Umgang mit Zorn und Wut

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Jörg
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Umgang mit Zorn und Wut

Beitragvon Jörg » 13.05.2010 12:52

Hallo,

mich beschäftigt seit einiger Zeit die Frage, wie ein angemessener, gesunder Umgang mit Gefühlen wie Wut und Zorn aussieht?

Ich erwähne mal ein Beispiel aus meinem Berufsleben: Manchmal habe ich den Eindruck, daß die, die fleißig sind, die Arbeiten der Anderen mitmachen und dabei leicht ausgenutzt werden aber trotzdem nicht mehr Gehalt bekommen. Diesen Zustand finde ich absolut ungerecht und ich empfinde manchmal Wut und Zorn darüber. Es kann dann leicht passieren, daß ich diese Wut zur Sprache bringe und mir dabei oft nicht gerade sehr freundlich vorkomme.

Interessant und zugleich etwas verwirrend finde ich, daß Paulus einerseits im Epheserbrief sagt: "Zürnet ihr, so sündigt nicht" und damit Zorn nicht unbedingt mit Sünde gleichsetzt andererseits aber im Kolosserbrief, Kapitel 3 sagt, daß wir den Zorn ablegen sollen.

Vielleicht habt Ihr ja ein paar Ratschläge (bitte mehr Rat als Schläge :wink: ) für mich?

Grüße, Jörg
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 15.05.2010 06:06

Der Liedvers von Manfred Siebald hilft mir, meine Wut nicht einfach zu verdrängen und "runterzuschlucken", sondern sie vor dem dreieinigen Gott auszusprechen und ihn um Hilfe zu bitten, mit meiner Wut besser umzugehen:


"Ich schütte mein Herz vor dir aus.
Ich lasse die Wut und Empörung hinaus,
den Zorn auf Gemeinheiten, auf Heuchelein,
auf Lüge und Hinterlist und obendrein,
den Zorn auf den Ärger in mir.
Ich schütte mein Herz aus vor dir.
Herr, meines Zornes werd ich nicht Herr.
Sei du der Herr meines Zornes."


Dennoch: Mich würde interessieren, wie Ihr mit Wut und Zorn umgeht? Oder kennt Ihr diese Gefühle nicht?

Schönes Wochenende wünscht

Jörg

PS: Nach meiner Überzeugung kann ein falscher Umgang mit Wut, d. h. nach innen gerichteter Zorn, zu einer Depression führen. (So sieht es auch Edward T. Welch in seinem Buch "Depression", ab Seite 135, 3L Verlag)
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Silke
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Beitragvon Silke » 15.05.2010 21:32

Hallo Jörg,

also ich kenne Zorn auch, früher auch sehr aufbrausenden Zorn... :oops:

Ob es berechtigten Zorn gibt, ist keine einfache Frage. Ich bin mir nicht sicher, wenn man es auch nach Eph 4,26; 6,4 meinen könnte. Allerdings sollen wir nach Kol 3,8 Zorn und Wut ablegen. Da es m. E. mindestens zu Verbitterung führt (zumindest nach meiner eigenen Erfahrung), versuche ich schon, eine zornlose Haltung zu entwickeln (sofort blocken und abgeben). Das hat nichts damit zu tun, dass man nicht mehr sagt, wenn etwas nicht passt, sondern dies eben mit einer anderen Herzenshaltung tut.

Deine Beschreibung aus dem Arbeitsleben kenne ich leider auch recht gut. Aber ich glaube, das hat nichts mit Zorn zu tun, sondern mit Stolz. Mir fällt dazu spontan das Gleichnis mit den Arbeitern im Weinberg ein...

nachdenkliche Grüße
Silke
so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott! (2Kor 5,20)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 17.05.2010 05:00

Eine gute Erklärung zum Thema “Zorn” finde ich in folgenden Text:

“Um das, was Paulus hier sagt, in seiner ganzen Bedeutung zu begreifen, müssen wir wissen, was Zorn ist. Für Zorn gibt es drei griechische Wörter, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Das erste Wort ist “parorgismos”. Dieses Wort wird in der Epheserstelle (6,4) verwendet. Es bedeutet “gärende Feindschaft” und bezieht sich auf einen Zorn, der unterdrückt werden muß. Leider sind viele Christen der Meinung, Zorn müßte hinuntergeschluckt werden - ihn einfach verdrängen, damit er nicht gesehen werden kann. In unserem Text wird deutlich, dass das nicht gut ist.

Das zweite Wort ist “thymos”. Dieses Wort ist im Galaterbrief (5, 20) zu finden und wird mit “Jähzorn” übersetzt oder mit “Zorn, der zum Ausbruch kommt”. Dieser Zorn entsteht, wenn man sich allein von seinem Egoismus leiten läßt. Wenn Sie versuchen, Ihre Bedürfnisse zu erfüllen und Ihr Leben, Ihr Wertgefühl und das Gefühl des Angenommenseins von Menschen und materiellen Dingen erwarten anstatt vom Heiligen Geist, dann müssen Sie mit Enttäuschungen fertigwerden, was durchaus zu Wutausbrüchen führen kann. Der Grund dafür ist, dass Menschen und materieller Besitz uns falsche Versprechungen machen, aber nicht halten, was sie versprechen.

Das dritte Wort ist “orgä”. Dieses Wort ist im Epheserbrief, Kapitel 4, Vers 26 zu finden: “Laßt euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen…” (Dieses Wort wird auch in Kapitel 5, Vers 6 verwendet.) Bemerkenswert ist zuerst einmal, dass diese Art von Zorn zu empfinden nicht schon automatisch Sünde bedeutet. “Orgä” kommt dem “Empfinden von Zorn” am nächsten. Diese Art von Zorn ist nicht gut oder schlecht. Sie ist einfach nur ein Signal, dass etwas, das uns sehr wichtig ist, beschädigt oder bedroht worden ist. Wie wir dem Vers entnehmen können, ist allein unsere Reaktion auf unseren Zorn wichtig.

Mit anderen Worten, Sie können an Ihrer Reaktion erkennen, ob Ihnen etwas wichtig ist oder nicht. Wenn Sie zornig werden, weil jemand Ihren Wagen zerkratzt hat, dann zeigt das, wie wichtig Ihnen Ihr Wagen ist. Wenn Sie wütend werden, weil jemand Sie beleidigt, wird deutlich, dass Ihr Ruf Ihnen wichtig ist. Wenn Sie zornig werden, weil Menschen andere ungerecht behandeln, dann zeigt das, welch großen Wert Sie auf Gerechtigkeit legen. Wenn es Ihnen wichtig ist, den Menschen im Reich Gottes zu dienen und Sie zusehen müssen, wie führende Männer ihre Autorität mißbrauchen, um sich selbst zu dienen, werden Sie zornig werden.

Was bedeutet es dann aber, zornig zu sein und nicht zu sündigen? Es muß möglich sein, sonst würde die Anweisung des Paulus keinen Sinn machen. Wieder einmal müssen wir uns den Kontext ansehen. Paulus sagt: “Legt deshalb die Lüge ab, und redet untereinander die Wahrheit; denn wir sind als Glieder miteinander verbunden. Laßt euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen! Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen. Gebt dem Teufel keinen Raum” (Eph 4, 25-27). Ich glaube, Paulus will uns hiermit sagen, dass wir, wenn wir zornig auf einen Menschen sind, zu ihm hingehen und mit ihm sprechen sollen.

Folglich ist es Sünde, wenn man zornig auf einen Menschen ist und, statt mit ihm, mit anderen darüber spricht. Auf jemanden wütend zu sein und Gerüchte zu verbreiten, in einer Unterhaltung negative Andeutungen zu machen oder andere zu beleidigen, das ist zornig sein und sündigen.

Der Text zeigt sogar, dass zornig sein und es einfach dabei zu belassen - “die Sonne über seinem Zorn untergehen zu lassen” - auch Sünde ist. Verdrängte Wut kann sich zu “parogismos” oder “thymos” auswachsen, und keins von beiden ist gut. Wenn Sie sich über jemand geärgert haben, gilt: Sprechen Sie mit dem Betreffenden!

Es gibt Christen, die der Überzeugung sind, nur eine Art von Zorn sei gerechtfertigt: die “gerechte Empörung” oder der “heilige Zorn”. Dies sind keine biblischen Ausdrücke. Ich denke, diese Begriffe sind von Menschen geschaffen worden, die “zu geistlich” sind, um normalen, menschlichen Zorn zu empfinden, und die andere dazu bringen wollen, ihren Zorn zu verbergen, als ob dies besonders geistlich wäre. So etwas führt dazu, dass die Menschen sich verstellen.”

(aus “Familien - von Gott getragen”, Seite 87f von Jeff van Vonderen, Projetion J, Hervorhebungen von mir)

Gruß, Jörg
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Jörg
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Beitragvon Jörg » 21.05.2010 04:22

Las ich heute in meiner Schriftlesung:

"Da geriet der Geist Gottes über Saul, als er diese Worte hörte, und sein Zorn entbrannte sehr." (1. Samuel 11, 6)

und:

"Als aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, als er die Stadt voller Götzenbilder sah." (Apostelgeschichte 17, 16)

Wie wunderbar ist es, daß die Heilige Schrift selber die Antwort auf unsere Fragen ist!

Lieben Gruß

PS: Danke Joschie auch für Deine "indirekte Antwort" in den "Zitaten und Sprüchen": "Wer nicht zornig über Böses sein kann, hat keine Liebe zum Guten" von Charles Haddon Spurgeon. War sehr passend!

Jörg
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Lieber ohne Zorn

Beitragvon Jose » 30.05.2010 16:24

Lieber möchte ich keine Zorngefühle haben, denn die Gefahr ist zu groß, dabei menschlich zu handeln. Der Zorn richtet sich gegen das Böse, aber habe ich das Recht auf jemanden oder etwas zornig zu sein? Jesus sagt uns: „Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig" (Mt 11,29). Von Zorn ist hier keine Rede.

Im Zorn tötete Mose einen Ägypter. Nach seiner Flucht und die 40 Jahre in der Wüste als Hirten wurde er zum demütigsten Mann auf Erden (siehe 4. Mose 12,3). Aber als die Söhne Israel mit dem HERRN haderten am Wasser von Meriba (4. Mose 20), da erging es ihm übel ihretwegen: „Denn sie reizten seinen Geist, so daß er unbedacht redete mit seinen Lippen“ Ps 106,33. Das Ende war tragisch für Mose, denn er durfte nicht in das irdische Kanaan, obwohl er zum HERRN flehte um Erbarmen (siehe 5. Mose 3,23-26).

Jakobus schreibt: „Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit“ Jak 1,20, und Paulus schreibt an Timotheus "„und die Widersacher in Sanftmut zurechtweisen, ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit“ 2. Tim 2,25. Möge Gott Seinem Volk viele solche Hirten geben, die lieber die Füße anstatt den Kopf der Jünger waschen wollen.

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Beitragvon Jörg » 01.06.2010 04:38

Werd´ ich wohl demnächst mal bestellen:

http://www.cbuch.de/product_info.php/in ... 97u1jbr3q6
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Beitragvon Joschie » 20.08.2010 20:46

Hallo Jörg
Hier http://www.clv-server.de/pdf/255282.pdf lohnt es sich mal rein zuschauen. $:P
Lieben Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Beitragvon Jörg » 18.12.2010 10:38

Silke hat geschrieben:

Deine Beschreibung aus dem Arbeitsleben kenne ich leider auch recht gut. Aber ich glaube, das hat nichts mit Zorn zu tun, sondern mit Stolz. Mir fällt dazu spontan das Gleichnis mit den Arbeitern im Weinberg ein...



Hallo Silke, noch mal nachgehakt, auch wenn es schon eine Weile her ist:

im Unterschied zu den "Arbeitern im Weinberg" hat mein Arbeitskollege einen Angestelltenvertrag mit einer 37 1/2 Stundenwoche. Wenn er also nur 10 Stunden arbeitet und trotzdem das Gehalt für 37 1/2 Stunden bekommt, bestiehlt er den Arbeitgeber! Der Arbeiter im Weinberg, der nur 1 Stunde arbeitete, hatte sozusagen einen Arbeitsvertrag für 1 Stunde - das wäre rechtens. Insofern trifft das Gleichnis nicht meine Situation!

Lieben Gruß

Jörg
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Re: Umgang mit Zorn und Wut

Beitragvon Jose » 25.12.2010 20:42

Lieber Jörg.
In den letzten Tagen habe ich viel über das Thema nachgedacht. Persönlich bin ich froh und dankbar, eine Arbeit zu haben die mir Freude bereitet. Nicht angerechnete Stunden, oder eine geringere Gehaltseinstufung, haben mich bislang wenig oder gar nicht belastet.

Jörg hat geschrieben:Ich erwähne mal ein Beispiel aus meinem Berufsleben: Manchmal habe ich den Eindruck, daß die, die fleißig sind, die Arbeiten der Anderen mitmachen und dabei leicht ausgenutzt werden aber trotzdem nicht mehr Gehalt bekommen. Diesen Zustand finde ich absolut ungerecht und ich empfinde manchmal Wut und Zorn darüber. Es kann dann leicht passieren, daß ich diese Wut zur Sprache bringe und mir dabei oft nicht gerade sehr freundlich vorkomme. (13.05.2010 12:52)


Wenn ich Kolosser 3,23 bedenke: "Was ihr auch tut, arbeitet von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen", so ist mein besonderes Anliegen, diese Anweisung der Schrift zu befolgen und hoffe, auch dadurch ein Zeugnis für meine ungläubige Arbeitskollegen zu sein. Aber dein Empfinden von Wut und Zorn über die geschilderte Ungerechtigkeit, gerade im beruflichen Alltag, kann ich nachvollziehen.

Es gab Zeiten, da hatte ich viel Arbeit und bekam immer mehr dazu. Einmal sollte meine Arbeitszeit verlängert werden, mit dazugehörigem Lohnausgleich, damit ich eine besonders dringende Aufgabe übernehmen könnte. Das musste aber in der Personalabteilung beantragt und begründet werden. Als ich allerdings den Antrag an die PA unterschreiben sollte, las ich eine abweichende Begründung als die zuvor besprochene. Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, es sei wohl ein Versehen, aber Hauptsache ich bekäme mehr Geld. Als Christ war mir das nicht egal und daher unterschrieb ich nicht. Ein höherer Vorgesetzter rief mich dann zu sich und teilte mir ärgerlich mit, dass die fehlende genehmigte Mehrarbeit mein verschulden sei und ich die zusätzliche Aufgabe dennoch übernehmen müsse.

Die Abende wurden länger, die zeitliche Mehrarbeit verfiel. Oft stand mein direkter Vorgesetzter an der Tür und ermahnte mich, die Arbeitszeit einzuhalten. Er war für den Antrag mit zuständig gewesen und hatte mir nie erklärt, warum eine andere Begründung eingetragen wurde als die zuvor besprochene. Bei einer dieser abendlichen Begegnungen brüllte ich meinen Frust über ihn heraus.

So gab es vor etwas über 6 bis 12 Jahren verschiedene Situationen, aber nicht nur im Beruf, die mich zur Wut reizten. Irgendwann erkannte ich aber, dass das Problem nicht die Situationen oder die ungerechten Menschen war, sondern es lag in mir selber, beispielsweise in der mangelnden Bereitschaft Unrecht erdulden zu wollen. Meine Beweggründe mögen richtig gewesen sein, aber meine Reaktion war es nicht. Im Grunde konnte meine gesamte Haltung nicht vor Gott bestehen. In der Schrift lesen wir: "Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?" 1. Kor. 6,7. Ja, es fällt uns schwer, vermeintliches Unrecht zu erdulden. Gott aber weiß Seine Kinder zu erziehen.

Gott hat viele unangenehme Situationen gebraucht, um mir zu zeigen was in mir noch vom alten Wesen steckte. Dafür bin ich Ihm sehr dankbar. Er hat auch viele Mittel und Wege gebraucht, um mich zu demütigen. So wird man gerüstet für weitere Kämpfe, die nicht ausbleiben. Gott ist mit mir längst noch nicht am Ende, aber Er hat Sein Werk. "Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt«. Alle Züchtigung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit" Hebr 12,6.11.

Mögen mir diese Worte nicht als Hochmut unterstellt werden, sondern auch als Erfahrung der Verheißung, "dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind" Röm 8,28.


Liebe Grüße,
José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

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Beitragvon Jörg » 29.12.2010 05:43

Lieber José,

was mich stört, daß es sich bei vielen Christen so anhört, als ob Zorn gleich Sünde ist! Das ist nicht gemäß Epheser 4, 26 "Zürnt ihr, so sündigt nicht" (hier steht nicht: "zürnt ihr, so sündigt ihr"!). Zorn kann sehr leicht zur Sünde werden, ist aber gemäß Paulus nicht automatisch Sünde!

Fazit: Manche Christen wollen frömmer sein als Paulus!

Gruß

Jörg
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Beitragvon Silke » 29.12.2010 10:21

Hallo Jörg,

eben habe ich den Beitrag gelesen, wo du nochmal auf meinen Beitrag eingehst. Da ich deine Situation nicht kenne, wusste ich natürlich nicht, worauf du hinauswolltest. Die andere Situation kenne ich ein Stück weit auch, allerdings, denke ich, ist es nicht immer unsere Aufgabe, das Unrecht aufzudecken. Gott wird für Gerechtigkeit sorgen.

Silke :o)
so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott! (2Kor 5,20)

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Re: Umgang mit Zorn und Wut

Beitragvon Jose » 29.12.2010 12:20

Lieber Jörg,
ich habe bereits einige Christen im Zorn erlebt, einschließlich Prediger, und ich erkannte darin weder Gerechtigkeit noch Liebe. Ich sah nur Mauern, die zwischen Menschen aufgerichtet wurden und die fehlende Fähigkeit, Widersacher in Sanftmut zurechtzuweisen (s. 2. Tim. 2,25).

Jörg hat geschrieben:was mich stört, daß es sich bei vielen Christen so anhört, als ob Zorn gleich Sünde ist!

Das würde ich so pauschal nie wagen zu behaupten, aber in einem meiner ersten Beiträge hier im Forum, Lieber ohne Zorn, habe ich bereits meine Meinung zu dem Thema geschrieben.

Jörg hat geschrieben:Fazit: Manche Christen wollen frömmer sein als Paulus!

Fazit von was? Ich habe leider den Zusammenhang wohl nicht ganz verstanden. Schon damals wollten manche Christen so fromm sein wie Paulus und das war schlimm genug. Ich bin nicht Jesus, der die Händler aus dem Tempel hinaus trieb. Auch mit Paulus werde ich mich nie vergleichen können. Gottes Wort sagt aber ganz allgemein: "Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit" Jak 1,20, und dies ist auch meine Feststellung, was mich anbetrifft, denn oft hatte ich hinterher Schuldgefühle.

Vielleicht habe ich dich durch manche Beiträge bereits zum Zorn gereizt, ich darf dir aber versichern, dass es nie meine Absicht war. Mein Bemühen ist, mich nicht über manche Beiträge zu ereifern, aber traurig war ich schon oft.

Du hast die Bibelstelle Epheser 4,26 erwähnt: "Zürnet, und sündigt dabei nicht!", aber leider nur den ersten Teil erwähnt. Mich bewegt viel mehr der zweite Teil: "Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn". Halten wir es immer ein? Im folgenden Vers heißt es sogar: "und gebt dem Teufel keinen Raum!" Eph 4,27. Das ist für mich persönlich eine ernste Warnung.


Ich wünsche dir einen sehr gesegneten Jahresausklang und freue mich weiterhin auf ermunternde Beiträge, wie z.B. unter Andachten zu den Johannesbriefen. Danke dafür!

In Jesus verbunden,
José
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Umgang mit Zorn und Wut (Paulus und Eph. 4,26f)

Beitragvon Jose » 31.12.2010 16:51

Als ich heute Morgen erwachte und über vieles nachdachte, bewegte ich auch dieses Thema in meinem Herzen. Was hatte wohl Paulus veranlasst, diese Worte zu schreiben? Oftmals lernen wir aus Erfahrungen, aus Fehlern anderer und oft auch aus eigenen Fehlern.

Nicht zum ersten Mal stand der Streit zwischen Paulus und Barnabas vor mir. Dies ist eine der Begebenheiten im NT die mich sehr traurig macht: "Es entstand nun eine Erbitterung, so dass sie sich voneinander trennten und Barnabas den Markus mitnahm und nach Zypern segelte. Paulus aber wählte sich Silas und zog aus, von den Brüdern der Gnade Gottes befohlen" Apg 15,39-40. Die, welche unter Gebet und Handauflegung durch die Gemeinde, vom Heiligen Geist ausgesandt worden waren (Apg 13,2-4), trennten sich im Streit. Die Streitursache war Markus gewesen, den Barnabas auf die 2. Missionsreise erneut mitnehmen wollte. Paulus war dagegen, weil Markus auf der 1. Missionsreise vorzeitig ausstieg.

Die Bedenken des Paulus, Markus nicht wieder mitzunehmen, kann ich verstehen. Aber ich kann das Verhalten der beiden Brüder nicht gut heißen, denn daraus entstand eine Erbitterung. Wir lesen auch nichts davon, dass sie darüber gebetet oder Gott um Weisung gebeten hätten. Mit einer sehr lieben Schwester habe ich mal hierüber gesprochen und sie meinte auch, dass hier Paulus und Barnabas falsch gehandelt hätten. Ich teile nicht die Auffassung, dass Paulus im Recht gewesen sei, weil danach in der Apostelgeschichte nur von ihm die Rede sei.

Es geht überhaupt nicht immer nur um Recht, es geht um unser Zeugnis. Erbitterung geziemt sich nicht zwischen Brüdern. Das ist dem Teufel Raum geben, wie es Paulus später in Epheser 4,27 schreibt, vielleicht noch unter dem Eindruck dieses Erlebnis. Wie dankbar bin ich über das Zeugnis Paulus über Markus in einem späteren Brief: "Nimm Markus und bringe ihn mit dir! Denn er ist mir nützlich zum Dienst" 2. Tim 4,11. Gott hatte Markus bewahrt und nützlich zum Dienst gemacht.

Was wäre wohl ohne den Dienst Barnabas aus Markus geworden? Vielleicht hätte er sich, entmutigt und abgelehnt, vom Glauben abgewandt. Ich bin überzeugt, dass Barnabas einen wichtigen Dienst an Markus tat, auch wenn von Barnabas nicht mehr viel die Rede ist. Er hieß eigentlich Josef, wurde aber von den Aposteln Barnabas genannt, was übersetzt heißt: Sohn des Trostes (Apg. 4,36). Überrascht hat mich das ungewöhnliche Zeugnis über ihn, dass er "ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens war" (Apg. 11,24). Gott hat ihn sicherlich als Werkzeug gebraucht, im oftmals stillen seelsorgerlichen Dienst an Markus und viele andere.

Wie viele suchende, aber schwache Menschen, mögen in unseren Tagen durch die harten Worte anderer, "erschlagen" worden sein? Auch ich habe schon viele harte Worte gebraucht, wo die Liebe fehlte. Daher, lieber ohne Zorn, aber auch ohne Heuchelei.

Gottes Segen für 2011: Die Liebe sei ungeheuchelt! Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Röm 12,9.

Liebe Grüße,
José
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Nicht allein Hörer sondern Täter des Wortes zu sein

Beitragvon Jose » 06.01.2011 15:49

Vorhin habe ich in eine Predigt das Wort aus Jakobus 1,19-22 gehört:

"Ihr wisst doch, meine geliebten Brüder: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn! Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit. Deshalb legt ab alle Unsauberkeit und das Übermaß der Schlechtigkeit, und nehmt das eingepflanzte Wort mit Sanftmut auf, das eure Seelen zu retten vermag! Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen!" Jak 1,19-22.

Wie wichtig ist es, wenn wir das Wort hören, es zuerst schnell und aufrichtig im Herzen zu bewegen. Und wenn der Herr uns Seinen Willen offenbart hat, dann auch Täter des Wortes zu sein. Zuweilen regen wir uns sehr schnell über ein Wort auf, dabei begeben wir uns in die Gefahr, uns dem Reden Gottes zu verschließen. Diese Worte rufe ich mir selber zu.

José
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