Hypercalvinistisches Höllenbuch?

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H.W.Deppe
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Hypercalvinistisches Höllenbuch?

Beitragvon H.W.Deppe » 31.07.2005 13:51

In einer Rezension wurde mein Buch "Wie wird es in der Hölle sein?" in die Nähe von Hypercalvinismus gerückt. Dazu möchte ich kurz Stellung nehmen:

1. Was ist Hypercalvinismus?
Vorab: Ich bekenne mich nicht einmal zum Calvinismus*, geschweige denn zum Hypercalvinismus.
Es gibt verschiedene irrige Überbetonungen calvinistischer Lehren, die als Hypercalvinismus bezeichnet werden, z.B. die Auffassung, die Wiedergeburt geschähe verborgen im Leben eines Ungläubigen, welcher dann später irgendwann gläubig werde. Das ist falsch, weil die Wiedergeburt untrennbar mit dem Gläubigwerden verbunden ist.
Eine andere Form von Hypercalvinismus ist die Ablehnung, in der Evangliumsverkündigung einen Appell einzuschließen, etwas zu tun, nämlich Buße zu tun und zu glauben. Hypercalvinisten verstehen das souveräne Rettungswerk Gottes so, dass der Mensch absolut passiv bleiben müsse. Das ist falsch, weil zur biblischen Evangeliumsverkündigung - neben der Erklärung der Heilstatsache von Kreuz und Auferstehung - auch der Aufruf zu Buße und Glauben gehört. Zwar ist es Gott, der sowohl das Wollen als auch das Vollbringen bewirkt (durch die Kraft des Evangeliums), aber von daher ist klar, dass das Wollen mit zur Errettung gehört.

* Bzgl. der Heilslehre halte ich jedoch die "fünf Punkte des Calvinismus" als biblisch richtige Antwort auf den Arminianismus (das ist der historische Zweck der 5 Punkte).

2. Das Buch ist evangelistisch
Das Buch ist grundsätzlich evangelistisch konzipiert (und ist außerdem auch gut für Gläubige geeignet). Die ersten vier der fünf Kapitel zeigen sachlich, was die Bibel über die Hölle lehrt, das fünfte Kapitel ist ausdrücklich evangelistisch. Bereits in den ersten vier Kapiteln wird immer wieder gezeigt, wie schlimm die Sünde ist und wie groß die Gnade, Güte und Geduld Gottes ist.

3. Der Aufbau des evangelistischen 5. Kapitels
Die angeblich hypercalvinistisch anmutende Äußerung steht in Kapitel 5, wo ich auf S. 77 geschrieben habe:

Was kann man tun, um der Hölle zu entgehen? Nichts, es gibt absolut keine gute Tat und keine Summe von guten Werken, die auch nur eine Sünde aufwiegen oder begleichen oder ihre Vergebung erkaufen kann.


Dieses "Nichts" war der Stein des Anstoßes. Schon vom unmittelbaren Zusammenhang her ist klar, dass hier gemeint ist, dass ein Sünder sich nicht durch eigene Werke vor der Hölle retten kann. Der weitere Zusammenhang lässt den Verdacht des Hypercalvinismus in noch weitere Ferne rücken. Man beachte nämlich den Aufbau dieses rein evangelistischen Abschnittes:
a) Ausgehend vom Gericht am Großen Weißen Thron (Offb 20) wird Gottes letztendliches Gericht über die Sünder erklärt (S. 73-76). Ziel: der Sünder soll sein Verlorensein erkennen
b) Ebenfalls von dieser Schriftstelle ausgehend wird gezeigt, dass diejenigen, die im "Buch des Lebens" stehen, die einzigen sind, die der Hölle entgehen (S. 77). Ziel: der Sünder soll sehen, dass es eine Erlösung gibt, aber soll auch wissen, dass er diese Erlösung nicht aus eigenen Werken erlangt - er muss seine Hilflosigkeit sehen
c) Anschließend wird das vollbrachte Erlösungswerk von Golgatha ausführlich erklärt (S. 78-79). Ziel: der Sünder soll die von Gott selber geschaffene Erlösung in Christus erkennen und verstehen, dass sein Heil nicht in seinen eigenen, sondern in Gottes Händen liegt
d) Unter der Überschrift "Lass dich retten" folgt ein langer Appell an den Leser, sich retten zu lassen, Buße zu tun und zu glauben (S. 79-82). Darin werden Schriftstellen zitiert wie Mt 7,7; Joh 6,37; Apg 16,31 ("Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden"); 2Kor 5,11.20-21 u.a. Ziel: nachdem der Sünder nun seine Verlorenheit und Gottes vollbrachte Erlösung erkannt hat, soll er dem Aufruf zu Buße und Glauben folgen.

Fazit: Dieses unter a-d geschilderte Konzept entspricht nach meiner Überzeugung der schriftgemäßen Evangeliumsverkündigung (man verstehe es bitte nicht als stur anzuwendendes "4-Schritte-Rezept"). Ich finde es unfair und unweise, diesen Abschnitt und meine Person in die Nähe von Hypercalvinismus zu rücken.
Dennoch danke ich dem hier ungenannten Rezensenten für die unterm Strich positive und werbende Rezension und bin ihm weiterhin ungetrübt brüderlich verbunden. Diese Klarstellung dient nur der Entgegnung auf Missverständnisse.

Gruß, Werner

C.K.
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"Mecker"-Brüder

Beitragvon C.K. » 02.08.2005 14:46

Ich finde das Buch, das ich mir ja kürzlich bestellte, hervorragend gemacht und gut geeignet, um es weiter zu geben.

Dich, resp. das Buch, auch nur in die Nähe des Hypercalvinismus zu rücken, ist geradezu grotesk :shock: ! Weiss der Bruder, von was er redet? (Die Rezension würde mich mal interessieren :wink: ....)

Man hört doch heutzutage kaum noch eine Predigt über die Hölle und da finde ich es lobenswert, wenn Christen wieder einmal auf dieses Thema aufmerksam gemacht werden - und auch Nichtchristen.

Ganz wertvoll finde ich übrigens auch den Titel "Was ist rettender Glaube?" von A.W.Pink (ebenfalls Betanien) - ein Augenöffner!

Nur Mut und nicht verdriessen lassen! $:)

Gruss und Segen
C.K.
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MichaelM
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Beitragvon MichaelM » 02.08.2005 16:04

(Beitrag wurde von MichaelM nachträglich gelöscht)
Zuletzt geändert von MichaelM am 22.11.2005 18:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Silke » 02.08.2005 17:09

Hallo Michael,

ist zwar off topic, aber ich finde den Titel sehr gut, weil er neugierig macht, anstatt von oben herab eine Aussage zu treffen.
Ein Missionswerk druckt auch auf jeder Karte, jedem Traktat einen Satz ab, den ich ähnlich arrogant finde. Mich hätte das nicht dazu 'provoziert', das Buch oder die Schrift zu lesen, sondern sie in den Müll zu werfen.

Herzlichst, Silke
so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott! (2Kor 5,20)

MichaelM
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Beitragvon MichaelM » 02.08.2005 17:46

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Beitragvon C.K. » 02.08.2005 17:55

MichaelM hat geschrieben:Ich hätte den Buchtitel etwas provokanter gewählt "Du kommst in die Hölle"


Diese Aussage trifft nicht auf diejenigen zu, die dann doch gläubig werden!
Wenn schon, müsste es heissen: "Du kommst in die Hölle, wenn du nicht Busse tust und an den Herrn Jesus glaubst".
Von daher ist der Buchtitel schon richtig gewählt.

Bin ich jetzt ein Wortklauber :roll: ?
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Re: Hypercalvinistisches Höllenbuch?

Beitragvon C.K. » 02.08.2005 17:58

H.W.Deppe hat geschrieben:* Bzgl. der Heilslehre halte ich jedoch die "fünf Punkte des Calvinismus" als biblisch richtige Antwort auf den Arminianismus (das ist der historische Zweck der 5 Punkte)


Amen
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Beitragvon Silke » 02.08.2005 18:04

Hallo Michael,

man kann die Wahrheit auch auf andere Weise sehr deutlich auf den Punkt bringen, ohne schon durch den Titel manche Leute einfach zu verärgern oder was auch immer. Meines Erachtens ist der Buchtitel sehr weise gewählt.

Herzlichst, Silke
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Re: Hypercalvinistisches Höllenbuch?

Beitragvon ThomasR » 05.10.2005 07:27

H.W.Deppe hat geschrieben:In einer Rezension wurde mein Buch "Wie wird es in der Hölle sein?" in die Nähe von Hypercalvinismus gerückt.


Ich habe das Buch gelesen und finde es gut.
Es steht nichts Neues drin - und das meine ich als Kompliment.
Eben keine neue Lehre, sondern nur das, was auch schon im NT ist.

Aus einem Satz, der aus dem Zusammenhang gerissen ist, so eine Rezension zu schreiben, das ist ja wie bei den Sektiererern, die aus einem Satz der Bibel eine Irrlehre aufbauen...

Gruß
ThomasR
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Re: Hypercalvinistisches Höllenbuch?

Beitragvon Jakob » 05.10.2005 14:29

Offtopic:

H.W.Deppe hat geschrieben:Ich bekenne mich nicht einmal zum Calvinismus [...] Bzgl. der Heilslehre halte ich jedoch die "fünf Punkte des Calvinismus" als biblisch richtige Antwort auf den Arminianismus (das ist der historische Zweck der 5 Punkte).


Ohne hier eine Diskussion über Calvinismus beginnen zu wollen habe ich nur die einfache Frage in welcher Form der Calvinismus über die 5 Punkte hinausgeht. Was hypercalvinismus ist habe ich verstanden, aber ich dachte immer Calvinismus würde im allgemeinen durch die 5 Punkte (TULIP) definiert.

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Beitragvon Tob » 05.10.2005 14:58

Vielleicht mag der ein oder andere Leser die 5 Punkte des Calvinismus noch nicht kennen.
TULIP steht für die jeweiligen Anfangsbuchstaben der 5 Punkte (Englisch).
Die folgende Auflistung habe ich www.soundwords.de entnommen:
1) Totale Verdorbenheit des Menschen
2) Bedingungslose Auserwählung
3) Beschränkte Versöhnung
4) Unwiderstehliche Gnade
5) Ausharren der Heiligen

Weitere Punkte des calvinistischen Standpunktes
6) Christus trug die Sünden bereits in seinem Leben
7) Gesetzeserfüllung notwendig zur Rechtfertigung
8) Die Lehre von der doppelten Prädestination
9) Neue Geburt vor der Bekehrung


Vielfach wird jemand, der alle 9 calvinistische Standpunkte einnimmt, als 'Hyper-Calvinist' bezeichnet.

Viele Grüße

Tob

C.K.
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Beitragvon C.K. » 24.10.2005 08:31

Tob hat geschrieben:Vielfach wird jemand, der alle 9 calvinistische Standpunkte einnimmt, als 'Hyper-Calvinist' bezeichnet.


Da macht man es sich aber gar ein wenig einfach - ich halte dies für unseriös.
Was Hypercalvinismus ist und wie z.B. auch Spurgeon darauf reagiert hat, beschreibt folgender Artikel (auf der Seite finden sich übrigens noch manch andere gute Artikel zu diesem Thema; leider nur auf englisch)

Hyper-Calvinism
------------------------------------------------------------------------------
Most Calvinists reject as deplorable the following hyper-Calvinistic and destructive beliefs:

that God is the author of sin and of evil
that men have no will of their own, and secondary causes are of no effect
that the number of the elect at any time may be known by men
that it is wrong to evangelize
that assurance of election must be sought prior to repentance and faith
that men who have once sincerely professed belief are saved regardless of what they later do
that God has chosen some races of men and has rejected others
that the children of unbelievers dying in infancy are certainly damned
that God does not command everyone to repent
that the sacraments are not means of grace, but obstacles to salvation by faith alone.
that the true church is only invisible, and salvation is not connected with the visible church
that the Scriptures are intended to be interpreted by individuals only and not by the church.
that no government is to be obeyed which does not acknowledge that Jesus is the Lord, or that Biblical Law is its source of authority
that the grace of God does not work for the betterment of all men
that saving faith is equivalent to belief in the doctrine of predestination
that only Calvinists are Christians (Neo-gnostic Calvinism)
---------------------------------------------------------------------------
Arminianism and Hyper-Calvinism were both among the historical errors battled by Charles Spurgeon, who was himself a 5-point Calvinist. He vigilantly fought these twin errors on both sides of the spectrum. One of Hyper-Calvinism's main errors is to declare that, because of God's sovereignty, we should not evangelize the lost. Spurgeon rejected such nonsense as do the large majority of people who would call themselves Calvinists today (such as R.C. Sproul, John Piper, John MacArthur, Alistair Begg and many others) We believe the doctrine of election should be declared strongly because the Bible does and because man's affections are enslaved to sin. He cannot save himself but needs the effectual working of the Holy Spirit if he is to have ears to hear when we preach the gospel. The preacher casts forth the seed of the gospel (the command to believe) indiscriminately but the Holy Spirit germinates the Word (so to speak) in the hearts of those he intends to save; i.e. those given to the Son by the Father in the eternal covenant made before time (John 6:37, 39, Eph 1, 4). Many Christian missionaries whom most would consider heroes held to the five point of Calvinism: William Carrey (he was opposed by a Hyper-Calvinist), Jonathan Edwards & David Brainard (missionaries to native Americans) just to name 3.
-----------------------------------------------------------------------------

Quelle:
http://www.monergism.com/thethreshold/articles/topic/hypercalvinism.html
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Beitragvon H.W.Deppe » 25.11.2005 14:48

Danke - hatte ich aber bereits übersetzt unter:
http://www.betanien.de/forum/viewtopic.php?t=248
Gruß, Werner
"Der Prophet, der einen Traum hat, erzähle den Traum! Wer aber mein Wort hat, rede mein Wort in Wahrheit! Was hat das Stroh mit dem Korn gemeinsam? spricht der HERR." (Jer 23,28)
Lasst uns bei dem bleiben, was geschrieben steht! Sola Scriptura!


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