Mystik in der Kirchengeschichte!

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Mystik in der Kirchengeschichte!

Beitragvon Joschie » 17.11.2012 19:00

Hallo Ihr!
Ich habe seit einiger Zeit in verschiedenen Publikationen Beiträge gelesen, die sich mit dem zunehmenden Einfluss der Mystik auf die Gemeinden heute befassen. Es geht mir hier in diesem Thread um christliche Mystik oder anders ausgedrückt um die Mystik in der Kirchengeschichte.Soweit mir bekannt gibt es so gut, wie keinen Zeitraum in der Kirchengeschichte wo es keine Mystiker oder mystische Elemente gab. Ich stellte fest das der Begriff „Mystik“ ein „Containerbegriff mit unklaren Konturen und vielen möglichen Inhalten“ ist. Ich halte es für notwendig eine Begriffsdefinition vorzunehmen und zu präzisieren, was man unter Mystik versteht.

Zuerst eine Begriffsdefinition zur Mystik allgemein:
Der Ausdruck Mystik (von griechisch μυστικός mystikós ‚geheimnisvoll‘) bezeichnet Berichte und Aussagen über die Erfahrung einer göttlichen oder absoluten Wirklichkeit sowie die Bemühungen um eine solche Erfahrung.

Das Thema Mystik ist Forschungsgegenstand innerhalb der Theologien der Offenbarungsreligionen und der Religionswissenschaften, in Kultur-, Geschichts- und Literaturwissenschaft, in der Philosophie und Psychologie. Allerdings kann ein übergreifender fachwissenschaftlicher Konsens zur Begriffsbestimmung bisher nicht festgestellt werden.

Im alltäglichen Sprachgebrauch sowie in populärer Literatur steht das Thema Mystik meist in Beziehung zu religiösen oder spirituellen Erfahrungen, die als solche nicht objektiv zugänglich scheinen. Die Literatur, in welcher der Ausdruck Mystik in unterschiedlichem Sinne verwendet wird, ist vielfältig. Trotz aller Unklarheiten lassen sich Merkmale angeben, die zumeist für typisch gehalten werden. Auch ist für mehrere Personen unstrittig, dass diese weithin als Mystiker gelte.1


Christliche Mystik
Der Ausdruck christliche Mystik ist ein Sammelbegriff für Texte, Autoren und Gruppierungen innerhalb des Christentums, auf die rückblickend die religionswissensschaftliche Kategorie „Mystik“ anwendbar ist. Es werden allerdings unterschiedliche Bestimmungen des Mystikbegriffs vorgeschlagen. Die Zurechnung zu „christlicher Mystik“ ist sowohl von dieser Begriffsbestimmung abhängig, wie auch von der Interpretation der entsprechenden Primärtexte. Beides ist vielfach kontrovers. Eine typische Minimalbestimmung versteht Mystik als eine Praxis, welche auf eine Einswerdung (unio mystica) zielt, welche bereits im diesseitigen Leben erfahren werden soll, sowie Elemente einer Theorie, welche die Möglichkeit einer solchen Erfahrung erklären und bestimmen soll.2


Begriffsgeschichte:
Der deutsche Ausdruck Mystik, der in seiner substantivischen Form erst im 17. Jahrhundert entsteht, geht zurück auf das altgriechische μυστικός (mystikós) geheimnisvoll, welches sich auf das griech. Substantiv μυστήριον (mysterion) – lat. mysterium (‚Geheimnis‘, aber auch ‚Geheimlehre‘ oder ‚-kult‘) bezieht. In diesem Zusammenhang steht auch das griech. Verb μυέειν (myéein), was einweihen, beginnen oder initiiert werden bedeutet. Das Stammwort ist aber im griech. μύειν (myein) zu sehen, was ‚sich schließen‘, ‚zusammen gehen‘ heißt, insbesondere der Lippen und der Augen (in diesem Zusammenhang also Schweigen und Abweisung der Neugier). Es kann auch „mit dem deutschen Wort ‚blinzeln‘ wiedergegeben werden. Und ursprünglich mag mit diesem ‚Blinzeln‘ das Zusammenkneifen der Augen gemeint sein, wenn sie in Dunkelheit einen schwach glänzenden Gegenstand zu erkennen suchen in nächtlichen Einweihungszeremonien. 3


Beim durchlesen von ganz verschiedenen Publikationen die sich der Mystik befassen viel mir auf das es sehr selten war, dass der Autor genau beschrieben hat, was er ganz konkret unter dem Begriff christliche Mystik versteht. Als Beispiele: Hier, Hier und Hier.
Es gibt auch Ausnahmen: Hier ist besonders der letzte Abschnitt zu beachten. Auch dieses Buch geht mit dem Begriff Mystik in einigen Abschnitten differenzierter um. Ich hätte folgende Frage an euch, wie würdet ihr den Begriff christliche Mystik Difinieren und welche Personen sind für euch christliche Mystiker oder auch nicht?
Gruß Joschie

Quellen:
zu.1
zu.2
zu.3
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Gast

Beitragvon Gast » 17.11.2012 21:33

Also den Begriff "Mystik" dingfest zu machen, fällt mir schwer. Es ist eine Strömung, die immer das "mainstream-Christentum" begleitet hat, sich damit überschnitt, oft genug als Kampf- und Abgrenzungsbegriff genutzt wird.

Für mich gehören dazu Tauler, Rulman Merswin, Jakob Böhme, in gewissem Maße die meisten frühen Pietisten (z.B. Johann Arnd), der deutsche Theologe, Tersteegen, Gottfried Arnold, die ersten Herrnhuter, Eberhard Arnold... - ein weites Spektrum. Gemeinsam ist ihnen, dass sie eine besondere Nähe zu Gott suchten, ein Gott-vertraut-sein, das z.B. den Reformatoren oft fremd war (Ausnahme vielleicht Urbanus Rhegius und der späte Melanchthon).

Hingegen würde ich die heutigen Mystiker fast alle nicht als Mystiker bezeichnen, so weit ich sie kennen gelernt habe. Der Unterschied zu den alten Mystikern ist für mein Empfinden, dass die alten Mystiker die Bibel ernst nahmen und nicht einen selbst gestrickten Mystizismus über die Schrift und die Inhalte des Glaubens stellten. Es gab auch im Mystizismus kein Rütteln an der Dreieinigkeit, an der Göttlichkeit Jesu, an der Göttlichkeit der Heiligen Schrift.

Einen Teil der Schriften der Mystiker sind in der Glaubensstimme zu finden.

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Beitragvon Joschie » 21.11.2012 16:23

Andreas.Janssen hat geschrieben:Also den Begriff "Mystik" dingfest zu machen, fällt mir schwer. Es ist eine Strömung, die immer das "mainstream-Christentum" begleitet hat, sich damit überschnitt, oft genug als Kampf- und Abgrenzungsbegriff genutzt wird.

Für mich gehören dazu Tauler, Rulman Merswin, Jakob Böhme, in gewissem Maße die meisten frühen Pietisten (z.B. Johann Arnd), der deutsche Theologe, Tersteegen, Gottfried Arnold, die ersten Herrnhuter, Eberhard Arnold... - ein weites Spektrum. Gemeinsam ist ihnen, dass sie eine besondere Nähe zu Gott suchten, ein Gott-vertraut-sein, das z.B. den Reformatoren oft fremd war (Ausnahme vielleicht Urbanus Rhegius und der späte Melanchthon).

Was verstehst Du genau unter " eine Strömung, die immer das "mainstream-Christentum" begleitet hat, sich damit überschnitt"?
Sind die Spiritualisten der Reformationszeit wie Kasper von Schwenkfeld auch den Mystikern zuzuordnen?
Gruß Joschie



Spiritualisten der Reformationszeit
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Gast

Beitragvon Gast » 23.11.2012 20:17

Hi Joschie,

für mich ist das immer ziemlich schwer auseinanderzudividieren, da mir persönlich der Mystizismus so gut wie gar nicht zusagt (auf der anderen Seite: Mir haben auch Liturgien früher nie etwas bedeutet :-) ).

Ich denke, die Grenze ziehe ich da, wo jemand durch seine "Mystik" weg geht vom klaren Bekenntnis zu bestimmten biblischen Grundwahrheiten. Wer die Dreieinigkeit oder die Göttlichkeit Christi leugnet, der ist für mich weder ein Mystiker noch ein Christ, sondern ein Irrlehrer. Das betrifft viele der ersten Täufer (ich denke da an das Nikolsburger Bekenntnis, die Zwickauer Propheten und die Täuferrepublik in Münster) als auch Faustus Socinus und die Socianer.

Wer behauptet, wir bräuchten die Bibel nicht, sondern ein irgendwie geartetes "inneres Gotteswort", das mehr bedeutet als die Bibel, der ist für mich ein Schwärmer und kein Mystiker. Dies betrifft manche Quäkergruppen, aber auch manch täuferische Bewegung (z.B. Sankt Gallen). In diese Richtung ging eben leider auch Schwenckfeld, doch hat er für mein Empfinden diese Grenze nicht ganz überschritten. In seiner "Bekanntniß und Rechenschafft von den Hauptpuncten des christlichen Glaubens" stellt er seinen Glauben und die Probleme, die er mit der lutherischen Lehre hat, offen dar. Hier wird auch - und an dieser Stelle irrt er meiner Meinung nach entschieden - seine komplette Ablehnung der Sakramente deutlich - und an dieser Stelle vertritt er eine falsche Lehre.

Seine Lehre von Christus erscheint mir nachdenkenswert, soweit er nicht über die Bibel hinausgeht, was ihm eben manches mal passiert (vielleicht bin ich da aber auch zu empfindlich). Am Besten ist vielleicht, Du liest diese Schrift selber einmal. Leider kam danach noch einiges von ihm, was weniger gut ist. Ich denke, dass bei einem offenen Gespräch mit den anderen Reformatoren durchaus eine Einigung hätte erzielt werden können - wenn dies nicht an Luther gescheitert wäre.

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Beitragvon Joschie » 11.01.2013 20:08

Andreas hat geschrieben:In diese Richtung ging eben leider auch Schwenckfeld, doch hat er für mein Empfinden diese Grenze nicht ganz überschritten. In seiner "Bekanntniß und Rechenschafft von den Hauptpuncten des christlichen Glaubens" stellt er seinen Glauben und die Probleme, die er mit der lutherischen Lehre hat, offen dar. Hier wird auch - und an dieser Stelle irrt er meiner Meinung nach entschieden - seine komplette Ablehnung der Sakramente deutlich - und an dieser Stelle vertritt er eine falsche Lehre.
Seine Lehre von Christus erscheint mir nachdenkenswert, soweit er nicht über die Bibel hinausgeht, was ihm eben manches mal passiert (vielleicht bin ich da aber auch zu empfindlich). Am Besten ist vielleicht, Du liest diese Schrift selber einmal. Leider kam danach noch einiges von ihm, was weniger gut ist. Ich denke, dass bei einem offenen Gespräch mit den anderen Reformatoren durchaus eine Einigung hätte erzielt werden können - wenn dies nicht an Luther gescheitert wäre.

In einigen Beiträgen wird das unterschiedliche Taufverständnis als der Hauptstreitpunkt zwischen Schwenckfeld und Luther angegeben, dieses war ein Streitpunkt zwischen Schwenkfeld und Luther aber mit Sicherheit nicht der Hauptstreitpunkt. Das "Sola Scriptura" von Luther war unvereinbar mit der Trennung des Wortes bei Schwenckfeld in einem äußeren Wort und in einem inneren Wort, hier liegt der Schwerpunkt der Auseinandersetzung zwischen Luther und Schwenckfeld. Das äußere Wort, die aufgeschriebene Bibel war ein totes Wort, das keinen Glauben spenden konnte. Dem bestenfalls eine ergänzende Rolle in der Vermittlung von Erkenntnis und Gnade zugestanden wird. Das innere Wort, in dem der Geist den Gläubigen in ihren Herzen unmittelbar begegnet. Leben zu spenden, war nur dem inneren Wort möglich, das Christus selbst war.
Ich stelle hier noch zwei ältere Beiträge zu Kaspar von Schwenckfeld rein:

Caspar von Schwenckfeld war weder "Ketzer noch Heiliger", sondern er war Reformator in Schlesien (1521 - 1529) und ein radikaler Spiritualist in Süddeutschland (1529 - 1561).

Kaspar von Schwenckfelds reformerische Laufbahn, die sich zunehmend radikalisierte, wurde, wie er meinte, von drei göttlichen Heimsuchungen markiert. Die erste Heimsuchung (1519) gewann den schlesischen Edelmann für die Sache Martin Luthers. Nachdem er dazu beigetragen hatte, der Reformation in Schlesien zum Erfolg zu verhelfen, bewog ihn eine zweite Heimsuchung (1525), sich gegen die Realpräsenz Christi im Abendmahl zu wenden und eine spiritualistisch geprägte Vorstellung von einem inneren Abendmahl zu entwickeln. Dem „Stillstand“ der Abendmahlspraxis in Liegnitz (1526) folgte 1527 eine dritte Heimsuchung, die Schwenckfeld schließlich zu seinem radikalen Spiritualismus führte, wofür er bekannt geworden ist.

Unter dem Einfluss von Krautwalds augustinischem Neoplatonismus, entwickelte Schwenckfeld schnell einen durchgehenden Geist-Materie/Innen-Außen-Dualismus, der alles Äußere marginalisierte. Das äußere Wort - die aufgeschriebene Bibel - war ein totes Wort, das keinen Glauben spenden konnte. Leben zu spenden, war nur dem inneren Wort möglich, das Christus selbst war. Das innere Abendmahl schuf und erhielt den neuen Menschen, der allein in der Lage war, die Bibelwahrheitsgemäß zu deuten, während diejenigen, die nicht neu erschaffen wurden, nicht mehr von der Schrift verstehen konnten als der Blinde von der Farbe. Sowohl das Verstehen des göttlichen Wortes als auch die verändernde Erfahrung, die ein christliches Leben erzeugte, wurden unmittelbar durch den inneren Christus vor aller äußeren Predigt oder biblischem Studium gewirkt.Ferner predigte er das „innere Wort“ (1527) und stellte sich gegen die kirchliche Christologie und Luthers Lehre von der Rechtfertigung. Diese verstand er als einen religiös-sittlichen Prozess, sprach in der Weise der Mystiker von „geistlichem Fühlen“ der Gnade Gottes und berief sich auf fortwährende göttliche Eingebung. Dennoch blieb die Bibel für den neuen Menschen und nur für ihn von Nutzen, nämlich zu seiner Erbauung. Für diejenigen, die noch unberührt von Christus waren, konnten die heiligen Schriften Hindernisse darstellen und Verwirrung stiften.

Schwenckfelds Spiritualisierung der Schrift, der Sakramente und der Kirche liefen dem täuferischen Biblizismus, dem Beharren auf der Glaubenstaufe und der Gemeindezucht zuwider. Obwohl er die Täufer wegen ihres individuellen Eifers und ihrer Lebensführung bewunderte, kritisierte er ihre Zersplitterung, ihren Mangel an Liebe gegenüber Ungläubigen und ihre Einstellung, sich auf die Wassertaufe zu verlassen. Wohl stimmte er mit ihnen darin überein, die Kindertaufe zu verwerfen, ihre Forderung nach äußerer Taufe der Erwachsenen fand er dagegen verfehlt. Da die innere Taufe zur Erlangung des Heils ausreichend sei, schlug er vor, die äußere Taufe bis zur Restitution der Apostolischen Kirche aufzuschieben. Der bedeutende Täuferführer Pilgram Marpeck sollte Schwenckfeld in einer schriftlichen Auseinandersetzung herausfordern (1541-1542), um dessen Einfluss auf seine eigenen Anhänger abzuwehren.In der Summe ist Schwenckfelds Lehre dem Spiritualismus zuzuordnen.

Der Theologe und Kirchenhistoriker Christian Erdmann schrieb 1891:Abgesehen von der edlen lautern Gesinnung und dem hohen sittlichen Ernst, mit welchem S. mit vollem Recht wie Luther der Sittenlosigkeit und dem Mißbrauch der Lehre von der Rechtfertigung und christlichen Freiheit zu fleischlicher Zügellosigkeit entgegentrat, wurden doch die objectiven Grundlagen des evangelischen Glaubens in der durch die heil. Schrift beurkundeten Offenbarungswahrheit principiell in Frage gestellt durch seinen schwärmerischen Mysticismus in der Lehre von der innerlichen Erleuchtung und Heiligung durch den Geist von oben ohne das objective Mittel des Wortes und Sacramentes.

Quellen:Armin Sierszyn 2000 Jahre Kirchengeschichte 2 Bd, Adolf M. Ritter ,Carl Andresen/Adolf M. Ritter Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte 2 Bde und das Mennonitisches Lexikon



Bei der Gleichstellung von Kasper von Schwenkfeld mit den Täufern bei dem lutherischen Theologenkonvent in Schmalkalden 1540 ging allein um die Tauffrage.Der Hauptgrund für die Verurteilung 1540 von Kasper von Schwenkfeld war ein anderer, es ging um die "Creatürlichkeit Christi", diese hat folgende Vorgeschichte:
Die inneren Gegensätze brachen wieder hervor, als S. bei weiterer Entwicklung seiner Abendmahlslehre unter Bekämpfung der Zwingli’schen Auffassung von der Person Christi in Bezug auf das Abendmahl in einer Schrift: „Summarium etlicher Argumente, daß Christus nach der Menschheit heut keine Creatur, sondern ganz unser Gott und Herr sei“, 1539, die Behauptung aufstellte, daß die Menschheit Christi keine Creatur zu nennen sei. Gegen diese Lehre von der „Vergottung des Fleisches Christi“, wie er sie nannte, trat der Ulmer Prediger Martin Frecht öffentlich auf und bewirkte beim Rath nach einer von demselben angestellten Untersuchung seiner Lehre seine Ausweisung aus Ulm. Er schrieb gegen die von den Schweizern, namentlich Joachim Vadian in St. Gallen, ausgesprochene Verurtheilung seiner Lehre als einer eutychianischen Ketzerei 1540 unter dem Titel: „Große Confession“ eine Vertheidigungsschrift zur Begründung seiner Lehre. Aber auf Betreiben Frecht’s wurde über ihn und seine Lehre 1540 auf einem Convent der Theologen in Schmalkalden ein Verwerfungsurtheil ausgesprochen,

Kasper von Schwenkfeld und die Täufer waren sich einig in der Ablehnung der Kindertaufe und in der Befürwortung der Glaubenstaufe. Damit hört ihre Gemeinsamkeit aber auch schon auf, bei der Frage was die Taufe bedeutet und bei der Frage nach den Zeitpunkt der Taufe lagen die Ansichten von Schwenkfeld und den Täufern unüberbrückbar auseinander.
Im Mennonitisches Lexikonsteht dazu:
Schwenckfelds Spiritualisierung der Schrift, der Sakramente und der Kirche liefen dem täuferischen Biblizismus, dem Beharren auf der Glaubenstaufe und der Gemeindezucht zuwider. Obwohl er die Täufer wegen ihres individuellen Eifers und ihrer Lebensführung bewunderte, kritisierte er ihre Zersplitterung, ihren Mangel an Liebe gegenüber Ungläubigen und ihre Einstellung, sich auf die Wassertaufe zu verlassen. Wohl stimmte er mit ihnen darin überein, die Kindertaufe zu verwerfen, ihre Forderung nach äußerer Taufe der Erwachsenen fand er dagegen verfehlt. Da die innere Taufe zur Erlangung des Heils ausreichend sei, schlug er vor, die äußere Taufe bis zur Restitution der Apostolischen Kirche aufzuschieben. Der bedeutende Täuferführer Pilgram Marpeck sollte Schwenckfeld in einer schriftlichen Auseinandersetzung herausfordern (1541-1542), um dessen Einfluss auf seine eigenen Anhänger abzuwehren

Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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