Genießer oder Sklave? – Die wahre Identität in Christus

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Joschie
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Genießer oder Sklave? – Die wahre Identität in Christus

Beitragvon Joschie » 07.12.2012 19:16

Hallo Ihr!

Die folgenden Zeilen sind ein Auszug aus den Beitrag von Thorsten Brenscheidt Genießer oder Sklave? – Die wahre Identität in Christus Die ich mit freundliche Genehmigung des Autors auszugsweise hier reinsetze. Die Fragestellung "Genießer oder Sklave" ist ja nicht wirklich neu. Ich denke unter anderem an das Buch da von Wolfhard Margies "Lust am Herrn" als ein Vertreter des Wohlstandsevangelium in Deutschland. Mich würde eure persönliche Meinung zu diesem Thema sehr interessieren!

Ein neuer Trend führt zu konträren Positionen

Unzählige Ratgeber, das Leben zu gestalten, überschwemmen den christlichen Büchermarkt. Dabei fällt auf, das ein neuer Schwerpunkt aus dem säkularen Wellness-Bereich übernommen wird, nämlich das Leben zu genießen, lustvoll und mit allen Sinnen. Auch Evangelikale werden jetzt dazu angeleitet, sich selbst zu verwöhnen, sich etwas Gutes zu tun und eben das Leben so richtig zu genießen. Nachfolgend sei zunächst vom Neuen Testament her untersucht, was dem Gläubigen zu seinem eigenen Leben bezüglich Selbstversorgung und Genuss geboten und verheißen ist. Welche Identität hat der Gläubige in Christus? Ist er ein Genießer seines Glaubens und Lebens oder ein Sklave seines HERRN? Diese beiden konträren Identitäten werden anschließend anhand zweier Publikationen untersucht, was zu aufschlussreichen Ergebnissen führt. Je weiter die Zeit vor der Wiederkunft Christi voranschreitet, desto schneller wird der christliche Glaube offenbar von Trends und Strömungen des Zeitgeistes beeinflusst und verändert. Diese pessimistische Grundsicht bezüglich der Endzeit teilen die meisten Bibelleser. Dazu nur zwei grundlegende Schriftstellen:
1. Timotheus 4,1:
„Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der
Dämonen zuwenden werden.“
[u]2. Thessalonischer 2,3:
„Lasst euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muss unbedingt zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Sünde
geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens.“



Was lehrt die Bibel zu Selbstversorgung und Genuss?

Aufgrund dieser warnenden Aussichten werden die Gläubigen in den Briefen der Apostel mehrfach zur Nüchternheit und Wachsamkeit gerufen. Doch bereits in den Evangelien wird vom HERRN Jesus selbst der Grund gelegt, was einen Christen bezüglich seiner Prioritäten und seiner Selbstsicht einschließlich Versorgung und Genuss ausmacht.
Lukas 21,34-36:
„Habt aber acht auf euch selbst, dass eure Herzen nicht beschwert werden durch Rausch und Trunkenheit und Sorgen des Lebens, und jener Tag unversehens über euch kommt! Denn wie ein Fallstrick wird er über alle kommen, die auf dem ganzen Erdboden wohnen. Darum wacht jederzeit und bittet, dass ihr gewürdigt werdet, diesem allem zu entfliehen, was geschehen soll, und vor dem Sohn des Menschen zu stehen!“:

Dieses Achthaben auf sich selbst ist dem Gläubigen für die Endzeit geboten. Es ist nicht geboten, das Leben zu genießen, sondern – ganz im Gegenteil – sich nicht zum einen durch übermäßigen Genuss und zum anderen durch Sorgen beherrschen zu lassen. Stattdessen ist nüchterne Wachsamkeit geboten. Dieses Wachen lenkt die Aufmerksamkeit auf geistliche Belange, während das Genießen auf irdische Belange zielt. Der Gläubige steht vor der Frage: Wem will ich dienen? Gott und seinem Reich oder mir selbst und der Welt? Matthäus 6,24: „Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!“ Das hier erwähnte „dienen“ (altgr.: douleuw) impliziert nicht die Möglichkeit einer freien Wahl, wofür man sich entscheiden kann, sondern deutet auf Unterwerfung hin. Wer dem Mammon dient, tut dies als Gebundener, wie ein Knecht oder Sklave. Er wird von ihm beherrscht. Der nach Genuss Strebende dient seinen Lüsten und Vergnügungen. Der Apostel Paulus greift diesen Zustand auf in Titus 3,3a: „Denn auch wir waren einst unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, dienten mannigfachen Lüsten und Vergnügungen.“: Es fällt auf, dass Paulus hier die Vergangenheit so negativ beschreibt, dass die ganze Lebensweise abzulehnen ist, denn damit „gingen (wir) in die Irre“. Auch werden keine konkreten sündhaften Vergnügungen genannt; es wird vielmehr allgemein gehalten, da der ganze Lebensstil ungeistlich ist. In Matthäus 6,32 wird deutlich, dass dies das Kennzeichen der Ungläubigen ist: „Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt.“ Sicherlich benötigen auch Gläubige eine irdische und materielle Versorgung, aber sie sollen nicht selber dafür sorgen, sondern sich versorgen lassen. Matthäus 6,33: „Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!“

Christof Lenzen: „Glauben genießen“

Nachfolgend ein Beispiel eines Plädoyers für ein genussorientiertes Christsein. Christof Lenzen ist Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde Eschweiler und schrieb 2008 das Buch „Glauben genießen. Eine kulinarische Reise zu einem authentischen Christsein“. Darin behandelt er folgendes Problem: „Statt mit allen Sinnen zu glauben, denken viele Christen, das Leben mit Jesus bestehe vor allem aus Entbehrung, Leid und mühevoller Disziplin. Doch der Glaube an Jesus Christus ist das Beste, was einem Menschen passieren kann. Er ist eine Bereicherung unseres Alltags und führt zu mehr Lebensgenuss.“ Das, was Lenzen beschreibt, woraus „das Leben mit Jesus bestehe“, ist eigentlich eine nachvollziehbare Zusammenfassung bekannter Schriftstellen zu Kreuzesnachfolge und Jüngerschaft beim Apostel Paulus und beim HERRN Jesus selbst. Aber es stellt für Lenzen ein Problem dar, denn eigentlich führe der Glaube „zu mehr Lebensgenuss“

Darf Gott Gehorsam fordern?

Dies ist eine entscheidende Frage zur Klärung, auf welcher Ebene die Beziehung zwischen Gott und Mensch besteht. Ist es eine Beziehung auf Augenhöhe mit Gott als bloßem Freund, Kumpel oder Partner? Oder ist Gott wirklich höher als der Mensch, der als HERR über ihm steht, Anbetung verdient und auch Gehorsam fordern darf? „Wenn jemand behauptet, Sie müssten jeden Morgen beten und Bibel lesen, und Sie quält das und es raubt Ihnen die Freude, weil Sie ständig daran scheitern, dann streifen Sie dieses Gebot ab, es dient nicht der Beziehung zu Jesus, sondern behindert sie.“ Herausforderungen zu geistlichem Gehorsam und Disziplin gilt es also abzulehnen. Wenn alle Gebote nur dem Menschen zu dienen haben, dienen sie damit lediglich seinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen, so wie er sich eben selber Christsein vorstellt. Wenn der Mensch Gott keinen Gehorsam mehr leistet, dient er letztendlich nicht mehr einem Herrn, sondern Gott dient dem Menschen. Er ist nun selber Herr, weil es nach seinen Vorstellungen geht und gebraucht bzw. missbraucht Gott für ein angenehmes Leben. Gott wird nicht zum Herrn des Menschen, sondern der Mensch wird zum Herrn über Gott – eine völlige Umkehrung der biblischen Grundlagen. Das erste der Zehn Gebote „Ich bin der Herr, dein Gott.“ (Ex20,2a) wird so zum „Ich bin der Herr, mein Gott.“ pervertiert.

John MacArthur: „Sklave Christi“

In eine ganz andere Richtung geht John MacArthur, Pastor der Grace Community Church in Sun Valley, Kalifornien (USA), mit seinem Buch „Sklave Christi. Die unterschlagene Wahrheit über deine Identität in Christus“. Dem Autor fiel auf, dass das griechische Wort für „Sklave“ seit Jahrhunderten lediglich mit „Diener“ oder „Knecht“ übersetzt wurde. Der Grund lag darin, dass mit einem Sklaven ein in Ketten oder im Gefängnis Gefangener assoziiert wurde, der in einem ungerechten System unterdrückt wurde. Die mildere Bezeichnung hatte jedoch zur Folge, dass ein falsches Verständnis vorliegt, das die Beziehung des Gläubigen zu Gott beeinträchtigt. MacArthur beschreibt den Missstand und seine Auswirkungen treffend: „Heute hören wir in den Gemeinden nicht mehr viel von diesem Begriff und seiner Bedeutung. Die heutige Christenheit benutzt Ausdrücke wie ‚Sklave’ nicht mehr. Stattdessen wird von Erfolg, Gesundheit, Wohlstand und Glück geredet.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Gast

Beitragvon Gast » 08.12.2012 15:37

Gal. 4

4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,
5 damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.
6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!
7 So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Dein Beispiel zeigt meiner Meinung nach hervorragend, wie man auf beiden Seiten vom Pferd fallen kann. Wir sind Kinder Gottes - das verpflichtet zum Gehorsam (doch ohne Sklave zu sein) und bietet uns einen ewigen Genuß, in Gottes Gegenwart sein zu dürfen.

Servant
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Beitragvon Servant » 08.12.2012 22:17

Das ist wirklich ein schönes Thema.

Einmal durch den Glauben, das Werk des Herrn Jesus Christus- Kind Gottes geworden zu sein und so in die Gemeinschaft mit den Vater gekommen - IHN jetzt seinen eigenen Vater nennen zu dürfen - und dennoch ist man gleichzeig Eigentum des Herrn Jesus Christus geworden (Das drückt das Wort Sklave Christi aus), man gehört sich in eben nicht selbst. :)

Das macht doch echt Froh :) Jesus Christus zu gehören ...
1. Korinther 15,50 - wie kommt man dort hinein? Johannes Ev. 3,1-18; Joh. 12, 44f; 1.Thes. 1, 9.10

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 09.12.2012 18:44

Hallo Ihr!
Thorsten Brenscheidt geht in seinen Beitrag "Genießer oder Sklave"?, auf das Buch von John MacArthur: „Sklave Christi“ ein. Um zu verstehen was John MacArthur mit „Sklave Christi“ versteht ist es mit Sicherheit hilfreich, dieses Buch gelesen zu haben. Das erste Kapitel von diesem Buch kann man hier lesen. Ich habe ein paar Exemplare von diesem Buch zu verschenken, wer ein Exemplar gerne habe möchte melde sich bitte per P.N. bei mir.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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