Finney, Charles Grandison

Moderator: Joschie

Jose
Beiträge: 907
Registriert: 29.05.2010 19:23

Persönliche Überzeugungen draußen lassen !?

Beitragvon Jose » 14.05.2011 11:54

Joschie hat geschrieben:Ich bitte in diesem Bereich persönliche Überzeugungen /Meinungen draußen zu lassen, da es hier erstmal um Personen und Entwicklungen in der Kirchen/Dogmengeschichte geht.Für lehrmäßige Fragen, gibt es einen eigenen Bereich :!:

Ganz wird das leider sicherlich nicht gelingen können. Auch wenn wir es nicht konkret erwähnen sollten, so kann unser Urteil nicht frei sein von unseren persönlichen Überzeugungen. Wer für den Calvinismus ist wird schon deswegen nicht für Finney sein können, weil seine Überzeugung Anti-Calvinistisch war. Oder täusche ich mich? Es ist aber nicht mein Anliegen, hier Themen aus den Lehrthemen zu wiederholen sondern wollte nur betonen, dass unsere konfessionellen Überzeugungen einen wesentlichen Anteil in der Beurteilung anderer ausmachen.

Joschie hat geschrieben:Sorry, es soll heißen "Was beinhaltet die Botschaft Finney" :oops: oder anders gesagt, welche Lehraussagen machte Finney dabei?

Mit allem konnte ich mich noch nicht beschäftigen, aber was ich bereits in meinem Beitrag vom 12.05.2011 20:22 geschrieben habe, zeugt von Finneys Gewissheit, dass wir mit unseren Gebeten mit dafür verantwortlich sind, in welchem Maße Gott wirkt und ob ER überhaupt wirkt. Dies steht sicherlich dem calvinistischem Verständnis der Souveränität Gottes entgegen, aber ich finde dafür durchaus Bestätigungen in der Bibel und teile, soweit ich es verstanden haben, Finneys Verständnis hierzu.


Joschie hat geschrieben:Es geht hier nicht um besser oder schlechter Jose.Die Fehler des einen(Finney) mit den Fehlern der anderen(Hypercalvinisten) zu entschuldigen, geht einfach nicht :!:

Entschuldige, Joschie, wenn mein Satz im Beitrag vom 12.05.2011 23:01 so missverständlich war. Keineswegs war das meine Absicht, denn keiner von uns kann sich aus seiner Verantwortung vor Gott mit dem Hinweis auf andere rechtfertigen. Darum führe ich auch den Austausch in diesem Forum weiter, weil ich von anderen lernen kann und dadurch auch eine echte Herausforderung besteht, mich intensiv mit dem Wort Gottes zu beschäftigen und meinen Erkenntnisstand zu überprüfen. Über Finney und seinen Einfluss in der Evangelikalen Welt mache ich mir durchaus ernste Gedanken.

José

Jose
Beiträge: 907
Registriert: 29.05.2010 19:23

Finneys Verständnis über den Kreuzestod

Beitragvon Jose » 14.05.2011 12:02

Lutz hat geschrieben:Wenn Finney von einem „Christus starb für dich“ sprach, muss man unter dem Thema „Finney“ fragen: Was versteht Finney unter dem Kreuzestod?

In der Tat sind machen Aussagen Finneys auch für mich schwerverständlich und teilweise irreführend. In Hebräer 9,22 lesen wir, dass es ohne Blutvergießen keine Vergebung gibt, und zumindest das hat Finney nicht in Frage gestellt, wenn wir von ihm lesen:
Faith in the atonement of Christ rolls a mountain weight of crushing and melting considerations upon the heart of the sinner. Thus the blood of Christ, when apprehended and believed in, cleanses from all sin. From this may be seen the indispensable necessity of faith in the atonement.

The atonement shows how solid a foundation the saints have for an eternal repose and confidence in God. It greatly glorifies God; indeed it does so, far above all His other works and ways.

http://www.charlesgfinney.com/finney-101/revtrutxt/revtruthtxt.htm

Aber manche Aussagen sind in der Tat unglücklich formuliert und das Verständnis ist zu hinterfragen. Es bleibt aber für mich die Gewissheit, dass Gott sich von jeder aufrichtig suchenden Seele finden lässt, und nur von diesen. Dabei ist ER es selber, der doch in jedem Menschen dieses Verlangen hineinlegt. Dies ist meine persönliche Überzeugung, die ich mit Finney teile.

Manche Gedanken oder Lehren von Finney sind schwierig und ich tue mich persönlich sehr schwer, mich dazu zu öffnen, wenn ich beispielsweise lese, dass der Gehorsam Christi nicht um unsertwillen geschah, sondern zuerst um Seinetwillen.
But Christ's obedience was not performed for us. As a man, He had to obey for Himself. If He did not obey, He became personally a transgressor. Yet there is a sense in which it may be said that His obedience is reckoned to our account. his obedience has highly honored the law, and His death has fully satisfied the demands of public justice. Grace(not justice) has reckoned His righteousness to us. If He had obeyed the law strictly for us, justice would have accounted His obedience to us. We could have obtained salvation by right instead of asking for it through grace.

Only in this sense is salvation accounted ours: that He, being God and man, voluntarily assumed our nature and layed down His life to make atonement. This casts such a glory on God's law that grace is willing to consider his obedience ours, as if we were righteous.

http://www.charlesgfinney.com/finney-101/101serm/101-wayofsal.htm

Vielleicht ist Philipper 2,8, wo wir lesen, dass Er sich erniedrigte und gehorsam ward bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuz. Oder auch das Wort aus Hebräer 5,8 wo wir lesen, dass Er lernte, obwohl Er Sohn war, an dem was Er litt, den Gehorsam, eine Hilfe, um manche Aussagen besser zu verstehen.

Dies sind Worte die mich immer wieder Stille werden lassen, gerade wenn an die Souveränität Gottes denke und an unsere Verantwortung zum Gehorsam. Im Philipperbrief lesen wir dann weiter: "Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist," Phil 2,9, und in Hebräer lesen wir weiter: "und vollendet ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden" Hebr 5,9. Auch dieses DARUM, beschäftigt mich immer wieder. Den Willen des Vaters zu tun, war auch für Jesus kein Automatismus. Vielleicht lässt sich so die Aussage verstehen, dass der Gehorsam Christi auch für Ihn selbst geschah. Das macht es aber umso wunderbarer, dass Christus die Herrlichkeit beim Vater verließ und ganz Mensch wurde, um uns zu erlösen. Welch ein Opfer, welch eine Liebe!

José

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5556
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 14.05.2011 18:48

Jose hat geschrieben:
Joschie hat geschrieben:Ich bitte in diesem Bereich persönliche Überzeugungen /Meinungen draußen zu lassen, da es hier erstmal um Personen und Entwicklungen in der Kirchen/Dogmengeschichte geht.Für lehrmäßige Fragen, gibt es einen eigenen Bereich :!:

Ganz wird das leider sicherlich nicht gelingen können. Auch wenn wir es nicht konkret erwähnen sollten, so kann unser Urteil nicht frei sein von unseren persönlichen Überzeugungen. Wer für den Calvinismus ist wird schon deswegen nicht für Finney sein können, weil seine Überzeugung Anti-Calvinistisch war. Oder täusche ich mich? Es ist aber nicht mein Anliegen, hier Themen aus den Lehrthemen zu wiederholen sondern wollte nur betonen, dass unsere konfessionellen Überzeugungen einen wesentlichen Anteil in der Beurteilung anderer ausmachen.

Es war erstmal generell eine Bitte an alle, nicht nur an dich, Jose.Dann hast du recht, niemand versteht Geschichte wertneutral,es geht mir auch an erster Stelle darum, das hier in diesem Bereich nicht der Platz ist, für Diskussionen über Lehrthemen, dafür gibt es ja einen anderen Bereich.Ist die Überzeugung von Finney nur anticalvinistisch,bedingt durch seine Erfahrungen mit dem Hypercalvinismus.Ist es nicht viel mehr nicht ein Bruch mit den Reformatorischen Solas im ganzen?
Ich bin das erste mal auf das Thema Finny durch ein Buch, aus einer ganz anderen Richtung gekommen.

Wolfram Kopfermann "Wir brauchen Erweckung" Brockhaus-Verlag
Der Autor behandelt in diesem Buch ein Thema, dass ernsthaften Christen unter den Nägeln brennt: Erweckung! Es geht u.a. um die Fragen „Was ist Erweckung“, „Welche Voraussetzungen sind nötig?“, „Erweckung und Gebet“, „Auswirkungen von Erweckungen“ usw.

Einige Erweckungen der vergangenen Jahrhunderte werden untersucht, darunter die Erweckung in Herrnhut, die „Große Erweckung“ in England und Amerika, die Erweckung in Wales und auch einige lokale Erweckungen, die durch Männer wie Spurgeon, Goßner, Boos, Hennhöfer usw. ausgelöst wurden.

Erstaunlich ist, dass Kopfermann als ehemals führender Charismatiker in Deutschland (inzwischen hat er eine eher kritische Haltung zu dieser Bewegung) die Theologie und Praxis des von vielen Charismatikern und Evangelikalen geschätzten und viel zitierten Charles Finney sehr kritisch beurteilt: „Wer allerdings der These des berühmten Erweckungstheoretikers folgt, dass jederzeit Erweckung erleben könne, wer die von Gott dafür vorgesehenen Mittel gebraucht, der sollte nicht vergessen, auf welchem humanistischen Grund diese These gewachsen ist. Ist man einmal dieser brüchigen Basis ansichtig geworden, so be-
kommt man ein waches Auge für viele Erweckungs-Praktiken, die bis in unsere Zeit benutzt werden.“ (S. 25).


Mit allem konnte ich mich noch nicht beschäftigen, aber was ich bereits in meinem Beitrag vom 12.05.2011 20:22 geschrieben habe, zeugt von Finneys Gewissheit, dass wir mit unseren Gebeten mit dafür verantwortlich sind, in welchem Maße Gott wirkt und ob ER überhaupt wirkt. Dies steht sicherlich dem calvinistischem Verständnis der Souveränität Gottes entgegen, aber ich finde dafür durchaus Bestätigungen in der Bibel und teile, soweit ich es verstanden haben, Finneys Verständnis hierzu.

Zu diesem Thema gibt es von John Piper einen guten Beitrag http://www.betanien.de/verlag/material/ ... .php?id=42 Es ist bestimmt lohneswert, sich mal in einem anderen Bereich über dieses Thema auszutauschen :!:
Gruß Joschie
Zuletzt geändert von Joschie am 15.05.2011 07:13, insgesamt 1-mal geändert.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jose
Beiträge: 907
Registriert: 29.05.2010 19:23

Finney und die Reformatorischen Solas

Beitragvon Jose » 14.05.2011 20:53

Joschie hat geschrieben:Ist die Überzeugung von Finney nur anticalvinistisch,bedingt durch seine Erfahrungen mit dem Hypercalvinismus.Ist es nicht viel mehr nicht ein Bruch mit den Reformatorischen Solas im ganzen?

In der Tat, das ist ein wichtiger Hinweis, danke. Dem werde ich nachgehen und versuchen, aus Finneys Schriften hierüber was zu finden.

José

Jose
Beiträge: 907
Registriert: 29.05.2010 19:23

Re: Finney und die Reformatorischen Solas

Beitragvon Jose » 22.05.2011 14:50

Joschie hat geschrieben:Ist die Überzeugung von Finney nur anticalvinistisch,bedingt durch seine Erfahrungen mit dem Hypercalvinismus.Ist es nicht viel mehr nicht ein Bruch mit den Reformatorischen Solas im ganzen?

Aus der reformatorischen Sicht hat Finney sicherlich mit den Solas gebrochen, aber hat das im Grunde nicht jeder Arminianer? Finney lehrte, dass Christus keine Erlösung für irgendjemand bestimmtes getan hat, sondern eine allgemeine Erlösung schuf, die allen angeboten wird, welche aber verlangt, dass der Sünder bestimmte Bedingungen erfüllt, bevor die Erlösung wirkt. Mit anderen Worten ist die Erlösung durch die persönliche und freiwillige Umkehr des Einzelnen bedingt. Dies steht natürlich im Widerspruch zum reformatorischen Verständnis, aber Finney hatte sich vom Calvinismus abgewandt und wurde vermutlich der bekannteste Arminianer in Amerika.

Vollständigkeitshalber hier der Link zu der englischen Webseite: http://pilgrim-platform.org/2010/charles-finney/

José

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5556
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Re: Finney und die Reformatorischen Solas

Beitragvon Joschie » 22.05.2011 15:30

Jose hat geschrieben:
Joschie hat geschrieben:Ist die Überzeugung von Finney nur anticalvinistisch,bedingt durch seine Erfahrungen mit dem Hypercalvinismus.Ist es nicht viel mehr nicht ein Bruch mit den Reformatorischen Solas im ganzen?

Aus der reformatorischen Sicht hat Finney sicherlich mit den Solas gebrochen, aber hat das im Grunde nicht jeder Arminianer? Finney lehrte, dass Christus keine Erlösung für irgendjemand bestimmtes getan hat, sondern eine allgemeine Erlösung schuf, die allen angeboten wird, welche aber verlangt, dass der Sünder bestimmte Bedingungen erfüllt, bevor die Erlösung wirkt. Mit anderen Worten ist die Erlösung durch die persönliche und freiwillige Umkehr des Einzelnen bedingt. Dies steht natürlich im Widerspruch zum reformatorischen Verständnis, aber Finney hatte sich vom Calvinismus abgewandt und wurde vermutlich der bekannteste Arminianer in Amerika.

Vollständigkeitshalber hier der Link zu der englischen Webseite: http://pilgrim-platform.org/2010/charles-finney/

José


Jose es geht hier erst mal um Charles G. Finney und nicht um irgendwelche Arminianer!Das reformatorischen Verständnis der Solas ist nicht ein Verständnis des Calvinismus, sondern auch das von Puritaner, Lutheranern und Baptisten.Finney hat in Amerika Erfahrungen mit den Hypercalvinismus gemacht(C.H. Spurgeon hatte auch mit ihnen seine Probleme) und sich von ihn abgewandt.Ob Finney der bekannteste Arminianer in Amerika wurde ist für mich irrelevant.

Du hast ja die Solas angesprochen genau dieses ist der Knackpunkt Jose wie sieht das Verständnis von Charles G. ­Finny zu den 5.­Solas aus?
Sola Fide (allein der Glaube)
Sola Scriptura (allein die Schrift)
Solus Christus (allein Christus)
Sola Gratia (allein die Gnade)
Soli Deo Gloria (Gott allein gehört die Ehre)
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jose
Beiträge: 907
Registriert: 29.05.2010 19:23

Re: Finney und die 5 Solas

Beitragvon Jose » 22.05.2011 17:34

Joschie hat geschrieben:Jose es geht hier erst mal um Charles G. Finney und nicht um irgendwelche Arminianer!Das reformatorischen Verständnis der Solas ist nicht ein Verständnis des Calvinismus, sondern auch das von Puritaner, Lutheranern und Baptisten.

Hallo Joschie. Die Frage, nach dem Verständnis Finneys über die 5 Solas hattest du aufgeworfen. Wie du weißt, wurden die 5 Solas durch die Reformatoren des 16ten Jahrhunderts formuliert, als Reaktion auf die Behauptung der römisch-katholischen Kirche, die einzig wahre apostolische Kirche zu sein und als solche die einzig gültige Autorität zu besitzen (siehe: Die 5 Solas der Reformation). Dies zu erwähnen ist mir wichtig, um darüber nachzudenken, warum die 5 Solas als Überzeugung formuliert wurden. Wie von dir bereits erwähnt lauten sie:
1. Sola Fide (allein der Glaube)
2. Sola Scriptura (allein die Schrift)
3. Solus Christus (allein Christus)
4. Sola Gratia (allein die Gnade)
5. Soli Deo Gloria (Gott allein gehört die Ehre)


In dem, was ich bislang von Finney las, erkannte ich nichts was gegen die 5 Solas spricht, allerdings betonte er, dass man sich persönlich für Christus entscheiden muss und dies in der Verantwortung des Einzelnen steht. Auch nach meinem Verständnis steht das nicht im Widerspruch zu den 5 Solas, auch wenn das konkrete Verständnis darüber in verschiedenen Konfessionen sicherlich voneinander abweicht. Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass ein Baptist den 4. und 5. Sola so auslegt wie ein Calvinist. Gibt es eigentlich zu den Solas auch bereits einen Thread im offenen Bereich?

In meinem vorherigen Beitrag ist bereits der Link, zu der leider nur in Englisch verfügbaren Webseite http://pilgrim-platform.org/2010/charles-finney/ enthalten. Hier wird das Verständnis von Finney über die 5 Solas auch analysiert und kritisiert, allerdings aus reformatorischer Sicht. Da kommt Finney nicht gut weg, aber das ist nicht weiter verwunderlich.

Vorhin habe ich ein schönes Zeugnis über das was Gott durch Finney wirken konnte gelesen:
Erweckung in Amerika
In der kleinen Stadt Adams in Amerika ging im Jahr 1821 ein junger Gerichtsbeamter in den Wald, um an einer verborgenen Stätte zu beten. Da begegnete ihm der Herr, und er wurde wunderbar bekehrt und ein wenig später mit dem Heiligen Geist erfüllt. Dieser Mann hiess Charles G. Finney. Die Menschen hörten davon, sie waren sehr interessiert, und wie auf Verabredung kamen sie am Abend in dem Versammlungslokal zusammen; auch Finney war da. Der Geist Gottes kam auf sie herab mit gewaltiger, überführender Kraft, und eine Erweckung entstand. Sie breitete sich bald auf den ganzen Umkreis der Stadt aus, so dass schliesslich die Erweckung auf beinah alle östlichen Staaten Amerikas übergriff. Wenn Finney predigte, so wurde der Heilige Geist ausgegossen. Sehr oft ging der Herr vor ihm her, so dass er, wenn er an einen Ort kam, die Menschen schon um Gnade schreien hörte. Manchmal war die Überführung von Sünde so gewaltig und daher das Schreien vor Angst so laut, dass er mit Predigen aufhören musste, bis es vorüber war. Pfarrer und Mitglieder der Kirchen wurden bekehrt. Sünder wurden zu Tausenden zurechtgebracht. Jahrelang währte diese Zeit der Gnade. Man hatte niemals etwas Ähnliches gesehen.
http://www.wach-auf.com/index.php?option=com_content&view=article&id=166%3Akeine-erweckung-ohne-busse


Ich fand das obige Zeugnis sehr schön und es wurde mir eine ernste Ermahnung, mich nicht durch Unwissenheit an jemanden zu versündigen. Mir ist es wirklich wichtig, Gläubige nicht zuerst nach deren Konfessionslager zu beurteilen, sondern primär danach, ob sie wirklich die Notwendigkeit der Sündenvergebung und des Heils, der uns alleine in Jesus zuteil wird, erkannt und es im Glauben angenommen haben. Bei Finney habe ich diesbezüglich, nach allem was ich gelesen habe, keinen Zweifel.

José

lutz
Beiträge: 1052
Registriert: 02.12.2005 21:37
Kontaktdaten:

Beitragvon lutz » 22.05.2011 17:38

Jose hat geschrieben:Finney lehrte, dass Christus keine Erlösung für irgendjemand bestimmtes getan hat, sondern eine allgemeine Erlösung schuf, die allen angeboten wird, welche aber verlangt, dass der Sünder bestimmte Bedingungen erfüllt, bevor die Erlösung wirkt.


Und hier müssen wir doch eben genau hinschauen, welche Sichtweise Finney vom Sühneopfer tatsächlich hatte.

Was wirkt das Sühneopfer? Wozu ist das Sühneopfer da? Diese Fragen muss uns Finney selbst beantworten und du hast dies ja gut erkannt, indem du einmal hier geschrieben hast:

In der Tat sind machen Aussagen Finneys auch für mich schwerverständlich und teilweise irreführend. In Hebräer 9,22 lesen wir, dass es ohne Blutvergießen keine Vergebung gibt, und zumindest das hat Finney nicht in Frage gestellt, wenn wir von ihm lesen:
Zitat:
Faith in the atonement of Christ rolls a mountain weight of crushing and melting considerations upon the heart of the sinner. Thus the blood of Christ, when apprehended and believed in, cleanses from all sin. From this may be seen the indispensable necessity of faith in the atonement.

The atonement shows how solid a foundation the saints have for an eternal repose and confidence in God. It greatly glorifies God; indeed it does so, far above all His other works and ways.

http://www.charlesgfinney.com/finney-10 ... uthtxt.htm



Nur nützt es in diesem Fall (wenn es um die Positionen einer anderen Person geht) nichts, sich zuerst darüber auszutauschen, wie das Ganze bei uns persönlich ankommt ….

Wie reinigt das Sühneopfer von allen Sünden – nach Finney?

Den Text im Ganzen habe ich mir angesehen und wenn er nicht englisch wäre, dann wäre es gar nicht so schwer allein damit einige Fragen zu beantworten.
Leider habe ich nächste Woche keine Möglichkeit mich damit ausgiebig zu befassen – ich hoffe aber am kommenden Wochenende etwas zusammenzutragen – in deutsch.

Du kannst dir aber auch die Zeit nehmen, den Fragen anhand von Finney´s eigenen Statements auf den Grund zu gehen.
Finney verstehen heißt, wie Finney denken … und das kann uns nur Finney selber sagen bzw. solche, die selbst durch Studium Finney verstanden haben … (immer unter der Voraussetzung: mit Verborgenem können wir nicht arbeiten, mit Bekenntnissen … schon.)

Lutz

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5556
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 22.05.2011 18:29

Jose hat geschrieben:In dem, was ich bislang von Finney las, erkannte ich nichts was gegen die 5 Solas spricht, allerdings betonte er, dass man sich persönlich für Christus entscheiden muss und dies in der Verantwortung des Einzelnen steht. Auch nach meinem Verständnis steht das nicht im Widerspruch zu den 5 Solas, auch wenn das konkrete Verständnis darüber in verschiedenen Konfessionen sicherlich voneinander abweicht. Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass ein Baptist den 4. und 5. Sola so auslegt wie ein Calvinist


Was hast du genau von Finney gelesen und was genau schreibt er zu den 5 Soda?Lasse Mal dein Verständnis draußen vor Jose es geht hier allein um das was Charles G.Finney dazu schreibt.Nur zu den deutschen Baptisten soviel die Wurzeln der deutschen Baptisten liegt in England(das baptistische Glaubensbekenntnis von 1689) und nicht bei den Täufern.Du hast eine zu starke Fixierung auf den Calvinismus die 5. Solas sind reformatorisches Allgemeingut!

Jose hat geschrieben:Vorhin habe ich ein schönes Zeugnis über das was Gott durch Finney wirken konnte gelesen:
Zitat:
Erweckung in Amerika
In der kleinen Stadt Adams in Amerika ging im Jahr 1821 ein junger Gerichtsbeamter in den Wald, um an einer verborgenen Stätte zu beten. Da begegnete ihm der Herr, und er wurde wunderbar bekehrt und ein wenig später mit dem Heiligen Geist erfüllt. Dieser Mann hiess Charles G. Finney. Die Menschen hörten davon, sie waren sehr interessiert, und wie auf Verabredung kamen sie am Abend in dem Versammlungslokal zusammen; auch Finney war da. Der Geist Gottes kam auf sie herab mit gewaltiger, überführender Kraft, und eine Erweckung entstand. Sie breitete sich bald auf den ganzen Umkreis der Stadt aus, so dass schliesslich die Erweckung auf beinah alle östlichen Staaten Amerikas übergriff. Wenn Finney predigte, so wurde der Heilige Geist ausgegossen. Sehr oft ging der Herr vor ihm her, so dass er, wenn er an einen Ort kam, die Menschen schon um Gnade schreien hörte. Manchmal war die Überführung von Sünde so gewaltig und daher das Schreien vor Angst so laut, dass er mit Predigen aufhören musste, bis es vorüber war. Pfarrer und Mitglieder der Kirchen wurden bekehrt. Sünder wurden zu Tausenden zurechtgebracht. Jahrelang währte diese Zeit der Gnade. Man hatte niemals etwas Ähnliches gesehen.
http://www.wach-auf.com/index.php?optio ... ohne-busse


Ich fand das obige Zeugnis sehr schön und es wurde mir eine ernste Ermahnung, mich nicht durch Unwissenheit an jemanden zu versündigen. Mir ist es wirklich wichtig, Gläubige nicht zuerst nach deren Konfessionslager zu beurteilen, sondern primär danach, ob sie wirklich die Notwendigkeit der Sündenvergebung und des Heils, der uns alleine in Jesus zuteil wird, erkannt und es im Glauben angenommen haben. Bei Finney habe ich diesbezüglich, nach allem was ich gelesen habe, keinen Zweifel.

Es ist ein Zeugnis Jose nicht mehr oder weniger!Mir fällt bei diesem Bericht eine starke Betonung der Gefühle auf und das vom Inhalt der Predigt nichts gesagt wird!Hier in diesem Bereich Kirchen/Dogmengeschichte zählen zuerst nur Fakten,Fakten,Fakten :!:
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

lutz
Beiträge: 1052
Registriert: 02.12.2005 21:37
Kontaktdaten:

Finney Sühneopfer 1 / 3

Beitragvon lutz » 29.05.2011 17:56

Nun zu Finney und seinen Vorstellungen über das Sühneopfer:
Es sind drei Beiträge, die entsprechend mit einer Frage beginnen. Die englischen Zitate sind im Text nicht immer chronologisch so zu finden, weil ich die Antworten meinen Fragen zugeordnet habe.
Die Übersetzung der englischen Zitate ist notdürftig mit Wörterbuch erstellt und teilweise eher sinngemäß als wortwörtlich. Sollte irgendetwas sinnentstellend übersetzt sein, dann bitte korrigiert mich. Danke.

-------------------------------------------------------------------------------------
Grundlage, wenn nicht anders angegeben:
http://www.charlesgfinney.com/finney-10 ... uthtxt.htm
Chapter IV.: THE ATONEMENT

Beitrag 1 / 3

Wozu ist das Sühneopfer da – nach Finney?
Dabei ist auffällig, dass Finney auf der Grundlage: Wie funktioniert eine Regierung? Was stärkt sie, was schwächt sie? - argumentiert und Erfahrungen als Begründung hinzuzieht.

“The atonement was intended as a satisfaction of public justice.”
(Das Sühneopfer wurde als Genugtuung (Befriedigung) gegenüber der öffentlichen Gerechtigkeit beabsichtigt.)

Was bedeutet das?
“An examination of these original words, in the connection in which they stand in the Bible, will show that the atonement is the governmental substitution of the sufferings of Christ for the punishment of sinners. It is a covering of their sins by His sufferings.”
(Eine Prüfung dieser ursprünglichen Wörter, in dem Zusammenhang in welchem sie in der Bibel stehen, wird zeigen, dass das Sühneopfer ein „Regierungsersatz“ der Leiden Christi für die Bestrafung der Sünder ist. Es ist eine Deckung ihrer Sünden durch Seine Leiden.)
Was bedeutet „Regierungsersatz“?
”Public justice, in its exercise, consists in the promotion and protection of the public interests, by such legislation and such an administration of the law, as is demanded by the highest good of the public. It implies the execution of the penalties of law where the precept is violated unless something is done that will as effectually secure the public interests. When this is done, public justice demands, that the execution of the penalty shall be dispensed with by extending pardon to the criminal.”
(Die öffentliche Gerechtigkeit (Gerichtsbarkeit), in ihrer Ausübung, besteht in der Förderung und dem Schutz öffentlicher Interessen, durch eine solche Gesetzgebung und durch entsprechende Verwaltung des Gesetzes, wie es gefordert wird durch das höchste Gute der Öffentlichkeit. Das bedeutet die Ausübung der Strafen des Gesetzes, wo der Grundsatz gebrochen wird. Es sei denn etwas wird getan, das die öffentlichen Interessen wirksam sichert. Wenn das getan ist, fordert die öffentliche Gerechtigkeit (Gerichtsbarkeit), dass auf die Bestrafung verzichtet wird durch die gewährte Begnadigung des Verbrechers.)

Es geht um etwas, was die „öffentlichen Interessen“ wirksam sichert. Ist eine derartige Maßnahme ergriffen, dann kann begnadigt werden.

Was sind die Interessen, die das Gesetz sichern soll?
Es geht um die Förderung von Tugend, zu tun und zu lassen wie das Gesetz durch den Gesetzgeber vorschreibt und es geht darum, dass Übertreter nicht auf den Gedanken kommen dürfen, sie könnten straffrei ausgehen. Übertreter könnten auf den Gedanken kommen durch eine bloße Reue oder durch eine Wiederholung (bzw. Wiedergutmachung) das Problem zu beseitigen. Eine Regierung, die keine Maßnahmen ergreift, um Übertretung zu verhindern – schwächt sich selbst.

Inwiefern ist nun das Sühneopfer ein derartiges Regierungsmittel (Regierungsersatz), anstelle der Bestrafung von Sündern?
”An atonement was needed as the great and only means of sanctifying sinners.”
(Ein Sühneopfer wurde als großartig und nur so ist es gemeint, für Sünder gebraucht, sie zu heiligen.)

Lutz

lutz
Beiträge: 1052
Registriert: 02.12.2005 21:37
Kontaktdaten:

Finney Sühneopfer 2 / 3

Beitragvon lutz » 29.05.2011 17:58

Beitrag 2 / 3

Was wirkt bzw. wie wirkt das Sühneopfer – nach Finney?

”The atonement would present to creatures the highest possible motives to virtue. Example is the highest moral influence that can be exerted. If the benevolence manifested in the atonement does not subdue the selfishness of sinners, their case is hopeless.”
(Das Sühneopfer würde den Geschöpfen die höchst möglichen Motive für Tugend zeigen. Das Beispiel ist der höchste moralische Einfluss, den man ausüben kann. Wenn das Wohlwollen, das sich im Sühneopfer ausdrückt, den Egoismus der Sünder nicht niederschlägt, so ist deren Fall hoffnungslos.)

”The atonement may be viewed in either of two points of light. Christ my be considered as the Law-giver attesting His sincerity, love of holiness, hatred of sin, approbation of the law, and compassion for His subjects, by laying down His life as their substitute.”
(Das Sühneopfer könnte in beiden Punkten angeschaut werden. Der Christ kann überlegen, wie der Gesetzgeber seine Aufrichtigkeit bezeugt, seine Liebe zur Heiligkeit, seinen Hass auf Sünde, seine Zustimmung zum Gesetz und sein Mitleid mit seinen Subjekten, indem er sein Leben gab als ihren Ersatz (Stellvertretung).)

“Or Christ may be considered as the Son of the Supreme Ruler: and then we have the spectacle of a sovereign, giving His only-begotten and well-beloved Son, His greatest treasure, to die a shameful and agonizing death, in testimony of His great compassion for His rebellious subjects, and of His high regard for public justice. This is the highest possible moral influence. It is properly moral omnipotence; that is, the influence of the atonement, when apprehended by the mind, will accomplish whatever is within the compass of moral power to effect. All mankind can be pardoned, if they are rightly affected and brought to repentance by it, as well as any part of mankind.”
(Oder der Christ kann überlegen wie der Sohn des höchsten Herrschers
– und dann haben wir die Ausübung (Schauspiel) eines Souveräns, der seinen eingebornen und geliebten Sohn gab, Seinen größten Schatz, um einen schändlichen und qualvollen Tod zu sterben –
sein großartiges Erbarmen (Mitgefühl, Mitleid) für seine widerspenstigen Untertanen und seine hohe Achtung der öffentlichen Gerichtsbarkeit bezeugt.
Das ist der höchst mögliche Einfluss. Es ist die richtige moralische Allmacht. Der Einfluss des Sühneopfers, wenn es die Denkweise gefangennimmt, wird, egal was es ist, moralische Kraft in dieser Richtung entfalten. Die gesamte Menschheit kann begnadigt werden, wenn sie durch das Sühneopfer richtig berührt ist und durch dasselbe zur Reue gebracht wird, genauso wie irgendein Teil der Menschheit.)

“An atonement was needed to inspire confidence in the offers and promises of pardon. Whenever the soul can apprehend the reality of the atonement, it can then believe every offer and promise, as the very thing to be expected from a Being who could give His Son to die for enemies.”
(Ein Sühneopfer wurde benötigt um Vertrauen in die Angebote und Versprechen der Begnadigung zu wecken. Wann immer die Seele die Wirklichkeit des Sühneopfers festhalten kann – so wie sie jede Sache von einem „Seienden“ (Wesen) erwartet, der seinen Sohn geben konnte um für Feinde zu sterben; so kann sie dann jedem Angebot und jeder Verheißung glauben.)

Mit anderen Worten: Jemand, der seinen Sohn für Feinde sterben lässt – dem kann ich ganz zuversichtlich in allen seinen wohlwollenden Zusagen mir gegenüber vertrauen. Wenn ein solcher sagt, er will mir vergeben und er vergibt mir auch – dann kann ich ihm das völlig glauben. Darauf kann ich mich dann anhand dieses Beispiels fest verlassen.

Auf diese Weise übt das Sühneopfer den höchst möglichen moralischen Einfluss aus und wirft Sünde nieder, d. h. du sündigst nicht mehr im Angesicht dieses Sühneopfers, im Angesicht dieses Beispiels. So reinigt das Blut Christi von allen Sünden – nach Finney.

Lutz

lutz
Beiträge: 1052
Registriert: 02.12.2005 21:37
Kontaktdaten:

Finney Sühneopfer 3 / 3

Beitragvon lutz » 29.05.2011 18:00

Beitrag 3 / 3

Was meint Finney mit: Christus gab sein Leben als Ersatz (als Stellvertretung)?

Auf alle Fälle meint er keinen Ersatz und keine Stellvertretung im strafrechtlichen Sinne, oder im Sinne eines Ausgleichs, oder im Sinne einer Tilgung von Schuld.

Deutlich wird das Ganze auch an anderer Stelle:
http://www.charlesgfinney.com/1851Sys_Theo/st35.htm
LECTURE XXXV.: EXTENT OF ATONEMENT.
Hier antwortet er unter VII. auf mancherlei Einwände:

Objection. 3. It is objected, that the doctrine of the atonement is inconsistent with the idea of mercy and forgiveness.

Einwand Nr. 3: Es wird eingewendet, dass die Doktrin des Sühneopfers (der Sühne) dem Gedanken von Erbarmen und Vergebung widerspricht.
(1.) This takes for granted, that the atonement was the literal payment of a debt, and that Christ suffered all that was due to all the sinners for whom he died, so that their discharge or pardon is an act of justice, and not of mercy. But this is by no means the view of God which the nature of the atonement presents. The atonement, as we have seen, had respect simply to public, and not at all to retributive justice. Christ suffered what was necessary, to illustrate the intention of God, in respect to sin, and in respect to his law. But the amount of his sufferings had no respect to the amount of punishment that might have justly been inflicted on the wicked.

(1.) Dieser nimmt als zugestanden an, dass das Sühneopfer eine wörtliche Bezahlung der Schuld war und dass Christus all das erlitt, was für alle Sünder fällig war für die er starb. Sodass ihr Freispruch oder ihre Begnadigung ein Akt der Gerechtigkeit und nicht des Erbarmens ist. Aber das ist nicht die Bedeutung der Sicht Gottes, welche die Natur des Sühneopfers zeigt. Das Sühneopfer, wie wir es gesehen haben, anerkennt einfach die öffentliche Gerechtigkeit und achtet nicht auf eine vergeltende Gerechtigkeit für alle. Christus erlitt alles Notwendige, um die Absicht Gottes zu illustrieren in Beziehung zur Sünde und zum Gesetz. Aber die Menge seiner Leiden steht in keiner Beziehung zu der Menge der Bestrafung, die über die Bösen verhängt werden dürfte.

(2.) The punishment of sinners is just as much deserved by them, as if Christ had not suffered at all.

(2.) Die Sünder haben genau so Bestrafung verdient, wie wenn Christus nie gelitten hätte.
(3.) Their forgiveness, therefore, is just as much an act of mercy, as if there had been no atonement.

(3.) Also ist ihre Vergebung genau so ein Akt der Barmherzigkeit, wie wenn es kein Sühneopfer gegeben hätte.

Finney sagt damit, dass das Sühneopfer in keiner Weise den Gedanken an Barmherzigkeit oder Vergebung schmälert.
Er sagt damit aber auch, dass das Sühneopfer an sich keine Vergebung (bspw. auf der Basis von Sündentilgung) bringt, weil es so nicht gedacht war.

D. h. nun aber auch: eine Sündentilgung gibt es nicht – es gibt keinen Ausgleich in diesem Sinne. Vergebung basiert auf Barmherzigkeit nicht auf „Strafersatz“ im Sinne einer „Tilgung“. Das Sühneopfer hat nichts mit Vergeltung zu tun. Vergebung auf der Basis von Barmherzigkeit muss etwas anderes bedeuten – nach Finney.

Objection. 4. It is objected, that it is unjust to punish an innocent being instead of the guilty.

Einwand Nr. 4: Es wird eingewendet, dass es ungerecht ist einen Unschuldigen anstelle eines Schuldigen zu bestrafen.
(1.) Yes, it would not only be unjust, but it is impossible with God to punish an innocent moral agent at all.
Punishment implies guilt. An innocent being may suffer, but he cannot be punished. Christ voluntarily "suffered the just for the unjust." He had a right to exercise this self-denial; and as it was by his own voluntary consent, no injustice was done to any one.

(1.) Ja, es wäre nicht nur einfach ungerecht, sondern es ist mit Gott unmöglich einen Unschuldigen zu bestrafen. Bestrafung bedeutet Schuld. Ein Unschuldiger kann leiden, aber er kann nicht bestraft werden. Christus hatte ein Recht diese Selbstverleugnung zu üben durch seine eigene freiwillige Zustimmung nicht als wäre damit etwas Ungerechtes irgendjemand gegenüber getan worden. (Christus erlitt als Gerechter für die Ungerechten freiwillig (von sich aus).)
(2.) If he had no right to make an atonement, he had no right to consult and promote his own happiness and the happiness of others; for it is said, that "for the joy that was set before him, he endured the cross, despising the shame."

(2.) Wenn er kein Recht eine Sühne zu machen, hatte – dann hatte er auch kein Recht seine Freude und die der anderen zu fördern und zu sagen: [der um den Preis der Freude, die ihn erwartete, den Kreuzestod erduldet und die Schmach für nichts geachtet hat (Hebr. 12, 2)].

D. h. im Sühneopfer geht es nicht um Strafe, schon gleich gar nicht um die stellvertretende Bestrafung eines Unschuldigen für Schuldige. Das Sühneopfer fördert die Freude des Christus und die Freude Anderer.

Das Sühneopfer nach Finney hat also nur insofern etwas mit der Rettung von Sündern zu tun, insofern es unmissverständlich und überdeutlich das Wohlwollen Gottes Sündern gegenüber zum Ausdruck bringt. Es entfaltet einen enormen moralischen Einfluss, hält vom Sündigen ab und stärkt das Vertrauen in die Zusagen Gottes. Insofern hat es einen heiligenden Einfluss bei denen, die keine hoffnungslosen Fälle sind.

Lutz

PS: Finneys ganze systematische Theologie als PDF in englisch hier: http://www.ntslibrary.com/PDF%20Books/L ... Finney.pdf

Jose
Beiträge: 907
Registriert: 29.05.2010 19:23

Re: Finney, Charles Grandison

Beitragvon Jose » 15.06.2011 20:44

lutz hat geschrieben:Das Sühneopfer nach Finney hat also nur insofern etwas mit der Rettung von Sündern zu tun, insofern es unmissverständlich und überdeutlich das Wohlwollen Gottes Sündern gegenüber zum Ausdruck bringt. Es entfaltet einen enormen moralischen Einfluss, hält vom Sündigen ab und stärkt das Vertrauen in die Zusagen Gottes. Insofern hat es einen heiligenden Einfluss bei denen, die keine hoffnungslosen Fälle sind.

Danke, Lutz, für deine Mühe und die interessanten Beiträge. Mir geht es auch so, dass ich mich mit manchen von Finneys dargelegten Gedanken schwer tue. Es ist für mich so, als ob er nicht in allen Lehren richtig biblisch unterwiesen worden wäre bzw. noch nicht richtig erfasst hätte. Dennoch nehme es mir bitte nicht übel, wenn ich weiterhin keine Veranlassung sehe zu behaupten, dass Charles Finney nicht ein entschiedener Gläubiger gewesen wäre und ein wirklich von Gott gebrauchtes Werkzeug. Gibt es denn einen Gottesmann oder einen bekannten Zeugen Gottes, der nicht von der einen oder anderen Seite scharf angegriffen worden wäre?

Vorhin las ich aus "Charles Finney: Gott beweist Seine Liebe zu Dir"
Es geht um die Gerechtigkeit!

Wie kann Gott gerecht bleiben ohne uns allen die gerechte Strafe zu geben, die wir verdienen? Indem Jesus Christus stellvertretend für dich und mich als Sühneopfer gelitten hat! Gott hat bewiesen, dass seine Liebe nicht selbstsüchtiger Natur ist. Jesus starb nicht für sich sondern er starb stellvertretend für uns! Er starb nicht mal für "Freunde" sondern für Feinde! Während wir noch Sünder waren starb Jesus stellvertretend für uns! Paulus berichtet uns davon, dass mancher wohl bereit sei, für einen guten Menschen zu sterben und tatsächlich erleben wir das auch heute, dass einer bereit ist für einen guten Menschen in den Tod zu gehen, wenn er damit das Leben des geliebten Menschen retten kann. Aber die menschliche Rasse ist so weit wie möglich davon weg "gut" und "liebenswürdig" zu sein. "Da ist keiner der gerecht ist auch nicht einer" (Röm 3, 10)! Jesus starb nicht für Gute sondern für gottlose, egoistische, selbstgerechte und ungerechte Sünder. Hier können wir Gottes Liebe in aller Deutlichkeit sehen! Gottes Liebe ist uneigennützig und barmherzig!

Gott entschloss sich auch den moralischen Charakter seiner Liebe zu offenbaren und insbesondere seine Gerechtigkeit. Er zeigte am Kreuz, dass er nie einen Kompromiss mit Sünde machen würde. Der Tod Jesu am Kreuz zeigt uns deutlich, was Ungerechtigkeit und Sünde verdient. Doch Jesus litt nicht für seine eigenen Sünden! Im Gegenteil war Jesus rein und ohne Sünde vor Gott und den Menschen. Jesus litt in der Art und Weise, dass er stellvertretend für jeden einzelnen Menschen litt! Jesus trug deine Sünden an das Kreuz und nahm dort deinen Platz ein! Das tat Gott aus Liebe und das hält er dir in seiner Liebe vor deine Augen!

Weil Jesus unseren Platz einnahm, konnte Gott ihn nicht verschonen, sondern Jesus bekam das was wir verdienen. Dies beweist in aller Deutlichkeit welche Abscheu Gott gegen jegliche Sünde empfindet. Wie sehr Gott Sünde verabscheut! Aber wie sehr Gott uns Sünder liebt!

Quelle: http://www.jesusfamily-kreuzundquer.de/finney/gottbeweistseineliebe/gottbeweistseineliebe.html


Ich kann diesen Worten hier nur zustimmen und bin überzeugt, nach den mir vorliegenden Beiträgen, dass Gott durch den Heiligen Geist den Dienst Finneys wirklich mächtig gesegnet hat und Erweckung schenkte. Wir wissen aber, z.B. aus dem Gleichnis von dem Säman, dass der Feind nicht schläft. Jesus redet in dem Gleichnis von vier Gruppen von Menschen:
1. Gruppe:
"Sooft jemand das Wort vom Reich hört und nicht versteht, kommt der Böse und reißt weg, was in sein Herz gesät war; dieser ist es, bei dem an den Weg gesät ist." Mt 13,19
2. Gruppe:
"Bei dem aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich mit Freuden aufnimmt; er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist nur ein Mensch des Augenblicks; und wenn Bedrängnis entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich Anstoß." Mt 13,20-21
3. Gruppe: "Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört, und die Sorge der Zeit und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht." Mt 13,22

Bei den vorherigen 3 Gruppen hatte der ausgestreute Same nicht die vom Säman erwartete Wirkung erzielt. Möglich, dass im Dienst von Finney viele der Menschen die angesprochen wurden am Ende dieser drei Gruppen angehörten, aber ganz gewiss gehörten auch viele zu der
4. Gruppe: "Bei dem aber auf die gute Erde gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und versteht, der wirklich Frucht bringt; und der eine trägt hundert-, der andere sechzig-, der andere dreißig fach." Mt 13,23

José

lutz
Beiträge: 1052
Registriert: 02.12.2005 21:37
Kontaktdaten:

Re: Finney, Charles Grandison

Beitragvon lutz » 15.06.2011 22:23

Jose hat geschrieben:
Mir geht es auch so, dass ich mich mit manchen von Finneys dargelegten Gedanken schwer tue. Es ist für mich so, als ob er nicht in allen Lehren richtig biblisch unterwiesen worden wäre bzw. noch nicht richtig erfasst hätte.


Hallo Jose,
hast du vergessen, was seine Biographie an Informationen hat?
Hast du z. B. ausgeblendet, dass er seine Sühneopfervorstellung gegen Wahrheit verteidigt?

Wenn du der Ansicht bist, dass jemand ein Gläubiger ist, der den stellvertretenden Tod (Strafersatz, Tilgung der Schuld ...) leugnet und seine Ansichten gegen Wahrheit hartnäckig verteidigt - ist das deine Ansicht.
Jemand, der seine Ansicht gegen Strafersatz ... verteidigt, hat sehr wohl verstanden, was gemeint ist - stimmt der Wahrheit aber nicht zu. In dem Falle wird die Wahrheit sogar bekämpft.

Wie schon mal erwähnt, wäre dies bekannt vor der Taufe - ich kenne keine bibeltreue Gemeinde, die einen solchen Menschen auf so ein Bekenntnis hin taufen würde. Damit ist eine Anerkennung als Gläubiger hinfällig.

Wirkt Gott nicht durch Menschen, die nicht zu seinen Schafen gehören? Oh, doch - wo sein Wort ist, da gibt es Wirkung unabhängig vom Zustand des Menschen, der verkündigt. Davon bin ich überzeugt.
Über die Auswirkungen eines Finney-stils steht hier aber auch Einiges - denke ich.

Lutz

PS: Finney´ s Ansichten sind gefährlich für die geistliche Gesundheit der Gemeinde - noch gefährlicher, wenn solche Menschen zu Lehrautorität aufsteigen dürfen ... Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Wenn du das anders siehst, kann ich es nicht ändern.

Jose
Beiträge: 907
Registriert: 29.05.2010 19:23

Finney: Befreiung vom Hyper-Calvinismus

Beitragvon Jose » 26.06.2011 19:28

In meinem vorherigen Beitrag hatte ich die Frage gestellt:
Gibt es denn einen Gottesmann oder einen bekannten Zeugen Gottes, der nicht von der einen oder anderen Seite scharf angegriffen worden wäre?

Auch mit Spurgeon tue ich mich schwer, dennoch übernehme ich nicht die auf www.atruechurch.info vertretene Haltung über Spurgeon. Die Seite ist leider auf englisch, aber darin wird Spurgeon als gottloser und ökumenischer, falscher Lehrer bezeichnet.

Ich kann die Haltung gegen Finney, von der einen Seite, oder gegen Spurgeon, von der anderen Seite, nicht einfach übernehmen, denn unser Beurteilungsvermögen ist doch sehr eingeschränkt und alles andere als objektiv und in vielen Fällen alles andere als zuverlässig. Finneys Botschaft war ohne Zweifel eine von Gott sehr gesegnete Predigt gegen den Hyper-Calvinismus der bereits damals sehr vertreten war in Amerika, nachdem der Calvinismus über England dorthin gebracht wurde.

Auf www.spurgeon.org gibt es einen Artikel, in dem Finney als Wolf in Schafskleider bezeichnet wird. Es wundert mich nicht, dass Charles Finney besonders von Calvinisten in scharfer Form abgelehnt werden, fand aber sehr interessant im folgenden Auszug zu lesen, dass der - auch für Calvinisten als falsch betrachtete Hyper-Calvinismus - einen wesentlichen Anteil an Finneys Überzegung und Haltung hatte und überhaupt daran, dass so viele Menschen angesprochen wurden.
Finney vs. Hyper-Calvinism
Finney is often portrayed as a moderate who fought against hyper-Calvinist influences. It's true that hyper-Calvinism (a corruption of Calvinist doctrine that nullifies or minimizes human responsibility) was on the rise in New England, and Finney had probably been exposed to it. In fact, it is fair to say that hyper-Calvinism had a major hand in creating the cold spiritual climate in which Finney's errors flourished. The popular reception of Finney's teaching was certainly in large part an overreaction against the errors of hyper-Calvinism.
Quelle: http://www.spurgeon.org/~phil//articles/finney.htm


Ich möchte mich gerne aus verschiedenen Quellen mit Finney beschäftigen. Von Roberts Liardon gibt es das Buch: Gottes Generäle - Band 3 - Die großen Erweckungsprediger. Darin geht der Autor auch auf Finney ein. Dieses Buch habe ich bestellt, nachdem ich bereits Band 2 mit großem Gewinn gelesen habe.

Die Bekehrung Finneys war mit Sicherheit ein Befreiungsschlag aus der gottlosen Starre des Hyper-Calvinismus und ich kann die Zeugnisse über den Dienst Finneys nicht einfach als falsch abtun oder einfach nur dem Gefühl zuordnen, so z.B. das Zeugnis in dem Buch "Wie kommt eine Erweckung Zustande?", siehe Leseprobe.

José


Zurück zu „Kirchen- und Dogmengeschichte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast