Christin verhaftet wegen Schulboykott

Aktuelle Entwicklungen und Vorkommnisse in der Christenheit

Moderatoren: Jörg, Der Pilgrim

MichaelM
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Beitragvon MichaelM » 30.04.2005 19:10

Abgelehnt.
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joasch
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Beitragvon joasch » 30.04.2005 21:52

MichaelM hat geschrieben:Oft habe ich den Eindruck, deutsche Abiturienten kommen selten über das Niveau eines Kaspar Hausers hinaus
Aber, aber: das ist eine Beleidigung für Kaspar Hauser! Nachdem er bei einer Pflegefamilie untergekommen war, hat er nicht nur Sprechen, Lesen und Schreiben, sondern sogar Latein gelernt (per Homeschooling! :mrgreen: ). All das können heute selbst die meisten deutschen Abiturienten nicht. :lol:

Nun, Spaß beiseite: Ich denke, hier wurde und wird von beiden Seiten übertrieben. Am Märchen „König Drosselbart“ ist nun wirklich nichts Schlimmes. Es ist (im Gegensatz zu den meisten anderen Grimmschen Märchen, die voller Okkultem und anderem Bösen sind) nicht nur harmlos, sondern hat sogar eine Aussage, die man als Christ nur unterstützen kann, nämlich daß man demütig sein und Menschen nicht wegen ihres Aussehens verspotten soll. Daß die betreffenden Eltern ihre Kinder nicht zu einer solchen Theatervorstellung gehen lassen wollten, verwundert mich. Vielleicht sind sie der Meinung, jegliche Theatervorstellung sei Sünde. Manche Fromme neigen ja sehr zu Übertreibungen und Schwarz-Weiß-Malerei – man sehe sich nur einige Beiträge hier an...

Andererseits halte ich aber auch die Reaktion der Behörden für völlig überzogen und unverhältnismäßig. Die Vorschriften, nach denen ein Bußgeld verhängt wurde, sind immerhin für solche Fälle gedacht, in denen Eltern ihre Kinder vernachlässigen und ungestraft die Schule schwänzen lassen. Das ist hier ja wohl nicht der Fall; vielmehr haben die Eltern aus Sorge um ihre Kinder so gehandelt (was nicht heißt, daß ihr Verhalten deshalb richtig war). Toleranz und Fingerspitzengefühl seitens der Behörden hätte hier bestimmt mehr geholfen als alle Hysterie, durch die der Fall nur unnötig hochgeschaukelt wurde.


Joachim
Zuletzt geändert von joasch am 03.05.2005 16:37, insgesamt 1-mal geändert.

Antipas
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Rechtsweg

Beitragvon Antipas » 30.04.2005 21:58

@Rolf
Ich weiß nicht ob diese konkreten Familien den Rechtsweg beschritten haben, allerdings haben viele Homeschooler wie wir auch versucht den Rechtsweg zu beschreiten. Leider waren unsere Erfahrungen in der Vergangenheit, bis auf wenige Ausnahmen, durch die Bank weg negativ. Man mußte erleben, daß die rechtlich hervorragenden Argumente einfach nicht gewürdigt wurden. Im Fall der Familie Bauer in Hessen etwa wurde durchaus vom Gericht anerkannt, daß die sogenannte Sexualerziehung in den Schulen durchaus "hart grenzwertige" Fälle aufweise (also ziemlich brutal ist) man dies aber dennoch hinzunehmen habe. Mit anderen Worten die Gewissensfreiheit gilt nichts mehr. Da kann ein Atheist sich zwar am Kreuz im bayerischen Klassenzimmer gestört fühlen und bekommt Recht, ein Kind aus gläubigem Elternhaus kann aber z.B. nicht verweigern mit schamlosen sexualaufklärerischen Materialien und Unterrichtsinhalten konfrontiert zu werden. In unserem eigenen Verfahren etwa zeigte sich die Richterin sichtlich überfordert von der Materie und folgte ohne eigenes Argumentieren dem Plädoyer des Staatsanwaltes. Die Gerichte sind heute dermaßen von der herrschenden Meinung des Zeitgeistes und der Politik abhängig geworden, daß man leider keine vernünftige Rechtssprechung von ihnen mehr erwarten kann. Ein Richter in Paderborn, der eine rußlanddeutsche Familie, der man das Sorgerecht entziehen will, aufsuchte, antwortete unserer Rechtsanwältin nur auf deren Hinweise auf die Rechtslage sinngemäß: "Ach Frau.... jetzt hören sie mir doch mal auf mit ihren Gesetzen."

@Michael
Du hast die Situation sehr treffend und richtig erfasst.

Jörg

Michael Pieper
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an MichaelM

Beitragvon Michael Pieper » 01.05.2005 13:52

Hallo Michael M,

was ist Dein Problem mit Römer 13? Meinst Du der Teil der Schrift ist nicht inspiriert (?) oder eben für Deutsche nicht mehr gültig? Wie interpretierst Du das denn?


MP

Michael Pieper
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Georg Müller Schule

Beitragvon Michael Pieper » 01.05.2005 14:06

Hallo zusammen,

noch eine Frage.

Wenn die Eltern sich so sehr um die Ausbildung Ihrer Kinder sorgen, wäre es dann nicht wichtig zu versuchen, die Kinder auf die christliche Schule (GMS) Bielefeld zu schicken? Es gibt viele Kinder aus Schloß-Holte in der GMS - technisch ist das überhaupt kein Problem. Man muss sich nur drum kümmern. Ich selbst habe 5 Kinder - 3 davon bereits auf der GMS.

LG

MP

MichaelM
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Beitragvon MichaelM » 01.05.2005 14:41

Abgelehnt.
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Antipas
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Römer 13

Beitragvon Antipas » 01.05.2005 16:38

@Michael
Deinem Beitrag ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Ich finde auch daß die falsche Obrigkeitshörigkeit, die mit Röm. 13 begründet wird sehr gefährlich ist. In Römer 13 steht doch sehr klar:
Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr erhalten. 4Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst: sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut.
Ihr Auftrag ist also das Gute zu lohnen und das Böse zu strafen. Wo dies aber nicht mehr gegeben ist und in der Praxis das Gegenteil passiert gilt für uns umso mehr das Gebot aus der Apostelgeschichte "Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen"
Ich möchte hier eine Passage zitieren, die ich an einen Herrn Schneider vom Baptistenbund geschrieben habe. Dieser meinte sich pflichtschuldigst von seinen rußlanddeutschen Glaubensgeschwistern distanzieren zu müssen um seinen vermeintlich guten Ruf nicht zu verlieren. Er gab sich erschrocken darüber das angeblich geltendes Recht verletzt würde. Ich schrieb ihm unter anderem:
Sie zeigen sich weiterhin erschrocken, daß "geltendes Recht" gebrochen wurde. Was ist denn, Herr Schneider, wenn geltendes Recht zum Unrecht wird? Hätten die ersten Christen geltendes Recht eingehalten und den Namen Jesu nicht verkündet wären sie wohl kaum geschlagen und eingesperrt worden, die Christen zu Neros Zeiten wären nicht in den Arenen von den Bestien zerfleischt worden, die Christen im 3. Reich wären nicht ins KZ oder den Untergrund gegangen, in der Sowjetunion wären sie nicht zu jahrlanger Lagerhaft oder psychatrischer Anstalt verurteilt worden. Ja Christen wären durch die ganzen Jahrhunderte eigentlich überhaupt nicht verfolgt worden, hätten sie sich an das jeweilige geltende Recht gehalten. Das "geltende Recht" ist immer nur so gut oder so schlecht wie die jeweilige herrschende politische Klasse, es spiegelt immer die jeweilige Meinung des Zeitgeistes wider. Was heute noch Recht ist, kann morgen schon Unrecht sein, denken Sie an die NS Rassegesetze, an die Gesetzgebung zur Abtreibung und manches mehr. Hier brauchen wir schon einen festeren, tragfähigeren Grund als die wankelmütigen menschlichen Gesetze. Daher gilt für Christen die Maxime aus der Apostelgeschichte: "Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen."
Wenn sich der Staat heute anmaßt den Eltern ihr gottgegebenes und vom Grundgesetz garantiertes Erziehungsrecht zu nehmen und die Kinder stattdessen vom Staat ideologisch indoktriniert werden sollen (z.B. auf dem Gebiet der Sexualerziehung) dann ist das vielleicht auf dem Papier noch "geltendes Recht", nach dem Gesetz Gottes ist es schreiendes Unrecht.
Daher sind bekennende Christen zuerst dem Gesetz Gottes verpflichtet und dem menschlich-staatlichen Gesetz nur insoweit, wie es nicht gegen das Wort Gottes verstösst.
Soweit mein Schreiben. Eine Antwort darauf habe ich allerdings bis heute nicht erhalten.

Michael Pieper
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Was ist das schlimme an König Drosselbart?

Beitragvon Michael Pieper » 01.05.2005 20:16

Hallo zusammen,

wenn meine Kinder ins Theater gingen, um König Drosselbart zu sehen hätte ich keine Probleme damit. Ich habe mir das Märchen einmal durchgelesen und find da nichts, wovor ich meine Kinder schützen müsste bzw. was konträr zur Bibel wäre. Die Moral dieses Märchens "niemanden nach seinem Äußeren zu verurteilen" ist doch nicht schlecht.

Man kann es unter http://www.koenig-drosselbart.de/ finden. Jedenfalls kann ich nicht verstehen, dafür ins Gefängnis zu gehen. Man kann diesen Fall auch nicht auf eine Ebene stellen mit den Martyrern, die um des Evangeliums willen Leid ertragen haben. Damit schmälert man deren Werk.

LG

MP

joasch
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Beitragvon joasch » 01.05.2005 20:23

Hallo,

damit Ihr Euch mal ein Bild machen könnt, was in der „Neuen Westfälischen“stand, hier die Links zu den Artikeln.

Joachim

Paderborn: Landrat droht mit Zwang (19.04.2005)
http://www.nw-news.de/nw/news/owl_/_nrw/?cnt=447204

Paderborn: Ein Fall für den Generalbundesanwalt (20.04.2005)
http://www.nw-news.de/nw/news/owl_/_nrw/?cnt=447955

Schloss Holte: Schulverweigerin in Haft (20.04.2005)
http://www.nw-news.de/nw/news/owl_/_nrw/?cnt=449226

Bielefeld: Baptisten um Ruf besorgt (21.04.2005)
http://www.nw-news.de/nw/news/owl_/_nrw/?cnt=451459

Schloss Holte: Härte im Schul-Boykott: Mutter sechs Tage in Haft (21.04.2005)
http://www.nw-news.de/nw/news/owl_/_nrw/?cnt=449803
Zuletzt geändert von joasch am 01.05.2005 20:24, insgesamt 1-mal geändert.

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Theater

Beitragvon Antipas » 01.05.2005 20:24

@Michael
Es mag sein daß König Drosselbart an sich harmlos ist. Aber das ist doch nicht das entscheidende. Entscheidend ist meines Erachtens, daß man die Freiheit des Gewissens und Glaubens nicht mehr achtet. Wenn diese rußlanddeutschen Christen sich in ihrem Gewissen befleckt sehen, wenn sie oder ihre Kinder ins Theater gehen, dann muß man das respektieren, auch wenn man es selbst vielleicht anders sieht. Entschiedene Christen haben früher eigentlich immer weltliche Vergnügungsstätten wie Kino, Theater, Tanz, etc. gemieden. Das gilt noch bei den Rußlanddeutschen Aussiedlergemeinden. Wir haben uns leider heute weitestgehend daran gewöhnt. Ob das so gut ist wage ich zu bezweiflen. Aber selbst wenn an diesem Märchen konkret nichts auszusetzen ist, sollte man doch das engere Gewissen eines Bruders respektieren und ihnen nicht ein Ärgernis sein. Im übrigen was ist denn, wenn wir gezwungen werden unsere Kinder am Sexualkundeunterricht teilnehmen zu lassen, vielleicht noch wo abartige Sexualpraktiken, Homosexualität und freizügiger Sex positiv dargestellt werden? Wenn man dann auch Bußgelder bekommt (auch schon dagewesen) und am Ende ins Gefängnis wandert? Wehret den Anfängen sage ich dazu nur. Ein solcher Zwang der heute ausgeübt wird gegen alle die nicht mit dem herrschenden Zeitgeist mitschwimmen ist beängstigend und zutiefst antichristlich.

ecki
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Beitragvon ecki » 01.05.2005 20:27

Die blinde Staatshörigkeit vieler Christen erstaunt mich immer wieder
@Michael M

Ja klar. Wie sieht es denn mit den Leuten aus, die jede Woch vom selben Staat ihre Wohlfahrt abholen? Manche sind da plötzlich ganz Staatshörig gelle? :mrgreen:
Zuletzt geändert von ecki am 01.05.2005 20:38, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Antipas » 01.05.2005 20:28

@joasch
Allerdings sind die Artikel in der NW ziemlich hetzerisch und sind eindeutig gegen die rußlanddeutschen Geschwister gerichtet. Bitte macht Euch auch ein Bild von der Stellungnahme der Philadelphia-Schule unter

http://www.philadelphia-schule.de/html/paderborn.html

Michael Pieper
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Beitragvon Michael Pieper » 01.05.2005 20:56

@antipas

für mich ist das schon entscheidend. (Ich finde es ehrlich gesagt schon ein wenig lächerlich für König Drosselbart 6 Tage ins Gefängnis zu gehen.) Ich denke die Richtlinen nach denen wir uns den obrigkeitlichen Gewalten verweigern dürfen stehen in Gottes Wort und nicht in meiner "subjektiven" Wahrnehmung der Welt um mich herum. Dann wird ja jeder nur seinem Gewissen gegenüber Verantwortung tragen, so wie er es für richtig hält.

Viel größere Probleme habe ich auch noch damit, wenn man sich überlegt, wo so etwas enden kann. Ist das denn etwas, was ich als erziehungsberechtigter verantworten kann. Hier geht es schliesslich um das Wohl des Kindes.

Michael

P.S. abusus non tollit usum (der Mißbrauch hebt den Gebrauch nicht auf) der Mißbrauch staatlicher Gewalt durch z.B. die Nazis heißt für mich jetzt nicht, dass der biblische Grundsatz heute nicht mehr gilt. Auflehnung gegen die Obrigkeit ist Auflehnung gegen Gott. Wenn ich auch nicht glaube, dass unsere Regierung gottesfürchtig ist, so hindert sie mich nicht meine Kinder nach christlichen/biblischen Grundsätzen zu erziehen und das Evangelium zu verkündigen.

joasch
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Beitragvon joasch » 01.05.2005 21:05

Hallo Antipas,

Du schreibst:
Allerdings sind die Artikel in der NW ziemlich hetzerisch und sind eindeutig gegen die rußlanddeutschen Geschwister gerichtet.
Ich hab ja nicht geschrieben, daß sie ausgewogen seien, sondern:
damit Ihr Euch mal ein Bild machen könnt, was in der „Neuen Westfälischen“stand
Ich denke zumindest, daß man die Fälle Paderborn und Schloß Holte-Stukenbrock schon differenzieren sollte.

Liebe Grüße
Joachim

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Beitragvon MichaelM » 01.05.2005 21:35

Abgelehnt.
Zuletzt geändert von MichaelM am 22.11.2005 18:46, insgesamt 1-mal geändert.


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