Die Schatzkammer Davids von C.H. Spurgeon

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Matze7443
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Die Schatzkammer Davids von C.H. Spurgeon

Beitragvon Matze7443 » 22.04.2017 19:07

Hallo liebe Geschwister

Ich möchte mich nun einer neuen Aufgaben widmen und hier von C.H. Spurgeon ein besonderes Werk von ihm hineinstellen, woran er über 20 Jahre gearbeitet hatte. Spurgeon legte die Psalmen aus, Vers für Vers und das möchte ich auch tun, seine Auslegungen zu zeigen. Sie sind mir sehr kostbar geworden und dies möchte ich mit euch teilen. Mögen sie auch euch sehr kostbar werden.




Der 1. Psalm

Inhalt.
Wir können diesem Psalm die Überschrift das Vorwort geben, da gewissermaßen der Inhalt des ganzen Psalters darin angezeigt ist. Es liegt dem Psalmisten am Herzen, uns den Weg zu der wahren Glückseligkeit zu lehren und vor dem sicheren Untergang der Sünder zu warnen; und eben dies ist der Gegenstand des ersten Psalms, der so gleichsam als der Text gelten kann, wozu der ganze Psalter die göttliche Predigt bildet.

Einteilung.
Der Psalm besteht aus zwei Teilen. In dem ersten (V. 1-3) führt der Dichter aus, worin die Glückseligkeit des Frommen besteht, womit er sich beschäftigt und was für Segnungen er vom Herrn empfängt. In der zweiten Hälfte (V. 4-6) stellt er demgegenüber den Zustand und die Beschaffenheit des Gottlosen dar und enthüllt dessen Zukunft, indem er mit markigen Zügen sein schließliches Schicksal beschreibt.

Auslegung
Psalm 1. 1-2
Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, da die Spötter sitzen, sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn, und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht!

1. Wohl dem, oder: Selig ist der Mann, der usw. Siehe, wie der Psalter mit einer Seligpreisung beginnt, gerade wie die gewaltige Bergpredigt unseres Heilandes. Wie viel liegt in diesem freudigen Ausruf über das Glück dessen, der bei Gott in Gnaden steht! Wörtlich wäre etwa zu übersetzen: »O der Glückseligkeiten des Mannes der usw.« Dass das hebräische Wort (hier wie immer) in der Mehrzahl steht, können wir wohl darauf deuten, wie mannigfaltig die Segnungen sind, welche auf dem Manne ruhen, der bei Gott in Huld steht, und wie erhaben und vollkommen das Glück ist, das er genießt. Möge diese Seligpreisung auch auf uns ruhen!

Der Gerechte wird hier erst (V. 1) beschrieben nach dem, was er nicht tut, und sodann (V. 2) nach dem, was er tut. Er ist Mensch, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen. Er folgt weiserem Rat, er wandelt in den Geboten des Herrn, seines Gottes. Ihn dünken die Wege der Gottseligkeit friedliche und liebliche Pfade. Seine Schritte richten sich nach dem Worte Gottes und nicht nach den teuflisch klugen und doch so törichten ruchlosen Lebensregeln fleischlich gesinnter Leute. Es ist ein starker Erweis davon, dass im Innern die Gnade waltet, wenn im äußeren Wandel eine Umänderung eingetreten und das ungöttliche Wesen von unserem Handeln abgetan ist. Beachte ferner: Er steht nicht auf dem Weg der Sünder. Sein Umgang ist gewählter als früher. Wohl ist auch er von Natur ein Sünder; aber er ist ein mit dem Blut der Versöhnung gewaschener Sünder, lebendig gemacht durch den heiligen Geist und im Herzen erneuert. Durch Gottes große Gnade steht er in der Gemeinschaft der Gerechten, und darum darf er sich nicht der Menge derer, die das Böse tun, beigesellen. Wiederum heißt es: Er sitzt nicht, wo die Spötter sitzen. Er findet keine Ruhe bei den Spöttereien der Gottesleugner. Mögen andere mit Sünde, Ewigkeit, Himmel und Hölle und dem ewigen Gott ihren Spott treiben, er hat eine bessere Weisheit kennen gelernt als die Philosophie des Unglaubens und ist von Gottes Gegenwart zu sehr durchdrungen, als dass er es ertragen könnte, seinen Namen lästern zu hören. Des Verächters Sitz mag stolz erhaben sein, dennoch ist er der Höllenpforte sehr nahe. Lasst uns von ihm fliehen, denn bald wird er leer sein und Verderben den Mann verschlingen, der jetzt darauf sitzt. – Man beachte die Steigerung im ersten Verse:

Er wandelt nicht In dem Rat der Gottlosen.
Er steht nicht auf dem Weg der Sünder.
Er sitzt nicht, da sitzen die Spötter.


Menschen, die in der Sünde leben, sinken von einer Stufe des Bösen zur anderen. Erst wandelt man nach dem Rat der Gottlosen, die in ihrem Leichtsinn Gottes vergessen, – das Böse wird tatsächlich ausgeübt, aber es ist noch nicht zur Natur geworden; aber darnach wird einem das Schlechte zur Gewohnheit, und Psalm 1 man steht nun auf dem Wege der offenbaren Sünder, die in augenfälligen Tatsünden dahinleben und mit Vorsatz Gottes Gebote übertreten; und greift keine höhere Hand ein, so geht die natürliche Entwicklung noch einen Schritt weiter und man wird zum Lästerer und Verführer, der andere mit ruchloser Lehre pestartig ansteckt, und nun sitzt man, da die Spötter sitzen. Diese sind im Laster zu Würden gekommen, sie sind bestallt als echte Doktoren der Verdammnis und stehen als Meister der Verruchtheit bei den Bösen in hohem Ansehen. Aber der Mann, der die Glückseligkeit der Gemeinschaft mit dem Herrn und seinem Worte kennt und der Erbe der Segnungen Gottes ist, kann mit Leuten dieser Art keine Gemeinschaft pflegen. Er hält sich rein von solchen Aussätzigen. Alles Böse tut er ferne von sich, denn er hasst den vom Fleische befleckten Rock (Jud. V. 23). Er sondert sich von den Gottlosen ab und geht hinaus außer dem Lager, die Schmach Christi tragend (Hebr. 13,13). O dass auch uns die Gnade zuteil werde, also von den Sündern abgesondert zu sein.

2. Und nun lasst uns sehen, wie das Wesen des Frommen beschrieben wird. Er hat Lust zum Gesetz des Herrn. Er lebt nicht unter dem Gesetz als einem Fluch und Verdammungsurteil, sondern in demselben (vergl. 1.Kor. 9,21), und es ist seine Lust, sein Element und die Regel seines Lebens. Eine Lust ist es ihm auch, über das Gesetz des Herrn nachzusinnen , bei Tage darin zu lesen und bei Nacht darüber nachzudenken. Er nimmt sich ein Schriftwort heraus und trägt es den ganzen Tag mit sich umher; und wenn des Nachts der Schlaf seine Augenlider flieht, sinnt er über seines Gottes Gesetz. Am Tage des Glücks singt er Psalmen aus dem Worte Gottes und in der Nacht des Leidens tröstet er sich mit den Verheißungen aus demselben teuren Bibelbuche. »Das Gesetz des Herrn« ist das tägliche Brot des wahren Gläubigen. Und wie klein war doch wohl zu den Zeiten des Psalmisten der Umfang der heiligen Schriften! Wie viel mehr denn sollten wir das ganze geschriebene Wort Gottes schätzen, um so mehr noch, als wir so bevorzugt sind, es überall in unsern Häusern zu haben. Aber welch schlechte Behandlung wird diesem Boten des Himmels zuteil! Wir gleichen bei weitem nicht alle den Leuten zu Beröa, die täglich in der Schrift forschten (Apostelg. 17,11). Wie wenige unter uns können auf die Seligpreisung unseres Psalmwortes vollen Anspruch erheben. Vielleicht könnten einige von euch, liebe Leser, eine Art negativer Reinheit beanspruchen, indem ihr nicht in den Wegen der Gottlosen wandelt; aber lasst mich euch fragen: Habt ihr Lust zum Gesetz des Herrn? Forscht ihr in Gottes Wort? Macht ihr es zu eurem Geleitsmann, eurem besten Gesellschafter, eurem Führer zu allen Stunden? Wenn nicht, so dürft ihr euch diese Seligpreisung nicht zueignen.
Befleißige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen als einen Arbeiter, der
sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt. 2. Tim. 2:15

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Matze7443
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Re: Die Schatzkammer Davids von C.H. Spurgeon

Beitragvon Matze7443 » 23.04.2017 00:23

Die restlichen Verse zu Psalm 1.
Die Verse 3 bis 6.




3.
Der ist wie ein Baum, gepflanzet an den Wasserbächen, der seine Frucht bringet zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht; und was er macht, das gerät wohl.

Also nicht ein wilder Baum ist er, sondern er ist gepflanzt (wörtl.: verpflanzt), ein auserwählter, als Eigentum wertgeschätzter und gepflegter Baum, der darum auch vor dem schrecklichen Ausreißen gesichert ist, das allen Pflanzen, die der himmlische Vater nicht gepflanzt hat, als Endschicksal bevorsteht (Matth. 15,13). An den Wasserbächen steht er, so dass, wenn ein Bach versiegen sollte, ein anderer ihn tränkt. Die Wasserbäche der Vergebung und der Gnade, der Verheißung und der Gemeinschaft mit Christo sind nie versiegende Quellen. Er ist gleich einem Baume, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringet zu seiner Zeit: nicht unzeitige Früchte, gleich den frühreifen Feigen, die nie den vollen Wohlgeschmack haben, sondern der Mann, der seine Lust an dem Worte Gottes hat, welches ihn unterweist, bringt in der Zeit des Leidens Geduld als köstliche Frucht, Glauben in der Zeit der Prüfung, geheiligte Freude in der Zeit des Glückes. Fruchtbarkeit ist eine wesentliche Eigenschaft des begnadigten Menschen, und diese Fruchtbarkeit muss sich zur rechten Zeit erweisen. Und seine Blätter verwelken nicht; sein schwächstes Wort hat eine dauernde Wirkung, seine kleinen Liebestaten bleiben im Andenken. Nicht allein seine Früchte, sondern auch sein Laub bleibt erhalten. Er verliert weder Schöne noch Fruchtbarkeit. Und was er macht, das gerät wohl, oder: Und alles, was er tut, führt er glücklich hinaus. Wohl dem Manne, der solche Verheißung hat. Aber wir dürfen die Erfüllung einer Verheißung nicht immer nach dem Augenschein beurteilen. Wie oft würden wir, meine Brüder, wenn wir nach unserm schwachen Verstand urteilten, zu der trüben Schlussfolgerung kommen: Alles ist wider mich! Denn obwohl wir wissen, dass wir an der Verheißung unseres Verses Anteil haben, sieht unser Auge, wenn wir in Prüfungen und Trübsalen sind, doch oft das gerade Gegenteil von dem, was die Verheißung uns zusagt. Aber für das Glaubensauge ist dies Wort zuverlässig und mit seiner Hilfe nehmen wir wahr, dass unser Wirken gedeiht, auch wenn alles uns zuwider zu gehen scheint. Nicht äußeres Wohlergehen ist es, was der Christ am meisten begehrt und schätzt; ihn verlangt nach Wohlfahrt des inneren Menschen. Wir machen etwa gleich Josaphat (1.Kön. 22,49) Schiffe aufs Meer, die nach Ophir gehen sollen, Gold zu holen; aber sie werden zerbrochen zu Ezeon-Geber. Doch auch dies dient zu unserer wahren Wohlfahrt, denn um der Gesundheit der Seele willen müssen wir oft arm, verlassen und bedrängt sein. Das Schlimmste ist manchmal für uns das Beste. Wie in den Wohltaten, die einem Gottlosen widerfahren, ein Fluch verborgen ist, so ein Segen in des Gerechten Kreuz, seinen Verlusten und Kümmernissen. Die Prüfungen der Gläubigen sind ein kräftiger Mutterboden, darin Gottes Pflänzlein gedeihen und reiche Frucht bringen.

4.
Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Wir stehen nun an dem zweiten Teil unseres Psalms. In dem vierten Vers wird der schlimme Zustand der Gottlosen als Gegensatz benutzt, um dadurch die Farbe des vorhergehenden lieblichen Bildes noch zu heben. Aber so sind die Gottlosen nicht! Das gibt uns zu verstehen: Was immer für Gutes vom Gerechten ausgesagt ist, das ist nicht wahr vom Gottlosen. Septuaginta und Vulgata wiederholen nachdrücklich das »nicht so«. Wie schrecklich ist es, wenn einem die Verheißungen so mit einer doppelten Verneinung belegt sind, und doch ist das gerade die Lage der Gottlosen. Beachten wir, dass hier wieder das Wort Gottlose gebraucht ist, das zu Beginn des Psalms zur Bezeichnung der Anfänger im Bösen, der noch am wenigsten anstößigen Sünder angewandt worden war. Wenn das der traurige Zustand derer ist, die noch verhältnismäßig ehrbar leben und nur gegen Gott gleichgültig sind, was muss es sein mit den offenbaren Sündern und schamlosen Ungläubigen! Der erste Satz ist eine negative Beschreibung der Gottlosen, der zweite stellt ihr wirkliches Bild dar. Ihr Wesen wird so geschildert: Sie sind wie Spreu, ohne inneren Wert, ohne Leben, ohne Nutzen, ohne Kern; daher ihr Schicksal: Der Wind verstreut sie. Der Tod wird sie mit seinem schrecklichen Hauche in das Feuer treiben, das sie verzehren wird.

5.
Darum bleiben die Gottlosen nicht im Gericht, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Sie werden dort stehen, um gerichtet, und nicht, um freigesprochen zu werden. Furcht wird sie da packen. Sie werden nicht standhalten können und doch vergeblich zu entfliehen versuchen. Sie werden sich nicht verteidigen können, denn ewige Schmach und Schande (Dan. 12,2) wird sie ergreifen. Mit Recht sehnen sich die Heiligen Gottes nach dem Himmel, denn kein Böser wird daselbst wohnen, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Alle unsere Versammlungen auf Erden sind gemischt. Jede Gemeinde hat einen Teufel in ihrer Mitte (Joh. 6,70). Das Unkraut, der Afterweizen (Matth. 13,24 ff.) wächst in denselben Furchen wie der Weizen. Es gibt jetzt noch keine Tenne, die ganz von der Spreu gereinigt ist. Sünder sind noch vermischt mit den Heiligen, wie Schlacken mit dem Gold. Gottes köstliche Diamanten liegen noch auf einem Feld zusammen mit Kieselsteinen. Gerechte Seelen wie Lot werden diesseits des Himmels beständig gequält von den schändlichen Leuten Sodoms (2.Petri 2,7 f.). So wollen wir uns denn freuen, dass zu der großen Versammlung droben, der Gemeinde der Erstgeborenen (Hebr. 12,23), auch nicht einer unwiedergeborenen Seele der Zutritt verstattet sein wird. Sünder können im Himmel nicht leben. Sie wären außer ihrem Element. Eher könnte ein Fisch auf einem Baume leben, als ein Gottloser im Paradiese. Der Himmel würde für den Unbußfertigen eine unerträgliche Hölle sein, auch wenn ihm der Eintritt erlaubt würde; aber solches Vorrecht wird dem, der in seinen Missetaten beharrt, niemals zuteil werden. Gott gebe, dass unsere Namen im Himmel angeschrieben seien und ein Platz in den Vorhöfen droben unser warte.

6.
Denn der Herr kennet den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg vergehet.

Fortwährend achtet Jahwe auf den Weg der Gerechten: Mag derselbe oft in Nebel und Finsternis gehüllt sein, durch dunkle Wolken und Unwetter der Trübsal hindurchführen, der Herr kennt ihn. Er zählt die Haare auf unserem Haupte und wird nicht dulden, dass irgendein Unglück uns überfalle. »Er kennet meinen Weg wohl. Er versuche mich, so will ich erfunden werden wie das Gold. (Hiob 23,10.) Aber der Gottlosen Weg vergeht. Nicht nur sie selbst werden vergehen, sondern ihr Weg wird auch vergehen. Der Gerechte gräbt seinen Namen auf den Felsen ein, der Gottlose schreibt sein Gedächtnis in den Sand. Der Gerechte pflügt Furchen in die Erde und sät hier eine Saat aus, deren Ernte erst völlig gesammelt wird, wenn er zu den Freuden der Ewigkeit eingeht; der Gottlose aber zieht Furchen durchs Wasser, und wiewohl ein glänzender Schweif hinter seinem Kiel sein mag, werden doch die Wogen darüber gehen, und seine Stätte, die ihn kannte, kennt ihn nicht mehr. Wenn der Gottlose im Andenken bleibt, dann nur in der Erinnerung an das Böse, das er getan hat: denn der Herr wird den Namen des Gottlosen vermodern lassen, dass er den Guten zum Gestank werden und nur noch dem Gottlosen selbst durch seine Fäulnis bekannt sein wird.

Möge der Herr unsere Herzen und unsere Wege reinigen, auf dass wir dem Lose der Ungöttlichen entrinnen und das Glück der Gerechten genießen!
Befleißige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen als einen Arbeiter, der
sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt. 2. Tim. 2:15

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Matze7443
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Re: Die Schatzkammer Davids von C.H. Spurgeon

Beitragvon Matze7443 » 25.04.2017 07:34

Der 2. Psalm

Inhalt.
Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir diesen erhabenen Psalm den Königspsalm des Messias nennen, stellt er doch wie in einem wunderbaren Gesicht den Aufruhr der Leute gegen den Gesalbten des Herrn, sowie den bestimmten Ratschluss Gottes, seinen Sohn zu erhöhen, und die endgültige Herrschaft des Sohnes über alle seine Feinde dar. R. Lowth († 1787) sagt: »Die Einsetzung Davids und seine Befestigung auf dem Thron trotz dem Widerstande, den seine Feinde dagegen erheben, ist der Gegenstand des Psalms. David erscheint in demselben in zwiefacher Eigenschaft, in persönlicher und vorbildlicher. Im Blick auf den geschichtlichen David liegt der Sinn des Psalms auf der Hand und wird durch die heilige Geschichte über allen Zweifel erhoben. Doch haben die Ausdrücke eine ungewöhnliche Glut, die Bilder sind von seltener Erhabenheit und die Sprache geht hie und da fast ins Übertriebene, als sollten wir dadurch absichtlich zur Betrachtung höherer und wichtigerer darin verborgener Dinge angeleitet werden. Beziehen wir, dieser Mahnung folgend, den Psalm auf die Person und die Angelegenheiten des geistlichen David, so tritt alsbald eine Reihe hochbedeutsamer Ereignisse vor unsern Blick, und der Sinn des Psalmes wird noch klarer und zugleich noch erhabener. Die Färbung, die vielleicht zu kühn und grell scheinen mag für den König Israels, erscheint ganz angemessen, wenn auf Christum, dessen großes Gegenbild, bezogen. Fassen wir dann die beiden Gesichtspunkte zusammen, so tritt uns die ganze Schönheit und Großartigkeit dieses überaus anziehenden Gedichtes vor die Seele. Wir erkennen, wie die beiden Bedeutungen sich sehr bestimmt voneinander unterscheiden und dabei doch in vollem Einklang zusammentönen und eine wunderbare Ähnlichkeit in jedem einzelnen Zuge besitzen, während die Wechselbeziehung zwischen ihnen so genau festgehalten ist, dass jede von beiden als das Original betrachtet werden kann, dem die andere nachgebildet worden. Immerfort ergießt sich neues Licht über die Ausdrücke, die Gedanken nehmen stets zu an Bedeutung und Erhabenheit, bis sie, stufenweise von den Dingen hier unten zu denen droben, vom Menschlichen zum Göttlichen aufsteigend, das große, wichtige Thema mit sich aufwärts tragen und es zuletzt in die volle Klarheit himmlischen Lichtes stellen.«

Einteilung.
Am besten werden wir den Psalm verstehen, wenn wir ihn als ein vierfaches Gemälde betrachten.
V. 1-3: Das Toben der Völker.
V. 4-6: Der Herr vom Himmel lachet ihrer.
V. 7-9: Der Sohn verkündigt den göttlichen Ratschluss.

V. 10-12: Den Königen wird der Rat gegeben, sich dem Gesalbten des Herrn in Gehorsam zu unterwerfen.

Diese durch den Inhalt dargebotene Einteilung wird auch durch die dichterische Form bestätigt; der Psalm zerfällt ganz natürlich in vier Strophen von je drei Versen.

Psalm 2

Auslegung Verse 1 bis 3
1. Warum toben die Heiden, und die Völker reden so vergeblich?
2. Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren ratschlagen miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten:
3. »Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!«


Diese ersten drei Verse enthalten eine Beschreibung des Hasses der menschlichen Natur gegen den Christus Gottes. Die beste Erläuterung dazu finden wir in den Gebetsworten der ersten Christengemeinde Apostelg. 4,27 f.: »Wahrlich ja, sie haben sich versammelt über deinen heiligen Knecht Jesus, welchen du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und dem Volk Israel, zu tun, was deine Hand und dein Rat zuvor bedacht hat, dass es geschehen sollte.« Der Psalm beginnt ohne Einleitung mit einer zürnenden Frage. Und wahrlich, es ist nicht zu verwundern, dass der Anblick von Geschöpfen, die gegen ihren Gott in Waffen stehen, den Psalmisten in Staunen setzt. Wir sehen die Heiden toben, tosen wie das Meer, das von den ruhelosen Wogen hin und her geworfen wird, toben wie der Ozean im Sturm. Und dann nehmen wir wahr, wie die Völker in ihrem Herzen Eitles sinnen gegen ihren Gott. Wo viel Wut ist, da ist gemeiniglich Torheit, und in dem vorliegenden Falle ist ein Übermaß davon vorhanden. Beachten wir, dass die Bewegung nicht nur von den Völkern kommt, sondern dass die Führer den Aufruhr unterstützen. Die Könige der Erde lehnen sich auf. In entschlossener Bosheit haben sie sich in Schlachtordnung gegen ihren Oberherrn aufgestellt. Es ist nicht eine vorübergehende Aufwallung, sondern tief gewurzelter Hass gegen den Fürsten des Friedens. Und die Herren ratschlagen miteinander. Sie führen den Krieg mit List, nicht in toller Hast, sondern mit Überlegung. Sie wenden alle Geschicklichkeit an, welche die Kriegskunst ihnen an die Hand gibt. Gleich Pharao beraten sie: »Wir wollen sie mit List dämpfen.« (2. Mose 1,10.) – Aber was sagen sie? Was bezweckt diese Bewegung? »Lasst uns zerreißen ihre Bande.« Freiheit wollen wir haben, Freiheit zur Ausübung aller Gräuel. Wir wollen unsere eigenen Götter sein. Lasst uns jeder Schranke uns entledigen! Und mit wachsender Unverschämtheit fügen die verräterischen Empörer hinzu: »Lasst uns von uns werfen ihre Seile« – als wäre das eine Kleinigkeit. Wie, ihr Könige, wähnet ihr denn, ihr seiet Simsons? Und sind die Seile des Allmächtigen in euren Augen wie frischer Bast? (Richt. 16,7.) Träumet ihr, dass ihr die Ratschlüsse des Allerhöchsten wie Werg zerreißen und zerstören könnet? Ja, es hat Monarchen gegeben, die also gesprochen: »Lasset uns zerreißen usw.,« und noch sitzen solche Rebellen auf Thronen. So wahnsinnig der Entschluss der Empörung wider Gott ist, so hat doch der Mensch seit seiner Erschaffung an demselben festgehalten und fährt darin fort bis auf den heutigen Tag. Ehe die herrliche Herrschaft Jesu in der Endzeit zur vollen Ausgestaltung kommt, wird noch ein schrecklicher Kampf die Völker erschüttern. Der Herr wird bei seinem Kommen sein wie das Feuer eines Goldschmieds und wie die Lauge der Wäscher, und sein Tag wird brennen wie ein Ofen (Mal. 3,2 u. 19). Die Erde mag ihren rechtmäßigen Herrscher nicht, sondern hängt dem Thronräuber an, der sich als ihren Herrn aufspielt. Die schrecklichen Kämpfe der letzten Tage werden sowohl die Liebe der Welt zur Sünde als auch Jahwes Macht, das Reich seinem Eingeborenen zu geben, voll aus Licht bringen. Für den Nacken der Unbekehrten ist Christi Joch unerträglich, aber dem geretteten Sünder ist es sanft und leicht. Wir können uns danach selbst prüfen: Ist uns dies Joch lieb, oder möchten wir es von uns werfen?
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sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt. 2. Tim. 2:15

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Re: Die Schatzkammer Davids von C.H. Spurgeon

Beitragvon Matze7443 » 07.05.2017 08:54

Psalm 2
Die Verse 4 - 6



4. Aber der im Himmel wohnet, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer.

Wenden wir nun unseren Blick von den gottlosen Ratskammern und dem tobenden Aufruhr der Menschen zu der geheimen Stätte, da die Majestät des Allerhöchsten thront. Was sagt Gott? Was wird der König den Menschen tun, die seinen eingebornen Sohn, den Erben über alles, verwerfen? Der im Himmel thronet lacht, der Herr (der Allherr, Adonai) spottet ihrer. Man beachte die ruhige Würde des Allmächtigen und die Verachtung, welche er über die Fürsten und ihre tobenden Völker ausschüttet. Er nimmt sich nicht die Mühe, von seinem Sitze aufzustehen und einen Kampf mit ihnen zu beginnen, – er verachtet sie; er weiß, wie widersinnig, wie unvernünftig, wie nichtig ihre Anschläge wider ihn sind, – darum lacht er, darum spottet er ihrer.

5. Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn, und mit seinem Grimm wird er sie schrecken:
6. »Aber ich habe meinen König eingesetzt auf meinen heiligen Berg Zion«.


Dann wird er mit ihnen reden usw. Nach dem Lachen wird er reden; er braucht nicht die Hand zum Schlage zu erheben, der Hauch seiner Lippen ist genug. In dem Augenblick, da ihre Macht aufs Höchste gestiegen und ihre Wut am heftigsten geworden ist, dann wird sein Wort wider sie ergehen. Und zwar ein für sie sehr bitteres Wort. »Und doch,« sagt er, »trotz all eurer aufrührerischen Verschwörung, trotz der Klugheit eurer Beratungen, trotz der List eurer Gesetzgeber, dennoch habe Ich meinen König eingesetzt auf meinen heiligen Berg Zion.« Fürwahr eine großartige Proklamation! Er hat bereits getan, was die Feinde zu verhindern suchen. Während sie noch beraten, hat er schon alles entschieden. Jahwes Wille ist geschehen, und der Menschen Wille reibt sich vergeblich auf mit seinem Wüten. Der Gesalbte des Herrn ist eingesetzt und niemand kann ihn absetzen. Schaue rückwärts durch alle die Zeiten des Unglaubens, lausche auf all die stolzen und lästerlichen Reden, welche Menschenkinder gegen den Allerhöchsten ausgesprochen, horche auf den rollenden Donner der Batterien, welche die Erde gegen die himmlische Majestät aufgeführt hat, – und denke dann, dass Gott bei alledem spricht: »Aber Ich habe meinen König eingesetzt auf meinen heiligen Berg Zion.« Dennoch herrscht Jesus, dennoch wird er die Frucht seiner Arbeit mit Lust schauen (Jes. 53,11). Dennoch wird sein unzerstörbares Reich (Dan. 2,44) kommen, wenn er sich gürten wird mit seiner großen Macht und herrschen bis an der Welt Ende. Schon herrscht er zu Zion und unser Mund lässt froh den Ruhm unseres Friedensfürsten erschallen. Mögen uns auch noch große Kämpfe vorhergesagt sein, so dürfen wir doch die gewisse Zuversicht hegen, dass unserem Herrn und König der Sieg gegeben werden wird. Herrliche Triumphe stehen noch bevor. Führe sie eilends herbei, o Herr! Zions Ruhm und Freude ist, dass ihr König bei ihr ist. Er schützt sie vor ihren Feinden und sättigt sie mit Gutem. Jesus sitzt auf dem Thron der Gnade und auf dem Thron der Macht inmitten seiner Gemeinde. Er ist Zions beste Schutzwehr. Mögen die Bürger der Gottesstadt sich in ihm freuen!
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Die Schatzkammer Davids von C.H. Spurgeon

Beitragvon Joschie » 17.08.2017 11:46

Psalm 2
Die Verse 7- 9


7. Ich will von der Weise predigen,
dass der Herr zu mir gesagt hat: "Du bist mein Sohn,
heute habe ich dich gezeugt;
8. heische von mir, so will ich dir die Heiden zum Erbe geben
und der Welt Enden zum Eigentum.
9. Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen,
wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen."


Der Psalm hat dramatische Form, darum wird jetzt eine andere Person redend eingeführt. Erst haben wir in die Ratsversammlung der Gottlosen einen Blick getan, sodann auf den Thron Gottes, und nun hören wir, wie der Gesalbte des Herrn seine Hoheitsrechte verkündigt und die Verschwörer vor dem Verderben warnt, dem sie entgegengehen.
Gott hat des wahnwitzigen Ratschlusses der Gottlosen gelacht und jetzt tritt Christus, der Gesalbte, selbst hervor, als der auferstandene Erlöser, der in Kraft erklärt und erwiesen worden ist als Sohn Gottes nach dem Geist der Heiligung durch die Auferstehung von den Toten (Röm. 1,4). Es ist, als sagte der Gesalbte zu den aufrührerischen Königen, indem er ihnen in die zornentflammten Angesichter schaut: "Wenn das nicht genügt, um euch zum Schweigen zu bringen, wohlan, so will ich von einem Ratschluss Jahwes verkündigen ." (Grundt.) Dieser Beschluss des Höchsten nun steht in unmittelbarem Gegensatz zu dem Anschlag der Menschen, denn sein Inhalt ist gerade die Aufrichtung der Herrschaft, gegen welche die Völker wüten. Der Herr hat zu mir gesagt: "Du bist mein Sohn. " Das ist ein herrlicher Erweis der Göttlichkeit unseres Immanuel. Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: "Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt?" Wie köstlich ist es, einen göttlichen Erlöser zu haben, auf den sich unser Vertrauen stützen darf! "Heute hab’ ich dich gezeugt." Bezieht sich das auf die Gottheit unseres Heilandes, so lasst uns nicht versuchen, sie zu ergründen, denn diese Wahrheit ist mit Ehrfurcht anzunehmen, nicht unehrerbietig zu ergrübeln. Und wir mögen hinzufügen, dass es uns, wenn sich die Worte auf den Eingeborenen in seiner menschlichen Natur beziehen sollten, auch nur gebührt, uns über das Geheimnis zu freuen, dass wir aber nicht wagen dürfen, die Heiligkeit desselben durch zudringliches Hineinspähen in die Heimlichkeiten des ewigen Gottes zu entweihen. Die Geheimnisse sind des Herrn, unsers Gottes; was aber offenbart ist, das ist unser und unserer Kinder ewiglich (5. Mose 29,28), und dessen ist genug, ohne dass wir uns in müßige Spekulationen versteigen. Viele haben sich in Irrwegen verloren bei dem Versuch, die Dreieinigkeit zu erklären oder das Wesen der Gottheit zu entschleiern. Große Schiffe haben da Schiffbruch gelitten. Was haben wir mit unserem gebrechlichen Kahn auf diesem Ozean zu tun?
"Fordere von mir." Bei mächtigen Königen war es Brauch, dass sie ihren Günstlingen gaben, was diese begehrten. (Siehe z. B. Esther 5,6; Mt. 14,7.) So ist bei Jesu Bitten so viel als Haben. Hier erklärt er, dass eben diese seine Feinde sein Erbe seien. Ins Angesicht bezeugt er ihnen diesen Beschluss des Höchsten, und "Hört! Es gilt euch!", ruft der Gesalbte, indem er mit seiner durchbohrten Hand das Zepter seiner Macht emporhält: "Er hat mir nicht nur das Recht gegeben, König zu sein, sondern auch die Vollmacht, meine Feinde zu besiegen." Ja, Jahwe hat seinem Gesalbten ein eisernes Zepter gegeben, womit er die empörerischen Völker zerschlagen wird, und trotz ihrer Herrschergewalt werden auch die Könige nur wie Töpfe sein, wie solche werden sie mit Leichtigkeit in Scherben zerschmissen und zerschmettert werden, wenn das eiserne Zepter in der Rechten des allmächtigen Gottessohnes über sie kommt. Was sich nicht beugen will, muss brechen. Irdenes Geschirr, das in Stücke zerbrochen ist, kann nicht wiederhergestellt werden; so wird auch das Verderben der Sünder hoffnungslos sein, wenn der Herr sie zerschmeißen wird.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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