Die christologischen Kämpfe im 4./5. Jahrhundert

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Die christologischen Kämpfe im 4./5. Jahrhundert

Beitragvon Joschie » 08.09.2011 14:53

Die christologischen Kämpfe im 4./5. Jahrhundert
Bei diesen Kämpfen geht um die Frage der Trinität Gottes und der Frage des Christologie.


Die Epoche der christologischen Kämpfe im 4./5. Jahrhundert ist sehr umfangreich und Komplex aus diesem Grunde wurde deswegen ein eigner Thread aufgemacht. Dieser gehört zu den großen Bereich Weichenstellung in der Kirchen/Dogmengeschichte

Zum besseren Verständnis des Epoche "Die christologischen Kämpfe im 4./5. Jahrhundert" einige rein geschichtliche Daten.

:arrow: Geschichte des Römischen Reiches in diesen Zeitraum.
-306 - Konstantin der Große wird zum Kaiser ausgerufen
-312 - Schlacht an der Milvischen Brücke. Konstantin besiegt seinen Rivalen Maxentius
-337 - Konstantin stirbt und wird am Totenbett getauft
-375 - Die Völkerwanderung setzt ein. Die Hunnen schlagen die Ostgoten auf dem Gebiet des heutigen Südrusslands.
-378 - Die Schlacht von Adrianopel. Die Römer unterlegen den Westgoten. Kaiser Valens verliert dabei sein Leben.
-393 - Die Olympischen Spiele werden vom Kaiser Theodosius verboten
-395 - Aufteilung des Römischen Reiches.
-406 - Vandalen fallen in Gallien ein
-408 - Westgoten belagern Rom
-410 - Westgoten plündern Rom
-429 - Vandalen überqueren die Straße von Gibraltar und erobern die nordafrikanischen Provinzen des Römischen Reiches
-435 - Burgunder fallen in Belgica ein
-451 - Die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. Die Hunnen werden von Römern und ihren Verbündeten besiegt.
-453 - Der Hunnenkönig Attila stirbt. Ende des Hunnenreichs.

:arrow: Geschichte der christlichen Gemeinde in diesen Zeitraum
-Diokletian und Galerius (303–311) Fast 50 Jahre nach dem Ende der letzten Verfolgung traf die christlichen Gemeinden noch einmal ein schwerer Schlag: 293 hatte Diokletian eine umfassende Staatsreform durchgeführt, um das Römische Reich zu reorganisieren und zu stabilisieren: Er stärkte die Provinzverwaltungen und teilte seine Macht mit drei Mitherrschern (Tetrarchie: zwei Augusti und zwei Caesares). Das Kaisertum wurde stärker denn je sakralisiert, also durch eine Bindung an die römischen Staatsgötter in eine übermenschliche Sphäre entrückt. Zwei Jahre, bevor sich Diokletian nach Abschluss des Reformwerkes von der Macht zurückzog, begann er 303 eine reichsweite Christenverfolgung. Sie zielte auf die endgültige Zerschlagung der Kirche und Ausrottung ihrer Anhänger und sollte der Stabilisierung des Reiches dienen. Einige antike Quellen behaupten, der eigentliche Drahtzieher sei Diokletians Unterkaiser Galerius gewesen, dessen Rolle hierbei jedoch vermutlich durch die Kirchenschriftsteller Laktanz und vor allem Eusebius stark übertrieben wurde. Für die vorwiegende Verantwortung von Diokletian selbst spricht, dass der Augustus bereits einige Jahre zuvor eine reichsweite Verfolgung der Manichäer angeordnet hatte; diese verweigerten sich wie die Christen den altrömischen Kulten.

-Diokletian erließ Verfolgungsedikte dadurch war was verbot die christlichen Gottesdienste, ordnete die Zerstörung von Kirchen, die Verbrennung christlicher Schriften und die Inhaftierung von christlichen Staatsbeamten an; es enthielt auch ein Ämterverbot für Christen. Dieses „erste“ Edikt erging am 23. Februar 303. Damit verloren Christen entscheidende Bürgerrechte und waren leichter zu belangen. Das Edikt verfügte die Einkerkerung und Folterung aller Gemeindevorsteher, Bischöfe oder Presbyter, um sie auf jede Weise von ihrem Glauben abzubringen; vor allem aber verfügten Diokletian und seine Mitkaiser die Todesstrafe für alle, die das Kaiseropfer weiterhin verweigerten.

-Das Edikt wurde in den Provinzen unterschiedlich streng umgesetzt. Im Ostteil des Reiches, der Galerius unterstand, waren die Verfolgungen sehr blutig und wurden noch intensiver, als Diokletian 305 abdankte und Galerius sein Amt übernahm. Im Westen dagegen endeten danach wohl die meisten Hinrichtungen; stattdessen wurden standhafte Christen bis 311 in die Bergwerke deportiert.


:arrow: Die Ökumenisches Konzil in dieser Epoche
- 325 (Ökumenisches Konzil von Nicäa):Trinität, Gottheit Christi am Anfang des Arianischen Streites
-(Konzil von Ephesos (449)Auch als Räuberkonzil bekannt wurde nicht als Konzil anerkannt)
-381 (Ökumenisches Konzil von Konstantinopel): Trinität, Gottheit des hl. Geistes,Nicäno-Konstantinopolitanum, beendete den Arianischen Streit
- 431 (Ökumenisches Konzil von Ephesus):Christologie, Christus nur eine Person, Maria ist „Gottesgebärerin“ (theotokos)
-451 (Ökumenisches Konzil von Chalcedon): Christologie, Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch, unvermischt und
ungeschieden. Zwei-Naturen-Lehre


:arrow: Die Anfänge
-Die frühesten deutlich dreiheitlich strukturierten Formeln begegnen als Taufformeln und in Taufbekenntnissen.(Römisches Taufbekenntnis), die mit drei Fragen und Antworten die Übereignung an Vater, Sohn und Geist vorbereiten und dann vollziehen.

-Auch die regula fidei bei Irenäus, die u.a. in der Taufkatechese Verwendung fand, ist trinitarisch strukturiert.

-Die christliche Theologie war in den ersten Jahrhunderten nicht eindeutig definiert. Es gab jedoch schon früh Abgrenzungen zu extremen Varianten der Christologie, wie dem Adoptianismus (Jesus wurde bei der Taufe von Gott adoptiert) oder Doketismus (Jesus war rein göttlich und erschien nur als Mensch). Unter diversen Versuchen befanden sich einige – wie Adoptionismus und modalistischer Monarchianismus (der Vater und der Sohn sind „nur“ verschiedene Erscheinungsformen des einen Gottes) –, die von den führenden Kirchenvätern einmütig als Häresie verurteilt wurden.

-Justin der Märtyrer verwendet zahlreiche trinitarische Formeln.

-Irenäus von Lyon entwickelt – unter anderen auf dem Prolog des Johannesevangeliums (1,1–18 ELB) aufbauend – eine Logos-Theologie. Jesus Christus, der Sohn Gottes, wird mit dem präexistenten Logos als wesentlichem Akteur der Schöpfung und der Offenbarung Gottes gleichgesetzt. Auch eine eigenständige Pneumatologie arbeitet Irenäus aus. Der Heilige Geist ist Gottes Weisheit. Geist und Sohn gehen nicht durch eine Emanation hervor, welche sie auf eine andere ontologische Stufe zum Vater stellen würde, sondern durch „geistige Emanation“.

-Tatian versucht einen eigenständigen Sonderweg, wobei der Geist auch als Diener von Christus, dem Logos, auftritt und einem weltjenseitig-unwandelbaren Gott nachgeordnet wird.

-Athenagoras Das griechische Wort trias für Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist wird erstmals erwähnt in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts bei dem Apologeten Athenagoras von Athen:
„Sie [die Christen] kennen Gott und seinen Logos, wissen, was die Einheit des Sohns mit dem Vater ist, was die Gemeinschaft des Sohnes mit dem Vater ist, was der Geist ist, was die Einheit dieser Trias, der Geist, der Sohn, und der Vater, ist, und was ihre Unterscheidung in der Einheit ist.“

-Tertullian In die Westkirche wurde, wenige Jahrzehnte nachdem Athenagoras von „trias“ gesprochen hatte, das entsprechende lateinische Wort trinitas von Tertullian eingeführt. Es ist eine eigens hierfür geschaffene Neubildung aus tres – drei und unitas – Einheit. Von Haus aus Jurist, erklärte er die Wesenheit Gottes in der Sprache des römischen Rechtswesens. Er führt den Begriff personae (Plural von persona – Partei im rechtlichen Sinn) für Vater, Sohn und Heiligen Geist ein. Für die Gesamtheit von Vater, Sohn und Heiligen Geist verwendete er den Begriff substantia, das den rechtlichen Status in der Gemeinschaft bezeichnet. Nach seiner Darstellung ist Gott in der substantia einer, aber in der monarchia – der Herrschaft des einen Gottes – wirken drei personae, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

-Origenes betont einerseits die "Einheit Gottes"
anderseits :Verschiedenheit kommt viel stärker zum Zuge.
-im strengen Sinn nur Vater=Gott
-Gottheit vom Sohn und den HG nur abgeleitet
-drei Personen=drei Hypostostasen(="inviduelle Wesenheiten")
-Widersprüche in seiner eigenen Lehre:
Sohn=Geschöpf des Vaters
Sohn dem Vater steng untergeordnet
wider das NT: nur Gott-Vater darf angebetet werden, nicht der Sohn
(allerdings: "durch dem Sohn und im Heiligen Geist")

:arrow: Begriffe
-Monarchianismus von griechisch „mon-archä”, „einziger Urgrund” - bezeichnet eine Richtung im Christentum des 2. und 3. Jahrhunderts, die im Gegensatz zur Lehre von der Dreieinigkeit Gottes stand. Sie wollte den Monotheismus im Christentum wiederherstellen und betonte daher die Einheit Gottes.
-Die Adoptianisten lehrten, dass Christus, obwohl durch ein Wunder geboren, bis zu seiner Taufe nur Mensch gewesen sei. Erst dann habe ihn der Heilige Geist durch Adoption zum Sohn Gottes gemacht.

-Die Patripassianer glaubten an die Göttlichkeit Christi, betrachteten die Dreieinigkeit jedoch als drei Manifestationen oder Seinsweisen eines einzigen göttlichen Wesens. Sie lehrten, dass der Vater auf die Erde kam und in der Seinsweise des Sohnes litt und starb.
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Entwicklung bis zum Konzil von Nicäa 325

Beitragvon Joschie » 22.05.2012 12:24

Entwicklung bis zum Konzil von Nicäa 325

:arrow: Vorbemerkungen
- Die schwerste Christenverfolgung im Römischen Reich unter Diokletian und seinen Mitregenten (303 – 311)
-Diokletian erIässt insgesamt vier Edikte

1. Edikt (Februar 303)
- Zerstörung aller Kirchengebäude
- Auslieferung und Vernichtung der heiligen Schriften und liturgischen Bücher
- Christen aus den höheren Schichten dürfen keine Prozesse mehr führen und keine Testamente erlassen (Verlust der Rechtsfähigkeit)
-Alle christlichen Freigelassenen am kaiserlichen Hof (sog. Palatini) werden in den Sklavenstand zurückversetzt
Die Auswirkungen dieses ersten Edikts waren Kirchenzerstörungen, Bücherverbrennungen und Exilierungen.
In dieser Zeit kommt es zu einer Brandstiftung am kaiserlichen Hof, die den Christen zur Last gegegt wird, woraufhin Diokletian alle Hofangehörigen zum Opfer als Bekenntnis zur Staatsreligion zwingt.
2. Edikt (Frühsommer 303))
- Inhaftierung aller Kleriker
3. Edikt (wenig später)
- Kleriker werden zum Opfer gezwungen (bei Vollzug: Freilassung, bei Verweigerung: Todesstrafe)
4. Edikt (Anfang 304)
- allgemeines Opfer (bei Weigerung: Deportation zur Zwangsarbeit oder Hinrichtung)
:arrow: Ihr endgültiges Ende fand die Verfolgung unter Diokletian im Jahre 311 n.Chr. durch das Toleranzedikt des Galerius. Das Christentum wird zur religio licita, wodurch die Religionsausübung der Christen nun auch als wichtig für das Heil des Staates bestätigt wird.

Konstantin (270/288? - 337)
:arrow: -307 In Trier erhält Konstantin von Kaiser Maximian den Titel Augustus zuerkannt und heiratet dessen Tochter Fausta.
-312 Konstantin besiegt seinen Rivalen Maxentius in der Schlacht an der Milvischen Brücke vor Rom und wird zum alleinigen Herrscher des westlichen Teils.
-313 Zusammen mit Licinius, dem Kaiser des Ostens, gibt Konstantin die Vereinbarung von Mailand – das so genannte Toleranzedikt von Mailand – bekannt. Dieses garantiert den Christen und allen anderen Glaubensgemeinschaften Religionsfreiheit.
-324 Konstantin siegt über die Truppen des Licinius und wird zum alleinigen Herrscher über das Römische Reich.

Entwicklung bis zum Konzil von Nicäa.
:arrow: Die Vorgeschichte: 318-325
Die Kontroverse begann 318 in Alexandria während einer informellen Diskussion über die Dreieinigkeit, die der Bischof Alexander mit seinen Ältesten führte. Einer der Ältesten, Arius, warf dem Bischof in der Diskussion Sabellianismus vor (Sabellianismus sieht Gott als eine Person, die sich auf dreifache Weise manifestiert) und erklärte dagegen seine Meinung: es gab eine Zeit, da Jesus nicht war und aus dem Nichts ist er geschaffen, die er mit einigen Bibelversen belegte.

:arrow: Gegen diese Lehre wehrte sich später ein junger Diakon des Bischofs, Athanasius, energisch. Ihm ging es nicht um philosophische Überlegungen, er kämpfte für die Erlösung. Jesus, der Retter der Welt und aller Menschen, konnte nicht selbst ein erlösungsbedürftiges Geschöpf sein. Wenn Arius aus Jesus ein Geschöpf mache, raube er der Menschheit den Erlöser. Athanasius erinnerte an Johannes 1.

:arrow: Es kam 319 zu einer von Alexander einberufenen lokalen Synode der Bischöfe von Libyen und Ägypten. Die von Arius vertretene Lehre, dass Jesus Christus als Sohn Gottes ganz klar Gott untergeordnet, also „subordiniert“ sei, wurde einmütig als Irrlehre verurteilt und Arius aus Alexandria verbannt. Arius verbreitete jedoch seine Lehre mit Unterstützung der einflussreichen Bischöfe Eusebius von Nikomedia und Eusebius von Caesarea weiter, und die Kontroverse dehnte sich innerhalb kurzer Zeit auf den gesamten christlichen Osten aus.

:arrow: Ein Vorläufer: Das Konzil von Antiochia Im 20. Jahrhundert wurden die Akten eines lokalen Konzils entdeckt, das ein halbes Jahr vor dem Konzil von Nicäa in Antiochia (heute Antakya/Türkei) stattgefunden hat. Dieses Konzil wird von einigen Forschern (J.N.D. Kelly, Eduard Schwartz) als wesentlicher Vorläufer von Nicäa angesehen. Teilnehmer waren 59 Bischöfe aus Palaestina, Arabien, Phönizien und Kappadokien. Die Leitung hatte Ossius von Córdoba, der auch in Nicäa eine führende Rolle spielte. Der Anlass für das Konzil war die Wahl eines neuen Bischofs von Antiochia, aber daneben wurde eine deutliche Stellungnahme zum Arianismus und ein ausführliches antiarianisches Glaubensbekenntnis verfasst, das jedoch keine literarische Verwandtschaft zum nicäischen Glaubensbekenntnis aufweist. Drei der Bischöfe, unter ihnen Eusebius von Caesarea, weigerten sich, dieses Bekenntnis zu unterzeichnen, und wurden deshalb provisorisch exkommuniziert, mit der Chance, ihre Meinung vor der „großen und heiligen Synode“ von Ancyra (die dann in Nicäa stattfand) zu ändern.


:arrow: Kaiser Konstantin persönlich appellierte an Bischof Alexander und Arius, sie sollten sich in der christologischen Frage um die Beziehung zwischen Gott und Jesus Christus einigen. Als er sah, dass eine gütliche Schlichtung nicht möglich war und der Streit auch in der Bevölkerung eskalierte, so dass er die Stabilität im Reich gefährdet sah, berief er 325 über 1800 Bischöfe zu einem allgemeinen Konzil nach Nicäa bei Konstantinopel ein.
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Konzil von Nicäa 325

Beitragvon Joschie » 26.08.2012 09:49

Das Konzil von Nicäa 325

:arrow: Kaiser Konstantin besiegte Kaiser Licinius 324 endgültig in der Schlacht von Chrysopolis, danach ist Konstantin Alleinherrscher des Römischen Reich. Dieses bedeutete (allerdings nur vorerst) ein Ende des blutigen Bürgerkrieges.

:arrow: Arius war Presbyter an der Baukalis-Kirche in Alexandria. 318 wurde er beim Bischof Alexander als heterodox denunziert und scheute auch die Auseinandersetzung nicht (Arius ist gegen Gleichwertigkeit von Vater und Sohn). Daraufhin wird er auf einer ägyptischen Gesamtsynode exkommuniziert und des Landes verwiesen.
- Daraufhin kommt Arius nach Syrien und Palästina zu Bischof Euseb von Nikomedien. Die origenistisch denkenden Bischöfe des Ostens unterstützen ihn. Der Streit weitet sich aus.

:arrow: Kaiser Konstantin persönlich appellierte an Bischof Alexander und Arius, sie sollten sich in der christologischen Frage um die Beziehung zwischen Gott und Jesus Christus einigen.
- Der Kaiser schickt Hosius von Cordoba in die Streitgebiete. Auf einer Synode in Antiochia 325 wird u.a. Euseb v. Caesaräa verurteilt = Vorverurteilung des Arianismus.
-Als er sah, dass eine gütliche Schlichtung nicht möglich war und der Streit auch in der Bevölkerung eskalierte, so dass er die Stabilität im Reich gefährdet sah, berief er 325 über 1800 Bischöfe zu einem allgemeinen Konzil nach Nicäa bei Nikomedien(Kaisersitz)jedoch kamen nur 318 Bischöfe zusammen.


Die Positionen
:arrow: Arius
- Gotteslehre: ungezeugt, ungeworden, unwandelbar, unveränderlich ("theologia negativa")
- Christus dreifach von Gott differenziert:
a) temporal: Es gab eine Zeit, da er nicht war.
b) ontisch: Er ist das erste, von Gott aus dem Nichts geschaffene Wesen, nicht aus dem Vater.
c) ethisch: wandelbar, bedarf sittlicher Bewährung
- Wäre Gott von Ewigkeit Vater, dann gäbe es zwei ranggleiche Götter.
Anliegen: Strenger Monotheismus, der nur durch Subordination gelöst werden kann
Gefahr: Soteriologie ist gefährdet, wenn Christus ein Teil der Schöpfung ist. Gott wird unpersönliches, philosophisches Prinzip.
Für Arius setzen sich auch ein: Euseb v. Nikomedien, Arianer

:arrow: Origenistische Mittelpartei
Ihrer Füher war Euseb v. Cäsarea, subordinatianisch, Logos ist aus dem Vater geworden. Auch Euseb v. C. setzte sich für Arius ein.

:arrow: Alexander, Bischof v. Alexandrien bis 328, Führer der Nicäner (Antiarianer)
Rechtsorigenist. Volle Gottheit des Logos. Sohn hat eigene Hypostase, ist aber anfangslos gezeugt und gleichewig dem Vater.

:arrow: Das Konzil von Nizäa 325
- Anwesend: vor allem östliche Bischöfe und fünf westliche, insgesamt 318 Bischöfe bzw. Presbyter.
- Beschlüsse: Angleichung des Ostertermins und der Metropolitanbereiche.
Problematisch blieb die Lehrfrage
- Gegner: Die ariusfreundlichen Eusebe ↔ Eustathius, Markell, Alexander, Ossius
- Antiarianer siegen: Kaiser bringt das Stichwort ὁμοουσιος homoousios, lateinisch consubstantialis (von gleicher Substanz) ein.(Dieses Stichwort stammt wohl von Hosius von Cordoba.) Dies wird unmißverständlich erläutert:
a) aus dem Wesen (homoousion) des Vaters (gegen Arius' Behauptung, er sei aus Nichts
erschaffen)
b) wahrhaftiger Gott von wahrhaftigem Gott (gegen die Behauptung er sei irgendwie Gott,
aber nicht der allein wahre Gott)
c) gezeugt, nicht erschaffen (um klar festzuhalten, das mit Zeugung nicht Schöpfung gemeint
ist)
Problem der Deutung:
- numerisch i.S. des lat. Westens (Tertullian): unius substantiae - wesenseins
- generisch i.S. der orig. Mehrheit: consubstantialis - wesensgleich
- Arius und zwei seiner Freunde werden exkommuniziert, aber eine breite Mehrheit unterschreibt das Dokument.

:arrow: Bekenntnis von Nicäa
Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
den Sohn Gottes,
der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters,
Gott aus Gott, Licht aus Licht,
wahrer Gott aus wahrem Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater (homoousion to patri);
durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;
der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist,
Mensch geworden ist,
gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist,
aufgestiegen ist zum Himmel,
kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten;
Und an den Heiligen Geist.
Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“ und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“, und er sei aus dem Nichtseienden geworden, oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit, oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar, die verdammt die rechtgläubige und apostolische Kirche. [richtig: die belegt die rechtgläubige und apostolische Kirche mit dem Anathema]


:arrow: Neben dem Hauptthema des Arianismus entschied das Konzil über weitere Fragen, die in der damaligen Kirche diskutiert wurden. Diese sind in den Kanons des Konzils aufgeführt.Kanon 1: Eunuchen können – außer wenn sie sich selbst kastriert haben – Priester werden. Verbot der Selbstkastration.
Kanon 2: Leute, die nach kurzem Katechumenat entgegen 1 Tim 3,6-7 gleichzeitig mit der Taufe zum Priester oder Bischof geweiht wurden, können ihren Status behalten, aber in Zukunft soll das nicht mehr vorkommen. Wenn ein so geweihter Geistlicher von zwei oder drei Zeugen einer Sünde überführt wird, wird er suspendiert werden.
Kanon 3: Das Konzil verbietet absolut, dass Bischöfe, Priester und Diakone mit einer Frau zusammenleben, ausgenommen natürlich ihre Mutter, Schwester oder Tante oder eine über jeden Verdacht erhabene Frau.
Kanon 4: Ein Bischof soll von allen Bischöfen der Provinz geweiht werden. Wenn dies nicht praktikabel ist, sollen mindestens drei Bischöfe die Ordination vornehmen, nachdem die übrigen schriftlich ihr Einverständnis gegeben haben. In jedem Fall steht dem Metropolitan das Recht zu, das Vorgehen zu bestätigen.
Kanon 5: Die Exkommunikation eines Priesters oder Laien muss durch die Bischöfe aller Provinzen respektiert werden. Es soll jedoch eine Untersuchung durch die übrigen Bischöfe der Provinz geben, um sicherzustellen, dass niemand aus persönlichen Gründen von einem Bischof exkommuniziert wurde. Um diese Untersuchungen geordnet durchzuführen, sollen die Bischöfe jeder Provinz zweimal jährlich zu einer Synode zusammentreten.
Kanon 6: Die althergebrachte Autorität der Bischöfe von Alexandria, Antiochia und Rom über ihre Provinzen wird bestätigt. Eine Bischofswahl ohne Zustimmung des Metropolitans ist ungültig. Wenn es jedoch unter den wählenden Bischöfen zwei oder drei Gegenstimmen gibt, entscheidet die Mehrheit.
Kanon 7: Der Bischof von Aelia (Jerusalem) soll nach altem Brauch geehrt werden, ohne jedoch die Rechte des Metropolitans einzuschränken.
Kanon 8: Geistliche der Novatianer, die öffentlich in die Kirche eintreten, dürfen ihren geistlichen Rang behalten, wenn sie sich schriftlich dazu verpflichten, die Dekrete der Kirche zu akzeptieren und zu befolgen. Sie sind jedoch im Rang allfälligen örtlichen Geistlichen der Kirche untergeordnet.
Kanon 9: Wenn Leute ohne Prüfung zum Priester geweiht wurden und nachträglich eine Sünde bekennen, die sie dafür disqualifiziert, ist die Priesterweihe ungültig.
Kanon 10: Wenn entdeckt wird, dass ein Priester seinerzeit unter der Verfolgung abgefallen ist und nachträglich zum Priester geweiht wurde, ist die Priesterweihe ungültig.
Kanon 11: Wenn Leute ohne Gefahr vom Glauben abgefallen sind, sollen sie milde behandelt werden, obwohl sie keine solche Milde verdienen: Sie sollen nach einer Buße von zwölf Jahren wieder zur Kommunion zugelassen werden.
Kanon 12: Wenn Christen, die erst auf den Militärdienst verzichtet haben, zur Armee zurückgekehrt sind (was unter Licinius Opfer für heidnische Götter bedingte), sollen sie nach dreizehn Jahren Buße wieder zur Kommunion zugelassen werden. Diese Bußzeit kann jedoch im Fall von echter Reue durch den Bischof verkürzt werden.
Kanon 13: Einem Sterbenden darf die Eucharistie gegeben werden, wenn er danach verlangt, auch wenn er nicht zur Kommunion zugelassen war.
Kanon 14: Katechumen, die abgefallen sind, dürfen nach einer Bußzeit von drei Jahren wieder mit den Katechumen beten.
Kanon 15: Bischöfe, Priester und Diakone dürfen nicht von Stadt zu Stadt wandern, sondern sollen, wenn sie das versuchen, zu der Kirche zurückgeschickt werden, wo sie ordiniert wurden.
Kanon 16: Priester und Diakone, die ihre Kirche verlassen, dürfen nicht von einer anderen Kirche aufgenommen werden. Bischöfe dürfen niemanden ordinieren, der zu einer andern Diözese gehört.
Kanon 17: Wer Wucherzinsen verlangt, soll abgesetzt werden.
Kanon 18: Diakone dürfen die Eucharistie nicht Priestern geben, sondern sollen die Eucharistie von Bischof oder Priester empfangen.
Kanon 19: Anhänger von Paul von Samosata, die bei der Kirche Zuflucht suchen, sollen in jedem Fall neu getauft werden. Geistliche können nach Prüfung neu ordiniert werden.
Kanon 20: Am Sonntag und in der Pfingstzeit soll nicht kniend, sondern stehend gebetet werden.
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Die antinizänische Phase 325-361

Beitragvon Joschie » 08.01.2013 19:32

Die antinizänische Phase 325-361

:arrow: Von Nicäa bis zum Tod Konstantins (337)
-Die erhoffte Einigung blieb aus. Im Volk waren die Meinungen sehr geteilt und wurden in jedem Fall leidenschaftlich vertreten. Innerhalb weniger Jahre war die Christenheit des Ostens tief gespalten. Alexandria war die Hochburg der Trinitarier, die Exegetenschule von Antiochia stand auf der Seite von Arius.
-Schon 327/8 wurde Arius von Konstantin begnadigt und konnte nach Alexandria zurückkehren
- Auch Euseb von Nikomedien wurde begnadigt und wiedereingesetzt. (bis 341 Führer der Arianer)
- Im selben Jahr starb Bischof Alexander von Alexandria
- 328 wurde Athanasius zum Bischof von Alexandria gewählt.
- Eine Synode von Tyros und Jerusalem, bei der sowohl Eusebius von Caesarea als auch Eusebius von Nikomedia eine führende Rolle spielten, nahm Arius und seine Glaubensgenossen 335 wieder in die Kirche auf. Dieselbe Synode setzte Athanasius ab, und es gelang ihr, Kaiser Konstantin auf ihre Seite zu ziehen. Athanasius weigerte sich, Arius (wie vom Kaiser gefordert) wieder in die Kirche aufzunehmen. Daraufhin wurde er 335 nach Trier verbannt, wo er sich mit Constantius II., dem Sohn Kaiser Konstantins, befreundete.
- Zugleich wurde Arius wieder aufgenommenin der Kirche (durch den Kaiser erzwungenen), starb aber kurz darauf. Was der nizänische Bischof von Konstantinopel als Gottesurteil feierte (er hatte vorher gebetet, dass entweder er selbst oder Arius den Tag der Wiederaufnahme

:arrow: -337 starb Kaiser Konstantin, nachdem er von Eusebius von Nikomedia getauft worden war. Die Grabrede hielt Eusebius von Caesarea. Das Reich wurde dreigeteilt: Konstantin II.(337-340; Westen), Konstans (-350; Italien, Nordafrika), Konstantius II. (-361, Osten). Rückkehr aller Verbannten.
- Konstantius förderte im Osten die antinicänische Mehrheit. Der Arianer Eusebius von Nikomedia wurde 338 Bischof von Konstantinopel, was damals dem Rang des Bischofs von Rom gleichkam. Im selben Jahr setzte ein Konzil in Antiochia Athanasius ab, er wurde ein zweites Mal in die Verbannung geschickt. Gregor von Kappadozien wurde als Bischof von Alexandria eingesetzt (nicht identisch mit Gregor von Nazianz oder Gregor von Nyssa, die beide zwar ebenfalls Kappadozier, aber zu dieser Zeit noch im Schulalter waren). Im selben Jahr starb Eusebius von Caesarea.
- Konstantius veranstaltet Kirchweihsynode im Osten unter Euseb v.Nik.: Formulierung der "antiochenische Formeln" und Verurteilung der Lehre des Marcell.
- Nach dem Tod Konstantins II. 340 wurde Constans alleiniger Herrscher des Westens. Er rehabilitierte er Athanasius, wurde von Papst Julius (Verständigung Athanasius u. Julius) unterstützt und betrieb nizänische Politik gegen den Osten.
-Ab etwa 340 bekehrte der Arianer Wulfila die Goten zum (arianischen) Christentum. In den nächsten Jahrzehnten wurden die Goten ein wesentlicher Faktor im arianischen Streit, da sie einen großen Teil des kaiserlichen Heeres stellten und damit auch politischen Einfluss hatten.
-Die arianische Partei gewann in den Jahren nach Nizäa besonders bei der höheren Geistlichkeit und den hellenistisch Gebildeten bei Hof und im Kaiserhaus viele Anhänger, so dass 360 die Mehrheit der Bischöfe freiwillig oder gezwungen arianisch stimmten.




:arrow: - Streitigkeiten führten zum Konzil von Serdika (Sofia) 342. Die Bischöfe des Ostens weigerten sich, gemeinsam mit Athanasius und Markell an einem Konzil teilzunehmen, da diese durch Synoden verurteilt und abgesetzt worden seien - Athanasius durch die Synode von Tyros 335, Markell durch die Synode von Konstantinopel 336. Die Bischöfe des Westens wiederum beharrten darauf, die beiden seien von einer römischen Synode 341 rehabilitiert worden. So spaltete sich die als einheitsstiftendes Reichskonzil konzipierte Versammlung in zwei konkurrierende Synoden auf, Schisma droht, gegenseitige Verfluchungen als Sabellianer bzw. Arianer. Die westliche Synode wendet sich nun gegen ein "arianisches" origenistisches drei Hypostasen-Schema Die östliche Synode wendet sich gegen das "sabellianische" westliche ein-Hypostasen Schema. Auch die „Arianer“ waren gespalten (siehe Acacius von Caesarea, Basilius von Ancyra und Aetios).
- 344 Synode in Antiochia: Versöhnung unter starkem polit. Druck. Osten muß entgegenkommen.
- Das machtpolitische Übergewicht des Westens führte 346 zur Rückkehr des Athanasius nach Alexandria.



:arrow: -Solange Konstantin der Große lebte, war das Bekenntnis von Nicäa unantastbar gewesen, aber nach seinem Tod arbeiteten die Eusebianer energisch daran, die Formel von Nicäa wieder aufzuheben. Zu Lebzeiten des Constans geschah das noch in moderater Form. 341 und 344 wurden in Antiochia zwei arianische Konzile gehalten. Sämtliche anwesenden Bischöfe waren aus dem Osten, die meisten gegen Athanasius. Sie verfassten vier arianische Bekenntnisse, die eher moderat sind, das Homoousion weglassen und den extremen Arianismus verurteilen. Sie erklärten, keine Arianer zu sein, da sie als Bischöfe nicht einem Priester (Arius war nur Priester gewesen) folgen könnten. In diesem Jahr starb Eusebius von Nikomedia.Es traten verschiedene arianische Synoden zusammen, die zwischen 340 und 360 vierzehn verschiedene nichttrinitarische Bekenntnisse absegneten.
-345 starb Gregor von Kappadokien und im folgenden Jahr wurde Athanasius wieder als Bischof von Alexandria eingesetzt. Er wurde erneut mit Begeisterung empfangen und arbeitete in den nächsten zehn Jahren als Bischof – und weiterhin als Kämpfer für den trinitarischen Glauben.


:arrow: Unter der Alleinherrschaft des Konstantius (350-361)
- 350 wurde Constans, der Kaiser des Westens, ermordet. Nun war
der "östliche, antinicänische" Konstantius II. Alleinherrscher und plante, im ganzen Reich die Trinitarier auszuschalten. Er wollte die Religionseinheit erzwingen, indem er vom Nizänum absah. Auf dem dritten Konzil von Sirmium (357) wurde ein Bekenntnis verfasst, das durchwegs eine Subordination von Jesus unter den Vater vertritt, die sirmischen Formeln verbannten die Begriffe "wesensgleich"und "Wesen" Es wurde nur davon geredet, daß der Sohn dem Vater "in allen Dingen ähnlich sei". (Das ist das Nicenum der Homöer). 355 wurde Athanasius ein drittes Mal verbannt, dieses Mal verbrachte er die Verbannung in der Wüste von Oberägypten. Constantius berief Konzilien ein in Arles (353), Mailand (355) und Beziers (356), in denen er die Verurteilung des Athanasius unter Gewaltandrohung durchsetzte. Die Menge an Konzilien fiel sogar heidnischen Beobachtern auf. So kommentiert einer: »Die Straßen sind voll von galoppierenden Bischöfen.«

Auf der arianischen Seite bekam die extreme Partei mehr Gewicht. Auf Konzilien in Nicäa und Konstantinopel wurde Jesus als ähnlich (»homoiousios«; mit zusätzlichem Iota) wie Gott bezeichnet (359). Hieronymus kommentierte zwanzig Jahre später: »Die Welt erwachte mit einem Stöhnen und entdeckte, dass sie arianisch war.«
Es siegte zunächst ein gemäßigter Arianismus, aber radikale Arianer erhielten Auftrieb, und die Antinicäner spalteten sich. in Anhomöer, Homöer und Homöusianer (s.u.)
:arrow: Die Formel wurde aber hinfällig, als Konstantius II. 361 starb. Die Reste wirkten im germanischen "Arianismus" fort.
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Joschie
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Die dritte Phase (361-381)

Beitragvon Joschie » 04.04.2013 10:23

Die dritte Phase (361-381)

:arrow: Die dritte Phase (361-381)
- Das Zwischenspiel des Julian Apostata (361-363) ermöglichte es, sich frei von staatlichem Einfluß (Religionsfreiheit) theologisch auseinanderzusetzen.
- Annäherung der Homöusianer (orig. Mittelpartei) an die Nicäner aufgrund der Radikalisierung der Arianer
- 362 Friedenssynode von Alexandrien unter Leitung von Athanasius führt zur Einigung der Altnicäner und der Homöusianer.

:arrow: Die Partein und Gruppen
Athanasius (295-373)
- seit 328 Bischof von Alexandria
- Verfechter des "homoousios"
- lernte die abendländische Trinitätslehre bei seinen Verbannungen in Trier und Rom kennen.
- er hat ein ausgeprägtes soteriologisches Interesse. Wesenseinheit, weil nur so Erlösung gesichert ist.
Ein Geschöpf kann keine Gotteserkenntnis bringen.
- außerdem verfechtet er 360 klar die Homoousie des Geistes gegen die Pneumatomachen
("Tropiker")
- Theosis-Lehre: Das Wort ward Fleisch, damit wir vergöttlicht würden.
- Gott ist nicht Prinzip, sondern erlösende Liebe. Erlösung kommt allein von Gott. Daher auch Abwehr des Synergismus.
Problematik: jede Form von Subordination wird unmöglich. Lehre von allmählicher Vergottung Christi und uns.

:arrow: Die Homoi-ousianer (die origenistische Mittelpartei)
- Basilius von Ancyra; Georg von Laodizea
- sie halten das homoousios für modalistisch, deswegen: "homoios kat' ousian". sie akzeptieren aber drei Hypostasen.
- sie näherten sich 358 dem Athanasius an.

Die An-homöer
- radikale Arianer (aristotelisch). "Sohn ist geworden". Von fast allen abgelehnt.

Apollinaris von Laodizäa
- Trinitätstheologisch ein klarer Verfechter des Nicänums auf Seiten des Athanasius. Christus ist wahrer Gott.
- Christologisch Gegner der Antiochener. Um die Vorstellung von zwei Söhnen Gottes abzuweisen, lehrt er die Einheit des Christus in einer Hypostase. Es gibt nur eine "physis", der logos tritt an die Stelle des "nous"

- 362 Friedenssynode von Alexandrien: Apollinaris wegen Christologie verurteilt (volle Menschheit Jesu aufgelöst).

:arrow: Der Schluß der dritten Phase
Die Kappadokier (Jung-Nizäner)
- 373 stirbt Athanasius, sein Anliegen trägt Basilius d. Gr. weiter
- Basilius der Große - Gregor von Nazianz - Gregor von Nyssa
- sie durchdringen die Lehre tief
- Im Grunde werden Origenes und das Nizänum kombiniert.
- Grundentscheidung: ousia und hypostasis werden klar getrennt:
ousia= wesensmäßiges Gottsein -> Wesenseinheit Gottes
hypostasis= die je besondere Form/ spezifische Verwirklichung des Vaters, Sohnes und
Heiligen Geistes.
-> Unterscheidung der ewigen, stufenlosen Wesenstrinität von der differenzierteren Offenbarungstrinität
- Damit wird Rationalität aufgegeben.
- homoousios wird jetzt als "wesensgleich" verstanden
- Volle Gottheit des Hl. Geistes ↔ Pneumatomachen.

:arrow: Das Nicäno-Constantinopolitanum (NC) (381)
- 378 schlägt Theodosius Valens im Osten. Er fördert eine endgültige Entscheidung zugunsten des Nizänums bzw. der Jungnicäner.
- Das Symbol ist erst 451 wirklich greifbar, hängt aber wohl tatsächlich mit 381 zusammen. Es wurde 451 als das Bekenntnis von 381 zu Protokoll gegeben.
- Vor allem werden hier die Pneumatomachen verurteilt. Durch die Einbeziehung des Heiligen Geistes wird eine wirkliche Trinitätslehre ermöglicht.
- Im Hintergrund hat wohl auch Ambrosius hier einigen Anteil an den Entscheidungen


:arrow: Nizaenum - Konstantinopolitianum
Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.

Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.

Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche.

Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.
(*d.h. allgemeine christliche)
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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