Zum Ende des Jahres

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Jörg
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Zum Ende des Jahres

Beitragvon Jörg » 31.12.2017 12:51

Nicht vergessen, sondern überwinden

Er hat alles wohlgemacht (Markus 7, 37)

So wollen wir am Ende dieses Jahres sprechen über jede Woche, über jede Stunde, die vergangen ist. Solange wollen wir mit diesem Wort ins Gebet gehen, bis keine Stunde mehr ist, von der wir nicht sagen wollten, „Er hat alles wohlgemacht“. Gerade die Tage, die uns schwer waren, die uns gequält und geängstigt haben, Tage, die in uns eine Spur von Bitterkeit zurückgelassen haben, wollen wir heute nicht hinter uns lassen, bevor wir nicht auch von ihnen dankbar und demütig bekennen: „Er hat alles wohlgemacht“. Nicht vergessen sollen wir, sondern überwinden. Das geschieht durch Dankbarkeit. Nicht die ungelösten Rätsel der Vergangenheit lösen und in quälende Grübelei fallen sollen wir, sondern auch das Unbegreifliche stehen lassen und friedlich in Gottes Hand zurückgeben. Das geschieht durch Demut. „Er hat alles wohlgemacht“. Aber noch bleibt der furchtbarste Stachel zurück: Meine Schuld, meine Versäumnisse, meine Undankbarkeit, mein Zorn, meine Trägheit zum Gebet, mein ganzes widerspenstiges, verzagtes, unfrohes Herz - was wird daraus? Die böse Frucht meiner Sünde wirkt ja ohne Ende fort. Wie soll ich dem ein Ende setzen? Und doch bist du kein Christ, sondern verhärtest dich nur in deiner Sünde, wenn du nicht auch über deiner Schuld sprechen kannst, ER hat alles wohlgemacht! Es heißt eben nicht, wir haben alles wohlgemacht. Glaubst du das? Das ist die letzte und erstaunlichste Erkenntnis des Christen, dass er zuletzt auch über seiner Sünde sagen darf: Er hat alles wohlgemacht. Er hat mir auch durch die Sünde hindurchgeholfen, ihn zu finden. Er hat schließlich alle meine Sünde zugedeckt.

Jetzt erst wissen wir recht, was das heißt, Er hat alles wohlgemacht. Er hat uns geheilt. Er war allezeit da und am Werk. Jetzt erst können wir auch wahrhaftig für all das viele Gute danken, das wir empfangen haben, danken für unsere Arbeit, für das tägliche Wort, für allerlei persönliche Hilfe und Führung, für Bewahrung vor allerlei großem Übel und Gefahr des Leibes und der Seele. Jetzt ist alles Vergangene umschlossen in der einen Freude: „Er hat alles wohlgemacht.“

Dietrich Bonhoeffer

(aus „Dietrich Bonhoeffer Werke", Band 14, Seite 258-259; erschienen im Chr. Kaiser/Gütersoher Verlagshaus)
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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