Umgang mit Zorn und Wut

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Jörg
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Re: Nicht allein Hörer sondern Täter des Wortes zu sein

Beitragvon Jörg » 07.01.2011 06:22

Jose hat geschrieben:Vorhin habe ich in eine Predigt das Wort aus Jakobus 1,19-22 gehört:

"Ihr wisst doch, meine geliebten Brüder: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn! Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit. Deshalb legt ab alle Unsauberkeit und das Übermaß der Schlechtigkeit, und nehmt das eingepflanzte Wort mit Sanftmut auf, das eure Seelen zu retten vermag! Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen!" Jak 1,19-22.



José, ja, wir Christen sind leider oftmals schnell im Reden, langsam im Hören und schnell im Zorn! Hier haben wir zu wachsen! - Aber das andere ist auch wahr: Manche Christen sind so stoisch, wo ein kräftiges, lautes, energisches Wort angebracht wäre. Diese ach so brave Christen stören keinen - aber ich fürchte, sie bewegen auch gar nichts! Sie gehen jeder Auseinandersetzung aus dem Weg, weil es ja weh tun könnte. Hinter ihrer "Sanftmut" versteckt sich in Wirklichkeit Feigheit und falsche Harmoniesucht. Statt Offenheit und Ehrlichkeit wird alles - fromm kaschiert - unter den Teppich gekehrt! Wut und Zorn haben diese Menschen aber doch - sie verstecken es nur im Inneren und dort gärt es und so bekommen sie irgendwann Magengeschwüre ("Wut im Bauch") oder Depressionen (das ist unter anderem "nach Innen gerichteter Zorn")! Diese Kultur des Schweigens hat so manche Gemeinden (und Familien und Arbeitsplätze) zerstört und von innen zersetzt. Dann wird hinter den Rücken getuschelt und gelästert - oft sogar fromm gekleidet.

Wie sehne ich mich danach, daß Christen auch mal offen und ehrlich aufstehen und Tacheles reden - sofern sie es aus einer liebevollen Gesinnung tun! - Liebe und Wahrheit sind ein unzertrennliches Paar! Aber in einem deutlichen, lauten, energischen Wort kann mehr Liebe stecken als in lieblich klingenden, sanften Worten.

Lassen wir doch das Wort Gottes so stehen wie es ist. Es heißt: seid langsam zum Zorn und nicht "seid gar nicht zornig!" Denn sonst müssten wir konsequent sein und ebenso sagen, wenn es heißt "seid langsam zum Reden", "redet gar nicht!"

"Sanftwütige" Grüße (in Anlehnung an "Sanftwut", der hier vor längerer Zeit mal geschrieben hat)

Jörg
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jose
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Tacheles reden

Beitragvon Jose » 07.01.2011 12:14

Lieber Jörg,
ich weiß nicht, an was du alles gedacht hast bei deinem letzten Beitrag:
Jörg hat geschrieben:Wie sehne ich mich danach, daß Christen auch mal offen und ehrlich aufstehen und "Tacheles" reden - sofern sie es aus einer liebevollen Gesinnung tun! - Liebe und Wahrheit sind ein unzertrennliches Paar! Aber in einem deutlichen, lauten, energischen Wort kann mehr Liebe stecken als in lieblich klingenden, sanften Worten.


Dies ist aber ein Thema für sich. Meine Erfahrung ist leider die, dass selbst wenn man offen und zitternd auf etwas hinweist, man sehr schnell der Lieblosigkeit und des Stolzes und Hochmuts bezichtigt wird. Deswegen ermahnt uns Jakobus: "Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn!", und ich bin überzeugt, dass wenn wir immer schnell zum hören wären und auch mehr darauf achten würden, in den von uns erkannten Wahrheiten Täter des Wortes zu sein, käme es oftmals gar nicht mehr zum Zorn gegen andere, sondern eher gegen uns selber, weil wir immer noch so sehr von uns überzeugt sind.

Was mich anbetrifft können wir gerne "Tacheles" miteinander reden, Jörg. Der Herr schenke und dazu die rechte Gesinnung und Seine Liebe. Im Forum wird es nach meiner Ansicht aber schwerlich oder gar nicht möglich sein, schon deswegen nicht, weil es vermutlich nicht für alle Leser von Bedeutung wäre.

Gottes Segen wünsche ich dir von Herzen.

Liebe Grüße,
José


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