Spiegel: 'Rechte Christen starten Kreuzzug gegen Minarette'

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PvE
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Spiegel: 'Rechte Christen starten Kreuzzug gegen Minarette'

Beitragvon PvE » 14.10.2009 16:18

14. Oktober 2009, 14:15 Uhr

Schweizer Volksabstimmung

Rechte Christen starten Kreuzzug gegen Minarette

Aus Zürich berichtet Michael Soukup

Schweizer Rechte haben eine beispiellose Kampagne gegen Minarette an Moscheen losgetreten - mit einer drastischen Plakataktion, organisiert von einem Deutschen. Die Chancen für ein Verbot sind nicht gering, mancher sorgt sich schon um den internationalen Ruf der Schweiz.

In Wangen bei Olten haben sie ihren Kampf schon verloren. Die kleine Schweizer Gemeinde am Südfuß des Jura hat ein Minarett bekommen.

Christen, die eine Islamisierung ihres Dorfs fürchten, hatten sich heftig dagegen gewehrt. Unterschriften wurden gesammelt, Forderungen eingereicht, der Gemeindepräsident sprach sich offen dagegen aus. Sogar die katholische und die evangelische Kirchengemeinde reichten ihren Einspruch ein.

Vergeblich - das Bundesgericht als höchste richterliche Instanz hat das Baugesuch des lokalen türkischen Kulturvereins gutgeheißen. Nun zeugt ein sechs Meter hohes Plastiktürmchen über dem Dach einer früheren Fabrik vom Sieg des "Olten Türk Kültür Ocagi".

Und von einer Niederlage für Daniel Zingg, 53. "Das Minarett ist nur der erste Schritt" - das ist das Credo des ehemaligen Fernsehelektrikers und evangelikalen Christen. Er ist Mitglied der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU), einer bibeltreuen Splitterpartei am rechten Rand. Für Zingg sind Minarette Zeichen der Ausbreitung des Islam, für die Eroberung eines Gebiets, ja sogar Speerspitzen für die Einführung der Scharia. Im benachbarten Langenthal konnte er bisher erfolgreich einen weiteren Gebetsturm verhindern; er begründet seine baurechtliche Einsprache mit drohenden "ideellen Emissionen".

Inzwischen stehen die Chancen nicht mal schlecht, dass in der Schweiz gar keine Moscheetürme mehr gebaut werden dürfen. Denn die Minarette sind seit Wochen das Thema Nummer eins im Land - am 29. November stimmt das Volk über die Initiative "Gegen den Bau von Minaretten" ab.

Der Bürgerentscheid ist der Höhepunkt einer Kampagne, die von Zingg und Verbündeten losgetreten wurde. Hinter ihr stehen Politiker der EDU und der Schweizerischen Volkspartei (SVP), jener rechtsnationalen Partei, die durch ihren berühmt-berüchtigten Vorkämpfer Christoph Blocher in den vergangenen Jahren auch internationale Bekanntheit erlangt hat.

Die SVP provozierte - wie üblich - mit einem radikalen Plakat. Es zeigt eine verschleierte Frau, umgeben von Minaretten, die wie Raketen aus der Schweizer Fahne schießen.

"Das kommt einer Diffamierung gleich"

Noch war kein einziges dieser Poster geklebt, da brach sich Empörung Bahn. Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) verurteilte es in aller Schärfe: "Dies kommt einer Diffamierung der friedlichen muslimischen Schweizer Bevölkerung gleich und gefährdet den öffentlichen Frieden in der Schweiz."

Prompt folgte eine Verbotsdebatte. Als erste Gemeinde untersagte Basel den Aushang des Plakats und setzte so die übrigen Schweizer Städte unter Zugzwang. Basel, Freiburg, Lausanne, Morges, Neuenburg, Nyon und Yverdon folgten. Erlaubt ist das Plakat dagegen in Biel, Chur, Genf, Luzern, Olten, St. Gallen, Winterthur und Zürich. Wichtig ist das inzwischen allerdings nicht mehr. Denn wann immer sich eine Stadt für oder gegen ein Verbot aussprach, ging dies aufgeregt durch die Schweizer Medien - und natürlich wurde das umstrittene Plakat immer ins Bild gerückt. So bekam es eine Popularität, für die es gar nicht mehr plakatiert werden musste.

Noch im August hatte sich die Anti-Moschee-Initiative beklagt, man habe nur wenige tausend Franken zur Verfügung, brauche aber rund eine halbe Million Franken für eine Großkampagne. Die Gratiszeitung "Blick am Abend" hat inzwischen ausgerechnet, dass der Werbeeffekt der medialen Empörung eine halbe Million Franken beträgt.

Die Anti-Minarett-Initiative ist für ein westliches Land so radikal, dass auch manchem SVP-Politiker nicht wohl bei der Sache ist. Der frühere Parteipräsident und heutige Verteidigungsminister Ueli Maurer zeigte sich "nicht restlos glücklich" über den Vorstoß gegen die Moscheetürme - wissend, dass dieser wahrscheinlich gegen die in der Verfassung garantierte Glaubensfreiheit verstößt.

Auf dem Spiel steht auch der internationale Ruf der Schweiz, der schon in den vergangenen Monaten gelitten hat, unter anderem im Steueroasen-Streit. Schlimmstenfalls könnte es in muslimischen Ländern zu ähnlich stürmischen Reaktionen kommen wie beim dänischen Karikaturenstreit vor vier Jahren. Das Uno-Menschenrechtskomitee jedenfalls hat an diesem Dienstag schon gegen die "erschreckende Plakatkampagne" der Minarett-Gegner protestiert. Die Initiative sei unzulässig, weil sie das Völkerrecht verletze.

Hinter der erfolgreichen Kampagne steht ein Deutscher

Wie haben sich die Zeiten doch geändert. In den sechziger und siebziger Jahren bejubelten Politiker in Zürich und Genf den Bau zweier Moscheen als Ausdruck von Internationalität und Weltoffenheit. Heute hat sich die Stellung der Muslime in der Gesellschaft geändert. 1980 lebten 56.000 im Land, nun sind es mehr als 400.000. Früher praktizierten sie ihre Religion diskret in Hinterhofmoscheen, inzwischen richtet sich die zweite und dritte Generation der Einwanderer aus der Türkei, Bosnien oder Albanien in der Schweiz ein - und will ihrer Religion mehr Präsenz geben.

Das irritiert größere Teile der Schweizer Gesellschaft und wird von den Minarettgegnern weidlich ausgenutzt, mit teilweise wilden Argumentationsketten. Sie kramen in diesen Wochen schon mal einen Dichtersatz heraus, den der heutige türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in den neunziger Jahren zitiert hatte (und dafür in einem umstrittenen Verfahren wegen Volksverhetzung verurteilt wurde): "Die Minarette sind unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme, die Moscheen unsere Kasernen und die Gläubigen unsere Soldaten." Mit Verweisen auf solche Sprüche werden Ängste geschürt, und die Initiative stilisiert sich ihrerseits zu "Gottes Kämpfern gegen die Islamisierung", wie der "Tages-Anzeiger" schrieb.

In einer aktuellen Umfrage der Zeitung lehnen 51 Prozent der Schweizer ein Minarettverbot ab. 35 Prozent sind dafür. Aber "viele Unentschlossene dürften ins Ja-Lager wechseln", sagt die Zeitung voraus.

Hinter der unglaublich erfolgreichen Kampagne steht übrigens ein Deutscher: der Hamburger Alexander Segert, 46. Er kam nach dem Studium in Konstanz in die Schweiz, arbeitete als Journalist bei der rechtskonservativen Zeitung "Schweizerzeit" und schrieb später in der islamfeindlichen Zeitschrift "Bürger und Christ" gegen eine liberale Gesellschaft an. "Ich darf seit vielen Jahren für die SVP bei Abstimmungs- und Wahlkampagnen tätig sein", sagt er SPIEGEL ONLINE. Er verantwortet das Rattenplakat, auf dem Sozialdemokraten als wimmelnde Schar roter Ratten dargestellt wurden, und das Poster mit schwarzen Schafen von 2007, das zu einem besonders aggressiven Wahlkampf gegen "kriminelle Ausländer" gehörte.

Der "NZZ am Sonntag" verriet Segert, er würde auch eine Kampagne mit dem Slogan "Deutsche raus!" konzipieren.


Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 09,00.html

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Enrico
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Beitragvon Enrico » 14.10.2009 16:24

Auch aus dem Schweizer Palarment eine wirklich interessante Rede dazu von Lukas Reimann:

http://www.youtube.com/watch?v=c6XOFT5YLsI

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Beitragvon PvE » 14.10.2009 16:28

Aber es ist doch so praktisch, wenn ein an sich berechtigtes Anliegen von rechten Knallköppen vorgetrgagen wird, dann kann man es gleich in Bausch und Bogen verwerfen... $:?

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Enrico
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Beitragvon Enrico » 14.10.2009 16:43

Hm...ich denke dass Herr Lukas Reimann durchaus Haare auf dem Kopf hat ??!
Und dass der Spiegel ein zensiertes Blatt ist ist ja auch wohlbekannt.
Christen sind die Bösen, gerade dann wenn sie vor dem "friedlichen" Islam warnen und die Islamisten und die Gutmenschen sind die Guten.
Erinnere an PRO-Köln Vereinstaltung...

Dass der Spiegel den Zeitgeist wiederspiegelt ist ja bekanntermassen nichts neues...

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Beitragvon PvE » 14.10.2009 17:09

Hm...ich denke dass Herr Lukas Reimann durchaus Haare auf dem Kopf hat
Sorry, ich meinte nicht ihn!

Im Gegenteil, ich meinte, dass gerade solche Leute wie er unter dem "alle-pauschal-in-die-rechte-Ecke-stellen" leiden.

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So ein Blödsinn !

Beitragvon Oliver » 15.10.2009 21:47

So ein Blödsinn !
Es fängt schon mit der Überschrift an:
Rechte Christen starten Kreuzzug gegen Minarette
Und dann verweist man auf eine einzelnen von einer Randpartei mit 1(!) Palamentssitz. Dabei ist die SVP, die stärkste Partei, dafür.
... der Schweizerischen Volkspartei (SVP), jener rechtsnationalen Partei, ...
Die SVP ist rechtsliberal. Aber wer sich ausserhalb der Gutmenschen-Ideologie begibt, wird in die rechte Ecke gestellt.
Hinter der erfolgreichen Kampagne steht ein Deutscher
Und woran besteht das Dahinterstehen ? Darin, dass der Betreffende ein Plakat entworfen hat !!!

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Beitragvon PvE » 16.10.2009 08:59

Aber wer sich ausserhalb der Gutmenschen-Ideologie begibt, wird in die rechte Ecke gestellt.

Was mich an Gutmenschen immer wieder erstaunt, ist ihre Fähigkeit zur konsequenten Realitätsverweigerung.

An dieser Stelle sei das Buch von Henryk M. Broder: "Hurra, wir kapitulieren" wärmstens empfohlen.


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