Der neue Calvinismus

Aktuelle Entwicklungen und Vorkommnisse in der Christenheit

Moderatoren: Jörg, Der Pilgrim

Gast

Beitragvon Gast » 12.06.2009 09:57

Hallo Lutz,
ein paar Anmerkungen zu Deinem letzten posting:

"Außerdem bedarf es dazu auch der geübten Sinne der Unterscheidung."
Genau- aber das ist keine Funktion irgendwelcher "besonderer" Brüder, sondern die des hl. Geistes, der ja im Gläubigen wirkt. Zwar ist Manchem die Unterscheidung der Geister gegeben, aber es heißt auch: Meine Schafe hören meine Stimme..., das ist die Fähigkeit zur Diskriminierung fremder Stimmen von der des guten Hirten in den Schafen, die IHM gehören. Ich plädiere für eine Erziehung zur geistlichen Mündigkeit und nicht primär zum Übernehmen von statements der "Lehrer seines Vertrauens". Das heißt, daß man sich selbst ein Bild macht, bevor man ins selbe Horn bläst. Im Übrigen bin ich auch sehr dankbar für solide Information und Warnung von Hirten der Gemeinde. Ich mache es mir allerdings zur Angewohnheit, diese so gut es geht zu prüfen. Benedikt Peters hat einen soliden Artikel über die EC-Bewegung geschrieben. Man findet dort viele Selbstaussagen von deren Vertretern, über die man im internet auf weitere Aussagen stoßen kann.

"Ich bin froh über partielle seriöse Spezialisten mit Durchblick."
Würdest Du MacArthur oder Dever als unseriös bezeichnen? Sind sie solche, die Weltlichkeit nicht erkennen oder keinen "Durchblick" haben?Oder ist Ebertshäuser seriös? Dann haben wir tatsächlich eine divergente Wahrnehmung. Wir haben keine "Spezialisten" für Geistesunterscheidung. (s.o). Wir können die Sorge und die Warnung von Brüdern hören, müssen es aber selbst prüfen und urteilen. Und das beinhaltet eben eine Auseinandersetzung mit dem Thema: wer warnt wovor und warum? Entspricht die Darstellung der Realität, ist sie vielleicht übertrieben oder verzerrt? Wird hier etwas suggeriert? etc.pp.

"Weil ihre bewiesenen Behauptungen jeder Prüfung (besonders durch Gegner) standgehalten haben!"
Dazu müßte man ihre Behauptungen kennen. Falls Du u.a. Herrn Eb. meinst: dessen Behauptungen über den T.R. und die Bibelkritik wurde vom Bibelbund geprüft und größtenteils verworfen. Wer sich hier so verrennt, dem traue ich auch weniger in seiner Beurteilung anderer Zeitströmungen, wiewohl ich mich auch keiner Warnung a priori verschließen darf (denn in Vielem haben die Brüder ja m.E. recht). Aber das führt vom Thema weg.

"D. h. aber nicht, dass es uns nichts zu sagen hätte. "
Dem stimme ich zu.

M.

P.S.: meine Hartnäckigkeit ist auf die momentane Lektüre von Graf-Stuhlhofers Büchern zurückzuführen: "Christliche Bücher kritisch lesen" sowie "Das ende naht- die Irrtümer der endzeitspezialisten" (Danke JOSCHIE!). Er plädiert für genaue Analyse von Argumenten und Aussagen, gerade im "eigenen" Lager, weil hier oft unkritischer übernommen wird, was einer genauen Analyse der Fakten nicht standhält.

lutz
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Beitragvon lutz » 12.06.2009 15:42

Hallo Mephiboscheth,

der Name von Herrn Ebertshäuser ist nur als Quellenangabe für ein spezielles Zitat von Peter Masters verwendet. Es gab einfach keine andere.

Eigentlich begreife ich den Umgang mit diesem Beitrag nicht.
Peter Masters (Lager der calvinistischen Lehre) kritisiert ins Lager der calvinistischen Lehre hinein.
Vielleicht ist es gerade sein Anliegen der Leichtgläubigkeit im eigenen Lager abzuhelfen.
Ist doch möglich, dass sich viele an bekannten Namen orientieren und wenn da keine Probleme im Umgang mit bestimmten Methoden herrschen ... folgen viele unüberlegt.

Die Beweislage ist dürftig. (Aber es ist ein Einzelbeitrag und ich weiß nicht ob Peter Masters an anderer Stelle ausführlicher ist oder auf Ausführlicheres verweist.)
Die Frage ist doch: Was mache ich nun mit Kritik aus dem eigenen Lager ins eigene Lager hinein?
Ich kann es abschmettern, wegen der dürftigen Beweise, wegen der Empfindung von Übertreibung ...
Ich kann dem aber auch nachgehen und dabei muss es sich nicht in erster Linie um andere Personen handeln - ich kann dem nachgehen, um letztlich auch mein eigenes Glaubenssystem zu überprüfen.
(Was hat Charismatik mit meiner Lehre gemein? Welche Anknüpfungspunkte habe ich? Wie hoch ist denn mein Vermischungsgrad mit weltlichen Ansätzen zu arbeiten? Was ist eigentlich so dramatisch an der Sache? ...)

Ich bevorzuge letztere Variante und sehe darin auch kein kontra zu Herrn Stuhlhofer.
Lutz

PS: Ich stelle gerade fest, dass ich ja die Bücher von Dr. Peter Masters zum Thema "Anbetung" vergessen habe. Es ist also eigentlich gar nicht nötig, dass er in seinem Einzelbeitrag detailliert wiederholt, was er anderweitig bereits ausgeführt hat.

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Beitragvon Joschie » 13.06.2009 10:46

Hallo Ihr :!:
Wer gehört zu den charismatische Calvinisten ? Was versteht ihr unter charismatische :?:
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

lutz
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Beitragvon lutz » 13.06.2009 18:00

Hallo Joschie,

was ist charismatisch?
Darüber kann man Bücher schreiben ...
Deshalb versuche ich es mal anders und konzentriere mich dabei auf einen Aspekt.

Die Frage, die ich mir da stelle, ist zum Beispiel:
Welchen Stellenwert haben Erfahrungen und Erlebnisse?
Ich möchte Gott erfahren und erleben, irgendwie ein mehr an "übernatürlicher Nähe", etwas direkt Göttliches von außen.
Andersherum möchte ich wissen, ob Gott in mir ist. Ich möchte einen wahrhaft göttlichen Impuls für dies und das ..., irgendetwas Reines, Göttliches, das aus mir dann herauskommen kann.
Das Ganze brauche ich, um mir und anderen zu beweisen, dass ich ein Kind Gottes bin, dass ich auch zu den "Geistlichen" gehöre, ein wirklich "geisterfülltes Leben" habe und wahrhaft "Ströme des lebendigen Wassers aus mir heraus fließen".
Ich möchte meinem Gott ganz nahe sein - IHM ganz besonders zu Diensten stehen, von IHM in besonderer Weise gebraucht werden ...
Dazu möchte ich mich stimulieren lassen ...
Das muss doch die Anderen anziehen, das muss doch die Welt verändern, das muss doch Auswirkungen haben ...

Nun könnte ich fragen, was daran so verwerflich ist?
Wieso wird davor mitunter sehr dramatisch gewarnt? Was ist denn so schlimm?
Wieso gibt es das Phänomen, das Peter Masters beschreibt?
(Ich erinnere noch einmal, bei Peter Masters geht es eher um die Richtung:
gesunde Lehre - stimulierende Praktiken mit guter Lehre vermischt - nach einer gewissen Zeit Lehrveränderung,
wenn ich es jetzt richtig verstanden habe.)

Und in der Beantwortung dieser Fragen stehe ich am Anfang und habe erst einmal eine gute Grundlage zum Nachdenken bei Bernhard Kaiser (Schwärmerei und Gottesunmittelbarkeit) und bei Ronald Senk (Innewohnung des heiligen Geistes).
Auch von der Betanienkonferenz erhoffe ich Tiefgang.

Mein ganz persönlicher Eindruck ist der, dass diesem Problem oft nur über das Aufzeigen der Gesetzesverstöße und dem Suchen nach adäquaten äußerlichen Regeln begegnet wird.
Ich denke, dies greift nicht ausreichend.

Lutz

Gast

Beitragvon Gast » 15.06.2009 14:01

Hallo Alle
ich finde, die Diskussion wird mit der aufgeworfenen Frage nach dem "Erleben" Gottes richtig interessant. Wäre es möglich, da ein neues thema aufzumachen ?

Kann man Gott neben seiner Wortoffenbarung überhaupt erleben?
Soll man sich nach Erlebnissen oder Erfahrungen mit Gott sehnen und ausstrecken?
Gibt es eine neue Natur in uns und wie ist diese beschaffen ("AlterMensch-neuer Mensch", Geist-Fleisch)? Ist "Christus in uns" etwas göttliches?
Kaiser scheint mir mit seinem Buch auf eine theologische Strömung zu reagieren und ein Gegengewicht weg von der Subjektivität des "ich habe erlebt", "Ich habe mich entschieden" hin in Richtung "Wort-Glaube" zu schaffen.
gruß
M.

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Beitragvon Joschie » 15.06.2009 15:29

Welchen Titel schlägst du vor :?: :idea:
Liebe Grüße Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Gast

Beitragvon Gast » 15.06.2009 15:54

Hi Joschie,
wie wäre es mit
Welchen Stellenwert haben Erfahrungen und Erlebnisse?
Schwärmerei und Gottesunmittelbarkeit
Innewohnung des heiligen Geistes
Gruß
M.

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Beitragvon Joschie » 19.06.2009 10:34

Ich habe folgenden Artikel gefunden:
Calvinismus und Weltlichkeit - bzw. "richtig reformiert"?
Peter Masters hat in Sword and Trowel einen Artikel mit dem Titel The Merger of Calvinism with Worldliness verfasst. Dazu habe ich folgende Gedanken:

Dr. Masters hat den Mut, die Dinge zu sagen, wie er sie sieht, ohne Angst vor einer allfälligen 'political uncorrectness' zu haben.
Vieles, das er in diesem Artikel ankreidet, ist es wert, hinterfragt und korrigiert zu werden.
Dennoch beschleicht mich das ungute Gefühl, dass Dr. Masters hier dasselbe tut, das er (z.T. mit Recht) Mark Driscoll vorwirft. Dass er nämlich das Evangelium kulturell kontextualisiert. Nur dass er es nicht der Kultur der heutigen 'Welt' anpasst, sondern derjenigen vor unserer Zeit. Ist er damit nicht selbst ein Bisschen 'weltlich'? Manchmal habe ich den Eindruck, dass er wahres Christentum mit einer bestimmten 'christlichen Kultur' gleichsetzt, die ihm am meisten behagt.
Ich gebe aber dennoch zu, dass ich selber manchmal auch etwas Mühe habe mit den Bemühungen, alle möglichen geistlichen Bewegungen, die sich in einem schmalen Bereich an Calvinistische Überzeugungen anlehnen, gleich ins Refomierte Camp einzuordnen und zu umarmen. Manchmal ist es vielleicht weiser, wenn man etwas wartet, bevor man etwas preist... dennoch würde es Dr. Masters vielleicht gut anstehen, etwas mehr die Qualitäten eines C.J. Mahaney oder Mark Driscoll und einiger jüngerer Proponenten zu würdigen. Da gibt es doch einiges, was beachtenswert ist.

Diese Männer sind - wie die meisten von uns - nicht ihr Leben lang reformiert gewesen. Nach Dr. Masters' grossem Vorbild Charles Spurgeon werden wir ja alle als Arminianer geboren. Wir gingen einen Weg, bevor wir all die wichtigen biblischen Wahrheiten, die im Reformierten Glauben zusammengefasst sind, entdeckten und erkannten.
Wenn man nun einen Zaun um das "richtig reformiert", bzw. "richtig calvinistisch" macht, indem man alle anderen draussen hält, die nicht die eigene Sichtweise in Allem teilen, wird man niemanden mehr gewinnen. Aber genau das wollen wir doch. Wir wollen doch, dass die wunderbaren Lehren von der souveränen Gnade Gottes, von seinem Bund, von dem Gebrauch der Gnadenmittel, der Zentralität Christi, der Allgenugsamkeit des Wortes Gottes, usw., allen zugänglich werden.
Wir sollten uns freuen, wenn eine ganze Reihe Mittzwanziger sich für diese Wahrheiten öffnen, sie annehmen und sie sogar in ihren Kreisen (die dann eben vorerst noch nicht davon geprägt sind) propagieren. Denn die Lehren der souveränen Gnade haben eine Kraft, die reformiert. Auch bei den meisten von uns älteren Hasen hat sich das ja bewährt. Wir müssen den Leuten Zeit geben. Wenn sie sich wirklich für die alten refomierten Theologen öffnen, wird sich vieles in ihrer Theologie und Praxis ordnen. So dass sie dann irgendwann auch "richtig reformiert" sind. In der Zwischenzeit können wir uns selber ja immer wieder fragen, ob wir denn noch richtig reformiert sind. Ob wirklich unser ganzes Leben und Denken von der Schrift geprägt (re-formiert) wird.
Und wenn einige Zeit vergangen ist, dürfen wir vielleicht auch noch erleben, dass Peter Master ganz reformiert wird und die Taufe der Bundeskinder anerkennt ;-)
.
Gepostet von Kurt Vetterli unter 08:52 1 Kommentare
Labels: Evangelikalismus, Zeitgeschehen
Quelle: http://kvetterli.blogspot.com/
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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