Die orthodoxen Kirchen

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Jörg
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Die orthodoxen Kirchen

Beitragvon Jörg » 13.01.2010 09:00

Hallo zusammen,

hier in diesem Forum ist ja schon oft und viel über die römisch-katholische Kirche debattiert worden. Mein Schwager hat seit einiger Zeit eine Freundin aus Serbien, die zur dortigen orthodoxen Kirche gehört. Kann mir jemand von Euch zu einer fairen Beurteilung dieser Kirche verhelfen?

Lieben Gruß

Jörg
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 13.01.2010 15:24

Hallo Jörg
Dieser Beitrag ist ganz gut, besonders die Beiträge über Theologie und Sakramente :!:
Liebe Grüße Joschie
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Beitragvon Jörg » 14.01.2010 05:04

...."Sie erheben den Anspruch, sich im Unterschied zu den westlichen Kirchen dogmatisch ausschließlich an den Beschlüssen der sieben ökumenischen Konzile zwischen 325 und 787 zu orientieren" (Wikipedia)

Die Frage, die sich mir dadurch stellt: Ist das vom biblischen her gesehen eine positive oder eine negative Aussage?

Des Weiteren frage ich mich: Was ist mit der Ikonen-Verehrung? Leider geht der Wikipedia-Artikel darauf nicht ein! Ist das nicht ein Verstoß gegen das Gebot: "Du sollst dir kein Bildnis....machen.....Bete sie nicht an und diene ihnen nicht.... (2. Mose 20, 4-5)? Oder verstehe ich das falsch?

Ich wünsche Euch einen gesegneten Tag!

Jörg
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Beitragvon Joschie » 14.01.2010 09:54

Hallo Jörg
Hier findest du ein Beitrag zu der Ikonen Verehrung.
Lieben Gruß Joschie
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Beitragvon Joschie » 14.01.2010 10:55

Jörg schreibt
...."Sie erheben den Anspruch, sich im Unterschied zu den westlichen Kirchen dogmatisch ausschließlich an den Beschlüssen der sieben ökumenischen Konzile zwischen 325 und 787 zu orientieren" (Wikipedia)
Hier findest du ein Verzeichnis aller Konzile der vor den Schisma und danach.Durch die Angaben über den Inhalt der Konzile kannst du dir ein gutes Bild machen :idea:
Gruß Joschie
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lutz
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Beitragvon lutz » 18.01.2010 19:05

Hallo Jörg,

ich möchte noch Joschies Infos erweitern.

Beim Thema „Ikonenverehrung“ sind sicherlich zwei Fragen von besonderem Interesse:
„Warum?“ und „Wozu?“.
Lege ich den Wikipedia Artikel zu „Ikone“ zugrunde:
__________________________________________________________________________
http://de.wikipedia.org/wiki/Ikone
„… Der Zweck der Ikonen ist, Ehrfurcht zu erwecken und eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten zu sein, indirekt auch zwischen dem Betrachter und Gott …“
„ …Die Ikonenverehrung in Form von Metanien, Kuss, Kerzen und Weihrauch richte sich demgemäß nicht auf das Bild, sondern auf die "hinter" dem Bild präsente Wahrheit. Neben Christusbildern dürften auch Heiligenbilder verehrt werden, denn in den Heiligen wirke der Heilige Geist, der selbst Gott sei und daher zurecht so verehrt werde…“
„… Ikonen werden verehrt, indem man sich vor ihnen bekreuzigt, sich verneigt oder zu Boden wirft und sie küsst (aber nicht aufs Gesicht der dargestellten Figur), sie also lediglich ehrfurchtsvoll grüßt. Diese Verehrung wird dabei strikt unterschieden von Anbetung, die nur Gott zukommt. Auch die Verehrung bezieht sich nach orthodoxer Lehre auf den Dargestellten, nicht auf die Ikone selbst als einen Gegenstand aus Holz und Farbe. …“
_____________________________________________________________________________
geht es also um Vorstellungen, die Bilder als Mittel zur Erkenntnis von Wahrheit zu verwenden, eine spezielle Verbindung zwischen geistlicher und sichtbarer Welt herzustellen, der Verehrung des Göttlichen (der dahinter stehenden Wahrheit oder des Göttlichen in der dargestellten Person). Von einem lediglichen Grüßen kann nicht die Rede sein.

Die nächste Frage wäre:
Wo lehrt die Schrift eine solche Vorgehensweise?
Wo gibt die Schrift uns Anlass einer solchen Erwartungshaltung beizupflichten?
Dabei sollte man sich nicht täuschen lassen, dass hier eine „Pseudounterscheidung“ zwischen „Verehrung“ und „Anbetung“ gemacht wird.

Calvin geht in seiner Institutio sachlich auf das gleiche Problem ein – hier wird der Unterschied „Bilderdienst“ und „Verehrung“ genannt. (I. Buch, 11. Kapitel: „Es ist Sünde, Gott sichtbare Gestalt beizulegen; …“)
Dabei bezieht er sich auch auf das 7. Ökumenische Konzil (Nicäa 787, nicht zu verwechseln mit dem früheren Konzil ebenfalls Nicäa) – Institutio I. Buch, 11. Kapitel, 14: „Das bilderfreundliche Konzil zu Nicäa ist selbst ein Beweis schrecklicher Verdrehung der Lehre“.

„… Wenn man sie anklagte, so gaben die Unklugen durchweg die Antwort, sie verehrten doch nicht das Sichtbare, sondern die Gottheit, die dort unsichtbar wohne! Und wer – nach Augustins Worten – eine reinere Religionsübung hatte, der gab an, weder das Bild, noch den Götzen zu verehren, sondern im leiblichen Bilde Merkzeichen dessen zu suchen, was man verehren müsse. (Augustin, Zu Psalm 113.) Was ergibt sich daraus? Alle Götzendiener, ob Juden oder Heiden, waren nicht anders gesinnt, als ich geschildert habe: mit der geistlichen Erkenntnis nicht zufrieden, meinten sie aus den Bildern eine nähere und gewissere zu empfangen. Nachdem ihnen aber einmal diese abergläubische Darstellung Gottes gefallen hatte, gab es kein Ende mehr, bis sie, durch wiederholte Gaukeleien getäuscht, zu der Meinung kamen, Gott übe in den Bildern seine Kraft aus. Trotzdem waren die Juden überzeugt, den ewigen Gott, den einigen, wahren Herrn Himmels und der Erde in solchen Bildern zu verehren und auch die Heiden meinten so ihren Göttern Verehrung zu erweisen, die zwar falsche Götter waren, von denen sie aber doch glaubten, dass sie im Himmel wohnten.“ (I, 11, 9)
„ … Indessen weiß ich sehr wohl, und es soll auch nicht verschwiegen werden, dass sie sich mit einer sehr spitzfindigen Unterscheidung zu helfen suchen, auf die ich später noch näher eingehen will (vgl. Kap. 12, 2). Sie behaupten nämlich, die Verehrung, die sie ihren Bildern erweisen, sei Bilderdienst (Idodulie), leugnen aber, es sei Bilderverehrung (Idolatrie). …“ (I, 11, 11)
„Zu dem Zweck hat man nun auch die Unterscheidung zwischen „Verehrung“ und (bloßem) „Dienst“ aufgebracht: man wollte ungestraft den Engeln und den Toten göttliche Ehren beilegen können. Denn die Verehrung, die die Papisten den Heiligen angedeihen lassen, unterscheidet sich ja tatsächlich offenbar nicht von der Verehrung Gottes; denn man betet ja Gott und die Heiligen durcheinander an – nur, dass sie allen Angriffen mit der Behauptung begegnen, sie gäben doch Gott das Seine, weil sie ihm die „Verehrung“ vorbehielten! Aber es ist hier von der Sache und nicht von der Vokabel die Rede …
Aber wenn wir selbst zugeben wollten, der Unterschied bliebe gewahrt, so müsste gefragt werden, was die beiden Ausdrücke denn besagen. …
Nun wird aber doch kein Mensch bezweifeln, dass Dienst etwas Größeres ist als Verehrung! Denn es wäre oft sehr hart, einem zu dienen, dem man die Verehrung nicht verweigern würde. Eben deshalb ist es eine völlig unangebrachte Verteilung, den Heiligen das Größere zuteil werden zu lassen, Gott aber das Kleinere, Geringere vorzubehalten. Trotzdem bedienen sich viele von den Alten dieser Unterscheidung. Was soll aber werden, wenn alle erkennen, dass sie unangebracht und frivol ist?“ (I, 12, 2)

Lutz


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