R. Ebertshäuser gegen die Reformierten

Aktuelle Entwicklungen und Vorkommnisse in der Christenheit

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PvE
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R. Ebertshäuser gegen die Reformierten

Beitragvon PvE » 13.09.2010 19:07

Rudolf Ebertshäusers Homepage gibt in unregelmäßigen Abständen Mitteilungen über aktuelle Vorkommnisse heraus:

http://www.das-wort-der-wahrheit.de/aktuelle-notizen

Oftmals stehen da recht interessante Meldungen drin. In der neuesten Mitteilung Der „Fall Wolfgang Nestvogel“ und die falsche reformatorische Endzeitlehre geht es jedoch den Reformierten und der dort vertretenen amillenialistischen Sicht der Endzeit an den Kragen. Hierzu einige Auszüge, die ich mir mal zu kommentieren erlaube:

Der Glaube an ein wörtliches tausendjähriges Reich und ein wörtliches Verständnis der alttestamentlichen Verheißungen an Israel, wie ihn Nestvogel und im übrigen die meisten bibeltreuen Christen heute vertreten („Prämillenialismus“, oft auch als „Dispensationalismus“ bezeichnet), wird heute von einer wachsenden Zahl dogmatischer Calvinisten und „reformatorischer“ Christen angegriffen.

Prämillenialismus und Dispensationalismus kann man genausowenig gleichsetzen wie Hund und Dackel. So hat der sog. Historische Prämillenialismus nichts mit Dispansationalismus zu tun.

Der Dispensationalismus ist eine Erfindung von Darby und seinen Kollegen im 19. Jhd. Wenn jemand etwas Neues an Stelle des Alten einführen will, ist er beweispflichtig, nicht die anderen.

Wenn man die sehr zahlreichen prophetischen Aussagen des AT über die Wiederherstellung Israels und das messianische Friedensreich am Ende der Zeiten im geschichtlichen und wörtlichen Sinn versteht, was der einzig wirklich bibeltreue Auslegungsansatz ist, dann folgt daraus völlig eindeutig, daß wir ein wörtliches tausendjähriges Reich zu erwarten haben, das der wiederkommende Herr selbst einführt, und in dem Israel eine Schlüsselrolle spielt. Diese Lehre wird durch zahlreiche Aussagen des NT unterstützt.

"Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt." - Johannes 18,36

Umgekehrt ist die sogenannte „reformatorische“ Endzeitlehre das Ergebnis einer verdrehten Deutung der alttestamentlichen Prophetie, wie sie von den frühen Irrlehrern der katholischen Kirche propagiert wurde, allen voran Origenes und Augustinus.

Naja, auch in den Evangelien wurden solche "verdrehten Deutungen" von AT-Prophetien vorgenommen, denn streng wörtlich ausgelegt sind die nun wirklich nicht. Außerdem ist es für eine Lehre grundsätzlich unschädlich, wenn sie (auch) von einer ansonsten lehrmäßig unzuverlässigen Institution vertreten wird.

Es war ein wesentlicher Bestandteil der bibeltreuen Erweckung in den englischsprachigen Ländern, die Gott Mitte des 19. Jh. schenkte, daß die falschen calvinistischen Endzeitlehren überwunden wurden durch eine heilsgeschichtliche Sichtweise.

Eine kühne Behauptung... $:D

Diese wurde ganz einfach dadurch gewonnen, daß man das prophetische Schriftwort wörtlich ernst nahm und Schrift mit Schrift verglich (daraus entstand z.B. die bekannte „Scofield-Bibel“).

Auch der Reformierte nimmt die Schrift wörtlich ernst, aber er versteht, dass diese Stellen ihrer Natur nach nicht wörtlich gemeint sein können.

Wir wollen den Gläubigen, die heute amillenialistischen Überzeugungen anhängen, nicht das Bemühen um Bibeltreue absprechen; wohl aber müssen wir darauf hinweisen, daß die amillenialistische Position dieser calvinistischen und reformatorischen Kreise in bezug auf die Auslegung von Gottes heiligem Offenbarungswort das Gegenteil von Bibeltreue bedeutet.

Harte Worte, die wie gesagt etwas erstaunen, wenn man sieht, dass die Lehren Darbys gerade mal 200 Jahre alt sind. Unabhängig davon wurde schon mehrfach von reformierter Seite darauf hingewiesen, dass eine stur-wortwörtliche Auslegung von alttestamentlichen Prophetien zu absurden Ergebnissen führt.

Interessanterweise wird gerade von dispensationalistischer Seite recht frei mit dem Grundsatz "alles wörtlich" umgegangen, und manches eben - nach willkürlichen Erwägungen - doch symbolisch gedeutet.

Zu bedenken ist auch die üble Frucht der amillenialistischen Falschlehre. Sie hat im 2. bis 4. Jh. den Übergang der römischen Kirche zur Hure Babylon, zur Kirche der weltlichen Macht, bereiten helfen. Die Lehre Augustins, daß die Kirche Israel ersetze und das Tausendjährige Reich zu verwirklichen habe, gab den Päpsten die scheinbare Rechtfertigung, nach weltlicher Macht zu streben, Könige einzusetzen und mit dem Schwert Menschen zum „Christentum“ zu „bekehren“. Sie war ein böser Sauerteig, der die Entartung der apostolischen Gemeinde förderte und bis heute Anlaß für viele Lästerungen gegen das Christentum gibt. Auch in der reformatorischen Geschichte ist diese Falschlehre für manche beschämende Entwicklung mit verantwortlich, u.a. für die Hinrichtung von Täufern und Häretikern auf Veranlassung von Kirchenführern und für die Kriege im Namen des Glaubens, wie sie seitens der französischen Hugenotten und der englischen Puritaner geführt wurden.

Auch hier wird wieder die Lehre mit dem Mißbrauch der Lehre gleichgesetzt.

In der Praxis bedeutet diese Lehre, daß der Weg geebnet wird für die Illusion einer allmählichen christlichen Durchdringung der Gesellschaft (vgl. die reformatorische Falschdeutung des Gleichnisses vom Sauerteig in Mt 13,33). Der immer schneller sich entwickelnde Abfall vom Glauben, die deutlichen endzeitlichen Entwicklungen, die auf den Höhepunkt der antichristlichen Herrschaft und darauf folgend auf das Kommen des Herrn zum Gericht zulaufen, werden letztlich verharmlost und die Gemeinde in einen gefährlichen Schlaf gelullt (vgl. Röm 13,11-14; 1Thess 5,1-7).

Hier wird Amillenialismus mit Postmillenialismus verwechselt.

Es steht zu befürchten, daß die falschen Lehren eines Augustin in Zukunft mit dazu beitragen, reformatorische und modern-evangelikale Kreise zurück in den Bannkreis der römischen Kirche und ihres antichristlichen Programms zu ziehen.

Reformierte haben i.d.R. nichts mit dem modernen Wellness-Evangelikalismus zu tun, sondern versuchen sich davon abzugrenzen. Und warum um alles in der Welt sollen sie zurück nach Rom gehen, nur weil es Parallelen in der endzeitlichen Sicht gibt? ??!

Die Selbstverständlichkeit, mit der manche Dispensationalisten ihre - relativ neue - Lehre als einzig bibeltreue ansehen, ist manchmal etwas befremdlich...

Gruß
PvE

Servant
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Beitragvon Servant » 13.09.2010 20:17

Hallo,

zum Thema eine Buch Empfehlung von einem Bruder in Christus, das Buch ist besonders zu empfehlen, da dieses Buch sich dabei auf die Worte Gottes stützt.

Geöffnete Siegel

Auslegung zur Offenbarung von Benedikt Peters - Dieses Buch bietet einen leicht verständlichen und zugleich lehrmäßig solide begründeten Einstieg ins Studium des letzten Bibelbuches. Die Erklärungen zu allen 22 Kapiteln der Offenbarung zeichnen in knappen Zügen die Hauptlinien des Planes nach, den Gott für seinen künftigen Triumph entworfen hat. Dabei verzichtete der Autor auf alle Spekulationen, die gewöhnlich mehr auf dem politischen Tagesgeschehen beruhen als auf dem Wort Gottes selbst. Stattdessen ist er umso entschiedener bestrebt, hinter allem Handeln Gottes in den letzten Tagen der Menschheit die Majestät und Schönheit des großen Gottes und Retters Jesus Christus zu sehen, dessen Offenbarung es schließlich ist.


Dort geht er auch auf das 1000 jährige Reich ein.

gute Wünsche,
Servant

Servant
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Beitragvon Servant » 13.09.2010 20:28

Prämillenialismus und Dispensationalismus kann man genausowenig gleichsetzen wie Hund und Dackel. So hat der sog. Historische Prämillenialismus nichts mit Dispansationalismus zu tun.
Ein Hund ist ein Hund - ok, soweit kann ich folgen. Nun, was ist dann ein Dackel ? Ein Kanarienvogel ? :roll:
Der Dispensationalismus ist eine Erfindung von Darby und seinen Kollegen im 19. Jhd. Wenn jemand etwas Neues an Stelle des Alten einführen will, ist er beweispflichtig, nicht die anderen.
Was ist den die Alte Sicht darüber ?
...um alles in der Welt sollen sie zurück nach Rom gehen, nur weil es Parallelen in der endzeitlichen Sicht gibt?
Gibt es parallelen mit der Lehre Roms ? Wenn ja, welche sind das ?
Zuletzt geändert von Servant am 13.09.2010 20:39, insgesamt 2-mal geändert.

Leo_Sibbing
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Beitragvon Leo_Sibbing » 13.09.2010 20:34

Servant hat geschrieben:
Prämillenialismus und Dispensationalismus kann man genausowenig gleichsetzen wie Hund und Dackel. So hat der sog. Historische Prämillenialismus nichts mit Dispansationalismus zu tun.
Ein Hund ist ein Hund - ok, soweit kann ich folgen. Nun, was ist dann ein Dackel ? Ein Kanarienvogel ? :roll:
Ich denke er möchte darauf hinweisen, dass der Dispensationalismus eine spezielle Form des Prämillenialismus ist.
So wie ein Dackel eine spezielle Hunderasse ist. Eine Gleichsetzung ist also tatsächlich nicht korrekt.

Lieben Gruß,
Leo
Ich freue mich sehr in dem HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir Kleider des Heils angezogen, mit dem Mantel der Gerechtigkeit mich bekleidet, ... Jesaja 61,10

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Beitragvon Servant » 13.09.2010 20:47

Wer stellt auch schon einen Pudel mit einem Hund gleich, oder einen Hund mit einem Dackel :) auf die Idee würde ich nicht mal kommen - ganz besonders wegen der folgenden Worte:
So hat der sog. Historische Prämillenialismus nichts mit Dispansationalismus zu tun.
Ich denke schon das ein Dackel etwas mit einem Hund zu tun hat.

Aber Trotzdem danke Leo !

Gruß,
Servant

PvE
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Beitragvon PvE » 13.09.2010 20:57

Ich denke schon das ein Dackel etwas mit einem Hund zu tun hat.

"Jeder Dackel ist ein Hund, aber nicht jeder Hund ist ein Dackel." Nie gehört? $:)

Insoweit kann man sie nicht gleichsetzen, d.h. die Bergiffe sind nicht austauschbar.

Servant
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Beitragvon Servant » 13.09.2010 21:16

Ja, das stimmt - nicht jeder Hund ist ein Dackel - nur was soll mir das jetzt sagen ? Du meinst das diese beiden "Ismen" nichts gemeinsam haben, also nicht von der gleichen Gattung sind ?

Kannst du mir noch sagen was das "Alte" ist worauf du dich beziehst und wo genau Gemeinsamkeiten mit der römischen Kirchen Lehre sind ?

Was Glaubt man bei euch, oder einfacher - was Glaubst du ?

Wenn Darby, der Erfinder des Dispensionalismus ist, wer hat dann die Gegenseite Erfunden ? Hier scheint es ja Diskrepanzen zu geben.

PvE
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Beitragvon PvE » 14.09.2010 19:26

Ja, das stimmt - nicht jeder Hund ist ein Dackel - nur was soll mir das jetzt sagen ? Du meinst das diese beiden "Ismen" nichts gemeinsam haben, also nicht von der gleichen Gattung sind ?

??!

Das eine (hier: Dackel) ist eine Teilmenge des anderen (hier: Hund) und ist deswegen nicht deckungsgleich, also nicht identisch damit. Bezogen auf die Ausgangsfrage: Prämillenialismus und Dispensationalismus sind eben keine austauschbaren Begriffe für ein und dieselbe Sache, wie Ebertshäuser offensichtlich annimmt.

Kannst du mir noch sagen was das "Alte" ist worauf du dich beziehst und wo genau Gemeinsamkeiten mit der römischen Kirchen Lehre sind ?


Das alte ist der historische Protestantismus, der nicht zwischen Israel und Gemeinde trennt, die AT-Prophetien nicht strikt-wortwörtlich auslegt und nicht die Einteilung der Schrift in - zumeist - 7 mehr oder weniger unabhängige Heilszeiten kennt.

Die Gemeinsamkeit ist lediglich die Tatsache, dass die Römische Kirche meines Wissens ebenfalls die amillenialistische Endzeit-Sicht hat.

Was Glaubt man bei euch, oder einfacher - was Glaubst du ?

Das kann man mit 3 Sätzen kaum wiedergeben, wird aber hier ganz gut beschrieben:

http://www.cprf.co.uk/languages/german_ ... dfaith.htm

Joel213
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Beitragvon Joel213 » 12.10.2010 12:34

Ich finde, das der Herr Erbertshäuser sich selber viel zu ernst nimmt und leider nur seinen Standpunkt als den allein Bibeltreuen vertritt. Grade in der Frage des korrekten Endzeitmodells ist es ein fataler Fehler nur seine Sichtweise der Dinge für wahr zu halten. Ich hab auch ein Modell das ich für wahr halte, aber ich wäre nicht überrascht wenn es doch anders käme. :lol:

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H.W.Deppe
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Beitragvon H.W.Deppe » 14.11.2010 16:43

Servant hat geschrieben:Wer stellt auch schon einen Pudel mit einem Hund gleich, oder einen Hund mit einem Dackel :) auf die Idee würde ich nicht mal kommen - ganz besonders wegen der folgenden Worte:
So hat der sog. Historische Prämillenialismus nichts mit Dispansationalismus zu tun.
Ich denke schon das ein Dackel etwas mit einem Hund zu tun hat.
Ja, der Dispensationalismus ist eine spezielle Unterspielart des Prämillenialismus.

Aber der *historische* Prämillenialismus ist ein ganz anderes, eigenständiges System.
Um beim Bild des Hundes zu bleiben: So wie man sagen kann, dass ein Dackel nichts mit einem Pudel zu tun hat, kann man auch (vllt. etwas überspitzt) sagen, dass der historische Prämill. nichts mit dem Dispensationalismus zu tun hat.

Ich kann nur bestätigen, dass der besagte Artikel von R. Ebertshäuser insgesamt doch sehr an Unterscheidungsvermögen vermissen lässt und stattdessen oberflächlich-pauschal und biblisch unreflektiert verurteilt.
"Der Prophet, der einen Traum hat, erzähle den Traum! Wer aber mein Wort hat, rede mein Wort in Wahrheit! Was hat das Stroh mit dem Korn gemeinsam? spricht der HERR." (Jer 23,28)
Lasst uns bei dem bleiben, was geschrieben steht! Sola Scriptura!


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