1. Betanien-Konferenz am 12.9.2009

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H.W.Deppe
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Beitragvon H.W.Deppe » 13.09.2009 18:44

Joschie hat geschrieben:Vielleicht kann man die Vorträge ins Netz stellen :idea:
Gruß Joschie


Klar, als MP3. Nur hab ich dummerweise das Aufnahmegerät nicht hier, heute wird das nichts mehr.
LGW.
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lutz
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Beitragvon lutz » 13.09.2009 22:41

Also dann möchte ich mal mein Statement abgeben:

Am Freitag Abend konnte ich mich schon mit einigen Konferenzteilnehmern im Haus treffen und austauschen (einige Bifo´ ler inbegriffen).

Am Samstag dann die eigentlichen Vorträge:
1. Martin Erdmann: Der Mensch strebt nach Göttlichkeit, Selbstbestimmung und Selbsterlösung - und begeht damit die größte Blasphemie. Schockierend sicher, dass diese Tendenz vor Niemandem Halt macht.
Trotzdem diese Erkenntnis sehr schmerzlich ist, trat erstaunlicher weise ein älterer Bruder vor dem zweiten Vortrag mahnend auf und bestätigte die Richtigkeit und enorme Bedeutsamkeit dieser Ausführungen.

2. Ronald Senk: Die Einheit von Wort und Geist - der heilige Geist ist nicht abzutrennen vom Wort Gottes. Dieser gehaltvolle Vortrag wird sicher aufgrund der Fülle an Bibelstellen mehrmals überdacht werden müssen. (Dazu möchte ich noch auf sein Buch "Schwert des Geistes" oder die entsprechende PDF verweisen.)

3. Hans Werner Deppe: Gott redet zu uns durch das Wort. Der Inhalt ist im Literalsinn zu erfassen. Dieser wichtige Vortrag wappnet den Gläubigen gegen falsche Propheten und den Missbrauch der Bibel.

4. Joachim Schmitsdorf: Eine sehr gute und wichtige Ergänzung besonders zum dritten Vortrag. Er stellt auch anschaulich dar, zu welchen abstrusen Schriftauslegungen man kommen kann, wenn bestimmte Prinzipien nicht beherzigt werden.

Die Zusammenstellung der vier Vorträge zeigt eigentlich zweierlei:
Einerseits das Streben des Menschen nach Göttlichkeit und damit einhergehend das Bestreben den heiligen Geist zu beherrschen und sich das Wort Gottes untertan zu machen.
Andererseits den Ausweg, die Wahrheit als Befreiung aus der Knechtschaft, der Knechtschaft durch sündloses Leben zu beweisen, dass ..., der Knechtschaft durch besondere Erfahrungsphänomene, Geistesoffenbarungen ... zu beweisen, dass ...
Damit hat sich die Konferenz nicht begnügt mit einer rein äußerlichen Betrachtung und Bewertung von Fehlentwicklungen, sondern es ist ihr gelungen, die Wurzel anzupacken.
Der Gläubige ist gestärkt in der Zuversicht, dass Gottes Wort klar und deutlich ausspricht, was gemeint ist und dass dieses auch vom Gläubigen verstanden werden kann und soll.

Auch wenn der Prozess des Hinterfragtwerdens in die tiefsten Tiefen hinein ein schmerzlicher ist, bin ich froh und dankbar, dass es Referenten und Unterstützer gibt, die eine solche Auseinandersetzung thematisieren und in die Öffentlichkeit tragen.
Allen (die man gesehen hat und die nicht im Rampenlicht standen), die hier mit Hand angelegt haben, ein herzliches Dankeschön und in der Zuversicht von Hebr. 6, 10 freue ich mich schon auf die nächste Konferenz.

Lutz

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Alex
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Beitragvon Alex » 17.09.2009 22:03

Ich bin auch dort gewesen und bin um einige Erkenntnisse, Bekanntschaften und interessanter Bücher reicher geworden :). Was ich persönlich nicht so gut fand war der erste Vortrag. Für mich eindeutig zu hoch. Sehr viele Fachausdrücke. Dazu wurde der Text abgelesen. Naja. Mein Ding ist es nicht.

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Beitragvon lutz » 17.09.2009 22:30

Hallo Alex,

zum ersten Vortrag möchte ich dir wirklich noch einmal Mut machen, wenn H. W. Deppe die Vorträge online stellen sollte, es dir noch einmal anzuhören.
Es gibt in dem Vortrag wirklich lange allgemein verständliche Passagen und ganz ohne Verständnis wirst du nicht geblieben sein.
Ich schreibe mir dann bspw. die vermeintlichen Fremdwörter auf und recherchiere zu Hause in aller Ruhe. Wenn ich auch da nicht weiter komme, dann kann ich fragen.
So eine Konferenz bietet ja im normalen Fall dann auch die Gelegenheit den Referenten selbst anzusprechen oder andere Teilnehmer, die verstanden haben.
Hier war es aber so, dass der Referent selbst so schwer erkrankt war, dass es an ein Wunder grenzte, dass er überhaupt aufrecht stand ...
Die Gelegenheit direkt mit ihm in einen Austausch zu treten, bot sich also gar nicht in dem Maße.

Lutz

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Beitragvon H.W.Deppe » 17.09.2009 22:38

Ich hab die Vorträge heute hochgeladen, aber noch nicht offiziell verlinkt, weil ich noch ein paar Ergänzungen verfassen möchte. Z.B. konnte ich bei meinem Vortrag leider nicht mehr die positiven, tatsächlichen Seiten des Führens und Handelns Gottes in unserem Leben herausstellen, sodass es zu Missverständnissen bei den Zuhörern kam.

Martins Vortrag als Audio hier:
www.betanien.de/verlag/material/audio/B ... rdmann.mp3

Bitte bedenkt, dass er sehr krank war und sein Manuskript kaum lesen konnte. Er hat den letztendlichen Hauptteil über die Heiligungsbewegung gar nicht mehr ausführen können.
Daher hier auch sein Manuskript:

www.betanien.de/verlag/material/audio/E ... wegung.pdf

Gruß, Werenr
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Beitragvon H.W.Deppe » 19.09.2009 11:48

Habe jetzt alle Vorträge und z.T. auch die Manuskripte online gestellt unter www.betanien.de/konferenz
Zu meinem eigenen Vortrag habe ich im Manuskript noch einige wichtige Ergänzungen zum Thema persönliche Führung durch Gott ergänzt. Es hatte wohl bei einigen Zuhörern Missverständnisse gegeben, als würde ich "Führung" pauschal ablehnen, das Gegenteil ist aber der Fall: Gerade weil ich an die Souveränität Gottes hinter allem glaube, glaube ich auch, dass er uns durch (d.h. mittels) alle Umstände persönlich führt.
Grüße, Werner
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Enrico
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Beitragvon Enrico » 19.09.2009 14:04

Nun mit deiner Predigt lieber Herr Deppe,
habe ich schon so meine Probleme.
Denn wenn dies wirklich wahr ist was du sagst, dann bin ich gar kein Christ und dann bin ich auch nicht gerettet.
Ich glaube zwar an Jesus dass ER der Sohn es einzig wahren und lebendigen Gottes ist und dass Jesus eben dieser Christus ist den Gott im alten Testament verspricht...auch dass ER mein Erlöser ist und mich Gerettet hat...aber zum Glauben gekommen bin ich nicht dadurch dass ich die Bibel gelesen hätte oder sie mir jemand verkündigt hätte.
Sondern eben GOTT selbst hat ganz persöhnlich mich in einer absolut durchaus voll erfahrbaren Buße geführt, vor ca. 6 JAhren hat mich der HERR, ich war damals ungläubig...ein Heide, dahin geführt dass ich mich selbst aufgrund meiner Sünden in die Hölle versetzt gesehen habe.
Die Flammen des Feuer konnt ich um mich herum sehen.
Über Monate hatte ich entsetzliche Todesängste...dies lieber Werner war durchaus richtig erfahrbar und überhaupt nicht "transendent"...sondern absolut Real...so Real...dass ich mir aus lauter Panik, obwohl ich kein Führerschein habe ein noch fahrbereites Auto gekauft hatte um im Falle einer grossen Katastrophe in die Berge fliehen zu können. :mrgreen:

Nach etlicher Zeit erst...hat sich Gott mir direkt offenbahrt und auch nicht durch vorlesen einer Bibel und auch nicht durch selbst lesen...sondern in dem ER direkt zu mir gesprochen hatte und zwar richtig HÖRBAR so wie zwei Menschen zueinander Reden und anschliessend hat ER mich direkt zu Jesus ans Kreuz geführt und Seiner Predigt.
Nur dies eine MAl in dieser direkten Form...aber ab diesen Zeitpunkt fing ich an zu IHM zu beten ...
Ich verstehe das Beten ja auch nicht als "Plappern wie die Heiden"...sondern ein richtiges Reden mit Gott so als würde er mir gegenüber sein...und ER ist es ja auch...der Himmel und Erde erfüllt.

Antworten tut Gott mir heute zumeisst in Form seines Wortes an welches mich sein Geist erinnert welches ER mir dann ins Herz legte und noch immer tut.

Gott ist durchaus erfahrbar...jede Gebetserhöhrung ist erfahrbar und auch jedes Zeugnis seines Geistes zu unserem Geist ist erfahrbar.

Das Streben nach Gottesunmittelbarkeit ist zutiefst heidnisch.


Dazu fordert uns Jesus und seine Apostel aber auf:

Kolosser 3 vers 2:
Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist

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Beitragvon apologet » 20.09.2009 15:17

Hallo Enrico,

"Christ" ist grundsätzlich einmal jeder, sich äußerlich zu Jesus bekennt bzw. um die Existenz des biblischen Gottes weiß und sich zur Kirche hält. Ob dieser dann jedoch auch wahrhaft gläubig ist, steht auf einem anderen Blatt. Das meint Gottes Wort damit, das Weizen und Unkraut bis zur Ernte zusammen wächst, theologisch wird das "corpus permixtum" (vermischter Leib) genannt

Du schreibst nun von Deinen "subjektiven Glaubenserfahrungen", die für sich genommen von anderen sicherlich nicht bestritten werden können, die jedoch ein mystisches-schwärmerisches Erlebnis darstellen, wie diese in jeder heidnischen Religion oder Kult erfahren werden können.

Die Bibel bezeugt allerdings, das wahrhafter Glaube ausschließlich durch die Verkündigung des Wortes entsteht (Röm10,17; 1Kor1,18ff; 1Petr1,23).

Ich würde also ernsthaft beginnen, diese Erlebnisse grundsätzlich zu hinterfragen, denn mit dem biblisch-christlichen Glauben lassen sich diese schwerlich bzw. überhaupt nicht vereinbaren.

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1. Petrus 3,15 Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.

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Beitragvon maxb » 20.09.2009 17:59

Du schreibst nun von Deinen "subjektiven Glaubenserfahrungen", die für sich genommen von anderen sicherlich nicht bestritten werden können, die jedoch ein mystisches-schwärmerisches Erlebnis darstellen, wie diese in jeder heidnischen Religion oder Kult erfahren werden können.


In welchem heidnischen Kult wird man zu Christus und seinem Kreuz geführt?

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Beitragvon apologet » 20.09.2009 20:51

maxb hat geschrieben:In welchem heidnischen Kult wird man zu Christus und seinem Kreuz geführt?


Waren das meine Worte? Ich habe von der Existenz subjektiver Glaubenserfahrungen in Religionen und Kulten geschrieben.

Du ziehst aus der Erzählung/Erfahrung einer Person theologische Schlüße, begründest somit Deine Theologie aufgrund von Erfahrungen und nicht dem Wort Gottes.

Ist Dir das klar?
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Beitragvon maxb » 20.09.2009 22:36

Lieber Andreas,
genau genommen hast Du gesagt, dass Enricos Glaubenserfahrungen "mystisch-schwärmerische Erlebnisse darstellen, wie sie in jeder anderen Religion erfahren werden können".


Ich begründe meine Theologie nicht durch Erfahrung, aber meine Theologie lässt Raum für Erfahrung. Ich glaube nicht, dass Enrico ein Christ ist, nur weil er mir ein paar übernatürliche Erfahrungen mitteilt. Ich bin der Meinung, dass solche Erfahrungen in eine biblische Theologie hineinpassen, aber mache sie nicht zur Grundlage für irgendwas.

Wir haben viele Beispiele in der Bibel, wo Menschen "schwärmerische" Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Bloß weil es ähnliche Dinge in heidnischen Religionen gibt, heißt es nicht, dass sie falsch sind. In anderen Religionen gibt es auch "Götter", deswegen sagt sich ja trotzdem kein Christ von Gott los. Genauso wenig sind solche Erfahrungen automatisch richtig, bloß weil es ähnliche Dinge in der Bibel gibt. Solche Parallelen sind in den meisten Fällen überhaupt nicht hilfreich. Wenn, dann sollte man sagen: "Das sind mystisch-schwärmerische Erlebnisse, wie sie in jeder anderen Religion erfahren werden und wie sie uns in der Bibel berichtet werden." Dann hätte man zumindest eine ausgewogenere Aussage, die einen aber natürlich auch nicht voranbringt. Deshalb bin ich prinzipiell gegen solche Parallelen, die letztlich nur negative Assoziationen auslösen und keine objektive Meinungsbildung fördern.
Dir könnte ich auch eine Erfahrungstheologie vorwerfen, weil Du Enricos Erfahrungen mit Erfahrungen von irgendwelchen heidnischen Religionen vergleichst und damit zu deinen Schlüssen kommst.
Glücklicher Weise hast du noch ein paar Bibelverse hinterhergeschoben, deshalb würd ich mich im Folgenden lieber darauf beziehen wollen.
Dazu sollte man vorher noch etwas klären. Enrico schreibt:
...und anschliessend hat ER mich direkt zu Jesus ans Kreuz geführt und Seiner Predigt.


Andreas schreibt:
Die Bibel bezeugt allerdings, das wahrhafter Glaube ausschließlich durch die Verkündigung des Wortes entsteht (Röm10,17; 1Kor1,18ff; 1Petr1,23).


Also hier haben wir die Predigt/Verkündigung. Der Weg dort hin wird uns als übernatürlich beschrieben. So wie ich es verstehe, sollten wir jetzt entweder darüber diskutieren ob der Weg zur Predigt hin übernatürlich sein kann (dann müsste auch übernatürlich definiert werden) oder was "ausschließlich" bedeutet.

Was haben wir von Augustinus' Erlebnis zu halten? Er hört eine Kinderstimme sagen "Nimm und lies", er liest das erste, was ihm in der Bibel ins Auge fällt und bekehrt sich. Sind "zufällige" Kinderstimmen noch hinnehmbar?

Das Wort ist natürlich zentral, aber wie wirkt der Geist im Verhältnis zum Wort? Wie führt er dort hin? Ich denke mal Dein "ausschließlich" schließt nicht den Heiligen Geist aus.
Meinetwegen kann man das auch in einem neuen Thread weiterführen, dann sollten aber irgendwie die Beiträge mit übernommen werden.
Liebe Grüße,
m.

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Enrico
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Beitragvon Enrico » 20.09.2009 22:42

Nun biblisch begründeter Glaube ist sogar bei Paulus entstanden der auch so eine "subjektiver Glaubenserfahrung" hatte wie man sie in anderen Kulten und Religionen vorfinden kann :?: :wink:

Welcher Prediger hat denn den Saulus gepredigt damit dieser zum Glauben kam ???

Ich würde also ernsthaft beginnen, diese Erlebnisse grundsätzlich zu hinterfragen, denn mit dem biblisch-christlichen Glauben lassen sich diese schwerlich bzw. überhaupt nicht vereinbaren.


Genau dies ist das Problem lieber Andreas.
Denn ich komme aus der ehemahligen DDR und hatte weder Religionskunde noch ein christliches Elternhaus und ...christlicher Glaube war bei uns nicht so gerne gesehen.

FAKT ist aber dass mich besagte "Erfahrungen" zu Jesus -seinem Kreuz und seinem Wort geführt haben.
Ich bin heute deswegen Christ...oder ich hinterfrage wie ich zum Glauben kam und bin dann eben kein Christ, wenn deine Schlussfolgerungen in diesem Punkt richtig wären, denn vor über 6 JAhren...war ich Atheist.

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Beitragvon lutz » 21.09.2009 15:29

Hallo Enrico,

der Vortrag von H. W. Deppe bestreitet nicht deine Erfahrungen.
Er legt den Finger auf die Bewertung von Erfahrungen und auf Schlussfolgerungen aus diesen. Und um zu Bewertungen und Schlussfolgerungen zu kommen, brauche ich erst einmal eine solide Basis.

Diese Vorgehensweise ist uns nicht unbekannt, denn wir praktizieren sie bereits.
Wir bewerten auch Erfahrungen anderer (Heilungen, Auferweckungen, Marienerscheinungen, das Evangelium einmal anders verkündigen, damit mehr Leute angezogen werden …).
Warum übernehmen wir hier nicht einfach die Bewertungen und Schlussfolgerungen derer, die diese Erfahrung machten und noch machen?
Weil wir einen guten Grund haben und dieser Grund ist eine unfehlbare Quelle – eine solide Basis eben. D. h. in obigen Fällen sind wir so sicher, dass wir sogar über solche Phänomene aufklären. Ist doch so?

Jetzt geht das Ganze an meine eigene Erfahrung und wie ich sie bewerte und wie ich schlussfolgere: gelten jetzt andere Maßregeln?
Sicher nicht. Dann muss doch aber erst einmal dieser Vortrag wirklich verstanden werden.
Deine Kritik an dem Vortrag ist doch übereilt. Du differenzierst ja gar nicht in den Sachen, was wirklich gesagt wurde, was nicht. Du präsentierst deine Schlussfolgerung aus dem Vortrag, als wäre sie diejenige, die man aus dem Vortrag notwendig ziehen muss.

Wenn man schon dem Vortrag etwas vorwerfen muss, dann bspw. Folgendes:
Dieser Vortrag hinterfragt die Interpretation meiner eigenen Erfahrungen. Damit hinterfragt dieser Vortrag meinen eigenen Stil der Präsentation meiner Erfahrungen. Damit werde ich so weit hinterfragt, dass ich fragen muss:
Rede ich verdunkelnd oder rede ich erhellend? Was rede ich eigentlich, wenn ich von Erfahrungen rede?

Du hast geschrieben (13. 11. 2008; 14: 49 Uhr):
„Nun für mich ist und bleibt es wichtig immer genau am Worte zu bleiben. Irrlehren auch aufzudecken und hinzuweisen auf den gekreuzigten Christus.“
Damit bringst du doch zum Ausdruck, dass du das, was du tust nur tun kannst, weil du um die sichere Basis: das Wort Gottes, weißt!
Deine Erfahrung ist aber nicht die Basis und wird sie nie sein!
Im Zuge eines tieferen Verständnisses dessen, was Gott in Seinem Wort sagt, ändert sich nicht deine gemachte Erfahrung – aber Bewertungen und Schlussfolgerungen werden entsprechend anders ausfallen.

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Beitragvon apologet » 21.09.2009 21:14

Lieber Andreas,
genau genommen hast Du gesagt, dass Enricos Glaubenserfahrungen "mystisch-schwärmerische Erlebnisse darstellen, wie sie in jeder anderen Religion erfahren werden können".


Hallo maxb, ich habe es jedoch bedacht allgemein formuliert.

Ich begründe meine Theologie nicht durch Erfahrung, aber meine Theologie lässt Raum für Erfahrung. Ich glaube nicht, dass Enrico ein Christ ist, nur weil er mir ein paar übernatürliche Erfahrungen mitteilt. Ich bin der Meinung, dass solche Erfahrungen in eine biblische Theologie hineinpassen, aber mache sie nicht zur Grundlage für irgendwas.


Erfahrungen anderer sind grundsätzlich nicht zu bestreiten. Auch eigene Erfahrungen/Gefühle etc. sind durchaus jedem Gläubigen zueigen. Jedoch kann und muß die Natur dieser Erfahrungen geistlich, d.h. biblisch beurteilt werden. Der Mensch ist zudem in seiner ganzen Person ein gefallenes und unter die Sünde geknechtetes Geschöpf.

Wir haben viele Beispiele in der Bibel, wo Menschen "schwärmerische" Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Bloß weil es ähnliche Dinge in heidnischen Religionen gibt, heißt es nicht, dass sie falsch sind. In anderen Religionen gibt es auch "Götter", deswegen sagt sich ja trotzdem kein Christ von Gott los. Genauso wenig sind solche Erfahrungen automatisch richtig, bloß weil es ähnliche Dinge in der Bibel gibt. Solche Parallelen sind in den meisten Fällen überhaupt nicht hilfreich. Wenn, dann sollte man sagen: "Das sind mystisch-schwärmerische Erlebnisse, wie sie in jeder anderen Religion erfahren werden und wie sie uns in der Bibel berichtet werden." Dann hätte man zumindest eine ausgewogenere Aussage, die einen aber natürlich auch nicht voranbringt. Deshalb bin ich prinzipiell gegen solche Parallelen, die letztlich nur negative Assoziationen auslösen und keine objektive Meinungsbildung fördern.
Dir könnte ich auch eine Erfahrungstheologie vorwerfen, weil Du Enricos Erfahrungen mit Erfahrungen von irgendwelchen heidnischen Religionen vergleichst und damit zu deinen Schlüssen kommst.
Glücklicher Weise hast du noch ein paar Bibelverse hinterhergeschoben, deshalb würd ich mich im Folgenden lieber darauf beziehen wollen.


Ich denke unser unterschiedliches Verständnis in in einer unterschiedlichen Hermeneutik zu verorten. Ich habe ein bündnistheologisches bzw. grammatisch-historisches Verständnis und gehe infolge dessen davon aus, das man biblische Texte nicht unmittelbar auf den Gläubigen heute anwenden kann bzw. die Bedeutung für den Gläubigen durch eine nachvollziehbare Exegese auf Grundlage der Klarheit der Schrift erschlossen wird. Demzufolge sind die Erfahrungen von Königen, Priestern, Richtern, Propheten, Apostel oder unseres HErrn nicht 1:1 auf den Gläubigen anzuwenden. Du müßtest jetzt also konkret benennen welche "schwärmerischen Erfahrungen" biblischer Personen Du meinst auf heutiges Christenleben anwenden zu können.

Glücklicher Weise hast du noch ein paar Bibelverse hinterhergeschoben, deshalb würd ich mich im Folgenden lieber darauf beziehen wollen.
Dazu sollte man vorher noch etwas klären. Enrico schreibt:

Zitat: ...und anschliessend hat ER mich direkt zu Jesus ans Kreuz geführt und Seiner Predigt.

Andreas schreibt: Zitat: Die Bibel bezeugt allerdings, das wahrhafter Glaube ausschließlich durch die Verkündigung des Wortes entsteht (Röm10,17; 1Kor1,18ff; 1Petr1,23).

Also hier haben wir die Predigt/Verkündigung. Der Weg dort hin wird uns als übernatürlich beschrieben. So wie ich es verstehe, sollten wir jetzt entweder darüber diskutieren ob der Weg zur Predigt hin übernatürlich sein kann (dann müsste auch übernatürlich definiert werden) oder was "ausschließlich" bedeutet.


Das möchte ich sehr kurz und knapp beantworten: Das "übernatürliche Mittel" ist das prophetische Wort. Gott ist ein transzendenter Gott der in einem für Menschen absolut unzugänglichem Ort existiert (1 Tim 6,16). Zudem ist der Mensch seit dem Sündenfall grundsätzlich von Gott geschieden (Jesaja 59,2). Die einzigen Formen der Kommunikation die Gott nach dem Zeugnis der Schrift nutzt, sind:
    -die allgemeine Offenbarung durch die Schöpfung und die Geschichte (Röm1)
    -und die spezifische Offenbarung durch das Wort Gottes

Besondere Erscheinungen, Engelbesuche, Visionen, Träume etc. waren stets auf wenige, speziell ausgesonderte Boten Gottes beschränkt und niemals auf das ganze Volk, nicht einmal die konkret Gläubigen ausgeweitet.

Was haben wir von Augustinus' Erlebnis zu halten? Er hört eine Kinderstimme sagen "Nimm und lies", er liest das erste, was ihm in der Bibel ins Auge fällt und bekehrt sich. Sind "zufällige" Kinderstimmen noch hinnehmbar?


So sehr ich Augustinus auch schätzen mag, er für Luther oder Calvin von immenser Bedeutung für die Wiederentdeckung biblischer Wahrheiten gewesen ist, kann ihm keineswegs uneingeschränkt gefolgt werden. Das gilt ebenso für alle Reformatoren. Insofern mögen es für Augustinus oder auch Enrico jeweils bedeutungsvolle "Erfahrungen" sein, aber einen geistlichen Wert besitzen diese nicht. Nicht eine Bibelstelle fordert uns dazu auf uns nach unseren Erfahrungen zu richten, diesen zu folgen oder unser Leben nach diesen auszurichten. Ganz im Gegenteil sollen wir unsere Augen auf Gott richten und in der Schrift forschen wie es sich in geistlichen Dingen tatsächlich verhält.

Das Wort ist natürlich zentral, aber wie wirkt der Geist im Verhältnis zum Wort? Wie führt er dort hin? Ich denke mal Dein "ausschließlich" schließt nicht den Heiligen Geist aus.
Meinetwegen kann man das auch in einem neuen Thread weiterführen, dann sollten aber irgendwie die Beiträge mit übernommen werden.
Liebe Grüße,
m.


Eben dieses Thema behandelt R. Senk in seinem Vortrag bzw. auch in seinem Buch. Ich denke bevor man darüber weiter diskutiert, sollte man sich diesen angehört haben. M. Luther formulierte es auf seine bekannte wie anschauliche Weise so: Der heilige Geist kommt auf dem Wagen des Wortes Gottes dahergefahren.“

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Beitragvon apologet » 21.09.2009 21:30

Enrico hat geschrieben:Nun biblisch begründeter Glaube ist sogar bei Paulus entstanden der auch so eine "subjektiver Glaubenserfahrung" hatte wie man sie in anderen Kulten und Religionen vorfinden kann :?: :wink:

Welcher Prediger hat denn den Saulus gepredigt damit dieser zum Glauben kam ???


Meine Antwort an maxb mag einiges an Grundsätzlichem zu meinem Verständnis liefern. Paulus konnte von sich sagen das er ein Apostel, wenn auch eine "unzeitige Geburt" darstellt (1Kor15,8). Apostelschaft begründet sich u.a. auf unmittelbare Begegnung mit dem Auferstandenen (Apg1,21ff; Apg4,33; 2Petr1,16ff; 1Kor 9,1; 1Kor15,6ff ; 1Joh1,1-3), Apostel haben "Zeichen & Wunder" gewirkt als Beleg echter Apostelschaft (Apg2,43; 2Kor,12,12; Heb2,3ff). Niemand kann dies heute für sich in Anspruch nehmen. Insofern ist er m.E. diesbezüglich ein denkbar ungeeignetes Beispiel.

Enrico hat geschrieben:Genau dies ist das Problem lieber Andreas.
Denn ich komme aus der ehemahligen DDR und hatte weder Religionskunde noch ein christliches Elternhaus und ...christlicher Glaube war bei uns nicht so gerne gesehen.

FAKT ist aber dass mich besagte "Erfahrungen" zu Jesus -seinem Kreuz und seinem Wort geführt haben.
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Das eine (die Hinterfragung bestimmter Erfahrungen) muß das andere (den Glauben) nicht in Frage stellen. Ich bin als Pfingstler in der dritten Generation aufgewachsen und geistlich sozialisiert worden. Du magst Dir vorstellen können, das "geistliche Erfahrungen" keinen Mangel in meinem Leben darstellen. Jedoch beurteile ich diese heute völlig anders.

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