner Hörer. Er führte sogar jeden Montag lange Diskussionen mit Finney über die Predigt vom Vortag in der Hoffnung, dass sich der Mann bekehren möchte, weil er annahm, dass Finney interessiert sei.

… [Zitate von Finney] Also Finney sagt hier im Klartext – als Jungbekehrter war ich vom Calvinismus beeinflusst, habe den auch einige Zeit gelehrt und seit dem ich davon abgekommen bin, da sehe ich Erfolg und Bekehrte. Das Interessante ist, in seinen Lebenserinnerungen, die er gegen Ende seines Lebens verfasst hat, da soll es angeblich ganz andersherum gewesen sein. Dass er sich noch nie hätte mit dem Calivinismus anfreunden können. Aber das ist offensichtlich ein Thema für sich. Ich will nur den einen Satz loswerden: Vorsicht vor Finneys Lebenserinnerungen. Sie sind erwiesener Maßen in Vielem unzuverlässig…


Finney war in seiner Theologie nicht von der Bibel beeinflusst, sondern von der Ideologie der Aufklärung und eben von dem Gedanken der freie Wille entscheidet alles, im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur das Mensch sich frei entscheiden könne für oder gegen Gott, sondern auch dass eben es am freien Willen liegt, dass man zum Glauben finden kann bzw. das Gott ihn für seine Sünde überhaupt verantwortlich machen könnte. Das hat er z. B. von einem Gesetzesgelehrten (nicht biblischen Gesetzesgelehrten), einem Juristen übernommen, namens …
Dann hat Finney eine Philosophie (muss man eigentlich sagen) aufgestellt, die auf diesen Anschauungen basiert. Er trennt scharf zwischen der physischen Natur und der Geisteswelt. Die Geisteswelt ist für Finney vollkommen abgehoben. Also Moral, Vernunft usw. hat nichts mit Materie zu tun und deshalb ist der Verstand, der Wille des Menschen auch überhaupt nicht vom Sündenfall betroffen …

Finney leugnete ganz offen und ernsthaft, dass Christus überhaupt für unsere Sünden gestorben sei. Wie wird man laut Finney vor Gott gerecht? Finney lehrte, nicht dass Gott ein Sühneopfer fordern würde. Ganz am Anfang in seinen „Umrissen“ verwarf er das ganz offen. Dann bekam er Gegenwind und hat sich dann ein bisschen vorsichtiger ausgedrückt: „ja es könnte möglich sein, dass das so ist“ (Nachsatz: aber ich glaube es nicht.).
Das Sühneopfer ist für Finney gar nicht zur Errettung nötig, sondern worum geht es bei der Rechtfertigung? Die Rechtfertigung geschieht laut Finney so, dass ein Mensch zum vollkommenen Gesetzesgehorsam zurückkehrt und dann vergibt Gott aus lauter Güte. Gott brauche dazu kein Sühneopfer …
Finney lehrt tatsächlich eine Rechtfertigung allein aus Werken. Nicht einmal die katholische Kirche geht so weit. Der Tod Christi ist für ihn lediglich ein positives Vorbild eines guten Menschen, der unschuldig leidet und das in Kauf nimmt. Damit hängt Finney´ s Heiligungslehre zusammen …

Das Problem ist, wenn wir allein aus Werken gerechtfertigt werden sollen und laut Finney Originalton: „Selbst ein wiedergeborenes Gotteskind, dass in Sünde fällt und in diesem Zustand stirbt, unweigerlich zur Hölle fährt“, wer kann dann seines Heils gewiss sein? ….


Nachtrag: Was sind die „Umrisse“?
Was er wirklich geglaubt und gelehrt hat, das steht in Büchern, die auf Deutsch nicht verfügbar sind, etwa in seiner systematischen Theologie oder in seinem Vorläuferwerk … den „Umrissen“ seiner Theologie. Da war er zum Teil noch deutlicher als in seiner systematischen Theologie, wo er manche Lehren – ja man muss es so sagen, die seinen Zeitgenossen aufstießen, dann doch verschleiert hat.
------------------------------------------------------

Man kann einen Eifer für die Bekehrung von Menschen an den Tag legen in einer Weise, die wir hier alle nie zusammenbringen … - wenn es ein falsches Evangelium ist – ist es nicht Gotteskraft zu retten, die glauben.
Das ist so ähnlich wie Durstige in eine trockene Wüste schicken und ihnen versprechen, dass sie dort Wasser finden. Dabei kann derjenige das „durstig sein“ dennoch sehr real erleben und ganz real mit dem Durstigen mitleiden ….
Auch möchte ich nicht in Abrede stellen, dass es sich hier um einen ganz realen Eifer zur Abhilfe von Not handelt.

Lutz

PS: Mit Luther würde ich ihn im Verständnis des Evangeliums nie auf eine Stufe stellen.

lutz
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Beitragvon lutz » 12.05.2011 18:56

Was mir noch einfällt:

Hier wurde Finney auch erwähnt:

http://www.kfg.org/archiv/pdf/artikel/076%20Peters%20(K)ein%20anderes%20Evangelium.pdf

AUSWIRKUNGEN AUF DIE EVANGELIUMSVERKÜNDIGUNG

Um 1850 herum machte ein Nordamerikanischer Evangelist von sich rede, weil er die Lehre vom freien
Willen des Menschen zum Dreh- und Angelpunkt seiner ganzen Evangelisation gemacht hatte.

Das war zwar kirchengeschichtlich nichts Neues, aber es war in Nordamerika neu, denn in Nordamerika hatte die große Mehrheit der evangelikalen Christen bis dahin immer reformatorisch geglaubt und gepredigt, d. h. so wie die puritanischen Gründerväter, wie Jonathan Edwards und wie Georg Whitefield.

Der nordamerikanische Neuerer war Charles G. Finney. Er sagte u. a.: „Was für Adam galt, gilt für alle Menschen; zur Bekehrung ist Entscheidung des Willens, nicht eine veränderte Natur notwendig… Dass Gott uns etwas befiehlt, ist der stärkst mögliche Beweis, dass wir es auch tun können. Er hat kein Recht, etwas von uns zu verlangen, wenn wir nicht die Kraft haben, es zu tun. Gott ist ein Tyrann, wenn er etwas verlangt, das der Mensch unmöglich tun kann… Was ist Wiedergeburt anderes als der Anfang des Gehorsams Gott gegenüber? Wer willens ist, Christus zu gehorchen, ist ein Christ. Wenn ein Mensch es wählt, Gott zu gehorchen, wird er ein Christ.“

Da Finney glaubte, dass es ganz in der Hand des Menschen liegt, dass er ein Kind Gottes wird, glaubte er auch, es liege ganz in der Hand der Christen, eine Erweckung zu erzeugen. Er sagte: „Gott hat den Heiligen Geist unter eure Verfügung gestellt. Ihr seht, warum ihr keine Erweckung habt: Nur
weil ihr keine gewollt habt.“ (S. 8)


Lutz

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Finney: Keine Erweckung ohne Gebetsgeist

Beitragvon Jose » 12.05.2011 19:22

Danke Joschie, für den langen Beitrag. Habe ich mit Ernst gelesen. Was mir an Finney noch sehr in Erinnerung geblieben ist, ist sein Anliegen, dass dort, wo das evangelisiert wurde, besonders viel Wert auf das Gebet gelegt wurde. Hier ein Beitrag zu seiner Haltung hierzu:

Keine Erweckung ohne Gebetsgeist

Eine Erweckung wird auf zweierlei Weise gefördert, erstens durch Beeinflussung der Menschen und zweitens durch Beeinflussung Gottes. Die Menschen werden beeinflußt, indem man ihnen die Wahrheit nahebringt, der Arm Gottes wird durch das Gebet in Bewegung gesetzt.

Nicht, als ob ich mit letzterem sagen wollte, daß das Gebet eine Veränderung in Gottes Gesinnung, Seinem Wesen oder Charakter hervorbrächte; sondern das Gebet bewirkt eine Veränderung in uns, die es Gott ermöglicht, so zu handeln, wie Er sonst konsequenterweise nicht hätte handeln können. Tut ein Sünder Buße, so befindet er sich in einem Gemütszustande, der Gott in die Lage versetzt, ihm zu vergeben. Gott ist von jeher bereit gewesen, ihm unter dieser Bedingung zu vergeben, so daß es, wenn der Sünder seinen Sinn ändert und Buße tut, keiner Sinnesänderung seitens Gottes bedarf, um ihm zu verzeihen. Es ist des Sünders Buße, die es Gott ermöglicht, ihm zu vergeben, und Ihm Gelegenheit gibt, so zu handeln, wie Er es tut.

So auch, wenn die Kinder Gottes inbrünstig beten, sind sie in der richtigen inneren Verfassung, die es Gott ermöglicht, sie zu erhören. Er war von jeher bereit, diejenigen zu segnen, die in der richtigen Herzenseinstellung sind und in der richtigen Weise beten.

Das Gebet ist die Kette von Ursachen, welche zu einer Erweckung führen, ein ebenso unbedingt notwendiges Glied wie die Verkündigung der Wahrheit. Viele haben eifrig das Evangelium gepredigt, um die Leute zur Umkehr zu veranlassen, haben aber dabei zu wenig Gewicht auf das Gebet gelegt. Sie haben eifrigst gepredigt, mit den einzelnen geredet und Traktate verteilt, doch zu ihrem nicht geringen Erstaunen mit wenig Erfolg. Der Grund, weshalb sie nicht mehr ausrichten, war, daß sie das andere Hilfsmittel, das inbrünstige Gebet, außer acht ließen. Sie vergaßen, daß die Wahrheit an sich nie ihre Wirkung tun wird ohne den Geist Gottes.

Zuweilen kommt es vor, daß diejenigen, die am meisten für die Verbreitung der Wahrheit tun, sich nicht in demselben Verhältnis dem Gebete widmen. Das ist schlimm; es sei denn, daß sie selbst den Geist des Gebets haben oder daß ein anderer ihn hat, so wird die Wahrheit an sich die Leute nur in ihrer Unbußfertigkeit bestärken.

Quelle: http://www.cai.org/de/bibelstudien/keine-erweckung-ohne-gebetsgeist


Diese hier von Finney bezeugte Haltung und der Hinweis auf die Notwendigkeit des Gebets finde ich sehr wichtig. Nach der Schrift ist das Gebet oft ganz entscheidend.

Viele Verheißungen und Erhörungen hängen mit Sicherheit von erstem und echtem Gebet ab. Wir kennen die Worte des Herrn: "Und alles, was immer ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen" Mt 21,22, oder, wo es um die Vollmacht über böse Geister ging: "Diese Art kann durch nichts ausfahren als nur durch Gebet" Mk 9,29. Auch Jakobus schreibt: "Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet" Jak 4,2. Ohne dass wir alles erklären oder begründen können, müssen wir aus diesen Worten der Schrift unsere Verantwortung erkennen, dass unsere Gebete etwas bewirken - oder eben nicht, wenn sie falsch sind, denn Jakobus schreibt auch: "ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden" Jak 4,3.

José

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Finney und die "Pragmatische Evangelisation"

Beitragvon Jose » 12.05.2011 19:24

Lutz hat geschrieben:Jose, wenn dein Bild von Finney sich auf die drei deutschen Bücher stützt, die Joachim in seinem Vortrag erwähnt hat – ist das sicherlich auch nicht verwunderlich.

Ich weiß nicht, wie viele deutsche Bücher es über Finney gibt, aber ich habe sie nicht gelesen, sondern immer wieder in verschiedenen Büchern und verschiedene Predigten Auszüge und Zeugnisse über Finney gelesen bzw. gehört.

Auf der Seite der KfG fand ich vorhin eine interessante Schrift. Darin ist z.B. zu lesen:
Als ich zum Glauben kam, war Charles Finney (1792-1875) für mich das große geistliche Vorbild. Ich verschlang buchstäblich alle seine Schriften, die man in Deutschland kaufen konnte. Finney und Erweckung bildeten für mich eine unauflösliche Einheit. Für Erweckung sein, war für mich gleichbedeutend mit: für Finney und seine Schriften sein. Damals glaubte ich, dass nur diejenigen Finney bekämpften, die gegen Erweckung waren. Umso verwunderter war ich, als ich feststellte, dass einige derjenigen Prediger, die mir geistlich viel bedeuteten, Finney scharf angriffen. "Warum", so fragte ich mich, "bekämpft zum Beispiel Spurgeon Finneys Erweckungsverständnis? War Spurgeon nicht auch für Erweckung?" Es war mir ein Rätsel! Doch als ich mir das Leben und die Lehre von Finney etwas genauer anschaute, wurde mir vieles klar.

Etwas weiter lesen wir aber auch die Einsicht Finneys:
Finney musste es selber eingestehen, dass die Menschen nach ihren so genannten Bekehrungen nicht das waren, was man von der Schrift her nach einer Bekehrung eigentlich erwartet. In der Schrift wird klar gesagt: Wenn der Herr den Menschen das Herz aufgetan hat, wenn sie Buße getan haben, wenn sie sich bekehrt haben, dann haben sie sich abgewendet von den Götzen hin zu dem lebendigen Gott. Da ist Veränderung geschehen; da ist mit einem Mal ein Hunger nach Gottes Wort entstanden, nach geistlichen Dingen und nach geistlicher Gemeinschaft. Aber hier hat man nun Menschen rein emotional zu einer Entscheidung geführt, und sie quälen sich jetzt da durch, und eigentlich wissen sie z. T. gar nicht, dass sie sich nur durchquälen, weil sie geistlich nicht lebendig sind.

Der ganze Artikel, in dem es aber nicht nur um Finney geht, findet sich hier:
http://www.kfg.org/archiv/pdf/artikel/072%20Ernst%20Pragmatische%20Evangelisationi.pdf

Es beschäftigt mich sehr, aber kann ich deswegen Finney als einen Verführer bezeichnen? Er hat mit Eifer sich für das eingesetzt, was er als richtig erkannt hatte, auch entsprechend seiner damaligen Prägung. Ich denke, es gibt noch viele andere, die neben ihrem Eifer, auch Schuld auf sich geladen haben. Letztlich wird der Herr recht richten, auch über uns.

José

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Re: Finney und die "Pragmatische Evangelisation"

Beitragvon lutz » 12.05.2011 19:53

Jose hat geschrieben:Es beschäftigt mich sehr, aber kann ich deswegen Finney als einen Verführer bezeichnen? Er hat mit Eifer sich für das eingesetzt, was er als richtig erkannt hatte, auch entsprechend seiner damaligen Prägung. Ich denke, es gibt noch viele andere, die neben ihrem Eifer, auch Schuld auf sich geladen haben. Letztlich wird der Herr recht richten, auch über uns.


Jose, du kannst dich mit enormem Eifer für Dinge einsetzen. Es gibt Ungläubige, die sich mit ihrem Leben für Dinge einsetzen, die sie als richtig erkennen. Also der Eifer an sich ist kein Prüfungskriterium, ob die Sache für die man sich einsetzt auch wirklich „gut“ in Gottes Augen ist.

Eigentlich würde ich deine Überlegungen in Fragen zurückgeben:

Würdest du einen, der die Gottheit Jesu leugnet, taufen? Würdest du ihn taufen wegen seines Eifers für Gott den Vater?

Würdest du einen, der das Sühneopfer leugnet (also ich brauche nicht zwingend ein Sühneopfer zur Vergebung meiner Sünden) taufen?

Lutz

PS: Gottes Wort ist lebendig und durch das Wort der Wahrheit wird gezeugt - auch wenn damit eine völlig falsche Auslegung verbunden ist. Deshalb können wir u. a. davon ausgehen, dass sich auch in der röm. - kath. Kirche Menschen bekehren.

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Beitragvon Joschie » 12.05.2011 20:32

Jose hat geschrieben:Diese hier von Finney bezeugte Haltung und der Hinweis auf die Notwendigkeit des Gebets finde ich sehr wichtig. Nach der Schrift ist das Gebet oft ganz entscheidend.

Das Gebet ist wichtig dieses ist keine Frage :!: Was beinhalte die Botschaft die Botschaft Finny verkündigt?
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THE WONDERFUL LOVE OF GOD

Beitragvon Jose » 12.05.2011 22:01

Lutz hat geschrieben:Würdest du einen, der die Gottheit Jesu leugnet, taufen? Würdest du ihn taufen wegen seines Eifers für Gott den Vater?
Würdest du einen, der das Sühneopfer leugnet (also ich brauche nicht zwingend ein Sühneopfer zur Vergebung meiner Sünden) taufen?

Es dürfte klar sein, dass so eine Überzeugung nicht biblisch und daher nicht annehmbar ist. Die Aussagen haben mich überrascht und nachdenklich gemacht. War Finney falsch belehrt oder wie kam er zu solchen Vorstellungen? Hat er die Haltung vielleicht später revidiert und nicht alle haben das erfahren? Mir geht es aber dennoch darum, nicht vorschnell über Finney den Stab zu brechen.

Aus dem ersten Beitrag von Joschie hat mich die folgende Aussage sehr beschäftigt:
Dazu muss angemerkt werden, dass, als Finney auftrat, viele Gemeinden von wahrer Orthodoxie zu kaltem Hyperkalvinismus abgedriftet waren. Hyperkalvinismus ist der Glaube, die Einladung zum Evangelium gelte nur den Erwählten. Hyperkalvinisten glauben nicht, das Evangelium solle vorurteilsfrei verkündet und das Heil allen frei angeboten werden. Im Grunde widersetzen sie sich dem eigentlichen Wesen des Evangeliums. Viele Gemeinden hatten sich in Finneys Tagen durch hyperkalvinistische Tendenzen selbst mattgesetzt. Finneys eigener Pastor, George Gale, scheint hyperkalvinistisch gedacht zu haben. Finney beschreibt Gales Predigten so: „Er schien niemals zu erwarten oder auch nur die Absicht zu haben, jemand durch irgendeine seiner Predigten zur Bekehrung zu bringen

War das besser? Mit Sicherheit nicht. Möglicherweise lag hier einen wesentlichen Grund, warum Finney in manchen Gebieten zu weit ging.

Vorhin habe ich mich etwas in http://www.charlesgfinney.com eingelesen. Die Seiten sind sicherlich eine wichtige Quelle, wenn man Finneys Überzeugungen prüfen will. Leider sind die Seiten auf Englisch, aber das folgende Zitat dürfte einigermaßen leicht verständlich sein. Es geht um Johannes 3,16 und darum, dass wir, angesichts dieser unergründlichen und unermesslichen Liebe, nichts bringen können, um sie zu verdienen.
But let me say once more: the fact is, sinners mistake the nature of God's love, and so they try to make themselves happy. They always suppose that they must do something to deserve his love; you ask them to come to Christ, and they say, I must do more; I must become better; I must pray, I must do this thing or the other thing, to deserve his love. They have, you observe, the idea of complacent love, they must deserve it before they have it--they want to feel that they deserve it. The sinner never will believe that God loves him as a sinner. But let me tell you sinner that this is all wrong; you can never deserve God's love in the sense in which you hope to possess it--and if you seek to deserve it thus you will never be saved. But remember it was as a sinner that Christ died for you! It was as a rebel that God gave his Son to die for you! Just as you are in your sins God loves you, and for you just in that state he gave his Son to die for you. This is what you must believe. You will find it difficult to believe, but it is absolutely necessary that you should do so. Let me beseech you to let the idea take full possession of your minds, and say to yourself, what need then to seek to render myself deserving if God loves me now just as I am? It was as I am that Christ died for me; it was as a sinner that God loved me, and loves me still; as a sinner then I will go to Jesus, as I am, as an humble penitent, seeking, but not deserving sinner. Will you come? Will you come now? Will you believe now? or make God a liar?
Zitat aus: THE WONDERFUL LOVE OF GOD
http://www.charlesgfinney.com/1849-51Penny_Pulpit/501222pp_wonderful_loveofg.htm

--

Joschie, deinen letzten zweiten Satz verstehe ich leider nicht ganz:
Joschie hat geschrieben:Das Gebet ist wichtig dieses ist keine Frage :!: Was beinhalte die Botschaft die Botschaft Finny verkündigt?



José

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Re: THE WONDERFUL LOVE OF GOD

Beitragvon lutz » 12.05.2011 22:59

Jose hat geschrieben:
Lutz hat geschrieben:Würdest du einen, der die Gottheit Jesu leugnet, taufen? Würdest du ihn taufen wegen seines Eifers für Gott den Vater?
Würdest du einen, der das Sühneopfer leugnet (also ich brauche nicht zwingend ein Sühneopfer zur Vergebung meiner Sünden) taufen?

Es dürfte klar sein, dass so eine Überzeugung nicht biblisch und daher nicht annehmbar ist. Die Aussagen haben mich überrascht und nachdenklich gemacht. War Finney falsch belehrt oder wie kam er zu solchen Vorstellungen? Hat er die Haltung vielleicht später revidiert und nicht alle haben das erfahren? Mir geht es aber dennoch darum, nicht vorschnell über Finney den Stab zu brechen.


Wir dürfen doch eins nicht durcheinander bringen: es gibt nur einen der gerecht Gericht hält – das ist der Herr Jesus Christus. Wir sollen Brüder im Herrn erkennen.
Woran?
An Verborgenem können wir nicht erkennen. Es muss etwas Offenbares sein. Du kennst das, getauft wird auf der Basis eines Bekenntnisses – nicht auf der Basis von Eifer, oder etwas was man im Verborgenen vielleicht annimmt …

Keiner der Beiden dürfte getauft werden – ich gehe jetzt davon aus, dass hier Übereinstimmung herrscht.
Wenn ich sie nicht taufen würde, dann erkenne ich sie als Brüder im Herrn nicht an. Damit ist auch eine Lehrautorität innerhalb der Gemeinde ausgeschlossen …

Dieses „vorschnell den Stab brechen“ ist eine weise Ermahnung und hier in diesem Fall müsste zur Erkennung unter Brüdern dann ein anders lautendes Bekenntnis stehen. Mit anderen Worten, um hier den „Stab nicht vorschnell zu brechen“ müsste eine Buße auf dem Sterbebett oder Ähnliches stehen.
Aber mit Verborgenem können wir nicht umgehen. Ich weiß nicht wie er gestorben ist bzw. was er vielleicht in den letzten Stunden seines Lebens gedacht oder … hat. Wie jeder andere Mensch bin ich auf Offenbarung angewiesen für ein Urteil. Das letztliche Urteil können wir getrost dem Herrn selbst überlassen.

War Finney falsch belehrt? Kann ich mir angesichts der Ausführungen von Joachim nicht vorstellen. Es handelt sich doch um einen längeren Zeitraum indem er auch selbst aktiv war. Auch du weißt zumindest jetzt soviel von den Lehren des Calvinismus, dass diese niemals das Sühneopfer leugnen.

http://www.betanien.de/verlag/material/ ... tsdorf.mp3
Vorab: Die Zitate sind nach Gehör geschrieben.

…, es gab damals schon einen so genannten Hypercalvinismus, d. h. Vertreter des Calvinismus, die diese Lehre doch in einigen Punkten überbetonten und die allen Ernstes es für eine Irrlehre oder eine falsche Praxis hielten … die Menschen zur Buße zu rufen …
Ein solcher Lehrer war Pastor … nicht, sondern er sorgte sich um das Seelenheil seiner Hörer. Er führte sogar jeden Montag lange Diskussionen mit Finney über die Predigt vom Vortag in der Hoffnung, dass sich der Mann bekehren möchte, weil er annahm, dass Finney interessiert sei.

Eines Tages beschloss Finney die Frage seines Heils selbst zu regeln. Er ging … in ein Wäldchen und suchte die Lösung – … im Gebet. Also nicht im Wort Gottes sondern er betete solange bis … Ich zitiere aus seinen Lebenserinnerungen: Es kamen ihm während des Gebets die verschiedensten biblischen Verheißungen in den Sinn und die nahm er dann persönlich im Glauben für sich in Anspruch:

Zitat: „Ich erfasste sie nicht mit dem Verstande, sondern sie sanken mir tief ins Herz“.

Dies erfüllte ihn nach eigener Aussage mit innerem Frieden und schon hier sollte uns auffallen, zeigt sich ein bedenklicher Hang zum Mystizismus. … Es ist also mehr eine Gefühlsregung. Seltsam scheint hierbei auch, dass Finney selbst sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht für bekehrt erachtete:

Zitat: „Die Frage, ob ich nun bekehrt sei, war mir gar nicht gekommen – aber ich erinnere mich deutlich, dass ich bei mir dachte, wenn ich mich je bekehre, so werde ich ein Prediger des Evangeliums.

… [Zitate von Finney] Also Finney sagt hier im Klartext – als Jungbekehrter war ich vom Calvinismus beeinflusst, habe den auch einige Zeit gelehrt und seit dem ich davon abgekommen bin, da sehe ich Erfolg und Bekehrte.

Das Interessante ist, in seinen Lebenserinnerungen, die er gegen Ende seines Lebens verfasst hat, da soll es angeblich ganz andersherum gewesen sein. Dass er sich noch nie hätte mit dem Calivinismus anfreunden können. Aber das ist offensichtlich ein Thema für sich. Ich will nur den einen Satz loswerden: Vorsicht vor Finneys Lebenserinnerungen. Sie sind erwiesener Maßen in Vielem unzuverlässig…

Noch drei Jahre nach seiner Bekehrung schien es keine lehrmäßigen Konflikte zwischen ihm und den anderen Pastoren zu geben – aber Finney fing an neue Maßnahmen einzuführen. Er hat sie nicht erfunden. Er hat sie übernommen von einem bestimmten Zweig der Methodisten – aber er hat sie dann unter den Evangelikalen im Allgemeinen salonfähig gemacht. Das ging los mit dem so genannten „Nachvornekommen“, mit der Einrichtung von „arme Sünderbänken“ (die 1. Reihe war reserviert für Leute, die öffentlich Buße tun wollten) …


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Finney: Sein Verständnis vom Sühnopfer !?

Beitragvon Jose » 13.05.2011 08:46

lutz hat geschrieben:War Finney falsch belehrt? Kann ich mir angesichts der Ausführungen von Joachim nicht vorstellen. Es handelt sich doch um einen längeren Zeitraum indem er auch selbst aktiv war.

Auf eine andere Webseite, fand ich folgende Aussage, die sicherlich ein Hinweis darauf ist, wie sehr auch wir von unserem religiösen Umfeld geprägt werden können:
Verständnis Finneys des atonement war, daß es „allgemeine Gerechtigkeit“ erfüllte und daß es die Weise erschloß, damit Gott Leute ihrer Sünde begnadigt. Dieses war die Ansicht der Schüler von Jonathan Edwards'Nachfolger, das sogenannte Neue Göttlichkeit welches populäre zu dieser Zeit Periode war. In dieser Ansicht erfüllte Tod Christs allgemeine Gerechtigkeit anstatt retributive Gerechtigkeit.
http://www.worldlingo.com/ma/enwiki/de/Charles_Grandison_Finney#Finney.27s_theology


Im Ringen um die rechte Erkenntnis, kann es durchaus zu eigene Auslegungen kommen, die nicht unumstritten sind. Wie du erwähntest, leugnen Calvinisten das Sühnopfer nicht, doch schränken sie deren Wirksamkeit auf die Auserwählten ein - darüber haben wir uns auch schon viel ausgetauscht. Hiermit will ich nur unterstreichen, dass es ein Ringen um die Wahrheit und um die rechte Erkenntnis gibt. Möglicherweise veranlasst gerade diese Auseinandersetzung aufrichtig suchende Gläubige dazu, sich weiteren Gedanken zu öffnen.

Meine persönliche Überzeugung ist, dass wenn ein Mensch von Herzen Gott sucht, so wird Gott sich auch von ihm finden lassen, denn das hat ER verheißen. Ob Gott dieses "Suchen wollen" selber gewirkt hat oder auch nicht. Am Ende ist es so, dass Gott alleine die Ehre gebührt und kein wahrhaft bekehrter wird etwas anderes sagen. Die Frage ist somit für mich die, ob sich Finney wirklich bekehrt hatte und ich muss sagen, dass wenn ich seine Schriften betrachte, ich keinen Zweifel daran habe, dass Gott in ihm die Erkenntnis des Heils in Jesus gewirkt hatte.

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Beitragvon Joschie » 13.05.2011 11:31

Jose hat geschrieben:Joschie, deinen letzten zweiten Satz verstehe ich leider nicht ganz:
Joschie hat geschrieben: Das Gebet ist wichtig dieses ist keine Frage :!: Was beinhalte die Botschaft die Botschaft Finney verkündigt?

Sorry, es soll heißen "Was beinhaltet die Botschaft Finney" :oops: oder anders gesagt, welche Lehraussagen machte Finney dabei?

Jose hat geschrieben:Zitat:
Dazu muss angemerkt werden, dass, als Finney auftrat, viele Gemeinden von wahrer Orthodoxie zu kaltem Hyperkalvinismus abgedriftet waren. Hyperkalvinismus ist der Glaube, die Einladung zum Evangelium gelte nur den Erwählten. Hyperkalvinisten glauben nicht, das Evangelium solle vorurteilsfrei verkündet und das Heil allen frei angeboten werden. Im Grunde widersetzen sie sich dem eigentlichen Wesen des Evangeliums. Viele Gemeinden hatten sich in Finneys Tagen durch hyperkalvinistische Tendenzen selbst mattgesetzt. Finneys eigener Pastor, George Gale, scheint hyperkalvinistisch gedacht zu haben. Finney beschreibt Gales Predigten so: „Er schien niemals zu erwarten oder auch nur die Absicht zu haben, jemand durch irgendeine seiner Predigten zur Bekehrung zu bringen

War das besser? Mit Sicherheit nicht. Möglicherweise lag hier einen wesentlichen Grund, warum Finney in manchen Gebieten zu weit ging.

Es geht hier nicht um besser oder schlechter Jose.Die Fehler des einen(Finney) mit den Fehlern der anderen(Hypercalvinisten) zu entschuldigen, geht einfach nicht :!:
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Beitragvon Joschie » 13.05.2011 11:46

Jose hat geschrieben:Im Ringen um die rechte Erkenntnis, kann es durchaus zu eigene Auslegungen kommen, die nicht unumstritten sind. Wie du erwähntest, leugnen Calvinisten das Sühnopfer nicht, doch schränken sie deren Wirksamkeit auf die Auserwählten ein - darüber haben wir uns auch schon viel ausgetauscht. Hiermit will ich nur unterstreichen, dass es ein Ringen um die Wahrheit und um die rechte Erkenntnis gibt. Möglicherweise veranlasst gerade diese Auseinandersetzung aufrichtig suchende Gläubige dazu, sich weiteren Gedanken zu öffnen.

Meine persönliche Überzeugung ist, dass wenn ein Mensch von Herzen Gott sucht, so wird Gott sich auch von ihm finden lassen, denn das hat ER verheißen. Ob Gott dieses "Suchen wollen" selber gewirkt hat oder auch nicht. Am Ende ist es so, dass Gott alleine die Ehre gebührt und kein wahrhaft bekehrter wird etwas anderes sagen. Die Frage ist somit für mich die, ob sich Finney wirklich bekehrt hatte und ich muss sagen, dass wenn ich seine Schriften betrachte, ich keinen Zweifel daran habe, dass Gott in ihm die Erkenntnis des Heils in Jesus gewirkt hatte.


Ich bitte in diesem Bereich persönliche Überzeugungen /Meinungen draußen zu lassen, da es hier erstmal um Personen und Entwicklungen in der Kirchen/Dogmengeschichte geht.Für lehrmäßige Fragen, gibt es einen eigenen Bereich :!:
Gruß Joschie
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Beitragvon lutz » 13.05.2011 17:12

Jose hat geschrieben:... Leider sind die Seiten auf Englisch, aber das folgende Zitat dürfte einigermaßen leicht verständlich sein. Es geht um Johannes 3,16 und darum, dass wir, angesichts dieser unergründlichen und unermesslichen Liebe, nichts bringen können, um sie zu verdienen.
But let me say once more: the fact is, sinners mistake the nature of God's love, and so they try to make themselves happy. They always suppose that they must do something to deserve his love; you ask them to come to Christ, and they say, I must do more; I must become better; I must pray, I must do this thing or the other thing, to deserve his love. They have, you observe, the idea of complacent love, they must deserve it before they have it--they want to feel that they deserve it. The sinner never will believe that God loves him as a sinner. But let me tell you sinner that this is all wrong; you can never deserve God's love in the sense in which you hope to possess it--and if you seek to deserve it thus you will never be saved. But remember it was as a sinner that Christ died for you! It was as a rebel that God gave his Son to die for you! Just as you are in your sins God loves you, and for you just in that state he gave his Son to die for you. This is what you must believe. You will find it difficult to believe, but it is absolutely necessary that you should do so. ....


Wenn Finney von einem „Christus starb für dich“ sprach, muss man unter dem Thema „Finney“ fragen: Was versteht Finney unter dem Kreuzestod?
Was hat Joachim im Vortrag gesagt?
http://www.betanien.de/verlag/material/ ... tsdorf.mp3

Was er wirklich geglaubt und gelehrt hat, das steht in Büchern, die auf Deutsch nicht verfügbar sind, etwa in seiner systematischen Theologie oder in seinem Vorläuferwerk … den „Umrissen“ seiner Theologie. Da war er zum Teil noch deutlicher als in seiner systematischen Theologie…


Der Tod Christi ist für ihn lediglich ein positives Vorbild eines guten Menschen, der unschuldig leidet und das in Kauf nimmt.


Wenn das stimmt:
dann bedeutet dieses „Christus starb für dich“ eines Finney mit Sicherheit keine „Sühne für dich“.

Oder aber:
Finney sagt „heute“: nein und „morgen“: ja usw.
Nur so geradlinig und zielstrebig, wie er in den Beschreibungen bisher dargestellt ist, würde mich das sehr wundern.

Aber abgesehen davon, Joh. 3, 16 ist unter „Biblische Lehrthemen“ ganz genau untersucht.
Es ist mit Joh. 3, 16 nicht zu machen einem Ungläubigen ins Gesicht zu sagen: Christus starb für dich!. Eigentlich bräuchte es diese Untersuchung nicht, um zu verstehen, wer damit gemeint ist: „damit alle, die an ihn glauben, …“.

Lutz

PS: zu Joh. 3, 16: http://www.betanien.de/forum/viewtopic.php?t=1213

Edit: zwei Links ergänzt
Zuletzt geändert von lutz am 13.05.2011 19:26, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitragvon lutz » 13.05.2011 17:15

Jose hat geschrieben:Im Ringen um die rechte Erkenntnis, kann es durchaus zu eigene Auslegungen kommen, die nicht unumstritten sind.


Eigentlich weiß ich nicht, was du damit in Bezug zu Finney aussagen möchtest.
Du hast doch diesen sehr aufschlussreichen deutschen Text verlinkt:

http://www.kfg.org/archiv/pdf/artikel/0 ... ationi.pdf

Und dort finden wir:

Zitat:

„Nun, was glaubte Finney, und was macht ihn so bedeutsam?

Was waren seine G r u n d l e h r e n ?
Zunächst: Finney verwirft die Reformation. Dies unterscheidet ihn ganz radikal von Wesley. Die Vorstellung der Reformation, der Mensch sei durch die Sünde völlig verdorben und Gott rechtfertige
einen Sünder allein aufgrund des Sühnetodes Christi, ist für ihn ein .anderes Evangelium. (.another gospel .). 12)

Er sagt damit: .Was die Reformation über Rechtfertigung lehrt, ist ein anderes Evangelium!. Das ist eine schwere, grundlegende Abweichung von dem Fundament der biblischen Botschaft.

Warum?

Nun, er macht die menschliche Fähigkeit zum Dreh und Angelpunkt seines Denkens.

Er sagt: Wenn Gott von einem Menschen etwas fordert, dann gibt er ihm dazu auch alle Fähigkeiten.
Besonders deutlich wird das in seiner Lehre von der Wiedergeburt.
Kernstück der Lehre von der Wiedergeburt, wie sie in der Reformation verkündigt wurde, ist die Unfähigkeit und völlige Verdorbenheit (.total depravity.) des Menschen. Der Mensch hat weder die Kraft noch den Willen, sich zu retten. Der Heilige Geist greift durch die Wiedergeburt in den Menschen ein und schafft ein neues Herz und einen neuen Menschen (.a new creation.).

Finney bekämpfte diese Lehre.
Einem Menschen zu sagen, er könne, solange er nicht von neuem erschaffen sei, solange er nicht wiedergeboren sei, nur gegen Gott handeln, sei .
die größte und verabscheuungswürdigste und verwerflichste Falschheit. Es spottet seiner Intelligenz.. 13) Nicht Gott, sondern letztlich der Mensch schafft sich ein neues Herz:

.Wir haben gesagt, dass in der Bibel Wiedergeburt gleichbedeutend ist mit einem neuen Herzen. Aber es wird von den Sündern verlangt, sich selbst ein neues Herz zu machen, was sie nicht könnten, wenn sie nicht bei dieser Veränderung aktiv wären.. 14)

Die Wiedergeburt ist für Finney nichts anderes als die Änderung des Willens durch den Einfluss der Wahrheit.15) Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes bei der Wiedergeburt reduziert Finney darauf, dass der Geist Gottes versucht, einen Menschen die Wahrheit nahe zubringen und ihn
davon zu überzeugen (.divine moral suasion.)16) Der Geist gibt sozusagen nur einen Anstoß, einen Impuls mehr nicht!

In ähnlicher Weise deutet er natürlich dann auch die ganze Lehre von der Heiligung um. Was der Mensch bei der Bekehrung kann, das kann er auch im Glaubensleben; wenn er etwas will, dann kann er es.
Damit ergab sich zwangsläufig die Frage, ob ein Christ sündlos sein kann. Finney beantwortete diese Frage positiv: Ja, ein Mensch kann, wenn er willentlich mit allen Sünden gebrochen hat, völlig sündlos sein. Aus diesen Lehren entwickelte Finney sein Evangelisationsverständnis.“
(S. 3 der PDF)

Aber das ist ja noch lange nicht alles, was hier steht. Da ist ja noch eine Menge von den Folgen zu lesen, von Reaktionen der Gemeinden, von Spaltungen ….

Seinen Kritikern warf er vor, sie würden nur tote Lehre betonen, die mit dem eigentlichen Leben nichts zu tun habe. Er förderte damit eine ganz fatale Entwicklung. ….Doch Finney betonte: .Rechte Lehre ist zweitrangig für rechte Verkündigung; sie ist nicht so wichtig; es geht ja nur darum, eine Entscheidung hervorzurufen; da machen doch so viele .theologische Spekulationen. gar keinen Sinn..(S. 5 der PDF)

Also so wie das hier dargestellt wird, denke ich nicht an ein „Ringen um Erkenntnis“.
Das Ganze sind feste Grundüberzeugungen nach denen geradlinig und zielbewusst gehandelt wird.
Eine Auslegung, die falsch ist, hat verheerende Konsequenzen – das können wir mit Sicherheit aus diesem Text im Ganzen mitnehmen.

Lutz


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